Ich möchte Euch ganz herzlich zu folgender Veranstaltung einladen!

 

„Mein Leben nach Digitalisierung und InterFace“.

Am 6. Mai bin ich geladener Redner auf der monatlichen Veranstaltung der Regional Gruppe München der GI und des GChACM im Hotel Eden-Wolff.

Hier der Link zur Veranstaltung. Der Vortrag wird um 19:30 starten, vorher gibt es Zeit für Gespräche sowie Speisen und Getränke.

Es ist das dritte Mal, dass ich dort auftrette. Einmal hatten wir einen wunderbaren Sketch zu den Erlebnissen von Unternenhmensgründern mit und bei Banken. Gemeinsam mit meinem Unternehmerfreund Norbert Weinberger und meinem geschätzten Banker Alois Wolferstetter haben wir da „wahre Geschichten aus dem Unternehmerleben“ gespielt. Das hat damals richtig Spaß gemacht, alle haben gelacht.

Mein letzter Vortrag im Hotel Eden-Wolff bei Gesellschaft für Informartik und German Chapter of the ACM hat am 6. April 2009 stattgefunden, das ist jetzt mehr als 10 Jahre her. Damals war das Thema ernster
Das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik.
In IF-Blog findet man eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.

Jetzt freue ich mich, dass im letzten Informatik-Spektrum – dem fachlichen Organ der GI – das Schwerpunkt-Thema „Informatik und Ethik“ war. Nur 10 Jahre später.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat dieser Vortrag den Zuhörern wie auch mir viel Freude gemacht. So soll es auch diesmal wieder sein.

So ist der Vortrag angekündigt:


Zeitenwende: Das Ende der digitalen Welt?
Gedanken zur post-digitalen Gesellschaft

Zusammenfassung:
Der Vortrag rund um Digitalisierung wird inspirieren, Impulse geben und zum Nachdenken anregen:

Was ist das, Digitalisierung und digitale Transformation? Was nutzt uns das? Wem gehört das Internet? Welchen Einfluss hat Digitalisierung auf unser Leben? Was passiert, wenn das digitale Zeitalter zu Ende geht? Was bedeutet Digitalisierung für unser Arbeitsleben und unsere Gesellschaft? Was sind KI (Künstliche Intelligenz) und AI (artificial intelligence)? Wo steht Bayern (Deutschland, Europa)?  Wer regiert die Welt in Zukunft?

Sprecher:
Roland M. Dürre (Ex-Programmierer, IT-Unternehmer, Blogger, Business Angel)

Geboren: 20. Juni 1950 (verheiratet, Vater und Großvater)


Ich werde versuchen, den Vortrag wieder sehr offen und interaktiv zu gestalten. Vielleicht gelingt es und gemeinsam, die eine oder andere der oben gestellten Fragen gemeinsam zu beantworten. Ansonsten wird wie immer mein Ziel sein, zu Inspirieren, Impulse zu geben und zum Nachdenken anzuregen. Und natürlich auch ein ganz klein wenig zu provozieren.

Es wäre schön, wenn ich viele von Euch wiedersehen würde. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Wenn der Saal voll werden sollte, hat das Hotel genug Stühle in Reserve.

Ich freue mich sehr über jeden, der gerade auch von Euch kommt.

RMD

 

Roland Dürre
Sonntag, der 21. April 2019

Theater und Mobilität

Vor vielen Jahren habe ich ein wunderbares Theater entdeckt, dem ich bis heute treu geblieben bin und weiter treu bleiben werde:

Es ist das Torturmtheater in Sommerhausen. Es ist das Theater des Veit Relin, der leider schon verstorben ist. Seine Witwe, Angelika Relin, führt es weiter und inszeniert jedes Jahr einen Reigen von vier ganz besonderen Stücken. Meistens von zeitgenössichen Autoren, die sich genial ergänzen. Und ich besuche jedes Jahr alle vier Stücke, und dies mindestens einmal.

Aktuell (bis zum 25. Mai 2019) wird gespielt:

BILDER DEINER GROSSEN LIEBE von Wolfgang Herrndorf.

Die Protagonisten im Stück ist Isa, eine Vierzehnjährige, die eine aus dem Himmel gestürzte Heldin zu sein scheint. Gespielt wird sie auf einmalige Art und Weise von Isabel Kott. Es ist zum Lachen und Weinen.

Die folgenden Bilder im Artikel zeigen Isabel Kott in ihrer Solisten-Rolle. Der Autor dieses Stücks, Wolfgang Herrndorf ist der auch schon verstorbene Autor von TSCHICK, einem Bestseller, der nicht nur von Jugendlichen gerne gelesen wird.

Das Torturmtheater hat für mich nur einen Nachteil. Sommerhausen liegt in der Nähe von Würzburg und ist so fast 300 km von München entfernt. Das ist schon eine ganz schöne Strecke – „nur“ für den Besuch eines Theaterstücks in einem schönem alten Turm.

Die Fahrt zum Theater habe ich schon oft gemacht, es ist für mich eine eingeübte Praxis. Jetzt wollen wir aber den Planeten retten und unsere Mobilität und wie unser Verhalten und unsere Gesellschaft ändern.

Das ist ein Anlass für mich, mal meine heutige Praxis am Beispiel der Fahrt von Neubiberg ganz nahe bei München zum Torturmtheater nach Wollishausen zu berichten aber auch zu beschreiben, wie das in Zukunft sein könnte.

Also: Wie kommen Barbara und ich nach Sommerhausen und Abends zurück. Dazu ein Hinweis: Die Vorführungen beginnen abends um 20:00 und dauern immer um eine Stunde. Das heißt, dass für uns als Genußmenschen in der Regel eine Übernachtung in Sommerhausen dazugehört – natürlich inklusive eines schönen Abendessens mit dem guten lokalen Wein dazugehört.

GEGENWART:

Es gibt mehrere Möglichkeiten, von Neubiberg nach Sommerhausen zu kommen. Die derzeitig bevorzugten Verkehrsmittel sind bekanntlich das Auto, der Zug und das Flugzeug.

Mit dem Auto:

Da sind zwei Varianten denkbar. Die primitive Varianten ist, dass Barbara und ich ein Auto nehmen. Einer von uns setzt sich ans Steuer. Bei einem (eher) optimistischen Schnitt von 80 km/h plus Pausen, heißt das vier Stunden auf der Straße, davon zwei Stunden am Steuer. Hin und zurück. Das sind fast 600 km, wenn ich nur 40 Cent pro km an echten Kosten rechne, kostet dass auch schon 240 €. Wir müssten fahren zeinah losfahren, stellen das Auto vor unsere Unterkunft und am nächsten Tag fahren wir wieder heim.

Dazu haben wir keine Lust. Und 240 Euro machen das Theater auch teuer (der Eintritt ist unter 20 €.

Jetzt könnten wir uns einen Fahrer leisten, der uns in einer komfortablen Großraum-Limousine fährt. Also so tun, als ob wir ein Mitglied der bayerischen Staatsregierung wären. Nur im Gegensatz zu unseren Politiker den Fahrer bitten, möglichst langsam und sanft zu fahren. Also die Regelgeschwindigkeit nicht zu überschreiben. Der hätte dann aber weniger Spaß, und ein Zimmer für die Nacht bräuchte er auch noch. Das widerspricht dann doch unserer Sparsamkeit. Es sei denn, wir würden ihn beauftragen dann spät in der Nacht möglichst schnell heim zu bringen. Weil wir doch vor Mitternacht gerne im Bett wären. So entscheiden wir uns lieber für die Bahn.

Mit dem öffentlichen Verkehr:

Die Verbindungen mit Flix-Bus lassen wir mal beiseite. Die sind uns zu unkomfortabel. Aber es gibt sie wohl auch von München nach Würzburg. Laut Anzeigeis 7 Mal Täglich und ab 11,99 €. Der Fernbus-Testsieger. Beinfreiheit. Einfache Buchung. Gratis WLAN. Sitzplatzgarantie. Umweltfreundlich. Klingt günstig.

Nein wir bevorzugen die Eisenbahn. Das geht gut, wenn man weiß, dass man besser nicht die Verbindungen nach Sommerhausen sucht, sondern die nach Winterhausen. Denn zwischen Winter- und Sommerhausen liegt nur Main, und unweit vom Bahnhof in Winterhausen liegt die Brücke über den Fluß nach Sommerhausen. Zu Fuß ist es so zum Theater im Torturm nur ein Kilometer.

Und das Bayern Ticket gilt ja für ganz Bayern. Es kostet für zwei Personen 32 € (25 Grundpreis + 7 € für jede weitere Person – bis zu vier Begleiter darf man haben). Und tatsächlich gibt es von der Bayerischen Regionalbahn (DB) eine ganz gute Verbindung von München Hbf nach Winterhausen. Zuerst fährt man von München über Nürnberg oder Augsburg nach Treuchtlingen. Dort steigt man in den Zug nach Würzburg über Ansbach um. Der Anschluss ist knapp, aber wir haben ihn immer geschafft, auch weil der zweite Zug in Treuchtlingen bei Verspätung des ersten Zuges gewartet hat.

