Roland Dürre
Freitag, der 16. Januar 2015

Goldener Stacheldraht

Zurzeit scheinen Institutionen und Unternehmen erstarren. Und die Menschen immer zu leiden. Zumindest sind das die Ergebnisse von diversen Umfragen, die man so liest. Und ich höre viele Klagen in direkten Gesprächen. Der Frust am Arbeitsplatz nimmt zu, immer mehr Menschen gehen in die „innere Kündigung“.

Ich kann das nachvollziehen. Das kollektive Leben in Unternehmen wird immer mehr in Prozesse gegossen. Diese Entwicklung findet schon seit Jahren statt, scheibchenweise und deshalb kaum merklich. Aber sich immer verstärkend, so dass keiner entkommt. Immer mehr wird geregelt und beschrieben. Für jede Frage gibt es eine einfache Antwort.

Wer es noch merkt, fühlt sich abhängig und entmündigt. Das Gefühl der Machtlosigkeit macht sich breit, die Unzufriedenheit wächst, man ist frustriert und weiß oft gar nicht warum. Gleichzeitig beschützen die Systeme einen wie nie zuvor. Sicherheit ist alles, Risiko ist unerwünscht. Die totale Fürsorge des Systems ist angesagt.

Und tatsächlich, die Fürsorge wird von den Umsorgten ganz gerne entgegen genommen. Weil sie eine Komfortzone bereit stellt und Sicherheit verspricht. Weil man sich in einem geschützten Bereich befindet und eigentlich um nichts mehr sorgen muss. Weil man bei einer großen „community“ ist, einer von vielen.

So entsteht das Wohlgefühl des Konzernangestellten. Das allerdings oft sehr trügerisch ist. Aber wie kommt es dazu? Ich war bei als Student wie als Festangestellter fast 10 bei Siemens und habe es dort persönlich erlebt, wie man in die Welt der Sicherheit rein rutscht.

Das „Einlullen“ begann bei mir mit der Fütterung in der Kantine. Dort bekam ich in der Regel gutes Essen zu festen Zeiten und zu einem vernünftigen Preis. Und fand – wie die meisten Menschen – „meine“ Betriebskantine eigentlich gut. Auch weil sie mein Leben einfach machte.

Die Kantine als der zentrale Punkt des Arbeitstages. Sie bestimmte, was gegessen wird. Es gab zwei Standardessen. Bei Siemens gab es ein „einfaches“ Essen (die grüne Marke für 1,20 DM) und das „bessere“ Essen (die rote Marke zu 1,50 DM). Die Marken sahen aus wie die Scheiben, die man beim Einkaufswagen im Supermarkt heute an Stelle einer EURO-Münze benutzen kann.

Die Marken gab es an einem ganz schlichtem Automaten. Für 6 DM gab es entweder fünf grüne oder vier rote. Es gab die selben Marken auch in gelb – für den Nachtisch. Die kosteten 30 Pfennige, für 1,50 Mark spuckte der Automat fünf davon aus. Damals gab des sogar Abendessen in der Kantine- sehr bequem.

Die tägliche Auswahl an der Theke zwischen grüner (einfacher) und roter (bessere) Mahlzeit wurde zum wichtigsten Teil des täglichen Lebens. Die Frage „Was gibt es heute“ bringt Abwechslung in den Tag. Es Entscheidung und letzter Rest gefühlter Freiheit. Und der mitt-tägliche Gang zur Kantine als die Zäsur im Arbeitstag.

So ist das bei großen Firmen und Insitutionen – es ist für alles gesorgt. Man bekommt Essen und Wärme. Die Kantine ist die Spitze des Eisberges einer kompletten Rundumversorgung von „Mama Siemens“ und ähnlichen. „Mama Siemens“ (als Metapher für die großen Konzerne) gibt ihren Menschen den Arbeitsplatz, ein gutes Gehalt, die Wärme und das Licht, ein schönes Büros. Am Tor wacht der Werkschutz. Der Chef überlegt sich, welche Kurse für seine sinnvoll sind. Und wenn ein Mitarbeiter ein gesundheitliches Problem hatte, konnte er zum Betriebsarzt gehen. Was will man mehr?

So ging es mir als arbeitender Mensch in den ersten Berufsjahren. Ich saß in einem goldenen Käfig. Wir wurden gezähmt und verwöhnt, wie verwöhnte Haustiere. Bis ich vor lauter Fürsorge – und ehrlicherweise nicht nur aus diesem Grunde – ausgebrochen bin.

Viele meiner Freunde und Kollegen konnten nicht ausbrechen. Sie wurden zu Gefangenen im „goldenen Stacheldraht“. Zuerst war es die Betriebsrente, die sie fesselte. Dann der erworbene Kündigungsschutz. Unmerklich wurden sie zu Zombies des Systems, einem System, das für alles gesorgt hat. Alles war vor gedacht, alles geregelt. Keine Probleme, keine Herausforderungen.

Auch heute sind für alles Prozesse festgelegt: Ob es der Urlaub ist, das Mitarbeitergespräch, die Arbeitszeiten, die Dienstreisen, Meetings, Einstellungen oder Kündigungen, Personalthemen, social Media, alles ist konfektioniert und wird „convenient“ serviert.

Spätestens ab dem fünzigsten Geburtstag haben sie dann bange aufs Ende geschaut. Und viele durften zum Teil weit vor dem sechzigsten gehen, gut versorgt aber eigentlich zu jung, um nichts mehr zu schaffen.

Und wie das bei Systemen so ist:
Wenn die Regulation mal begonnen hat, dann geht sie immer weiter. Ob Kommunikation, Kreativität, Produktion, Entwicklung, Marketing, Vertrieb, alles wird normiert. „Best practice“ erstarrt in Prozessen, die Bürocracy treibt ihre Triebe und Blüten, nebenläufiges Denken ist unerwünscht.

Vom „gesunden Menschenverstand“ geht es hin zum „so wird das gemacht“. Kreativität wird durch Planung ersetzt, Transparenz wird zur unerwünschten Bedrohung. Alles muss messbar sein, auch die Verbesserungsvorschläge. Kundenwünsche und Lieferantenbedürfnisse werden dem eigenen Shareholder Value untergeordnet.

Das System steht über allem. Gut ist nur noch, was dem System nutzt – auch wenn dies nur vermeintlich ist.

So tragen die Unternehmen eine immer stärker werdende Maske vor sich her. Es ist ein Tannenbaum, der früher Aufbauorganisation genannt wurde, behängt mit dem Lametta der Ablauf-Organisation.

Innen ticken diese Unternehmen zwar anders, weil die tüchtigen Kollegen wenn nötig (und das ist häufig) den Tannenbaum und sein Lametta ignorieren und direkt miteinander sprechen. Und so dafür sorgen, gegen die Regeln, dass das Unternehmen doch noch Erfolg hat.

Viele Unternehmen erinnern mich an das Bild einer City, die beginnt ihr pulsierendes Leben durch den Aufbau von Wegweisungen mit Zäunen aus goldenem Stacheldraht zu ordnen. Aber mit genug eigentlich unzulässlichen Lücken, damit das ganze noch funktioniert.

Bürocrazy lässt grüßen!

RMD

Ulf D. Posé
Samstag, der 3. Januar 2015

Post von Ulf Posé zum MINDESTLOHN!

Hallo und Guten Tag,

Ihnen wünsche ich ein frohes neues Jahr. Und sende Ihnen eine Betrachtung zum Mindestlohns. Der gilt ja ab gestern. Erschienen ist der Artikel bei Politik-Poker. Stöbern Sie einmal dort. Es lohnt sich.

ULF D. POSÉ | 02.01.2015

Endlich ist er da, der Mindestlohn!

Der eine oder andere Silvesterböller wurde sicher auch in die Luft geschossen, um die Einführung des Mindestlohns zu feiern. Endlich können sich Millionen von Menschen mit dem nötigsten des Lebens ordentlich ohne staatliche Zuschüsse versorgen.

Endlich hört die Ausbeutung auf. Aber stimmt das auch? Sind Mindestlöhne tatsächlich sinnvoll und gerecht?

