Roland Dürre
Montag, der 3. April 2017

Eine ganz besondere Aufgabe!

Die Lösung kommt dann in zwei Wochen!

Ein guter Freund hat uns vor kurzem eine Denkaufgabe gestellt. Die Quelle wusste er nicht, sonst hätte ich sie gerne zitiert. Mein Freund konnte die Aufgabe nicht lösen und ich auch nicht. Aber es ist eine wirklich spannende und hoch interessante Aufgabe. Mit einer verblüffend einfachen Lösung inklusive einer mathematisch schönen Begründung. Sie schenkt uns auch ein paar Metaphern für’s Leben.
🙂 Unter anderem, dass die Mathematik auch mal zu etwas nutze sein kann.
Hier kommt die Geschichte:

Hier ein weiblicher Ganove. Auf ihrer Karte steht die Ziffer 1. Aber das weiß sie nicht. Sie kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Eine – nicht unsympathische – Gang bestehend aus 10 Personen verstößt laufend auf das Äußerste gegen die herrschende Moral. Die Mitglieder der Gang sind kreativ und klug – so betreiben sie ihre verachtenswerte Handlungen mit großer Geschicklichkeit und entgehen immer wieder dem Arm des Gesetzes. Das ist ihr Glück, denn die vorgeschriebenen Strafe für ihr Verbrechen ist der Tod durch den Strang.

Die Gang bekommt in der öffentlichen Welt einen legendären Ruf und wird für so manchen einfachen Menschen zum Idol. Für die Staats-Autorität ist diese Entwicklung völlig inakzeptabel. So führen die erhöhten Fahndungs-Bemühungen der Behörden gepaart mit dem zunehmendem Übermut und Leichtsinn der Bandenmitglieder zur Ergreifung der Gruppe.

Alle 10 Bandenmitglieder werden aufgrund ihres schändliches Treiben in einem Schauprozess ganz schnell zum Tode verurteilt. Es gibt aber noch eine mögliche Rettung für die 10 Komplizen – ein gestelltes Gnadengesuch. Das Staatsoberhaupt ist eine sehr kluge und gutmütige Frau, die dies entscheiden muss. Sie gilt als sehr erfahren und weise; es gibt Gerüchte, dass sie sogar ein wenig mit der Gang sympathisiert habe.

In der Tat macht sie es sich nicht einfach. Sie erlässt einen bedingten Gnadenerlass (so ein wenig im Sinne eines „Gottesurteils“):

Vor der Hinrichtung dürfen sich die 10 Mitglieder noch ein letztes Mal sehen. Es findet ein Abschieds-Treffen statt, die 10 Ganoven dürfen den Nachmittag vor der Hinrichtung gemeinsam und ohne Überwachung verbringen.

Hier ein männlicher Ganove. Auf seiner Karte steht die Ziffer 2. Aber das weiß er nicht. Er kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Zu Beginn dieses Treffens wird den Ganoven erklärt, wie der Gnaden-Erlass funktionieren wird. Von jedem Bandenmitglied wurde ein Foto gemacht (zwei davon sieht man links). Jedes dieser Fotos wird mit einer Ziffer aus der Menge 0 – 9 {0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9} versehen, wobei jede Ziffer beliebig oft verwendet werden kann. Es könnte also sein, dass auf allen Bildern dieselbe Ziffer steht. Oder nur eine Teilmenge genutzt wird wie z.B. {1,2, 3)}. Oder nur gerade oder ungerade Ziffern auf den Fotos stehen. Wie auch immer. Aber auch alle Ziffern könnten genutzt werden. Es ist alles möglich.

Nach dieser Belehrung dürfen sie die vielleicht letzten Stunden ihres Leben gemeinsam verbringen. Wie das Treffen vorbei ist werden sie in Einzelhaft genommen. Dort wird jedem der 10 Bandenmitglieder die 9 Fotos der anderen 9 Mitglieder gezeigt – aber nicht das eigene. Und dann wird er nach der Nummer auf dem eigenen Foto befragt. Und wenn auch nur einer der Ganoven die Ziffer auf seiner Karte richtig errät – dann werden alle begnadigt.

Zuerst denkt man sich, dass die Ganoven so eine gute Chance haben, noch mal Gnade vor Recht zu bekommen und ihrer verdienten Strafe zu entkommen. Und zweifelsfrei hat sich ihre Situation schon mal verbessert. So schlecht ist die Chance ja nicht, dass einer der Zehn die Ziffer auf seinem Bild errät und so sie alle der Hinrichtung entkommen.

Aber so einfach ist es nicht. Es kann auch schief gehen. Und was die weise Regentin vergessen hat (oder vielleicht auch nicht):
Die 10 Ganoven können mit einer einfachen Verabredung sicher stellen, dass ein Ganove zwingend die richtige Zahl sagt, die auf seinem Bild steht.
Und damit garantiert, dass er und seine Kameraden begnadigt werden.

Das ist die kleine Aufgabe: Mit welcher Verabredung schafft es die Gang, das zur Verabschiedung gedachte Treffen für eine Verabredung zu nutzen, mit der sie „ihre Köpfe“ zu 100 % aus der Schlinge ziehen?

In ein paar Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der richtigen Lösung!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 6. Oktober 2016

Arbeit und Rente? Geld!

 

🙂   Ich will doch gar nicht arbeiten und Rente kriegen sondern einfach nur Kohle verdienen! 

 

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Digitalisierung.

Zurzeit bin ich viel in Sachen Digitale Transformation unterwegs. Sowohl in aktiven wie in passiven Rollen. Das meint, dass ich ab und zu darüber rede und viel mehr anderen schlauen Menschen zu diesem Thema zu höre.

Bei den einschlägigen Vorträgen und Reden zur Digitalisierung, dem anstehenden Wandel und den kommenden Folgen fällt mir auf, dass da immer viel über „Arbeitsplätze“ gesprochen wird.

Besonders über solche, die in naher Zukunft verloren gehen werden. Was nach meiner Meinung aber auch so keiner wirklich und ganz genau weiß.

Düstere Zukunft.

Und dass die Zukunft für die meisten Menschen – gerade auch in den entwickelten Gesellschaften – gar nicht so rosig aussehen würde. Vielleicht – nicht ganz überraschender Weise – wird dann auch immer übers BGE (bedingungslose Grundeinkommen) gesprochen bzw. dieses gefordert. Weiter höre ich, dass es für die nicht-digitalen Ländern sowieso ganz schlecht aussehen würde.

Immer wenn ich Arbeitsplatz höre, dann kommen mir „ketzerische Gedanken“. Ein zentraler Punkt ist, dass ich eigentlich nie arbeiten wollte. Natürlich haben mich spannende Aufgaben gereizt. Meine „Arbeit“ nach diversen Aushilfs-Tätigkeiten als Baby-Sitter, Nachhilfe-Lehrer, bei einer Spedition, als Nacht-Parkwächter oder in einer Putzkolonne war ja ab Anfang 20 das „Programmieren“, das mir aber auch immer ein Hobby war.

