Roland DĂŒrre
Mittwoch, der 5. April 2017

IT Oberland BarCamp am 12. Mai 2017 in Holzkirchen!

Das BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen

Damals dachte der Autor noch in Hardware 🙂

Momentan schlĂ€gt das „buzzword“ DIGITALISIERUNG hohe Wellen. Es gibt ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) und in den bayrischen LĂ€ndern entstehen geförderte Digitalisierungs-Zentren.

Nur Digitalisierung war doch gestern. Das war damals, als die Uhren, Tachometer und Thermometer plötzlich eine digitale Anzeige bekamen. Das war vielleicht 1985, als Apple 2 und MacIntosh fröhlich Urstand feierten und die deutschen Informatiker in ihrer Industrie-Nostalgie mit BS2000 und Àhnlichem noch viel Geld verdienten.

Internet und Google sind mittlerweile ein alter Hut. Von selbst lernenden Systemen haben wir schon vor ein paar Jahrzehnten getrĂ€umt – in unserer Euphorie zu KI (kĂŒnstliche Intelligenz). Die modernen unter uns haben schon 1980 die KI dann AI (artificial intelligence) genannt, weil wir wussten, dass es damit in Deutschland nichts wird. Damals haben wir von Lisp und Prolog getrĂ€umt. Jetzt kommen die denkenden Systeme und lernen schnell von selbst – in Bereichen wie Übersetzung oder Verkehr – weil die Hardware halt so leistungsfĂ€hig ist, dass es zu funktionieren beginnt. Auch ohne Lisp und Prolog.

Immer noch passiert viel Neues. Dies in einem oft nicht mehr nachvollziehbarem Tempo. Und es scheint erst jetzt so richtig los zu gehen. Eine unvorstellbare Welle von Produkten rollt auf uns zu, die die Welt nochmals radikal verÀndern werden. Viele Gesetze und Regeln werden in Zukunft nicht mehr funktionieren. Da stellen sich viele Fragen:

  • Heute wird viel ĂŒber „das selbst fahrende Auto“ diskutiert. Aber ist das nicht nur die Spitze des Eisbergs einer VerĂ€nderung des Lebens? Und wird schon viel frĂŒher viel mehr sich merklich und unmerklich verĂ€ndern?
  • Leben wir nicht im Zeitalter der Sensorik, die eine völlig neue Verbindung und Interaktion von „Informatik“ zur Welt schafft? Und es bald nicht mehr um die Mensch-Maschine-Schnittstelle gehen wird sondern um die „Welt-Maschine-Schnittstelle“.
  • Ist Datenschutz wirklich sinnvoll machbar? Oder nur so eine ChimĂ€re der ewig gestrigen? Was bedeutet das fĂŒr unsere Gesellschaft?
  • Welche technischen Elemente brauchen „Smart Solutions“ in einer modernen IoT-Architektur? Was heißt „smart“ ĂŒberhaupt – und was verstehen wir tatsĂ€chlich unter IoT?
  • Wie ist denn das mit den Regeln fĂŒr Roboter (selbst fahrende Autos)? Was sagt die „Ethik-Kommission“ der Bundesregierung dazu?
  • Wie gehen wir mit Kampfrobotern und Drohnen um? Was bedeutet das fĂŒr Krieg und Frieden?
  • MĂŒssen wir nicht viele Elemente unserer gesellschaftlichen Ordnung als Folge der technischen Entwicklung umdenken oder gar neu definieren?
  • Was bedeutet das fĂŒr unseren gesellschaftlichen Rahmen? Wird Politik Gestalterin des Selbigen bleiben oder haben das schon Maschinen ĂŒbernommen?

Solche und weitere Fragen werden auf dem Oberland BarCamp in Holzkirchen offen, redlich und achtsam diskutiert werden – wie das auf Barcamps meistens so ĂŒblich ist.

Deshalb habe ich mich zum BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen AuswirkungenOberland BarCamp genannt – angemeldet. Es wird am 12. Mai in der RSC Factory – Trainings- und Coachingzentrum fĂŒr Digital Business & Innovation in Holzkirchen stattfinden.

Und ich freue mich schon darauf, dort viele Freunde wieder zu sehen!

RMD

P.S.
Das Oberland barcamp wird ĂŒber Meetup organisiert. Wenn Ihr Euch da anmeldet und mit diskutiert, macht das dem Veranstalter das Leben ein wenig einfacher!

 

Roland DĂŒrre
Montag, der 25. Januar 2016

Demokratische Meinungsbildung und -findung

Bild vom wunderbaren PM-Camp in ZĂŒrich.

Bild vom wunderbaren PM-Camp in ZĂŒrich.

Seit dem ich denken kann beeindruckt und verwirrt mich meine eigene Spezies. Wie sie liebt und hasst. Wie sie gemeinsam ausgelassen feiert und trauert. Wie sie sich wegen völlig unsinniger Konstrukte bis auf den Tod bekĂ€mpft und zu jeder Grausamkeit fĂ€hig ist. Wie sie sich streitet und zankt und dann wieder versöhnt. Wie sie sich widerspricht. Wie sie ab und zu ganz gut vorankommt und dann doch wieder zurĂŒck fĂ€llt. Wie sie an Konstrukte glaubt, die sie selber erfunden hat.

Je mehr ich gelernt habe, desto mehr erstaunen mich die Windungen der menschlichen Geschichte durch die Zeit. Über Jahrtausende ging es kreuz und quer, mal im Zickzack und immer wieder nach vorne und zurĂŒck. Es gab auch immer wieder kleine Fortschritte. Aber so richtig vorwĂ€rts gekommen sind wir nicht. Und so werden Menschen immer noch eingesperrt, zerstĂŒckelt und gequĂ€lt. Und es wird geheuchelt, dass man es nicht glauben kann. Im Kollektiv wird im Namen Gottes oder des Volkes oder der Sache – wie auch immer – weiter gemordet und gebrandschatzt, so wie schon immer.

