Bernhard Findeiss
Montag, der 11. Mai 2009

ScrumDay München: Keynote von Ken Schwaber

Am 6. Mai 2009 fand in München zum ersten Mal der „ScrumDay“ statt, zeit- und ortsgleich mit der „TeamConf“, einer Konferenz zum Thema „Microsoft Visual Studio Team System“.

Der Tag begann mit einer Keynote von Ken Schwaber, einem der „Erfinder“ von Scrum, zum Thema „Scrum, But …“. Er gab eine kurze Einführung in das Thema Scrum und die dahinter liegenden Werte (Selbstorganisation, Transparenz, Integrität).

Zudem stellte er noch klar, daß Scrum empirische Softwareentwicklung bedeutet, da man in regelmäßigen Abständen auf die Projektsituation blickt und, so notwendig, Anpassungen vornimmt. Er verglich es mit dem Temperaturfühler einer Klimaanlage, der in regelmäßigen Abständen die Temperatur eines Raumes überprüft und bei Abweichungen die Anlage höher oder niedriger stellt.

Eine solche Vorgehensweise wird nötig, da die Komplexität heutiger Softwareentwicklungsprojekte zu hoch ist um alles zu überblicken (länger als 4 Wochen sowieso nicht). Zudem ändert sich erfährungsgemäß sowieso 35% eines Projektes im Laufe der Zeit.

Die Lösung ist es jedoch nun nicht, einfach Scrum einzuführen. Stattdessen wird Scrum lediglich die eigentlichen Probleme sichtbar machen, und nur wenn diese gelöst werden erreicht man eine nachhaltige Verbesserung der Projektsituation. Außerdem benötigt auch Scrum eine gewisse Zeit des Eingewöhens und Lernens.

Er verglich das mit einer Fußballmannschaft: Nur weil ein Team die Regeln des Spiels versteht heißt das noch lange nicht, daß es auch Meister wird. Dazu ist viel Übung notwendig, und viele Teams schaffen es trotzdem nicht.

So sind, laut Schwaber, von Haus aus überhaupt nur 25% aller Softwareentwicklungsteams in der Lage, qualitativ hochwertigen Code zu schreiben, und ein Team aus lauter „Dummköpfen und Idioten“ (O-Ton Schwaber) wird es mit Scrum zwar schaffen, nach 4 Wochen ein Inkrement zu liefern, allerdings ein Inkrement Müll.

Außerdem werden bei der Einführung von Scrum gerne die Regeln verbogen. Er nannte das „ScrumButs“: Gründe (bzw. Ausreden) warum man den vollen Vorteil von Scrum nicht nutzen kann. Für einen solchen ScrumBut kann man sogar eine eigene Syntax angeben:

(ScrumBut) (Reason)(Workaround)

Beispiel (gefunden hier):

(The Daily Scrum meetings are too much overhead) (because the team members don’t need to meet so often) (so we only have them once a week, unless we need them more often).

Dieses verbiegen der Regeln sollte man aber unbedingt vermeiden, da dadurch die Teams die vollen Möglichkeiten von Scrum nicht ausschöpfen können.

Leider mussten wir die Keynote an dieser Stelle verlassen, da wir direkt im Anschluß an die Keynote selbst mit unserem Vortrag zum Thema Retrospektiven an der Reihe waren. So konnten wir leider nicht mehr miterleben, wie Ken Schwaber die „Boss & Worker“-Übung durchgeführt hat.

Diese Übung, die oftmals auch Teil der „Certified Scrum Master“-Schulung ist, demonstriert, wie sich auch große Teams (anwesend waren ca. 150-200 Personen) in kurzer Zeit und ohne viel Aufregung selbst organisieren können, und eine gestellte Aufgabe dann besser erledigen als wenn Vorgaben gemacht würden. Wer mehr darüber erfahren will, dem sei z.B. diese Seite als Lektüre empfohlen.

Wir empfanden den Vortrag als sehr gelungen und auch spannend, wie auch den Rest des Tages. Die Vorträge waren durchweg von guter bis sehr guter Qualität, und auch die Rückmeldungen auf unseren eigenen Vortrag waren positiv.

Auf einige der mir besonders in Erinnerung gebliebenen Vorträge des restlichen Tages werden wir noch gesonderte Artikel schreiben.

Interessant war auch, daß die Veranstaltung, obwohl sie zum ersten Mal stattfand (und überall Krisenstimmung herrschen soll) sehr gut besucht war – ca. 80-100 Personen werden es beim Scrum-Teil in etwa gewesen sein, dazu kamen natürlich auch noch einige Teilnehmer der TeamConf, die zeitweise mit dazugekommen sind. Manche Vorträge (etwa der von Boris Gloger und Oliver Zeiler) waren eher schon überfüllt als nur gut besucht, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

Im Großen und Ganzen war es aber eine gelungene Veranstaltung. Wie ich gehört habe soll sie auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Wenn irgendwie möglich wollen wir auch da wieder dabei sein.

Der nächste Scrum-Termin in München, den man sich vormerken sollte, ist übrigens das Scrum Gathering im Oktober. Viele bekannte Agilisten werden dann vor Ort sein, u.a. auch Ken Schwaber. Wer ihn auf dem ScrumDay verpasst hat, der kann ihn daher dieses Jahr noch einmal in München reden hören.

BFI

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