Roland Dürre
Samstag, der 11. August 2018

Was ich so mache #MeinLeben

Seit Jahren darf ich im „Forum Agile Verwaltung | Austausch und kollegiale Beratung“ (einer „geschlossenen Gruppe“ in Facebook) teilhaben. Das macht mir viel Freude und ich lerne dort viel. Jetzt gab es dort einen Aufruf, dass alle Mitglieder der Gruppe sich vorstellen sollen. Dabei habe ich gerne mitgemacht. Hier mein Beitrag:


 

Bei fav17! Großen Dank an Jan Fischbach, Meister der Agilität und hier mein Fotograf.

Ich fühle mich in dieser Gruppe als Gast, der an interessanten Themen schnuppern und zu hören wie lernen darf. Dabei bin ich, weil ich mal im Forum Agile Verwaltung einen Vortrag halten durfte (über die „Unvorhersehbarkeit von Zukunft“).

Zu meiner Person: Durch mein Studium der Mathematik mit Nebenfach Informatik gestartet in 1969 an der Technischen Universität München wurde ich zum Programmierer. Nach Lehrjahren bei Siemens AG und Softlab GmbH gründete ich gemeinsam mit Wolf Geldmacher Anfang der Achtziger Jahre die InterFace AG. Bei einem PM-Camp habe ich Thomas Michl kennen und schätzen gelernt.

Dank unseres Produktes CLOU/HIT haben wir (InterFace) viele Kunden aus dem Behördenbereich (Polizei und Justiz der Länder, die Bundesagentur für Arbeit, Kommunen und manche Behörden auf Bundes- und Länderebene) gewonnen und dabei Vieles gelernt.

Bei der Entwicklung von CLOU/HIT haben wir schnell verstanden, dass kundenorientierte Entwicklung von komplexen SW-Produkten „in alter Denke“ nicht mehr funktioniert und deshalb „hierarchisch organisierte Gruppen“ durch „vernetzte Teams ersetzt. Das war damals revolutionär und irrsinnig erfolgreich.

Heute bin ich nicht mehr „operativ“ tätig, sondern beschränke mich, das Erlebte (Wissen & Erfahrung ?) – vorzugsweise an junge Menschen – weiterzugeben. Das können Einzelpersonen wie Teams (start-ups) sein.

Ich versuche keine Ratschläge zu verteilen (Ratschläge sind auch Schläge) sondern beschränke mich aufs Inspirieren und Generieren von Impulsen. Und versuche, gemeinsam mit allen Beteiligten gute (die richtigen?) Fragen zu finden. Weil eine kluge Frage die Voraussetzung für eine kluge Antwort ist.

Mit dem Hauptziel, andere und besonders junge Menschen erfolgreicher und glücklicher zu machen.


Ich denke, dass diese Vorstellung mein aktuelles „Wirken“ ein wenig beschreibt.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 22. Juli 2018

Liebe & Hass.

Da gibt es so ein paar „Sprichworte“. Die haben mir früher ganz gut gefallen. Wie zum Beispiel:

(i) No pain no gain!

(ii) No risk no fun!

(iii )No hate no love!

Die passen zu vielen Gelegenheiten. Manche werden mit der Pflege solcher Sprüche berühmt. All diese Sprüche haben eines gemeinsam – sie signalisieren, dass es das eine ohne das andere nicht gibt.

Irgendwie waren solche Gedanken auch ein wenig Teil meiner „Küchenphilosophie“, sie gehörten zu meiner zynischen Einstellung zum Leben.

Mittlerweile halte ich von diesen vielleicht klugen Sätzen nichts mehr. Ich möchte gewinnen, ohne zu leiden. Mich freuen, ohne etwas riskieren zu müssen. Und vor allem lieben können ohne hassen zu müssen.

Ich glaube, dass es eine Grundsatzentscheidung eines jeden Menschen ist, ob er sich an (i – iii) halten will. Oder lieber darauf verzichten und sich aufs Positive beschränken will?

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 17. Juli 2018

Innovation. Management. Zukunft.

Geschafft ?!

Immer mehr Unternehmen richten Positionen ein, die als „Innovations Management“ bezeichnet werden. Mich reizt es dann immer, diese Manager nach ihrer Job-Beschreibung zu fragen (dies obwohl ich von zu ausgefeilten Stellenbeschreibungen nichts halte).

Häufig sitzt der Innovation Manager in der Abteilung Human Ressource (HR), denn seine Hauptaufgabe ist ja, die Mitarbeiter „innovativer“ zu machen. Und ich weiß ja auch nicht, wieso man eigentlich HR braucht?

„Was ist Innovation?“

Diese Frage stelle ich dann gerne den „Innovation ManagerInnen“. Ohne jede böse Absicht. Weiß ich ja wirklich nicht, was Innovation ist. Nur dass, es ein Buzzword ist, von dem alle reden.

Besonders gerne stelle ich solche dumme Fragen den Menschen, die sehr klassische Unternehmen „innovativer“ machen sollen. Zum Beispiel aus dem Bereich der Finanzindustrie (FI), also der Banken und Versicherungen.

Mir fällt dann immer die Definition von Simon Grand (St. Gallen) ein. Er hat Innovation als „Kreative Zerstörung“ bezeichnet. Eine vielleicht nicht unbedingt hilfreiche Definition. Aber sicher eine, die zumindest darauf hinweist, dass Innovationen in der Regel Veränderungen verursachen. Und Veränderungen mag ja keiner. Außer, wenn man ein massives Problem hat.

So sind wir schon bei der nächsten Frage:

„Was ist ein Problem?“

Auch hier habe ich eine Definition gefunden, die sehr drastisch erklärt, was ein Problem ist. Nämlich

„Ein Zustand, der so nicht bleiben kann“.

Die Aufgabe von Innovation könnte sein, solche Zustände zu verändern …

Und schon tauchen Schreckgespenster wie Fragilität und Disruption auf, die unsere Stabilität bedrohen. Innovation soll ja helfen, die Antifragilität von Systemen, die von Disruption bedroht werden zu stärken. Und nach heutigem Manager-Latein nimmt die Disruption ja bekanntlich zu. Aufgrund der Komplexität, die ja immer schlimmer wird (auch so ein Manager-Latein).

„Disruption und Antifragilität“

Das sind auch so schöne Buzzwords. Das eine fürchtet man, das andere soll man herstellen. Und wenn der Innovations Manager bei HR sitzt, dann muss er natürlich die Innovation bei seinen Ressourcen – den Menschen – herstellen. Also müssen sie die Mitarbeiter dazu bringen, dass sie mit „Disruption“ besser umgehen können und so das System, für das man ja gemeinsam wirkt, in einen Zustand hoher Antifragilität versetzen.

„Wie macht man das?“

Hier ein paar Ideen.

Vielleicht mit Story Telling. Mit dem man eine andere Arbeits- und Lebenswelt beschreibt. Mit Werten, die dort existieren, die zwar gut klingen, aber im alten System nur schwer zu realisieren sind. Weil die Widerstände bei den Personen und Gremien kaum überwunden werden kann.

Oder mit neuen Kommunikationsformen wie „barcamps“, mit denen man hofft die Mauern der Silos in den Unternehmen zu durchdringen.

Aber ob das aber ausreicht?

Ich weiß es nicht. Und freue mich, Geschichten von erfolgreichem „Innovations Management“ erzählt zu bekommen. Damit ich sie weitererzählen kann.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 5. Juli 2018

Fuckup! Nights! Munich!

Es gibt immer wieder etwas Neues. Vor ein paar Tagen habe ich die FUCKUPNIGHTS entdeckt. Und bin auch gleich dabei 🙂 .

We Live Life Without Filters

Das ist das Motto dieser Bewegung, die sich FUCKUPNIGHTS nennt. Sie hatte ihren Ursprung in Mexiko und hat von dort aus einen Siegeszug in weite Teile der Welt angetreten.

Es geht ums Scheitern. Wie im Juni 2016 beim PM-Camp in Berlin. Denn Scheitern gehört einfach dazu. Es kann sogar erfolgreich sein. Denn man lernt viel dabei. Und man kann das Gelernte nicht nur für sich selber trefflich nutzen sondern auch mit anderen Menschen teilen. Denen es beim Nichtscheitern (= Erfolg haben) helfen kann.

Das Techdivision-Marketing hat die Fuckup Night nach München und Rosenheim geholt. Am 5. 7. (also heute) findet so in München in der Balanstr. eine FuckupNight statt. Und sie suchten noch „Speaker“. So wurde ich von Sacha angefragt (dem Boss von Techdivision in der Balanstr.):

Hi Roland, hast Du Lust und Zeit uns ein persönliches Fuckup-Beispiel aus Deinem Leben in 7 Minuten Zeit und maximal 10 Slides zu berichten?

Hier für Euch die Info zu FUCKUPNIGHTS in München. Die Veranstaltung heute ist leider schon überbucht, wie die meisten Veranstaltungen von Techdivision (die man alle in meetup findet).

Da bin ich natürlich gerne dabei. Das bedeutete für mich aber auch, dass ich mich vorbereiten musste. So ging ich in mich und überlegte mir:

  • Was waren meine größten Flops, meine schlimmsten Tiefschläge?
  • Wann hat mich das Leben so richtig klein gemacht.
  • Wie war das, als ich mich als der absolute Versager gefühlt habe.
  • Was davon kann ich in der Öffentlichkeit berichten, ohne andere Menschen zu beschädigen?

Es gibt auch ein Speaker Manual zu FuckUpNights, das ich hier kopiere:


 Speaker Manual: Was sind die FuckUp-Nights überhaupt?

„FuckUp-Nights“ klingt anrüchig? Ist es aber nicht! Die „FuckUp-Nights“ sind dazu da, öffentlich über schief gelaufene Projekte, Arbeiten und Ideen zu sprechen und diese Erfahrung mit der Community zu teilen. In lockerer Atmosphäre werden an diesem Abend wertvolle Erfahrungen von erfolgreichen Managern, Unternehmen und Startups weitergegeben, um daraus zu lernen.

3 – 4 Personen berichten jeweils in 7 Minuten zur Abwechslung mal nicht von großen Erfolgsgeschichten, sondern erzählen mit Witz, Humor in aller Offenheit davon, wie es auch mal schief laufen kann – damit sind wir bei den sog. FuckUps.

Wie präsentiere ich meinen „FuckUp“ in 7 Minuten?