Alle reden von Arbeitsplätzen und BGE.

Nein, ich wollte nicht arbeiten und auch keinen Arbeitsplatz bekommen. Ich wollte Geld verdienen. Genug um meiner Familie und mir einen guten Lebensstandard zu verschaffen. Und dass möglichst einfach und ohne zu große Anstrengung. Und ich wollte auch immer genug „Freizeit“ haben, um mich mit Dingen zu beschäftigen die mir jenseits meines „Handwerks“ wichtig waren, wie „die Familie“ und „das Leben an sich“.

So habe ich mich gefragt, auf welche Art man in diesem Lande Geld eigentlich verdienen kann. Es gibt da legal wohl nur zwei Möglichkeiten:

Der Angestellte.

Entweder bin ich bei einer Firma angestellt – und bekomme ein „Gehalt“. Dann habe ich einen „Arbeitgeber“ und (mindestens) einen „disziplinarischen Vorgesetzten“ – man betrachte die eigentümlichen Begriffe. Und oft ist man dann Teil eines oft genauso eigentümlichen sozialen Systems.

Der Selbstständige.

Wer nicht „angestellt“ sein mag, der muss etwas tun, für das er Rechnungen stellen kann. Dann ist er ein „Selbstständiger“ und hat die Chance, ein klein wenig weniger vom System des Arbeitgebers vereinnahmt zu werden. Was auch schon ein Wert ist.

Es gibt also die Kategorien „Angestellte“ (früher gab  es da auch noch Arbeiter) und „Selbstständige“. Selbständiger kann ich sein, indem ich entweder ein sogenannter „Freiberufler“ bin oder ein Unternehmen gründe. Das Leben ganz allein als Freiberufler erschien mir persönlich als sehr (zu) riskant – deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Partner zu suchen und ein Unternehmen zu gründen.
🙂 Denn das Angestellten da sein war wirklich „boring“.

Die Rechtsform.

Um ein Unternehmen zu gründen, muss man sich für eine Rechtsform entscheiden. Mögliche Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dazu zähle ich die OHG (offene Handelsgesellschaft) und Partnerschaften wie sie gerne von Rechtsanwälten, Steuerprüfern, Beratungsgesellschaften etc. gebildet werden. Die würde ich wahrscheinlich bevorzugen, wenn ich wieder einmal eine Firma gründen sollte.

Weitere Rechtsformen sind die klassische GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und ihre modernen Brüder (Europa-GmbH, UG …), Genossenschaft und Aktiengesellschaft (AG). Die Mischformen wie KG & Co etc sind für meine Betrachtungen hier nicht relevant.

Eine dritte Variante neben „Arbeiter/Angestellter“ und „Selbstständiger“ ist der Beamte. Auf den möchte ich nicht eingehen, da er a) eine Minderheit ist und b) zumindest was die üppige Altersversorgung betrifft völlig aus der Rolle fällt.

So kommen wir zur Rente. Die „Angestellten“ zahlen – unterstützt von den „Arbeitgebern“ – viel Geld in die Sozialversicherung, um später Rente zu bekommen. Die Konstruktion des „Renten-Systems“ beruht auf Solidarität und hat wie alle solche Systeme eine Ambivalenz. Jeder meint, er würde zuviel einzahlen und zu wenig rauskriegen.

Die Rente.

Die Rente wird gerne schlecht gemacht, weil sie ein unteroptimal scheinendes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Dabei wird vergessen, dass bei disruptiven Ereignissen wie z.B. dem zweiten Weltkrieg oder dem Beitritt der DDR zur BRD die Rente oft das einzige System war, dass die Menschen über die Disruptivität hinaus weiter versorgt und nicht versagt hat.

Das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis hat auch nicht nur die Rente sondern auch die privaten Vorsorgemaßnahmen wie Sparen, Abschluss einer Lebensversicherung oder die unglücklichen staatlich-privaten Konstrukte wie die Riester-Rente. Das früher starke Mittel der Betriebsrente als wertvolle Ergänzung zur staatlichen Rente ist mittlerweile ein Instrument aus der Vergangenheit.

Die Sozialversicherung.

Immer mehr Menschen wollen „freiberuflich“ arbeiten, um die hohen Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Staat und Rentenversicherung mögen das gar nicht – sie legen deshalb die Hürden sehr hoch. Und treiben die Freiberuflichkeit mit Regeln und Gesetzen wie AÜG in die Enge und sogar in die Illegalität. Die Gesetzeslage und ihre -Handhabung sind widersprüchlich und es gibt da viel Unsicherheit. Grauenhaft.

Dabei gibt es ja auch eine – zwar absurd erscheinende – aber absolut effiziente und legale Methode, Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Freiberufler müssen sich nur zu einer Aktiengesellschaft zusammen schließen und sich alle zu Vorständen der Gesellschaft machen. Dann sind sie nicht nur von der Sozialversicherung befreit – nein sie ist ihnen sogar verwehrt. Und das völlig legal und nach aktuellem Gesetzesstand wohl unangreifbar. Eigentlich für gesunden Menschenverstand unfassbar.

Immer weniger qualifizierte Tätigkeiten.

Die Vorhersagen von den vielen schlauen Menschen, denen ich zugehört habe, sagen uns, dass die „qualifizierten“ Aufgaben immer weniger werden und dass das „Dienstleistungs-Proletariat“ stark wachsen wird. Die Durchlässigkeit durch Bildungsschichten geht immer mehr verloren Das heißt, dass in Zukunft die qualifizierten Menschen immer mehr aus der Oberschicht kommen. Das sind dann auch die typischen Erben. Die brauchen kein Einkommen mehr und können so wirklich „aus Spaß an der Freude“ arbeiten und Zeit in schöne Dinge investieren, um dann in Zukunft vielleicht mal so richtig zu profitieren. Oder eben nicht.

Umsonst arbeiten.

Und es werden immer mehr Menschen, die qualifiziert wirken aber umsonst arbeiten. Damit meine ich Menschen, die es „for free“ machen. Und zwar meine ich hier nicht die vielen Ehrenamtlichen wie sie in Vereinen und in der Gesellschaft wirken. Und auch nicht die ausgebeuteten jungen Leute der Generation „Praktikum“.

Sondern junge und alte Menschen, die etwas für die Zukunft machen, ohne Vertrag und ohne Rechnungstellung. Ich bin auch so einer. Ich meine, dass ich einiges bewege und versuche, Menschen und Unternehmen zu helfen, glücklicher und erfolgreicher zu werden.