Es fasziniert, wie weit wir einerseits gekommen sind (damit meine ich die AufklĂ€rung und Ă€hnliche Fortschritte), was wir technologisch alles fĂŒr tolle Spielzeuge entwickelt haben und wie absolut rĂŒckstĂ€ndig und un-weise (dumm) wir gleichzeitig geblieben sind. Und wie wir es ganz normal finden, dass wir dabei sind, ganz selbstverstĂ€ndlich unseren Planeten (und uns selber) zu zerstören. Obwohl ein anderes Leben wahrscheinlich viel schöner wĂ€re.

Gerade im Kollektiv erscheinen wir mir so dumm, wie es ein einzelner gar nicht sein kann. So kann man getrost mit Gunter Dueck von einer ganz besonderen Schwarmdummheit sprechen. Dummheit als Gegenteil von Weisheit.

Trotz dieser bedrohenden RealitÀt habe ich mir die Utopie einer gerechten Gesellschaft frei von Strafe und ohne Gewalt und Krieg bewahrt. Aber wie könnten wir dahin kommen? Wenn, dann doch nur durch Kommunikation und VerstÀndigung.

WĂ€re es also nicht schön, wenn wir es schaffen wĂŒrden, in Teams und Gruppen im Konsens friedlich Lösungen fĂŒr gesellschaftliche Herausforderungen aller Art zu finden? Und diese dann auch noch gemeinsam umsetzen wĂŒrden? Nach dem Motto Senecas:

Philosophie heißt nicht Reden sondern Handeln?

Meetings sind ja – wie wir tĂ€glich erleben – nicht das probate Mittel um voran zu kommen. Vielleicht geht es noch am besten mit peer-to-peer-Treffen, fixiert auf ein konkretes Thema. Denn alles beginnt zu zweit. Aber da fehlt dann der Gruppen- oder Team-Effekt.

So hat Habermas schon vor vielleicht 50 Jahren den redlichen Diskurs definiert. Den habe ich im Vortrag „Der Wandel im Management“ (am Ende des Artikel) beschrieben. Und dem sind wir hier und da schon ein wenig nĂ€her gekommen.

PMCampDOR Intro 2015Auch die Kollegen von Art of Hosting machen mir Mut, so wie auch die PM-Camps, bei denen ich dabei sein durfte.

Barcamps sind ganz „einfache“ Veranstaltungen. Die Gastgeber schaffen einen Rahmen, damit ihre GĂ€ste gute GesprĂ€che fĂŒhren können. Die Menschen, die kommen, sind die richtigen und werden zu Teilgebern. Und bestimmen, wohin es geht. Es ist eine Un-Konferenz, das demokratische Gegenteil der Konferenz.

Barcamps oder Ă€hnliche Formate wie „Open Space“ sind etwas Wertvolles. Tausende finden in Deutschland im Jahr statt. Zu vielen Themen: Mal geht es um die Wiederbelegung des Leben in der Stadt oder um die Lösung sozialer Herausforderungen. Weiter auf Barcamps beliebte Themen sind Arbeitswelt, Bildung, Familie, Forschung, Geschlechter, Gesellschaft, Gesundheit, Innovation, Leben, MobilitĂ€t, Unternehmertum, VerĂ€nderung, Vielfalt, Zukunft und vieles, vieles mehr.

Oft meine ich, dass es kein wichtiges Thema gibt, zu dem es nicht irgendwo ein passendes Barcamp gibt. Und mir wird immer mehr klar, dass es die Summe von Unkonferenzen wie Barcamps sind, mit denen Menschen Einfluss nehmen Zukunft gestalten können. Denn dort kommen Menschen zusammen, die gemeinsam Wissen und Erfahrung teilen – und sich dabei vernetzen!

Weil die vielen Barcamps so wichtig sind, bin ich froh, dass ich noch von keinem faschistischen oder rechtsradikalen Barcamp gehört habe. Kann es sein, dass die Methodik des Barcamps und „Faschismus“ sich widersprechen und gegenseitig ausschließen? WĂ€re das nicht wunderschön?

Meinem Freund und Partner Eberhard Huber habe ich diese Gedanken berichtet. Er hat mir dazu geschrieben:

Ich denke, dass sich Faschismus und Barcamp widersprechen. Faschismus ist immer mit einer Lehre verknĂŒpft, die immer einen absoluten Wahrheitsanspruch hat. Lehren mit Wahrheitsanspruch brauchen Propheten, denen man zuhört. Der Status des Propheten könnte bei einer offenem Diskussion wie auf einem Barcamp nur bröckeln.

Das gibt doch Hoffnung. Und vielleicht gelingt es uns so doch eines Tages, die Bedingung von Bertrand Russell zu erfĂŒllen. Der hat mal gesagt:

» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine SchmĂ€lerung des menschlichen GlĂŒcks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «

Vielleicht schaffen wir mit neuer Kommunikation und neuen Formaten, endlich zu der dringend benötigten WEISHEIT zu gelangen. Und dĂŒrfen darauf hoffen, dass wenn unsere Generation ausgestorben ist, die nĂ€chsten Generationen es besser machen können.

RMD

Roland DĂŒrre
Sonntag, der 17. Januar 2016

Video vom #AktMobCmp

In IF-Blog habe ich regelmĂ€ĂŸig ĂŒber unser Projekt „Aktive MobilitĂ€t im Alltag“ (#AktMobCmp) berichtet. Das Barcamp hat am 4. und 5. Januar 2016 in Unterhaching statt gefunden und war ein sehr schönes Erlebnis. Ich habe viele sympathische Leute neu kennen gelernt und die Veranstaltung hat viele Menschen mit Ă€hnlichen BeweggrĂŒnden zusammen gebracht und vernetzt.

