Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #7 Leben im Zug.

Ein Reisebericht der anderen Art (7).

Unser zu Hause auf schienen.

In dieser Folge berichte ich von unserem Leben im Schlafwagen. Dass das Leben im Zug nicht ganz einfach ist, war mir vor Reiseantritt bewusst.

Wenn ich auf diese  Art und Weise zu reisen die Nacht auf den Strecken von München nach Amsterdam, Berlin, Budapest, Dortmund, Rom, Stralsund oder Venedig oder irgendwo anders in der Welt verbracht habe, dann war das ein Abenteuer. Mehrere solche Strecken am Stück werden aber durchaus zur Anstrengung.

Schlafen.

Wir haben insgesamt 11 Nächte im Schlafwagen verbracht, unterbrochen von zwei Übernachtungen „auswärts“, eine davon im Hotel in Irkutsk, die andere in einer Jurte in der „mongolischen“ Schweiz in der Nähe von Ulaan Baatar. Das ist dann schon ein Abenteuer und eine heftige Anstrengung.

Die russischen Schienen sind nicht leiser als die deutschen. So machen die Schlafwagen auch hier ganz schön Lärm. Es sind die üblichen Störungen wie unregelmäßiges Schütteln, plötzliche Schläge, laute Durchsagen auf Bahnhöfen und ähnliches, die dem Reisenden einen Teil seines Schlafes rauben.

Da auch unsere beiden „Einzelbetten“ im Schlafwagen schmal sind schläft man in der Nacht nicht so richtig gut. Aufgrund des strengen Zeitplan findet man auch tagsüber nie so richtig Zeit zum Relaxen und Chillen. So sammelten wir ein Schlafdefizit auf, welches täglich ein wenig größer wurde und das wir in den beiden Übernachtungen „an Land“ nicht ausgleichen konnten.

Erschwerend kam die Zeitverschiebung dazu. Im Sommer beträgt der Zeitunterschied zwischen München und China 6 Stunden. Das heißt, wenn es in Deutschland Mitternacht schlägt, haben wir hier 6 Uhr am Morgen.

Die erste  Stunde „arbeiteten“ wir schon auf der Anreise nach Moskau ab. So blieben 5 Stunden übrig, für die wir die Uhr im Zug zweimal je 2 Stunden und einmal eine Stunde vorstellen mussten. Dies erhöhte das Schlafdefizit weiter. Ich neige dazu, zu empfehlen die Reise in die andere Richtung zu übernehmen. Dann bekommt man 5 Stunden in die richtige Richtung geschenkt. Oder man muss – wie wir – auf jeden in China einen Erholungsurlaub nach Ankunft planen.

Speisen.

Der Speisewagen sieht schön aus, ist aber ein wenig eng.

Es gab drei Mahlzeiten im Zug, Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Das Frühstück bestand aus einem reichhaltigen Buffet. Dazu gab es jeden Morgen warmen russischen Haferbrei und immer ein Extra, die an den Tisch serviert wurden. Das waren beispielsweise Spiegeleier, Würstchen, Omeletts – jeden Tag etwas anderes.

Mittag- und Abendessen waren sich ähnlich. Es waren immer mindestens 4 Gänge. Ein frischer Salat war immer dabei, oft dazu eine Suppe, ein Hauptgericht mit Fisch oder Fleisch und ein Dessert. Ab und zu gab es auch Extras wie den Kaviar bei der Edelfischplatte oder auch nur Wodka.

Jeder Speisewagen hatte drei Bedienungen. So war der Service im war immer akkurat und zuvorkommend. Zu jeder Mahlzeit gab es Tee, Kaffee und Wasser. Die Preise für die sonstigen Getränke waren zivil. So kostete eine Flasche lokalen Weins 15 €, das große Bier 2,50 € und der Krimsekt sogar nur 12 €.

Unterhaltung.

Alle Kabinen verfügten über ein „Bordradio“. Über dieses kamen interessante und unterhaltsame Vorträge des Gesamt-Reiseleiters, die sich meistens mit den nächsten Reisezielen beschäftigten. Das ganze in den drei Sprachen deutsch, englisch und französisch. Weitere gab es unterhaltsame Treffen im Speisewagen wie die Einladung zur Zarentafel oder zum Wodka-Tasting. Immer mit spannenden Geschichten von Valeri zur russischen Kultur.

Ein Highlight war ein Abend-Picknick mit Party direkt am Zug – am Ufer des Baikal-SeesWägen .

Zusammenleben.

Der Zarengold-Express ist ein Zug der offenen Türen. Das, obwohl der ganze Zug für alle Passagiere zugänglich ist. Das heißt, auch die Wagen der teuren Klassen konnten von den Passagieren aus den preiswerten Klassen betreten und besichtigt werden.

Die Abteile konnte man nur von innen verriegeln – um nächtliche Störungen zu vermeiden. Von außen war kein Abteil absperrbar. Mir hat diese Form der Vertrauenskultur gut gefallen. Wenn man zum Essen ging, ließ man das Abteil offen und konnte sicher sein, dass man es beim Zurückkommen im aufgeräumten Zustand vorgefunden hat. Dafür hat dann immer eine der beiden Schaffnerinnen je Wagen gesorgt.

Kommunikation.

Für mich als Bürger der BRD und häufiger Nutzer der Deutschen Bahn (DB) war das eine große Überraschung: Zwar hatten die alten Wagen des Zarengold-Expresses kein WLAN an Board. Die Barbara hatte sich  aber noch am Flughafen in Moskau eine SIM-Karte für die russische Föderation (Flatrate für zwei Wochen zu 20 €) gekauft. Ich war zugegebener Weise skeptisch, ob das viel bringen würde. Aber ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Wir hatten dann die ganze Strecke auf der transibirischen Route und weiter bis zur Mongolei (fast 5.000 km) eine relativ gute Verbindung ins Internet. Über „thethering“ (WLAN-Hotsspot realisiert durch Barbaras Mobiltelefon) profitierte ich auch davon. Vor lauter Sightseeing, Essen und aus dem Fenster raus schauen, habe ich das aber gar nicht nutzen können.

Die gute Netzversorgung hätte ich nicht erwartet, benutze ich in Deutschland doch häufig die Bahnstrecken von München nach Innsbruck/Rosenheim, Lindau, Nürnberg und Stuttgart. Allesamt kurze Strecken in bevölkerungsreichen Gebieten. Und bin dann einen wesentlichen Teil der Strecke ohne Verbindung.

Im dünn besiedelten Sibirien habe ich auf der Transib über Tausende von Kilometern ein relativ gutes Netz. Für mich erstaunlich bis sensationell. Da sehen wir wieder, wie sehr wir in Deutschland technologisch den Anschluss an die Welt verloren haben. Später bei unserer Ankunft in China sollten wir das dann so richtig erleben.

Allgemein

Im Zug zu reisen mag anstrengend sein. Sibirien ist aber am besten mit dem Zug zu entdecken. So wie man die Südsee-Inseln oder die Karibik am besten mit dem Schiff kennen lernen kann.

Alleine schon die vielen meditativen Blicke aus dem Fenster sich ein toller Ausgleich für die Unbequemlichkeiten.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #6 Kirchen.

Ein Reisebericht der anderen Art (6).

Bei jeder Führung durch eine russische Stadt war mindestens eine Kirche dabei. Es galt: Keine Führung ohne mindestens eine Kirche. Im ersten Teil der Reise waren das nur orthodoxe Kirchen.

In Moskau ging es los.

Je weiter wir nach nach Osten und dann in Richtung Mongolei kamen, desto mehr hat sich das geändert. Uns wurden neben orthodoxen Kirchen auch Moscheen, Synagogen und hinduistische Tempel gezeigt. Einmal war auch eine katholische Kirche dabei, die aber nur noch für Orgelkonzerte genutzt wurde.

Die Guides betonten dann immer, wie friedlich in ihrer Stadt die verschiedenen Religionsgruppen zusammen leben würden – und dass sogar Forschungsgruppen daran arbeiten würden, herauszukriegen, wie das denn hier möglich wäre.