Aber eben nicht gegen Geld. Sondern weil ich hoffe und weiß, wie viel davon zurück kommt. Und ich die Gewissheit in mir trage, dass ich dabei soviel Kontakte und Wissen gewinne, dass das irgendwann mal so richtig Geld bringen wird, also sich auch monetär lohnen wird. Wenn ich z.B. in das richtige Start-Up investiere oder eine große Rechnung schreiben kann, für einen wesentlichen Mehrwert, den ich erbracht habe. Und so die Arbeit zu einem spannenden und schönen Spiel wird.

Ich kenne da eine Reihe von Menschen, die das auch so machen. Die sind oft jünger als ich. Sie machen unentgeltlich einen Super-Job. Weil sie wissen, dass es sich früher oder später auch materiell lohnen wird. So kenne ich auch junge Unternehmer, die ihre Gründung eines Start-ups sehr ernst nehmen und mit großem Engagement diesen voran bringen. Die sich aber über ihren Lebensunterhalt überhaupt keine Gedanken machen – weil sie z.B. als Erben Kohle genug haben.

Keine rosigen Aussichten?

Das alles dürfte Zukunft werden – immer mehr arme Menschen, die sich durch die Ausübung sehr einfacher Tätigkeiten so gerade noch über Wasser halten können und immer weniger Menschen, die mit oder ohne Einkommen aus ihrer Tätigkeit so richtig Spaß an der Arbeit haben und immer reicher werden. Ehrlich gesagt, wäre das eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft und mir Sorgen macht.

Erfolgsrezepte:

Hier noch zwei positive Empfehlungen, wie man am besten Geld verdient:

  • Immer mehr geben als nehmen!
    und
  • Muster brechen!

Dazu schreibe ich dann in Bälde einen weiteren Artikel inklusive einer Empfehlung von Gebhard Borck wie man am besten seinen eigenen Preis (Wert) finden kann …

RMD

P.S.
Sehr lesenswert dazu sind in Wikipedia die Artikel zu Industrialisierung und Digitalisierung.

So ist das Foto auch aus Wikipedia und zwar von AspdinOwn work by uploader (own original personal amateur photograph by ancestor). Es zeigt die Zeche Sterkrade, das Foto ist zirka von 1910–1913, freigegeben unter CC BY-SA 3.0.

Roland Dürre
Freitag, der 6. Mai 2016

Trinkgeld

Zurzeit bin ich wieder auf Reisen. Mit dem Fahrrad in Italien.  Am Sonntag vor knapp einer Woche sind wir am Morgen in Orvieto aus dem Nachtzug München Rom mit dem netten Namen LUPUS ausgestiegen. Von dort haben wir das schöne Rom auf dem Wege zu einem Kongress im Süd-Osten Roms in drei Tagen umrundet. Die erste Station war Viterbo, die Nacht darauf haben wir in Tragliatella geschlafen.

castelcardinaleDer Kongress war in einem wunderschönen Tagungshotel Castel Cardinale hoch über dem Albaner See gegenüber von Castel Gandolfo. Jetzt machen wir noch zwei Tage Urlaub mit Freunden und dann soll uns eine weitere Rundfahrt wieder zurück ins schöne Rom führen, von wo uns dann am Mittwoch Abend wieder der Nachtzug zurück nach München bringen soll.

Da stellt sich wieder typische Frage:
Bekommt der Schlafwagenschaffner ein Trinkgeld?

Wenn ich ins „Ausland“ fahre, muss ich dann Trinkgeld geben? Wer kennt sie schon, die Trinkgeld-Sitten in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Albanien, Bulgarien, oder gar Nordafrika, der Türkei und den vielen anderen Ländern?

Gibt es in den Ländern Unterschiede, wenn ich z.B: Essen gehe oder in einem Privatquartier übernachte? Oft ich da unsicher: Was ist üblich, verletze ich vielleicht gar den Stolz eines Menschen wenn ich was gebe, obwohl ich es ja nur gutgemeint habe. Oder ist es schäbig, wenn ich nichts gebe?

Es gibt ja Länder, in denen das „Trinkgeld geben“ ein Muss ist. Dazu gehören die USA, in denen es ja ein „direkter“ Gehaltsbestandteil ist und man ohne Trinkgeld den Laden ja gar nicht verlassen kann. Da ist dann eh alles klar. Aber auch in Deutschland bin ich unsicher. Wie kann es sein, dass dort das Trinkgeld kein Muss ist, aber in Gastronomie-Betrieben trotzdem pauschal versteuert werden muss?

Jetzt radele ich durch Italien. Dort ist soviel ich weiß das „Trinkgeld geben“ eher unüblich. So habe ich auch kein Problem.

Wie soll ich das aber mit dem Schlafwagenschaffner im Zug von Deutschland nach Italien machen?

Meine Lösung war: Ich gebe ihm ein Trinkgeld, dass ein klein wenig mehr als nur symbolisch. Auf der Hinfahrt waren das 5 € für uns beide (also unser Abteil). Und habe ihm kommuniziert, dass er das als Ausdruck meiner Wertschätzung für seine Arbeit sehen soll. Anschließend habe ich erfahren, dass Schlafwagenschaffner früher eigentlich immer Trinkgeld bekommen haben, dies aber immer mehr aus der Mode gekommen wäre.

Ich meine, dass „Trinkgeld geben“ genau dann Sinn macht, wenn es a) zu den Regeln des Landes passt und das „Geschenk“ zudem auch noch klar als Wertschätzung kommuniziert wird. Und bin ganz froh über solch kleine und unscheinbare Gedanken-Ergebnisse, die mir das Leben noch ein wenig freudvoller machen.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Kommunikaze

Hier wird ja viel berichtet von Projektarbeit und -management. Dazu meine ideologisch eingefärbte Sicht der Dinge, zusammengefaßt:

So gut wie jede Kommunikation mißlingt, und je artifizieller sie ist, desto mehr mißlingt sie. Von dieser ganzen Twitteria nehme ich ja Abstand. Denn bei meinen Kollegen sehe ich regelmäßig, wohin das führt: Die „Händis“ geben permanent irgendwelche abstrusen Laute von sich und die Gesprächspartner sind abgelenkt. Die meisten lesen ja doch und beantworten dann dreisterweise auch noch ihre „Post“.

Die Mailerei geht mir zunehmend auf die Nerven, fünf bis zehn Mailwechsel pro einfachem Vorgang sind gar nichts.

Also telephoniere ich lieber, weil erstens im stetigen Wechsel Rede – Gegenrede Irrtümer frühzeitig erkannt werden können und zweitens der Subtext wesentlich besser erfaßt werden kann.

Aber auch für das Telephonieren sind wir eigentlich nicht geschaffen. Menschen müssen einander sehen. Und nun sage mir keiner, „macht eine Videokonferenz“.

