Roland Dürre
Mittwoch, der 20. März 2019

Das digitale Auto der Zukunft (extrapoliert)

So leben wir 1975 – Hobby Titelblatt November 1955

Die Extrapolation ist ein Verfahren zur Ausdehnung von Aussagen über ihre eigentlichen Gültigkeitsbereiche. Meistens setzt die Extrapolation eine Interpolation voraus.

Schon in der Mathematik ist das nicht einfach. Jetzt versuche ich mich mit einer sanften Zukunftsprognose. Die unser zukünftiges Leben mit Mobilität betrifft. Nicht mit Hilfe von Mathematik sondern nur durch logisch-zynisches Denken.

Dazu stelle mir vor, wie die digitalen Landfahrzeuge, auch selbstfahrende Kraftfahrzeuge genannt, in Zukunft ausschauen könnten?

Wie immer beginne ich mit Wikipedia. Da finden wir aktuell folgenden Beschreibung:

 


Als selbstfahrendes Kraftfahrzeug (manchmal auch autonomes Landfahrzeug) bezeichnet man ein Auto oder anderes Kraftfahrzeug, das ohne Einfluss eines menschlichen Fahrers fahren, steuern und einparken kann (Hochautomatisiertes Fahren bzw. Autonomes Fahren).


 

Ja, wenn es so einfach wäre. Ursprünglich habe mir vorgestellt, dass – wenn ich mir ein selbstfahrendes Auto bestelle – mich dann ein Fahrzeug abholen kommt, das eher einem Auto-Scooter ähnelt. So wie wir es als Kinder auf dem Volksfest gefahren sind. Und ich hopse rein, das Auto bringt mich an mein Ziel und fertig.

Dann habe ich aber fleißig Zeitung gelesen (wie den Teil Mobilität in der Wochenendausgabe der SZ) und gelernt, dass so ein Auto viel mehr können muss.

  • Es ist voll digital. Ich kann also alles machen wie daheim im WLAN.
    Das macht besonders dann Freude, wenn wir – das Auto und ich – im Stau stehen. Dann kann ich meine ganze Arbeit vom Auto aus machen – wie in meinem Home Office – und muss eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit fahren.
  • Wahrscheinlich soll das Auto auch fliegen können.
    Das muss es ja allein schon wegen den vielen Staus. Und weil ich ja den direkten Weg nehmen will. Ohne den Zickzack der Straßen ausgeliefert zu sein. Flugtaxis sind ja zurzeit sehr in Mode.
  • Auf längeren Strecken will man sich im Auto dann auch ausschlafen können. Wenn die Fahrt z.B. über Nacht von München nach Hamburg geht. Eigentlich möchte ich von München nach Westerland fahren. Nur komme ich im Schlaf so kaum nach Sylt. Denn da gibt es den Hindenburg-Damm mit der ollen Eisenbahn. Wieder ein Hindernis für das Zukunftsauto. Was natürlich für das fliegende Auto kein Problem wäre, das würde ja einfach drüberfliegen.
    Das Problem fängt damit an, dass ich dann für mich (und meine Begleitung) einen Sitz brauche, der so in etwa der Business Class oder Firstclass im Flieger entspricht. Das heißt, es darf kein City-Scooter sein, sondern eher so eine Art Wohnmobil. Wenn ich aber so ein Auto habe, dann brauche ich ja gar kein Hotel mehr. Der dann notwendige Parkplatz muss dann ja auch gar nicht beim Ziel sein. Da bringt mich das Auto ja dann am nächsten morgen hin. Und fliegt dann weg – und kommt wieder, wenn ich zurück nach München will. Die Digitalisierung soll das alles möglich machen

 

Kommt ein Auto geflogen … Hobby Titelblatt August 1956

Ich brauche also so eine Art Drohne um einen VW-Bus herum. Dieses neue Wunderfahrzeug soll ja auch gar nicht mehr mein Eigentum sein.

Wir haben ja „shared economy“. So kann ich mir – ob es der Stadt-Scooter oder das Wohnmobil ist – das Fahrzeug einfach per Klick ordern. Das kommt dann, ordentlich geputzt und für die Fahrt vorbereitet. Ganz gleich, ob es zum Café um die Ecke oder in die Ferne geht. Und ich steige ein und ab gehts.

Was für eine schöne neue Welt!

Die wird aber eher etwas für die ganz Reichen sein. Also für die, die früher Adelige und Bischöfe waren. Die früher eben die Kutschen und Pferde hatten. Und auch die Kutscher. Die beim einfachen Volk nicht so beliebt waren. Weil sie in den engen Gassen der Städte das Recht der „feien Fahrt“ mit der Peitsche durchsetzen.

Die „normalen Menschen werden in Zukunft mit „people mover“ (das was man früher ÖPNV bezeichnet hat) von zentralen Punkten zu zentralen Punkten verfrachtet. Und müssen dann den Rest zu Fuß gehen oder diese Wege mit elektrischen Rollern, Skateboards und was es noch für Mobilitäts-Spielzeuge geben wird zurücklegen. Sofern das Bundesverkehrsminister da eine vernünftige Regelung findet. So sieht es ja derzeit  nicht aus.

Und treffe dann einen jungen SW-Ingenieur. Der ist zu BMW gegangen, weil die Programmierung eines selbstfahrenden Landfahrzeuges angeblich eine der wenigen wirklichen Herausforderungen ist, die es für einen Informatiker heute noch gibt. Und der glaubt genauso wie viele Analysten und Entscheider an das selbst fahrende Auto.

Ich habe Zweifel an der schönen neuen Welt der Zukunft. Aus ganz banalen Gründen. So glaube ich, dass wir in einem Zeitalter von Klima-Veränderung, Verarmung, Zerfall der Infrastrukturen und sozialer Probleme ganz andere Sorgen haben werden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Menschen, die in prekären Situationen leben, das so toll finden werden, wenn die Reichen von Luxus-Sänften durch die Gegend geschaukelt werden.

Angeblich soll hat ja eine Universität im Gebiet der ehemaligen DDR schon autonom fahrende Fahrräder konstruiert haben. Auf der Basis von Dreirädern (weil das autonom fahrende Zweirad wohl zu schwierig ist).

Und lobe mir die gute alte individuelle Mobilität auf zwei Rädern. Gerne auch mit dem e-Bike (womit wir dann wieder bei Motorisierter individuelle Mobilität MIV wären). Aber vernünftig motorisiert mit wirklicher Freude am Fahren.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Januar 2019

Barcamp für Aktive Mobilität im Alltag (2019) !?

Zum Jahresbeginn in 2016 hatten wir ein wunderbares Barcamp für Aktive Mobilität (AktMobCmp).

Veranstaltungsort war das Kubiz in Unterhaching. Hier ein Video von diesem Ereignis. Ein zweites AktMobCmp fand in Augsburg statt.

„Unterhaching“ ist jetzt bald genau drei Jahre her. Seitdem ist viel passiert und das Bewußtsein für einen notwendigen Wandel auch bei der Mobilität stark gewachsen.

Was macht man, wenn man sich selber und auch ein wenig die Welt verändern will? Dann geht man auf ein Barcamp und trifft sich dort mit Menschen, die ein ähnliches Anliegen. Und lässt sich von dem Flow mitreißen, der sich dort in der Regel entwickelt.

Und schon schafft man es, das eigene Verhalten in die gewünschte Richtung zu ändern und einen Beitrag für das Gemeinsame zu leisten. Das gilt für viele Themen unseres privaten und gesellschaftlichen Lebens und auch für aktive Mobilität.

So meinen wir, dass die Zeit reif ist für ein drittes AktMobCmp. Und würden gerne wieder eines veranstalten. Zu einer Vorbesprechung dazu treffen wir uns (Aktivisten und Symphtisanten von „Aktiver Mobilität im Alltag“) am Donnerstag, den 21. März 2019 in der Nähe des Viktualienmarkts bei unserem Gastgeber, dem Unternehmen accu:rate (accu:rate GmbH, Rosental 5 in D-80331 München). Großen Dank dafür an die Geschäftsführer und Gründer von accu:rate Dr. Angelika Kneidl und Florian Sesser.

Das Ziel dieses Treffens ist, zu entscheiden, ob wir ein AktMobCmp in 2019 anstreben und wenn ja, wie wir es angehen wollten. Dazu stellen sich eine Reihe von Fragen, die Antworten müssen gefunden werden:


Fragen fürs Kick-Off-Meeting

  • Wann und wo findet das nächste AktMobCmp statt?
    Datum und Ort sind natürlich zentrale Parameter.
  • Welche Raumsponsoren können wir ansprechen.
    Nur eine kostenfreie Nutzung von Räumen ermöglicht einen günstigen Unkostenbeitrag für die Teilgeber des Barcamps. In der Regel verfügen nur Gemeinden, Unternehmen und Hochschulen geeignete Räume.
  • Ein oder zwei Tage?
    Die Erfahrung zeigt, dass die Teilgeber auf einem 2-tägigen Barcmp häufig einen guten gemeinsamen Schwung generieren, (auf neudeutsch“in einen flow geraten“).  Dabei ist eine schöne gemeinsame Veranstaltung am Abend des ersten Tages hilfreich.
    Ein eintägiges Barcamp ist bringt meistens weniger. Dafür verringert sich der Aufwand für die Veranstalter und die Schwelle zur Teilnahme wird niedriger, da die Teilnehmer weniger Zeit aufbringen müssen.
    Man kann auch ein 2-tägiges Barcamp durchführen und eine eintägige Teilnahme anbieten.
  • Welche Höhe darf der Beitrag haben?
    Gibt es verschieden Arten von Beiträgen (normal und erweitert)?
  • Finden wir neben einem Raumsponsor weitere finanzielle oder materielle Unterstützer?
  • Was sind die Aufgaben des Orga-Teams?
  • Wie setzt sich das Orga-Team zusammen?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben
  • Wie wird das Barcamp strukturiert?
    • Reine Unkonferenz?
    • Mit ergänzenden Impulsvorträgen und/oder team- und kreativität-unterstützenden Beiträgen?
  • Moderation und Begleitung?
  • Weitere Ideen?

