Roland Dürre
Mittwoch, der 5. Juli 2017

Von Waffen und Autos

Am 13. Juli treffen wir uns wieder im Rahmen von „AktMobCmp“ und träumen von friedlicher und aktiver Mobilität. Aus diesem Anlass eine Polemik gegen Autos und Waffen, die allerdings gar keine Polemik ist. Wenn es nicht so traurig wäre dann wär’s schon wieder lustig.

VORSICHT – Mit Autos kenne ich mich gut aus! „Mein Porsche (von Distler) und ich!“

Jedes Jahr ergießen sich weitere Millionen Autos über den Planeten. Die meisten gehen zum „Kunden“, also auf einen Parkplatz unter einer Laterne oder sie müssen in eine Garage. Viele kommen aber gleich auf eine Halde. Zigtausendfach stehen sie dann in irgendwelchen Wüsten sauber aufgereiht herum (siehe Beispiele in Youtube). Zighundertfach finden wir Autos in unserer kleinen Welt auf den Halden kleiner und großer „Gebrauchtwagenhändler“, die es dutzendfach an allen größeren und kleineren Ausfallstraßen unserer kleineren wie größeren Städte gibt.

Aber auch die „zugelassenen“ Autos werden nur gelegentlich benutzt und stehen meistens herum, oft sehr dumm im Wege des nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmers. Sie benötigen Unmengen von betonierten Flächen und rauben den Menschen den Platz zum Leben. Das finde ich gar nicht gut. Nur, wenn diese Autos alle dauernd fahren würden, dann wär’s eine unvorstellbare Katastrophe. Das Leben würde unsäglich werden. Also ist es besser, dass sie herumstehen.


Es macht einfach keinen Sinn, dass die Welt von einer Milliarde von „Kraftfahrzeugen“ zu geparkt und überrollt wird und es wahrscheinlich so viel Autositze wie Menschen gibt.


Das muss sich ändern – denn das hält der Planet nicht aus. Nur, Geld regiert die Welt – und mit Autos kann man so richtig Geld machen. Denn Autos sind halt so gut fürs Ego des Konsumentenmenschen unserer „modernen und entwickelten Gesellschaft“. Dafür zahlt man gerne.

VORSICHT – Mit Waffen kenne ich mich auch aus – ob Pistole und Gewehr, Maschinenpistole und -gewehr, Panzerfaust usw. 

Bei den Waffen ist es ähnlich. Auch da wird jedes Jahr eine schier unvorstellbare Menge produziert. Ich weiß wirklich nicht, ob die Welt in der Summe mehr Geld für Autos oder für Waffen ausgibt. Beides dürften unvorstellbare Summen sein. Wahrscheinlich ist Autos bauen immer noch besser als Waffen herstellen.

Auch Waffen sind zuerst mal Statussymbole, wohl noch schlimmere als Autos. Was die Pistole und das Gewehr manchem kleinen Mann ist, das ist die Interkontinental-Rakete dem Mächtigen. Und alle rüsten auf. Der kleine Mann sogar in Bayern, weil das Land so unsicher wird. Die Polizei, weil der kleine Mann immer gewalttätiger wird. Und die Nato und ihre Feinde, weil die Weltlage immer gefährlicher wird.

Waffen wie Autos sind aber nicht nur gut fürs Ego. Auch mit Waffen kann man so richtig Profit machen. Glücklicherweise werden Waffen – im Gegensatz oder ähnlich wie bei Autos (?) – überwiegend auf Vorrat produziert. Das macht geschäftlich auf Dauer keinen Sinn, denn irgendwann mal müssen sie auch eingesetzt werden. Dafür braucht man Kriege. Und immer wenn irgendwo mit großem Aufwand Frieden geschaffen wird, macht man halt woanders einen kleinen Krieg. Das ist auch gar nicht so aufwändig. Und man darf das Feuer des Krieges nie ausgehen lassen, sonst könnte schnell Schluss mit dem Geschäft sein! Und das darf nicht sein!

Glücklicherweise (für uns) finden die Kriege der Regel immer in einem Teil der Welt statt, der weit weg von uns ist. Denn wir finden den Krieg ganz schlimm. Bei uns in Europa hat man den Krieg zum Tabu erklärt. Zwar verdienen wir gutes Geld damit – aber die Ergebnisse wollen wir es bei uns nicht haben. Das macht aber nichts, sind wir doch eine Export-Nation. Und so exportieren wir halt auch Krieg.

Zuhause bei uns aber rasten wir schon bei ein wenig Terror (= Krieg) aus. Das geht doch gar nicht! Haben wir doch schon genug Opfer als Folge der Kriege, die wir permanent auf den Autobahnen und Straßen der Republik führen. Das schafft schon genug Leid und Entsetzen. Also brauchen wir bei uns keine Kriege und machen diese immer möglichst weit weg von unseren Grenzen. Und bekämpfen dort auch besonders gerne den Terror. Weil der ja sonst zu uns kommt. Vielleicht kommt er aber gerade dann zu uns, wenn wir ihn in seiner Heimat bekämpfen?


Aber wehe, die Waffen, die wir bauen, werden alle eingesetzt. Überall, auch bei uns. Dann passiert das, was man Weltkrieg nennt. Und es wäre Schluss mit lustig und Klappe zu. Für uns alle.


Die Autos spielen schon „Weltkrieg“. Sie morden weltweit im Jahr deutlich mehr als eine Million Menschen (Berichtet werden 1,25 Millionen Toten im Jahr und ein zweistellig Mehrfaches an ernsthaft Verletzten. Allein in Deutschland wurden 396 666 Verkehrs­teilnehmer im Jahr 2016  verletzt).

Das dürfte mehr sein als es zurzeit alle Waffen zusammen im Jahr schaffen – selbst wenn wir die „normalen“ zivilen Waffenopfer (wie in den Straßen und Häusern der USA), die von terroristischen Anschläge verursachten und die in „gerechten Kriegen“ für oder gegen irgendwelche „Hirnverbranntheiten“ geopferten Opfer summieren. Es ist einfach alles ein Wahnsinn, an dem wir alle gemeinsam tapfer mitwirken.


Absurditäten gibt es sowohl bei Waffen wie bei Autos! Und wenn es nicht so schlimm wäre könnte man darüber lachen.


So gibt es eine ganz moderne Kanone auf einem ganz modernen Schiff. Wir dürfen raten, welchem „Nicht-Schurken-Staat“ beides gehört. Die Kanone darf aber gar nicht benutzt werden, weil jeder Schuss läppische 800.000 US-Dollar kostet. Und dann ist es besonders peinlich, wenn das dazugehörige Schiff im Panama-Kanal stecken bleibt. Das war die Zumwalt (2016).

Aber irgendwann muss die Kanone der Zumwalt doch mal eingesetzt werden. Ich kenne mich mit der Marine nicht so aus (ich war ja bei der Luftwaffe), aber vielleicht lohnt sich ein so teurer Schuss ja um später mal einen chinesischen Flugzeugträger abzuschießen. Die sollen ja ganz emsig eine ganze Reihe davon bauen. Da muss dann aber der erste Schuss sitzen …

Auch die MOAB hieß übrigens ursprünglich nicht „mother of all bombs“ – so einen zynischen Namen würde das Pentagon doch keiner Bombe geben – sondern „Massive Ordnance Air Blast“. Auch dieses Gerät musste halt auch irgendwann mal abgeworfen werden. Und weil man es nicht besser wusste, hat man es halt über Pakistan gemacht. Weil sich so ein armes Land ja nicht wehren kann und dies ja eh von den Taliban befreit werden muss.

So hat man – angeblich – mit der MOAB einen großen unterirdischen militärischen Komplex der Taliban zerstört. Und weil man die „Zivil-Bevölkerung“ bei diesem Abwurf optimal geschützt hat, wusste man schon kurz nach dem Abwurf ganz genau die Anzahl der getöteten Taliban-Bösewichte. Ach wie herrlich absurd.

Bei den Autos sehe ich die Absurditäten jeden Tag auf den Strassen Münchens. Die heißen dann unter anderem SUVs und haben gelegentlich mehr Pferdestärken als Lkws und Busse. Und blasen mir ihre Abgase ins Gesicht und in die Lunge, so wie früher der Raucher am Nachbartisch beim Pizza-Essen im Italienischen Restaurant.


Ein Freund hat gefordert, dass man die Abgase zuerst durch das Innere des Autos leiten solle bevor man sie nach außen entlässt. Eine Forderung die ich als Fußgänger oder Radler in der Rosenheimer Straße in München nur unterstützen kann.


Beim Auto gibt es eine neue Entwicklung. Denn auch die nicht sonderlich gebildeten Terroristen haben erkannt, wie gut sie Autos zur Ausübung ihres Gewerbes einsetzen können. Das Auto als die BOAB (best of all bombs). Weil es so einfach zu benutzen ist. Und die „Terroristen“ nutzen es immer häufiger. Warum soll man sich die Mühe machen, eine Bombe zu bauen, wenn man eh sterben will? Dann setzt man sich doch besser ans Steuer eines Kfz und gibt Vollgas. Freie Fahrt für freie Bürger.

Und die Kommunen beginnen, ihre Plätze und Fußgängerzonen mit Pollern zu schützen. Man sollte in Unternehmen investieren, die Poller bauen.

Ich schließe meinen Artikel und zitiere aktuelle Zahlen für Deutschland aus der Straßenkriegsberichtserstattung des statistischen Bundesamtes.


WIESBADEN – 239 Menschen kamen im April 2017 bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das acht Verkehrstote oder 3,2 % weniger als im April 2016. Die Zahl der Verletzten ging um 12,0 % auf circa 28 300 gegenüber dem Vorjahresmonat zurück.

Von Januar bis April 2017 wurden 867 Verkehrstote gezählt, das waren nahezu genauso viele wie im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2016 (865 Getötete). Rund 105 600 Menschen wurden in den ersten vier Monaten 2017 auf Deutschlands Straßen verletzt, ein Rückgang um 2,9 % gegenüber Januar bis April 2016. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken. In den ersten vier Monaten 2017 erfasste die Polizei 790 400 Straßenverkehrsunfälle, 1,4 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Darunter waren 81 300 Unfälle mit Personen­schaden (– 2,7 %) und 709 000 Unfälle mit ausschließlich Sachschaden (– 1,2 %).