Bitte sende uns vorab

  1. 10 Folien, die deinen Misserfolg bildlich darstellen. 
Nummeriere die Bilder von 1-10, die dann in dieser Reihenfolge erscheinen sollen. Bitte denke daran, dass jedes Bild nur ca. 40 Sekunden erscheinen sollte, damit die 7 Minuten nicht überschritten werden.
  2. Deine Kurzbiografie, damit wir dich am Tag des Events vorstellen können. (1-2 Abschnitte)

Denke während der Präsentation, wenn möglich, an folgende Punkte:

  • Wer bin ich?
  • Was war die anfängliche Idee des Projektes/Geschäfts?
  • Was ist schief gelaufen?
  • Was hätte ich anders gemacht? Was hab ich daraus gelernt?

Und vergiss nicht!!!
Es sind die FuckUp-Nights! Fehler passieren eben, Hauptsache du kannst mit Begeisterung, Witz und Humor davon erzählen! Hab also Spaß beim präsentieren! 🙂


Das gefällt mir. So denke ich gerne über meine persönlichen „fuck-ups“ nach. Am härtesten treffen mich persönliche Enttäuschungen, besonders wenn sie mit Menschen zu tun haben. Die schmerzen – und die will ich aber nicht auf einer Fuckup-Night öffentlich berichten, zu leicht könnte ich da anderen Menschen unrecht tun und diese verletzten.

So konzentriere ich mich auf meine unternehmerischen Flops. Einer davon war die große Vision des magicHIT. Die hat der InterFace Connection viel Geld gekostet und war letzten Endes kaufmännisch ein totaler Flop. Das könnte ein guter Beitrag werden, ich werde sie heute Abend berichten. Und schreibe die Geschichte mal hier auf. Sie beginnt mit: Ich war ein …


 

i) IT-Pionier der 3. Generation (ab 1969 Informatik) und

Nicht mehr taufrisch – aber für damals doch noch junger Unternehmer.

Lehrjahre bei Siemens und Softlab“.
Schwerpunkt: Industrielle Informatik (Herrschaftswissen 🙂 )
Leider zu wenig auf „die Spielzeuge“ wie Commodore und Atari geachtet.
Das hat sich später als großer Nachteil entpuppt.

 

 

 

 

 

ii) später Gründer“ mit Blitzstart (1984 – erst mit 34 Jahren)

Als zufriedener Unternehmer, weil es geklappt hat.

Der Start hat geklappt – Wolf (mein Partner, nach dem ich lange gesucht hatte) und ich waren im Paradies – besonders wie wir unser erster Team hatten und ein Produkt entwickeln konnten.

Vereinfacht gibt es vier relevante Geschäfts-/Einkommensmodell-Typen für Unternehmen:

  • Dienstleistung abgerechnet als Zeit & Material,
  • das Gewerk,
  • den Vollservice,
  • ein Produkt

Unix ist unser Thema! Und Produkt die Königs-Disziplin. Also war unser Ziel:

Wir wollen ein Produkt für Unix bauen (weil ein Produkt Identität und skalierbares Einkommen schafft)!

Wir bauen CLOU/HIT!

 

iii) Innovation ist kreative Zerstörung

Abendveranstaltung BICCnight it at media / Foyer Funkhaus Bayern /Muenchen / 22.07.2011
Foto: Stephan Goerlich

so auch Digitalisierung. Also: Schluss mit Aktenschrank, Schreibmaschine und Fernschreiber (damals noch relevantes Kommunikations-Werkzeug).
Datenbanken ans Stelle Papier,  Dokumente werden automatisch erstellt, die Kommunikation geht über Rechnernetze.

Wir beginnen, die alte Welt zu zerstören.

 

 

 

iv) Das Leben ist ein Traum 

Garantiert weit weg von den Problemen des Alltags – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Unser Produkt CLOU-HIT wird ein Renner.
Wenn man ganz schnell Marktführer wird, so ist das wunderschön. Große Kunden (Behörden wie Unternehmen) setzen unsere Software flächendeckend ein, füllen unsere Kassen und machen uns alle stolz.

 

 

 

 


v) 
Die Konkurrenz schläft nicht!

CLOU/HIT ist erfolgreich. Aber das Produkt kommt in die Jahre.

Das wissen wir. Trotzdem genießen wir unseren Produkterfolg. Und feiern diesen. Feiern sind wichtig für ein jedes Unternehmen.

Wir wissen aber, dass die Innovation weitergeht und wir etwas Neues brauchen. Denn wer seine Lorbeeren am Hintern trägt, trägt sie am falschen Körperteil.

 

 

 

 

 

 

vi) Wir starten die Entwicklung von MagicHIT …

So sehen mich Christian und Daniel (©
Visual-Braindump) – zumindest 2016 auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

… dem ersten ODA-/ODIF-EDITOR (ODA/ODIF ist ISO-Norm) weltweit,  als „wysiwyg“-System mit mächtiger Semantik auf UNIX und X11).
Jedes Dokument ist Objekt einer Klasse, seine Semantik wird durch die Klasse festgelegt (Beispiele: Rechnung, Verträge, Bescheide,  …).
Wir portieren MagicHIT auf Windows
Ein besonderes Team mit 10 Mitarbeiter arbeitet in einer großen Altbau-Wohnung im Tal nähe Viktualienmarkt in München und hat dort eine ganz besondere Arbeitsumgebung.
Das Produkt wird nach ein paar Jahren in einer guten „ersten Version“ fertig. Es gibt ein wunderbares Manual.

 

vii) Viele warnen uns!

Aufwachen! Die Glocke schlägt!

Prominente Partner von Groß-Unternehmen und -Behörden warnen uns:

„Seit Ihr wahnsinnig, gegen MS anzustinken?!“

Wir sind Idealisten und ignorieren alle Warnungen.

Geld ist ja genug da (noch).

 

 

 

 

viii) Ein Kunde ist zu wenig!

VORSICHT – den Verein kenne ich.

Nach vielen Verkaufsbemühungen haben wir nur einen Kunden für denneuen MagicHIT – und das ist die Bundeswehr.

Sie will Ihre Gefechtsstände mit MagicHIT automatisieren.

Die Sache wird kritisch. Die Kosten bleiben, der Erfolg stellt sich nicht ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ix) Game over

„Mein Leben nach InterFace ?“

Alle Behörden und großen Konzerne kaufen Word und Windows. Es macht keinen Sinn mehr. Wir kapitulieren und geben auf! Die Entwicklung von MagicHit wird eingefroren.

Vielleicht braucht es später ja noch mal jemand.

🙁 Und ich muss meinen Exit verschieben …

 

 

 

 

 

 

Fiasko mit Happy End

Wir müssen rechnen. Fast 10 Jahre haben 10 und mehr unserer Spitzenmitarbeiter für umsonst gearbeitet. Je nach Rechnung war das  ein Investment zwischen 10 und 20 Millionen DM/EURO. Für lau!

Jedoch:

Das so gewonnene Knowhow hilft uns. Wir haben viel gelernt. Das hilft uns die nächsten 10 Jahre gut zu überleben. Eigentlich bis heute.

 

 

 

xi) Gelernt

Großen Dank an Jan Fischbach, Meister der Agilität und hier mein Fotograf.

Nicht immer siegt David gegen Goliath.
Wunder wiederholen sich nicht.
Nicht immer gewinnt das Produkt, das den größten Nutzen bringt.
Der Fortschritt ist langsam.
Gegen Macht, Schwindel und fiese Machenschaften kommt man oft nicht an.

 

 

 

 

Aber schön war es doch!

RMD

P.S.
Eigentlich war es ein Dreifach-Fuckup. Denn um die 10 Jahre später haben wir für Siemens und die Bayerische Justiz den MagicHIT noch mal implementiert – dann als ForumStar-Text.

Durch die Ignoranz eines Partner haben wir dann später eine eigentlich schon gewonnene Ausschreibung verloren (zweiter Fuckup) und aus ähnlichen Gründen ist das visionäre Projekt, ForumStar gemeinsam mit TUM, den Justizbehörden Bayerns und der Siemens AG in die Open Source zu bringen, gescheitert. Sogar Siemens hatte durch Adrian von Hammerstein (Vorsitzender des Bereichsvorstands beim IT-Dienstleister Siemens Business Services) auf Vorstandsebene zugestimmt. Das wäre vielleicht eine Sternstunde für Deutschland oder gar Europa gewesen.

Die Siemens AG hatte dann das offizielle Treffen zwischen Vertretern der TUM, der bayerischen Justiz und uns kurzfristigst abgesagt und ist nicht erschienen. Fuckup, von Hammerstein hat dann zeitnah die SBS verlassen und wurde später bei Kabel Deutschland zum wichtigen Reformer und Gestalter. Die Reste der SBS kann man bei ATOS bewundern und die InterFace AG macht weiter ihre Geschäfte, jetzt halt mit IT Compliance, CLOUD und auch immer noch mit Software-Entwicklung (nach dem Motto „es lebe devop!“) … Und die Justizbehörden in By und D werden jetzt von IBM betreut. So ist das Leben.

P.S.1
Und einen ganz großen Dank an die großartige Lydia von Techdivision, die mich so Klasse unterstützt hat!

Roland Dürre
Donnerstag, der 14. Juni 2018

RPA. ROBOTIC. PROCESS. AUTOMATION.

Beim Gehen und Denken in der Frühlingssonne.
Im Englischen Garten, München am 11. April 2018

Junge Freunde berichten mir schon länger über RPA (Robotic Process Automation) als neuen „Business Hype „.

„Offiziell“ erreichte mich RPA das erste Mal beim „Symposium Digitale Verwaltung“ am 24. April 2018 in Nürnberg, einer Veranstaltung der ITSMF. Wie man an der Agenda sieht, war da die „cream of the cream“ der deutschen Digitalisierung vertreten.

Und neben den zurzeit wohl unvermeidbaren Themen wie „Blockchain“ und „künstliche Intelligenz“ (KI oder AI) ging es in vielen Vorträgen um RPA .

Aktuell habe ich in Facebook im „Forum Forum Agile Verwaltung“, einer leider geschlossenen Gruppe (das „leider“ schreib ich wegen der hohen Qualität der Diskussionen in diesem Forum) einen Hinweis auf einen Artikel in „Verwaltung und Management“ von Johann Herzberg gefunden. Johann Herzberg ist mir persönlich nicht bekannt aber wohl als Gruppenleiter bei der „Landesweiten IKT-Strategie“ im Innensenat in Berlin tätig.

Das Thema dieses Artkels war
„Wird die Bedeutung der eAkte für die Digitalisierung der Verwaltung überschätzt?„.

