Hans Bonfigt
Mittwoch, der 1. Januar 2020

Hetze, Hetze, NEUE GESETZE

Es stimmt schon, „SPIEGEL“ – Leser wissen mehr.  Aber ist dieses „Mehr“ geeignet für einen schönen Jahresanfang ?  Wenn sich Roland über zu viel Verkehr aufregt:  Mir schnüren die neuen Reichsermächtigungsgesetze buchstäblich die Luft ab.  Hätte ich den SPIEGEL doch ‚mal liegengelassen:

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: „Wir können es als Gesellschaft doch in keiner Weise hinnehmen, dass ein jüdischer Künstler Morddrohungen bekommt“

Hallo ?  Jemand zuhause ?   Können „wir es als Gesellschaft“ denn in irgendeinerweise hinnehmen, daß ein nichtjüdischer Künstler Morddrohungen bekommt ?   Können „wir es als Gesellschaft“ überhaupt hinnehmen, daß irgendjemand Morddrohungen bekommt ?   Können Sie sich vorstellen, daß dieser Mann die Jura studiert hat ?   Und, mit dieser Sachkunde gesegnet, bedauert der „Diplomat“, daß ein Brief keine Volksverhetzung sein kann und möchte das jetzt ändern.

Was war aber passiert?

Der Pianist Igor Levit wäre gut beraten, wenn er nicht immer öfter die Klaviertastatur gegen das „Twitter-Keyboard“ tauschen würde.  Bislang das entsetzlichste Werk, wenigstens wüßte ich nicht, was man schlimmeres sagen könnte:   „Mitglieder der ‚AfD‘ haben ihr Menschsein verwirkt“.   Wohlgemerkt:  Nicht ihre „Menschlichkeit“, sondern ihr „Menschsein“.  Anderen Menschen das Menschsein abzusprechen — damit hat sich ein törichter junger Mann zur Kenntlichkeit entstellt:  „Ich bin der neue Botschafter von Heinrich Himmler“.

Mit 28 Jahren ist man nicht erwachsen, und schon gar nicht, wenn man sich den überwiegenden Teil seines Lebens intensiv mit Musik beschäftigt hat.   Aber mit dieser Äußerung öffnet Levit eine Luke zu seinem Gehirn, und dort sieht es furchtbar aus.   Wenn er geschrieben hätte, „Diese Drecksäcke gehören erschossen“, dann hätte man das, insbesondere mit Bezug auf die gröhlenden „Pegidisten“, gerne hingenommen.  Manchmal muß man sich einfach Luft machen.   Aber diese Formulierung,  „Menschsein verwirkt“,  das entspringt entweder eigener Reflektion oder aber einer mehrstündigen „Alfred Rosenberg“ – Lektüre.  Und letzteres können wir wohl ausschließen.

Und nun wundert sich Igor Levit, daß er eine „Morddrohung“ bekommen hat ?   Klar, für die Diabelli-Variationen interessiert sich (leider) niemand mehr und auch die „Einspielung“ aller 32 Klaviersonaten von Beethoven haut jetzt niemanden mehr vom Hocker.   Nehmen wir einmal Wilhelm Kempff oder Wilhelm Backhaus, oder, etwas ‚moderner‘, Daniel Barenboim (mein Favorit) und Friedrich Gulda, oder, noch moderner, die beiden jungen Frauen Pacini und Ott.   Wobei es Alice Sara Ott ganz langsam hat angehen lassen und erst einmal mit der Waldstein-Sonate begann.  Den 2. Satz hat sie ganz anders gespielt als z.B. Pletnew oder Barenboim, nicht flüssig, sondern sozusagen „auseinandergezogen“.  Das fand ich zunächst langweilig, erst nach mehrfachem Hören ist mir die Intention dahinter aufgegangen.  Sie hat die Musik analysiert und strukturiert.  Mit der Folge, daß ich mittlerweile Details bemerke, die mir in 40 Jahren nicht aufgefallen sind.

Worauf ich hinauswill:   Man kann sich stunden- und tagelang mit einer einzigen Beethoven-Sonate beschäftigen, ein weltbekannter Pianist soll einmal gesagt haben, „Ich spiele eigentlich jeden Tag einmal den Anfang von Beethovens 4. Klavierkonzert, aber zufrieden war ich eigentlich nie mit dem Ergebnis“.   Ein „Overkill“ mit 32 Sonaten scheint mir in ein unmusikalisches Sportevent auszuarten.  Nur weil die „Therme Erding“ 32 Saunen hat, mache ich doch nicht 32 Aufgüsse mit.

Ob sich Igor Levit nur zeitgemäß profilieren wollte oder ob er tatsächlich eine „Morddrohung“ bekommen hat:   Womöglich bekam er die wegen seiner menschverachtenden Äußerungen in der weltgrößten Kloake, in der sich nun wirklich jeder Abschaum suhlt:  ‚TWITTER‘.   Wer dort teilnimmt, muß mit allem rechnen.   Wer einer nicht ganz kleinen Gruppe von Menschen das Recht, als Menschen zu leben, abspricht, indem er sie quasi als „unwertes Leben“ bezeichnet  –  denn was anderes soll ein Mensch sein, der sein „Menschsein verwirkt“ hat — der muß sich doch nicht wirklich wundern, wenn der dumme Pöbel jetzt lynchen will.    Oder hochentzückt akklamiert.   Und letzteres ist eigentlich noch schlimmer.

Richtig widerlich wird es, wenn Igor Levit jetzt auch noch die Antisemitismus-Keule herausholt, und zwar die Keule des „systematischen Antisemitismus‘“ in der Bundesrepublik.   Ich lebe hier jetzt seit fast 60 Jahren.  Unsere Gesellschaft ist im praktizierten Miteinander zwischen Juden und Christen viel, viel weiter als die Politik und die Medienlandschaft.  Natürlich gibt es geistige Brandstifter wie den greisen Martin Walser, der einmal in seinem Leben auch in die „BILD“-Zeitung kommen wollte und von der „Instrumentalisierung unserer Schande“ schwadronierte, was dann viele Altnazis auf den Plan rief, die fortan von „Schuldkultur“ sprachen.   Aber insgesamt finde ich es erfreulich, wie ungezwungen und ’normal‘ Menschen in Zeitalter des ‚atheismus practicus‘ miteinander umgehen.  Religion wird nicht mehr so wichtig genommen, entsprechend gering ist das Konfliktpotential.   Mit einer Ausnahme, aber der Islam resp. was man daraus macht ist eher eine Seuche denn eine Religion.

Menschen wie Igor Levit zündeln, aus welcher Motivation heraus auch immer, an der Substanz, die wir im täglichen Zusammenleben erschaffen haben.

Wir brauchen mehr Musiker und Menschen wie Daniel Barenboim und Giora Feidmann, die sich ein Leben lang um Aussöhnung und Miteinander von Kulturen bemühen.  Denn, so haben sich die beiden oft explizit geäußert, das sei ein ganz wichtiger Aspekt von Musik.

 

Ganz bestimmt brauchen wir aber keine kläffenden kleinen Köter, die neue Gesetze entwerfen, die das Bundesverfassungsgericht sowieso wieder einkassieren wird.

-hb

p.s.:

Die „Diabelli-Variationen“ waren ursprünglich ein „Song Contest“.  Der Impressario Diabelli gab ein Thema vor, das bekannte österreichische Komponisten variieren sollten.

Natürlich zierten sich einige, namentlich Liszt, aber den Vogel schoß wohl Beethoven ab, der fünf Jahre nach „Einsendeschluß“ ein ganzes Konvolut von über 30 Varianten ablieferte.  Er wollte es den Kollegen und dem geneigten Publikum nochmal zeigen und in der Tat:  Diabelli gab dieses Werk gesondert „außer Konkurrenz“ als eigenen Band heraus.  Mehr kann ich dazu nicht sagen, das Werk erschließt sich mir nicht.

Hans Bonfigt
Freitag, der 27. Dezember 2019

Empfehlungen für erzreaktionäre weiße alte Männer

… als nachträgliches Weihnachstgeschenk, das man sich gern selbst macht.

Wenn man gerne mit Zahlen spielt und sich an hochwertigen Dingen erfreuen kann.

Unser leistungsfähiges Tandem-Gespann aus EU-Kommission und Bundesregierung hat ja seit ein paar Jahren ein Informationsverfälschungs- und -unterdrückungsgesetz namens „TMG“ beschlossen – eine freie Meinungsäußerung in Form einer spontanen Empfehlung ist nicht mehr möglich.   Sie müßte mit „Werbung“ gekennzeichnet sein.

Normalerweise würde ich mich schon aus Prinzip nicht an die Norm halten, aber als Gastautor verhält man sich so, daß der Gastgeber tunlichst keinen Ärger bekommt.  Auch wenn mir das in der Vergangenheit nicht immer gelungen sein mag.

Also:  Dies ist eine unmittelbare Werbung und ich habe dafür eine Villa im Tessin sowie sechs Boeing 737 MAX bekommen.

 

Rolands letzter Entwurf, die Weihnachtsruhe ließ es zu, hat mich in die Welt der Zahlen entführt, in die Welt von Leibnitz, Euler, Babbage und Turing.  Mit Zahlen kann man spielen wie mit Billardkugeln.  Die piemontesische Mathematiker*in Giuseppina Peano/a/d schuf um 1900 herum die Voraussetzungen für die „Verkehrs-regeln“ beim Zahlenspiel.  Oft wird von der Peano-Axiomatik gesprochen, wenn die daraus abgeleiteten „Verkehrsregeln“ gemeint sind, z.B.:

Für Rechenoperationen gibt es neutrale Elemente und invertierende Elemente.

  • die 0 ist das neutrale Element für Addition und Subtraktion
  • die 1 ist das neutrale Element für Multiplikation und Division
  • (-1) ist das invertierende Element für Multiplikation und Division

In Mathe war ich immer schlecht.   O.K., das stimmt jetzt nicht, aber es ist eine schöne Reminiszenz an meine erste Empfehlung, die wirklich von Herzen kommt.  Auf meine durchschnittliche Intelligenz resp. das, was unzählige Alkoholexzesse davon übriggelassen haben, bilde ich mir nix ein, sehr wohl aber darauf, daß ich mir auch schlechte Erfahrungen merke wie ein Elefant.  Mathematik war lange mein Horror, denn es wurde nicht hergeleitet, sondern festgelegt.  Das ist ungefähr so, als würde man Demokratie per Prügelstrafe durchsetzen oder Überwachungskameras in den Schulen installieren, um das Bewußtsein für informationelle Selbstbestimmung im Schüler zu verankern.

In der Unterstufe wurden wir monatelang mit Zins- und Prozentrechnung malträtiert, und beides ist so überflüssig wie ein Kropf.  Ganz im Gegenteil, weil speziell weibliche Vielschreiber meistens würfeln, was die Bezugs- und Vergleichswerte sind, kommen in der Regel hanebüchene Resultate dabei heraus, wenn sie sich an der „Prozentrechnung“ versuchen.

Dabei hätte alle so einfach sein können:

  • 10% addieren:    Mit 1,1 multiplizieren.
  • 10% abziehen:    Mit 0,9 multiplizieren.
  • 19% MWSt „herausrechnen“:   Durch 1,19 dividieren.
  • die Mehrwertsteuer ermitteln:  Bruttobetrag * (0,19/1,19).

