Das Grauen der fossilen Welt nach Transfer Patras-Venedig auf einer nicht minder stinkenden griechischen Fähre.

Das Grauen der fossilen Welt nach einem Transfer von Patras nach Venedig auf einer nicht minder stinkenden griechischen Fähre.

Jörg Schindler hat im folgenden ganz frisch einige Gedanken zu dieser Frage formuliert. 

Er spricht von reinen Batterieautos (E-Autos), die ihre Energie durch Aufladen der Batterie aus dem Stromnetz beziehen. 

Nicht nur nach Lektüre dieses Artikel gibt es eigentlich nur einen Schluss. Wir müssen unsere Mobilität gründlich überdenken und verändern. Veränderung jedoch geht in unserer Gesellschaft nur von „unten“ wie zum Beispiel durch Graswurzelbewegungen.

Wir starten am 4./5. Januar 2106 mit einem ersten Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ in Unterhaching – AktMobCmp.

Jetzt zum Artikel von Jörg Schindler:

Der Beitrag von E-Autos zur Emissionsminderung und zur Reduzierung der Ölabhängigkeit

Ein Technologiewechsel für die Antriebstechnik und die Kraftstoffe der Automobile ist unvermeidlich aus einer Vielzahl von Gründen:

  1. Die Städte ersticken buchstäblich unter den Abgasen des Autoverkehrs, nicht nur in China.
  2. Mittel- und längerfristig ist der Abschied vom Öl wegen seiner in Zukunft stetig abnehmenden Verfügbarkeit – und damit der Abschied vom Verbrennungsmotor – unvermeidlich.
  3. Dieser Abschied sollte aus Gründen des Klimaschutzes möglichst schnell erfolgen. Aus diesen Gründen ist ein Technologiewechsel vom Verbrennungsmotor hin zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen notwendig und sinnvoll.

Unstrittig ist daher das Ziel sinnvoll, die Zahl (und/oder den Ölverbrauch) der mit Öl betriebenen Autos schnell und deutlich zu reduzieren. E-Autos emittieren lokal keine Schadstoffe und leisten damit einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität am Ort ihres Betriebes. Die globalen Emissionen sind jedoch nicht ebenfalls Null, sondern hängen ab von der Art der Stromerzeugung. In Deutschland ist die Stromerzeugung noch zu einem erheblichen Anteil fossil (Steinkohle und Braunkohle neben Erdgas) und produziert im Kraftwerk erhebliche lokal wirkende Schadstoffemissionen und global wirksame Emissionen von Treibhausgasen. Beim gegenwärtigen Mix der Stromerzeugung in Deutschland sind E-Autos „emission elsewhere Fahrzeuge“. Die Treibhausgasemissionen werden gegenwärtig nicht reduziert.

Bezüglich Ressourcenverfügbarkeit und Treibhausgasemissionen machen E-Autos nur Sinn, wenn sie von einem durchgreifenden Wechsel der Primärenergiequellen von fossil zu erneuerbar in der Stromerzeugung begleitet werden.

Der Beitrag von E-Autos zur Verbesserung der Lebensqualität im urbanen Raum

Abgesehen von der Emissionsminderung vor Ort: Kein Beitrag. Im öffentlichen Raum dominiert auch mit E-Autos nach wie vor der motorisierte Individualverkehr und seine bisherige politische Priorisierung bleibt unverändert. Die geplante Öffnung von Bus-Spuren für E-Autos verstärkt diese Tendenz sogar noch. Autos besetzen nach wie vor den öffentlichen Raum. Die selbstbestimmten Mobilitätschancen für Kinder und Menschen ohne Autobesitz verbessern sich nicht. Keine Förderung – geschweige denn Priorisierung – der aktiven Mobilität.

Die sozialen und industriepolitischen Aspekte

Der Übergang zu E-Autos bewirkt keine Verbesserung der Mobilitätschancen aller Menschen, die nicht über ein Auto verfügen. Bei der diskutierten Förderung des Kaufs von Batterieautos stehen industriepolitische Aspekte im Vordergrund – der Übergang auf sauberere Antriebe soll der Industrie nicht weh tun. Zielführender sind die Besteuerung nach CO2-Ausstoß und anderen Schadstoffen. Zudem ebenfalls offensichtlich notwendig ist der Abbau der Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff (wie jetzt in Frankreich bis 2020 geplant) und die radikale Sperrung der Innenstädte für Autos mit gesundheitsgefährdenden Emissionen.

Die Liste wirksamer Maßnahmen lässt sich fast beliebig verlängern (Stichwort Tempolimit). Im übrigen gibt es die relativ sauberen kleinen konventionellen Autos ja schon (etwa Fahrzeuge mit weniger als 95 g CO2 auf 100 km). Diese Fahrzeuge will man den Dienstwagenfahrern, dem Durchschnittsautofahrer und der deutschen Autoindustrie aber als Vorgabe nicht zumuten. Mit einer angedachten Subvention von 5.000 Euro für den Kauf eines E-Autos könnte man drei Harz IV Empfängern je ein Pedelec schenken und damit die Mobilitätschancen benachteiligter Gruppen entscheidend erhöhen. (Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum solche Alternativen der Verwendung öffentlicher Mittel nicht einmal erwogen werden.)

Mit der zunehmend verzweifelter werdenden Förderung von E-Autos (angesichts der offensichtlichen Erfolglosigkeit im Markt) werden durch die einseitige Propagierung der Lösung von morgen die heute schon möglichen und aktuell wesentlich effektiveren Lösungen verdeckt und damit faktisch ignoriert und aus der politischen Debatte herausgehalten. So unterbleibt, was mit viel größerer Wirkung heute getan werden könnte und müsste.

Gefangen im Paradigma des fossilen Verkehrs

Nach wie vor gilt: Motorisiert ist besser als nichtmotorisiert. Die Strukturen sollen so bleiben, allein die Technologie soll verbessert werden. Nachhaltigkeit als add-on (wie die Schlagsahne auf dem Zwetschgendatschi…)

Es zeigt sich das immer gleiche Muster: Politische Alternativen werden nicht explizit gemacht, sondern als technologische Probleme umdefiniert, für die eine technische Lösung gefunden werden muss. E-Autos als die Lösung aller urbanen umweltrelevanten Verkehrsprobleme.

Ein anderes Beispiel für die Verdrängung politischer Lösungen: Die mögliche (Um-)Verteilung des öffentlichen (Straßen-)Raums wird möglichst nicht thematisiert – außer wo es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, wie in München in der Rosenheimer Straße.

Der notwendige Übergang zur postfossilen Mobilität ist wesentlich weitreichender

Saubere Antriebe und der Übergang auf erneuerbare Energiequellen für den motorisierten Verkehr sind eine Notwendigkeit. Aber das allein löst bei weitem nicht alle Probleme des modernen Verkehrs.

Abnehmende Rohölverfügbarkeit und langfristig teurer werdende Energie werden den Raumwiderstand erhöhen, das heißt den ökonomischen, zeitlichen und emotionalen Aufwand für den Ortswechsel von A nach B mit motorisierten Verkehrsmitteln auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft. Durch den steigenden Raumwiderstand rückt die Nähe näher und die Ferne ferner. Erreichbarkeiten in der Nähe werden daher zunehmend wichtiger als Erreichbarkeiten in der Ferne.

Unstrittig sind effiziente Verkehrsmittel in diesem Kontext eine Notwendigkeit. Aber mindestens so wichtig sind effiziente Raum- und Siedlungsstrukturen, die den Verkehrsaufwand für die Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse der Menschen minimieren. Dieser Strukturwandel wird durch Aktive Mobilität ermöglicht und gefördert. In gleichem Maße nimmt der Bedarf an motorisiertem Individualverkehr ab.

Warum Aktive Mobilität unser Thema ist und das richtige Thema ist

Nahmobilität in urbanen Strukturen mit kurzen Wegen ist die Lösung vieler Verkehrs- und Umweltprobleme, wenn die Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können und auch tatsächlich auf diese Weise zurückgelegt werden. Das ist es, was mit Aktiver Mobilität gemeint ist.

Das erhöht die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit im öffentlichen Raum. Es schafft gleiche Mobilitätschancen für alle Bevölkerungsgruppen. Und es fördert die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen.

Neubiberg, 28. Oktober 2015

Zum Autor:
Jörg Schindler war langjähriger Geschäftsführer der LBST (Ludwig-Bölkow-Systemtechnik) und ist jetzt im Vorstand der ASPO Deutschland e.V.. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Zukunftsthemen im Energie-Bereich. So ist er auch bekannt aufgrund zahlreicher Veröffentlichungen und als Mitautor einer Reihe von Fach-Büchern.

Einen herzlichen Dank an unseren Gastautor Jörg Schindler.

RMD

P.S.
Kommt zum ersten Barcamp für Aktive Mobilität im Alltag!

P.S.1
Das Bild ist ein „eigenes Werk“. Ich gebe es unter Common Licence frei, es kann deren Regeln folgend beliebig verwendet werden.