Friedrich Lehn (fhlcinema.com) hat gefilmt. Der Trailer zur Veranstaltung ist jetzt verfĂŒgbar:

Viel Spaß beim Anschauen, es geht knapp 5 Minuten.

Die Ergebnisse der Unkonferenz finden sich auf unserer Website www.actmobcmp.org, dort gibt’s auch einen Link zur Twitterwall (fĂŒr den Tag #AktMobCmp). Und die gute Nachricht:

Es geht weiter!

RMD

Roland DĂŒrre
Montag, der 14. Dezember 2015

Noch ein paar Gedanken zu Barcamp und Open Space

Der Unterschied zwischen „Klassischen Konferenzen“ und „Unkonferenzen“.

pmcamp-logo-dornbirnImmer mehr begreife ich, dass Lernen eine soziale TĂ€tigkeit ist. Glaubte ich frĂŒher, dass ich von einzelnen Menschen und Lehrern viel gelernt habe, stelle ich heute fest, dass dies nur teilweise richtig ist. Meistens waren meine Lehrer – obwohl ich auch von ihnen einiges mitbekommen habe – nur die  Katalysatoren, die Menschen zusammen und in Kommunikation gebracht haben.

So gesehen war nein Leben und Lernen vor allem ein fortwĂ€hrendes Treffen mit vielen Menschen. Die Begegnungen waren mal intensiver und mal oberflĂ€chlicher. Aber immer ging habe ich etwas an Wissen und Erfahrung ab bekommen und wahrscheinlich auch gegeben. Immer haben wir von einander gelernt und uns gegenseitig „abgefĂ€rbt“. Ab und zu haben wir uns auch an unterschiedlichen Konstrukten gerieben, auch das war hilfreich.

Erfahrung, Können, Wissen, Klugheit und Weisheit werden oft als individuelle Errungenschaft wahrgenommen. Das stimmt aber nicht, sie sind  immer das Ergebnis einer Kommunikation in kollektiver Sozialisierung.

So gesehen sind Unkonferenzen nichts anderes als ein Werkzeug zur Sozialisierung, mit dem man intensive und symmetrische Kommunikation durch Partizipation fördern und den Lernprozess wesentlich dynamisieren kann. Im Gegensatz zu den klassischen Konferenzen, die mir oft soviel starrer und einseitiger vorkommen. Die die Mehrheit der Teilnehmer zur PassivitĂ€t zwingen und deshalb nicht so viel Spaß machen.

Ein Barcamp oder ein Open Space darf auf keinen Fall zu einer Konferenz werden, auch nicht im Ansatz. Deshalb darf man bei einem Barcamp nicht ĂŒbers Ziel hinausschießen und zu viel planen und vorbereiten.

Zwei Dinge machen die Unkonferenz aus – Die Session-Planung und die Sessions. Die Planung der Sessions erfolgt gemeinsam. Sie muss auf das Jetzt und Hier eingehen und darf nicht aus der Retorte kommen. Das gilt auch fĂŒr die Sessions – sie mĂŒssen frei bleiben. Sie können aber aufgewertet werden, wenn wunderschöne Formate wie Debatte, redlicher Konsens, moderierter Konsens (Art of Hosting), Fish Bowl, Stroy Telling, Spiele, „prototyping“ und vieles mehr stĂ€rker genutzt werden.

ImpulsvortrĂ€ge können nĂŒtzlich sein, da sie gedankliche AnstĂ¶ĂŸe zum Thema / Motto liefern, so es denn eines gibt. Das ist ja nicht notwendig. Genauso kann ein gutes Intro, die Menschen öffnen und so das Bewusstsein fĂŒr die fĂŒr gute Kommunikation notwendigen Voraussetzungen wie  Achtsamkeit, Respekt, Anerkennung, WertschĂ€tzung erzeugen – also eine Kommunikation auf Augenhöhe ermöglicht.

Zur Gefahr des Entstehens einer Blase (Bubble).

Gelegentlich wird die Gefahr thematisiert – auch in der Retrospektive zum PM-Camp Dornbirn, dass sich auf barcamps „Blasen“ entwickeln können, die Teilnehmer von der Rest der Welt isolieren können bzw. zur Inzucht fĂŒhren können.

Das erscheint mir möglich. Denn, immer wenn Menschen in intensiver Kommunikation zusammen kommen kann auch RealitĂ€tsverlust entstehen. So kann sich eine Blase (bubble) entwickeln, die aufgrund großer Gemeinsamkeiten zur Gruppenbildung (siehe Klassentreffen) oder zu fachlicher Inzucht (siehe Ausgrenzung) fĂŒhrt.

Das ist ganz logisch, denn natĂŒrlich neigen Gleichgesinnte eher dazu, sich in ihren Vorurteilen zu bestĂ€tigen anstatt diese sich gegenseitig auszureden. Ich sehe diese Gefahr zwar gering und keine Bedrohung fĂŒr gute Ergebnisse bringen. Aber auch hier kann entgegen wirken und versuchen den wĂŒnschenswerten  Pluralismus durch NeuzugĂ€nge (newbees) zu befördern. Denn wenn die Neuen genauso Denken wie der Kern der Alten, dann ist VerĂ€nderung natĂŒrlich gefĂ€hrdet.

Ich glaube aber, dass es ein ganz einfaches Mittel gegen die Entwicklung von „bubbles“ in offenen Bewegungen gibt. Es ist die Offenheit an sich, die man einfordern und unterstĂŒtzen muss. Und man sollte darauf versuchen, dass die Teilnehmer von Geschlecht und Alter wie sozialem und fachlichem Background sehr gemischt sind und auch sonst eine große Vielfalt bewahrt wird. Das geht auch nur mit einfacher und transparenter Ansprache aller Gruppierungen und Schichten.