Bei dieser Variante müssen wir auch übernachten und brauchen deshalb zwei Bayernticket (eins für die Hinfahrt und eins für Rückfahrt am Tag danach). Diese kosten dann schon 64 € plus Übernachtung.

Wenn wir es sehr eilig haben, können wir mit dem ICE nach Würzburg fahren. Das kostet mit Bahncard 25 als einfache Fahrt 56,25 EUR pro Person. Also mal vier (zu zweit, hin und zurück) sind das dann 225 €.

Der Preis für den Bus von Würzburg nach Sommerhausen ist da noch nicht enthalten. Es gibt auch Sonderpreise, die aber keine Flexibilität zu lassen – und beim günstigsten Spartarif (Supersparpreis) ist dann das City-Ticket in München nicht enthalten … Das sind dann auch nochmal fast 3 Euro pro Persone für die Hin- und Rückfahrt, also in der Summe 12 weitere Euro. Je nach Verbindung ist der Zeitgewinn mit dem ICE dann zwischen einer halben und ganzen Stunden, also nicht so richtig wesentlich.

Also fahren wir DB-Regio und nehmen unsere Falträder mit, was uns vor Ort sehr flexibel (und vor allem auch viel Spaß) macht.

Alternativen?

Ich kenne Menschen, die von München nach Nürnberg (oder Stuttgart) fliegen. Gerade bei Politikern ist das üblich. Die nutzen dann gerne die Flugbereitschaft und werden dann direkt auf dem Flugfeld des Flughafens mit einer Staatslimousine abgeholt und ans Ziel gebracht.

Jetzt bin ich aber kein Politiker und versuche selbstverstandlich innerdeutsche und innereuropäsiche Flüge zu vermeiden, wenn es nur irgendwie möglich vernünftig möglich ist. Auch weil das Wechseln der Systeme Flugzeug, Bahn und ÖPVN oder Taxi auch zu komplex, aufwändig und teuer ist. Also kommt für mich die in diesem Fall besonders unsinnige Flugvariante nicht in die Tüte.

Wir sind die Strecke auch schon mal mit dem Fahrrad gefahren. Das war eine ideale Verbindung eines Theaterbesuch mit einer Radtour. Ist natürlich auch nicht jedesmal möglich, so schön man im Franken- und Bayernland auch Radeln kann.

ZUKUNFT:

Was wird uns die Zukunft bringen? Das ist spannend, denn jetzt geht es ja darum, wie wir unser Verhalten ändern? Weil wir ja durch vernünftigeres Verhalten den Planeten retten wollen. Die erste Maßnahme könnte sein:

VERZICHT?

So schön das Theater in Sommerhausen auch ist und so großartig die Stücke sind, bei einer ethischen Güterabwägung könnte ein Verzicht angemessen sein. Das würde uns aber schmerzen.

Nehmen wir also an, dass wir nicht verzichten wollen. Ist dann der Wechsel zu Flixbus sinnvoll (angeblich ist ja der Bus das umweltfreundlichste Verkehrsmittel – noch deutlich vor der Bahn).  Wenn die Bahn aus Umweltschutz-Gründen eingestellt werden würde, dann würde ich Bus fahren.

So richtig sehe ich keine Lösung für mich. Und gebe auf. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen.

Doch dann kommt die Lösung:
Heute bin ich einer der wenigen Sonderlinge, die nach Winterhausen mit dem Zug fahren und dann die Mainbrücke von Winterhausen nach Sommerhausen zu Fuß oder mit dem Faltrad nutzen. Im kleinen Sommerhausen steht viel Auto-Chrom mit Kennzeichen aus ganz Deutschland herum. Das ist der Normalfall. Auf dem Parkplatz vor der Pension, in der ich übernachte, komme ich mit meinem kleinen Brompton gar nicht so richtig durch die Herde der ruhenden SUVs. Die Angst, dass ich das teure Blech verkratzen könnte, zwingt mich zu äußerster Umsicht.

Das könnte man ja umdrehen?
Also: Züge, die ein wenig voller sind und weniger SUVs? Denn: All die SUV-Fahrer wie auch die anderen Herren der großen Limousinen könnten auch mit dem Zug kommen. Weil da immer noch viele Plätze frei sind. Und dann wäre auch Sommerhausen befreit vom Blech und noch ein wenig schöner.

Man müsste also unsere Methode zum Normalfall machen. Und die Anreise mit dem MIV (motorisierter Individual-Verkehr) zur wohl überlegten Ausnahme.

Nur, was machen wir, wenn die SUV-Fahrer das nicht wollen? Weil es ja gegen den gesunden Menschenverstand ist, die Autobahn nicht zu nutzen?

RMD

P.S.
In München gehe ich auch gerne und oft ins Theater. Meine Favoriten sind zurzeit das Volkstheater und das Metropol. Aber auch im Resi und in den Kammer-Spielen und deren Ablegern findet man immer wieder Sehenswertes.
Mit der Mobilität ist das in München gut gelöst:
Bei den staatlichen und städtischen Bühnen ist – wie bei der Oper – im Eintrittspreis die MVV-Fahrkarte hin und zurück mit enthalten. Und auch die privaten – wie das Metropol – sind mit dem MVV gut erreichbar. Man muss ihn zwar bezahlen, aber gerade beim Metropol lohnt sich das immer.
Wer sich den MVV sparen will, nimmt das Fahrrad, mit diesem kommt man zu allen Theatern des Millionendorfs gut hin.

Roland Dürre
Freitag, der 19. April 2019

Das wahre Gesicht unserer Politiker.

Auch ein Grund für meine Politik-Verdrossenheit.

Die Farben des kapitalistischen Feudalismus …

Jeder weiß, dass Fliegen die Umwelt besonders stark beeinträchtigt und die Klima-Katastrophe wesentlich befördert.

Die Bundeswehr hat (deswegen) eine eigene Flugbereitschaft. Die hat früher mal dem Transport von Truppen und Material gedient.

Heute bringt sie Politiker (und wie ich annehme hohe Offiziere und Generäle) an Ziele, an diese meinen dringend erreichen zu müssen.

Wie über die meisten technischen Sparten der Bundeswehr hört man, dass auch diese Einheit in einem schlechtem Zustand wäre. Immer wieder lesen wir von Ausfällen und Beinahe-Unglücken. So ist vor kurzem eine Global 5.000 (Hersteller Bombardier) kurz nach dem Abflug instabil geworden und musste umkehren und notlanden, wobei immerhin beide Flügel am Boden aufschlugen.

Interessanterweise hätte genau diese Maschine einen Tag darauf unseren Bundespräsidenten von Berlin nach Stuttgart bringen sollen, weil dieser am 17. April in Heilbronn die Buga eröffnen sollte.

Jetzt kann man die Frage stellen, wie wichtig die Buga ist und ob da unser Bundespräsident unbedingt eine Rede halten muss. Immerhin gäbe es ja wichtigere Aufgaben, wo er sich engagieren könnte. Aber sei es drum, wenn die BUGA ihn ruft, dann ist halt die Frage, ob er dafür extra einen eigenen Jet benutzen muss.

Als kürzeste Verbindung mit der Bahn von Berlin nach Heilbronn habe ich 5 Stunden und 47 Minuten gefunden. So schlecht ist das ja gar nicht. Es wäre interessant zu prüfen, wie lange die Reise mit dem Staatsflieger dauert. Mit Umsteigezeiten usw.

Allerdings muss man bei der Bahn eine hohe Wahrscheinlichkeit für Unpünktlichkeit einrechnen. Aber vielleicht kriegt die DB der Zug ja pünktlich, wenn ein wichtiger Staatsrepräsentat wie der Bundespräsident an Bord ist? Dürfte ja selten genug der Fall sein.

… der mittlerweile ganz Europa unter Kontrolle hat.

Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Heilbronn 478 Kilometer.  In China (oder auch Frankreich) macht das ein Zug in 2 – 3 Stunden.

So weit sind wir noch nicht, so braucht auch der ICE von München nach Hamburg (781 Kilometer) 5 Stunden 35 Minuten, der TGV von Paris nach Marseille (765 Kilometer) dagegen nur 3 Stunden 11 Minuten (Quelle Spiegel).

Das macht einen Unterschied von gut 2 Stunden 20 Minuten auf gut 750 km. Dieser Sachverhalt wäre schon wieder eine Anfrage an das Deutsche Verkehrsministerium wert, wie so etwas passieren konnte. Auf den Autobahnen soll es übrigens ähnlich aussehen – obwohl es in Frankreich eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt.

Trotzdem könnte man auf den Gedanken kommen, Fernreisen in Deutschland mit dem Zug und nicht dem Flieger durchzuführen. Und wenn die Verbindung mit dem Zug so schlecht ist, dass es wirklich nicht zumutbar ist, dann könnte man auf die Idee kommen, einem Platz in einem „normalen Flieger“ zu nehmen, der „eh fliegt“.

