Roland DürreFreitag, der 24. Mai 2013
Ganz neu – Konzerne sparen Steuern? Also weg mit dem Bankgeheimnis! Aber …
Auf dem EU-Gipfel beschlossen: Jetzt soll das Bankengeheimnis in ganz Europa fallen. Bis Jahresende! (ARD)
Und als eine Begründung wird eine wie mir scheint “ganz neue aber eigentlich sehr alte Erkenntnis” angeführt: Die großen Konzerne haben ihre Erträge (gesetzeskonform) dezentralisiert, um ihre Steuerschulden zu reduzieren. Allen voran die bösen Apples und Googles, aber natürlich auch die Unternehmen, die vom Copyright leben. Klar, die haben ja eine ganz besondere Erfahrung damit, komplizierte Regeln und Gesetze zu ihren Gunsten zu nutzen. Und alle sind zurzeit in großer Aufriegelung über die bösen Steuersünder-Unternehmen.
Aber:
- War das nicht seit 1950 und wahrscheinlich auch schon früher so? Die großen deutschen DAX-Konzerne haben auch durch geschicktes Nutzen der Gesetze ihre Steuer reduziert. Und das wussten wir doch alle.
- Ist nicht die gesetzliche Pflicht der Vorstände von Aktiengesellschaften, (auch steuerlichen) Schaden von dem von ihnen verantworteten Unternehmen abzuwenden?
- Die Ursache von solchen Optimierungen liegt an unterschiedlichen Steuerregeln und -gesetzen in den verschiedenen Ländern. Eine logische Maßnahme wäre also eine Gleichschaltung der Steuergesetzgebung weltweit. Aber vor einer Weltregierung habe ich noch mehr Angst als vor der EU. So utopisch schön eine geeinte Welt wäre, so unheimlich ist mir die Macht eines solchen Systems.
- Irland übrigens soll von den Apple-Maßnahmen unheimlich profitiert haben. Wenn wir Europa steuerlich gleich schalten, dann wäre auch Irland leer ausgegangen.
Es ist schon absurd. Alle reden vom “Datenschutz”. Aber wenn es um etwas intimes wie das private Konto geht, dann heiligt plötzlich der Zweck die Mittel. Und schon ist der Datenschutz futsch.
Ich bin absolut für Transparenz. Aber: “Transparenter Bürger” geht nur mit “Transparenten Staat”. Denn Transparenz muss immer symmetrisch sein, gerade bei so ungleichen Machtverhältnissen wie zwischen Bürger und Staat. Denn der Bürger hat seinem Souverän, dem Staat ja alle Rechte abgetreten.
Bis zum “transparenten Staat” ist aber ein weiter Weg. Und hätte auch kein Problem, meine Daten offen zu legen. Auch meine Kontodaten. Aber das geht nur bei symmetrischer Transparenz.
Vor der Allmacht des Staates habe ich immer noch mehr Angst als vor der Macht der Konzerne … Weil ich mich gegen diese leichter wehren kann als gegen den Staat – z.B. ganz einfach durch Konsumverzicht.
RMD
Roland DürreDonnerstag, der 23. Mai 2013
Die bösen Steuersünder …
Steuersünder werden heute besonders gern an den Pranger gestellt. Und Steuer-Vergehen werden wie aus einem Mund von Medien, Regierung, Gewerkschaften und sonstigen gesellschaftlichen Gruppierungen und natürlich auch den einfachen Bürgern als etwas ganz besonders Schlimmes verurteilt.
Oft habe ich den Eindruck, dass im diesem Moment der Zeiten die Steuerhinterziehung als das schlimmste aller kriminellen Delikte verurteilt wird.
Da fällt mir Bert Brecht und seine Dreigroschenoper ein. Am Schluss kommt der Bote des Königs und wendet das Schicksal des Verurteilten durch die Begnadigung des Königs ab. Der Chor rät dem Publikum, nachdem Mackie Messer absurderweise auch noch in den Adelsstand erhoben worden ist
“Bestraft das Unrecht nicht zu sehr!”
Ich meine, das sollte auch für Steuersünder gelten. Gerne sollen sie ihr erschwindeltes Geld dem Staat zurück erstatten müssen. Auch gerne mit Zinseszins. Aber ansonsten verdiente Menschen und Mitbürger würde ich nicht gleich kriminalisieren wollen.