Wir machen auf dieses Kick-Off-Treffen in Meet-Up, auf der AktMobCmp-Website und in Face-Book aufmerksam. Ich bitte alle Aktivisten und Sympathisanten für unsere Aktivität zu werben. Und die Menschen, die zu unserem Kick-Off kommen wollen, bitte ich sich neben der Anmeldung bei Meet-Up sich auch bei mir per E-Mail anzumelden, damit wir uns kennen lernen und schon zur Vorbereitung ein paar Gedanken austauschen können! Dies besonders, wenn „neue Gesichter“ dabei sind.

Roland

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RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. April 2018

Lärmverschmutzung – im Wachstum!

Wer glaubt denn noch ans Wachstum? Ich nicht mehr. Beim Lärm zum Beispiel nervt mich Wachstum nur noch.

Aus der Zeit, in der ich noch Autofahrer war – mit meinem roten BMW und meiner hübschen Barbara. Man beachte den popeligen Golf daneben! Bäh!


Zuerst erzähl ich mal, was mir in meiner Wahrnehmung von meinen Erziehern als Kind so vermittelt wurde.


Den gemerkten Rückmeldungen meiner Eltern folgend habe ich als Kind (fast) alles falsch gemacht. Ich habe gelärmt, oft war das nur Teil des Spiels, das wurde aber so nicht verstanden. Laut (und lustig) sein, das ging gar nicht. Ich wurde zur absoluten Rücksichtnahme verpflichtet.  Weil man andere Menschen – besonders die Erwachsenen – nicht stören darf. Und ihnen auch nicht zur Last fallen darf. Besonders nicht durch kindgerechtes also falsches Verhalten. So hieß es immer: BENIMM DICH!

Lärm machen war in der Tat etwas ganz Schlimmes. Nachts ging das sowieso nicht. Das galt aber auch für tagsüber. Denn unsere Nachbarn hatten regelmäßig Nachtdienst. Denn wir lebten in einem Wohnblock nur für Eisenbahner. Und müde Eisenbahner müssen ausschlafen, damit sie für den nächsten Nachtdienst fit sind.

Auch sollte ich Hochdeutsch – dies immer sehr deutlich – sprechen. Ich sollte immer sauber und adrett sein, musste auch beim schönsten Hochsommerwetter Schuhe tragen und natürlich waren meine Haare extrem kurz (schmutzige Kinder ohne Schuhe mit langen Haaren waren doch Zigeuner-Kinder)!

Als deutsches Kind sollte ich immer die Wahrheit sagen und eine gerade und aufrechte Körper-Haltung einhalten. Erwachsene musste ich als Erster freundlich grüßen, reden durfte ich nur wenn ich gefragt wurde. Beim Sprechen hatte ich diesen in die Augen zu schauen. Natürlich sollte ich mich auch in allem anderem absolut korrekt verhalten. Später war das Nyltest-Hemd angesagt und eine amerikanische Jeans ein NOGO!

Da ich nur selten das Musterkind aus dem Bilderbuch war (und sein wollte), habe ich viel gemuffelt und getrotzt. Das war dann gar nicht gut für mich – denn so war ich häufig der böse Unfolgsame. Das Böse musste natürlich bestraft werden. So hagelte es öfters körperliche Züchtigungen, Zimmerarreste, Straf- und Zwangsarbeiten. Ausgehverbote wie auch Entzug von vermeintlichen Vergünstigungen wie Verbote aller Art für Dinge wie Fußball spielen, Raus dürfen, Radio hören … (Fernseher hatte wir erst recht spät) waren an der Tagesordnung. Meinen Freunden ging es damals überwiegend mehr oder weniger ähnlich. Viele von uns haben sich sehr ungerecht behandelt gefühlt – mit dem Vertrauensverhältnis zu unseren Eltern ging es schnell bergab. So war das oft in den 50igern.


Gewirkt hat sie – diese Erziehung. Bis heute! So lässt mich mein Überich auch heute noch oft zusammen zucken. Sobald ich zum Beispiel (zu) laut bin oder mich schlecht benehme, hebt das Überich seinen strengen Zeigefinger und ermahnt mich!

Aus heutiger Sicht hat das auch Vorteile. Schon seit längerem plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich mich auch nur ans Steuer eines Autos setze. Ich mag nicht mehr lärmend durch die Gegend düsen. So nutze ich – als Fahrer wie als Mitfahrer – nur noch in ganz seltenen Fällen das Autos. In meiner späten Trotzphase zwischen 40 und 50 habe ich einen C1 (Motorroller mit Dach von BMW) gefahren. Mein Überich und die Barbara haben mich geschimpft, weil das Teil einen schrecklichen Lärm gemacht hat. So habe ich ihn halt verkauft. Darüber bin ich heute so richtig froh.


Letzten Montag habe ich den Tag des Bieres in der Forschung gefeiert. Wir haben über die Zerstörung der Welt und die Verherrlichung des Wachstum gesprochen. Typische Stammtischgespräche, wie Mann sie halt gerne in passender Runde bei einem (oder mehreren) hellen Bockbier „Sankt Jacobus“ führt.


Ein Freund in dieser Runde hat erzählt, dass er in seinem Garten kein ruhige Minute mehr hat. Zwar liegt sein Haus in sicher einer der besseren Wohngegenden im nahen Umkreis des Münchner Südostens, aber es lärme Tag und Nacht. Immer brumme die Autobahn (ziemlich laut obwohl eigentlich weit weg), die SUVs würden mit ihren fetten Allwetterreifen durch die „Tempo 30-Zonen“ lärmen und die Motorräder ihr Benzin-Lied röhren. Am Himmel würden Flieger dröhnen und der Hubschrauber lut ratternd übers Dach seinen Fang von der Autobahn ins Krankenhaus nach Harlaching bringen.

Ich kenne das. Kleine Sonderfahrzeuge versuchen bei uns im Frühling laut den Splitt zu entfernen, den genauso laute Streufahrzeuge im Winter verteilt haben. Die Dieselfahrzeuge der vielen Paket-Dienste – die ja alle mit eigenen Fahrzeugen kommen – rattern immer durch irgendeine der Nachbargassen, um die vielen im Internet-bestellten Kleinigkeiten mit aufwändiger Verpackung als große Pakete auszuliefern. Motorsportler feiern auch in der Nacht den Sound ihres PS-starken Boliden mit Sport-Auspuff.

Früh am Morgen, wenn die Nacht gerade dabei ist sich zu beruhigen, kommen Straßenkehr-Maschine und Müllabfuhr. Die werden fließend von Rasenmähern und Bau-Maschinen abgelöst. Am Bau wird immer früh gestartet – und irgendeine Baustelle gibt es immer im Viertel. Da bekommt man dann das ganze Paket an lauten Maschinen ab, von der Pressluftmaschine über die Fliesen-Säge bis hin zum einfachen Hammer. Und ist die Villa auch noch so flach, ohne einen lärmenden Hochkran geht es nicht mehr. In den Lärm mischen sich Laub-Bläser ein, die mittlerweile nicht mehr nur im Herbst ihr Unwesen treiben.


Mir geht es also ähnlich wie meinem Freund. Ich leide unter dem Lärm. Ich schlafe gerne mit offenem Fenster, aber das ist bei uns zu Hause nicht mehr möglich (obwohl „sehr ruhig gelegen“). Zu oft wache ich dann wegen Störgeräuschen auf. Am liebsten würde ich umziehen, aber ich finde keine Alternative.

Vor kurzem habe ich am Ostsee-Strand mit offenem Fenster geschlafen. Es war wunderschön. Aber es war am Samstag, in der Nacht vom Sonntag auf Montag ging das Gedröhne dann beizeiten los. Und vorbei war es mit gesunden Nachtruhe.

Dabei könnten wir alle ganz anders leben. Nur mit ein wenig guten Willen. Es wäre auch billiger und gesünder. Ohne Autos und dem ganzen Wohlstandsmüll. Aber schon höre ich das Credo“ „Ohne Auto geht es doch nicht“. Das stimmt natürlich nicht. Man lebt besser ohne, aber ist es halt so gewöhnt.


Mit dem Lärm wird es immer schlimmer und die Unachtsamkeiten mehren sich. Wir wohnen in Neubiberg in der Kufsteiner Strasse. Uns gegenüber stand bis vor zwei Jahren ein gemütliches altes Haus mit „Charakter“ und einem überdurchschnittlich großem Grundstück. In diesem Haus lebte ein altes Paar. Der mir sympathische Herr sorgte für seine pflegebedürftige Frau. Wie der rüstige Mann überraschend verstarb kam seine Frau ins Pflegeheim. Das wunderschöne Haus wurde schnell verkauft und zeitnah abgerissen. Auf dem Grundstück wurden im Rekordtempo zwei „Villen“ gebaut. Ein Vorgang, der im Rahmen der „Verdichtung“ des Münchner Umland häufig vorkommt.

Vor ein paar Tagen komme ich mit dem Fahrrad vom Einkaufen heim. Und höre einen ungewohnten Brumm. Ich wundere mich und suche nach der Quelle. Und finde sie. Kurz hinter dem Zaun einer der beiden neuen Villen steht fest gemauert in der Erden ein futuristisch aussehendes Gerät. Das vor sich hin lärmt.

Ich weiß nicht, ob das Teil heizt oder kühlt oder beides macht. Vielleicht soll es nur Energie sparen. Das mache ich bei unserem Anwesen geräuschlos mit Solarstrom und -warmwasser. Die neue Villa hat so etwas nicht. Dafür hat sie ein Schwimmbad im Freien. Das den eh nicht so großen Garten völlig verschwinden lässt. Vielleicht brummt das Gerät für das Schwimmbad? Weiß ich’s? Ist mir auch gleichgültig.

Glücklicherweise geht der Brumm nicht ganz bis zu unserem Haus. Wir haben ein Hammergrundstück mit einer Zufahrt von zirka 50 Metern. Dreißig Meter vor unserem Haus höre ich den Brumm nicht mehr. Ich atme auf. Glück gehabt. Und denke mir gut so. Weil auch bei mir das St.-Florians-Prinzip gilt:
Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus / Zünd’ and’re an!“
Auf englisch heißt das übrigens Nimby als Akronym für
„Not in my backyard“
🙂 Man sieht, das „by“ von Nimby hat nichts mit Bayern zu tun.


