Klaus Hnilica
Donnerstag, der 30. Mai 2013

Schlafen oder Wachen – Carls mühsamer Weg zu Friedrich Schiller

Carl und Gerlinde (XXXI)

Ausgerechnet am Freitagabend wurde Carl von Gerlinde und Hannelore zu Schillers ‚Maria Stuart’ – ins Schauspielhaus – geschleppt!

ZBimg071Schlimmer konnte es der bedauernswerten Maria Stuart auch nicht gegangen sein: denn Carl wurde nicht nur exakt zwischen die beiden bildungshungrigen Theaterenthusiastinnen in einen engen Folterstuhl mit beklemmend geringer Beinfreiheit gepresst, sondern zusätzlich noch wie auf einem mittelalterlichen Pranger einer feixender Schülerhorde als abschreckendes Entzugsobjekt vorgeführt, da deren schnelle Gehirne längst mitbekommen hatten, was Gerlinde und Hannelore nur in homöopathischen Dosen Carl mitzuteilen wagten, nämlich, dass die infernalische Aufgipfelung seiner Qualen ein zweieinhalbstündiger ‚Pilsentzug’ sein würde!

Die unfähige Theaterregie hatte nämlich nicht nur Maria Stuart entgegen allen gewerkschaftlichen Bestimmungen jede Art von Pause auf ihrem Leidensweg zum Schafott untersagt, sondern auch dem zahlenden Publikum! Und damit in einem Aufwasch Carls Entzugsschicksal besiegelt…

Und das am Freitagabend! Nach einer aufreibenden Woche gnadenloser Preisverhandlungen seiner Firma TRIGA mit vietnamesischen Unterlieferanten auf dem Sektor Herrenunterwäsche und Damenslips, an deren Ende sich Carl nichts anderes mehr wünschte, als drei Flaschen Bier, sein Sofa und eine stumpfsinnige Fernsehserie, die das vorabendliche Kurzschläfchen sicher stellte…

Kein Wunder, dass Carl, als er die ‚pausenlose’ Unverschämtheit der Theaterregie endlich auch von Gerlinde links und Hannelore rechts zugeflüstert bekam, aus Protest sofort in eine Art ‚Schlafstarre’ fiel, die darin gipfelte, dass er den gesamten ersten Akt des Schiller-Dramas durchschlief, ohne sich auch nur im Geringsten um die verheerende psychologische Wirkung auf die jungen Menschen um ihn zu kümmern…

Ja – er ließ sich nicht einmal durch die grauenhafte musikalische Untermalung zwischen den einzelnen Szenen beeindrucken, die aus einem ins Wahnsinnige gesteigerte, quietschenden Schabegeräusch von ‚Kreide auf trockener Tafel’ bestand, das nicht nur allen Zuschauern vom Rücken abwärts alles zusammenzog, sondern auch sämtliche Hörgerätträger in den Tinitus trieb… Leider zeigte diese geisterbahnartige Geräuschkulisse mit fortschreitender Dauer dann doch auch bei Carl Wirkung: sein Schlaf gestaltete sich zunehmend unruhiger als daheim vorm Fernseher, mit der Folge, dass er einige Male recht rüde vom Bühnengeschehen gestört wurde! Insbesondere von dieser riesigen, knarrenden, hin und her schwenkenden schwarzen Wand! Ein grotesker Regieeinfall!

Vermutlich um das Bühnenpersonal vorausschauend ausdünnen zu können, wie Carl im Halbschlaf murmelte, indem gezielt alterschwache Schauspieler zwischen Bühnenrand und ‚Schwenk–Wand’ zu Tode gequetscht wurden – oder zumindest verstümmelt, wie dieser Mortimer, der aber trotz seiner korkenzieherartigen Leibesverkrümmung weiterhin zäh am Leben zu hängen schien und der tödlichen ‚Schwenk–Wand’ unermüdlich auswich…

Die bedauernswerte Maria Stuart hatte wohl nicht soviel Glück gehabt: ihr Oberkörper war bereits bei ihrem ersten Erscheinen arg nach vorne gequetscht! Was schmerzhaft gewesen sein musste…Nur Königin Elisabeth war verschont geblieben, sie stolzierte aufrecht und gelassen über die Bühne; ihrem panzerartigen Reifrock konnte die tödliche ‚Schwenk–Wand’ offensichtlich nichts anhaben!

Besonders ärgerlich empfand Carl, dass bei dieser unseligen Freitagabendinszenierung alle Schauspieler plötzlich vom Publikum gehört und verstanden werden wollten! Denn entgegen der bisherigen Gepflogenheiten sprachen sie nicht mehr mit dem Rücken zum Publikum in den hinteren Bühnenraum hinein, wo kein Mensch war, sondern ratterten ihre Schillertexte wie Maschinengewehrsalven derart laut ins Publikum, dass sie Carl bis in den Schlaf hinein verfolgten…

Nur die böse Königin Elisabeth, hatte Mitleid: sie flüsterte hartnäckig in Richtung Beleuchtung. Natürlich tat sie das nicht aus Respekt vor Carls Schlaf, sondern bestimmt aus Scham wegen ihres giftgrün geschminkten Gesichtes. Vermutlich hoffte sie unentdeckt zu bleiben? Eine folgenschwere Fehleinschätzung: denn Mortimer erspähte sie in ihrem pinkfarbenen Reifrock blitzschnell zwischen der hin und her schwenkenden Wand und machte sich nach ein paar hübsch gereimten Frechheiten auch sofort über sie her. Rücksichtslos griff er ihr trotz Geflüster und Reifrock ohne lang zu Fackeln dreist in den Schritt!

Das war unerhört, wie Carl in einem der wenigen wachen Momente, im Gegensatz zu Gerlinde und Hannelore, fand; eine skandalöse Schweinerei! Schließlich saß viel junges Volk vor ihm, das bei dieser Szene recht irritiert kicherte! Der Bursche schräg vorne grinste sein Nachbarmädchen besonders dreckig an!

Und als sich Elisabeth – immer noch flüsternd – zu allem Überdruss auch selbst zwischen die Beine langte, wurde die Sache echt oberpeinlich! Die zwei blutjungen Mädels links vor ihm schauten verlegen auf den Boden! Carl war richtig froh, dass sich in dieser peinlichen Situation die rechtwinklig hingequetschte Maria Stuart mühsam für einen Augenblick aufrichten konnte und Königin Elisabeth strafend zuschwallte…

Einige Schüler wurden unruhig! Sie brauchten eine Zigarette! Genau wie Carl sein Pils! Aber nein, die geile Elisabeth wich nicht! Selbst die schwarze Wand war plötzlich bedeutungslos: Elisabeth stand unerschrocken in ihrem Reifrock da, total grün im Gesicht, von allen verlassen und hätte in diesem Moment ihr Gesicht bestimmt auch tief rot einfärben lassen, wenn ihr das irgendwie weiter geholfen hätte, oder auch gelb, oder blau, oder pink getupft…

Nur nicht schwarz! Diese Farbe schien ihr abhanden gekommen zu sein; vielleicht auch wegen der bedrohlichen Wand, die eh ausreichend schwarz war, dachte Carl hellwach, da das kühle Pils quasi schon gegen sein Gaumenzäpfchen schwappte… Beim Pils würde ihm bestimmt auch einfallen an welche aktuelle Politikerin ihn diese vereinsamte Elisabeth erinnerte, sagte er halblaut zu Hannelore, als endlich das Licht anging…

Natürlich bedeutete das Pils im ‚Fundus’ nach dieser Kulturtortur nicht nur für Carl eine Erlösung! Das Lokal war brechend voll und alle labten sich bei Wein und Wasser wie nach einer langen Hungerperiode an den teuersten kulinarischen Leckereien des Restaurants. Schiller und seine Verse waren vollkommen vergessen! Auch die tote Maria Stuart und die böse Königin Elisabeth! Selbst Hannelore und Gerlinde kicherten nur noch über die verschrobenen Paare an den Nebentischen – und Carl genoss unbehelligt bereits sein drittes Bierchen, ja er überlegte sogar, ob nicht wenigstens er Friedrich Schiller seine Referenz erweisen – und eine tüchtige Portion dieser köstlichen ‚Schillerlocken’ bestellen sollte?

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 18. April 2013

Gartenlust und Frühlingsfrust

Carl und Gerlinde (XXX)

Was ist denn mit dir los, Carl? So wie du zulegst in den letzten Wochen, muss ich ja fürchten, dass du jeden Moment platzt!“ stänkerte der Spartenleiter Dr. Osterkorn, als er nach dem üblichen ‚montäglichen Strategiegelaber’ mit Carl das Besprechungszimmer verließ.

„Wie meinst du denn das, Bernie?“ fragte Carl irritiert.

Na du gehst ja auseinander wie ein Kräppel im heißen Fett: will dich denn deine Gerlinde meistbietend zum Kilopreis verscherbeln?“ polterte Bernie laut lachend.

„Jetzt fängst du auch noch an! Vor zwei Wochen hat mich schon meine vorlaute Sekretärin gefragt, ob ich ein Problem mit der Schilddrüse hätte“, gab Carl kleinlaut zurück.

