Roland Dürre
Mittwoch, der 15. November 2017

Die Zukunft des Planeten

🙂 Heute geht es mal nicht über elektrische Fahrräder oder Sex sondern um Politik.

Das Wappen von Jamaika

Jamaika

Zurzeit richten sich die Augen vieler Menschen in Deutschland auf das Land des Bob Marley. Es geht um Jamaika, was natürlich nur ein albernes Wortspiel ist. Die „Koalitionsverhandlungen“ in Berlin stehen im Mittelpunkt. Wir sprechen von „Jamaika“ – weil die zum Wappen gehörige Fahne die Farben der beteiligten Parteien (schwarz, gelb, grün) enthält.

Ich muss gestehen, meine Hoffnung in diesen Verhandlungen beruhte auf den Grünen.

Aber was machen die Grünen?

Sie fuhren mit vielleicht richtigen Forderungen nach Berlin, die aber verhandlungs-technisch mit Sicherheit erfolglos sein werden (und auch schon waren), nämlich mit der Forderung nach Abschaltung des Verbrennungsmotors zum Jahre 2030 (1) und von Kohlekraftwerken (2). Vor allem (1) klingt schon arg utopisch. Wir brauchen auch keine allgemeinen Ziele, sondern konkrete Maßnahmen.

Strom muss Kohle ablösen, nicht verbrauchen!

Zu (2) nehme ich nicht Stellung. Denn es ist doch evident, dass wir nur mit Elektrizität das „verfinsternde“ Zeitalter der Verbrennung von fossilen Energien beenden müssen. Die Ablösung von Kohle durch Strom kann aber nicht heißen, dass die Hälfte des Stroms weltweit aus Kohle produziert wird. Das muss Vergangenheit sein (und wird es auch bald werden). Viel spannender finde ich aber (1).

Das Outo ist out!

Jedem muss aber auch klar sein, dass eine „individuelle Mobilität“ basierend auf Strom nicht eins-zu eins so sein kann und wird wie viele von uns das Outo (so geschrieben weil es „out“ ist) nutzen. So wie auch „autonom fahrende Autos“ nicht so fahren werden wie MANN und FRAU es heute tun.

2030 ist bald!

Bis dahin sind es nur noch 12 Jahre – also gerade so lang wie früher mal ein Auto gehalten hat. Insofern wäre die Forderung der Grünen für Jamaika ganz einfach gewesen.

Den Ausstieg vorbereiten!

Dazu gehört ganz schnell die Einführung eines Tempolimits – wegen mir auch gerne schrittweise zum Üben – aber mit dem klaren Endziel noch vor 2020 von maximal Tempo 30 km/h in geschlossenen Ortschaften, 70 km/h auf „Landstrassen“ und 100 km/h auf Autobahnen. Und genauso schrittweise mit einer wirklich relevanten und wirklich drastischen Erhöhung der Besteuerung fossiler Treibstoffe (inklusive Kerosin für Fliegen). Wenn man dann auch noch endlich die gigantische Subvention der „Geschäftswagen“ (zumindest den dominierenden Missbrauch eingeschränken würde), dann hätte das ganze Hand und Fuß!

Schlank und effizient!

Das wäre eine schlanke und effiziente Lösung, die Hoffnung auf eine „sanfte Landung“ machen würde. Damit könnte man sich auch viel Quatsch wie Maut etc. sparen. Nur: leider ist das unpopulär. Und die Grünen wollen, vielleicht aus guten Gründen, eben nicht unpopulär sein. Wobei ich persönlich ja meine, dass Unpopularität eher Wähler bringt denn vergrault

Investitionen in die Zukunft

Und die Einnahmen aus diesen Geldern darf man dann eben nicht für weitere neue Autobahnkreuze in zwei Ebenen mit bis zu 10 Spuren ausgeben, die heute ja konkret als Folge des stattfindenen Ausbaus der Autobahnen auf noch mehr Spuren notwendig erscheinen sondern in den Aufbau und des öffentlichen Verkehrs natürlich in die „Energie-Wende“ – die ja eigentlich nur noch heißt vom Atom- und Kohlestrom. Denn ich meine, dass wir da ansonsten ja schon auf einem guten Wege sind.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. Juni 2017

#AktMobCmp – 13. Juli 2017

Für den Abend des  13. Juli 2017 habe ich ein #AktMobCmp-Treffen vorgeschlagen.

Gedanken zur Vorbereitung!

MÖGLICHE THEMEN

Folgende Themenkreise und/oder Thesen würden mich interessieren.


Warum fährt man überhaupt noch Auto? Hat man da Vorteile? Oder ist das alles nur ein großer Selbstbetrug? Als manipuliertes Lobby-Opfer?

  • Vor ein paar Tagen bin ich mal in ein paar Stunden um den Starnberger See geradelt. Es ging zuerst mit der S-Bahn von Neubiberg nach Starnberg. Dann sind wir rund um den See gefahren und von Starnberg wieder mit S-Bahn zurück. Es war ein wunderschöner Sommertag, alles ging hervorragend. Aber am See, da war so „auto-mäßig“ absolut die Hölle los. Alle Parkplätze waren voll, es ging nichts mehr. Und es gab Stress ohne Ende – bei den Autofahrern.
  • Ich bin ziemlich mobil. Innerhalb München sowieso. Aber auch innerhalb Deutschland, Europas und gelegentlich auch in der Welt. Und immer geht es ohne Auto. Der Verzicht auf Autos als Mobilitäts-Werkzeug hat nur Vorteile, unter dem Strich geht es einem viel besser ohne Auto!

So könnten wir die Frage bearbeiten:
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Autofahrt Sinn macht, d.h. wesentliche Vorteile gegenüber alternative Mobilität bringt?


Wieso trauen sich Menschen eigentlich noch mit dem Auto zu fahren? Und nehmen dabei entweder ohne nach zu denken oder in arroganter Selbstherrlichkeit beliebig nicht nur „soziale Schäden“ bei dritten und sich selber in Kauf?

Oder:
Passt die folgende Metapher? Autofahren nicht nur in der Stadt ist doch  mit dem Rauchen in öffentlichen Räumen zu vergleichen? Wenn ich durch die Gegend radele, blasen Autos mir ihre Abgase ins Gesicht wie mir früher der Raucher am Esstisch gegenüber.

  • Als Führer eines Autos gehen wir bewusst das Risiko ein, andere Menschen zu verletzen oder zu töten. Und das passiert immer noch viel zu häufig.
  • Wenn wir Auto fahren, produzieren wir Abgase, die andere Menschen schädigen, die mit dem Auto gar nichts zu tun haben wollen.
  • Autos erzeugen Lärm, der die Lebensqualität unseres Wohnraums in den Städten wie auf dem Land enorm reduziert.
  • Autos verursachen für die Insassen und besonders dem Fahrer ziemlichen Distress.
  • Autofahren raubt den Menschen die Bewegung und macht sie dick.

Vielleicht nicht so ganz scherzhaft war ein Tweet, den ich gelesen habe: Man sollte die Abgase des Auspuffs erst mal durchs Innere des Wagens leiten, bevor sie nach außen entsorgt werden dürfen.

Hier stelle ich mir keine „moralische“ Diskussion vor sondern eine ganz schlichte und konstruktive Güterabwägung.


Die Genialität von Pedelecs (E-Bike)!

  • Die Kombination von Körper und Maschine
  • Für rationale und effiziente Mobilität und Logistik sind E-Maschinen perfekt.
  • Gerade im unteren Geschwindigkeitsbereich und für schlanke Mobiltität sind Elektrofahrzeuge eine hervorragende Alternative.

Könnten wir nicht 90 % unser innerstädtischen individuellen und durch logistisch notwendigen Mobilität mit E-Bikes und angemessenen Elektrofahrzeugen (Skooter, Lieferautos, Großraumtaxis als Teil des öffentlichen Verkehrs …) besser, billiger, gesünder, schöner und effizienter bewältigen?

(Mir ist klar, dass individuell die Elektromobilität – sprich das E-Auto – keine Lösung ist. Allein die Umweltschäden und der Kohlendioxid-Ausstoß, die die Herstellung einer Groß-Batterie wie für einen Tesla bedeutet oder auch schon für einen e-UP verursacht, zeigen dass dies keine Lösung für schnelle und weite Kommunikation sein wird.)

Könnte es sein, dass die Ursache für den massiven Wechsel vom Fahrrad zum Auto im Nachkriegs-Deutschland einfach die vielen und so mühsamen Steigungen waren? Und dass seit dem E-Bike das schlechte Wetter das letzte Argument gegen das Radeln ist? Und dass das ganz gut lösbar ist (und Teil des Menschseins ist)?

Und geht es im Bereich der „Hochleistungs-Mobilität“ – Mittel- und Langstrecken schnell überbrücken zu können – eigentlich nicht um „shared economy“ sondern um „shared mobility“? Und ist diese nicht schon längst erfunden und kann freilich noch beliebig verbessert werden?


Zum Format bzw. der Methode für unser nächstes Treffen:

Wie wäre es diesmal mit einer praktischen Übung in Fahnenbildung? Alle diese Themen könnten wir mit der Technologie der Fahnenbildung bearbeiten. Die Fahnenbildung (ars construendi vexilla, die Kunst Fahnen zu verbinden) ist eine dialektische Technik zum Erarbeiten von vernünftigen Übereinstimmungen (rationaler Konsens) in Gruppen. Und die kann, besser muss man wunderbar agil und auf Augenhöhe gestalten!


Was meint Ihr? Was würdet Ihr bevorzugen? Welches Thema, welche Methode. Habt Ihr bessere Ideen und/oder Ergänzungen? Soll ich das geplante Meeting organisieren und einladen?

Dann würde ich in der Region München einen Raum für den 13. Juli suchen, das Programm ausarbeiten und Termin und Programm in Meet-Up und auf der AktMobCmp-Seite veröffentlichen.

Oder sollen wir es sein lassen, weil es eh sinnlos ist? Und weil wir eh keine Chance auf ein besseres Leben ohne Abgase und Lärm haben? Weil die Auto-Lobby die Welt regiert?

Dann würde ich den Termin absagen und vielleicht auch AktMobCmp beenden.

RMD

Gestiftet von Visual BrainDump (Christian Botta & Daniel Reinold). Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Roland Dürre
Samstag, der 15. April 2017

Aus dem Leben eines Radfahrers – EINKAUFEN

Neue Serie, weil mir aktive Mobilität wichtig ist.

Ab und zu gehe ich einkaufen. Zum Beispiel Milch für den Kaffee. Geschmacklich hochwertiger Kaffeeschaum geht nämlich nur mit guter Frisch-Milch. Am liebsten verwende ich dazu die Milch mit 3,8 % Fettgehalt von demeter. Die gibt es in braunen Ein-Liter-Glasflaschen. Glasflasche ist mir wichtig, weil ich Produkte wie Milch im Tetrapak oder Joghurt im Plastik-Becher prinzipiell nicht mehr für mich nutze. So wie ich auch kein Bier in Dosen kaufe.

Die von mir gefragte Milch bekomme ich in meiner näheren Umgebung nur bei einem Bio-Markt namens denns, der schon vor einiger Zeit in der Putzbrunner Straße in Ottobrunn unweit meines Häuschen geöffnet hat. Das Geschäft ist Teil einer Bio-Kette selben Namens, die sich möglicherweise sehr gut darauf versteht, mit dem Label „bio“ so richtig Kohle zu machen (wenn sie sich nicht selber mit schlechtem Service in ihren Filialen im Wege steht).

Vorsicht, da ist nicht unbedingt drin was droben steht.

Der Eingang erscheint freundlich, aber das täuscht. Wenn man drin ist, kommt gleich rechts der PAYBACK-Automat. PAYBACK sind die, die gerade die „ONLINE SHOPPING GLÜCKSWOCHEN“ machen. Für mich ist PAYBACK so eine Art moderne Kundenverarschung. Und ich finde, dass „Kunden verarschen“ nicht zu „bio“ passt.

Auch meine sonstigen Erfahrungen dort passen ein wenig zu dem Spruch „Außen hui, Innen pfui“. An der Kasse warte ich immer (zu) lange, das Personal zeichnet sich nicht durch besondere Freundlichkeit aus (dies zumindest nach meinen Erfahrungen bis April 2017). Es gibt exotische Früchte – und nicht exotische zur falschen Jahreszeit. Alles ist mir zu sehr „bio, bio, bio“; insgesamt erscheint mir vieles mehr als Schein & Show.