Im April 2017 kamen 239 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben (-3,2% / -8 Tote z VJ), 28300 wurden verletzt.


Immerhin schreiben sie, dass die Zahlen gesunken sind. Das obwohl die akkumulierte Vier-Monats-Zahl der Toten gestiegen ist! Aber was sind schon zwei Verkehrstote mehr? Der Trend zeigt übrigens, dass die Zahlen der Verkehrstoten in Deutschland wieder steigen. Und ich höre in Deutschland keinen Ruf nach VISION ZERO wie in Schweden. Es ist eine Schande!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. Juni 2017

#AktMobCmp – 13. Juli 2017

Für den Abend des  13. Juli 2017 habe ich ein #AktMobCmp-Treffen vorgeschlagen.

Gedanken zur Vorbereitung!

MÖGLICHE THEMEN

Folgende Themenkreise und/oder Thesen würden mich interessieren.


Warum fährt man überhaupt noch Auto? Hat man da Vorteile? Oder ist das alles nur ein großer Selbstbetrug? Als manipuliertes Lobby-Opfer?

  • Vor ein paar Tagen bin ich mal in ein paar Stunden um den Starnberger See geradelt. Es ging zuerst mit der S-Bahn von Neubiberg nach Starnberg. Dann sind wir rund um den See gefahren und von Starnberg wieder mit S-Bahn zurück. Es war ein wunderschöner Sommertag, alles ging hervorragend. Aber am See, da war so „auto-mäßig“ absolut die Hölle los. Alle Parkplätze waren voll, es ging nichts mehr. Und es gab Stress ohne Ende – bei den Autofahrern.
  • Ich bin ziemlich mobil. Innerhalb München sowieso. Aber auch innerhalb Deutschland, Europas und gelegentlich auch in der Welt. Und immer geht es ohne Auto. Der Verzicht auf Autos als Mobilitäts-Werkzeug hat nur Vorteile, unter dem Strich geht es einem viel besser ohne Auto!

So könnten wir die Frage bearbeiten:
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Autofahrt Sinn macht, d.h. wesentliche Vorteile gegenüber alternative Mobilität bringt?


Wieso trauen sich Menschen eigentlich noch mit dem Auto zu fahren? Und nehmen dabei entweder ohne nach zu denken oder in arroganter Selbstherrlichkeit beliebig nicht nur „soziale Schäden“ bei dritten und sich selber in Kauf?

Oder:
Passt die folgende Metapher? Autofahren nicht nur in der Stadt ist doch  mit dem Rauchen in öffentlichen Räumen zu vergleichen? Wenn ich durch die Gegend radele, blasen Autos mir ihre Abgase ins Gesicht wie mir früher der Raucher am Esstisch gegenüber.

  • Als Führer eines Autos gehen wir bewusst das Risiko ein, andere Menschen zu verletzen oder zu töten. Und das passiert immer noch viel zu häufig.
  • Wenn wir Auto fahren, produzieren wir Abgase, die andere Menschen schädigen, die mit dem Auto gar nichts zu tun haben wollen.
  • Autos erzeugen Lärm, der die Lebensqualität unseres Wohnraums in den Städten wie auf dem Land enorm reduziert.
  • Autos verursachen für die Insassen und besonders dem Fahrer ziemlichen Distress.
  • Autofahren raubt den Menschen die Bewegung und macht sie dick.

Vielleicht nicht so ganz scherzhaft war ein Tweet, den ich gelesen habe: Man sollte die Abgase des Auspuffs erst mal durchs Innere des Wagens leiten, bevor sie nach außen entsorgt werden dürfen.

Hier stelle ich mir keine „moralische“ Diskussion vor sondern eine ganz schlichte und konstruktive Güterabwägung.


Die Genialität von Pedelecs (E-Bike)!

  • Die Kombination von Körper und Maschine
  • Für rationale und effiziente Mobilität und Logistik sind E-Maschinen perfekt.
  • Gerade im unteren Geschwindigkeitsbereich und für schlanke Mobiltität sind Elektrofahrzeuge eine hervorragende Alternative.

Könnten wir nicht 90 % unser innerstädtischen individuellen und durch logistisch notwendigen Mobilität mit E-Bikes und angemessenen Elektrofahrzeugen (Skooter, Lieferautos, Großraumtaxis als Teil des öffentlichen Verkehrs …) besser, billiger, gesünder, schöner und effizienter bewältigen?

(Mir ist klar, dass individuell die Elektromobilität – sprich das E-Auto – keine Lösung ist. Allein die Umweltschäden und der Kohlendioxid-Ausstoß, die die Herstellung einer Groß-Batterie wie für einen Tesla bedeutet oder auch schon für einen e-UP verursacht, zeigen dass dies keine Lösung für schnelle und weite Kommunikation sein wird.)

Könnte es sein, dass die Ursache für den massiven Wechsel vom Fahrrad zum Auto im Nachkriegs-Deutschland einfach die vielen und so mühsamen Steigungen waren? Und dass seit dem E-Bike das schlechte Wetter das letzte Argument gegen das Radeln ist? Und dass das ganz gut lösbar ist (und Teil des Menschseins ist)?

Und geht es im Bereich der „Hochleistungs-Mobilität“ – Mittel- und Langstrecken schnell überbrücken zu können – eigentlich nicht um „shared economy“ sondern um „shared mobility“? Und ist diese nicht schon längst erfunden und kann freilich noch beliebig verbessert werden?


Zum Format bzw. der Methode für unser nächstes Treffen:

Wie wäre es diesmal mit einer praktischen Übung in Fahnenbildung? Alle diese Themen könnten wir mit der Technologie der Fahnenbildung bearbeiten. Die Fahnenbildung (ars construendi vexilla, die Kunst Fahnen zu verbinden) ist eine dialektische Technik zum Erarbeiten von vernünftigen Übereinstimmungen (rationaler Konsens) in Gruppen. Und die kann, besser muss man wunderbar agil und auf Augenhöhe gestalten!


Was meint Ihr? Was würdet Ihr bevorzugen? Welches Thema, welche Methode. Habt Ihr bessere Ideen und/oder Ergänzungen? Soll ich das geplante Meeting organisieren und einladen?

Dann würde ich in der Region München einen Raum für den 13. Juli suchen, das Programm ausarbeiten und Termin und Programm in Meet-Up und auf der AktMobCmp-Seite veröffentlichen.

Oder sollen wir es sein lassen, weil es eh sinnlos ist? Und weil wir eh keine Chance auf ein besseres Leben ohne Abgase und Lärm haben? Weil die Auto-Lobby die Welt regiert?

Dann würde ich den Termin absagen und vielleicht auch AktMobCmp beenden.

RMD

Gestiftet von Visual BrainDump (Christian Botta & Daniel Reinold). Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Februar 2017

AktMobCmp – Nächster Termin am Dienstag, 11. April 17 um 19:00

Mobiltät der Zukunft – #agile #digital #lean #open #social

Die Mobilität der Zukunft wird wesentlich anders aussehen müssen als die heutige. Weil es offensichtlich so nicht weiter gehen kann. Das ist allen mehr oder weniger klar.

Andere Länder wie die Niederlande scheinen da auf einem guten Wege. Jedoch wir scheinen die notwendige Veränderung nicht zu schaffen. Denn Mobilität sollte in Zukunft wieder für die Menschen da sein und nicht umgekehrt. Dazu wollen wir gedanklich und aktiv einen Beitrag leisten.

Und uns vor allem überlegen, welche aktive Beiträge wir sinnvoll leisten können, damit der Wandel auch in Deutschland ein weniger schneller kommt.

Ziel
Wir wollen die Tradition des #AktMobCmp (Barcamp für aktive Mobilität im Alltag) mit einer Serie von Abendveranstaltungen beleben.

Dazu starten wir am Dienstag, 11. April 17 um 19:00. Wir sind zu Gast bei einem jungen und sehr spannenden Unternehmen, der accu:rate GmbH | Institute for Crowd Simulation | Rosental 5 | D-80331 München. Anmelden könnt Ihr Euch unter MeetUp oder direkt per E-Mail an mich.

An diesem Tag planen wir ein moderiertes „lean coffee“ mit Time-Box nach dem 3×3-Prinzip: (1) Präzisieren, (2) kooperativ verhandeln und (3) ernten). Zur Inspiration gibt es vor dem Lean Coffee drei kurze Impulse von Dr. Jessica Le Bris (GreenCity), Florian Sesser (Gründer accu:rate GmbH) und mir (Initiator #AktMobCmp).

Hier als Anregung schon vorab mal ein paar Thesen und Fragen.

Thesen

  • Agilität & Mobilität sind menschliche Bedürfnisse.
  • Die industrielle Revolution hat Agilität durch Planung und Taylorismus ersetzt.
  • Der Glaube an menschliche Allmacht aufgrund des technologische Fortschritt bröckelt.
  • Das Zeitalter von Hierarchie und Taylorismus geht zu Ende.
  • Die individuelle und motorisierte Mobilität nach heutigem Muster ist nur scheinbar agil.
  • Die Mobilität der Zukunft wird rationaler und weniger emotional sein.
  • Auch die Mobilität der Zukunft muss „agil“ werden.
  • Ohne einen wesentlichen Anteil von „Aktiver Mobilität im Alltag“ (Fortbewegung aus aus eigener Körperkraft zu Fuß, mit Fahrrad oder anderen unterstützenden Geräten) wird es nicht gehen.
  • Aktive Mobilität ist gut für den Körper
    (Wir haben nur einen Körper und müssen diesen so gut behandeln wir nur möglich)
    und
  • ermöglicht uns, unser wertvolles Gut Zeit besser einzusetzen
    (Unsere Zeit ist begrenzt, wenn sie weg ist kommt sie nicht mehr zurück).
  • ….

Fragen:

  • Warum stehen Menschen lieber im Stau an Stelle sich in frischer Luft zu bewegen?
  • Warum werden Parkplätze im öffentlichen Raum so stark subventioniert?
  • Gehören Zweitakter-Ottomotoren ganz abgeschafft?
  • Braucht wirklich jeder ein Auto?
  • Wie soll die smart City aussehen?
  • Müssen wirklich weltweit jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Menschen im Straßenverkehr sterben und entsprechend mehr zu Krüppeln werden?
  • Wussten Sie, dass die Hälfte aller Kopfverletzungen Insassen von PKWs erleiden
    und
  • PKW-Nutzer trotzdem keinen Helm tragen müssen?
  • Was kann jeder von uns beitragen, damit Mobilität sanfter wird?