„Siehst du Carl – ich täusch mich also nicht! Ich find’s ja prima, wenn’s dir schmeckt und gönn’s dir auch von Herzen, aber als ‚Spartenvertriebsleiter’ bei TRIGA mit seinen vielen sportlich orientierten Produkten solltest du schon auch ein klein wenig auf dein Erscheinungsbild achten, oder?“

„Glaubst du denn wirklich, Bernie, dass ich…“

„Betrachte meine Worte als kleinen Tipp, Carl! Du weißt ja, ich bin manchmal etwas direkt!“ wiegelte Dr. Osterkorn mit einem verschmitzten Augenzwinkern ab, donnerte Carl seine durchtrainierte Pranke auf die Schulter und entschwand in das verwaiste Büro von Miriam Braun, die noch immer in der Babypause war, und bestimmt nicht wusste, dass seit vier Wochen eine äußerst attraktive Praktikantin auf ihrem Bürostuhl herumlungerte und schon etliche neue Wäschemodelle für einen gewissen Herrn Dr. Osterkorn vorprobiert haben soll, wie der Buschfunk so trommelte…

Carl war zwar froh, dass er nach dem freundschaftlichen Schulterklaps von Dr. Osterkorn noch aufrecht gehen konnte, spürte aber schon, wie sich eine kleine Unsicherheit in ihm breit zu machen begann …

Und da seine sonst für alle Wehwehchen zuständige Sekretärin Bettina über seinen Kopf hinweg ohne jede Vorwarnung recht dreist von einem Tag auf den anderen ihren morgendlichen Mohnstrudel zu seinem Frühstückskaffee einfach gestrichen hatte, und dieser Mohnstrudel ehrlich gesagt in letzter Zeit eh oft arg trocken ausgefallen war und mit Kaffee manchmal recht unangenehm am Gaumen pappte – konnte  sie natürlich in dieser heiklen Angelegenheit leider nicht mehr wie sonst üblich als Ratgeberin fungieren!

Und Gerlinde kam schon gar nicht in Frage! Die mäkelte ohnehin stündlich an ihm herum, wegen der paar lächerlichen Pfunde an seinen, wie er meinte, immer noch apollinisch schmalen Hüften…

Angesichts dieser verfahrenen Situation musste Carl wohl in bewährter Manier die Sache selbst in die Hand nehmen! Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn einmal die superklugen Frauchen wirklich helfen hätten können!

Außerdem war das Männersache!

Schließlich gab es doch wirklich nichts Simpleres, als ein paar ‚unnötige Gramm Speck’ wegzuschaffen: er musste sich doch bloß – eigentlich lächerlich – beim Essen etwas einschränken und – Bingo – mehr Bewegung machen! Und zwar viel mehr Bewegung! Klaro! Da musste man gar nicht mehr lange Herumrätseln und Rumlabern, wie Frauen das in solchen Situationen zu tun pflegen!

Nein, gleich nächste Woche – oder übernächste Woche – oder noch besser ab Mai oder vielmehr Juni, wenn es abends richtig hell war, brauchte er sich doch bloß in einem Fitnessstudio anmelden und einen dieser oft angesprochenen Abendtermine buchen! Und schon war die Sache geritzt! So einfach war das…

Außerdem – und das war wohl ein Wink des Schicksals – stand doch jetzt im Frühjahr ohnehin jede Menge Gartenarbeit an: die war doch nachgerade ideal zum Abzunehmen!

Bestimmt freute sich Gerlinde auch tierisch, wenn sie einmal nicht auf Hannelores komischen ‚gärtnernden Polen’ zurückgreifen musste, der im Frühjahr alle Bäume und Büsche in diese peinlichen Rasierpinsel verwandelte! Nein – ab sofort hatte der ‚Pinselzauber im Frühjahr’ ein Ende – und wie von selbst wurde er, Carl, auch noch gertenschlank dabei! Das war doch mehr als fantastisch, oder?

Ernüchternd war allerdings, dass Gerlinde gar nicht so arg strahlte, als er ihr gleich am nächsten Morgen beim Frühstück seinen neuesten Plan entwickelte. Aber vielleicht war sie auch noch nicht richtig wach, als sie recht nüchtern fragte „und warum auf einmal – dieser Garteneifer?“ und ewig lange in ihrem Kaffee rumrührte, obwohl keinerlei Süßstoff drinnen war, wie er ganz sicher wusste…

„Ja weißt du, Gerlinde, ich brauch’ einfach etwas mehr Entspannung und Bewegung – irgendwie bin ich in letzter Zeit durch den Stress in der Firma viel zu träge geworden!“, sagte Carl mit einschmeichelnder, Verständnis heischender Miene.

„Sieh mal an, welch eine überraschende Selbsterkenntnis – und die schon im Morgengrauen – um acht Uhr dreißig, das ist beachtlich!“ frozzelte Gerlinde.

„Nenne es wie du willst, Gerlinde, ich bin jedenfalls fest entschlossen, mich mehr zu bewegen und mich viel aktiver in unsere heimische Gartenarbeit einzubringen“, sagte Carl lächelnd und tätschelte liebevoll über den Frühstückstisch hinweg Gerlindes linke Hand, die gerade nach dem Brombeermarmeladenglas griff!

Gleich danach schaute Carl aber abrupt auf die Uhr, sprang auf, drückte Gerlinde einen schnellen Kuss auf ihre nach Kaffee schmeckenden Lippen und eilte mit den Worten „heute Abend sprechen wir noch genauer über mein ‚Gartenprogramm’, gell“, davon…

Nur – wie das dann ablief, war typisch – Gerlinde!

Denn als Carl am Abend hundemüde von der Arbeit heimkam, konfrontierte ihn seine fürsorgliche Gerlinde mit einem ‚gärtnerischen Arbeitsprogramm’ das sich nicht nur gewaschen hatte, sondern in dem – voll unfair – tatsächlich alles drinnen stand, was getan werden musste! Ganz obenauf natürlich die riesige Trauerweide, die jedes Jahr radikal geschnitten werden sollte, was nicht nur viel Arbeit in luftiger Höhe auf der Leiter bedeutete, sondern auch mehrere Tage „Zerkleinerungsarbeit“! Aber wer konnte denn bei dieser vollkommen unerwarteten ‚Zwischeneiszeit’ schon so lange im Garten herummachen – schließlich war er kein Eskimo in Thermounterwäsche, oder?

Und die Trauerbirke musste auch zurück geschnitten werden!

Und die zehn Büsche entlang der Gartengrenze auch, und der Lorbeerbaum, die zwei Weigelien, der Perückenstrauch, der Raketenwacholder auch und im Vorgarten die Korkenzieherhasel, der amerikanische Hartriegel und die Zierkirsche – von den dreißig Erikastauden, den viel zu üppigen Gräsern und sechs Wacholderbüschen ganz zu schweigen…

‚Gerlindeschen Gartenprogramms’: denn bereits beim amerikanischen Hartriegel war die erste Bierflasche leer, und als die zweite offen war, hatte er nach dem heutigen mörderischen Unterwäschevertriebstag in der Firma wirklich keinen Bock mehr auf weitere ‚gärtnerische Korinthenkackereien’…

Offensichtlich hatte Gerlinde – typisch Frau – nicht die leiseste Ahnung, was die von ihr aufgeschriebenen Arbeiten eigentlich bedeuteten – und noch dazu bei diesen arktischen Temperaturen! Von Frühling und lauen Lüften war doch weit und breit nichts zu spüren! Das war doch der absolute Horror, was dieses Jahr abging! Man musste sich ja wirklich ernsthaft fragen, wann denn nun endlich diese beknackte Klimaerwärmung einsetzte, mit der ständig in den Medien herumgefuchtelt wurde. Das war doch unfassbar, wie diese ‚Katastrophenaposteln’ daneben lagen?

Die Einzige, die nicht daneben lag, leider auch nicht jetzt neben ihm, war echt wieder einmal Gerlinde! Auf die war in dieser Hinsicht hundert Prozent Verlass, dachte Carl, als er endlich trotz aller Abgeschlafftheit – selbst die dritte Flasche Bier aus dem Keller hochhievte: bei diesem höchst einfühlsamen Persönchen, Gerlinde, brauchte man wirklich nur ein winziges Bisschen Bereitschaft signalisieren, sich an der hauseigenen Gartengestaltung aktiv beteiligen zu wollen – und schon bekam man ein ‚Gartenprogramm’ um die Ohren geknallt, bei dessen Verwirklichung er nicht nur in kürzester Zeit als wandelndes Skelett durch die Gegend trabte – sondern am besten auch sofort Frührente beantragte…

Wollte ihm das Gerlinde wirklinch antun – nur wegen der paar lächerlichen Pfündchen zuviel auf den Rippen? Oder den Hüften? Oder wo auch immer? War es das wirklich wert?

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 24. Januar 2013

Wenn Männer es richtig machen…

Carl und Gerlinde (XXIX)

Carl wurde von Tag zu Tag klarer, dass er dem reinigenden Gewitter, eines Streits mit Gerlinde nicht mehr ausweichen konnte, weil er sonst in Gefahr lief, durch ihre manische Einkaufswut in den totalen Wahnsinn getrieben zu werden…

Seit vier Wochen verging kein Tag, an dem Gerlinde ihm nicht in den Ohren lag, weil wieder irgendein ganz süßes hellblaues Pulloverchen mit entzückend durchbrochenen Raglanansätzchen ohne jedes Zutun von ihrer Seite, so wahnsinnig eingegangen war, dass es wirklich nur mehr weggeschmissen werden konnte: dabei hatte sie dieses Mistding erst drei Mal angehabt und zweimal handwarm durchgewaschen – das müsse man sich einmal vorstellen!