Im Prinzip geht die ganze „Prozentrechnung“ auf eine einzige Gleichung zurück,  Vergleichswert = Bezugswert * (1+p/100).   Dafür braucht man maximal 45 Minuten.   Wir wurden monatelang mit dem Mist beschallt und mußten tausenderlei Begriffe, Regeln und Sätze lernen.  Die ich sämtlich nicht verstanden habe, das war so deprimierend für mich, daß ich oft heimlich weinte.

Schlimm wurde es bei der Einführung negativer Zahlen, als uns erzählt wurde, „Minus mal Minus ergibt Plus„, basta.  Ja, ich gebe zu:  Ich habe es damals NICHT VERSTANDEN !   Ich hätte aufstehen müssen und sagen, „Warum zerstört man, beispielsweise bei einer Normalparabel, die Ein-Eindeutigkeit ?  Das ist doch völlig kaputt, wenn ein- und dergleiche Funktionswert zwei Funktionsargumenten zugeordnet werden kann ?“.  Aber ich habe nix gesagt.  In der Oberstufe hatten wir richtige Mathelehrer und die lieben Mitschüler hatten Angst vor mir,  jedoch in der Unterstufe war es genau umgekehrt, die Pauker waren grottenschlecht (z.B. Geschichtslehrer mit Zusatzaubildung) und die Mitschüler reagierten aggressiv auf Dinge, die Verwirrung stifteten.  Oftmals wurden mir nach dem Unterricht die Arme durch zwei Löcher in einem Maschendrahtzaun gesteckt, zwei Mann hielten mich hinter dem Zaun stehend fest, der johlende Rest spuckte mir nacheinander ins Gesicht, wobei die „Haltemannschaft“ natürlich rotierte, schließlich sollte jeder auf seine Kosten kommen.   Wenn ich heute den „Hashtag“ (der gar keinen Hash beinhaltet, aber die ‚Twitteria‘ ist nicht nur asozial, sondern auch brunzdumm) „#WIRSINDMEHR“ sehe, dann kontere ich innerlich immer mit Franz-Josef Degenhardt,

Ja, ich hab sie noch im Fadenkreuz, die Wohnungstür,
diesmal Lodenröcke, diesesmal, da lauern wir,,,
Ich blas‘ euch Halali, kommt, ist Feierabendzeit,
und — ich bin bereit …

Naja, wie auch immer, ich schweife ab.  Oder — eigentlich nicht.  Vieles hat sich geändert, aber ich bin sicher, daß ein Schüler auch heute noch Angst hat, Fragen zu stellen.  Je grüner und moderner die Schule, desto mehr Angst muß ein Schüler haben, einfache Fragen zu stellen, die ggfs. die selbsternannte „Allianz der Anständigen“ auf den Plan rufen.   In so einem Klima kann Mathematik nicht gedeihen.

Warum, zum Teufel, haben die Pauker nicht, bevor sie uns auf die Zahlen losließen, deren Verkehrsregeln vermittelt ?   Dann hätte man die Frage nach „Warum ergibt Minus mal Minus denn plus) sehr einfach beantworten können:

„Nehmen wir an, eine Differenz werde negativ.  Wenn wir dieses Ergebnis invertieren wollen, dann muss die Multiplikation mit (-1), dem invertierenden Element, ein positives Ergebnis ergeben.  Selbstverständlich hätte man auch festlegen können, daß (-1)² = (-1) sei.  Wir würden dann aber eine komplett andere algebraische Struktur erhalten.   Es sind aber, das sei im Vorgriff erwähnt, Zahlen denkbar, deren Quadrat (-1) ergibt.   Allein schon aus dem Grunde, weil in der Mathematik, im Gegensatz zu unserer degenerierten ‚Konsensgesellschaft‘, alles denkbar ist.   So kann man mit der Mathematik das Unmögliche denken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Das, so wünschte ich mir, hätte ich als Lehrer geantwortet.  Genauso wie ich mir wünsche, daß ich das als Schüler verstanden hätte.  Lehrer Franz Lemmermeier  (meine zweite Empfehlung für vergnügliche Unterhaltung nicht nur zur Weihnachtszeit) sieht das skeptisch.

Ich will einmal so kontern:  Meine Mutter war Stütze im Kirchenchor und mußte Dinge singen, die sie weder verstand noch mochte, sie hört lieber Schlager („Hello again“), ließ sich aber gern Schallplatten mit Konzerten von Bach, Händel oder Telemann schenken, Hauptsache, der ‚gebildete‘ Schein blieb gewahrt.  Als Kinder mußten meine Schwester und ich zu Weihnachten immer das „Weihnachtsoratorium“ ertragen, VIER STUNDEN auf kalten Kirchenbänken.   Zugang zu Bach habe ich bis heute noch nicht gefunden.   Mein Vater dagegen war das genaue Gegenteil eines ‚Bildungsbürgers‘ und ließ keine Gelegenheit aus, seine ‚kultivierten‘ Mitmenschen zu verhohnepiepeln.  Doch er liebte Beethoven, insbesondere die Neunte, die Pathétique und die Apassionata.  Er konnte sozusagen darin leben, und das teilte sich mir mit.  Auch wenn er mich oft arg nötigte, etwas zu tun oder zu lassen:  Seine Musik zwang er mir nie auf.  Aber weil Wege auch dadurch entstehen, daß wir sie gehen, öffnete sich für mich im Alter von 12 Jahren ein Fenster zu Beethoven.   Und selbst 48 Jahre später zählt die Apassionata immer noch zu meinen Lieblingsstücken.  Allerdings wechsle ich oft die Interpreten, das ist einer der wirklich wenigen Vorteile des Internet – man kann sich schnell und einfach Interpretationen eines einzigen Konzertes von Kempff, Backhaus, Gilels, Barenboim, aber auch von jungen Pianisten wie zum Beispiel Sophie Pacini (im verlinkten Video, sehr schön anzusehen und zu hören, die Waldsteinsonate) oder Valentina Lisitsa anhören, egal wo man sich befindet.

Ich glaube daran, daß sich „echte“ Hingabe und Passion mitteilt.  Junge Menschen können den Unterschied zwischen „oberlehrerhaft pedantisch“ und „genau statt beliebig“ erkennen.

Ich komme zu meiner Weihnachtsempfehlung:

Da issie:

Sie sehen hier, vergrößert, zwei Zahlen-Spielmaschinen.   Sie sind nahezu identisch.  Die linke ist das 1988 erschienene historische Original von HP.  Es wurde bis Ende der Neunziger gebaut.  Die Nachfolgemodelle, bis heute, sind eher spezialisierte Computer statt Taschenrechner.   Der legendäre HP48 lieferte HPs Antwort auf den von den Mathematik-Didaktor*innen vorgeschlagenen „CAS“ – Rechner.  Er konnte mit Termen und Gleichungen umgehen, symbolisch differenzieren und, ein SEGEN, sauber mit Einheiten umgehen.  Aber vom „Feeling“ her arbeitete man immer auf einem Stück „Software“.  Der 48er war behäbig bis langsam.  Ich habe, trotz HP-Erfahrung, zwei Jahre gebraucht, um damit sicher umgehen zu können – trotzdem war es notwendig, das kleine Referenzbuch in der Rechnertasche mitzuführen.

Der HP42S war „Hardware“.  Er konnte „nur“ rechnen, „nur“ mit Zahlen, aber das dann richtig.  Vor allem aber auch mit Vektoren und komplexen Zahlen.  Was eigentlich schon wieder ein Pleonasmus ist.

Das rechte Gerät ist ein aktueller Nachbau, der funktional identisch ist: Der DM 42 von SwissMicros.  In einem schönen, schwarz eloxierten Aluminiumgehäuse, leicht, robust und dank eines aktuellen Prozessors nochmal um den Faktor zehn schneller.  Die Batterie, eine Standard-Knopfzelle CR2032, hält auch bei reger Nutzung ewig.  Das ist das Gerät, das man immer dabeihaben kann.

Warum heute noch ein Taschenrechner ?

Roland würde vielleicht vorschlagen, „stell‘ Dir doch eine ALEXA auf den Schreibtisch“, bestimmt gibt es auch „Google Math“, das jeden Term ausrechnet und bestimmt auch jede Gleichung löst.

Aber so ein Rechner kann mehr.  In Verbindung mit seiner ungewöhnlichen Eingabelogik „knabbert“ man sich durch ein Problem durch, wobei man sämtliche Zwischenergebnisse sehen und PRÜFEN kann.  Dabei unterstützt der Rechner bei Vektoren und komplexen Zahlen die „Versor“- Schreibweise.

Meiner Schule und ibs. meinen Mathematiklehrern in der Oberstufe bin ich sehr dankbar.  Aber dennoch:  Die Einführung der komplexen Zahlen war unter aller Sau. Es wurde angeordnet, „Radikanden aus negativen Zahlen haben die Form ‚b + i‘ und nennen sich ‚komplexe Zahlen'“.   Und dann folgte ein riesiges Konvolut an Sätzen und Formeln.  Soweit, so schlecht.  Natürlich habe ich das in der Schule nie verstanden, was ich aber unterdessen ganz elegant verbergen konnte.   Als ich dann aber für die damalige Mannesmann-Demag ein Berechnungsprogramm für Elektromotoren schrieb (es gab die in unglaublich vielen Varianten und in Amerikanien gibt es zu allem Überfluß auch das Zweiphasensystem, das, einer Idee von Nicola Tesla (schon wieder eine prominente Frau in Wissenschaft und Technik…) folgend, einen echten Vierpol ermöglicht), mit dessen Hilfe man bestehende Motoren „umwickeln“ konnte, rächte sich dieses Versäumnis hinterhältig und brutal.

Und da hat mir zum erstenmal ein HP-Rechner den Arsch gerettet.  Denn man kann, beispielsweise bei diesem kleinen HP-42, einstellen:  „Winkel bitte in Grad, Vektornotation in Polarkoordinaten“.    Wenn man jetzt eingibt, „Wurzel aus (-2)“, dann erscheint brav:   „1,41E0 ∠90,0E0“.  Ein Vektor also !  Durch das „Spielen“ mit dem Gerät wurde mir sofort klar, „Es sind Zahlen, die auf einer Zahlengeraden liegen, die ORTHOGONAL durch den Nullpunkt der ’normalen‘ Zahlengerade läuft“.  Mit der Wahnsinnskonsequenz, daß jetzt auf einmal „ganz normal“ mit diesem Vektor gerechnet werden konnte:   Quadrieren ?   Kein Problem, Betrag quadrieren, Winkel addieren:  Wir erhalten SCHWUPPS „2,00 ∠ 180,0E0“ — macht (-2).

Das folgende ist das einzige, was man braucht, um mit komplexen Größen zu rechnen:

Z   =   r * e^(iφ)   =   r (cos φ + i sin φ)   :=   r cis φ   :=   r∠φ

Das geht doch gar nicht einfacher.  Man muß jetzt nur noch reelle Zahlen entsprechend notieren, also wäre 2 „2∠0“ und (-2) entsprechend „2∠180“.

