Roland Dürre
Sonntag, der 20. September 2015

Konferenz versus Unkonferenz

Warum ich keine Konferenzen mehr mag, Barcamps aber liebe?
ODER: 
Was auf Barcamps alles so passieren kann!

Gute Laune in Dornbirn auf einem PM-Camp.

Gute Laune in Dornbirn auf PM-Camp

Ich mag keine Konferenzen mehr. Deshalb stehe ich als Redner für solche Veranstaltungen nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung wie demnächst wieder auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg.
😉 Oder gegen gute Bezahlung.

Denn wie geht die Redner-Auswahl bei Konferenzen? Mindestens sechs, meistens aber wesentlich mehr Monate vor dem Termin müssen potentielle Referenten ihren Beitrag einreichen. Mit einem konkreten Thema, einem Summary und einer Kurzfassung. Meistens mit vorgegebener Anzahl von Zeichen und einer blöden Word-Vorlage.

Aber wie soll ich im Januar wissen, was mich zum Jahresende bewegt? Woher wissen wie die Dinge sich in den Monaten bis zum Vortrag weiterentwickeln?

Nach Einsende-Schluss tagt das Konferenz-Komitee. Das soll die passenden Beiträge auswählen. Die Juroren im Komitee müssen auf die Veranstaltungs-Sponsoren, die Vertreter zahlreicher Interessen und der Industrie, diverse Amigos, politische Einflussnahme und vieles mehr Rücksicht nehmen. Sie kennen die meisten Einreichenden nicht persönlich, so können sie auch nichts über deren Redner-Qualitäten wissen. Oft fehlt ihnen auch die fachliche Kompetenz.

Junge Referenten, die vielleicht wirklich etwas zu sagen hätten, haben da keine Chance und dementsprechend sieht dann das Konferenzprogramm auch aus.

Die glücklich Ausgewählten müssen ein Manuskript einreichen. Das muss dann auch wieder eine bestimmte Länge haben, die Word-Vorlage ist in der Regel noch schlimmer als die bei der Einreichung. Auch das Manuskript muss immer noch eine ganz schöne lange Zeit vor der Konferenz eingereicht werden. Denn der Begleitband muss ja gedruckt werden.

Da denke ich mir, warum soll ich etwas vortragen, dass doch jeder der Anwesenden schriftlich vorliegen hat? Ich rede immer frei, ohne Powerpoint oder ähnliches. Wenn ich in einem großen Raum spreche, bitte ich meinen Graphiker mir ein paar Dia zu erstellen, die meine Rede emotional unterstreichen. Aber nicht mehr. Was ich genau erzähle weiß ich doch erst am Tag der Veranstaltung – und das ändert sich auch noch während des Vortrages den Rückmeldungen meiner Zuhörer folgend.

Und dann kommt der große Tag. Meistens beginnt die Konferenz mit einem aufwändigem Einführungsbromborium mit Grußworten und ähnlichem. Hier wird dann das Sitzfleisch und die Fähigkeit „wach zu bleiben“ der Zuhörer schon mal geprüft. Und dann wird kräftig „one-way“ beschallt.

Die Referenten lesen brav ihr Manuskript aus dem Tagungsband vor, der eine macht das besser, der andere schlechter. Wortmeldungen sind kaum möglich, ein Diskurs entsteht nie. Oben wird vorab Produziertes runtergeleiert, das unten vom Publikum konsumiert werden soll.

Mit einer lieben Freundin (einer renommierten Professorin) war ich vor kurzem auf einer akademischen Tagung. Da war es auch nicht viel anders. Auf meinen Hinweis, dass die Beiträge schon erstaunlich schwach wären, hat sie mich damit getröstet, dass die Vorträge ja Nebensache wären. Wichtig wäre, sich mal zu treffen und auszutauschen. Und vor allem die Abendveranstaltung würde den Wert des Treffens ausmachen.

Und das stimmt ja auch – wir müssen unser Wissen teilen und miteinander reden, wenn wir weiter kommen wollen. Aber für was brauche die Vorträge tagsüber, die keinen interessieren? Wahrscheinlich ist das dann nur eine Staffage fürs Finanzamt, um reisen und abends gemeinsam bei Speisen und Wein reden zu können..

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump.

Bei einem Barcamp ist das alles ganz anders. Und nach meiner Meinung viel besser!

Also, was ist ein Barcamp? Natürlich findet Ihr in Wikipedia eine hervorragende Beschreibung. Ich versuche hier aber mal, das Thema ganz anders zu beleuchten.

Stellt Euch vor, 50 bis 100 Menschen treffen sich. Zum Beispiel Blogger, Unternehmer oder Experten. Oder Menschen, die bereit sind eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen oder einfach nur gemeinsame Interessen haben.

Vorzugsweise sollten das Menschen sein, die gerne und ganz offen ihre Erfahrungen, ihr Gelerntes aber auch ihre Probleme teilen. Die auf Augenhöhe kommunizieren und an wichtigen Themen partizipieren wollen. Die nach autonomer Aufgeklärtheit streben, die vom redlichen Diskurs des Professor Habermas träumen (vielleicht ohne es zu wissen), die sich alle duzen und die gerne auch die anderen ausreden lassen. Selbst dann muss man eine Tagung nach heutigem Stand irgendwie organisieren.

Beim Barcamp ist es ganz einfach. Man stellt genug Räume bereit, in denen die Sessions stattfinden. Ein Raum muss so groß sein, dass alle Teilnehmer reinpassen. Dort werden gemeinsam die Sessions  entwickelt. Deshalb steht in der Mitte dieses Raumes eine Tafel. Auf Ihr ist einer Matrix, bei die Zeilen die Zeit der Sessions vorgeben (zum Beispiel für jede Stunde eine Zeile). Die Spalten markieren die Räume A, B, C …

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp.

Und jeder, der ein Problem hat, das ihm auf den Nägeln brennt, geht raus an die Tafel, heftet eine Karte mit seinem Thema ran und reserviert so den Raum und die Zeit für seine Session. Dann stellt sich vor und schildert knapp, zu welche Thema er berichten und welche Form er für diese Session vorschlagen möchte. Und wenn genug Karten an der Tafel hängen oder die Tafel voll ist, dann geht es los.