RMD

Roland DĂŒrre
Freitag, der 11. Dezember 2015

FĂŒr (noch) bessere Barcamps!

pmcamp-logo-dornbirnBarcamps wie #AktMobCmp oder #pmcamp haben noch viel Luft nach oben. Denn auch Unkonferenzen kann man – wie wohl alles im Leben – verbessern.

Die erste Regel könnte sein.
Ein kleines Barcamp ist besser als ein großes!
Im Sinne von „klein“ aber „fein“.

Weil:
Es geht nicht darum, dass viele Menschen kommen!
Obwohl das uns gefĂ€llt. Weil wir einfach auf Wachstum getrimmt sind und alles immer möglichst groß sein soll. Aber das ist es nicht.
Anmerkung: Wahrscheinlich gehen auch große Barcamps. Die mĂŒsste man dann als ein n-Tupel von vielen kleinen organisieren.

Sondern:
Es geht darum, dass man in Gemeinschaft ĂŒber zwei Tage viel Spaß hat!
Und dabei noch viel begreift, versteht und tolles Neues entdeckt.
Und das wird eher in kleineren Gruppen möglich sein.

Nur – wie geht das?

Da muss man sich als Veranstalter sicherlich bei der Einladung etwas einfallen lassen. Indem man prĂ€zise beschreibt, warum es im Barcamp geht – das Thema also klar definiert, es aber nicht einschrĂ€nkt sondern so offen wie möglich hĂ€lt. Und ein klares Motto wĂ€hlt. So haben wir es auch beim AktMobCmp versucht.

Es geht nicht um die richtigen und falschen Teilnehmer. Es geht um weiblich und mĂ€nnlich, um jung und alt. Es geht um die Bereitschaft, auf Augenhöhe, im gegenseitigem Respekt und in WertschĂ€tzung in der Gemeinschaft auf dem Barcamp Erfahrung, Meinung und Wissen zu teilen. Mit Motivation, Mut, Herz, Kompetenz, Interesse, Engagement, Kritik, Sachwissen, Toleranz … Dies provokativ wie konstruktiv, achtsam und offen, vorsichtig wie mutig, optimistisch und pessimistisch, neugierig und frech, transparent und auf einfache Art und Weise.

Die Veranstalter sind auch in besonderer Art und Weise gefordert. Denn das Barcamp ist Gastgeber und bietet „nur“ den Rahmen, der es möglich macht, dass aus den vielen ICHs ein WIR wird. Die fĂŒr ein barcamp ĂŒblichen zwei Tage sind eine kurze Zeit, die optimal genutzt werden möchte. Umgebung und AtmosphĂ€re mĂŒssen passen, der Einstieg muss gelingen.

FĂŒr die Themen sind die Veranstalter allerdings nicht verantwortlich. Die Themen werden von den Teilnehmern eingebracht, die wir ja auch „Teilgeber“ nennen. So kommt es auf die gemeinsame Erarbeitung der „Sessions“ an. Das muss fĂŒr jeden Tag getrennt gemacht werden. Auch innerhalb des Tages kann sich hier dynamisch etwas Ă€ndern, nur muss man dann gut aufpassen, dass man nicht unachtsam die Interessen von Teilnehmern verletzt.

Je besser die Sessions gemeinsam (vor)qualifiziert sind, desto besser werden sie gelingen. Gerade das Format der Sessions sollte vorher gemeinsam besprochen und beschlossen werden.

🙂 Die wichtigste aller Sessions ist also die Session, in der die Sessions des Tages beschlossen werden. Was das Anliegen ist, wie es gemeinsam beackert werden soll und welche FrĂŒchte man ernten will.

Die Formate von Sessions können sein:

  • Debatte
    Auch „Battle“ genannt. Das ist eine ZwiegesprĂ€ch zweier Gruppen – ganz im Sinne der klassischen Dialektik – bei der beide Seiten versuchen mit ihren Antworten immer prĂ€zise auf die Argumente der anderen Seite einzugehen. Es gibt also zwei Parteien, einen „Schiedsrichter“, der unter anderem die Zeit nimmt und ein Publikum, dass abstimmt, wer die einzelnen Schritte gewonnen hat. Das besondere ist, dass man vorher verlost, wer welche Seite vertritt – so ĂŒbt man sich auch im negativen Denken)
  • redlicher Diskurs
    Da gibt es von Habermas eine einfache Regel. Jeder gibt sein Argument ab, es geht nur um Argumente und dies ohne Ansehen von Person oder Position.
  • Fishbowl
    Den Begriff findet auch in Wikipedia. Ich wĂŒrde die „Fishbowl“ als normale Diskussion bezeichnen, die sich auf originelle Art und Weise selbst moderiert
  • Moderierte Konsens-Findung
    Da gibt es diverse Methoden, die alle aufzufĂŒhren hier den Platz sprengen wĂŒrde. Als Beispiel bringe ich hier nur die „Art of Hosting Methode“, wie wir sie beim PM-Camp in Dornbirn 2015 (#PMCampDOR) recht erfolgreich genutzt haben.
    PMCampDOR Intro 2015
  • Kreativer Raum
    Schön ist es immer, wenn etwas Bleibendes entsteht. Das könnte eine Werkstatt- oder Design-Session sein, in der man zum Beispiel einen Trickfilm oder einen Video-Film erstellt. Das geht im guten Team oft erstaunlich schnell und gut.
  • Story-Telling
    Ein paar schöne Fragen, ein ruhiger Raum und schon beginnen die Geschichten. Wichtig ist, dass hier eben nicht debattiert und diskutiert, sondern zuerst mal erzÀhlt und zugehört wird. Hier ein Bericht von einer Veranstaltung dieser Art, bei der ich dabei war.
  • Spiele
    Da gibt es ja vom berĂŒhmten SeriousPlay mit Lego die verschiedensten AnsĂ€tze. Muss

actmobcmp_100-300x86Wahrscheinlich gibt es noch mehr – wie natĂŒrlich auch den normalen Vortrag …

Die Themen kommen natĂŒrlich von den Teilnehmern. Wenn die Teilnehmer schon Themen mitbringen, dann können diese wĂ€hlen, in welcher Form sie ihr Thema vorstellen bzw. interaktiv bearbeiten wollen. Am schönsten ist es natĂŒrlich, wenn die Dinge sich in der Veranstaltung entwickeln.