Gastautor(en)
Dienstag, der 6. Oktober 2015

Mein Freund, der Softwarebetrüger …

Gestern bekam ich Post von Hans Bonfigt. Hans schätze ich als exzellenten SW- und IT-Mann. Er ist ein Provokateur, bekannt für seine Unbeugsamkeit und drastische Sprache. Er hat mir heute Morgen geschrieben:

Lieber Roland, ich hoffe, es geht Ihnen gut!

Ihren Kommentar zur VW-Affäre und Ihre Vermutung, daß es ein Novum sei, daß Software zur Manipulation verwendet wird, habe ich neulich im Forum beantworten wollen. Auf einer längeren Zugreise habe ich, unsortiert, einige Beobachtungen in mein Blackberry gekippt. Was insgesamt dabei herausgekommen ist, hat mich selber entsetzt.

Auch wenn ich mir damit schade und es mit 55 Jahren für eine Lebensbeichte noch zu früh ist: Hier ein Gastbeitrag für IF-Blog.

Ihr Hans Bonfigt

Ich, der Softwarebetrüger.

betrugDer relevante Teil meines ganzen Lebens ist in einem Satz geschildert: Ich habe, oft erfolgreich, grundlegende Erkenntnisse von Wissenschaftlern wie Newton, Gauß, Boltzmann, Steiner, Euler und Shannon kombiniert mit dem Fachwissen meiner Kunden, um daraus Programme zu gestalten, die dem Fachmann helfen sollten, ihre Arbeit effizienter zu erledigen.

So, mit genau diesem Paradigma ganz bewußt im Kopf, habe ich 1980 angefangen, Software zu entwickeln – zum Berechnen von Elektromotoren, Parabelfedern oder Hebebühnen, zum Regeln von Temperatur, Durchlaß, Druck und Lage.

Es hätte gerne ewig so weitergehen können …

Schon in den 70er Jahren amüsierte sich mein alter Herr über das „akademische Proletariat“ und verwies auf eine Karikatur in der FAZ, Verlierertyp mit Doktorhut hält dekadentem Opernpublikum die Türe auf und untendrunter stand, „Dr. rer. pol. Rolf Wüllweber, Doktorarbeit bei Professor Steiner, ‚Die soziokulturelle Bedeutung des Lodenmantels unter besonderer Berücksichtigung der späten Weimarer Republik im Lichte der heutigen Erkenntnisse zur Sozioanisotrophie und Abstraktionsanalyse‘. Er hätte doch besser auf Professor Steiner gehört, als dieser ihm eröffnete, „Wüllweber, mit dieser Doktorarbeit können Sie bestenfalls Türsteher werden“.

Jeder studierte plötzlich irgendetwas und keiner konnte die affektierten Pseudo-Theoretiker zu irgendetwas gebrauchen. Zu anständiger Arbeit waren die hohlen Nüsse nicht zu gebrauchen, also schlichen sie sich in den Betrieben durch die Instanzen: Dokumentation, „Kommunikationsabteilung“, interne Regularien (Anmerkung des Lektographen: oder Produktplanung) …

Bei Siemens soll diese Spezies sogar eine „Grußordnung“ hervorgebracht haben, wer, in Abhängigkeit von Ort, Tageszeit und „Dienstgrad“ wen zuerst zu grüßen hätte (Noch eine Anmerkung des Lektographen: Mir war zumindest die Regulierung bekannt, welcher Dienstrang einen Anspruch auf Vorhänge im Büro hat …).

Dann aber brach etwas über uns herein, was man „QM“ nannte, „Qualitäts-Management“.

Keiner wollte es und jedes Unternehmen, das ich gut kenne, resümiert freimütig, daß sich die Qualität seiner Produkte mit der Einführung von Qualitäts-Management nachhaltig verschlechtert habe. Nun gibt es mindestens zwei Methoden, mit so etwas umzugehen:

Die Russen und die Italiener beispielsweise pappten einfach ihre DIN/ISO-Plaketten auf ihre Produkte und gut war es – genau wie die UL- und CE-Zeichen. In Deutschland geht so etwas nicht. Da wurden Hunderttausende Flachpfeifen, die nie im Leben gearbeitet hatten, zu ‚Qualitätsbeauftragten‘ „ausgebildet“, die in der Folge die abstrusesten Regularien verfaßten, die mit dem Verwendungszweck des Endproduktes nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hatten, aber die Produktion weiter verteuerten und so den Standortnachteil Deutschlands weiter verschlechterten.

Kein Unternehmen hält einen phantasielosen Technokraten länger als 5 Jahre aus (VW und Carl H. Hahn lassen wir zunächst einmal außen vor), und so wanderten die Schaumschläger nach dem Prinzip ‚promoveatur ut amoveatur‘ in die Vorstände und, schlimmer noch, als lobby-affine Lakaien in alle möglichen Normungsausschüsse. Und so entstanden Werke wie die „DIN EN 1570“, mit der ich mich beruflich einige Zeit herumschlagen mußte: Viel zu spezifisch in Details, viel zu schwammig bei wichtigen Kriterien.

Und hier begann mein persönlicher Sündenfall:

Weil mich die Norm maßlos ärgerte, begann ich, sie bewußt fehl zu interpretieren und die zahlreichen Lücken auszunutzen. Denn der inner- und außer-europäische Wettbewerb schiß einen dicken Haufen auf die tolle neue Euronorm – die Produkte meines Kunden aber wurden danach geprüft. Früher war ich stolz darauf, daß meine Algorithmen ein Modell der Wirklichkeit waren – jetzt ‚frisierte‘ ich dieses Modell, indem ich Definitionslücken ausnutze.

Und während ich dies schreibe, wird mir auf einmal klar, daß ich schon viel früher angefangen habe, anstatt eines Abbildes der Wirklichkeit ein Wunschbild zu schaffen.

Da war zum Beispiel der Spediteur, den Polizei und Ordnungsbehörden notorisch „auf dem Kieker“ hatten: Regelmäßig schickten sie ihm Prüfer ins Haus, die sich die der Archivierungspflicht unterliegenden Fahrtenschreiber-Scheiben einmal ganz genau anguckten. Bei einem Verstoß kamen sowohl der Fahrer als auch der Spediteur „dran“, und es sprach sich herum, „Bei W. solltest Du nicht arbeiten, wenn Du deinen Führerschein behalten willst“.

Was soll ich sagen, ich pflegte gute Beziehungen zu KIENZLE, besorgte mir einen Tachographen, modifizierte ihn so, daß er eine V.24 – Schnittstelle erhielt und entwarf ein Computerprogramm, welches Datum, Km-Stände, Start- und Zielort erwartete und dann eine StVo-konforme Scheibe „nachkartete“.

Für das gleiche Gewerbe entwickelten wir andere Geräte, die die Verkehrssicherheit signifikant erhöhten: Wer wäre nicht einmal beinahe oder tatsächlich auf seinen Vordermann aufgefahren, weil dieser in Panik beim Anblick einer Radarfalle eine Vollbremsung hingelegt hatte? Mit unserem aktiven RadarJammer konnte man mit unverminderter Geschwindgkeit durch rauschen, denn der störte die damaligen „Multanova 6F“ und „Traffipax“ durch Interferenz.

Als die unsäglichen „Intrastat“ – Meldungen für viele Unternehmen zur Pflicht wurden, waren wir es, die ein Modul für die damalige Auswertungssoftware „CBS/IRIS“ schrieben, welches die Statistiker mit reinen Zufallszahlen bediente. Besonders stolz waren wir darauf, daß wir optional per Laserdrucker auf Formularen drucken konnten, welche von Saarlouis angefordert werden mußten, wenn ich mich recht erinnere. Eigentlich sollte nach Warengruppen verdichtet werden, mußte aber nicht. Und so schickten viele unserer Kunden kistenweise Formblätter an die Statistikbehörde, die allerdings mit unterschiedlichsten Fonts und natürlich dunkelgerastertem Hintergrund von keinem OCR-System der Welt hätten gelesen werden können.

Wir bieten auch Lösungen für den „Elektronischen Gelangensnachweis“ und das „reverse charging“ – Umsatzsteuerverfahren an, aber darüber kann ich aus Aktualitätsgründen nicht berichten. Und so muß ich, im letzten Drittel meiner beruflichen Laufbahn angekommen, zu meinem eigenen Entsetzen feststellen, daß ein Drittel meiner „Werke“ die Umgehung von Bürokratismen zum Ziel hatten – vornehm ausgedrückt.

Natürlich habe ich für die Betrügerei eine Motivation: Wenn zum Beispiel die EU-Finanzminister über „kriminelle Umsatzsteuer-Karusselle“ schwadronieren, dann, bitte sehr – schafft die alberne Umsatzsteuer doch einfach ab, entlastet die Unternehmen erheblich und erhebt die Steuer dort, wo sie faktisch und ausschließlich erhoben wird: Beim berühmten „Mann auf der Straße“. Was passiert stattdessen: Die ohnehin komplizierte und komplexe Umsatzsteuerregelung wird, nebenbei ohne Rechtsgrundlage, um weitere Schikanen ergänzt, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen weiter einschränken.

