Klaus Hnilica
Donnerstag, der 1. Juni 2017

Eine unerhörte Bilanz!

Also das hatte er sich damals geschworen: wenn er, ‚Colonel’ Vatter – mit zwei „t“ – Siebzig würde und noch bei klarem Verstand wäre – dann würde er vor der gesamten Großfamilie Vatter – insbesondere seiner Frau Cornelia, Conny seiner Tochter und  seinem Sohn Corni, eine ‚Lebensbilanz’ erstellen! Und da er nicht umsonst von frühester Kindheit an mit dem Nicknamen ‚Colonel’ bedacht worden war, stand damit die ‚gnadenlose Bilanzierung seines Lebens’ unverrückbar fest.

Das heißt so eine ‚Art Bilanzierung’ stand fest! Wie bei der doppelten Buchführung!

Nämlich ein nüchternes Nebeneinander der ‚Aktiva’ und ‚Passiva’ mit anschließender ‚Saldierung’ wie auf einer Waage – stand fest!

Schonungslos und selbstkritisch wollte er unter den ‚Aktiva’ alles benennen, was ihm im Laufe seines großartigen Lebens gelungen war und wie er sämtliche Loser hinter sich gelassen hatte. Und bei den ‚Passiva’ natürlich all das, was den anderen misslungen war! Akribisch und vorurteilslos wollte er deren Misserfolge auflisten, wie sich das nach guter, alter Buchhaltermanier gehörte!

Nach seiner Meinung sollte nämlich jeder aufrechte Mann gegen Ende seines Lebens neutral und uneitel so eine Bilanz ziehen! Eine Bilanz bei der glasklar fokussiert und bewertet wird wo Erfolge vorliegen und wo andere versagt haben.

Selbst die eigene Familie durfte bei einer derartigen Bilanzierung nicht geschont werden, wenn sie denn mit einbezogen werden sollte.

Aber dann musste auch alles auf den Tisch! Und wenn’s nur der Esstisch war – weil der die größte Tafelfläche hatte. Für seine geliebte Cornelia natürlich ein Alptraum: denn dieser Esstisch quoll über vor steinharten Frühstückseiern, zähen Rinderbraten, verkokelten Schnitzeln, halbgaren Hühnerschenkeln, breiigen Bohnen, ausgehärtetem Milchreis und vielen, vielen anderen ‚Köstlichkeiten’ aus ihrer Küche!

Aber nach einem kurzen hysterischen Schreianfall hätte sie sich bestimmt eingekriegt und eingesehen, dass so eine Bilanzierung nur Sinn machte, wenn mit größtmöglicher Ehrlichkeit an sie herangegangen wurde.

Und wäre auf diesem ‚Esstisch der Lebensleistungen’ dann wirklich kein Plätzchen mehr frei gewesen, da etwa auch Conny und Corni ihre ‚Versagenspakete’ verstohlen hinzugefügt hätten, dann wäre er, der ‚Colonel’, natürlich bereit gewesen seine ‚Palette der Erfolge’ auch unter den Tisch zu platzieren. Schließlich war da jede Menge Platz und Conny und Corni hätten sehr anschaulich lernen können, wie die deutsche Spruchweisheit ‚Bescheidenheit ist eine Zier’ nicht nur plakativ vorgezeigt, sondern auch gelebt werden kann! Und hätten damit ganz praktisch erfahren, was die Kanzlerin unlängst gemeint hatte, als sie sagte, dass nur unsere ‚Werte uns einen Begriff von Heimat gäben’…

Ursprünglich dachte er ja, dass so eine ‚Lebensbilanz’ durchaus auch als eine Art ‚Zwischenbericht’, auf speziell Lebensabschnitte fokussiert werden konnte und sich beispielsweise in geeignetem Rahmen schon zu seinem Fünfzigsten Geburtstag gut machen würde – insbesondere bei seiner beispiellosen Karriere!

Doch leider drehte dann wenige Tage vorher seine geliebte Cornelia von einem Tag auf den anderen durch und wollte sich urplötzlich scheiden lassen. Nur weil sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machte, der dieses Mal Marianne hieß! Dabei hatte Cornelia selbst diese Marianne in die Familie eingeführt. Gegen den Willen des ‚Colonels’!

Mein Gott wie himmelte sie die viel jüngere Marianne an! Ein Herz und eine Seele waren die beiden! Und jede Shoppingtour mit ihr, war wie ein Blick ins Paradies gefeiert worden. Cornelia konnte und wollte einfach nicht sehen, dass dieses goldige Mariannchen nur Unfrieden in die harmonische Familie Vatter trug.

Ja er, der ‚Colonel’, musste damals tatsächlich selbst Hand an diese Marianne legen und ihr eine Schranke nach der anderen aufzeigen, die sie nicht zu übertreten hatte – die sie aber immer wieder von neuem aufgezeigt bekommen wollte. Schlimm war das gewesen – an manchen Tagen hatte sie – kaum zu glauben –  bis zu drei Schranken übersteigen wollen!

Letztlich war der ‚Colonel’ heilfroh gewesen als Cornelia endlich eingesehen hatte, dass diese Marianne weg musste. Und zwar unverzüglich! Dass sich Cornelia dann aber in einer Art somnambulen Schockzustand auch gleich scheiden lassen wollte, war übertrieben und bedurfte dringend ärztlicher Behandlung. Natürlich ließ der ‚Colonel’ seiner geliebten Cornelia gegenüber alle nur denkbare Rücksicht walten und verzichtete ihretwegen auch ohne jedes weitere Wort auf den vorhin schon erwähnten ersten ‚Lebensbilanzzwischenbericht’ anlässlich seines Fünfzigsten Geburtstages: schließlich wäre ja in der geplanten Bilanzierung sehr unschön unter den ‚Passiva’ Cornelias Scheidungswunsch gestanden, während er unter die ‚Aktiva’ sein damaliges Aufrücken in den Konzernvorstand platzieren hätte müssen, wenn das Ganze Sinn machen und nicht nur eine plumpe Umdeutung der Wirklichkeit sein sollte.

Aber das wollte er natürlich Cornelia nicht antun! Die war verzweifelt genug!

Auch die Kinder waren dagegen gewesen. Die hatten ja auch kaum etwas vorzuweisen, was unter ‚Aktiva’ verbucht werden hätte können, so dass doch nur wieder er einsam und verlassen dort aufgekreuzt wäre…

Nein – das war schon gut gewesen, dass er damals zum Wohle aller auf diese erste ‚partielle Lebensbilanz’ verzichtet hatte – ein ‚Colonel’ konnte das unschwer verkraften!

Anlässlich des Sechzigsten Geburtstages hätte sich nach der damaligen Logik erneut eine ‚Bilanzzwischenberichtschance’ aufgetan! Er war auch bereit dazu gewesen und hatte Unmengen an Material zusammengetragen und aufgelistet. Aber dann kam dieser unsägliche Datendiebstahl in Mode, bei dem illegal erworbene Informationen über diverse Schweizer Konten den deutschen Finanzbehörden zum Kauf angeboten worden waren. Seit ewigen Zeiten war aus der ganzen Welt auf diesen Konten Schwarzgeld geparkt worden. Und siehe da, urplötzlich war jeder der ein, zwei Milliönchen mehr besaß ein Steuerhinterzieher – und weiß Gott was noch alles!

Klar, dass der ‚Colonel’ da seinen Kindern Conny und Corni ein leuchtendes Beispiel geben und den beiden mit einer der ersten Selbstanzeigen in Deutschland demonstrieren wollte, dass man keine Steuern hinterzog! Und dass man bei einer weißen Weste auch keinerlei Angst vor rechtstaatlichen Maßnahmen haben musste, die sich da plötzlich allerorts in Bewegung zu setzten begannen.

Als sich dann aber überraschend eine Woche vor seinem Geburtstag die Steuerfahnder zu eine Art ‚Vorfeier’ selbst einluden, meinte seine geliebte Cornelia, dass dieses eine Mal eher eine Feier im engsten Familienkreis angemessen wäre. Da ihre Nerven ohnehin stark angegriffen waren, stimmte der ‚Colonel’ natürlich sofort zu und verzichtete bei seinen wenigen Dankesworten auf jede Andeutung einer ‚Lebensbilanzierung’, da er ja bei seinem rigorosen Hang zu Ehrlichkeit und ungeschminkter Wahrheit doch nur wieder Unschönes aus seinem Umfeld hoch gewirbelt hätte. Von den immensen Schwierigkeiten, die sich durch die sehr angegriffene Gesundheit seiner hoch betagten Mutter und seinem noch älteren Vater  ergeben hatten, wollte er gar nicht reden. Beide hatten das anschließende Debakel der Europäischen Finanzwelt nicht lange mehr überlebt – dazu hatten sie viel zu viel Geld verloren…

Zu seinem Siebzigsten Geburtstag aber –  sollte es nun endlich mit der ‚Lebensbilanzierung’ klappen!

Zu mindest einer verknappten Version!

Alles Störende war ja nun weitgehend ausgeschaltet oder hatte sich selbst erledigt: wie etwa Cornelia, die sich vor fünf Jahren von ihrem ‚Colonel’ getrennt hatte und mit einem Musiker in Belgien lebte. Conny ging es angeblich in USA gut mit ihrer Familie, und Corni war in England Direktor eines bedeutenden Bankhauses.

Das Problem war allerdings jetzt, dass zwar niemand mehr störte, aber auch niemand mehr da war, dem er seine grandiosen Erfolge erzählen hätte können, außer den beiden versoffenen Neffen und der schielenden Cousine, mit der er seit dreißig Jahren kein Wort mehr gesprochen hatte! Und Marianne natürlich, mit der er seit sechs Jahren zusammenlebte, da sie nie aufgegeben hatte, alle ihr im Weg stehenden Schranken auch weiterhin zu durchbrechen!

Doch Marianne war zwar eine wundervoll, attraktive Frau, hatte aber keinerlei Verständnis für seine fast schon ‚krankhaft chronische Selbstbeweihräucherung’, wie sie sagte: im Gegenteil sie wollte selbst bewundert werden! Und all der Kram aus der Vergangenheit konnte ihr wirklich gestohlen bleiben!

Aber wenn er – der ‚Colonel’ – schon das Bedürfnis nach einer Bilanzierung seines Lebens verspürte, dann sollte er doch diese großartige Lebensleistung selbst zu Papier bringen! Quasi als Vermächtnis an die gesamte Familie Vatter. Und Zeit hätte er doch jetzt auch, oder?