Jetzt wird ja der Frank-Walter Steinmeier noch als halbwegs integrer Politiker wahr genommen. Obwohl das Gemauschel bei seiner Wahl mich irretiert hat. Und er bei der SPD ist. Aber vielleicht wurde er ja Bundespräsident, weil er bei der SPD gestört hat.

Wie schön wäre es, wenn ein Politiker, der in ein wichtiges Amt gekommen ist, auch ein wenig über die Zukunft des Planeten nachdenkt? Und dann vielleicht auch symbolische Zeichen setzen würde, indem er unnötige Reisen sein lässt und keinen eigenen Flieger für sich nutzt. Das wäre dann ein Beleg für Integrität.

Ein Umdenken bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr würde ich mir auch wünschen. Als Antwort auf die Kritik an ihrem Flugpark hört man, dass das alles ja schon gelöst wäre, weil ja schon drei neue Flieger bei Airbus bestellt wären.

Die fast verunglückte Maschine war übrigens keine 10 Jahre alt. Dazu habe ich gelesen, dass dies für ein Flugzeug kein Alter wäre. Weil Flugzeuge viel länger leben würden. Das heißt, die Flugbereitschaft geht bei ihren Investitionen davon aus, dass sie noch für ein paar Jahrezehnte Politiker und Generäle privatmaschinenähnlich durch die Gegend fliegen wird. Was da wohl die Kinder dazusagen werden, die jeden Freitag für unseren Planeten protestieren gehen?

Für mich (und wahrscheinlich auch für die kommenden Jungwähler) wird wählen noch schwieriger. Mag ich doch nur noch Menschen wählen, die eben nicht – sobald sie was sind – den Regierungsflieger wie selbstverständlich nutzen und sich wie kleine Kinder über die große Staatslimousine (und das sogar öffentlich vor der Kamera!) freuen. Weil sie jetzt am Ziel sind und für ihren Jahrzehnte langen Einsatz als fleißiger Parteisoldat belohnt werden.

Ich würde lieber Menschen wählen, die trotz ihrer feudalistischen Position weiter mit dem Öffentlichen Personen Nachverkehr (ÖVNP) und/oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wobei ich erlebe, dass für die meisten Politiker das Nutzen des ÖPNV gegen „ihre Menschenwürde“ ist, so wie das Tempolimit auf den Autobahnen gegen den „gesunden Menschenverstand“. Menschen, die eine solche Vorstellung von „Menschenwürde“ und „Menschenverstand“ haben, werde ich nicht wählen.

Ganz kurz formuliert:

Ich würde mir wünschen, dass der oberste Repräsentant des Staates durch sein Handeln zeigt, dass er die Probleme der Menschen ernst nimmt und beispielhaft vorangeht. Und eben nicht seine „Dienstreisen“ mit einem eigenen Flugzeug wahrnimmt. Wenn er fliegen muss, weil das Ziel in einem anderen Erdteil liegt und der Termin von wirklicher Relevanz ist, gönne ich ihm in einem Linienflieger die „business class“. Aber ein eigenes Flugschiff? Anstelle des Führersonderzugs?

Und in eigener Sache habe ich mir vorgenommen, mein Flugverhalten weiter zu verbessern. Innerdeutsche Flüge habe ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gemacht. Langstreckenflüge hatte ich in der Vergangenheit zu viele. In 2019 werde ich sie deutlich reduzieren. Und weiter versuchen, sie tendenziell auf Null zu bringen. Und mit meinen Radeltouren werde ich mich auf Bayern, Deutschland und Nachbarländer reduzieren. Halt nur noch Ziele anpeilen, wo ich mit dem Zug gut hinkomme. Also kein Cuba und ähnliches mehr.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 14. April 2019

Wer glaubt denn noch an VUCA?

Immer wieder wenn ich Veranstaltungen zu #newwork oder #agile besuche, dann höre ich dieselbe Klage:

Unser Leben wird immer „schneller“. Die hohe Geschwindigkeit der Veränderung führt zu einer hohen Komplexität, die uns überrennt. Also müssen wir „agiler“ werden, um damit fertig zu werden.

Ich entgegne dann, dass ich einen Scheiß muss. So muss ich auch nicht mit Komplexität fertig werden. Und überlasse die Komplexität einfach mal sich selber.

Schutz vor vuca in Bonnaire in der Karibik (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

Dann kommt die bange Frage:
Und Du, hast Du keine Angst vor VUCA?
Huch, vuca das klingt freilich zum Fürchten. So wie HORG (Hierarchische ORGanisation).

Nur VUCA ist halt auch nur eine der heute so beliebten Abkürzungen, die zu „buzzwords“ geworden sind. Wobei ein „buzzword“ für mich so etwas wie eine „leere  Phrase“ ist. Also so etwas wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit.

Bezeichnender Weise wurde die Verwendung von Abkürzungen im 3. Reich in Deutschland von der Bürokratie der NSDAP erfunden und massenhaft genutzt. Dann sind die abkürzenden Buchstaben-Folgen zum Exportschlager wurden. Frei nach dem Motto „Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“.


VUCA
Laut Wikipedia ist VUCA ein Akronym für die englischen Begriffe volatility (Volatilität / Unbeständigkeit), uncertainty (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit).


Die VUCA-Prediger nutzen die harmlosen vier Buchstaben als Eselsbrücke für ihre Horrorbotschaft.

Aber war die Welt aus Sicht eines Menschen nicht immer schon vuca?

In der Steinzeit und im Mittelalter fing das für die Menschen wohl schon bei der Ernährung an. Gibt es heute etwas zu essen?

Auch aus der Sicht von Organisationen war die Welt immer vuca. Man denke nur an die Städte im Mittelalter, in denen sich eigengehörige Menschen mit ihren Mauern sehr aufwändig gegen vuca zu schützen versuchten.

Oder mein Lieblingsbeispiel: Die Weimarer Republik hat gerade 9 Jahre gehalten – und das 1000-jährige Reich hat in gerade 12 Jahren alles verändert (und dabei so viel zerstört). Was für ein Tempo! Echtes vuca! Sogar die DDR hat 41 Jahre (von 1949 bis 1990) existiert. Und die BRD (von 1949 bis heute) hat es aktuell schon auf 70 Jahre gebracht. So wenig vuca ist doch eigentlich unglaubbar.

So finde ich, dass die Welt schon immer vuca war. Eher mehr als heute. Denn die  „Betriebssysteme“ unserer sozialen Systeme haben sich stabilisiert und sind auch aufgrund ihrer „digitalen Zwangsjacken“ stabiler als früher. Wie will man ein großes Unternehmen, dass seine Prozesse in Office365 und SAP gegossen hat, denn noch verändern?

Nach meiner Bewertung ist unsere Welt vielleicht stressiger geworden. Oder hat zumindest uns eine neue Form von Stress gebracht. Nur Stress – klingt halt nicht so toll wie vuca. Als Leseempfehlung nenne ich hier das Buch
Phänomen Stress:
Wo liegt sein Ursprung, warum ist er lebenswichtig, wodurch ist er entartet?

von Frederic Vester.
Das enthält mehr lesenswerte Substanz als wir in der ganzen vuca-Literatur zusammen finden. Und kostet gebraucht weniger als einen EURO. Und noch meine 10 Cent zum Stress

Der Wechsel von Natur- zu Kulturwelt hat uns eine neue Form von Stress gebracht.

Wir haben eine Welt geschaffen, in der wir permanent mit Lärm vollgedröhnt werden. Die Luft ist verpestet von Abgasen. Unser Körper inklusive seines vegetativem (Nerven-)Systems ist vielen idiotischen Belastungen (wie Steuern von Autos ohne körperlichen Ausgleich …) und Einschränkungen (der Tag wird sitzend verbracht …) unterworfen.

Das können wir ändern. Wir müssen es nur wollen!

Weil wir genau die Dinge eh nicht brauchen, die uns fertig machen. Wir müssten viel weniger arbeiten und könnten mehr für uns tun, wenn wir uns besser organisieren würden oder nur einfach auf viel Unsinn verzichten würden.

Heute schuften wir im Hamsterrad meistens für nichts. Insofern halte ich es richtig, dass wir unsere Welt ein wenig einfacher gestalten sollten – im Sinne von Vermeiden von Abfall. Aber nicht über eine „vucasierung“ unseres Lebens klagen sollten. Denn das macht auch Stress. Also:

🙂 VUCA –> FGI (forget it)

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 13. April 2019

Politik zum Jammern!

Es ist zum Haare ausraufen.

Werden wir es schaffen ???!!!

Die Politik befasst sich (erfolgreich) nur noch mit Dingen, die dem Machterhalt der herrschenden Klasse dienen. Das letzte Beispiel war die Gefährdung wenn nicht gar Zerstörung des Internets durch die „Urheberrechtsreform“. Sie konzentriert sich auf die Wahrung des Besitzstandes der herrschenden Klasse. Wie alle Politik in der „BRD“.

Wäre es nicht wichtiger, den Planeten zu retten?