Ergänzend ein paar Gedanken, wie es so einem Steuerzahler in Deutschland geht. Zuerst erstelle ich eine (vereinfachte) Rechnung für einen Unternehmer bzw. Aktionär:
Ein Unternehmen zahlt in Deutschland immer noch ein knappes Drittel an ertragsabhängigen Steuern. Dies sind Gewerbe- und Einkommenssteuer, wobei die Höhe der Gewerbesteuer vom Standort abhängig ist. Bei einem Unternehmensergebnis von 120.000 € gehen circa 40.000 EURO an den Staat, im Unternehmen bleiben 80.000.
Wenn davon die Hälfte – gleich 40.000 € – ausgeschüttet wird, bekommen die Aktionäre knapp drei Viertel (30.000 €), ein gutes Viertel (10.000 €) wird wieder an den Staat überwiesen.
Wenn der Aktionär sich für diese 30.000 € zum Beispiel einen BMW kauft, beträgt die Mehrwertsteuer 19 % auf Hundert. Beim Staat landet so nochmal ungefähr 1/6 EURO ≈ 5.000 €
Ein anderes Beispiel zeigt, wie es einem Angestelltem der Kategorie “Gutverdiener” geht:
Als “Gutverdiener” nehme ich mal einen Single, der 80.000 € Jahresgehalt hat. Der muss von seinem Gehalt zuerst mal die Steuer abgeben. Das sind an Einkommenssteuer 25.404 € und an “Sozi” 1.397 €. Dazu kommen noch die Sozialversicherungsabgaben, die zum Beispiel bei der Sozialversicherung bis zu einer Bemessungsgrenze von 58.500 € erhoben werden. Wenn unserem Gutverdiener netto die Hälfte seines Bruttogehaltes bleibt, kann er sich glücklich schätzen. Und dabei sollte man nicht vergessen, dass der Arbeitgeber auch noch mal einen Beitrag zu den Sozialversicherungskosten beiträgt.
Die Grenze dazwischen Steuern und Sozialabgaben ist nach meiner Meinung sehr fließend. Z.B. werden Steuern und Rentenbeiträge für soziales und die Altersversorgung von Menschen eingesetzt.
Unser “Gutverdiener” kann mit dem verbleibenden Netto-Einkommen Verschiedenes machen:
So kann mit seinem gut versteuerten Geld einkaufen gehen. Dann zahlt der “Gutverdiener” Mehrwertsteuer (19 % oder 7 % auf dem Hundert). Wenn er eine Haushaltshilfe beschäftigt, muss diese auch wieder “Lohnsteuer” und soziale Abgaben zahlen (und er ihr deshalb ein wenig mehr zahlen). Wenn er sein versteuertes Geld als Rücklage fürs Alter anlegt, zahlt er für den Zins, den er für seine versteuerte Geldanlage bekommt, noch mal Kapitalsteuer. Obwohl der Zins in der Regel niedriger ist als die (nominelle) Geldentwertung.
Trotzdem gibt es eine vielleicht ansonsten ganz vernünftige Partei, die die Steuer für “Gutverdiener” wieder kräftig erhöhen will. Und dies ohne einer der Inflation folgend dynamisch angepasste Obergrenze für “Normalverdiener”! So dass die “Normalverdiener” ganz schnell “Gutverdiener” und dann so richtig zur Kasse gebeten werden.
Ist das alles so sinnvoll? Da könnte man doch auf böse Gedanken kommen …
RMD
P.S.
Liebe Wirtschaftsprüfer, bin froh wenn Ihr mal auf die von mir genannten Zahlen schaut, ob da alles richtig ist. Habe die einfach mal nach meinem aktuellen Wissen so runter geschrieben.
Roland Dürre
Tweets zum Twittern und Bloggen #168
Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln
130516 Was dreie wissen, erfahren bald dreißig – durch Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit
130517 Was du einbrockst, mußt du ausessen- Schicksal der Twitterer und Bloggers? #Twitter #Bloggen #Weisheit
130518 Was du heute tun kannst, verschiebe nicht bis morgen – gilt auch für Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit
130519 Was du nicht haben willst, das suche nicht – auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit
130520 Was du nicht heben kannst, lass liegen – so auch der Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit
130521 Was du tun musst, das tue gern – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit
130522 Was du tun willst, das tue bald – dran denken auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit
Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!
RMD
P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.
Roland DürreMittwoch, der 22. Mai 2013
PM – neu gedacht!