Anregungen sind will kommen. Wir wollen auch ein Ergebnis erzielen. Das könnte so gehen:

  • Wir teilen unser Wissen teilen,
  • Erfahren und Erleben neue Argumente und Situationen,
  • Gewinnen neue Erkenntnisse,
  • Formulieren unsere Gedanken klar,
  • Entwickeln Ideen zur Umsetzung
    und
  • Beginnen unsere mobile Welt neu zu gestalten.

Zielgruppe

AktMobCmp wendet sich vor allem an Menschen, die mit der aktuellen Mobilitäts-Situation und deren Folgen nicht zufrieden sind.

Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

 

Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Gestiftet von Visual-Brainddump – Wir bedanken uns bei Christian Botta und Daniel Reinold. 

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 10. Januar 2017

FAHRRADkultur – Interview mit Roland Dürre

Franziska Köppe ist mir vor allem bekannt vom EnjoyWorkCamp. Das ist ein sehr schönes Barcamp für ein neues Verständnis von Arbeit, das einmal im Jahr in Stuttgart stattfindet. Franziska hat mich zu meiner Begeisterung fürs Fahrrad interviewt. Da kam ein Ergebnis heraus, dass mir sehr wichtig ist – deshalb habe ich es sprachlich jetzt noch mal leicht überarbeitet und auch bei mir in IF-Blog.de abgespeichert. Ich habe aber versucht, alles was von Franziska kommt, möglichst so original wie möglich zu lassen.


 

Aktive Mobilität – Fördern und Fordern

 

03.01.2017 – Sind Autofahrer die Kutscher der Neuzeit? Mobilität ist im Umbruch. Seit den 1950ern wurde die Automobil-Industrie stark – vor allem politisch – gefördert. Die Branche gilt als „system-relevant“. Eng verkettet ist sie mit vielen Zulieferern, Verkehrsplanung und Lobbyarbeit. Doch ist sie das „system-relevant“? An den konventionellen Geschäftsmodellen rütteln Start-ups und die Crowd-Economy wie kulturelle Änderungen im Verhalten nicht nur der jungen Generation. Ich sprach mit Unternehmer und Mobilitäts-Aktivist Roland Dürre über Fahrrad-Kultur und den eigenen Beitrag zu Mobilität mit Zukunft.
(Vorwort zum Interview von Franziska)


 

Das Interview

Franziska: Hallo Roland, bitte stelle Dich unseren Lesern kurz vor. Wer bist Du? Was machst Du?

Roland: Wer ich bin, weiß ich nicht. Ich fühle mich als Mensch, Aktivist, Blogger, Coach, Macher, Unternehmer. Ich liebe das Leben und meine Familie. Ich versuche, mutig zu sein und viel Freude bei meinem Tun zu haben. Meine Aufgabe ist nach meiner Zeit bei der InterFace AG noch mehr als früher, Erfahrungen weiter zu geben und wenn möglich anderen – besonders jüngeren – zu helfen, glücklich und erfolgreich zu werden. Für das Schöne, das ich erlebt habe, bin ich dankbar und freue mich, wenn sich diese Dankbarkeit in den verbleibenden Lebensjahren noch mehrt. 🙂

Franziska: Eine Deiner Leidenschaften ist das Radfahren. Was bedeutet für Dich FAHRRADkultur? Was verbindest Du mit diesem Wort?

FAHRRADkultur versus Auto-Kultur – Die Folgen konventioneller Verkehrspolitik

Roland: Kultur und FAHRRAD-Fahren sind beides etwas schönes. Das passt gut zusammen!

Aber sehen wir uns mal an, was uns die Auto-Kultur gebracht hat. Als Autofahrer bin ich im Fahrzeug sozial isoliert. Meine Mitmenschen werden zu anonymen Objekten in anderen Autos. So kenne ich viele Menschen, die sich am Steuer ihres Autos ihrer zwischenmenschlichen Einsamkeit bewusst Schimpfworte benutzen, die sie im normalen Umfeld nie nutzen würden. Und kann das gut nachvollziehen.

Als Radler habe ich mir angewöhnt, mir entgegen kommende Fahrradfahrer zu grüßen. An der Ampel nehme ich häufig Kontakt mit dem Menschen auf dem Nachbar-Rad auf. Ich versuche, Rücksicht zu üben. Und meine, dass die Fußgänger immer Vorfahrt vor Radfahrern haben sollten. Aber auch die Radler vor Autos.

Als Radler sehe und nehme ich mehr wahr. Das gilt auf Radreisen in fremden Ländern genauso wie in Deutschland. Es entwickeln sich schnell soziale Kontakte. Als Fahrradfahrer sehe ich aber auch, wie viel Tiere wie Kröten, Katzen und Hunde von Autos getötet werden. Dann gibt es mir einen Stich ins Herz.

So korreliert Autofahren für mich mit Rücksichtslosigkeit und Unachtsamkeit. Was sich dem Auto in den Weg stellt, wird niedergewalzt. Kohlendioxid wird ausgestoßen, Feinstaub produziert und das nur für die eigene Bequemlichkeit. 1,400.000 Millionen Verkehrstote weltweit im Jahr sind normal, weil es ohne das Auto nicht geht. Es geht aber ohne Autos. Das habe ich im Selbstversuch erlebt. Und es geht einem besser ohne Autos.

Vielleicht noch eine kulturelle Provokation: Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

FAHRRADkultur – Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen

Franziska: Es ist wohl wahr, dass für die meisten – vor allem die Großstädter von uns – Mobilität hauptsächlich mit dem Automobil verbunden ist. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Fahrradfahren das selbstverständlichste und alltäglichste Verkehrsmittel war, mit dem Menschen Entfernungen von mehr als 5 km zurücklegten. Lass uns also noch einmal zurückkommen auf das Fahrrad. Was wäre das für eine Welt, wenn Du FAHRRADkultur träumen dürftest?

Roland: Eine leise und saubere Welt mit glücklicheren und gesünderen Menschen. In der sich aus veränderter Mobilität heraus viele weitere Fortschritte an Lebensqualität entwickeln. Ich sage immer gerne: Wer seine Mobilität nicht in den Griff bekommt, wie will der sein Leben steuern können? Denn ohne den „Willen und die Fähigkeit sein Leben verantwortlich zu führen“ geht es halt nicht.

Roland Dürre auf dem Weg von Salerno nach Pisciotta

Franziska: So weit so vernünftig. Nun sieht die Realität eines Alltagsradlers nicht ganz so himmelblau und rosig aus. Du sprachst es ja bereits an. Einer der Gründe, weswegen Du Dich für „Aktive Mobilität“ – AktMob, wie Ihr es nennt – einsetzt.

Roland: Stimmt. Ich kenne viele Straßen in München, da macht es keine Freude zu fahren. Und auch auf großen Touren muss man immer wieder auch mal eine Strecke durchleiden, auf der man wirklich um sein Leben fürchtet.

Wobei es bei AktMob nicht nur ums Radeln geht, sondern um jede Form von Fortbewegung jenseits von Pferdekutschen, Benzin- oder Elektroautos – durch eigene Bewegung, aus eigener Kraft. Sei es mit Rollern, Skatebords, zu Fuß, dem Rollator – oder was auch immer. Und ein wenig elektrische Unterstützung darf auch dabei sein.

Franziska: Im Bereich Verkehr wird seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts das Automobil als individuelles Fortbewegungsmittel gefördert. Dahinter stand die politische Vision eines Wirtschaftswunders. Leider hat diese kurze Zeit bereits ausgereicht, unsere Städte zu entmenschlichen. Fußgänger wie Radfahrer gehören seltsamerweise kulturell nicht mehr zum Verkehr. Wie absurd das teilweise ist, zeigt sich ganz besonders allmorgendlich an Kindergärten und Schulen: Da werden Kinder mit dem Auto gebracht, weil es aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens durch PKWs zu gefährlich für sie wäre, zu laufen. Wie schräg ist das denn?

Das Auto als Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt

Roland: Ein gutes Beispiel! In der Tat war das Auto – gerade für die Männerwelt – nicht nur ein Objekt, um von A nach B zu kommen. Wenn man Führerschein und ein Auto hatte, war man endlich erwachsen. Der Spruch vom Auto als „Phallus-Symbol“ ist sicher nicht ganz falsch. Und am Steuer eines starken Kraftwagen überkommt gerade das männliche Geschlecht ein Gefühl der Omnipotenz. Wer mag das nicht?

Noch mehr aber war das Auto das Statussymbol in der Wirtschaftswunderwelt der sich wirtschaftlich erholenden BRD und Welt. Das Auto ist wohl die beste Metapher für gekauftes Glück als Ersatzbefriedigung für unerfüllte Bedürfnisse.

Wie wir noch junge Männer waren und kein Auto hatten, da hatten wir den Eindruck, dass die hübschen jungen Frauen die Männer mit Autos doch klar bevorzugten – und auf uns autolose Wesen eher herab sahen.

Das Auto war aber auch – ähnlich wie die Zigarette – ein Symbol für Freiheit. Und es war auch ein neuer privater Lebensraum – in USA z.B. muss es ein paar Jahre gegeben haben, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder auf dem Rücksitz von Autos gezeugt wurden. Das stand wohl schon im Kinsey-Report drin. Und unserer Faulheit ist so ein Kraftfahrzeug doch auch sehr entgegen gekommen. Ja, und dass solch ein götzenhaftes Vehikel – auch noch optimal und emotional vermarktet – alles andere untergebuttert hat, ist doch klar.

Die kritische Masse – Radfahren im Verband

Franziska: Mit Aktionen „Wir sind Verkehr“ finden in Deutschland und auf der ganzen Welt monatlich sogenannte Critical Mass statt. Dabei nutzen Radfahrer §27 der StVO aus, der es ihnen ermöglicht, ab 15 Velofahrern (= kritische Masse) im Verband zu fahren. Ich freue mich sehr, dass diese Bewegung in D-A-CH immer mehr Anhänger findet. Ein friedlich-fröhliches Treiben im vergangenen November in Deutschland beispielsweise mit 3.290 Mitradlern. Im Juli dieses Jahres waren es sogar 13.371 FahrradfahrerInnen [Quelle: Daniel via itstartedwithafight]. Jeder kann sich anschließen – und sei es auch nur für ein kurzes Stück des Weges.