Die wichtigen Themen wie die Sanierung des Planeten überlässt die Politik der Strasse. Und ignoriert das Problem, weil sie im Denken des letzten Jahrhunderts gefangen ist. Ihre Werte sind „Wachstum und Wohlstand über alles – auch der Welt“ und „Besitzstandwahrung als das deutsche Grundrecht“.

Weise weisse Kinder sollen den Mund halten und die Zerstörung des Planeten den Profis überlassen.

Wenn die Kinder mutig für eine neue Welt streiken – dann erfrechen sich die alten weißen Männer auch noch, diese barsch aufzuforden, den Mund zu halten und dieses Thema „doch bitte den Profis zu überlassen“. Also genau denen, die es seit mindestens 50 Jahren besser wissen sollten und aus Egoismus ignoriert haben. So abgedroschen dies sein mag, so traurig ist das alles.

Lobby-Control und Reduktion der Anzahl der Abgeordneten im Bundestags scheitern.

Die Politik versagt aber auch bei „kleinen“ aber wichtigen Aufgaben, besonders wenn sie am traditionellem Denken und an alten Strukturen rüttelt. So wurde das Lobby-Register sabotiert und dringend notwendige Veränderungen wie z.B. die Reduktion der ausufernden Anzahl von Bundestagsabgeordneten von der Tagesordnung  – „weil unlösbar“ – gestrichen. Auch die Definition von Regeln wie man E-Roller sinnvoll in den Verkehr integriert, ist so schwierig. Und wird den Bußgeld- und Straftaten-Katalog bestimmt wieder kräftig erweitern. Damit die Schwarzfahrer nicht mehr so allein in ihren Zellen sitzen.

Enteignung ist bei uns ein legitimes Mittel der Politik.

Enteignung wird wie selbstverständlich genutzt, wenn es um die Interessen der Großen oder behelfsweise der Allgemeinheit geht. Die Logik dahinter ist: Arbeitsplätze sind immer im Interesse der Allgemeinheit. Ganz gleich, ob es in der Rüstung, um die Produktion von Flugzeugen geht oder den Braunkohle-Tagabbau durchsetzt.

Diese Arbeitsplätze sind aber nur dann heilig, wenn sie Profit bringen. Wenn nicht, dann kommen die auch heute noch ganz schnell in die Slowakei (wie jetzt wieder in Augsburg).

G MAFIA enteignen? Gerne.

Will man Konzerne enteignen, dann gibt es zustimmendes Gemurmel beim CDU-Abgeordneten, insofern es gegen das moderne Feindbild G MAFIA geht. Die „digitalen“ Konzerne der G MAFIA sind Google, Microsoft, Apple, Facebook, IBM und Amazon.

Wobei da auch bei letzterem (Amazon) so mancher Konsum-Abgeordneter zurückzieht. Weil wer soll uns dann unsere vielen Päckchen bringen, die wir als Konsumisten unbedingt innerhalb 24 Stunden brauchen? Das berühmte internationale Logistik-Unternehmen DB (Deutsche Bahn) wird das trotz seines teueren schlanken Logos garantiert nicht schnell und pünktlich schaffen.

Immobilien Konzerne enteignen? Auf keinen Fall!

Wenn wir aber über die „Enteignung“ von Immobilien-Konzernen nur gesprochen wird, die Hunderttausende von Immobilien „der öffentlichen Hand“ systematisch über ihre Lobbyisten abgeschwindelt haben, dann geht ein Schrei des Entsetzen besonders durch die „christlichen Parteien“. Das sind die, die schon im Namen und in der Abkürzung fremdes Urheberrecht nutzen. Denn der Trump, das klammheimliche Idol der Konservativen (Bayern First), ist doch auch durch seine Immobilien-Spekulationen zum Milliardär, Volksheld und US-Präsident geworden. Wie kann man solche Immobilienspekulanten enteignen wollen? Wahrscheinlich ist das auch gegen den gesunden Menschenverstand? Wie soll man denn bei einer „Enteignung“ die Zwischen-durch-Eigentümer für die gewaltige Wertsteigerung der von der öffentlichen Hand günstig erworbenen Immobilien entschädigen? Gar nicht? Das geht doch nicht. Und anders wird es doch viel zu teuer.

„Transgender-Toiletten“ sind wichtiger als „Lobby-Control“.

Die wichtigen Themen aktuell und der letzten Monate bei uns sind „Zwangsimpfen“ und „Organentnahme als Default“. Und „Werbeverbote für Abtreibungen“. Getoppt wurde das ganze durch „Transgender-Toiletten“. Haben wir keine anderen Probleme?

Der MIV (Motorisierte Individual Verkehr) regiert die Welt.

Autos gehen vor Menschen. Seit Jahrzehnten. Ich verstehe das schon lange nicht mehr. Für mich heißt „individuell“ in der Mobilität, dass ich mich aktiv bewege (zu Fuß oder mit dem Fahrrad). Auch befördere ich mein Individuum gerne mit Bahn und Bus. Aber dass mein Individuum einer mächtigen, gefährlichen und tonnenschweren Maschine in einem komplexen System Verkehr mit seinen chaotischen Verhältnissen „dienen“ soll und ich so zum omnipotenten Bediener werde und mit der Maschine mein scheinbar jetzt omnipotentes Ego pflegen soll, das verstehe ich nicht.

Betrachten wir den notwendigen Wandel bei der Mobilität.

Urbane Gesellschaft (smart city) und das Automobil passen nicht zusammen.

Autos stinken und vernichten Menschen. Sie machen Lärm und das Leben unwürdig. Trotzdem gilt weiter „Freie Fahrt für freie Bürger“ und „Platz fürs Auto“. Und das Tempo-Limit ist und bleibt ein „NOGO“. Weil es gegen den gesunden Menschenverstand ist (auch schon ganz schön abgedroschen).

Fliegen und Schiff-Fahren ist eine unserer angenehmen aber unsäglichen Gepflogenheiten.

Beides zerstört unseren Planeten in ganz besonderem Maß. Ganz gleich ob es nur für den eigenen Spaß oder für die heilige Globalisierung stattfindet.

Ohne Fliegen und Welthandel gehen Globalisierung und Welthandel nicht.

Wir müssen beides reduzieren. Und vielleicht auch weniger global denken. „All business is local“ heißt es. Das sollte auch für die Politik gelten. Dann brauchen wir auch keine Armee für die Welt und müssten hierzulande keine Minen für den Weltfrieden produzieren und exportieren.
Und dass bei uns der Fleisch-Konsum fällt, der Export desselbigen jedoch explodiert ist doch auch nicht normal.

Wenn ziemlich viele Boeing-Maschinen auf dem Boden bleiben müssen, weil sie dem Profit geschuldet unteroptimale Fluggeräte sind, merkt man dies am Flugangebot gar nicht. Weil wir viele Flieger haben, die in der Wüste stehen und darauf warten, endlich mal wieder fliegen zu dürfen.

Wenn man halbwegs gerade ausdenkt, müsste uns klar sein, dass die Flugzeugindustrie nicht auf alle Ewigkeit soviel Flieger bauen kann, wie sie heute ausstößt. Man müsste  sich darauf einstellen und planen, weniger Flugzeuge herzustellen.

Weil wir das nicht wollen, subventionieren wir am Flughafen München das eh schon steuerfreie Kerosin. Und fliegen auch innerhalb Deutschlands immer mehr.

So steigt der Kurs von Airbus. Wie immer noch bei den Automobil-Konzernen.

Weil auch hier weiter das Diktat des Wachstums gilt. Auch wenn Millionen neue Autos auf Parkplätzen stehen. Und unsere Arbeitsplätze immer ein heiliges Killer-Argument sind. Obwohl wir auch hier gelernt haben, dass der Wandel nicht aufzuhalten ist. Wieviel Branchen sind aus Deutschland verschwunden? Innovation ist und bleibt „kreative Zerstörung“.

Unsere Demokratie ist zerstört.

Die Suche nach der Ursache für die Zerstörung der Demokratie ist überfällig. Wir müssen sie dringend reformieren. Da fällt mir auch einiges dazu ein. Aber auchd as stört die Besitzstandswahrung und ist so „politisch unkorrekt“. Weil es die bestehende Machtverhältnisse in Frage stellt.

Ein Symptom für die Vernichtung von Demokratie fällt mir aber ein. Es heißt Grindel. Er steht für mich für die aktuelle Generation nicht nur von CDU-Abgeordneten. Mit CDU zum ZDF und in den Bundestag der BRD – dann an die Spitze des DFB. Da kann man sich auch Fragen, wie kann der DFB so blöd sein, einen CDU-Bundestagsabgeordneten an seine Spitze zu wähen? Was in einem solchen Fall passiert, ist doch absehbar.

Wieso haben die mir besonders unsympathischen Parteien eigentlich eine Abkürzung, die aus drei Buchstaben besteht (CDU, CSU, SPD, FDP …)? Mag ich deshalb keine Abkürzungen aus drei Buchstaben mehr? Die Systemagenten aus Politik und Wirtschaft sind mir schon lange suspekt und unangenehm.

