Roland Dürre
Montag, der 29. Oktober 2018

Sugar Coating (Unternehmertagebuch #126)

Letzte Woche habe ich ein neues Wort gelernt – sugar coating.

Nach dem Motto „Der Kicker im Büro macht noch kein #newwork“.

Dass in unserem sozialen Leben wie in unserer Arbeitswelt die Transparenz des Unternehmens wie die Partizipation der relevanten Stakeholder (Mitarbeiter) am Unternehmen von hoher Bedeutung sind, ist für mich klar.

„Sugar coating“ als Teil von „culture engineering“?

Für mich sind Unternehmen soziale Systeme, in denen Menschen in verschiedenen Rollen für einen wirtschaftlichen Zweck zusammen wirken – nämlich um der Gesellschaft Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die einen Nutzen bringen. So wie es die bayerische Verfassung fordert.

Unternehmen sind eben keine Maschinen, die vom „Management“ und dessen Systemagenten mechanisch gesteuert werden, die versuchen, den Input zu minimieren und den Output zu maximieren, sondern sie bestehen zuallererst aus Menschen und sind für die Menschen (Mitarbeiter und Kunden) da.

Ein tolles Team – InterFace Connection GmbH 1986 beim Feiern.

Das ist absolut wichtig. So wie ich auch Werte wie Wertschätzung, Respekt und allgemein Achtsamkeit im Umgang miteinander für jede Unternehmenskultur für absolut relevant halte. #newwork braucht gewaltlose Kommunikation genauso wie Zivilcourage und konstruktiver Ungehorsam. Die Elite des Unternehmens darf nicht als Systemagenten wirken sondern müssen vor allem als Coaches inspirieren und Impulse geben. Und die große Mehrheit eines Unternehmens muss die formulierten Werte auch versuchen (und möglichst in der Lage sein) zu leben.

Das alles sind für mich Voraussetzungen und die Basis von #newwork.

Gerade in meiner Branche entdecke ich aber immer mehr Unternehmen, die sich selber „puderzuckern“. Die sich trotzdem mit ihren Regeln eher am Rande der in Deutschland arbeits-rechtlichen Gesetze bewegen. Und ihre Abläufe und Prozesse wie das gesamte System mit absoluter Priorität auf Profit trimmen. Für die „Betriebsgesundheits Management“ (BGM) eigentlich nur eine Investition ist, die den Krankheitsstand senken soll. Für die moderne Arbeitswelten vor allem geschaffen werden, um an der Büromiete zu sparen. Und die sich selbst mit einem Zuckerguss von tollem design und life style dekorieren, um ihre Mitarbeiter zu begeistern.

Wenn #newwork wirksam werden soll, dann darf es nicht Teil eines strategisch geplanten und von Human Resource gesteuerten „enterprise culture engineering“ sein sondern muss von allen Mitarbeitern gelebt werden – aus intrinsischer Motivation.

Das meine ich aus eigener Erfahrung wie aus der Beobachtung vieler Unternehmen seit Jahrzehnten.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Hans Bonfigt
Montag, der 24. September 2018

Erfolgreiche Projekte …

Wann gelingt ein Softwareprojekt ?

Über „Projektmanager“ und ihre Wünsche nach „Resilenz“ und „Agilität“
kann man sich trefflich amüsieren. Vorausgesetzt, man ist nicht darauf
angewiesen, daß die bedeutungsschwangere Gruppe selbsternannter „Indivi-
dualisten“ (mit Google-Einheitstelephon) irgendwann einmal liefert.

Deutlich schwieriger ist es schon, aufzuzeigen, wie man es besser machen könnte. Nun hat mich jemand genau danach gefragt, und warum sollte man nicht einmal die Projekte aus 35 Jahren Berufserfahrung Revue passieren lassen, die gelungen sind ?

Dabei möchte ich mich unterscheiden von üblichen „Ratgebern“, die unreflektiert postulieren, was sie im Herzen bewegt. Ich nehme mir stattdessen reale Projekte und bilde Schnittmengen gewisser Merkmale.

1. Der Sinn eines Projektes muß allen Beteiligten klar sein.
Nur so kann die Unternehmensleitung Rückendeckung geben, nur so erlebt ein Entwickler die Freude an sinnvoller Arbeit, nur so wird das Endprodukt vom Nutzer angenommen.

2. Ein Projekt muß wirtschaftlich erfolgreich sein.
Vor allem aber: Man muß diesen Erfolg auch transparent machen können.

3. Die Einfachheit und die Eleganz eines Entwurfs entscheidet !
– Das zu impementierende Verfahren sollte so einfach sein, daß man es einem Siebenjährigen erklären könnte. Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen.
– Das, was nicht vereinfacht werden kann, wenigstens sauber modularisieren !
– Immer nur EINEN Standard für einen bestimmten Schnittstellentyp auswählen !
– Lieber die Aufgabenstellung reduzieren als das Team überfordern.
Tatsache ist oft: Erst wenn das Endprodukt unter realen Bedingungen läuft, stellt man fest, was es wirklich leisten kann und welche Funktionen auch tatsächlich genutzt werden !

4. Prototypen bauen !
Viel wichtiger: Wenn sie funktionieren, gnadenlos löschen und neu beginnen !

5. Tote Pferde nicht weiterreiten !
So gut wie jede Entwicklung kommt an den Punkt, wo sich Fehler in der Konzeption zeigen. Gnadenlos zurückbauen.

6. Keine Demokratie und vor allem KEINE KOMPROMISSE !
In der Sache nachgeben mit Rücksicht auf persönliche Empfindlichkeiten (Na gut, Meike, Du kannst Dein Modul auch in JAVA schreiben …) erzeugt eine sprudelnde Quelle von Problemen. EINER leitet das Projekt, genau wie auch nur EINER ein Auto fahren kann. Das ist das Erfolgsrezept der Seefahrt.

7. Mitarbeiter respektieren !
Auch vermeintlich „einfache Codierarbeit“ ist erstaunlich nicht trivial. Der Architekt sollte den Maurer mit Respekt behandeln und umgekehrt. Aber niemals sollte ein Architekt mauern oder ein Maurer planen.

8. Kommunikation standardisieren.
Keine Dokumente und Codefragmente hin- und herschicken. Kein kompromittierendes „WhatsApp“ oder „Twitter“. Schon gar keine „Google-Accounts“ ! Wir müssen Kundendaten treuhänderisch behandeln. Klare, eindeutige Begriffe verwenden ! Die Fachtermini des Kunden verwenden !