Projekt ≠ Projekt.
Projektmanagement ≠ Projektmanagement.
Stefan Hagen hat in seinem PM-Blog einen Artikel mit obiger Überschrift veröffentlicht, der für mich so etwas wie ein “revolutionärer Meilenstein” in der Betrachtung von (Projekt) Management ist.
Stefan räumt da durch aufgeklärte Aussagen mit manchen Glaubenssätzen (Dogmen) des Projekt Management aus dem vergangenen Jahrhundert (Jahrtausend) gründlich auf.
Dieser Artikel hat mich begeistert, so habe ich ihn auch gleich in pm-blog.de kommentiert. Meine Anmerkungen gebe ich hier sinngemäß aber noch mal (deutlich) verändert wieder.
Zuerst zitiere ich aus Stefans Artikel:
“Wir tun so, als ob es eine einheitliche Definition von “Projekt” oder “Projektmanagement” gäbe. Dies zu glauben, ist absurd”.
Nicht nur mit diesem Satz trifft Stefan den Nagel auf den Kopf. Stefan stellt in seinem Artikel viele gute Fragen – und gibt erste Antworten. Es ist alles so verständlich, dass man geneigt ist, sich zu fragen, warum denn noch so viele Manager an den alten Dogmen festhalten.
Die Antwort erscheint mir klar. Dogmen, auch wenn sie noch so überholt sind, haben einen großen “Vorteil”:
Sie machen das Leben für uns Menschen einfacher, besonders wenn es um die Bewertung von komplexen bis paradoxen Situationen geht. Basierend auf Dogmen kann man ohne viel Nachzudenken quasi nach “Schema F” entscheiden. Der in Entscheidungssituationen oft sehr einsame Mensch findet Halt und reduziert so seine natürliche (und gesunde) Unsicherheit.
Dogmen entlasten auch unser Gewissen. Auch wenn das Ganze schief geht, haben wir ja “alles richtig” gemacht. Haben wir doch genauso wie gehandelt, wie wir es gelernt haben: Konform dem entsprechenden Standard, für den wir ja erfolgreich zertifiziert wurden. Also sind wir am Scheitern und/oder den schlimmen Folgen des Projektes unschuldig …
Das oft eingeübte Handeln nach Dogmen schützt uns und macht das Leben einfacher. Verantwortung wird abgegeben an eine als übergeordnet akzeptierte Instanz eines vielleicht plausiblen Regelwerks. Das kommt quasi “von oben” und wird schon stimmen. Oft wird man sogar von einem anonymen System dazu gezwungen und kann eh nicht viel machen.
So darf man sich nicht wundern, dass Glaubenssätze und Dogmen bei vielen Menschen sehr beliebt sind. Die dürfen nur nicht beginnen, die Dogmen zu hinterfragen. Dann verlieren sie oft ganz schnell den Glauben an die Welt und es ist Schluss mit lustig. Also besser nicht viel nachdenken …
Denn:
Glaubenssätze sind fast immer starr und überholt. Sie werden dem dynamischen und doch sehr komplexen realen Leben wie auch den Bedürfnissen der Menschen in sozialen Gemeinschaften nicht gerecht. Und das gilt dann meistens auch für auf solcher Basis erfolgte Entscheidungen und Handlungen.
Voraussetzung für “richtige” Entscheidungen und “gutes” Handeln sind Menschen, die über eine gute Ausbildung, das richtige Quantum an Lebens-Erfahrung, eine hohes Maß von Autonomie gepaart mit Zivilcourage (Bürgermut), die Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung und einen gesunden Menschenverstand verfügen.
Genau dies fordert Stefan in meiner Lesart für Projekt Management ein!
Autonomes, eigenverantwortliches und “gutes” Handeln fällt aber nicht vom Himmel. Nicht bei (Projekt) Management und nicht im Leben.
So ist für mich die größte Herausforderung für uns Menschen, willens und fähig zu sein (zu werden), unser Leben eigenverantwortlich zu führen. Und dies sittlich verantwortet nach Werten, die allen Menschen gemein sind, wie die Goldene Regel oder die UNO-Charta.
Und wie fürs Leben allgemein gilt dies auch für unsere “Sub-Leben” in Rollen wie Projekt Manager, Führungskraft, Unternehmer, Partner, Familienvater, Funktionär, Politiker, also generell im Rahmen des sozialen Zusammenleben in Gemeinschaften (“communities”).