Am Nachmittag des „Tages des Bieres“ bin ich in den Münchner Osten zu einem Workshop geradelt. Meine Teilnehmer beklagten sich über die Hitze. Wir sind im April. Und der eine oder andere meint, dass er sich jetzt doch bald eine Klima-Anlage anschaffen müsse. Wegen der Klimakatastrophe. Quasi wollen sie den Teufel mit dem Belzebub austreiben.


Mit Schrecken denke ich an vergangene Reisen in südliche Gefilden. Da hatte ich ein wunderbares Hotelzimmer in der schönsten Gegend der Welt – in wunderschön ruhiger Lage. Nur die Klima-Anlagen rechts und links von, über und unter uns haben ihre Lieder gesungen. Für mich ist das eine „harmlose“ Form von Hölle. Die richtige Hölle kommt erst in ein oder zwei Generationen – und zwar von uns selber verursacht. Die Götter WACHSTUM, GIER, EGOISMUS und TRÄGHEIT haben ihre Opfer gefordert: Den Ausstoß von gigantisch viel Kohlendioxid, die Zerstörung der Meere, die Vermüllung der Welt, die Vergiftung der Umwelt, mit all dem haben wir unsere Lebensgrundlagen zerstört. Wir sind unserem christlichen Auftrag „Macht Euch die Welt untertan!“ gefolgt – jetzt bekommen wir ganz unchristlich die Quittung.

Und so gesehen ist das bisschen Lärm ja geschenkt! Obwohl mein Überich ermahnt mich übrigens auch, keine Produkte zu kaufen und nutzen, die unnötig verpackt sind, also keine Dosen und keine Getränke in Plastikflaschen oder 2Go-Bechern zu nutzen. Tetrapaks sind für mein Überich total out wie auch Kosmetika (weil es eine einfache Seife genauso tut). Ich soll nicht zu viel Fleisch zu essen und allgemein versuchen #nowaste zu leben und auch vor zu leben!

Danke, liebes Überich. So habe ich mich mit Dir angefreundet und verbündet. Wobei das alles nicht so einfach ist wie es klingt und sein könnte. Wir werden es nur gemeinsam schaffen.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 1. April 2018

April, April, April.

So könnte man den den 1. April auch sehen.

Schon als Kind habe ich Aprilstreiche gemocht. Welche Freude war es, am 1. April die kleine Schwester „in den April“ zu schicken.

Später als Heranwachsender fand ich Aprilscherze immer interessant. Und habe in der Augsburger Allgemeinen jeden 1. April am Morgen als erstes nach den Aprilscherzen gesucht. Und oft welche gefunden, die gar keine waren.

Natürlich durften dann in meinem späteren Leben auch in IF-Blog.de die Aprilscherze nicht fehlen. In einem Jahr hatten wir sogar Drei.

2018 habe ich schon früh im Jahr über einen guten Scherz für heute sinniert. Leider ist mir keiner eingefallen. Vielleicht auch, weil es mittlerweile täglich so viel Meldungen gibt, die besser als (schlechter) April-Scherz durchgehen sollten.

Heute Morgen war die alte Neugierde auf die Aprilscherze da. Und einen habe ich gefunden, der mir wirklich gut gefallen hat.


Fahrradstadt Münster

Pressemitteilung:
Wir, die IG Fahrradstadt Münster, haben nach den jüngsten Ereignissen in unserer Stadt eingesehen, dass die Bretter die zu bohren sind, um wirklich Fahrradstadt zu werden, sehr dick sind. Wir haben uns deshalb in einem internen Mehrheitsbeschluss dazu entschieden, weiterhin nicht mehr dieses Ziel zu verfolgen.

Stattdessen werden wir uns dem bereits sehr gelungenen Weiterausbau der Autofreundlichkeit in Münster widmen. Die vielversprechenden Entwicklungen der Vergangenheit zeigen uns, dass sich hier mit weitaus weniger Aufwand erheblich bessere Erfolge erreichen lassen.

Wir bieten hiermit dem ADAC und dem ACV Automobil-Club Verkehr unsere volle Unterstützung in ihren Projekten für autofreundliche Städte an. Das vielversprechende Ablehnen von Fahrverboten, vor allem bei unseren Vorbildern z.B. in Stuttgart, lässt uns jetzt für unser höchstes Ziel „Freie Fahrt für freie Bürger“ kämpfen.

Dafür stehen wir mit unserem Namen!

Mit freundlichen Grüßen
Die IG Autostadt.ms

(In Kürze werden unsere Social Media Domains natürlich geändert, Facebook und Twitter benötigen für Namensänderungen allerdings eine gewisse Zeit, wir hoffen dies schnellstmöglich abschließen zu können.)

Westfälische Nachrichten
Münstersche Zeitung
WDR Lokalzeit Münsterland
ANTENNE MÜNSTER
Radio Q
Münstersche Volkszeitung
Die Wiedertäufe


Der gefällt mir richtig gut. Vielleicht, weil ein klein wenig immer die klammheimliche Sorge da ist, dass es kein Aprilscherz sondern eine wahre Aussage ist. Aber auch, weil das was in Münster als April-Scherz durchgeht in München Strategie ist.

Und nicht nur in München, sondern auch in „meiner Heimat-Gemeinde“ Neubiberg. Immer noch wird dort wesentlich Geld für öffentliche PKW-Stellplätze im Ortszentrum ausgegeben. Im ganzen Landkreis werden mit hohem Aufwand Parkmöglichkeiten auf, unter und über der Erde geschaffen, Sportbauten scheitern letztendlich an den Stellplätzen und in ganz Bayern werden täglich Naturflächen, die in Fußballfelder gemessen werden können, für Parkplätze an Schulen, Friedhöfen, Bahnhöfen … mal schnell zu betoniert.

Und wenn es dann noch einen Ort des Widerstands gegen den Autowahnsinn gibt, wie Oberhaching dies zu sein schien, so stellt der Leser bei der Lektüre seiner Zeitung fest, dass diese Bastion auch schon mittlerweile geschliffen wurde.

Aber dieses Mal gibt es ja am 1. April ja für alle Ostereier umsonst! Und Haching gewinnt heute Nachmittag gegen Rostock.

RMD

Folgende „Weihnachtsgrüße“ haben mich erreicht, und zwar von einem Menschen, der mir gut bekannt und betreffend Mobilität ein wirklich kompetenter Experte ist. Ich bedanke mich bei ihm dafür ganz herzlich!


Hallo zusammen,

ein paar aktuelle Zahlen über die Anzahl und Antriebsart der in München zugelassenen Pkw und Lkw:

2017
PKW – Bestand Nov
Benzin 427.894
Diesel 287.869
Elektro 2.177
LKW/Sonst.Kfz Nov
Benzin 4.831
Diesel 49.770
Elektro 155

Es sind insbesonders zu viele Pkw und diese haben die falsche Antriebsart – die Lkw sowieso.

Von einer Verkehrswende o. ä. ist man also noch (ziemlich) weit entfernt…

Schöne Bescherung!


Das hat mich zum Nachrechnen gebracht!

Die Summe der PKW’s  ist leicht durch Addition zu ermitteln. Ich komme dann auf insgesamt 717.940 – ohne die LKW’s! Und es scheinen noch mehr zu werden.

Jetzt gehe ich mal davon aus, dass ein Auto beim „engen Parken“ im Schnitt in der Länge mindestens 5 Meter benötigt. Die Multiplikation von 717.940 (Anzahl der Autos) mal 5 Meter (Länge des Autos mit ein wenig Abstand zum nächsten) ergibt 3.589.700 Meter. Das bedeutet, dass alle Autos München in Reihe aufgestellt (mit wenig Zwischenraum) nur zum Parken eine Straße mit einer Länge von 3.590 km brauchen!

Laut Wikipedia umfasst München eine Fläche von

310,7 km2

Und diese Fläche wird nicht mehr, alles Unterkellern ist sicher keine Lösung. „Eingemeinden“ würde in diesem Fall auch nicht helfen.

Ich rechne mal modellhaft weiter. Wäre München ein Quadrat, dann hätte dieses Quadrat eine Seitenlänge von 17,6 km!!!

Jetzt dividiere ich die Länge der benötigten Straße (3.590 km) durch die 17,6 km Seitenlänge. Das Ergebnis ist dann: Wir brauchen in unserem Quadrat-München auf 17,6 km 204 parallele  Straßen, nur um die Autos zu parken! Das heißt alle 86 Meter muss eine Parkspur für die Autos da sein. Die Zahl ist brutto, da ja diese Parkspuren eine gewisse Breite haben muss.

Ist das nicht grauenhafte Vorstellung? München ist zwar kein Quadrat sondern ein zerfranztes Gebilde. Das ändert aber nichts am Prinzip. So sollte uns unsere kleine Musterrechnung schon ein wenig beunruhigen sollte. Was für eine irrsinnige Verschwendung von wertvollem Grund und welche Zerstörung von Lebensraum!

Eine andere Betrachtung finde ich genauso schlimm:

Wenn ich mir überlege, dass es Autos mit einem Gewicht unter einer Tonne kaum mehr gibt und ich als durchschnittliches Gewicht pro Auto 1,25 Tonne annehme, so haben wir im schönen München 897.425  Tonnen Sondermüll herumstehen haben. Das ist 9 mal das Gewicht der Golden Gate Bridge. Wenn der Sondermüll in Bewegung gerät – dann stinkt er und generiert Schmutz, erzeugt Lärm und mach so Menschen macht. Weiter verletzt und tötet er Menschen und raubt ihnen nicht zuletzt die für sie so wichtige Bewegung – mit weiteren entsprechenden nicht nur gesundheitlichen Folgen.

Und aus eigener Erleben weiß ich, dass man bei genauem hinsehen und ein wenig guten Willen Autos nur in ganz wenigen Fällen wirklich braucht und man fast alles ohne Auto auch nicht schlechter organisieren kann.

Man muss nur bereit sein wenig vermeintliche Bequemlichkeit aufgeben und bereit sein, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Und die schrecklichen (1,4 Millionen Verkehrstote pro Jahr, Zerstörung unserer Welt, Verursachung von gesundheitlichen Schäden durch Dreck und Lärm, Schaden der eigenen Gesundheit durch Aufgabe von Bewegung und Begebung in Stress) für uns alle wie die Nutzer selber schädlichen Folgen nicht mehr billigend in Kauf nehmen.