Und was hatte sie nur für einen Ärger mit diesen saublöden apricotfarbenen Cardigans, die in keiner ihrer Boutiquen mehr aufzutreiben waren, außer bei diesem ätzenden C&A! Und da –  typisch – nur in Größen für schwangere Walrösser und Sumo–Ringerinnen, aber nicht für normale Menschen, und schon gar nicht für sie, die gerade acht Wochen New York Diät hinter sich hatte, sechs Kilo leichter war und urschnell jede Menge neuer Klamotten brauchte; Unterwäsche eingeschlossen – aus Carls neuester Frühjahrskollektion natürlich!

Oder sie nörgelte, bevor sie noch einen Schluck Kaffe oder Bissen Brot zu sich genommen hatte, bereits beim Frühstück  über total beknackte Wedge Sneakers aus der Goethestraße, die sie zu einem überirdischen Schnäppchenpreis erstanden hatte, die aber wegen ihrer blöden neuen Einlagen, so höllisch drückten, dass sie sie bestenfalls den OXFAM – Leuten bringen konnte. Der einzige Trost war, dass diese Folter– Sneakers, eh nicht zu ihrer neuen, abgefahrenen, schwarzen Zoé Lu Handtasche gepasst hätten, die sie nach wochenlanger Suche endlich in einer winzigen Boutique entdeckt hatte.

Aber abgesehen von diesem Ausnahmeglücksfall, lamentierte sie ohne Luft zu holen weiter, sei es bei ihr in letzter Zeit so beschissen gelaufen, dass das wirklich nicht mehr unter der Rubrik ‚übliches Pech’ abgehakt werden konnte! Nein – da konnte Carl noch so beschwichtigen, da war schon mehr dahinter. Schließlich hatte sie ja nicht nur mit ihren unmöglichen Klamotten dieses permanente Pech, ereiferte sie sich mit vollem Mund: Carl bräuchte sich doch nur an diese irren, schwarzen, marokkanischen Oliven unlängst vom Markt erinnern, die preislich derart reduziert waren, dass sie einfach vier Pfund mitnehmen musste, weil alles andere der Supergau an Blödheit gewesen wäre. Aber wie so oft schmeckten sie dem feinen Herrn Carl nicht und wurden unausgepackt in die Biotonne geworfen!

Oder die zwölf Flaschen spanischen Rotwein von Freixenet zum Sonderpreis von vier Euro neunundneunzig, mit denen sie ihn überraschen wollte und die auch ruckzuck in der Kanalisation landeten!

So ging das doch immer in letzter Zeit, wenn sie ihm eine Freude bereiten wollte, klagte Gerlinde schmollend und verzog sich hustend und schniefend in ihr frisch eingelassenes Erkältungsbad, das um ein Haar auch noch übergelaufen wäre…

„Entspann dich“! rief ihr Carl nach, war dann aber froh, dass sie weg war, da er diesen jämmerlichen Schwachsinn einfach nicht mehr ertragen konnte. Dabei war er doch wirklich die Geduld und Langmut in Person. Wie oft hatte er in unendlich langen und zermürbenden Diskussionen versucht, Gerlinde von dieser unsäglichen Jagd nach Schnäppchen und Fummeln abzubringen. Ihr geraten, gezielt, maßvoll und ruhig etwas teurer einzukaufen! Vor allem immer nur nach einem genauen Plan und wirklich nur das, was sie sich vorgenommen hatte! Das war doch eine schlichte Regel, die jeder verstehen und einhalten konnte! Auch sie als Frau, oder?

Doch heute, da Gerlinde von dieser zugegebenermaßen bösen Erkältung niedergestreckt worden war, bestand ja die Chance, dass wenigstens einen Tag lang in seinem Haushalt kein Einkaufschaos herrschte! Auf Grund dieser einmaligen Chance war er sogar bereit, die wenigen Sachen, die Gerlinde aufgeschrieben hatte, selbst schnell – vor Bürobeginn – aus dem Supermarkt zu holen:

1 WEISSBROT – 4 ZITRONEN – 4 DOSEN SARDINEN – 2 Päckchen BUTTER – 1kg LINSEN…

Das war’s schon!

Das Weißbrot kaufte er am Besten beim Rausgehen am Brotstand, das wusste er schon, obwohl er sich sonst wirklich nicht gut in diesem angeblich tollen Supermarkt auskannte und immer endlos herumsuchte.

Aber das war wohl der tiefere Sinn dieser permanenten Produktumschichtung! Außerdem hatte er gelesen, dass in allen Supermärkten der Welt, die Kunden immer linksrum geführt würden, da einschlägige Studien herausgefunden hatten, dass dann mehr gekauft wurde, als beim rechtsrum Gehen.

Aber jetzt musste er bei allem Linksrumgerenne erst einmal die Zitronen finden – bestimmt beim Obst!

Gerlinde klagte oft, dass es viel zu wenig frisches Obst gab – und wenn, dann war es meist weggekauft, bis sie ankam!

Heute lagen aber  jede Menge prächtiger Mangos auf den Tischen, auch zwei Sorten duftender Melonen, schöne Papayas – nicht gerade billig aber riesig – prima Ananas – zum Aktionspreis – und herrliche, gelbe Kiwis, die sie eh so gerne aß. Was sollte falsch sein, wenn er die einmalige Gelegenheit nutzte und von allem ordentlich mitnahm? Gerlinde war bestimmt begeistert…

Aber wo waren denn nun die verdammten Sardinen? Das war doch der nächste Posten, soweit er sich erinnerte. Oder wo war jemand, den man fragen konnte? Solche Leute gab es gar nicht mehr in Supermärkten!  Die versteckten sich, weil sie sich selbst nicht mehr auskannten; die Waren wurden ja nur mehr durch billiges Fremdpersonal einsortiert.

In seiner Not fragte Carl einfach die kleine korpulente Verkäuferin an der Fischtheke nach den Sardinen! Und da die so freundlich Auskunft gab, kaufte er gleich noch eine tüchtige Portion Meeresfrüchtesalat bei ihr und zwei köstliche Räucherforellen, die ganz frisch rein gekommen waren, wie die nette Verkäuferin mehrmals versicherte.

Bevor er dann aber wirklich in die vermutete Nähe der ersehnten Sardinen gelangte, musste er erst noch wie im Märchen etliche Prüfungen bestehen und unzählige lange und hohe Regalreihen mit eingelegten Heringen in hundert verschiedenen Gläsern und Dosen, überwinden – die es bestimmt in zwanzig verschiedenen Marinaden gab! Auch in Tomatensoße, um die er Gerlinde schon hunderte Male gebeten hatte, und von denen er sich keck gleich fünf Dosen in den Einkaufswagen lud und noch acht verschiedene Gläschen Muscheln darüber schichtete, bevor er endlich nach der Butter Ausschau halten konnte…

Aber stand vor dem Butterregal nicht sein unmöglicher, verbohrter Solar–Nachbar Konrad und seine eingetrocknete Luise? Und wühlten die nicht auch gerade in den zweihundert verschiedenen Buttersorten herum? Wie er es vor hatte?

Nichts wie weg!

Die Konrads musste er sich im Morgengrauen nicht antun, das konnte  nicht einmal Gerlinde von ihm verlangen! Blitzschnell bog Carl nach links zu den Rotweinen ab und griff instinktiv nach einer Flasche Amarone für 36.- Euro.

Leider zu spät!

„Ach der Herr Nachbar füllt nach den Feiertagen sein Weinlager auf?“ hörte er hinter sich sagen. Carl drehte sich um, tat überrascht und sagte, „ Gott – die Konrads! Sind Sie auch beim Einkaufen?“

„Nach was sieht’s denn aus, Herr Nachbar?“ lachte der solare Konrad brüllend über fünf Regale hinweg.

„So gut schon aufgelegt am frühen Morgen?“ witzelte Carl gequält und fragte Herrn Konrad, ob er auch gerne Amarone trinke.

„Mein Mann trinkt nur deutsche Weine“, schaltete sich die faltige Luise ein, „da weiß man wenigstens, was man hat“.

„Das stimmt“, sagte Carl, bedächtig nickend, „ aber wenn man hier zu den höherpreisigen Weinen greift, ist man auch ganz gut bedient…“

„Na ja, eine Flasche Wein für vierzig Euro können wir uns nicht leisten“, warf Herr Konrad sauertöpfisch ein.

„Ja was trinken Sie denn dann?“

„Ach, in der Pfalz kriegt man beim Winzer für fast kein Geld auch recht ordentliche ‚Tröpfle’?

„So, so“ sagte Carl und stellte sich mit einem selten gespürten Wonnegefühl, acht Flaschen Amarone in den Einkaufswagen, während die Konrads kopfschüttelnd weitergingen.

Aber so richtig voll hatte Carl die Nase erst, als Gerlinde ihn daheim wie in einem Kreuzverhör fünf mal hintereinander nach den blöden Zitronen und Sardinen befragte und acht Mal nach der beschissenen Butter und den Linsen, als gäbe es keine anderen Probleme auf der Welt!

Typisch Weiber, nur nicht über den Tellerrand hinausgucken, es könnte ja auch noch etwas anderes geben, als diesen kleinkarierten Haushaltskram.

Sein tolles Obst wurde nicht einmal ignoriert!

Und als er sich erlaubte dezent darauf hinzuweisen, sagte Gerlinde nur spitz, dass sie gar nicht wüsste, wohin mit diesen Mengen? Ja sollte er denn um Herrgottswillen jetzt auf der Stelle auch noch einen größeren Kühlschrank anschaffen? Unfassbar was diese Frauen sich vorstellten…

Wenn das der Dank dafür war, dass er freiwillig Gerlindes Haushaltskram erledigt hatte, konnte er wirklich gerne darauf verzichten!