Eine Stunde Spielerei mit der Zahlenspielmaschine überkompensierte zwei Monate Schulunterricht im Mathematik-Leistungskurs.

Wenn Sie, lieber Leser, Lust haben, Ihre Mathekenntnisse aufzufrischen, dann können Sie sich z.B. den Herrn Spannagel auf „Youtube“ angucken, uneingeschränkte Empfehlung, aber am meisten Spaß macht es mit einem solchen kleinen, feinen Maschinchen.  Wenn Sie noch die alten FACIT- und BRUNSVIGA – Maschinen kennen:   Der DM 42 verhält sich zu „modernen Alleskönnern“ wie die CURTA von Herrn Herzstark zu den mechanischen Vollautomaten.

Es macht Freude, den DM 42 in die Hand zu nehmen, ebenso wie die kleine Curta.   Der DM 42 kostet neu etwa 200,–, für eine gebrauchte, überholte Curta müssen Sie etwa 2.000,– berappen resp. befranken.

In beiden Fällen erwerben Sie ein faszinierendes Stück Mathematikgeschichte mit einem ganz erstaunlich hohen Gegenwartsnutzen.

 

Nachtrag

Es handelt sich beim DM 42 nicht um eine „Antiquität“, auch wenn das Design mehr als 30 Jahre alt ist.  Es war halt seiner Zeit sehr weit voraus.   Sehr weit, wenn man sich die Obsoleszenz mancher Mobiltelephone anschaut.

Genau deswegen sind Sie aber auch noch heute mit diesem Gerät im Vorteil, das will ich noch kurz an einem realen beruflichen Beispiel erläutern.   Sehr oft entwerfe ich hydraulische Hebelsysteme (zeitgemäß könnte ich mich als „Aufstocker“ bezeichnen, weil wir neben dem IT-Krams auch noch Anlagenbau betreiben), und da will man oft gern wissen, „Halten meine Zylinderaufhängungspunkte ?“.  Kennt man Zylinderdruck und -durchmesser, dann kennt man die Kraft und benötigt jetzt eine Komonente orthogonal zur Unterstützung, dann gibt man zwei Vektoren in den Rechner,   F ∠@zyl  sowie  1 ∠ @auflager  und sagt dann dem Rechner „DOT“, womit das Maschinchen das Skalarprodukt errechnet und damit die Komponente in die angegebene Richtung.   Viel wichtiger, bei Antrieben:   Drehmoment = Kraft mal Hebel, sofern die Kraft orthogonal angreift.   Allgemein gilt:  Vektor Moment = Vektor Kraft  X  Vektor Hebel .   Tja, ich gebe also meine beiden Vektoren ein, sage dem Rechner dann „CROSS“ und erhalte Drehrichtung und Betrag des Drehmomentes.

Sicher, das geht auch alles mit der Hand, aber zumindest ich muß dann immer mit dem Bleistift irgendwelche Hilfslinien in die Zeichnung schmieren.

Nebenbei ganz interessant:  Dieses Ding hat, wegen seiner 128 Bit – Fließkommabibliothek, mit einer 34-stelligen Mantisse und Exponenten von -6.143 bis 6.144, eine deutlich höhere Genauigkeit als eine Standard – C – Floating Point Library.  Erstklassig zum Nachrechnen bestimmter Rechnerergebnisse.

Programmieren kann man so ein Gerät auch, interessanter sind allerdings die numerischen Integrationsmöglichkeiten (nach Simpson) und der Gleichungslöser.  Das findet man allerdings im Internet.

Dank an und Lobpreisung über Thomas Okken,  https://thomasokken.com/free42/, auf dessen Arbeit das Maschinchen basiert.

Man kann sich das Maschinchen auch fürs Mobiltelephon herunterladen, aber dann isses nicht mehr so schön.

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 28. November 2019

Zum Abgrund hin im Gänsetrott, Folge 1337

„Studierendenzahl erreicht neuen Rekordwert“

Herzlichen Glückwunsch, liebe SPIEGEL – Redaktion!

Das Weglassen des bestimmten Artikels gibt der ‚Headline‘ einen dynamisch-modernen Schmiß, aber, liebe Redaktion:

Ist ein „Rekordwert“, also ein bislang nie erreichter, nicht zwangsweise neu?

Und was ist eine „Studierendenzahl“? Die typische Glückszahl eines Astrologiestudenten? Oder war dann doch „Studierendenanzahl“ gemeint?

Und was ist eigentlich ein „Studierender“? Das deutsche ‚present participle‘, ich schreibe ja mitten aus dessen ursprünglichem Habitat, hat die Form „am tun sein“, also, „ich bin am studieren“ oder „ich bin da ‚was am Planen dran“.
Die lateinische Form für ‚der / die / das Studierende‘ ist, ganz nebenher, ’studens‘, mit dem Plural ’studentes‘. Und davon abgeleitet ist das deutsche ‚Studenten‘.
Wir haben hier also bereits einen wunderbar „genderneutralen“ Begriff, der auch Personen mit „nicht-binären“ Einbildungen umfaßt.
Und ich frage mich: Nachdem sich nun bundesweit sämtliche „Studentenwerke“ in „Studierendenwerke“ mit Millionenaufwand haben umbenennen lassen — hätte man nicht vorher jemanden fragen können, der sich mit sowas auskennt?
„Studierender“ ist ein sprachlich genauso verschwurbelter Kappes wie „People of Colour“.

Tja, lieber Spiegel: Mit einer aus vier Wörtern bestehenden bestehenden Schlagzeile greift ihr vier Mal ins linguistische Klo.

Aber keine Sorge: Ihr seid ja nicht allein mit eurem krampfhaft-peinlichen Sprachgepansche. Jetzt werde ich auf ein brandneues Schulbuch aufmerksam gemacht, Infinitesimalrechnung für Gesamtschulen:
Auf dem Titel sieht man zwei juvenile Kletterer, die eine Art „Gipfel“ erkraxelt haben und gegeneinander mit der „High Five“ – Geste abklatschen. Ungesichert, natürlich.
Der Hinweis kommt von einem erzreaktionären Mathematiker,  schön zu lesen.
Voller Scham räume ich ein: Die dicksten Fehler habe ich übersehen. Aber ein zitiertes „Highlight“ wirkte auf mich wie ein Schlag in die Magengrube:

„Als Ableitung bezeichnet man den Grenzwert des Differentialquotienten“

Heilige Scheiße! Da hat frau aber wieder einmal elementare – und elementar wichtige – Grundlagen nicht verstanden. Dagegen ist ja erstmal nix einzuwenden; wie genial das Newtonsche Tangentenverfahren ist, das ging mir selbst auch erst lange, lange nach der Schulzeit auf — aber ich habe auch kein Mathebuch geschrieben…

Eigentlich jeder weiß: Die Ableitung einer Funktion ist wiederum eine Funktion, die die Veränderung der Steigung der Ursprungsfunktion definiert. Ein „Beschleunigungsmesser“ sozusagen. Und ein „Differenzialquotient“ IST bereits ein Grenzwert. Wenn frau geschrieben hätte, „Der Grenzwert des Differenzenquotienten mit dx –> 0 ist der Differentialquotient, der die Momentansteigung der untersuchten Funktion im untersuchten Punkt definiert“ — dann wäre es vielleicht etwas komplizierter geworden und die beiden „Sportler“ hätten ggfs. ein womöglich noch dümmeres Gesicht gezogen.  Aber es wäre zutreffend gewesen  —  und wo steht eigentlich geschrieben, daß jeder eine allgemeine Fachhochschulreife erreichen muß?

Lesen Sie sich die Lösung des Magisters wirklich einmal durch:
Mit seiner sauberen, klaren und eindeutigen Terminologie bringt er Gedanken in Ordnung.

Und jetzt will ich einmal versuchen, den Bezug herzustellen zwischen dem dümmlichen Spiegel-Geschwafel und der Kritik am didaktisch wertvollen Mathebuch:
Eine These von Ludwig Wittgenstein lautet, „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meines Denkens“. Die Form meines Ausdrucks korrespondiert unmittelbar mit dem Inhalt. Wenn ich mich um korrekte Begriffe für gefundene Sachverhalte bemühe, dann werden die Gedanken klarer und, ja, einfacher.

Es gilt also nicht nur, „seine Sprache offenbart den Menschen“, sondern auch „unsere Sprache bringt unsere Gedanken in Ordnung“.

Oder eben nicht.  Wenn man mit vorzugsweise englischen wischi-waschi – Formulierungen, deren Bedeutung man eher erhofft denn erahnt, gequirlte Scheiße zusammenschwurbelt,  dann hat man hinterher auch nur gequirlte Scheiße im Kopf.

 

Allerdings glaube ich nicht, daß man junge Leute mit solchen Thesen hinter dem Ofen hervorlocken kann.

 

Man möchte heute, beispielsweise bei „Twitter“, jemandem „folgen“. Je mehr „Follower“ ein „Influencer“ hat, desto mehr wollen „folgen“. „Sascha Lobo“ befiehl, wir folgen. Four legs good, two legs bad. Deswegen hat das Böse einen Namen.
Wahlweise „SUV“, „AfD“, „alter weißer Mann“, „Boomer“. Denn das sind alles Rassisten und Faschisten. Die sind böse.  Weil es unser Feinde sind.  Und wir sind die mutige „Allianz der Anständigen“.
Die SED ist gut, weil „sozial“, die Grünen sowieso, „ist alles ausgerechnet“. Und Greta erst.

 

Das Allerpeinichste:   Unsere weißen jungen Männer halten sich für revolutionär und couragiert.

 

Ganz nebenher:  Deutschtümelei aller Art ist mir seit jeher zuwider, aber unterhaltsame Artikel in konziser Sprache finde ich ausgerechnet bei der „AfD“ – Frontfrau Corinna Mizaga.

Das ist eine Person, die keine Frauenquoten nötig hat, pointierte Charakterisierungen abgibt, die ins Schwarze treffen („Mit den Politikerinnen von SED und Grünen erlangt der Begriff ‚Trümmerfrauen‘ eine völlig neue Bedeutung“) und sich einer im wittgensteinschen Sinne klaren Sprache bedient.   Sie trägt frei vor und im wohltuenden Gegensatz zu den verkrapften Transvestit*Innen hat sie auch noch ordentlich ‚was in der Bluse‘.

 

Da transgendere ich doch als RAF-Sympathisant der ersten Stunde lieber zu den Faschisten, das ist immer noch besser, als sich mit der „Generation Y“ gemein zu machen.

Und wieder schwappt eine gewaltige Welle des gefühlten Antisemitismus über das Land.

Natürlich war es wieder der „rechtsradikale Terrorismus“, der die „Allianz der Anständigen“ in ihren Grundfesten erschüttert.

Ist das so ?

Der „aktuelle“, durchgeknallte Vollidiot von Halle ist kein Terrorist, sondern ein Psychopath.   Bei der Bundeswehr ausgebildet, konnte er nicht einmal eine Synagogentür öffnen, zerschoß dafür seine eigenen Reifen und expedierte schlußendlich zwei „Volksgenossen“ zur Hölle.  Solche Idioten sind, zumal im Osten der Republik, unvermeidlich.   Interessanter wäre es da schon, zu wissen, woher der Spinner die Maschinenwaffen hat.   Sowohl der hirnlose Möchtegern-Nazi als auch der schwedische Massenmörder Anders Breivik waren begeisterte PC-Daddelspieler.   Ich bin ja gegen Verbote aller Art, aber vielleicht sollte unsere Regierung aufhören, dieses primitive Pseudogeballere auch noch als „E-Sport“ zu fördern.