Gerade, wenn ich in Projekten arbeite, stelle ich fest, daß die persönliche Anwesenheit durch nichts zu ersetzen ist. Das fängt damit an, daß der Besuchte Zeit einräumt und der Besucher sich spätestens auf der Hinfahrt vorbereitet. Im Termin kann man, ganz multimedial, an die Tafel gehen und Zusammenhänge skizzieren. Und, quasi hypermedial, Sachen auch gleich ausprobieren. Aber das ist nur eine Seite der Münze: Im Gespräch erfahre ich über neue Vorhaben eines Kunden oder erhalte Rückmeldungen bezüglich des letzten Projektes.

Persönliche Kommunikation sorgt dafür, daß die Zusammenarbeit besser funktioniert. Kommunikation ist daher für mich auch Mobilität.

Und hinsichtlich Mobilität muß ich vor Roland warnen: Wenn jener stets erzählt, wie schön entspannend doch Radfahren sei — lasset alle Hoffnung fahren. Meine Frau und ich bringen pro Jahr über 10.000 Km unter die Räder und dürfen uns als nicht gerade ungeübte Radfahrer bezeichnen. Wir fahren auch sehr gut angepaßte, moderne und effiziente Fahrräder.

Und als Roland vor fünf Jahren hier im Blog eine „kleine, entspannende, erfrischende Tour“ lobpries, haben wir uns erlaubt, die Strecke einmal nachzufahren. Fix und fertig waren wir hinterher. Nein, Roland, so viel steht fest: „Mal eben einen Kunden mit dem Rad besuchen“, das kann man getrost vergessen. Es sei denn, man will sich so richtig beliebt machen.

Eine der großen Entlastungen für Admins und Programmierer sind die mittlerweile sehr handlichen Datenträger. Wenn ich mich an früher erinnere: Da fuhr ich kofferraumweise Bänder, Listings, Peripheriegeräte und Werkzeuge durch die Landschaft. Heute besorgt man sich vor Ort alles per Internet oder hat seine Daten auf einem winzigen Flash-Datenträger.

Warum also nicht, mit leichtem Gepäck, „hybrid“ reisen? Damit meine ich, den Löwenanteil mit der Bahn und den Rest mit dem (Falt-)rad.

Das kann die tägliche Fahrt zur Arbeit sein, aber auch Geschäftsreisen über mehrere Tage sind möglich und machen viel Vergnügen: Denn am Zielort hat man den Vorteil, mit einem Fahrrad mobil zu sein.

Die Fahrt im Zug kann man sinnvoll mit Musikhören, Lesen oder Stift und Papier nutzen – oder sinnlos mit Telephonieren oder Smartphonebedaddeln totschlagen. Eine Reise ist für mich eine Reise, die ich als „Auszeit“ sehe und durchaus dem Kunden widme, den ich besuche. Was nur fair ist, der zahlt ja schließlich die Anreisezeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Kunden es mittlerweile akzeptieren, wenn man mit dem Fahrrad erscheint – obwohl sich das nicht gerade beim Erstkontakt anbietet.

Damit solche „hybriden“ Möglichkeiten häufiger genutzt werden können, müssen Veränderungen stattfinden, insbesondere im Nah- und Fernverkehr der DB. Eines geht ja schon ‚mal gar nicht: In der Münchner S-Bahn sind riesige Panorama-Kinderwagen stets kostenfrei willkommen, aber mit dem Rad darf man zu Berufsverkehrszeiten nicht einmal hinein. Hartmut Mehdorn hat ja die Forderung nach Fahrradmitnahme im Fernverkehr konsequent torpediert, viele Strecken werden nicht mehr bedient.

Es ist also etwas zu tun:

Kreativer Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist erforderlich. Und obwohl mir „Barcamps“ so gar nicht liegen, möchte ich auch nochmal Werbung machen für das
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Momentane Lieblingsprojekt von Roland
,

im Rahmen dessen man vielleicht etwas erreichen kann. Den einen oder anderen Beitrag, wie man MVV, Ordnungshüter und die deutsche Bahn ausbremst, könnte ich auch liefern.

Das mache ich nicht, weil ich an unsere Umwelt denke. Ich mache das, weil es Unabhängigkeit und Lebensfreude bringt. Und ich mache es, damit Horrortrips wie diese die absolute Ausnahme bleiben.

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hb

Roland Dürre
Sonntag, der 23. August 2015

Unternehmertagebuch #112 – Von sinnlosen Besprechungen.

„Mein Leben nach InterFace ?“

🙂 Gerne erzähle ich aus meiner beruflichen Zeiten. Wass mich da begeistert und was mich da bedrückt hat. Deshalb auch wieder aus dem Urlaub in Griechenland ein kleiner Beitrag zum Unternehmertagebuch:

Im negativen Bereich waren das zum Beispiel die vielen sinnlosen Besprechungen, an denen ich teil nehmen durfte / musste. Die in manchen Fällen einen ganzen Tag dauerten und bei denen die Teilnehmer dann am Abend gar nicht aufhören wollten. Obwohl oder vielleicht weil das Meeting sich schon den ganzen Tag im Kreis drehte. Und ich – wie jeder der Teilnehmer – nicht in der Lage war, sinnvoll auf die Runde einzuwirken.

Dann erzähle ich meinen Zuhörern, dass es in solchen Besprechungen mein einziger Trost war, dass die „Kontierungsuhr“ mitgelaufen ist. Ich also tatsächlich in solchen Fällen für meine Arbeit mit einem Schmerzensgeld entlohnt wurde.

Das ist nur teilweise wahr und eine zynische Ausrede. Aber dann fällt mir ein, dass es auch im eigenen Unternehmen so viele sinnlose Besprechungen gab. Und es stellt sich mir die spannende Frage, warum ich dies zugelassen habe und da überhaupt mitgemacht habe.

Vielleicht war es mangelnde Zivilcourage? War ich zu feige, gerade mich ausserhalb des Systems zu stellen und traditionierte Regeln und Muster zu brechen? Ist die Pflicht zur Besprechung nicht ein Teil der Unternehmensmoral und festgelegt in den Geschäftsordnungen? Und wer verstößt schon gerne gegen Recht und Ordnung? Ich hatte den Mut nicht. Denn dann gab es auch immer mal wieder den Wunsch:

„Wir müssen mehr miteinander reden!“

Und dem stimme ich zu. Auch aus heutiger Sicht. Allerdings bitte nicht in langen und formalen Besprechungen, die dann noch protokolliert werden – natürlich um auf der sicheren Seite zu sein!

Wenn Besprchungen dann im kurzen „SCRUM“-ähnlichen Meeting möglichst stehend oder außerhalb des Unternehmens im freien Raum.

Aber das miteinander reden macht spätestens dann keinen Sinn, wenn man sich nur noch wiederholt und im Kreise dreht. Dann hilft wahrscheinlich nur die einsame Entscheidung und dann die schnelleTrennung.