Die meisten Kunden reisen in der Regel in großen Limousinen aus der näheren Nachbarschaft zum Einkauf an. Auch das passt für mich nicht zu „bio“. Als Metapher: Die typische Kundschaft besteht hier nicht aus dem alternativen Weltverbesserer in Birkenstock-Schlappen sondern aus der schicki-micki Edel-Mutti, die in ihrem SUV mehr nach Edel-Nutti ausschaut. Ein paar Kunden kommen aber auch – wie ich – mit dem Fahrrad.

Ein spannendes Kriterium für Kundenfreundlichkeit ist nach meiner Meinung der Umgang mit den radelnden Kunden. Es hat zumindest eine gewisse Symbolik, wenn ein einfachster Fahrradständer als Alibi im Abseits steht, dies auch nicht im überdachten Bereich, obwohl das Gebäude rund um den Laden einen breiten Überhang hat.

Der kleine Fahrradständer ist ziemlich abseits vom Eingang und im nicht überdachten Bereich (und gerade mal nicht überfüllt).

Was macht der „böse Radler“ aber wenn mal richtig viel los ist und der „Radel-Parkplatz chaotisch überfüllt ist“?

🙂 Dann stellen wir bösen Radler unsere Fahrräder auf einem Parkplatz ab  – falls einer frei ist. Warum auch nicht?

Zwei Räder von zwei Personen (wie auch von drei oder vier) brauchen auch nur einen Parkplatz so wie ein Auto (mit einer Person).

Die in der Regel hoch motorisierten Denns-Kunden verstehen dieses „bösartige“ Verhalten wahrscheinlich nicht. Allgemein ärgern sich ja viele Autofahrer über Räder auf Parkplätzen. Manche so sehr, dass sie ihren Ärger auch lautstark in einem Wortschwall kund tun – der dann je nach Naturell und Stress-Höhe des Autofahrers heftig über aggressiv bis beleidigend ausfällt.

Überstände für trockene Fahrradstellplätze gäbe es hier genug, aber die sind Wichtigerem vorbehalten.

Wenn es solchen Ärger gibt, bleibe ich höflich. Ich antworte dann dem schimpfenden Autofahrern nicht mit meinem Lieblings-Schimpfwort „Was wollen Sie eigentlich, Sie Autofahrer!“ und lasse mich auch nicht zu einem gelassen formulierten Ausspruch hinreißen wie „Da sieht man es wieder, Autofahrer sind halt wirklich nur Abschaum und Gesindel!“.

Das hätte ich früher gemacht. Ich bin aber älter und ruhiger geworden. So lächele ich dann möglichst freundlich und weise höflich darauf hin, dass „Parkplätze halt zum Parken von Fahrzeugen da sind. Und Fahrräder halt auch Fahrzeuge sind“. Auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz bin ich natürlich dann auch bereit die anfallende Gebühr zu bezahlen.

Der Ärger ist vorprogrammiert. Es wird immer mehr Räder geben, darunter auch Lastenräder. Anders wird in Zukunft das Einkaufen in den Cities nicht funktionieren. Schon jetzt tritt das Problem – keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder – immer häufiger auf, nicht nur bei Geschäften mit viel Kunden wie z.B. Discountern sondern allgemein im öffentlichen Raum.

Es gibt aber schon heute Geschäfte, die Radler als Kunden schätzen und ernst nehmen. Auch hier ein schönes Beispiel ganz in meiner Nähe in Neubiberg.

Beim REWE nahe des S-Bahnhofs Neubiberg sind die Fahrrad-Parkplätze direkt am Eingang und überdacht.

Der Rewe in Neubiberg hatte früher einen ganz kleinen Parkplatz für Fahrräder. Jetzt hat die Geschäftsführung reagiert und einen großen und überdachten Raum für Fahrräder gleich neben dem Eingang bereitgestellt!

Es gibt nur einen kleinen Wermutstropfen. Immer wenn im Geschäft viel los ist, dann ist der neue nicht kleine Fahrradparkplatz auch schon wieder zu klein. Man könnte sich aber da behelfen, indem man die Räder auch in zweiter Reihe parkt (mit einem Durchgang zwischen den beiden Reihen). Für die „Benutzer“ wäre es einfacher, wenn eine Markierung am Boden die zweite Reihe suggerieren würde. Ein Gedanke quasi als Verbesserungsvorschlag. Denn eigentlich braucht man zum Einkaufen keinen Fahrrad-Ständer, wichtiger ist die markierte Freifläche, die man als Radler dann diszipliniert nutzen sollte.

Die Fahrradfreundlichkeit ist hier symptomatisch für den Service. Wenn ich im Rewe in Neubiberg bin, dann fällt mir jedes Mal positiv auf, wie gepflegt der Laden auch innen und wie freundlich und hilfsbereit die Mitarbeiter dort sind. Anscheinend gibt es eine Korrelation zwischen „Fahrrad-Freundlichkeit“ und „gutem Service für die Kunden“? Und wahrscheinlich zahlt sich Fahrrad-Freundlichkeit für die Geschäfte immer mehr aus! Weil es immer mehr  Radfahrer gibt, die mehr Geld haben als so manche Autofahrer – und sehr viel Wert auf Qualität legen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Februar 2017

AktMobCmp – Nächster Termin am Dienstag, 11. April 17 um 19:00

Mobiltät der Zukunft – #agile #digital #lean #open #social

Die Mobilität der Zukunft wird wesentlich anders aussehen müssen als die heutige. Weil es offensichtlich so nicht weiter gehen kann. Das ist allen mehr oder weniger klar.

Andere Länder wie die Niederlande scheinen da auf einem guten Wege. Jedoch wir scheinen die notwendige Veränderung nicht zu schaffen. Denn Mobilität sollte in Zukunft wieder für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Dazu wollen wir gedanklich und aktiv einen Beitrag leisten.

Und uns vor allem überlegen, welche aktive Beiträge wir sinnvoll leisten können, damit der Wandel auch in Deutschland ein weniger schneller kommt.

Ziel
Wir wollen die Tradition des #AktMobCmp (Barcamp für aktive Mobilität im Alltag) mit einer Serie von Abendveranstaltungen beleben.

Dazu starten wir am Dienstag, 11. April 17 um 19:00. Wir sind zu Gast bei einem jungen und sehr spannenden Unternehmen, der accu:rate GmbH | Institute for Crowd Simulation | Rosental 5 | D-80331 München. Anmelden könnt Ihr Euch unter MeetUp oder direkt per E-Mail an mich.

An diesem Tag planen wir ein moderiertes „lean coffee“ mit Time-Box nach dem 3×3-Prinzip: (1) Präzisieren, (2) kooperativ verhandeln und (3) ernten). Zur Inspiration gibt es vor dem Lean Coffee drei kurze Impulse von Dr. Jessica Le Bris (GreenCity), Florian Sesser (Gründer accu:rate GmbH) und mir (Initiator #AktMobCmp).

Hier als Anregung schon vorab mal ein paar Thesen und Fragen.

Thesen

  • Agilität & Mobilität sind menschliche Bedürfnisse.
  • Die industrielle Revolution hat Agilität durch Planung und Taylorismus ersetzt.
  • Der Glaube an menschliche Allmacht aufgrund des technologische Fortschritt bröckelt.
  • Das Zeitalter von Hierarchie und Taylorismus geht zu Ende.
  • Die individuelle und motorisierte Mobilität nach heutigem Muster ist nur scheinbar agil.
  • Die Mobilität der Zukunft wird rationaler und weniger emotional sein.
  • Auch die Mobilität der Zukunft muss „agil“ werden.
  • Ohne einen wesentlichen Anteil von „Aktiver Mobilität im Alltag“ (Fortbewegung aus aus eigener Körperkraft zu Fuß, mit Fahrrad oder anderen unterstützenden Geräten) wird es nicht gehen.
  • Aktive Mobilität ist gut für den Körper
    (Wir haben nur einen Körper und müssen diesen so gut behandeln wir nur möglich)
    und
  • ermöglicht uns, unser wertvolles Gut Zeit besser einzusetzen
    (Unsere Zeit ist begrenzt, wenn sie weg ist kommt sie nicht mehr zurück).
  • ….

Fragen:

  • Warum stehen Menschen lieber im Stau an Stelle sich in frischer Luft zu bewegen?
  • Warum werden Parkplätze im öffentlichen Raum so stark subventioniert?
  • Gehören Zweitakter-Ottomotoren ganz abgeschafft?
  • Braucht wirklich jeder ein Auto?
  • Wie soll die smart City aussehen?
  • Müssen wirklich weltweit jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Menschen im Straßenverkehr sterben und entsprechend mehr zu Krüppeln werden?
  • Wussten Sie, dass die Hälfte aller Kopfverletzungen Insassen von PKWs erleiden
    und
  • PKW-Nutzer trotzdem keinen Helm tragen müssen?
  • Was kann jeder von uns beitragen, damit Mobilität sanfter wird?

Anregungen sind will kommen. Wir wollen auch ein Ergebnis erzielen. Das könnte so gehen:

  • Wir teilen unser Wissen teilen,
  • Erfahren und Erleben neue Argumente und Situationen,
  • Gewinnen neue Erkenntnisse,
  • Formulieren unsere Gedanken klar,
  • Entwickeln Ideen zur Umsetzung
    und
  • Beginnen unsere mobile Welt neu zu gestalten.

Zielgruppe

AktMobCmp wendet sich vor allem an Menschen, die mit der aktuellen Mobilitäts-Situation und deren Folgen nicht zufrieden sind.

Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

 

Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Gestiftet von Visual-Brainddump – Wir bedanken uns bei Christian Botta und Daniel Reinold. 

RMD

Roland Dürre
Montag, der 23. Januar 2017

Inflation im Nahverkehr

Der letzten Preis-Erhöhung der deutschen Bahn zum Fahrplan-Wechsel Sommer/Winter habe ich keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Als Notiz hatte ich in den Ohren, dass „die Deutsche Bahn die Preise im Fernverkehr um durchschnittlich 1,3 Prozent“ erhöht. So stand es ja auch in der SZ.

Der Shuttle nach München heute bei der Einfahrt in Nürnberg.

Aber denkste!

Am Samstag wollte ich mit drei Mitreisenden nach Augsburg fahren. Also flugs im Netz ein Bayern-Ticket geordert. Und schon reibe ich mir die Augen: Das kostet jetzt 25 €. Das waren doch vor gar nicht langer Zeit noch 23 €. Das sind satte 2 € mehr, also eine Preissteigerung so um die 9 %.

Da kann ich mit leben – denke ich mir, jedoch kommt dann sofort die zweite dicke Überraschung. Die Mitfahrer (bis zu vier sind möglich) haben 5 € je Person gekostet. Jetzt kostet jeder Mitfahrer 6 €. Das sind dann schon satte 20 % mehr.

So kostet der Fahrpreis mit dem Bayern-Ticket für unsere kleine Reisegesellschaft jetzt 25 € Basispreis plus 3 Personen à 6 €, das sind dann 25 € plus 18 € also  zusammen 43 €. Das ist dann so ein Preis, mit dem fahre ich schon mal zu zweit mit dem DB-Fernverkehr nach Sylt (wie das nächste Mal im Februar). Und da ist dann die lange Fahrt nach Hamburg und die zeitlich gar nicht so viel kürzere Weiterfahrt mit dem Regionalzug (vor kurzem noch mit der Nord-Ost-Bahn) nach Westerland im Preis mit drin!

Früher hätte ich 23 € plus 3 Personen mal 5 €, also nur 38 € bezahlt. Der Fahrpreis für uns vier ist so von 38 € auf 43 € gestiegen, das sind dann doch fette 5 € mehr, was um die 13 % Steigerung ausmacht.

Das heißt:
Eine Fahrt nach Augsburg Barbara und mich und in dem Fall zwei Töchter kostet einfach so mal 5 € mehr. Wenn ich dann an das Geschiss um die Autobahn-Maut denke – dass die den Autofahrer auf keinen Fall zusätzlich belasten dürfe – dann wundere ich mich schon.

Ich bewundere auch die „runden Preise“, die da so einfach gemacht werden. Dass Cents nur noch lästige Münzen sind und so immer mehr Geschäfte die Summe beim Einkauf dann einfach eine Stelle hinter dem Komma abrunden, das verstehe ich. Aber dass man bei Preiserhöhungen auch die erste Kommastelle – immer hin 10 Cents, das waren mal 20 Pfennige – ausblendet, das finde ich schon sehr eigenartig.