Obwohl ich mich in Kirchen immer ein wenig beklommen fühle, bin ich brav in alle Kirchen rein gegangen. In den russischen Kirchen musste ich mein Haching-Käppi abnehmen und die Barbara ihr Haupt verhüllen. Ist ja auch komisch: Die eine Sorte Mensch, muss sich verhüllen, um Ehrerbietung zu zeigen und die andere Sorte darf den Kopf nicht bedecken, auch um Ehrerbietung zu zeigen. Welcher Sinn steckt da wieder dahinter?

Und natürlich besuchen wir auch in Irkurtsk und Ulan Ude eine Kirche?

In den russischen orthodoxen Kirchen  bekam ein noch  komischeres Gefühl als sonst beim Betreten eines „Gotteshauses“:
Es erschien mir alles so unwirklich und unecht, nichts war irgendwie authentisch.

Die Ursache dafür wurde mir dann auch gleich erklärt. Alle diese Kirchen waren neu gebaut und künstlich auf alt gemacht. Sie waren nur moderne Kopien der ursprünglichen Gebäude. So kam ich mir vor wie in einer religiösen Walt-Disney-Welt. Das macht dann auch den letzten Rest von Ehrfurcht kaputt.

Die Erklärung ist einfach: In der Stalin-Zeit – so um 1920 – wurden fast alle Kirchen in Russland von den damaligen Machthabern gesprengt und dem Boden gleich gemacht. In den Jahren nach der Perestroika wurden sie wieder aufgebaut. Und dafür vieles andere zerstört. Das alles haben wir so „en passant“ auf unserer Russlandreise aufgenommen.

So sahen wir lauter neu gebaute aber auf alt gemachte Kirchen. Sozusagen ein gigantischer und russland-weiter „fake“. Nebenher erfuhren wir auch, dass selbst heute noch in Russland pro Tag drei neue Kirchen fertiggestellt und eingeweiht werden würden.

Unser „local guide“ mit blauen Fähnchen vor einem Zar.

Auf jeder Stadtführung sahen wir auch Statuen alles Größe. Für geschichtliche Ereignisse, an die Erinnerung „großer Personen“, geographische Marken oder auch nur für Werte. Hier gab es sowohl alte wie moderne. Merke: Russland ist das Land der Kirchen und Denkmäler.

So richtig begründen konnte keiner der Guides den Wiederaufbau wie auch nicht die russische Liebhaberei für Statuen. Es ist nicht so, dass die Russen wieder zu alter Gläubigkeit  gefunden hätten. Nur einmal habe ich in einer der besuchten Kirchen Gläubige beim Gebet sehen. Das war ein kleiner Chor bestehend aus alten Frauen und sah mir mehr als Brauchtum-Pflege denn als Gottesdienst aus.

Vielleicht ist die Welle des Wiederaufbaus als ein ganz normaler historischer „rebound“ auf die Zerstörungen Stalins zu sehen. Und wie die vielen Denkmäler ein (sinnloser?) Versuch, eine alte Tradition wieder auf erstehen lassen. So scheinen in Russland auch die Zaren wieder hoch im Kurs zu stehen. Und der eine oder andere hat auch vom „Zar Putin“ gesprochen.

Bei uns weiß ja auch keiner, warum das Berliner Schloss wieder aufgebaut und der Palast der Republik abgerissen werden musste.  Aber zumindest gibt es keine neue Verehrung von Fritz dem Großen und den anderen deutschen Kaisern.

Löst der russische Doppeladler den roten Stern wieder ab?

Pendel schlägt halt immer hin her, vielleicht sind das die russischen Kirchen wie das alte Preußen-Schloss nur typisch europäische Versuche, rückwärtsgewandt zerstörte Identitäten zu rekonstruieren um sich so vor den Herausforderungen der Zukunft drücken zu können. Da würden auch die Denkmäler gut passen. Nach dem Motto: Lasst uns Denkmäler und Kirchen bauen, um die Zukunft zu ignorieren,

In Jekaterinburg – die Stadt haben wir „kurz“ hinter Moskau auch besucht – gibt es Probleme mit dem geplanten Wiederaufbau einer großen Kirche, die auch um 1920 von Stalin zerstört wurde. Das Problem ist, dass auf dem Gelände der gesprengten Kirche jetzt ein viel benutzter öffentlicher Park entstanden ist, der dem geplanten Neubau der protzigen und voluminösen Kirche geopfert werden müsste.

An der Grenze zwischen Europa und Asien (Nähe Jekatrinenburg).

Für den Bau sind angeblich die Regierung und russische Oligarchen, die den Bau finanziell unterstützen und sich damit ein Denkmal setzen wollen. Und dagegen ist die Bevölkerung, die den Park nutzt und massiv gegen den Neubau protestiert. Ich bin mal gespannt, wie das ausgehen wird.

Mich beeindruckt hat, dass mir diese Entwicklung in Russland gar nicht so bekannt war. Ich wusste nichts vom gigantischen russischen Wiederaufbauprogramm von Kirchen und auch nicht, dass es in Russland ein neues Gesetz gibt, das Menschen in relevanten Ämtern untersagt, die Existenz Gottes zu leugnen. Mit der Begründung, dass sie dann religiöse Gefühle verletzen würden.

Meine ich doch, dass es zumindest nicht schadet, wenn man religiösen Wahnvorstellungen auch öffentlich entgegentritt.  Ganz gleich ob sie sich um die „klassischen“ mono-theologischen Religionen Judentum, Christentum oder Islam, Formen von Schamanismus (die auch in Russland wieder stark im Kommen sind)  oder „moderne Strömungen“ wie die Kirche der Vernunft oder des Atheismus handelt. Wegen mir soll gerne ein jeder glauben was er will. Nur spätestens wenn der Glaube zur Bedrohung wird, sollte man ihn mal kritisch prüfen.

Glaube ich persönlich bei der Gottesfrage doch schon lange an die Religion des „ich weiß es nicht„. Für diesen meinen Glauben bin ich keinesfalls bereit zu sterben. Und will auch niemanden dazu bekehren. Nur: Für mich persönlich ist das Universum und was es sonst noch so geben mag halt ein paar Nummern zu groß, um es zu verstehen. Warum soll ich mir irgendetwas anderes einreden oder einreden lassen?

RMD

P.S.
Wenn ich zurück in Deutschland bin, werde ich ein Video vom SRF (Schweizer Rundfunk) nachreichen. Man findet es, wenn man „filosofix“ und „Teekanne“ sucht („googelt“). Noch bin ich in China und komme da mit den mir zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nicht ran. Aber das Video macht in wenigen Minuten ziemlich klar, was es mit dem Glauben so auf sich hat. Und das auch noch äußerst unterhaltsam.

Roland Dürre
Dienstag, der 18. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #5 Lektüre.

Ein Reisebericht der anderen Art (5).

Die lange Zugfahrt ist vorbei. In Sanya habe ich Zeit fürs Lesen und Schreiben.

Für die lange Zugreise von Moskau nach Peking hatte ich meinen ollen Kindle wieder ausgemottet. Ich hatte ihn in den letzten Jahren nur noch selten genutzt.

Zum einen, weil ich noch viele Papierbücher habe (und immer wieder neue geschenkt bekomme) die ich nicht gelesen habe.

Zum anderen weil ich in meinem aktuellen Leben die meiste meiner Zeit des Lesens im Internet verbringe. So lange es möglich ist, möchte ich das noch halbwegs freie Netz nutzen.

Da gibt es so viel tolle Blogs und Artikel (und Podcasts und Videos), die mir z.B. über Twitter zugespielt werden. Die sind kürzer, spannender und effizienter zu lesen (oder zu hören oder anzuschauen) als so mancher Schinken von Buch, in dem ein Professor meint, er müsse wissenschaftlich ein und das selbe Thema auf Hunderten von Seiten durchwalzen. Oder „Bestseller-Autoren“ kiloseitenweise die Welt mit belanglosem Gelabere vollschlammen.