Es geht also nur darum, ein paar unteroptimale und schädliche Gewohnheiten aufgeben, die uns sowieso nur scheinbar einen Nutzen bringen. Wer dazu nicht bereit ist, dem ist nicht zu helfen.

Daraus folgt die Frage:

Sind Autofahrer Abschaum und Gesindel? Oder nur dumm? Oder beides?

Diese aggressive Aussage ist meiner Verzweiflung geschuldet. Der Satz missfällt mir selber, weil solch pauschales Verurteilen gar nicht meins ist. Aber vielleicht ist sie inhaltlich gar nicht so ganz falsch und vielleicht geht es angesichts des Auto-Wahnsinns nicht anders, als wie Knecht Ruprecht den Knüppel aus dem Sack herauszuholen?

Für mich ist diese Böse Frage ein guter Grund (weil ich eben kein Abschaum und Gesindel und auch nicht dumm sein will), dass ich mich nur noch in ein Auto setze, wenn es sehr gute und wichtige dafür Gründe gibt, ja fast gezwungen werde.

Das kommt bei mir vielleicht zehn mal im Jahr der Fall – mit abnehmender Tendenz. Dabei bin ich „mobiler“ als je zuvor und kann das mit meinem Google-Tracking-Profil belegen.

Und ich fühle bei meiner neuen aktiven Mobilität so richtig sauwohl und bin effizienter denn je zuvor. Die Zeit zum Autofahren habe ich wirklich nicht mehr.

In diesem Sinne auch von mir

😉 Schöne Bescherung!

RMD

P.S.
Gerade habe ich von der gleichen Quelle (von dem oben erwähnten Experten) eine zweite ergänzende E-Mail erhalten. Ich zitiere auch sie:


„wenn man jetzt noch die geringe Anzahl der Car-Sharing-Fahrzeuge (deutlich unter 2000, genaue Zahl ermittle ich gerade) berücksichtigt sowie die Tatsache, dass es in den nächsten 5-10 Jahren bei weiter steigenden Einwohnerzahlen kaum zusätzliche Schieneninfrastruktur für den Öffentlichen Verkehr in München geben wird, dann kann man sich unschwer vorstellen, dass es in den vorhandenen Verkehrsmitteln des Öffentlichen Verkehrs sowie auf den Radwegen noch enger und dichter zugehen wird als heute schon!

Die verschwindend geringe Anzahl der E-Fahrzeuge wird auch in den nächsten Jahren nicht zu einer Abnahme der Schadstoff- und Lärmbelastung im Münchner Hauptverkehrsstraßennetz beitragen (können)!

Bleibt demnach nur die Förderung der aktiven Mobilität (Gehen und Radfahren), des öffentlichen Verkehrs (kurzfristig: Busbeschleunigung und -bevorrechtigung) sowie der Ansatz an den Antrieben der Kraftfahrzeuge (Pkw, Lkw, Busse, Motorräder, Mopeds, Baumaschinen etc.)“.


Ich kann mich beim E-Mail-Sender nur noch mal bedanken und all seinen Aussagen zustimmen. Nur bei dem Radverkehr bin ich ein wenig anderer Meinung: Wir – die Radfahrer – müssen uns die Straße von den Autofahrern zurück erkämpfen! Notfalls ohne gesetzliche Unterstützung und mit ein wenig Nachdruck.

Vor allem werden wir mit AktMobCmp weitermachen, motivierter den je!

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Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Juli 2017

Von Waffen und Autos

Am 13. Juli treffen wir uns wieder im Rahmen von „AktMobCmp“ und träumen von friedlicher und aktiver Mobilität. Aus diesem Anlass eine Polemik gegen Autos und Waffen, die allerdings gar keine Polemik ist. Wenn es nicht so traurig wäre dann wär’s schon wieder lustig.

VORSICHT – Mit Autos kenne ich mich gut aus! „Mein Porsche (von Distler) und ich!“

Jedes Jahr ergießen sich weitere Millionen Autos über den Planeten. Die meisten gehen zum „Kunden“, also auf einen Parkplatz unter einer Laterne oder sie müssen in eine Garage. Viele kommen aber gleich auf eine Halde. Zigtausendfach stehen sie dann in irgendwelchen Wüsten sauber aufgereiht herum (siehe Beispiele in Youtube). Zighundertfach finden wir Autos in unserer kleinen Welt auf den Halden kleiner und großer „Gebrauchtwagenhändler“, die es dutzendfach an allen größeren und kleineren Ausfallstraßen unserer kleineren wie größeren Städte gibt.

Aber auch die „zugelassenen“ Autos werden nur gelegentlich benutzt und stehen meistens herum, oft sehr dumm im Wege des nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmers. Sie benötigen Unmengen von betonierten Flächen und rauben den Menschen den Platz zum Leben. Das finde ich gar nicht gut. Nur, wenn diese Autos alle dauernd fahren würden, dann wär’s eine unvorstellbare Katastrophe. Das Leben würde unsäglich werden. Also ist es besser, dass sie herumstehen.


Es macht einfach keinen Sinn, dass die Welt von einer Milliarde von „Kraftfahrzeugen“ zu geparkt und überrollt wird und es wahrscheinlich so viel Autositze wie Menschen gibt.


Das muss sich ändern – denn das hält der Planet nicht aus. Nur, Geld regiert die Welt – und mit Autos kann man so richtig Geld machen. Denn Autos sind halt so gut fürs Ego des Konsumentenmenschen unserer „modernen und entwickelten Gesellschaft“. Dafür zahlt man gerne.

VORSICHT – Mit Waffen kenne ich mich auch aus – ob Pistole und Gewehr, Maschinenpistole und -gewehr, Panzerfaust usw. 

Bei den Waffen ist es ähnlich. Auch da wird jedes Jahr eine schier unvorstellbare Menge produziert. Ich weiß wirklich nicht, ob die Welt in der Summe mehr Geld für Autos oder für Waffen ausgibt. Beides dürften unvorstellbare Summen sein. Wahrscheinlich ist Autos bauen immer noch besser als Waffen herstellen.

Auch Waffen sind zuerst mal Statussymbole, wohl noch schlimmere als Autos. Was die Pistole und das Gewehr manchem kleinen Mann ist, das ist die Interkontinental-Rakete dem Mächtigen. Und alle rüsten auf. Der kleine Mann sogar in Bayern, weil das Land so unsicher wird. Die Polizei, weil der kleine Mann immer gewalttätiger wird. Und die Nato und ihre Feinde, weil die Weltlage immer gefährlicher wird.

Waffen wie Autos sind aber nicht nur gut fürs Ego. Auch mit Waffen kann man so richtig Profit machen. Glücklicherweise werden Waffen – im Gegensatz oder ähnlich wie bei Autos (?) – überwiegend auf Vorrat produziert. Das macht geschäftlich auf Dauer keinen Sinn, denn irgendwann mal müssen sie auch eingesetzt werden. Dafür braucht man Kriege. Und immer wenn irgendwo mit großem Aufwand Frieden geschaffen wird, macht man halt woanders einen kleinen Krieg. Das ist auch gar nicht so aufwändig. Und man darf das Feuer des Krieges nie ausgehen lassen, sonst könnte schnell Schluss mit dem Geschäft sein! Und das darf nicht sein!

Glücklicherweise (für uns) finden die Kriege der Regel immer in einem Teil der Welt statt, der weit weg von uns ist. Denn wir finden den Krieg ganz schlimm. Bei uns in Europa hat man den Krieg zum Tabu erklärt. Zwar verdienen wir gutes Geld damit – aber die Ergebnisse wollen wir es bei uns nicht haben. Das macht aber nichts, sind wir doch eine Export-Nation. Und so exportieren wir halt auch Krieg.

Zuhause bei uns aber rasten wir schon bei ein wenig Terror (= Krieg) aus. Das geht doch gar nicht! Haben wir doch schon genug Opfer als Folge der Kriege, die wir permanent auf den Autobahnen und Straßen der Republik führen. Das schafft schon genug Leid und Entsetzen. Also brauchen wir bei uns keine Kriege und machen diese immer möglichst weit weg von unseren Grenzen. Und bekämpfen dort auch besonders gerne den Terror. Weil der ja sonst zu uns kommt. Vielleicht kommt er aber gerade dann zu uns, wenn wir ihn in seiner Heimat bekämpfen?


Aber wehe, die Waffen, die wir bauen, werden alle eingesetzt. Überall, auch bei uns. Dann passiert das, was man Weltkrieg nennt. Und es wäre Schluss mit lustig und Klappe zu. Für uns alle.


Die Autos spielen schon „Weltkrieg“. Sie morden weltweit im Jahr deutlich mehr als eine Million Menschen (Berichtet werden 1,25 Millionen Toten im Jahr und ein zweistellig Mehrfaches an ernsthaft Verletzten. Allein in Deutschland wurden 396 666 Verkehrs­teilnehmer im Jahr 2016  verletzt).

Das dürfte mehr sein als es zurzeit alle Waffen zusammen im Jahr schaffen – selbst wenn wir die „normalen“ zivilen Waffenopfer (wie in den Straßen und Häusern der USA), die von terroristischen Anschläge verursachten und die in „gerechten Kriegen“ für oder gegen irgendwelche „Hirnverbranntheiten“ geopferten Opfer summieren. Es ist einfach alles ein Wahnsinn, an dem wir alle gemeinsam tapfer mitwirken.


Absurditäten gibt es sowohl bei Waffen wie bei Autos! Und wenn es nicht so schlimm wäre könnte man darüber lachen.


So gibt es eine ganz moderne Kanone auf einem ganz modernen Schiff. Wir dürfen raten, welchem „Nicht-Schurken-Staat“ beides gehört. Die Kanone darf aber gar nicht benutzt werden, weil jeder Schuss läppische 800.000 US-Dollar kostet. Und dann ist es besonders peinlich, wenn das dazugehörige Schiff im Panama-Kanal stecken bleibt. Das war die Zumwalt (2016).