Mit diesen Worten drückte sie ihrem ‚Colonel’ begleitet von einem hinreißenden Lächeln ein nagelneues, absperrbares, ledergebundenes Notizbuch in seine von Altersflecken übersäten Hände, sowie einen flüchtigen Kuss auf die ausgetrockneten Falten seiner bereits bis zum Nacken reichenden Stirn.

Doch wenn ihm das alles zu mühselig sein sollte, säuselte Mariannchen, könnte er ja auch direkt an Inge, der Putze, die ihn wie immer bestens umsorgen werde, seine Lebensbilanz herantragen: da sie ihr Hörgerät ohnehin meist ausgestellt hatte, könnte er ihr ja tagtäglich aus seinem großartigen Leben berichten – und  dabei in einem Aufwasch auch alle kleinen, großen und noch größeren Schweinereien haarklein in seine Lebensbilanz mit aufnehmen! Da sei doch eine prima Beschäftigung für einen Mann in den besten Jahren! Und freudestrahlend teilte sie ihm – ohne Atem zu holen – mit, dass sie nun aber husch, husch zu ihrem Flugzeug müsste, da sie mit ihrem gemeinsamen Töchterchen Carola zum Golfen in die Algarve flöge! Dabei fächelte sie ihrem ‚Colonel’ atemlos selbst noch von der bereits offen stehenden Tür eine ganze Salve warmherzigster Küsschen zu…

KH

Roland Dürre
Montag, der 23. Januar 2017

Inflation im Nahverkehr

Der letzten Preis-Erhöhung der deutschen Bahn zum Fahrplan-Wechsel Sommer/Winter habe ich keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Als Notiz hatte ich in den Ohren, dass „die Deutsche Bahn die Preise im Fernverkehr um durchschnittlich 1,3 Prozent“ erhöht. So stand es ja auch in der SZ.

Der Shuttle nach München heute bei der Einfahrt in Nürnberg.

Aber denkste!

Am Samstag wollte ich mit drei Mitreisenden nach Augsburg fahren. Also flugs im Netz ein Bayern-Ticket geordert. Und schon reibe ich mir die Augen: Das kostet jetzt 25 €. Das waren doch vor gar nicht langer Zeit noch 23 €. Das sind satte 2 € mehr, also eine Preissteigerung so um die 9 %.

Da kann ich mit leben – denke ich mir, jedoch kommt dann sofort die zweite dicke Überraschung. Die Mitfahrer (bis zu vier sind möglich) haben 5 € je Person gekostet. Jetzt kostet jeder Mitfahrer 6 €. Das sind dann schon satte 20 % mehr.

So kostet der Fahrpreis mit dem Bayern-Ticket für unsere kleine Reisegesellschaft jetzt 25 € Basispreis plus 3 Personen à 6 €, das sind dann 25 € plus 18 € also  zusammen 43 €. Das ist dann so ein Preis, mit dem fahre ich schon mal zu zweit mit dem DB-Fernverkehr nach Sylt (wie das nächste Mal im Februar). Und da ist dann die lange Fahrt nach Hamburg und die zeitlich gar nicht so viel kürzere Weiterfahrt mit dem Regionalzug (vor kurzem noch mit der Nord-Ost-Bahn) nach Westerland im Preis mit drin!

Früher hätte ich 23 € plus 3 Personen mal 5 €, also nur 38 € bezahlt. Der Fahrpreis für uns vier ist so von 38 € auf 43 € gestiegen, das sind dann doch fette 5 € mehr, was um die 13 % Steigerung ausmacht.

Das heißt:
Eine Fahrt nach Augsburg Barbara und mich und in dem Fall zwei Töchter kostet einfach so mal 5 € mehr. Wenn ich dann an das Geschiss um die Autobahn-Maut denke – dass die den Autofahrer auf keinen Fall zusätzlich belasten dürfe – dann wundere ich mich schon.

Ich bewundere auch die „runden Preise“, die da so einfach gemacht werden. Dass Cents nur noch lästige Münzen sind und so immer mehr Geschäfte die Summe beim Einkauf dann einfach eine Stelle hinter dem Komma abrunden, das verstehe ich. Aber dass man bei Preiserhöhungen auch die erste Kommastelle – immer hin 10 Cents, das waren mal 20 Pfennige – ausblendet, das finde ich schon sehr eigenartig.

Es gibt übrigens bei DB und den Privatbahnen auch eine Inflation von Spezial-Tickets für alles Mögliche: Für besondere Regionen, mit und ohne den Nahverkehr in Verkehrsverbünden, spezielle Stadtverbindungen oder eine maximale Entfernung (z.B. max 50 km). So wird das Preissystem komplizierter. Und wenn man die Basis-Mondpreise und die gleichzeitigen Niedrigpreise bei den Sonderangeboten im Fernverkehr in die Betrachtung mit einbezieht, dann wird die Preisgestaltung der Bahn immer unverständlicher.

So schön leer ist’s im Shuttle nachmittags um vier. Das Chromebook ist dabei.

Ich ärgere mich aber nur mal kurz ab und fahre weiter Zug, denn für mich ist die Bahn alternativlos. Und deswegen bin ich auch heute nach Nürnberg und zurück mit dem Bayern-Ticket unterwegs und löhne halt brav meine 25 €. Weil ich im Zug meine E-Mails abarbeiten und meine Artikel schreiben kann. Beim Autofahren kann ich das nicht.

Autofahren kommt für mich eh nicht mehr in Frage. Die Mehrheit unserer Volkes soll laut soziologischer Forschung verbittert sein. Ich wäre es auch, wenn ich jeden Tag eine oder mehrere Stunden am Steuer eines Autos verbringen müsste. Da fahre ich lieber Zug und freue mich, wenn Google vor den Staus auf der A9 wartet. Es ist die morbide Freude über das Scheitern eines unsinnigen Systems.

Die Alternative zur Bahn wäre ja Bus-Fahren. Das ist aber nicht meines. Ich bin von den meistens ziemlich leeren DB-Regio-Zügen ein wenig verwöhnt und mag mich nicht in die engen Busse klemmen, die oft von ihren Fahrern auf selbstmörderische Art und Weise über die Strassen der Republik gejagt werden. Außerdem mussten meinBus und flixBus ihr Netz gewaltig ausmisten und viele Verbindungen streichen, weil deren Venture-Kapitalisten keine Lust mehr hatten, die permanent wachsenden Verluste zu tragen.

Also, weiter Zugfahren und hoffen, dass der dichte Zugtakt mit den meistens so schön leeren Zügen uns möglichst lange erhalten bleibt …

Solche Preissprünge stelle ich übrigens nicht nur bei der Bahn fest. Auch bei öffentlichen Einrichtungen und qualitativen Lebensmitteln wie bei manchen Alltagsartikeln. Oder Immobilien.

Jetzt höre ich aber, dass die Inflation immer noch unter 2 % liegen soll. Ich glaube ja gar nicht, dass man uns absichtlich belügt. Aber die 1,X % glaube ich nicht und vermute mal, dass man uns nicht unbedingt darauf hinweisen will, dass unser Erspartes so immer weniger wird. Was ja auch bedeutet, dass die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander geht. Mit Folgen, die wir ja schon ein wenig erleben dürfen und uns ja auch schon mal ein wenig ausmalen können.

RMD

Der Shuttle nach München am 23. 01. 17 im Hbf Nürnberg auf Gleis 12.

P1070216Wir leben ja im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes. Das erlebe ich besonders intensiv, wenn ich höre, was selbst ernannte Propheten zum Thema Digitalisierung so alles herum spekulieren. Wie viel Unsinn da dabei ist. Dann muss ich auch noch feststellen, wie viele auf den Zug aufspringen und das Gehörte oder Gelesene unkritisch nach plärren. Und so Ängste an falschen Stellen schüren, die von den wahren Bedrohungen nur ablenken. Und erstaunlich wer da alles immer so dabei ist.

Ich persönlich betrachte den „digitalen Wandel“ nur als schlichte Fortsetzung der durch Technik bedingten Veränderung im Zeitalter der kompletten Elektrifizierung des Planeten (oder so). Da ich ihn erlebt und selber mit gemacht habe, versuche ich dem oft von einzelnen geäußerten und von vielen nachgeplapperten Blödsinn entgegen zu treten.

Zum Beispiel ist für mich ein „fahrerloses“ Fahrzeug, sei es ein LKW, Bus oder Auto z.B. nichts anderes als technologischer Fortschritt, bei dem Eisen durch IT ersetzt wird. Die neuen Fahrzeuge brauchen halt keine Schienen mehr, sondern nutzen IT um auch ohne Fahrer an ihr jetzt variables Ziel zu finden. Das ist kein Hexenwerk sondern nur schlichte Ingenieursarbeit.

Ein harmloses Beispiel für Panikmache ist in meiner Bewertung auch die so viel zitierte „Filterblase“. Immer mehr Leute behaupten in Sonntagsreden, dass hier eine große Gefahr droht und wir „von Algorithmen“ manipuliert werden. Ich mache es mir einfach und kopiere einen Text aus dem dazugehörigen <a href=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216.jpg“><img class=“alignleft size-medium wp-image-52015″ src=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216-300×208.jpg“ alt=“P1070216″ width=“300″ height=“208″ /></a> in Wikipedia (Stand heute – 27. Oktober 2016).


Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase (englisch informational bubble) ist ein Begriff, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch[1] verwendet wird. Laut Pariser entstehe die Filterblase, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte – dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten). Daraus resultiere eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen.


Nur – das ist doch nichts Neues!

So habe ich von Kindes an in meiner „Filterblase“ gelebt. Kaum konnte ich lesen, habe ich (zuerst in der katholischen Pfarr- und später in der öffentlichen) Bücherei mir genau die Bücher ausgewählt, die nach kurzer Leseprobe meinem WEIB (Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse) entsprochen haben.

Als Zeitungsleser habe ich schnell die SZ dem Münchner Merkur bevorzugt. Später habe ich gelernt, dass die Zeitungen versuchen genau das zu schreiben, was ihre Leser lesen wollen …

Als Jugendlicher ging ich zu den Treffen der „republikanischen Clubs“ und nicht zur jungen Union und zu den Burschenschaften.

Aufgrund meiner Beschränktheit habe ich mich so selber in meine „Blase“ rein gebracht. Damals hat mich das Radio aus dieser raus geholt. Da kam zum Beispiel an Silvester die Lach&Schieß und hat mich auf völlig neue Gedanken und Meinungen gebracht.

Aus dem Radio als „öffentlichem Rundfunk“ ist das Internet geworden. Ich kommuniziere mit anderen Menschen, lese deren Blogs und höre ab und zu sogar deren PodCasts. Ich bin da ein wenig altmodisch und lese noch, weil  ich nicht immer nur mit Kopfhörern herumlaufen mag. Aber auch mein Verhalten wird die Zukunft nicht beeinflussen. So wird „Audio“ im Wissenstransfer und Meinungsaustauch sicher gegen die „Verschriftung von Information“ gewinnen.

