Matthias Apitz
Mittwoch, der 10. September 2008

Ein neues Mobile muss her, aber …

Bei meinem Mobiltelefon fangen mal wieder an die Tasten zu klemmen, besonders die „7“, warum auch immer. Vermutlich ist das, nach fast genau zwei Jahren der Benutzung, eine eingebaute Sollbruchstelle. Ein neues Mobile muss also her, aber welches? Ich bin diesbzgl. (unter anderem diesbzgl.) ein schlechter Konsument: ich brauche kein Mobile mit Kamera und immer mehr Mega Pixel, es muss auch keine Musik oder Klingeltöne downloaden und abspielen können. Für mich war bisher wichtig, neben dem Telefonieren und abundan eine SMS zu schreiben, dass man das Mobile über V.24 an ein Linux/FreeBSD laptop anschliessen kann und dass es sich dort wie ein Modem verhält, man es also mit s.g. AT-Kommandos ansteuern kann um damit via PPP und GPRS den laptop mit dem Internet zu verbinden. Mancher wird sagen: das können doch alle Mobiles heute. Das ist zwar richtig, aber ungenau. Die meisten Mobilehersteller liefern dazu eine Software mit, die man auf dem PC installieren muss, welche dann das Modem emuliert und dann wird auf dem Kabel, egal ob USB oder V.24 ein proprietäres Protokoll gesprochen, welches nur der jeweilige Hersteller, z.B. die Firma Noxxx, selber kennt, aber eben keine AT-Kommandos gem. ETSI Spezifikation GSM 07.07 usw. Und: diese Software gibt es dann auch nur für Windows oder Mac, aber nicht für Linux oder andere noch ‚exotischere‘ UNIXe. In die Tonne also mit solchen Telefonen. Es gibt (oder gab?) aber rühmliche Ausnahmen: die Firma Siexxxx zum Beispiel, oder auch Boxxx (letztere hat mir sogar mal kostenlos ein Testgerät geschickt und einen Dank für den Testreport über ihr Mobile unter Linux).

Und so habe ich in den letzten 10 Jahren die ganze Palette S4, S10, ME45, M55 und derzeit das S68 problemlos an meinem laptop benutzt. Anekdote am Rande: Die Firma für die ich arbeite stellt Bibliothekssystem her und ich habe eine Speziallösung entworfen die in einigen deutschen Städten durch die Gegend fährt: ein s.g. Bücherbus, in welchem ein Linux-basierter Arbeitsplatz via Internet mit dem zentralen Server der Bibliothek ‚redet‘, so als wäre er eine normale Ausleihtheke in der Bibliothek und man also online im Bus an den Haltestellen der Bus-Tour Bücher ausleihen, zurückgeben oder Mahnungen bezahlen kann. Diese Lösung basiert auf dem gleichen Mobile-an-Linux, welches ich in meiner Hostetasche habe, und das seit Jahren in Augsburg, Esslingen, Freiburg und ein paar anderen Städten. Ende der Werbung für meine Firma.

Nun ist das Problem, dass man nicht einfach in einen Laden gehen kann und sagen kann «ähm…, ich hätte gern ein Telefon mit V.24 und Protokoll nach Spezifikation GSM 07.07 und …». Die hübsche, nabelfreie Verkäuferin (ich glaube „Verkäuferin“ verrät mich schon als aus anderen Zeiten, sicher ist sie heute ein „promotion manager“ oder was ähnlich Wichtiges), die würde mich jedenfalls anschauen wie von einem anderen Stern, irgend jemand herbeirufen, das wurde ihr nämlich gesagt: niemand wegschicken, den Fall „eskalieren“, und der Gerufene wäre nicht viel schlauer.

Auch die Datenblätter der Hersteller geben solche Details kaum Preis, weshalb ich eben auch lange bei denen der Firma Siexxxx geblieben bin, auf die war Verlass und deren interne technische Papiere waren genau genug. Nur macht nun Siexxxx nicht mehr in Mobiles und das letzte knowhow haben sie mit BenX in den Konkurs geschickt.