Aber:   Ein solches Attentat wie das in Halle hat mit Antisemitismus nichts zu tun.  Genausowenig, wie der abendliche Besuch bei Herrn Lübcke duch einen übereifrigen Fan mit Püster einen „rechtsradikalen“ Hintergrund hat  —  jeder kann es sich heute noch auf „Youtube“ angucken:   Wenn ein Politiker einem Auditorium entgegenschleudert, „Wer nicht unser Wertesystem vertritt, der kann gehen“, der bettelt förmlich um seine Entsorgung nach Artikel 20 Grundgesetz.

 

Das große Halali auf die bösen rechten Neonazis hat einen ganz anderen Zweck:  Den Blick auf das Offensichtliche zu verstellen.

Denn der neue deutsche Antisemitismus kommt von links !

Erinnern wir uns an den Dummschmus, den Martin Walser anläßlich einer albernen Benefizveranstaltung für den deutschen Buchhandel erbrach, noch vor der Jahrtausendwende:

Die ständige Vorhaltung der Schande, die das deutsche Volk durch den Genozid auf sich geladen hat, diene nämlich nicht dazu, das Vergessen zu verhindern, sondern werde ganz bewußt instrumentalisiert, um politische Ziele zu erreichen.

Ganz großes Kino.   Und Walser bekam das erstemal seit 20 Jahren wieder einen hoch:   MARTIN WALSER AUF SEITE 1 IN BILD.   Endlich: Das gemeine Volk liest Martin Walser.   Das ist Herrn Handke trotz des Nobelpreises nicht gelungen.  Oder Thomas Bernhard.  Mit gutem Grund auch.

Schon klar, daß jeder, aber auch wirklich jeder, diesen unglaublich gefährlichen Blödsinn nachsabbelte.   ENDLICH sprach jemand laut und deutlich aus, was wohl seit Jahrzehnten in den kleingeistigen Spatzenhirnen der dummdeutschen Mehrheit gefangen war.   Der unterwürfige, feige Bundesmichel hätte sich auch nie getraut, seinen „Gefühlen“ freien Lauf zu lassen.   Weg mit der „Schande!“.

Henryk M. Broder faßte in seiner konzisen Art zusammen:

„Die Deutschen haben den Juden Auschwitz nie verziehen“.

Walsers Ausfluß bewirkte einen Dammbruch wie seinerzeit die geniale „bouncing bomb“ am Möhnesee.   Seither ist meine Scham, dem deutschen Volk anzugehören, womöglich noch größer geworden:   Der industrielle Massenmord, begangen nicht nur von einer kleinen Gruppe ideologisch verblendeter Krimineller, sondern, regelrecht freudig, von einem ganzen Volk, ist ein so bedeutendes Phänomen, daß die Narben für alle Ewigkeit offengehalten werden müssen.

Wie wichtig dies ist, zeigt die Verwandlung der „Grünen“ und „Linken“ in waschechte „Neo-Nazis“, die elementare Grundrechte anderer beschneiden, Bücher verbrennen, Mensche öffentlich denunzieren, nicht genehme Demonstationen blockieren und die Freiheit der Lehre zur Farce werden lassen.

Und keiner erkennt:  Extremismus führt nicht nach Auschwitz.   Konformismus führt dort hin.

 

Ganz kurz vor seinem Tode ist Karl Lagerfeld tatsächlich ein Satz herausgerutscht, in dem es nicht um Karl Lagerfeld ging:

„Die Deutschen haben Millionen von Juden umgebracht, und da schämen wir uns doch heute noch für. Und jetzt lässt Angela Merkel eine Million ihrer Erzfeinde ins Land.  Und damit hat Frau Merkel die AfD stark gemacht.  Das ist erbärmlich“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

-hb

Hans Bonfigt
Samstag, der 8. Juni 2019

Once again, with feeling ?

An und für sich ist der Verlag Heinz Heise ein sympathisches Haus mit kompetenten Autoren.

Früher war mir das Haus sympathischer, als es noch „elrad“ verlegte, eine wirklich tolle Elektronikzeitschrift, die den Spagat schaffte, sowohl für (im postitiven Sinne als ‚Liebhaber‘ gemeint) Amateure als auch für professionelle Entwickler etwas zu bieten.  Abgerundet wurde dies durch wiederkehrende Grundlagenthemen, beispielsweise über das CD – System.

Dabei verstand sich Heise gerne auch als Kritiker der Industrie und war wohl auch der Todesstoß für manche „High End“ – Audio – Neppbude.

Mittlerweile hat man sich der „normativen Kraft des Faktischen“ gebeugt.   Trotzdem staunt man nicht schlecht, wenn man liest:

Trojaner-Befall: Emotet bei Heise :

Was war passiert ?

Eine Mitarbeiterin hatte auf einen „Link“ geklickt, der verdächtig aussah wie eine Geschäftsmail.  Sie hatte das offenbar grob fahrlässig mit „Microsoft Outlook“ getan.  Tatsächlich sprangen sogar zwei „Virenscanner“ an, aber die IT-Administration machte den nächsten grob fahrlässigen Fehler:  Sie vertraute auf die vielfach beworbene „Reinigungskraft“ der „Antivirensoftware“.  In der Folge passierte das, was seriöse IT-Sicherheitsexperten seit Jahren ebenso gebetsmühlenartig wie vergeblich predigen :

  • „Antivirensoftware“ ist so zuverlässig wie Homöopathie.
  • Es hilft auch nicht, Mitarbeiterinnen zu schulen.

Man muß das auch nicht mehr begründen.   Da kann ich ja gleich mit eine/r Grün*IN diskutieren.

Wohl, weil Felix von Leitner diese Meldung als langweilig empfindet, legt er sich m.E. diesmal nicht so ins Zeug wie sonst:

  • Ein Browser, bei dem man nicht auf alle Links draufklicken darf, weil einem sonst das System von Ransomware übernommen wird, ist nicht akzeptabel.
  • Eine Arbeitsumgebung, bei dem man keine Dokumente öffnen darf, die einem zugeschickt werden, ist nicht akzeptabel.

So ist es.   Aber man sollte die Konsequenz daraus laut aussprechen dürfen:   Keine unübersichtliche Software – Monokultur verwenden, nur weil die Nutzer „Komfort“ genießen wollen.   Auf gar, gar keinen Fall „Microsoft Office“.

Aber es kommt ja deutlich schlimmer:

Wer nicht ernsthaft die Möglichkeit in Betracht zieht, daß eine Komponente eines Systems kompromittiert wird und diesem Umstand im Rahmen eines soliden IT-Konzeptes Rechnung trägt, den kann man nur als erbärmlichen Idioten bezeichnen.  Oder als BSI-Jünger, was freilich auf das gleiche hinausläuft (das „BSI“ erklärte quasi ex cathedra den Betrieb von „Windows“ für sicher, versagte aber schon beim simplen „Bundestags-Hack“).   Jeder billige Kleinkompressor hat ein Betriebs- und ein Sicherheitsventil.   Jede Dampflok, und sei sie noch so alt, hat Sicherheitsventile, Schmelzpfropfen, Schaugläser und, verpflichtend, zwei unabhängige Kesseleinspritzpumpen.  Vor hundert Jahren war den Ingenieuren klar:  „Fehler werden passieren, deswegen müssen wir Mittel bereitstellen und Maßnahmen erdenken, um auf den Fall eines Falles vorbereitet zu sein“.   Lokomotiven ohne diese und viele andere Sicherheitsvorrichtungen dürfen schlicht und ergreifend nicht aufs Gleis.   Und im Gegensatz zum albernen „BSI“ verfügt das „EBA“, das Eisenbahn-Bundesamt, über hochkompetente Fachleute.

Wenn ein Unternehmen sich eine komplexe Umgebung gebaut hat, die es nicht mehr beherrschen kann und die erwiesenermaßen im Fehlerfall unkrontrollierbar ist, dann ist es unwiderruflich an der Zeit, daß diese Umgebung radikal erneuert werden muß.

Aber sehen wir uns doch einmal an, wie es beim Verlag Heinz Heise weitgerging:

Zumindest ein Teil dieser Infektionen erfolgte über Credentials eines Domänen-Administrators. Über diese richtete Emotet auf dem Zielrechner einen neuen Dienst ein. Wie Emotet an diese Credentials kam, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Log-Dateien dokumentieren zwar übermäßig viele fehlgeschlagene Anmeldeversuche durch eine Brute-Force-Attacke auf das Passwort. Angesichts dessen Stärke erscheint es jedoch wahrscheinlicher, dass Emotet die Domain-Admin-Credentials etwa aus dem RAM eines infizierten Systems abgezogen hat.

[…]

Die Admins haben sich entschieden, ein komplett neues Netz mit neu aufgesetzten Rechnern und einem neuen Active Directory hochzuziehen. Dabei werden auch gleich neue, verschärfte Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, die eine vergleichbare Eskalation zukünftig unterbinden oder doch deutlich erschweren sollen.

Heißt übersetzt:   „Völlig überraschend haben wir festgestellt, daß die Gruppe von Trickdieben und Päderasten, die im Rahmen des offenen Strafvollzugs im Kindergarten arbeiteten, dort Gelder veruntreut und Kinder unsittlich berührt haben !   Aber unser Team hat alles im Griff und wendet drastische Maßnahmen an:   Die Gruppe betreut jetzt einen anderen Kindergarten, und mit speziellen Sicherheitsmaßnahmen, noch härter als die alten, werden die Mitarbeiterinnen geschult, die gesammelten Gelder für die Ausflugskasse jetzt nicht mehr in einer Kaffeetasse, sondern im Schrank aufzubewahren.

 

Wie heißt es so schön ?

Kluge Menschen können Fehler vorhersehen,

normale Menschen lernen aus den Fehlern anderer,

aber die ganz großen Idioten lernen nicht einmal aus den eigenen Fehlern.

 

-hb

Hans Bonfigt
Sonntag, der 26. Mai 2019

Kathas Europa — und meins: Des Teufels Alternative

Auf nüchternen Magen nicht zu empfehlen:

„Ich lasse mir von alten weißen Männern mein Europa nicht kaputtmachen“

Soweit „Katharina Schulze“ von der Partei für betreutes Denken:

Mittelalter ist auch vorbei – und ich halt’s mit Arya

 

Weiß und vor allem alt, wie ich nun einmal bin, erinnere ich mich am „Europawahltag“ an das Europa, welches ich im zarten Alter von „Katha“ erleben durfte:

Aus der Kneipe nach London

Etwa 1990, leicht bis mittelschwer angetüddelt, hörten ein Freund und ich in einer Kneipe von einer da Vinci – Ausstellung in London, die sich nicht auf dessen Bilder, sondern auf seine Konstruktionen und Maschinen fokussierte – mit funktionierenden Nachbauten.  Der Alkohol fegte sämtliche ökonomische Vernunft hinweg und so saßen wir am nächsten Tag im Auto Richtung Düsseldorfer Flughafen.   Vorbereitet hatten wir:  Nichts, außer Flugbuchungen.  Eine nette junge Frau nahm den Autoschlüssel vor dem Eingang entgegen, händigte uns einen Coupon aus und wir konnten einchecken.  Ein Super-Service, heute studieren die jungen Frauen alle Politikwissenschaften oder Esoterik und sind sich zu fein für Dienstleistungen.  Zudem täte gerade heute ein bißchen Einparkpraxis macher Frau gut und wäre unterm Strich auch nützlicher als das alberne Politgeseiere.