So erlebe ich viel Neues und Neuartiges im Netz. Denn das Internet besteht eben nicht nur aus Google und Facebook sondern vor allem aus den Menschen, die ihre Bewertungen und ihr Leben bloggen und podcasten und mich mit vielen Gedanken versorgen, die in der Tat häufig meine Vorurteile widerlegen und mich zu Toleranz ermahnen. Und so lerne ich, Respekt und Wertschätzung für Meinungen und Menschen zu gewinnen, die ich früher einfach so abgelehnt hätte.

Meine Freunde machen es genauso. In dieser „Bubble“ fühle ich ich sehr wohl. Auf die Algorithmen scheiße ich. Und sehe da auch nicht die große Gefahr. Oft habe ich den Eindruck, dass das Internet als neuer „Buhmann“ von der massiven Manipulation durch Werbung und Lobbyismus ablenken soll. Weil es tatsächlich freier und autonomer macht und so den herrschenden Strukturen und Systemen gefährlich wird. Deshalb wird auch von diesen die Freiheit des Internets nicht so gerne gesehen und so die Einschränkung von Freiheit im Netz mit allen Argumenten begründet – und mögen sie auch noch so dümmlich sein.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 6. Oktober 2016

Arbeit und Rente? Geld!

 

🙂   Ich will doch gar nicht arbeiten und Rente kriegen sondern einfach nur Kohle verdienen! 

 

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Digitalisierung.

Zurzeit bin ich viel in Sachen Digitale Transformation unterwegs. Sowohl in aktiven wie in passiven Rollen. Das meint, dass ich ab und zu darüber rede und viel mehr anderen schlauen Menschen zu diesem Thema zu höre.

Bei den einschlägigen Vorträgen und Reden zur Digitalisierung, dem anstehenden Wandel und den kommenden Folgen fällt mir auf, dass da immer viel über „Arbeitsplätze“ gesprochen wird.

Besonders über solche, die in naher Zukunft verloren gehen werden. Was nach meiner Meinung aber auch so keiner wirklich und ganz genau weiß.

Düstere Zukunft.

Und dass die Zukunft für die meisten Menschen – gerade auch in den entwickelten Gesellschaften – gar nicht so rosig aussehen würde. Vielleicht – nicht ganz überraschender Weise – wird dann auch immer übers BGE (bedingungslose Grundeinkommen) gesprochen bzw. dieses gefordert. Weiter höre ich, dass es für die nicht-digitalen Ländern sowieso ganz schlecht aussehen würde.

Immer wenn ich Arbeitsplatz höre, dann kommen mir „ketzerische Gedanken“. Ein zentraler Punkt ist, dass ich eigentlich nie arbeiten wollte. Natürlich haben mich spannende Aufgaben gereizt. Meine „Arbeit“ nach diversen Aushilfs-Tätigkeiten als Baby-Sitter, Nachhilfe-Lehrer, bei einer Spedition, als Nacht-Parkwächter oder in einer Putzkolonne war ja ab Anfang 20 das „Programmieren“, das mir aber auch immer ein Hobby war.

Alle reden von Arbeitsplätzen und BGE.

Nein, ich wollte nicht arbeiten und auch keinen Arbeitsplatz bekommen. Ich wollte Geld verdienen. Genug um meiner Familie und mir einen guten Lebensstandard zu verschaffen. Und dass möglichst einfach und ohne zu große Anstrengung. Und ich wollte auch immer genug „Freizeit“ haben, um mich mit Dingen zu beschäftigen die mir jenseits meines „Handwerks“ wichtig waren, wie „die Familie“ und „das Leben an sich“.

So habe ich mich gefragt, auf welche Art man in diesem Lande Geld eigentlich verdienen kann. Es gibt da legal wohl nur zwei Möglichkeiten:

Der Angestellte.

Entweder bin ich bei einer Firma angestellt – und bekomme ein „Gehalt“. Dann habe ich einen „Arbeitgeber“ und (mindestens) einen „disziplinarischen Vorgesetzten“ – man betrachte die eigentümlichen Begriffe. Und oft ist man dann Teil eines oft genauso eigentümlichen sozialen Systems.

Der Selbstständige.

Wer nicht „angestellt“ sein mag, der muss etwas tun, für das er Rechnungen stellen kann. Dann ist er ein „Selbstständiger“ und hat die Chance, ein klein wenig weniger vom System des Arbeitgebers vereinnahmt zu werden. Was auch schon ein Wert ist.

Es gibt also die Kategorien „Angestellte“ (früher gab  es da auch noch Arbeiter) und „Selbstständige“. Selbständiger kann ich sein, indem ich entweder ein sogenannter „Freiberufler“ bin oder ein Unternehmen gründe. Das Leben ganz allein als Freiberufler erschien mir persönlich als sehr (zu) riskant – deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Partner zu suchen und ein Unternehmen zu gründen.
🙂 Denn das Angestellten da sein war wirklich „boring“.

Die Rechtsform.

Um ein Unternehmen zu gründen, muss man sich für eine Rechtsform entscheiden. Mögliche Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dazu zähle ich die OHG (offene Handelsgesellschaft) und Partnerschaften wie sie gerne von Rechtsanwälten, Steuerprüfern, Beratungsgesellschaften etc. gebildet werden. Die würde ich wahrscheinlich bevorzugen, wenn ich wieder einmal eine Firma gründen sollte.

Weitere Rechtsformen sind die klassische GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und ihre modernen Brüder (Europa-GmbH, UG …), Genossenschaft und Aktiengesellschaft (AG). Die Mischformen wie KG & Co etc sind für meine Betrachtungen hier nicht relevant.

Eine dritte Variante neben „Arbeiter/Angestellter“ und „Selbstständiger“ ist der Beamte. Auf den möchte ich nicht eingehen, da er a) eine Minderheit ist und b) zumindest was die üppige Altersversorgung betrifft völlig aus der Rolle fällt.

So kommen wir zur Rente. Die „Angestellten“ zahlen – unterstützt von den „Arbeitgebern“ – viel Geld in die Sozialversicherung, um später Rente zu bekommen. Die Konstruktion des „Renten-Systems“ beruht auf Solidarität und hat wie alle solche Systeme eine Ambivalenz. Jeder meint, er würde zuviel einzahlen und zu wenig rauskriegen.

Die Rente.

Die Rente wird gerne schlecht gemacht, weil sie ein unteroptimal scheinendes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Dabei wird vergessen, dass bei disruptiven Ereignissen wie z.B. dem zweiten Weltkrieg oder dem Beitritt der DDR zur BRD die Rente oft das einzige System war, dass die Menschen über die Disruptivität hinaus weiter versorgt und nicht versagt hat.

Das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis hat auch nicht nur die Rente sondern auch die privaten Vorsorgemaßnahmen wie Sparen, Abschluss einer Lebensversicherung oder die unglücklichen staatlich-privaten Konstrukte wie die Riester-Rente. Das früher starke Mittel der Betriebsrente als wertvolle Ergänzung zur staatlichen Rente ist mittlerweile ein Instrument aus der Vergangenheit.

Die Sozialversicherung.

Immer mehr Menschen wollen „freiberuflich“ arbeiten, um die hohen Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Staat und Rentenversicherung mögen das gar nicht – sie legen deshalb die Hürden sehr hoch. Und treiben die Freiberuflichkeit mit Regeln und Gesetzen wie AÜG in die Enge und sogar in die Illegalität. Die Gesetzeslage und ihre -Handhabung sind widersprüchlich und es gibt da viel Unsicherheit. Grauenhaft.

Dabei gibt es ja auch eine – zwar absurd erscheinende – aber absolut effiziente und legale Methode, Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Freiberufler müssen sich nur zu einer Aktiengesellschaft zusammen schließen und sich alle zu Vorständen der Gesellschaft machen. Dann sind sie nicht nur von der Sozialversicherung befreit – nein sie ist ihnen sogar verwehrt. Und das völlig legal und nach aktuellem Gesetzesstand wohl unangreifbar. Eigentlich für gesunden Menschenverstand unfassbar.

Immer weniger qualifizierte Tätigkeiten.

Die Vorhersagen von den vielen schlauen Menschen, denen ich zugehört habe, sagen uns, dass die „qualifizierten“ Aufgaben immer weniger werden und dass das „Dienstleistungs-Proletariat“ stark wachsen wird. Die Durchlässigkeit durch Bildungsschichten geht immer mehr verloren Das heißt, dass in Zukunft die qualifizierten Menschen immer mehr aus der Oberschicht kommen. Das sind dann auch die typischen Erben. Die brauchen kein Einkommen mehr und können so wirklich „aus Spaß an der Freude“ arbeiten und Zeit in schöne Dinge investieren, um dann in Zukunft vielleicht mal so richtig zu profitieren. Oder eben nicht.

Umsonst arbeiten.

Und es werden immer mehr Menschen, die qualifiziert wirken aber umsonst arbeiten. Damit meine ich Menschen, die es „for free“ machen. Und zwar meine ich hier nicht die vielen Ehrenamtlichen wie sie in Vereinen und in der Gesellschaft wirken. Und auch nicht die ausgebeuteten jungen Leute der Generation „Praktikum“.

Sondern junge und alte Menschen, die etwas für die Zukunft machen, ohne Vertrag und ohne Rechnungstellung. Ich bin auch so einer. Ich meine, dass ich einiges bewege und versuche, Menschen und Unternehmen zu helfen, glücklicher und erfolgreicher zu werden.

Aber eben nicht gegen Geld. Sondern weil ich hoffe und weiß, wie viel davon zurück kommt. Und ich die Gewissheit in mir trage, dass ich dabei soviel Kontakte und Wissen gewinne, dass das irgendwann mal so richtig Geld bringen wird, also sich auch monetär lohnen wird. Wenn ich z.B. in das richtige Start-Up investiere oder eine große Rechnung schreiben kann, für einen wesentlichen Mehrwert, den ich erbracht habe. Und so die Arbeit zu einem spannenden und schönen Spiel wird.

Ich kenne da eine Reihe von Menschen, die das auch so machen. Die sind oft jünger als ich. Sie machen unentgeltlich einen Super-Job. Weil sie wissen, dass es sich früher oder später auch materiell lohnen wird. So kenne ich auch junge Unternehmer, die ihre Gründung eines Start-ups sehr ernst nehmen und mit großem Engagement diesen voran bringen. Die sich aber über ihren Lebensunterhalt überhaupt keine Gedanken machen – weil sie z.B. als Erben Kohle genug haben.