Eine sicher spannende Frage, die auch die „digitale Öffentlichkeit“ interessieren dürfte. Wie oft im „akademischen Umfeld“ ist das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses sehr lesenswerten Artikels leider nicht zulässig.

Einen beiläufigen aber wichtigen Gedanken von Johann Herzberg aus diesem Artikel zitiere ich sinngemäß.


Herzberg meint in seinem Artikel, dass es in einer smarten Organisation von Situationen und Vorgängen denkbar und aus Gründen der Effizienz möglicherweise auch erstrebenswert ist, dass ein in eine KI-Umgebung eingebundenes Antragssystem künftig selbst tätig wird, um Vorgänge voranzutreiben und abzuschließen. Unter „smarter Organisation“ versteht er eine sich selbst automatisch in Echtzeit steuernde Organisation.

Weiter vermutet er, dass eine Steuerung in der smarten Welt nicht mehr durch schriftliche Bescheide, sondern durch Entscheidungen erfolgen wird, die von Algorithmen getroffen und von Menschen nur noch im Bedarfsfall korrigiert werden.“


Die Aussage hat schon etwas. Behördenbescheide werden nicht mehr von Menschen sondern von Maschinen (Robotern) erstellt. Das dürfte dem einen oder anderen nicht gefallen. Aber die Annahme ist halt, dass Menschen teuer  sind aber IT billig ist. Und dass Menschen Fehler machen, Maschinen nicht. Und da ist ja auch etwas dran.

Ich meine, dass Herzberg die aktuelle Entwicklung treffend beschreibt. Die Definition von „smart“ im Kontext mit Organisation finde sehr gut.

Zwei kleine Einschränkungen habe ich:

Zum ersten Absatz meine ich, dass man für ein solches Anträge bearbeitendes System noch keine Form von künstlicher Intelligenz benötigt. Für mich ist „künstliche Intelligenz“ gleich „selbstlernendes System“. Eine vollautomatische Organisation, die sich selbst in Echtzeit steuert“ ist aber wahrscheinlich schon mit „traditioneller Programmierung“ (die Implementierung von dem was heute gerne als Algorithmen bezeichnet wird) nötig und braucht noch keine künstliche Intelligenz.

Zum zweiten Absatz: Natürlich wird es weiter Entscheidungen geben, die als „Bescheid“ festgehalten werden. Die Daten der Resultate werden weiter in Zeichenform (digital = schriftlich) gespeichert. Ob die dann nur noch ein (hoffentlich einsehbarer) Eintrag in einer Datenbank sind oder traditionell in Text eingebunden und vielleicht sogar auf Papier ausgedruckt werden, ist sekundär. Denn auch ein „Bescheids-Dokument“ auf Papier hat eine innere Semantik und in diese eingebaut strukturierte Daten, die das Ergebnis des „Bescheids“ symbolisieren.

Die von Herzberg beschriebene Entwicklung wird nicht nur in wahrscheinlich allen Behörden stattfinden, sondern auch vielen (allen?) Bereichen der „freien Wirtschaft“. Sicher wird diese Entwicklung besonders starkt die Branchen betreffen, in denen „weiße Kragen“-Berufe dominieren. Ein gutes Beispiel hierzu ist der Finanzsektor. Viele gut verdienende „Sachbearbeiter“ in Banken und Versicherungen werden wohl nicht mehr benötigt werden. Dies könnte auch sehr zeitnah passieren.

Diese kommende Entwicklung wird auch Robotic Process Automation (Abkürzung RPA) genannt. Viele Protagonisten gehen davon aus, dass RPA massiv gut bezahlte Arbeitsplätze vernichten wird.

Ich habe da keine so große Sorgen. Das hatten wir schon so oft. Die meisten Arbeitsplätze in Deutschland waren früher in der Landwirtschaft. Heute ist ie Anzahl der Menschen, die in der Landwirtschaft arbeitete zur kleinen Minderheit geworden. Dann kamen Industrien wie Kohle- und Textil-zentriert. Die sind auch verschwunden wie später die großen Nachkriegshelden wie Grundig, Telefunken und weitere. So wie auch die deutsche Automobil-Industrie irgendwann mal verschwinden wird.

Uns wird aber schon neuer Unsinn einfallen, den wir produzieren müssen um uns weiter zu beschäftigen. Und wenn wir wirklich mal uns auf das Notwendige beschränken wollen – und vielleicht müssen, um die Welt zu bewahren – dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wir dürfen endlich weniger arbeiten. Diese Variante wäre mir die liebste.

Ich gehe aber davon aus, dass wir auf die Idee, dass weniger mehr und Wachstum Unsinn ist erst kommen werden, wenn es zu spät ist. Und wir dann wieder so richtig schuften müssen, nur um zu überleben.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 13. Juni 2018

WISSEN. SMART. SMART CONTRACT. RPA.

Beim Denken und Wandern auf den Kykladen.

„Alle“ oder „viele“ reden im Kontext der Digitalisierung unserer Gesellschaft von „smart“. Bei smarten Anwendungen spielt der „smart contract“ eine wichtige Rolle.

Ich schrecke zusammen und denke mir mal wieder „Schluss mit den Buzzwords!“. Denn wenn technischer Fortschritt einfach nur noch smart ist, dann ist mir das zu einfach. Denn für mich ist Digitalisierung nichts anderes als technischer Fortschritt. Ich will wissen, was „smart“ an sich heißt und was ein „smart contract“ denn ist?

Der erste Weg zum Wissen ist für mich, dass ich Menschen frage, die sich da auskennen (müssten). Wenn das nicht reicht werde ich mich auf Wissensjagd ins Internet begeben.

Zuerst befrage ich eine von mir sehr geschätzte (deutsche) Vertreterin eines chinesischen Konzerns, der ausschließlich „smarte“ Produkte verkauft. Ihre Antwort auf meine Frage „Was bedeutet smart?“ ist einfach und einleuchtend. Sie sagt mir:

„Für die Chinesen sind alle Produkte smart, die eine WLAN-Schnittstelle haben und ins Internet können.“

Also: Alles was auf IoT (Internet of Things) macht, ist smart. So einfach ist das. IoT ist halt einfach smart. Meine Gesprächspartnerin hat auch ein gutes Beispiel für mich:

„Eine Waage ist eine Waage. Ist sie aber Teil der wunderbaren IoT-Welt, dann ist sie eine smarte Waage“.

Das verstehe ich. Jetzt weiß ich, was „smart“ ist. Zumindest so fast.

Die Erklärung für den Begriff „smart contract“ und welche zentrale Rolle das sogenannte „Orakel“ dabei spielt, liefert mir ein Informatik-Professor. Der kann es mir gut erklären, ich verstehe es und werde es am Ende des Artikels auch verraten.

Ich bin aber noch nicht ganz befriedigt. Ich würde ja auch gerne anderen Menschen erklären, was „smart“ und ein „smart contract“ ist und ich möchte ja nichts Unrichtiges weitergeben. Weiß ich denn, ob die Chinesen Recht haben. Und wie mein Professor zu seinem Wissen kam?

Vielleicht hat er ja nur eine Quelle genutzt, die ihm plausibel erschien, die aber gar keine Relevanz hat? Wie gründlich war er bei der Prüfung dieser Quelle? Oder hat er am Schluss die Erklärung selber erfunden und keiner außer ihm kennt sie?

Und die vielen Chinesen auf dieser Welt verstehen unter „smart contract“ etwas ganz anderes als mein Prozessor?

Also starte ich meinen Streifzug ins Internet und gehe mal wieder auf Wissensjagd. In Wikipedia müsste ja etwas dazu stehen. Wenn nicht im deutschen, dann werde ich sicher im englischen fündig.

Zu Wikipedia wäre anzumerken, dass da auch immer wieder Unsinn drin steht. Das ist nicht weiter verwunderlich. Kenne ich doch kein Lexikon, wo kein Unsinn drin stehen würde. Als Jugendlicher hatte ich zwei Duden – einen aus der BRD und einen aus der DDR. In beiden stand beliebig viel Unsinn drin – in meiner Wahrnehmung als BRD-Gewächs im DDR-Duden noch mehr als im BRD-Duden. Aber das mögen die DDR-Gewächse vielleicht anders gesehen habe.

Es macht mir übrigens immer wieder richtig Spaß, in den schweren mehrbändigen Werken nach „Unsinn“ zu suchen. Da findet ich oft tolle Dinge. Vielleicht ist die verbleibende Aufgabe der alten Lexika, dem Menschen zu zeigen, an wieviel Unsinn er mal geglaubt hat und auch heute noch glaubt.

Ich möchte aber wirklich wissen, was „smart“ heißt und was ein „smart contract“ ist. Also, auf ins Internet! Unter Smart finde ich den Hinweis aufs wiktionary und dort als Bedeutung von „smart“ geschickt, durchtrieben, pfiffig, findig, elegant, hübsch und schneidig, als Synom aufgeweckt, diplomatisch, erfahren, geschickt, gewandt, gewählt, geübt, kultiviert, raffiniert, routiniert, sicher, taktisch, weitläufig, weltgewandt, weltmännisch, wendig, apart, chic, elegant, fein, fesch, piekfein, rassig, schick, schmuck, schneidig, schnieke, schnittig, stilvoll, todschick und vornehm. Ist das nicht schön? Nur – ich stelle mir die sicher dumme Frage, was das mit Digitalisierung zu tun hat?

Also suche ich weiter, diesmal nach smart contract. Und finde gleich im deutschen Wikipedia einen Artikel, den ich jetzt nicht unbedingt komplett als Unsinn aber zumindest als eher unverständlich bezeichnen würde.

An Platz ZWEI in Google finde ich auf einer viel gelesenen Bitcoin-Seite eine konkrete Erklärung vom smarten Vertrag. Die hat als Überschrift:

„Smart Contracts sind das Herzstück von Blockchain-Technologien. Sie sorgen für eine dezentrale Ausführung von „Verträgen“ und sollen für eine Konsistenz im Netzwerk sorgen.“

Und so geht es in dem Artikel weiter. Auweia! Vielleicht ist das doch mehr Unsinn als nur unverständlich. Das ist nicht, was ich gesucht habe.