Es gibt übrigens bei DB und den Privatbahnen auch eine Inflation von Spezial-Tickets für alles Mögliche: Für besondere Regionen, mit und ohne den Nahverkehr in Verkehrsverbünden, spezielle Stadtverbindungen oder eine maximale Entfernung (z.B. max 50 km). So wird das Preissystem komplizierter. Und wenn man die Basis-Mondpreise und die gleichzeitigen Niedrigpreise bei den Sonderangeboten im Fernverkehr in die Betrachtung mit einbezieht, dann wird die Preisgestaltung der Bahn immer unverständlicher.

So schön leer ist’s im Shuttle nachmittags um vier. Das Chromebook ist dabei.

Ich ärgere mich aber nur mal kurz ab und fahre weiter Zug, denn für mich ist die Bahn alternativlos. Und deswegen bin ich auch heute nach Nürnberg und zurück mit dem Bayern-Ticket unterwegs und löhne halt brav meine 25 €. Weil ich im Zug meine E-Mails abarbeiten und meine Artikel schreiben kann. Beim Autofahren kann ich das nicht.

Autofahren kommt für mich eh nicht mehr in Frage. Die Mehrheit unserer Volkes soll laut soziologischer Forschung verbittert sein. Ich wäre es auch, wenn ich jeden Tag eine oder mehrere Stunden am Steuer eines Autos verbringen müsste. Da fahre ich lieber Zug und freue mich, wenn Google vor den Staus auf der A9 wartet. Es ist die morbide Freude über das Scheitern eines unsinnigen Systems.

Die Alternative zur Bahn wäre ja Bus-Fahren. Das ist aber nicht meines. Ich bin von den meistens ziemlich leeren DB-Regio-Zügen ein wenig verwöhnt und mag mich nicht in die engen Busse klemmen, die oft von ihren Fahrern auf selbstmörderische Art und Weise über die Strassen der Republik gejagt werden. Außerdem mussten meinBus und flixBus ihr Netz gewaltig ausmisten und viele Verbindungen streichen, weil deren Venture-Kapitalisten keine Lust mehr hatten, die permanent wachsenden Verluste zu tragen.

Also, weiter Zugfahren und hoffen, dass der dichte Zugtakt mit den meistens so schön leeren Zügen uns möglichst lange erhalten bleibt …

Solche Preissprünge stelle ich übrigens nicht nur bei der Bahn fest. Auch bei öffentlichen Einrichtungen und qualitativen Lebensmitteln wie bei manchen Alltagsartikeln. Oder Immobilien.

Jetzt höre ich aber, dass die Inflation immer noch unter 2 % liegen soll. Ich glaube ja gar nicht, dass man uns absichtlich belügt. Aber die 1,X % glaube ich nicht und vermute mal, dass man uns nicht unbedingt darauf hinweisen will, dass unser Erspartes so immer weniger wird. Was ja auch bedeutet, dass die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander geht. Mit Folgen, die wir ja schon ein wenig erleben dürfen und uns ja auch schon mal ein wenig ausmalen können.

RMD

Der Shuttle nach München am 23. 01. 17 im Hbf Nürnberg auf Gleis 12.

Roland Dürre
Dienstag, der 10. Januar 2017

FAHRRADkultur – Interview mit Roland Dürre

Franziska Köppe ist mir vor allem bekannt vom EnjoyWorkCamp. Das ist ein sehr schönes Barcamp für ein neues Verständnis von Arbeit, das einmal im Jahr in Stuttgart stattfindet. Franziska hat mich zu meiner Begeisterung fürs Fahrrad interviewt. Da kam ein Ergebnis heraus, dass mir sehr wichtig ist – deshalb habe ich es sprachlich jetzt noch mal leicht überarbeitet und auch bei mir in IF-Blog.de abgespeichert. Ich habe aber versucht, alles was von Franziska kommt, möglichst so original wie möglich zu lassen.


 

Aktive Mobilität – Fördern und Fordern

 

03.01.2017 – Sind Autofahrer die Kutscher der Neuzeit? Mobilität ist im Umbruch. Seit den 1950ern wurde die Automobil-Industrie stark – vor allem politisch – gefördert. Die Branche gilt als „system-relevant“. Eng verkettet ist sie mit vielen Zulieferern, Verkehrsplanung und Lobbyarbeit. Doch ist sie das „system-relevant“? An den konventionellen Geschäftsmodellen rütteln Start-ups und die Crowd-Economy wie kulturelle Änderungen im Verhalten nicht nur der jungen Generation. Ich sprach mit Unternehmer und Mobilitäts-Aktivist Roland Dürre über Fahrrad-Kultur und den eigenen Beitrag zu Mobilität mit Zukunft.
(Vorwort zum Interview von Franziska)


 

Das Interview

Franziska: Hallo Roland, bitte stelle Dich unseren Lesern kurz vor. Wer bist Du? Was machst Du?

Roland: Wer ich bin, weiß ich nicht. Ich fühle mich als Mensch, Aktivist, Blogger, Coach, Macher, Unternehmer. Ich liebe das Leben und meine Familie. Ich versuche, mutig zu sein und viel Freude bei meinem Tun zu haben. Meine Aufgabe ist nach meiner Zeit bei der InterFace AG noch mehr als früher, Erfahrungen weiter zu geben und wenn möglich anderen – besonders jüngeren – zu helfen, glücklich und erfolgreich zu werden. Für das Schöne, das ich erlebt habe, bin ich dankbar und freue mich, wenn sich diese Dankbarkeit in den verbleibenden Lebensjahren noch mehrt. 🙂

Franziska: Eine Deiner Leidenschaften ist das Radfahren. Was bedeutet für Dich FAHRRADkultur? Was verbindest Du mit diesem Wort?

FAHRRADkultur versus Auto-Kultur – Die Folgen konventioneller Verkehrspolitik

Roland: Kultur und FAHRRAD-Fahren sind beides etwas schönes. Das passt gut zusammen!

Aber sehen wir uns mal an, was uns die Auto-Kultur gebracht hat. Als Autofahrer bin ich im Fahrzeug sozial isoliert. Meine Mitmenschen werden zu anonymen Objekten in anderen Autos. So kenne ich viele Menschen, die sich am Steuer ihres Autos ihrer zwischenmenschlichen Einsamkeit bewusst Schimpfworte benutzen, die sie im normalen Umfeld nie nutzen würden. Und kann das gut nachvollziehen.

Als Radler habe ich mir angewöhnt, mir entgegen kommende Fahrradfahrer zu grüßen. An der Ampel nehme ich häufig Kontakt mit dem Menschen auf dem Nachbar-Rad auf. Ich versuche, Rücksicht zu üben. Und meine, dass die Fußgänger immer Vorfahrt vor Radfahrern haben sollten. Aber auch die Radler vor Autos.

Als Radler sehe und nehme ich mehr wahr. Das gilt auf Radreisen in fremden Ländern genauso wie in Deutschland. Es entwickeln sich schnell soziale Kontakte. Als Fahrradfahrer sehe ich aber auch, wie viel Tiere wie Kröten, Katzen und Hunde von Autos getötet werden. Dann gibt es mir einen Stich ins Herz.

So korreliert Autofahren für mich mit Rücksichtslosigkeit und Unachtsamkeit. Was sich dem Auto in den Weg stellt, wird niedergewalzt. Kohlendioxid wird ausgestoßen, Feinstaub produziert und das nur für die eigene Bequemlichkeit. 1,400.000 Millionen Verkehrstote weltweit im Jahr sind normal, weil es ohne das Auto nicht geht. Es geht aber ohne Autos. Das habe ich im Selbstversuch erlebt. Und es geht einem besser ohne Autos.

Vielleicht noch eine kulturelle Provokation: Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

FAHRRADkultur – Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen

Franziska: Es ist wohl wahr, dass für die meisten – vor allem die Großstädter von uns – Mobilität hauptsächlich mit dem Automobil verbunden ist. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Fahrradfahren das selbstverständlichste und alltäglichste Verkehrsmittel war, mit dem Menschen Entfernungen von mehr als 5 km zurücklegten. Lass uns also noch einmal zurückkommen auf das Fahrrad. Was wäre das für eine Welt, wenn Du FAHRRADkultur träumen dürftest?

Roland: Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen. In der sich aus veränderter Mobilität heraus viele weitere Fortschritte an Lebensqualität entwickeln. Ich sage immer gerne: Wer seine Mobilität nicht in den Griff bekommt, wie will der sein Leben steuern können? Denn ohne den „Willen und die Fähigkeit sein Leben verantwortlich zu führen“ geht es halt nicht.

Roland Dürre auf dem Weg von Salerno nach Pisciotta

Franziska: So weit so vernünftig. Nun sieht die Realität eines Alltagsradlers nicht ganz so himmelblau und rosig aus. Du sprachst es ja bereits an. Einer der Gründe, weswegen Du Dich für „Aktive Mobilität“ – AktMob, wie Ihr es nennt – einsetzt.

Roland: Stimmt. Ich kenne viele Straßen in München, da macht es keine Freude zu fahren. Und auch auf großen Touren muss man immer wieder auch mal eine Strecke durchleiden, auf der man wirklich um sein Leben fürchtet.

Wobei es bei AktMob nicht nur ums Radeln geht, sondern um jede Form von Fortbewegung jenseits von Pferdekutschen, Benzin- oder Elektroautos – durch eigene Bewegung, aus eigener Kraft. Sei es mit Rollern, Skatebords, zu Fuß, dem Rollator – oder was auch immer. Und ein wenig elektrische Unterstützung darf auch dabei sein.

Franziska: Im Bereich Verkehr wird seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts das Automobil als individuelles Fortbewegungsmittel gefördert. Dahinter stand die politische Vision eines Wirtschaftswunders. Leider hat diese kurze Zeit bereits ausgereicht, unsere Städte zu entmenschlichen. Fußgänger wie Radfahrer gehören seltsamerweise kulturell nicht mehr zum Verkehr. Wie absurd das teilweise ist, zeigt sich ganz besonders allmorgendlich an Kindergärten und Schulen: Da werden Kinder mit dem Auto gebracht, weil es aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens durch PKWs zu gefährlich für sie wäre, zu laufen. Wie schräg ist das denn?

Das Auto als Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt

Roland: Ein gutes Beispiel! In der Tat war das Auto – gerade für die Männerwelt – nicht nur ein Objekt, um von A nach B zu kommen. Wenn man Führerschein und ein Auto hatte, war man endlich erwachsen. Der Spruch vom Auto als „Phallus-Symbol“ ist sicher nicht ganz falsch. Und am Steuer eines starken Kraftwagen überkommt gerade das männliche Geschlecht ein Gefühl der Omnipotenz. Wer mag das nicht?

Noch mehr aber war das Auto das Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt der sich wirtschaftlich erholenden BRD und Welt. Das Auto ist wohl die beste Metapher für gekauftes Glück als Ersatzbefriedigung für unerfüllte Bedürfnisse.

Wie wir noch junge Männer waren und kein Auto hatten, da hatten wir den Eindruck, dass die hübschen jungen Frauen die Männer mit Autos doch klar bevorzugten – und auf uns autolose Wesen eher herab sahen.

Das Auto war aber auch – ähnlich wie die Zigarette – ein Symbol für Freiheit. Und es war auch ein neuer privater Lebensraum – in USA z.B. muss es ein paar Jahre gegeben haben, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder auf dem Rücksitz von Autos gezeugt wurden. Das stand wohl schon im Kinsey-Report drin. Und unserer Faulheit ist so ein Kraftfahrzeug doch auch sehr entgegen gekommen. Ja, und dass solch ein götzenhaftes Vehikel – auch noch optimal und emotional vermarktet – alles andere untergebuttert hat, ist doch klar.

Die kritische Masse – Radfahren im Verband

Franziska: Mit Aktionen „Wir sind Verkehr“ finden in Deutschland und auf der ganzen Welt monatlich sogenannte Critical Mass statt. Dabei nutzen Radfahrer §27 der StVO aus, der es ihnen ermöglicht, ab 15 Velofahrern (= kritische Masse) im Verband zu fahren. Ich freue mich sehr, dass diese Bewegung in D-A-CH immer mehr Anhänger findet. Ein friedlich-fröhliches Treiben im vergangenen November in Deutschland beispielsweise mit 3.290 Mitradlern. Im Juli dieses Jahres waren es sogar 13.371 FahrradfahrerInnen [Quelle: Daniel via itstartedwithafight]. Jeder kann sich anschließen – und sei es auch nur für ein kurzes Stück des Weges.