Keine rosigen Aussichten?

Das alles dürfte Zukunft werden – immer mehr arme Menschen, die sich durch die Ausübung sehr einfacher Tätigkeiten so gerade noch über Wasser halten können und immer weniger Menschen, die mit oder ohne Einkommen aus ihrer Tätigkeit so richtig Spaß an der Arbeit haben und immer reicher werden. Ehrlich gesagt, wäre das eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft und mir Sorgen macht.

Erfolgsrezepte:

Hier noch zwei positive Empfehlungen, wie man am besten Geld verdient:

  • Immer mehr geben als nehmen!
    und
  • Muster brechen!

Dazu schreibe ich dann in Bälde einen weiteren Artikel inklusive einer Empfehlung von Gebhard Borck wie man am besten seinen eigenen Preis (Wert) finden kann …

RMD

P.S.
Sehr lesenswert dazu sind in Wikipedia die Artikel zu Industrialisierung und Digitalisierung.

So ist das Foto auch aus Wikipedia und zwar von AspdinOwn work by uploader (own original personal amateur photograph by ancestor). Es zeigt die Zeche Sterkrade, das Foto ist zirka von 1910–1913, freigegeben unter CC BY-SA 3.0.

Hans Bonfigt
Samstag, der 27. August 2016

Am Beispiel eines Pioniers

Heinz Sebiger ist diese Woche verstorben.

1966 gründete er mit vier Kollegen ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen.

Als er nach ziemlich genau 30 Jahren die Leitung der DATEV abgab, war diese das größte gewerbliche Rechenzentrum Europas. Kraft der Gnade der frühen Geburt kann ich aus eigener Erfahrung hinzufügen: Der Erfolg der DATEV gründete sich fast ausschließlich auf der Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Leistung.

Die „Frankfurter Allgemeine“ verstieg sich zu der Behauptung, Sebiger habe das „Cloud Computing“ erfunden und markiert damit einen vorläufigen Tiefststand journalistischen Niveaus. Warum plappern junge Leute immer so einen irrelevanten Blödsinn? Und plötzlich wird mir klar:

Sie kennen die Computergeschichte nicht. Ist doch auch nach vollziehbar: Computer wurden seinerzeit als „Arbeitstiere“ genutzt, quasi wie Bagger. Sündhaft teuer, wartungsintensiv, mit wenig Attraktivität für die moderne Bespaßtwerdengesellschaft. Im Gegensatz zum „Porsche“: Vom Konzept her billig, vom Lärm her prollig – und ein absolutes Objekt der Begierde. Die heutigen, peinlichen Daddelkisten sind so sinnvoll wie ein Porsche, die damaligen Computer waren so sinnvoll wie ein Bagger.

Wie jeder Pionier war Heinz Sebiger kein „Innovator“, sondern hat vorhandener Technologie den Weg geebnet.  Denn Fortschritt und Innovation sind heutzutage meist Gegensätze.

Rechenzentren gab es nämlich Mitte der sechziger Jahre viele, hier ein Link zu einem Beitrag über das ZBL-Rechenzentrum in Schwerte:  http://www.lokalkompass.de/schwerte/leute/revolutionaer-der-lochkarte-horst-haake-feiert-heute-seinen-90-geburtstag-d496803.html

Sowohl den Herrn Haake von ZBL als auch Herrn Sebiger kenne ich persönlich — und für beide Unternehmen habe ich Datenerfassungsprogramme und Schnittstellen entwickelt. Vor diesem Hintergrund möge der Leser mir abnehmen: Die Produkte waren ähnlich, die Verfahren waren ähnlich. Horst Haake mußte sein Unternehmen Mitte der achtziger Jahre schließen, während die DATEV den Zenit ihres Erfolges genießen konnte.

Was hatte Sebiger anders gemacht ?

Sebiger war Steuerberater. Als Berufsträger wußte er, worauf es bei Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnungen ankommt.  Und er wußte, was die Endkunden, seine Mandanten, von ihm haben wollten.

Er schränkte sein Angebot also sinnvoll auf das für Steuerberater notwendige Portfolio ein und organisierte die DATEV als Genossenschaft. Jeder, der ihre Angebote nutzen wollte, mußte seinen Genossenschaftsanteil leisten – und Berufsträger sein. Ein geniales Konzept, qualifizierte Kunden sorgen für qualifiziertes Feedback. Qualifizierte Kunden aber konnten vor allem die Leistung des Rechenzentrums „an den Mann“, also den Endkunden, bringen. Damit konnte die DATEV die Qualität der Gesamtleistung sicherstellen.

Die heutige „EDV“ ist ja auch deshalb so schlecht beleumundet, weil jeder Einfaltspinsel auch die komplexesten, schlechtesten und wartungsintensivsten Produkte „vertreiben“, installieren und pflegen darf. Über neunzig Prozent derjenigen, die Datenbanken installieren oder warten, wissen nicht, was das ist. Man mache sich einmal den Spaß und frage einen heutigen „Spezialisten“ nach ACID. Sebiger hat, mit seinen vier Gründungsmitgliedern, dafür gesorgt, daß, anstelle von aufgeblasenem „Qualitätsmanagement“, eine Qualitätskette entstand.

Das EVA – Prinzip

Mir liegt das FAZ-Geschwafel vom „Erfinder des Cloud-Computing“ noch gewaltig im Magen, vielleicht sollte ich das Paradigma von Datenverarbeitung beleuchten, wie es in den 60ern verstanden und umgesetzt wurde:  „Erfassung — Verarbeitung — Ausgabe“.  Nehmen wir einmal eine Lohnabrechnung:

Die Sachbearbeiterin sammelte und sortierte die Aufzeichnungen zur Arbeitszeit, typischerweise Stempelkarten, Krankmeldungen usw. usf..  Nun ging sie zu einem Erfassungsgerät, typischerweise einem erweiterten Fernschreiber mit Lochstreifenstanzer, gab einen „Vorlauf“ ein, in dem codiert stand, „Für den Juni 1968 bei der Krummes & Schwarz OHG sind nachfolgende Arbeitszeiten angefallen“, und dann, Zeile für Zeile, Personalnummer, Lohnart und Stundenzahl. Das war die Erfassung.

Die Rolle mit den Daten wurde im DATEV-Rechenzentrum zunächst eingelesen und auf einer Platte geparkt. Denn: Auf den großen IBM/360 lief nur genau ein Programm zur gleichen Zeit (für Fachkundige: Solche Dinge wie TSO lasse ich jetzt einmal weg). Das war wesentlich effizienter, als es in die hohlen Birnen heutiger Informatiker geht. Zwei Programme A und B laufen hintereinander deutlich schneller ab als gleichzeitig. Man baute also Stapel (einen „Batch“) mit Steuerkarten, „Starte das Lohnprogramm, lese den passenden Lochstreifenspool und arbeite jeden Vorlauf ab“. Anhand der Informationen aus dem Vorlauf wurden die korrespondieren Daten von lokalen Platten geholt, die Berechnung und die Druckaufbereitung konnte beginnen. Bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgte ab hier auch schon eine automatische Übermittlung der Daten an die Kranken Kassen – Kraken in elektronischer Form.

Das Resultat der Verarbeitung war die Ausgabe unter anderem in Form fertiger Lohnabrechnungen, Überweisungsträger für die Banken, Lohnjournale etc.. Die wurden zugeschickt.

Das war „EVA“.  EVA war ein langsames Geschäft, aber:  Sebiger machte wirklich „den Weg frei“: Er trat der Bundespost richtig in den Arsch.

Denn für den Transport der Lochstreifenrollen und den Versand der Auswertungen brauchte die heruntergekommene Schneckenpost gerne auch einmal eine Woche. Und die DATEV organisierte ihren eigenen Kurierdienst und so sparte man effektiv sechs nutzlose Tage pro Lauf ein.

Natürlich: Die Bundesrepublik Deutschland wäre nicht die Bundesrepublik Deutschland, wenn nicht sofort ein Gerichtsverfahren gegen die DATEV losgetreten worden wäre, eines, welches sich über mindestens 5 Jahre hinzog.

Heinz Sebiger aber blieb nicht stehen.

Und während Bundespostminister Kurt Dummle alles tat, um Unternehmenskunden immer weiter finanziell auszubluten und die Nation technisch immer weiter zu isolieren, stellte Sebiger kurzerhand auf Datenfernverarbeitung um.

Einem Verfahren, daß es kraft der Bemühungen der Bundespost eigentlich gar nicht geben konnte. Denn so, wie Hartmut Mehdorn die Bahninfrastruktur systematisch verwahrlost hat, so ließ seinerzeit die Bundespost das Telephonnetz herunterkommen. Sebiger hatte die Lösung und baute bundesweit ein Netz von „DFV-Konzentratoren“ auf.   Der typische Steuerberater verfügte mittlerweile über ein elektronisches Erfassungsterminal, welches die Nutzdaten auf einer Magnetbandkassette speicherte. Die konnte einfach verschickt werden, war vergleichsweise robust und man konnte sie auch einigermaßen schnell einlesen. Die Übertragung ins Nürnberger Rechenzentrum erfolgte über den nächstgelegenen „DFV-Konzentrator“. Dadurch fielen nur Nahbereichstarife an, vor allem aber „packte“ die regionale Verbindung wenigstens noch echte 1.200 Baud, in etwa also 145 Zeichen pro Sekunde.  Statt heute gängigem „DSL 50.000“ gab es damals also „Analog 1,2“.  Aber das Datenformat war intelligent organisiert, verschwuchtelte „XML“-Pappnasen gab es glücklicherweise nicht – und so dauerte ein umfangreicher Datenaustausch etwa eine halbe Stunde. In der Nacht erfolgte die Rückübertragung der Druckdaten – und der Steuerberater, welcher morgens seine Daten eingeschickt hatte, konnte am nächsten Tag seine Auswertungen im eigenen Hause drucken.

Sebiger hatte seine eigene Infrastruktur geschaffen.

Ganz wichtig dabei: Hätte Sebigers DATEV der Politik nicht gezeigt, was alles möglich ist, dann wären wir womöglich technologisch noch mehr Entwicklungsland als jetzt.  Es war nach meinem Empfinden die DATEV, welche den Begriff „Computer“ erst populär machte.