9. Anzahl der Mitarbeiter.
Benötigte Externe und Zukaufprodukte reduzieren !

10. Die Werkzeuge müssen sich der Idee unterordnen und nicht umgekehrt.
Haskell, Lisp oder „Clojure“ machen noch keinen genialen Entwurf.

11. Die Chemie im Team muß stimmen !
Die „menschliche“ Komponente ist zu 70 Prozent entscheidend für einen Projekterfolg.

12. Keine „Gnadenhäppchen“ für die Mitarbeiter.
In Form von „kostenloser Maté“ und „Kickerautomat im Flur“. Das ist keine Wertschätzung auf Augenhöhe. ORDENTLICH ZAHLEN ! Das garantiert souveräne Mitarbeiter.

Abgesehen davon: Arbeit kann und soll durch sich selbst schön sein und muß nicht mit albernen Spielereien „aufgepeppt“ werden. Was dabei herauskommt, kann jeder sehen, der ein aktuelles „Windows“ öffnet.

-hb

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 8. Februar 2018

Mitarbeitermotivation und der virtuelle Slip der Bardame

Carl und Gerlinde (Folge 57)

Irgendwie begann dieses Jahr 2018 seltsam!

Kaum hatte Carl die beschämende Kritik Gerlindes beim letzten Saunaabend, wegen seiner fülligen Figur einigermaßen verdaut, kam sein Chef, Bernie, mit so einem blöden Anliegen, dass Carl  den köstlichen Kaffee seiner Sekretärin Bettina beinahe wieder ausgekotzt hätte.

Und das ausgerechnet an einem Tag, an dem endlich die Sonne schien und Carl noch dachte, dass dies der erste schöne Arbeitstag in diesem beschissenen Winter werden könnte. Doch der Anruf von Dr. Osterkorn um 9 Uhr 17,  mit dem er ihn eiligst zu sich bat, genügte, um ihn von dieser Illusion zu befreien!

Mein lieber Carl, du erinnerst dich doch sicher noch, sagte Bernie, schleimig wie eine Weinbergschnecke, an die wunderbar motivierende Rede von unserem Kaufmännischen GF, Dr. Schäufele, anlässlich des Aufrufes unserer Kanzlerin zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vor drei Jahren. Bei der bildlich gesprochen, kein Auge trocken blieb!

Meins blieb trocken, knurrte Carl.

Entschuldige bitte, was bin ich nur für ein miserabler Gastgeber, Carl! Was darf ich dir denn anbieten?

Ein Wasser, bitte…

Okay Wasser, sagte Bernie, sprang auf und gab die Bitte an seine Sekretärin weiter.

Also wie gesagt, diese Rede damals, war einmalig gewesen, wiederholte Bernie geistesabwesend.

Ist denn das damals angesprochene Programm für die Einbindung von Flüchtlingen bei TRIGA auch realisiert worden? fragte Carl.

Ehrlich gesagt, darüber bin ich nicht informiert, aber lassen wir das, denn momentan geht es bei uns, wie du ja weißt, wirklich ums ‚Eingemachte’.

So schlimm? fragte Carl besorgt.

Ja so schlimm! Und deswegen möchte Dr. Schäufele kommende Woche bei der Betriebsversammlung in einem Statement an alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht nur den Ernst der Lage schildern, sondern auch zu noch größerer Leistungsbereitschaft aufrufen.

Na – bravo!

Nix  – bravo, Carl, denn Dr. Schäufele will bei dieser Rede nicht nur den Startschuss für die Reorganisation unseres Hauses geben, dabei finanzielle Einschnitte ankündigen, sondern in einem Aufwasch auch gleich die neue Firmenstrategie verkünden.

Etwa die, die diese fürchterlichen Berater – Fuzzy’s Ende 2017 mit uns durchgesprochen haben? schnauzte Carl entsetzt.

Rede bitte nicht so despektierlich über das von Dr. Schäufele empfohlene  Beratungsunternehmen ‚KLARSICHT’ auf das er so stolz ist, sagte Dr. Osterkorn mahnend.

Okay – ich nehm alles zurück, Bernie.

Gut, Carl – aber da sind wir schon beim Punkt. Dr. Schäufele hat mich nämlich gebeten, auf Grundlage der ‚KLARSICHT – Unterlagen’ ein Redekonzept auszuarbeiten! Da ich aber, wie du ja vielleicht weißt, ab morgen für ein paar Tage in der Schweiz Schifahren möchte und schon gebucht habe, wollte ich dich bitten mir dabei unter die Arme zu greifen…

Beim Schifahren?

Ha – ha- du Spaßvogel – natürlich bei der Ausarbeitung des Konzeptes. Dies umso mehr, als ja niemand so gut wie du unser Geschäft, unsere Möglichkeiten, sowie die Ausarbeitung der Firma KLARSICHT kennt.

Welch eine Ehre!

Ja –  und diese Ehrerweisung dauert genau bis nächsten Dienstag um dieselbe Zeit. Da will die Kaufmännische GF nämlich das fertige Redemanuskript auf dem Tisch haben!

Das heißt, ich hab grad mal zwei Arbeitstage Zeit…

Vergiss nicht die Nacht dazwischen, lieber Carl!

Toll – sagte Carl, griff nach dem gelben KLARSICHT – Ordner und schlich mit einem hingehauchten – schönen Urlaub, Bernie – davon.

Was Carls Sekretärin Bettina, dann Dr. Schäufeles Sekretärin nach zwei Tagen übergab, war fast exakt, was Bernie und der Berater KLARSICHT wollten, denn es hieß da:

  „Global gesehen steht das gesamte Trikotagengeschäft vor einer Revolution! Die Globalisierung im Wäschebereich ist omnipräsent und nicht mehr wegzudiskutieren. Die Digitalisierung macht selbst vor der Unterhose nicht halt. Trotzdem sind in der Zukunft, neben dem ‚virtuellen Slip für die Bardame’ und der ‚intelligenten Unterhose vom Kleinkind bis zum Greis’, vor allem Kostensenkungen das Gebot der Stunde.

Aber Innovationen im ‚Bereich Unterwäsche’ werden dennoch zur Überlebensfrage. Und das für einen Kunden, der immer anspruchsvoller und immer mehr im Mittelpunkt stehen wird. Er und der Unterhosen tragende Mitarbeiter sind unser größtes Gut!

Exzellenz darf nicht nur unsere Herzen regieren, sondern muss uns auch unten rum warm halten –  insbesondere an kalten Wintertagen! Die es trotz Klimaerwärmung immer wieder geben wird!