Wenn man dann noch einen schönen Kaffeeraum hat, es dort immer etwas zu essen und trinken gibt, dann ist der Erfolg schon fast gewährleistet. Denn es gibt noch eine Regel:

Jeder beim Barcamp ist frei.

Er kann wie ein Bienchen, das Honig sammelt, eifrig an möglichst vielen Sessions teilnehmen. Er kann aber auch wie ein Schmetterling nur bunt durch die Gegend flattern (Biene und Schmetterling sind die klassischen Metaphern fürs Verhalten bei einem Barcamp) und sich da aufhalten, wo es ihm gerade gefällt.

Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er in der falschen Sitzung ist, dann soll er diese verlassen. Das ist bei einem Barcamp nicht unhöflich, im Gegenteil fast eine Pflicht, damit es funktioniert. Deshalb sollten die Türen zu allen Räumen immer offen stehen.

Die Regel sagt auch: Alles was passiert, ist das genau das, was passieren sollte. Wenn zu einer Session nur wenige Besucher kommen, ist es genauso richtig wie wenn alle zu einer kommen. Es schaukelt sich schon zu recht.

Neuerdings versuchen Barcamp-Veranstalter einen Rahmen anzubieten, in dem die Sessions dokumentiert werden können. Es gibt eine besondere Variante des Barcamps, den OpenSpace, da ist die Dokumentation Pflicht und wird von einem sogenannten OpenSpace-Office unterstützt. eingesammelt und zusammengefasst.

Party beim PM-Camp in Dornbirn

Party beim PM-Camp in Dornbirn.

So einfach ist Barcamp. Ein Barcamp dauert in der Regel zwei Tage. Die Party am am Abend des ersten Tages tut immer sehr gut. Am zweiten Tag finden dann oft besonders viele spontane Sessions statt.

Ein Barcamp gilt genau dann als erfolgreich, wenn alle Teilnehmer – die wir beim Barcamp auch „Teilhaber“ nennen – zufrieden und glücklich die Heimreise antreten, mit vollem Herzen und Geist.

Obwohl man von einem Barcamp keine Ergebnisse erwarten soll, passiert dort oft Erstaunliches. Ich kenne Bewegungen und Unternehmen, die als Idee in einer Session entstanden sind. Es bilden sich erstaunlich viele Freundschaften und schöne Netzwerke. Die Anregungen sind immer groß. Barcamps bewirken so viel, helfen Menschen ins Nachdenken zu kommen, Dinge anders zu bewerten und privat wie „beruflich“ oder „geschäftlich“ erfolgreicher zu werden.

actmobcmp_100-300x86Ich war bei Camps wie OpenStartUp oder WorkLifeBalance. Dort und in fünf Jahren PM-Camp habe ich das Beschriebene erlebt. Beim PM-Camp ging es um Projekt Management, Führung und Unternehmertum. Ich habe jetzt gelernt, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel wird die Art, wie wir unsere Mobilität gestalten, von zentraler Bedeutung für unsere Zukunft sein. Deshalb habe ich mit Freunden ein neues Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp gegründet.

Wir starten am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching.

RMD

Werner Lorbeer
Mittwoch, der 16. September 2015

OECD Messung widerlegt den Landrat

geometrie„96 Prozent der befragten Schüler haben danach einen Computer zu Hause, 72 Prozent gebrauchen diese Technik in der Schule. In Deutschland nutzen Schüler aus bessergestellten Schichten das Internet mehr zur Informationsbeschaffung als sozial benachteiligte Jugendliche. Dort dienen Computer, um Videos zu schauen, online zu spielen oder zu chatten.“

Nicht dass das unerwartet wäre. Aber es unterstreicht einige pädagogische Hypothesen und vernichtet einige andere. Das Bild zeigt Schülerinnen in einer bilingualen Situation beim Lösen einer Geometrieaufgabe. Das Ergebnis ist echter Kompetenzzuwachs in geistiger Konzentration, Problemlösen, empathischem Zuhören und hin und wieder Erprobung der Eigenschaften eines Geometrieobjekts oder einer Geometrieoperation. Geredet haben sie dabei nicht viel. Aber: Alles aus der Kategorie „Kommunikation“, wenn man an Kompetenz orientierte Formulierungen liebt.

Zu den pädagogischen Hypothesen:

  • – Die Investition in Computer in der Schule führt weder zu besserem Lernerfolg der Schüler noch zu mehr Lernerfolg. Das ist schade für den Landrat aus dem reicheren Landkreis, es ist widerlegt.
  • Der Umgang mit dem Computer und den Netzen für nicht zu zu den gewünschten Kompetenzen im wissenschaftlich-technischen Bereich. Das ist saurer Wein für alle, die das Leben in den sozialen Netzen als Unterrichtsziel verkaufen wollen, die das Rechieren in den pädagogischen Himmel heben und nicht das Verstehen des Gefundenen.
  • Der Bildungsabstand von gleich begabten Kindern ändert sich durch Computereinsatz, Softwareeinsatz, – nicht (wird tendenziell größer). Es ist vielmehr Fleiß und Frustrationstoleranz, die diese Chance setzen.

Es sollte das Ende der Technologie Illusion für das wirkliche erfahrungsbasierte Lernen genutzt werden, um mit den Kindern und Jugendlichen am gewünschten Gegenstand zu lernen wie z.B. Bienenzucht, Kochen, Gärtnern, Robotik …

Ich denke, das würde vielen Freude bereiten.

wl

Am 18.08.2015 gab es in der SZ – Landkreis München – zum Thema Straßenbau einen Artikel von Christian Sebald zu lesen:

B 15 neu wird mehr als doppelt so teuer

Dort wurde berichtet:
„dass der Weiterbau der umstrittenen B 15 neu mehr als doppelt so teuer wie erwartet wird. Das ginge aus einer Antwort von Bundesverkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) auf eine Anfrage des Landshuter Bundestagsabgeordneten Thomas Gambke (Grüne) hervor. Danach würde der neun Kilometer lange Abschnitt zwischen dem niederbayerischen Ergoldsbach und der Autobahn A 92 etwa 182 Millionen Euro kosten. 
Bisher wären dafür 88 Millionen Euro veranschlagt gewesen.“

Also eine Steigerung mehr als 100 Prozent.