Das bewusste Nutzen solcher Methoden soll den Wert fĂŒr die Teilnehmer erhöhen, weil sie Neues erleben, aber auch weil so bessere Ergebnisse und Erkenntnisse erreicht werden können.

🙂 Ich kann nur versprechen, beim ActMobCmp oder auch AktMobCmp (beide Schreibweisen sind erlaubt) werden wir uns dazu einiges einfallen lassen.

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RMD

Roland DĂŒrre
Samstag, der 28. November 2015

PM Camp Dornbirn – zwischen Anspruch und RealitĂ€t?

pmcamp-logo-dornbirnDas PM-Camp in Dornbirn 2015 war auch im RĂŒckblick recht gelungen. Die meisten (eigentlich alle) Teilnehmer haben sich sehr wohl gefĂŒhlt und sind hoch zufrieden nach Hause gefahren. Das finde ich toll.

Viele Teilnehmer haben auch unseren RĂŒckmeldebogen genutzt. So haben uns (das Orga-Team) viele konstruktive RĂŒckmeldungen erreicht. Die arbeite ich gerade durch, so wie auch die Twitter-„Timeline“ zu unserer Unkonferenz. Die „Timeline“ kann man unter dem Hashtag #PMCampDOR nachlesen. Was ĂŒbrigens viel Spaß macht, es ist eine Retrospektive mit vielen nĂŒtzlichen Links entstanden.

Das Feedback war statistisch wie in den EinzelĂ€ußerungen sehr positiv. Das hat dem Orga-Team gut getan. Barcamps sind etwas Besonderes. Sie basieren auf Freiheit, Augenhöhe, Partizipation, Gleichberechtigung. Das kann man auch als „SchwĂ€chen“ sehen. Allerdings SchwĂ€chen, die mir persönlich sehr gut gefallen. Ein Barcamp lebt aus dem Augenblick. Man kann es nicht steuern, die „Sitzungen“ (Sessions) entstehen im Kontext zum gerade Erlebten. So soll es sein. Und das ist gut so!

Anders gesagt:
Freiheit und Verschiedenheit können auch polarisieren. Es entstehen Schwerpunkte und Annahmen, die nicht immer jedem gefallen. Das muss man aushalten können, so wie auch Freiheit nicht immer leicht zu ertragen ist. Die Toleranz braucht.

Auch die Demokratie hat ihre problematische Seite. Die Ă€ußert sich schon in der Frage, wie man Demokratie am besten organisiert? Ich denke an die leidenschaftliche Diskussion  von „direkter Demokratie versus parlamentarischer“ – die eine gilt als die Lösung (wie in der Schweiz) und wird auch als hochgefĂ€hrlich eingestuft wird (wie bei uns, weil wir glauben, dass das Volk so dumm ist). Und auf der anderen Seite sind viele mit unserer „parlamentarischen Demokratie“ gar nicht mehr glĂŒcklich.

Unkonferenzen sind demokratisch. Sie leben ganz besonders von den Menschen, die teil nehmen. Man trifft sich – im Unterschied zu Konferenzen – in einem relativ freien und nur wenig formatierten Raum. So können sich gruppendynamische Entwicklungen ergeben, die nicht jedermann gefallen. Aber jeder hat auch die Möglichkeit, dagegen zu steuern.

PM-Camps sind sehr pluralistische Treffen. Es trifft sich mĂ€nnlich und weiblich, alt und jung, Berufseinsteiger und -aussteiger, erfolgreiche und weniger erfolgreiche, Studierte und welche dies gelernt haben, ernste und lustige Menschen, „nicht so wohlhabende“ und „reiche“ usw. Vielleicht können solche Barcamps ein wenig den Spagat zwischen ICH und WIR schaffen und die Spannung zwischen „individuellen“ und „kollektiven“ BedĂŒrfnissen lösen.

Und wie fĂŒr Projekte gilt, dass Technologie und Werkzeuge nicht mehr das Problem sind. Auch die vorhandenen Methoden taugen in der Regel mehr oder weniger. Die meisten Projekte scheitern jedoch, weil es „menschelt“. Das ist auch die Gefahr bei barcamps. Man kann nicht allen alles recht machen. So wurden in Tweets wie in den Feedback-Bögen manche Details gleichzeitig sehr gelobt und kritisiert.

Neben den positiven RĂŒckmeldungen gab es auch Kritik und VorschlĂ€ge fĂŒr Verbesserungen. Die VerbesserungsvorschlĂ€ge werden wir – soweit sie nicht den Prinzipien der Freiheit des Barcamps widersprechen – sehr ernst nehmen. Genauso wie wir uns die Kritik zu Herzen nehmen werden. Allerdings könnte man auch sagen:
Bei einem Barcamp ist manche Kritik des Teilnehmers auch Kritik an sich selber.