Ich war noch am Nachsinnen über das wie nun weiter, da fiel mir in einer der letzten der „Fachzeitschrift“ genannten Werbeblätter ein halbseitiger Bericht über das Openmoke Freerunner in den Hände. Ich hatte schon vor einiger Zeit von diesem Projekt, ein Offenes Telefon auf Basis von Linux zu bauen, gelesen. „Offen“ meint: alle Komponenten der hardware sind durch OpenSource ansteuerbar und die diversen chips sind hinreichend dokumentriert. Dieses Projekt steckte lange im Experimentierstadium, mittlerweile sind aber insbesondere die Speicher gross (bzgl. Speichervolumen) und billig genug und das Projekt ist aus den Kinderschuhen raus. Natürlich ist es noch immer was für Entusiasten und der besagte Artikel fasste das präzise zusammen: es taugt zu allem, ausser vielleicht zum Telefonieren. Es hat als Betriebsystem ein Linux Derivat, es gibt sogar bereits mehrere Varianten davon, und darauf aufgesetzt ein spezieller Desktop mit der Software zum Telefonieren, für GPS, GPRS und alles was man selber noch installieren will. Man kann es via USB mit einem laptop verbinden und sich per SSH in dem Freerunner einloggen und es dann so bedienen wie jeden richtigen grossen PC mit Linux. Es baut zum Internet (PPP und GPRS) oder zu Wifi AccessPoints Verbindung auf und man kann es als router benutzen und ist so mit dem laptop dann im Internet. Fazit: ich brauche kein Mobile mehr mit V.24 und GSM 07.07. Ich brauche heute einen GPRS/Wifi-router in der Grösse eines Mobile für meinen eeePC oder den grossen laptop.

Als ich dann noch die kompletten Wiki Seiten http://wiki.openmoko.org/wiki/Main_Page und diesen Film hier http://www.youtube.com/watch?v=k9QLdK6pFCI gesehen hatte, stand mein Entschluss fest: das nächste Mobile basiert innen auf OpenSoure, auf Linux.

Es ist Zeit für ein neues Mobile, aber bitte auf Basis von OpenSource.

Matthias

Matthias Apitz
Dienstag, der 26. August 2008

Die FFUG i.G.

Im Süden von München gibt es die Forschungsbrauerei. Dort braut der Chef noch selber, das vielgerühmte ‚Sant Jacobus Blonder Bock‘ und viele meiner Bekannten, auch Roland von IF blog, werden ihn und sein Bier kennen und schätzen.

Abundan sitze ich dort in einer ruhigen Ecke oder im Biergarten bei Regen unter einem Dach und hoffe dass die Raucher nicht alle naselang zum Rauchen oder, noch schlimmer, Yuppies oder Mädels (letztere sehen wenigstens noch nett aus) zum Telefonieren raus kommen, und lese oder schreibe — auf meinem vor ein paar Wochen hier im IF blog erwähnten eeePC.

Ein Bekannter von mir, Ralf, den ich seit ein paar Jahren und eigentlich nur von der Forschung kenne, kam des öfteren interessiert an meinen Tisch und fragte, was das denn fuer ein mini-laptop sei und was fuer ein exotischer Desktop und Betriebssystem. An seinen Rückfragen auf meine anfangs sicher eher mürrischen Antworten, mürrisch weil mir die gleichen Fragen dort des öfteren Leute stellen, und nach der Antwort: «FreeBSD mit KDE 3.5.8», dann fragen, ob das auch von Microsoft käme usw., also an seinen Rückfragen merkte ich bald, dass er schon mal Linux benutzt hatte, und schnell waren wir bei Feinheiten, wo und wie das und dies bei Linux wäre und wie bei meinem eeePC mit FreeBSD. Er meinte damals, dass ihn das interessieren täte und ich bot ihm an, wenn es ihm ernst wäre, könnte er auf meine Hilfe zählen.