Mir fällt wieder das Beispiel meines Freundes, dem Informatik-Professor, ein. Er hat es mir so erklärt:


Nehmen wir an, die Partner eines Vertrages sind „eine“ Autoversicherung und ein „KFZ-Halter“. Eine „normaler Vertrag über die Versicherung des Autos“ wird zu einem „smarten“, wenn der Vertrag eine besondere Bedingung enthält, die von einem Dritten – dem sogenannten „Orakel“ – abhängt. Das Orakel ist wichtiges Bestandteil des Vertrages. Es informiert beide Vertragspartner über Veränderungen, seine Bekanntmachung bewirkt dann eine automatische Änderung des Vertragsinhaltes.

Das Orakel könnte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg sein. Wenn im Vertrag eine Klausel steht, der die Beitragshöhe abhängig von dem Punktstand des Halters in Flensburg macht und die Versicherung nach einer Änderung desselbigen die Abbuchung vom Konto des Versicherten einem festgelegten „Algorithmus“ automatisch verändern kann, dann wäre das ein „smart contract“.


So könnten alle Versicherungsgesellschaften, die in Deutschland Autos versichern, automatisch mit einem Provider und diversen Orakels ihr Geschäft machen und bräuchten keine Sacharbeiter mehr. Sicher ein „smarter Gedanke“.

Das Ganze gibt es aber schon und nennt sich dann RPA (robotic process automation) und könnte helfen Kosten zu senken. Und Mitarbeiter zu entlassen, weil die meisten Kosten verursachen. Und hat eigentlich weniger – wie viele meinen – mit Algorithmen zu tun sondern mehr mit Programmierung.

Jetzt mag ich aber Abkürzungen noch weniger als Buzzwords (wurden diese doch von den Nazis breit eingeführt). Und über RPA und ähnliches mag ich mich jetzt nicht auch noch auslassen. Mache ich dann alsbald. So beende ich diesen Artikel mal lieber an dieser Stelle!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Mai 2018

Moderne Unternehmen (Unternehmertagebuch #125)

 

Versuch einer Skizze eines „modernen Unternehmen“.

 

In der Antarktis lernt man, wie es um unseren Planeten steht. Veränderung ist angesagt.

Denn: Neue Unternehmen braucht das Land.

Für eine Verbesserung unseres Lebens, vielleicht sogar um zu überleben müssen wir unser individuelles Verhalten und die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft in Politik und Wirtschaft, im Sozialen und im Kulturellen wesentlich verändern.

🙁 Vom Sozialen und Kulturellen will ich an dieser Stelle nicht schreiben. In der Politik empfinde ich die aktuellen Tendenzen zum Abbau des Rechtsstaats als kritisch bis gefährlich. Was die Wirtschaft betrifft meine ich, dass wir mittlerweile eine perverse Situation erreicht haben, die uns ernsthaft bedroht. Da müssen wir mit der Veränderung beginnen.

Uns ist es gelungen, der Zerstörung des eigenen Körpers durch harte körperliche Arbeit dank des Einsatzes von Maschinen entgegen zu wirken. Es gelang uns, seit der industriellen Revolution die Anzahl von Arbeitsstunden pro Tag drastisch zu senken.

Der Trend dreht sich. Unsere Wachstums-Ideologie fördert eine Selbst- und Fremdausbeutung für unsinnige Ziele. Die daraus resultierende Arbeitsbelastung geht auf Kosten unseres personalen und sozialen Lebens (und unserer Familien). Das Ganze hat ein widersinniges und beängstigendes Ausmaß erreicht (Ganztages-Verwahrung für Kleinkinder, Ganztages-Schule für Kinder für Kinder und Jugendliche, Mehrfach-Jobs für Erwachsene, Vollzeit-Arbeit für Mann und Frau, oft noch verlängert durch lange Arbeitswege, regelmäßige Arbeit an 4 oder 5 Tagen weit entfernt vom Wohnort).

Man könnte meinen, dass dies zu ändern Aufgabe des Staates wäre. Dieser jedoch wird – wie auch die Gewerkschaften – nichts bewirken können. Der Wandel ist die Aufgabe aller Menschen, die in der Wirtschaft tätig sind und Unternehmen verantworten – also von vielen von uns.

Dem blinden Diktat der „Produktivität“ müssen wir eine neue Effizienz mit weniger Abfall (#nowaste) und mehr Menschlichkeit entgegen setzen. Wir müssen  dem Wunsch nach einer Neugestaltung unserer Arbeitswelt besonders der jungen Generation entgegenkommen.

Nicht der Mensch ist für die Wirtschaft da sondern die Wirtschaft für den Menschen.

In diesem Sinne braucht das Land neue Unternehmen. Es gibt viele Communities und Menschen, die sich mit dem Thema #NeueArbeit (#newwork) beschäftigen und es auch ausprobieren.

Schon in 1984 hatten Wolf (Geldmacher) und ich als Gründer der InterFace Connection GmbH das Ziel, ein wirklich neues und anderes Unternehmen zu schaffen. Das ist uns (und später dann mir) leider nur in den ersten Jahren gelungen. Dann wurde das Unternehmen „erwachsen“ und es gab Probleme. Vielleicht war die Zeit nicht reif und/oder ich habe einfach zu viele Fehler gemacht.

Immerhin bin ich heute in der Lage zu beschreiben, wie ein solches Unternehmen aussehen müsste. Ich kenne auch große wie kleine Unternehmen, die zeigen dass moderne Unternehmen wie im folgenden beschrieben tatsächlich sehr gut funktionieren. Das sind sowohl Dienstleister (Gesundheit, Hotel, IT, Mobilität, Pflege,  …) wie Hersteller von Produkten (Fahrradtechnologie, Kleidung, Nahrungsmittel, Schuhe, Software, Sportartikel …)

Den geneigten Leser bitte ich zu bedenken, dass der folgende Text viele „ideal-typische“ Muster beschreibt, die in dieser Reinheit nur sehr selten zu finden sein werden. Es ist schon ein großer Vorteil, wenn ein Unternehmen in die vorgeschlagene Richtung tendiert.

Auch bitte ich den Leser zu bedenken, dass die folgenden Impuls keine Lehrbuch sein sollen (das bei diesem Thema Hunderte von Seiten umfassen würde), sondern ein lockeres Dokument, dass ein wenig inspirieren und zum Nachdenken anregen will und soll!


 

Charakteristika

Herausragenden Charakteristika eines modernes Unternehmen sind

  • Gemeinwohl-Ökonomie
  • Netzgedanke
  • Kernkompetenz und -geschäft
  • Kunden-und Produkt zentriert
  • Aufbau
  • Abläufe
  • Teams
  • Infrastruktur
  • Anforderungen
  • Kultur und Werte
  • Dynamik

Das sind die wichtigen Themen, um die es mir heute geht!


 

Gemeinwohl-Ökonomie

Ein modernes Unternehmens hat die priore Aufgabe  – so wie in der Bayerischen Verfassung gefordert – einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Das will sagen, dass die angebotenen und vom Unternehmen bereit gestellten Güter und Dienstleistungen zuerst mal für die Menschen von Nutzen sein müssen.

Lesenswertes dazu finden wir bei Christian Felber, dem wohl wichtigsten deutschsprachigen Protagonisten der Gemeinwohl-Ökonomie.

Gemeinwohl bricht „Shareholder-Value“.

Das Prinzip der Gemeinwohl-Ökonomie schränkt unternehmerische Vielfalt und Kreativität ein.

Nicht alles was möglich ist, ist auch wünschenswert.

Das ist der Preis, den Gemeinwohl-Ökonomie kostet.

So ist es diesem Prinzip folgend nur schwer vorstellbar, dass ein am Gemeinwohl orientiertes Unternehmen Waffen oder z.B. Minen herstellt oder entwickelt. Auch die mittlerweile übliche Dienstleistung von „geleasten Armeen“ durch Privatunternehmen oder Herstellung von Produkten wie „Kampfroboter“ sind mit Gemeinwohl-Ökonomie nicht in Einklang zu bringen.

Harmlosere Beispiele für Unvereinbarkeit mit Gemeinwohl-Ökonomie sind die Produktion von „Tabak-Produkten“ aber auch „E-Zigaretten“ oder eine Landwirtschaft, die Basis ihrer Existenz (den Acker und das Land) absehbar und nachhaltig ruiniert. Die Reihe von real existierenden Fehlentwicklungen ließe sich hier beliebig fortsetzen.

Gemeinwohl-Ökonomie berücksichtigt aber nicht nur die Kunden sondern auch andere Stakeholder wie Mitarbeiter oder Lieferanten. Eine Ausbeutung von Mitarbeitern verstößt genauso gegen das Prinzip wie die Erpressung von Lieferanten.

Auch muss bei Gemeinwohl-Ökonomie die Bilanz der „Externitäten“ stimmen. Diese enthält und beziffert all die Schäden, die ein Unternehmen bei seiner Produktion seiner Umwelt hinzufügt. Gute Beispiel sind hier die von einer billigen Produktion verursachte Verschwendung von Wasser oder die Verschmutzung von Lebensraum durch Abwässer.

Aber auch Schäden, die von den produzierten Produkten verursacht werden, sind Teil der „Externitäten-Bilanz“.
Beispiel: Wenn vorgegebene Grenzwerte für Kraftfahrzeuge auf dem Prüfstand bestätigt werden, dann aber im Betrieb vorsätzlich ignoriert und wesentlich überschritten werden  („Abgas-Skandal“), dann ist das nicht nur schlichtweg Betrug sondern auch eine schwere Belastung der Externitäten-Bilanz der diese Autos herstellenden und so für sie verantwortlichen Unternehmen.

In die Externitäten-Bilanz gehören auch soziale Schäden  die von einem Unternehmen verursacht werden (wie auch positive Effekte, wenn es diese gibt).

Beispiele: Schäden, die entstehen wenn Unternehmen an Menschen Kredite verkaufen, wohl wissend das sie diese nicht tragen können, Menschen zu unsinnigen Käufen manipulieren (genannt Marketing), „Erwachsene“ mit Glückspiel  und Kinder mit Süssigkeiten süchtig machen und vieles mehr dieser Art, das bei uns alltäglich stattfindet.

Moderne Unternehmen funktionieren nach dem Gemeinwohl-Prinzip!!!


 

Netzgedanke

Netzgedanke bedeutet, dass das Unternehmen willens und fähig ist, seine besondere „Wertschöpfung“ in einen Verbund mit anderen Unternehmen einzubringen und nicht den Anspruch hat, alleine hoch komplexe Systeme zu entwickeln.

Partnerschaft im Markt geht vor Beherrschung des Marktes.

Beispiel: Das Ziel eines modernen Unternehmens ist nicht die komplette Entwicklung und Produktion eines Elektro-Autos sein sondern die Erbringung eines wesentlichen Beitrages dazu.