Ich liste mal ein paar der RĂŒckmeldungen auf und kommentiere sie:

Positives Feedback:

Die positiven RĂŒckmeldungen sind die große Mehrheit. Obwohl es Spaß machen wĂŒrde, hier alle zu zitieren, erwĂ€hne ich nur ein paar:

Wenn es das PMCamp noch nicht gĂ€be, mĂŒsste man es erfinden!!

Ich komme wieder!

Ich konnte sehr viele Erkenntnisse mitnehmen, Erfahrungen und sehr interessante Bekanntschaften machen!

Weiter so, nicht regulieren!

Die AtmosphÀre war sehr vertraut und angenehm, die GesprÀche haben auf Augenhöhe stattgefunden!

Da könnte ich so weiter machen – und ganz oft gab es ein

Großes Dankeschön!

und 100 % haben die Frage:

„WĂŒrdest Du das PM Camp einem Kollegen / einer Kollegin weiter empfehlen?“

mit JA beantwortet.

DarĂŒber haben wir uns natĂŒrlich sehr gefreut. Alle positiven RĂŒckmeldungen werten wir im Orga-Team gewissenhaft aus. Gilt doch fĂŒr Gemeinschaften, wie fĂŒr Menschen bei der „Persönlichkeits-Entwicklung“ (oft auch Management oder FĂŒhrungs-Training genannt), dass man zu erst mal seine StĂ€rken fördern soll und nicht immer versuchen soll, die SchwĂ€chen abzubauen. Weil das Zweite meistens eh nicht gelingt und das Erste so viel mehr bringt. So wollen wir auch gerade das, was schon gut ist, noch besser machen.

Ich habe aber auch Beispiele von

negativem Feedback:

das WLAN auf dem Camp war eine Katastrophe …

Ja, das war so. Ich weiß aber, wie sehr sich gerade Stefan im Vorfeld und wĂ€hrend der Veranstaltung bemĂŒht hat, an der Uni fĂŒr eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Ich hatte am Vorabend auch noch einen Dialog mit einem der Spezialisten, der mir die Problematik klar machte. An der Uni wurden auch Anstrengungen unternommen, aber sie haben es halt wieder nicht geschafft. Aufgrund hoch komplizierter Sicherheitsaspekte sind die Systeme so aufgesetzt, dass die Techniker es nicht hinkriegen. NatĂŒrlich werden wir im nĂ€chsten Jahr versuchen, das Thema besser hinzukriegen. Wir sollten aber auch wertschĂ€tzen, wie viel die Fachhochschule Dornbirn als Sponsor fĂŒr uns tut und da ein wenig gnĂ€dig sein.

Info zu Parkmöglichkeiten fehlte!
Ja – die lieben Autofahrer 🙂 .

PrĂ€zisere AnkĂŒndigung der Veranstaltung (Beginn, Ende) auf der Website.
Das kann man natĂŒrlich verbessern.

Fotos der Sessiongeber helfen bei der Orientierung.
Leider war „Aebby“ (Eberhard Huber) kurzfristig verhindert, so blieb auch seine Polaroid-Kamera in Baden-WĂŒrttemberg.

Zu
Ice-Breaking, Moderation und Vorstellungsrunde
waren die Kritiken/VorschlĂ€ge sehr gegensĂ€tzlich. Die einen wollten eine Vorstellungsrunde, die andern keine. Die einen mehr, die anderen weniger Moderation und/oder „ice-breaking. Ich wĂŒrde sagen, das war so fifty/fifty.

Viele Gedanken und VerbesserungsvorschlÀge in den Feedback-Bögen drehen sich um
„Newbees“ und „Klassentreffen von alten PM-Camp’lern) und wie man die QualitĂ€tsverbesserungen von Sessions zum Beispiel durch Coaching-, Mentoring- oder Moderationsangebote erreichen kann.
Eine leichte Mehrheit hat hier eine explizite UnterstĂŒtzung fĂŒr Newbees gewĂŒnscht, der Rest meinte, dass dies ganz gut „automatisch“ gelungen wĂ€re. Ich meinte auch herauszulesen, dass bei kleineren PM-Camps wie in Barcelona besser gelingt als bei so großen wie in Dornbirn. Also fast indirekt eine Kritik, dass Dornbirn zu groß wird.

Kritik wurde auch an einzelnen Sessions und dem Angebot von Sessions geĂŒbt.

Die Sessions waren zu IT-lastig.

Vermisst habe ich die Spiele.

Die Sessions des zweiten Tages sollten mehr auf denen vom Vortag aufbauen.

Prinzip und die Varianten von Sessions sollte im Vorfeld gerade fĂŒr die „newbees“ besser erklĂ€rt werden.

Alles, das den Rahmen fĂŒr die Sessions verbessert, unterstĂŒtze ich. Ich meine aber, dass die Organisatoren sich nicht in den Inhalt der Sessions einmischen sollten. Die gehören den „Teil-Gebern“. Die Organisatoren haben die Chance, durch formulieren des Mottos und Auswahl der Impulsgeber im Vorfeld die Menschen, die an diesen Botschaften interessiert sind oder sich daran reiben wollen zum Kommen zu motivieren. Und das sollte genĂŒgen.

Auch Herausforderungen fĂŒr die Zukunft wurden genannt, hier hat mir eine besonders gut gefallen:

Das hohe Niveau zu halten wird DIE Herausforderung der Zukunft sein.

Das sehe ich auch so!

Nebenbei: Auch im offiziellen Blog der GPM gab es neben (zu) viel Lob einiges an Kritik fĂŒrs PM-Camp Dornbirn. Dort hat Reinhard Wagner in einem post vom PM-Camp in Dornbirn berichtet und sich im letzten Absatz doch recht negativ geĂ€ußert (… Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. …).
Weil ich hier eine Reihe von MissverstĂ€ndnissen sehe und ich auch persönlich erwĂ€hnt wurde, habe ich mich im folgenden mit den Aussagen von Reinhard „dialektisch“ auseinandergesetzt und versuche hier ein paar Dinge richtig stellen.