Und auf Klugscheißereien, wie „der Amarone stand aber nicht auf dem Einkaufzettel!“ auch. Folglich durfte Gerlinde nie etwas von diesen acht schönen Fläschchen Amarone in seinem Auto erfahren: es sei denn  sie war bereit alle acht Fläschchen – mit ihm auszuschlürfen…

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 10. Januar 2013

Pauline weint…

Nein, es war kein richtiges Weinen, eher ein dünnes stimmloses Wimmern. Aus ihren verquollenen Augen sickerten auch nur deshalb noch Tränen, weil ihr kleiner, dicklicher Körper in dem blutrot verschmierten, weißen Küchenkittel permanent von einer unsichtbaren Kraft durchgeschüttelt wurde, die ihr jede noch so kleine Träne sofort aus den Augen trieb.

Und obwohl Pauline die ganze Zeit über vor ihrem grauen Metallspind in der fensterlosen Umkleidekammer des Küchenpersonals kauerte, war sie nicht in der Lage diesen ekelhaft verdreckten Küchenkittel abzulegen oder ihr mit Tomatenmark verklebtes Gesicht zu waschen.

Dabei war die Großküche der Niederösterreichischen Landesregierung schon lange aufgeräumt und für morgen vorbereitet, alle Kolleginnen seit Stunden weg und außer den Wachleuten bestimmt niemand mehr im Gebäude.

Aber sie – saß nur da, wimmerte, wischte sich über die Augen und starrte vor sich hin…

Ihr graute vor dem Heimweg! Andererseits lehnte sie jede Hilfe ab: sie schaffe das, hatte sie gestöhnt, obwohl sie genau wusste, dass sie zu Fuß heim zockeln musste. Selbst in diesem fürchterlichen Zustand, in dem sie sich heute befand. Etwas Anderes war gar nicht möglich.

In den letzten Monaten dieses elenden Jahres 1945 gab es ja in der russisch besetzten Zone Wiens kaum Strom. Mit Straßenbahn war da nichts. Und wenn, dann ging es in dem Trümmerhaufen des 4. Bezirks, den sie durchqueren musste, auch nur im Schritttempo voran. Vom 1. Bezirk, wo sie arbeitete, war selbst sie mit ihrem kleinschrittigen Dackelgang schneller daheim im 5. Bezirk, der britisch war, als mit der Trambahn.

Und trotz Fußmarsch schleppte sie immer noch übrig gebliebenes Essen mit heim – das schon – und verteilte es an die ganz armen Schlucker im Haus. Aber heute reichten ihre Kräfte mit Sicherheit nicht mehr, um noch irgendetwas mitzunehmen, ja sie musste froh sein, wenn sie sich selbst nach Hause schaffen konnte.

Und wenn nicht gerade Oktoberbeginn gewesen wäre, an dem die Russen turnusgemäß die monatliche Verwaltung des 1. Bezirks übernommen hatten, hätte sich bestimmt auch nicht dieser betrunkene russische Soldat, nach der Arbeit in die völlig verwaiste Küche schleichen können.

Wie aus dem Nichts stand er plötzlich vor ihr: riesengroß, in schlampiger verschmierter Uniform, die Kappe nach hinten geschoben, darunter zwei schiefe, böse  Augen und ein breites, Angst einflößendes Grinsen mit hässlich abgebrochenen Vorderzähnen.

Pauline erschrak – und schrie! Da war er schon bei ihr, packte sie wie einen Hasen am Genick, drückte sie auf den einzigen Stuhl in der Küche und hielt ihr mit seiner anderen stinkenden Pranke den Mund zu.

„Nix schreien – Mamuschka“ zischte er und stieß ihr einen ekelhaft nach Schnaps stinkenden Schwall ins Gesicht, der sie kaum atmen ließ. Verängstigt, zitternd und stöhnend wand sich Pauline wie eine Schlange im Todeskampf und versuchte krampfhaft ihren Mund freizubekommen. Aber ihr hilfloses Gezerre an seiner tierischen Pranke schien diesen schrecklichen Russen nur zu belustigen: amüsiert drückte er abwechselnd ihren Nacken zusammen und dann den Mund und die Nase, und je mehr ihr Gesicht blau anlief, umso vergnügter wurde er.

Plötzlich schien er abgelenkt und ließ los! Pauline schnappte nach Luft. Sie wagte kaum, den schmerzenden Nacken und wehen Mund mit ihren krampfstarren Fingern abzutasten.

Irgendwie schien sich der Russe anders besonnen zu haben!

Er schaute Pauline auf einmal ohne Arg an, nuschelte etwas von Hunger und ‚nix essen’ und torkelte suchend durch die aufgeräumte Küche.

Aber da war nichts – alles Essen war in der Kühlkammer.

Da er weder sie, noch sie ihn verstand, schüttelte Pauline nur heftig ihren Kopf, während er in den Geschirrschränken herumwühlte und deutete auf die verriegelte Tür der Kühlkammer. Pauline war nicht in der Lage etwas zu sagen oder einen Ton von sich zu geben.

Leider stolperte der Russe dann über den unsäglichen Fünflitereimer Tomatenmark, den die schusselige  Maria nicht weggeräumt hatte. Der Eimer fiel um, und der Russe stutzte. Lässig stellte er ihn auf die Spüle, öffnete ihn, griff mit seinen Fingern hinein, kostete und schaute  grinsend zu Pauline, die kreidebleich auf ihrem Stuhl hin und her pendelte.

Als ob sie es geahnt hätte, trat er plötzlich mit dem Eimer an sie heran, brummte „Tomaten –  Wangen rot – Mamuschka“ und setzte Pauline den ganzen Eimer Tomatenmark einfach an den Mund.

„Du trinken – Mamuschka- viel trinken…“

Pauline wehrte sich. Sie wich mit ihrem Kopf so gut es ging aus und biss die Zähne zusammen; aber dieses Monster presste ihr den Eimer so grob an die Lippen, dass diese aufsprangen und höllisch zu brennen anfingen. Ihr blieb nichts anderes übrig als wenigstens ein bisschen zu schlucken. Und dann noch ein bisschen, und noch ein bisschen, und noch ein bisschen …

Immer wieder versuchte sie verzweifelt den Eimer wegzudrücken, um Luft zu holen, wobei ihr jedes Mal die rote Tomatenbrühe über Kinn und Hals in die  Bluse und den Küchenkittel lief. Grölend riss ihr das Monster die Bluse auf und setze den Eimer ab. Aber kaum hatte Pauline sich erholt, war der Russe wieder zur Stelle und drückte ihr noch rücksichtsloser den Eimer zwischen die Zähne, und Pauline schluckte und keuchte und schluckte und spürte wie sie immer tiefer in der saueren Tomatenbrühe versank…

Plötzlich hielt der Russe inne!

Blitzschnell presste er Pauline den Eimer zwischen die Füße, flitzte quietschend zu einer der Spülen, warf sich auf den Boden und kam teuflisch grinsend auf Pauline zu, mit einer ängstlich zappelnden Maus, die er stolz an ihrem langen Schwanz hin und her schwenkte.

Schreckensstarr bekam Pauline noch mit, dass er die piepsende Maus lachend über sein offenes Maul hielt und so tat als würde er sie schlucken, dann aber in das Tomatenmark vor ihren Füßen tunkte bis sie zu zappeln aufhörte. Er holte die Maus sichtlich zufrieden hoch, torkelte neben Pauline, zog ihr langsam und genüsslich mit der anderen Hand an den Haaren den Kopf zurück, und führte die tropfende und zuckende Maus immer näher an ihren Mund…

Dann – ein donnernder russischer Befehl und eine Kanonade von Flüchen! Vier Hände packten das Monster und schleppten es samt der zuckenden Maus weg. Pauline stöhnte auf und rang mit weit aufgerissenen Augen nach Luft. Der zurückbleibende russische Soldat, in tadelloser Uniform, salutierte und fragte, ob er helfen könne…

Pauline, die über und über mit Tomatenmark bekleckert war, schüttelte mechanisch den Kopf.

Der Russe, entschuldigte sich in gebrochenem Deutsch und sagte Schweine gebe es überall – leider auch in der Roten Armee – aber er habe selbst eine Mamuschka in Moskau und wisse wie es ihr gehe, er werde Hilfe holen.

Er salutierte wieder und eilte zu den anderen, die bereits im Flur verschwunden waren, während Pauline spuckte und spuckte und keuchte und in immer schnellerer Folge sich übergab.

Und dann konnte sie endlich weinen…

KH

Zum Bild: Martina Roth, Mystisch, Acryl auf Leinwand, 64 x 45 cm

 

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 25. Oktober 2012

Pilzgerichte

Carl und Gerlinde (XXVIII)

Es war wie der Einschlag eines Meteoriten!

Zumindest was die Häufigkeit betraf. Nicht hinsichtlich des angerichteten Schadens. Der war zunächst gering!

Doch die Häufigkeit war echt meteoritenartig selten, was bei einem Pilzgericht an sich nicht weiter verwunderlich war, da Pilze ohnehin eher selten sind – und Steinpilze natürlich noch seltener!

Wenn man allerdings den Schleimpilz ‚Physarum polycevalum’ mit einbezog, dann waren Pilze plötzlich gar nicht mehr so selten; ganz abgesehen von den vielen Ekelpilzen, die sich bei den Menschen mit ihren Mycelien an den peinlichsten Stellen festhakten, und von denen wirklich niemand sagen konnte, dass sie nicht jucken würden!