© Radlhauptstadt München – Radlnacht 2016 [Foto Andreas Schebesta]

Roland: Critical Mass ist gut! Ich schätze sie vor allem, weil es mir eine echte Graswurzel-Bewegung zu sein scheint. Und ich überzeugt bin, dass Veränderung nur noch von „unten“ angestoßen werden kann. Politik und Administration gelähmt von Lobbyisten und eigenen Regeln hat gar keine Chance und auch keinen Willen mehr, mal etwas auszuprobieren. Nur – ohne Ausprobieren geht nichts!

Franziska: Und doch gibt es da die Fahrrad-Enthusiasten auch unter Politikern. Nehmen wir beispielsweise Deine Heimatstadt. Die Stadt München erhebt den Anspruch, Radlhauptstadt sein zu wollen. Dahinter steht auch das persönliche Engagement von Wigand von Sassen, der seit März 2009 Projektverantwortlicher für diese städtische Fahrrad-Kampagne ist. Seit Beginn der intensiven Fahrrad-Förderung hat sich der Radverkehrsanteil am gesamten Modal-Split deutlich erhöht. So gibt es beispielsweise regelmäßig RadlChecks, bei denen kostenfrei kleinere Reparaturen vorgenommen werden. Erst im Oktober fand die Radl-Nacht statt. Im September die RadCouture… Dahinter steckt viel Engagement in Sachen FAHRRADkultur. Das braucht eine gehörige Portion Mut und Ausdauer.

Doch lass uns gern eine Nummer kleiner denken. Was kann jeder tun? Es braucht ja gar nicht immer die großen Gesten.

Autofahren – nichts anders als eine schlechte Gewohnheit?

Roland: Es wird auch Zeit, dass etwas passiert. Ich glaube aber nicht, dass die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf eine „intensive Fahrrad“-Förderung zurückzuführen ist. Ich meine viel mehr, dass immer mehr Menschen entdecken, dass es bessere Möglichkeiten gibt und ein Auto doch sehr viel Geld frisst. Ich sehe die vielen Autos sozusagen als Wohlstandsreserve für die Zukunft, in der es zweifelsfrei für viele von uns „enger“ werden wird.

Autofahren ist nichts anders als eine schlechte Gewohnheit. Wir müssen halt auch bereit und fähig sein, unsere Gewohnheiten zu verändern. Rauchen, ist eine schöne Metapher. Es ist nicht einfach und für viele Raucher unvorstellbar, zum Nichtraucher werden will. Und dann klappt es doch – und man fühlt sich schnell viel besser.

Wie schwer es ist, liebe Gewohnheiten zu ändern, erlebe ich zurzeit an mir selber. Auf den regionalen Wegen bis um die 30 km fahre ich nur noch Fahrrad. Aber leider auch auf den ganz kurzen Strecken. Mein neues persönliches Mobilitäts-Programm heißt jetzt aber „runter vom Fahrrad und wieder auf die eigenen Füß“. Ich will wieder mehr zu Fuß gehen. Und es ist für mich wahnsinnig schwer, diese Gewohnheit aufzugeben, auch bei kurzen Strecken quasi automatisch aufs Fahrrad zu steigen.

Franziska: Verhaltensweisen umzulernen ist in der Tat nicht einfach. Als Angestellte fiel es mir leicht, mich morgens aufs Rad zu schwingen und in die Firma zu radeln. Auch heute noch ist es für mich kein Thema, Geschäftstermine mit dem Rad zu erledigen (es sei denn, es ist zu weit, dann nehme ich öffentliche Verkehrsmittel).

Das Leichte daran war für mich, dass ich den Weg in jedem Fall zurück legen musste. Seit ich jedoch im Home-Office arbeite, fällt es mir unsäglich schwer, täglich aufs Rad zu steigen – nur des Radelns und der körperlichen Aktivität wegen. Mir fehlt dafür das A nach B als Bedingung. Da ist es für mich wiederum naturgemäßer, abends (m)eine Runde durch die Weinberge zu drehen und zu Fuß zu gehen. Das entschleunigt und sortiert die Gedanken.

Inzwischen integrierte ich diese Form der Bewegung in meinen Berufsalltag. Zum einen biete ich öffentliche Netzwerktreffen an. Wir nennen es Walk to Talk. Dabei treffen wir uns an einem grünen Ort, schauen, welche Themen die Einzelnen mitgebracht haben. Und laufen dann für zirka 90 bis 120 Minuten zusammen durch urbanes Grün.

Besonders freut mich, dass meine Coachees, Mentees und Supervisions-Partner die Form des „Gehsprächs“ genauso schätzen wie ich. So dass ich doch zumindest 4-6 Mal pro Monat in den Genuss eines spannenden Gehsprächs im Grünen komme. Das darf jedoch sehr gern noch mehr werden. 😉

Ich empfehle diese Formate im übrigen allen – vor allem als willkommene Abwechslung zu Besprechungen, die viel zu häufig in geschlossenen Räumen und noch dazu im Sitzen stattfinden. Wobei wir beim Thema Arbeitswelten = Lebenswelten sind.

Du warst lange Jahre Unternehmer. Was können Chefs tun, um FAHRRADkultur zu fördern? Worauf kommt es dabei an?

FAHRRADkultur im betrieblichen Mobilitäts- und Gesundheitsmanagement – keine einfache Aufgabe für Chefs

Roland (lacht): Das ist gar nicht so einfach. Das Wichtigste ist sicher, keine Geschäftsautos als vermeintlich lohnenden Gehaltsanteil anzubieten. Leider habe ich das ab 1984 gemacht. Die InterFace AG hat viel zu viele sogenannte „Geschäfts-Autos“. Und Besitzstand zu ändern ist alles andere als einfach.

Positiv wirken sich Angebote aus wie überdachte und sichere Fahrrad-Stellplätze und/oder eine Dusche im Keller. Und man muss es vormachen, die Menschen mit der eigenen Begeisterung für Fahrräder und Fahrradfahren anstecken.

Franziska: Fahrrad-Fahren ist in der Tat ansteckend. Das konnte ich daran sehen, als wir in der Firma für die ich zuletzt tätig war eine Alltagsradler-Gruppe bildeten. Das funktionierte wie eine “Bus-Linie”: Die eingefleischten Radler boten Mitfahrgelegenheiten für die Einsteiger. Schnell ergaben sich ad-hoc Radlwerkstatt und Verabredungen zu gemeinsamen (After-Work-)Touren. Durch Mitfahren erfuhr ich Abkürzungen oder sicherere Anfahrtswege und erhaschte allerlei Radel-Tricks.

Nicht ganz ohne Stolz merkte ich dann auch, wie viel ich selbst schon weiß und anderen mitgeben konnte. Das war ein großer Motivationsschub, auch die nass-kalten Nieselregen-Tage um den Gefrierpunkt zu überstehen. Was viele nicht wissen: Es gibt deutlich mehr trockene als verregnete Tage. Und wenn man einmal unterwegs ist und gute Regenkleidung hat – ist das mit dem Regen ohnehin egal. Auch das entdeckte ich erst durch das tägliche Fahrradfahren. Die zahlreichen Naturschauspiele und das intensive Erleben der Jahreszeiten gar nicht mit eingerechnet.

Was erschwert oder verhindert aus Deiner Erfahrung aktive Mobilität im Alltag? Welche – unter Umständen auch kleinen – Hilfestellungen kennst Du, die dafür Abhilfe schaffen?

Roland: Da gibt es vieles. Zum Beispiel der Irrglaube, dass man Kinder und Lasten mit dem Auto transportieren muss. Das stimmt nicht. Kinder sind auf dem Fahrrad glücklicher als im Auto. Einkaufen geht viel besser mit Fahrrad-Anhänger oder Lastenfahrrad als mit dem Auto. Schon mit zwei Fahrrad-Taschen kommt man sehr weit.

Der regelmäßige Blick in den Spiegel und auf die Waage, vielleicht auch auf’s Blutdruck-Messgerät, überzeugt schnell, dass es Sinn macht, sich mehr zu bewegen.

Franziska (lacht): Stimmt! 😉

Noch einmal zurück zum unternehmerischen Denken. Da viele Arbeitgeber durch Zahlen, Daten, Fakten getriggert sind, werde ich immer wieder gebeten, danach zu fragen: Welchen Nutzen siehst Du für Chefs, sich mit dem Thema “aktive Mobilität” zu beschäftigen?

Roland: Na ja – es ist ja belegt, dass Menschen, die regelmäßig Bewegung haben und an der frischen Luft sind, deutlich weniger krank sind. Das ist doch schon etwas. Sie kommen auch besser gelaunt und ausgeglichener zur Arbeit. Und bringen eine ungeheure Kreativität von ihrer Radfahrt mit.

Gemeinsam stark – AktMob fördert aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Um Akteure rund um „Aktive Mobilität im Alltag“ miteinander zu vernetzen, führtet Ihr in Unterhaching Anfang 2016 das AktMobCmp durch. 2017 werdet Ihr Abendveranstaltungen organisieren und auch das nächste AktMobCmp bereitet Ihr aktuell vor. Mit welchen Fragestellungen beschäftigt(et) Ihr Euch dort? Wer war – wer wird dabei sein?

Roland: Eingeladen sind alle, die an ihre Verantwortung für die Zukunft denken. So wie wir mit unserer Mobilität umgehen – so leben wir. AktMobCmp ist ein BarCamp – das heißt, wir kennen die Themen und Sessions nicht vorher. Diese Offenheit ermöglicht jedoch auf der persönlichen Ebene viele schöne und konkrete Ergebnisse.

AktMobCmp 2016 — BarCamp für aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Das heißt, um den Menschen den Raum für Ihre Themen zu öffnen, organisiert und moderiert Ihr das ActMobCmp als BarCamp. Was ist das Besondere an diesem Veranstaltungsformat?

Roland: Beim Barcamp-Format organisieren die Menschen, die kommen, ihr Treffen und ihre Sessions ihren Bedürfnissen folgend. Es gibt keine eingereichten Vorträge, die von einem Gremium ausgewählt worden sind. Jeder darf und soll einen Beitrag leisten. Die Organisatoren konzentrieren sich auf die Rolle des Gastgebers, der so das Zusammenkommen ermöglicht. Die soziale Kontrolle liegt bei den Teilnehmern. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, wie sich eine Session, die für „Marketing“ missbraucht wurde, sehr schnell geleert hat.

Franziska: Und dann gibt es Sessions, die Menschen in eine intensive, produktive Arbeit an einem gemeinsamen Anliegen verwickeln. Das mag ich an BarCamps. Vor allem, wenn die Veranstalter an die Selbstorganisation und Selbststeuerung der Teilgeber ihrer Unkonferenz glauben.

Diese Sicherheit hast Du in den vergangenen Jahren durch eigenes Erleben gewonnen. Denn das AktMobCamp ist nicht das erste BarCamp, das Du organisierst. Du gehörst zu den Gründervätern der PM Camp-Bewegung, bei der in ganz Europa Menschen zusammen kommen, die sich zu Projektarbeit austauschen. Was macht für Dich die Faszination eines BarCamps aus?

Roland: Das tolle bei BarCamps ist, dass man viel Neues entdeckt. Denn alle Teilnehmer sind bereit, sich zu öffnen und ihr Wissen zu teilen. In der Regel kommen alle Teilnehmer glücklich und reicher nach Hause. Das Erlebte wirkt weiter. Man hat neue Freunde gewonnen, mit denen man in Verbindung bleibt. So vernetzen sich auf BarCamps Menschen und Bewegungen und gewinnen immer mehr an Kraft.

Franziska: Ich weiß, was Du meinst. Für die BarCamp-Newbies unter meinen Lesern nenne uns dennoch bitte ein paar Beispiele.