Auf meinen Kindle habe ich das Gesamtwerk von Isaac Asimov auf Englisch. Da wollte ich schon lange drin herum lesen. Und wann habe ich eine bessere Gelegenheit zum Lesen als auf einer dreiwöchigen Reise, davon die Hälfte mit 8.000 km im Zug und anschließend beim Faulenzen mit meinen „chinesischen Enkeln“? So dachte ich mir?

Und weil es mich schon lange interessierte, wollte ich mich endlich mal zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ ganz konkret schlau machen. Und habe deshalb auch noch ein möglichst „dünnes“ Büchlein zu diesem Thema im Kindle eingepackt.

Hätte ich doch besser die „Gebrauchsanweisung“ der Reise gelesen! Da stand drin, dass man das Gepäck auf keinen Fall mit zuviel Bücher beschweren solle. Denn zum Lesen würde man eh nicht kommen!

So war es auch. Noch sind wir ja unterwegs. Die Zugreise liegt aber schon ein paar Tage hinter uns. Und wie vorhergesagt, da war mit Lesen nicht viel drin.

Immerhin ist es mir gelungen, das Buch zur gewaltfreien Kommunikation fast ganz zu lesen. Und die Chancen stehen gut, dass ich es auf dem Rückflug dann fertig schaffe.

Kurz zu diesem absolut lesenswerten Buch:
Ich war begeistert, auch weil für mich nur wenig Neues drin stand. Das hat mir gut getan. Vieles mir als selbstverständlich Erscheinendes wurde mir wieder bewusst und aufgefrischt. Die empfohlenen Übungen im Buch sind auch nicht schlecht. Und bringen viel. Man muss sie halt nur angehen.

Schade, dass ich mir  diesen Stoff so richtig erst jetzt im 69. Lebensjahr angeschaut habe. Ich bin mir sicher, dass wir eine bessere Welt hätten, wenn „gewaltfreie Kommunikation“ allgemeines Schulfach wäre – als Einstieg in eine dialektische Basisausbildung schon in den unteren Klassen. Das wäre wichtiger, als vieles, was unsere Kinder heute lernen. Mannomann, wie viel Quatsch ist da dabei.

RMD

Nachtrag:
Das von mir gelesene und hier erwähnte Buch ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Robert Leiser.

 

Roland Dürre
Montag, der 17. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #4 WICHTIG!

Ein Reisebericht der anderen Art (4).

Die folgende Episode mit der in dieser entstandenen Botschaft ziehe ich im Bericht ein wenig vor, weil sie mir persönlich sehr wichtig ist. Die Reise war schon fortgeschritten. Wir waren mitten drin in Sibirien und bald sollte es in Richtung Mongolei gehen.

Ich stand unter dem Eindruck der Erlebnisse der ersten Woche. Mit der Stalinzeit wird in Russland nach unseren Reiseerlebnissen bewusster umgegangen als wir dies mit der Hitlerzeit tun. Denn wir beschränken und beschäftigen uns doch vor allem mit dem Holocaust. Dabei vergessen wir nur zu gerne den restlichen Irrsinn der deutschen Geschichte. Und wiederholen vielleicht auch deshalb wieder die alten Fehler.

Auch der religiöse „rebound“ in Russland hat mich bestürzt. Dieser ist in meiner Wahrnehmung nicht real, sondern ein „Fake der Mächtigen“. Aber dazu im übernächsten Artikel.

Wir waren in Ulan Ude und sind unserer lokalen Führerin auf ihrem unterhaltsamen bis nachdenklichen Spaziergang durch die Stadt gefolgt. Wie alle unsere lokalen Führer war sie total von ihrer Stadt und der Toleranz ihrer Heimat begeistert. Ich befand mich am Ende unserer mittlerweile „schönen Gruppe BLAU“ und philosophierte ein wenig mit Valeri, der die Rolle des „Lumpensammler“ übernahm und sich zurück hielt, auch um den „lokalen Guides“  die Schau nicht zu stehlen.

Mit „local guide“ in Ulan Ude, wie immer mit blauer Fahne.

Und dann ist es passiert. Ein Gedanke folgte dem anderen – und heraus kamen drei Gebote.

Bleibe
im Kopf kühl,
im Herzen heiß und
an den Händen sauber!
Dann bleibt (wird) alles gut 🙂 !!!

Über diese einfache Regeln musste ich auf der restlichen Reise viel nach denken. Irgendwie ist das die Formulierung, die mein Lebensmotto beschreibt. Das war mir bisher nicht so klar.


Lasst uns kurz diese drei „Gebots-Metaphern“ diskutieren.

Der kühle Kopf schützt uns. Das heiße Herz erhält uns am Leben. Und die sauberen Hände sind wichtig für unsere soziale Situation. Ganz einfach.

Für mich ist das eine gute Handreichung, wie man langfristig glücklich und erfolgreich (im Sinne von zufrieden) werden kann.

Diese drei Regeln machen mehr Sinn als die bekannten „Zehn Gebote“ des Moses.

🙂 Und sie sind auch praktischer. Allein schon weil es nur drei sind. So kann man sich diese sich ein Leben lang problemlos merken. Unterstützt von der Eselsbrücke:
Kopf, Herz, Hände.

Erst vor kurzem wieder einmal erlebt, dass kaum mehr ein Mensch die „Zehn Gebote“ auswendig vortragen kann – wie ich auch niemanden mehr kenne, der das „Vaterunser“ fehlerfrei vorbeten kann. Beides können in der Regel nur noch die Systemagenten.

So unsinnige Vorgaben wie das Gebot „Du sollst nicht lügen“ und  ähnliche weitere enthalten sie auch nicht. Weiß doch ein jeder, dass eine Lüge sehr oft das kleinere Übel ist und durch sie großer Schaden und Unglück vermieden werden kann.

Obwohl (oder weil?) ich sehr stark katholisch indoktriniert wurde, haben mich alle Arten von Religionen und Begriffe wie Schuld und Sühne und Moral immer ziemlich „kirre“ gemacht. Auch die heute sehr aktuelle Form der „Kirche der Vernunft“, auf die viele meiner Zeitgenossen zu schwören scheinen, konnte mich nur beim ersten Kennen lernen begeistert – dann bin ich auch vor ihr geflohen.

So möchte ich Euch ganz herzlich grüßen! Euer hedonistischer Anarchist oder anarchischer Hedonist (ganz wie Ihr wollt).

Morgen geht es dann weiter mit meiner Urlaubslektüre im Zug.

RMD

Nachsatz: 
Dass ich gefühlt ein Anarchist und Hedonist bin (oder sein möchte), war ich mir lange nicht bewusst. Auch nicht, dass ich das Paar Anarchismus und Hedonismus auch ganz rational als ein allgemein gültiges vernünftiges Lebensprinzip sehe. Und mit meinem Hedonismus gerne andere Mensche anstecke.

Das ist für mich so formuliert neu. So wie die drei Regeln oben neu sind. Aber beides haben ich und wir nicht erfunden, auch wenn es uns neu erscheint. Wahrscheinlich ist das alles schon mehrfach gesagt oder geschrieben worden. So wie es für alles schon irgendwo ein Urheberrecht geben dürfte !? Was bedeutet, dass es keines geben darf. So fordere ich:

„Alle Macht für niemand!“

Wenn die Menschheit jedoch alles Wissenswerte und Kluge schon mal gedacht, gesagt oder geschrieben haben sollte, dann sehe ich keinen Sinn und keine Rechtfertigung mehr, dass sie noch länger überleben sollte. Ihr baldiges Ende, das sie selber mit der Zerstörung des Planeten eingeleitet hat, erscheint mir absolut stimmig und logisch. Genug ist genug.

Vielen Dank fürs Lesen!

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #3 Die Guides.

Ein Reisebericht der anderen Art (3).

Ich habe ja schon berichtet, dass die Fahrt mit dem Zarengold-Express von Moskau nach Peking unsere erste Bildungsreise war. Eigentlich auch unser erster „organisierter Urlaub“.