Über eine Lohnuntergrenze nachzudenken, ist richtig und sinnvoll. Das Nachdenken sollte allerdings zu einem verantwortungsvollen Urteil führen. Zwei Fragen gilt es zu beantworten:

1. Was ist das Ziel einer Lohnuntergrenze, und wird dieses auch erreicht, und
2. ist eine Lohnuntergrenze finanzierbar?

Eine Lohnuntergrenze hat das Ziel, mit dem Einkommen sein Leben unabhängig von staatlichen Unterstützungen finanzieren zu können. Das ist mit der staatlich verordneten Lohnuntergrenze von € 8,50 nicht möglich. Nicht für Singles, erst recht nicht für Familien mit nur einem Verdiener.

Schon im Jahre 2004 lag die Niedriglohnschwelle bei 1.704 Euro brutto im Monat. Das entsprach einem Stundenlohn von 9,78 Euro pro Stunde. Schon damals gab es 44.000 Lohnempfänger, die einen höheren Monatslohn bekamen und gleichzeitig auf staatliche Unterstützung angewiesen waren. Das neutrale Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) formulierte daher schon 2005 recht konsequent: „Je nach Haushaltskontext (kann) selbst bei Lohnsätzen über 7,50 Euro Bedürftigkeit bestehen.“

Das Ziel, mit einer Lohnuntergrenze die Möglichkeit zu schaffen, sein Leben ohne staatliche Unterstützung zu finanzieren wird also nicht erreicht, auch nicht bei der Lohnuntergrenze von € 8,50. Und es betrifft auch weitaus weniger Menschen, als immer wieder behauptet wurde und behauptet wird.

Es war in der Vergangenheit, vornehmlich durch die Gewerkschaften behauptet, von rund zwei Millionen Menschen die Rede, die trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen seien. Das wäre fast jeder 20. Erwerbstätige.

Nach einer Studie des neutralen Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Jahr 2005 bekamen tatsächlich so viele Erwerbstätige zusätzliche Leistungen vom Staat. Allerdings waren massenhaft 400-Euro-Jobs dabei. Echte Vollzeit arbeiteten damals nur 495.000 Hartz-IV-Empfänger.

Im April 2006 waren es rund 473.000 und 2007 waren es 526.000. Es bleibt eine gewaltige Zahl. Allerdings befanden sich 2005 unter den 495.000 Vollzeit-Arbeitnehmern, die ihr Einkommen mit Hartz IV aufstockten, nur 14.000 Singles, die von einem Fulltimejob nicht leben konnten. Das sind nur 0,035 Prozent, und nicht satte 5 Prozent, also 2,1 Millionen, wie manche Gewerkschaftler behauptet hatten. So macht man Stimmung.

Es ist also der Familienstand entscheidend, wenn es um staatliche Hilfe geht. Hat jemand einen Partner, der kein Geld verdient, und darüber hinaus noch zwei Kinder kann allein seine Familie auch mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro nicht ernähren. Dies in der öffentlichen Debatte zu verschweigen ist vielleicht Volksverdummung, unredlich ist es allemal.

Die Politik hat nun den flächendeckenden Mindestlohn ab dem 1.1.2015 gesetzlich eingeführt. Schau ich mir jedoch die Vergabepolitik der öffentlichen Hand an, dann erhält der Billigste den Auftrag. Schon das passt nicht zusammen. Ganz schön verlogen!!! Eine gesetzlich vorgeschriebene Lohnuntergrenze unterstützt darüber hinaus dummerweise die marxistische Idee, dass Leistung unabhängig vom Nutzen entlohnt werden soll. Das mag menschlich verständlich sein, verstellt jedoch gleichzeitig den Blick für die wahre Ursache der Entlohnung.

Damit muss die Frage beantwortet werden, ob eine Lohnuntergrenze finanzierbar ist. Mindestlöhne, die Unternehmen nicht zahlen können, da die Auftragslage nicht die notwendige Rendite ausweist, leistet letztlich Schwarzarbeit oder Scheinselbständigkeit Vorschub.

Wird Arbeit nicht nachgefragt, weil sie dem Unternehmer zu teuer ist, verschwindet sie vom Arbeitsmarkt und der Unternehmer mit ihr. Das ist zwar bitter, gehorcht jedoch einer äußerst einfachen, marktwirtschaftlichen Logik. Lohn entsteht durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sowie durch den Wertschöpfungsbeitrag, den die Arbeit erzielt.

Liegt der Lohn über dem Wertschöpfungsanteil, kann der Lohn nicht mehr finanziert werden, die Nachfrage stirbt. Wird nun ein Unternehmer gezwungen, Löhne zu zahlen, die er mit seinen Aufträgen nicht erwirtschaften kann, wird er sein Unternehmen schließen müssen oder der Staat subventioniert ihn. Das haben wir reihenweise erlebt, als in den Einígungsverträgen zwischen Ost und West nach der Wende Tarifangleichungen zwingend vorgeschrieben wurden. Am Ende gab es Tarifgebiete mit nahezu 40 Prozent Arbeitslosigkeit.

Nehmen Sie aktuell nur ein Beispiel aus der Zeitarbeit. Fürs Regale-Einräumen erhält ein Zeitarbeitnehmer, der an einen Fahrzeugbauer in der Metall+Elektro-Industrie überlassen ist, den hohen Metall+Elektro-Industrie-Lohn. Wenn er nun eine Woche später dieselbe Tätigkeit ausführt, aber eben keine Stoßdämpfer in der
Metall+Elektro-Industrie in die Regale räumt, sondern Wasserkisten im Einzelhandel, bekommt er – für dieselbe Tätigkeit – weniger Geld.

Löhne sind alles Mögliche, nur nie gerecht.

Sofort wird angemahnt, das sei nicht gerecht. Leider ist Gerechtigkeit nach Ulpian der feste Wille, einem jeden Menschen sein Recht zukommen zu lassen. Das Dumme ist, Löhne sind niemals gerecht, sie werden es auch nie sein. Die Bemessungsgröße für Löhne ist die Angemessenheit, leider nicht die Gerechtigkeit.

Die Angemessenheit richtet sich nach Angebot und Nachfrage und nach Wertschöpfungsbeiträgen. So kann der Wertschöpfungsbeitrag für das Einräumen von Wasserkisten nun einmal deutlich geringer sein, als das Einräumen von Stoßdämpfern.

Neben der Gerechtigkeit ist auch die Leistung nicht die Grundlage der Entlohnung. Wäre sie es, dann sind das Einräumen von Stoßdämpfern und das Einräumen von Wasserkisten leistungsmäßig eher identisch.

Das Leistungsprinzip ist Marxismus pur.

Der Leistungslohn und mit ihm das Leistungsprinzip ist keine Erfindung des Kapitalismus, sondern eine Erfindung von Karl Marx, der damit gegen das Marktwert-Nutzwert-Prinzip des Kapitalismus polemisierte. Das haben wir leider inzwischen vergessen.

Das Leistungsprinzip ignoriert, dass der Nutzen einer Arbeit die entscheidende Größe bei der Entlohnung ist. Wäre Leistung die entscheidende Größe, dann müsste ein Vorstandsvorsitzender bei 100-prozentiger Erfüllung seines Leistungssolls weniger bekommen als ein Facharbeiter, der sein Leistungssoll um 130 Prozent erfüllt.

Ich denke, in diesem ideologischen Streit um die Lohngerechtigkeit halten sich viele Menschen an Bernhard Shaw, der einmal meinte: „Manche Menschen sind nur bereit für Dinge zu sterben, die ihnen zureichend unklar sind.“

Mindestlöhne – und was ist mit den Selbständigen?

Ein Gesetz, das eine Lohnuntergrenze festlegt, müsste also konsequenterweise an ein Produktabnahmegesetz gekoppelt werden, das die Verkaufspreise festlegt. Die Einführung einer Lohnuntergrenze müsste Kunden gesetzlich zwingen, einen angemessenen Preis zu zahlen. Solch eine radikale marxistische Maßnahme würde kein Wirtschaftsökonom befürworten, gleichzeitig wird jedoch klar, wie widersinnig die Diskussion ist.

Bei der Lohnuntergrenze blenden wir einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung völlig aus: den Unternehmer oder den Selbständigen. Wir haben in der Bundesrepublik rund 100.000 Selbständige, die mit ihrem Einkommen unter der Pfändungsgrenze liegen. Diese Selbständigen sind sehr fleißig.