Ich vermute, dass das soziale Umfeld in den Parteien die Menschen verdirbt. Gerade die Drei-Buchstaben-Parteien ziehen nur noch eine besondere Art von Menschen an. Dort wird man nur noch Mitglied, weil man sich von der Mitgliedschaft persönliche Vorteile erhofft. Und im Kampf an die Spitze der Partei wird muss man man zum A……..-Methoden behrrschen.

Die Grindelisierung der Politiker.

So scheint mir die Meta-Ursache für unsere Dilemma in der Politik klar:
Das System der „Oligarchie der Parteien“ im Verband mit dem „Diktat der Konzerne“ hat bewirkt, dass die Politik von den Menschen betrieben wird, die eine negative Selektion (Auswahl) der Gesellschaft sind und zusätzlich noch negativ sozialisiert worden sind. Der lange Weg vom Eintritt in die Jugendorganisation an die Parteispitze und in den Bundestag gelingt erfolgreich nur mit eigenartigen und mir sehr unsympathischen Methoden. Und das prägt.

RMD

P.S.
Diesen Artikel habe ich für meine Enkel geschrieben. Damit sie mal wissen, dass es auch alte weiße Männer gab, die gegen den Quatsch waren, den alte weiße Männer gemacht haben.

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. April 2019

Des Ketzers zynischer Reigen durch Gesellschaft und Politik.

Zurzeit radel ich mit Barbara durch den Piemont. Es ist der reine Genuss. Frühling, Bewegung, eine wunderbare Landschaft, großartiges Essen, alles wie im Traum. So kann ich mit Abstand und in Ruhe nachdenken, was mich in letzter Zeit so unter anderem betrübt hat. Dabei ist der folgende Reigen entstanden.

Vor dem Lesen bitte ich zu bedenken, dass Gedanken frei sind. So auch Gedankenexperimente.


Fangen wir mit einem hässlichen Spruch aus der Nazizeit an. Damals haben die Herren des dritten Reiches den Spruch „Arbeit macht frei“ über die Eingangstore mancher KZ’s gemeißelt. Gegen Menschen und Gruppen, die aus nicht beliebt waren, wurde systematisch der Hass geschürt. Diese Menschen wurden von der Obrigkeit – einvernehmlich mit den Untergebenen – misshandelt und industriell gemordet. Wir haben das Geschehene zu Recht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt. Arbeit macht frei – das war damals schlimmster Zynismus.

Heute gilt „Geld macht frei“. Da für die meisten Menschen der Arbeitsplatz die Voraussetzung für ein Einkommen ist, gilt – und das meine ich keinesfalls zynisch – „Arbeitsplatz macht frei“. Denn nur wenn Du einen ordentlich bezahlten Arbeitsplatz hast bist Du ein anerkannter Teil der bürgerlichen Gesellschaft. Daran hängt alles.

Wenn Dein Arbeitsplatz nicht so gut bezahlt ist, dann macht das nichts – dann musst Du Dir halt mehrere davon besorgen. Das geht auch. Du bleibst Teil der Gesellschaft. Wenn Du über zu wenig Einkommen aus Arbeit verfügst, dann wirst Du auch ausgestoßen. Es sei denn, Du verfügst über genug anderes Einkommen, weil Du z.B. ein reicher Erbe bist. Mit genug Geld bist Du auch ohne Arbeitsplatz ein angesehener Bürger. Weil gut bezahlte Arbeitsplätze weniger werden dürften, fordern manche Soziologen ein BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen). Damit sollen Menschen ein wenig „freier“, vor allem aber die Konsum-Gesellschaft abgesichert werden.

Die bestbezahlten Arbeitsplätze gibt es in den HORG (Hierarchische ORGanisation). Besonders wenn tariflich stabilisiert und geschützt kann man da in einem goldenen Käfig leben. Wenn Du da nicht in einer HORG arbeiten willst (so wie ich), dann hast Du zwei Möglichkeiten. Du kannst Taglöhner (Tagelöhner) werden oder Unternehmer.

Taglöhner können abhängig, von dem was sie verkaufen können, sehr gut oder auch sehr schlecht verdienen. Wohlklingender werden sie „Freiberufler“ genannt (obwohl sie alles andere als frei sind) und häufig als „Scheinselbstständige“ verfolgt.

Unternehmer zu werden, ist riskant, das kann schiefgehen (wie alles im Leben). Nur dass dann oft nicht nur das Einkommen sondern auch „Omas Häuschen“ weg ist.

Das hat auch der VW-Vorstand Herbert Diess erkannt, obwohl er gar kein Unternehmer sondern eher so eine Art Systemagent der Oberklasse ist. Treffend hat er festgestellt „EBIT macht frei“ – und sich dann gewundert, dass er ob dieses Spruchs heftig kritisiert wurde (wegen des geschichtlichen Zusammenhanges, immerhin hatte VW im dritten Reich ziemlich viel Zwangsarbeiter). Als braver in München geborener Österreicher hat er sich  später wegen seiner „unglücklichen  Wortwahl“ entschuldigt.

Dabei hatte er absolut Recht, denn dem Unternehmer geht es gleich viel besser, wenn  „sein Unternehmen“  jedes Jahr zuverlässig einen schönen EBIT schafft. Leute, glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede.

Das wissen übrigens nicht nur ich und die Vorstände der Autoindustrie – auch in den Pharma-Industrie hat sich das herumgesprochen. Jetzt hat man in der Pharmabranche nicht jedes Jahr ein Produkt wie „Tamiflu“, dass den EBIT allein schon sichert. Auch die Zeit der Blockbuster ist vorbei und ganz allgemein wird das Geschäft der chemischen Gesundheits-Industrie immer schwieriger.

Deswegen tut es gut, wenn Google- und Facebook z.B die Impfgegner von ihren Seiten verbannen. Denn gerade Zwangsimpfungen sind natürlich gute Heilmittel für den EBIT der Hersteller. Und auch die Bundesregierung sich ein Gesetz überlegt, dass die Möglichkeit schafft, Impfungen als allgemeinen Zwang vorzusehen. Wegen den Masern.

Wenn wir schon beim Zwang sind:
Gesellschaftlich sinnvoll bräuchte man gerade im medizinischen Sektor viel mehr Zwangsmaßnahmen. Mir fällt da sofort der Aids-Test ein. Warum muss eigentlich nicht jeder Mensch regelmäßig einen solchen Test machen. Damit er es weiß, wenn er Aids hat und sich verantwortliche verhält. Eine Transparenz im Kampf gegen die Seuche wäre doch auf jeden Fall sinnvoll. Und dem EBIT des Herstellers des Tests täte so ein Gesetz auch gut?

Oder genauso wichtig:
Jeder weiß, dass unser Planet ein großes Problem hat. Er leitet unter zu viel Menschen. Müsste man nicht der Überbevölkerung dringend begegnen? Böte sich da nicht eine Zwangsverhütung an?

So könnten die Regeln aussehen:
Jede Frau hat dafür zu sorgen, dass sie keine (unerlaubten) Kinder bekommen kann. Sei es mit einem der bekannten Verhütungsmittel oder durch Nachweis, dass sie in einer monogamen Beziehung mit einem sterilisierten Mann lebt. Bei Verdacht einer Schwangerschaft ist die Pille danach zu nehmen. Ist die Schwangerschaft bestätigt muss sofort abgetrieben werden. Ein medizinisch ganz einfacher und harmloser Eingriff, den in Deutschland geschätzt jede vierte Frau ein- oder mehrmals durchgeführt hat.

Ausnahmen wären „beantragte und genehmigte“ Kinder. Die Genehmigung muss schon vor der Zeugung eingeholt werden. Sie wird nur erteilt, wenn das Paar (gleich ob hetero- oder homosexuell) belegen kann, dass es dem Kind eine gute soziale Prognose bieten kann? Brave new world lässt grüssen.

Da hat die Bundesregierung noch viel zu tun. China hat das schon hinter sich, denn China musste mit einer bedrohlichen Bevölkerungsexplosion fertig werden. In Indien war das auch ein Thema, da gab es Radioempfänger als Belohnung für eine Sterilisation. Das hat aber nicht so gut funktioniert.

Die Chinesen sind allgemein schon wieder einen Schritt weiter.
China vergibt jetzt social credits an seine Bürger. Negative wie positive, die dann saldiert werden. Der Traum von einem System der „angemessenen Gerechtigkeit“ soll umgesetzt werden, in dem soziales Wohlverhalten belohnt und Fehlverhalten bestraft wird.

Dank „Digitalisierung“ wird ganz einfach.
Fährt einer z.B. öfters mit der U-Bahn schwarz, dann gibt es Strafpunkte. Genauso wie wenn er bei rot über die Ampel geht, sein Auto falsch parkt oder er damit zu schnell fährt. Wenn er einen gewissen negativen Punkte-Stand erreicht, dann wird er aus der gesellschaftlichen Gemeinschaft differenziert ausgeschlossen.