Hier ist ziviler Ungehorsam erste Bürgerpflicht!

Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, die ich an einem realen Beispiel darstellen möchte: Es ist so gut wie unmöglich, einen bestimmten Federtyp mit einer Toleranz von weniger als 15% zu bauen – die innere Reibung ist zu hoch und schon beim Einbau verändert sich der Durchmesser und damit die Federrate. Ich kann den Typ der Feder nicht nennen, denn damit könnte man Rückschlüsse auf den Abnehmer ziehen. Jeder weiß, daß die Norm idiotisch, die geforderte Genauigkeit unnötig und der Lastfall völlig unrealistisch ist – und so kommt regelmäßig ein Qualitätskontrolleur des Endkunden zur Abnahme, moniert den Teil der Federn, die außerhalb der Toleranz liegen, kassiert sein Schmiergeld und verschwindet.

Das Schlimme ist, finde ich, die lächerliche Höhe des Schmiergeldes, die typischerweise aus einer Kiste billigsten Fusels besteht. Ich habe die Kiste selbst gesehen, mir aber das Probieren geschenkt. Denn: Dieser Abnahmelakai verrät sich und seinen Job auch für wirklich sicherheitsrelevante Fahrwerkskomponenten, deren Eigenschaften tunlichst im Toleranzbereich liegen sollten, um folgenschwere Unfälle zu vermeiden.

Mundus vult decipi, ergo decipiatur — anders ist der VW – „Skandal“ nun wirklich nicht mehr erklärbar. VW hat immer schon betrogen, und zwar auf besonders plumpe Weise. Ich habe meine Hände nie mit Produkten von VW beschmutzt, denn VW beleidigt die Intelligenz eines jeden mündigen Menschen.

Erinnern wir uns an die Mitte der 80er Jahre: Während BMW und Mercedes ordentliche Abgasreingungssysteme in ihre Fahrzeuge einbauten, beispielsweise eine luftmassengesteuerte BOSCH – Motronik mit Lambda-Regelung, welche unter allen Betriebszuständen ein stöchiometrisches Gemisch lieferte, hielt VW an der mechanischen Primitiveinspritzug mit Stauscheibe und Mengenteiler fest. Der Konzern verkündete stolz, „Wir fahren aus Überzeugung ohne Katalysator“ und für die unbeugsame Klientel, die trotzdem einen haben wollte, gab es, für jedermann an der Steuerkulisse der Drosselklappe sichtbar, einen Vollast-Anreicherungsschalter.

Wenn der Führer nun seinem „Kraft-durch-Freude-Wagen“ einmal ordentlich die Hacken gab, dann wurde, per Vollastanreicherung, das Kraftstoff/Luft – Gemisch überfettet, damit die primitiven, an der untersten Schamgrenze kosten-„optimierten“ Proletentreiblinge nicht wegen Überhitzung kollabierten. Nun landete unverbrannter Kraftstoff im Katalysator, welcher die Wirkoberfläche eines Fußballfeldes hat. Ging der VW-Fahrer nun wieder in den Teillastbetrieb zurück, konnte Sauerstoff in den mit Kraftstoff gesättigten Katalysator gelangen. Der Keramikträger war wegen seiner geringen spezifischen Wärme nicht in der Lage, die Energie der stark exothermen Reaktion abzuführen und so verdampfte die Platinschicht.

Nach wenigen tausend Kilometern war ein VW-Katalysator komplett im Eimer – und jeder wußte das! Aber damit nicht genug: Durch gezielte Lobbyarbeit, nicht nur von VW, wurde erreicht, daß es keine Abgasuntersuchung für Katalysator-Fahrzeuge gab – eine unglaubliche Farce, die aber niemand bemerkte.

Mit fassungslosem Erstaunen sah ich 1988 in Kalifornien einen Volkswagen mit einer ordentlichen Einspritzanlage. Auf Rückfrage erfuhr ich von einem VW-Mitarbeiter: „Ja, natürlich wissen wir, daß unsere Einspritzung Schrott ist. Deshalb reduzieren wir bei den amerikanischen Modellen die Leistung und bauen eine Einspritzanlage ein, die auch etwas taugt: Denn in Kalifornien werden die Autos geprüft und wenn der Katalysator kaputtgeht, müssen wir kostenfrei nachrüsten“.

Und nun sage mir keiner, er könnte das nicht wissen, denn fast alles, was ich schrieb, ging durch die Tagespresse. Lutz „Luigi“ Colani ließ sich seinerzeit zu dem Bonmot hinreißen, „VW ist ein Misthaufen, auf dem der [Carl H.] Hahn sitzt“. Jeder intelligente Mensch, der es wissen wollte, wußte: VW ist das automobile Pendant zu Microsoft, für Menschen ohne Kultur, Verstand, Geschmack und eigenes Urteilsvermögen.

Gemessen an dem geschilderten Betrug ist die aktuelle Affäre doch eigentlich lächerlich: Es wird eine praxisfremde Vorschrift erlassen und VW genügt dieser Vorschrift mit einem praxisfremden Verhalten im Test. Der Test ist doch bestanden — so what?

Wie weit wir heruntergekommen sind, mag man daran ersehen, daß „Audi“ mittlerweile „Sounddesign“ – Geräuscherzeuger in Auspuffnähe einbaut, die, außer Platz und Gewicht zu verbrauchen, zu nix anderes gut sind als einen „vollen Sound“ zu produzieren. Weil sich der typische AUDIot mit Attrappen zufrieden gibt.

Solche Idioten zu bescheißen – da hätte ich keinerlei Skrupel — mundus vult decipi. Wobei ich insgeheim hoffe, daß meine Manipulation nicht entdeckt worden wäre.

Im Auftrag von Hans Bonfigt im Wortlaut veröffentlicht. Und Dank an Hans für seinen Beitrag!

Gastautor(en)
Mittwoch, der 19. Februar 2014

Die Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum

Der Aktienmarkt lebt von guten Nachrichten und der Hoffnung, dass noch mehr verdient werden kann, so dass die börsennotierten Unternehmen ständig Ergebnisverbesserungen liefern müssen, damit die Kurse den Erwartungen der Anleger und den Versprechungen der Fondmanager folgen. Dazu braucht es durchschaubare Strategien und eine optimistische Ergebnisplanung.

Ein ständig neuer Schub muss erfolgen, sei es beim Umsatz, beim Gewinn oder durch die Übernahme eines Konkurrenten, um den Marktanteil zu vergrößern. Abweichungen vomPlan (Gewinnwarnungen) sorgen dagegen für schlechte Schlagzeilen und Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten. Der Unternehmer oder Manager muss ständig „ein neues Kaninchen aus dem Hut ziehen“, sonst verlieren die Anlagespezialisten die Geduld.

In der ‚New Economy’ wuchs die Bedeutung der Planung stark und das Vokabular der neo-liberalen Wirtschaftsprägung führte die entsprechenden Begriffe als festen Bestandteil von Nachrichten und Betriebsführung ein: „Businessplan, Strategy Planning, Perfomance, Shareholder Value, Profits, Annual Groth, Contolling“ und „WinWin – Situation“.

War die langfristige Ergebnisplanung und Planungskontrolle hauptsächlich auf Großunternehmen beschränkt, breitet sich dieses Denken nun auch in Mittelstandsbetrieben aus.

Das lieferte mir als Geschäftsführer einer Mittelstandsniederlassung den Anlass, der Planung und ihren Begleitern, dem Irrtum und dem Zufall, kritische Aufmerksamkeit zu widmen. Der Zusammenhang und der Auswirkung von Planung in Klein- und Mittelstandsindustrie mit der um sich greifenden Sammlung von Daten soll beleuchtet werden.

Planung

Bei Wikipedia kann man über Planung nachlesen: „Planung beschreibt die menschliche Fähigkeit die gedankliche Vorwegnahme von Handlungsschritten, die zur Erreichung eines Zieles notwendig scheinen. Dabei entsteht ein Plan, gemeinhin als eine zeitlich geordnete Menge von Daten.“

Zufall

Über den Zufall schreibt Wikipedia: „Von Zufall spricht man dann, wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Als kausale Erklärungen für Ereignisse kommen in erster Linie allgemeine Gesetzmäßigkeiten oder Absichten handelnder Personen in Frage. Die Erklärung Zufall ist also gerade der Verzicht auf eine (kausale) Erklärung.“

Irrtum

Den Irrtum definierte jemand bei Wikipedia folgendermaßen: „Der Irrtum bezeichnet im engeren Sinne eine falsche Annahme, Behauptung, Meinung oder einen falschen Glauben, wobei der Behauptende, Meinende oder Glaubende jeweils von der Wahrheit seiner Aussage(n) überzeugt ist.“

Die Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.

Planung in der Geschichte

Die ersten Menschengruppen oder Horden streiften auf Nahrungssuche umher, folgten den Tierherden oder zogen in die Welt hinaus auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen. Diese Wanderungen wurden durch Mangel ausgelöst und folgten keiner Strategie. Von einer langfristigen Lebensplanung ist nichts bekannt oder überliefert.