Sie arbeiten durchschnittlich 59 Stunden pro Woche, und Sie machen unterdurchschnittlich wenig Urlaub, rund 15 Urlaubstage pro Jahr. Es gibt etwa 600 000 Selbstständige, die weniger als 7,00 Euro pro Stunde verdienen. Dann gibt es auch noch 213.000 Freiberufler, die für weniger als fünf Euro pro Stunde schuften. Diese ‚reichen‘ Unternehmer sollen also in Zukunft die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro einhalten? Na ja, gegen Selbstausbeutung scheint die Politik nichts zu haben!

Wir blenden in der Debatte um die Lohnuntergrenze die politische Fürsorge für Freiberufler völlig aus. Wieso wollen wir Arbeitgebern oder Selbstständigen etwas verwehren, das für den Lohnempfänger als gerecht empfunden wird?

Ich vermute, unsere Politiker geben nicht gern zu, dass sie Selbständige als Bürger 2. Klasse ansehen, die keiner Unterstützung bedürfen. Vielleicht ist es auch ein Stück weit unfair, unsere Politiker ständig unter Druck zu setzen, den jeweilig lobbyistischen Willen bitte opportun erfüllen zu sollen.

Und doch ist sicher aus ethischer Sicht zu überlegen, ob eine Vollzeitarbeit, die es dem Empfänger unmöglich macht, seine Lebensbedürfnisse auf der Höhe des Sozialhilfesatzes zu befriedigen, nicht doch menschenunwürdig ist, wie schon das Sozialgericht in Berlin entschieden hat.

Vernichtet der Mindestlohn Arbeitsplätze?

Und noch Eines ist zu bedenken. Auch wenn das Ziel, mit einem Mindestlohn eine Familie ernähren zu können, nicht zu erreichen ist; der Hinweis, dass Mindestlöhne ausschließlich Arbeitsplätze vernichten, nicht so ohne weiteres haltbar. Die Erfahrungen mit Mindestlöhnen sind in Europa je nach Höhe des Mindestlohns durchweg geteilt. Achtzehn von 25 EU- Mitgliedstaaten haben längst Mindestlöhne gesetzlich eingeführt, darunter Frankreich, England, die Niederlande, Portugal, Spanien, Irland.

Selbst in den Vereinigten Staaten gibt es im Stundensatz einen Mindestlohn. Wir waren also inzwischen ziemlich allein. Bisher hat die befürchtete Zunahme der Arbeitslosigkeit durch Einführung von Mindestlöhnen in Staaten mit Mindestlöhnen nicht stattgefunden. Die Empirie beweist das. So zumindest argumentieren Politik und Gewerkschaften. Leider ist jedoch der Hinweis auf Mindestlöhne in anderen Ländern als gutes Beispiel ebenfalls von einigen Informationsmängeln begleitet.

Die Mindestlöhne in den Vereinigten Staaten zum Beispiel werden nicht zur Armutsbekämpfung eingesetzt. Der Lohn wird über eine negative Einkommenssteuer aufgestockt. Der Mindestlohn in den USA betrug bis Ende 2014 7,25 US$. Ab dem 1.1.2015 beträgt der Mindestlohn 10,10 US$ (umgerechnet 7,48 €). Aber reicht das ohne staatliche Zuschüsse? Familien mit zwei oder mehr Kindern bekamen 2012 in den Vereinigten Staaten maximal 4716 US$ (3218 €) vom Staat zum Lohn dazu. Die Engländer bezuschussen ihre schlecht verdienenden Bürger pro mit bis zu 1730 Pfund pro Person (2342 Euro).

Diese zusätzlichen Unterstützungen entsprechen durchaus unserem Hartz IV – Gedanken. Auch das Mindestlohn-System anderer Länder führt nicht automatisch
dazu, dass eine Familie in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien von einem Gehalt leben kann.

Gleichzeitig ist die Höhe des Mindestlohns entscheidend. Die OECD hat schon vor Jahren ermittelt, dass Mindestlöhne die Armutsgrenze nur marginal verringern können. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen nahm durch Mindestlöhne eher zu. Die OECD untersuchte in neun Ländern die Auswirkungen von Mindestlöhnen und kam in 24 Fällen zu dem Schluss, der Mindestlohn wirke sich auf die Beschäftigung negativ aus. In 15 Fällen gab es entweder überhaupt keine Effekte und manchmal auch positive Effekte.

Dann hat sich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) mit den Mindestlöhnen befasst. Das ist wirklich interessant. Sind weniger als 2 Prozent der Arbeitnehmer vom Mindestlohn betroffen (wie in USA und Großbritannien), dann wurden: „in der Regel keine oder allenfalls geringfügig negative, sondern bisweilen sogar positive Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns“ ermittelt. Aber jetzt kommt´s. In Frankreich sieht das völlig anders aus. Da ist der Mindestlohn so hoch (€ 9,53), dass 15,6 Prozent der Arbeitnehmer davon betroffen sind. Die Folge: hohe Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Frauen und Jugendlichen.

Für den SVR ist Frankreich mit der Bundesrepublik gut vergleichbar. Wir dürfen also fürchten, denn der SVR meinte auch, der Verlust von Arbeitsplätzen sei durch die Anhebung des Mindestlohns in Frankreich beachtlich gewesen. Das wird durch eine Studie von Laroque und Salanié unterstützt. Bei deutlicher Erhöhung des Mindestlohns kommt es zu Beschäftigungsverlusten; bei sehr moderaten Anhebungen des Mindestlohns eher nicht.

Wobei der Mindestlohn auch ein Wettbewerbsabwehrinstrument sein kann. Denken Sie nur an die Post AG. Die ist mit Ihren Mindestlöhnen Ihren wichtigsten Wettbewerber in der Briefzustellung losgeworden. Hier war die Post AG aus guten Gründen für einen Mindestlohn. In den Niederlanden ist die Post AG eher ein kleiner Anbieter und hat sich dort vehement gegen Mindestlöhne gewehrt.

Allerdings kommt in der Bundesrepublik noch ein weiterer Pferdefuß dazu: unsere Regelungswut. Bisher kann noch kein Mensch realistisch absehen, wie sehr die Bürokratie der Dokumentationspflicht Unternehmen belasten wird.

Und trotz alledem: wir sollten es bei aller Überlegungen bis hierher, den Unternehmern nicht zu einfach machen. Ein Unternehmen, das nicht in der Lage ist, Löhne oberhalb des Sozialhilfesatzes zu bezahlen, hat nicht nur schlechte Marktbedingungen, es macht vielleicht auch Managementfehler.

Der Markt und der Wettbewerb entscheiden über den zu verteilenden Gewinn eines Unternehmens. Ein Unternehmen, das nicht in der Lage ist, seine Mitarbeiter angemessen zu entlohnen, bewegt sich entweder im falschen Marktsegment, oder bietet die falschen Produkte an oder produziert am falschen Ort oder hat falsche Entscheidungen gefällt. Schlecker war hier sicher ein gutes Beispiel. Die dadurch
entstehenden Krisen dürfen Mitarbeiter nicht zu Gunsten des Managements in den finanziellen Ruin führen.

udp

Roland Dürre
Sonntag, der 21. Dezember 2014

:-) Frei, verfügbar und käuflich …

… aber nicht für jeden Preis und für jede Sache!

Ja – das bin ich!

Ab 1. Januar bin ich frei und bereit meine Haut zu verkaufen. Hier eine Liste von dem, was ich vielleicht ganz gut kann (zumindest habe ich da recht ordentliche Referenzen):

Aufgenommen am 3. Oktober 2012 in der Waldwirtschaft mit meiner neuen aus China importierten Mütze

Bin mir nicht sicher, ob dieses Bild für mein persönliches Marketing taugt 🙂

  • Vorträge zum Thema Führung und Management halten, die manche Dogmen in Frage stellen.
  • Für eine Neue Welt werben, die ein wenig mehr „Agil, Lean, Open“ ist
  • Und die vor allem für uns, die Menschen und die Schöpfung da ist.
  • Offenen und kreativen Menschen (die alt wie jung, weiblich oder männlich sein dürfen) ein unternehmerisches und menschliches Mentoring anbieten.
  • Gegen soziale Systeme arbeiten, die sich zum Selbstzweck gemacht haben.
  • Impulse für Transformation setzen.
  • In Krisenprojekten Auszeit zu organisieren um Raum für kreative Ideen und Lösungen zu schaffen.
  • Mit Start-ups und Unternehmen die dummen Fragen finden, die vielleicht weiterhelfen.
  • Aufrütteln und Augen öffnen und
  • vermeintliche Wahrheiten hinterfragen.
  • Kommunikation auf eine neue Basis setzen.
  • Menschen zusammen bringen und zu vernetzen.

und mehr in diese Richtung!