Für TRIGA bedeutet das, dass wir auf jeden Fall wachsen müssen! Nicht nur als Firma, sondern auch unseren Unterhosen müssen wir entwachsen, da nur so der permanente Neukauf sichergestellt ist. Das sind wir den Investoren schuldig! Wir müssen das Gebot der Stunde annehmen und die Nummer eins im Trikotagengeschäft werden. Schließlich  haben wir die besten und saugfähigsten Unterhosen, Unterhemden und Dessous. Und das fähigste Personal in Unterhosen!

Der Markt ist da, werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die Kunden haben viel Geld. Unsere Chancen sind gewaltig, denn die Unterleiber der Menschheit wollen von unseren Unterhosen umschmeichelt werden.

 Auf keinen Fall dürfen wir aus Angst vor dieser riesigen Aufgabe uns in die eigenen Hosen machen. Das sind wir den Unterhosen und unserem Konzern Board schuldig!

Denn ein kurzer Blick zurück zeigt ja, dass TRIGA das letzte Jahr nur  begrenzt gemeistert hat! Und das obwohl wir alle heroisch gekämpft haben. Aber der große Erfolg blieb aus. Dies trotz größtem Druck von oben!! Dafür danken wir allen Managern. Und türlich auch allen unermüdlichen Mitarbeitern. Die wir ja auch haben. Selbst wenn das Ziel verfehlt wurde.

Auf jeden Fall akzeptieren wir dieses Jahr nur den ‚Fast Start’!

Einen ‚Fast Start’ ohne jede Anfangsprügelei um die neuen Zielvorgaben, die deutlich angehoben werden müssen: denn wir wollen dieses Jahr nicht, wie sonst immer, das verschlampte erste Quartal aufholen müssen.

Das ist inakzeptabel und nervt!

Mit Sicherheit wird dieses Jahr, falls die Ergebnisse nicht den erwarteten Verlauf  zeigen sollten, das gesamte TRIGA – Management in Meetings und Einzelgesprächen der Belegschaft so lange helfen, bis die vorgegeben Ziele erreicht werden!! Denn verlieren Sie bitte nie aus dem Auge, dass jede über der Zielvorgabe hinaus produzierte Unterhose – eine Unterhose mehr ist!

Doch trotz der im letzten Jahr nicht erreichten Ziele, wollen wir jedem einzelnen Mitarbeiter bei TRIGA dafür danken, dass er sich nicht zu schade war mitzuhelfen! Und wir ehren alle Innovatoren, die uns ein Stück weit  unsere Zukunftskraft vor Augen geführt und gezeigt haben, dass Höchstleistungen möglich sind –  wenn wir sie nur wollen: Erfolg ist kein Geheimnis sondern eine Charakterhaltung!

Drum werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen lautet unser diesjähriges Motto für TRIGA: Wir machen nicht in die Hosen, sondern unsere Hausaufgaben!

Dazu wünsche ich Ihnen im Namen der Konzernleitung und des gesamten TRIGA – Managements eine glückliche Hand und viel Erfolg!“

Da Carl anschließend mit Gerlinde nach Teneriffa geflogen war, hatte er keine Rückmeldung mehr bekommen, wie sein Konzeptvorschlag aufgenommen worden war.

Sicher gut, denn es war ja bis auf Kleinigkeiten, exakt das ‚Gedöns‘ der KLARSICHT – Berater! So wie Dr. Osterkorn es gewünscht – und Carl es verstanden hatte. Und die kleinen versteckten, sachlichen Boshaftigkeiten fielen dem Kaufmann  Dr. Schäufele bestimmt nicht auf…

KH

Roland Dürre
Montag, der 3. April 2017

Eine ganz besondere Aufgabe (Logelei)!

Die Lösung kommt dann in zwei Wochen!

Ein guter Freund hat uns vor kurzem eine Denkaufgabe gestellt. Die Quelle wusste er nicht, sonst hätte ich sie gerne zitiert. Mein Freund konnte die Aufgabe nicht lösen und ich auch nicht. Aber es ist eine wirklich spannende und hoch interessante Aufgabe. Mit einer verblüffend einfachen Lösung inklusive einer mathematisch schönen Begründung. Sie schenkt uns auch ein paar Metaphern für’s Leben.
🙂 Unter anderem, dass die Mathematik auch mal zu etwas nutze sein kann.
Hier kommt die Geschichte:

Hier ein weiblicher Ganove. Auf ihrer Karte steht die Ziffer 1. Aber das weiß sie nicht. Sie kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Eine – nicht unsympathische – Gang bestehend aus 10 Personen verstößt laufend auf das Äußerste gegen die herrschende Moral. Die Mitglieder der Gang sind kreativ und klug – so betreiben sie ihre verachtenswerte Handlungen mit großer Geschicklichkeit und entgehen immer wieder dem Arm des Gesetzes. Das ist ihr Glück, denn die vorgeschriebenen Strafe für ihr Verbrechen ist der Tod durch den Strang.

Die Gang bekommt in der öffentlichen Welt einen legendären Ruf und wird für so manchen einfachen Menschen zum Idol. Für die Staats-Autorität ist diese Entwicklung völlig inakzeptabel. So führen die erhöhten Fahndungs-Bemühungen der Behörden gepaart mit dem zunehmendem Übermut und Leichtsinn der Bandenmitglieder zur Ergreifung der Gruppe.

Alle 10 Bandenmitglieder werden aufgrund ihres schändliches Treiben in einem Schauprozess ganz schnell zum Tode verurteilt. Es gibt aber noch eine mögliche Rettung für die 10 Komplizen – ein gestelltes Gnadengesuch. Das Staatsoberhaupt ist eine sehr kluge und gutmütige Frau, die dies entscheiden muss. Sie gilt als sehr erfahren und weise; es gibt Gerüchte, dass sie sogar ein wenig mit der Gang sympathisiert habe.

In der Tat macht sie es sich nicht einfach. Sie erlässt einen bedingten Gnadenerlass (so ein wenig im Sinne eines „Gottesurteils“):

Vor der Hinrichtung dürfen sich die 10 Mitglieder noch ein letztes Mal sehen. Es findet ein Abschieds-Treffen statt, die 10 Ganoven dürfen den Nachmittag vor der Hinrichtung gemeinsam und ohne Überwachung verbringen.