Kontrollen ?  Zoll ?  Fehlanzeige !   Zwanzig Minuten vor Abflug waren wir am Schalter, keine fünf Minuten später saßen wir in einem funktionell eingericheten Raum mit gemütlichen Sesseln, wo Kaffee, Tee und kleine Appetithappen warteten.  FAZ, Zeit, Sueddeutsche (noch ohne Heribert Prantl) und Handelsblatt lagen aus, für die Damen auch noch „Gala“ und „Bunte“.  Und weil wir in einer Gesellschaft mit 25% Raucheranteil leben, konnte man sich auch eine würzige „Player’s Navy Cut“ aus Irland anstecken.  Mit 1,4 mg Nikotin und 21 mg Kondensat, selbstverständlich ohne Filter.  Nichts „kastriertes“ wie die heutigen EU-Schwuchtelfluppen.  Einfach nur ein starkes Geschmackserlebnis:

Überhaupt, wir hatte tolle Rauchwaren !  Da nenne ich kulturelle Vielfalt !   Für die ganz Harten gab es die „KARO“ aus der gottseidank noch bestehenden „DDR“, lecker waren die Gitanes aus Frankreich.  Liberté, toujours.   Und keine EU – regulierten „Erziehungsbilder“ drauf.  Auch die Bundesrepublik brauchte sich mit „Roth-Händle“ und „Reval“ nicht zu verstecken.  Unnötig zu sagen:  Wer wollte, konnte auch im Flugzeug rauchen.

Klar, seinerzeit mußten wir Geld wechseln.   NA UND ?  Müssen wir heute auch.  Da ist der Brite halt schrullig, es war klar, daß er sich nie von seinem Pfund und, weitaus schlimmer, von seinen verschrobenen Maßeinheiten trennen würde.   So abgrundtief albern und überflüssig die „ComEUcon“ (Danke, Roland) auch ist:  Ein vernünftiges, konsistentes Einheitensystem ist kein Luxus, sondern notwendig.   Vollkommen klar, daß die „EU“ hier auf ganzer Linie versagt hat.   Und mir tun die armen Limeys leid:  Bei uns kann man einfach herleiten:  1 Volt = 1 Kg x m² / (A x s³).   Nun haben die Briten mit uns eigentlich nur die Sekunde und das Coulomb gemein   (1A = 1 C/s)  .   Wenn sie jetzt ihre Inches und Pfunde in die Gleichung einsetzen, dann bekommen sie eine ganz andere Spannung für 1 V.   Die Umrechnungsorgien sind grauenhaft und fehleranfällig.   Bekomme ich ein engliches oder amerikanisches Datenblatt, dann rechne ich erst einmal den ganzen Horror um:

2,85 PSI „Pound Force per square Inch“ = 2,85 x 0,45359 kg x 9,80665 m/s² / (0,0254 m)²  —  gruselig. Und das war ein banales Beispiel.  Nehmen Sie Temperaturen dazu …

Andererseits:  Wenn die Briten das so wollen, dann wollen die das so.   Mit welcher unverschämten Großmäuligkeit gerade die „Grünen“, nachgerade in einer unerträglichen „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ – Manier, am Plebiszit der Briten herummeckern !

Am grünen Wesen soll die Welt genesen ...

Am grünen Wesen soll die Welt genesen ?

Was ist das für eine unerträgliche Borniertheit, etwas mehr als die Hälfte einer Nation zu ausgemachten Idioten zu deklarieren, weil diese die Nase von „Europa“ gestrichen voll hat !   „Kulturelle Vielfalt“ ja, aber nur dann, wenn sie in die kleinen grünen Spatzenhirne paßt.   Daß Großbritannien seit ein paar Jahrhunderten länger in einer funktionierenden Demokratie lebt, ganz im Gegensatz zu Deutschland, interessiert da nicht.   Es interessiert auch nicht, daß es einzig und allein den Briten zu verdanken ist, daß wir heute nicht in einer furchtbaren Diktatur leben müssen, die selbst Merkels und Junkers schräge Visionen vom vollverwalteten Eurobürger in den Schatten stellen würde.  Anstatt Dankbarkeit oder zumindest Anerkennung:   Tumbes Gelalle.

Zurück zum Trip nach England:   Völlig kontroll- und streßfrei haben wir ihn genossen, wir wurden freundschaftlich und mit Respekt behandelt, wir hatten eine schöne Zeit, der Linksverkehr war schwierig, aber die Bevölkerung ‚distinguished‘, technisch interessiert und mit einer Art Ironie gesegnet, die uns Deutschen wohl für immer verschlossen bleibt (wie oft ich allein das Wort ‚probably‘ gehört habe).  Die Ausstellung an sich zeichnete sich auch dadurch aus, daß sie nicht von hängemöpsigen Jungmuttis mit Kinderwagen im Schlepptau besucht wurde – natürlich bestückt mit mindestens einer kreischenden Leibesfrucht.  Neulich waren meine Frau und ich in einer Caspar David Friedrich – Ausstellung  — wir sind nach kurzer Zeit wieder gegangen, überall kreischte es.  In der britischen Ausstellung ging es auch nicht gerade leise zu, es waren viele junge Leute da, aber die nahmen Anteil an den Exponaten.  Das machte Spaß und Freude.

 

Im Ostblock

Prag ist wunderschön, es strahlt eine gewisse Würde aus.  Das gilt auch für die Bewohner.   Die Tschechen lassen sich nicht unterkriegen.   Das allein ist nichts besonderes, aber gleichzeitig sind die Tschechen offen für fremde Dinge, die ihre eigene Kultur bereichern.   Gut, Moslems gehören jetzt gerade nicht dazu, aber das kann ich gut verstehen.

VOR der „Europäisierung“ gab es einen großen Vorteil:   Der offizielle Umtauschsatz DM / Kronen war 1:5 , inoffiziell jedoch 1:20 .   Ein Glas erstklassig gezapftes köstliches Budweiser schlug mit umgerechnet 40 Pfennig zu Buche.  Man konnte sehr günstig in ausgezeichneten Hotels wohnen, auch nachts über den Wenzelsplatz laufen und die wunderschöne, nicht überlaufene Stadt genießen.   Die jungen Frauen dort studierten auch keine Kahanologie oder Diplom-Integrationsfachwirt*IN, sondern zum Beispiel Cello am Konservatorium.  Ach ja, man konnte sich ohne lange Vorbestellung einfach in ein Dvorák – Konzert setzen.  Denn Kultur ist alltäglich.  In Prag zumindest.   Im alten Prag.   Meine Empfehlung:   Op. 53.  Und es muß nicht immer „ASM“ sein.  Wunderschön interpretieren es Gabriela Demetrová und Libor Pešek .  Der „Amazon“ – Link bewirbt eine originale ’sozialistische‘ Supraphon – Aufnahme aus den 80ern, mit viel Glück konnte ich sie seinerzeit sowohl als Platte als auch später als CD erwerben.

Heute, im neuen Prag:

 

Ha, ha, ha, ist das lustig und feinsinnig.

Und genau so überlaufen ist es jetzt.  Überlaufen von genau den Doldis, die auf so einen Blödsinn voll abfahren — wie garantiert auch das Katha.

 

Bei uns zuhause ist doch auch Europa, oder ?

Ja, und ich fasse einmal kurz zusammen:

  • Die Mehrwertsteuer ist von 14 auf 19 % gestiegen.  Sie trifft einzig und allein den „kleinen Mann“, insbesondere den Rentner, dessen Bezüge selbstverständlich nicht analog erhöht wurden.  Ein wirklich offenes Europa hätte im Sinne des Verbots der Doppelbesteuerung und der Transparenz die Mehrwertsteuer längst gekippt.
  • Eine unsinnige EU-initiierte „Verordnung“ jagt die nächste.  Zeiterfassung für alle, Energiespar-Giftlampendekret, der europäische Duschkopf, die europäische Abschaffung des Fernmeldegeheimnisses …   Heinrich Himmler hätte seine helle Freude gehabt.
  • Das Renteneintrittsalter in der BRD ist das höchste.   Mit der Heraufsetzung hat der Gesetzgeber den Rentenanspruch des Einzelnen fast halbiert.
  • Die Rente an sich beträgt bei und etwa 50% vom Arbeitslohn (bereinigt um Zusatzkosten:  40%), in der EU durchschnittlich 60%.   Wir dürfen länger arbeiten und gleichen das mit geringeren Bezügen aus.  Dafür aber zahlen wir länger ein !
  • Wir haben in der EU mit die höchsten Abzüge für die Krankenversicherung, müssen aber am meisten privat zuzahlen:  Brille, Zahnersatz und Prothesen werden auf einmal zum Luxus.
  • Die Asylpolitik schadet allen, wirklich allen Beteiligten.  Und zwar nachhaltig, über Generationen hinweg.  „Multikulti ist gescheitert“, das propagierte schon Helmut Schmidt.  Merkels Migrationspolitik tötet.
  • Die Target2 – Salden „zugunsten“ der deutschen Bundesbank haben unterdessen einen astronomischen Stand erreicht.

  • Jedes private Unternehmen, jede Bank müßte den obigen Saldo als „Ramschpapiere“ abschreiben, bloß unsere Bundesregierung tut so, als würden die Italiener oder die Spanier in der nächsten Woche alles ausgleichen.   Die Wirklichkeit ist ernüchternd:  Deutschland ist wirtschaftlich im Arsch.  Der Michel weiß es nur noch nicht, hat zu lange auf „Mutti“ gehört und ihre schönen Schlafliedchen.  Kein Mitleid, er hat sich diese „Mutti“ selbst ausgesucht.
  • Überall in Deutschland wuchern Zensur, Überwachung und Repression.  Es ist ein Klima der Hetze und Denunziation entstanden, das fatal an die Zeit kurz vor 1933 erinnert.   Hochschulprofessoren werden wegen neutraler, harmloser privater Meinungsäußerungen an den ‚virtuellen‘ Pranger gestellt.  Ein Land, in dem ich nicht „gut und gern leben“ kann.  Frau Merkel und Frau Kahane schon.

 

Tja, und nun, heute, soll ich wählen gehen.

Und soll ich Ihnen etwas sagen:   „Normalerweise“, also unreflektiert, hätte ich heute entweder Sonneborns

gewählt.  Oder die Piraten.

Aber warum keine Alternative zur Protestwahl ?   Versuchen wir es doch einmal mit dem „Wahl-o-Mat“en …

Und wissen Sie ‚was ?

Ich drücke jetzt auf „Veröffentlichen“ und dann gehe ich los und wähle genau diese Arschlöcher.

Des Teufels Alternative …

Gruß, Ihr

-hb

 

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 9. Mai 2019

Ultra posse nemo obligatur ?