Wir wussten nicht, was uns erwarten würde. So waren wir richtig neugierig, als wir uns am Samstag Abend des 2. Juni 2019 zum Treffpunkt unserer Reise in unserem Hotel in Moskau zum Abendessen einfanden.

Am Tage funkeln sie in der Sonne genauso schön wie in der Nacht!

Den Nachmittag nach unserer Anreise hatten wir privat für einen ausgedehnten Spaziergang durch Moskau genutzt. Dabei hatten es uns die in der Sonne glitzernden Straßen der Fußgängerzone besonders angetan.

Am Abend sollten wir sie beleuchtet wiedersehen und lernen, dass diese für Fußball-WM in 2018 so besonders dekoriert wurden. Und weil es so schön war, hat man die Dekoration nach der WM einfach gelassen.

Aber vorher stand das Treffen mit unserer Reisegruppe an. Im unseren Hotel hatten sich mehrere Gruppen der Zarengold-Reisenden eingefunden. Wir waren ja als BLAU eingeteilt und fanden uns mit zirka 20 Menschen dort zusammen. In unserem Raum auch die Gruppe GELB (ähnlich groß) dabei. Ein paar Gruppen waren in anderen Speiseräumen desselben Hotels, weitere in einem anderen Hotel. Waren es doch insgesamt fast 200 Fahrgäste im Zarengold-Express.

Das Essen hat gepasst – und dann kam unser Führer Valeri und stellte sich vor. Er sprach ein wunderbares Deutsch und erklärte uns, dass er uns die ganze Tour bis an die chinesische Grenze begleiten würde. Und versprach uns, dass das ganze Team deutsche Organisations-Kompetenz mit russischer Improvisations-Kunst verbinden würde, um uns ein wunderbares Reiseerlebnis zu ermöglichen.

Er sei unser Ansprechpartner für alle Sorgen und Fragen und immer für uns da. Auch der Gesamtreiseleiter stellte sich vor – und alles machte einen guten Eindruck.

Nach dem Abendessen ging es auch gleich los mit dem Programm. Es hieß „Moskau bei Nacht“ – und Valeri führte uns gemeinsam mit einer lokalen Führerin durch die einzigartige Moskauer Unterwelt (damit ist jetzt die U-Bahn gemeint) und brachte uns dann über die Glitzerstraßen, die wir bei Tag ja schon in der Sonne bejubelt hatten, wieder zur Übernachtung in unser Hotel.

Die erste Führung in Moskau. Der rote Platz ist dran. Valeri mit blauer Fahne zeigt den Eingang.

So war das dann in  allen russischen Städten, die wir besuchten. Neben Valeri immer noch ein lokaler Führer  dabei.

So sahen wir auch am Sonntag Morgen in Moskau unsere Führerin vom Abend davor wieder. Diesmal ging es mit dem Bus los zu einer großen Runde durch und rund um Moskau. Mit zwei blauen Fahnen wurden wir geführt. Da blieb dann die ganze Fahrt über so – immer liefen wir durch russische Städte, eine Fahne hinter und eine vor uns. Und nie war es uns langweilig.

Am Nachmittag nach dem Mittagessen hatten wir ein wenig Zeit für uns. Am Samstag Nachmittag ging es dann los. Ein Bus brachte unsere blaue Gruppe über ein paar kleinen Zwischen-Stopps zu einem der Moskauer Bahnhöfe, wo der Zug schon auf uns wartete. Wie uns auch das Hauptgepäck in unseren Abteilen schon erwartete, da es direkt vom Flughafen in die Abteile gebracht wurde.

Dann fuhr der Zug los – und wir gingen in den Speisewagen. Beim Speisen rauschten die schier endlosen grünen russischen Wälder mit ihren vielen Birken am Fenster vorbei. Und ein russisches Bier gab es auch.

Insgesamt hatten wir auf der Fahrt dann durch die Weiten Russlands und in der Mongolei geschätzt um die zehn lokale „Guides“.

Die waren sämtlich weiblich und hatten einen akademischen Hintergrund. Die meisten davon waren inhaltlich wie vom Vortrag ausgezeichnet und konnten die meisten Fragen kompetent beantworten. Nur wenige fielen ein wenig ab. So konnte nur eine Führerin kaum Deutsch, dies wurde aber von Valeri als Übersetzer ausgezeichnet kompensiert.

All diese Menschen habe ich sehr bewundert. Sie haben uns in den besuchten Städten auf langen Spaziergängen mit überzeugender Begeisterung und großem Stolz ihre Heimatstadt präsentiert haben. Das kenn ich aus Deutschland so gar nicht. So habe ich mich im Stillen ermahnt, in Zukunft und auch von meinem Zuhause mehr begeistert zu sein. Und weniger an den Zuständen in und um München herum zu nörgeln.

Auch kritische Anmerkungen zur Entwicklung in Russland waren immer wieder zu hören. Da konnte ich die Guides insofern beruhigen, dass auch bei uns die Freiheitsrechte aktuell kräftig beschnitten werden würden. Und dies auch uns beunruhigen sollte.

Besonders Valeri habe ich auf dieser Reise sehr viel zu verdanken. Im nächsten Artikel werde ich darüber berichten.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 15. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #2 Der Zug.

Ein Reisebericht der anderen Art (2).

Ich habe ja schon berichtet, dass es unsere erste Bildungsreise war. Und auch die erste Reise mit einem „Schlafwagenzug“ über eine längere Entfernung. Immerhin sollten es ja fast 8.000 km werden.

Das Unternehmen „Lernidee“ hat dazu eine ganze Reihe von Angeboten. Sowohl Teilzüge, die ähnlich Kurswagen mit Regelzügen befördert werden und komplette Sonderzüge. Solche Angebote gibt es nicht nur für Europa und Asien sondern auch Afrika und Amerika.

Wir waren mit einem Sonderzug mit dem Namen „Zarengold“ unterwegs, der auf der ganzen Strecke bis an die chinesische Grenze dieselbe Zugnummer hatte. Dort mussten wir in einen chinesischen Sonderzug umsteigen, der unserem entgegen kam und Gäste aus Peking für die Rückreise nach Moskau brachte.

„Zarengold“ ist nur ein Label, der Zug wird für jede Reise eigens konfiguriert. Unser Zug hatte mit 20 Wagons die maximal mögliche Länge. Dabei waren ein Organisationswagen, ein Gepäckwagen und vier Speisewagen. Die restlichen Wagen waren Schlafwagen mit unterschiedlichen Abteilen (vier oder zwei Betten) und Klassen.

Je nach Belegung der Betten kann der Zug in dieser Konfiguration bis um die 200 Leute mitnehmen. Also soviel wie ein kleines Kreuzfahrtschiff. Bei uns waren es ein paar weniger, so dass in den Speisewagen im „Einschichtbetrieb“ gegessen werden konnte. Das war sehr angenehm, weil man so in Ruhe speisen und am Ende der Mahlzeit genug Zeit für ein Pläuschchen mit Mitreisenden da war.

Wir schliefen in einem  Zweibett-Abteil im Wagen mit der Nummer 10, der sich ziemlich in der Mitte des Zuges befand. Das war in der mittleren Klasse. Wir konnten das aber nicht beeinflussen. Diese Reisen scheinen sehr begehrt, wenn man nicht sehr frühzeitig bucht, dann muss man nehmen, was es noch gibt.

Unser robuster Schlafwagen wurde noch in der DDR hergestellt und in vielen Details renoviert. Der Wagen hatte zwei „europäische“ (und geschlossene) WC’s mit Wasserspülung, ein geräumiges Duschabteil, zwei kleine Schaffnerabteile und dann noch 10 Schlafkabinen, all derselben Kategorie mit jeweils zwei Einzelbetten. Es gab genug Platz für das Verstauen des Gepäcks, war aber trotzdem ein wenig eng. Duschen war nur während der Fahrt des Zuges möglich, dazu musste man sich in eine Liste eintragen und so das Duschabteil reservieren.

Die Kabinen waren üppig mit Samt dekoriert. Jeder Schlafwagen hat zwei Schaffnerinnen, die sich um das Wohl der Passagiere kümmerten. Zusätzlich wurde der Zug von ungefähr 35 Menschen betrieben, allein jeder der vier Speisewagen hatte drei Bedienungen und ein wohl genauso großes Küchenteam.