Allgemein wird gelten.
P (Partnerschaft) geht vor S (Sieg)!

So können dynamische Allianzen von kleinen Unternehmen wahrscheinlich „bessere“ Produkte herstellen, die durchaus komplex sein können und die Kernbedürfnisse der Menschen befriedigen und trotzdem nachhaltig und mit dem Gemeinwohl verträglich sind. Sprich nicht auf Kosten anderer oder wie heute üblich von uns allen gehen.

Ohne –  wie das die großen Konzerne gerne machen – die Kunden vorher zu manipulieren und ihnen einzureden, was sie denn zu brauchen haben und ihnen dies dann zu verkaufen.


 

Kernkompetenz und -Geschäft

Es gibt eine eindeutige Kompetenz, auf Basis derer eine klar definierte Dienstleistung angeboten oder ein überschaubares Produkt entwickelt oder hergestellt wird. Beim Geschäftsmodell sind moderne Tugenden die Selbstbeschränkung und die Konzentration auf die eigenen Stärken.

Beispiel: Ein Unternehmen konzentriert sich auf die „Entwicklung von Elektromotoren“ (vielleicht sogar beschränkt auf eine wichtige Teilkompetenz  wie die benötigte Software) oder (nicht und) die effiziente Produktion solcher Motoren.

Konzentration und Fokussierung gehen vor „Alles selber machen“


 

Kunden und Produkt zentriert

Im Mittelpunkt des Denkens im Unternehmen muss der Kunde bzw. das Produkt stehen. Alle Mitarbeiter müssen dabei an einem Strang ziehen.

Bei einem Dienstleistungs-Unternehmen muss der Mensch, der die Leistung empfängt im Mittelpunkt der Kreativität stehen.

Beispiele: In einem Unternehmen, das häusliche Pflege macht, geht es nur darum, dass die Betreuten Menschen eine optimale Unterstützung und Zuwendung bekommt.  In einem Krankenhaus oder einem Hotel muss sich alles darum drehen, dass die Gäste wieder gesund werden können oder sich absolut wohl befinden. Bei einem Unternehmen, welches z.B. mittelständischen Unternehmen die vielen Widrigkeiten beim Einsatz von IT zu meistern, muss der Service den Kunden frei für sein Kerngeschäft machen (die „rund-um-sorglos-Lösung“).

Ähnlich muss es bei einem Produkte herstellendem Unternehmen bei allen Mitarbeitern darum gehen, das Produkt permanent noch perfekter (Funktionalität), noch schöner (Design) und anmutiger (Emotion), noch einfacher, effizienter, preiswerter usw. zu machen.

Beispiele: Da gibt es den Anspruch, den besten Elektromotor im Niedrig-Volt-Bereich,  fürs Fahrrad die beste Nabenschaltung, das beste E-Velo zum Reisen, die besten Schuhe zur Erleichterung des Stehen und Gehens zu entwickeln. Oder neue E-Autos auf das einfachste aus den besten am Markt verfügbaren Komponenten zusammen zu stellen.

Wenn in einem Unternehmen ALLE Mitarbeiter von der Kernkompetenz des Unternehmens begeistert und bereit sind, an dieser mitzuwirken – dann gelingt wirkliche Innovation. Positive Folgen sind die gesunde Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, den Mut zum und die Freude am Mitwirken im Unternehmen (oft ganz schnöde als Arbeit bezeichnet). Das braucht ein modernes Unternehmen, um überleben zu können.

Und die Kunden können nur so vom Produkt so begeistert werden, dass sie es in einer Art und Weise weiterempfehlen, so dass Marketing (das eigentlich geächtet gehört) und Vertrieb (allein was für ein Wort) nicht mehr gebraucht werden.

Die gemeinsame Begeisterung für das eigene Angebot versetzt Berge.


 

Aufbau

Das Wort „Aufbau“ nutze ich in Anlehnung an den Begriff der „Aufbauorganisation“. Das Wort „Organisation“ habe ich gestrichen, weil „moderne Unternehmen“ sich selber „intuitiv“ steuern. Sie brauchen keine „disziplinarischen Vorgesetzte“ und kein „Organigramm“, welches die Organisation beschreibt.

Moderne Unternehmen haben keine Hierarchie. Es gibt keine „Gremien“ wie Betriebsrad“ Vorstand oder Betriebsrat. Das gesetzlich vorgeschriebene Organ des Unternehmens (Geschäftsführer bei GmbH, Vorstand bei AG) ist mehr Repräsentant als Entscheider.

Alle Teams haben eine maximale Größe und „funktionieren“ selbstorganisiert. Sie sind gut vernetzt, interagieren direkt und lernen von einander. Sie verantworten auch die Kommunikation zu ihren Stakeholdern (Kunden, Lieferanten …).

Alle Entscheidungen erfolgen in den Teams. Die Teams sichern selber die Qualität und Termintreue, ihre Effizienz und ihre Weiterentwicklung.

Abhängig von der Größe des Unternehmens kann es ein (kleines) back office geben. Es kann sein, dass direkt und indirekt wert schöpfende Teams benötigt werden. Überwiegend indirekt wert schöpfende Menschen machen aber keine Vorgaben sondern geben Impulse und Inspiration oder helfen bei Krisen oder Problemen konkret mit Moderation oder auch unterstützend.

Es gibt keine Stabsabteilungen mehr wie Unternehmensstrategie, Marketing, Vertrieb, Personalabteilung (die heute Human Resource heißt!), Produktplanung so wie auch keine Unternehmens-„Prozesse“ und vorgeschriebene Verwendung von „Methoden“ benötigt werden. Es gibt auch keine „zentralen Dienste“ mehr, die sich verselbstständigen und dann plötzlich starre Standards setzen. Einfach weil jeder mitdenkt und aktiv mitwirkt. Und die Dienstleistungen und Produkte eine Güte haben, dass sie sich von selbst verkaufen und die Mundpropaganda mehr Nachfrage erzeugt als befriedigt werden kann.

Lokal&Flexibel geht vor Zentral&Starr, Iteration vor Planung!


 

Abläufe

Das Wort „Ablauf“ nutze ich in Anlehnung an dem alten Begriff der „Ablauforganisation“. Den Begriff „Organisation“ habe ich hier ebenso gestrichen, weil „moderne Unternehmen“ sich selber „intuitiv“ steuern.

In einem modernen Unternehmen gibt es keine Prozesse. Bewährte Praxis und ein geübtes Vorgehen wird immer dynamisch an die Veränderung angepasst.  Gebote und Verbote sind nicht notwendig, weil die Menschen aus ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und Geisteshaltung heraus handeln, um das gemeinsame Ziel – die beste Dienstleistung für den Kunden oder das beste Produkt zu gestalten. Ihre sozialen Interaktionen werden nicht von Regeln sondern von Werten gesteuert.

Gesunder Menschenverstand und Intuition schlagen Prozess und Regeln!


 

Teams

Diese realisieren die Leistung des Unternehmens, erbringen also die Dienstleistung oder stellen die Produkte her, von denen das Unternehmen lebt. Alle Mitarbeiter der Teams die Kernkompetenz des Unternehmens kennen und beherrschen.

Beispiel: Es gab mal eine Zeit, da hat Google nur Mitarbeiter eingestellt, die programmieren konnten. Auch für administrative oder „Stabs-Tätigkeiten“.

Neben der expliziten Wertschöpfung übernehmen auch alle Mitarbeiter und die Teams Verantwortung für andere für den Erfolg kritische Anforderungen.

Beispiel: In einem Software-Team kann jeder programmieren.  Jeder im Team übernimmt ergänzend zu seiner Grundaufgabe weitere Verantwortungen für wichtige Randthemen wie Qualitätssicherung, Konfiguration, Termintreue, Kundeninteraktion … So entstehen entsprechend den Fähigkeiten und Talenten gemischte Rollen, die abgesprochen und auch unabgesprochen den Erfolg des Teams ausmachen.

Abhängig von der Größe des Unternehmens und den Herausforderungen kann es sein, dass neben den Teams, die direkte Wertschöpfung erbringen, andere  benötigt werden, die indirekt an der Wertschöpfung beteiligt sind.

Beispiel: Es gibt Dienstleistungs- und Moderatoren-Teams geben. Die Moderatoren-Teams bestehen aus besonders erfahrenen Mitarbeitern mit Moderations-Kompetenz. Sie können helfen, wenn ein Team „in Not“ ist oder  zu groß wird und mit der Teilung nicht zurecht kommt. Ihre Unterstützung beschränkt sich aber auf Moderation und eventuell Lösungshilfen.

Die Teams sind die zentralen Elemente des Unternehmens!


 

Infrastruktur

Das ganze Unternehmen partizipiert gemeinsam an einem Intranet (Software-System), dass die Leistung eines Wikis und Social Media Systems erbringt. Das würde ich aber nicht mit“Wissensmanagement“ bezeichnen (der Begriff ist verbraucht) sondern als gemeinsame Kommunikationsbasis oder ähnlich.

Beispiel: Ein System wie Google+ ist da sehr ausgereift und bietet alles, was man braucht. Bei größeren Unternehmen mögen sich Anpassungen (customazing) oder vielleicht sogar Eigenentwicklungen lohnen. Bei kleinen würde ich mich für ein System von der Stange entscheiden, da gibt es so viele.

Der Inhalt (content) wird von allen Mitarbeiter und Teams erarbeitet.

Beispiel: Ein Team hat Verbesserungsmöglichkeiten bei der tägherausgefunden und teilt diese mit allen anderen Teams

Das System ist am besten auch für alle Stakeholder (Kunden, Lieferanten, Sympathisanten und auch Konkurrenten), in der Regel lesbar mit Kommentar-Möglichkeit. Weil Transparenz mehrfach nutzt.

Ergänzend zum System werden regelmäßig Treffen (face2face) mit einem vernünftigem Format wie barcamps durchgeführt. Internet mach eigentlich immer nur Sinn, wenn man sich gelegentlich auch persönlich trifft.

Für die Infrastruktur gilt: Sie muss immer Mittel zum Zweck bleiben und darf nicht zum Selbstzweck werden. Sie muss in der Lage sein, sich schnell an sich ändernde Bedürfnisse anpassen, und sie absolut einfach sein. Also:

Nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich!