Aber irgendwann muss die Kanone der Zumwalt doch mal eingesetzt werden. Ich kenne mich mit der Marine nicht so aus (ich war ja bei der Luftwaffe), aber vielleicht lohnt sich ein so teurer Schuss ja um später mal einen chinesischen Flugzeugträger abzuschießen. Die sollen ja ganz emsig eine ganze Reihe davon bauen. Da muss dann aber der erste Schuss sitzen …

Auch die MOAB hieß übrigens ursprünglich nicht „mother of all bombs“ – so einen zynischen Namen würde das Pentagon doch keiner Bombe geben – sondern „Massive Ordnance Air Blast“. Auch dieses Gerät musste halt auch irgendwann mal abgeworfen werden. Und weil man es nicht besser wusste, hat man es halt über Pakistan gemacht. Weil sich so ein armes Land ja nicht wehren kann und dies ja eh von den Taliban befreit werden muss.

So hat man – angeblich – mit der MOAB einen großen unterirdischen militärischen Komplex der Taliban zerstört. Und weil man die „Zivil-Bevölkerung“ bei diesem Abwurf optimal geschützt hat, wusste man schon kurz nach dem Abwurf ganz genau die Anzahl der getöteten Taliban-Bösewichte. Ach wie herrlich absurd.

Bei den Autos sehe ich die Absurditäten jeden Tag auf den Strassen Münchens. Die heißen dann unter anderem SUVs und haben gelegentlich mehr Pferdestärken als Lkws und Busse. Und blasen mir ihre Abgase ins Gesicht und in die Lunge, so wie früher der Raucher am Nachbartisch beim Pizza-Essen im Italienischen Restaurant.


Ein Freund hat gefordert, dass man die Abgase zuerst durch das Innere des Autos leiten solle bevor man sie nach außen entlässt. Eine Forderung die ich als Fußgänger oder Radler in der Rosenheimer Straße in München nur unterstützen kann.


Beim Auto gibt es eine neue Entwicklung. Denn auch die nicht sonderlich gebildeten Terroristen haben erkannt, wie gut sie Autos zur Ausübung ihres Gewerbes einsetzen können. Das Auto als die BOAB (best of all bombs). Weil es so einfach zu benutzen ist. Und die „Terroristen“ nutzen es immer häufiger. Warum soll man sich die Mühe machen, eine Bombe zu bauen, wenn man eh sterben will? Dann setzt man sich doch besser ans Steuer eines Kfz und gibt Vollgas. Freie Fahrt für freie Bürger.

Und die Kommunen beginnen, ihre Plätze und Fußgängerzonen mit Pollern zu schützen. Man sollte in Unternehmen investieren, die Poller bauen.

Ich schließe meinen Artikel und zitiere aktuelle Zahlen für Deutschland aus der Straßenkriegsberichtserstattung des statistischen Bundesamtes.


WIESBADEN – 239 Menschen kamen im April 2017 bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das acht Verkehrstote oder 3,2 % weniger als im April 2016. Die Zahl der Verletzten ging um 12,0 % auf circa 28 300 gegenüber dem Vorjahresmonat zurück.

Von Januar bis April 2017 wurden 867 Verkehrstote gezählt, das waren nahezu genauso viele wie im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2016 (865 Getötete). Rund 105 600 Menschen wurden in den ersten vier Monaten 2017 auf Deutschlands Straßen verletzt, ein Rückgang um 2,9 % gegenüber Januar bis April 2016. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken. In den ersten vier Monaten 2017 erfasste die Polizei 790 400 Straßenverkehrsunfälle, 1,4 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Darunter waren 81 300 Unfälle mit Personen­schaden (– 2,7 %) und 709 000 Unfälle mit ausschließlich Sachschaden (– 1,2 %).

Im April 2017 kamen 239 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben (-3,2% / -8 Tote z VJ), 28300 wurden verletzt.


Immerhin schreiben sie, dass die Zahlen gesunken sind. Das obwohl die akkumulierte Vier-Monats-Zahl der Toten gestiegen ist! Aber was sind schon zwei Verkehrstote mehr? Der Trend zeigt übrigens, dass die Zahlen der Verkehrstoten in Deutschland wieder steigen. Und ich höre in Deutschland keinen Ruf nach VISION ZERO wie in Schweden. Es ist eine Schande!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. Juni 2017

#AktMobCmp – 13. Juli 2017

Für den Abend des  13. Juli 2017 habe ich ein #AktMobCmp-Treffen vorgeschlagen.

Gedanken zur Vorbereitung!

MÖGLICHE THEMEN

Folgende Themenkreise und/oder Thesen würden mich interessieren.


Warum fährt man überhaupt noch Auto? Hat man da Vorteile? Oder ist das alles nur ein großer Selbstbetrug? Als manipuliertes Lobby-Opfer?

  • Vor ein paar Tagen bin ich mal in ein paar Stunden um den Starnberger See geradelt. Es ging zuerst mit der S-Bahn von Neubiberg nach Starnberg. Dann sind wir rund um den See gefahren und von Starnberg wieder mit S-Bahn zurück. Es war ein wunderschöner Sommertag, alles ging hervorragend. Aber am See, da war so „auto-mäßig“ absolut die Hölle los. Alle Parkplätze waren voll, es ging nichts mehr. Und es gab Stress ohne Ende – bei den Autofahrern.
  • Ich bin ziemlich mobil. Innerhalb München sowieso. Aber auch innerhalb Deutschland, Europas und gelegentlich auch in der Welt. Und immer geht es ohne Auto. Der Verzicht auf Autos als Mobilitäts-Werkzeug hat nur Vorteile, unter dem Strich geht es einem viel besser ohne Auto!

So könnten wir die Frage bearbeiten:
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Autofahrt Sinn macht, d.h. wesentliche Vorteile gegenüber alternative Mobilität bringt?


Wieso trauen sich Menschen eigentlich noch mit dem Auto zu fahren? Und nehmen dabei entweder ohne nach zu denken oder in arroganter Selbstherrlichkeit beliebig nicht nur „soziale Schäden“ bei dritten und sich selber in Kauf?

Oder:
Passt die folgende Metapher? Autofahren nicht nur in der Stadt ist doch  mit dem Rauchen in öffentlichen Räumen zu vergleichen? Wenn ich durch die Gegend radele, blasen Autos mir ihre Abgase ins Gesicht wie mir früher der Raucher am Esstisch gegenüber.

  • Als Führer eines Autos gehen wir bewusst das Risiko ein, andere Menschen zu verletzen oder zu töten. Und das passiert immer noch viel zu häufig.
  • Wenn wir Auto fahren, produzieren wir Abgase, die andere Menschen schädigen, die mit dem Auto gar nichts zu tun haben wollen.
  • Autos erzeugen Lärm, der die Lebensqualität unseres Wohnraums in den Städten wie auf dem Land enorm reduziert.
  • Autos verursachen für die Insassen und besonders dem Fahrer ziemlichen Distress.
  • Autofahren raubt den Menschen die Bewegung und macht sie dick.

Vielleicht nicht so ganz scherzhaft war ein Tweet, den ich gelesen habe: Man sollte die Abgase des Auspuffs erst mal durchs Innere des Wagens leiten, bevor sie nach außen entsorgt werden dürfen.

Hier stelle ich mir keine „moralische“ Diskussion vor sondern eine ganz schlichte und konstruktive Güterabwägung.


Die Genialität von Pedelecs (E-Bike)!

  • Die Kombination von Körper und Maschine
  • Für rationale und effiziente Mobilität und Logistik sind E-Maschinen perfekt.
  • Gerade im unteren Geschwindigkeitsbereich und für schlanke Mobiltität sind Elektrofahrzeuge eine hervorragende Alternative.

Könnten wir nicht 90 % unser innerstädtischen individuellen und durch logistisch notwendigen Mobilität mit E-Bikes und angemessenen Elektrofahrzeugen (Skooter, Lieferautos, Großraumtaxis als Teil des öffentlichen Verkehrs …) besser, billiger, gesünder, schöner und effizienter bewältigen?

(Mir ist klar, dass individuell die Elektromobilität – sprich das E-Auto – keine Lösung ist. Allein die Umweltschäden und der Kohlendioxid-Ausstoß, die die Herstellung einer Groß-Batterie wie für einen Tesla bedeutet oder auch schon für einen e-UP verursacht, zeigen dass dies keine Lösung für schnelle und weite Kommunikation sein wird.)

Könnte es sein, dass die Ursache für den massiven Wechsel vom Fahrrad zum Auto im Nachkriegs-Deutschland einfach die vielen und so mühsamen Steigungen waren? Und dass seit dem E-Bike das schlechte Wetter das letzte Argument gegen das Radeln ist? Und dass das ganz gut lösbar ist (und Teil des Menschseins ist)?

Und geht es im Bereich der „Hochleistungs-Mobilität“ – Mittel- und Langstrecken schnell überbrücken zu können – eigentlich nicht um „shared economy“ sondern um „shared mobility“? Und ist diese nicht schon längst erfunden und kann freilich noch beliebig verbessert werden?


Zum Format bzw. der Methode für unser nächstes Treffen:

Wie wäre es diesmal mit einer praktischen Übung in Fahnenbildung? Alle diese Themen könnten wir mit der Technologie der Fahnenbildung bearbeiten. Die Fahnenbildung (ars construendi vexilla, die Kunst Fahnen zu verbinden) ist eine dialektische Technik zum Erarbeiten von vernünftigen Übereinstimmungen (rationaler Konsens) in Gruppen. Und die kann, besser muss man wunderbar agil und auf Augenhöhe gestalten!


Was meint Ihr? Was würdet Ihr bevorzugen? Welches Thema, welche Methode. Habt Ihr bessere Ideen und/oder Ergänzungen? Soll ich das geplante Meeting organisieren und einladen?

Dann würde ich in der Region München einen Raum für den 13. Juli suchen, das Programm ausarbeiten und Termin und Programm in Meet-Up und auf der AktMobCmp-Seite veröffentlichen.

Oder sollen wir es sein lassen, weil es eh sinnlos ist? Und weil wir eh keine Chance auf ein besseres Leben ohne Abgase und Lärm haben? Weil die Auto-Lobby die Welt regiert?

Dann würde ich den Termin absagen und vielleicht auch AktMobCmp beenden.

RMD

Gestiftet von Visual BrainDump (Christian Botta & Daniel Reinold). Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Februar 2017

AktMobCmp – Nächster Termin am Dienstag, 11. April 17 um 19:00

Mobiltät der Zukunft – #agile #digital #lean #open #social

Die Mobilität der Zukunft wird wesentlich anders aussehen müssen als die heutige. Weil es offensichtlich so nicht weiter gehen kann. Das ist allen mehr oder weniger klar.