Also wenn Ihr so etwas habt, dann ein Dankeschön an Euch. Und ich teile auch immer gerne den Erfolg.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. Juli 2014

Gedanken zum Wochenende

Diese Gedanken wurden geboren aus dem Spagat zwischen gut und schlecht, richtig und falsch, konstruktiv und destruktiv, in dem wir uns wohl alle in verschiedenen Dimensionen und zu verschiedenen Zeitpunkten unseres Lebens immer wieder befinden und den ich doch auch selber nur zu gut kenne.

Deshalb wünsche ich mir und Euch, allen Freunden wie allen Lesern viel Erfolg beim Überwinden der immer wieder neuen Hürden, die sich uns laufend in den Weg stellen! Und bitte Euch und mich, auch wenn Ihr genauso frustriert und ratlos seid wie ich und uns alles müßig und umsonst erscheint, einfach weiter zu machen.

Denn ich glaube, dass man in jedem Umfeld konstruktiv wirken kann. Vielleicht ändern sich Ziel und Weg, aber immer wird etwas Positives (Konstruktves) bleiben. Man muss es nur wollen, das konstruktive Wirken und dies auch besonders in destruktiven Welten. Und immer wieder den Mut dazu aufbringen.

Es gibt da so einen Satz, den ich noch nicht so richtig verstanden habe:

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“.

Ob der stimmt, weiß ich nicht. Oft meine ich ja, dann wieder nein. Aber wahrscheinlich gibt es „ein konstrukives Leben auch im destruktiven“!

Also auf geht’s!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 2. Mai 2014

Unternehmen gründen heute!

Wenn ich heute bei so Business-Wettbewerben dabei bin und / oder Business Pläne lese, dann gewinne ich den Eindruck, dass …

… es keine Bayerische Verfassung gibt, die dem Gewerbetreibenden vorschreibt, dass sein Gewerbe auch einen Nutzen für die Allgemeinheit haben muss.

… alle Gründer bei der Gründung nur Geld und Macht im Sinn haben (und falls sie männlich sind auch Frauen).

… die Mehrung des „Shareholder-Value“ immer noch das ausschließliche Unternehmensziel ist.

… dass auch nur auf die zarte Andeutung einer Sinnstiftung des Unternehmens sehr oft verzichtet wird.

Denn ich lese und höre überwiegend von Zahlen und Märkten. Umsatz und Ergebnis stehen im Vordergrund. Und das angebotene Produkt wie das aufzubauende Unternehmen sind die Mittel zum Zweck. Der Zweck ist „Geld verdienen“. In großer Ausschließlichkeit. Und wenn dies nicht anders geht, dann halt dadurch, dass das neue Unternehmen nach kurzer Zeit mit hoher Wertsteigerung weiter veräußert werden kann.

Dann denke ich mir:
Da läuft doch irgend etwas falsch.

Sehr häufig lese ich auch, dass man viel Geld (… mehrere Millionen …) bräuchte, um ein starkes Marketing und einen penetranten Vertrieb aufzubauen. Weil das das Hauptproblem wäre.

Und dann denke ich mir:
Warum erfindet Ihr denn nicht einfach Produkte, die die Menschen brauchen?

RMD

Letzte Woche am Donnerstag war ich beim Forum UnternehmerTUM in der BMW-Welt. Es war eine große Gala mit einem schönen Informations- und Diskussionsblock. Der dauerte über 90 Minuten und wurde von Stefan Weigel mit viel ansprechendem Humor moderiert.

Die Schlagzeile zur Gala war „Kooperation“ – es ging um Themen wie „Zusammenarbeit mit Mehrwert“, „Kooperationsmodelle und Initiativen“, um „Gründungsgeschichten“ und „Fehler von Gründern“.

Der Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit von „start ups“ mit etablierter Wirtschaft. Es war eine spannende Veranstaltung mit anschließenden großem „Get together“. So hatte ich viele schöne Wiedersehen mit alten Freunden und lauter gute Gespräche bei ansprechender Musik. Und habe auch noch ein paar neue und sehr sympathische Bekanntschaften gemacht. Dies alles zusammen bewirkte, dass es dann doch viel später wurde als von mir beabsichtigt.

Ich habe das Glück, öfters zu solchen Veranstaltungen eingeladen zu werden. So wie ich auch gelegentlich in der Jury bei „Businessplan Wettbewerben“ teilnehmen darf. Wenn da die potentiellen Unternehmensgründer ihre Pläne vorstellen, ist das immer sehr spannend und inspirierend. Ich komme aber auch über all die Sprüche und auch „Schicki-Micki“-Situationen, die ich da erlebe auch ins Nachdenken.

Denn auf all diesen Veranstaltungen beschleicht mich oft der Gedanke, dass es da um einen Begriff von „Unternehmer“ geht, der stark überhöht wird. Oft höre ich da sehr große Worte und ich gewinne den Eindruck, dass die start-ups in Deutschland die Welt retten sollen. Unternehmertum als Lebensziel wird verklärt, so als ob das größte Ziel sein müsse, dass möglichst viele Menschen unbedingt Unternehmer werden. Und dann kommen doch die Zweifel hoch, ob dieser ganze „Unternehmer-„, „Entrepreneur“ und „Start-up-Hype“ so wirklich zielführend ist.

Deswegen möchte ich in diesem Artikel das Thema „Entrepreneurship“ mal ganz nüchtern betrachten. Wie in der Philosophie üblich versuche ich zuerst den übergeordneten Begriff zu analysieren. Der ist für mich „Arbeiten um Geld zu verdienen“. Das muss nämlich heutzutage ein jeder, es sei denn er ist reicher Erbe (eine immer häufigere Variante) oder er hat im Lotto gewonnen (ganz selten). Wenn er keine kriminelle Laufbahn einschlagen will, muss er sich überlegen auf welche Art und Weise er sein Geld verdienen will.

Ein „Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)“, von dem erstaunlich viele Menschen in meinem Bekanntenkreis meinen, dass man es mal ausprobieren sollte, würde daran auch nichts ändern. Denn die meisten Menschen wären in meiner Bewertung nicht bereit, einen dann nur extrem bescheidenen Lebensstil zu akzeptieren.

So verbleiben für uns Menschen in Deutschland nur drei Varianten, den Unterhalt für uns und unsere Familien zu sichern.

  • Die lohnabhängige Beschäftigung

    Diese Kategorie umfasst die Arbeiter, Angestellten und Beamten. Arbeiter gibt es kaum noch, die sind mittlerweile wohl den Angestellten gleichgestellt. Für diese hat sich bei uns ein hoch reguliertes System entwickelt. Die Höhe des Arbeitslohnes ist oft tariflich festgelegt. Die Rahmenbedingungen sind im Arbeitsrecht festgelegt. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz. Es gibt einen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber asymmetrischen Kündigungsschutz. Es gibt soziale Sicherungssysteme für Arbeitslosigkeit, Altersversorgung und Krankheit. Das Betriebsverfassungsgesetz regelt eine sehr komplizierte Mitbestimmung, die aber wesentliche und manche vernünftige Elemente vermissen lässt …

    Durch Zusatzregelungen sind Kurzarbeit, Langzeitsarbeitskonten und vieles mehr geregelt. Als Angestellter ist man Teil eines „disziplinarischen“ Systems. Man hat einen oder mehrere „Vorgesetzte“. Urlaub muss beantragt werden, für Auszeiten wie zum Beispiel Vaterschaftsurlaub gibt es komplizierte Regelungen. Die Einkommens- und Karrieremöglichkeiten sind limitiert. Nur im Ausnahmefall ist eine Karriere möglich, die wesentlich höhere Bezüge ermöglicht.

    Dies gilt auch für die mir ein wenig pervers erscheinende Variante des Beamtenverhältnisses. Hier dürfen die Arbeitnehmer (die Beamten) täglich kündigen, obwohl sie einen ganz massiven Kündigungsschutz haben – so wie kein Angestellter. „Zum Ausgleich“ gibt für Beamte ein im Vergleich zur Rente der Sozialversicherung für Angestellte wesentlich höheres Pensionseinkommen.