Roland: Ganz einfach. Bewegungen wie Augenhöhe, intrinsify.me, EnjoyWork mit EnjoyWorkCamp, Unternehmensdemokraten, Gemeinwohlökonomie und viele mehr habe ich auf Barcamps kennengelernt. Wie auch die Menschen, die diese unterstützen und voranbringen. So habe ich auf BarCamps neue Freunde gewonnen wie Nadja Petranovskaja, Dr. Andreas Zeuch, Dr. Eberhard Huber, Gebhard Borck, Dr. Jens Hoffmann, Maik Pfingsten, Dr. Marcus Rainer, Dr. Niels Pflaeging, Roger Dannenhauer, Dr. Stefan Hagen und viele, viele mehr.

Wir beide haben uns ja auch bei einem BarCamp (EnjoyWorkCamp?) kennengelernt! Von allen den genannten Persönlichkeiten findest Du Posts, Podcasts und Videos im Netz, die ganz von selber erklären, warum man sich vernetzen und die Dinge gemeinsam machen muss.

Franziska: Ich glaube, Dir begegnete ich erstmals beim PM Camp in Dornbirn. Intensiv miteinander sprachen wir dann tatsächlich erst im Rahmen meiner Initiative “EnjoyWork”. Um so schöner, mit diesem Austausch ein paar uns verbindender Themen vertieft zu haben. Vielen Dank, Roland, für den Erfahrungsaustausch.

Ich wünsche Dir Alles Gute und Euch mit AktMob viel Erfolg und allzeit gut Kette.

Roland: Vielen Dank – es hat richtig Spaß gemacht!


Links zum Weiterlesen:

 

Oder gilt das auch schon in der Gegenwart?

Franziska Köppe hat mich am 3. Januar für Ihren Blog FAHRRADkultur interviewt. Hier ist das Ergebnis.

Die Botschaft von Franziska ist ja „Fahrradfahrer leben länger“. So kann ich nur hoffen, dass die Franzeska recht hat und unserer Leben nicht vorzeitig durch ein Kraftfahrzeug beendet wird. Und dafür ein weißes Fahrrad mehr an einer der Straßen und Kreuzungen steht.

Die Franziska respektiere ich sehr, deshalb war ich im Interview ein wenig vorsichtig. Meine schlimmste Provokation war vielleicht die folgende Aussage (Zitat aus dem Interview):

„Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

Ich stehe zu allem, was ich im Interview gesagt habe. Ich möchte hier nur ergänzen, dass ich, je mehr ich ohne Auto lebe („lebe“ im wahrsten Sinne des Wortes) um so mehr mir die Dummheit und Sinnlosigkeit des Autofahrens bewusst wird. Und das gilt für so viele Dimensionen:

  • Für die Falschheit von Image und der Reputation, die man sich durch den Besitz eines Autos sicher unbewusst verschaffen will.
  • Für die belastende Arbeit des Steuerns eines PKW’s, an die man sich gewöhnt und so die Anstrengung ignoriert. Im Gegenteil, man betrügt sich selbst und hat „Freude am Fahren“ oder „erholt sich am Steuer“. Das Auto wird als „bester Freund“ wahrgenommen, es ist der Ort an dem man sich „zu Hause fühlt“.
  • Für den gewaltigen Raub an Bewegung und frischer Luft, den man sich als Autofahrer selber zu fügt, inklusive des Schadens durch die ewige Sitzerei und deren negativen Folgen inklusive von Rückenbeschwerden.
  • Für die sinnlose Vernichtung der Zeit gerade am Steuer eines PKW, die in öffentlichen Verkehrsmitteln viel besser genutzt werden kann.
  • Für das physische (wesentlich mehr als 1 Million Verkehrstote und ein mehrfaches an Schwer- und Leichtverletzten) pro Jahr weltweit wie psychische Leid und Risiko (Doppelbelastung z.B. durch Telefonieren am Steuer).
  • Für die Unfreiheit durchs Auto – es ist der Klotz am Bein – ich muss immer dorthin zurück, wo es steht.
  • Für die Abhängigkeit vom Auto, wenn es nicht mehr fährt geht die persönliche Welt so ein wenig unter.
  • Für die Belastung durchs Auto: Wie oft höre ich – ich habe da keine Zeit, weil ich mein Auto vom / zum Kundendienst holen / bringen muss.
    🙂 Und am Wochenende wird es auf Hochglanz poliert.
  • Für die Rücksichtlosigkeit des Autofahrers gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Schadstoffe und Energie-Verschwendung spielen keine Rolle mehr, die externen Zusatzkosten der Mobilität sind beim Auto ein Vielfaches höher sind als bei allen anderen Verkehrsmitteln und die tragen wir alle.
  • Für das billigend in Kauf genommene Risiko andere Menschen zu töten oder verletzten und so auch sich selber enormen Schaden hinzuzufügen …
  • und für manches mehr …

Für mich wird Autofahren so immer mehr zur Metapher für ein falsches Leben. Nur:

 🙂 Das Leben ist zu kurz für ein falsches Leben!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, bei denen das Auto wie ein Rollstuhl zum erweiterten Körper, also quasi zum Körperteil geworden ist, viele der gelisteten Punkte keines Falls nachvollziehen können. Auch aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es bei mir mit dem Rauchen ähnlich war … Erst wenn man es nicht mehr tut, versteht man wirklich, wie schlimm es wahr. Aber ich weiß, wie schwer es ist und war mit der Gewohnheit zu brechen.

RMD

 

Roland Dürre
Montag, der 2. Januar 2017

Mobil in Mittelamerika vom 17. – 23. Dezember (Zweite Woche)

In diesem Artikel berichte ich über die zweite Woche unserer Rundfahrt mit MeinSchiff 4 durch die nördliche Karibik. Im vorletzten Post hier im IF-Blog habe ich meine Erlebnisse in der ersten Woche dieser Reise vom 9. bis zum 16. Dezember wiedergegeben. Die ersten sieben Tage waren am 16. Dezember in Roatán in Honduras vorbei. Dort waren wir privat unterwegs gewesen und hatten einen wunderschönen langen Spaziergang zu den Westbays.

Von Roatán ging es am Abend in die zweite Woche, die mit einem Seetag am 17. Dezember begann. Puerto Limón in Costa Rica war der erste Zielhafen.

18. Dezember – Puerto Limón – Costa Rica – – BOOT, BUS, ZU FUSS
Ankunft um 7:00 /Abfahrt 22:00; organisierter Ausflug

Heute ist der vierte Advent und wir sind im schönen und warmen Costa Rica angekommen. Dort haben wir einen Ganztages-Ausflug gebucht.

Zuerst geht es mit dem Boot durch die Tortuguero-Kanäle und dann per Bus hoch in den Varagua Regenwald. Wir haben  Glück. Denn unser „Guide“ kommt aus Deutschland und heißt Susanne. Susanne ist als junge Frau 1981 in Costa Rica hängen geblieben und hat einen Costa Ricaner geheiratet. So hat sie in diesem besonderen Land 35 intensive Jahre erlebt. Und hat so viel zu erzählen.

Heute ist sie Großmutter und lebt mit ihrer Familie in Costa Rica. Ihr kleines und großes Glück ist es, mit ihren Enkeln die eigenen Hühner zu füttern.

Außerdem engagiert sie sich in Organisationen für den Schutz der Umwelt und für nachhaltigen und auch für die Einheimischen nutzbringenden Tourismus. Und macht Führungen für Schiffs-Touristen.


Glück hatten wir deswegen, weil es drei Gruppen gab, die dieselbe Tour machten. Die zweite war angekündigt als englisch-sprachige Führung – und so als nur für Leute geeignet, die des englischen mächtig waren. Leider konnte der Guide dieser Gruppe aber kaum Englisch (und natürlich auch kein Deutsch). Die dritte Gruppe war wieder „deutsch-sprachig“. Deren Führer konnte allerdings kaum Deutsch (und überhaupt kein Englisch).


Schlechte Neuigkeiten für die Natur …

Ein trauriger Ausflug auf den Tortuguero-Kanäle, weil das alles verschwinden wird …

Was Susanne uns über die Tortuguero-Kanäle erzählt hat, macht mich ziemlich traurig. Costa Rica hat – wohl aufgrund seiner geographischen Lage – einen einzigartigen Artenreichtum. Den konnten wir auch vom Ausflugsboot so richtig gut bewundern. Da gab es Faultiere mit zwei und drei Zehen, besondere Wasservögel, Krokodile und vieles mehr, was wir alles an den Ufern sehen. Wir bewundern die Mangroven-Wälder und verstehen, wie wichtig sie für das Ökosystem sind.

Und dann erfahren wir, dass dieses ganze Idyll bald verschwinden wird, weil genau hier ein gigantisches Containerterminal für den neuen und ziemlich großen Industriehafen gebaut wird. Und dass die Gebäude an den Ufern so verfallen sind, weil die Bewohner schon lange das Gelände verlassen haben.

Offensichtlich meint die Administration von Costa Rica, dass für die Zukunft eine solch gigantische Infrastruktur gebraucht wird. Warum weiß keiner so richtig. Aber das zählt nicht. Und jetzt wird das Großprojekt nach vielen Jahren des Protests trotz allem gebaut und so manche Hoffnung zerstört. Dies trotz des intensiven und auch internationalen Protestes mit vielen guten Begründungen.

Mein allgemeiner Eindruck auf unserer Reise war, dass die meisten Kräne, die ich in den Häfen von Mittelamerika gesehen habe, eher in ewigen „Dornröschenschlaf“ liegen. Sogar später in Panama, das ja ein richtiger Handel- und Umschlagplatz für Güter ist, hatten die meisten Kräne nichts zu tun.

Aber so ist das wohl auf dieser Welt. Die Politik meint – getrieben von den Lobbyisten der Industrie – mit großen Infrastruktur-Investitionen die lokale Wirtschaft ankurbeln zu können. Und wenn die Dinge dann gebaut sind, kommt in der Regel der große Kater.

In Costa Rica hat Intel mal viele Chips produziert. Die werden jetzt in Asien hergestellt. Wo auch sonst. Letzten Endes leben Länder wie Costa Rica vom Tourismus. Und der lebt von der Natur (übrigens auch in Panama bringt der Tourismus mehr als die cash cow Kanal).

Die Costa Ricaner sind trotzdem gut drauf. Ihr Gruß ist „pura vida“, übersetzt heißt das so etwas wie „Pures Leben“. Wenn sich Menschen in Costa Rica treffen, rufen sie sich „Pura Vida“ zu und sind glücklich. So werde ich das in Zukunft auch machen.

Nach der Bootsrundfahrt geht es weiter mit dem Bus in den Varagua Regenwald. Die Busfahrt ist allein schon ein Abenteuer. Über extrem schlechte und enge Straßen mit vielen schmalen Windungen kämpft sich der Bus extrem langsam nach oben. Der Bus-Fahrer strahlt dabei eine durch nicht zu erschütternde Ruhe aus und zeigt keine Anzeichen von Ungeduld. Obwohl es  ab und zu wirklich zum Atem anhalten ist.

Oben angekommen wird unsere Stimmung gleich wieder besser. Nicht nur weil es ein ordentliches lokales Essen gibt. Sondern weil es ein so schöner Ort ist und uns die pralle Natur des Regenwalds in ihren Bann schlägt.

Wir haben hier ein sehr abwechslungsreiches Programm. Nachttiere wie den Rotaugenfrosch können wir in einem Gebäude sehen, in dem am Tage die Nacht herrscht. Es gibt eine wunderschöne Voliere für viele bunte Schmetterlinge und einen kleinen Zoo mit Reptilien aller Art. Wir lernen viel, über die Farben der Schmetterlinge, das Gift der Frösche und Schlangen, das Leben im Regenwald und Manches mehr.

Ein wenig nachdenklich bin ich dann doch auf den 350 Stufen wieder nach oben vom Puma-Wasserfall zur Talstation der Seilbahn.

Ein Highlight ist der Vortrag eines jungen Mannes, der uns berichtet, was er als Forscher und sein Institut für das Überleben für zum Beispiel vom Aussterben bedrohten Froscharten tun. Er erläutert seine spanischen Folien auf Spanisch. Susanne übersetzt ihn ausgezeichnet wie auch alle ihre  Erläuterungen wertvoll und unterhaltsam sind.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Fahrt mit der Seilbahn in das Tal der Puma-Wasserfälle steil hinab durch den Regenwald. Wir sehen unter anderem auf Augenhöhe zahlreiche Affen, die in den Bäumen turnen. Es ist das „pura vida“ – auch wenn es mich ein wenig nachdenklich macht, dass wir nicht mehr die Schönheit des ursprünglichen Regenwaldes mit seinen großen Bäumen erleben dürfen, sondern nur noch die Ausprägung des sekundären und tertiären Regenwaldes. Denn die großen Baum-Riesen des ursprünglichen Regenwalds hat homo sapiens dort auch schon vor langer Zeit durch Raubbau beseitigt.