© Radlhauptstadt München – Radlnacht 2016 [Foto Andreas Schebesta]

Roland: Critical Mass ist gut! Ich schätze sie vor allem, weil es mir eine echte Graswurzel-Bewegung zu sein scheint. Und ich überzeugt bin, dass Veränderung nur noch von „unten“ angestoßen werden kann. Politik und Administration gelähmt von Lobbyisten und eigenen Regeln hat gar keine Chance und auch keinen Willen mehr, mal etwas auszuprobieren. Nur – ohne Ausprobieren geht nichts!

Franziska: Und doch gibt es da die Fahrrad-Enthusiasten auch unter Politikern. Nehmen wir beispielsweise Deine Heimatstadt. Die Stadt München erhebt den Anspruch, Radlhauptstadt sein zu wollen. Dahinter steht auch das persönliche Engagement von Wigand von Sassen, der seit März 2009 Projektverantwortlicher für diese städtische Fahrrad-Kampagne ist. Seit Beginn der intensiven Fahrrad-Förderung hat sich der Radverkehrsanteil am gesamten Modal-Split deutlich erhöht. So gibt es beispielsweise regelmäßig RadlChecks, bei denen kostenfrei kleinere Reparaturen vorgenommen werden. Erst im Oktober fand die Radl-Nacht statt. Im September die RadCouture… Dahinter steckt viel Engagement in Sachen FAHRRADkultur. Das braucht eine gehörige Portion Mut und Ausdauer.

Doch lass uns gern eine Nummer kleiner denken. Was kann jeder tun? Es braucht ja gar nicht immer die großen Gesten.

Autofahren – nichts anders als eine schlechte Gewohnheit?

Roland: Es wird auch Zeit, dass etwas passiert. Ich glaube aber nicht, dass die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf eine „intensive Fahrrad“-Förderung zurückzuführen ist. Ich meine viel mehr, dass immer mehr Menschen entdecken, dass es bessere Möglichkeiten gibt und ein Auto doch sehr viel Geld frisst. Ich sehe die vielen Autos sozusagen als Wohlstandsreserve für die Zukunft, in der es zweifelsfrei für viele von uns „enger“ werden wird.

Autofahren ist nichts anders als eine schlechte Gewohnheit. Wir müssen halt auch bereit und fähig sein, unsere Gewohnheiten zu verändern. Rauchen, ist eine schöne Metapher. Es ist nicht einfach und für viele Raucher unvorstellbar, zum Nichtraucher werden will. Und dann klappt es doch – und man fühlt sich schnell viel besser.

Wie schwer es ist, liebe Gewohnheiten zu ändern, erlebe ich zurzeit an mir selber. Auf den regionalen Wegen bis um die 30 km fahre ich nur noch Fahrrad. Aber leider auch auf den ganz kurzen Strecken. Mein neues persönliches Mobilitäts-Programm heißt jetzt aber „runter vom Fahrrad und wieder auf die eigenen Füß“. Ich will wieder mehr zu Fuß gehen. Und es ist für mich wahnsinnig schwer, diese Gewohnheit aufzugeben, auch bei kurzen Strecken quasi automatisch aufs Fahrrad zu steigen.

Franziska: Verhaltensweisen umzulernen ist in der Tat nicht einfach. Als Angestellte fiel es mir leicht, mich morgens aufs Rad zu schwingen und in die Firma zu radeln. Auch heute noch ist es für mich kein Thema, Geschäftstermine mit dem Rad zu erledigen (es sei denn, es ist zu weit, dann nehme ich öffentliche Verkehrsmittel).

Das Leichte daran war für mich, dass ich den Weg in jedem Fall zurück legen musste. Seit ich jedoch im Home-Office arbeite, fällt es mir unsäglich schwer, täglich aufs Rad zu steigen – nur des Radelns und der körperlichen Aktivität wegen. Mir fehlt dafür das A nach B als Bedingung. Da ist es für mich wiederum naturgemäßer, abends (m)eine Runde durch die Weinberge zu drehen und zu Fuß zu gehen. Das entschleunigt und sortiert die Gedanken.

Inzwischen integrierte ich diese Form der Bewegung in meinen Berufsalltag. Zum einen biete ich öffentliche Netzwerktreffen an. Wir nennen es Walk to Talk. Dabei treffen wir uns an einem grünen Ort, schauen, welche Themen die Einzelnen mitgebracht haben. Und laufen dann für zirka 90 bis 120 Minuten zusammen durch urbanes Grün.

Besonders freut mich, dass meine Coachees, Mentees und Supervisions-Partner die Form des „Gehsprächs“ genauso schätzen wie ich. So dass ich doch zumindest 4-6 Mal pro Monat in den Genuss eines spannenden Gehsprächs im Grünen komme. Das darf jedoch sehr gern noch mehr werden. 😉

Ich empfehle diese Formate im übrigen allen – vor allem als willkommene Abwechslung zu Besprechungen, die viel zu häufig in geschlossenen Räumen und noch dazu im Sitzen stattfinden. Wobei wir beim Thema Arbeitswelten = Lebenswelten sind.

Du warst lange Jahre Unternehmer. Was können Chefs tun, um FAHRRADkultur zu fördern? Worauf kommt es dabei an?

FAHRRADkultur im betrieblichen Mobilitäts- und Gesundheitsmanagement – keine einfache Aufgabe für Chefs

Roland (lacht): Das ist gar nicht so einfach. Das Wichtigste ist sicher, keine Geschäftsautos als vermeintlich lohnenden Gehaltsanteil anzubieten. Leider habe ich das ab 1984 gemacht. Die InterFace AG hat viel zu viele sogenannte „Geschäfts-Autos“. Und Besitzstand zu ändern ist alles andere als einfach.

Positiv wirken sich Angebote aus wie überdachte und sichere Fahrrad-Stellplätze und/oder eine Dusche im Keller. Und man muss es vormachen, die Menschen mit der eigenen Begeisterung für Fahrräder und Fahrradfahren anstecken.

Franziska: Fahrrad-Fahren ist in der Tat ansteckend. Das konnte ich daran sehen, als wir in der Firma für die ich zuletzt tätig war eine Alltagsradler-Gruppe bildeten. Das funktionierte wie eine “Bus-Linie”: Die eingefleischten Radler boten Mitfahrgelegenheiten für die Einsteiger. Schnell ergaben sich ad-hoc Radlwerkstatt und Verabredungen zu gemeinsamen (After-Work-)Touren. Durch Mitfahren erfuhr ich Abkürzungen oder sicherere Anfahrtswege und erhaschte allerlei Radel-Tricks.

Nicht ganz ohne Stolz merkte ich dann auch, wie viel ich selbst schon weiß und anderen mitgeben konnte. Das war ein großer Motivationsschub, auch die nass-kalten Nieselregen-Tage um den Gefrierpunkt zu überstehen. Was viele nicht wissen: Es gibt deutlich mehr trockene als verregnete Tage. Und wenn man einmal unterwegs ist und gute Regenkleidung hat – ist das mit dem Regen ohnehin egal. Auch das entdeckte ich erst durch das tägliche Fahrradfahren. Die zahlreichen Naturschauspiele und das intensive Erleben der Jahreszeiten gar nicht mit eingerechnet.

Was erschwert oder verhindert aus Deiner Erfahrung aktive Mobilität im Alltag? Welche – unter Umständen auch kleinen – Hilfestellungen kennst Du, die dafür Abhilfe schaffen?

Roland: Da gibt es vieles. Zum Beispiel der Irrglaube, dass man Kinder und Lasten mit dem Auto transportieren muss. Das stimmt nicht. Kinder sind auf dem Fahrrad glücklicher als im Auto. Einkaufen geht viel besser mit Fahrrad-Anhänger oder Lastenfahrrad als mit dem Auto. Schon mit zwei Fahrrad-Taschen kommt man sehr weit.

Der regelmäßige Blick in den Spiegel und auf die Waage, vielleicht auch auf’s Blutdruck-Messgerät, überzeugt schnell, dass es Sinn macht, sich mehr zu bewegen.

Franziska (lacht): Stimmt! 😉

Noch einmal zurück zum unternehmerischen Denken. Da viele Arbeitgeber durch Zahlen, Daten, Fakten getriggert sind, werde ich immer wieder gebeten, danach zu fragen: Welchen Nutzen siehst Du für Chefs, sich mit dem Thema “aktive Mobilität” zu beschäftigen?

Roland: Na ja – es ist ja belegt, dass Menschen, die regelmäßig Bewegung haben und an der frischen Luft sind, deutlich weniger krank sind. Das ist doch schon etwas. Sie kommen auch besser gelaunt und ausgeglichener zur Arbeit. Und bringen eine ungeheure Kreativität von ihrer Radfahrt mit.

Gemeinsam stark – AktMob fördert aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Um Akteure rund um „Aktive Mobilität im Alltag“ miteinander zu vernetzen, führtet Ihr in Unterhaching Anfang 2016 das AktMobCmp durch. 2017 werdet Ihr Abendveranstaltungen organisieren und auch das nächste AktMobCmp bereitet Ihr aktuell vor. Mit welchen Fragestellungen beschäftigt(et) Ihr Euch dort? Wer war – wer wird dabei sein?

Roland: Eingeladen sind alle, die an ihre Verantwortung für die Zukunft denken. So wie wir mit unserer Mobilität umgehen – so leben wir. AktMobCmp ist ein BarCamp – das heißt, wir kennen die Themen und Sessions nicht vorher. Diese Offenheit ermöglicht jedoch auf der persönlichen Ebene viele schöne und konkrete Ergebnisse.

AktMobCmp 2016 — BarCamp für aktive Mobilität im Alltag

Franziska: Das heißt, um den Menschen den Raum für Ihre Themen zu öffnen, organisiert und moderiert Ihr das ActMobCmp als BarCamp. Was ist das Besondere an diesem Veranstaltungsformat?

Roland: Beim Barcamp-Format organisieren die Menschen, die kommen, ihr Treffen und ihre Sessions ihren Bedürfnissen folgend. Es gibt keine eingereichten Vorträge, die von einem Gremium ausgewählt worden sind. Jeder darf und soll einen Beitrag leisten. Die Organisatoren konzentrieren sich auf die Rolle des Gastgebers, der so das Zusammenkommen ermöglicht. Die soziale Kontrolle liegt bei den Teilnehmern. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, wie sich eine Session, die für „Marketing“ missbraucht wurde, sehr schnell geleert hat.