Ein paar Wochen später winkte er mir von einem der Nachbartische mit einen eeePC zu (wirklich er winkte damit, wie um zu sagen «sieh ich hab‘ ihn auch»), natuerlich hatte er ihn mit XP und mit 4 GByte SSD weniger kaufen müssen, weil ja Microsoft’s Muell bezahlt werden musste. Ich habe Wort gehalten und ihm auf einem USB stick (fast) alles draufgepackt, was er brauchte zum booten und zum Installieren von FreeBSD. Das ‚fast‘ meint, dass ich leider etwas vergessen hatte. Ralf wusste sich aber zu helfen und hat die files aus dem Internet geladen. Im wesentlichen ist er einfach meiner Installationsanleitung in http://www.unixarea.de/installEeePC.txt gefolgt und ein paar Tage später kamen die ersten mails von ihm über ’success‘, und weiteren Fragen zu ein paar offenen Kleinigkeiten.

Seitdem haben wir uns noch zweimal, eher zufällig, in der Forschung getroffen und sassen dann beide mit unseren eeePC’s am gleichen Tisch und tauschten Einzelheiten, Meinungen und Ideen aus. Ich habe dabei gelernt, dass Ralf zusammen mit einer ehemaligen Arbeitskollegin und derem Freund einen blog http://www.blog-ums-bier.de/ fuehrt und ich war echt beeindruckt von dem was er da noch zusätzlich auf diesem Winzling dafuer installiert hat: MySQL DB server, Apache und eine blogging engine. Der eeePC ist fuer ihn wie ein kleiner server und er redigiert darin seinen blog ueber die Biersorten und -kulturen in Bayern und woanders. Wahnsinn!

Er schrieb mir mal in einer mail, dass er vorher Linux kannte (klar) und dass er von der Ordnung und der Art und Weise wie in FreeBSD alles dokumentiert sei, echt überrascht wäre. Ich schrieb ihm zurück, dass das nun eben genau der Unterschied wäre: FreeBSD ist das bessere freie UNIX, und gemacht von Spezialisten fuer Spezialisten, aber eben nicht nur fuer Spezialisten sondern auch fuer alle.

Ich habe Ralf animiert, seine dabei gemachten Erfahrungen in einem eigenen Artikel zu beschreiben und bin also auf seinen Kommentar gespannt. „FFUG i.G.“ lautete der Titel dieses Beitrag. FFUG steht für „FreeBSD Forschung User Group“. Derzeit mehr ein Spass und ein Wortspiel mit ‚erforschen‘ und der Forschungsbrauerei :-), aber evtl. sollten wir das ausbauen, publizieren, verbreitern und dazu z.B. einen Stammtisch in der Forschung aufmachen um noch mehr Leute zu infiltrieren. Lust? Mal Lust auf was neues?

Matthias

Matthias Apitz
Montag, der 30. Juni 2008

Grosse und kleine Computer — aber bitte nur mit UNIX

Hier der erste Beitrag von Matthias Apitz <guru@UnixArea.de>!

Man soll keine Aufsätze mit Ich anfangen, deshalb dieser Satz vorab. Ich bin Matthias und gern nehme ich die Einladung meines langen Kollegen/Partners Roland Dürre an, und werde in loser Folge ab und an was zu UNIX oder anderen OpenSource Projekten schreiben. Seit mehr als 25 Jahren arbeite ich mit und teilweise für UNIX und denke, dass ich dabei einiges gelernt habe und was ich davon nicht schon wieder vergessen habe, gebe ich gern weiter. Genug der Vorrede, wer mehr über mich wissen will, sei an meine home page verwiesen http://www.UnixArea.de/