Ackerbau dagegen verlangt Ordnung und Organisation, also Planung.

Nach dem ersten Schritt zur Gründung von Siedlungen ging es über die Städtebildung weiter zur Staatenbildung, also das, was wir allgemein hin als Zivilisation bezeichnen. Die Zivilisation kommt nicht ohne Planung aus.

Meister der frühen Zivilisationen waren die Mesopotamier und die Chinesen, deren Können wir noch heute bewundern, z.B. das mesopotamische Bewässerungssystem und die chinesische Mauer(n). Zu Planungsgenies entwickelten sich die Römer, die uns zahlreiche und nachhaltigen Zeugnisse ihrer strategischen Besiedelung lieferten. Man kann mit Recht sagen, dass die geplante Durchführung einer Volkszählung im römischen Machtbereich die Welt bis heute beeinflusst.

Die Planung wurde zum Grundpfeiler der modernen Welt.

Planung soll Zufälle eigentlich ausschließen

Man kann darüber diskutieren, wann die Planung ins Geschäftsleben einzog. Wir wissen, dass die Sumerer kaufmännische Vorgänge auf Tontafeln festhielten. Die Phönizier, das antike Händlervolk, entwickelte mit einem vereinfachten Alphabet auf dem Papyrus den entscheidenden Fortschritt für die Geschäftsplanung. Persönlich halte ich die Einführung der doppelten Buchführung für den Grundstein der modernen Geschäftsführung. In der Buchhaltung haben Unwägbarkeiten, Unstimmigkeiten, Zufälle oder gar Irrtümer keinen Platz. Ein Geschäftsverlauf muss nachvollziehbar sein und das Bilanzergebnis genau, um darauf eine zuverlässige Planung aufzubauen.

Aber ein Zufall kann die Pläne ändern

Eine zuverlässige Buchhaltung ist notwendig, aber äußere Einflüsse, wie Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen oder Absichten handelnder Personen, können Planungen verändern oder zunichte machen. Das ist der Alptraum jedes Geschäftsmannes oder Geschäftsfrau, dass nicht kausale Zusammenhänge die Zielsetzungen verhindern. Doch ist der Zufall auch ein Anlass, die Planung neu zu durchdenken oder die Richtung der Planung zu korrigieren.

Bei Übertreibung wird Wohltat zur Plage

Die Ordnung regelt Rechte und Pflichten in einer Gruppe von Menschen und Planung ist die gedankliche Vorwegnahme von Handlungsschritten zur Erreichung eines Zieles.

Übertreibt man die Ordnung oder die Disziplin, so führt der bedingungslose Gehorsam schnell in die willenlose Abhängigkeit von anderen.

Übertreibt man die Planung, gerät man ebenfalls in Abhängigkeit und Unterwerfung zum Zweck des Erreichens eines Ziels.

Es ist klar, das aus der Vorwegnahme von Handlungsschritten, der Planung und der Sekundärtugend Ordnung, durch Übertreibung eine unangenehme Lenkung unseres Lebens entstehen kann. Provokant gesagt, die Übertreibung, das-über-das-Ziel-hinausschießen, ist die Plage, die der Planunganhängt.

Planwirtschaft

Bei Planwirtschaft oder Zentralverwaltungswirtschaft denkt man unwillkürlich an die Zeiten der UdSSR und des COMECON, als alle Entscheidungen zum Einsatz von Arbeit, Kapital, Grundbesitz, Produktion von Gütern und Dienstleistungen von einer zentralen Instanz für einen festen Zeitraum von fünf Jahren geplant wurden.

Doch es gab Vordenker zu der Wirtschaftsform der Planwirtschaft bereits in der Antike. Kein geringerer als Platon fasste in seinen „Staatsentwürfen“ die zentrale planmäßige Bewirtschaftung eines Staates zusammen. Auch Jean Jaques Rousseau beschäftigte sich in seinem „Gesellschaftsvertrag“ mit der Planwirtschaft, bevor diese vom Marxismus als fester Bestandteil der Politik realisiert wurde.

Im Kalten Krieg, beim Widerstreit der Ideologien, verunglimpfte der Westen die Planwirtschaft als Mangelwirtschaft. Es wurde sich regelmäßig über die Planabweichungen und Engpässe „im Osten“ mokiert und die Flexibilität der Sozialen oder Freien Marktwirtschaft als überlegen angesehen. Kaum bekannt ist, dass auch Charles de Gaulle nach Kriegsende in Frankreich Fünfjahrespläne einführte, die 1992 ein Ende fanden. Immerhin überlebte die französische Zentralplanung das Ende sozialistische Planwirtschaft (RWG) um ein Jahr.

In meiner Betrachtung möchte ich nicht erörtern, wie weit staatliche Planungen für die Wirtschaft sinnvoll sind. Tatsache ist, dass wir in unseren komplizierten Staatengefügen und Verbindungen ohne Plan und wirtschaftliche Regulierungen nicht auskommen, wollen wir nicht eine einseitige Verteilung von Gütern, Kapital oder Grundbesitz in Kauf nehmen. Aber der Streit über die ideale Planung unserer globalen Wirtschaft ist noch nicht entschieden.

Planung in der New Economy

Auf die Strategie folgt der Businessplan und der Businessplan wird vom Reporting und Controlling begleitet. So machen es uns die Multis mit Erfolg vor.

Ist dieses Model 1 : 1 auf die kleinere Industrie übertragbar?

  • Ja kann die Antwort lauten, wenn es sich um die Fertigung von Serienteilen handelt, deren Menge vorher mit dem Kunden budgetiert wurde und es vor allem auf Präzision, Qualität und Pünktlichkeit ankommt. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Fahrzeugindustrie, die auf Zulieferer unterschiedlicher
    Größe angewiesen ist.
  • Bejahen kann man die Frage ebenfalls, wenn Verbrauchsprodukte wie Schrauben und Werkzeuge gefertigt werden.

In beiden Fällen ist die Planung und Kontrolle unerlässlich.

Anders liegt der Fall im Anlagenbau, wenn Sonderlösungen gefragt sind, denn Industrieanlagen werden nicht in gleichen Serien wie Automobile oder Konserven gefertigt. Hier muss der Zulieferer, der oft ein Mittelständler ist, sich mit seinen Lösungen anpassen.

Die Planung kann die folgenden Eigenschaften NICHT ersetzen: Kommunikation, Spontanität, Kreativität und Beweglichkeit. Diese Funktionen werden täglich gefordert.

Die Weichenstellung zum Irrtum: Die Übertreibung

Wird ein universelles Programm zur Betriebsführung eingeführt, werden gewachsene und eingespielte Teams aufgebrochen, weil diese nicht der Logik des Programms entsprechen. Im Vertrieb und technischer Führung, früher oft in einer Position vereint, können Kommunikation, Spontanität, Kreativität, Beweglichkeit erheblich beeinträchtigt werden.

Eine tiefgehende Strukturierung und Aufgabenaufteilung in planabhängige Einheiten verlangsamt die Arbeit, weil übergreifende Funktionen im Programm schlecht zu vereinen sind.

Der Weg zum Irrtum wird damit noch weiter geebnet, wenn bei Strukturierung und sturer Aufgabenerfüllung nach einem Masterplan übertrieben wird.

In der besten Absicht werden Irrtümer begangen, wenn keine Anpassungen möglich sind, obwohl alles nach dem Lehrbuch und der Planungslogik arrangiert wurde. Der Zufall als Lösungsansatz wurde ausgeklammert.

Oder, um wieder auf unser Thema zurückzukommen: Der Zufall wird vom Irrtum ersetzt.

Beispiele

Ich beschäftige mich hier nur mit kleinen und mittleren Industrieunternehmen. Dort waren die Abläufe vom Verkaufsabschluss bis zur Fertigung und Auslieferung der Ware häufig in wenigen Abteilungen organisiert. Verkaufsabteilung und Auftragsabwicklung wurden in einer Abteilung abgewickelt in enger Zusammenarbeit mit der Konstruktionsabteilung. Der Einkauf war oft separat, sowie die Arbeitsvorbereitung mit der anschließenden Fertigung.

Werden diese Vorgänge von einer Software, einem System übernommen, das alle betrieblichen Vorgänge abwickelt, werden die übergreifenden Arbeiten in Schritte zerlegt, die der Logik der Software entsprechen. Die bisherigen Abteilungen müssen aufgelöst und neue gebildet werden. Ein Auftrag wird in viele Einzelschritte zerlegt, nicht selten passiert ein Auftrag erst sieben oder acht Stationen, bevor bestätigt werden kann. So können drei bis vier Wochen vergehen, bevor die Liefertermine bestätigt werden. Diese Bestätigung kann von dem anvisierten Lieferziel weit entfernt liegen. Das zerrt an den Nerven der Verkäufer. Es müssen immer wieder zeitraubende Nachforschungen darüber angestellt werden, wo der Auftrag gerade im System steht. Eine präzise Auskunft funktioniert leider nicht auf Knopfdruck, was man ob der zentralen Datenbank eigentlich annehmen sollte.