Laut SZ zählt
„die B 15 neu zwischen Regensburg und Rosenheim zu den umstrittensten Straßenprojekten Bayerns. Die ersten Pläne datieren aus den Sechzigerjahren. Damals sollte eine 130 Kilometer lange Autobahn Regensburg, Landshut und Rosenheim verbinden. Später wurde das Projekt zur Bundesstrasse herabgestuft.

Allerdings zu einer, die sich mit vier Fahrspuren und zwei Standstreifen wie eine Autobahn durchs Land zieht, wie man an dem fertigen, 30 Kilometer langen Abschnitt nördlich von Landshut sieht. 

Ich verstehe nicht, warum man solche Projekte immer noch durchführt. Wenn wir schon in Straßen investieren, dann sollte man doch vor allem Wert darauf legen, dass die schon vorhandene Infrastruktur erhalten bleibt.

Unsere Zukunft wird nicht durch noch mehr Straßen besser werden. Das Auto als Basisverkehrsmittel hat sich doch überholt, die Strukturen unsere Zusammenlebens ändern sich. Und das Geld, um weiter Rennstrecken für ewig gestrige zu bauen haben wir doch angesichts der Herausforderungen in der Bildungs- und Sozialpolitik gar nicht mehr.  Auch nicht angesichts der demographischen Situation – auch wenn heute es vor allem die Senioren sind, die mit ihren Status-Sympbolen die Straßen bevölkern. Denn diese Generation stirbt aus – und die Neue wird manches doch ganz anders machen (Zumindest hoffe ich das). Von der Klimakatastrophe, die auch einiges an Wandel für uns bringen wird, will ich hier gar nicht reden.

Und dass Anwohner unter dem Verkehr leiden, ist auch kein Argument für neue Straßen. Für was müsste man dann alles Umgehungsstrassen bauen!? Die Kommunen sollten zuerst mal den „hausgemachten Verkehr“ – der immer einen wesentlichen Anteil – hat reduzieren und dann die Voraussetzungen schaffen, die eine Reduktion des Durchgangsverkehr zu ermöglichen.

Aber lesen wir in der SZ weiter.

Die Kostenexplosion hat mehrere Gründe. Zum einen ist die bisherige Schätzung annähernd zehn Jahre alt und deshalb überholt. „Pro Jahr muss man mit zwei bis drei Prozent Steigerung rechnen“, sagt ein Sprecher der Autobahndirektion Süd, die die Planung verantwortet. „Das liegt an der allgemeinen Teuerung.“

Das ärgert mich auch immer. Angeblich haben wir kaum eine Inflation, aber Kostenexplosionen werden dann genau mit dieser gerechtfertigt.

Insgesamt ist der Artikel wirklich sehr lesenswert, wie ich auch ein Fan der digitalen Süddeutschen Zeitung bin. Mit einem Zugang kann man sich von überall einloggen (Android, iPhone, iPad, Windows 8). Man hat kein Altpapier mehr und muss auch nicht vor der Lektüre der SZ die Unmengen Werbebeilagen heraus schütteln.

So mache ich gerne ein wenig Reklame für die SZ:

Also – wer Lust hat, das mal auszuprobieren:

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RMD

Werner Lorbeer
Samstag, der 22. August 2015

Mythen über Unterricht

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Schule als variable Sozialform

Aktueller Streit in BW! Es geht politisch bewährt um die Schulform. Und natürlich auch immer um den Quotienten Lehrer/Schüler und die Inklusion.

Erschütternd aus meiner Sicht ist die mangelnde Kenntnis der Streitenden über die empirische Forschungsliteratur.

Es bleibt festzuhalten, dass Einzelunterricht oder das Unterrichten weniger eine Kunstform ist, die literarisch studierbar im 18. und 19. Jahrhundert völlig gescheitert ist.

Dass der gut untersuchte autonome Lerner zu starker Differenzierung im sachstrukturellen Entwicklungsstand führt ist ebenfalls bekannt. Dass die Gruppengröße im wesentlichen durch die Disziplin in der Lernergruppe beschränkt ist, dies aber den Erfolg keineswegs beschränkt, zeigen uns die PISA Studien aus.

Jauchs Shows sind kein Abbild der aktuellen Sozialformen in der Schule. Diese ist gekennzeichnet durch sehr variable Sozialformen, auch wenn das in den Bildungsredaktionen kaum bekannt ist. Das Bild zeigt eine Routinesituation aus dem Holbein-Gymnasium Augsburg, das Ende einer Projektunterrichtsphase.

Was aber nicht heißt, dass es immer so weiter gehen konnte. Vielmehr hatte diese Klasse auch das Recht auf eine systematische Darstellung der Physik; denn Wissen hat eine Struktur um die im Laufe von vielen Jahrzehnten hart gerungen worden ist. Je begabter das Kind, um so erfolgreicher wird es die Wissensstruktur auf weitere Probleme anwenden.

Wir wissen aus der empirischen Forschung übrigens auch, dass die spezifischen Lehrerbegabungen den Unterichtserfolg ganz entscheidend beeinflussen. „Erfolg“ ist in der pädagogischen Forschung immer multidimensional zu verstehen – soziale Wirkungen, akademische Wirkungen, Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes etc.

Nicht jeder Lehrer hat von seiner Persönlichkeitsstruktur her gleiche Chancen. Und seine Wirkungen werden auch nicht auf jeden Schüler gleich sein. Es gibt zahlreich „trait-treatment interaction“-Forschungen, die das belegen. So gesehen, ist der Baden-Württemberg-Streit überflüssig, weil in keiner Weise dem Erfahrungsschatz der pädagogischen Praxis oder gar der pädagogischen Forschung verpflichtet.

Eine letzte Bemerkung zum Lehrer:
Wer sich durch Kinder „gestresst“ fühlt und sich „dem burn out“ nähert, der muss prüfen, ob seine Persönlichkeit geeignet ist, „Erzieher“ zu sein. Kinder haben das tägliche Recht auf einen „freundlichen, entspannten Lehrer“ (Hefendehl-Hebecker) und sie bieten dem Lehrer an, jeden Tag neu zu starten.