Paradigmenwechsel …

Bereits in den späten Siebzigerjahren erkannte die DATEV, „Die Batchverarbeitung und EVA sind am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt“.  Und wieder war es die DATEV, die, zaghaft zwar, über die neuen Möglichkeiten der Datenfernverarbeitung echte Dialoganwendungen anbot.  Als wirkliche Sensation wäre da die „Steuerrechtsdatenbank“ zu nennen, welche eine Volltextsuche in sämtlichen steuerrechtlichen Urteilen, inclusive derer des „Reichsfinanzhofs“, ermöglichte – und damit dem Steuerberater eine wirksame Waffe gegen die umfassenden Bibliotheken des feindlichen Finanzamts in die Hände gab. Wenn ich das persönlich bemerken darf: 1976 saß ich vor einem Terminal dieser Bauart und empfand es, gerade einmal 16jährig, als unvorstellbaren Triumph der Technik, als einer von vielen quasi gleichzeitig mit einem Großrechner zu „sprechen“, welcher im 500 Km entfernten Nürnberg stand.

Der Niedergang

Aus den USENET-Archiven habe ich gerade einen Artikel hervorgekramt, welchen ich vor ziemlich genau 16 Jahren verfaßt habe.  Warum eigentlich kein Vollzitat ?

Die Metastasen des DATEV-Elends
[...] 
So musste ich fruehzeitig Daten erfassen, und zwar zuerst an einer
Olivetti 1731 "Telebanda", einem, vom Antriebsmotor einmal abgesehen,
rein mechanischen Datenerfassungsgeraet. Die Ausgabe erfolgte auf ei-
nem modernen 8-Kanal - Lochstreifen, was gegenueber der Fernschreib-
norm einen gehoerigen Fortschritt darstellte.  Selbst Kleinschreibung
war damals schon moeglich.

Das Datenformat konnte natuerlich vom Rechenzentrum nicht so ohne wei-
teres geaendert werden, weil eine 'Programmaenderung' zwar nicht ge-
rade unmoeglich, aber doch recht aufwendig war.  Deswegen blieben so-
wohl Datenformat als auch die Logik der Erfassungsprogramme bis weit
in die 80er Jahre erhalten, denn so lange akzeptierte die DATEV Loch-
streifen.
Ab 1975 jedoch kamen die elektronischen Geraete in Mode, mein erstes
war eine Olivetti A5, mit Magnetkartenleser, acht freiprogrammier-
baren Lampen zur komfortablen, kontextsensitiven Bedienerfuehrung,
Kugelkopfdrucker und, Revolution, Magnetbandkassette nach ECMA 34 -
Standard.  Zwei KB Hauptspeicher, der Wahnsinn !
Die Aufzeichnungsnorm aenderte sich nie, die Erfassungslogik auch
nicht.  Denn diese Geraete wurden auch mit Lochstreifenstanzer an-
geboten.
1977 bekamen wir unsere KIENZLE 9027-40, mit Magnetbandkassette,
Datenfernuebertragungseinrichtung (BSC), Plasmabildschirm (12 Zeilen
zu je 40 Zeichen), Nadeldrucker sowie zwei 8-Zoll-Diskettenlauf-
werken. Mit seinem 8080 Prozessor und seinen 56 KB RAM war das Ge-
raet enorm leistungsfaehig.  Bis heute hat ein Kunde (Bauunterneh-
men in Oberhausen) dieses Geraet im Einsatz, weil ihm keine andere
Software so viel Komfort beim Verarbeiten seiner 'bergbauspezifi-
schen' Aufmasse biete, angeblich.  Ich sage aber jetzt nicht, wer
die SW geschrieben hat.  Und wieviele Kisten 'Koepi' hierfuer er-
forderlich waren.  Obwohl bereits diese Geraete weitaus leistungs-
faehiger waren als es ein PC jemals faktisch sein wuerde, blieb die
DATEV bei den sehr restriktiven Vorschriften fuer die Erfassungspro-
gramme.  Hintergrund war der, dass nicht einzelne Genossenschafts-
mitglieder wegen ihrer Hardware bevor- oder benachteiligt wuerden.
Immerhin kostete ein solches Geraet damals gut DM 50.000,--, was
heute leicht dem dreifachen entsprechen wuerde. Man wollte halt
nicht seine Mitglieder faktisch zwingen, jedes Jahr einen neuen Ap-
parat kaufen zu muessen.

Ein sehr vernuenftiger, sozialer Gedanke uebrigens, der auch einst
im Internet gepflegt wurde, bis die widerlichen PCPisser mit ihren
Shockflaschdreck dort einfielen wie die Schmeissfliegen.

Irgendwann einmal wurde es unserem lieben Gott zu bunt, und er woll-
te die Menschheit ausrotten.  Nachdem Sintflut und Pest eine Pleite
waren und auch das Aufkommen von Banken und Leasinggesellschaften
nicht das gewuenschte Ergebnis gezeitigt hatte, inspirierte der lie-
be Gott den PC, die uebelste aller Seuchen, die Perversion jeglichen
Ingenieursgeistes, die Brutstaette fuer Hirnfaeule.  Das perfideste
an diesen Apparaten war, dass sie die Hirne junger, unvernuenftiger,
modebewusster, karrieregeiler Jungspunde uebernahmen.

Und so kam es, dass der PC in die Steuerkanzleien einzog, zu ueber-
teuerten Preisen von einigen wenigen Herstellern angeboten, mit ei-
ner Software, die von DATEV angeboten wurde.
Weil die Vollidioten, die diese "Software" zusammenschmierten, keine
Erfahrung hatten und ausserdem nichts als pure Lust am Herumspielen,
sparte man sich ein sinnvolles Konzept und emulierte im Prinzip die
alten, proprietaeteren Erfassungsterminals und damit letzlich die
alten OLIVETTI - Lochstreifenstanzer.

Waehrend man aber mit einer alten Olivetti zuegig arbeiten konnte,
war die Arbeit am komfortablen PC umstaendlich, unergonomisch und
langsam.  Ja, das kann ich beurteilen, denn ich habe an allen bis-
her beschriebenen Systemen produktiv gearbeitet.

Wenn neuere PCs herauskamen, beispielsweise der hirnverbrannte 286er,
so gab es im Magenumdrehen eine neue Software, die den Performance-
gewinn ueberkompensierte.

Dabei wurde nach der "An- und Zubaumethode" gearbeitet:  Ein Pfeif-
chen hier, ein Klingelchen dort.  Vor allen Dingen wurde nie ein al-
ter Zopf abgeschnitten.

Viele Steuerberater wollten irgendwann einmal mehrere Arbeitsplaet-
ze haben, weil die Software so langsam geworden und so umstaendlich
zu bedienen war, dass mindestens drei notwendig wurden:  Zwei, um
das Buchungsvolumen zu bewaeltigen, und einer, an dem 'Spezialisten'
irgendetwas einstellten oder aufspielten.
Und so bot DATEV mit grossem Trara eine "Netzwerkversion" seiner
Weichhirnware an und waehlte, hierzu passend, das schlechteste al-
ler Netzwerkbetruebssysteme aus, das am Markt erhaeltlich war:
NOVELL.  Das sorgte dafuer, dass zwei Dinge regelrecht explodierten:
Zum einen die Anzahl der DATEV - PCs und zum anderen der Software-
umfang, den keiner mehr unter Kontrolle hatte.  Binnen kuerzester
Zeit war ein "486er" conditio sine qua non.

Dann kamen, Metastasen gleich, "Windows" und "Windows for playgroups".
Natuerlich gab es auch hierzu die passende DATEV - Software, denn wo
ein dicker Scheisshaufen liegt, da kackt auch alsbald ein anderer hin.
Weil aber die "Software" mittlerweile derart verbaut war, konnte ei-
ne Umstellung nur fehlschlagen.  So wurde den Genossenschaftsmitglie-
dern bis 1997 fuer teures Geld eine "Windows-Version" angeboten, die
in Wirklichkeit in der MSDOS-Kompatibilitaetsbox lief.  Und, selbst-
verstaendlich, wiederum alle bestehenden PCs zu Sondermuell machte.

Denn jetzt musste es ein schneller "Penzium" sein mit mindestens
64 MB Hauptspeicher.  Und wieder setzte die DATEV auf das mieseste
Trio infernal, was die Menschheit je hervorgebracht hat und auf das
nachfolgende Generationen spucken werden:  SINNLOS 95 als Arbeits-
platz, SINNLOS NT als Netzwerkserver und die PC - Architektur als
gemeinsame Basis.

Ja, so war das.  Und wie es heute ist, das hat Sven E. Lenz ja be-
reits aus seiner taeglichen Praxis beschrieben, ich zitiere noch
einmal:

> Was aber noch viel schlimmer als der Speicherplatz ist, ist die
> Laufzeit. Das ist wirklich unverschämt, was die Datev für den Preis
> abzieht.

Ueber die Zuverlaessigkeit und Administrierbarkeit hat sich Sven
innerhalb dieses Threads ebenfalls geaeussert.

Und meine Prognose ist:  Es wird immer schliemmer werden.  Bis sich
irgendwann einmal jemand durchsetzen kann, den ganzen Dreck in die
Tonne tritt und die PC-Abteilung ausraeuchert.

In Indien sollten ja jetzt Ausbildungsplaetze vakant werden.

Nun gut, es war ein sicherlich nicht immer sachlicher Artikel. Doch in der Rückschau sehe ich zweierlei: Zum einen entspricht die Darstellung in etwa der Wahrheit. Zum anderen habe ich mich geirrt in Bezug darauf, wie schlimm es einmal werden könnte.

Denn seit 1996 war der Lotse Sebiger im mehr als verdienten Ruhestand. Und wer auch immer den Fehler begangen hat: Es wurde ein ehemaliger Mitarbeiter des „Beratungshauses“ Ernst & Young zum Geschäftsführer „berufen“.

Zurück in die Steinzeit – ganz modern

Weil nämlich die DATEV – PC – Ware so grottenschlecht war (erfahrene DATEV-Anwender sehnen sich auch heute noch die alte, „schnelle“ Erfassungssoftware zurück), überlegte man sich „innovativ“:

„Nun haben wir ein erstklassiges Rechenzentrum und eine lausige PC-Abteilung.  Laßt uns mehr Leistung auf die lokalen Arbeitsplätze verlagern, dann brauchen wir das Rechenzentrum nicht mehr.

Dann nämlich hätten wir ein unternehmenseinheitliches Mittelmaß !

Onlinetransaktionen  – wer braucht das schon, wenn der PC alles selber kann ?“

Und man lagerte nicht nur die gesamte Datenverarbeitung, sondern auch deren Speicherung und Archivierung auf die sichere PC-Plattform aus.

Tja – das waren die „neuen Visionäre“, die die Renaissance der „lokalen Intelligenz“ am Arbeitsplatz begrüßten. Vernetzung? Wer braucht das schon. Und ja, es waren die gleichen Junggreise und Trendlemminge, die uns heute glauben machen wollen, man könne nicht mehr ohne LTE-„Handy“ aus dem Haus gehen.