Zusammenfassend meine ich, dass man alle Regeln und Rituale im Unternehmen permanent hinterfragen sollte. Besonders auch die vielen Meetings, die ja oft auch nur die Folge von festgelegten Ritualen und Prozessen sind. Und dies stetig und fortwährend, immer auf einer objektiven und von Eigeninteressen losgelöster Ebene.

Und wenn man erkannt hat, dass es nichts mehr bringt, dann muss man auch den Mut haben, zu handeln. So wie dies übrigens auch KANBAN in seiner letzten und für mich wichtigsten Regel fordert.

Und das gilt nicht nur für das Unternehmen und seine Projekte sondern auch für die Politik, für unsere sozialen Systeme wie auch für unser Privatleben.

Nicht zuletzt habe ich übrigens einen ganz zynischen Verdacht:
Wenn wir in den Unternehmen nicht so viele Besprechungen hätte, dann wären wir immer schon mittags mit der Arbeit fertig und wüssten nicht, wohin mit der freien Zeit.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Juni 2015

PM-Camp – gestern Zürich – morgen Bad Homburg.

CGu_W8WUgAI8wlMGestern abend bin ich vom PM-Camp aus Zürich #pmcampzue zurück gekommen. Es war ein kleines aber sehr feines PM-Camp, dass mir zwei großartige Tage geschenk hat.

Der erste Tag wurde eröffnet von Nadja Schnetzler, Besitzerin von word and deed. Sie verzauberte die Teilnehmer des Camps mit ihren wunderschönen Postkarten: Und zeigte, wie man auf ganz ruhige und gelassene Art „das Chaos umarmen“ kann.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser schöne Impuls viel dazu beigetragen, dass in vielen Sessions dann die Situation des Menschen in seinen verschiedenen Rollen in für Projekte typische Aufgabenstellungen ein wichtiger Schwerpunkt war.

So ging es viel um den Wandel in unserer Gesellschaft und so auch in unseren Projekten, den Weiterentwicklung so mit sich bringt, um gewollte wie ungewollte Veränderung – und um „Innovation als kreative Zerstörung“.

CGzS2XBVIAApMhUAm Samstag, den zweiten Tag sind wir mit einem Paukenschlag in den Tag gestartet. Bruno Gantenbein, Besitzer von Unschooling.ch
und seit vielen Jahren unterwegs als erfolgreicher Unternehmensberater, hat gleich am frühen Morgen einen starken Impuls zum Thema “Auch Lernen ist in Evolution” eingebracht. Und das in einer Emotionaliät, die bei dem einen oder anderen Zuhörer zu Tränen der Rührung und Freude geführt hat.

Und dann hat auch er in seinem Vortrag auch noch einen wunderbaren Bogen zum Projekt Management geschlagen – mit der in meiner Bewertung so zentralen Frage „Wie, wo und was lernen denn eigentlich Projekt Manager“.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Kein Wunder, dass der zweite Tag dann doch sehr stark zu einem breiten Wissensaustausch geführt hat zu der Frage, wie denn sinnvolles, effizientes und menschenwürdiges Lernen so aussehen könnte, sollte oder müsste.

Es war großartig, wie man auf den Fotos vom PM-Camp Zuerich sieht.Die Fotos findet man ebenfalls auf dem Flickr Account des PM Camp Zuerich!

Deshalb ein ganz grosses Danke Schön ans PM-Camp Zürich Orga-Team bestehend aus Dagmar, Bruno, Christian, Matthias, Silvio und Toni, der die Veranstaltung in Zürich initiert hat.

PMCampRM_Logo_gross-150x150Und schon in weniger als einem Monat am 02.-04. Juli 2015 geht es weiter mit den PM-Camps in Bad Homburg! Dann heißt der Tag #pmcamprm!

Da will ich dann auch wieder dabei sein und natürlich gibt es dazu hier in IF-Blog auch noch einen Bericht!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2015

DER ZEITKÄFIG.

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Vor kurzem habe ich im Artikel „Goldener Stacheldraht“ beschrieben, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise vereinnahmen, so dass diese Menschen dann im Laufe der Jahre völlig unselbstständig werden. Und das auf ganz angenehme, ja verführerische Art uns Weise.

Dieser Artikel hat eine Reihe spannender Diskussionen ausgelöst. Auch um den Zeitkäfig, in dem die meisten von uns – ob angestellt oder freiberuflich arbeitend – eingesperrt sind. Denn alles wird in Zeit gemessen, die Arbeit, die Mobilität, die Freizeit. Und stiehlt uns unsere Lebenszeit.

Wie absurd ist doch der Gedanke, dass man jede Woche eine feste Anzahl Stunden seiner Zeit abliefern muss, ganz gleich was ansteht. Das mag in einem „Tayloristischen System“ einleuchten. Man steht am Fließband, macht besondere Handgriffe und bekommt für jede Stunde dieses Tuns ein Stück Geld. Aber der Taylorismus sollte doch für viele von uns Vergangenheit sein.

Die Alternative zu diesem mittlerweile uns als so selbstverständlich vorkommenden Systems waren der sicher auch schwierige Akkordlohn, der dem „Leistungsprinzip“ folgt. Beim Akkordlohn wird nicht mehr nach Zeit sondern nach der Anzahl der hergestellten Teile bezahlt. In auf Kaizen basierenden Strukturen findet man analog den Gruppenakkord. Der ja auch eine positive (Teamarbeit) und eine negative (Gruppendruck) Seite. So richtig mehr gab es da nicht.

Auch die sogenannten Wissensarbeiter (die ehemals mit weißen Krägen und Krawatten unterwegs war und heute lieber Rollis tragen) werden über die abgegebene Zeit abgerechnet. Sie bekommen ein Fixum, für das sie eine Anzahl von Stunden „arbeiten“, also diese Zeit im oder fürs Unternehmen verbringen müssen. Das wird dann ergänzt durch einen variablen Gehaltsteil, der in Zielvereinbarungen (einer modernen Art von Akkordlohn) festgelegt ist.

Dieses „Denken in Arbeitszeit“ hat sich in unseren Gehirnen so tief bei eingeprägt, dass wir es für ganz normal halten. Auch mir in meiner Rolle als Vorstand der InterFace AG ging das so. Es gab Werktage, da war ich nur wenige Stunden am Arbeitsplatz. Und habe in diesen wenigen Stunden oft wesentliches bewirkt. Wenn ich dann aber am frühen Nachmittag zu meinen Kindern heim gegangen bin, dann hat sich mein Über-Ich gemeldet und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. +

In meinem neuen Leben merke ich, wie unsinnig das ist. Ich versuche Vorhaben so zu gestalten, wie sie mir wichtig sind. Uns setze soviel Zeit ein, wie fürs Gelingen notwendig ist. Und fühle mich viel freier als früher.