Wo bitte, gibt es in der Erwachsenen-Welt solche Chancen?

wl

Ich freue mich, dass jetzt das Video vom tollen Vortrag von Bruno Gantenbein aus St. Gallen auf unserem IF-Forum am 23. Juli 2015 auf Youtube veröffentlicht ist und von jedem angeschaut werden kann:

Der Vortrag „Lernen In Innovation“ von Bruno Gantenbein im IF-Forum hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. So ging es auch vielen Zuhörern. Aber manche, die auch von Brunos Thesen sehr beeindruckt waren, haben als wichtigen Einwand gebracht, dass das Berichtete für „normale Menschen“ im „normalen Leben“ und in der „realen Welt“ nicht „lebbar“ wäre. Weil das der Normalbürger sich ja gar nicht leisten könne. Und das ja alles nicht gehen würde. Das klang ab und zu klang richtig resignierend.

Die Ursache scheinen mir zu sein, dass
„die meisten Menschen sich nicht mehr vorstellen können, in einer anderen Welt zu leben als in dieser“
und
„wir nicht mehr das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können und so das Unwichtige unser Leben dominiert.“

Das scheint mir das Hauptproblem von uns und das unserer Gesellschaft zur sein. Eine in dieser Art nie dagewesene Fremdsteuerung durch Marketing und Lobbyismus manipuliert uns in völlig neuer Weise, ganz anders aber sicher nicht minder gefährlich wie z.B. die religiöse Indoktrination der Menschen im Mittelalter oder wenn wir Pech haben die Manipulation der Menschen durch die Nazis.

Die Formatierung unseres Lebens durch ein übermächtiges aber nicht fassbares Systems hat unsere Autonomie geschliffen. Jetzt bekommen wir Angst und schwafeln von Wandel und Veränderung. Uns fehlt aber jeder Wille, ein anderes Leben jenseits des unseren anzugehen. Wir sind ja oft gar nicht mehr in der Lage uns ein solches nur vorzustellen. So scheint die Kraft verloren gegangen zu sein um Utopien für die Zukunft mehr entwickeln. Die Suche nach Werten und Visionen spielt in unserer Gesellschaft keine Rolle sondern wird eher belächelt. Auch der Versuch, einen neuen „gesellschaftlichen Konsens“ zu schaffen unterbleibt immer wieder schon im Ansatz. So nehmen wir das Gegebene als wahr und alternativlos an.

Der Mut zur Veränderung ist verloren gegangen. Wir haben unsere Abhängigkeit akzeptiert und fügen uns in unser „Sklaven-Dasein“. Sei es von der Technik oder von sozialen Lebensgefügen (unseren Lebenslügen?) vorgegeben. Wir meinen, dass es ohne Auto, Fernsehen und überall elektrische Versorgung nicht mehr geht. Wir glauben, dass die Medizin alles vermag. Dass der Staat unsere Sicherheit garantieren muss und kann. Und dass der Planet das alles schon aushalten wird.

Dabei ist das vieles so leicht zu widerlegen. Sicherheit gibt es nicht. Das alles erleben wir immer wieder. Der plötzliche Tod eines wichtigen Partners oder die überraschende Krankheit werfen uns aus der Bahn. Ein Unglück kann uns schnell erwischen. Aber es gibt auch harmlose Beispiele. Die vom Großvater geerbte ehemals so wertvolle Briefmarkensammlung zeigt uns, für die nicht mal der Altpapierhändler etwas zahlt, zeigt uns, wie schwierig es mit der Sicherheit ist. Viele Dinge, die mal viel wert waren sind heute wertlos. Dieselbe Überraschung habe ich erlebt bei der Auszahlung meiner Direktversicherung erlebt: Wie weit war doch der Wert des ausgezahlte Betrag von der Erwartungshaltung von dem weg, was ich mir beim Abschluss vor Jahrzehnten da vorgestellt hatte. Aus der vorgestellten Eigentumswohnung wurde ein Mittelklassefahrzeug …

Trotzdem  generieren die (Schein-)Sicherheiten unserer modernen Finanzwelt bei manchen von uns die Überzeugung, wir hätten die Risiken unseres materiellen Leben durch Renten und Ersparnisse im Griff. Nur wo wird der EURO in 10 Jahren stehen. Werden wir damit die Probleme der Zukunft lösen können. Was wird Geld denn dann noch wert sein? Haben wir nicht schon von langem gelernt, dass man Geld nicht „fressen“ kann? Dies besonders dann nicht, wenn es virtuell ist und vielleicht einfach mal um die eine oder andere Null gekürzt werden muss.

Dafür kapitulieren wir vor der Angst vor dem Terrorismus. Und sind bereit wegen solcher Kopfgeburten unsere Freiheit in der Gegenwart drein zu geben. Aufgabe von Freiheit als vermeintliche Investition für mehr Sicherheit in Zukunft! Und sind dafür sogar bereit in den modernen (Kreuzzug-)Krieg zu begeben.

So folgen wir dumm-dreisten Parolen oft nicht mehr zurechnungsfähiger Politiker und Wirtschaftsführer. Wir schlucken sinnlose Gesetze, die uns serviert werden, obwohl wir wissen, dass diese mehr Schaden als Nutzen stiften. Und resignieren vor der Dummheit unserer „Volksvertreter“. Und ich sehe mich förmlich nach einem deutschen oder europäischen Frühling. Aber keinem, der wie in Nordafrika von Hunger und Armut getrieben wurde – und so natürlich scheitern musste.

Warum glauben wir unseren Politikern, dass es „ohne den Euro kein Europa gäbe“ und der sogenannte „Grexit“ uns alle ruinieren würde. Warum erzählen uns das die Politiker. Wir wie auch die Politiker wissen doch, dass der Euro denen nutzt, die im Licht stehen. Denen, die im Schatten steht aber schadet. So wie wir alle wissen, dass diese Ausbeutungsstrukturen global wie innerhalb von Europa und auch in Deutschland früher oder später scheitern bzw. zu neuen Konflikten führen müssen.

Aber wir fühlen uns ohnmächtig und sind es vielleicht auch schon und trauen uns nicht mehr, gegen die Strukturen der uns beherrschenden Systeme aus Administration und Wirtschaft auf zu begehren. Und stehen dagegen nicht auf, obwohl wir wissen, dass die Menschen – und das sind wir – im Mittelpunkt von Sozialität, Politik und Wirtschaft stehen sollten – und nicht die Interessen von Systemen, die sich ent-personalisiert und ent-menschlicht haben. Wirtschaft und Staat muss zuerst mal den Interessen der Menschen dienen. Ganz so wie es auch in der Bayerischen Verfassung steht.