 

Anforderungen

Kaufmännisch:
Das einzige Element, das wir von klassischen Unternehmen kennen und das aufgrund der Welt, in der wir leben, auch im „modernen Unternehmen“ bleiben muss, ist die strenge kaufmännische Kontrolle. Alle Teams müssen schwarze Zahlen schreiben. Wenn ein Team Probleme hat, muss es diese selbst lösen oder andere Teams um Hilfe ersuchen. Rote Zahlen werden nur für eine begrenzte Zeit toleriert, wenn keine Besserung in Sicht wird das Team aufgelöst.

Mit den Überschüssen werden für die (niedrigen) Infrastruktur-Ausgaben finanziert, ein wesentlicher Teil verbleibt im Team, die Verwendung bestimmt das Team wie auch Verhältnis und Höhe von Ausschüttungen an die Team-Mitglieder. Je nach Situation bleibt ein angemessener Anteil im Unternehmen oder/und geht an die Shareholder.

Beispiel: Hat ein Team ein Problem, zum Beispiel mit seiner Entscheidungsfindung oder Teilung, dann wendet es sich an einen Moderator. Das gilt auch, wenn ein Team mal technisch in einer Sackgasse steckt oder feststellt, dass es Qualitätsmängel hat. Den Moderator wählt es selber aus.

Struktur:
Die sinnvolle Größe der Teams wird gemeinsam festgelegt. Abhängig von Aufgabe und Herausforderung halte ich Team-Größen von 7 – 15 Mitarbeitern sinnvoll.

Abhängig von der Situation sollte ein Moderator für 10 bis 20 Teams genügen. Bei kleinen Unternehmen mit z.B. nur einem Team können Mitglieder des Teams auch die Moderation

Beispiel: Beim Unternehmen Buurtzorg (Niederlande, häusliche Pflege) sind für 1000 Teams à 10 Mitarbeiter (also 10.000 Mitarbeitern) ungefähr 50 Moderatoren völlig ausreichen. Dort gibt es viele Teams, die nie und wenige, die häufig einen Moderator anfragen.

Falls Gründer vorhanden sind (das gilt ja nur für junge Unternehmen, nach ein paar Jahrzehnten Unternehmens-Existenz löst sich das ja biologisch), dann können diese selbstredend sowohl als Moderatoren, Impulsgeber und Inspirator wie auch auch als Leistungserbringer wirken.

Beispiel: Ich selbst war bei InterFace Connection GmbH (Vorgänger der InterFace AG) die ersten Jahre als Consultant bei anderen Firmen tätig und habe quasi nebenher für bei der Funktionalität von CLOU/HIT („product owner“) mitgewirkt.

Wissen:
Alle Erfahrungen werden geteilt. Auf jeden Fall im Intranet und wenn wichtig im persönlichen Dialog (peer2peer oder im barcamp).

Beispiel: In einem Team neu entdeckte Best Practice werden für alle Teams im gemeinsamen veröffentlicht.

Eine kaufmännische Klarheit, der Wille sich gegenseitig zu unterstützen und die absolute Bereitschaft aller das eigene Wissen zu teilen sind unverzichtbar!


 

Werte und Kultur

Werte werden wie die Unternehmenskultur am Besten durch Geschichten beschrieben. Es macht Sinn sich an der Kulturzwiebel zu orientieren.

Beispiel: Es gibt Unternehmen, deren Mitarbeitern die gemeinsame  Überzeugung haben, dass das Handeln und Entscheiden agil, schlank, transparent, pragmatisch, professionell unkompliziert und ähnliche Eigenschaften haben sollten. Dass Zuhören genauso wichtig –  vielleicht sogar noch wichtiger ist – wie reden. Als Werte werden Augenhöhe und Respekt gelebt. Selbstorganisation, Eigenverantwortlichkeit, Partizipation und Fehlertoleranz sind die Norm. Als gemeinsame Grundannahme gilt, dass durch gesundem Menschenverstand und emotionale Intelligenz jede Form von Indoktrination vermieden wird. Und nicht zuletzt gilt, dass die „Helden“, die jedes soziale System unvermeidbarer Weise hervorbringt, herausragende Mitarbeiter zu Vorbildern macht.

Zusammenfassend könnte die Aussage passen, dass ein modernes Unternehmen ein soziales System mit einem anständigen ökonomischen Zweck sein muss, dass die hohe Kunst beherrscht, keine Systemagenten zu produzieren! Denn Vielfalt schlägt Einfalt. Die Mitarbeiter wissen und verstehen gemeinsam mehr als es derr „Chef“ alleine kann.

So wird „Corporate identity“ wird nicht „von oben“ gemacht oder vorgegeben sondern sie entwickelt sich gemeinsam wie auch die Zukunft gemeinsam gestaltet wird. Das ist in einem modernen Unternehmen möglich. Bürokratische Irrwege wie „Holokratie“ (holacracy), für mich liegt die Betonung da immer auf „cracy)“ müssen vermieden werden. Denn die Zusammenarbeit in den Teams und im Unternehmen darf nicht von Bürokratie dominiert werden.

Im modernen Unternehmen ist klar, dass nicht mit Zielvorgaben gesteuert und nicht versucht wird, Motivation über explizite Belohnungs-Systeme mit materiellen Anreizen zu generieren (extrinsische Motivation). Beides funktioniert eh nicht und schadet meist mehr als es bringt.

Die Mitarbeiter sind motiviert, weil sie einen Rahmen erleben, der es ihnen ermöglicht mit Mut, Freude und Zuversicht selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu arbeiten und so eine Form von intrinsischer Motivation entstehen kann. Und weil sie wissen, dass sie gemeinsam erfolgreich sein können und werden und der Erfolg am Ende des Tage soweit möglich gerecht und selbstorganisiert geteilt wird.

So habe ich früher gerne vom „Angst freien Raum“ gesprochen, den ein Unternehmen realisieren muss. Heute bin ich da einen Schritt weiter und fordere einen „Raum, der die Entfaltung fördert“.

Dies braucht als wichtigste Voraussetzung vor allem die absolute gegenseitige Wertschätzung. Diese muss gelebt und vorgelebt werden. Sicher kommt da noch ein wenig dazu, so könnte es auch wichtig sein, dass die Anforderungen nicht „zu trivial“ sind.

Kultur und Werte sind das „Betriebssystem“ eines modernen Unternehmens.


 

Dynamik

Da sich die Welt sehr schnell verändert und als komplexer als früher wahrgenommen wird, muss im „modernen Unternehmen“ eine hohe Bereitschaft zur Veränderung vorhanden sein. Der Wandel im Unternehmen soll sich aus der Weisheit der Masse zusammen setzt. Die richtigen Fragen werden gestellt, bevor man sich an die Lösungen macht.

Nichts ist so beständig wie der Wandel!


 

Utopie?

Manche Leser werden diese Artikel nicht verstehen und ihn als „utopisch“ bewerten. Freiheit macht sie unsicher, weil sie eine andere Welt kennen und sich darin wohl fühlen. Sie ziehen klare Ansagen von dritten der eigenen Verantwortung vor.

Das musste ich auch mit dem einen oder anderen meiner Weggefährten erfahren. Die haben meine Ideen als Utopie klein gemacht. Trotzdem waren meine Erfahrungen mit Selbstorganisation und Eigenverantwortung immer ausgezeichnet.

Einen Einwand muss ich leider immer wieder akzeptieren:
Großer Erfolg, außerordentliches Wachstum und so erreichte Riesengrößen korrumpieren die Unternehmen und Kultur.
Das könnte so eine Art von „unternehmerischem Naturgesetz“ sein.

Hierzu kann ich hier nur ein schönes Argument und einen Lösungsvorschlag liefern:

  • Ich bemerke immer wieder, dass große Unternehmen mit mittelständischen Wurzeln besser funktionieren als die mir bekannten Konzerne.
  • Und vielleicht gibt es eine Gegenmaßnahme: Man könnte Unternehmen, die zu schnell wachsen, auf Basis ihrer entwickelten Kernkompetenzen und der sich gefundenen Teams wieder in kleine zerlegen?

Heute kenne eine Reihe von Firmen, die zeigen, dass es wirklich funktioniert und man auch mit Utopien überdurchschnittlich, fast schon beängstigend erfolgreich sein kann und sich so sehr gute Geld für die Mitarbeiter und das Unternehmen verdienen lässt.

Ich bedanke mich fürs Leben und mit diskutieren.

RMD

P.S.
Genau zu diesen Themen halte ich immer wieder und sehr gerne Vorträge. Und verteidige dann meine Thesen. Komischerweise muss ich da aber nie viel verteidigen sondern ernte eigentlich immer große Zustimmung und Unterstützung.
🙂 Zu meiner Überraschung (eigentlich nicht) gerade auch von sehr konservativen Führungskräften.

P.S.1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Samstag, der 26. Mai 2018

Die lieben Kinder und das böse Internet …

Selfie in Greece, entspiegelt mit griechisch & englisch.

Es gibt um die sieben Milliarden Menschen. Weniger als die Hälfte haben Internet, die Mehrheit der Menschen hat es nicht. Es scheint klar zu sein, dass die Menschen und Nationen, die Internet haben, reicher werden. Und die, die keinen Zugang zum Netz haben, werden ärmer. Man spricht schon von einer neuen Armut, die durch fehlende Digitalisierung verursacht wird.

Bei Kindern ist es ähnlich. Lernen Kinder früh mit dem Internet umgehen, haben sie in der Regel bessere Chancen als wenn sie davon ferngehalten werden.

Bei uns brauchen Kinder unter 16 Jahren jetzt die formale Genehmigung ihrer Eltern, wenn sie z.B. Social Media machen wollen. Zu Social Media gehören sicher FB, Twitter, Instagram, MeetUp, LinkedIn und viele andere oft sehr nützlichen Systeme, die die Welt verändern.

Wenn ich mir eine Kennung in Wikipedia einrichte, dann bin ich Mitglied in einem riesigen Social Media System. Auch bei Wikipedia ist die Gefahr groß, dass es mich verschlingt. Und was da gemobbt wird – da kann ich mit eigenen Erfahrungen glänzen.

Jetzt frage ich mal die Juristen und schlauen Gesetzgeber:
Braucht ein 13-jähriges Jugend-Forscht-Genie die Erlaubnis seines Vaters um bei Wikipedia mitzumachen?

Und Euch:
Wird ein überzeugter Mormonen-Vater (kleine Religion mit vielleicht 20 Millionen Menschen) oder der Islam-Vater (große Religion mit zirka 2 Milliarden Gläubigen noch knapp hinter dem Christentum aber mit besserem Trend) seinem Kind die Zustimmung geben?
Ich weiß nicht. Die Mutter wird es nicht dürfen.