Hier ein männlicher Ganove. Auf seiner Karte steht die Ziffer 2. Aber das weiß er nicht. Er kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Zu Beginn dieses Treffens wird den Ganoven erklärt, wie der Gnaden-Erlass funktionieren wird. Von jedem Bandenmitglied wurde ein Foto gemacht (zwei davon sieht man links). Jedes dieser Fotos wird mit einer Ziffer aus der Menge 0 – 9 {0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9} versehen, wobei jede Ziffer beliebig oft verwendet werden kann. Es könnte also sein, dass auf allen Bildern dieselbe Ziffer steht. Oder nur eine Teilmenge genutzt wird wie z.B. {1,2, 3)}. Oder nur gerade oder ungerade Ziffern auf den Fotos stehen. Wie auch immer. Aber auch alle Ziffern könnten genutzt werden. Es ist alles möglich.

Nach dieser Belehrung dürfen sie die vielleicht letzten Stunden ihres Leben gemeinsam verbringen. Wie das Treffen vorbei ist werden sie in Einzelhaft genommen. Dort wird jedem der 10 Bandenmitglieder die 9 Fotos der anderen 9 Mitglieder gezeigt – aber nicht das eigene. Und dann wird er nach der Nummer auf dem eigenen Foto befragt. Und wenn auch nur einer der Ganoven die Ziffer auf seiner Karte richtig errät – dann werden alle begnadigt.

Zuerst denkt man sich, dass die Ganoven so eine gute Chance haben, noch mal Gnade vor Recht zu bekommen und ihrer verdienten Strafe zu entkommen. Und zweifelsfrei hat sich ihre Situation schon mal verbessert. So schlecht ist die Chance ja nicht, dass einer der Zehn die Ziffer auf seinem Bild errät und so sie alle der Hinrichtung entkommen.

Aber so einfach ist es nicht. Es kann auch schief gehen. Und was die weise Regentin vergessen hat (oder vielleicht auch nicht):
Die 10 Ganoven können mit einer einfachen Verabredung sicher stellen, dass ein Ganove zwingend die richtige Zahl sagt, die auf seinem Bild steht.
Und damit garantiert, dass er und seine Kameraden begnadigt werden.

Das ist die kleine Aufgabe: Mit welcher Verabredung schafft es die Gang, das zur Verabschiedung gedachte Treffen für eine Verabredung zu nutzen, mit der sie „ihre Köpfe“ zu 100 % aus der Schlinge ziehen?

In ein paar Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der richtigen Lösung!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 6. Oktober 2016

Arbeit und Rente? Geld!

 

🙂   Ich will doch gar nicht arbeiten und Rente kriegen sondern einfach nur Kohle verdienen! 

 

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Digitalisierung.

Zurzeit bin ich viel in Sachen Digitale Transformation unterwegs. Sowohl in aktiven wie in passiven Rollen. Das meint, dass ich ab und zu darüber rede und viel mehr anderen schlauen Menschen zu diesem Thema zu höre.

Bei den einschlägigen Vorträgen und Reden zur Digitalisierung, dem anstehenden Wandel und den kommenden Folgen fällt mir auf, dass da immer viel über „Arbeitsplätze“ gesprochen wird.

Besonders über solche, die in naher Zukunft verloren gehen werden. Was nach meiner Meinung aber auch so keiner wirklich und ganz genau weiß.

Düstere Zukunft.

Und dass die Zukunft für die meisten Menschen – gerade auch in den entwickelten Gesellschaften – gar nicht so rosig aussehen würde. Vielleicht – nicht ganz überraschender Weise – wird dann auch immer übers BGE (bedingungslose Grundeinkommen) gesprochen bzw. dieses gefordert. Weiter höre ich, dass es für die nicht-digitalen Ländern sowieso ganz schlecht aussehen würde.

Immer wenn ich Arbeitsplatz höre, dann kommen mir „ketzerische Gedanken“. Ein zentraler Punkt ist, dass ich eigentlich nie arbeiten wollte. Natürlich haben mich spannende Aufgaben gereizt. Meine „Arbeit“ nach diversen Aushilfs-Tätigkeiten als Baby-Sitter, Nachhilfe-Lehrer, bei einer Spedition, als Nacht-Parkwächter oder in einer Putzkolonne war ja ab Anfang 20 das „Programmieren“, das mir aber auch immer ein Hobby war.

Alle reden von Arbeitsplätzen und BGE.

Nein, ich wollte nicht arbeiten und auch keinen Arbeitsplatz bekommen. Ich wollte Geld verdienen. Genug um meiner Familie und mir einen guten Lebensstandard zu verschaffen. Und dass möglichst einfach und ohne zu große Anstrengung. Und ich wollte auch immer genug „Freizeit“ haben, um mich mit Dingen zu beschäftigen die mir jenseits meines „Handwerks“ wichtig waren, wie „die Familie“ und „das Leben an sich“.

So habe ich mich gefragt, auf welche Art man in diesem Lande Geld eigentlich verdienen kann. Es gibt da legal wohl nur zwei Möglichkeiten:

Der Angestellte.

Entweder bin ich bei einer Firma angestellt – und bekomme ein „Gehalt“. Dann habe ich einen „Arbeitgeber“ und (mindestens) einen „disziplinarischen Vorgesetzten“ – man betrachte die eigentümlichen Begriffe. Und oft ist man dann Teil eines oft genauso eigentümlichen sozialen Systems.

Der Selbstständige.

Wer nicht „angestellt“ sein mag, der muss etwas tun, für das er Rechnungen stellen kann. Dann ist er ein „Selbstständiger“ und hat die Chance, ein klein wenig weniger vom System des Arbeitgebers vereinnahmt zu werden. Was auch schon ein Wert ist.

Es gibt also die Kategorien „Angestellte“ (früher gab  es da auch noch Arbeiter) und „Selbstständige“. Selbständiger kann ich sein, indem ich entweder ein sogenannter „Freiberufler“ bin oder ein Unternehmen gründe. Das Leben ganz allein als Freiberufler erschien mir persönlich als sehr (zu) riskant – deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Partner zu suchen und ein Unternehmen zu gründen.
🙂 Denn das Angestellten da sein war wirklich „boring“.

Die Rechtsform.

Um ein Unternehmen zu gründen, muss man sich für eine Rechtsform entscheiden. Mögliche Rechtsformen sind die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Dazu zähle ich die OHG (offene Handelsgesellschaft) und Partnerschaften wie sie gerne von Rechtsanwälten, Steuerprüfern, Beratungsgesellschaften etc. gebildet werden. Die würde ich wahrscheinlich bevorzugen, wenn ich wieder einmal eine Firma gründen sollte.

Weitere Rechtsformen sind die klassische GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und ihre modernen Brüder (Europa-GmbH, UG …), Genossenschaft und Aktiengesellschaft (AG). Die Mischformen wie KG & Co etc sind für meine Betrachtungen hier nicht relevant.