Das System der Oligarchie der Parteien (siehe Jaspers) beherrscht uns und die Moral der kaufmännischen Metrik in der Wirtschaft verschärft die Randbedingungen unseres Handelns. So mahlen die systemischen Mühlen weiter und stricken die Netze der Unfreiheit in feinen Maschen immer enger. Dies in kleinen Scheiben so dass es oft gar nicht bemerkt und fast schon als normal empfunden werden kann.

Deshalb:
Lasst uns auch wieder daran denken, dass wir als „natürliche Wesen“ Teil einer „Naturwelt“ sind. Die „Kulturwelt“, die wir uns geschaffen haben, macht uns zwar manches einfacher, hat uns aber auch vieles genommen. Sie hat uns bequem gemacht. Und wir haben vergessen, dass der Preis, den wir gezahlt haben, ein sehr hoher ist.

Ich meine, wir müssen uns wieder mehr – und dies radikal – Gedanken machen, ob wir nicht auch in anderen Welten leben und dort vielleicht glücklicher sein könnten. Mein Lieblingsbeispiel ist ja das „weg vom Auto“ hin zur Freiheit der „aktiven Mobilität“. Es ist aber genauso wichtig, die Arbeits- und Lebenswelten zu betrachten, denen wir uns unterwerfen, sei es in den sozialen Systemen wie Familien. Alle scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und Folgerungen daraus zu ziehen. Früher hätte man gesagt Macht kaputt, was Euch kaputt macht.

Dazu gehört auch ein „Leben im Einklang mit der Natur“, so wie es Seneca formuliert hat. Und damit mehr gemeint hat, als sich biologisch zu ernähren und die Umwelt zu schützen. Sondern auch auf sich selber zu hören.

Denn Seneca war ein großer Lehrer, der seinen Schülern helfen wollte, erfolgreich und glücklich zu werden. Ich schließe ich diesen Artikel mit einem weiteren Satz von Seneca, der uns den Aufbruch in andere Welten vielleicht ein wenig leichter macht:

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer!“

Und – es gibt auch Hoffnung. Was da im Internet auch zurzeit gerade wieder passiert, das gefällt mir durchaus.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Juli 2015

Ada Lovelace und Unschooling?

Hier meine Hinführung zum Vortrag „Lernen in Innovation“ von Bruno Gantenbein (bei InterFace AG in Unterhaching am 24. Juli 2015, 18:00, zur Einladung), wie ich sie heute Abend halten möchte. Ich versuche, die Person von ADA LOVELACE, den Begriff des „unschooling“ und das Thema „Projekt-Management“ zu verbinden.

Ada Lovelace 1836, Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

Ada Lovelace 1836,
Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

ADA LOVELACE war eine sehr widersprüchliche Frau, die in meiner Wahrnehmung ein sehr bewegtes – ein erfolgreiches wie auch sehr verzweifeltes – Leben geführt hat. Bei der Beschäftigung mit ihrer Person hat schon die Lektüre ihres Artikels in Wikipedia bei mir eine Reihe von Assoziationen ausgelöst.

Wenn wir es in unserem Handwerk zur Meisterschaft bringen wollen, müssen wir uns in der „best practice“ großer Meister üben und die in „design pattern“ kondensierten Erfahrungen der Menschheit nutzen. Bis wir an einem Punkt kommen, wo es nicht weitergeht – und an dem wir uns vom Gelernten verabschieden müssen. Dann heißt es aufzubegehren und „die Dinge“ sowie das „Das macht man so!“ in Frage zu stellen.

Lernen heißt Muster zu verstehen und zu erfahren, an denen wir uns festhalten können. Lernen in Innovation aber verlangt das Brechen von Mustern. Das Brechen von Mustern und das Entwickeln neuer Muster führt zu kreativer Zerstörung. So zwingt uns das Leben in sozialer Gemeinschaft dazu, den anhaltenden Spagat zwischen individuellem Bedürfnis und kollektiver Vorgabe auszuhalten. Schöner wäre es natürlich wenn wir diese Spannkraft  zur Entfaltung unseres eigenen Lebens nutzen könnten.

Wir alle lieben das formatierte Leben, weil es sicher und bequem ist. Wir sind bereit, uns der Moral zu unterwerfen, weil wir gut sein wollen. Andererseits sehnen wir uns nach Freiheit und Neuem. Weil wir wissen und fühlen, dass eine moralisierte Gesellschaft uns genau die Freiheit nimmt und uns einengt und klein macht.

Das scheint mir in unserer Konsumgesellschaft noch schwieriger zu werden, versucht doch die Welt (Gesellschaft und Wirtschaft) mit Marketing uns  klar zu machen, wie wir uns individualisieren sollen. Das heißt, dass kollektive Manipulation versucht unsere individuellen Bedürfnisse vorzugeben.

So ist es im privaten Leben wie im beruflichen (wenn diese Unterscheidung in einer entwickelten Gesellschaft überhaupt noch zulässig ist). In den sozialen Gemeinschaften unsere privaten Lebens „lavieren“ wir permanent zwischen diesen oft paradoxen Positionen. Und genauso in unserem Berufsleben. Denn auch das Unternehmen, in dem wir „arbeiten“ ist ein soziales System, das halt einen ökonomischen Zweck hat und uns natürlich manipulieren will. Durch Führung. Aber Führung baut auf Kommunikation auf und Kommunikation ist auch wieder nur ein Kombination von Zuhören und Reden.

Selten habe ich den Konflikt zwischen autonomer Selbstbestimmung und Fremdsteuerung so intensiv erlebt wie bei der Lektüre der Biographie der großen Mathematikern. Mir fällt da im Moment nur noch Nietzsche ein, der knapp 30 Jahre nach ADA LOVELACE geboren wurde!

Ich meine:
Wir können nur „gute“ Projektleiter, Manager, Führungskräfte – und Menschen sein, wenn uns die wichtigen Projekte gelingen. Das wichtigste Projekt eines jeden Menschen ist sein eigenes Leben. Das muss als erstes Gelingen, erst dann macht es Sinn, sich in fremdes Leben einmischen.