Aber jetzt weg von generellen Überlegungen zu meinen eigenen Erfahrungen und Gedankenexperimenten.

Wie mancher weiß haben wir sieben Kinder. Ich bin mir sicher, dass ich von keiner Lebens-Instanz soviel Positives und Wichtiges gelernt habe wie von meinen Kindern. Da schließe ich meine Eltern genauso ein wie meine besten Mentoren und Lehrer, vielleicht sogar die Barbara. Von der ich auch viel gelernt habe. Im Gegensatz von der Schule, die ich mal ganz vergesse.

Das galt im Leben allgemein wie auch besonders im digitalen. Das obwohl ich der IT-Profi (und -Pionier) in unserer Familie war, der das Ganze ja ein wenig selbst mitgebaut hat.

Wenn heute ein Enkel von mir bei Facebook oder Twitter mitmachen will, dann bekommt er meine Unterstützung. Ich würde ihm Tipps geben und ihn fragen, ob er es mag, wenn ich ihm folge. Und von ihm lernen, was er mir an Neuem bringt. Sorgen würde ich mir nur machen, wenn er einen „privaten Modus“ wählen würde. Dann würde ich der Tat an seiner Sozialisierung zweifeln.

Jetzt ein Gedankenexperiment:
Was würde ich machen, wenn er mit dem „darknet“ experimentieren würde?
Zur Erläuterung: Das darknet ist der Versuch, sich im Internet – durch Maskierung  – in absoluter Anonymität bewegen zu können. Also man versteckt seine Authentizität (das und was man wirklich ist) um sich unter einer Identität zu bewegen, die nicht zurückverfolgt werden kann!

Pfui! Das genau will ja das Finanzamt abschaffen und hat deshalb die Nummernkonten in der Schweiz verboten …

Dieses Ziel ist aus technischen Gründen der IT genauso unmöglich wie die absolute Sicherheit von Daten – auch wenn sie mit sehr archaischen Methoden unterstützt wird, kann sie letzten Endes nicht gewährleistet sein. Sonst wären die Erfolge der Armeen des Cyberspace im darknet ja gar nicht möglich. Glaubt mir, man muss nur wissen, wie es programmiert ist. Und gut und fleißig sein. Vielleicht noch ein wenig geschickter als der Gegner. Aber Wege gibt es immer.

Mein Enkel wird mir – wenn er ein wenig im Internet dazu gelernt hat – da bald widersprechen und auf „blockchain“-Technologien und Bitcoin verweisen.

Ist doch dort theoretisch gewährleistet (auch wenn zu einem sehr hohen Preis), dass man mit einer gewählten Identität einen gesicherten Anteil an einem Bruchteil einer total virtuellen (und begrenzten) Menge „hat“, ohne seine Authentizität preisgeben zu müssen bzw. die Rückverfolgung zu dieser unmöglich macht (was übrigens nur für den gilt, der selbst erfolgreiches „mining“ betreibt).

Ein normaler Käufer muss sich sehr wohl „outen“, und dass immer wieder (zumindest so lange bis seine bitcoins wertlos geworden sind).

Wenn der Enkel – oder natürlich die Enkelin – also mit darknet oder bitcoin  anfangen, würde ich mir vielleicht ein wenig Sorgen machen, aber abraten würde ich ihnen bei ihren Experimenten nicht. Beim darknet würde ich zu großer Vorsicht raten, bei bitcoin hätte ich Angst, dass sie verrückt werden, kenne ich doch persönlich viele, die daran geglaubt haben und zum Teil tragisch geendet sind (oder im besten Fall nur verrückt geworden sind).

Jetzt könnte ich mir aber vorstellen, dass Kinder auch unter 16 Jahren rein gesetzlich betrachtet sehr wohl versuchen dürfen einen Bruchteil eines bitcoin zu generieren und das ohne Erlaubnis ihrer biologischen Erzeuger. Müssen sie doch nur ein paar Asic-Systeme geschickt zusammen bauen – Jugend forscht ja gerne.

Und wenn sie bitcoins erfolgreich generieren, dann haben sie welche. Obwohl das wahrscheinlich gar nicht ihr Eigentum ist sondern nur ein „durch Rechenleistung und Algorithmen hergestellter Besitz“ – witziger weise ein ganz kleines Stück an einem virtuellen und begrenzten Zahlenraum. An dem irgendwelche Analysten glauben und Spekulanten dafür Geld geben. So wie bei den Tulpen in Holland vor langer Zeit war.

Denn die spannende Frage, ob Bitcoin virtueller Besitz oder virtuelles Eigentum ist, konnte meines Wissens bisher nicht geklärt werden. Die Tulpenzwiebeln zumindest waren real – angeblich konnte man sie sogar essen, wie sie nichts mehr wert waren.

Das war jetzt schwere Kost. Ich weiß, dass das sogar viele, die regelmäßig über bitcoin und blockchain reden und schreiben nicht verstehen. So verzeiht mir bitte meine Abschweifung.

Ich könnte noch soviel von spannenden – und auch einfacheren – Dingen erzählen, die im Internet passieren und mache das bei Gelegenheit vielleicht auch hier demnächst. Und so überschätzte Themen wie Pornographie oder auch das „Mobben in Facebook“ sind garantiert nicht das Wesentliche, auch wenn viele Erwachsene ganz gerne ab und zu mal einen Porno anschauen (und dies selbstverständlich leugnen). Und auch nicht „Parship“, Elite-Partner und Tinder. Da gibt es schon noch mehr wirklich Aufregendes – und das in vielen Dimensionen.

Aber unsere Kinder müssen jetzt Pappi & Mammi fragen, wenn sie eine neue Social Media Plattform im Internet ausprobieren wollen. Wo diese doch so viel Wichtigeres zu tun haben, wie Geld verdienen und am Wochenende Erst- und Zweiwagen putzen müssen.

Aber zurzeit bin ich in Griechenland und die Sonne scheint – und das ist mir irgendwie wichtiger! Bis dann.

RMD

Im Rahmen des Inkraft-Tretens der #DSGVO habe ich meine Datenschutzerklärung im IF-Blog um folgende Ergänzung erweitert:


Ergänzung zur Datenschutzerklärung vom 26. Mai 2018:

Die obige Datenschutzerklärung gibt es in etwa so lange wie es iF-Blog gibt. Ich halte generell nichts vom Sammeln und insbesondere vom Sammeln von Daten. So habe ich in IF-Blog noch nie fremde Daten gesammelt oder für irgendwelche Zwecke zu nutzen versucht.

Das Werkzeug „webmaster“ nutze ich ausschließlich, um zu erfahren, aus welchen Ländern dieser Welt meine Leser kommen.

Früher habe ich ab und zu E-Mails mit Infos zu IF-Blog (neue Artikel und Autoren …) an bestätigte Abonnenten gesendet. Diesen Dienst habe ich schon seit Jahren eingestellt, weil ich solche Benachrichtigungen in Form von E-Mails als nicht mehr zeitgemäß und außerdem als störend empfinde. Jetzt habe ich den dabei entstandenen Datenbestand an E-Mails endgültig gelöscht.


Das bedeutet:

  • Es wird nie wieder News von IF-Blog geben. Ich glaube, dass wird niemanden stören. Ich persönlich finde den News-Wahn eh als Unsinn. Das bringt doch niemanden etwas
  • Ansonsten ist wie auch bisher sicher gestellt, dass bei IF-Blog keine „privaten“ Daten in irgendeiner Weise gesammelt oder für irgend welche Zwecke genutzt werden.

Ich selbst glaube zwar, dass die #DSGVO absolut nichts bringen wird außer noch mehr Überregulierung. So wird sie die Staatsverdrossenheit erhöhen und noch mehr Wähler zu „populistischen“ Parteien treiben. Vielleicht auch die Rechthaberei – die mir gerade in unserem Kulturkreis schon ein wenig auf die Nerven geht. Auch die eh schon weit verbreitete Bereitschaft des „Ignorieren von Gesetzen“ dürfte sie fördern und das Vertrauen in den Staat als weisen, kompetenten und verantwortungsvollen Gesetzgeber weiter erodieren. Das finde ich schade, aber die Herren in Brüssel und Berlin wollen das wohl so.

Beklagen hilft aber auch mir nicht weiter. Ich versuche, so weit wie irgendwie möglich als Mensch wie als Unternehmer gesetzestreu zu handeln. Dies sogar als Radler und Autofahrer. Und das hat für IF-Blog immer gegolten und soll so bleiben. Also halte ich mich an die Vorgaben.

Über die#DSVGO werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal schrieben. In einem der nächsten Artikel werde ich mich zu dieser albernen Regel äußern, dass Kinder erst ab Vollendung ihres 16. Lebensjahres selber darüber entscheiden dürfen, wie sie das Internet nutzen wollen. Aber vorher schon die Religion wechseln dürfen.

Angeblich sind Kinder zu dumm fürs Internet und müssen vom Gesetzgeber geschützt werden. Da denke ich ein wenig anders. Ich meine, dass eher die Erwachsenen, die die #DSGVO geschrieben und zu verantworten haben, vom „Internet“ aber so wirklich keine Ahnung haben.

Aber dazu in Zukunft mehr in diesem Blog.

RMD

P.S.
Als Lektüre zum Thema empfehle ich folgenden Link zur #DSGVO. Thomas Stadler twittert unter der Kennung #RAStadler. Ich folge ihm schon seit Jahren und habe aus seinem Blog viel Wichtiges gelernt. An dieser Stelle ihm ein herzliches Dankeschön!

THOMAS STADLER
STANDORT: FREISING, BAYERN, GERMANY
Fachanwalt für IT- Recht und Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz in der Kanzlei AFS

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Mai 2018

Warum die DSGVO absolut in die falsche Richtung geht.

Roland als Insel-Philosoph mit (sauberer) Wäsche in Sifnos (Kykladen, Griechenland).

Eine philosophische Betrachtung.

Weil die #DSGVO morgen (am 25. Mai 2018) wirksam wird. Wie ich meine, kein guter Tag.

Meine These:

Wir denken zu viel an Eigentum und zu wenig in Allmende.

Wir streben ausschließlich nach Besitz.

Obwohl gemeinsames soziales Leben, Erleben und Überleben auf der Agenda stehen müsste.