Eine dritte Variante neben „Arbeiter/Angestellter“ und „Selbstständiger“ ist der Beamte. Auf den möchte ich nicht eingehen, da er a) eine Minderheit ist und b) zumindest was die üppige Altersversorgung betrifft völlig aus der Rolle fällt.

So kommen wir zur Rente. Die „Angestellten“ zahlen – unterstützt von den „Arbeitgebern“ – viel Geld in die Sozialversicherung, um später Rente zu bekommen. Die Konstruktion des „Renten-Systems“ beruht auf Solidarität und hat wie alle solche Systeme eine Ambivalenz. Jeder meint, er würde zuviel einzahlen und zu wenig rauskriegen.

Die Rente.

Die Rente wird gerne schlecht gemacht, weil sie ein unteroptimal scheinendes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Dabei wird vergessen, dass bei disruptiven Ereignissen wie z.B. dem zweiten Weltkrieg oder dem Beitritt der DDR zur BRD die Rente oft das einzige System war, dass die Menschen über die Disruptivität hinaus weiter versorgt und nicht versagt hat.

Das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis hat auch nicht nur die Rente sondern auch die privaten Vorsorgemaßnahmen wie Sparen, Abschluss einer Lebensversicherung oder die unglücklichen staatlich-privaten Konstrukte wie die Riester-Rente. Das früher starke Mittel der Betriebsrente als wertvolle Ergänzung zur staatlichen Rente ist mittlerweile ein Instrument aus der Vergangenheit.

Die Sozialversicherung.

Immer mehr Menschen wollen „freiberuflich“ arbeiten, um die hohen Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Staat und Rentenversicherung mögen das gar nicht – sie legen deshalb die Hürden sehr hoch. Und treiben die Freiberuflichkeit mit Regeln und Gesetzen wie AÜG in die Enge und sogar in die Illegalität. Die Gesetzeslage und ihre -Handhabung sind widersprüchlich und es gibt da viel Unsicherheit. Grauenhaft.

Dabei gibt es ja auch eine – zwar absurd erscheinende – aber absolut effiziente und legale Methode, Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Freiberufler müssen sich nur zu einer Aktiengesellschaft zusammen schließen und sich alle zu Vorständen der Gesellschaft machen. Dann sind sie nicht nur von der Sozialversicherung befreit – nein sie ist ihnen sogar verwehrt. Und das völlig legal und nach aktuellem Gesetzesstand wohl unangreifbar. Eigentlich für gesunden Menschenverstand unfassbar.

Immer weniger qualifizierte Tätigkeiten.

Die Vorhersagen von den vielen schlauen Menschen, denen ich zugehört habe, sagen uns, dass die „qualifizierten“ Aufgaben immer weniger werden und dass das „Dienstleistungs-Proletariat“ stark wachsen wird. Die Durchlässigkeit durch Bildungsschichten geht immer mehr verloren Das heißt, dass in Zukunft die qualifizierten Menschen immer mehr aus der Oberschicht kommen. Das sind dann auch die typischen Erben. Die brauchen kein Einkommen mehr und können so wirklich „aus Spaß an der Freude“ arbeiten und Zeit in schöne Dinge investieren, um dann in Zukunft vielleicht mal so richtig zu profitieren. Oder eben nicht.

Umsonst arbeiten.

Und es werden immer mehr Menschen, die qualifiziert wirken aber umsonst arbeiten. Damit meine ich Menschen, die es „for free“ machen. Und zwar meine ich hier nicht die vielen Ehrenamtlichen wie sie in Vereinen und in der Gesellschaft wirken. Und auch nicht die ausgebeuteten jungen Leute der Generation „Praktikum“.

Sondern junge und alte Menschen, die etwas für die Zukunft machen, ohne Vertrag und ohne Rechnungstellung. Ich bin auch so einer. Ich meine, dass ich einiges bewege und versuche, Menschen und Unternehmen zu helfen, glücklicher und erfolgreicher zu werden.

Aber eben nicht gegen Geld. Sondern weil ich hoffe und weiß, wie viel davon zurück kommt. Und ich die Gewissheit in mir trage, dass ich dabei soviel Kontakte und Wissen gewinne, dass das irgendwann mal so richtig Geld bringen wird, also sich auch monetär lohnen wird. Wenn ich z.B. in das richtige Start-Up investiere oder eine große Rechnung schreiben kann, für einen wesentlichen Mehrwert, den ich erbracht habe. Und so die Arbeit zu einem spannenden und schönen Spiel wird.

Ich kenne da eine Reihe von Menschen, die das auch so machen. Die sind oft jünger als ich. Sie machen unentgeltlich einen Super-Job. Weil sie wissen, dass es sich früher oder später auch materiell lohnen wird. So kenne ich auch junge Unternehmer, die ihre Gründung eines Start-ups sehr ernst nehmen und mit großem Engagement diesen voran bringen. Die sich aber über ihren Lebensunterhalt überhaupt keine Gedanken machen – weil sie z.B. als Erben Kohle genug haben.

Keine rosigen Aussichten?

Das alles dürfte Zukunft werden – immer mehr arme Menschen, die sich durch die Ausübung sehr einfacher Tätigkeiten so gerade noch über Wasser halten können und immer weniger Menschen, die mit oder ohne Einkommen aus ihrer Tätigkeit so richtig Spaß an der Arbeit haben und immer reicher werden. Ehrlich gesagt, wäre das eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft und mir Sorgen macht.

Erfolgsrezepte:

Hier noch zwei positive Empfehlungen, wie man am besten Geld verdient:

  • Immer mehr geben als nehmen!
    und
  • Muster brechen!

Dazu schreibe ich dann in Bälde einen weiteren Artikel inklusive einer Empfehlung von Gebhard Borck wie man am besten seinen eigenen Preis (Wert) finden kann …

RMD

P.S.
Sehr lesenswert dazu sind in Wikipedia die Artikel zu Industrialisierung und Digitalisierung.

So ist das Foto auch aus Wikipedia und zwar von AspdinOwn work by uploader (own original personal amateur photograph by ancestor). Es zeigt die Zeche Sterkrade, das Foto ist zirka von 1910–1913, freigegeben unter CC BY-SA 3.0.