Heute soll es um grosse und kleine Computer gehen, wie der Titel sagt. Vor ein paar Tagen habe ich mir den kleinsten Computer gekauft, wenn ich mal meinen programmierbaren Taschenrechner TI 59, den ich als Student hatte, aussen vor lasse. Es ist ein s.g. sub-notebook, Asus eeePC 900: http://en.wikipedia.org/wiki/Eeepc. Das Tolle an dem Teil ist, dass es klein ist, gerade noch gross genug, dass man darauf wirklich schreiben kann und auf dem 9 Zoll display mit 1064×600 Auflösung auch noch was lesen kann. Es hat keine sich drehende Platte, nur eine 20 GByte s.g. SSD (Solid State Disk), das ist ein Speicher, wie man ihn von USB sticks kennt, nur sieht ihn eben das Betriebssystem wie eine normale ATA Festplatte. Und 20 GByte ist viel, auch wenn das Betriebssystem mit allem was man zum Arbeiten, Schreiben und Lesen braucht, davon sich 3 GByte weg nimmt, bleiben immer noch 17. Es wiegt weniger als ein Kilo und gibt keinen Laut von sich (wenn man nicht gerade einen Film oder ein Mp3 darauf abspielt). Und es kommt nicht mit Windows daher, sondern mit einem Linux-derivat der Firma Xandros, dazu später mehr. Es ist wohl auch eine Version mit XP angekündigt, die SSD soll dann dabei nur 12 GByte gross sein, weil ja Microsoft noch bezahlt werden muss (schlechtes hat eben seinen Preis) und der (Kampf-)Preis 400 Euro in Summe nicht übersteigen soll. Das ist, wie gesagt, der kleinste Computer, den ich je mit UNIX hatte, bisher. Darüber später mehr, reden wir erstmal von dem grössten, den ich je „hatte“.

Wer auf meiner home page nach sieht, wird merken, dass ich aus der DDR bin. Ich habe dort an der Universität und später an der Technischen Hochschule in Leipzig gearbeitet, geforscht und auch Kurse gehalten zu Computer Themen und Programmiersprachen. Leute meines Alters und Wissende werden den Begriff CoCom kennen, wer nicht sehe einfach in Wikipedia nach. Kurz, wir sollten damals keine Computer haben und erst recht keine mit UNIX. Das hat nicht funktionieren können und die DDR hat eigene gebaut, einige davon waren Clone (Nachbauten) von IBM (die IBM /360 oder /370 hiess in der DDR ESER 1055 oder 1060) oder von DEC (die PDP-11 war bei uns die SM4-20). Auf denen liefen üblicherweise auch die ge-clonten Betriebssysteme der westlichen Hersteller. Aber eben nur ‚üblicherweise‘. Es gab an den Uni’s der DDR ein gemeinsames Forschungsprojekt auf dieser Hardware das als Source (auch wieder entgegen der CoCom-Liste) verfügbare UNIX verschiedener Versionen zum Laufen zu bringen. Das ist uns auf dem ESER 1055 hervorragend gelungen, es lief dort in einer virtuellen Maschine des SVM als VMX (Virtuell Machine UniX) und wurde in Lehre und Forschung eingesetzt. Der Rechner füllte damals ganze (Computer-) Hallen, die grössten Festplatten waren 29 und 100 MByte groß und sahen aus wie Waschmaschinen, solche Top-Lader. An den RAM (damals Ferrit-Kern Speicher) kann ich mich nicht mehr erinnern, sicher was es aber weniger als 1 GByte. Das war also der grösste Rechner, auf dem ich je UNIX installiert habe, und doch war er kleiner in der Leistung als der eingangs erwähnte eeePC, schwächer als mein kleinster heute.

Damals war es übrigens noch nicht einfach mit dem UNIX. Man musste schon Enthusiast sein und um die kostbare Rechenzeit auf dem Großrechner betteln und bekam die meist nur nachts zugeteilt. Anderes und Fragen der Sicherheitsaspekte beim Zugang zu den heiligen Hallen der Computer lasse ich mal weg. Es gab auch Widerstände, analog den heutigen, von Kollegen und Chefs die meinten ein Betriebssystem kann nur von IBM kommen (oder heute von Microsoft). Aber wir haben uns damals durchgesetzt.

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