Andere Länder wie die Niederlande scheinen da auf einem guten Wege. Jedoch wir scheinen die notwendige Veränderung nicht zu schaffen. Denn Mobilität sollte in Zukunft wieder für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Dazu wollen wir gedanklich und aktiv einen Beitrag leisten.

Und uns vor allem überlegen, welche aktive Beiträge wir sinnvoll leisten können, damit der Wandel auch in Deutschland ein weniger schneller kommt.

Ziel
Wir wollen die Tradition des #AktMobCmp (Barcamp für aktive Mobilität im Alltag) mit einer Serie von Abendveranstaltungen beleben.

Dazu starten wir am Dienstag, 11. April 17 um 19:00. Wir sind zu Gast bei einem jungen und sehr spannenden Unternehmen, der accu:rate GmbH | Institute for Crowd Simulation | Rosental 5 | D-80331 München. Anmelden könnt Ihr Euch unter MeetUp oder direkt per E-Mail an mich.

An diesem Tag planen wir ein moderiertes „lean coffee“ mit Time-Box nach dem 3×3-Prinzip: (1) Präzisieren, (2) kooperativ verhandeln und (3) ernten). Zur Inspiration gibt es vor dem Lean Coffee drei kurze Impulse von Dr. Jessica Le Bris (GreenCity), Florian Sesser (Gründer accu:rate GmbH) und mir (Initiator #AktMobCmp).

Hier als Anregung schon vorab mal ein paar Thesen und Fragen.

Thesen

  • Agilität & Mobilität sind menschliche Bedürfnisse.
  • Die industrielle Revolution hat Agilität durch Planung und Taylorismus ersetzt.
  • Der Glaube an menschliche Allmacht aufgrund des technologische Fortschritt bröckelt.
  • Das Zeitalter von Hierarchie und Taylorismus geht zu Ende.
  • Die individuelle und motorisierte Mobilität nach heutigem Muster ist nur scheinbar agil.
  • Die Mobilität der Zukunft wird rationaler und weniger emotional sein.
  • Auch die Mobilität der Zukunft muss „agil“ werden.
  • Ohne einen wesentlichen Anteil von „Aktiver Mobilität im Alltag“ (Fortbewegung aus aus eigener Körperkraft zu Fuß, mit Fahrrad oder anderen unterstützenden Geräten) wird es nicht gehen.
  • Aktive Mobilität ist gut für den Körper
    (Wir haben nur einen Körper und müssen diesen so gut behandeln wir nur möglich)
    und
  • ermöglicht uns, unser wertvolles Gut Zeit besser einzusetzen
    (Unsere Zeit ist begrenzt, wenn sie weg ist kommt sie nicht mehr zurück).
  • ….

Fragen:

  • Warum stehen Menschen lieber im Stau an Stelle sich in frischer Luft zu bewegen?
  • Warum werden Parkplätze im öffentlichen Raum so stark subventioniert?
  • Gehören Zweitakter-Ottomotoren ganz abgeschafft?
  • Braucht wirklich jeder ein Auto?
  • Wie soll die smart City aussehen?
  • Müssen wirklich weltweit jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Menschen im Straßenverkehr sterben und entsprechend mehr zu Krüppeln werden?
  • Wussten Sie, dass die Hälfte aller Kopfverletzungen Insassen von PKWs erleiden
    und
  • PKW-Nutzer trotzdem keinen Helm tragen müssen?
  • Was kann jeder von uns beitragen, damit Mobilität sanfter wird?

Anregungen sind will kommen. Wir wollen auch ein Ergebnis erzielen. Das könnte so gehen:

  • Wir teilen unser Wissen teilen,
  • Erfahren und Erleben neue Argumente und Situationen,
  • Gewinnen neue Erkenntnisse,
  • Formulieren unsere Gedanken klar,
  • Entwickeln Ideen zur Umsetzung
    und
  • Beginnen unsere mobile Welt neu zu gestalten.

Zielgruppe

AktMobCmp wendet sich vor allem an Menschen, die mit der aktuellen Mobilitäts-Situation und deren Folgen nicht zufrieden sind.

Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

 

Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Gestiftet von Visual-Brainddump – Wir bedanken uns bei Christian Botta und Daniel Reinold. 

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 10. Januar 2017

FAHRRADkultur – Interview mit Roland Dürre

Franziska Köppe ist mir vor allem bekannt vom EnjoyWorkCamp. Das ist ein sehr schönes Barcamp für ein neues Verständnis von Arbeit, das einmal im Jahr in Stuttgart stattfindet. Franziska hat mich zu meiner Begeisterung fürs Fahrrad interviewt. Da kam ein Ergebnis heraus, dass mir sehr wichtig ist – deshalb habe ich es sprachlich jetzt noch mal leicht überarbeitet und auch bei mir in IF-Blog.de abgespeichert. Ich habe aber versucht, alles was von Franziska kommt, möglichst so original wie möglich zu lassen.


 

Aktive Mobilität – Fördern und Fordern

 

03.01.2017 – Sind Autofahrer die Kutscher der Neuzeit? Mobilität ist im Umbruch. Seit den 1950ern wurde die Automobil-Industrie stark – vor allem politisch – gefördert. Die Branche gilt als „system-relevant“. Eng verkettet ist sie mit vielen Zulieferern, Verkehrsplanung und Lobbyarbeit. Doch ist sie das – „system-relevant“?

An den konventionellen Geschäftsmodellen rütteln Start-ups und die Crowd-Economy wie kulturelle Änderungen im Verhalten nicht nur der jungen Generation. Ich sprach mit Unternehmer und Mobilitäts-Aktivist Roland Dürre über Fahrrad-Kultur und den eigenen Beitrag zu Mobilität mit Zukunft.
(Vorwort zum Interview von Franziska)


 

Das Interview

Franziska: Hallo Roland, bitte stelle Dich unseren Lesern kurz vor. Wer bist Du? Was machst Du?

Roland: Wer ich bin, weiß ich nicht. Ich fühle mich als Mensch, Aktivist, Blogger, Coach, Macher, Unternehmer. Ich liebe das Leben und meine Familie. Ich versuche, mutig zu sein und viel Freude bei meinem Tun zu haben. Meine Aufgabe ist nach meiner Zeit bei der InterFace AG noch mehr als früher, Erfahrungen weiter zu geben und wenn möglich anderen – besonders jüngeren – zu helfen, glücklich und erfolgreich zu werden. Für das Schöne, das ich erlebt habe, bin ich dankbar und freue mich, wenn sich diese Dankbarkeit in den verbleibenden Lebensjahren noch mehrt. 🙂

Franziska: Eine Deiner Leidenschaften ist das Radfahren. Was bedeutet für Dich FAHRRADkultur? Was verbindest Du mit diesem Wort?

FAHRRADkultur versus Auto-Kultur – Die Folgen konventioneller Verkehrspolitik

Roland: Kultur und FAHRRAD-Fahren sind beides etwas schönes. Das passt gut zusammen!

Aber sehen wir uns mal an, was uns die Auto-Kultur gebracht hat. Als Autofahrer bin ich im Fahrzeug sozial isoliert. Meine Mitmenschen werden zu anonymen Objekten in anderen Autos. So kenne ich viele Menschen, die sich am Steuer ihres Autos ihrer zwischenmenschlichen Einsamkeit bewusst Schimpfworte benutzen, die sie im normalen Umfeld nie nutzen würden. Und kann das gut nachvollziehen.

Als Radler habe ich mir angewöhnt, mir entgegen kommende Fahrradfahrer zu grüßen. An der Ampel nehme ich häufig Kontakt mit dem Menschen auf dem Nachbar-Rad auf. Ich versuche, Rücksicht zu üben. Und meine, dass die Fußgänger immer Vorfahrt vor Radfahrern haben sollten. Aber auch die Radler vor Autos.

Als Radler sehe und nehme ich mehr wahr. Das gilt auf Radreisen in fremden Ländern genauso wie in Deutschland. Es entwickeln sich schnell soziale Kontakte. Als Fahrradfahrer sehe ich aber auch, wie viel Tiere wie Kröten, Katzen und Hunde von Autos getötet werden. Dann gibt es mir einen Stich ins Herz.

So korreliert Autofahren für mich mit Rücksichtslosigkeit und Unachtsamkeit. Was sich dem Auto in den Weg stellt, wird niedergewalzt. Kohlendioxid wird ausgestoßen, Feinstaub produziert und das nur für die eigene Bequemlichkeit. 1,400.000 Millionen Verkehrstote weltweit im Jahr sind normal, weil es ohne das Auto nicht geht. Es geht aber ohne Autos. Das habe ich im Selbstversuch erlebt. Und es geht einem besser ohne Autos.

Vielleicht noch eine kulturelle Provokation: Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

FAHRRADkultur – Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen

Franziska: Es ist wohl wahr, dass für die meisten – vor allem die Großstädter von uns – Mobilität hauptsächlich mit dem Automobil verbunden ist. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Fahrradfahren das selbstverständlichste und alltäglichste Verkehrsmittel war, mit dem Menschen Entfernungen von mehr als 5 km zurücklegten. Lass uns also noch einmal zurückkommen auf das Fahrrad. Was wäre das für eine Welt, wenn Du FAHRRADkultur träumen dürftest?

Roland: Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen. In der sich aus veränderter Mobilität heraus viele weitere Fortschritte an Lebensqualität entwickeln. Ich sage immer gerne: Wer seine Mobilität nicht in den Griff bekommt, wie will der sein Leben steuern können? Denn ohne den „Willen und die Fähigkeit sein Leben verantwortlich zu führen“ geht es halt nicht.

Roland Dürre auf dem Weg von Salerno nach Pisciotta

Franziska: So weit so vernünftig. Nun sieht die Realität eines Alltagsradlers nicht ganz so himmelblau und rosig aus. Du sprachst es ja bereits an. Einer der Gründe, weswegen Du Dich für „Aktive Mobilität“ – AktMob, wie Ihr es nennt – einsetzt.

Roland: Stimmt. Ich kenne viele Straßen in München, da macht es keine Freude zu fahren. Und auch auf großen Touren muss man immer wieder auch mal eine Strecke durchleiden, auf der man wirklich um sein Leben fürchtet.