RMD
P.S.
Im Artikel habe ich schweren Herzens verzichtet, die Dogmen (Glaubensätze) der katholischen Kirche als Beispiele anzuführen …
Roland DürreDienstag, der 21. Mai 2013
30. Juni: Ein besonderes Chorereignis in München: L’arpa festante!
IF-Blog ist einer der wenigen Münchner Blogs, den es überwiegend in Deutsch und Englisch gibt. Das verdanken wir und ich unserer Evelyn (EG), die die meisten meiner und des Teams Artikel zeitnah und mit hohem Tempo ins Englische übersetzt. Sie macht das aus Freundschaft zu uns und aus Freude an der englischen Sprache.
Ich kann Evelyn nur immer wieder ganz herzlich danken!
Aber die Evelyn hat unter anderem noch ein zweites und ganz besonderes Interessensgebiet. Das übt sie mit großer Leidenschaft und hoher Professionalität aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn singt sie in verschiedenen Chören. Und jetzt haben sich die beiden einem ganz besonderen Chor angeschlossen, den
arcis vocalisten
unter Leitung von Thomas Gropper.
Da das Bild ein wenig älter ist, findet man unsere Evelyn und ihren Sohn Martin leider noch nicht.
Ende Juni planen die arcis vocalisten ein neues und ganz besonderes Projekt. Nach zahlreichen Aufführungen in den letzten Jahren in gekürzter oder deutsch gesungener oder/und mit heutigen Instrumenten begleiteter Version musizieren die arcis vocalisten Georg Friedrich Händels bekanntestes Oratorium erstmals komplett, ungekürzt, im englischen Original und mit historischen Instrumenten, nämlich L’arpa festante!
Am Samstag, den 29. Juni findet die erste Aufführung im Christuspavillion von Kloster Volkenroda in Thüringen statt. Veranstalter ist dort die Jesus-Bruderschaft Volkenroda.
Einen Tag später, am Sonntag den 30. Juni um 19 Uhr hat der Chor ein “Heimspiel”. Dann können wir das Werk in der Himmelfahrtskirche in München-Sendling (Kidlerstr.) genießen.
Solisten sind Hanna Herfurtner – Sopran, Franz Schlecht – Bass, Robert Sellier – Tenor und Andreas Pehl – Altus. Die Leitung hat Thomas Gropper. Um 18 h, eine Stunde vor Konzertbeginn, findet eine 30minütige Konzerteinführung im Kirchenraum statt.
Händel schafft im MESSIAH einen dreiteiligen Bilderbogen über die Gestalt des Erlösers, die Ankündigung der Christgeburt, das Weihnachtsgeschehen, die Passion und die Auferstehung. Die filigranen und leidenschaftlichen Chorsätze bilden das Rückgrat des Konzerts.
Jetzt heißt es ganz schnell den Terminkalender prüfen und dann Karten bestellen!
RMD
Roland DürreMontag, der 20. Mai 2013
#barcamppmcamp: Warum ich hingehe!
Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus:
Mindestens noch vier PM-Camps werden in diesem Jahr stattfinden.
Nach der tollen Veranstaltung in Stuttgart #pmcamp13str vom 3./4. Mai 2013 geht es nach in Wien zum #pmcamp13vie vom 21. / 22. Juni 2013, nach Bad Homburg zum #pmcampRM vom 27. – 29. Juni 2013, nach Berlin zum #pmcamp13ber vom 13.-15. September und am Jahresende findet dann die “Mutter” aller PM-Camps #pmcamp13 in Dornbirn vom 14. – 16. Nov. 2013 statt.
Zur Definition:
Ein PM-Camp ist nichts anderes als ein Barcamp, auf dem sich Projekt Manager, Unternehmer, Führungskräfte, Studenten und verwandte Geister treffen.
Aus diesem Anlass starte ich in IF-Blog eine kleine Serie zu barcamps und PM-Camp im besonderen.
Heute Teil 1:
Warum ich hingehe!
Ich bin 1950 geboren. Meine Generation hat in einer guten Zeit gelebt. In unserer Heimat in Mitteleuropa haben wir einen in der Geschichte der Menschheit nie erreichten Wohlstand erlebt. Wir durften in einer freien Gesellschaft heranwachsen. Unterdrückung und Zwänge reduzierten sich zumindest auf ein verträgliches Maß; Bildung war für die meisten von uns ein erschwingliches Gut. Und vor allem – wir haben auf unserem Boden keinen aktiven Krieg erlebt!