Trotzdem ist und bleibt der schleimige Einzeller ‚Physarum polycevalum’ um Vieles unangenehmer als jeder andere Pilz, denn der kann, und das ohne jegliche Hirnaktivität, sich praktisch überall auf kürzestem Weg durch die Welt schleimen, insbesondere da wo Haferflocken herumliegen. Und die liegen ja wirklich überall und nicht nur in Speisekammern, Küchen, Schubladen und auf Fliesenböden.

Aber natürlich niemals auf Gerlindes Küchenboden!

Und schon gar nicht in ihren Schubladen, denn gegenüber Gerlindes Sauberkeit und Ordnung hatte dieser hirnlose  ‚Schleimer’ natürlich‚ ‚nicht die Haferflocke einer Chance’, was ja nicht nur ihr, sondern auch Carl vollkommen klar war.

Aber – das hieß noch lange nicht, wenigstens aus der Sicht von Carl, dass es gerechtfertigt war, dass auch andere Pilze, wie etwa der von ihm heiß geliebte Steinpilz  Boletus edulis aus der Gruppe der Ständerpilze, auch nur mit dieser meteoriteneinschlagartigen Seltenheit in der gemeinsamen Küche auftauchen musste. Der hätte sich da schon ein paar Mal mehr im Jahr in dieser blitzsauberen Küche einnisten und brutzelnd und schmurgelnd  breit machen können. Da hätte Carl wirklich nichts dagegen gehabt!

Im Gegenteil!

Was ja dann letztlich, als logische Konsequenz der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eines Mittwochs auch geschah, da Gerlinde, wie sie sagte, an den sich fast obszön anbietenden Steinpilzen bei Emmis Obst – und Gemüsestand auf dem Markt in H. einfach nicht mehr vorbeigehen konnte.

Dies umso mehr, als Emmi bereits Gerlindes begehrlichen Steinpilzblick registriert hatte, während sie mit der üblichen Sorgfalt das gewünschte Obstsortiment aus Mango, Melone, Papaya und Kiwis für sie zusammenstellte und fast beiläufig darauf hinwies, dass doch Carl so schrecklich gerne Steinpilze esse, wie er ihr unlängst gebeichtet hätte, so dass Gerlinde gar keine andere Wahl mehr hatte, als sich von der fürsorglichen Emmi für den offensichtlich von allen Frauen geliebten Carl auch noch eine tüchtige Portion dieser obszönen Steinpilze einwiegen zu lassen. Sechshundert Gramm sollten es schon sein, meinte Emmi spitzbübisch lachend!

Die breiten Bandnudeln konnte Gerlinde dann auch gleich vom Nachbarstand mitnehmen und trotzdem noch mit Hannelore und Kurt genüsslich den vereinbarten Cappuccino bei ihrem Lieblingsitaliener trinken, bevor sie sich daheim auf Carls Pilzfestival vorbereitete…

Carl bemerkte am späten Nachmittag, als er überraschend früh heim kam und die Haustür aufschloss, bereits an seiner Nase –  die sich komischer Weise wie eine Magnetnadel zum Nordpol ganz von selbst in Richtung Küche stellte – dass heute tatsächlich so etwas Fundamentales wie ein Meteoriteneinschlag stattgefunden haben musste: seine nicht gerade kochwütige Gerlinde bereitete ihm sein Lieblingsgericht zu!

Es gab tatsächlich – und das war keine Fata Morgana – ‚Gebratene Steinpilze in Sahne und Wein’!

Grad so als hätte Gerlinde geahnt, dass er heute besonders dringend einer aufbauenden Labung bedurfte, da dieser Tag wieder einmal zu jenen gehörte, die er blitzschnell verdrängen musste, da er sonst morgen in der Firma nicht nur diesen neuen Unmögling Fritz Kogler kaltblütig ermordet hätte, sondern gleich auch noch das ‚goldige Bernielein’, das diesen ‚Schleimpilz Kogler’ in die Sparte ‚Oberbekleidung’ für den Vertrieb geschleust hatte.

Dabei wär’ gegen diesen Fritz Kogler prinzipiell nichts einzuwenden gewesen, außer dass er für einen Mann viel zu schön war, das auch wusste, und seinem schleimigem Charme die jungen Arbeiterinnen genau so hilflos ausgeliefert waren, wie verstreute Haferflocken dem ‚Physarum polycevalum’!

Und das schon seit drei Wochen, da dieser schleimige Fritz auf Wunsch von Dr. Bernhard Osterkorn unbedingt die gesamte Firma TRIGA kennen lernend durchdringen sollte; natürlich auch die Sparte ‚Wirk– und Strickwaren’ für die er, Carl, den Gesamtvertrieb zu verantworten hatte.

Und dass nun ausgerechnet diese dumme, hoch schwangere Kuh, Miriam Braun, die eh schon einmal vom ‚lieben Bernie’ abgebürstet worden war, nicht bemerkte, wie dieser Fritz Kogler sie pausenlos aushorchte und in ihrem Umfeld gegen sie intrigierte, war wirklich zum Heulen!

Für Carl jedenfalls war schon nach zwei Tagen klar gewesen, dass dieser schleimige Fritz, abteilungsmäßig massiv in die ‚Unterwäsche’ der Miriam Braun drängte und sich förmlich verzehrte nach ihrer Stelle, sobald sie in Karenz war. Aber die angeblich so kluge und weltgewandte Miriam Braun, merkte das alles nicht, sondern war trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Schwangerschaft total hingerissen von diesem Ekel–Fritz.

Und genau das spielte dem immer wieder genial schäbig agierenden ‚Bernie’ in die Karten: denn da Miriam Braun ihn enttäuscht hatte, war für ihn klar, dass dieses Biest Stück für Stück so klein gemacht werden musste, bis sie selbst merkte, dass sie bei TRIGA ein riesiger Irrtum gewesen war und nicht mehr benötigt wurde – der Strahlemann Kogler kam Dr. Osterkorn da gerade recht.

Aber jetzt – daheim – war wenigstens für einen winzigen Moment für Carl die Welt in Ordnung, da seine geliebte Gerlinde sein Lieblingsgericht zubereitet hatte!

Gott wie das alles duftete…

Auch Gerlinde duftete, als sie ihm mit fröhlich gerötetem Gesicht plappernd entgegenkam; der süffige Riesling für die Soße hatte wohl schon seine Wirkung getan…

Richtig überdreht erzählte sie Carl nach einem köstlich feuchten Begrüßungsküsschen in launigem Durcheinander, wie das heute mit den komischen Pilzen zugegangen war, und wie sie nach deren obszöner Anbiederung einfach zugreifen hatte müssen und sich jetzt  richtig auf diese Pilzherrlichkeit freute, an die sie sich schon ewig nicht mehr herangetraut hatte, während Carl sich immer zwanghafter der ihn umgebenden geruchlichen Vielfalt ausgeliefert sah, lustvoll schnuppernd Gerlinde mehr und mehr in ihren eigenen heiligen Küchenbereich abdrängte, und sein unersättliches Näschen nicht nur ausschließlich in Richtung Bratpfanne streckte, in der die erste Charge der goldbraunen Köstlichkeit bereits gemächlich vor sich hinbrutzelte, sondern auch ihre fleischigen, nackten Arme und ihren Hals bis zu dem leicht aufgehellten, flaumig zarten Haaransatz in seine Schnüffelakrobatik einbezog und eine zapplige Gerlinde mit ihrer Küchengerätschaft, von Mal zu Mal unkonzentrierter, die angebräunten Pilzscheiben zu wenden versuchte…

Mit einem letzten Rest an verbliebenem hausfraulichen Instinkt, versuchte Gerlinde auch noch, den wie eine Python um sie geschlungenen Carl zu dem bereits vorbereiteten Mörser mit frischem Kümmel zu dirigieren, bevor unter spitzen Schreien und einigem anderen Getöse, auch diese notdürftig aufrecht erhaltene Verteidigungsfassade einstürzte und die zunehmend steinerne Pilzpracht – gnadenlos in der Pfanne verkohlte…

Die begleitenden Rauchschwaden ließen kurz darauf nicht nur den Rauchmelder aufheulen, sondern geisterten auch noch tagelang mahnend durchs gesamte Haus.

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 27. September 2012

Das schrille Lied des Fremden

Carl und Gerlinde (XXVII)

„Was für ein gottvoller, milder Spätsommertag“, sagte Carl schon zum fünften Mal zu Gerlinde, obwohl er wie ein Ackergaul schwitzte und bereits ahnte, dass die blöde Falte im Socken ihm wieder eine schmerzhafte Blase beim rechten Zehenballen bescheren würde.

Er schritt aber weiter aus, ohne sich das Geringste anmerken zu lassen. Schließlich wusste er ja, wie sehr seine Gerlinde diese zügigen Waldspaziergänge am Samstagnachmittag schätzte.

Fit zu bleiben, ging ihr über alles!

Carl wollte da nicht nachstehen und stach genau so gnadenlos, mit seinen ‚Nordic Walking’- Stöcken auf den armen Asphaltweg ein, der sich aber ohne jegliches Schmerzempfinden weiterhin stumm durch den urwaldartigen Mischwald zog. Entwurzelte Fichten, vom Sturm abgedrehte Föhren und gekappte Birken türmten sich in dem Wäldchen zwischen stämmigen Buchen launig übereinander und frisch gepflanzte Erlen, in hässlichen Kunststoffschächten gegen Wildverbiss geschützt, gingen hinter einem mannshohen Farn-Wall schamhaft in Deckung…

Nein, dieser Wald lud nicht zum Pilzesuchen ein, dachte Carl schwitzend bei seinem Herumgestocher mit den komischen Stöcken und bedauerte bereits, dass er vor wenigen Minuten an einen freundlichen Trainingsanzugträger mit triefender Nase, auf dessen verzweifelte Bitte hin, sein letztes Papiertaschentuch abgegeben hatte.