Franziska: Und dann gibt es Sessions, die Menschen in eine intensive, produktive Arbeit an einem gemeinsamen Anliegen verwickeln. Das mag ich an BarCamps. Vor allem, wenn die Veranstalter an die Selbstorganisation und Selbststeuerung der Teilgeber ihrer Unkonferenz glauben.

Diese Sicherheit hast Du in den vergangenen Jahren durch eigenes Erleben gewonnen. Denn das AktMobCamp ist nicht das erste BarCamp, das Du organisierst. Du gehörst zu den Gründervätern der PM Camp-Bewegung, bei der in ganz Europa Menschen zusammen kommen, die sich zu Projektarbeit austauschen. Was macht für Dich die Faszination eines BarCamps aus?

Roland: Das tolle bei BarCamps ist, dass man viel Neues entdeckt. Denn alle Teilnehmer sind bereit, sich zu öffnen und ihr Wissen zu teilen. In der Regel kommen alle Teilnehmer glücklich und reicher nach Hause. Das Erlebte wirkt weiter. Man hat neue Freunde gewonnen, mit denen man in Verbindung bleibt. So vernetzen sich auf BarCamps Menschen und Bewegungen und gewinnen immer mehr an Kraft.

Franziska: Ich weiß, was Du meinst. Für die BarCamp-Newbies unter meinen Lesern nenne uns dennoch bitte ein paar Beispiele.

Roland: Ganz einfach. Bewegungen wie Augenhöhe, intrinsify.me, EnjoyWork mit EnjoyWorkCamp, Unternehmensdemokraten, Gemeinwohlökonomie und viele mehr habe ich auf Barcamps kennengelernt. Wie auch die Menschen, die diese unterstützen und voranbringen. So habe ich auf BarCamps neue Freunde gewonnen wie Nadja Petranovskaja, Dr. Andreas Zeuch, Dr. Eberhard Huber, Gebhard Borck, Dr. Jens Hoffmann, Maik Pfingsten, Dr. Marcus Rainer, Dr. Niels Pflaeging, Roger Dannenhauer, Dr. Stefan Hagen und viele, viele mehr.

Wir beide haben uns ja auch bei einem BarCamp (EnjoyWorkCamp?) kennengelernt! Von allen den genannten Persönlichkeiten findest Du Posts, Podcasts und Videos im Netz, die ganz von selber erklären, warum man sich vernetzen und die Dinge gemeinsam machen muss.

Franziska: Ich glaube, Dir begegnete ich erstmals beim PM Camp in Dornbirn. Intensiv miteinander sprachen wir dann tatsächlich erst im Rahmen meiner Initiative “EnjoyWork”. Um so schöner, mit diesem Austausch ein paar uns verbindender Themen vertieft zu haben. Vielen Dank, Roland, für den Erfahrungsaustausch.

Ich wünsche Dir Alles Gute und Euch mit AktMob viel Erfolg und allzeit gut Kette.

Roland: Vielen Dank – es hat richtig Spaß gemacht!


Links zum Weiterlesen:

 

Oder gilt das auch schon in der Gegenwart?

Franziska Köppe hat mich am 3. Januar für Ihren Blog FAHRRADkultur interviewt. Hier ist das Ergebnis.

Die Botschaft von Franziska ist ja „Fahrradfahrer leben länger“. So kann ich nur hoffen, dass die Franzeska recht hat und unserer Leben nicht vorzeitig durch ein Kraftfahrzeug beendet wird. Und dafür ein weißes Fahrrad mehr an einer der Straßen und Kreuzungen steht.

Die Franziska respektiere ich sehr, deshalb war ich im Interview ein wenig vorsichtig. Meine schlimmste Provokation war vielleicht die folgende Aussage (Zitat aus dem Interview):

„Autofahrer sind die Kutscher der Neuzeit. Kutscher waren keine beliebte Berufsgruppe, weil sie in den engen Gassen der Städte mit der Peitsche das gemeine Volk aus dem Wege prügelten. Kutscher galten damals als „Abschaum und Gesindel“?!

Ich stehe zu allem, was ich im Interview gesagt habe. Ich möchte hier nur ergänzen, dass ich, je mehr ich ohne Auto lebe („lebe“ im wahrsten Sinne des Wortes) um so mehr mir die Dummheit und Sinnlosigkeit des Autofahrens bewusst wird. Und das gilt für so viele Dimensionen:

  • Für die Falschheit von Image und der Reputation, die man sich durch den Besitz eines Autos sicher unbewusst verschaffen will.
  • Für die belastende Arbeit des Steuerns eines PKW’s, an die man sich gewöhnt und so die Anstrengung ignoriert. Im Gegenteil, man betrügt sich selbst und hat „Freude am Fahren“ oder „erholt sich am Steuer“. Das Auto wird als „bester Freund“ wahrgenommen, es ist der Ort an dem man sich „zu Hause fühlt“.
  • Für den gewaltigen Raub an Bewegung und frischer Luft, den man sich als Autofahrer selber zu fügt, inklusive des Schadens durch die ewige Sitzerei und deren negativen Folgen inklusive von Rückenbeschwerden.
  • Für die sinnlose Vernichtung der Zeit gerade am Steuer eines PKW, die in öffentlichen Verkehrsmitteln viel besser genutzt werden kann.
  • Für das physische (wesentlich mehr als 1 Million Verkehrstote und ein mehrfaches an Schwer- und Leichtverletzten) pro Jahr weltweit wie psychische Leid und Risiko (Doppelbelastung z.B. durch Telefonieren am Steuer).
  • Für die Unfreiheit durchs Auto – es ist der Klotz am Bein – ich muss immer dorthin zurück, wo es steht.
  • Für die Abhängigkeit vom Auto, wenn es nicht mehr fährt geht die persönliche Welt so ein wenig unter.
  • Für die Belastung durchs Auto: Wie oft höre ich – ich habe da keine Zeit, weil ich mein Auto vom / zum Kundendienst holen / bringen muss.
    🙂 Und am Wochenende wird es auf Hochglanz poliert.
  • Für die Rücksichtlosigkeit des Autofahrers gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Schadstoffe und Energie-Verschwendung spielen keine Rolle mehr, die externen Zusatzkosten der Mobilität sind beim Auto ein Vielfaches höher sind als bei allen anderen Verkehrsmitteln und die tragen wir alle.
  • Für das billigend in Kauf genommene Risiko andere Menschen zu töten oder verletzten und so auch sich selber enormen Schaden hinzuzufügen …
  • und für manches mehr …

Für mich wird Autofahren so immer mehr zur Metapher für ein falsches Leben. Nur:

 🙂 Das Leben ist zu kurz für ein falsches Leben!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, bei denen das Auto wie ein Rollstuhl zum erweiterten Körper, also quasi zum Körperteil geworden ist, viele der gelisteten Punkte keines Falls nachvollziehen können. Auch aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es bei mir mit dem Rauchen ähnlich war … Erst wenn man es nicht mehr tut, versteht man wirklich, wie schlimm es wahr. Aber ich weiß, wie schwer es ist und war mit der Gewohnheit zu brechen.

RMD

 

Roland Dürre
Freitag, der 30. Dezember 2016

Mobil in Mittelamerika vom 9. – 16. Dezember (Erste Woche)

Ganz allgemein: Das Auto dominiert auch in Mittelamerika das „Mobile Leben“. Das war mir schon klar. Aber die Anzahl und Dichte der Staus in den großen wie den kleinen Städten hat mich dann doch überrascht. Wie die (wahrscheinlich ja nur scheinbare) Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor aller Art.

Zuerst mal zum Thema Kreuzfahrt:

Wir fuhren ja mit dem großen Schiff „MeinSchiff 4“ von TUI eine Runde durch die Karibik – mit 4 Seetagen und 10 Landtagen. Das Schiff dreht diese Route ein paar Mal in der Jahreszeit vom Dezember bis Februar, ein anderes „MeinSchiff“ fährt eine andere Runde im selben Raum mit anderen Zielen. Dann fahren sie weiter in neues Gewässer und drehen dort ihre Runden. Kreuzfahrt ist so zu einer Art „Linienverkehr“ geworden, was sicher die Logistik vereinfacht, aber das Reiseerlebnis eben auch ein wenig mehr „convenient“ macht. Und natürlich drehen in der Karibik verschiedene Schiffe von zahlreichen Reedereien ihre Runden.

Individuell gestaltete Weltreisen z.B. von Hamburg nach Hamburg über einen Zeitraum von einem dreiviertel Jahr mit immer wieder neuen Teilstrecken sind selten geworden. Das gilt für alle mir bekannten Reedereien, für die großen wie Costa, Celebrity oder eben MeinSchiff (TUI) wie auch für die kleinen.

Das ist aber nicht so schlimm, denn auch so hat das Reisen per Schiff einen großen Vorteil. Man ist tagsüber an vielen Orten in verschiedenen Länder und kann diese durchaus individuell und intensiv erleben. Der oft lästige Transport findet nachts und sehr komfortabel statt. So ist ein Schiff letzten Ende ein mobiles Hotel, in dem man jeden Morgen an einem anderen Platz ist.

Die Problematik von Kreuzfahrten (und Fernurlaub im allgemeinen) ist mir sehr wohl bewusst. In der Regel führt nur ein Langstreckenflug zum Ziel – und das Schiff ist ein starker „Umweltsünder“. So zerstört eine Kreuzfahrt im Jahr alle meine Versuche, meinen Kohlendioxid-Fußabdruck mit der Umwelt verträglich zu gestalten. Da hilft auch der Fakt nur wenig, dass ich nicht mehr Auto fahre und in Deutschland nur noch mit dem Fahrrad oder öffentlich unterwegs bin.

Aber der Reihe nach:

Auf unserer zweiwöchigen Rundfahrt durch Mittelamerika „checken“ die Menschen in zwei Häfen ins Schiff ein und wieder aus. Dies sind La Romana oder Montego Bay, beides Orte mit Hafen und Flughafen in Jamaika.

In der Regel verlässt man das Schiff dort, wo man eingestiegen ist. Man fliegt also bei solchen „convenient“ Kreuzfahrten von dem Ort zurück, an dem man angekommen ist. Es braucht also keinen Gabelflug. Wir sind in La Romana in der Dominikanischen Republik (R.D.) an Schiff gegangen und dort auch wieder ausgestiegen. Wir hatten das Glück, dass wir so von München die kürzeste Flugstrecke in die Karibik hatten.