Wie bekloppt dies wirklich ist, fällt eigentlich erst heutzutage auf. Warum muß ich aufwendigst eine komplette Großrechnersoftware auf jeden einzelnen verdammten PC installieren, obwohl eine moderne Rechenanlage leicht 100.000 Lohnabrechnungen pro Sekunde anfertigen kann?

Die DATEV war so blöd. Und selbstverständlich gab es Nachahmer, die noch inkompetenter waren: Das Bundesfinanzministerium mit seinem unsäglich peinlichen ‚ELSTER‘ – Programm zum Beispiel. Es soll auch Firmen geben, die spezielle „APPs“ programmieren, mit der ein armer Student der TU München nachgucken kann, was es in dieser Woche in der Mensa zu essen gibt. Vorausgesetzt natürlich, er besitzt so ein geschmackloses „Eifon“ oder einen häßlichen „Eifon-Klon“ der Machart „Android“.  Alle anderen werden sterben.

Intelligente, vorausschauende Menschen wie Heinz Sebiger haben die menschliche Lebenszeit als hohes Gut geachtet. Denn unsere Lebenszeit ist die einzige Ressource, die uns nicht unendlich zur Verfügung steht. Deswegen hat Sebiger eine Möglichkeit geschaffen, standardisierte Verfahren einmal sauber zu implementieren und Zehntausenden zur Verfügung zu stellen. Das ist ein sozialer Gedanke, der die Arbeitszeit des Menschen und damit den Menschen selbst achtet.

Werden Menschen gezwungen, für nichts und wieder nichts immer neue Programme zu installieren und zu pflegen, wird ihnen diese Lebenszeit abgezogen (ich denke gerade an die ‚grauen Herren‘ von Michael Ende).

Besonders fatal wirkte sich die „Heirat“ der DATEV mit dem schlechtesten, ungeeignetsten und unsicherstem Betriebssystem aus, welches man sich denken kann: „Microsoft Windows“. Es gibt keinen größeren Lebenszeitvernichter als „Microsoft Windows“. Dieser zusammengeschusterte Sondermüll hat weltweit schon bis jetzt mehr Lebenszeit sinnlos vernichtet als alle deutschen Vernichtungslager zusammen. Administration und quälende Langsamkeit infolge von eigentlich unnötigen „Schutzmaßnahmen“ sind die eine Sache. Aber dann kommen die Hypertechnokraten der „DATEV“ und setzen auf den mehrfach ‚aufgebohrten‘ Havaristen noch ihr eigenes „Datev Framework“ obenauf. In den letzten Monaten war ich mehrfach Zeuge von DATEV-Installationen, jeweils durchgeführt von ausgewiesenen Fachleuten. Da ist wirklich nichts, was man nicht mit einem Bulldozer sanieren könnte.

Die Anwender unterdessen klagen über mangelnde Ergonomie, Unterbrechung des Arbeitsflusses durch langsame Software, hohe Komplexität und häfige Abstürze.

Was von den Vätern Du ererbt – erwirb es, um es zu besitzen

Der Tod von Heinz Sebiger macht mich traurig, ich kann mich noch gut an ein zufälliges gemeinsames Mittagessen beim Nürnberger „Behringer“ erinnern:  „Nie die eigene Aufgabe aus den Augen verlieren“.

Und für die DATEV wünsche ich mir eine neue Führung, die das Potential des ursprünglichen DATEV – Modells von Heinz Sebiger begreift und mit aktueller Technologie erneut umsetzt.

Das wäre einmal eine „Digitale Transformation“ nach meinem Geschmack !

-hb

Alle Reden von Digitalisierung. Auch ich 😉

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerIch halte sogar Vorträge darüber. Weil ich den Eindruck habe, dass die Verwirrung da sehr groß und das Thema eigentlich nichts Neues ist.

Unter anderem werde ich Thomas Kofler vom Zentrum-Digitalisierung.Bayern auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg ergänzen und dort sprechen.

Ich bin aber auch unterwegs für große und kleine Unternehmen, soziale Clubs wie Lions oder vor kurzem für Gut Hohenfried in Berchtesgaden ….

Für mich ist schon der Begriff der Digitalisierung unglücklich. Begriffe, die ich im gemeinten Kontext für relevant halte, sind „Kommunikation“, „Vernetzung“ und „Information“.

Informationsaustausch heißt durch Denken Information zu erzeugen und diese durch Aussprechen des Gedachten weiterzugeben oder auszutauschen. Also ganz analog mit Sprache. Sprache kann man verschriften – dann wird es „digital“. Das ist trivial. Relevant ist, wie schnell und intensiv die Verbreitung und der Austausch von Information statt finden. Und schon sind wir bei Technologie und ihrer Entwicklung.

Betrachten wir mal die Entwicklung des Menschen in seiner jüngeren Vergangenheit:

Nach langem Anlauf haben die „Menschenartigen“ vor zirka 2 Millionen Jahren den aufrechten Gang geschafft. Dies war die Voraussetzung für die Wandlung der „Menschenartigen“ zum „Homo Sapiens“ bis vor ungefähr 200 000 Jahre. Damals noch als Jäger und Sammler hatten die Menschen ihre kreativste Phase und begannen vor zirka 125.000 Jahren, Afrika zu verlassen. Vor 60.000 Jahren nahm Homo Sapiens dann so richtig Fahrt auf und entwickelte bis vor 10.000 Jahren Sprache.

Das gesprochene Wort ist flüchtig. Man konnte das von einem Menschen Gesagte nur einmal hören. So wurden Geschichten ausgebildet und mündlich weitergegeben. Redundanzen wurden eingebaut, um Verfälschungen bei der Weitergabe soweit möglich zu reduzieren. Es gab Versuche, die Botschaften in Zeichnungen zusammen fassen, dies aber nur mit eingeschränktem Erfolg. So war es nur logisch dass ein paar Jahrtausende nach der Erfindung der Sprache auch schon die „Verschriftung“ kam. Und so entstanden vor ungefähr 7.000 Jahren Schriften.

Im alten Ägypten wurden die Geschichten in Tempeln in Sandstein gemeißelt und zusätzlich eingefärbt. Mit Hilfe einer Symbolsprache, die aus Bildzeichen besteht. Dann kamen leichtere Materialien auf wie Papyros und Papier. Und Technologien wie die Druckerpresse und den Drucksatz. Und später wurde – wie alle Technologien – auch die Informationstechnik elektrifiziert. Zuerst mit Kupfer (Kabel) und drahtlos (Funk).

Auch die Codierung wurde verbessert, wie z.B. hin zu einfachen Alphabeten mit wenig Buchstaben und Zahlen. Auch „Algorithmen“ und „Technologien“ zur Abbildung von Sprache und Information aller Art ins „Digitale“ entwickelten sich immer weiter. Dass alle Zeichen binär (nur durch Einsen und Nullen) dargestellt werden können, ist einfach aufzuzeigen. Diese Erkenntnis hat Konrad Zuse als wohl erster gehabt; es war eine wichtige Voraussetzung für die Entwickler des Computers, denn Computer arbeiten halt am einfachsten nur mit Nullen und Einsen. Auch das war eine ganz normale technische Entwicklung.

Schriftzeichen und so Verschriftlichung von Information wurden übrigens zuerst für „kaufmännische Zwecke“ genutzt. So scheint mir die „Wirtschaft die Mutter aller Dinge und Erfindungen“ zu sein und nicht der „Vater  Krieg“. Der ist nur eine besondere Art von „Wirtschaft“ – und zwar eine besonders zu verabscheuende.

Verschriftung macht Wissen über Zeit und Raum verfügbar und erzeugt Vernetzung. Die raren Bücher eines Galileo Galilei gingen durch Europa und brachten die Gedanken eines Keplers mit denen Galileos zusammen. Fortschritt und Technologie entstanden in Städten. Denn da trafen sich die verschiedenen Disziplinen. Später begannen die Städte sich zu vernetzen und die Dinge beschleunigten sich. Und dann vernetzte sich die ganze Welt. Zuerst durch Briefe, Bücher und Zeitschriften. Später durch „elektrische“ Unterstützung werden Zeitungen und Bücher werden von der „IT-Technologie“ abgelöst wie Petroleumlampen und das Talglicht durch Strom und Glühbirne.

Die Vernetzung von Informationen brachte uns die sogenannte „industrielle Revolution“. Und die „Digitalisierung“ ist nur die Fortsetzung dieser Entwicklung. Beides, die Geschwindigkeit der Vernetzung und die Menge an Wissen sind angestiegen und steigen weiter an, so beschleunigt sich dieser Prozess immer mehr. Das ganze ist Teil des Anthrozopän (das Zeitalter des Menschen), von dem man auch nicht so recht weiß, wann man eigentlich seinen Beginn festlegen soll und natürlich erst recht nicht, wo es uns hinführen wird und was anschließend kommen wird.

Eine Satellitenaufnahme der Erde gibt anhand der sichtbar gemachten Lichtverschmutzung einen Eindruck der Größenordnung menschlichen Einflusses auf die Umwelt

Satellitenaufnahme der Erde mit sichtbar gemachter Lichtverschmutzung.
So groß ist der menschliche Einflusses auf unseren Planeten (Bild aus Wikipedia).

Mir wäre es lieber, wenn wir die aktuelle Phase der Menschheit mit den Begriffen von Vernetzung und Information verbinden würden. Digitalisierung ist eine schwache Metapher für das, was sich gerade entwickelt. Aber Digitalisierung ist „in“ und Begriffe wie „Informationszeitalter“ sind „out“. Und jeder will vorne dabei sein, damit er nicht „abgehängt“ wird. In Bayern gibt es so ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B), andere Bundesländer kopieren das schon.

Und man kann beliebig viele Pamphlete zur Digitalisierung lesen (in denen meist nur Unsinn drinsteht) und viele Veranstaltungen besuchen. Beides ist in der Regel umsonst. Vor kurzem war ich auf den TechDays in der Tonhalle in München- Es war ein richtiges Festival der Spekulationen und dürfte die vorhandene Verwirrung eher noch vergrößert haben.

In der deutschen Wikipedia kann ich zum Thema Digitalisierung den Artikel Digitale Transformation empfehlen. Er fasst den Stand sachlich zusammen Es finden sich dort auch noch eine Reihe von Beiträgen wie Computerisierung, Informationszeitalter oder gar Digitale Revolution, die alle „nice to have“ sind aber eigentlich keiner braucht. Ein denglisches „digital business transformation“ gibt es da auch – hoffentlich wird da bald ein vernünftiges „Digitalisierung in Behörden und Wirtschaft“ oder ähnlich daraus.