Roland Dürre
Freitag, der 6. Mai 2016

Trinkgeld

Zurzeit bin ich wieder auf Reisen. Mit dem Fahrrad in Italien.  Am Sonntag vor knapp einer Woche sind wir am Morgen in Orvieto aus dem Nachtzug München Rom mit dem netten Namen LUPUS ausgestiegen. Von dort haben wir das schöne Rom auf dem Wege zu einem Kongress im Süd-Osten Roms in drei Tagen umrundet. Die erste Station war Viterbo, die Nacht darauf haben wir in Tragliatella geschlafen.

castelcardinaleDer Kongress war in einem wunderschönen Tagungshotel Castel Cardinale hoch über dem Albaner See gegenüber von Castel Gandolfo. Jetzt machen wir noch zwei Tage Urlaub mit Freunden und dann soll uns eine weitere Rundfahrt wieder zurück ins schöne Rom führen, von wo uns dann am Mittwoch Abend wieder der Nachtzug zurück nach München bringen soll.

Da stellt sich wieder typische Frage:
Bekommt der Schlafwagenschaffner ein Trinkgeld?

Wenn ich ins „Ausland“ fahre, muss ich dann Trinkgeld geben? Wer kennt sie schon, die Trinkgeld-Sitten in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Albanien, Bulgarien, oder gar Nordafrika, der Türkei und den vielen anderen Ländern?

Gibt es in den Ländern Unterschiede, wenn ich z.B: Essen gehe oder in einem Privatquartier übernachte? Oft ich da unsicher: Was ist üblich, verletze ich vielleicht gar den Stolz eines Menschen wenn ich was gebe, obwohl ich es ja nur gutgemeint habe. Oder ist es schäbig, wenn ich nichts gebe?

Es gibt ja Länder, in denen das „Trinkgeld geben“ ein Muss ist. Dazu gehören die USA, in denen es ja ein „direkter“ Gehaltsbestandteil ist und man ohne Trinkgeld den Laden ja gar nicht verlassen kann. Da ist dann eh alles klar. Aber auch in Deutschland bin ich unsicher. Wie kann es sein, dass dort das Trinkgeld kein Muss ist, aber in Gastronomie-Betrieben trotzdem pauschal versteuert werden muss?

Jetzt radele ich durch Italien. Dort ist soviel ich weiß das „Trinkgeld geben“ eher unüblich. So habe ich auch kein Problem.

Wie soll ich das aber mit dem Schlafwagenschaffner im Zug von Deutschland nach Italien machen?

Meine Lösung war: Ich gebe ihm ein Trinkgeld, dass ein klein wenig mehr als nur symbolisch. Auf der Hinfahrt waren das 5 € für uns beide (also unser Abteil). Und habe ihm kommuniziert, dass er das als Ausdruck meiner Wertschätzung für seine Arbeit sehen soll. Anschließend habe ich erfahren, dass Schlafwagenschaffner früher eigentlich immer Trinkgeld bekommen haben, dies aber immer mehr aus der Mode gekommen wäre.

Ich meine, dass „Trinkgeld geben“ genau dann Sinn macht, wenn es a) zu den Regeln des Landes passt und das „Geschenk“ zudem auch noch klar als Wertschätzung kommuniziert wird. Und bin ganz froh über solch kleine und unscheinbare Gedanken-Ergebnisse, die mir das Leben noch ein wenig freudvoller machen.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Kommunikaze

Hier wird ja viel berichtet von Projektarbeit und -management. Dazu meine ideologisch eingefärbte Sicht der Dinge, zusammengefaßt:

So gut wie jede Kommunikation mißlingt, und je artifizieller sie ist, desto mehr mißlingt sie. Von dieser ganzen Twitteria nehme ich ja Abstand. Denn bei meinen Kollegen sehe ich regelmäßig, wohin das führt: Die „Händis“ geben permanent irgendwelche abstrusen Laute von sich und die Gesprächspartner sind abgelenkt. Die meisten lesen ja doch und beantworten dann dreisterweise auch noch ihre „Post“.

Die Mailerei geht mir zunehmend auf die Nerven, fünf bis zehn Mailwechsel pro einfachem Vorgang sind gar nichts.

Also telephoniere ich lieber, weil erstens im stetigen Wechsel Rede – Gegenrede Irrtümer frühzeitig erkannt werden können und zweitens der Subtext wesentlich besser erfaßt werden kann.

Aber auch für das Telephonieren sind wir eigentlich nicht geschaffen. Menschen müssen einander sehen. Und nun sage mir keiner, „macht eine Videokonferenz“.

Gerade, wenn ich in Projekten arbeite, stelle ich fest, daß die persönliche Anwesenheit durch nichts zu ersetzen ist. Das fängt damit an, daß der Besuchte Zeit einräumt und der Besucher sich spätestens auf der Hinfahrt vorbereitet. Im Termin kann man, ganz multimedial, an die Tafel gehen und Zusammenhänge skizzieren. Und, quasi hypermedial, Sachen auch gleich ausprobieren. Aber das ist nur eine Seite der Münze: Im Gespräch erfahre ich über neue Vorhaben eines Kunden oder erhalte Rückmeldungen bezüglich des letzten Projektes.

Persönliche Kommunikation sorgt dafür, daß die Zusammenarbeit besser funktioniert. Kommunikation ist daher für mich auch Mobilität.

Und hinsichtlich Mobilität muß ich vor Roland warnen: Wenn jener stets erzählt, wie schön entspannend doch Radfahren sei — lasset alle Hoffnung fahren. Meine Frau und ich bringen pro Jahr über 10.000 Km unter die Räder und dürfen uns als nicht gerade ungeübte Radfahrer bezeichnen. Wir fahren auch sehr gut angepaßte, moderne und effiziente Fahrräder.

Und als Roland vor fünf Jahren hier im Blog eine „kleine, entspannende, erfrischende Tour“ lobpries, haben wir uns erlaubt, die Strecke einmal nachzufahren. Fix und fertig waren wir hinterher. Nein, Roland, so viel steht fest: „Mal eben einen Kunden mit dem Rad besuchen“, das kann man getrost vergessen. Es sei denn, man will sich so richtig beliebt machen.

Eine der großen Entlastungen für Admins und Programmierer sind die mittlerweile sehr handlichen Datenträger. Wenn ich mich an früher erinnere: Da fuhr ich kofferraumweise Bänder, Listings, Peripheriegeräte und Werkzeuge durch die Landschaft. Heute besorgt man sich vor Ort alles per Internet oder hat seine Daten auf einem winzigen Flash-Datenträger.

Warum also nicht, mit leichtem Gepäck, „hybrid“ reisen? Damit meine ich, den Löwenanteil mit der Bahn und den Rest mit dem (Falt-)rad.