Kritik

Ich erlebe immer wieder, wie Unternehmensberater oder neue Führungskräfte die Strukturen in spezialisierten Klein- und Mittelbetrieben nach dem Vorbild der ‚Großen’ verändern wollen. Das Aufbrechen der alten Strukturen erzeugt hohe Reibungsverluste. Die Planungsaufgaben verschlingen viel Energie und Zeit, um letztendlich auf dem Papier eine modern durchgeplante Unternehmensstruktur zu präsentieren.

Systeme zur betrieblichen Führung, fordern unerbittlich Dateneingaben, die früher erst im Laufe eines Projekts eintrafen und geschmeidig eingefügt wurden. Übergreifende Fähigkeiten werden amputiert, denn die Planung durchläuft eine Struktur, die vom Softwareprogramm vorgeschrieben wurde und die Aufgaben strikt trennt. Die Aufträge wandern durch diese Struktur als Email oder Programmschritt und nicht über persönliche Kommunikation.

Bei diesen Planspielen ist es ist keineswegs sichergestellt, dass der erwünschte Erfolg, die Prozessverschlankung und die Beschleunigung der Abläufe auch erreicht wird. Das Gegenteil ist häufig der Fall. Die Betriebe geraten durch einen größeren Kostenapparat, der durch neue Stellen in der Planung verursacht wurde, unter finanziellen Druck. Die Deckungsbeiträge müssten in gleichem Maß gesteigert werden, um die Kosten zu decken. Neue Produkte, mit höheren Margen müssen dann schnell her, aber die Planung hat ihren eigenen Rhythmus und bremst die Spontanität – eine wahre Zwickmühle.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass eine Planung das Wissen auf technischen oder verkaufstechnischen Gebieten ersetzen kann. Gerade in den Mittelbetrieben kommt es auf fachlich versierte Persönlichkeiten an, die durch ihre Kenntnisse und langjährigen Erfahrungen von Kunden und im Betrieb geachtet werden. Diese brauchen die Unterstützung eines routinierten Stabes. Solche Eigenschaften lassen sich durch keine Planung oder Strukturen ersetzen und diese Personen sind auch nicht einfach austauschbar. Ich habe den Eindruck, dass dies in den „new economy“ Planungsstäben nicht so gesehen wird, sondern eher als suspekt betrachtet wird. Der „Sanierer“ mit plantechnischer Software wird bevorzugt. Fachkenntnisse stehen dabei nicht unbedingt im Vordergrund.

Provokant ist die Behauptung, dass Software, die alle Geschäftsprozesse für Klein- und Mittelbetriebe beinhaltet, eine Übertreibung ist.

Was tun?

Mittelständische Unternehmen im Anlagenbau müssen flexibel bleiben. Planung hat dabei durchaus ihren Platz. Sicher muss die Fertigung effizient gestaltet werden, die Maschinen sollen arbeiten, aber es muss Flexibilität für Ausnahmen bleiben.

Selbstredend müssen Kosten und Ergebnisse zeitnah erfasst werden, aber nicht durch eine große Anzahl von Kontrollberichten, Monatsbilanzen, dreimonatliche Bilanzen, Auftragseingangsplanungen, Contolling, Dreijahresplanungen, aufgeteilt in Produkte und reichlich weitere Tabellen, eine für jedes Problem.

Datenerfassung und Tabellen sind rückwärtsgewandt, aber die Herausforderung liegt in der Zukunft. Da muss Zeit bleiben, über die Zukunft zu philosophieren und Zufällen eine Chance zu geben und nicht im Irrtum zu beharren.

Unser Gastautor ist mir gut bekannt. Aus triftigen Gründen verzichtet er auf die Veröffentlichung seines Namens (RMD)

Gastautor(en)
Dienstag, der 12. November 2013

Beobachtungen eines Neulandreisenden.

Ein Freund hat mir folgende Geschichte „aus dem Internet“ gesendet:

Auf dem Planeten Neuland erhebt sich, umgeben vom Ozean der Kommunikation, der Festlandssockel Transmissio, auch als TCP/IP bekannt. Über diesen Sockel ragen verschiedene Inseln aus dem Wasser des Kommunikationsozeans. Die Bäche und Flüsse der Inseln fließen sämtlich in den Kommunikationsozean, so dass alle miteinander verbunden sind.

Neulandologen haben erforscht, dass der Festlandsockel mitsamt den Inseln aus Schichten aufgebaut sind, die sich im Laufe der Zeit aufgetürmt haben.

Die wichtigsten und größten dieser Inseln sind Mailanesien, Usenetania und Wehwehwehstan. Daneben gibt es noch Efteponien, Telnetia und einige andere mehr. Fast alle Inseln sind oder waren bewohnt. Wie das so ist, haben sich die Völker von Humanum im Laufe der Zeit auseinandergelebt und sprechen verschiedene Sprachen.

Die Voelker von Mailanesien und Usenetania haben eng miteinander verwandte Kulturen oder Verhaltencodices, sie koennen sich meist gegenseitig verstehen.  Die Kultur der Mailanesier heisst SMTP, die der Usenetanier NNTP, wenn sie miteinander reden wollen. Beide Völker sprechen Sprachen, die – abgesehen von Dialekten – der Sprache ähneln, die die Mailanesier und die Usenetanier verwenden, wenn sie jeweils in ihren Behausungen miteinander reden.

Die Mailanesier leben teils ganz zurückgezogen und pflegen Kontakte nur zu wenigen anderen Mailanesiern, sie werden auch die „One-to-One-Mailanesier“ genannt, andere Mailanesier pflegen Kontakte zu vielen ihrer Leute, das sind die „One-to-Many-“ oder „Listo-Mailanesier“. Ensprechend sind auch die Regeln, nach denen die Mailanesier über ihre SMTP-Kultur hinaus gegeben haben, gering. Die On-to-One-Mailanesier machen sie unter sich aus, die Listo-Mailanesier überlassen es meistens einer Stelle, Regeln aufzustellen oder auf die Beachtung beschlossener Regeln gelegentlich hinzuweisen.

Anders die Usenetanier. Ihnen ist sind Öffentlichkeit und die Sicherheit vor fremden Eingriffen wichtig. Ihre „NNTP“ genannte Kultur hat daher viele Orte geschaffen, die alle die gleiche Einrichtung haben, so dass eine Störung an einem Ort nicht dazu führt, dass die Öffentlichkeit zusammenbricht, sondern immer auf andere Orte ausgewichen werden kann. Die Usenetanier legen Wert darauf, dass ihre Kultur und ihre vielen Orte keinen Eigentümer und keinen Besitzer haben, sondern dass sich ihnen jeder zu jeder Zeit zugesellen kann. Damit sie sich immer verstehen und austauschen können, haben sie sich Regeln geschaffen, die es jedem ermöglichen, an jeden ihrer Orte zu gelangen und ein gleichberechtigter, freier Bürger ihrer Insel zu sein.

Es muss allerdings konstatiert werden, dass die Bevölkerung von Usenetania seit einiger Zeit einem dramatischen demographischen Wandel unterliegt. Das gilt nicht in gleichem Masse für versprengte Usenetanier, die sich auf kleinen Eilanden niedergelassen haben und zwar noch die Kultur NNTP pflegen, aber keine Verbindung zum eigentlichen Usenetanien haben.

In Wehwehwehstan ist eine Insel mit einer gegenüber den anderen wesentlich staerker zerkluefteten Oberflaeche. Es gibt viele Schluchten und Gipfel, die natürlich alle auf der gleichen Schichtenfolge aufbauen wie die anderen Inseln, je höher man aber klettert, umso mehr differiert der Aufbau und die oberen Schichten der Berge unterscheiden sich untereinander erheblich. Die Kultur in Wehwehwehstan heisst HTTP, man liebt man es dort eher schrill und bunt. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Plätzen und Orten, aber die Öffentlichkeit und Erreichbarkeit spielt dort keine so große Rolle wie in Usenetanien.

Jeder Clan hat dort seinen eigenen Ort oder seine eigene Nische, den einer, der dem Clan nicht angehört, nicht leicht findet. So haben sich in Wehwehwehstan zahlreiche Dialekte entwickelt und es kann durchaus nicht jeder Einwohner von Wehwehwehstan Kontakt zu jedem anderen aufbauen. Außerdem sind die Bewohner von Wehwehwehstan nicht so sehr an der Frage des Eigentums und Besitzes auf ihrer Insel interessiert, so dass sie weniger Vorsorge gegen die Schließung von Orten oder die Einschränkung ihrer Freiheit treffen. Unter „Freiheit“ verstehen manche von ihnen eher, sich verbergen zu dürfen, neuerdings ist sogar eine Mode der „digitalen Burka“, sie nennen es „Verschlüsselung“, aufgekommen, weil sie erfahren haben, dass sie von ungebetenen Gästen ungefragt beobachtet werden. Diese Erfahrung und den Zorn darueber teilen sie übrigens mit den Mailanesiern.