Wobei es bei AktMob nicht nur ums Radeln geht, sondern um jede Form von Fortbewegung jenseits von Pferdekutschen, Benzin- oder Elektroautos – durch eigene Bewegung, aus eigener Kraft. Sei es mit Rollern, Skatebords, zu Fuß, dem Rollator – oder was auch immer. Und ein wenig elektrische Unterstützung darf auch dabei sein.

Franziska: Im Bereich Verkehr wird seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts das Automobil als individuelles Fortbewegungsmittel gefördert. Dahinter stand die politische Vision eines Wirtschaftswunders. Leider hat diese kurze Zeit bereits ausgereicht, unsere Städte zu entmenschlichen. Fußgänger wie Radfahrer gehören seltsamerweise kulturell nicht mehr zum Verkehr. Wie absurd das teilweise ist, zeigt sich ganz besonders allmorgendlich an Kindergärten und Schulen: Da werden Kinder mit dem Auto gebracht, weil es aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens durch PKWs zu gefährlich für sie wäre, zu laufen. Wie schräg ist das denn?

Das Auto als Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt

Roland: Ein gutes Beispiel! In der Tat war das Auto – gerade für die Männerwelt – nicht nur ein Objekt, um von A nach B zu kommen. Wenn man Führerschein und ein Auto hatte, war man endlich erwachsen. Der Spruch vom Auto als „Phallus-Symbol“ ist sicher nicht ganz falsch. Und am Steuer eines starken Kraftwagen überkommt gerade das männliche Geschlecht ein Gefühl der Omnipotenz. Wer mag das nicht?

Noch mehr aber war das Auto das Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt der sich wirtschaftlich erholenden BRD und Welt. Das Auto ist wohl die beste Metapher für gekauftes Glück als Ersatzbefriedigung für unerfüllte Bedürfnisse.

Wie wir noch junge Männer waren und kein Auto hatten, da hatten wir den Eindruck, dass die hübschen jungen Frauen die Männer mit Autos doch klar bevorzugten – und auf uns autolose Wesen eher herab sahen.

Das Auto war aber auch – ähnlich wie die Zigarette – ein Symbol für Freiheit. Und es war auch ein neuer privater Lebensraum – in USA z.B. muss es ein paar Jahre gegeben haben, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder auf dem Rücksitz von Autos gezeugt wurden. Das stand wohl schon im Kinsey-Report drin. Und unserer Faulheit ist so ein Kraftfahrzeug doch auch sehr entgegen gekommen. Ja, und dass solch ein götzenhaftes Vehikel – auch noch optimal und emotional vermarktet – alles andere untergebuttert hat, ist doch klar.

Die kritische Masse – Radfahren im Verband

Franziska: Mit Aktionen „Wir sind Verkehr“ finden in Deutschland und auf der ganzen Welt monatlich sogenannte Critical Mass statt. Dabei nutzen Radfahrer §27 der StVO aus, der es ihnen ermöglicht, ab 15 Velofahrern (= kritische Masse) im Verband zu fahren. Ich freue mich sehr, dass diese Bewegung in D-A-CH immer mehr Anhänger findet. Ein friedlich-fröhliches Treiben im vergangenen November in Deutschland beispielsweise mit 3.290 Mitradlern. Im Juli dieses Jahres waren es sogar 13.371 FahrradfahrerInnen [Quelle: Daniel via itstartedwithafight]. Jeder kann sich anschließen – und sei es auch nur für ein kurzes Stück des Weges.

© Radlhauptstadt München – Radlnacht 2016 [Foto Andreas Schebesta]

Roland: Critical Mass ist gut! Ich schätze sie vor allem, weil es mir eine echte Graswurzel-Bewegung zu sein scheint. Und ich überzeugt bin, dass Veränderung nur noch von „unten“ angestoßen werden kann. Politik und Administration gelähmt von Lobbyisten und eigenen Regeln hat gar keine Chance und auch keinen Willen mehr, mal etwas auszuprobieren. Nur – ohne Ausprobieren geht nichts!

Franziska: Und doch gibt es da die Fahrrad-Enthusiasten auch unter Politikern. Nehmen wir beispielsweise Deine Heimatstadt. Die Stadt München erhebt den Anspruch, Radlhauptstadt sein zu wollen. Dahinter steht auch das persönliche Engagement von Wigand von Sassen, der seit März 2009 Projektverantwortlicher für diese städtische Fahrrad-Kampagne ist. Seit Beginn der intensiven Fahrrad-Förderung hat sich der Radverkehrsanteil am gesamten Modal-Split deutlich erhöht. So gibt es beispielsweise regelmäßig RadlChecks, bei denen kostenfrei kleinere Reparaturen vorgenommen werden. Erst im Oktober fand die Radl-Nacht statt. Im September die RadCouture… Dahinter steckt viel Engagement in Sachen FAHRRADkultur. Das braucht eine gehörige Portion Mut und Ausdauer.

Doch lass uns gern eine Nummer kleiner denken. Was kann jeder tun? Es braucht ja gar nicht immer die großen Gesten.

Autofahren – nichts anders als eine schlechte Gewohnheit?

Roland: Es wird auch Zeit, dass etwas passiert. Ich glaube aber nicht, dass die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf eine „intensive Fahrrad“-Förderung zurückzuführen ist. Ich meine viel mehr, dass immer mehr Menschen entdecken, dass es bessere Möglichkeiten gibt und ein Auto doch sehr viel Geld frisst. Ich sehe die vielen Autos sozusagen als Wohlstandsreserve für die Zukunft, in der es zweifelsfrei für viele von uns „enger“ werden wird.

Autofahren ist nichts anders als eine schlechte Gewohnheit. Wir müssen halt auch bereit und fähig sein, unsere Gewohnheiten zu verändern. Rauchen, ist eine schöne Metapher. Es ist nicht einfach und für viele Raucher unvorstellbar, zum Nichtraucher werden will. Und dann klappt es doch – und man fühlt sich schnell viel besser.

Wie schwer es ist, liebe Gewohnheiten zu ändern, erlebe ich zurzeit an mir selber. Auf den regionalen Wegen bis um die 30 km fahre ich nur noch Fahrrad. Aber leider auch auf den ganz kurzen Strecken. Mein neues persönliches Mobilitäts-Programm heißt jetzt aber „runter vom Fahrrad und wieder auf die eigenen Füß“. Ich will wieder mehr zu Fuß gehen. Und es ist für mich wahnsinnig schwer, diese Gewohnheit aufzugeben, auch bei kurzen Strecken quasi automatisch aufs Fahrrad zu steigen.

Franziska: Verhaltensweisen umzulernen ist in der Tat nicht einfach. Als Angestellte fiel es mir leicht, mich morgens aufs Rad zu schwingen und in die Firma zu radeln. Auch heute noch ist es für mich kein Thema, Geschäftstermine mit dem Rad zu erledigen (es sei denn, es ist zu weit, dann nehme ich öffentliche Verkehrsmittel).

Das Leichte daran war für mich, dass ich den Weg in jedem Fall zurück legen musste. Seit ich jedoch im Home-Office arbeite, fällt es mir unsäglich schwer, täglich aufs Rad zu steigen – nur des Radelns und der körperlichen Aktivität wegen. Mir fehlt dafür das A nach B als Bedingung. Da ist es für mich wiederum naturgemäßer, abends (m)eine Runde durch die Weinberge zu drehen und zu Fuß zu gehen. Das entschleunigt und sortiert die Gedanken.

Inzwischen integrierte ich diese Form der Bewegung in meinen Berufsalltag. Zum einen biete ich öffentliche Netzwerktreffen an. Wir nennen es Walk to Talk. Dabei treffen wir uns an einem grünen Ort, schauen, welche Themen die Einzelnen mitgebracht haben. Und laufen dann für zirka 90 bis 120 Minuten zusammen durch urbanes Grün.

Besonders freut mich, dass meine Coachees, Mentees und Supervisions-Partner die Form des „Gehsprächs“ genauso schätzen wie ich. So dass ich doch zumindest 4-6 Mal pro Monat in den Genuss eines spannenden Gehsprächs im Grünen komme. Das darf jedoch sehr gern noch mehr werden. 😉

Ich empfehle diese Formate im übrigen allen – vor allem als willkommene Abwechslung zu Besprechungen, die viel zu häufig in geschlossenen Räumen und noch dazu im Sitzen stattfinden. Wobei wir beim Thema Arbeitswelten = Lebenswelten sind.

Du warst lange Jahre Unternehmer. Was können Chefs tun, um FAHRRADkultur zu fördern? Worauf kommt es dabei an?

FAHRRADkultur im betrieblichen Mobilitäts- und Gesundheitsmanagement – keine einfache Aufgabe für Chefs

Roland (lacht): Das ist gar nicht so einfach. Das Wichtigste ist sicher, keine Geschäftsautos als vermeintlich lohnenden Gehaltsanteil anzubieten. Leider habe ich das ab 1984 gemacht. Die InterFace AG hat viel zu viele sogenannte „Geschäfts-Autos“. Und Besitzstand zu ändern ist alles andere als einfach.

Positiv wirken sich Angebote aus wie überdachte und sichere Fahrrad-Stellplätze und/oder eine Dusche im Keller. Und man muss es vormachen, die Menschen mit der eigenen Begeisterung für Fahrräder und Fahrradfahren anstecken.

Franziska: Fahrrad-Fahren ist in der Tat ansteckend. Das konnte ich daran sehen, als wir in der Firma für die ich zuletzt tätig war eine Alltagsradler-Gruppe bildeten. Das funktionierte wie eine “Bus-Linie”: Die eingefleischten Radler boten Mitfahrgelegenheiten für die Einsteiger. Schnell ergaben sich ad-hoc Radlwerkstatt und Verabredungen zu gemeinsamen (After-Work-)Touren. Durch Mitfahren erfuhr ich Abkürzungen oder sicherere Anfahrtswege und erhaschte allerlei Radel-Tricks.

Nicht ganz ohne Stolz merkte ich dann auch, wie viel ich selbst schon weiß und anderen mitgeben konnte. Das war ein großer Motivationsschub, auch die nass-kalten Nieselregen-Tage um den Gefrierpunkt zu überstehen. Was viele nicht wissen: Es gibt deutlich mehr trockene als verregnete Tage. Und wenn man einmal unterwegs ist und gute Regenkleidung hat – ist das mit dem Regen ohnehin egal. Auch das entdeckte ich erst durch das tägliche Fahrradfahren. Die zahlreichen Naturschauspiele und das intensive Erleben der Jahreszeiten gar nicht mit eingerechnet.