Das kann die tägliche Fahrt zur Arbeit sein, aber auch Geschäftsreisen über mehrere Tage sind möglich und machen viel Vergnügen: Denn am Zielort hat man den Vorteil, mit einem Fahrrad mobil zu sein.

Die Fahrt im Zug kann man sinnvoll mit Musikhören, Lesen oder Stift und Papier nutzen – oder sinnlos mit Telephonieren oder Smartphonebedaddeln totschlagen. Eine Reise ist für mich eine Reise, die ich als „Auszeit“ sehe und durchaus dem Kunden widme, den ich besuche. Was nur fair ist, der zahlt ja schließlich die Anreisezeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Kunden es mittlerweile akzeptieren, wenn man mit dem Fahrrad erscheint – obwohl sich das nicht gerade beim Erstkontakt anbietet.

Damit solche „hybriden“ Möglichkeiten häufiger genutzt werden können, müssen Veränderungen stattfinden, insbesondere im Nah- und Fernverkehr der DB. Eines geht ja schon ‚mal gar nicht: In der Münchner S-Bahn sind riesige Panorama-Kinderwagen stets kostenfrei willkommen, aber mit dem Rad darf man zu Berufsverkehrszeiten nicht einmal hinein. Hartmut Mehdorn hat ja die Forderung nach Fahrradmitnahme im Fernverkehr konsequent torpediert, viele Strecken werden nicht mehr bedient.

Es ist also etwas zu tun:

Kreativer Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist erforderlich. Und obwohl mir „Barcamps“ so gar nicht liegen, möchte ich auch nochmal Werbung machen für das
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Momentane Lieblingsprojekt von Roland
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im Rahmen dessen man vielleicht etwas erreichen kann. Den einen oder anderen Beitrag, wie man MVV, Ordnungshüter und die deutsche Bahn ausbremst, könnte ich auch liefern.

Das mache ich nicht, weil ich an unsere Umwelt denke. Ich mache das, weil es Unabhängigkeit und Lebensfreude bringt. Und ich mache es, damit Horrortrips wie diese die absolute Ausnahme bleiben.

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hb

Roland Dürre
Sonntag, der 23. August 2015

Unternehmertagebuch #112 – Von sinnlosen Besprechungen.

„Mein Leben nach InterFace ?“

🙂 Gerne erzähle ich aus meiner beruflichen Zeiten. Wass mich da begeistert und was mich da bedrückt hat. Deshalb auch wieder aus dem Urlaub in Griechenland ein kleiner Beitrag zum Unternehmertagebuch:

Im negativen Bereich waren das zum Beispiel die vielen sinnlosen Besprechungen, an denen ich teil nehmen durfte / musste. Die in manchen Fällen einen ganzen Tag dauerten und bei denen die Teilnehmer dann am Abend gar nicht aufhören wollten. Obwohl oder vielleicht weil das Meeting sich schon den ganzen Tag im Kreis drehte. Und ich – wie jeder der Teilnehmer – nicht in der Lage war, sinnvoll auf die Runde einzuwirken.

Dann erzähle ich meinen Zuhörern, dass es in solchen Besprechungen mein einziger Trost war, dass die „Kontierungsuhr“ mitgelaufen ist. Ich also tatsächlich in solchen Fällen für meine Arbeit mit einem Schmerzensgeld entlohnt wurde.

Das ist nur teilweise wahr und eine zynische Ausrede. Aber dann fällt mir ein, dass es auch im eigenen Unternehmen so viele sinnlose Besprechungen gab. Und es stellt sich mir die spannende Frage, warum ich dies zugelassen habe und da überhaupt mitgemacht habe.

Vielleicht war es mangelnde Zivilcourage? War ich zu feige, gerade mich ausserhalb des Systems zu stellen und traditionierte Regeln und Muster zu brechen? Ist die Pflicht zur Besprechung nicht ein Teil der Unternehmensmoral und festgelegt in den Geschäftsordnungen? Und wer verstößt schon gerne gegen Recht und Ordnung? Ich hatte den Mut nicht. Denn dann gab es auch immer mal wieder den Wunsch:

„Wir müssen mehr miteinander reden!“

Und dem stimme ich zu. Auch aus heutiger Sicht. Allerdings bitte nicht in langen und formalen Besprechungen, die dann noch protokolliert werden – natürlich um auf der sicheren Seite zu sein!

Wenn Besprchungen dann im kurzen „SCRUM“-ähnlichen Meeting möglichst stehend oder außerhalb des Unternehmens im freien Raum.

Aber das miteinander reden macht spätestens dann keinen Sinn, wenn man sich nur noch wiederholt und im Kreise dreht. Dann hilft wahrscheinlich nur die einsame Entscheidung und dann die schnelleTrennung.

Zusammenfassend meine ich, dass man alle Regeln und Rituale im Unternehmen permanent hinterfragen sollte. Besonders auch die vielen Meetings, die ja oft auch nur die Folge von festgelegten Ritualen und Prozessen sind. Und dies stetig und fortwährend, immer auf einer objektiven und von Eigeninteressen losgelöster Ebene.

Und wenn man erkannt hat, dass es nichts mehr bringt, dann muss man auch den Mut haben, zu handeln. So wie dies übrigens auch KANBAN in seiner letzten und für mich wichtigsten Regel fordert.

Und das gilt nicht nur für das Unternehmen und seine Projekte sondern auch für die Politik, für unsere sozialen Systeme wie auch für unser Privatleben.

Nicht zuletzt habe ich übrigens einen ganz zynischen Verdacht:
Wenn wir in den Unternehmen nicht so viele Besprechungen hätte, dann wären wir immer schon mittags mit der Arbeit fertig und wüssten nicht, wohin mit der freien Zeit.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Juni 2015

PM-Camp – gestern Zürich – morgen Bad Homburg.

CGu_W8WUgAI8wlMGestern abend bin ich vom PM-Camp aus Zürich #pmcampzue zurück gekommen. Es war ein kleines aber sehr feines PM-Camp, dass mir zwei großartige Tage geschenk hat.

Der erste Tag wurde eröffnet von Nadja Schnetzler, Besitzerin von word and deed. Sie verzauberte die Teilnehmer des Camps mit ihren wunderschönen Postkarten: Und zeigte, wie man auf ganz ruhige und gelassene Art „das Chaos umarmen“ kann.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser schöne Impuls viel dazu beigetragen, dass in vielen Sessions dann die Situation des Menschen in seinen verschiedenen Rollen in für Projekte typische Aufgabenstellungen ein wichtiger Schwerpunkt war.