Ist das nicht besser als bei uns?
Hierzulande ist das Schwarzfahren eine Straftat, so landet der Schwarzfahrer früher oder später im Gefängnis. Da das Schwarzparken nur eine Ordnungswidrigkeit ist, kann der Autofahrer das für sein Kavaliersdelikt erhaltene Ticket bedenkenlos auf dem Trottoir entsorgen, ohne ins Gefängnis zu müssen? Angemessene Gerechtigkeit?

In China gibt es ganz viele Reiche und Superreiche – und viele Arme. Bei uns ist die Polarisierung von arm und reich noch nicht ganz so krass.

Das könnte sich bald ändern.
Denn nicht nur in Deutschland heißt gefühlt der 1. Artikel im  Grundgesetz: „Die Wahrung des Besitzstandes ist oberste Priorität!“  Das ist der leitende Wert der Mehrheit der Menschen im Denken und Handeln.

Besitzstandswahrung ist in der BRD das neue gefühlte Grundrecht.
Folgerichtig wird der Schutz von Eigentum ausgebaut. Jeder Art. Ist ja auch logisch, wenn 50% des Kapitals weltweit weniger als 50 Menschen gehören, dann wollen die ja ihre Situation stabilisieren. Und die Macht ist bei denen, die die „Kohle“ haben.

So wird der Urheberschutz aus den letzten Jahrhunderten auch im Internet geregelt. Daten werden zum persönlichen Eigentum erklärt und durch Gesetze geschützt. Mit riesigem Aufwand, den hätte man sich sparen können, wenn man einfach missbräuchliches Verhalten bestrafen würde. 

Ich habe das mit dem Datenschutz nie verstanden. Wie kann ein Mensch überhaupt Daten besitzen? Und wieso gehören die ihm, ganz persönlich? Ich dachte immer, Daten (wie das Wissen) gehören uns allen. Zumindest jedem, der sie weiß.

Was ist das für eine Gesellschaft, in dem das Geburtsdatum ein Geheimnis ist. Klar freue ich mich nicht über mein Alter. Gerne wäre ich jünger. Aber warum darf man nicht wissen, wie alt ich bin? Warum soll meine sexuelle und religiöse Orientierung nicht öffentlich bekannt sein? Wieso hat jeder etwas zu verstecken?

Ich träume von einer transparenten und toleranten Gesellschaft. Gewaltlos. Dann bräuchten wir keine DSVGO, wie wir sie jetzt haben. Und auch keine Update-Filter, die jetzt auch offiziell kommen (inoffiziell haben wir die schon länger).

Das geistige Eigentum muss geschützt werden, weil man damit viel Geld verdienen kann. Ich fühle mich reicher, wenn ich meine Gedanken mit anderen Menschen teilen kann. Urheberrecht-Anspruch stelle ich keinen, allein schon weil meine Gedanken von anderen Menschen inspiriert oder ausgelöst worden sind.

Bei dem, was unsere Regierung treibt, um Eigentum zu manifestieren, gibt es eine Ausnahme. Es geht nicht um die Fremdbestimmung des Bauchs, der den Frauen gehören sollte. Die Regierung will jetzt ein Gesetz machen, dass man einem toten Menschen default-mäßig alle Organe entnehmen kann. D.h. wenn ein Mensch à priori (vor seinem Tod) nicht eine Widerspruchserklärung dazu abgegeben hat oder à posterio ein engster Verwandter der Entnahme begründet widerspricht. So wird das Eigentum an den eigenen Organen geschwächt. Weil Eigentum mit dem Tod eines Menschen erlischt?  Was wäre, wenn ich diese Begründung auf sein sonstiges Eigentum an wende?

Das klingt doch sehr human, wenn man von armen Menschen erzählt, die verzweifelt auf ein Spenderorgan warten. Wie immer geht es vorrangig aber nicht um diese. Es geht ums Geschäft. Das immer mit dem Hinweis auf die Arbeitsplätze gerechtfertigt wird.

Plantationen sind sehr teure medizinische Geschäftsfälle. Und so manche Klinik und deren Aktionäre könnten deutlich mehr verdienen, wenn sie mehr „Spender-Organe“ hätten. Auch für die Pharmazeutische Industrie wäre das gut. Denn Menschen, die erfolgreich transplantiert worden sind, brauchen anschließend ziemlich viel Medikamente, um mit dem fremden Organ weiter leben zu können.

Andere Menschen darf man auch (offiziell) nicht mehr als Eigentum besitzen. Aber auch die Sklaverei wurde nicht aus humanen und ideellen Gründen abgeschafft, sondern vor allem, weil sie sich im Sinne des Erwirtschaften von Profit nicht mehr gelohnt hat.

Jetzt warte ich noch auf eine Verordnung, die das Eigentum an den „eigenen“ Gefühlen schützt. Die ja durch Dritte beschädigt oder verletzt werden können. Ansätze dazu gibt es ja heute schon, ich denke da an die Verletzung von religiösen oder deutsch-nationalen Gefühlen (z.B. durch Missachtung der Fahne). Könnte auch ein Thema für eine Regulierung im Internet sein. Upload-Filter sind hier auch sehr nahe liegend.

Ich bin ich ja richtig froh, dass ich religiöse und nationale Gefühle nicht habe. Dann kann sie keiner verletzen. Andererseits, wenn die Spielvereinigung Unterhaching verliert und mich ein 60iger oder Bayern-Fan damit aufzieht, dann werden schon meine Gefühle verletzt. Und der sollte dann auch dafür bestraft werden.

Das ist eines der Probleme unserer Gesellschaft:
Wie werden die Verstöße gegen Regeln, die jetzt auf uns zu kommen, geahndet? Immer mehr wird verboten und geregelt – es geht ja nicht nur ums Impfen und Kinder kriegen. Der Planet und die Bienen wie auch Europa müssen doch gerettet werden. Und das alles wird ohne schwere Einschränkungen und Solidarität nicht möglich sein. Und freiwillige Solidarität kostet und gibt es deshalb bestimmt nicht umsonst.

Da geht es nicht an, wenn man politisch die falsche Meinung vertritt und zum Beispiel gegen ein Europa ist, dass von Nationalstaaten dominiert wird und das von einer mächtigen eigenen Armee mit Flugzeugträgern träumt. Genauso müssen Verstösse  gegen die Umwelt sanktioniert werden, um die Klimakatastrophe zu stoppen.

So schließt sich der Kreis. Man sollte schon einen guten Job oder viel Kohle haben, um die ganzen fälligen Bussgelder und Geldstrafen bezahlen zu können.

RMD

P.S.
Gerade habe ich gelesen, dass die Bayerische Landesausstellung in „Stadtluft befreit“ umbenannt wird. Die Veranstalter zogen den Titel „Stadtluft macht frei“ für die Landesausstellung 2020 in Aichach und Friedberg zurück. Charlotte Knobloch hatte kritisiert, der Titel tue weh und „vergifte Menschen“.

Grund dafür war, dass dieser Slogan  Gefühle verletzt hat. Wenn Gefühle ein schützenwertes Eigentum sind (weil verletzbar), dann brauchen wir in aktueller Politdenke dringend eine GSGVO (Gefühlschutzgrundverordnung) natürlich auch im Internet. Und wenn wir eh schon Upload-Filter haben, dann könnten die ja auch gleich mal alles, was Gefühle verletzen könnte, aussperren. Also Stadtluft macht frei. Oder „Haching ist ein Scheissverein“.

„Stadtluft macht frei“ empfinde ich als eine ganz wichtige Metapher. Denn der soziale, politische, kulturelle wie auch sonstige Fortschritt in Europa hat in den Städten und durch ihre Vernetzung stattgefunden.

Wachstum, Inflation, Reisen und Zukunft.

Vor einiger Zeit höre ich in den Nachrichten, dass die Bundesregierung ihre Prognose für 2019 gesenkt hat. Auf 1 %. Ist das gut oder schlecht?

Beim schlauen dozieren …

Zuerst stell ich mir die Frage, ob die Schätzung nominell oder real ist. Mit real meine ich unter Einberechnung der Inflastionsrate. Wenn sie nominell ist, würde das bedeuten, dass wir gar kein oder sogar ein negatives Wachstum hätten. Denn sogar offiziell wird die Inflationsrate für 2019 mit 1,8 % geschätzt. Das ist mehr als das vorhergesagte Wachstum.

Und gefühlt meine ich, dass wir mehr als diese 1,8 % „offizielle Inflation“ haben. Ich muss mir nur die Kostensteigerung bei den Semmeln vom Bäcker anschauen. Oder die Entwicklung der Friedhofskosten für die Mutter. Oder die Mieten allgemein. Das Briefporto soll auch teuerer werden – wie der öffentliche Verkehr. Briefporto ist ein gutes Beispiel: Nach den alten Regeln hätte die Deutsche Post das Porto um 4,8 Prozent erhöhen dürfen. Das entspräche einer Verteuerung von 70 auf 73 Cent für einen Standardbrief. Jetzt wird auf eine Erhöhung von 85 bis 90 Cent für einen Standardbrief spekuliert. Vergessen wir also die 1,8 %.