Das eigene Leben kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind, uns auf die wichtigen Dinge zu besinnen und unsere dem Leben abträgliche Gewohnheiten zu ändern. So muss ich willens und fähig sein, mein eigenes Leben autonom zu entfalten und dort in Ordnung zu bringen, wo es nicht passt.

Ich habe mir da zum Beispiel auch meine Mobilität herausgesucht. Und versuche schädliche Art von Mobilität zu meiden, soweit dies nur möglich ist.

Weil ich mir ganz einfach die Frage stelle: Wie will ich in der Lage sein, mein Leben verantwortet zu führen, wenn ich das bei der Mobilität, für die ich so viel Zeit ausgebe, nicht schaffe? Also muss ich mich und mein Verhalten ändern. Verhalten beruht auf Gewohnheit, die eingeübt sit und die zu verändern so nur durch üben geht. Und beim üben muss ich vor allem lernen, störende Fremdsteuerung ausschalten.

Soweit meine Assoziationen zum zerrissenen Leben der ADA LOVELACE.

Beim folgenden Vortrag von Bruno Gantenbein empfehle ich, auf Parallelen zum eigenen Leben zu achten.

RMD

P.S.
Noch sind Plätze frei. Und das Bild von Lady Lovelace ist aus Wikipedia.

Im IF-Forum (Gäste sind noch willkomen – hier zur Einladung) morgen (23. Juli 2015 um 18:00) bei uns in Unterhaching geht es um „Lernen in Innovation“. Bruno Gantenbein wird anhand der Metapher des Unschoolings zeigen, wie Kinder lernen können und wollen und dabei Parallelen zum Lernen von erfahrenen Projekt Managern und erwachsenen Führungskärften aufzeigen.

Das Jahr 2015 ist bei InterFace Frau Ada Lovelace gewidmet. So hat mich Florian Specht als Veranstalter gebeten, bei der Hinführung die Frage zu beantworten:

Was verbindet Ada Lovelace mit „unschooling“?

🙂 Ich habe deshalb die folgende Hinführung entworfen, die ich aber morgen so nicht halten werde. Aber ich kann sie ja trotzdem mal veröffentlichen. Die richtige „Hinführung“ gibt es dann morgen live zu hören und wird natürlich auch veröffentlicht.

Ada im Alter von 4 Jahren

Ada im Alter von 4 Jahren

Welchen Berührungspunkte gibt es von Ada Lovelace und anderen Menschen wie Galileo Galilei (dem InterFace-Gesicht des Jahres 2014).

Mir sind weiter herausragende Persönlichkeiten wie Blaise Pascal, Leonardo da Vinci, Friedrich Nietzsche oder „die alten Griechen“ (Archimedes oder Sokrates) und der Römische Erzieher Seneca eingefallen.

Was haben diese Menschen alle mit „unschooling“ gemein?

Bei der Vorbereitung habe ich als erstes den Artikel zur Schulpflicht in Wikipedia nachgelesen.

Wir lernen:

  • Schulpflicht gab es nicht immer.
  • Sie wurde erst spät eingeführt und viel später umgesetzt.
  • Mancherorts betraf sie nur einen Teil und häufig nur den männlichen der Bevölkerung
  • Gelernt wurde aber immer im Leben und von Menschen und nicht so sehr in Schulen.

Dann habe ich mir die Lebensgeschichte von Ada Lovelace angeschaut. In Wikipedia finden wir als ersten Satz zu „Ada Lovelace“:

Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt (geborene Augusta Ada Byron;[1]10. Dezember 1815 in London; † 27. November 1852 ebenda), war eine britische Mathematikerin.“

Es lohnt sich den Artikel zu lesen. Sie war zweifelsfrei ein Genie.

Die anderen genannten Persönlichkeiten scheinen mir jedoch nie so richtig in die Schule gegangen zu sein:

Blaise Pascal (* 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand; † 19. August 1662 in Paris) war ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph.

Galileo Galilei (* 15. Februar 1564 in Pisa; † 29. Dezember 1641jul./ 8. Januar 1642greg. in Arcetri bei Florenz) war ein italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom, der bahnbrechende Entdeckungen auf mehreren Gebieten der Naturwissenschaften machte.

Wen wunderts, denn zu Lebzeiten der letzten beiden Persönlichkeiten gab es noch gar keine Schule im heutigen Sinne.

Als Kind habe ich immer die „alten Griechen“ bewundert. Was die mit einfachen Hilfsmitteln und ein wenig Rechnen für enorme und revolutionäre Erkenntnisse gewonnen haben. Zum Teil nur durch Beobachten, Denken und einfache Experimente. Und wen überrascht es: auch damals gab es so ein formatiertes Schulsystem wie wir es heute haben nicht.

So verstärkt sich bei mir der Verdacht, dass manche Innovation in der Geschichte der Menschheit nicht möglich gewesen wäre, wenn die Menschen damals so wie heute üblich in einer Regelschule von klein auf indoktriniert worden wären.

So richtig aber ging mir ein Licht auf, wie ich den Film namens Alphabet gesehen habe. ALPHABET, der Film ist von Erwin Wagenhofer in 2013 gedreht worden. Nach WE FEED THE WORLD und LETS MAKE MONEY war ALPHABET der letzte und abschließende Teil seiner bekannten Trilogie. ALPHABET ist ein Film, der ganz leise und weltweit die Situation der Kinder in Ausbildung beschreibt.

Ein Zitat aus dem Film hat mir besonders gut gefallen. Es scheint ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung zu sein:

98 % aller Babies kommen als Genie zu Welt. Am Ende der Ausbildung sind es dann noch 2 %.

Dann bliebe nur noch die Frage, wie Frau Lovelace ihr Genie bewahren konnte, denn vor 200 Jahren gab es ja schon die ersten Ansätze zur allgemeinen Schulpflicht.  Lage es vielleicht daran, dass es Schule damals in manchen Regionen nur für Buben gab? Die ja auch immer so tapfer sein mussten und nicht weinen durften?

RMD

P.S.
An meiner Hinführung (Version 2.0) muss ich jetzt noch ein wenig feilen. Und das Bild ist übrigens aus Wikipedia.