Lasst uns die „Digitalisierung“ einfach als Weiterentwicklung der „Industrialisierung“ und Teil der Evolution des Lebens auf unserem Planeten im Anthrozopän betrachten. Zu dem es übrigens im deutschen Museum zurzeit eine Sonderausstellung mit ein paar durchaus sehenswerten Exponaten gibt. Da sollte man aber darauf achten, einen Führer zu kriegen, der seine Gruppe nicht nur mit Halbwissen und persönlichen Meinungen drangsaliert.

RMD

P.S.
Dann noch ein wenig Reklame auch für die DOAG-Konferenz! Ist wohl eine der besseren IT-Veranstaltungen in Deutschland veranstaltet von der wohl größten und wichtigsten IT-Anwender-Gruppe in Deutschland. Und auch ein Hinweis auf meinen Vortrag auf der DOAG2015.
DOAG12016-K-A-Banner-468x180_engl

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Juni 2016

BREXIT

Flag_of_the_United_Kingdom.svgHier auch noch meine 1000 Eurocents zu der nach meiner Meinung unwürdigen Diskussion zum BREXIT.

 

  • Die Menschen, die in GB zur Wahl gingen, haben sich entschieden. Wahrscheinlich mögen sie die EU nicht und schätzen die Nachteile für ihr Land höher ein als die Vorteile. Rational kann man das eh nicht diskutieren, da gibt es zu viele Argumente pro und contra, dies auf soviel unterschiedlichen Ebenen. Die man auch nicht gewichten oder metrisieren kann. Letzten Endes geht es da um Gefühle, also um Bauchentscheidungen.
  • Die Entscheidung, die gefallen ist, sollten alle respektieren, sowohl die Überschlauen in der EU wie auch die, die bei der Entscheidung für einen Verbleib GBs in der EU gestimmt haben. Und besonders die, die abstimmen hätten können und darauf verzichtet haben. Das überhebliche Moralisieren der vereinigten Pro-Europäer der Welt gegenüber den Briten finde ich alles andere als angebracht.
  • Man darf auch nicht vergessen, dass ja weder die britische Regierung noch das britische Parlament durch diese Entscheidung irgendwie gebunden sind. Das heißt, dass eh noch gar nichts passiert ist –  und wie so oft in der Politik so richtig auch nichts passieren wird. Wahrscheinlich werden nur die Geldflüsse gekappt – oder anders kaschiert.
    Jetzt wird ein wenig gemauschelt – und mit jedem Tag, der ins Lande geht – wird das Thema #brexit mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch ein paar 1.000 EU-Funktionäre werden beraten, wie sie eine Lösung hinkriegen, so dass die britische Regierung vor ihren Wählern nicht das Gesicht verliert und die EU auch keinen Schaden hat. Dies so nach Muster von TTIP hinter verschlossenen Türen.
  • Ich persönlich glaube nicht, dass die EU ein bedeutsamer oder gar kritischer  Faktor für die Zukunft Europas ist. Ist halt noch eine Administration mehr. Mehr Sorgen macht mir da die NATO und die zahlreichen nationalen bis nationalistischen Tendenzen. Die Nato wird weiter erweitert, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste unserer Nachbarn. Hier vermisse ich eine Diskussion. Und es könnte sein, dass die nationalen Interessen durch den aktuellen Zustand der EU eher befördert denn reduziert werden.
  • Sehe ich die EU als Wirtschaftseinheit, dann bin ich enttäuscht.
    • Als Wirtschaftseinheit dürfte die EU und besonders der EURO eigentlich nur Deutschland (als Platzhirsch) und ein paar Kleinstaaten wie Luxemburg (als Finanzplatz der Europa beherrschenden Konzerne und Banken) oder Estland (als Tor nach Russland) begünstigt haben. Alle anderen sehe ich mehr oder weniger auf der Verlierer-Seite.
    • Sogar im bevorzugten Deutschland herrschen riesige Probleme wie eine große Polarisierung zwischen arm und reich (immer mehr verarmende Menschen, dafür mehr extremer Reichtum) oder bei der Bildung. Auch für diese Entwicklung dürfte die EU eine der Ursachen sein. Und dass z.B. Spanier – um wirtschaftlich überleben zu können – nach Deutschland gehen müssen ist doch bizarr. In anderen Fällen spricht man da von Wirtschaftsflüchtlingen, denen man auf keinen Fall Asyl geben dürfe. Wir sind einig, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht diskriminiert werden dürfen. Sehr wohl aber wegen ihren Passes – und da systematisch und differenziert.
    • Ich meine, dass Regionen das Recht haben, sich gegen zentrale Angriffe von Konzernen oder rücksichtslosen Billigproduzenten zu wehren. Der Versuch mit Subventionen die Entmachtung der Benachteiligten auszugleichen ist in der Geschichte immer wieder gescheitert und hat meistens das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Und hat letzten Endes immer zu einer ungerechtfertigten Bereicherung geführt.
    • Besonders schlimm finde ich, dass die Macht der Lobbyisten in Europa mittlerweile auf allen Ebenen weiter gewachsen ist. Die können das Geschehen in Europa jetzt zentral steuern.
  • Sehe ich die EU als gemeinsamen Lebensraum, dann bin ich enttäuscht. Ich erlebe Regulierung ohne Ende. Kleine Unternehmen besonders im Handwerk auch bei uns in einem Maße bedroht wie kaum jemals in der Geschichte zumindest Westdeutschlands.
    Vieles wurde schlechter und nicht besser wie das Mobilitäts-Angebot durch öffentliche Verkehrsmittel. Dafür wird wohl auf deutschen Druck der Individualverkehr mit Verbrennungsmotor in einem unvorstellbaren Maße gehätschelt.
    Nicht einmal die Mobilität im Netz konnte die EU in den letzten Jahren einheitlich hinkriegen. Der einfache Smartphone-Nutzer stellt das bei jedem Verlassen seiner Heimatregion fest. Zweifelsfrei orientiert sich die Politik der EU auf den Vorteil von Kapital, der Konzerne und Banken. Dass sie eigentlich für die Menschen da sein sollte, vergißt sie. Und die Funktionäre der EU denken sind überwiegend Systemagenten, die zuerst mal ans eigene Wohl und ihren Geldbeutel denken, dies in einem Maße, das  oft noch unverschämter ist als auf den meisten nationalen Ebenen.
  • Sehe ich die EU als .politische Einheit, dann bin ich enttäuscht. Hier nur als Stichwort das unmögliche Verhalten und die komplett fehlende Solidarität beim Umgang mit Flüchtlingen. Und wer ist eigentlich für unsere Außenpolitik gegenüber Russland etc. verantwortlich? Ich sehe da nur gefährliche Defizite.
    Und noch ein provozierender Zusatz:
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es eigentlich nur noch einen Staatenbund geben dürfen – das ist die UNO. Denn die Probleme sind eher regional oder global.
  • Die politischen Strukturen und die Arroganz der Funktionäre der EU erinnern mich durchaus an graue Systeme wie den Comecon. Wohin die geführt haben, sollte uns gut bekannt sein. Da soll es mal eine Zeit gegeben haben, in der in der ganzen UDSSR und den meisten ihrer Vasallen-Staaten nur noch eine Brotsorte produziert wurde …
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn GB in eine Reihe von kleineren Staatssystemen zerfällt? Folgen sie da nicht nur einer logischen Entwicklung, die sie im Fußball schon lange vorweg genommen haben?
  • Die von mir persönlich erlebte Geschichte lehrt mich, dass eigentlich nach einem Zerfall von großen Systemen alle Beteiligten glücklicher waren als vorher. Vom römischen Reich kann ich nicht sprechen, da habe ich keine Ahnung. Aber ich kenne keinen Slowenen, Kroaten oder andere Menschen aus dem ehemaligen großen Jugoslawien, der dem Zerfall Jugoslawiens nachtrauert. Anfang der 70iger Jahre habe ich Jugoslawien bereist und kann das gut nachvollziehen. Auf meiner Radreise zum schwarzen Meer habe ich einmal einen Serben in Belgrad getroffen, der gemeint hätte, dass manche Menschen in Serbien jetzt endgültig Abstand vom Traum eines Groß-Serbischen Reiches nehmen müssten.
    In Tschechien und in der Slowakei ging es mir ähnlich – in Prag oder Bratislava habe ich niemanden, der sich wieder die ČSR wünscht.
    Und das der schon erwähnte Comecon und die UDSSR sich aufgelöst haben, bedauern doch auch nur ganz wenige. Ich kenne viele ex-DDR Bürger, die sich diese Systeme aber überhaupt nicht zurück wünschen.
    Ein wenig Polemik sei mir gestattet:
    🙂 Wenn sich die BRD vernünftig zerlegen würde, wären die Bayern wahrscheinlich auch nicht so ganz unglücklich. Aber wahrscheinlich sogar zumindest finanziell kaputte Länder wie Berlin-Brandenburg hätten wieder eine Chance zu gesunden und könnten sich nicht auf alle Ewigkeit auf den Almosen anderer Bundesländer ausruhen. Wobei die Ewigkeit hier eine eher endliche sein dürfte – denn trotz mancher gegensätzlicher Beteuerung aus Politikermund wird die Lage von Kommunen und Ländern in ganz Deutschland laufend schlechter (Grundversorgung, Infrastruktur, Bildung, Einkommens-Situation der Menschen …).
  • Zur Freizügigkeit: Ich höre immer, dass ein großer Vorteil für Bürger von EU-Staaten die Freizügigkeit bei der Wahl des Arbeitsplatzes und so auch der Wohnort wäre. Und dass die Briten die Zukunft der „jungen Generation“ verspielt hätten, weil sie jetzt nicht mehr so einfach in den Ländern Europas arbeiten könnten.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ein soziales System einer solchen Größe und Vielfalt wie Europa so funktionieren kann. Da muss bestimmt ein wenig gesteuert werden.
    Ein Beispiel dazu:
    In China wollen die meisten Chinesen in Peking leben. Das geht natürlich nicht, also müssen Chinesen, die nach Peking wollen, Voraussetzungen erfüllen. Z.B. müssen sie über ein abgeschlossenes Studium verfügen oder den Nachweis für ein nicht unbeträchtliches Vermögen erbringen.
  • Als weiterer Vorteil der EU wird immer der Wegfall der Grenzkontrollen erwähnt. Grenzkontrollen nehme ich gerne in Kauf, wenn damit der totale digitale Überwachungsstaat vermieden werden kann. Intelligent organisierte Grenzkontrollen (siehe Eisenbahn oder am Flughafen) führen auch nicht zu Staus.
  • Schließlich:
    Ich mag kein Europa von Nationalstaaten, die sämtlich bereit sind, die Freiheit der Sicherheit zu opfern und von denen eine Reihe mich eher an Diktaturen und korrupte Systeme mit faschistischen Tendenzen als an funktionierende Demokratien erinnern.