Eine Eigentümlichkeit der Leute von Wehwehwehstan ist es auch, dass viele von ihnen glauben, sie seien die einzigen Bewohner von Humanum und es gebe außer der Wehwehwehstan keine weiteren Inseln auf dem Planeten. Ja, es gibt sogar Bewohner von Wehwehwehstan, die ihren Berg niemals verlassen und erwarten, dass jemand, der etwas wissen will, ihren Berg besteigt. Hat man diese Mühe – wozu nicht selten eine spezielle Ausrüstung erforderlich ist – auf sich genommen, sind sie aber ein recht gastfreundliches Völkchen, vorausgesetzt, der Gast zeigt Anstrengungen, sich in ihrem Dialekt mit ihnen zu unterhalten und gehört nicht zu den oben erwähnten „ungebetenen Gästen“.

Soweit die Geschichte. Wie ich finde ganz nett, da könnte man noch darauf aufbauen. Ich habe dann noch nach der Quelle geforscht. Es ist Sabine Baer <baerks@t-online.de> in der Newsgroups: free.de.piratenpartei, ihr Subject ist „Postkarte aus Neuland“.

RMD

Gastautor(en)
Samstag, der 2. Februar 2013

Britischer Humor

Multikultur mal ganz anders – Der ist böse (aber gut) …

Last month a world-wide telephone survey was conducted by the UN.

The only question asked was:

„Could you please give your honest opinion about solutions to the food shortage in the rest of the world?“

The survey was a massive failure because of the following:

  1. In Eastern Europe they didn’t know what „honest“ meant.
  2. In Western Europe they didn’t know what „shortage“ meant.
  3. In Africa they didn’t know what „food“ meant.
  4. In China they didn’t know what „opinion“ meant.
  5. In the Middle East they didn’t know what „solution“ meant.
  6. In South America they didn’t know what „please“ meant.
  7. In the USA they didn’t know what „the rest of the world“ meant.
  8. In the United Kingdom they hung up as soon as they heard the Indian accent.

-> Danke an Chris (cw), der diesen Text gefunden und mir zugesandt hat.

RMD

Gastautor(en)
Mittwoch, der 26. Dezember 2012

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins!

Hier ein Artikel eines lieben IF-Blog-Freundes, der in IF-Blog mit interessanten Kommentaren nicht sparsam ist. Es ist Hans Bonfigt, der für mich völlig überraschend jetzt einmal in die Rolle des Gastautors geschlüpft ist. Hier ist sein:

Weihnachtsgruß an alle Sysadmins

Auf eine ganz bestimmte Art und Weise wurden „wir“ EDV-Leute eigentlich schon immer, ja, in unserer Heimat heißt das „veräppelt“. Nein, es hat nix mit den Plagiaten des Herrn Jobs zu tun, sondern es ist aus einem gewissen Unverständnis heraus geboren:
„Erst wenn die Lichter angehen, fangt Ihr an zu arbeiten“, so wurden wir aufgezogen. Na klar, liebe Anwender (ein schlimmeres Schimpfwort kennen wir nicht), wie sollen wir Eure Systeme, die ihr wieder verderkelt habt, denn auch in Ordnung bringen, solange Ihr davor sitzt? Früher ging das gar nicht, denn da hatte man typischer-weise ein Einplatzsystem, an dem halt auch nur einer arbeiten konnte. Irgendwann waren die Maschinen dann ‚multitaskingfähig‘, aber die Anwender waren es nicht. Wir sind da wählerischer – wir wollen die Maschine meistens exklusiv für uns.

Und während Ihr spätestens seit vergangenem Freitag auf der Couch liegt, ist eine kleine Minderheit seit Freitagmittag bis jetzt damit beschäftigt, Euren Mist aufzuräumen. Mit maximal zwei Stunden Schlaf in 24 Stunden. Denn wir wissen, was es am morgigen Donnerstag wieder für ein Geblöke gibt, wenn irgendeine Kleinigkeit nicht klappt: „WIR KÖNNEN NICHT ARBEITEN …“ !  —  Als ob wir das nicht seit Jahren wüßten.

Ja, jedes Jahr wird der Augiasstall, den Ihr in unseren Systemen anrichtet, fieser und vor allem größer. Und Ihr lernt es einfach nicht. Also, daß Ihr davon ablaßt, Euer Paßwort unter die Mausmatte zu kleben, darauf habe ich eigentlich nie gehofft. Ich weiß ja, was für einen Scheiß Ihr wählt und irgendwo müssen die ganzen facebook-luser ja herkommen. Von Euch so etwas wie ein Minimum an Verantwortungsgefühl zu erwarten – wäre ich so töricht, könnte ich in meinem Job nicht arbeiten.

Aber irgendwie habe ich über die Jahre gehofft, ihr würdet Euch wenigstens die Dinge angewöhnen, die Euch das Leben leichter machen, aber weit gefehlt:

– Keine Leerzeichen und Umlaute in Dateinamen, unsere Rede seit mindestens 20 Jahren. Und vor allen Dingen nicht den ganzen Text Eures Dokuments in den Dateinamen. Gerade Ihr, die ihr nicht einmal den Großbuchstaben ‚O‘ von einer Null unterscheiden könnt, solltet doch nicht voraussetzen, daß Umlaute oder auch nur Groß- und Kleinschreibung in Dateinamen plattformübergreifend interoperabel implementiert wären. Schon gar nicht unter Euren geliebten Windows, welches intern nämlich nur die „8.3“-Nomenklatur kennt, die unter DOS schon zum Himmel stank.

– Mindestens genausolange predigen wir Euch, „legt gemeinsam benutzte Dateien zentral ab UND HÖRT AUF, SIE EUCH GEGENSEITIG ZUZUMAILEN“. Und wir sagen Euch auch, „ZITIERT RICHTIG und hängt nicht den ganzen Sarotti von Rede und Gegenrede immer wieder hinten an“. Ja, Jungs und Mädels, und nun sitze ich seit Freitag vor einem 24 TERABYTE großen Mailspool. Den muß ich auf 12 TB zusammenschrumpfen. Und verlaßt Euch drauf, das habe ich getan. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne.

– Wie oft haben wir Euch gesagt, ihr sollt Eure Papierkörbe leeren. Aber keine Sorge, auch das habe ich für Euch erledigt. Mit der halstiefen Rasur.

– Bei der Gelegenheit:  Ich habe auch alle Eure Browser-Caches gelöscht.  Denn ich hatte einfach keine Lust, die riesige Pornosammlung, die Ihr euch da zusammengeklickt habt, auch noch mitzusichern und auf das neue SAN zu migrieren, das angeblich erforderlich war.

Ja, die Informationsgesellschaft hat kein schlankes, ebenmäßiges Gesicht mehr, sondern eine aufgedunsene Visage à la Dirk Bach. Wenn ich da so an früher denke:

Das mit den Lochkarten habe ich noch richtig miterlebt, die maximale Sourcefile-Größe lag beim KIENZLE SLM bei 2.780 Zeilen, das paßte in einen handlichen Koffer. Echt lästig, richtig schwer und ‚mal eben eine Kopie ziehen‘, das dauerte halt. Mergen war die Hölle. Perfekte Beherrschung der Maschinensprache war Pflicht, denn ein Assemblerlauf mit einer vergleichbaren Anzahl Karten dauerte 2 1/2 Stunden. Wer da nicht manuell patchen konnte, für den war, buchstäblich, „aus die Maus“.

Die ECMA-34 – Kassette war ein Segen. Ja, liebe Anwender, Ihr kennt sie als Musikcassette, aber für Euch war sie eigentlich gar nicht gedacht, sondern für uns. Ein ganzer Lochkartenkoffer paßte nun bequem in die Hemdtasche, 900 Blöcke à 256 Zeichen gingen da drauf und man konnte sie doppelseitig beschreiben. Noch schöner die 8-Zoll-Floppies, da brauchte man die Quelldateien gar nicht mehr zu laden, sondern konnte sie direkt bearbeiten.

Indexsequentielle Dateien auf Disketten, das war erst recht ein Genuß.

Mit den „großen“ Festplatten, die nicht mehr alle 14 Tage crashten, gab es eine weitere Revolution: Man brauchte eigentlich gar nicht mehr mit Datenträgern zu hantieren, weil sich ja alles auf dem System befand. Bloß sichern mußte man noch. Die Sicherung mit den Halbzollbändern hatte etwas, die Wartung war durchaus aufwendig, man mußte mit Hilfe eines Oszillographen (ja, so hießen die Dinger früher) die „Katzenaugen“ richtig einstellen, die sich aus Schreibkopfsignal und dem um 180° phasenverschobenen Echo des Lesekopfs ergaben. Die Bandmaschinen waren teuflisch schnell und hatten ein schier unendliches Fassungsvermögen.

Mit den Cartridges, ibs. der QIC-Kassette, kamen auch bezahlbare Systeme auf den Markt, unser erstes Schätzchen schaffte 20 MB und brauchte dafür eine halbe Stunde.

Zu dieser Zeit etwa kamen diese unappetitlichen „Commodore“ auf den Markt, die aussahen wie ein Brotkasten – wir reden also über die späten 80er Jahre.

Was hat sich eigentlich geändert ?