Hier ein paar Begründungen:

  • 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt.
  • Wieso ist es selbstverständlich, dass Menschen („natürliche Personen“) beliebig Grund und Boden in Besitz nehmen (kaufen) und als Eigentum haben und vererben können?
  • Wieso darf jeder ein Auto besitzen (das selbstredend beträchtlichen Schaden am Gemeinwohl verursacht)? Oder eine Yacht? Oder ein Schloß? Oder Ländereien? Oder eine Insel im Meer?
  • Wieso können große soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel (Unternehmen genannt) komplett einem (oder wenigen) Menschen oder wiederum anderen Unternehmen „gehören“? Dies vernetzt bis zur totalen Intransparenz?>

Diese und ähnliche Fragen kann ich beliebig fortsetzen. Irgend etwas ist faul mit dem Recht an Eigentum. Wir brauchen eine neue Geisteshaltung zu EIGENTUM!

Heute wird in den zivilisierten Ländern eine „Tugend“ gelebt – die  sich „Besitzstandwahrung“ nennt.

Unser Grundrecht Nummer Eins: Das Wahren von Besitzstand!

Dass Menschen, die laut Gesetz „natürliche Personen“ sind, über ein Eigentumsrecht verfügen wollen und auch sollen, das verstehe ich – und wünsche ich mir für mich persönlich ja auch.

Aber das muss doch sinnvoll begrenzt sein, wenn die Welt funktionieren soll. Nur so werden wir in Frieden, ohne Krieg und Unterdrückung, mit Menschenwürde für alle, in gegenseitigem Respekt und in Liebe leben können!

Und jetzt institutionalisieren wir neben dem Eigentum an Dingen, Ideen und Gedanken auch noch ein „Eigentum an unseren Daten“. Also: Spinnen wir oder sind wir noch bei Trost? Wir wissen nicht einmal, was immer das sein mag (unsere Daten), aber wird sind mal wieder mal motiviert, weil wir Angst haben. So manifestieren wir unseren Eigentums- und Besitz-Wahn weiter. Dabei sollten wir versuchen, ihn Schritt für Schritt zu therapieren.

Und es stellen sich weitere Fragen:
Warum haben „natürliche und juristische Personen“ die selben Eigentums-Rechte?

„Juristische Personen“ wie Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, limited company usw. – im französischen übrigens treffend als „société anonyme“ bezeichnet – haben mehr oder weniger die selben Rechte an Eigentum wie die „natürlichen Personen“. Das habe ich noch nie verstanden.

Stirbt eine „natürlichen Person“ kommt als Problem das „Vererben“ dazu. Es verstärkt die Polarisierung von „arm und reich“. Dieses zu lösen, gelingt unserer Gesellschaft nicht, obwohl ich hier schon eine Reihe guter Vorschläge gehört habe (den wesentlichen Teil des Erbes an „ALLE“ verteilen oder für die Finanzierung eines BGEs zu verwenden).

„Juristische Personen“ können ein langes Leben haben und ihr Eigentum beliebig mehren. Erschwerend kommt dazu, dass Eigentum sich in der Regel von selbst vermehrt. Ihr Eigentum macht sie immer mächtiger und ihre Macht immer reicher. Sie sterben keines natürlichen Todes, können allerdings Insolvenz gehen (if not to big to fail ?). Was passiert bei Insolvenz? Auch im modernisierten Insolvenz-Recht steht der Gläubigerschutz  (Schutz des Eigentums der Gläubiger) immer noch vor dem Erhalt des Unternehmens. Was gerade kleinen Unternehmen oft zum Verhängnis wird und den großen dann nutzt.

Welche Arten von Eigentum gibt es denn überhaupt?

Zuerst mal haben wir ein Eigentum an Dingen. Das ist nach meiner Meinung nur dann in Ordnung, wenn die Dinge nicht aus dem (Be-)Reich der Allmende sind und die konkrete Eigentumssituation das Gemeinwohl nicht schädigt.

Schwieriger wird es schon beim geistigem Eigentum und beim Eigentum an Rechten.

Wieso können die genauso so vererbt werden wie dingliches Eigentum?

Und vor allem:

Kann es wirklich sein, dass jemand, der in einer glücklichen Situation (das richtige Team, die richtige Umgebung, die richtige Inspiration, die richtige Kommunikation, das richtige Talent, die richtige Idee, die glückliche Umsetzung) ein Patent erfunden und erarbeitet hat, dann Jahrzehnte über ein Einkommen verfügt, das es ermöglicht sich jedes Jahr eine oder mehrere Immobilien in Munich City zu kaufen? Das er an seine Erben weitergibt?Macht es Sinn, dass die arme Bestseller-Autorin nach ein paar Jahren zur Milliardärin wird?

Die überhöhten Einkommen und „Werte“ von Fußball-Stars werden oft angeprangert. Auch sie sind nur möglich aufgrund von „Urheber-Rechten“, die massen-medial ausgenutzt werden.

Die irrationalen Vorstandsgehälter begründen sich wohl auch nur auf die mediale Überhöhung der Bosse. Das viele Geld jedoch, dass sie erhalten, wird durch die kollektive Klasse des Unternehmens erarbeitet, also den Menschen, die den Namen des Konzerns vergolden.

Die Leistung eines Künstlers soll natürlich vernünftig entlohnt werden. Und wenn ein großer Künstler arm lebt und stirbt und posthum seine Werke wertvoll werden, ist das natürlich dumm gelaufen.

Aber beruht nicht jedes Werk auf der sozialen Teilhabe vieler Menschen und wird es nicht aus vielen Quellen gespeist. Lebt der Künstler nicht immer von Vorbildern und erlebten Mustern anderer Menschen, die es so mit geschaffen haben? Gilt dies nicht auch für den erfolgreichen Patentinhaber?

Und noch eine Frage:

Wie kann es sein, dass „natürliche“ und „juristische“ Personen die selben Rechte an Eigentum haben?

Ein wesentlicher „Strickfehler“ unserer gesellschaftlichen Ideologie scheint mir zu sein, dass das Recht an geistigem Eigentum im selben Maß „juristischen Personen“ zugebilligt wird wie „natürlichen“? Sollte die Musik eines Bob Marley oder der Beatles nicht den Menschen dieser Welt gehören und nicht Konzernen, die diese Rechte „erworben haben“ und maximal ausbeuten.

Gilt dies nicht auch für die Theaterstücke von Bert Brecht? Sind die Verjährungs-Zeiten der Walt-Disney-Gesetze, (die so heißen, weil sie auf Betreiben des gleichnamigen Konzerns mehrfach verlängert wurden), nicht viel zu lang?

Und jetzt gibt es auch noch ein Eigentum an den Daten? Wie pervers ist denn das?

Ich bin der Meinung, dass wir
Keinen Datenschutz brauchen sondern eine Pflicht zur Transparenz!

Ich würde mir wünschen, dass „juristische Personen“ alle ihre Daten veröffentlichen müssen. Diese sollten absolut transparent sein!

Und die Instanzen, die Geheimhaltung brauchen, um uns zu unterdrücken und zu manipulieren, sollten wir abschaffen. So sollte der „whistelblower“ ausgezeichnet und der Geheimniskrämer zu Rechenschaft gezogen werden (wie in meiner Denke auch der Deserteur der Held ist aber nicht der „loyale Soldat, der für die „gute Sache“ bereit ist zu töten)!

Wenn ich die Menschen frage, warum sie für Datenschutz sind, höre ich überwiegend drei Arten von Begründungen:

  • Die Menschen fürchten die staatliche Überwachung und Kontrolle
  • Sie haben Angst vor noch schlimmerer Manipulation durch Marketing zum Beispiel der großen Konzerne.
  • Sie fürchten gesellschaftliche Diffamierung und soziale Ausgrenzung.

Überwachung und Kontrolle finden eh statt, weil für Geheimdienste und Verfassungsschutz die DSGVO nicht gilt (auch nicht gelten kann). Durch die aktuelle Beschneidung der Grundrechte wird dies auch zugunsten anderer Institutionen immer weiter ausgehebelt.

Die Manipulation findet im Marketing jetzt schon statt. Wäre es da nicht sinnvoller die grenzenlose Zügellosigkeit im Marketing radikal einzuschränken als ein für diesen Zweck mehr oder weniger wirkungsloses Datenschutzgesetz zu machen?

Und wäre es nicht besser, die großen Konzerne, die mittlerweile ja Basis-Bedürfnisse befriedigen zu zerlegen und als dezentrale Unternehmen nach den Regeln der Gemeinwohl-Ökonomie neu aufzusetzen. Bei globalen Aufgaben gerne in einem globalen Verbund, aber bitte ohne Wachstumswahn und „share-holder-value“-Anspruch“.

Die Angst vor Diffamierung nehme ich persönlich sehr ernst. Zu sehr habe ich kann ich das Unglück eines Menschen nach empfinden, der von einer kranken Gesellschaft stigmatisiert wird. Da gibt es viele Beispiele wie Homosexualität, sexuelle Fehltritte wie Verlust der Jungfernschaft vor der Ehe, einer Abtreibung oder Vorstrafe, die  Zugehörigkeit zu einer „falschen Religion“,körperlichen Gebrechens (wie z.B. Beschneidung) oder Krankheiten (Aids …).

Aber ist es auch dann nicht besser, an Stelle von Datenschutz-Gesetzen lieber dafür zu sorgen, dass die gesellschaftliche Diffamierung zu Ende geht. Wie es ja in Deutschland zumindest formal bei homosexuellen Paaren gelungen zu sein scheint?

Denn eins dürfen wir nicht vergessen:

Es war schon schwer genug in der Papier-Welt Dinge geheim zu halten. Eigentlich ist das nur in „faschistoiden“ Systemen (und auch dort auch nur begrenzt) möglich. In der „Digitalisierten Welt“ ist Geheimhaltung aufgrund der technischen Grundanlage ganz einfach unmöglich. Und das finde ich gut so!

Wenn Ihr mir jetzt sagt, mein Artikel wäre utopisch, dann antworte ich, dass wir nur mit Utopien unsere Welt ein klein wenig besser machen können.

RMD

Anmerkung zum Thema Eigentum und Einkommen:
Sina Trinkwalder (@manomama) hat mal getwittert, dass sie der Meinung wäre, man sollte beim Jahreseinkommen den Teil über 200.000 € besteuern sollte und die Summe darunter nur so weit wie wirklich notwendig. Weil man von 200.000 € im Jahr sehr gut leben könne. Eine Meinung, die ich teile. Die aber einen kleinen Shit-Storm hervor gerufen hat. In meiner Einschätzung besonders von Menschen, für die ein Jahreseinkommen von 200 000 € lebenslang eine Illusion bleiben dürfte,