Ich kenne viele Freiberufler, die sich absolut autonom fühlen, aber ganz selbstverständlich im Zeitkäfig stecken. Rechnen sie doch ihren Verdienst als Stunden- oder Tagessatz über die Anzahl der Stunden ab. Bei einer der erwähnten Diskussionen in Twitter hat einer darüber gerätselt, warum sich die meisten „Freiberufler“ ungern als solche bezeichnen. Und sich im Internet so meistens als Seniorberater, als Spezialist für irgendetwas oder als Geschäftsführer (der eigenen 1-Mann GmbH) vorstellen. Einer meinte als Erklärung, dass „freiberuflich“ für „potentiell arbeitslos“ stehen würde. Uns dies klänge doch nicht schön.

Ich denke, dass ein Freiberufler ein Tagelöhner ist – und das ist doch ein ehrlicher aber kein schlechter Begriff. Auch wenn das vielleicht ein wenig nach „Knecht“ klingt. Aber wir sind doch letzten Endes alles Knechte, die einem Herrn, einem System oder einem Wahn dienen.

Es sind aber auch andere (moderne?) Entlohnungssystematiken gut vorstellbar. Gebhard Borck schlägt zum Beispiel in seinem Buch Dein Preis den Wertvertrag als eine Alternative vor. Das ist alles andere als dumm und gefällt mir sehr gut. Aufgrund der vielen und überall installierten Zeitkäfige sind solche oder ähnliche Gedanken für die meisten Freiberufler aber (noch?) Utopie oder zumindest schwer durchsetzbar.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia, es stellt einen Eisenkäfig (florentinisch, ausgehendes 17. Jahrhundert), der sich im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau befindet. Der Urheber ist Flominator.

Roland Dürre
Montag, der 23. Februar 2015

Ich bin dann mal auf der Insel … #noweb

Abstinenz vom Internet! Vom 26. Februar bis 14. März 2015.

Flag_of_Cuba.Am Donnerstag (26. Februar) geht es nach Kuba. Mit einem Direktflug von Air Berlin von München nach Varadero. Und unsere beiden Utopias, die Silbermöwe und Roadster, sind auch dabei.

Barbara und ich werden dann genau zwei Wochen möglichst weit durch die lang gestreckte Insel radeln. Bei der Vorbereitung haben wir gelernt, dass es in Kuba mit dem Internet noch nicht so weit her sein soll. Man kommt wohl nur aus ausgewählten Touristik Hotels ins Netz.

Typische Verkehrsszene auf einer Landstraße zwischen Santiago de Cuba und Holguín (2008)

Typische Verkehrsszene auf einer Landstraße zwischen Santiago de Cuba und Holguín (2008)

Da will ich aus der Not eine Tugend machen und zwei Wochen „web-abstinent“ leben. Das erste Mal seit vielen Jahren in meinem Leben.

Also #nointernet und #noweb. #noTwitter und #noFacebook. Raus aus der virtuellen Welt. Rein in die Reelle.

Ich werde auch keine Pläne machen und mir nichts vor nehmen. Nichts vorhaben. Nur im Jetzt leben und das Leben lieben. Mit den Rädern einfach durch Kuba bummeln, dies mit weit geöffneten Augen und Ohren und vor allem mit einem offenen Herzen. Die Sonne und die warme Luft genießen. Und am Abend schau ich, wo es uns hin getrieben hat und wir Quartier finden.

Das bedeutet auch, dass ich in diesen beiden Wochen keine Artikel für IF-BLog schreiben und veröffentlichen werde. Also auch #noIFBlog!

Havanna – Blick auf das Kapitol

Havanna – Blick auf das Kapitol

Vielleicht mache ich mir ein paar Notizen und Photos von der Reise. Die gibt es dann anschließend zu lesen.

Ansonsten möchte ich meinen Kopf völlig von den Gedanken des Alltages befreien. Und alles in München lassen, was dorthin gehört. Und zu einhundert Prozent in Kuba leben.

Meine Memoiren werde ich auch nicht schreiben, obwohl es da einiges Interessantes gerade auch aus den letzten Jahren zu berichten gäbe …

RMD

P.S.
Alle Bilder sind aus Wikipedia.
„Flag of Cuba“
„Blick auf das Capitol in Havanna“ – Autor: Breogan67
„Verkehrsszene auf einer Landstraße“ – Autor: Escla
Alle lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

P.S.1
🙂 Geil wäre es natürlich schon – aus Kuba zu twittern!

Roland Dürre
Sonntag, der 22. Februar 2015

Augenhöhe – der Film über Arbeitswelt im 21. Jahrhundert.

workhard117Ein Team von fünf Menschen hat ein spannendes Projekt gestartet, aus dem ein Film wurde: „Augenhöhe„.

Die Geschichte berichtet folgendes: In einer Session auf dem 12. intrinsify!me Wevent in Berlin über die Werte der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts entstand die Idee, das nicht immer nur in Worten zu beschreiben, sondern zu zeigen. Also einen Film zu machen.

Fünf aus der Session blieben zusammen und taten dann auch was. Sie drehten den Film Augenhöhe. Ich habe von diesem Projekt das erste Mal auf dem PM-Camp 2014 in Berlin durch einen tollen Impuls-Vortrag von Ulf Brandes erfahren und dann Ausschnitte aus dem Film auf dem PM-Camp in München 2014 gesehen. Zwei der Protagonisten von „Augenhöhe“ habe ich persönlich auf PM-Camps kennen gelernt.

Dank enorm guter „social media“-Arbeit machte das Projekt schnell nicht nur im Internet „Furore“. Wie auch das erfolgreiche Crowdfunding zur Finanzierung sehr viel öffentliches Aufsehen hatte und dementsprechend erfolgreich war. Auch die Premiere am 30. Januar in Hamburg war richtig gut besucht. Über 400 (!) Menschen kamen ins Hamburger Museum der Arbeit zur Uraufführung des Filmes.

Der Film behandelt gute Themen. Mit Dokumentarfilmen mit verwandter Thematik wie von Geyrhalter, Wagenhofer (unter anderem die Trilogie We Feed the World, Let’s Make Money und Alphabet) oder Carmen Losmann (Work Hard – Play Hard) kann er von der filmischen Qualität vielleicht nicht mithalten. Das muss er auch nicht – er ist eher eine erfrischende Produktion auf dem Niveau von TV-Reports in ARD oder ZDF z.B. über die Verschiffung von Elektro-Schrott nach Afrika.

Der Film handelt von Menschen in verschiedenen Rollen der Arbeitswelt. Von Unternehmern, Managern und Gründern. Aber vor allem zeigt er Mitarbeiter, die  sich freuen, dass sie bei „guten“ Arbeitgebern arbeiten. Weil sie z.B. dank innovativer Arbeitszeit-Modelle über eine nicht selbstverständliche Freiheit verfügen und ihr eigenes Leben so realisieren wie sie es wollen.