Schlusssätze:

Ich bin für Vielfalt und gegen Einfalt. Ich mache mir Sorgen, dass zu große Systeme die Einfalt fördern. So bin ich für ein EUROPA der vernetzten und verbundenen Regionen, die sich gerne und freiwillig in die Gemeinschaft integrieren. Einem EUROPA, dass den Regeln der Subsidiarität folgt.

Ich mag kein EUROPA, dass wie eine Marionette an den Fäden von Konzernen und Wirtschaftsinteressen hängt. Ich mag kein EUROPA, das von einer Oligarchie von Parteien regiert wird, die vor allem den Vorgaben der Lobbyisten folgt. Und die alle ihr Geschäft mit  der Angst betreiben.

Mein EUROPA soll agil, offen und schlank verwaltet werden, Grundrechte und Individuelles/Privates respektieren, ethisch verantwortlich entscheiden und auch bereit sein, Besitzstand aufzugeben, wenn es notwendig wird.

Ich träume von einem sozialen und menschenfreundlichen Europa, dass radikal für Frieden eintritt, keine Kriege führt und keine Waffen in die Welt liefert. Und in seiner Politik ernsthaft der Erkenntnis folgt, dass unser Planet schon ziemlich kaputt gemacht worden ist. Und wir die Zerstörung von Umwelt und Natur auch in unseren Micro-Kosmen nicht mehr fortsetzen dürfen. Das Umweltstörung nicht auch noch subventioniert (Kerosin), auf unsinnige gigantische Projekte (S21) verzichtet und dafür Qualität auch in der Breite fördert. Von einem Europa, dass endlich mal von Ideologien und Glaubenssätzen abrückt, wie dass „durch Wachstum alle Probleme gelöst werden“, „das Leben an sich halt ein Kampf gegeneinander ist“ oder „Kinder halt mal erzogen und Menschen für ihre Taten bestraft werden müssten“.

So freue ich mich, dass die Briten mutig für einen BREXIT gestimmt haben. Dies obwohl ich die Selbstverständlichkeiten und Vorurteile von beiden Seiten – der BREXIT-Befürworter und Gegner – oft maßlos dumm und grauenhaft hypothetisch (spekulativ9 fand. Beide Seiten massten sich an, die Zukunft vorher sagen zu können und begründeten ihre Annahmen mit Argumenten, die ich als lächerlich bis kriminell empfunden habe.

Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Skala für Unredlichkeit in der politischen Auseinandersetzung nach oben offen ist. Aber das Zustimmen zum BREXIT ist dennoch ein starkes Signal, das deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann. Vielleicht bringt es Bewegung in die Politik und die Damen und Herren Politiker ein wenig zum Nachdenken. Bin aber auch da sehr skeptisch. Die Bürger müssen es wahrscheinlich selber richten.

Ganz falsch finde ich aber die ersten Reaktionen der EU-Partner-Regierungen, die so geheißen habe, jetzt müsse der Austritt ganz schnell erfolgen und ein Wiedereintritt müsse definitiv auf alle Zeit (!?) ausgeschlossen werden. Das erinnert mich sehr stark an eine Familie, in der ein Kind ausziehen will. Die Eltern mögen dies aber nicht und drohen dem Kind, dass es nie wieder einziehen dürfe. Vor 50 Jahren war so etwas durchaus üblich, ich habe es öfters erlebt.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 25. Juni 2016

Great Britain: You did it again …

Erst 2012 enthüllte die Queen das „Bomber Command Memorial“, welches die Männer und Frauen ehrte, die mit aberwitzig hohen Verlusten erfolgreiche Einsätze gegen Deutschland flogen, welches sich anschickte, ganz Europa zu unterjochen.

London_RAF_Bomber_Command_Memorial

Das war überfällig.

Mehr als 50.000 todesmutige Menschen verloren bei der Verteidigung ihrer Demokratie ihr Leben. Es ist peinlich, daß diese Ehrung erst 2012 erfolgte, mit der Begründung, daß „Bomber Harris“ deutsche Zivilisten nicht verschonte. Aber warum auch? Es war das deutsche Kleinbürgertum, welches die terroristischen Überfälle auf seine europäischen Nachbarn gebilligt und verübt hatte. Albert Speer führte in seinen Memoiren aus, daß die fortgesetzten Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung einen ganz erheblichen Anteil der Rüstungskapazität banden.

Zum Vergleich: Die ritterlich-ehrenhafte „Deutsche Wehrmacht“ warf über London Teddybären mit einer eingebauten Sprengladung ab, die so dimensioniert war, daß sie ein kleines Kind nicht töten, aber doch schwer verletzen würde. Das Kalkül war, daß die Briten ein Kind bei der medizinischen Versorgung zu Lasten ihrer kämpfenden Truppen bevorzugen würden. Gegen solche viehischen „Gegner“ ist m.E. jedes Mittel legitim.

Während alle europäischen Nachbarn von Deutschland überrannt wurden, hielten die Briten stand. Und sie kämpften entschieden, entschlossen und an allen Fronten.

Unbedingt zu erwähnen sind auch Marian Rejewski, Alan Turing und die vielen Wissenschaftler, Funker, Geheimdienstler und Helfer des „ULTRA“ – Teams in Bletchley Park, welchem es gelang, in den deutschen Marinefunkschlüssel M einzubrechen und so die massiven Verluste durch die deutsche U-Boot – Waffe weitgehend zu neutralisieren.

Wissenschaftler, aber auch Funkamateure stellten sich freiwillig unter Klausur und entwickelten das ASDIC für die Marine und das „OBOE Groundmarking Attack System“ für die RAF.

Eine ganze Nation hielt zusammen, wuchs über sich hinaus und hat es schließlich geschafft, ganz Europa vor einer furchtbaren, widerwärtigen Diktatur zu bewahren.

Vor dieser Leistung, von der wir alle in Europa profitieren, habe ich den größten Respekt.

 

Etwa 70 Jahre später rettet uns das britische Volk erneut vor einer infamen Diktatur.

Ich verneige mich und sage erneut „Danke“.

hb

Am Freitag sind sie in der Himmelfahrtskirche München-Sendling,

die arcis vocalisten

Ich verweise kurzfristig auf dieses einzigartige Konzert, nicht nur weil es noch Karten gibt. Vor allem aber deshalb, weil es eine einzigartige Aufführung werden wird, die man nicht versäumen sollte!

Das Besondere ist nicht, dass es À-Cappella, also ohne Musikinstrumente und Orchester gegeben wird. Was von den Sängern mehr abverlangt, weil keine Instrumente da sind, die das spielen, was sie singen sollen.

Sondern, dass es eine Welturaufführung beinhaltet:
Markus Fritz singt selbst bei bei den arcis vocalisten und er hat das Werk
„De Tranquilitate Animi“
nach Worten von Seneca komponiert!!!

Außerdem werden noch eine Messe von Rheinberger und ein paar Stücke von Brahms (Opus 74 No. 1 ) und Kaminski gegeben:

FlyerACapella

Wenn ich an diesem Tage nicht in Frankreich wäre, würde ich auf jeden Fall hingehen.

Nicht nur aber auch weil die Evelyn (EG) mit singt.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 14. Juni 2016

Microsoft kauft Linkedin – spontane Gedanken.

Nur so ein paar Gedanken zum Deal …

 

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Diese Meldung hat mich dann doch überrascht:

Microsoft kauft Linkedin für 26 Milliarden Dollar. 

Auch weil der Preis mir eigentlich günstig erscheint. Denn gleichzeitig bietet ein „deutsches“ Unternehmen wohl mehr als 60 Milliarden für ein Unternehmen, dass so mancher emotional als „kriminelle Klitsche“ betrachtet.

Für Microsoft mag es ja gute Gründe für den Deal geben. Auch in meiner Bewertung war Linkedin so ein wenig der unterschätzte Aussenseiter unter den ganz Großen des Internets.

Und auch die Einkaufs-Aktivitäten von Linkedin wie die Übernahme von video2brain und weiteren tollen Unternehmen wie slideshare empfand ich als schlüssige Strategie.

Jetzt erscheint es mir so, als ob diese Aktivitäten nur dazu gedient haben, um die Braut auf zu hübschen und Kasse zu machen.


Mein erster Gedanke zum Deal war:

Warum haben eigentlich die Kunden von Linkedin (eines Unternehmens) kein Mitsprache-Recht beim Verkauf von Linkedin (dieses Unternehmens)?

Und ich musste mich gleich selber berichtigen:

Die Kunden habe es ja – sie müssen nur ihren Account löschen!

Wenn das alle machen würden, dann wäre doch schnell Schluss mit dem Spuk. Nur hieße dies in letzter Konsequenz den Rückzug aus all diesen Systemen, von A bis Z. Also das persönliche Verschwinden aus der virtuellen Welt. Und das ist mir auch zu blöd.

Letzten Endes ist es eben nicht nur das virtuelle Leben und nicht nur die Internet-Unternehmen. Sondern es betrifft genauso mein reelles Leben – Wohnen, Nahrungsmittel, Mobilität, Kleidung, Energie …

So reduziere ich meine Gedanken letzten Endes aus diese Frage:

Was ist das für eine Wirtschaftsordnung, wenn laut Prof. Otte im vergangenen Jahr bei Übernahmen und Zusammenschlüssen (Merger and Akquisition; M&A) weltweit der Rekordwert von mehr als 6,1 Billionen Dollar bewegt wurde.

Und ich präzisiere meine Frage:

Wie kann es möglich und rechtens sein, dass Unternehmen so viel Kapital anhäufen oder bekommen können und so solche Deals so ratzfatz möglich sind?

Ich kenne ein Buch von Georg Zoche, das heißt Weltmacht Geld. Natürlich ist Geld gleich Macht. So macht es mich sehr nachdenklich, wie Konzerne so reich (= mächtig) werden können. Dies in einer Zeit, wo der Planet langsam aber sicher hopps geht und Menschen sich gegenseitig töten und foltern. Weil sie arm sind und deshalb zum Opfer der Kriegs-Unternehmer werden.

Wie heißt so schön in der vierten Szene des ersten Aktes von Shakespeares Trauerspiel »Hamlet« (entstanden um 1600):
„Etwas ist faul im Staate Dänemark.“

RMD