Das erlösende Aufstöhnen des schlecht rasierten Mannes schenkte ihm zwar für einen kurzen Moment das wunderschöne Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, wär’ da nicht seine eifersüchtige Nase gewesen, die plötzlich wie auf Kommando losrotzte und ihm mit Sicherheit eine unappetitliche Schleimspur aufgezwungen hätte, wenn nicht Gerlinde mit ihrer Taschentuchnotpackung in letzter Sekunde für die Austrocknung dieses geysirartigen Quells gesorgt hätte…

Aber das ältere Ehepaar wär’ vermutlich trotzdem nicht durch Carls rotzige Schleimspur gefährdet gewesen, da es im flotten Tempo von vorne ankam! Beide klein, mit auffallenden weißen Haaren, der Mann extrem rotgesichtig, während sie schmal und zierlich wirkte, aber drahtig einher schritt.

Viel weiter hinten tauchte plötzlich ein dunkelhaariger junger Mann in einem grauen, kaftanartigen Gewand auf einem Fahrrad auf. Offensichtlich gut gelaunt, sang er in einer unverständlichen Sprache laut und schrill vor sich hin … mehr »

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 6. September 2012

Das ‘Ewig-Weibliche’ zieht Carl ‘hinan’…

Carl und Gerlinde (XXVI)

Ja – wo denn sonst hin? Es konnte ihn doch nur ‚hinan’ ziehen bei dem Vergnügen das er neuerdings wieder mit dem ‚Ewig-Weiblichen’ hatte, das da nachtnächtlich wie früher neben ihm zappelte und tagsüber tagtäglich seinen Haushalt bestens versorgte, und ihn, dieses ‚Ungestüm-Männliche’ zusätzlich noch mit den verwegensten Köstlichkeiten traktierte, wenn er abends ausgepowert, aber nie mehr übellaunig aus der Firma heimkam und sich genüsslich ins aufbereitete ‚Nestchen’ verkroch…

Und diese prima Laune, die er sehr zur Freude seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und insbesondere seiner Sekretärin Bettina jetzt jeden Morgen mit in die Firma brachte, hielt auch erstaunlich stabil den ganzen Tag über an.

Selbst dann noch, als der liebe ‚Bernie’, alias Dr. Osterkorn, wie ein übermotivierter Seilzieh-Athlet täglich an seinen Nerven eine Art Konditionstraining zu absolvieren schien, und Miriam Braun, die neue ‚Unterwäschevertriebsverantwortliche’ hochschwanger die Welt nur mehr über ihren Mutterbauch wahrnahm und alle Kreativität offensichtlich für die zu erwartenden Zwillinge bunkerte!

Ja – seine robuste Laune war auch abends nicht tot zu kriegen und nächtens schon gar nicht, wenn er Gerlindes anheimelnde Wärme auskosten durfte, ihren Duft einsog und sich an ihrem köstlichen, abgedeckten Körper im Halbdunkel des Schlafzimmerns immer wieder aufs Neue an den elend langen Beindingern delektierte, die permanent tentakelartig zu ihm herüberpendelten, ebenso wie ihre seidenweiche Arme, unter denen er sich jeden Morgen mit größter Vorsicht herausschlängelte, weil er aufstehen und Frühstück machen musste und wollte, während Gerlinde noch in ihrer Traumwelt weiter schmatzend herumsäuselte, was er früher völlig unpassend als ‚Schnarchen’ abgetan hatte.

Und für Carl war auch klar, dass er nach Gerlindes überraschender Heimkehr, an die er nie mehr zu glauben gewagt hatte, nicht klein kariert in den zurück liegenden Monaten herumstochern und sie mit engstirnigen Vorhaltungen nerven wollte.

Nein, das wollte er nicht! Mit welchem Recht auch? Sie waren doch gar nicht verheiratet und dachten auch in Zukunft nicht daran; jeder von ihnen hatte doch diesen wunderbaren Zustand der Ehe schon einmal desaströs hinter sich gebracht.

Natürlich hätte er trotzdem gerne gewusst, was sie so getrieben hatte auf Teneriffa – wo sie ja gewesen war, wie er kürzlich endlich erfahren hatte! Und wen sie da kennen gelernt hatte, auf Teneriffa? Und warum ihr ‚Ehemaliger’ ihr plötzlich so großzügig sein Apartment in Puerto Santiago überlassen hatte? Und wie oft er sie da womöglich besucht hatte? Und wie es überhaupt so mit den Männern in diesem angeblichen traumhaften Puerto Santiago gewesen war?

Aber nein, er fragte nicht! Das war ihre ureigenste Angelegenheit! Eher hätte er sich die Zunge abgebissen, was natürlich auch blöd ausgesehen und weder ihn noch Gerlinde wirklich weiter gebracht hätte…

Letztlich zählte für ihn einzig und allein die Tatsache, dass Gerlinde wieder bei ihm war und das offensichtlich sehr genoss; alles andere war wirklich sch…..egal! Jedenfalls für den Moment!

Und Gott, was für ein Segen war diese ‚zurückgekehrte Sauberkeit’! Alles blitzte, strahlte und duftete wie im Himmel… Das war unbeschreiblich! Und wenn diese fundamentale Freude an Ordnung und Sauberkeit spießig war, dann war er wirklich mit Genuss der größte Spießer auf Erden und im angrenzenden Sonnensystem!

Er staunte ja selbst auch über seine neue Vergnügtheit, wenn er  Gerlinde verwöhnen durfte? Zum Beispiel mit seinen überaus geschätzten leckeren Frühstücksvarianten, bei denen er nebst köstlichem Kaffee und frischen Brötchen, stets auch auf ausgefallene Marmeladen und Käse aus den edelsten Feinkostgeschäften setzte und  sonntags sogar noch norwegischen Lachs und Sekt beifügte! Das war doch was! Und es machte richtig Spaß, zu sehen wie Gerlinde strahlte und sich genussvoll all diesen Leckereien hingab, die er ihr kredenzte. Ja das tat ihm wirklich gut!

Und natürlich verschanzte er sich morgens nicht mehr schweigend hinter den riesigen Seiten einer bekannten Tageszeitung, sondern erzählte munter von unzähligen großen und kleinen kuriosen Vorkommnissen in der Firma, oder von Sachen die er gelesen hatte. Auch von seiner neuen Position berichtete er häufig. Wieder und wieder wollte er auch von ihr hören, was sie von dieser oder jener Wäschekollektion hielt, vor allem der letzten, für die Herren der Schöpfung; und wie sie Frau Brauns Schwangerschaftsprobleme beurteilte, und ob sie ihn nicht doch endlich einmal in der Firma besuchen und Bettina, seine Sekretärin, kennen lernen wollte ?

Und wenn ihn nicht alles täuschte, war seine kleine ‚Spottdrossel’ Gerlinde manchmal sogar ein klitzekleines Bisschen stolz auf ihren Carl und was er so erreicht hatte, während  sie auf den Kanaren herumgeturnt war und sich mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatte – mit hoffentlich nicht allzu vielen fremdartigen Körperkontakten?

Als Gerlinde ihn dann an einem der darauf folgenden Freitage auch noch bat sie und Hannelore um siebzehn Uhr zu einer Vernissage in B. zu begleiten, wo es um ‚Die Darstellung des Weiblichen durch das Weibliche’ ging und nur Künstlerinnen ihre Werke zeigten, zerfloss Carl förmlich und wirkte richtig glücklich; er versprach gerne früher aus dem Büro zu kommen, obwohl er schon ahnte, dass er  wieder das einzige männliche Wesen unter den Kunstenthusiasten sein würde, genau wie bei diesen typischen ‚Frauenfilmen’, die er sich neuerdings auch wegen Gerlinde antat.

Auch sonst waren bei dieser Vernissage nur Frauen zugange: ein junge Sängerin sorgte für beachtliche Stimmung und eine bekannte Schriftstellerin las sehr ordentlich eine selbst verfasste Kurzgeschichte zu einem Gemälde. Die Vorstellung der Künstlerinnen besorgte selbstredend auch ein weibliches Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung; nur der Bürgermeister durfte kurz, als Mann, zwei Sätze zur Begrüßung sagen, um sich alsdann schneller als der Blitz in Luft aufzulösen, so dass er, Carl S., wirklich als einziges nennenswertes männliches Wesen die volle Breitseite der künstlerischen  Weiblichkeit an diesem Nachmittag abbekam und genießen durfte, abgesehen von zwei unscheinbaren, verschrumpelten Männeken, die teilnahmslos vor sich hindösten…

Doch kühles Bier gab es schon, wie Gerlinde tröstend feststellte! Und auch Berge von  köstlichen Häppchen! Was Carl aber nur mehr als läppische Nebensächlichkeit abtat, schließlich wollte er sich voll ganz auf die recht beachtlichen Kunstwerke der diversen Künstlerinnen konzentrieren…

Und trotzdem hing dann am Ende dieser sehr geglückten und von allen Anwesenden bejubelten Vernissage der Haussegen bei Carl und Gerlinde schief, als sie ziemlich betüddelt, von Hannelore heimgefahren wurden.