Als Alternative zu unserem Ausflug hätten wir auch eine Fahrt mit einem Oldtimer-Zug buchen können. So etwas gibt es in Costa Rica auch. Die Bahn wurde wohl beim großen Erdbeben Anfang der 90iger Jahre zerstört. Das Unternehmen, das geprüft hat, ob sich ein Wiederaufbau lohnen würde, war gleichzeitig der größte Busbetreiber in Costa Rica. Und so wurde nur in Puerto Limón eine Teilstrecke für touristische Zwecke wieder aufgebaut und der Rest der Strecke aufgegeben.

19. Dezember – Colón – Panama – – BUS, BOOT
Ankunft um 7:00 /Abfahrt 17:00; organisierter Ausflug

Die Fahrt von Puerto Limón nach Colón war mit neu Stunden eher kurz. Und in Colón hatten wir wieder einen Ausflug gebucht. Denn Barbara und ich wollten doch mal wieder – wenn auch nur für kurze Zeit – auf dem Pazifik sein, von dort die Sky Line von Panama City sehen und vor allem einen Teil des Panama-Kanals befahren.

Das wollten wohl viele. So war dieser Ausflug sehr beliebt. Sechzehn Busse standen nur für unser Schiff bereit, die Einteilung Passagiere der Busse erfolgte in fast militärischer Block-Abfertigung im Theater. Alle wollen den Panama-Kanal (oder zumindest einen Teil davon) durchfahren. Und ich meine, dass sich hat sich dieser Ausflug gelohnt hat.

Von Colón aus fahren wir zuerst zirka eine Stunde nach Gamboa. Wir haben eine wunderbare Führerin, die das pure Leben ausstrahlt. Ihr Englisch ist zwar ein wenig „restricted code“ aber ausgezeichnet zu verstehen. Ihr Vortrag ist großartig, ab und zu legt sie ein beachtliches kabarettistisches Talent an den Tag. Es macht richtig Spaß, die Zeit auf der Fahrt geht im Flug dahin.

Wir fahren vorbei am Gefängnis von Manuel Noriega vorbei, das auf mich wie ein Gebäude so zwischen Schloss und Festung wirkt. Gamboa liegt ziemlich in der Mitte der 82 km, die der Schiffsweg auf dem Panama-Kanal vom Atlantik zum Pazifik misst. In Gamboa sind wir in zwei große Fähren (zumindest deutlich größer als die bisherigen Ausflugsboote) umgestiegen, die uns zum Pazifik bringen sollen. Es sind einfache Schiffe mit offenen Decks auf zwei Ebenen. Da es ein richtig warmer Tag ist und die Schiffe gut voll sind, sind die schattigen Plätze sehr begehrt und werden schnell rar.

Der Führer auf dem Schiff hat leider nicht die Qualitäten der Dame im Bus. Die Lautsprecher sind zu laut eingestellt und die Fahrt wird ziemlich anstrengend. Die Fahrtzeit kann nicht exakt vorhergesagt werden, da sie vom Verkehr abhängt. Wenn ein großer Brummer kommt, dann hat er Vorfahrt. Er zahlt ja auch enorm für den Transfer. Die Maut für die ganz großen Schiffe, die aufgrund eines Neubaus einer Teilstrecke jetzt auch durch können, soll bis zu einer Million USD betragen.

Die Fahrt soll vier bis fünf Stunden dauern. Die Passage der Schleusen auf dem Weg nach Panama-City, mit denen wir je nach Wasserstand einen Höhenunterschied von zirka 30 Metern überwinden, beeindruckt uns jetzt nicht so sehr. Immerhin sind wir ja erfahrende Hausboot-Fahrer und kennen uns mit Schleusen gut aus. Zudem waren wir schon oft am ruhigen Rhein-Main-Donau-Kanal und haben vor kurzem das Oder-Schiffs-Hebewerk auf unserer Radtour von Penemünde nach Berlin besucht. So beeindrucken uns die Schleusen nicht so sondern eher die große künstlich geschaffene Seen-Landschaft.

Die engste Stelle des Kanals, der Gaillard Cut, liegt auf unserem Weg. Die beiden Gipfel – mindestens einer davon gestutzt – sind sehenswert. Bei den Schleusen kommen wir am ziemlich vollen Kanal-Beobachtungsgebäude vorbei. Da ist ziemlich viel los.

Ein wenig überraschend kommt, gerade wie wir in den Miraflores-See einfahren, die Durchsage, dass wir heute den Kanal sehr schnell durchfahren haben und wir schon in einer Dreiviertel-Stunde am Ziel sein werden. Das wären dann nur 3,5 Stunden Fahrtzeit. Aber bevor es durch die Puente de las Américas geht stoppt die Kanal-Verwaltung unser Fährboot.

Wir müssen waren, bis ein Container-Gigant kommt. Wir warten, fast zwei Stunden bis der vorbei ist, dann es geht weiter. So werden es dann doch noch an die fünf Stunden Fahrtzeit.

Raus aus dem Miraflores-See geht es in den Pazifik bis nach Balboa, die äußerste Insel einer kleinen Reihe von Inseln, die über einen Damm mit dem Festland verbunden sind. Wir stehen am Heck und sehen, wie die Puente de las Américas immer kleiner wird.  Die Silhouette von Panama City zieht an Backbord an uns vorbei, das ist schon alles sehr beeindruckend.

In Balbao verlassen wir unsere Fähre und steigen wieder in den Bus. Unser toller Guide erwartet uns wieder und verkürzt uns die Zeit im Bus. Der fährt die komplette Autobahn vom Pazifik an den Atlantik durch und wir sind wieder beim Schiff – rechtzeitig zur Abfahrt um 18:00. Die macht besonders viel Spaß – denn um 18:00 local time sieht man noch einiges von Panama im Licht der untergehenden Sonne.

20. Dezember – Cartagena – Kolumbien – – ZU FUSS / TAXI
Ankunft um 9:00 /Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Die beiden letzten Tage hatten wir zwei Tagesausflüge, die uns durchaus gefordert haben. So wollen wir es heute geruhsam angehen lassen und gehen mal wieder privat los.

Kurz vor der Altstadt nach einem längeren Fußweg vom Containerhafen. Eine Brücke fehlt noch – dann sind wir da.

Cartagena ist mit mehr als einer Million Einwohnern eine richtig große Stadt. Die Silhouette der Stadt besteht aus vielen Hochhäusern und ist nicht weniger beeindruckend als die von Panama City.  Es gibt aber – zum Teil noch umgeben von der ursprünglichen und gut erhaltenen Stadtmauer – auch eine gemütliche Altstadt, die mit vielen Museen und anderen Attraktionen lockt.

Unser Schiff liegt im Containerhafen. Der Stadtplan der Hafen-Info lässt vermuten, dass es fast 10 km bis zur Altstadt sind. Aber der Weg ist ziemlich klar, also spazieren wir los. Und wieder dasselbe Spiel mit den vielen vielen Taxifahrern, die uns alle erklären wollen, dass der Weg viel zu weit wäre. Wir haben es aber mittlerweile gut geübt, den Sirenen widerstehen zu können …

Der Verkehr auf der zweispurigen und trotzdem schmalen Einbahnstraße ist dicht. Auch die Fußwege sind ziemlich belebt. Oft sind wir zu Fuß schneller als die Autos. Wir freuen uns, wenn wir zu Fuß einen Bus mit den „organisierten Ausflüglern“ von MeinSchiff 4 überholen.

In den Staus stecken auch viele kleine gelben Taxis , die hier als öffentlicher Nahverkehr etikettiert sind. Es gibt aber auch viele öffentliche Busse. Ich entdecke, dass eine ganze Reihe der gelben Taxis rein elektrisch unterwegs sind. Es sind Fahrzeuge von KIA.

Es ist ein sehr beeindruckender Spaziergang hin zum alten Hafen. Wir überqueren die Mündung und sehen ein großes Tor in der Stadtmauer. Da ist sie, die Altstadt. Sehr verlockend, es gibt viele Museen, Bars und Lokale und Geschäfte.

Wir nehmen uns viel Zeit und bummeln und stöbern herum. Dann sind wir so richtig müde. Also geht es zurück zum Genießen aufs Schiff und wir suchen uns ein Taxi. Das finden wir schnell und haben einen wunderschönen Spätnachmittag auf dem Schiff.

Unsere Reise geht nun langsam zu Ende. Wir müssen jetzt wieder zurück von Kolumbien in die Dominikanische Republik. Unser vorletztes Ziel vor dem Heimflug von La Romana ist Santo Domingo. Bis dahin ist es noch ein gutes Stück des Weges, deshalb geht es am Abend um 20 Uhr los zu unserem letzten Seetag am 21. Dezember.

Es wird eine wunderschöne Ausfahrt, noch ziemlich lange sehen wir die Lichter von Cartagena und Kolumbien und nehmen langsam Abschied von Mittelamerika. Auch wenn wir nicht mehr in Panama sind, leiste ich mir für den deutschen und griechischen Sommer 2017 einen Panama-Hut.

Auch die Barbara wird schwach und bekommt sich einen wunderschönen Damenhut – auch für den heißen Sommer 2017. Nach kurzem aber entschlossenem Handeln mit dem fliegenden Hut-Händler bekommen wir beide Hüte zusammen für 14 USD. Am Flughafen-Shop kostet mein Hut dann 20 USD – die Damenhüte aber deutlich mehr.

22. Dezember – Santo Domingo – Domikanische Republik – – ZU FUSS
Ankunft um 8:00 /Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Noch zwei Tage bis Heiligabend.

Das Ende der Reise kommt immer näher. Noch ein voller Tag in der Karibik und noch eine Nacht auf dem Schiff – und dann geht es zurück aus der Wärme. An Heilig Abend wollen wir in München ankommen und dann mit unseren Kindern und deren Partnern feiern.

Also gehen wir noch mal spazieren. Der Weg vom Hafen in die Stadt scheint diesmal richtig kurz. Also auf zu einem letzten Spaziergang in Mittelamerika. Gar nicht weit weg von unserer Anlegestelle überquert eine schwimmende Brücke den Meeresarm zum Hafen. Und dann sind wir auch schon da.

Obwohl Santo Domingo eine Riesenstadt ist – mit vielen Menschen in der Umgebung. Trotzdem hat Santo Domingo hat aber auch eine wirklich liebenswürdige Altstadt. Die war so richtig zum Bummeln für uns. Sie ist ziemlich übersichtlich und besteht aus lauter flachen Gebäuden und ein paar kleinen Parks.

In einem wird gerade ein Film gedreht. Mit großem Aufgebot werden Teile der Straße frei gehalten. Für uns gibt es so viel zu sehen. Und immer wieder begegnen wir einer Gruppe vom Schiff, vorne weg der Guide mit dem schon gut bekannten Schild über dem Kopf haltend.

Bars und Gaststätten mit „free WLAN“ gibt es hier auch. So machen wir Kaffeepause und füttern unsere Handy. Die Rechnung kommt dann in lokaler Währung und umgerechnet in USD und EURO. Die Welt ist klein geworden.

Die Abkürzung der dominikanischen Republik ist übrigens R.D. Das sind meine Initialen. Überall sehe ich Käppies, T-Shirts und andere Andenken-Artikel mit meinen Initialen. So werde ich schwach und kaufe mir ein R.D.-Käppie. An Weihnachten werde ich es meinem Sohn Rupert Dürre (auch ein R.D.) schenken.

Ansonsten genießen wir an diesem Tage unsere Zweisamkeit und freuen uns auf Weihnachten.

23. Dezember – La Romana – Domikanische Republik – – BOOT
Ankunft um 8:00 / Transfer zum Flughafen 14:45; organisierter Ausflug

Es ist unser letzter Tag. Wir haben schon ein paar Tage vorher auf dem Schiff einen organisierten Ausflug für den Vormittag gebucht. Es ist eine Bootsfahrt mit Schnorcheln und Strandbesuch. Er soll um 14:00 zu Ende sein, so haben wir noch genug Zeit bis zum direkten Transfer zum Flieger.