Die Speisekarte im Zarengold-Express vom 2. Juni 2019.

Das Essen mittags und abends war gut, besonders wenn man bedenkt, wie klein die Küchen in den Speisewagen sind. Es gab immer einen sehr frischen Salat, der schon am Platz stand, wenn man kam.  Dann folgten in der Regel zwei Gänge, oft bestehend aus einer Suppe und einem Hauptgang mit Fleisch oder Fisch. Beides immer frisch gekocht. Abgeschlossen wurde das Essen mit einem Nachtisch. Das Essen war nie „convenient“, damit meine ich vorgefertigt aus dem Plastikbeutel und nur aufgewärmt. Auch übers Frühstück konnte man sich nicht beklagen. Nur der Kaffee schmeckte mir überhaupt nicht, so dass ich komplett auf Tee umstieg. Die Preise für Getränke waren im übrigen kommod.

Zu Beginn der Reise wurden die Reisende in Gruppen eingeteilt. Die Gruppen wurden nach Farben benannt, wir hatten die Farbe BLAU. Im uns zugeordneten Speisewagen gab es einen für BLAU reservierten Bereich, BLAU sollte auch unsere Leitfarbe für alle Aktivitäten werden.

Dazu aber später mehr. Vom Zug kann man noch berichten, dass er mit zwei Ausnahmen abgesehen jede Nacht durchfuhr. Das war ziemlich laut und unruhig.  So haben wir nicht so richtig gut geschlafen, was zu einer gewissen Müdigkeit führte, die durch dreifaches Vorstellen der Uhr – zweimal um zwei und einmal um eine Stunde – noch mehr gefördert wurde.

Und immer wenn der Zug am Morgen ein Ziel erreicht hatte, dann ging es raus und rein in das Programm. So richtig Zeit zum Ausruhen gab es eigentlich nie. Und wenn der Zug mal doch tagsüber auf der Strecke war, gab es interessante Vorträge über das „Zugradio“.

Auch hierzu berichte ich dann mehr in den folgenden Artikeln.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 14. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #1 Einleitung.

Ein Reisebericht der anderen Art (1).

Wir haben es geschafft. Gestern sind wir in Peking angekommen! Nach fast 8.000 Kilometern im Zug!

Um es gleich zu sagen – ich bin sehr froh, dass wir diese Reise gemacht haben. Sie war anstrengend schön oder schön anstrengend, ganz wie Ihr wollt. Wir hatten ein großartiges Erlebnis mit vielen tollen Eindrücken und Anregungen.

Ich werde hier davon berichten. Aber nicht in Form eines traditionellen Reiseberichts mit einer chronologischen Aufzählung und Beschreibung von Fahrten und Orten. Hans-Peter Kühn hat schon 2009 hier in IF-Blog von der gleichen Reise – nur noch weiter über Peking nach Tibet mit Rückflug von Shanghai – berichtet. Seine Artikel-Serie ist immer noch aktuell, soviel hat sich in den letzten zehn Jahren nicht geändert.

In meinen nächsten Artikeln zu unseren Reisen werde ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken wieder geben. Es wird nicht um Wissen und Fakten gehen, die findet man besser in Wikipedia oder anderen Seiten im Internet. Sondern um von mir Erlebtes und Gefühltes.

Der Zarengold-Express beim Stop am Baikal-See.

Zur Reise selber:
Schon lange hatten wir die Absicht, Sibirien mal mit der Eisenbahn zu durchqueren. Einer unserer Söhne Maximilian lebt seit mehreren Jahren in Asien, die letzten Jahre in Peking. Wir besuchen ihn und seine Familie immer wieder gerne. Da er bald nach Europa zurückzukommen zurück kommen wird, haben wir die Gelegenheit genutzt, ihn noch mal mit der Eisenbahn zu besuchen.

Ich war selber noch nie im „neuen Russland“ und wollte das Land und seine Menschen erleben. Deshalb haben wir eine „Bildungsreise“ bei „Lernidee“ gebucht und sind am Sonntag, den 2. Juni am Abend in Moskau in den Sonderzug nach Peking eingestiegen. Gestern (Donnerstag, den 13. Juni) um 14:30 war Ankunft in Peking.

Von den 11 Nächten auf dieser Reise haben wir acht Nächte im „russischen“ Sonderzug verbracht, eine Nacht in Irkurts in einem Hotel, eine Nacht in der „sibirischen Schweiz“ in der Nähe von Ulaan Baatar in einer Jurte und eine Nacht im chinesischen Sonderzug, der uns an der mongolisch-chinesischen Grenze „aufgepickt“ und nach Peking gebracht hat.

Für uns als am liebsten individuell Reisende war das etwas Neues: Jeder Tag war voll gepackt mit Ausflügen, die zusammen so eine Art von Bildungsprogramm dar stellten. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und waren andauernd beschäftigt.

Die Mühe hat sich gelohnt, Land und Menschen wurden uns sehr nahe gebracht. Das lag besonders am Valeri, unserem ausgezeichneten „Guide“, der uns fast die ganze Reise begleitete. Mit jedem Tag erfuhren wir mehr und mehr, was für ein großartiger Mensch, kluger Philosoph wie auch glänzender Organisator er ist.

Mein Kopf und mein Herz sind voller Erinnerungen. Ein paar der wichtigsten Eindrücke werde ich jetzt in IF-Blog in loser Reihenfolge veröffentlichen – wie alle meine Artikel vor allem als persönliche Notizen für mich.

Hier habe ich den Zug bei unserem Stop am Baikal-See von hinten aus einem Tunnel fotografiert.

Die Fahrt ist jetzt vorbei, mein Kopf wie mein Herz sind voll. Der Gedanken-Topf quillt schier über. Jetzt sammel und verarbeite ich erst Mal die vielen Eindrücke.

Zwei Nächte bleiben wir noch in Peking. Dann gibt es ein paar Tage Urlaub, am 22. Juni bin ich wieder im deutschen Alltag

Sobald ich die nächsten Tage Zeit und Muße finde, werde ich ein paar Gedanken und Erfahrungen aus den letzten zwei Wochen hier ablegen.

Mit besten Grüßen aus Peking!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Mai 2019

Quo vadis – Germania?

Der „Koch“ Roland (@RolandDuerre):
In Freiheit in Griechenland im Zelt.

Der „Youtuber“ Rezo (Twitterkennung @rezomusik) hat ein Video ins Netz gestellt, in dem das Versagen der CDU – aber eigentlich das der bürgerlichen Parteien, die die letzten Jahrzehnte in der BRD die Politik bestimmt haben – beschrieben und die Inkompetenz unserer „politischen Elite“ deutlich aufgezeigt wurde.

Der Mensch mit dem Künstlernamen Rezo ist ein Unternehmer, der mit seinen bald 27 Jahren auch gar nicht mehr so ganz jung ist. Er hat Informatik studiert (mit Abschluß Master in Dortmund) und verdient sein Geld mit der Herstellung von Videos. Videos veröffentlicht man nun mal unter anderem auch in Youtube. Und schon ist man ein „Youtuber“.

Ich biete auch 103 Videos in meinem Channel rolandduerre zum Anschauen an und meine, dass da einiges an wirklich Sehenswertem dabei ist. Wenn ich nur an die Videos mit Rupert Lay denke. Deswegen bin ich aber kein „Youtuber“, so wie ich auch nicht der „Blogger“ Roland Dürre bin, nur weil ich ab und zu hier in IF-Blog.de meine Gedanken aufschreibe. Nein, zuerst mal bin ich Mensch, der früher sein Einkommen als Unternehmer erwirtschaftete und es sich jetzt als Privatier gut gehen lässt.

Jetzt macht aber gerade die CDU viel Wirbel um das berühmte „Rezo-Video“ und möchte am liebsten das Internet noch strenger zensieren, als es eh schon wird. Dabei sind die Aussagen von Rezo mehr als gerechtfertigt. Sie haben nur einen Mangel, sie sind nicht vollständig – aber wie könnten sie das bei diesem schier unendlichem Ausmaß an Versagen auch sein?