    Das macht sich im Lebenseinkommen dann so richtig bemerkbar, besonders wenn die Jahre in Pension (vom Ausscheiden bis zum Tod) eine ähnliche Größenordnung erreichen wie die Jahre der aktiven Arbeit. Bei hoher Lebenserwartung, spätem Eintritt in die Arbeitswelt und Pensionierung vor dem offiziellen Termin geht es hier oft um richtige Summen und wenn man es mal nachrechnet um sehr, sehr viel Geld.

    Im Bereich der lohnabhängigen Beschäftigung gibt es allerdings auch immer mehr gering verdienende Menschen. Deren Einkommen müssen vom Staat zum Beispiel durch Mietunterstützung aufgestockt werden. Eine realistische Chance durch einen Kapitalstock fürs Alter vorzusorgen, haben diese Menschen nicht. Die Politik will jetzt den gesetzlichen Mindestlohn einführen – ein Experiment, dem ich mit großer Spannung entgegen sehe.

  • Leistungserbringung auf Basis eines Dienstleistungs- oder Werksvertrages

    Der Volksmund bezeichnet Menschen, die ihr Geld auf diese Art verdienen, als „Freiberufler“. Wenn jemand sich nicht in ein Angestelltenverhältnis fügen will – oder keines erringen kann – dann muss er von Arbeitslosengeld (ja auch nur beschränkt möglich) oder Sozialhilfe leben. Wenn er das auch nicht will, dann bleibt ihm nur die Freiberuflichkeit (oder er muss Unternehmer werden – siehe nächsten Spiegelstrich).Er muss also Kunden finden, die ihn im Rahmen eines Dienstleistungs- oder Werksvertragverhältnis beauftragen. Das wird immer zeitlich beschränkt sein. Da der „Freiberufler“ nicht „sozialversicherungs-pflichtig“ ist, muss er für seine Altersversorgung selber sorgen. Das wird ihm angesichts des immer länger werdenden Zeitraums vom wirtschaftlichen Ausstieg bis zum Tode und der hohen Kosten für Alters- und Pflegeheime auch bei sehr gutem Einkommen kaum gelingen, so dass er in vielen Fällen dann letztendlich auch wieder von Sozialhilfe leben muss.

    Auch diese Variante ist gesetzlich reguliert. Es ist klar definiert, wie ein „Freiberufliches“ System aussehen muss – und oft kann die Realität mit diesen Vorgaben nicht in Einklang gebracht werden. Manche Freiberufler verpacken deshalb ihre Aktivität in eine GmbH, um unter anderem diesen Vorschriften gerecht zu werden (und um vielleicht noch einen Angehörigen als Aushilfe einstellen zu können). Diese würden dann wahrscheinlich in der Statistik als Unternehmer bewertet werden, de facto sind sind sie vielleicht auch welche, aber nicht im Sinne des heute so stark propagierten Unternehmertums.

    Erstaunlich viele Freiberufler (angeblich ein Drittel) befinden sich in ihrem Einkommen auch unter dem geplanten Mindestlohn. Mit der Einführung des Mindestlohns wird sich da auch nicht viel ändern. Wenn der Zoo zum Beispiel für einen Zentner Kastanien für seine Tiere 10 € zahlt, dann ist das ein legales Geschäft. Und dem Auftraggeber ist und kann es egal sein, wie viel Zeit der Lieferant für das Sammeln der Kastanien braucht.

    Viele Freiberufler scheinen in ihrer aktiven Zeit überdurchschnittlich gut zu verdienen. Oft trügt der Schein, gerade wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet. Durststrecken reduzieren das Gesamtbild, Überstunden und Verzicht auf Urlaub verbessern es scheinbar. Für einen Freiberufler ist es schwer, sein Einkommen zu skalieren. Geht das doch nur über Preiserhöhungen und höhere Kontierungsleistung. Beides wird aber immer schwieriger.

  • Unternehmerische Tätigkeit

    Unternehmer sind Menschen, die etwas machen wollen, das sie können oder meinen zu können und in ihrer eigenen Verantwortung stehen wollen. Oft haben sie etwas vor, das sie alleine nicht schaffen können. Um ihr Ziel zu realisieren, reichen ihre eigenen Kräfte nicht aus, sie benötigen die Leistung Dritter. So suchen sie Unterstützer, das können Partner, Angestellte des zu gründenden Unternehmens oder Freiberufler als Leistungslieferanten zu sein. In der Regel meinen die Gründer besondere Chancen am Markt gefunden zu haben, neue Geschäftsideen zu sehen oder zum Beispiel besondere Techniken oder Produkte gefunden zu haben.

    Die Geschäftsidee kann auf einer Dienstleistung und auf einem Produkt aufbauen wie auch auf einer Mischform. Diese Idee kann in der Regel nicht alleine realisiert werden, Mitarbeiter oder ein Team wird gebraucht. Gerade im Produktbereich sind oft vorab hohe Investitionen notwendig, dies kann aber auch im Umfeld von Dienstleistung notwendig sein, um die Dienstleistung zum Beispiel bekannt zu machen, zu verkaufen und die Voraussetzungen für Lieferfähigkeit zu sicher zu stellen.

    Um dieses Problem zu lösen gibt es unter anderem VC’s (Venture Capital), öffentliche Förderung und Förderbanken aber auch private „business angel“. Wie gut das immer funktioniert sei hier mal dahin gestellt.Wahrscheinlich kann man als Unternehmer am ehesten sein Einkommen überdurchschnittlich erhöhen. Profitiert doch das Unternehmen und damit der beteiligte Unternehmer an der Leistung eines jeden der Mitarbeiter oder des Teams ein wenig mit. Eine relevante Einkommensskalierung ist also am ehesten durch unternehmerische Tätigkeit möglich.

    Ganz wenig Unternehmer können auch richtig reich werden. Das sind dann die großen Ausnahmen, von denen viele träumen. Wie aber auch zum Beispiel im Sport sind es aber nur ganz wenige die an Spitze kommen. Ich habe den Eindruck, dass die „Jungunternehmer“ immer davon träumen, ein Steve Jobs oder Larry Ellison oder ein Albrecht zu werden. Vielleicht ist es ja gut, wenn man sich ein ganz großes Ziel nimmt. Aber ich appelliere lieber an den Realismus. Und ein gutes kleines Geschäft ist auch eine tolle Sache.

    Es gibt sicher weniger erfolgreiche als erfolglose Unternehmer. Das Risiko des Scheiterns ist hoch. Ich kann mich an viele Unternehmen erinnern, die in den 30 Jahren des Bestehens der InterFace auch in unserer Branche gegründet wurden, uns ein Stück des Weges begleitet haben und dann verschwunden sind. So darf man gerne träumen, sollte immer daran denken, dass jederzeit ein großer Absturz möglich ist.

    Natürlich muss ein erfolgreicher Unternehmer im Normalfall über eine gute bis besondere Kompetenz verfügen und in der Lage sein (und das Glück haben), die Möglichkeiten des Marktes richtig einzuschätzen. Viele Tugenden wie Mut und Vorsicht, Umsicht und Risikobereitschaft und besonders Führungseigenschaften wie Klugheit und Souverantität sind nützlich. Wahrscheinlich ist auch ein gewisses Maß an Autonomie und Extrovertiertheit notwendig, Eigenschaften, die sich idealerweise mit innerer Gelassenheit und  Zentriertheit paaren sollten. Und sicher wird ein Unternehmer in seinem Leben sehr lernfähig sein müssen.

    Unternehmer brauchen aber nicht unbedingt etwas Neues und besonders Innovatives zu machen, um erfolgreich zu sein. Oft sind ganz kleine Dinge gepaart mit fleißiger Arbeit die Ursache des Erfolges. Mein Respekt gilt jedem Handwerker, der sich selbstständig macht und ein Team aufbaut in gleichem Maß wie einem „high-end start up“. Besonders wenn der Unternehmer dabei ein „redlicher und ehrbarer Kaufmann“ bleibt, sein Unternehmen Produkte und Dienstleistungen herstellt, die einen Sinn machen und ihm bewusst ist, dass sein Unternehmen ein für die Menschen sehr wichtiges soziales System ist, wenn auch eindeutig mit wirtschaftlichen Zielen und Zweck. Der Unternehmer sollte also auch ein Garant für Geisteshaltung, Kultur und Werte sein.

    Und noch eine Anmerkung zum Einkommen der „Enterpreneure“. Klar gibt es da einige, die so richtig gewonnen haben und Millionäre bis Milliardäre geworden sind. Ich kenne da sogar ein paar ganz wenige persönlich. Aber gerade die wissen genau, wie viel Glück sie gehabt haben.

