Jens-Uwe SchmidtMontag, der 28. Juli 2008
Sind Neufahrzeuge wirklich so umweltfreundlich?
Ich finde es ist an der Zeit, das ganzen Geschrei über die Umweltbelastung der Autos auf unseren Straßen etwas kritisch zu kommentieren. Überall hört man, dass man tunlichst neue, verbrauchsoptimierte Kraftfahrzeuge kaufen möge, um den Ausstoß an CO2 zu minimieren. Bei den Diskussionen im Fernsehen sind dann auch lauter Fachleute eifrig am Argumentieren, zum Beispiel Herr Wissmann (Präsident des Verbandes der Automobilindustrie) oder noch direktere Abgesandte der Automobilhersteller. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, denn natürlich haben diese Herren nur die Minimierung der Umweltbelastung im Sinn und nicht etwa die Gewinnmaximierung ihrer Brötchengeber.
Beleuchtet man die “Schädlichkeit” eines Autos, so wird immer wieder gerne der Ausstoß des Fahrzeuges im Betrieb hergenommen, aber Autos wachsen nun mal nicht auf Bäumen sondern müssen hergestellt werden. Die Herstellung eines Kraftfahrzeuges beansprucht ein erhebliches Kontingent an Energie, aufwändige Rohstoffherstellung, Transport zum Kunden etc. Und wenn das Auto nicht mehr gebraucht wird muss es natürlich fachgerecht entsorgt werden.
Der komplette Lebenszyklus wird nur in der Öffentlichkeit so gut wie nie diskutiert, denn da sähe es für die ach so verbrauchsarmen Kleinwagen gar nicht mehr so gut aus, denn sie halten nicht so lange wie die “Großen”.
Besonders angeführt sein soll hier der ach so hoch gelobte Toyota Prius. Die Herstellung dieses Hybridfahrzeuges ist ungleich aufwendiger als die eines konventionellen Fahrzeuges, zum Beispiel die Gewinnung und Weiterverarbeitung des für die Batterien notwendigen Nickels. Dieser Rohstoff wird in Kanada gewonnen, die Gegend um den Betrieb gleicht durch den Ausstoß an saurem Abgas eher einer Hölle. Dieses nutzt zum Beispiel die NASA, um in diesem Gebiet ihre Mond- und Marsfahrzeuge zu testen. Der Nickelrohstoff (ca. 1000t pro Jahr für Toyota) wird dann zur Weiterverarbeitung nach Wales verbracht, von dort aus geht es nach China, wo Nickelschaum daraus gemacht wird, der dann zu Toyota nach Japan verschifft wird. Diese Transporte erzeugen natürlich auch wieder CO2. Dies ist nur ein Beispiel über zu zuliefernde Güter, eine komplette Analyse der anfallenden Emissionen über alle herstellungsbedingten Prozesse ist natürlich äußerst aufwendig. Ein Beispiel für eine solche, “Produktlinienanalyse” genannte, Untersuchung ist hier für einen simplen Joghurt nachzulesen.
In Amerika hat sich ein Marktforschungsinstitut daran gemacht, eine Studie über diese Zusammenhänge zu erstellen. Das Werk heißt “Dust to Dust” von CNW Marketing Research wo nachzulesen ist, was ein Kraftfahrzeug an Energie pro gefahrener Meile kostet. Viele hundert Variablen sind dort berücksichtigt: Herstellung und Transport der Rohstoffe, der Weg der Arbeiter zur Fabrik, die in der Fabrik verbrauchte Energie, der Transport des fertigen Autos zum Verkaufsort, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Das Ergebnis ist in einigen Punkten wenig überraschend, dass zum Beispiel ein Maybach äußerst schlecht dasteht oder dass Kleinwagen (für amerikanische Verhältnisse) mit Ausnahmen gut dastehen. Überraschend ist, das Autos, wie zum Beispiel ein Jeep Wrangler, das Offroad Urgestein, sehr gut wegkommen. Die Erklärung ist relativ einfach: Das Auto ist recht simpel in der Herstellung, es wird vergleichsweise über einen langen Zeitraum aber mit wenig zurückgelegter Fahrtstrecke bewegt und ist auch relativ einfach zu entsorgen, weil es aus wenig Teilen besteht.
Äußerst interessant dazu ist auch der Artikel in der aktuellen (07/2008) Ausgabe der Oldtimer Markt wo ebenfalls der Schluss gezogen wird, dass der Kauf von Neuwagen keineswegs das Klimaproblem lösen wird. Denn je länger man ein Auto benutzt um den eigentlichen Zweck des Autos, nämlich Menschen und Güter von A nach B zu befördern, zu erfüllen, um so klimaverträglicher wird es. Denn es ist ja schon da.
Ich würde mir wünschen, dass der Hersteller meines Autos mir anbieten würde, alle 5 Jahre mein Auto mit einem aktuellen Motor oder einer verbesserten Motormanagementelektronik mit besserem Abgasverhalten nachzurüsten. Aber das wird die Automobilhersteller nicht interessieren, sie werden zusammen mit den Politikern, nicht zuletzt wegen dem Erhalt von Arbeitsplätzen, auf der derzeitigen Argumentation verharren. Ich aber werde weiterhin mein Auto, was auf Autogas umgebaut ist, weiter benutzen. Es ist mit gut 230000 zurückgelegten Kilometern für meine Begriffe auch gerade erst gut eingefahren. (JUS)