Leider ist auch beim hochgelobten Projekt „Augenhöhe“ nicht alles Gold was glänzt. Kurz vor Vollendung rutschten in den Film noch zwei Beiträge über Adidas und Unilever.

Adidas

Plötzlich erscheint Christian Kuhna im Film, den ich auf dem open-up Camp in Nürnberg kennen gelernt habe. Er ist beim Sport-Giganten für Social Media, Moocs und was sonst noch dazugehört zuständig und steht dort einem kleinen aber feinen Team vor.

Sicher herrscht im Team vom Christian eine gute und moderne Arbeitsstimmung. So wie ich immer wieder von den kompetenten und gut gelaunten jungen Verkäufern in den Adidas-Shops angetan bin. Aber für die überwiegende Mehrheit der für den Konzern produzierenden Menschen gilt das sicher nicht.

So wurde die Aufnahme von Adidas in den Film auch im Kreise der „crowd funder“ sehr unterschiedlich diskutiert.

Unilever

Ganz am Ende der Dreharbeiten kam auch noch Unilever dazu. Schon in München war ich überrascht, dass auch der Food-Gigant als positives Beispiel dabei war. Sven Franke – einer der Protagonisten – hat dort berichtet, dass Unilever wegen des Filmes „WORK HARD PLAY HARD“ von Carmen Losmann auf „Augenhöhe“ zugekommen sei. In diesem Film hatten sie keinen guten Eindruck abgegeben, den sie jetzt wieder wettmachen wollten. Ganz gleich, ob dem so gewesen ist, Unilever passt auch nicht in so einen Film.

Sven erklärte die Entscheidung so: Man hätte zeigen wollen, dass es auch in großen Unternehmen zumindest in Nischen die Arbeitswelt auf Augenhöhe erfolgen könnte.

Ist vielleicht Geschmackssache. Klar gibt es in jedem großen Unternehmen auch „Inseln der Seligkeit“. Und wenn es das Vorstandsteam ist.

Es könnte aber auch sein, dass Adidas und Unilever aufgenommen würde, weil sie doch „big names“ sind. Und so die Zugkräftigkeit des Filmes erhöhen sollten. Ist sicher auch eine akzeptable Entscheidung, dann sollte man sie aber auch so kommunizieren.

Wenn wir bei „big names“ und solchen Gedanken sind, dann fällt mir auch Tomas Sattelberger ein. Auch der taucht – wie zurzeit überhaupt sehr häufig in der Öffentlichkeit – im Film auf. Die Geschichte vom Saulus zum Paulus soll sich ja immer wieder mal wiederholen. Ich kenne Thomas Sattelberger nicht persönlich sondern nur aus der Presse – und habe deshalb keine valide Einschätzung. Aber in seinen Vorstandsrollen bei namhaften DAX-Konzernen schien er mir kein Vertreter von „Augenhöhe“ gewesen zu sein.

Soweit die kleinen Flecken auf der an sonst weißen Weste.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Thema „Augenhöhe“, so wie es von Sven Franke oder Ulf Brandes formuliert wird, finde ich sehr gut, wie auch die Aktion an sich und das Ergebnis. Ich gönne auch den beteiligten Unternehmen den Image-Gewinn und würde mich freuen, wenn die Initiatoren auch „materiell“ ordentlich für ihr großes Engagement entlohnt werden würden.

Es macht wirklich Spaß, die Filmszenen auch „unternehmerisch“ zu diskutieren. Gerade die gezeigten Gründerunternehmen könnten suggerieren, dass eine ordentliche Firma nur möglich ist, wenn es den „guten Tyrannen“ gibt. Die Frage, die mich bewegt ist, wie man die propagierte Unternehmenskultur auch strukturell in einem sozialen System verankern kann – im Sinne zum Beispiel eines „demokratischen Unternehmens“.

RMD

P.S.
Das Bild ist nicht aus dem Film Augenhöhe sondern aus „WORK HARD PLAY HARD“ von Carmen Losmann.

Roland Dürre
Freitag, der 6. Februar 2015

Mein „Neues Leben“ – ROADMAP

RolandSchwimmen1Ab 1. Januar 2015 bin ich nicht mehr operativ bei der InterFace AG tätig. Mein „Neues Leben“ hat begonnen. Die letzten Wochen habe ich es strukturiert. Jetzt weiß ich, was ich machen will und werde. Vielleicht gelingt es mir in meinem letzten Lebensabschnitt noch etwas zu bewirken.

Ich denke immer noch wie ein Programmierer und Software-Architekt. So habe ich meine Zukunft in drei Säulen gegliedert:

Private Welt, Persönliche Aktivitäten und Zentrale Projekte.

Private Welt (Säule I)

Von meinem „arbeitslosen“ Einkommen kann ich leben. Ein schönes Leben bedeutet für mich gemeinsam mit Barbara die Zeit zu genießen. Dazu gehört das Heranwachsen unserer Enkel zu erleben und mit dem Fahrrad durch die vielen schönen Gegenden unserer Welt zu reisen. So geht es Ende Februar für zwei Wochen nach Kuba zum ganz privaten Radeln, weitere Touren in Österreich/Südtirol, Frankreich und Tschechien sind angedacht.

Natürlich liegt mir IF-Blog.de ganz besonders am Herzen. Weiter ist mir wichtig, mit meinen vielen Freunden aktiv in Verbindung zu bleiben und mein soziales Leben eher zu mehren denn zu mindern. Hier steht auch schon einiges an wie im Februar ein spannendes Treffen auf Sylt.

Mir wichtige Dingen wie Lesen, Schwimmen und Schach möchte ich ins „Tägliche Leben“ integrieren. Ansonsten will ich Stress minimieren und dennoch aktiv bleiben. Und immer weiter lernen.

Und so komme ich zu meiner zweiten Säule, zu meinen konkreten persönlichen Aktivitäten.

Persönliche Aktivitäten (Säule II)

Einen hohen Stellenwert hat für mich meine Rolle als Mentor, sowohl für junge Menschen aber auch Teams wie z.B. Start-ups. Da bin ich gut unterwegs. Das schöne beim Erfahrung teilen ist, dass ich selber dabei auch sehr viel lerne und kreativ angeregt werde. Das geht mir besonders so im Dialog mit den jungen Menschen wie mit „meinen“ Start-ups.

Aber auch „offiziell“ bin ich in Sachen „Unternehmensgründung“ unterwegs, z.B. als Jury-Mitglied von Business Wettbewerben. Auch das ist für mich wichtig, weil diese Arbeit eine spannende Quelle neuen Wissens ist. Gelegentlich bin ich in „besonderer Mission“ unterwegs, um z.B. Partner für junge Unternehmen zu finden. Dazu pflege ich auch in besonderem Maße meine „Asia-Connection“.