Dabei hatte Carl es wirklich als Kompliment gemeint, als er im  Kreis einer glücklich strahlenden Künstlerinnengruppe um Gerlinde und Hannelore, die beide Bilder gekauft hatten, viel zu laut darauf hinwies, dass er echt überrascht wäre, wie gut heutzutage auch Frauen malten. Selbst beim besten Willen könnte er keinerlei qualitativen Unterschied mehr zu malenden Männern erkennen! Wirklich, das wäre echt phänomenal sagte er anerkennend mehrfach hintereinander, mit betont ausdrucksstarker Stimme, zwischen etlichen weiteren Gläschen Sekt – und war dann vollkommen platt, als er sich plötzlich nur mehr zwei schweigenden, aber nicht unbekannten Damen mit versteinerten Mienen gegenüber sah… Spätestens da ahnte er, dass wieder etwas schief gelaufen war!

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 23. August 2012

Hitze

Endlich Schatten…

Johannes setzte sich auf die rot gestrichene Bank.

Von hinten streifte ihn kühle Luft aus dem Wald.

Feucht und harzig.

In der  Sonne vor ihm – die brütende Hügelkuppe.

Von Wäldern eingesäumt.

Nur im Süden eine Lücke.

Durch sie konnte Johannes weit  ins Land schauen.

Das sich in der flirrenden Hitze auflöste.

Genau in diese Richtung führte ein Weg.

Wenig befahren, wie es schien.

Der Schotterbelag von Gras überwuchert.

Links ein ausgedehntes Weizenfeld.

Bis zum Wald.

Im Süden verlor es sich auch hinter der Kuppe.

Bei günstigem Wind spürte Johannes den süßlichen Geruch in die Nase.

Wie auf dem Getreideboden seiner Tante.

Wo er sich mit seiner Cousine Klara versteckt hatte:

Um sie zu drücken und zu küssen…

Rechts säumte eine Wiese den Weg.

Weiter unten etliche Bäume.

Halbkreisförmig gruppiert.

Dahinter ein Bauernhof.

Vierkantförmig angeordnete Gebäude.

Darüber nur Hitze.

Gelb.

Johannes erhob sich aus dem Schatten, trat wieder in die Hitze.

Auf den heißen Schotter.

Das Gras in der Wiese war viel zu hoch.

Es hätte gemäht werden müssen.

Der Weizen stand auch üppig.

Kniehohe Halme.

Kräftig

Grün.

Johannes näherte sich der Baumgruppe.

Birken und Holunder.

In deren Schatten saß eine Frau.

Rund und verschwitzt.

Ihr rotes Gesicht wirkte freundlich.

Sie verteilte Limonade.

An zwei dicke Kinder.

Johannes grüßte.

Hinter der Frau sah er plötzlich einen Mann.

Zum Teil verdeckt vom verblühten Holunder

Spärlich bekleidet.

An einem kreuzähnlichen Gestell.

Mit großen Nägeln angenagelt.

Es schien ihm nicht gut zu gehen.

Sein Gesicht war ungepflegt.

Der Mund stand weit offen.

Als wolle er eine Limo.

Vielleicht war er tot.

Keine Fliegen auf seiner hellen Haut.

Das sah Johannes.

Er ging hinunter in den Ort, um bei der Polizei Meldung zu erstatten!

KH

PS: Das Foto “Grüner Weizen” ist aus Wikipedia.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 9. August 2012

Sauberkeit und Ordnung

Carl und Gerlinde (XXV)

Was nützte Carl seine verdrängte Liebe zu Sauberkeit und Ordnung, wenn er keine Putze fand, die diese längst verschüttete Leidenschaft in ihm zu neuem Leben erweckte?

Wunderdinge verlangte er ohnehin nicht mehr! Schließlich hatte ja auch der sechste Putzfrauenversuch nur zur Folge gehabt, dass sein Haus eher einem aufgelassenen Obdachlosenasyl glich, als dem repräsentativen Wohnsitz eines Spartenvertriebsleiters der Firma TRIGA! Warum nur, fragte Carl sich tagtäglich und in letzter Zeit auch in schlaflosen Nächten, war es in Deutschland so unendlich schwer, eine Frau zu finden, die gegen vernünftige Bezahlung ordentlich putzte und gleichzeitig nicht wie ein Walross ausschaute?

Carl bestand ja nicht auf Heidi Klum! Aber er verspürte andererseits auch keine Lust mehr – wie früher als Kind in der Geisterbahn – jedes Mal zu Tode zu erschrecken, wenn er zufällig nachhause kam und auf eines dieser Putzmonster mit entsichertem Staubsauger stieß, in dessen schweißgeschwängerter Ausdünstung er allergische Hustenanfälle bekam! Es war doch kein unsittliches Verlangen, sich solchem Psychoterror nicht weiter Woche für Woche aussetzen zu müssen? Und schon gar nicht angesichts der stattlichen Honorarforderungen dieser Reinigungsamazonen, oder?

Bei dem neuen, siebten Versuch mit einer Frau Ilisevicz hatte Carl nach vier Wochen zwar nicht den Eindruck, dass sich seine bescheidene Wohnanlage weiter in Richtung Obdachlosenasyl entwickelte, dafür aber schien sie auf beunruhigende Weise mehr und mehr zu einer Art ‚Pferdegestüt’ zu mutieren. Denn statt schlicht aufzuräumen und zu putzen schwenkte diese robuste, pferdegesichtige Frau Ilisevicz wiehernd ihr drahtiges Hinterteil mit einer derart ignoranten Ausdauer über sämtliche Berge von zerfledderten Zeitungen, leeren Kunststoffverpackungen, angeschimmelten Essensresten und herumliegenden Getränkedosen, dass Carl bei ihr nicht nur auf die fleischgewordene ‚Reinkarnation eines Pferdes’ tippte, sondern vielmehr eines ‚erblindeten Pferdes’, wie sie früher durch die Bergwerksstollen trabten. Gegen diese Blindheit sprach allerdings die Tatsache, dass es ihr mit der  Eleganz eines Lipizzaners gelang, auch alle überquellenden Ascher und schmutzverkrusteten Teller auf den Stühlen und dem ausladenden Teppich vor dem Fernseher so geschickt zu umtänzeln, dass es nicht ein einziges Mal auch nur zu einer Millimeter großen Verrückung dieser Gegenstände kam! Und sie tappte auch niemals blind in die am Boden liegenden Unterhosen- und Sockenhaufen, oder in die zusammengerollten Oberhemdenstapel und verschwitzten T–Shirt – Klumpen, sondern erlebte diese vielmehr als anspornende Hindernisse, die es zu überspringen galt und nicht etwa aufzuheben oder gar zu waschen.

Drei Mal versuchte Carl durch vorsichtige Einwürfe, dieser ‚fortschreitenden Verstallung’ und Entfremdung seines Eigenheims Einhalt zu gebieten, bereute dies aber noch in der gleichen Sekunde, als ihm die ersten unbedachten Worte über die Lippen kullerten, da diese hingehauchten Ermahnungen jedes Mal ein orkanartiges indogermanisch-serbokroatischen Wortgewitter auslösten, dem er sich nur durch Flucht entziehen konnte.

Selbst die von seiner Sekretärin Bettina zu erwartenden Vorhaltungen hinsichtlich seines Versagens, erschienen ihm da im Vergleich zu der ohrenbetäubenden serbokroatischen Dauerbeschallung, geradezu lächerlich ja sogar eher wie eine sanfter, trostreicher Hauch des Himmels!

Und vielleicht bewog ihn ja gerade diese ruhige, anspornende Intervention seiner Sekretärin dazu, dass er nach dem dritten ‚Iliseviczschen Donnerwetter’ endlich einen energischen Schlussstrich unter dieses unsägliche ‚Pferdeabenteuer’ zog, und nicht der seltsame Umstand, dass er in den letzten Wochen bereits jeden Morgen vor Verlassen seines Hauses, erst mit der bereitliegenden Kleiderbürste die Staubflusen, Pferdehaare und Strohreste der vergangenen Nacht aus seinem dunklen Anzug bürsten musste…

Bei der nachfolgenden Frau Moravec hatte erfreulicher Weise Hannelore ihre Finger im Spiel, was bei Carl unvorsichtiger Weise gewisse positive Erwartungen weckte! Eine sehr, sehr gute Freundin habe ihr Frau Moravec dringend für ihn empfohlen, hatte Hannelore zu ihm gesagt und flüchtig hinzugefügt, er sollte vorsorglich den einen oder anderen zerbrechlichen Gegenstand rechtzeitig in Sicherheit bringen…

Natürlich hatte Frau Moravec nicht das drahtige Hinterteil der ‚Stute Ilisevicz’ und auch nicht deren aufreizende Nüstern, sondern wirkte mit ihrem kräftigen, dunklen Flaum um einen verkniffenen, faltigen Mund eher ausgelaugt und vom Leben gebeutelt – aber sie verstand zu putzen! Innerhalb von zwei Wochen hatte sie Carls ‚Quasi – Pferdegestüt’ soweit auf Vordermann gebracht, dass er nicht nur dieses Haus wieder als sein eigenes erkannte, sondern plötzlich sogar abends wieder gerne heimkam. Allerdings um den Preis, dass längst verheilt geglaubte Wunden, gnadenlos aufbrachen und er fast täglich schmerzhaft an den Verlust seiner geliebten Gerlinde erinnert  wurde –  bei der damals auch alles so blitzeblank und ordentlich gewesen war!