    Ich kenne aber vielmehr Unternehmer, die einen guten Job machen, und trotzdem im EInkommen auch unter dem Mindestlohn liegen. Der Statistik folgend ist das wohl auch ein Drittel. Obwohl gerade diese durchaus für eine Reihe von Menschen mustergültig Verantwortung übernommen haben.

Solche und ähnliche Botschaften vermisse ich ein wenig auf den glitzernden Galas der Welt der „Entrepreneure“.

Ich glaube übrigens auch, dass es sehr viel tolles „Unternehmertum“ im privaten oder ehrenamtlichen Bereich gibt. So ist für mich das Begründen einer Partnerschaft oder gar Familie auch eine echte Unternehmung – die durchaus viel Mut und manches mehr erfordert. Und vor jeder Frau, die zum Beispiel beschließt Mutter zu werden, habe ich oft mehr Respekt als von einem Jungunternehmer.

Das war übrigens ein wenig schade bei der großen Gala der UnternehmerTUM: Alle 14 (in Worten vierzehn) auf der Bühne vertretenen Menschen waren Männer.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Dienstag, der 11. März 2014

Programme und Dokumente

Früher haben wir uns vor allem mit Programmen beschäftigt. Die waren zum Beispiel in „c“ geschrieben. Sie lagen in einem Source Control System.  Am Anfang war es das „sccs“, dann kam der Fortschritt, aus „sccs“ wurde „rcs“ und später ClearCase und Konsorten.

Jeder im Team hatte Zugriff auf alle Module. Denn nur zu oft musste man auch mal beim Kollegen etwas korrigieren. Damit das eigene Modul lief. Die Korrekturen hatte man ordentlich zu dokumentieren. Nicht zu viel und nicht zu wenig.
🙂 Und ich war ein wenig stolz, dass ich öfters in anderen Programmen korrigieren musste als andere in den meinen.

Heute arbeite ich mit Dokumenten. Eine ganze Reihe teile und/oder erarbeite ich gemeinsam mit anderen Menschen. Meine Dokumente liegen in der Regel in Google Drive. Das ist schön „objektorientiert“ (auch so ein Begriff aus alter Zeit). Die Werkzeuge sind einfach und logisch. Und ich kann von jedem Gerät und Platz an meinen und den Dokumenten meiner Freunde arbeiten.

Und ich freue mich, wenn ich die andersfarbigen Cursor meiner „Kollaborateure“ sehe. Bei Bedarf kann ich dazu mit ihnen „chatten“ oder auch ein „hang out“ machen. Und natürlich kann ich auch Kommentare im Dokument hinterlassen.

Und schon bin ich wieder bei der Kultur: Wie viele Kommentare und Anmerkungen sind gut und sinnvoll? Aber diese neuen Formen der Zusammenarbeit sind schon ein (sehr positiver) Wahnsinn!

🙂 Ich meine, dass auch hier weniger mehr ist.

🙁 Aber ich lebe auch noch in alten Welten. Da kopiere ich dann den Inhalt meiner Dokumente und versende sie per E-Mail!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 4. Januar 2014

Werkzeuge der Neuen Ökonomie

Hier ein Gastartikel. Den Autor möchte ich noch nicht nennen, da ihm dieser Artikel unter Umständen zum Nachteil gereichen könnte.

Rückblick, Momentaufnahmen und Nachgedanken.

Ein auf wissenschaftlichen Grundlagen stehende Arbeit kann ich nicht anbieten, aber Beobachtungen aus meinem Berufsleben schildern.

Wandel bestimmt ein ökonomisches System und in der Bundesrepublik begannen die Veränderungen unmerklich 1967, als das stetige Wachstum zum ersten Mal kurz ins stocken geriet. Das bestehende Modell der freien Marktwirtschaft westeuropäischer Prägung wurde dadurch noch nicht revolutioniert, auch nicht von den folgenden Ölschocks der Jahre 1973 und 1983.

Die „Deutschland AG“ mit ihren charismatischen Führern hielt noch bis zur Wende 1989 durch. Die Gründerväter des Nachkriegsmittelstandes saßen bis Anfang 1990 auf ihren Plätzen. Danach leitete die beginnende Globalisierung eines einzigen Wirtschaftsmodells den Wechsel ein. Dieses neue Wirtschaftsmodell ist mehr unter dem Namen „New Economy“ bekannt, andere sprechen auch vom Neoliberalismus. Eine ideologische Grundlage für das „New Economy“ Modell hat wohl Milton Fridman mit seinen „Chicago Boys“ gelegt.

Der ‚Share Holder Value’ rückte in den Vordergrund. Klassische Wertschöpfungen durch Produktionsprozesse sind zu langwierig und mussten optimiert werden. Konzernergebnisse unter >10% gelten fortan als schwache Performance. Werden die Erwartungen des ‚Share Holder Value’ nicht erfüllt, wechselt man die Unternehmensführung.

Der Stellenwert der Führungskräfte ist die „Performance“ und Rentabilität des nächsten Resultats, denn den Anlegern wurde schließlich ein hoher Ertrag ihres Portfolios versprochen.

So wechseln die Stars der „New Economy“ die Unternehmen, Auch völlig unterschiedliche Branchen waren kein Hinderungsgrund mehr für einen Wechsel: Vom Versicherer zum Elektrokonzern, vom Medienkonzern zur Kaufhauskette, usw. – es mangelt nicht an Beispielen.

Wie geht das?

Man braucht spezielles Werkzeug, um Unternehmen transparent für Börsianer zu machen „Controlling“ ist sehr wichtig, um zeitnah den „Shareholder Value“, den Aktienkurs und die Dividende zu ermitteln.

Diese Entwicklung erklärt auch den Erfolg von SAP. Der Programmierer bietet für das Erreichen von Transparenz, Prozesssteuerung und Kontrolle mit einem universellen Produkt das nötige Werkzeug an.

Der Korrektheit halber muss gesagt werden, dass kurzfristig finanzielle Erfolge mit diesen Werkzeugen in Konzernen durchaus erzielt werden können, aber ob die wirklich nachhaltig sind, wird sich zeigen.

Fakt ist, dass sich dieses „Business Modell“ durchgesetzt hat. „Business Schools“, die Medien und die Heerscharen von Unternehmensberatern, die mit der „New Economy“ aus dem Boden schossen, predigen in ihren Seminaren und Aktionen vor Ort die Regeln der „New Economy“.

Modell 1 – Rückblick

Bewerbungen schrieb ich nur zweimal, einmal für meine Lehrstelle und dann, als ich die Seefahrt verlassen wollte, um bei einer Werft anzufangen.

Die weiteren Anstellungen ergaben sich zufällig.

Heute leite ich eine Niederlassung für ein deutsches Mittelstandsunternehmen. Es werden technisch hochwertigeund erklärungsbedürftige Lösungen verkauft. Typisch ist für das Familienunternehmen, dass schon sehr frühzeitig weltweit Niederlassungen aufgebaut wurden und somit zu den deutschen Exporterfolgen beigetragen wird.

Ich wurde vom damaligen Direktor, es gab nur einen in der Firma, auf einer Tagung angesprochen und gefragt, ob ich eine Auslandsniederlassung aufbauen möchte, weil ich den Markt gut kennen würde und die fachlichen Voraussetzungen erfüllte, da ich bei einem Kunden arbeitete.

Mein Umsatzziel wurde durch eben diesen Direktor festgelegt, der, basierend auf seinen Marktbeobachtungen, eine Zahl vorgab, von der er meinte, dass sie zu erreichen wäre.

Dies geschah unbürokratisch, quasi per Handschlag, wie bei all meinen Kollegen im Ausland auch. Eine Personalabteilung gab es trotz 450 Mitarbeitern damals noch nicht. Die Personalbelange wurden von der Buchhaltung und dem Finanzchef mit erledigt.

Gleichzeitig gab mir der Finanzchef einen vereinfachten Kontenplan in die Hand, mit dem man monatlich den Umsatz, Ertrag, Aufwendungen und Gewinn ablesen konnte. Der Direktor bezeichnete diesen Plan abfällig als ‚Tintenpisserei’, beide Herren waren aber befreundet. Die ausländischen Geschäftsführer berichteten alle dem
Direktor.

Also zusammenfassend gesagt, wurde eine Niederlassung gegründet, die auf der Marktkenntnis und auch dem ‚Gefühl’ des Direktors basierte. Bei der Personalentscheidung verließ er sich auf seine Menschenkenntnis.