So gesehen, haben wir eher ein negatives Wachstum. Und ich empfinde das ais eine gute Nachricht. Ich bin mir sicher, dass weniger mehr ist. Wenn es immer mehr Wachstum gibt, dann wird mehr geflogen, größere Autos gekauft.

Ich betrachte mein eigenes Leben. Und schon fällt mir auf, dass ich nicht nur viel zu viel konsumiert aber auch viel zu viel geflogen, Auto gefahren und auch Schiff gefahren bin. Ich versuche das zu reduzieren.

Das Autofahren habe ich überwiegend eingestellt. Und so richtig leicht fällt mir das nicht. Denn das Reisen ist schon sehr schön und auch sehr wichtig. Man lernt viel dabei.

Aber sogar Fahrradtouren sind aufwändig. Die Highlichts meiner Radtouren waren zweifelsfrei Kreta, Zypern, Tunesien, Marokko und Kuba. Dazu braucht man in der Regel einen Flug.

Deutschland, Österreich und Italien sind auch schöne Radel-Ziele. Das geht auch mit dem Zug, allerdings wird da das Angebot immer schlechter. So nimmt der Nachtzug nach Rom seit ein paar Jahren keine Fahrräder mehr mit.

Ich bin aber auch viel Kreuzschifffahrten gefahren. Meine letzte Reise ging in die Karibik, da habe ich unheimlich viel Neues erlebt und kennen gelernt. Genauso ging es mir in der Antarktis, in der Südsee, in Asien oder in Mittelamerika.

Kreuzschifffahrten werden zur Zeit ja richtig runtergemacht. Das verstehe ich auch. Und kriege ein wenig ein schlechtes Gewissen.

Insel-Hopping im Mittelmeer ist für auch etwas sehr Schönes. Man findet da viel von der Kultur, die wir ja ein wenig geerbt haben. Macht schöne Wanderungen. Und besucht alle paar Tage eine neue Insel.

Wären da nicht die Fähren. Die riesengroß oder rattenschnell sind. Aber alle Autos transportieren. So dass dann auch die kleinste Insel in der Saison an Autos ersäuft. Und die Schiffe dürften im übrigen mehr Öl verbrennen dürften als die träge herumbummelnden Kreuzfahrtschiffe.

Reisen hat aber noch einen zweiten Nachteil. An meinen Reisetagen brauche ich eine Unterkunft. Weil ich meistens nicht im Zelt schlafe. Parallel dazu habe ich dann daheim ein paar ungenützte Räume und nutze Räume im Gastland. Da gab es mal eine gute Idee: airbnb. Der einfache Gedanke war, dass man die eigenen Räume anderen Reisenden zur Verfügung stellt, wenn man selber unterwegs ist. Genial! Nur die Realität funktioniert halt auch nicht so, sehr zum Kummer mancher Stadtväter.

Ich bemühe mich jetzt, weniger zu fliegen. Und zu Radtouren mit dem Regionalzug zu fahren. Aber ganz auf andere Länder und Kulturen will ich nicht verzichten. So werde ich mir im Sommer einen langgehegten Wunsch erfüllen. Und mit der Eisenbahn ab Moskau nach Peking fahren und dort meinen Sohn besuchen. Leider gibt es keine gute Verbindungen per Eisenbahn von Bayern nach Moskau mehr. D.h. die lange Eisenbahnreise beginnt mit einem Flug nach Moskau. Und von Peking zurück ist es natürlich auch am einfachsten mit dem Flieger.

Wenn ich auf die Reisen verzichte, spare ich viel Geld. Das Geld müsste ich verbrennen, damit es nicht mehr schadet. Denn, wenn ich es herschenke, was machen dann die Beschenkten? Wahrscheinlich steigen sie in den Flieger und Urlaub in der Sonne. Weil es Spaß macht und eigentlich recht billig ist.

Was ist zu tun? Ich meine, dass die Staaten unseres Planeten die Aufgabe haben, das zu steuern, was allen Menschen schadet. Das geht in unserem System des Konsumismus nur über den Preis. Also muss man die Steuer auf Energie und besonders Kerosin hochsetzen! Dass so eine Massnahme das Wachstum reduziert, ist doch auch kein Nachteil sondern wünschenswert.

Jetzt wird mancher sagen, dass das nicht gerecht ist. Weil es die Reichen weniger betrifft als die Armen. Nur, muss wirklich jeder einen SUV fahren und in die DomRep fliegen?

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 20. März 2019

Das digitale Auto der Zukunft (extrapoliert)

So leben wir 1975 – Hobby Titelblatt November 1955

Die Extrapolation ist ein Verfahren zur Ausdehnung von Aussagen über ihre eigentlichen Gültigkeitsbereiche. Meistens setzt die Extrapolation eine Interpolation voraus.

Schon in der Mathematik ist das nicht einfach. Jetzt versuche ich mich mit einer sanften Zukunftsprognose. Die unser zukünftiges Leben mit Mobilität betrifft. Nicht mit Hilfe von Mathematik sondern nur durch logisch-zynisches Denken.

Dazu stelle mir vor, wie die digitalen Landfahrzeuge, auch selbstfahrende Kraftfahrzeuge genannt, in Zukunft ausschauen könnten?

Wie immer beginne ich mit Wikipedia. Da finden wir aktuell folgenden Beschreibung:

 


Als selbstfahrendes Kraftfahrzeug (manchmal auch autonomes Landfahrzeug) bezeichnet man ein Auto oder anderes Kraftfahrzeug, das ohne Einfluss eines menschlichen Fahrers fahren, steuern und einparken kann (Hochautomatisiertes Fahren bzw. Autonomes Fahren).


 

Ja, wenn es so einfach wäre. Ursprünglich habe mir vorgestellt, dass – wenn ich mir ein selbstfahrendes Auto bestelle – mich dann ein Fahrzeug abholen kommt, das eher einem Auto-Scooter ähnelt. So wie wir es als Kinder auf dem Volksfest gefahren sind. Und ich hopse rein, das Auto bringt mich an mein Ziel und fertig.

Dann habe ich aber fleißig Zeitung gelesen (wie den Teil Mobilität in der Wochenendausgabe der SZ) und gelernt, dass so ein Auto viel mehr können muss.

  • Es ist voll digital. Ich kann also alles machen wie daheim im WLAN.
    Das macht besonders dann Freude, wenn wir – das Auto und ich – im Stau stehen. Dann kann ich meine ganze Arbeit vom Auto aus machen – wie in meinem Home Office – und muss eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit fahren.
  • Wahrscheinlich soll das Auto auch fliegen können.
    Das muss es ja allein schon wegen den vielen Staus. Und weil ich ja den direkten Weg nehmen will. Ohne den Zickzack der Straßen ausgeliefert zu sein. Flugtaxis sind ja zurzeit sehr in Mode.
  • Auf längeren Strecken will man sich im Auto dann auch ausschlafen können. Wenn die Fahrt z.B. über Nacht von München nach Hamburg geht. Eigentlich möchte ich von München nach Westerland fahren. Nur komme ich im Schlaf so kaum nach Sylt. Denn da gibt es den Hindenburg-Damm mit der ollen Eisenbahn. Wieder ein Hindernis für das Zukunftsauto. Was natürlich für das fliegende Auto kein Problem wäre, das würde ja einfach drüberfliegen.
    Das Problem fängt damit an, dass ich dann für mich (und meine Begleitung) einen Sitz brauche, der so in etwa der Business Class oder Firstclass im Flieger entspricht. Das heißt, es darf kein City-Scooter sein, sondern eher so eine Art Wohnmobil. Wenn ich aber so ein Auto habe, dann brauche ich ja gar kein Hotel mehr. Der dann notwendige Parkplatz muss dann ja auch gar nicht beim Ziel sein. Da bringt mich das Auto ja dann am nächsten morgen hin. Und fliegt dann weg – und kommt wieder, wenn ich zurück nach München will. Die Digitalisierung soll das alles möglich machen

 

Kommt ein Auto geflogen … Hobby Titelblatt August 1956

Ich brauche also so eine Art Drohne um einen VW-Bus herum. Dieses neue Wunderfahrzeug soll ja auch gar nicht mehr mein Eigentum sein.

Wir haben ja „shared economy“. So kann ich mir – ob es der Stadt-Scooter oder das Wohnmobil ist – das Fahrzeug einfach per Klick ordern. Das kommt dann, ordentlich geputzt und für die Fahrt vorbereitet. Ganz gleich, ob es zum Café um die Ecke oder in die Ferne geht. Und ich steige ein und ab gehts.

Was für eine schöne neue Welt!

Die wird aber eher etwas für die ganz Reichen sein. Also für die, die früher Adelige und Bischöfe waren. Die früher eben die Kutschen und Pferde hatten. Und auch die Kutscher. Die beim einfachen Volk nicht so beliebt waren. Weil sie in den engen Gassen der Städte das Recht der „feien Fahrt“ mit der Peitsche durchsetzen.