Unser Gepäck haben wir schon am Vorabend gepackt. Die Koffer mussten bis Mitternacht vor die Tür gestellt werden und sind schon abgeholt. Meinen Rucksack mit meinen warmen Kleidern habe ich auch dazu gestellt. Wir sind also vogelfrei und müssen heute am Flughafen das Gepäch nur noch identifizieren und die beiden Koffer beim Check-In abgeben.

Der Ausflug ist wieder gut organisiert. Unser Boot steht am Heck von MeinSchiff 4 zum Einstieg bereit. Die Mannschaft ist zu dritt, eine Schweizerin und zwei Einheimische. Alle sind richtig gut darauf. Unterwegs gibt es Kola, Sprite … und viel Rum. Cuba libre! Zum Essen haben sie Pastelitos dabei, das sind gefüllte Teigtaschen.

Zuerst machen wir einen Schnorchelstopp, dann fahren wir zu einem Strand. Der Bereich mit den blauen Liegestühlen ist für uns reserviert. Die Nutzung eines Liegestühle kostet 2 USD, das Liegen auf einem Handtuch am Strand wie das Schwimmen im Meer sind im Preis mit drin. Ein Kreuzfahrschiff der Reederei „Costa“ ankert vor dem Strand und „tendert“ fleißig offensichtlich überwiegend italienische Gäste an Land. Es geht zu wie am Marienplatz in München.

Es ist der Tag vor Heilig-Abend. Essen, Trinken, Sonne und Wasser genießen und „faul sein“ ist angezeigt. Besonders das Meer in tropischer genießen wir noch mal so richtig und gehen öfters ins Wasser als auf der ganzen Reise. Dann geht es mit dem Boot zurück zum Schiff – Ade Karibik!

Pünktlich setzt uns das Ausflugsboot wieder beim Schiff ab. In der Grillbar auf dem 12. Deck von MeinSchiff 4 verspeisen wir unseren letzten Hamburger und spülen die Reste mit Corona runter. Dann geht es runter zum Bus und ab in den Flieger. Wir wollen ja am nächsten Tag unter dem grünen Baum bei uns zu Hause Weihnachten zu feiern

Am Heilig Abend stehen wir dann morgens um 8:30 am Bahnsteig des Flughafen und warten auf die S-Bahn der Linie 8 zum Ostbahnhof. Der Umstieg zu S7 klappt problemlos, alle Züge sind pünktlich.  In Neubiberg kommen wir gegen 10:00 an. Ich radle zuerst Mal zum Metzger Schlammerl in Ottobrunn und kaufe mir ein paar Weißwürste. Dann geht es zum Bäcker Schlank in Putzbrunn für die Brezeln dazu. Die Mittagsbrotzeit ist gerettet – und – Heilig Abend kann kommen!

Das Hotel, das uns für vierzehn Nächte beherbergt hat und mit uns durch die Karibik fuhr.

Das war es! Ich werde noch einen Artikel mit ein paar Tipps zur Kreuzschifffahrt schreiben – und mich dann wieder anderen Themen zu wenden.

🙂 Wie z.B. was denn eigentlich system-theoretisch betrachtet ein Problem ist.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 30. Dezember 2016

Mobil in Mittelamerika vom 9. – 16. Dezember (Erste Woche)

Ganz allgemein: Das Auto dominiert auch in Mittelamerika das „Mobile Leben“. Das war mir schon klar. Aber die Anzahl und Dichte der Staus in den großen wie den kleinen Städten hat mich dann doch überrascht. Wie die (wahrscheinlich ja nur scheinbare) Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor aller Art.

Zuerst mal zum Thema Kreuzfahrt:

Wir fuhren ja mit dem großen Schiff „MeinSchiff 4“ von TUI eine Runde durch die Karibik – mit 4 Seetagen und 10 Landtagen. Das Schiff dreht diese Route ein paar Mal in der Jahreszeit vom Dezember bis Februar, ein anderes „MeinSchiff“ fährt eine andere Runde im selben Raum mit anderen Zielen. Dann fahren sie weiter in neues Gewässer und drehen dort ihre Runden. Kreuzfahrt ist so zu einer Art „Linienverkehr“ geworden, was sicher die Logistik vereinfacht, aber das Reiseerlebnis eben auch ein wenig mehr „convenient“ macht. Und natürlich drehen in der Karibik verschiedene Schiffe von zahlreichen Reedereien ihre Runden.

Individuell gestaltete Weltreisen z.B. von Hamburg nach Hamburg über einen Zeitraum von einem dreiviertel Jahr mit immer wieder neuen Teilstrecken sind selten geworden. Das gilt für alle mir bekannten Reedereien, für die großen wie Costa, Celebrity oder eben MeinSchiff (TUI) wie auch für die kleinen.

Das ist aber nicht so schlimm, denn auch so hat das Reisen per Schiff einen großen Vorteil. Man ist tagsüber an vielen Orten in verschiedenen Länder und kann diese durchaus individuell und intensiv erleben. Der oft lästige Transport findet nachts und sehr komfortabel statt. So ist ein Schiff letzten Ende ein mobiles Hotel, in dem man jeden Morgen an einem anderen Platz ist.

Die Problematik von Kreuzfahrten (und Fernurlaub im allgemeinen) ist mir sehr wohl bewusst. In der Regel führt nur ein Langstreckenflug zum Ziel – und das Schiff ist ein starker „Umweltsünder“. So zerstört eine Kreuzfahrt im Jahr alle meine Versuche, meinen Kohlendioxid-Fußabdruck mit der Umwelt verträglich zu gestalten. Da hilft auch der Fakt nur wenig, dass ich nicht mehr Auto fahre und in Deutschland nur noch mit dem Fahrrad oder öffentlich unterwegs bin.

Aber der Reihe nach:

Auf unserer zweiwöchigen Rundfahrt durch Mittelamerika „checken“ die Menschen in zwei Häfen ins Schiff ein und wieder aus. Dies sind La Romana oder Montego Bay, beides Orte mit Hafen und Flughafen in Jamaika.

In der Regel verlässt man das Schiff dort, wo man eingestiegen ist. Man fliegt also bei solchen „convenient“ Kreuzfahrten von dem Ort zurück, an dem man angekommen ist. Es braucht also keinen Gabelflug. Wir sind in La Romana in der Dominikanischen Republik (R.D.) an Schiff gegangen und dort auch wieder ausgestiegen. Wir hatten das Glück, dass wir so von München die kürzeste Flugstrecke in die Karibik hatten.

Wir wollten viel vom Land sehen und unsere Eindrücke nicht nur durch Fensterscheiben von Autos und Bussen sammeln, sondern viel mit „Land und Leute“ in Kontakt kommen. Das haben wir auch geschafft. So waren wir häufig zu Fuß und – leider – nur ein Mal auf dem Fahrrad unterwegs. Dreimal nutzten wir ein Auto (Taxi). An vier organisierten Ausflüge haben wir teil genommen und sind dazu öfters Bus gefahren und auf unterschiedlich großen Booten gewesen. Einmal war eine Seilbahn als Verkehrsmittel dabei.

So fing es an:

Am 9. Dezember sind wir am Flughafen von La Romana in der Dominikanischen Republik gegen 16:00 nach einem über zehnstündigen Direktflug gelandet. Vom Flugfeld ging es direkt in den Bus. Der Transfer hat zirka 10 Minuten für die wenigen Kilometer vom Flughafen zum Hafen gedauert. Das Gepäck wurde direkt aus dem Flieger vor die Kabine geliefert – eine logistisch wirklich optimale Anreise.

Der Check-In ins Schiff hat allerdings ziemlich lange gedauert. Das Schiff hat auf dieser Route nur zwei „Wechseltage“ (früher hätte man An- und Abreise-Tage gesagt) und da kommen dann so um die 1.000 neue Passagiere mit eigenen Charterflügen innerhalb eines kurzen Zeitraumes gleichzeitig an. Wir kamen so ziemlich als die Letzten an. So hat es ein wenig gedauert, bis wir an Bord kamen, obwohl auch der „Check in“ recht gut mit vielen Schaltern organisiert war. Aber wie schon berichtet, die gute Nachricht: Das Gepäck stand da schon vor der Kabinentür.

Die Reise beginnt!

Am 9. Dezember sind wir angekommen. Der 10. Dezember war ein Seetag auf dem Wege nach Jamaika. Das war schon mal gut zum Erholen vom Flug. Die Ankunft im Hafen von Ocho Rios war am Morgen des 11. Dezember.

11. Dezember – Ocho Rios – Jamaika – – ZU FUSS
Ankunft um 7:00 / Abfahrt 20:00

Es ist der erste Landtag auf unserer Reise und ich bin das erste Mal in Jamaika, dem Lande Bob Marleys!

Eine der Attraktionen von Ocho Rios sind die Dunn’s River Falls. Das sind „Wasserfälle“, auf denen sich das Wasser auf einem „plateau-artigen“ Gefälle nach unten bewegt. Da kann man unten vom Meer zirka 50 Höhenmeter durch die Fluten wieder nach oben klettern. Das sieht gewaltig aus – und auch viel gefährlicher als es ist. Das Süßwasser ist angenehm warm, so dass das Ganze ein schöner Spaß ist. Die seichten Stellen findet man leicht und kommt so auch gut ohne Führer zurecht.

Die Barbara in den Dunn’s River Waterfalls auf dem Wege nach oben!

Auf dem Schiff gibt es jeden Tag (auch auf Papier) ein „Tagesprogramm“ und außer an den Seetagen eine „Hafeninformation“. Die enthält nützliche Infos und eine Karte des Hafen. Auf der sehen wir, dass es von unserem Anlegepunkt  in Ocho Rios zu den Dunn’s River Falls wohl gar nicht so weit ist. Die Entfernung vom Schiff dorthin schätzen wir so auf 5 bis 10 km.

Also machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Es ist ein bisschen wolkig, das ist natürlich gut für unsere Dezember-Blässe. Immer wieder regnet es zwischendurch, der Regen ist aber warm und stört uns nicht. Er ist eher eine wohltuende Erfrischung. Ab und zu stellen wir uns unter und haben die ersten Kontakte mit den Menschen, die hier leben.

Für uns Touristen kostet der Eintritt zu den Dunn’s River Falls 20 USD pro Person. 🙂 Eine Ermäßigung für Rentner gibt es nicht. Viele  einheimische Familien mit zahlreichen Kindern stehen auch an den Kassen an. Die Vorfreude steht ihnen schon in den Gesichtern. Sie zahlen die Hälfte. Der vom Schiff organisierte Ausflug zu den Wasserfällen hätte um die 50 USD gekostet, dann aber ohne Spaziergang dafür mit Bus und Führer.

Am frühen Nachmittag sind wir wieder auf dem Schiff, es waren dann vielleicht zusammen gut 15 Kilometer. Ist schon mal nicht schlecht. Am Nachmittag geht es dann nochmal raus ins „Dorf“. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, es ist ja Sonntag, der 3. Advent. Mein Ziel ist, mir ein Bob Marley T-Shirt zu kaufen. Und in der Tat, wegen des Sonntags haben viele Geschäfte geschlossen, es gibt aber noch genug offene Läden.

Bob Marley wird hier wirklich verehrt. Er ist der Nationalheld Jamaikas. T-Shirts sind allgemein richtig billig, nur der Bob Marley kostet seinen Preis. Wir besuchen eine Reihe von Geschäften und finden ein offizielles T-Shirt, das mir sehr gut gefällt. Allerdings kostet es je nach Geschäft zwischen 36 und 20 USD. Im Gegensatz dazu gibt es die „normalen“ T-Shirts für 5 und (deutlich) weniger US-Dollar. Die Verkäufer wehren sich, das Bob Marley Shirt unter magische 18 USD zu verkaufen. Mir scheint, dass ein billigerer Verkauf des Nationalhelden ein Sakrileg wäre.

Im Dunklen legen wir ab und weiter geht es entlang der Küste von Jamaika nach Montego Bay (Mo Bay). Und in meiner „Suite“ ist ein schönes rotes Original-T-Shirt von Bob Marley. Das ziehe ich dann an Silvester daheim an.

12. Dezember – Montego Bay – Jamaika – – ZU FUSS, Taxi
Ankunft um 7:00 / Abfahrt 22:00; privat unterwegs

So sehen die Weihnachtsbäume in Jamaika aus. Dieser hier wird gerade im Zentrum von Montega Bay aufgestellt.