Es vergeht kein Tag, in dem ich nicht mit den Folgen des Wirkens von CDU&Co konfrontiert werde. Und ich wundere mich (und bedaure dies), dass bei der Europa-Wahl so viele Menschen immer noch CDU gewählt haben.

Der letzte Beleg ist von heute Morgen. Da höre ich um 7:00 die Nachrichten im 2. Programm des bayerischen Rundfunks. Und erfahre, dass die beliebtesten Länder , in denen „high potentials“ gerne arbeiten wollen, aktuell Australien, Schweden, Schweiz sind. Und unser SCHLAND erst auf Platz 12 käme.

Hier der Nachrichtentext im Original:


Berlin: Deutschland ist für hoch qualifizierte Kräfte aus dem Ausland nicht die erste Adresse (D im zweistelligen Bereich). Das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die heute (29. Mai) in Berlin vorgestellt wird. Darin stellen die Autoren fest, dass Deutschland in der Rangfolge der attraktivsten Standorte für Fachkräfte mit Master-Abschluss oder Doktortitel nur den zwölften Platz belegt. Auf dem ersten Platz sehen die Forscher Australien, gefolgt von Schweden und der Schweiz. Untersucht wurden zum Beispiel die Qualität der beruflichen Chancen sowie Einkommen und Steuern.


Ich kenne andere Studien, die bestätigen, dass Deutschland auch bei Handwerkern und Facharbeiter auch immer unbeliebter wird. Handwerker und Facharbeiter sind für mich genauso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als Akademiker.

Wenn das kein Versagen der Deutschen Politik ist! Und zwar ein folgenreiches Versagen! Denn der naheliegende Schluß, dass wenn die guten Leute nicht mehr nach Deutschland wollen, Deutschland eher keine so gute Zukunft haben wird, erscheint mir valide.

Besonders wundere ich mich, wenn ich die drei Länder an der Spitze betrachte.

Australien?
Bei Australien fällt mir ein, dass es am Ende der Welt liegt. In der Nähe gibt es Neuseeland und ein paar Südsee-Inseln. Ansonsten bin ich dort völlig aus der Welt? Das ist für mich nicht attraktiv. Man muss immer 10 Stunden fliegen, wenn ich etwas anderes sehen will. Das geht doch heute schon gar nicht mehr.

Wirtschaftlich lebt Australien fast ausschließlich vom Export seiner Kohle. Die wohl die hochwertigste der Welt ist. Ohne diese Einnahmequelle wäre das Land pleite.

Dass muss man sich mal vorstellen. Die beste Kohle der Welt wird ohne Rücksicht auf Umwelt abgebaut, dann zu den Häfen geschafft und mit großen Schiffen um die Weltkugel gefahren. Dann wird sie umgeladen und mit kleineren Schiffen oder langen Güterzügen weiter transportiert. Nur um dann verbrannt zu werden, damit  man genug Stom hat um Alu-Dosen produzieren kann. Diese werden dann mit lokalem Bier befüllt und wieder nach Australien verbracht. Ein Wahnsinn …

Das Gebot der Stunde ist, die Verstromung von Kohle sofort einzustellen. In Australien geht das natürlich nicht. Weil, wenn Australien keine Kohle mehr exportieren würde, es sofort in eine totale Wirtschaftskrise stürzen würde …

So verstehe ich, dass sie gute Leute brauchen. Für den Fall des Falles.

Schweden?
Von Schweden höre ich viel Gutes. Es gibt tolle Bemühungen, z.B. schätze ich die Vison Zero sehr. Da geht es um den Anspruch, die Anzahl der Verkehrstoten auf NULL zu bringen.

Ich kenne aber eine ganze Reihe von Krimi-Autoren, die Schweden als ein korruptes Land im Niedergang beschreiben. Das ist sicher keine gute Reklame für das skandinavische Musterland.

Mich selber würden „keine zehn Pferde“ nach Schweden bringen, Nicht wegen den depressiven Krimis. Sonden einfach wegen der langen und finsteren Winter. Was für ein Standortnachteil.

Schweiz?
Die Schweiz kenne ich gut, auch ihre „bürgerliche“ Seite. Obwohl mir diese nicht immer so gefällt, empfinde ich die Schweiz als attraktives Land. Besonders auch wegen ihrer demokratischen Struktur.

Der Hauptnachteil der Schweiz ist für mich, dass sie mir noch teuerer erscheint als meine Heimat München. Dass man in diesem Land gerne lebt und arbeitet verstehe ich. Dann kann man es sich auch besser leisten. Für einen Privatier ist das nicht so einfach. Also: wenn ich noch mal jung wäre, dann würde ich es mir sehr ernsthaft überlegen, auszuwandern.

Gemeinsames

Jetzt betrachten wir aber, was die drei Länder gemeinsames haben? Ich meine, dass alle drei relativ autonom und vielleicht ganz wichtig, „kleine“ Volkswirtschaften sind. Und mein Glaube ist ja schon immer, dass kleine Systeme besser gesteuert werden könnne als große. Vielleicht stimmt das ja?

Vom Brutto-Sozial-Produkt dürften alle drei in der Klasse von Bayern liegen. Vielleicht ein Grund mehr, dass Bayern endlich aus der BRD austreten sollte. Alle drei Staaten haben eine starke eigene Kultur und Identität. Australien schon aufgrund seiner Abgeschiedenheit, Schweden immer noch als distanzierter EU-Partner und die Schweiz dank ihrer Neutralität. Und alle drei haben – allen Unkenrufen zum Trotz – eine eigene Währung. Anscheindend ist das gar nicht so schlecht.

So könnte man auf die Idee kommen, dass es kleine und selbstbestimmte Staaten leichter haben, Lebens-Qualität zu schaffen. Auch dies scheint mir plausibel.

Der negaitve Trend, der Deutschland ja in vielen Dimensionen bestätigt wird,  fällt nicht vom Himmel. Er ist natürlich wesentlich auf politisches Versagen zurück zu führen. Da hilft weder Selbstbeweihräucherung noch politische Ablenkung durch Beleidigen der Kritiker. Das sollten Damen und Herren auch von der CDU endlich mal verstehen.

Noch eine Anekdote:
Die InterFace AG hatte mal gemeinsam mit einem Partner-Unternehmen eine IT-Tochter in Indien. So hatte ich gelegentlich in Indien zu tun. Bei der Einreise wurde ich an den „immigration desks“  der Flughäfen Mumbais oder Neu-Dehlis in der Regel von sympathischen jungen Herren begrüßt, die sich gerne auf ein nettes Gespräch einließen. Da kam die Frage an mich, was ich denn so beruflich machen würde. Wenn ich mit „computer science“ und IT geantwortet habe, war das Erstaunen der indischen boys groß. In etwa so:

Habt Ihr in Germany wirklich so etwas wie Computer?

Das war dann auch unser Problem. Die besten InderInnen wollten nach USA oder Canada. Oder in die Länder, die man damals als „asiatische Tiger“ bezeichnete. Wenn es schon Europa sein sollte, dann war damals für den Inder nur noch England (GB) halbwegs interessant. Deutschland war die ganz schlechte Notlösung. Da gingen nur die zweitklassigen Leute hin, die woanders nicht genommen worden waren.  In der Hoffnung, es als Sprungbrett in ein anderes Land nutzen zu können.

Das ist jetzt schon ein paar Jährchen her und seither noch schlimmer geworden. Nur im Wirtschaftsministerium in Bayern wird mir eine ganz andere Welt berichtet. Die reden von KI und AI und rufen „Bayern first“. Das ist eigentlich nur lächerlich. Wenn es nicht so traurig wäre.