Sicher war nicht alles gut. Negativ war der Konsumterror, der in der Zeit des Wirtschaftswunders geboren wurde und dem auch wir klammheimlich verfielen. Die einzige unnatürliche Bedrohung für unser Leben war der Straßenverkehr, der viele Opfer, Verletzte und Tote (auch in unseren Reihen forderte). Irrsinnigerweise nahmen wir diese aber billigend als zwangsläufigen Folge unserer vermeintlich neuen Freiheit in Kauf.
Unter dem Strich haben ich und meine mitteleuropäische Generation in einer Zeit gelebt, in der es uns so gut ging wie wohl nie zuvor. Zumindest nehme ich das so wahr. Dafür möchte ich mich bedanken und meine Erfahrung und mein Wissen soweit irgendwie möglich an viele Menschen weitergeben.
Gleichzeitig hat meine Generation diesen Planeten geschädigt wie keine zuvor. Ich meine, dass wir dies zwar nicht vorsätzlich aber zumindest extrem grob fahrlässig begangen haben. Denn das Wissen von heute (siehe Club of Rome und weitere) gab es schon. Da gäbe es einiges wieder gut zu machen, das wir aber nicht schaffen werden. Daraus ergibt sich für mich eine Verpflichtung, auch unsere Fehler zu berichten. Denn auch aus Fehlern kann man lernen.
So halte ich Vorträge besonders gerne für junge Menschen. Aber die beste Möglichkeit, Erfahrungen weiterzugeben und gleichzeitig an seinen Konstrukten arbeiten zu können, sind derzeit barcamps.
Deshalb gehe ich, so die Zeit es zulässt, gerne auf Barcamps und natürlich besonders gerne aufs PM-Camp.
RMD
P.S.
Habe vor, die Folge fortzusetzen mit Themen wie
Was erlebe ich auf einem PM-Camp!
Was bringe ich mit zum PM-Camp!
…
Roland DürreSamstag, der 18. Mai 2013
☠ Meine persönliche Kalender-Katastrophe ☠
Seit Wochen vertraue ich meinem Kalender nicht mehr. Und gestern Abend ist der absolute Gau passiert. Mein Kalender war (fast) leer. Es kam auch noch eine Fehlermeldung von wegen Datenbank-Fehler und dann war das System abgeraucht. Ein paar zentrale Geburtstage waren noch da, und ein paar Termine, die ich vor längerer Zeit mal zugesagt hatte.
Der Rest war weg!
Großes Leid und mit den Zähneknirschen war angesagt. Das Leid wurde gelindert, weil ja doch viel Schlimmeres passieren hätte können (Fahrradunfall, schwere Erkrankung …). Und da ich vom elektronischen Kalender und dem ganzen darum herum schon länger die Nase gestrichen voll hatte, habe ich nach gefühlt 20 Jahren jenseits vom Papier (ich hatte als einer der ersten so einen kleinen grauen elektronischen Planer (organiser, organizer) im Format eines Zigarettenetuis von Texas Instruments) beschlossen:
Ich wechsle wieder zurück auf Papier!
So hatte ich gestern und heute (und habe wahrscheinlich morgen) viel zu tun. Habe versucht aus Protokollen, E-Mails, Erinnerungen, Abgleich mit Barbaras Kalender und manchem mehr meinen Kalender auf Papier zu rekonstruieren. Und es ist da noch einiges zu tun. Ich bin mir auch nicht sicher, dass ich eine vollständige Rekonstruktion schaffen werde.
An einen möglichen Restore habe ich übrigens im ersten Schrecken gar nicht gedacht. Bin sicher, dass die “sysops” (Systemverwalter) so etwas können. Aber einerseits sind sie natürlich am Wochenende nicht da, bzw. will ich sie wegen so etwas auch gar nicht belästigen. Und aus Erfahrung weiß ich, dass gerade bei Exchange auch an sich einfache Operationen ganz schön viel Zeit verbrauchen und Ärger bescheren können.
Werde aber noch einen “restore” machen lassen, um meine rekonsturierten Papierdaten zu verifizieren. Trotzdem ist sicher etwas verloren gegangen. Deshalb habe ich jetzt an alle von Euch mit denen ich Termine ausgemacht habe zwei Bitten:
Bitte informiert mich über geplante Termine!