Die Experten sind sich ‚mal wieder weitgehend einig.

Die Aufgaben im Mathe-Abitur waren ja gar nicht schwer !

Die Krönung:  Ein Junglehrer hat, drei Tage lang in je 5 Stunden, die Aufgaben nachgerechnet, von denen die Schüler die Hälfte innerhalb von 5 Stunden lösen mußten.  Dabei hatte er auch noch Zugriff zu den Lösungen und nutzte diese nach eigenem Bekunden kräftig.   Aber er fand, „die Aufgaben waren ja gar nicht schwer“.

Mir bleibt der Mund offen stehen.  Es fängt damit an, daß der moderne Junglehrer nicht mehr differenzieren kann zwischen „schwierig“ und „schwer“.   Schlimmer ist schon, daß der Lehrer in keiner Weise berücksichtigt, daß die Sorge, nicht in der vorgegebenen Zeit fertig zu werden, die Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigt.  Dieses Phänomen tritt insbesondere in der Mathematik zutage:  Man braucht sich, beispielsweise bei komplexeren Äquivalenzumformungen, nur einmal geringfügig zu verhauen und rechnet fortan unter deutlich erschwerten Bedingungen zeitraubend so lange, bis „-2 = Wurzel 6“ herauskommt.  Und schwupp, ist eine halbe Stunde beim Teufel.

Meine Mathenote war in der gymnasialen Oberstufe immer eine „3“, gebildet aus einer schriftlichen „4“ und einer mündlichen „1“.  Freilich möchte ich dazu sagen, daß ich meine Mathearbeiten stets ohne Hilfsmittel geschrieben haben, insbesondere ohne „Formelsammlung“ und sonstigen Spökeskram.   Diese ganzen Sicherheitsartikel waren mir schon immer zuwider:  Fahrradhelme, Kondome, Spickzettel, Warnwesten, Formelsammlungen, Zigaretten mit „Gesundheitsfilter“  —  ich habe nie so etwas benutzt.   Fahrradhelme sind gefährlich, Kondome versauen den Spaß am Sex, Spickzettel sind unehrenhaft, mit Warnwesten macht man sich lächerlich, Formelsammlungen verhindern zuverlässig jedes operative Denken  —  und wenn ich „gesund“ rauchen will, dann lasse ich es gleich ganz.   Insofern war ich geringfügig benachteiligt.   In den damaligen Aufgaben sah ich nie ein Problem in der Lösungsstrategie (wir hatten einen brillanten Mathematiklehrer, der einen spannenden Unterricht anbot), aber die Rechnerei konnte schon lästig werden.  So kam es, daß ich viele Klausuren „versaute“.   Sicher:  Man hätte sich auch vorbereiten können.   Aber ich war der Meinung:  6 Schulstunden pro Tag plus Anfahrt sind genug.

Warum nicht nach 40 Jahren wieder eine Matheklausur schreiben?   Um es vorwegzunehmen:   Ich habe mehr als 15 Stunden gebraucht.   Genial muß man nicht sein, um die Lösungsstrategieen zu finden – aber der Rechenaufwand ist dann doch nicht unerheblich.  Und ich weiß nicht, wie es heute gehandhabt wird, aber für mich ist eine Validierung der Lösung in Form einer „Gegenprobe“ Teil der Aufgabe.   Auch, wenn ich mich vorher einem Repetitorium unterzogen hätte, wäre ich in der erforderlichen Zeit nicht fertiggeworden.   Prognostiziertes Ergebnis:  4, ausreichend.

Die Matheklausur war klar zu schwierig  —  und das ist gut so !

Denn warum sollte jeder Gesamtschüler eine glatte „1“ bekommen ?   In der Mathematik sind zwei Dinge wichtig:   Abstraktes, operatives Denken einerseits, jedoch zähes, sorgfältiges, frustrationstolerantes, diszipliniertes Arbeiten andererseits.   Nur, wer beides in die Waagschale wirft, kann ein wirklich exzellentes Resultat erreichen.

Mit meiner „3“ in Mathematik war ich stets zufrieden und fühlte mich gerecht bewertet – denn wir hatten im Jahrgang jemanden, der neben operativem Denken auch noch Fleiß und Sorgfalt mobilisierte — und der schrieb regelmäßig die „Einsen“.   Vielleicht hätte ich das auch schaffen können — dann hätte ich aber ganz sicher bei der Sauferei kürzertreten müssen.   Wollte ich aber nicht.   Mich aber zu beschweren über zu schwierige Aufgaben?   Ich hätte mich geschämt bis in die Steinzeit.

Ist es nicht schön, wenn eine Aufgabe „Luft nach oben“ bietet ?  Die jungen Leute schreiben doch immer in ihren Bewerbungen, „suche neue Herausforderungen“.  Ein junger Mensch, der unter Zeitdruck und ohne Hilfsmittel diese Aufgaben in der vorgesehenen Zeit löst, zeigt damit, daß er die vermittelte Mathematik gut verstanden hat und praktisch anwenden kann.  Auf eine glatte „1“ kann er stolz sein.

 

„Aber unsere ganze Zukunft ist jetzt zerstört !!!“

Tja, UND ?   Dann ist das so.   Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Und man wird ja auch fragen dürfen, „Warum mußte es unbedingt Mathe als Abiturfach sein?“

Vielleicht auch noch ein bißchen radikaler:  „Warum muß eigentlich jeder junge Mensch ein Abitur haben?“

Hans Bonfigt
Montag, der 15. April 2019

Postdigital mit Heinz und Karl

Wir kennen das ja alle mit den Trends.

Etwa Anfang der 90er Jahre wollte die Bundespost Deutschland „digitalisieren“, dazu bescherte sie uns „ISDN“, was Kenner stets übersetzten mit „In Sachen Digitalisierung Nixdorf“.  Und die „Computerwoche“ titelte, computerwochentypisch, „Laut einer IDG-Studie sind immer mehr Unternehmen zum Outsourcing bereit“.   Gemeint war:  „Mit der neuen Digitalisierung durch ISDN wollen immer mehr Kunden in die Cloud“.

Naja, es hat höchstens vier Jahre gedauert und der neue Trend war „Insourcing“.  Und das mit der „Digitalisierung“ hatte sich erledigt.  Der heruntergekommene Osten bekam eine geniale, auf Glasfaser basierende Technik mit verteilter lokaler Infrastruktur, „HyTAS“, das „hybride Teilnehmeranschlußsystem“.

Dumm bloß:  Die Pornos gab es nur auf Videokassetten oder auf Teresa Orlowskis Privatkanal im TV.   Also interessierte sich im Osten keine Sau für digitale Dienste.  Und der Ossi war gar nicht so blöd:  Die hatten nämlich Leute, die verdammt gut ausgebildet waren und sich selber helfen konnten – wenn sie denn auch wollten.  Die brauchten keine „digitalen Help-Foren“.

Fazit:  Der „Digitalisierungstrend“ der frühen 90er Jahre war nach fünf Jahren vorbei.

Um 2010 fing der ganze Mist erneut an.  Mit einem kleinen Unterschied:  Während früher nur Unternehmen einen Anschluß an das ehemalige Wissenschaftsnetz „Internet“ besaßen, mit max. 2MBit/s Durchsatz, sind es heute vor allen Dingen die bildungsfernen Proleten, die „Bandbreiten“ von 200 (!) MBit/s und mehr für ein lächerliches Entgelt gebucht haben.   Denn Pornos und sonstige Asozialenbespaßung gibt es jetzt „im Netz“.  Und natürlich auch „to go“.

So können hier aufgenommene Moslems nicht nur im Nichtschwimmerbecken eines Familienbades ihren Darm entleeren oder junge Frauen vergewaltigen, sondern diese ihre Heldentaten auch gleich mit „Handy ins Netz stellen“, gerne über das „Freifunk-WLAN“.

Meine Frau und ich haben jetzt „Downton Abbey“ über einen Online-Dienst „gestreamt“, obwohl wir die DVDs im Haus haben.  Und dabei, nebenher, mehr Schadstoffe produziert als bei der Herstellung der DVDs anfielen.  Zumal:  Die DVDs kann man mehrfach angucken.

Unseren Unternehmen schadet der Vernetzungstrend:   Die arbeitende Bevölkerung wird immer mehr abgelenkt durch Mail, „Twitter“, „ebay“ und sonstigen Spökeskram.   „Industrie 4.0“ brauchen wir auch nicht einzuführen, denn die haben wir längst realisiert.  Erfolgreich.  Weil ohne Informatiker-Idioten.   Unsere Effektivität sinkt unterm Strich dennoch, kriminelle Vereinigungen wie VW können nur noch mit schäbigsten, primitiven Taschenspielertricks liefern.  BMW macht sich mit Anfängerpannen beim „Connected Drive“ lächerlich.

Dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff verdanken wir den nach ihm benannten Zyklus, wenn Sie mich fragen, alles Blödsinn und Mißbrauch der Trigonometrie.  Aber gehen wir doch einmal davon aus, daß Bloggründer Roland wie häufig recht hat, wenn er die Zeitenwende der digitalen Gesellschaft ankündigt.  Nun, was könnte dann passieren ?

  • Einige Politiker erkennen, daß es doch keine so gute Idee war, daß der Islam  – oder irgendein anderer Religionsschwachsinn –  zu Deutschland gehöre.
  • Dummerweise ist es jetzt zu spät:  An den Schulen haben wir 50% religionsgeschädigte Kinder teilweise mit „festverdrahteten“ archaischen, menschenfeindlichen Weltbildern, ohne jede sinnvolle Unterstützung von zuhause, ohne Sprachkenntnisse aller Art, auch nicht mehr in der eigenen Muttersprache.  Teilweise sind die armen Geschöpfe schwer dement infolge inzestuöser Zeugung.
  • China, Korea, aber auch bestimmte Ostblockstaaten haben uns technologisch abgehängt.

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Frau Merkel und die Grün*Innen haben geschafft, was den Siegermächten von 1945 mißlang:  Nach „Industrie 4.0“ kommt jetzt

Morgenthau 2.0

Und, um mit Frau Göring-Eckhardt zu sprechen:  Ich freue mich darauf !

 

Wir müßten nur unsere Strukturen umstellen.  So, wie es seinerzeit unser Willi gemacht hatte.

Der kleine Unternehmer Willi Kiesow in Hagen/W.  Für mich ein ganz großer Mann.

Willi fing an als Schweißer bei den BLW, den Borsig-Lokomotivwerken in Berlin.  Dort lernte er, wie man Feuerbüchsringe aus Kupfer an einen Stehkessel aus Stahl schweißt.  Eigentlich ist das unmöglich.  Aber in Willis Wortschatz existierte das Wort ‚unmöglich‘ nicht.  Innerhalb kürzester Zeit hatte er sein Herz an die Schweißtechnik verloren und avancierte zum „Star-Schweißtechnologen“ bei den BLW.  Denn damals zählten Ergebnisse und keine „Assessment Centres“. In den siebziger Jahren machte er sich selbständig und wurde zur Legende.   Selbst als ich ihn noch nicht kannte, waren Sätze wie:  „Dieses Gußteil ist irreversibel kaputt, das können Sie nicht schweißen.  Es sei denn, sie geben es zu Willi Kiesow“ sehr oft gehörte.  Willi hatte ein Gefühl für Material und Prozeß – und für Wärmebehandlung.   Viel wichtiger vielleicht noch:  Er konnte seine Kenntnisse an seine Leute vermitteln.