Sein Handwerkszeug hatte er sich in 20 Jahren sehr erfolgreicher Führung gesammelt:

  • Produktkenntnis, da er Entwicklungen anschob, die vom Markt gefordert wurden.
  • Produktionskenntnisse, da Probleme zwischen ihm, dem Chefkonstrukteur und der Fertigung besprochen wurden.
  • Marktkenntnis, da von vielen Niederlassungen informiert und auf Messen präsent und natürlich bei den Großkunden und Großaufträgen entscheidend involviert.

Das hat sich geändert.

Modell 2 – Heute

Wie heute die Aufgabe zur Einstellung eines Niederlassungsleiters gelöst wird:

  • Die Firma beauftragt einen externen Personalberater „Personal Consultant“.
  • Die Aufgaben des Arbeitsplatzes werden definiert.
  • Eine Arbeitsplatzbeschreibung erfolgt.
  • Die Kandidaten werden durch den ‚Consultant’ vorgeprüft und die Auswahl durch den Vertriebsdirektor getroffen.
  • Die Personalabteilung ‚Human Resources’ nimmt die Einstellung vor.
  • Ein Businessplan wird erstellt.
  • Ein Budget für die nächsten drei Jahre wird erstellt.
  • Falls keine Erfahrungen vorliegen, basieren die Zahlen auf Statistiken des Maschinenbaus.
  • Die Arbeit wird durch ein dreimonatiges ‚Controlling’ begleitet, das die Zahlen für Auftragseingang und Umsatz dokumentiert.
  • Gleichzeitig werden monatliche Bilanzen für die Buchhaltung, Banken und Wirtschaftsprüfer geschrieben.

Diese Aufstellung ist sicher nicht für alle unbedingt schockierend, doch ist es klar, dass sich einiges seit meiner Einstellung veränderte.

Zum alten Handwerkszeug meines damaligen Direktors kamen neue Werkzeuge samt Führungsebenen hinzu:

  • Consulting
  • HR = Human Resources
  • Reporting
  • Controlling
  • R & D = Research & Developement
  • IT
  • Marketing

Bemerkenswert sind schon die Begriffe.

Was war geschehen?

Die mittelständische Firma wurde nach dem Vorbild eines modernen und börsennotierten Unternehmens umgestaltet. Entscheidungen, die vorher der Inhaber selbst fällte oder ein langjähriger Direktor oder Geschäftsführer, wurden nun organisatorisch festgeschrieben und nach den Regeln und mit den Werkzeugen der „New Economy“ neu verteilt.

Die neuen Entscheidungsträger kamen nicht mehr aus der Firma oder Familie, sondern von Außen und hatten in diesem Fach oft noch nie gearbeitet.

Sie konnten sich nicht auf langjährige Erfahrungen in der Branche stützen und Bauchentscheidungen treffen. Sie sind auf die „New Economy Tools“ angewiesen.

Warum werden diese neuen Werkzeuge benutzt?

Alle Prozesse müssen transparent und vorhersehbar werden, damit die geplanten Ergebnisse auch eintreffen. Der Verlauf muss ständig überwacht und kontrolliert werden, wenn man sich nicht auf seine Erfahrungen und eine Hausmacht stützen kann. Also muss die Verantwortung verteilt werden und ermittelbar sein.

Sind diese Werkzeuge für den Mittelstand geeignet?

Nein, wenn es um technisch hochwertige, erklärungsbedürftige und individuell zugeschnittene Produkte geht.

Wenn alle Abläufe in ein System gepresst werden und die Prozesse peinlichst zu beachten sind, gibt es keine Möglichkeit für individuelle Aktionen, wie sie der Kunde des Öfteren verlangt.

Das ist fatal für einen Spezialisten von Sonderanwendungen.

Die Mitarbeiter kapitulieren vor der Technokratie. Es wird abgewinkt, wenn etwas sehr schnell gehen soll, denn damit „handelt man sich nur Ärger ein“. Die Mitarbeiter müssen sich rechtfertigen, warum der vorgeschriebene Weg der Prozesssteuerung verlassen wurde. Die Folge ist Resignation, die sich durch Erhöhung des Krankenstandes ausdrückt.

Ein automatisches Controlling informiert die Hierarchie per Email über eine Preisabweichung, Prozessabkürzung, Sonderaktion, etc.

Ergebnis: Noch mehr Frust. Wer will in einer Firma arbeiten, wo bei jedem Handgriff auf die Finger geschaut wird.

Ein universelles Betriebsprogramm greift ab der Angebotserstellung über Konstruktion, Auftragsabwicklung, Einkauf, sowie Fertigung und hat die Reaktionszeiten für den Vertrieb erheblich verlängert, da das ‚System’ nur arbeitet, wenn alle geforderten Daten restlos eingegeben wurden.

Was macht mir Sorgen?

Die Erfahrung scheinen meine Sorgen zu bestätigen:

  1. Trotz Steuerung und Kontrolle altern Produkte naturgemäß, so dass diese ein fortgeschrittenes industrielles Alter erreichen und kostenmäßig kaum zu optimieren sind, wenn man von einer radikalen Lösung absieht und die Produktion z. B. in Niedriglohnländer verlegt. Kostensenkung muss durch Neu- und Weiterentwicklungen betrieben werden.
  2. Wer nicht vom Fach ist, kann auch keine neuen Ideen vom Markt mitbringen und kann sich nur auf seine Management Werkzeuge stützen und geht nach dem Buch vor.
  3. Mit der Verteilung von Verantwortung wird sich auch der unmittelbaren Verantwortung für Entscheidungen entzogen!

Es gibt aber wohl kein „zurück“ mehr.

Ergebnis meiner Betrachtung

Der Einsatz der neuen Werkzeuge bringt mittelständischen Betrieben keine Vorteile.

Prozesssteuerungen sind nur für eine effektive Produktion wirksam, aber nicht für den Vertrieb und die Entwicklung.

Die Stärken des Mittelstands bleiben bei diesem Modell auf der Strecke, nämlich die rasche und flexible Innovationskraft, die sich den Veränderungen des Marktes geschmeidig anpasst.

Der Mittelstand ist auf Führungspersönlichkeiten angewiesen, die aus dem Arbeitsgebiet, von Kunden oder Zulieferern, kommen und mit allen Ebenen des Vertriebs, des Betriebes und der Kundschaft vertraut sind.

Es bedarf der ständigen verbalen Kommunikation, die nicht nur über Arbeitskreise, Lenkungskreise, Kick-off-meetings funktioniert, sondern sich auch spontan ergeben muss, warum nicht bei einem Bier?

Kreativität lässt sich m.E. nicht an- und ausstellen und gute Einfälle warten nicht bis zum nächsten freien Termin oder nach den Ferien.

Diese Führungspersönlichkeiten gibt es und ich bin ihnen auf meinem Weg oft begegnet, so dass ich durch sie Erfahrungen sammeln konnte und gerne alles für den Erfolg gegeben habe.

Dogmenkritik

  • Haben wir uns nicht vor dem Mauerfall über die Fünfjahrespläne des kommunistischen „COMECON“ lustig gemacht?
  • Haben die Fünfjahrespläne funktioniert?
  • Die Planung lief, aber nie gut genug, um Versorgungsengpässe zu vermeiden oder bei der Produktentwicklung führend zu sein.
  • Der Westen fühlte sich einer Planwirtschaft überlegen?

Nun haben wir uns auf einen ähnlichen Weg gemacht, indem wir die Werkzeuge der Finanzwelt benutzen, um auch die kleinste Firma mit den „New Economy Tools“ zu führen. Es heißt nun nicht mehr Planwirtschaft, sondern „Business Plan“ oder „Budget“ oder „Quarterly Reporting“.

Ich schreibe nun detaillierte Dreijahrespläne.

Die Ergebnisorientierung geht zu Lasten der Nachhaltigkeit. Bezeichnenderweise haben wir die Sprache der Ideologen für die Neue Ökonomie gleich mit übernommen.

Ampgb
🙂 (Autor mir persönlich gut bekannt)

Roland Dürre
Montag, der 9. Dezember 2013

Pro (Menschen-)Freundlichkeit, kontra Feindseligkeit

Weihnacht 2013

Die letzten 30 Jahre habe ich jedes Jahr auf der Weihnachtsfeier der InterFace AG eine kurze Rede gehalten. In 2012 habe ich davon gesprochen, dass eine gute Ausbildung eine exzellente aber auch notwendige Voraussetzung ist, um mit Mut im Leben und Freude am Tun die eigene Zukunft wie die der Mitmenschen schöner und erfolgreicher gestalten zu können.