Und wenn ich zu einem Termin nicht erscheinen sollte, dann verzeiht mir!
Denn dann ist der Termin in den Tiefen der “Cloud” und ihren Schnittstellen und Schichten verschwunden. Deshalb wechsle ich jetzt auf Papier. Mein elektronischer Kalender war zwar ab und zu praktisch, hatte aber auch eine Reihe von Nachteilen.
So wurde mir doch so mancher Termin zu schnell von Outlook/Exchange aufgedrückt und stand dann plötzlich in meinem Kalender drin. Mit der Aufforderung “abzulehnen”, “zuzusagen” oder “vielleicht teilnehmen”. So formlos elektronisch “abzulehnen” ist so gar nicht mein Stil, fällt es mir doch schwer, netten Leuten NEIN zu sagen. Besonders wenn noch so ein Nebenklang war “da bin extra in München” oder “da hätte ich noch eine kleine Zeitscheibe frei”. Und vielleicht ist ja die allerblödeste Antwort.
Im nach hinein stellt man dann fest, dass die meisten Meetings nichts gebracht haben und sehr leichtfertig vereinbart wurden. Und wenn man immer nur zusagt, hat man bald gar keine Zeit mehr frei. So scheint es den meisten “Managern” zu gehen – und so soll es mir nicht ergehen. Auch, weil ich viel zu viel zu tun habe …
Ich meine, dass Termine einen Wert haben sollten. Deshalb sollte man sie nur persönlich und gemeinsam überlegt und nicht so massenhaft funktional ausmachen. Denn wenn jemand von mir etwas will (oder andersherum), sollte man das kurz vor dem Termin persönlich abstimmen. Und nicht mehr in einen fremden Kalender einen Merker hineinhauen “Da will ich Deine Zeit” nach dem Motto “ablehnen gilt nicht, weiß ich doch, dass Du da Zeit hast”.
Denn immerhin ist die Zeit unser aller wertvollstes Gut. Und dann ganze Tage in überwiegend sinnlosen oder überholten Meetings zu verbringen, kann nicht der Sinn des Lebens sein. Und eine Eintragsschwelle für Termine (nicht elektronisch automatisch sondern persönlich vereinbaren und dann per Hand in die Kladde eintragen) finde ich nützlich.
Zu diesen Überlegungen kommt dazu, dass ich der Synchronisierung schon seit einiger Zeit misstraue. Und darunter leide ich schon länger. Immer wieder haben mir einzelne Termine gefehlt. Jetzt weiß ich aber, dass in den meisten Fällen der “Fehler hinter der Tastatur sitzt” und habe so meinen Wahrnehmungen gezweifelt. Bin aber durch die letzten Vorkommnisse in meinem Misstrauen bestätigt worden.
Verleicht bin selber ich Schuld am Schlamassel, da ich ein extremer Nutzer bin oder richtiger war. Mein Kalender lag zentral im Exchange-Server der InterFace AG. Und naiv, wie ich halt mal bin, dachte ich mir, dass ich quasi beliebig Clients verschiedener Herkunft mit dem Exchange-Server synchronisieren kann. Und dies auch noch abwechselnd vom selben System aus über unser VPN und dann wieder “von außen” machen kann.
Da hat es auch schon öfters geklemmt, vielleicht auch weil meine Endgeräte (Clients) halt sehr gemischt sind. Outlook auf ollen Windows PCs war genauso dabei wie iCal auf drei verschiedenen Macs. Nicht zu vergessen mein “Smart phone” (was für ein Begriff) und meine beiden “Tablets” (auch nicht besser), die mit Android laufen.
Und ich hatte eigentlich insgeheim immer gefürchtet, dass so eine exzessive Nutzung von Kalender-Synchronisierung nicht gut gehen kann. Übrigens, ich habe auch den Eindruck, dass mir immer wieder E-Mails fehlen. Allerdings wäre es mir nicht so schlimm, wenn alle meine E-Mails weg wären wie dies bei den Terminen war. Denn jetzt laufe ich Gefahr, den einen oder anderen Menschen zu versetzen.
Ein Freund, der immer beim Papierkalender geblieben ist, hat mir zum Trost geschrieben, dass man ja auch einen Papierkalender verlieren kann. Aber dann zumindest ist man selber schuld – meine ich. Und ich möchte an meinem Leid schon selber schuld sein!