Roland Dürre
Mittwoch, der 1. Juli 2015

Bruno Gantenbein vom PM-Camp Zürich bei InterFace AG!

Mit leichter Verspätung, jedoch umso motivierter, eröffnet die InterFace AG das Jahr 2015 im Zeichen von Ada Lovelace und startet seine beliebte Vortragsreihe „IF-Forum“ direkt mit einem hochkarätigen Referenten und einer brisanten wie hochspannenden Thematik.

Ich möchte alle meine Freunde, gerade auch aus dem Umfeld PM-Camp ganz persönlich einladen, zu diesem Vortrag zu uns zu kommen. Es wird sich lohnen. Der Referent – Bruno Gantenberg – hat auf dem PM-Camp in Zürich im wahrsten Sinne des Wortes die Zuhörer tief berührt. Ich selber freue mich schon auf die Hinführung zum Vortrag, die ich halten darf.

Hier der Originaltext vom Coporate-Blog der InterFace AG.

Bruno GantenbeinAm 23. Juli referiert Bruno Gantenbein, seines Zeichens Senior Berater und Projektleiter bei der CSP AG, zum Thema „Auch Lernen ist Evolution“. Hierbei gibt uns der Schweizer Unschooling-Pionier einen Einblick in die Praxis dieser neuen Art von Lernen und schlägt dabei eine philosophische Brücke zum Projektmanagement. Am Beispiel seiner eigenen Familie und den dort herrschenden Umständen, erläutert Bruno Gantenbein den Unschooling-Ansatz und gibt Einblicke in das eigens entwickelte „Spirit-Hand-Herz-Kopf“-Modell, welches die Gantenbeins seit nunmehr 10 Jahren erfolgreich praktizieren. Ein Übertrag der in diesem Kontext gewonnen Erkenntnisse zum Projektmanagement, stellt einen relevanten Fachbezug zur IT und der InterFace AG her.

Was ist Unschooling?
Unschooling ist ein vom Kind geleitetes Lernen im normalen Wohn- und Lebensumfeld der Kinder, zusammen mit ihren Eltern oder nächsten Bezugspersonen, ohne jeglichen Versuch die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne nachzuahmen. Es gibt daher keinen geplanten Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben sind. Themen werden behandelt, wenn das Interesse des Kindes es verlangt. Die Eltern – oder die Personen, mit denen das Kind zusammenlebt – sind weniger Lehrer als vielmehr Unterstützer und Begleiter der Lebens- und Lernprozesse.

Der Bestseller-Autor Daniel H. Pink schreibt in seinem provokanten Buch „Drive: Was Sie wirklich motiviert“ über intrinsische Motivation und gibt darin einen interessanten Tipp: „Lassen Sie sich von den Unschoolern eine Lehrstunde geben!“

Das werden wir mit großem Vergnügen tun, Herr Gantenbein 🙂

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 23. Juli 2015, um 18:30 in den Seminarräumen der InterFace AG in Unterhaching (Leipzigerstrasse 16). Gästeempfang ab 18:00 Uhr.

Die Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer ganz einfach per E-Mail. Wir freuen uns schon auf spannende Diskussionen und anregende Gespräche mit Ihnen!

RMD

Ein Artikel in der SZ – Landkreis München – vom 24. Juni 2015 von Stefan Galler zeigt mal wieder, wie es um unsere Schulen mittlerweile so bestellt ist. Und welche Geisteshaltung wir haben, wenn es um das uns anvertraute Leben kleiner Menschen geht.

Warum? Hier der Hintergrund!

Riemerling - wie es scheint eine harmonische Idylle - aber der Schein trügt - Vorsicht Schule!

Riemerling – wie es scheint eine harmonische Idylle – aber der Schein trügt – Vorsicht Schule!

In der Riemerlinger Lehranstalt, Grundschule genannt, jetzt mit Ganztagesschulanteil, wurde es schon im vergangenen Schuljahr eng. So wurde das Mittagessen in das Schulhaus in Hohenbrunn an der Siegertsbrunner Straße ausgegliedert.

Riemerling liegt direkt an Ottobrunn, ist aber Teil der Gemeinde Hohenbrunn, die knapp drei Kilometer von Riemerling entfernt liegt.

Die beiden Schulen gehören zusammen. Für den Transfer der Kinder von Riemerling nach Hohenbrunn zum Mittagessen (genannt Mittagsbetreuung) wird ein Bus eingesetzt. Der Bus braucht für die Strecke einfach 20 Minuten, weil er Umwege fährt. Die S-Bahn schafft es in drei und mit dem Fahrrad sind es bei gemütlicher Fahrt keine 15 Minuten.

Was ist das für ein Land, in dem man junge Menschen, die noch Kinder dürfen sein und vor allem spielen sollten, in Ganztagesschulen presst und sie dann zum Mittagessen – über dessen Qualität ich hier nur mutmaßen kann – jeweils 20  Minuten in Bussen hin und zurück befördert?

Haben wir ein Recht so verantwortungslos mit der Zeit unserer Kinder umzugehen?

Der Elternbeirat der Grundschule in Riemerling hat eine Online-Petition gestartet. Unter www.change.org ist dieses Online-Bürgerbegehren zu finden, die Forderung lautet: „Wir möchten eine kind- und familiengerechte Mittagsbetreuung auch wieder in Riemerling!“

Dem würde ich mich anschließen. Nur – wir waren in unserer Volksschule ab Mittag in Freiheit und frischer Luft und konnten uns so von den schulischen Misshandlungen des Vormittages erholen. Also würde ich den Eltern empfehlen – vermeidet Ganztagesschulen. Und wenn Ihr meint, dass dies sein müsse, dann überprüft mal Euer eigenes Leben. Wahrscheinlich läuft da einiges falsch!

RMD

P.S.
In der Riemlinger Grundschule waren sechs meiner sieben Kinder. Am Anfang war das noch eine halbwegs humane Schule mit einem menschlichen Rektor, der sich als „gütiger Schülervater“ verstand. Mit einer neuen Rektorin – einer Möchtegern-Managerin – wurde es schlimmer und schlimmer. Das Motto war jetzt „Außen hui, innen Pfui“. Am Schluss – für mich vor 9 Jahren – war die Schule eine einzige Katastrophe.