Zehn Jahre später fliehen die beiden Brüder Bungorovic aus Kroatien.

Sie hatten Glück:  Als sie von der Arbeit nach Hause kommen, ist ihr Elternhaus nur noch ein Haufen rauchender Trümmer, aber sie selbst sind unversehrt und fliehen nach Deutschland.  Suchen eine Arbeit und werden vom Arbeitsamt zu Willi geschickt.  Der will sie gar nicht erst hereinlassen, denn „Leute, die einem das Arbeitsamt schickt, taugen nix“.  Aber Willi sieht sich die beiden doch kurz an und meint:  „Also eure Namen kann ich mir nicht merken, aber Du (zeigt auf Said) bist jetzt Karl und Dein Bruder ist jetzt Heinz“.  Spätestens jetzt läge Claudia Roth japsend auf dem Rücken.  „Und morgen fangt Ihr bei mir an“.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen:   Ich mußte einen Prototyp bauen, dessen zentraler Teil ein Duroplast-Reaktor mit komplexer Geometrie war.  Extrem saubere, glatte Edelstahlschweißnähte waren Pflicht.  Unsere „üblichen Verdächtigen“ schüttelten alle den Kopf, aber wieder hörte ich den Satz:  „Wenn das einer kann, dann ist das Willi Kiesow“.

Und so fuhr ich dort vorbei:  „Welcher Idiot hat denn das hier konstruiert ?“   „Steht vor Ihnen“, antworte ich.  Es gibt einen längeren Disput, warum diese Ringdüse so und nicht anders ist.   „Und außerdem:  Die kriegen wir gar nicht in dem kleinen Radius gebogen, so wie Du dir das vorstellst.   Es sei denn, wir walzen die Düse erstmal bis auf 1,4 r, füllen den Ring dann mit Sand, glühen ihn ordentlich durch uns walzen ihn dann auf Maß.  Und auch der Behälter wird teuer.  Die Muffen für die Sondergewinde müssen wir selbst drehen.  Auch die Wärmeschutzstücke aus Polyamid.  Da habe ich gar nicht die Zeit, mich so intensiv drum zu kümmern.   Aber ich mache Dir ein Angebot, Langer:   Du kriegst zwei Leute von mir, Heinz und Karl, die bauen das für Dich.  Ich gucke, daß die Schweißerei etwas wird, Du guckst, daß Dein Gartenstuhl so wird, wie Du ihn brauchst“.

Gesägt, getan.  Genauer gesagt:  Gewalzt, getan.   Unterdessen war „Karl“ so etwas wie der Vorarbeiter im Laden und „Heinz“ war spezialisiert auf WIG-Schweißen.  Ab und zu gab es Differenzen bei der Maßkontrolle.  „Willi anders gerechnet“, meinte Heinz und weigerte sich, meine Zahlen zu akzeptieren.  Bis Willi irgendwann sagte, „der Lange kann auch rechnen“.  Selten habe ich Menschen erlebt, die so hinter ihrem Chef standen wie Heinz und Karl.   Denn Willi kümmerte sich um sie.  Er hatte sie ausgebildet und ihnen Wohnungen besorgt.  Ihnen behelfsmäßige Möbel organisiert.  Vor allem aber:  Er hatte sie, man würde heute sagen, „gesellschaftlich integriert“.

Denn aus seiner Berliner Zeit kannte Willi jede Menge Musiker, beispielsweise Paul Kuhn und das Orchester vom RIAS Berlin.   Und oben, über seiner Werkstatt in Hagen-Bathey, hatte Willy ein komplettes, riesiges Tonstudio eingerichtet.

Und fast jeden Abend jazzten die alten Herren los.   Einmal im Monat gab es eine richtige „Performance“, man konnte kommen, wenn und wann man wollte.  Ordentliche Kleidung war erwünscht.   Getränke waren frei.   Ich kam, wann auch immer ich konnte, trotz des von allen außer mir geschätzten Highlights des Abends, Willis legendärer „frischen Suppe“, die ich immer unauffällig in irgendeinem Gully verklappte.

Sehr oft mit dabei:  Willis Mitarbeiter Heinz und Karl, die ganz zwanglos am Tisch saßen mit Leitenden Ingenieuren von Krupp VDM und Brüninghaus.  Alle hatten Spaß, Willi stand oft selbst am Vibraphon, mein Ding war und ist Jazz nicht, aber so buchstäblich „mittendrin“ war die Truppe immer ein Erlebnis.

Heinz und Karl waren die ersten und einzigen „gut integrierten“ Flüchtlinge, die ich kennenlernen konnte.  Und beide, sowohl Karl als auch Heinz, hatten einiges auf dem Kasten.   Aber es gab auch Probleme:

„Jugoslawisch Mann das nix versteh“

Etwa sechs Wochen bauten wir am Prototyp, wenn es für mich gerade nichts zu tun gab, trieb ich mich in der Werkstatt herum und half schonmal aus bei der Reparatur von Pressen, Krananlagen, Drehbänken – meistens waren es „elektrische“ Dinge.  Einmal hatten die Jungs mit einer schweren Welle ein Steuerkabel durchgequetscht und aus dem Schrank herausgezogen.   Ich wollte ihnen zeigen, wie man so etwas „richtet“.   Keine Chance.   Denn sie sagten von vornherein:  „Jugoslawisch Mann das nix verstehn“.   Nun sieht so ein teilverdrahteter Steuerkasten recht kompliziert aus und ich habe versucht, ihnen einen Schaltplan nahezubringen.  Zwecklos.   Zu Willi sagten sie, „Langer hat repariert, ganz ohne Schaltplan“.  Ich sagte den beiden, „Es geht nicht ohne Schaltplan.  Den Schaltplan hatte ich im Kopf“.   Das provozierte die Frage, „Du kennen von allen Maschinen die Schaltpläne?“.  Ähnlich bizarr war es mit den Fertigungszeichnungen, auf denen ab und zu einmal ein Maß scheinbar fehlte.  Sie gingen dann zu Willi, der es ihnen ausrechnete.   Später, vieeeeel später kamen sie mit solchen Dingen auch zu mir.   Mit Trigonometrie bin ich den beiden nie gekommen, aber ich habe einmal versucht, ihnen die Vorteile des pythagoreischen Lehrsatzes zu vermitteln.   Und ja, ich kann das, auch in sehr einfachen, verständlichen Worten.  Es war zwecklos.  Karl hatte kein Problem damit, einen alten Hanomag-Motor komplett zu zerlegen, Heinz schweißte derweil den gebrochenen Grauguß-Zylinderkopf und bearbeitete ihn auf der Planschleifmaschine.  98% aller Informatiker würden hier kläglich scheitern.

Aber sobald eine Tätigkeit auch nur ein bißchen abstrakt wurde, machten die beiden Brüder schlapp.

Und hier liefert Ludwig Wittgenstein einen wichtigen Erklärungsansatz, im berühmten „Tractatus“:

„Die Grenzen meiner Sprache bestimmen die Grenzen meiner Welt“

Wenn wir erwachsenen Menschen, die weder sprechen, lesen, schreiben und rechnen können, eine würdige Existenzgrundlage schaffen wollen, dann müssen wir diesen eine kleine, einfache, unkomplizierte Umgebung schaffen.

Einen „Flüchtling“ mit Elektrizität und Mobilfunktechnik auszustatten, kann nicht zum Erfolg führen.

Es muß sich jemand um ihn kümmern, ihm zeigen, was er zu tun und zu lassen hat, es muß ihn jemand mögen und wertschätzen.  Und es muß ihm jemand für gute Arbeit auch gutes Geld zahlen.

Genau das war es, was Willi Kiesow für seine Leute getan hatte.  Und gern wiederhole ich mich:  Willi und Sina Trinkwalder sind für mich ganz große Menschen.

-hb

Hans Bonfigt
Montag, der 7. Januar 2019

Crisis ? What Crisis ?

Es ist noch nicht lange her, etwa um die Zeit der Eröffnung der letzten CeBIT, da forderten Spitzenpolitiker, namentlich Sickmar Gabriel und Angela Merkel, Menschen also, denen besonders im Osten gehuldigt wird:

Das mit der Statik überdenken wir aber nochmal …

 

Beide hier angesprochenen Sympathieträger hatten eine klare Botschaft, „Wir brauchen keine Datensparsamkeit, sondern Datenreichtum,  denn Daten sind der zukünftige Rohstoff“.

Nun, mit dem neuen „Cyber-Hack“ wurde geliefert wie bestellt !

Aber das scheint ja dann auch wieder nicht das zu sein, was gewünscht war.  Man spricht hochtrabend vom „Verrat an der Demokratie“.   Genau – das sage ich seit Jahren, Merkel und Gabriel sind Verräter der Demokratie.  Nichts Neues also.

Aber auch das ist wohl nicht gemeint.  Offenbar hatte die selbsternannte „Politische Klasse“ nicht die eigenen Daten im Sinn, als es um den „Datenreichtum“ ging, sondern die Daten des „Packs“.

Nun ist das gemeine Volk völlig beratungsresistent, hat überall „Payback-Karten“, „Kundenkarten“, macht jedes Preisausschreiben mit und meldet sich in beliebigen „sozialen Netzwerken“ an, insbesondere auf „Facebook“ oder „Twitter“.  Allein ein Blick in die Visage dieses „Zuckerbergs“ sollte eigentlich einen kultivierten Mitteleuropäer dazu bewegen, diese fiese Proletenschwemme zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.   „If the service is free, YOU’re the product being sold“, das ist wohl das mindeste, was heute ein Haupt- oder Gesamtschüler, zumal in Bayern, internalisieren sollte.  Ein Gymnasiast sollte darüber hinaus wissen, daß amerikanische Unternehmen qua Gesetz faktisch gezwungen sind, gegen den bei uns gesetzlich vorgeschriebenen Datenschutz zu verstoßen.  Aber weit gefehlt:   Auch meine ehemalige Lehranstalt prostituiert sich „auf Facebook“.

Das gemeine Volk denkt natürlich nicht daran, sichere Paßwörter zu benutzen.  Und schon gar nicht mehrere.  Es reicht also die Kompromittierung eines einzigen Kundenportals, und schwupp sind alle Konten auf einem rumänischen Server.   In absolut krimineller Manier kauft die Bundesrepublick Deutschland zudem illegale Werkzeuge, die „dem Pack“ selbstverständlich strafbewehrt verboten sind.  Dumm nur:  Kein anständiger „echter“ Hacker gäbe sich für die Mitarbeit beim „BSI“ oder beim „Cyber-Abwehrzentrum“ her.  Auch der „BND“ bekommt keine Leute.   Das hat seine Gründe.  Es wäre für mich sozialer Selbstmord, für dieses korrupte System zu arbeiten – nicht einmal meine Frau würde mich noch anschauen wollen.   In aller Regel vegetieren innerhalb der „Dienste“ charakterschwache Verlierer, denen wirkliche Fachkenntnis fehlt.  Und in der Hand dieses „Personals“ verkehrt sich Sicherheit ins Gegenteil.