Wir wollten viel vom Land sehen und unsere Eindrücke nicht nur durch Fensterscheiben von Autos und Bussen sammeln, sondern viel mit „Land und Leute“ in Kontakt kommen. Das haben wir auch geschafft. So waren wir häufig zu Fuß und – leider – nur ein Mal auf dem Fahrrad unterwegs. Dreimal nutzten wir ein Auto (Taxi). An vier organisierten Ausflüge haben wir teil genommen und sind dazu öfters Bus gefahren und auf unterschiedlich großen Booten gewesen. Einmal war eine Seilbahn als Verkehrsmittel dabei.

So fing es an:

Am 9. Dezember sind wir am Flughafen von La Romana in der Dominikanischen Republik gegen 16:00 nach einem über zehnstündigen Direktflug gelandet. Vom Flugfeld ging es direkt in den Bus. Der Transfer hat zirka 10 Minuten für die wenigen Kilometer vom Flughafen zum Hafen gedauert. Das Gepäck wurde direkt aus dem Flieger vor die Kabine geliefert – eine logistisch wirklich optimale Anreise.

Der Check-In ins Schiff hat allerdings ziemlich lange gedauert. Das Schiff hat auf dieser Route nur zwei „Wechseltage“ (früher hätte man An- und Abreise-Tage gesagt) und da kommen dann so um die 1.000 neue Passagiere mit eigenen Charterflügen innerhalb eines kurzen Zeitraumes gleichzeitig an. Wir kamen so ziemlich als die Letzten an. So hat es ein wenig gedauert, bis wir an Bord kamen, obwohl auch der „Check in“ recht gut mit vielen Schaltern organisiert war. Aber wie schon berichtet, die gute Nachricht: Das Gepäck stand da schon vor der Kabinentür.

Die Reise beginnt!

Am 9. Dezember sind wir angekommen. Der 10. Dezember war ein Seetag auf dem Wege nach Jamaika. Das war schon mal gut zum Erholen vom Flug. Die Ankunft im Hafen von Ocho Rios war am Morgen des 11. Dezember.

11. Dezember – Ocho Rios – Jamaika – – ZU FUSS
Ankunft um 7:00 / Abfahrt 20:00

Es ist der erste Landtag auf unserer Reise und ich bin das erste Mal in Jamaika, dem Lande Bob Marleys!

Eine der Attraktionen von Ocho Rios sind die Dunn’s River Falls. Das sind „Wasserfälle“, auf denen sich das Wasser auf einem „plateau-artigen“ Gefälle nach unten bewegt. Da kann man unten vom Meer zirka 50 Höhenmeter durch die Fluten wieder nach oben klettern. Das sieht gewaltig aus – und auch viel gefährlicher als es ist. Das Süßwasser ist angenehm warm, so dass das Ganze ein schöner Spaß ist. Die seichten Stellen findet man leicht und kommt so auch gut ohne Führer zurecht.

Die Barbara in den Dunn’s River Waterfalls auf dem Wege nach oben!

Auf dem Schiff gibt es jeden Tag (auch auf Papier) ein „Tagesprogramm“ und außer an den Seetagen eine „Hafeninformation“. Die enthält nützliche Infos und eine Karte des Hafen. Auf der sehen wir, dass es von unserem Anlegepunkt  in Ocho Rios zu den Dunn’s River Falls wohl gar nicht so weit ist. Die Entfernung vom Schiff dorthin schätzen wir so auf 5 bis 10 km.

Also machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Es ist ein bisschen wolkig, das ist natürlich gut für unsere Dezember-Blässe. Immer wieder regnet es zwischendurch, der Regen ist aber warm und stört uns nicht. Er ist eher eine wohltuende Erfrischung. Ab und zu stellen wir uns unter und haben die ersten Kontakte mit den Menschen, die hier leben.

Für uns Touristen kostet der Eintritt zu den Dunn’s River Falls 20 USD pro Person. 🙂 Eine Ermäßigung für Rentner gibt es nicht. Viele  einheimische Familien mit zahlreichen Kindern stehen auch an den Kassen an. Die Vorfreude steht ihnen schon in den Gesichtern. Sie zahlen die Hälfte. Der vom Schiff organisierte Ausflug zu den Wasserfällen hätte um die 50 USD gekostet, dann aber ohne Spaziergang dafür mit Bus und Führer.

Am frühen Nachmittag sind wir wieder auf dem Schiff, es waren dann vielleicht zusammen gut 15 Kilometer. Ist schon mal nicht schlecht. Am Nachmittag geht es dann nochmal raus ins „Dorf“. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, es ist ja Sonntag, der 3. Advent. Mein Ziel ist, mir ein Bob Marley T-Shirt zu kaufen. Und in der Tat, wegen des Sonntags haben viele Geschäfte geschlossen, es gibt aber noch genug offene Läden.

Bob Marley wird hier wirklich verehrt. Er ist der Nationalheld Jamaikas. T-Shirts sind allgemein richtig billig, nur der Bob Marley kostet seinen Preis. Wir besuchen eine Reihe von Geschäften und finden ein offizielles T-Shirt, das mir sehr gut gefällt. Allerdings kostet es je nach Geschäft zwischen 36 und 20 USD. Im Gegensatz dazu gibt es die „normalen“ T-Shirts für 5 und (deutlich) weniger US-Dollar. Die Verkäufer wehren sich, das Bob Marley Shirt unter magische 18 USD zu verkaufen. Mir scheint, dass ein billigerer Verkauf des Nationalhelden ein Sakrileg wäre.

Im Dunklen legen wir ab und weiter geht es entlang der Küste von Jamaika nach Montego Bay (Mo Bay). Und in meiner „Suite“ ist ein schönes rotes Original-T-Shirt von Bob Marley. Das ziehe ich dann an Silvester daheim an.

12. Dezember – Montego Bay – Jamaika – – ZU FUSS, Taxi
Ankunft um 7:00 / Abfahrt 22:00; privat unterwegs

So sehen die Weihnachtsbäume in Jamaika aus. Dieser hier wird gerade im Zentrum von Montega Bay aufgestellt.

In Montego Bay war übrigens der zweite Wechseltag dieser Route. Das bedeutet, dass ungefähr 1.000 Menschen  das Schiff  verlassen und 1.000 neue kommen werden … Davon bekommen wir aber nichts mit. Denn wir wollen ja wieder aufs Land.

Die Karte in der „Hafeninformation“ zeigt uns, dass der Weg ins Zentrum so um die 7 km sein dürfte. Zu Fuß erscheint die Entfernung also durchaus machbar.

Also starteten wir, zuerst den Southern Cros Blvd, dann nach links den Howard Cooke Hwy. Diesmal gibt es wenig Wolken und Schatten, trotzdem sind wir nach gut einer Stunde am Montega Bay Market.

Wir amüsieren uns in Mo Bay ziemlich lange. Der Rückweg erscheint uns ein wenig länger und wir denken auf halber Strecke daran, für den Rest vielleicht doch ein Taxi zu nehmen. Da fragt uns ein Taxifahrer, der am Straßenrand steht, ob er uns zum Schiff bringen darf. Umsonst, weil er dann in den Taxibereich des Hafens darf. Dort gibt es nämlich wirklich gute Preise zu erzielen. Wir werden noch lernen, dass die Taxis vom Schiff im Hafen zu den diversen Zielen immer ein Mehrfaches von dem kosten, was üblich ist. Wir sind doch ein wenig ermattet und nehmen das verlockende Angebot an.

Am späten Abend geht es dann weiter in Richtung Mexiko. Zwischen Mo Bay und Cozumel liegt allerdings noch der zweite Seetag am 13. Dezember.

14. Dezember – San Miguel/Cozumel – Mexiko – – AUF DEM FAHRRAD
Ankunft um 6:30 / Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Cozumel ist eine der östlichen Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatán vorgelagerte Insel. Ziemlich früh verlassen wir das Schiff und strolchen erst mal in Richtung Innenstadt des kleinen Orts San Miguel. Der Weg sieht auf der Hafeninformation deutlich kürzer aus als es der nach Montega Bay war (und ist es auch). Trotzdem erzählen uns gefühlt um die 100 Taxifahrer, dass der Weg zu Fuß viel zu weit wäre.

Bis in die Innenstadt kommen wir allerdings nicht, weil wir  auf der rechten Seite stadteinwärts neben einem Motorradverleih (ausschließlich mit der Marke Harley-Davidson) einen Fahrradverleih entdecken. Der schließt zwar um 16:00 (es wird dann ja bald dunkel), aber da es früher Vormittag ist bleibt uns noch genug Zeit.

Im Angebot sind ganz einfache Räder zu 10 USD – nur mit Rücktrittbremse, ohne Schaltung und ohne ergänzende Handbremse. Für 15 USD gibt es dann so eine Art Trekking-Rad, mit Schaltung und Freilauf. Dann stehen noch ein paar elektrisch unterstützte „Fatboys“ herum, die man für 20 USD haben kann. Die Preise gelten jeweils für ein Rad und einen Tag.

Die elektrischen Fatboys auszuprobieren, das würde mir gefallen. Die Vermieter warnen uns jedoch, dass deren Akkus gerade geladen werden und noch lange nicht voll wären. Da ich mich nur mit Rücktritt ein wenig „ungewohnt“ fühle, nehmen wir zwei „Trecking-Räder“ für zusammen 30 USD.

Eine schöne lange Radfahrt führt uns an die Nordstrände der Insel Cozumel vor Mexiko.

Die Räder sind gut geölt, die Reifen fest aufgepumpt. Bei meinem Rad hat das Tretlager einen Schaden und knackst, trotzdem ist der Spaß am Radeln groß.

Zuerst fahren wir weiter hinein nach San Miguel. Dort gucken wir uns ein paar Geschäfte an.  Auch hier gibt es viele Schmuckgeschäfte, spezialisiert auf Diamanten. Die werden uns die ganze Reise verfolgen.