In Montego Bay war übrigens der zweite Wechseltag dieser Route. Das bedeutet, dass ungefähr 1.000 Menschen  das Schiff  verlassen und 1.000 neue kommen werden … Davon bekommen wir aber nichts mit. Denn wir wollen ja wieder aufs Land.

Die Karte in der „Hafeninformation“ zeigt uns, dass der Weg ins Zentrum so um die 7 km sein dürfte. Zu Fuß erscheint die Entfernung also durchaus machbar.

Also starteten wir, zuerst den Southern Cros Blvd, dann nach links den Howard Cooke Hwy. Diesmal gibt es wenig Wolken und Schatten, trotzdem sind wir nach gut einer Stunde am Montega Bay Market.

Wir amüsieren uns in Mo Bay ziemlich lange. Der Rückweg erscheint uns ein wenig länger und wir denken auf halber Strecke daran, für den Rest vielleicht doch ein Taxi zu nehmen. Da fragt uns ein Taxifahrer, der am Straßenrand steht, ob er uns zum Schiff bringen darf. Umsonst, weil er dann in den Taxibereich des Hafens darf. Dort gibt es nämlich wirklich gute Preise zu erzielen. Wir werden noch lernen, dass die Taxis vom Schiff im Hafen zu den diversen Zielen immer ein Mehrfaches von dem kosten, was üblich ist. Wir sind doch ein wenig ermattet und nehmen das verlockende Angebot an.

Am späten Abend geht es dann weiter in Richtung Mexiko. Zwischen Mo Bay und Cozumel liegt allerdings noch der zweite Seetag am 13. Dezember.

14. Dezember – San Miguel/Cozumel – Mexiko – – AUF DEM FAHRRAD
Ankunft um 6:30 / Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Cozumel ist eine der östlichen Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatán vorgelagerte Insel. Ziemlich früh verlassen wir das Schiff und strolchen erst mal in Richtung Innenstadt des kleinen Orts San Miguel. Der Weg sieht auf der Hafeninformation deutlich kürzer aus als es der nach Montega Bay war (und ist es auch). Trotzdem erzählen uns gefühlt um die 100 Taxifahrer, dass der Weg zu Fuß viel zu weit wäre.

Bis in die Innenstadt kommen wir allerdings nicht, weil wir  auf der rechten Seite stadteinwärts neben einem Motorradverleih (ausschließlich mit der Marke Harley-Davidson) einen Fahrradverleih entdecken. Der schließt zwar um 16:00 (es wird dann ja bald dunkel), aber da es früher Vormittag ist bleibt uns noch genug Zeit.

Im Angebot sind ganz einfache Räder zu 10 USD – nur mit Rücktrittbremse, ohne Schaltung und ohne ergänzende Handbremse. Für 15 USD gibt es dann so eine Art Trekking-Rad, mit Schaltung und Freilauf. Dann stehen noch ein paar elektrisch unterstützte „Fatboys“ herum, die man für 20 USD haben kann. Die Preise gelten jeweils für ein Rad und einen Tag.

Die elektrischen Fatboys auszuprobieren, das würde mir gefallen. Die Vermieter warnen uns jedoch, dass deren Akkus gerade geladen werden und noch lange nicht voll wären. Da ich mich nur mit Rücktritt ein wenig „ungewohnt“ fühle, nehmen wir zwei „Trecking-Räder“ für zusammen 30 USD.

Eine schöne lange Radfahrt führt uns an die Nordstrände der Insel Cozumel vor Mexiko.

Die Räder sind gut geölt, die Reifen fest aufgepumpt. Bei meinem Rad hat das Tretlager einen Schaden und knackst, trotzdem ist der Spaß am Radeln groß.

Zuerst fahren wir weiter hinein nach San Miguel. Dort gucken wir uns ein paar Geschäfte an.  Auch hier gibt es viele Schmuckgeschäfte, spezialisiert auf Diamanten. Die werden uns die ganze Reise verfolgen.

Dann geht es am Fahrrad-Geschäft vorbei zurück nach Norden, wieder am Schiff vorbei eine Straße entlang der Ostküste nach Norden. Wie Perlen, aber in angemessenen Abstand von ein paar 100 Metern bis zu auch mal ein bis zwei Kilometer, fahren wir an nobel und teuer anmutenden Hotelanlagen vorbei. Es geht ziemlich weit am Meer entlang und macht richtig Spaß – dann kommen Hunger und Durst auf. Wir kehren um, fahren wieder am Schiff vorbei zum Fahrradverleih, geben die Räder zurück und gehen den guten Kilometer zurück zum Schiff. Es war ein toller Tag. Am Abend geht es weiter nach Belize.

Fast vergessen:
🙂 In Cozumel, kurz nach dem Radverleih, besuchen wir eine kleine Bar in einer Nebenstraße  und haben dort „freies WLAN“. Gegen zwei Kaffee und eine Flasche Wasser zu drei mal drei USD durften wir inx Netz und konnten so unsere E-Mails lesen und schreiben, Chats beantworten, SZ runter laden und erledigen, was halt sonst noch so ansteht.

15. Dezember – Belize City – Belize – – BUS, BOOT, ZU FUSS
Ankunft um 9:00 / Abfahrt 20:00; organisierter Ausflug

Belize City hat wohl keinen Hafen, der für so große Schiffe wie die MeinSchiff 4 anfahrbar ist. Es ist auf dieser einzige Landbesuch, bei dem das Schiff nicht in einem Hafen anlegt sondern das Schiff ziemlich weit draußen ankert. Es muss also „tendern“. Normalerweise werden dazu  die eigenen Rettungsboote zu Wasser gelassen und pendeln dann zwischen Schiff und Festland hin und her. In Belize gibt es einen eigenen Tenderdienst, der diese Aufgabe übernimmt. Dawir uns einen organisierten Ausflug geleistet haben, der früh weggeht, dürfen wir schon mit dem zweiten „Tender“ ans Festland.

Unser Ausflug scheint sehr beliebt zu sein, es werden zwei Busse gebraucht. Alle wollen das Erbe der Mayas sehen. Wir sind zu früh, die Busse sind noch nicht da. So warten wir in im Hafengebäude. Ich fühle mich so ein wenig wie früher in der Grundschule – in Zweierreihen stehen uns warten. Dann kommt unser Bus und wir werden nach Tower Hill gebracht. Hier gibt es auch endlich mal „lokales Futter“ – Hühnchen mit eingelegten Zwiebeln an einem leckeren Gemüse. Dazu die übliche „Hochzeit“ – sprich Reis mit schwarzen Bohnen. Die „Hochzeit“ kenne ich von unserer Radtour in Cuba vor zwei Jahren, da ich keinen Reis mag verzichte ich darauf. Aber der Rest ist wirklich gut – einfach aber lecker.

Gesättigt steigen wir in kleine aber sehr schnelle Boote um, die uns nach Laimanai bringen sollen. Wir steigen als Letzte ein und sitzen so ganz hinten. Die Boote rasen in einem Affenzahn nach Laimanai, wir sehen nur links und rechts die Wasserfontänen. Auf der Rückfahrt werden wir das besser machen.

Endlich bei den Maya-Tempeln in Lamanai.

So wird es dann. Auf der Rückseite sitzen wir ganz vorne. Und haben eine wunderbare Sicht. Das Boot kommt uns auch nicht mehr ganz so irre schnell vor.

Die Maya-Stadt Laimanai war wirklich sehr beeindruckend. Aber auf der Rückfahrt kommt es zu kleinen Problemen. Zuerst muss unser Kapitän einem liegen gebliebenen Boot helfen. Und dann kommt der Bus in einen Megastau.

So wird es 19:30 Uhr, Ende des Landganges. Für einen Bummel durch Belize City ist keine Zeit mehr. Wir können nur das berichten, was wir vom Bus so gesehen haben. Belize hat auf uns sehr britisch gewirkt, nicht nur wegen des Linksverkehrs, den wir von Jamaika her ja schon gut kennen.

Kaum sind wir auf dem Schiff, dann legt es auch schon ab. Zwar nicht ganz so pünktlich wie sonst, sondern ein wenig nach 20:00 ab. Es musste noch auf eine ein wenig verspätet andere Ausflugs-Gruppe warten. Auf geht es nach Honduras.

16. Dezember – Roatán – Honduras – – ZU FUSS, Taxi
Ankunft um 9:00 / Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Der Blick vom Schiff – in Richtung West Bays, da wo wir hin wollen.

Roatán ist eine Insel und liegt eine halbe Schiffstunde vor dem Festland Honduras. Wir wollen heute zu den „Westbays“. Weil da der Strand so schön sein soll. Und wenn möglich, mal wieder radeln.

Wir gehen also zuerst mal in die kleine Stadt östlich vom Hafen und fragen dann Einheimische, wo man Räder mieten könnte. Die Antwort: Hier nirgendwo, aber es könnte sein, dass es auf der Nord-Seite der Insel, also hinter den Bergen auf der anderen Seite, einen Fahrradverleih gäbe. Da könnten wir mit dem Taxi hinfahren.

Das ist aber nicht der Sinn der Sache. Dann versuchen wir raus zu bekommen, wie weit es bis zu den „Westbays“ ist. Wir kriegen unterschiedliche Angaben und einigen uns auf die Zahl sieben. Allerdings in Meilen. Also gehen wir dann mal los. Und entdecken vorher noch im Ort einen besonderen Platz. Es ist eine kleine Parkanlage mit Bänken, die wohl den Freunden Honduras aus Taiwan gewidmet ist. Hier gibt es recht gutes öffentliches WLAN. Das zweite Mal auf der Reise sind wir im Netz und laden alles runter, was wir brauchen.

Dann marschieren wir los. Zurück zum Schiff, am Schiff vorbei in Richtung der „Westbays“. Es regnet immer wieder. Zuerst stellen wir uns bei Schauern unter die Palmen am Straßenrand. Da das nicht viel nutzt , laufen wir schließlich auch bei Regen weiter. Der Regen ist ja schön warm.

Immer wieder halten Taxis an und bieten uns unsere Dienste an. Und warnen uns, dass der Weg zu den „Westbays“ ganz schön weit und sehr beschwerlich wäre. Dann haben wir die Hälfte geschafft. Wir machen Pause und gehen in eine Bar. Und trinken ein paar Fläschen Salva Vida, eines der lokalen Biere von Honduras. Und genießen auf einem Steg die mittelamerikanische Sonne. If paradise is half as nice …

Bisher ging die Straße schön flach die Südküste entlang. Es war ein schöner Weg. Jetzt müssen wir ins Land abbiegen. Wir überlegen uns, ob wir umkehren sollen. Oder bis ans Ziel gehen und uns von einem Taxi heimbringen lassen.

Es regnet wieder. Ziemlich heftig. Bisher sind wir immer wieder „getrocknet“, bis der nächste Regenschauer kam. Das funktioniert nicht mehr. Der Regen hat endgültig die Kleider komplett durchnässt, der Weg führt jetzt in die Berge. Der Blick wird immer schöner – der Weg immer steiler. Zuerst geht es nur hoch, dann plötzlich immer auf und ab. Ganz oft. Und wenn wir nach einem kräftigen Abstieg denken, jetzt geht es endlich wieder runter ans Meer, kommt die nächste Steigung.

Unterwegs kommen wir an einer Reihe von Touristik-Attraktionen vorbei. Mehrere „Flying Dogs“, „Cool Runnings“, ein Monkey-Park und ähnliches sollen den Wanderer locken. Allerdings sieht alles geschlossen aus – vielleicht auch wegen des Regen.

Wir schaffen es und kommen an den schönen Stränden der Westbays an. Die sind sicher sehr schön, aber voller Liegestühle. Im Wasser davor liegt ein Boot neben den anderen. Ein wenig ernüchternd. Aber was soll es, wir haben es geschafft und unser Ziel erreicht.

Es war ein anstrengender Spaziergang. Wir sind jetzt wirklich durch und durch nass. Und finden ein Taxi. Es bringt uns für 10 USD heim zum großen Schiff. Im Taxi frieren wir. Also: Klimaanlage aus, Fenster auf und schon geht es wieder. Was für ein toller Tag!

Durch und durch nass, ein wenig erschöpft aber sehr glücklich, angekommen am Strand der West Bays in Roatán in Honduras.

Soweit mal die erste Woche! Im nächsten Post berichte ich dann die zweite Woche vom 17. bis zum 23. Dezember dran. Die dann mit einem Seetag beginnt.

RMD