Ich darf hier über die Feiertage ein komplettes SAN neu aufsetzen, auf dem ALLE, aber auch wirklich alle Daten eines mittelgroßen Unternehmens abgelegt sind. Und ich muß ALLES löschen, natürlich nach vorheriger Sicherheitskopie auf Band und natürlich redundant, und weil es wichtig ist, auch noch dissimilar redundant.

Die Cartridges sind kleiner und schneller geworden. Hier fliegen gerade gut 140 MB pro Sekunde vom Band auf die Platten, pro Sekunde also packt das System also die siebenfache an Daten weg, die man in der 80ern auf eine QIC-20 – Kassette bekam. 3,5 Stunden schrumpfen zu einer Sekunde zusammen.

Eine Produktivitätssteigerung um 1.259 %.

Halt ‚mal, WIRKLICH ?

Das Unternehmen, bei dem ich gerade arbeite, hatte in den 80ern ebenfalls eine QIC-20 – Bandstation, sie hing an einem IBM /38, welches das gesamte Unternehmen mit der notwendigen EDV-Infrastruktur versorgte.

Die neue EDV macht eigentlich nix anderes, sie versorgt genau wie früher 200 Leute mit diversen Programmen. Heute mögen es unwesentlich mehr sein. Eine Migration in den 80ern hat drei Tage gedauert, in der aktuellen Situation komme ich schon jetzt auf fünf. Und vor morgen früh, fünf Uhr, bin ich nicht fertig.
Auf der alten Maschine konnte den Job ein gut ausgebildeter Servicetechniker erledigen, das neue System ist ultrakomplex und vereint so ziemlich alle neueren Technologien in einer Kiste – insbesondere kommt sie nicht mehr ohne Windows und den famosen IBM DRECK-TOR aus – ein in JAVA zusammengestoppelter, atemberaubend stinkender Haufen Sondermüll. Da kommt kein Mensch mehr mit zurecht. Gottseidank bin ich ja auch keiner.

Die alte Maschine war eigentlich nie kaputt, die neue fällt zwar wegen Redundanz auch nicht aus, aber ständig verendet irgendeine Komponente und die dann erforderliche Reparatur treibt einem den Angstschweiß auf die Stirn.

Die alte Maschine war richtig flott, die neue ist es eigentlich auch, aber das JAVA/AJAX/PINGPONG – Neppinterface ist schweinelahm und die Benutzer drehen Däumchen.

Ja, liebe Anwender – KEIN MITLEID !  Ihr wolltet das GUI, Ihr habt es.  Minderwertiger Augenzucker für minderwertige Mitarbeiter, jedem das Seine.

Aber wo ist bloß der Fortschritt geblieben? Irgendwo war er doch?

Die Antwort liefert, und ich zitiere das nochmal, Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Vulgo: Die EDV-Landschaft hat sich vom ‚Tool‘ zum ‚Toy‘ gewandelt. Mit allen üblen Konsequenzen. Eine Sekretärin der Nordwest AG erzählte mir unlängst, daß sie mit HIT/CLOU, einem Textprogramm der InterFace AG, in etwa zehnmal schneller Briefe erstellen konnte als heute mit einem aktuellen „Word“. Unter Verwendung von etwa einem Tausendstel an Rechnerleistung, Hauptspeicher und Plattenspeicher.

Wir sind träge geworden, fett und degeneriert.

Tja, und es fehlt irgendwie der Spirit. Früher hatte ich Spaß an solchen „Nightflights“, genoß das beruhigende Rauschen der Lüfter und war mir vor allen Dingen sicher, ich würde den Job bis zum Termin hinbekommen.

Dadurch, daß ich überhaupt ein System einigermaßen überschauen kann, bin ich ja erst in der Lage, Verantwortung zu übernehmen.

Heute kann ich mir nicht mehr sicher sein, die Komplexität zu beherrschen. Und wenn ich in den letzten Tagen irgendwas verkackt habe, dann können am Donnerstag 200 Leute nicht arbeiten. Am Freitag auch nicht. Die Woche darauf auch nicht. Denn es sind weder Programme noch Daten da. Löhne und Gehälter funktionieren noch, das wird extern erledigt, aber ob sie auch bezahlt werden können, ist fraglich.

Und ich darf gleich unter die Brücke ziehen.

Und JA, es gibt eine ganze Menge Menschen, die auch jetzt viel wichtigere Dinge tun, beispielsweise eigentlich jeder Lokführer, der nicht, wie ich gerade, nur 200 Menschen „im Rücken“ hat, sondern 800. Oder die gestreßten Fahrdienstleiter, denen man kaputte Technik hinstellt, und die trotzdem jeden Tag mit höchster Verantwortung handeln müssen. Gemessen am Grad der Verantwortung relativiert sich übrigens auch die Bezahlung. Was hat denn beispielsweise ein Herr Mehdorn „verantwortet“?

In vielen Dingen sehe ich Roland als Vorbild, ich werde mich in den nächsten Jahren wieder mehr bewegen und den Adminjob, aus dem ein Drittel meines Arbeitsgebietes besteht, langsam aber sicher an den Nagel hängen. Denn der Job ist ermüdend, als Heranwachsender habe ich eine Formulierung von Günter Grass aufgeschnappt, „Ohnmacht erprobt an Gummiwänden“.

Meine Grüße gehen an alle Admins dieser Welt, die, ausgestattet mit Pizza, Cola, Junkfood und Zigaretten, unter hohem Risiko, mit unerbittlicher Deadline und schier unerträglichem Streß es doch immer wieder schaffen, daß ihr Unternehmen am ersten Arbeitstag wieder am Netz ist.

Hans Bonfigt

Über diesen Artikel habe ich mich so richtig gefreut. Lieber Hans, ich darf mich bei Ihnen ganz sehr bedanken.

Gastautor(en)
Dienstag, der 24. April 2012

Die Welt der Insekten …

Wieder mal ein Fundstück aus dem Internet.

Seit vielen Jahren kommen die fleißigen Ameisen jeden Tag fröhlich ins Unternehmen. Sie lieben ihren Job, sind selten krank und arbeiten den ganzen Tag gut gelaunt durch. Alle Aufgaben werden schnell und zur großen Zufriedenheit der Kunden erledigt. Da die Arbeit Spaß macht, summen die Ameisen immer wenn möglich ihr Liedchen.

Aber die Zeiten ändern sich.

Der Generaldirektor (ein großer Hirschkäfer) stellt eines Tages fest, dass er nicht weiß, was die Ameisen machen.

„So kann es nicht weitergehen!“

Er schafft eine neue Stelle für einen Supervisor und stellt dafür den Mistkäfer mit seiner großen Erfahrung von vielen Misthaufen ein. Als erstes geht der Mistkäfer das Thema Arbeitszeit an. Er standardisiert die Anfangs- und Endzeiten und erarbeitet eine komplexe Arbeitszeit-Regel. Diverse Reports werden eingeführt, die Art der Tätigkeit muß aufwändig differenziert werden.

Die eingehenden Reports werden ausgewertet und aufbereitet. Das führt zu einer Arbeitsüberlastung beim Mistkäfer. Der Generaldirektor Hirschkäfer stellt einen hübschen Marienkäfer als Sekretärin für den Mistkäfer ein. Der Marienkäfer richtet auch gleich noch ein Archiv ein und kontrolliert das pünktliche Erstellen der komplizierten Berichte.

Die Ameisen arbeiten trotz allem froh und munter weiter, denn ihre Arbeit gefällt ihnen immer noch. Ihr Liedchen summen sie allerdings seltener.

Der Generaldirektor Hirschkäfer ist begeistert von der Arbeit des Mistkäfers. Endlich hat er Zahlen, die er abends vorm Kamin in Ruhe durchlesen kann. Die sind aber unübersichtlich, also wünscht er sich noch grafische Darstellungen und Analysen. Und vor allem eine schöne Quartals-Prognose. So wird es nötig, neben der Sekretärin Marienkäfer eine Assistenzkraft für den Supervisor einzustellen. Eine Brummfliege wird gefunden. Sie bekommt einen eigenen Farbdrucker, damit die Reports auch schön bunt erstellt werden können.

Die fleißigen Ameise summen ihr Liedchen kaum mehr. Sie beschweren sich, dass sie soviel Schreibkram ausfüllen müssen. Überstunden sind angesagt, um das Arbeitspensum zu schaffen. Generaldirektor Hirschkäfer stellt gleichzeitig fest, dass die Kunden unzufriedener werden.

„Es muss ein Administrator für die Abteilung her, in der die Ameisen arbeiten!“

Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wird die Grille eingestellt. Die zirpt lauter als die Ameisen brummen. Als erstes verlangt sie, dass man ihr ein besonderes Büro einrichtet. Die Grille bringt ihre persönliche Assistentin mit, die Heuschrecke. Denn die hat schon immer als Sekretärin bei der Grille gearbeitet.

Die Ameisen haben aufgehört zu singen. Sie werden immer unruhiger, nervöser und skeptischer. Zukunftsangst macht sich breit, der Krankenstand steigt. Die Ziele des Unternehmens werden ehrgeiziger, die Vorgaben höher und die Planzahlen nach oben korrigiert.