RMD
P.S.
Die beiden Bilder zeigen übrigens das Gerät, das vor bestimmt 20 Jahren meinen schönen Papier-Kalender Marke “Löhn” abgelöst hat. Ich habe sie auf einer für Liebhaber alter Elektronik ganz tollen Seite gefunden:
Dort findet man unter Organis(z)er ganz viele charmante Geräte aus grauer Vorzeit. Dabei ist auch der abgebildete Texas Instruments (TI 6155), der meinem Organiser sehr ähnlich sah. Glaube, dass der meine TI 303 hieß und wohl ein noch einfacheres Vorgängermodell vom 6155 war. Die beiden Fotos sind von Ingo Trelewska, dem auch alle der dort abgebildeten Geräte mit Software und Zusatzgeräten gehören.
Roland DürreFreitag, der 17. Mai 2013
Referentin bei Craftsmanship: Kristin Block im IF-Forum
Elmar Jürgens und Bernhard Findeiss als Referenten bei unserem Workshop CRAFTSMANSHIP am 13. Juni 2013 ab 13:00 bei uns in Unterhaching habe ich schon vorgestellt.
Heute stelle ich Kristin Block vor. Sie wird in ihrem Vortrag gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Judit Lell
Die Eckpfeiler einer Wissens(teilungs)kultur
benennen, die notwendig sind, um von CRAFTSMANSHIP nicht nur zu reden sondern es auch erfolgreich zu leben.
Hier ein kurzer Ausblick auf diesen Vortrag:
Für Unternehmen ist es heutzutage überlebenswichtig, die interne Versorgung mit Wissen sicher zu stellen. Denn es handelt sich um d e n Treibstoff, der die tägliche Arbeit im Unternehmen am Laufen und dieses im Wettbewerb hält.
Doch der Unternehmensalltag ist oft weit entfernt vom Ideal eines offenen, von allen Mitarbeitern (gern) praktizierten Wissensaustauschs. Phänomene wie „Wissen-ist-Macht“-Denke, Blockaden im freien Wissensfluss und isolierte Wissensinseln verbrauchen nicht nur viel Energie, sondern reduzieren auch die Handlungs- und Innovationskraft von Organisationen erheblich. Ganz zu schweigen von sozialen Auswirkungen wie Demoralisierung der Menschen und das Entstehen von Frust mit der Folge der inneren Kündigung von Wissensarbeitern, die ihren dringend benötigten Werkstoff nicht in ausreichendem Maße oder/und der benötigten Form zur Verfügung gestellt bekommen.
Viele Führungskräfte haben diese Gefahr und die Notwendigkeit zu Handeln mittlerweile erkannt – wissen jedoch nicht, wie und wo angreifen, um hier nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Der Vortrag „Die Eckpfeiler einer Wissen(teilungs)kultur“ liefert auf unterhaltsame und anschauliche Art und Weise Antworten und neue Denkanstöße und natürlich auch ausreichend Raum für die Diskussion der Thesen. Es werden fünf Aktionsfelder vorgestellt, die dynamisch miteinander verbunden, ein Mobile aus möglichen Ansatzpunkten aufspannen. Dieses Wissen, gepaart mit einer großen Portion an Veränderungswillen, konsequentem Handeln und Geduld, ist für Führungskräfte das Handwerkzeug für den Aufbau einer gelebten Wissenskultur in ihrer Organisationseinheit.
Über die Referentin Kristin Block
Kristin Block ist Gesellschafterin des Beratungsunternehmens wissenswerk, das Unternehmen bei Herausforderungen rund um die Themen Wissens(ver)teilung, Wissenssicherung und Wissensvermehrung unterstützt. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin hat die Kommunikationsexpertin den Begriff «Neuro-Wissensmanagement» geprägt: die äußerst erfolgversprechende Verknüpfung von neusten Erkenntnissen aus der Gehirnforschung mit menschen-zentrierten Wissensmanagement-Methoden. Als Trainerin und Rednerin gibt sie ihr umfangreiches Fach- und Erfahrungswissen nun mit großem Erfolg auch außerhalb von Beratungsprojekten weiter
RMD
P.S.
Ich empfehle die Lektüre des Blogs von wissenswerk, in dem Sie viele interessante Gedanken und Anregungen von Judith Lell und Kristin Block zu unserem Thema finden!