Roland Dürre
Donnerstag, der 25. Juni 2015

Die Schule unserer Kinder – Erfahrungen im reichen Bayern.

Hier sehen wir das Schulgebäude, in dem meine Tochter Maresa Abitur gemacht hat und die beiden letzten Jahre ihrer Schulzeit im G8 verbracht hat. Wie alle unsere Kinder ist sie aufs Gymnasium in Ottobrunn gegangen.

So hatten wir von 1990 bis 2015 immer Kinder im Gymnasium, in einem Jahr hatten wir sogar in jeder ungeraden Klasse des G9 in Ottobrunn ein Kind (in der 5., 7., 9., 11. und 13. Klasse). Insofern haben wir eine große Erfahrung als „Kunde“ von der Bildungseinrichtung „Gymnasium“ aber auch „Grundschule“ und ich meine, ich kann bei Schule durchaus mitreden.

Das Gymnasium Ottobrunn hatten wir ausgewählt, weil es nur knapp einen Kilometer von unserem Haus in Riemerling in der Waldparkstraße entfernt war. Dort sind wir 1990 rechtzeitig zu Schulbeginn eingezogen. Da wir den Kindern keinen langen Schulweg zumuten wollten, waren  Entfernung und der Schulweg das priore Kriterium bei der Schulwahl.

20150619_110458_resizedDie Fächer in Ottobrunn haben auch gepasst, denn lebende Sprachen und Mathematik wurden angeboten. Im Hof stand sogar ein Gedenkstein, der an die Wichtigkeit von „Love and Peace“ erinnerte. Das hat mir gefallen und hat gepasst, denn so alt war die Schule gar nicht.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Im Laufe der Jahre wurde die Schule zwar größer aber nicht besser. Sie entwickelte sich halt wie viele Gymnasium hin zur unpersönlichen Lernfabrik. Aber dazu ein anderes Mal.

Heute geht es um das Gebäude, das immer mehr kaputt ging. Und noch schlimmer: Es stellte sich heraus, dass es mit Asbest oder anderen Giftstoffen verseucht war. So musste das Schulgebäude in Ottobrunn abgerissen und ein Neues gebaut werden.

Da traf es sich gut, dass in Höhenkirchen-Siegertsbrunn schon eine Container-Schule vorhanden stand. Ursprünglich ist sie wohl als Provisorium für das dortige Gymnasium gebaut worden. Ich dachte, dass dies nicht mehr gebraucht wenn, wenn das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn fertig wäre.

Falsch! Denn dem Schulgebäude des Gymnasiums Neubiberg (einer Nachbargemeinde von Ottobrunn) war schon ein paar Jahre vorher das selbe Schicksal wie dem Ottobrunner wider fahren. So wurden erst die Neubiberger Schüler ausgelagert und mussten eine ganz schöne Zeitlang nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn fahren.

Wie dann der Neubau des Neubiberger Gymnasium fertig war, durften die Neubiberger zurück und die Ottobrunner Schüler waren dran. Jetzt mussten sie in das Provisorium umziehen und sich an jedem Schultag auf die Reise nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn machen. Und dort in die Kontainer-Schule gehen.

Das Ottobrunner Gymnasium-Gebäude wurde größten Teils abgerissen, um am selben Platz ein Neues bauen zu können. Denn eine Sanierung war angeblich kostenmäßig nicht sinnvoll.

20150619_110503_resizedFür meine Tochter hat das bedeutet, dass ihr Schulweg sich von zirka einen auf gut acht Kilometer (oder einer Fahrt mit der S-Bahn) verlängerte.

Ist eigentlich ja auch schon frech, denn wir haben ja Ottobrunn vor allem wegen der räumlichen Nähe gewählt. Und dann wird – zumindest schulisch – Ottobrunn ganz fix knapp zehn Kilometer in den Süden verlegt.

Das ist aber nicht das Schlimme! Der Hammer ist, dass die Kinder aus Ottobrunn in dem Kontainer-Provisorium viel glücklicher waren als die in dem schicken Neubau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gegenüber den Kontainern. Und werden es wahrscheinlich auch in den neuen Gymnasium in Neubiberg und Ottobrunn sein.

Das Grund ist, dass man im Neubau die Fenster nicht öffnen kann oder nicht darf. Denn das ist natürlich nach neuester Wärmedämm-Vorschrift gebaut – und wahrscheinlich hat da mal wieder der billigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Gutes Klima in „modernen“ Gebäuden ist aber teuer. Da bekommt man dann schnell mal nach zwei Stunden Aufenthalt Kopfschmerzen und Schlimmeres. Und das in unserem immer näher kommenden Zeitalter der Ganztags-Schule. Mich hätte das als Kind in den Wahnsinn getrieben …

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Auch die Lehrer nehmen die Gebäude-Kultur im neuen Schulhaus als sehr unangenehm war. Und freuen sich über jede Stunde Unterricht, die sie in der Container-Schule halten dürfen. Ich wollte es mal testen und war auch mal im neuen Bau. Noch kommt man ja ohne Ausweis oder Badge in die Schulen in Deutschland rein. Obwohl das wahrscheinlich in den zukünftigen Ganztagesschulen auch bald vorbei sein – aus Sicherheitsgründen. Bei meiner Besichtigung oder besser „Beschnupperung“ vor Ort hatte ich kein gutes Gefühl.

In Ottobrunn wird auch jetzt fleißig gebaut. Mitte des nächsten Schuljahres sollen die nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn ausgelagerten Schüler dann zurück kommen und wieder Ottobrunner Luft atmen. Allerdings sollen sich im Ottobrunner Neubau die Fenster auch nicht öffnen lassen. Und bestimmt hat auch in Ottobrunn der billigste Anbieter gewonnen. So sollte man zumindest wieder Fenster einbauen, die geöffnet werden können (und auch dürfen).

Bin auch schon gespannt, wie lange die neuen Gebäude in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Neubiberg und Ottobrunn halten werden? Meine, dass auch bei da die Halbwertszeiten immer kürzer werden.

RMD

P.S.
In der Schweiz soll es bei öffentlichen Ausschreibungen eine Regel geben:
Wenn die Auswahl der zugelassenen Anbieter abgeschlossen ist, wird der billigste Anbieter gestrichen.