Hier geht es los mit dem Text des letzten Absatzes von Reinhard im GPM-Blog. Die kursiven Teile sind zusammen der komplette letzte Absatz, den ich 1:1 aus dem Post von Reinhard (RW) kopiert habe. Dahinter mit „normalem“ Font stehen immer meine Kommentare (RMD), so also immer abwechselnd.

(RW) … Das Motto des diesjĂ€hrigen PM Camp Dornbirn war „Musterbrechen“ (Welche Muster sollten wir im PM brechen und wie kann der Musterbruch gelingen?). Diesem Anspruch konnte das PM Camp nur bedingt gerecht werden. Dies ist aus meiner Sicht auch das Dilemma der gesamten „PM Camp“-Bewegung.
(RMD) Nicht nur das PM-Camp sondern die ganze menschliche Gemeinschaft hat dieses Dilemma, dass VerĂ€nderung nicht in dem Masse  gelingt wie dies notwendig oder zumindest wĂŒnschenswert wĂ€re. Das belegt die aktuelle Geschichte (Kriege, Terrorismus, Zerstörung des Planeten …).
Mein Problem mit den SĂ€tzen von Reinhard ist, dass ich als Anspruch eines PM-Camps eigentlich nur sehe, a) ein guter Gastgeber zu sein und b) die „richtigen Teilgeber“ zu finden. Das ist auch das Ziel des Orga-Team Dornbirn fĂŒr „unser“ PM-Camp. Und wie ich meine auch der der gesamten „PM-Camp-Bewegung“.
Jedes Jahr besprechen wir im PM-Forum (unser strategisches Organ aller PM-Camps), wie wir das am besten hinkriegen. Da treffen sich die Vertreter der regionalen Orga-Teams (die operativen Veranstalter, die die Camps machen) und des Kern-Teams (die normative Ebene der GrĂŒnder). In dieser Klausur tauschen wir aus, wie wir es besser machen können, dass Ihr – unsere GĂ€ste und Besucher – noch besser Wissen austauschen, Konsens finden und Erkenntnis gewinnen könnt.
Das Orga-Team eines PM-Camps hat vor allem die Rolle des Gastgebers. Es sucht Sponsoren und finanziert so gemeinsam mit den BeitrĂ€gen der Teilnehmer/Teilgeber die Veranstaltung. ErgĂ€nzend versuchen wir durch gedankliche Anregungen (im Vorfeld ein Motto wie zum Beispiel die Metapher des „Musterbrechen“) und auf dem Camp durch ImpulsvortrĂ€ge (das Was) und VorschlĂ€ge zur Methodik (das Wie) das Gelingen zu fördern, ohne aber den Kern eines barcamps zu gefĂ€hrden. Wir sind achtsam bemĂŒht, dass nicht klammheimlich aus der „Unkonferenz“ eine Konferenz oder Kongress wird.
Zur Erinnerung:
Ein PM-Camp ist nichts anderes als ein Barcamp, dass sich besonders an Projekt Manager, Manager, Unternehmer, FĂŒhrungskrĂ€fte richtet, eigentlich an alle Menschen, die bereit sind Verantwortung fĂŒr Zukunft zu ĂŒbernehmen. Es gibt diesen eine Plattform zum Austausch und unterstĂŒtzt so die Vernetzung.

(RW) Die „jungen Wilden“ (sorry Roland DĂŒrre) wollen sich „krampfhaft“ von den etablierten GrĂ¶ĂŸen der Branchen, allen voran die GPM, das PMI oder die PRINCE2-Community abgrenzen.
(RMD) Zu den jungen Wilden: Da sehe ich mich ja nicht mehr ganz so. Mit dieser Metapher habe ich manch jungen start-up gemeint. Die legen schon ganz anders los, als ich es von „etablierten Unternehmen“ gewohnt bin. Und wenn ein Start up mal so richtig Erfolg hat, dann ganz gewiss nicht, weil er in Projekten denkt.
Aber zurĂŒck zum Text: Allein schon die Wortwahl „etablierte GrĂ¶ĂŸen der Branche“ zeigt die problematische Positionierung von Reinhard. Ich sehe die „PM-Camp-Bewegung“ in keiner RivalitĂ€t mit „etablierten GrĂ¶ĂŸen der Branche“. Denn wir sind eben kein Verband. Wenn, dann sind wir eine Alternative fĂŒr die, die sich in einem freien Rahmen treffen wollen, um Wissen und Erfahrung auszutauschen. Auf einem PM-Camp regt man sich gegenseitig zum Nachdenken an. Da treffen sich die ICHs „als Teil vom“ WIR. Das hat nichts mit einem Verband oder Ă€hnlichen Strukturen zu tun. Auch deshalb darf und wird das Orga-Team keine proaktive Empfehlungen geben.
Die „PM-Camp-Bewegung steht ĂŒbrigens in enger Abstimmung mit openPM, dem offenen Portal mit Plattform zum freien Austausch fĂŒr alle Projekt Manager. openPM ist ein gemeinnĂŒtziger Verein, den ich auch nicht in RivalitĂ€t zu den „etablierten GrĂ¶ĂŸen“ sehe. So hat auch openPM nichts mit den genannten Vereinen/VerbĂ€nden zu tun.
Ich persönlich hĂŒte mich deshalb vor Vereinen und VerbĂ€nden, weil in meiner Wahrnehmung diese sich oft im Besitz der „Wahrheit“ wĂ€hnen, diese in „Gesetz- und RegelbĂŒcher“ fest schreiben und und dann Lehren und so ihr (vieles) Geld verdienen. Da grenze ich mich ab, aber nicht krampfhaft sondern einfach eindeutig im Sinne von klar.