Roland DürreDonnerstag, der 16. Mai 2013
Tweets zum Twittern und Bloggen #167
Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln
130509 Wart, über eine Weile kommt dein Part – gilt auch für Dich, Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit
130510 Warum? Darum! – deshalb tun wir Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit
130511 Was alt wird, brummt gern – dran denken, Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit
130512 Was dem einen recht ist, ist dem andern billig – auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit
130513 Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht – so auch der Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit
130514 Was dich nicht brennt, blase nicht – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit
130515 Was dir zu hoch ist, das lass fliegen – dran denken beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit
Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!
RMD
P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.
Roland DürreMittwoch, der 15. Mai 2013
Referent bei Craftsmanship: Bernhard Findeiss im IF-Forum
Neben Wolfgang Menauer, der unseren Workshops am 13. Juni 2013 bei uns in Unterhaching mit ein paar assoziativen Gedanken zu Craftsmanship eröffnen wird, übernimmt noch ein zweiter Kollege der InterFace einen aktiven Anteil.
Bernhard Findeiss hat einen Vortrag für unseren Workshop Craftsmanship am 13. Juni vorbereitet. Er spricht über:
“Ein Tag im Leben eines Software Craftsman”
Bernhard hat mir einen kurzen Überblick zu seinem Vortrag gesandt:
In den letzten Jahren wurde oft probiert, Softwareentwicklung zu industrialisieren. Es hat sich jedoch gezeigt, daß dieses Vorgehen nicht in allen Bereichen zum Erfolg führt.
Ein Beispiel hierfür ist die Individualsoftware-Entwicklung. Das Aufteilen komplexer Abläufe in lauter kleine, einfach auszuführende Schritte stößt hier schnell an eine Grenze.
Vielmehr lassen sich hier Parallelen zum traditionellen Handwerk finden. Dementsprechend brauchen wir hier auch gut ausgebildete Software-Handwerker.
Doch was genau bedeutet es, “Softwerker” zu sein? Diese und noch einige weitere Fragen möchte ich in diesem Vortrag ein wenig beleuchten und so Denkanstöße geben:
- Welche Technologien sollte man beherrschen?
- Was kennzeichnet handwerklich gut gemachte Software?
- Welche Arbeitseinstellung hat ein “Softwerker”?
- “Ja” sagen!
- “Nein” sagen!
- Lebenslanges Lernen!
- Schreiben von Quellcode!
- Teststrategien?
- Arbeiten unter Druck?
- Zusammenarbeit im Team?
- Was können Unternehmen tun, um “Softwerkern” ein möglichst optimales Arbeitsumfeld zu bieten?
Zur Person:
Bernhard Findeiss ist ein junger InterFace-Kollege, der aber schon einige Zeit bei uns ist. Informatik ist sein Handwerk, das er unter anderem auch an der Technischen Universität München erlernt hat. Er “lebt” Qualität und Innovation. Die Themen Nachhaltigkeit und Wertschätzung für handwerkliche Leistung liegen ihm besonders am Herzen. So kauft er privat seine Semmeln bei einem echten Bäcker und nicht im Back-Shop. Beruflich arbeitet er hart daran, seine Fähigkeiten immer zu verbessern.
Fachlich ist Bernhard vielseitig engagiert:
- Er ist einer der Begründer des “Agile Monday Nürnberg”.
- Bei der SoCraTes-Konferenz und der deutschen Softwerkskammer war er von Anfang an dabei und einer der Organisatoren.
- Öfters kann man ihn als Sprecher auf verschiedenen Konferenzen (z.B. XP Days, interPM) hören und
- trifft ihn häufig bei verschiedenen “agilen” Community-Events (z.B. Agile Tuesday München, Agile World) an.
So schließt sich der Kreis zu Craftsmanship. Aber auch “sozial” macht Bernhard einiges:
- Er ist im Vorstand der Schützengesellschaft Fischbachau und hat dort das Amt des Schriftführers übernommen.
- Bei den Gebirgsschützen wirkt er als aktives Mitglied.
- Als echter Bayer pflegt er die Tradition von “Laptop und Lederhosen” und unterstützt eine historische Trachtengruppe.
-
Und natürlich ist ihm seine kleine Tochter ganz besonders wichtig!
RMD
P.S.
Und hier im IF-Blog ist er auch ein sehr geschätzter Autor mit vielen Lesern!