Was erschwert oder verhindert aus Deiner Erfahrung aktive Mobilität im Alltag? Welche – unter Umständen auch kleinen – Hilfestellungen kennst Du, die dafür Abhilfe schaffen?

Roland: Da gibt es vieles. Zum Beispiel der Irrglaube, dass man Kinder und Lasten mit dem Auto transportieren muss. Das stimmt nicht. Kinder sind auf dem Fahrrad glücklicher als im Auto. Einkaufen geht viel besser mit Fahrrad-Anhänger oder Lastenfahrrad als mit dem Auto. Schon mit zwei Fahrrad-Taschen kommt man sehr weit.

Der regelmäßige Blick in den Spiegel und auf die Waage, vielleicht auch auf’s Blutdruck-Messgerät, überzeugt schnell, dass es Sinn macht, sich mehr zu bewegen.

Franziska (lacht): Stimmt! 😉

Noch einmal zurück zum unternehmerischen Denken. Da viele Arbeitgeber durch Zahlen, Daten, Fakten getriggert sind, werde ich immer wieder gebeten, danach zu fragen: Welchen Nutzen siehst Du für Chefs, sich mit dem Thema “aktive Mobilität” zu beschäftigen?

Roland: Na ja – es ist ja belegt, dass Menschen, die regelmäßig Bewegung haben und an der frischen Luft sind, deutlich weniger krank sind. Das ist doch schon etwas. Sie kommen auch besser gelaunt und ausgeglichener zur Arbeit. Und bringen eine ungeheure Kreativität von ihrer Radfahrt mit.

Gemeinsam stark – AktMob fördert aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Um Akteure rund um „Aktive Mobilität im Alltag“ miteinander zu vernetzen, führtet Ihr in Unterhaching Anfang 2016 das AktMobCmp durch. 2017 werdet Ihr Abendveranstaltungen organisieren und auch das nächste AktMobCmp bereitet Ihr aktuell vor. Mit welchen Fragestellungen beschäftigt(et) Ihr Euch dort? Wer war – wer wird dabei sein?

Roland: Eingeladen sind alle, die an ihre Verantwortung für die Zukunft denken. So wie wir mit unserer Mobilität umgehen – so leben wir. AktMobCmp ist ein BarCamp – das heißt, wir kennen die Themen und Sessions nicht vorher. Diese Offenheit ermöglicht jedoch auf der persönlichen Ebene viele schöne und konkrete Ergebnisse.

AktMobCmp 2016 — BarCamp für aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Das heißt, um den Menschen den Raum für Ihre Themen zu öffnen, organisiert und moderiert Ihr das ActMobCmp als BarCamp. Was ist das Besondere an diesem Veranstaltungsformat?

Roland: Beim Barcamp-Format organisieren die Menschen, die kommen, ihr Treffen und ihre Sessions ihren Bedürfnissen folgend. Es gibt keine eingereichten Vorträge, die von einem Gremium ausgewählt worden sind. Jeder darf und soll einen Beitrag leisten. Die Organisatoren konzentrieren sich auf die Rolle des Gastgebers, der so das Zusammenkommen ermöglicht. Die soziale Kontrolle liegt bei den Teilnehmern. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, wie sich eine Session, die für „Marketing“ missbraucht wurde, sehr schnell geleert hat.

Franziska: Und dann gibt es Sessions, die Menschen in eine intensive, produktive Arbeit an einem gemeinsamen Anliegen verwickeln. Das mag ich an BarCamps. Vor allem, wenn die Veranstalter an die Selbstorganisation und Selbststeuerung der Teilgeber ihrer Unkonferenz glauben.

Diese Sicherheit hast Du in den vergangenen Jahren durch eigenes Erleben gewonnen. Denn das AktMobCamp ist nicht das erste BarCamp, das Du organisierst. Du gehörst zu den Gründervätern der PM Camp-Bewegung, bei der in ganz Europa Menschen zusammen kommen, die sich zu Projektarbeit austauschen. Was macht für Dich die Faszination eines BarCamps aus?

Roland: Das tolle bei BarCamps ist, dass man viel Neues entdeckt. Denn alle Teilnehmer sind bereit, sich zu öffnen und ihr Wissen zu teilen. In der Regel kommen alle Teilnehmer glücklich und reicher nach Hause. Das Erlebte wirkt weiter. Man hat neue Freunde gewonnen, mit denen man in Verbindung bleibt. So vernetzen sich auf BarCamps Menschen und Bewegungen und gewinnen immer mehr an Kraft.

Franziska: Ich weiß, was Du meinst. Für die BarCamp-Newbies unter meinen Lesern nenne uns dennoch bitte ein paar Beispiele.

Roland: Ganz einfach. Bewegungen wie Augenhöhe, intrinsify.me, EnjoyWork mit EnjoyWorkCamp, Unternehmensdemokraten, Gemeinwohlökonomie und viele mehr habe ich auf Barcamps kennengelernt. Wie auch die Menschen, die diese unterstützen und voranbringen. So habe ich auf BarCamps neue Freunde gewonnen wie Nadja Petranovskaja, Dr. Andreas Zeuch, Dr. Eberhard Huber, Gebhard Borck, Dr. Jens Hoffmann, Maik Pfingsten, Dr. Marcus Rainer, Dr. Niels Pflaeging, Roger Dannenhauer, Dr. Stefan Hagen und viele, viele mehr.

Wir beide haben uns ja auch bei einem BarCamp (EnjoyWorkCamp?) kennengelernt! Von allen den genannten Persönlichkeiten findest Du Posts, Podcasts und Videos im Netz, die ganz von selber erklären, warum man sich vernetzen und die Dinge gemeinsam machen muss.

Franziska: Ich glaube, Dir begegnete ich erstmals beim PM Camp in Dornbirn. Intensiv miteinander sprachen wir dann tatsächlich erst im Rahmen meiner Initiative “EnjoyWork”. Um so schöner, mit diesem Austausch ein paar uns verbindender Themen vertieft zu haben. Vielen Dank, Roland, für den Erfahrungsaustausch.

Ich wünsche Dir Alles Gute und Euch mit AktMob viel Erfolg und allzeit gut Kette.

Roland: Vielen Dank – es hat richtig Spaß gemacht!


Links zum Weiterlesen:

 

Oder gilt das auch schon in der Gegenwart?

Franziska Köppe hat mich am 3. Januar für Ihren Blog FAHRRADkultur interviewt. Hier ist das Ergebnis.

Die Botschaft von Franziska ist ja „Fahrradfahrer leben länger“. So kann ich nur hoffen, dass die Franzeska recht hat und unserer Leben nicht vorzeitig durch ein Kraftfahrzeug beendet wird. Und dafür ein weißes Fahrrad mehr an einer der Straßen und Kreuzungen steht.

Die Franziska respektiere ich sehr, deshalb war ich im Interview ein wenig vorsichtig. Meine schlimmste Provokation war vielleicht die folgende Aussage (Zitat aus dem Interview):

„Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

Ich stehe zu allem, was ich im Interview gesagt habe. Ich möchte hier nur ergänzen, dass ich, je mehr ich ohne Auto lebe („lebe“ im wahrsten Sinne des Wortes) um so mehr mir die Dummheit und Sinnlosigkeit des Autofahrens bewusst wird. Und das gilt für so viele Dimensionen:

  • Für die Falschheit von Image und der Reputation, die man sich durch den Besitz eines Autos sicher unbewusst verschaffen will.
  • Für die belastende Arbeit des Steuerns eines PKW’s, an die man sich gewöhnt und so die Anstrengung ignoriert. Im Gegenteil, man betrügt sich selbst und hat „Freude am Fahren“ oder „erholt sich am Steuer“. Das Auto wird als „bester Freund“ wahrgenommen, es ist der Ort an dem man sich „zu Hause fühlt“.
  • Für den gewaltigen Raub an Bewegung und frischer Luft, den man sich als Autofahrer selber zu fügt, inklusive des Schadens durch die ewige Sitzerei und deren negativen Folgen inklusive von Rückenbeschwerden.
  • Für die sinnlose Vernichtung der Zeit gerade am Steuer eines PKW, die in öffentlichen Verkehrsmitteln viel besser genutzt werden kann.
  • Für das physische (wesentlich mehr als 1 Million Verkehrstote und ein mehrfaches an Schwer- und Leichtverletzten) pro Jahr weltweit wie psychische Leid und Risiko (Doppelbelastung z.B. durch Telefonieren am Steuer).
  • Für die Unfreiheit durchs Auto – es ist der Klotz am Bein – ich muss immer dorthin zurück, wo es steht.
  • Für die Abhängigkeit vom Auto, wenn es nicht mehr fährt geht die persönliche Welt so ein wenig unter.
  • Für die Belastung durchs Auto: Wie oft höre ich – ich habe da keine Zeit, weil ich mein Auto vom / zum Kundendienst holen / bringen muss.
    🙂 Und am Wochenende wird es auf Hochglanz poliert.
  • Für die Rücksichtlosigkeit des Autofahrers gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Schadstoffe und Energie-Verschwendung spielen keine Rolle mehr, die externen Zusatzkosten der Mobilität sind beim Auto ein Vielfaches höher sind als bei allen anderen Verkehrsmitteln und die tragen wir alle.
  • Für das billigend in Kauf genommene Risiko andere Menschen zu töten oder verletzten und so auch sich selber enormen Schaden hinzuzufügen …
  • und für manches mehr …

Für mich wird Autofahren so immer mehr zur Metapher für ein falsches Leben. Nur:

 🙂 Das Leben ist zu kurz für ein falsches Leben!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, bei denen das Auto wie ein Rollstuhl zum erweiterten Körper, also quasi zum Körperteil geworden ist, viele der gelisteten Punkte keines Falls nachvollziehen können. Auch aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es bei mir mit dem Rauchen ähnlich war … Erst wenn man es nicht mehr tut, versteht man wirklich, wie schlimm es wahr. Aber ich weiß, wie schwer es ist und war mit der Gewohnheit zu brechen.

RMD