So ging es viel um den Wandel in unserer Gesellschaft und so auch in unseren Projekten, den Weiterentwicklung so mit sich bringt, um gewollte wie ungewollte Veränderung – und um „Innovation als kreative Zerstörung“.

CGzS2XBVIAApMhUAm Samstag, den zweiten Tag sind wir mit einem Paukenschlag in den Tag gestartet. Bruno Gantenbein, Besitzer von Unschooling.ch
und seit vielen Jahren unterwegs als erfolgreicher Unternehmensberater, hat gleich am frühen Morgen einen starken Impuls zum Thema “Auch Lernen ist in Evolution” eingebracht. Und das in einer Emotionaliät, die bei dem einen oder anderen Zuhörer zu Tränen der Rührung und Freude geführt hat.

Und dann hat auch er in seinem Vortrag auch noch einen wunderbaren Bogen zum Projekt Management geschlagen – mit der in meiner Bewertung so zentralen Frage „Wie, wo und was lernen denn eigentlich Projekt Manager“.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Kein Wunder, dass der zweite Tag dann doch sehr stark zu einem breiten Wissensaustausch geführt hat zu der Frage, wie denn sinnvolles, effizientes und menschenwürdiges Lernen so aussehen könnte, sollte oder müsste.

Es war großartig, wie man auf den Fotos vom PM-Camp Zuerich sieht.Die Fotos findet man ebenfalls auf dem Flickr Account des PM Camp Zuerich!

Deshalb ein ganz grosses Danke Schön ans PM-Camp Zürich Orga-Team bestehend aus Dagmar, Bruno, Christian, Matthias, Silvio und Toni, der die Veranstaltung in Zürich initiert hat.

PMCampRM_Logo_gross-150x150Und schon in weniger als einem Monat am 02.-04. Juli 2015 geht es weiter mit den PM-Camps in Bad Homburg! Dann heißt der Tag #pmcamprm!

Da will ich dann auch wieder dabei sein und natürlich gibt es dazu hier in IF-Blog auch noch einen Bericht!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2015

DER ZEITKÄFIG.

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Vor kurzem habe ich im Artikel „Goldener Stacheldraht“ beschrieben, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise vereinnahmen, so dass diese Menschen dann im Laufe der Jahre völlig unselbstständig werden. Und das auf ganz angenehme, ja verführerische Art uns Weise.

Dieser Artikel hat eine Reihe spannender Diskussionen ausgelöst. Auch um den Zeitkäfig, in dem die meisten von uns – ob angestellt oder freiberuflich arbeitend – eingesperrt sind. Denn alles wird in Zeit gemessen, die Arbeit, die Mobilität, die Freizeit. Und stiehlt uns unsere Lebenszeit.

Wie absurd ist doch der Gedanke, dass man jede Woche eine feste Anzahl Stunden seiner Zeit abliefern muss, ganz gleich was ansteht. Das mag in einem „Tayloristischen System“ einleuchten. Man steht am Fließband, macht besondere Handgriffe und bekommt für jede Stunde dieses Tuns ein Stück Geld. Aber der Taylorismus sollte doch für viele von uns Vergangenheit sein.

Die Alternative zu diesem mittlerweile uns als so selbstverständlich vorkommenden Systems waren der sicher auch schwierige Akkordlohn, der dem „Leistungsprinzip“ folgt. Beim Akkordlohn wird nicht mehr nach Zeit sondern nach der Anzahl der hergestellten Teile bezahlt. In auf Kaizen basierenden Strukturen findet man analog den Gruppenakkord. Der ja auch eine positive (Teamarbeit) und eine negative (Gruppendruck) Seite. So richtig mehr gab es da nicht.

Auch die sogenannten Wissensarbeiter (die ehemals mit weißen Krägen und Krawatten unterwegs war und heute lieber Rollis tragen) werden über die abgegebene Zeit abgerechnet. Sie bekommen ein Fixum, für das sie eine Anzahl von Stunden „arbeiten“, also diese Zeit im oder fürs Unternehmen verbringen müssen. Das wird dann ergänzt durch einen variablen Gehaltsteil, der in Zielvereinbarungen (einer modernen Art von Akkordlohn) festgelegt ist.

Dieses „Denken in Arbeitszeit“ hat sich in unseren Gehirnen so tief bei eingeprägt, dass wir es für ganz normal halten. Auch mir in meiner Rolle als Vorstand der InterFace AG ging das so. Es gab Werktage, da war ich nur wenige Stunden am Arbeitsplatz. Und habe in diesen wenigen Stunden oft wesentliches bewirkt. Wenn ich dann aber am frühen Nachmittag zu meinen Kindern heim gegangen bin, dann hat sich mein Über-Ich gemeldet und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. +

In meinem neuen Leben merke ich, wie unsinnig das ist. Ich versuche Vorhaben so zu gestalten, wie sie mir wichtig sind. Uns setze soviel Zeit ein, wie fürs Gelingen notwendig ist. Und fühle mich viel freier als früher.

Ich kenne viele Freiberufler, die sich absolut autonom fühlen, aber ganz selbstverständlich im Zeitkäfig stecken. Rechnen sie doch ihren Verdienst als Stunden- oder Tagessatz über die Anzahl der Stunden ab. Bei einer der erwähnten Diskussionen in Twitter hat einer darüber gerätselt, warum sich die meisten „Freiberufler“ ungern als solche bezeichnen. Und sich im Internet so meistens als Seniorberater, als Spezialist für irgendetwas oder als Geschäftsführer (der eigenen 1-Mann GmbH) vorstellen. Einer meinte als Erklärung, dass „freiberuflich“ für „potentiell arbeitslos“ stehen würde. Uns dies klänge doch nicht schön.

Ich denke, dass ein Freiberufler ein Tagelöhner ist – und das ist doch ein ehrlicher aber kein schlechter Begriff. Auch wenn das vielleicht ein wenig nach „Knecht“ klingt. Aber wir sind doch letzten Endes alles Knechte, die einem Herrn, einem System oder einem Wahn dienen.

Es sind aber auch andere (moderne?) Entlohnungssystematiken gut vorstellbar. Gebhard Borck schlägt zum Beispiel in seinem Buch Dein Preis den Wertvertrag als eine Alternative vor. Das ist alles andere als dumm und gefällt mir sehr gut. Aufgrund der vielen und überall installierten Zeitkäfige sind solche oder ähnliche Gedanken für die meisten Freiberufler aber (noch?) Utopie oder zumindest schwer durchsetzbar.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia, es stellt einen Eisenkäfig (florentinisch, ausgehendes 17. Jahrhundert), der sich im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau befindet. Der Urheber ist Flominator.