Dann geht es am Fahrrad-Geschäft vorbei zurück nach Norden, wieder am Schiff vorbei eine Straße entlang der Ostküste nach Norden. Wie Perlen, aber in angemessenen Abstand von ein paar 100 Metern bis zu auch mal ein bis zwei Kilometer, fahren wir an nobel und teuer anmutenden Hotelanlagen vorbei. Es geht ziemlich weit am Meer entlang und macht richtig Spaß – dann kommen Hunger und Durst auf. Wir kehren um, fahren wieder am Schiff vorbei zum Fahrradverleih, geben die Räder zurück und gehen den guten Kilometer zurück zum Schiff. Es war ein toller Tag. Am Abend geht es weiter nach Belize.

Fast vergessen:
🙂 In Cozumel, kurz nach dem Radverleih, besuchen wir eine kleine Bar in einer Nebenstraße  und haben dort „freies WLAN“. Gegen zwei Kaffee und eine Flasche Wasser zu drei mal drei USD durften wir inx Netz und konnten so unsere E-Mails lesen und schreiben, Chats beantworten, SZ runter laden und erledigen, was halt sonst noch so ansteht.

15. Dezember – Belize City – Belize – – BUS, BOOT, ZU FUSS
Ankunft um 9:00 / Abfahrt 20:00; organisierter Ausflug

Belize City hat wohl keinen Hafen, der für so große Schiffe wie die MeinSchiff 4 anfahrbar ist. Es ist auf dieser einzige Landbesuch, bei dem das Schiff nicht in einem Hafen anlegt sondern das Schiff ziemlich weit draußen ankert. Es muss also „tendern“. Normalerweise werden dazu  die eigenen Rettungsboote zu Wasser gelassen und pendeln dann zwischen Schiff und Festland hin und her. In Belize gibt es einen eigenen Tenderdienst, der diese Aufgabe übernimmt. Dawir uns einen organisierten Ausflug geleistet haben, der früh weggeht, dürfen wir schon mit dem zweiten „Tender“ ans Festland.

Unser Ausflug scheint sehr beliebt zu sein, es werden zwei Busse gebraucht. Alle wollen das Erbe der Mayas sehen. Wir sind zu früh, die Busse sind noch nicht da. So warten wir in im Hafengebäude. Ich fühle mich so ein wenig wie früher in der Grundschule – in Zweierreihen stehen uns warten. Dann kommt unser Bus und wir werden nach Tower Hill gebracht. Hier gibt es auch endlich mal „lokales Futter“ – Hühnchen mit eingelegten Zwiebeln an einem leckeren Gemüse. Dazu die übliche „Hochzeit“ – sprich Reis mit schwarzen Bohnen. Die „Hochzeit“ kenne ich von unserer Radtour in Cuba vor zwei Jahren, da ich keinen Reis mag verzichte ich darauf. Aber der Rest ist wirklich gut – einfach aber lecker.

Gesättigt steigen wir in kleine aber sehr schnelle Boote um, die uns nach Laimanai bringen sollen. Wir steigen als Letzte ein und sitzen so ganz hinten. Die Boote rasen in einem Affenzahn nach Laimanai, wir sehen nur links und rechts die Wasserfontänen. Auf der Rückfahrt werden wir das besser machen.

Endlich bei den Maya-Tempeln in Lamanai.

So wird es dann. Auf der Rückseite sitzen wir ganz vorne. Und haben eine wunderbare Sicht. Das Boot kommt uns auch nicht mehr ganz so irre schnell vor.

Die Maya-Stadt Laimanai war wirklich sehr beeindruckend. Aber auf der Rückfahrt kommt es zu kleinen Problemen. Zuerst muss unser Kapitän einem liegen gebliebenen Boot helfen. Und dann kommt der Bus in einen Megastau.

So wird es 19:30 Uhr, Ende des Landganges. Für einen Bummel durch Belize City ist keine Zeit mehr. Wir können nur das berichten, was wir vom Bus so gesehen haben. Belize hat auf uns sehr britisch gewirkt, nicht nur wegen des Linksverkehrs, den wir von Jamaika her ja schon gut kennen.

Kaum sind wir auf dem Schiff, dann legt es auch schon ab. Zwar nicht ganz so pünktlich wie sonst, sondern ein wenig nach 20:00 ab. Es musste noch auf eine ein wenig verspätet andere Ausflugs-Gruppe warten. Auf geht es nach Honduras.

16. Dezember – Roatán – Honduras – – ZU FUSS, Taxi
Ankunft um 9:00 / Abfahrt 20:00; privat unterwegs

Der Blick vom Schiff – in Richtung West Bays, da wo wir hin wollen.

Roatán ist eine Insel und liegt eine halbe Schiffstunde vor dem Festland Honduras. Wir wollen heute zu den „Westbays“. Weil da der Strand so schön sein soll. Und wenn möglich, mal wieder radeln.

Wir gehen also zuerst mal in die kleine Stadt östlich vom Hafen und fragen dann Einheimische, wo man Räder mieten könnte. Die Antwort: Hier nirgendwo, aber es könnte sein, dass es auf der Nord-Seite der Insel, also hinter den Bergen auf der anderen Seite, einen Fahrradverleih gäbe. Da könnten wir mit dem Taxi hinfahren.

Das ist aber nicht der Sinn der Sache. Dann versuchen wir raus zu bekommen, wie weit es bis zu den „Westbays“ ist. Wir kriegen unterschiedliche Angaben und einigen uns auf die Zahl sieben. Allerdings in Meilen. Also gehen wir dann mal los. Und entdecken vorher noch im Ort einen besonderen Platz. Es ist eine kleine Parkanlage mit Bänken, die wohl den Freunden Honduras aus Taiwan gewidmet ist. Hier gibt es recht gutes öffentliches WLAN. Das zweite Mal auf der Reise sind wir im Netz und laden alles runter, was wir brauchen.

Dann marschieren wir los. Zurück zum Schiff, am Schiff vorbei in Richtung der „Westbays“. Es regnet immer wieder. Zuerst stellen wir uns bei Schauern unter die Palmen am Straßenrand. Da das nicht viel nutzt , laufen wir schließlich auch bei Regen weiter. Der Regen ist ja schön warm.

Immer wieder halten Taxis an und bieten uns unsere Dienste an. Und warnen uns, dass der Weg zu den „Westbays“ ganz schön weit und sehr beschwerlich wäre. Dann haben wir die Hälfte geschafft. Wir machen Pause und gehen in eine Bar. Und trinken ein paar Fläschen Salva Vida, eines der lokalen Biere von Honduras. Und genießen auf einem Steg die mittelamerikanische Sonne. If paradise is half as nice …

Bisher ging die Straße schön flach die Südküste entlang. Es war ein schöner Weg. Jetzt müssen wir ins Land abbiegen. Wir überlegen uns, ob wir umkehren sollen. Oder bis ans Ziel gehen und uns von einem Taxi heimbringen lassen.

Es regnet wieder. Ziemlich heftig. Bisher sind wir immer wieder „getrocknet“, bis der nächste Regenschauer kam. Das funktioniert nicht mehr. Der Regen hat endgültig die Kleider komplett durchnässt, der Weg führt jetzt in die Berge. Der Blick wird immer schöner – der Weg immer steiler. Zuerst geht es nur hoch, dann plötzlich immer auf und ab. Ganz oft. Und wenn wir nach einem kräftigen Abstieg denken, jetzt geht es endlich wieder runter ans Meer, kommt die nächste Steigung.

Unterwegs kommen wir an einer Reihe von Touristik-Attraktionen vorbei. Mehrere „Flying Dogs“, „Cool Runnings“, ein Monkey-Park und ähnliches sollen den Wanderer locken. Allerdings sieht alles geschlossen aus – vielleicht auch wegen des Regen.

Wir schaffen es und kommen an den schönen Stränden der Westbays an. Die sind sicher sehr schön, aber voller Liegestühle. Im Wasser davor liegt ein Boot neben den anderen. Ein wenig ernüchternd. Aber was soll es, wir haben es geschafft und unser Ziel erreicht.

Es war ein anstrengender Spaziergang. Wir sind jetzt wirklich durch und durch nass. Und finden ein Taxi. Es bringt uns für 10 USD heim zum großen Schiff. Im Taxi frieren wir. Also: Klimaanlage aus, Fenster auf und schon geht es wieder. Was für ein toller Tag!

Durch und durch nass, ein wenig erschöpft aber sehr glücklich, angekommen am Strand der West Bays in Roatán in Honduras.

Soweit mal die erste Woche! Im nächsten Post berichte ich dann die zweite Woche vom 17. bis zum 23. Dezember dran. Die dann mit einem Seetag beginnt.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 7. Dezember 2016

Abgesagt: #AktMobCmp findet in 2017 nicht statt!

actmobcmp_100-300x86#AktMobCmp 2017 – geplant für den 5. und 6. Januar 2017 in Unterhaching – wird abgesagt. Die Gründe dafür sind:

In 2016 hatten wir knapp 30 Teilnehmer. Obwohl das ein bisschen wenig für ein ordentliches Barcamp ist, war das letzte #AktMobCmp eine gelungene Veranstaltung. Für 2017 haben wir auf an die 50 Teilnehmer gehofft.

Der Grund für die Absage ist einfach: Bisher haben wir so wenig Anmeldungen, dass wir von deutlich weniger Teilnehmern ausgehen müssen als es beim letzten waren. Und ein zweitägiges Barcamp mit wenig Besuchern rechtfertigt den nicht unbedeutenden Aufwand nicht.

Die Absage für 2017 soll aber nicht heißen, dass ich und wir resignieren oder aufgeben. Gerne würde ich es für 2018 wieder versuchen. Die Notwendigkeit, dass Menschen, die für eine bessere Mobilität eintreten, sich über die Institutionen, Vereine und Interessengruppen hinweg vernetzen, ist nach wie vor gegeben. Und es gibt so viele spannende Themen rund um „zukünftige Mobilität“.

In 2017 Themen wollen wir solche Themen gemeinsam mit „Aktiver Mobilität im Alltag“ allgemein in Abendveranstaltungen behandeln. Dazu gibt es schon gute Ideen, die wir mit Partnern realisieren wollen.

Auf viele gute AktMob-Veranstaltungen in 2017

Auf viele gute AktMob-Veranstaltungen in 2017

Zu den Veranstaltungen werden wir zentral in „MeetUp“ einladen und sie über weitere Kanäle kommunizieren. Vielleicht finden wir so genug Teilnehmer für einen zweiten Anlauf des AktMobCmp in 2017, es könnte ja sein, dass die mangelnde Teilnehmerzahl am Termin liegt (Urlaub und Feiertag).