Heute spielt die Musik in China. Und Mr. Trump sorgt mit seinen dummen Aktionen – wie jetzt rund um Huawei – endgültig dafür, dass die Chinesen (notgedrungen) jetzt erst so richtig loslegen werden. So wird es zumindest in der Digitalisierung für den Rest der Welt so richtig schwierig werden. Auch für die USA. Und ganz besonders für die Nationalstaaten Europas, die sich in ihrer überregulierten Gemeinschaft EU mit Pipifax-Problemen lähmen …

Und die Digitalisierung betrifft ja alles – auch laut der Bayerischen Politik.

Was für ein politisches Versagen.

RMD

AGIL auf der MS EUROPA – schon ein wenig her.

Als Unternehmer bist Du auch Vertriebsmensch. Du hast die Aufgabe, die Menschen (die in ihrer Gesamtheit auch „der Markt“ genannt werden), von Deinem Produkt zu überzeugen. Dass machst Du unter anderem mit Präsentationen. Die Vorträge werden dann unterlegt mit professionell gestalteten Folien, die den Zuhörer streng geführt für das Produkt begeistern sollen.

Heute will ich in meinen Vorträgen Menschen nicht mehr auf meinen Kurs bringen. Gerade junge Menschen möchte ich zum eigenen und kritischen Nachdenken bringen, inspirieren und allenfalls mit Impulsen versorgen. So sollen meine Interaktionen nicht verführung und manipulieren sondern zum kritischen Nachdenken auffordern.

Aber auch freie und offene Interaktion braucht Formate. Im folgenden beschreibe ich vier Formate, die mich als Teilnehmer wie Aktivator begeistern.


Openspeach

Den „Openspeach“ habe ich vor ein paar Jahren für mich erfunden. Ich habe damals öfters Vorträge für junge Menschen gehalten, z.B. für Klassen der Oberstufe bei Gymnasien.

Ursprünglich nannte ich diese Form des Vortrags „Openspeech“, habe ihn aber dann mit „ea“ geschrieben, weil ich eine Art Marke schaffen wollte.

Die Technik des Openspeach ist ganz einfach. Der „Referent“ hat ein Thema wie z.B. Unternehmensgründung. Er startet mit einer offenen Frage.

Zu diesem Thema würde Startfrage passen:

„Was ist das, ein Unternehmen?“

Aus den Antworten pickt er die heraus, die es ihm ermöglichen, seine Linie zu halten. Ich habe da mal als (eine von vielen) die Antwort bekommen:

„Ein Menschenhaufen.“

Das war eine gute Vorlage. In Einigung mit der Zuhörerschaft haben wir beschlossen, diesen Begriff als Basis für die weitere Diskussion zu nehmen. Als Folgefrage bietet sich dann förmlich an:

„Was fehlt einem Menschenhaufen, um eine Unternehmen zu sein?“.

Da hagelt es dann wieder viele Antworten wie Strategie, Organisation, Chef, Mitarbeiter und vieles mehr. Auf dieser Basis kann man gut weiter arbeiten, ein wenig kommentieren und eine Folgefrage finden wie:

„Welchen Zweck hat denn ein Unternehmen?“

So gelangt man leicht zur gemeinsamen Definition

„Ein Unternehmen ist ein soziales System mit einem ökonomischen Zweck.“

Man kann sich vorstellen, wie man dann als Referent sich weiter durchfragen kann – bis hin zum Gründerteam (welche Kompetenzen und Qualitäten dieses haben muss, um erfolgreich zu sein) usw.

Bewertung der Methode:

Diese Methode ist am besten für eine Zuhörerschaft in Klassenstärke geeignet (10 bis 40 Teilnehmer). Sie erfordert, dass der Referent vom Thema viel Ahnung hat. Mit Ahnung meine ich Wissen und aktive Erfahrung wie auch eine große Übung in der Diskussion des Themas. Benötigt werden keine Folien und kein Beamer. Zweckmäßig ist eine Tafel mit Kreide, Whiteboards ein Flipchart und für Einschübe mit Brainstorming Metaplan-Karten mit -Tafeln oder besser noch  Stattys und weiße Wände.
Der Referent stellt wesentlich offene Fragen und steuert die Richtung, in die das interaktive Gespräch geht. Er muss nur einen Teil der Zeit reden, aber immer hellwach und reaktionsstark sein. Und mit den Antworten seiner Zuhörer konstruktiv „spielen“.


Chautauqua

Diese Vortragsart habe ich bei der Lektüre eines kleinen Büchleins mit dem Titel „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ gefunden. Dort habe ich spannende Chautauquas gelesen, wurde neugierig und habe deshalb diese Art der Weitergabe von Wissen und Erfahrung wieder ausgegraben.

Ich zitiere aus Wikipedia:

Chautauqua [ʃəˈtɔːkwə] war eine Bewegung der Erwachsenenbildung in den ländlichen Gebieten der USA vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Form der Lehrrede kombinierte die Chautauqua unterhaltende wie auch bildende Elemente in einer miteinander verschränkten Form, die auch die ästhetischen Ansprüche des Leserkreises abdecken und zur Teilnahme motivieren sollte.

Bewertung der Methode:

Die Vortragsform der Chautauqua ist geeignet für kleine Kreise am Lagerfeuer wie für große Auditorien. Sie erfordert, dass der Referent das Thema selber gelebt hat und eigene Erfahrungen einfließen lassen kann.
Eine starre Abfolge von Folien stört den Geist einer Chautauqua. Ein Computer mit Internetzugang am Beamer ist zweckmäßig. Ich halte es für nützlich, wenn der Referent eine Reihe von Links vorbereitet, die er dann beim interaktiven Weg des Vortrages um spontane Links erweitert.
Ergänzend sind Tafel, Whiteboard oder Flipchart nützlich. Da eine Chautauqua für den Referenten sehr anstrengend sein kann, ist ein Vortrag zu zweit sehr sinnvoll. Dann können zwei Referenten sich die Themen „zu jammen“ und auch bei der Bedienung des Laptops abwcchseln.


Fahnenbildung

Die Fahnenbildung ist Teil der Dialektik. Sie hat den griechischen Philosophen als Methode für die Erzielung von Erkenntnisgewinn gedient. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von präziser Sprache. Sie wurde über zwei Jahrtausende von den Jesuiten praktiziert.
Ich selbst habe diese Methode auch im Unternehmen oft eingesetzt. Voraussetzung ist das Bilden einer These wie
Unser Unternehmen wird erfolgreich sein, wenn …
Anschließend werden Bedingungen gesammelt, die diesen Satz komplementieren. Diese Bedingungen werden auf gewissenhaft auf sprachliche Klarheit geprüft und verbessert. Dann werden sie in nützlich, notwendig und hinreichend kategorisiert. In einer zweiten Runde kann man sie nach semantischen Kriterien ordnen, die sinnvoll zum Thema passen. Das könnte beispielsweise kaufmännisch, emotional, innovativ, einzigartig etc. sein.

Nach dieser Art eines „clustering“ wird geprüft, wird geprüft, ob man eine Kombination von notwendigen Kriterien findet, die hinreichende ist. Wenn das gelingt, dann hat man gewonnen.

Hilfreich für die Vorbereitung einer Fahnenbildung ist eine Vorsatzbildung wie

  • Wir gehen achtsam mit Begriffen um!
  • Jeder fasst sich kurz und darf zur Belohnung ausreden.
  • Alle gehen auf das ein, was die anderen gesagt haben.
  • Jeder bemüht sich, alterozentriert zu denken.
    Das will meinen, er ist bereit sich die Gedanken der anderen zu eigen zu machen und darauf in seiner Rede einzugehen.
  • Wir sind bereit, unsere Gewissheiten (Wahrheiten) in Frage zu stellen.
  • Wir wollen nicht Recht haben und unsere Vorurteile durchsetzen sondern alle unser Wissen teilen, dabei Neues lernen und Dinge verändern.
  • Wir haben keine Angst, kreativ zu sein.