Der Generaldirektor Hirschkäfer muss aber in seinen Graphiken feststellen, dass zwar die Kosten aber nicht die Umsätze steigen. So fasst er einen aus seiner Sicht sehr schlüssigen Gedanken:

„Wir müssen untersuchen, wie wir produktiver werden können!“

Gesucht wird ein Berater, der die Produktion der Ameisen nach Einspar-Potentialen untersuchen soll. Gesagt, getan. Als Berater wird eine Stechmücke gefunden. Sie vermisst alle Arbeitsschritte und analysiert die Prozesse des Unternehmen. Aufbau- und Ablauf-Organisation wird verändert. Die Aktion ist teuer, der Nutzen gering.

Beim Lesen der Berichte und Prognosen bemerkt der Generaldirektor Hirschkäfer, dass die Kosten steigen, aber nicht die Umsätze. Im nächsten Quartal drohen große Verluste. Also wendet er sich an „Die Glühwürmchen“, eine bekannte und teure Unternehmensberatung. Sie wird beauftragt, das Unternehmen zu analysieren und einen Rettungsplan zu erarbeiten.

Drei Monate leuchten die Glühwürmchen bei Tag und Nacht in allen Abteilungen der Firma herum. Dann präsentieren sie ihren Abschlussbericht. Das Ergebnis ist:

„Das Unternehmen hat zu viele Mitarbeiter!“

Der Generaldirektor folgt dem Rat. Geschäftsfelder werden ab- und aufgegeben, Bereiche ausgelagert und viele Ameisen gekündigt.

Der Autor ist mir unbekannt, ich habe die Geschichte nur wenig verändert.

RMD

Gastautor(en)
Montag, der 16. Januar 2012

Hurra, ich kann IF-Blog auf meinem Kindle lesen!

Eine kurze Anleitung (nicht nur für IF-Blog)

Als begeisterte Nutzerin meines neuen Kindles finde ich es toll, dass ich nun in der S-Bahn auch die Süddeutsche, die Zeit, den Spiegel und vieles mehr lesen und im IF-Blog stöbern kann.

🙂 Die „Installation“ dauert ein bisschen, aber dann…

Zunächst habe ich mir das Programm Calibre auf meinem Rechner installiert. Es handelt sich um eine kostenlose E-Book Management Anwendung aus der Open Source. Mit ihr ist es möglich, Bücher und Dateien ins „Amazon-Format“ zu konvertieren. Aber es gibt auch die Möglichkeit RSS-Feeds abzurufen und an das Kindle zu übertragen.

Zur Installation gibt es den Reiter „Nachrichten abrufen“.

Hier gibt es die Auswahlmöglichkeiten:

  • Zeitgesteuertes Herunterladen von Nachrichten:
    Dahinter verbergen sich unzählige vorgefertigte RSS-Feeds, darunter auch aktuell 68 teilweise kostenlose Zeitungen.
  • Neue individuelle Nachrichtenquelle hinzufügen:
    Dies brauche ich, um IF-Blog künftig auf meinem kindle lesen zu können.

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Gastautor(en)
Montag, der 2. Januar 2012

Rolo’s Lieblingsgeschichte

Auf diese Geschichte und ihren Autor hat mich Rolo aufmerksam gemacht:

Jobbergeschichte

Wir Jobber steckten Drähte und Spiralen ineinander, legten kleine Plastikscheibchen in ovale rot lackierte Teile aus Metall, und am Ende des Bandes saß Mehdi, der bohrte mit der Maschine ein Loch durch die Eier, dann war das Ding fertig.

In den ersten Wochen hatte ich mich noch bemüht herauszufinden, was ich da eigentlich herstellte, um der Arbeit etwas von ihrer Entfremdung zu nehmen oder so ähnlich. Das Teil sei wohl für Automotoren, sagte der eine, ein Politikstudent aus Sierra Leone, es spiele eine wichtige Rolle im Vergaser. Es sei für den Export nach Japan, sagte der polnische Religionswissenschaftler, dort würde es von gewissen shintoistischen Sekten kultisch verehrt.

Klar war nur, dass die fertigen Teile ziemlich teuer waren. Man munkelte etwas von 300, – Mark pro Stück, aber genau wusste es niemand. Die Eier waren unterschiedlich groß, das wechselte von Woche zu Woche. Der Vorarbeiter stellte die Maschinen passend ein, und wir mussten alle Handgriffe exakt so ausführen, wie er es anordnete.

Er genoss es, Anweisungen zu geben. Bald würden diese Studenten die Universität verlassen und mit ihren wirren Theorien im Kopf die Chefs spielen, aber hier, in der Welt der Praxis, hatte immer noch er das Sagen.

Sein liebster Spruch: »Ihr werdet hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.« Einer vom ganz alten Schlag. Kooperativer Führungsstil, das war für ihn irgend so eine schwule Schweinerei.

Eines Morgens, es war kurz nach sieben, rief Mehdi, der Exiliraner, den Vorarbeiter: »Die Maschine ist falsch eingestellt.« Der Vorarbeiter sagte: »Das kannst du gar nicht wissen, du dussliger Türke. Arbeite weiter.«

Gegen acht rief Mehdi wieder nach dem Vorarbeiter: »Guck doch mal, die Maschine ist falsch eingestellt. Der Bohrwinkel ist zu steil. Ich denke, wenn man …«

Der Vorarbeiter sagte: »Du wirst hier nicht fürs Denken bezahlt, sondern fürs Arbeiten.«

Mehdi bohrte. Er bohrte und bohrte, 120 Eier in der Stunde. Er grinste vor sich hin, und manchmal schüttelte er ungläubig den Kopf. »Ausschuss«, sagte er. »Leute, gebt euch keine Mühe«, sagte er zu uns, »ich mach eure Arbeit eh zu Schrott. Das ist alles Ausschuss.« Er gluckste leise. Wir waren gespannt, wann sie es merken würden.

Sie merkten es eine halbe Stunde vor Feierabend. Der Abteilungsleiter brüllte, als wäre er in die Metallpresse gefallen. Mehdi fegte schon seine Maschine, als die Hierarchie sich vor ihm aufbaute: der Abteilungsleiter, der Meister, der Vorarbeiter. Er habe doch gesagt, dass die Maschine falsch eingestellt sei, sagte Mehdi. Woher er denn so etwas wissen wolle, wollte der Vorarbeiter wissen.

Mehdi sagte: »Na ja, ich studiere im achten Semester Maschinenbau.« Der Abteilungsleiter fragte Mehdi mit Tränen in den Augen, ob er sich eigentlich klar darüber sei, dass er heute für eine Viertelmillion Mark Schrott produziert habe? »Ach, doch so viel?«, sagte Mehdi, und wir Umstehenden überschlugen die Rechnung im Kopf. Dann kam das ja in etwa hin mit den 300 Mark pro Stück.

Wie ich finde, wirklich eine schöne Geschichte!

Der Autor ist BOV BJERG
Bov Bjerg, geb. 1965. Der ehemalige Berufskraftfahrer ist Redakteur der Zeitschrift »Salbader« und Kolumnist der Berliner Stadtzeitung »Scheinschlag«. Er liest in der »Reformbühne Heim & Welt« und im »Mittwochsfazit«.
(Im Netz: www.bjerg.de)

RMD

P.S.
Rolo ist Rolo Zollner, ein lieber Freund und toller Fotograf. Er gestattet mir ab und zu, Bilder von ihm in IF-Blog.de zu veröffentlichen.

Gastautor(en)
Samstag, der 24. September 2011

Jowi denkt über Burnout nach!

Der „Jowi“ hat schon mal seine Gedanken für IF-Blog freigegeben. Da ging es um den .

Jowi, Werner (IF-Blog-Autor zu Desert tec) und ich treffen uns alle paar Monate vormittags im „Weißen Bräuhaus“ im Tal. Dort essen wir Weißwürste und Brezn. Wegen der frühen Stunde trinken wir alkoholfreies Weißbier und pflegen unsere alte Freundschaft.

Beim letzten Treffen haben wir über das Thema Burnout gesprochen. Jowi hatte dazu eine interessante Theorie. Ich habe ihn gebeten, seine Gedanken für mich und IF-Blog auf zu schreiben.

Jowi hat das gemacht. Jetzt habe ich Post vom Jowi zum Thema bekommen:

Zum „Burnout“ hab ich noch nichts geschrieben, weil sich das Thema als Beratungsgegenstand eh verflüchtigt, wenn es in den Firmen weniger Arbeit gibt, wenn die Finanzkrise doch noch voll durch schlägt.

Eigentlich wollt ich diesen Text auf Fuerteventura schreiben, aber da war nur Urlaub, schwimmen, nix denken oder lesen oder schreiben. Mit dem Radl sind wir wie die Wilden über die Insel, also nix Burnout, eher Burn-in, oder After-Burner, also mal sehen, wie sich das jetzt die nächsten 6 Monate ausgeht.

Ganz kurz die Grundidee meines Gedankens:

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