Bei all den Menschen, die gerne zum AktMobCmp 2017 in Unterhaching gekommen wären, möchte ich mich für die Absage entschuldigen und sie bitten, gerade deswegen die Abendveranstaltungen in 2017 zu unterstützen.

RMD

DSC_1659oder:
Wie sich der Herr mit Chauffeur das selbstfahrende Auto vorstellt.

ADFC – das ist der Lobby-Club für uns Radler. Viele Radfahrer empfinden diesen Club als ein wenig altbacken und sehen ihn als Gegenentwurf zum ADAC. Deshalb machen sie lieber bei freien Graswurzelbewegungen wie „Critical Mass“ und ähnlichen mit. Trotzdem bin ich gerne Mitglied des ADFC und unterstütze den Verein in seiner Lobbyarbeit wenn irgendwie möglich. Und empfehle die Mitgliedschaft auch sehr.

Der ADFC macht auch sehr gute Veranstaltungen. Eine davon ist das Mittagsgespräch in München. Da habe ich schon viele interessante Beiträge erlebt von Menschen wie Herrn Ude (als Bürgermeister), Herrn Ramsauer (als Bundesverkehrsminister), Toni Hofreiter (als Experte der Grünen für Mobilität) aber auch von in der Öffentlichkeit weniger bekannten Menschen wie z.B. dem Vorstand der DB-Regio. Dies immer mit interessanten und wichtigen Diskussionen.

Gestern war wieder ADFC-Mittagsgespräch in München. Als Redner war Peter Driessen geladen, der Haupt-Geschäftsführer der IHK München und Oberbayern. Für Leute, die diese Abkürzung nicht kennen: IHK steht für Industrie- und Handelskammer. Das ist eine Organisation, in der man als Unternehmen zwangsweise Mitglied sein muss und genauso zwangsweise „Kohle“ abdrücken muss.

Als Unternehmer weiß man nicht für was – bekommt dafür aber alle paar Wochen eine inhaltlich schwaches und uninteressantes Hochglanz-Magazin, das in der Regel sofort beim Altpapier landet. Die IHK ist in der Öffentlichkeit auch bekannt, da ihre „IHKs vor Ort“ oft ziemlich viele Geschäftsführende haben (in Chemnitz und Dresden z.B. 10, in Erfurt gar 11, in Hannover, Koblenz , Saarbrücken und Würzburg sogar 16), die meistens ganz ordentliche Gehälter beziehen, weil sie ja für so viele Unternehmen verantwortlich (?) sind (Zahlen siehe Offizielle Liste der IHK zur Einkünfte der GF-Teams ohne weitere Vorteile wie Geschäftsauto mit Fahrer etc.).

Und Peter D. hat uns an einem (wie er sagte unfreiwillig) selbst erlebten Beispiel die zukünftige Integration der verschiedenen Verkehrssysteme erklärt und dabei auch seine Vision zum „Fahrerlosen Auto“ preis gegeben:

„Auf der Donnersberger Brücke sei er mit seinem Chauffeur auf dem Wege zu einem Vortrag im Stau gestanden. Und da es keine Chance mehr gab, mit dem PKW pünktlich am Ziel zu sein, hat er fluchs das Auto verlassen und ist mit der S-Bahn weiter gefahren. Und wäre so auch pünktlich angekommen. Was ja ohne Chauffeur gar nicht gegangen wäre, denn er hätte das Auto ja nicht einfach auf der Donnersberger Brücke stehen lassen können“.

Dieses Beispiel hat er dann mit seiner Vision zum selbst fahrenden Auto ergänzt:

„So könne man doch in solchen Situationen mit dem Öffentlichen Nahverkehr ans Ziel fahren und das fahrerlose Auto würde im Stau hinterherzuckeln und dann seinen Eigentümer wieder abholen.“

Das klang ziemlich ernst. Vielleicht war es auch lustig gemeint. Nur ist so ein Bild von mobiler Zukunft alles anders als lustig. Besonders wenn es von einem wichtigen Repräsentanten eines Wirtschaftsverbandes kommt, der zumindest sich selbst für unheimlich wichtig hält.

RMD

actmobcmp_100-300x86Am 4./5. Januar 2016 haben wir das erste „Barcamp für aktive Mobilität im Alltag“ in Unterhaching organisiert. Wir wollten einen Beitrag zum Thema leisten, wie Mobilität in einer lebenswerten Zukunft wohl aussehen könnte und/oder sollte. Auch um dem gesellschaftlichen Konsens ein wenig näher zu kommen, wie es denn mit dem Verkehr weiter gehen soll. Als Voraussetzung für eine Verbesserung der heutigen Situation. Weil es doch so wie es heute läuft aus verschiedenen Gründen einfach nicht mehr weitergehen kann.

So haben sich damals in Unterhaching gut 30 Menschen zum von Dr. Eberhard Huber exzellent moderierten Barcamp getroffen – und alle sind zufrieden und beeindruckt vom Erarbeiteten am Nachmittag des zweiten Tages wieder heim gefahren. Hier das Video von Friedrich Lehn zur Veranstaltung am Jahresbeginn 2016.

Die Veranstalter kommen ein aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wir waren und sind ein Team von Menschen, die sich schon länger kritische und konstruktive Gedanken über die Zukunft von Mobilität machen. Wir gehen davon aus, dass die heutige Form von Mobilität in „smart Cities“ wie in der kommenden „digitalen Gesellschaft“ keine Zukunft haben wird und kann. Wir möchten, dass die Fortbewegung mit Muskelkraft nicht mehr als Restverkehr verunglimpft wird und stellen uns Fragen, wie man es schaffen kann, dass diese Form von Mobilität – gerne verknüpft mit dem öffentlichen Verkehr – eine gleichberechtigte und bessere Alternative zum individuellen Verkehr wird.

So möchten wir möglichst viele Menschen vernetzen, die aktive Mobilität im Alltag voranbringen, sich austauschen und gegenseitig Erfahrungen berichten, gemeinsam neue Ideen entwickeln und diesen Gehör in der Öffentlichkeit wie in der Politik verschaffen wollen.

Da alle Beteiligten des ersten AktMobCmp Anfang 2016 sich einig waren, dass die Veranstaltung fortgesetzt werden muss, sind wir an einem sonnigen 21. Mai 2016 im Zeughaus zu Augsburg in die zweite Runde gestartet, organisiert von Günter Schütz. Jetzt geht es am 5./6. Januar 2017 in die Runde Nummer 3  – diesmal wieder im KUBIZ in Unterhaching. Es werden auch wieder zwei Tage sein – am Donnerstag und Freitag (Dreikönig). Wir beabsichtigen wieder, eine schöne Abendveranstaltung am Donnerstag Abend zu organisieren.

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Das erste AktMobCmp im Bild. Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

Wie im letzten Jahr bieten wir 3 Ticketpreise an:

  • 25 € für Auszubildende, Studierende bzw. SchülerInnen,
  • 50 € für alle anderen und
  • 75 € für diejenigen, die uns eine Spende zukommen lassen und so die Organisation erleichtern möchten.

Wenn Sie sich anmelden möchten können Sie uns einfach eine Mail an anmeldung@actmobcmp.org schreiben. Wir melden uns dann umgehend zurück. Alternativ können Sie auf der AktMobCmp-Seite das dortige Anmeldeformular ausfüllen. Auch in diesem Fall werden Ihre Daten per Mail an uns übermittelt und in keinen weiteren Systemen gespeichert.

Wir suchen jetzt wieder Mitstreiter, Partner und Sponsoren. Denn die Pläne sich groß: Vielleicht schaffen wir eine Ausstellung von modernen Mobilitäts-Produkten. Auf jeden Fall wollen wir noch mehr Teilnehmer als beim ersten Mal erreichen.

So findet man uns bei meetup , auf Twitter mit Tag #AktMobCmp und auf FaceBook. Und wer Fragen hat oder gerne mitmachen möchte, wende sich einfach an mich. Danke!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 8. Oktober 2016

Wie das Auto zum Outo wird, mit oder ohne Strom :-)

Gerade lese ich in Facebook, wie toll es wäre, wenn es nur noch E-Autos geben würde. Dass das heute schon möglich wäre und „die Regierung“ neue Fahrzeuge mit Benzin- oder gar Dieselmotoren bis 2030 verbieten will. Und höre dann eigenartige Argumente für die mobile elektrische Zukunft. Das verwirrt mich und mir fallen dazu nur ein paar „schnelle“ Gedanken ein:

  • E-Autos sind vor allem Kohle-Autos – so lange weltweit der meiste Strom mit Kohle produziert wird …
  • Den individuell-mobilen Wahnsinn mit motorisierten Monstern und Sportgeräten auf zu betoniertem Lebensraum beenden sie auch nicht – siehe Tesla …
  • Das Parkproblem ist auch nur eines von vielen auch mit E-Autos ungelösten Problemen – wie Rohstoffverbrauch, reduzierte Bewegung, Konflikt mit Megacities, gefühlte Omnipotenz einer rücksichtslosen Minderheit, Symbol unsere XXL / X-Large – Lebenstyles …
  • Das selbst fahrende Auto macht in manchen Anwendungen Sinn – und ist ja eh nur als E-Fahrzeug vorstellbar …
  • Es wird aber ganz anderes sein – als das was heute über die Autobahnen rast …
  • Wenn ich davon ausgehe, dass so ein großer SUV als Roboter-Auto fahrerlos durch die Gegend fährt – dann fühle ich mich auch nicht viel anderes als wenn so ein Kampfroboter von Boston Dynamics (wie der Atlas) meinen Weg kreuzt …
  • Wenn das selbst fahrende Auto kommt – dann wird man sich keine Status- und Stärke-Symbole in die Garage oder vor die Haustüre stellen – sondern so was bestellen wenn man es braucht und sich davon irgendwohin bringen lassen …
  • Ich fahre gar nicht mehr Auto – und bin so mobil wie noch nie auch …
  • dank modernen Mobilitätswerkzeugen – wie Anhänger, Faltrad und ähnlichen und  …
  • fühle mich sau-wohl – wie  in meinem ganzen Leben noch nie und …
  • weiß gar nicht mehr – für was man ein Auto braucht …

🙂 Eigentlich sollte man Auto in neuer Orthographie nur noch als Outo schreiben – weil es out ist!

Nein – ich werde auch kein E-Auto mehr fahren …

RMD

P.S.
Noch ein paar elektrische Monster …