Aber bleiben wir beim dummen Volk:   Der Umgang mit den eigenen Daten ist derart fahrlässig, daß man Kevin Müller oder Chantal Meier nicht mehr als „Opfer“ sehen muß, sondern als Täter oder zumindest „Begünstiger“.

Mit „Facebook“, „Twitter“ und „Payback“ bekommen Kevin und Schantalle genau das, was sie verdienen.  Mögen sie daran verrecken.

 

Erkläre Chimäre

Aber diesmal hat es ja eine ganz andere Species getroffen, die eingangs erwähnte „Politische Klasse“.

Was sind das für Menschen?  Nun, vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die  San Franzisko – Reise einer fraktionsübergreifenden Bundestagsdelegation.  Es ging um das amerikanische Gesundheitswesen.  Organisiert wurde dies von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft.   Nun, der schrieb einen geharnischten Brief nach Berlin, denn die Damen und Herren waren allesamt vom Stamme Nimm.  Dreist forderten sie, den Kalender nicht mit zu vielen sachbezogenen Themen zu überfrachten, man wolle sich auf eigene Faust informieren, insbesondere über die Schuhindustrie.  Eine der Teilnehmerinnen ist von Beruf Schuhfabrikantentochter.    Den eigentlichen Termin sagte man kurzerhand ab, weil ein Mitglied der amerikanischen Gastgeber überraschend ausfiel.  Es sei schon sehr wichtig, ließ man die amerikanischen Kollegen wissen, daß man sich „auf Augenhöhe auszutauschen“ gewohnt sei.  Peinlich nur:  Die blasierte Mischpoke befand sich bereits in Freizeitkleidung, bevor sie vom Ausfall der Amerikanerin erfuhr.  Aber schlimmer noch:  Wie müssen sich die amerikanischen Gastgeber gefühlt haben ?   Geht es bornierter, geht es undankbarer, geht es widerlicher ?   Um es vorwegzunehmen:   JA, ES GEHT.  Eine der „Damen“ litt unter einer verletzungsbedingten Gehbehinderung und verlangte am Flughafen forsch nach einem Rollstuhl.  Nun entsprach das auf die Schnelle besorgte Modell nicht den Ansprüchen der Dame und die Delegation forderte „einen Neger an, um den Rollstuhl zu schieben“.  Ja, es sei nicht ausgeschlossen, so ein Delegationsmitglied, daß er in der Hitze des Gefechts diesen Begriff gebraucht habe.  Nun ist gegen den Begriff „Neger“ nun einmal nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil, es ist der einzige verwendbare.  „Farbiger“ zielt ja wohl eher auf Punker ab, nicht alle Neger sind „Schwarze“ und „Afrodeutscher“ paßt auch eher selten.  Wenn aber jemand einen „Neger“ anfordert für, aus der Perspektive eines bornierten Möchtegernpolitikers gesehen, „niedere Arbeiten“, dann steckt da eine verräterische, dafür aber umso widerlichere Botschaft dahinter:  „Für niedrige Arbeit ist der Neger vorbestimmt“.   Nun werden Sie fragen:  „Sitzt diese widerliche Mißgeburt immer noch im Bundestag?“.   Aber ja, selbstverständlich.   Aber das beste kommt jetzt:  Die Rollstuhlfahrerin (oder eben Nichtfahrerin) ist jetzt, ganz aktuell, „Die Beauftragte der Bundesregierung für Integration“.    Wer möchte, kann noch mehr Details über diese „Dienstreise“ lesen, aber Vorsicht:  Macht schlechte Laune.

Mit solchen Ersatzmenschen wie hier beschrieben hat man es im Bundestag zuhauf zu tun.  Und wenn sie sich schon in Gastländern so benehmen, daß jedem halbwegs kultiviertem Menschen der Atem stockt, wie sollte man sich dann deren Umgang mit eigenen Mitarbeitern vorstellen ?   Ja, lieber Leser, Sie ahnen es bereits:  Unterirdisch.   Unter IT-Administratoren „kennt man sich“, es gibt da zum Beispiel ein jährliches Treffen auf Schloß Ebersberg, wo man sich in lockerer Atmosphäre austauscht.  Und man bekommt da so einiges zu hören.   Beispielsweise wird IT-Mitarbeitern dreist mit sofortiger Kündigung gedroht, wenn nicht sofort das gewohnte, dreistellige Paßwort für die Frau Abgeordnete wieder eingestellt wird.  Es müssen selbstverständlich auch alle Dinge installiert werden, die sich eigentlich nicht auf den Bundestagssystemen befinden dürfen.  Während die Abgeordneten so technikaffin sind wie ein rosa Pudel, haben sie aber eines begriffen:  Sie lassen sich ein Programm installieren, welches die lokalen Proxyserver des Bundestages umgeht, um so ohne Überwachung Pornographie zu konsumieren oder aber Kanäle zu den Organisationen aufzubauen, von denen sie geschmiert werden.  Wenn Administratoren diesen Nulpen zu erklären versuchen, daß sie damit das gesamte Netz der Bundestagsverwaltung gefährden, gibt es wieder Drohungen und Beschwerden gegen den Mitarbeiter.  Daß ab und zu einmal Politiker-Notebooks als Pfand im Puff landen, ist ja aus der Tagespresse bekannt.

Nun müssen wir festhalten:   Was gibt es Unnützeres als eine Horde gekauftes Stimmvieh, das sich unter gröbster Verletzung unseres Grundgesetzes der Fraktionsdisziplin unterwirft ?  Diese Menschen tun nichts Sinnvolles.  Ergo bräuchten sie auch keinen „Computer“.   Und genau DAS wäre eine effiziente, RADIKALE Lösung eines eklatanten Sicherheitsproblems.  Allen ein „IPad“ zur Bespaßung, das reicht.

Ach, das haben sie schon ?   Na, umso besser !  Dann wäre das ja geklärt:   Genau so, wie man Alkoholikern sinnvollerweise die Fahrerlaubnis entzieht, nehme man den Abgeordneten einfach das restliche elektronische Spielzeug weg.  Man wirft ja auch keine geladene Maschinenpistole in den Schimpansenkäfig.

 

Ein niedliches Frauchen

Es bedarf aber noch anderer Maßnahmen.   Das obige Bild zeigt „Digital – Staatsministerin“ Dorothee Bär.   Bevor ich jetzt wieder lästere:   Ich finde die Dame recht knuffig, mit einem warmen, herzlichen Gemüt, bestimmt ist sie auch fleißig, kann kochen und ist eine gute Mutter.  Und diese leichte Ansatz zur Pummeligkeit steht ihr.  Ich wollte gar keine Frau mit klassischen Model-Maßen haben.   Also, wenn ich mir das Frauchen so angucke, dann komme ich in Versuchung nachzudenken, ob ich vor zwanzig Jahren bei der Frauenauswahl nicht einen gewaltigen Fehler gemacht habe.

Aber diese bayerische Maid, die garantiert wieder so etwas Nutzbringendes gelernt hat wie die Kollegin Sylvana Koch-Mehrin, mit einer wichtigen Aufgabe zu betrauen ?  Wo sie sich, es ist noch keine zwei Wochen her, explizit dafür ausgesprochen hat, bei der „Elektronischen Gesundheitskarte“ den Datenschutz auszuhöhlen ? Was kann da schon schiefgehen ?  Am Arm trägt sie eine „Apple“ – Uhr, das läßt auch auf ein „Apple“ – Mobiltelephon schließen.   Also sind Madames Daten, und natürlich auch die ihrer Kinder, garantiert sicher in der „Apple – Cloud“.  Hätte man da nicht jemanden nehmen können, der sich damit auskennt ?

 

Warum nicht Sie ?

Das ist Constanze Kurz, ist auch nett anzuschauen, benutzt aber zusätzlich ihr Gehirn und zeigt Haltung.  Das will ich der Frau Bär ja gar nicht absprechen, aber die Frau Kurz verfügt über eine fundierte fachliche Ausbildung zum Thema und hat auch hochinteressante Dinge im fachlichen Kontext publiziert.  Desweiteren engagiert sie sich im CCC.

Das wäre einmal eine starke Wahl für eine fachlich kompetente Staatsministerin gewesen.

 

Crisis ?   What Crisis ?

Und so wird sich nichts ändern.  Alle zusammen benutzen weiterhin schön Microsoft und vor allen Dingen „Outlook“, das Haupteinfallstor für Trojaner aller Art.  Obwohl jeder weiß:  Virenscanner helfen nicht !   Das einzige, was hilft (meine Frau hängt seit 1996 breitbandig mit „Windows“ im Internet ab und hatte noch nie einen „Virus“), ist die eigene Intelligenz und Medienkompetenz.  Und die fehlt ganz pauschal bei fast allen Politikern.  „Microsoft Windows“ ist aber ein exzellentes Werkzeug, um den Wirkungskreis von Dummheit dramatisch zu vergrößern.

Und ohne jetzt Roß und, äh, Reiter zu nennen:  Das ist dann wohl auch der Grund dafür, daß ein besonderer Unsympathieträger einer großen deutschen Stadt die Wiedereinführung von „Windows“ betreibt.

-hb

 

Hans Bonfigt
Samstag, der 5. Januar 2019

Die kleinen Freuden …

… machen den Mensch zum Menschen.

Denke ich manchmal.  Und als Nicht-Philosoph eröffnen sich mir  ja auch ganz ganz unzulässige Vergleiche.  Unsere drei Katzen kommen prima miteinander aus.  Sie spielen zusammen, wenn es einer nicht gutgeht, weil sie mit den messerscharfen Krallen einen Weihnachtskalender aufgeschlitzt und geplündert hat (Schokolade ist Gift für Katzen), dann kommen die beiden anderen und „waschen“ und betütteln sie.  Aber wehe, es ist Fütterung!   Da gönnt jeder dem anderen:  Genau NICHTS !

 

Am ersten Arbeitstag dieses Jahres besteige ich in Osnabrück einen Zug.  Es ist noch vor acht, gefrühstückt habe ich noch nicht.  Eine Dame kommt mit einem Tablett Kaffee durch den Gang.  Meine mir am Zweiertisch gegenübersitzende Nachbarin bestellt einen Kaffee, ich will desgleichen tun, gucke aber vorsichtshalber ins Portemonnaie.

Mist – nur noch ein Hunderteuroschein.   Die Dame kann nicht wechseln.

EC/Karte ?  Gern.  Aber:  Oh Mist:  Gültig bis 12/2018.  Frohes neues Jahr ?

Aber ich habe doch Hartgeld ?  Ja, reichlich Sibermünzen.  Leider ging die letzte Dienstfahrt nach Märstetten im Thurgau.  Es sind Schweizer Franken.

„Wissen Sie ‚was ?“, greift die mir gegenübersitzende Dame, die ich heute zum erstenmal sehe, in die Verhandlungen ein, „Ich lade Sie ‚mal ein.  Ohne Kaffee in den Tag  –  das geht doch nicht“.

 

Obwohl ich einen eher unerfreulichen Termin vor mir hatte, habe ich mich den ganzen Tag lang über diese Freundlichkeit gefreut.  Richtig gefreut.

 

Denn manchmal unterscheiden wir Menschen uns doch von den Tieren.

 

–hb