Heute weiß ich, dass „gute Ausbildung“ ein „ewiges Lernen“ erfordert. Damit meine ich aber nicht das „lebenslange Büffeln“. Es geht nicht darum, dauernd auf der Schulbank zu sitzen, sondern um das „sich Öffnen“ für die Welt und die anderen Menschen. Man muss das eigene Schneckenhaus verlassen und sich dem Leben aussetzen. So sammelt man das Lebenswissen, das man vielleicht auch Erfahrung nennt und das so wichtig für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben ist.

So habe ich in diesem Jahr bei unserer Weihnachtsfeier in meiner kleinen Ansprache mit obigen Gedanken angefangen und versucht, weitere Faktoren zu beschreiben, die uns alle erfolgreich machen können. Für mich sind dies Menschenfreundlichkeit und Toleranz.

Auch die Gegenpole, die fast zwingend den Misserfolg bescheren, habe ich erwähnt. Das sind die Angst und ganz besonders die Feindseligkeit. Zu beiden Begriffen war ich vor Jahren in „philosophischen Seminaren“ („Angst“ bei Baldur Kirchner, „Feindseligkeit“ bei Klaus-Jürgen Grün), die mich sehr betroffen gemacht haben.

Woher kommt die Feinseligkeit eigentlich?

Scheint doch sogar die Gehirnforschung zu belegen, dass Feinseligkeit uns nicht angeboren ist, sondern unser Gehirn “gutes Tun” durch das Ausschütten von „Glückshormonen“ belohnt und wir so quasi konstruktionsbedingt soziale Wesen sind.

Trotzdem erlebe ich täglich die kleinen und auch großen Feindseligkeiten bei fast allen Menschen und in allen sozialen Systemen. Wie Unkraut wuchert die Feindseligkeit aus allen Ritzen hervor. Und das aus vielen, vielen Ursachen. Oft ist es die Angst, die Menschen beherrscht und sie feindselig werden lässt. Sowohl aus Unachtsamkeit wie aus dem Drang, die Dinge besser zu wissen oder einem Hang zum Nörgeln. All das und vieles mehr solcher Art sind Quellen für Feindseligkeit. Man ist überarbeitet, es „stinkt einem“, das Neue wird abgelehnt  und die Intoleranz gegenüber dem Fremden und Anderen gepflegt.

So stauen sich Frust und Unzufriedenheit auf und entladen sich dann durch mehr oder wenig oberflächliche bis intensive Feindseligkeit. Ich empfinde oft „Moralisieren“ als feindselig und fühle mich gar nicht wohl, wenn ich zum Beispiel „Das macht man das so“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht“ als Begründung für mir fremd erscheinendes Verhalten zu Hören bekomme.

Wozu führt Feindseligkeit bei mir?

Wenn ich Feindseligkeit empfange, fühle ich mich zuerst mal klein und werde unsicher. Ich frage mich, inwieweit ich an der Feindseligkeit des anderen Menschen schuld bin? Habe ich etwas angestellt, dass die Ursache dafür ist? Dies wandelt sich aber schnell. Ich werde trotzig und wende mich ab. Bis hin zu einer „Leck mich am A…“-Einstellung. Persönlich empfundene Feindseligkeit verunsichert mich. Wenn ich die Feindseligkeit als systemisch empfinde, gehe ich in die innere Kündigung und verweigere mich.

Feindseligkeit wird oft als Vorwurf empfunden. Sie entwickelt Angst und schadet dem Vertrauen. Und mein Problem ist, dass ich dann auch (gegen-)“feindselig” werde. Ein ganz schön dummer Kreislauf.

Wie kann ich die eigene Feindseligkeit reduzieren?

Mir hilft nur eines – ich muss meine Angst minimieren. Sicher ist auch das leichter gesagt als getan. Weiter versuche, den persönlichen Abstand zu Menschen, die mir wichtig sind, kleiner zu machen. Empathie bewusst anzunehmen und aufzubringen. Und ich schau, dass ich von Tag zu Tag mehr Gelassenheit entwickle und immer mehr zur inneren Freiheit finde.

Erfolgreich bin ich nur mit Menschenfreundlichkeit.

Wenn ich Freundlichkeit begegne, geht es mir gut. Ich fühle mich gut und werde größer und stärker. Meine Angst verfliegt. Den Aus-Sender von Freundlichkeit mag ich, ich akzeptiere ihn gerne als Verbündeten und bin bereit, etwas für ihn zu tun. Den Menschen in meiner Umgebung geht es mit mir genauso. Wenn ich „menschenfreundlich“ bin, habe ich schnell viele Freunde und Verbündete. Man nimmt mich ernst, glaubt mir und ist auch bereit, für mich etwas zu tun. Mein Umfeld ist nicht mehr gegen sondern für mich. Ich bin nicht mehr von Gegnern umzingelt sondern von Freunden umgeben.

🙂 Eigentlich ist es doch ganz einfach. Feindseligkeit schadet dem Erfolg, Freundlichkeit schafft ihn herbei. Also ist es dumm, feindselig zu sein und klug, menschenfreundlich zu sein.

Das sollte so in etwa die Botschaft meiner Ansprache bei der InterFace-Weihnachtsfeier 2013 sein.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Oktober 2013

“A serpant in thy bosom warmed”

 Händels packendes Oratorium SAUL

IF-Blog ist einer der wenigen Münchner ja deutschen Blogs, den es überwiegend in Deutsch und Englisch gibt. Das verdanken wir unserer Evelyn (EG), die die meisten unserer Artikel zeitnah ins Englische übersetzt. Sie macht das aus Freundschaft und aus Freude an der englischen Sprache. Und vielen von uns gefällt ihre englische Übersetzung oft besser als der ursprüngliche deutsche Text.

Ich persönlich kann mich bei Evelyn nur immer wieder ganz herzlich nicht nur dafür bedanken!

Ein zweites und ganz besonderes Interessensgebiet der Evelyn habe ich hier ja schon vorgestellt. Das übt sie mit großer Leidenschaft und hoher Professionalität aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn singt sie bei den

arcis vocalisten

unter Leitung von Thomas Gropper.

Da das Bild ein wenig älter ist, findet man unsere Evelyn und ihren Sohn Martin leider nicht.

Die ARCIS-VOCALISTEN realisieren jetzt wieder ein ganz besonderes Projekt als dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Dieter Reuscher und Gerrit Jurda (Licht) in der Himmelfahrtskirche München-Sendling, Kidlerstr. 15. Am Samstag, den 9. November und am Sonntag, den 10. November jeweils um 19 h bringen sie

“A serpant in thy bosom warmed” – Händels packendes Oratorium SAUL

zur vollszenischen Aufführung. Es musizieren außergewöhnliche Solisten, das herausragende Originalklangensemble „L arpa festante“ übernimmt den Orchesterpart, die Leitung hat Thomas Gropper.

Zum Stück:

FlyerSaul1739 – noch während seiner Opernkarriere, wandte sich Georg Friedrich Händel dem berühmten Stoff aus den Büchern Samuel im AT zu. Der jüdische König Saul holt den Hirtenjungen David, der sich mit dem Sieg über Goliath als großer Held und Feldherr erweist, an den Hof und versucht, ihn durch Heirat in seine Familie einzubinden.

Mit wachsender Eifersucht erkennt er den Charme und die Beliebtheit Davids beim Volk und seiner Familie. Er versucht, den verhassten Emporkömmling zu töten, auch seinen Sohn Jonathan will er dazu verleiten, doch dessen Freundschaft zu Saul ist größer. Wir werden Zeugen davon, wie der Verstand Sauls sich verwirrt und der Zorn ihn zernagt.

In theatersinnlichen prachtvollen Bildern und rascher musikalischer Folge zeichnet Händel diese Herrschertragödie, den Triumph der Freundschaft und das Schicksal Israels – eines seiner größten Oratorien. Kaum je hat Händel einen solchen musikalischen Reichtum aufgeboten – Pauken, Trompeten, Posaunen, Carillion, Flöten und Oboen treten zum Streichorchester hinzu.

Jetzt heißt es ganz schnell den Terminkalender prüfen und dann Karten bestellen!

RMD