Irgendwie verwirrte ihn dann aber doch sehr schnell der Umstand, dass er bereits seit zwei Tagen vergeblich nach einem Zahnputzglas Ausschau hielt. Und im Badezimmer und auf der Gästetoilette fehlten plötzlich die gläsernen Halter der Klobürsten. Von den beiden teuren, tönernen Raben auf dem Dielenschrank schien auch einer das Weite gesucht zu haben. Und im Gästezimmer hatte sich offensichtlich das Nachttischlämpchen mit dem bunten Glasschirm, das zwar abgrundtief hässlich war, aber ein Erinnerungsstück seiner Mutter, auch irgendwie in Luft aufgelöst! Allerdings nicht gänzlich, denn als er in seiner Restmülltonne Platz schaffen wollte, um einen Eimer eingetrockneter weißer Dispersionsfarbe darin verschwinden zu lassen, entdeckte er das arme Lämpchen, das sich mit seinem grässlich zerdepperten Schirm ängstlich an den Boden der Tonne schmiegte…

Die Aussprache mit Frau Moravec im Beisein von Hannelore verlief feucht! Bei jedem neuen Tränenschwall beteuerte die gute Frau, wie leid ihr alles täte, sie wüsste auch nicht, was mit ihr los wäre, aber in letzter Zeit wären ihr immer wieder das eine oder andere Mal ausgerechnet die Stücke aus der Hand gepurzelt, die sie gerade reinigen oder abstauben wollte! Ohne ihr Zutun wäre das passiert, das müsse ihr Herr Carl glauben, schluchzte sie. Vor lauter Angst, diese gut bezahlte Stelle zu verlieren, habe sie dann die zerbrochenen Sachen unglücklicher Weise versteckt oder entsorgt, da sie gehofft hatte diese Ungeschicklichkeiten würden nie mehr passieren  - und dann waren sie doch wieder passiert!

Natürlich würde sie für jeden einzelnen Schaden aufkommen, soweit ihr das möglich sei, schluchzte Frau Moravec und bearbeitete verzweifelt ihre etwas zu lang geratene Nase, die dunkelrot anlief und wie eine pralle Rosenknospe jeden Moment aufzuspringen drohte.

Diesem Strom an Tränen hatte Carl nichts entgegenzusetzen!

Da half auch Hannelores Beisein nicht. Carl unterband daher den gebirgsbachartigen Tränenfluss von Frau Moravec auf die Weise, dass er sie vorsichtig bat, ab sofort nichts mehr zu verheimlichen, sondern jeden weiteren Schaden gleich zu melden, beziehungsweise zerbrochene Gegenstände auf dem Tisch in der Diele abzulegen. Überglücklich wollte Frau Moravec für diese neue Chance Carl umarmen und ihn dabei vermutlich, ungeschickt wie sie war, gleich  in ihrer Tränenflut ertränken. Doch der zog ein weiteres Mal die feige Flucht dem mannhaften Ertrinkungstod vor…

Natürlich hatte Carl in seiner naiven Art nicht damit gerechnet, dass er in den nächsten vier Wochen auf dem Tisch in der Diele den kaputten Tischstaubsauger und die ehemals schöne große Salatschüssel finden würde, sowie zwei gerahmte Drucke aus der Diele, die ihm noch Gerlinde geschenkt hatte, den Radiowecker und die teuere spiralige Lampe vom Beistelltisch im Wohnzimmer! Angesichts dieser neuerlichen Schadensrate war es aber für ihn dann nicht mehr schwer, den ungewollten Vernichtungsfeldzug der sauber putzenden Frau Moravec in seinem Haus zu stoppen: er überwies ihr zwei Monatsentgelte und erteilte ihr bis auf weiters Hausverbot!

Und ausgerechnet als dieses monströse Putzfrauendrama so grandios festgefahren schien, dass auch Hannelore nur mehr mutlos ihre zarten Schultern hochzog  und Carl wieder einmal am Beginn einer neuen trostlosen Phase großer Ratlosigkeit stand,  ausgelaugt und entnervt vom Büro heim kam und notgedrungener Weise nur mehr auf die entlastende Wirkung der täglichen Rotweininfusion zählen konnte – saß an einem Dienstag im August Gerlinde in seinem Wohnzimmer! Frisch und lecker wie ein reifer Pfirsich lächelte sie Carl derart liebevoll an, dass diesem trotz rotem Kopf und zittriger Knie sofort klar wurde, dass er gerade dabei war für sein vertracktes Putzfrauenproblem doch noch die finale Lösung zu finden…

KH

Klaus Hnilica
Montag, der 16. Juli 2012

Das Gottesteilchen – und andere himmlische Probleme

Also nee, wie soll das denn gehen?

Das mit dem ‚Gottesteilchen’, mein ich, das in der Schweiz angeblich gefunden worden ist: ausgerechnet in der Schweiz, die doch voller Schwarzgeld steckt, soll das ‚Gottesteilchen’ gefunden worden sein? Also nee – das kann nicht sein…

Aber bitte, mal angenommen – rein hypothetisch – dass das ‚Higgs – Boson’, das man da Anfang Juli im CERN, dem europäischen Zentrum für Teilchenphysik, eingefangen haben will, wirklich so ein ‚Gottesteilchen’ ist, wie die Medien behaupten, dann müsste doch nach den Regeln der ‚Susy’ – also der Supersymmetrie – zumindest wie sie so zu verstehen ist, diese ‚Susy’, und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, was ja bei ‚Gottesteilchen’ wohl erwartet werden kann, auch  ein ‚Higgs – Böson’ existieren! Ein ‚Böson’, das dann logischer Weise nur ein ‚Teufelsteilchen’ sein kann! Was denn sonst? So ein ‚Böson’ kann doch nur aus der Hölle kommen, oder?

Und natürlich muss dann die Tatsache, dass  das ‚Gottesteilchen’ als erstes gefunden wurde in dem ‚ Large Hadron Collider’ (LHC) in Genf – und nicht dieses ‚Böson’,  das ‚Teufelsteilchen’, auch als ein ‚Zeichen des Himmels’ angesehen werden! Was ja wohl klar ist! Und außer einem  Kommunisten oder  islamistischem Fundamentalisten wird sich darüber bestimmt auch niemand groß wundern, denn schließlich steht ja dieses teure Wunderwerk der Technik, dieser LHC, nicht in Nordkorea oder im Iran in einer Moschee, sondern im Zentrum des christlichen Abendlands, in der Schweiz, einem Land, das bei aller Neutralität und seinem unermesslichen Füllhorn an segensreichen Schwarzgeldkonten immer noch aufs Engste mit dem christlich – jüdischen Kulturkreis verzahnt ist!

Andererseits beunruhigt natürlich schon  die Tatsache, dass dieses mutmaßliche ‚Gottesteilchen’ nach der Theorie des Standardmodells’ wohl das leichteste aller ‚Higgs – Bosonen’  ist und nur deshalb möglicher Weise vor dem hypothetischen ‚Teufelsteilchen’ dem ‚HiggsBöson’ in diesem LHC gefunden wurde!  Und vermutlich sogar schon mit einer läppischen Stromrechnung von gerade mal 16 Millionen Euro! Was für ein lächerlich geringer Betrag  für ein Gottesteilchen’, wo doch schon  ein ‚Ronaldo’, der nur mal den ‚elften Teil der Königlichen’ ausmacht, gut das Zehnfache kostet! Das muss man sich einmal vorstellen, da stimmt doch irgendetwas nicht…

Aber es kommt noch schlimmer! Was passiert denn nämlich, wenn sich nun vielleicht in drei oder vier Monaten, zum Beispiel  für 20 Millionen Euro Stromkosten und mehr, plötzlich doch dieses vermaledeite ‚Teufelsteilchen’ in den  Atlas- und  CMS-Detektoren  des LHC verfängt? Was ist denn dann? Ist so etwas Unfassbares überhaupt vorstellbar? Darf das innerhalb unseres christlich–abendländischen Wertesystems überhaupt geschehen, dass ein Teilchen Gottes’ billiger zu haben ist, als ein ‚Teilchen des Teufels’, ohne dass alles was wir bisher kennen und wissen aus den Fugen gerät? Und das alles außerdem noch finanziert mit unseren nicht hinterzogenen Steuergeldern?

Darf das tatsächlich passieren, dass man nach bald dreijähriger Umrüstzeit für mehr als drei Milliarden Euro eine Maschine von 27 Kilometer Durchmesser hat, mit der nach hundertfünfzig Trillionen Protonen-Kollisionen für eine Stromrechnung von lächerlichen 16 Millionen Euro ein Boson namens ‚Higgs’ gefunden wird? Ausgerechnet ‚Higgs’ – und nicht eines das etwa ‚Gottschalk’ oder ‚Benedikt’  heißt oder wenn’s schon sein muss, mein Gott, namens ‚Schavan’? Dabei hat doch bestimmt Deutschland wieder am meisten bezahlt für dieses ‚Boson’.

Aber nee, ‚Higgs’ heißt es, dieses ‚Boson’! Higgs –  wie so ein Rülpser im Vollrausch! Und das soll ein ‚Gottesteilchen’ sein? Nee – das kann nicht sein! Da kann jetzt, nachdem nun schon mal das Kind bei dem ‚Boson’ in den Brunnen gefallen ist, nur mehr darauf gehofft werden, dass die im CERN dann, wenn sie das ‚Teufelsteilchen’ endlich finden, also dieses ‚Higgs –Böson’, dass die wenigstens dann das ‚Higgs’ vorne wegstreichen und statt dessen vor das ‚Böson’ einen schönen teuflischen, deutschen Namen setzen? Möglichkeiten gibt es da ja etliche…

KH

PS: Die wunderbare Abbildung ist aus Wikipedia!