Weiter gehört in diese Säule die InterFace AG. An diesem Unternehmen verfüge ich gemeinsam mit Barbara über die Mehrheit. Unsere Beteiligung an der InterFace AG ist so ein wesentlicher Teil unseres Vermögens. Obwohl ich mich operativ da total zurück ziehe, möchte ich dem Unternehmen treu bleiben und es bewahren. So unterstütze ich es bis auf weiteres als Aufsichtsrat.

Und ansonsten versuche ich mit den vielen guten Typen, die ich kenne, in Verbindung zu bleiben und meine Netzwerke zu pflegen. Da habe ich viel Gelegenheit wie z.B. bei ISARNETZ, der Münchner Webwoche, im Umfeld von Open Source-Projekten oder beim PM-Camp. Diese freien Bewegungen sind mir ganz wichtig und fällt bei mir unter „private Aktivität“.

Zentrale Projekte (Säule III)

Ein bisschen Geschäft möchte ich auch noch machen, dies allerdings immer auf Basis einer gesellschaftlichen Motivation und im Sinne von Gemeinwohl-Ökonomie.

Für solche dann auch wieder operativen Aktivitäten, die ja vielleicht auch größere Dimensionen annehmen können, werde ich die IF-AGORA als Plattform nutzen. Grundsätzlich hat die IF-AGORA kein kaufmännisches Gewinnziel. Die Agora wird ein „non profit“-Unternehmen sein, dass die Überschüsse akkumuliert. Nachfolger versuche ich möglichst früh einzubinden, weil ich mich selber hier wenn möglich nur noch 3 – 5 Jahre betätigen will.

Ich möchte aber nur Aktivitäten angehen, die einen Überschuss ermöglichen. Und allen, die für uns arbeiten fair für ihren Einsatz entlohnen. Die Plattform selber soll auf Basis solcher Überschüsse immer stärker werden, um sich für größere Herausforderungen zu qualifizieren. So werden alle Projekte und Aktivitäten der IF-Agora transparent offengelegt, Partner sind erwünscht.

Bei den zentralen Projekten habe ich mir konkret drei Aufgaben vorgenommen – aktive Mobilität, demokratisches Unternehmen (Arbeitstitel) und Frieden, die ich seriell angehe.

Aktive Mobilität #AktMob & #AktMobCmp

Als erstes treibe ich das Projekt „Aktive Mobilität“ voran. Als Abkürzung für Aktive Mobilität habe ich #AktMob gewählt und international (für die Zukunft) #actmob (active mobility). Das ist schon gestartet und entwickelt sich sehr schön. Neben vielen anderen ist Eberhard Huber hier ein wesentlicher Partner.

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade im Verkehr entscheidend umdenken und diesem neuen Denken folgend handeln müssen. Der individuelle motorisierte Verkehr ist für mich am Ende, auch Elektromobilität ist hier keine, wenn dann nur eine sehr eingeschränkte Lösung.

Die aktive Mobilität (Fortbewegen zumindest wesentlich durch die eigene Körperkraft) muss in Zukunft einen möglichst großen Teil dieser Mobilität übernehmen, wie auch die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel drastisch verändert und verbessert werden muss. Dafür gibt es beliebig viele Gründe auf verschiedenen Ebenen.

Als Teil von #AktMob möchte ich gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten barcamps (#AktMobCmp) und ähnliche Veranstaltungen durchführen. PM-Camp ist ein gutes Muster für #AktMobCmp. Bei der Mitarbeit bei PM-Camp habe ich viel gelernt, das ich für #AktMobCmp einsetzen möchte.

Ziel ist vor allem, das Thema „Aktive Mobilität“ an sich voranzubringen (1). Die Vernetzung von Protagonisten und Nutzern ist ein wichtiges Anliegen (2). Das Bauen von Brücken zwischen den vielen Verbänden, administrativen Instanzen, Lobbyisten, Vereinen, Institutionen und den zahlreichen communities, die auch dazugehören, ist ein weiteres Ziel (3). Denn letzten Endes bestimmen diese alle gemeinsam auch bei der Mobilität die Maßnahmen der Politik.

Mit dem Projekt #Aktmob bin ich schon weit. Die organisatorische Basis sollte in diesem Quartal abgeschlossen sein, das weitere Vorgehen ist dann Routine. Jetzt geht es um das Finden vieler Unterstützer und Mitmacher.

„Demokratisches Unternehmen“

Hier möchte ich mit einem Kreis ausgewählter Freunden an der Verbesserung von Arbeitswelt in Unternehmen wirken. Ich habe als Arbeitstitel für das Projekt mal den Titel eines neuen Buches eines guten Freundes – Dr. Andreas Zeuch – gewählt.

Als Themen und Stichworte würde ich hier nennen:
Anitfragilität • angstfreie Räume  •  Arbeit • Augenhöhe • Entscheiden Erfahrung Führen • Geisteshaltung • Gemeinwohl-Ökonomie  Intuition • Management • Organisation • Steuerung • Wirtschaft und Gesellschaft • Gemeinwohl-Ökonomie • Unternehmen als Netzwerk und nicht als Hierarchie • Werte • Wissen …
alles im Kontext von Unternehmen und Institutionen

Ich meine dieses Projekt muss bis in die Bildung gehen. Endziel ist also eine Uni 🙂

Hier gibt es noch kein klares Konzept. Anfangen möchte ich gerne mit Veranstaltungen in einem sehr kreativen und interaktivem Format (face2face kombiniert mit zeitgemäßer Web-Technologie). Diese Veranstaltungen sollen nicht billig aber ihr Geld wert sein. Auch hier meine ich sollten wir es schaffen, die Protagonisten gerecht zu entlohnen.

Als Vision könnte ich mir hier eine Art „I-University“ inklusive Moocs etc. vorstellen – streng fokussiert auf das beschriebene Thema.

Ich kann mir hier eine Reihe toller Partner vorstellen, mit denen ich gemeinsam das Konzept für „Demokratische Unternehmen“ Euch im II. und III. Quartal erstellen möchte. Diese werde ich als nächste ansprechen.

„Projekt Frieden“

Das ist meine persönliche Utopie – ein wenig zum Frieden für uns und auf dieser Welt beitragen zu könne. Dieses Projekt würde ich im IV. Quartal angehen wollen, wenn der Rest gestartet ist und funktioniert. Bisher habe ich zur Idee des „Projekt Frieden“ zwei Sessons auf barcamps gehalten. Die Rückmeldungen haben mich sehr in meinem Vorhaben bestärkt. So haben sich auch hier schon einige „Sympathisanten“ gemeldet.

Aber wie gesagt, eines nach dem anderen. Und zurzeit ist vor allem #AktMob – Aktive Mobilität angesagt.

RMD