Bewertung der Methode:

Die Fahnenbildung benötigt einen Moderator, der über gewisse dialektische Fähigkeiten verfügt. Als Hilfsmittel genügen Flipcharts, auf denen die Bedinungen gesammelt und analysiert werden. Eine Fahnenbildung macht auch als Teil von Requirement Engineering und ähnlichen Aufgaben Sinn.
Fahnenbildung kann leicht sehr anstrengend werden, erfordert sie doch höchste kommunikative Konzentration. Deshalb empfehle ich, eine Zeitbox (time box) von 90 Minuten festzulegen und im ersten Drittel die Bedingungen zu sammeln, im zweiten zu kategorisieren und im dritten die abschließende Formulierung zu fixieren. Bei einer gelingenden Fahnenbildung sind meistens alle Teilnehmer positiv überrascht, wieviel Kreativität stattfindet und dementsprechend hoch der Erkenntnisgewinn ist.


Serious Play

Das ist sicher eine Königsdisziplin der Kreativität-Techniken. Das wird gerne mit Lego gemacht. Bei Lego gibt es eine eigene Abteilung, die versucht spezielle Sets für den Serious-Play-Trainer zu gestalten. Mit Serious Play können sowohl abstrakte Begriffe lebendig gemacht werden wie auch Prozesse spielerisch entwickelt und verbessert werden.
Gerne werden Serious Play Sessions kombiniert mit Werkzeugen wie Mentimeter, um eine gemeinsame Tag Cloud zu generieren, die den gefundenen „mind set“ (gemeinsame Mentalität) dokumentiert.

Bewertung der Methode:

Die Fahnenbildung benötigt einen Moderator und Material zum Gestalten. Bei Lego Serious Play sind das spezielle Sets von Legobausteinen, die an verschiedene Themen angepasst sind. Insofern ist Serious Play eine aufwändige Methode, die sich aber lohnt, besonders wenn man etwas ganz Neues angehen will.


Formate kollektiver Kommunikation, die ich sehr schätze, sind Barcamp, OpenSpace, fishbowl, lean coffee, world café und weitere. Die Technik des art of hosting ist bei diesen Formaten in der Regel sehr hilfreich.

Der redliche Diskurs (Habermas) ist für mich so etwas wie die Mutter all dieser Formate. Voraussetzung fürs gemeinsame Gelingen ist eine Komepetenz in Dialektik wie auch in gewaltfreier Kommunikation. Wobei man durchaus davon ausgehen kann, dass Menschen, die gewaltfreie Kommunikation leben glücklicher sind.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Mai 2019

Weltschmerz am Sonntag!

Heute ist Europa-Wahl. Wie ich finde, ein trauriger Tag, an dem sich geziemt über unser Versagen nach zu denken.

Katastrophal gespielt und doch noch gewonnen – passiert auch beim Schach nur selten. In der Realtität fast nie.

Es scheint die Krankheit unserer Zeit zu sein, dass wir alle permanent im Stress sind und so auch den Dingen, die uns wichtig sind, nicht die Zeit geben die wir diesen gerne geben würden.

Daran ist mein „Projekt FRIEDEN“ gescheitert und mit sanfter und aktiver Molbilität AKTMOBCMP komme ich auch nicht so recht weiter.

In meiner Wahrnehmung geht es mir und vielen meiner Freunde da noch besser als vielen anderen Menschen. Oft sind es nur „termintechnische“ Gründe, die uns hindern. Aber uns gelingt es oft schon ganz gut, unsere Prioritäten immer bewusster zu setzen.

Bei „meinen Projekten“ bin ich nicht mehr der Treiber, der ich vielleicht früher mal war. Ich nenne das Altersweisheit.

So verschwinde ich am 31. Mai für mehr als drei Wochen nach Russland und China. So wird es im Juni hier im IF-Blog nicht viel von mir zu hören geben.

Nach meiner Rückkunft werde ich Ende Juni / Anfang Juli versuchen, noch mal „voll Gas für AktMobCmp zu geben“. Ich würde gerne noch mehr Menschen für das Thema zu begeistern.

Wobei ich mir oft denke, dass das Projekt FRIEDEN wichtiger ist als die „aktive Mobilität im Alltag“. Wobei das Zweite eh ein Unterthema vom ersten ist. Denn sanfte Mobilität ist ja auch Teil von FRIEDEN, gleich ob wir an den Krieg auf den Straßen oder gegen die Natur denken. Und wenn es keine Autos mehr gibt, wird es darum gehen, die Radfahrer zu befrieden 🙂 (und dann die Fußgänger 🙂 🙂 ).

Ansonsten betrüben mich gerade heute die Ereignisse in der aktuellen Welt. Besonders weil sie die Folge des Versagens meiner Generation sind. In der Oberstufe im Gymnasium vor mehr als 50 Jahren war uns all das schon klar. Wir diskutierten damals genau das, von dem wir heute reden und in dem wir uns heute bestätigt sehen. Uns war klar, was die Folge sein würde. Trotz mancher netter Versuche sind wir wie selbstverständlich den menschlichen Tugenden (?) „Besitzstandwahrung“ und „reich werden ohne Mühe“ gefolgt. Und haben so die heutige Katastrophe herbeigeführt.

Gerade in Deutschland hätten wir alle Möglichkeiten gehabt, nach dem zweiten Weltkrieg eine bessere Welt zu schaffen. Damit meine ich ein soziales Konstrukt für eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen, ohne Rüstung und Militär und in gemeinser Verantwortung für das Leben. Aufbauend auf einer vernünftigen Grundbildung für alle.

Wahrscheinlich hätten wir eine Chance gehabt, in Mut und mit Freude ein wunderschönes Europa der Regionen zu bauen und die Nationalstaaten zu ersetzen.

Das Gegenteil haben wir gemacht. Gerade Deutschland hat Europa gefleddert und es so zerstört. Als Metapher fällt mir der Braunkohle-Bergbau ein. Der europäische Kapitalismus – angetrieben vom Euro – hat wie der Großbagger im Tagebau das Land vernichtet.

Das Internet war unsere zweite große Chance. Auch das machen wir gerade kaputt.

Verantwortlich für diesen Niedergang war natürlich auch unser gesellschaftliches und politisches System und wesentlich die Oligarchie unserer bürgerlichen Parteien. Diese kriegen  jetzt  zu recht ihr Fett abkriegen. Aber sogar deren fällige Abgang ist nicht sicher.

Faktisch waren wir es aber alle gemeinsam, die die Welt kaputt gemacht haben. Die Gier hat uns dazu gebracht, so sind wir gerne den Lügnern und Heuchlern gefolgt.

Perfekte Manipulation pro Auto:
Titelblätter Hobby  1957 – 1965 (das Magazin für deutsche Jung-Ingenieure).

Eine weitere Metapher für das, was in den letzten 50 Jahren völlig falsch gelaufen ist, ist das Auto, ist es doch ein Symbol für „vorwärts Kommen ohne Anstrengung“ und für eine völlig falsch verstandene Freiheit. Das Auto war für die meisten von uns das goldene Lamm, um das wir getanzt sind.

So haben wir eine „Kirche der Vernunft“ implementiert, die Konsumismus als Religion und Wachstum als handlungsleitendes Prinzip hat. Das hat alten Aberglauben durch Neuen ersetzt. Nur der Feudalismus ist geblieben. Und die Zerstörung der Welt wird mit einer Art von „Feudalismus für Alle“ betrieben und gerechtfertigt.

Langsam begreifen wir, dass wir jetzt die Quittung bekommen. Die einen ignorieren as, die anderen flüchten sich ins Land der Träume und begeistern sich für #newwork“, #agile und „demokratisches Unternehmen“. Gemeinsam schauen wir aber alle – gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange der mehrdimensionalen Zerstörung des Planeten tatenlos zu.

Nicht nur die rasante Zunahme des Kohlendioxid und die dadurch bewirkte Klimaveränderung zerstören ihn – obwohl das eigentlich schon hinreichend sein dürfte. Und wir wissen, was zu tun wäre, tun es aber nicht. Der Mut zur notwendigen „großen Transformation“ haben wir nicht

Aber ich möchte Euren Sonntag nicht mit meinen finsteren Gedanken verderben und wünsche Euch alles Liebe, Gute und Schöne! Viel Sonne, Mut und Freude! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Danke für Eure Freundschaft!

RMD