Die „normalen Menschen werden in Zukunft mit „people mover“ (das was man früher ÖPNV bezeichnet hat) von zentralen Punkten zu zentralen Punkten verfrachtet. Und müssen dann den Rest zu Fuß gehen oder diese Wege mit elektrischen Rollern, Skateboards und was es noch für Mobilitäts-Spielzeuge geben wird zurücklegen. Sofern das Bundesverkehrsminister da eine vernünftige Regelung findet. So sieht es ja derzeit  nicht aus.

Und treffe dann einen jungen SW-Ingenieur. Der ist zu BMW gegangen, weil die Programmierung eines selbstfahrenden Landfahrzeuges angeblich eine der wenigen wirklichen Herausforderungen ist, die es für einen Informatiker heute noch gibt. Und der glaubt genauso wie viele Analysten und Entscheider an das selbst fahrende Auto.

Ich habe Zweifel an der schönen neuen Welt der Zukunft. Aus ganz banalen Gründen. So glaube ich, dass wir in einem Zeitalter von Klima-Veränderung, Verarmung, Zerfall der Infrastrukturen und sozialer Probleme ganz andere Sorgen haben werden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Menschen, die in prekären Situationen leben, das so toll finden werden, wenn die Reichen von Luxus-Sänften durch die Gegend geschaukelt werden.

Angeblich soll hat ja eine Universität im Gebiet der ehemaligen DDR schon autonom fahrende Fahrräder konstruiert haben. Auf der Basis von Dreirädern (weil das autonom fahrende Zweirad wohl zu schwierig ist).

Und lobe mir die gute alte individuelle Mobilität auf zwei Rädern. Gerne auch mit dem e-Bike (womit wir dann wieder bei Motorisierter individuelle Mobilität MIV wären). Aber vernünftig motorisiert mit wirklicher Freude am Fahren.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 16. März 2019

MACHT in sozialen Systemen

Im letzten Artikel habe ich über die drei Begriffe FREIHEIT, LIEBE und MACHT nachgedacht.

Als ich noch mächtig war 😉

Quasi als Fortsetzung zu diesen Überlegungen beschäftigt mich heute die Frage:

Wie ist das mit den Unternehmen und allgemein der Gesellschaft und der MACHT?

Die MACHT spielt auch im Kontext mit Bewegungen wie  #newwork, „demokratisches Unternehmen“ und intrinsify.me eine wesentliche Rolle. MACHT bestimmt nicht nur in Unternehmen, sondern auch das politische System, das unsere soziales Zusammenleben als Staaten organisieren will.

MACHT gehörte immer wie selbstverständlich den Männern. Bei uns immer noch den alten weißen Männer. Frauen waren und sind es wohl immer noch außen vor, es sei denn sie gebärden sich wie Männer. Und die Kinder werden klein gemacht, wenn sie sich zu Wort melden – weil sie sich um ihre Zukunft sorgen.

Die MACHT ist relevant in Kirchen, Vereinen, Familien und Beziehungen, also sozialen Systemen aller Art. Da sieht es auch nicht anders aus. Es geht immer darum, wer an der MACHT ist und wer nicht.Wer die MACHT hat, dem geht es besser.

Gestern

Seit der Antike gibt es in unserem Kulturkreis eine herrschende Schicht, die die Macht hat. Im Mittelalter hatten wir Feudalismus und Prekariat. Schon in Griechenland gab es Bürger und Sklaven. Bei uns im Mittelalter gab es Herren (Grundbesitzer, Adel, Kirchenfürsten), ein paar freie Bürger und Leibeigene (die Leibeigenschaft ist eine auch eine Art von Sklaverei). Die Leibeigenschaft war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas auf dem Land – sprich dort wo die wichtigen Lebensmittel hergestellt wurden – ganz normal. Stadtluft mach frei – so fing die Eigengehörigkeit in den Städten an. Und dann kam die Revolution und die Aufklärung mit ihren nationalen Kriegen.

Wie ging es weiter?

Heute

Heute gibt es eine Mittelschicht. Noch? Die hängt zwischen den ganz Reichen und den Armen. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Mittelschicht scheint zu verschwinden.

Morgen

Da vermute ich, dass es dann wenige und sehr Reiche geben wird. Die ganz große Mehrweit wird Teil des Prekariat. Wir schlagen nach:

 


Pre·ka·ri·at
/prekaˈri̯aːt,Prekariát/
Substantiv, Neutrum [das] Politik • Soziologie

Bevölkerungsteil, der, besonders aufgrund von anhaltender Arbeitslosigkeit und fehlender sozialer Absicherung, in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat.


 

Das Fremdwort Prekariat kann man sich über prekär gut merken. Die Angehörigen des Prekariats werden in „prekären“ Lebensverhältnissen leben. Auch da schauen wir wieder nach, was heißt prekär?

 

pre·kär
Adjektiv
bildungssprachlich

  1. so beschaffen, dass es schwierig ist, richtige Maßnahmen, Entscheidungen zu treffen, dass man nicht weiß, wie man aus einer schwierigen Lage herauskommen kann
  2. eine prekäre [wirtschaftliche, finanzielle] Situation“

 

Die Prekären werden ziemlich rechtlos sein, beherrscht von einer Oligarchie aus Parteien und Verbänden. Als Folge von Klimakatastrophe, Zerfall der Infrastruktur und ähnlichem werden die Menschen im Prekariat die ganz große Mehrheit sein. Gelenkt wird sie durch die Religion des Konsumismus. So könnte eine neue Sklaverei entstehen, die aber nicht mehr auf Fremdgehörigkeit fusst, sondern sie wird durch Überwachung und Manipulation in Abhängigkeit gehalten. Diese große Mehrheit dürfte von einer kleinen Schicht eines pseudo-demokratischem Feudalismus beherrscht werden.

Ein kurzes Jahrhundert haben wir geglaubt, dass die Demokratie die „Bürger“ zum „Souverän“, also den Mächtigen gemacht hat. Wir stellen jetzt überrascht (?) fest. dass dies eine Illusion war.

Wir können jetzt nur hoffen, dass es auch in Zukunft noch für Brot und Spiele reichen wird.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. März 2019

Freiheit, Liebe, Macht.

Drei ganz wichtige aber sehr abstrakte Begriffe.

 

Großer Empfang – mit Baby-Fläschchen (1984).

Wie ich jung war, habe ich mich am meisten mit FREIHEIT beschäftigt. Die war mir sehr wichtig. Und da ich so ein wenig ein Kopf-Messie bin, habe ich Definitionen für Freiheit gesammelt. Und auch einen Artikel mit acht Definitionen von Freiheit geschrieben.

Keine Angst, so etwas „wie die Freiheit des Autofahrers“ ist da nicht dabei. Dafür fehlt dort eine schöne Beschreibung von Freiheit, die ich hier nachreiche. Sie stammt vom deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling (Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, ab 1812 Ritter von Schelling, * 27. Januar 1775 in Leonberg, Herzogtum Württemberg; † 20. August 1854 in Ragaz, Kanton St. Gallen).
 


Der ist beglückt,
der sein darf was er ist,
der Bahn und Ziel
mit eignem Auge misst.


 
Wie ich älter wurde hat mich der Begriff der LIEBE fasziniert. Dazu habe ich schon einiges geschrieben, siehe auch Ein Tag mit der Liebe.

Und erst die Erfahrungen der letzten beiden Jahre haben mich auf den Gedanken gebracht, dass MACHT der zentrale Begriff unseres sozialen Lebens ist. Sie definiert und beeinflusst soziales Leben herausragend. Also mache ich mich auf die Suche. Da finde ich:

 


Macht
Mácht
[ohne Plural]
Gesamtheit der Mittel und Kräfte, die jemandem oder einer Sache andern gegenüber zur Verfügung stehen; Einfluss
„seine ganze Macht aufbieten, etwas zu erreichen“
[meist im Plural]
etwas, was eine besondere bzw. geheimnisvolle Kraft darstellt, besitzt
„dämonische, geheimnisvolle Mächte“


 

Das ist mir zu wenig im Kontext mit unserem Leben in sozialen Systemen.

Bei Gerhard Wohland finde ich schon mehr
 


Macht ist der soziale Konsens, mit dem trotz Dissens gehandelt werden kann. Ohne hierarchisch geordnete Macht sind weder Organisation noch Unternehmen möglich. Romantischem New Work ist dieser Zusammenhang peinlich. Aber auch verheimlichte Macht ist Macht – nur weniger nützlich.


 
Wow, das muss ich erst mal nach denken. Bis auf die Bewertung des Nutzens am Ende bin ich da dann doch einverstanden.

Dann frage ich mich bei Freunden um und finde folgende zwei Definitionen:

 


Macht ist, wenn man ungestraft lügen darf.

und

Macht ist, wenn man die Definitionshoheit hat.


 

Man merkt schon, dass es sich lohnt, über den Begriff  MACHT nach zu denken und nach zu lesen. Das werde ich machen – und wenn ich ein wenig schlauer oder weiser bin, auch mal darüber schreiben.

RMD