(RW) Das Muster „agil“ versus „traditionell“ wird allzu oft bemĂŒht. In fast allen Diskussionen wird immer wieder der Vergleich „Industriezeitalter ist alt und schlecht“ versus „Informationszeitalter ist jung und gut“ bemĂŒht, das gleiche wird auf „Wasserfall“ versus „Scrum“ usw. ĂŒbertragen.
(RMD) Hier hat Reinhard wohl etwas falsch verstanden. Mag sein, dass es da vor Jahren Fronten gab. Um diesen Unsinn zu beenden, starteten wir in 2011 in Dornbirn ein PM-Camp mit dem Motto „BrĂŒcken bauen“.
So habe ich auf dem PM-Camp in Dornbirn kaum Konflikte „agil“ versus „traditionell“ oder Ă€hnlich wahrgenommen. Im Gegenteil, alle die ich gehört habe – auch die Impulsgeber – haben betont, dass alles seine Rechtfertigung hat, man sich nur gut ĂŒberlegen muss, was man wann und fĂŒr welchen Zweck einsetzt.
Ich meine eh, dass zu „agil“ alles was wichtig ist im „agile manifesto“ geschrieben wurde. Das, was dort steht, ist eine Empfehlung, den „gesunden Menschenverstand“ in „Redlichkeit“ zu nutzen. Und das ist doch keine Methode? Sondern eigentlich eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Genauso wie, dass man in Projekten viel falsch machen kann.

(RW) Ein Vortrag sprach sich gegen alle Regeln und „Muster“ aus und propagiert ein paar Folien weiter, dass man ja keine Projekte machen solle (#noprojects).
(RMD) Wenn hier der Impuls von Robert WeisgrĂ€ber gemeint war, so war das einer der besten VortrĂ€ge, die ich seit langem gehört habe. Auch die RĂŒckmelde-Statistik belegt dies. Aber vielleicht ist die Metapher von #noprojects nicht ganz so einfach zu verstehen. Dass man keine Projekte machen soll, habe ich so aber nicht raus gehört. Viel mehr, dass man sich gut ĂŒberlegen soll, was man tut.

(RW) In einem Workshop zur „Lebendigkeit von Organisationen“ wird versucht, die Wirkmechanismen einer solchen Organisation aufzuzeigen. Auf meine Frage, ob wir das mal am Beispiel der – leider sehr erfolgreichen – Organisation des Islamischen Staates aufzeigen können wird dies brĂŒsk abgelehnt mit dem (Totschlags-)Argument, das passe jetzt gar nicht hier rein.
(RMD) 
NatĂŒrlich können Aussagen in Sitzungen nicht immer allen Teilnehmern gefallen. Das hat etwas mit Demokratie zu tun. Ich halte es aber auch fĂŒr nicht zielfĂŒhrend, die IS als sinnvolles Fallbeispiel zu diskutieren. Nicht nur, weil das mir die IS eine kriminelle faschistische Organisation zu sein scheint (Auch das dritte Reich war faschistisch. Und trotzdem hat der „GröFaZ“ mit agiler KriegsfĂŒhrung der etablierten Generalissima das FĂŒrchten beigebracht).
Aber natĂŒrlich hĂ€tte Reinhard Wagner eine eigene Session zu IS machen können oder vielleicht prĂ€ziser formuliert zum Thema „Moderner Guerillakrieg von faschistoiden Organisationen als erfolgreiche Methode im Kampf gegen militĂ€r-technisch ĂŒberlegene Armeen“. Die hĂ€tte ich allerdings nicht besucht (oder wenn, dann nur um mein UnverstĂ€ndnis auszusprechen).

(RW) Schließlich versuchte ein Teilnehmer, das Cynefin-Framework zu diskutieren. Diese endete dann mit der Einteilung, dass alle Ingenieure und Betriebswirtschaftler auf der rechten Seite zu verorten seien (simple oder komplizierte Systeme), wohingegen die Software-Entwickler die kreativen Wilden, also auf der linken Seite des Frameworks zu finden sind. Das bringt natĂŒrlich keinen wirklich weiter.
(RMD) 
Auch hier geht es um den Inhalt einer Session. Das hat nichts mit dem PM-Camp Dornbirn zu tun. Ich sehe es persönlich aber Ă€hnlich wie Reinhard Wagner und halte die ganze Diskussionen zu kompliziert/komplex, links/rechts, blau/rot mehr oder wenig fĂŒr esoterischen Humbug. Wobei man aus falschen Annahmen und falschen SchlĂŒssen durchaus richtiges ableiten kann …

(RW) Statt Muster zu brechen, werden alte Klischees in ein neues Gewand gepackt.
(RMD) 
Den Satz verstehe ich nicht. Aber das pauschal vom PM-Camp Dornbirn zu behaupten empfinde ich schon als starken Tobak. Mir klingt diese irgendwie nach Kulturpessimismus. Ich gestehe aber zu, dass unsere Gesellschaft daran leidet, dass wir immer wieder die alten Muster bemĂŒhen. Und Phantasie und KreativitĂ€t eher verdrĂ€ngen. Vielleicht fĂŒhren hier Reinhard und ich dieselbe Klage.

(RW) Schließlich stellt sich mir die Frage, was die PM Camps mit ihrem Anspruch in der Praxis erreichen wollen.
(RMD) 
Nochmal: PM-Camps bieten einen Rahmen, der es den Menschen ermöglichen soll, sich zu treffen, im Vertrauen zu kommunizieren, Wissen zu teilen, Erkenntnis im redlichen Diskurs zu gewinnen. Es gibt keinen Zweck-Anspruch von Seite der Organisatoren des Camps. Wenn dann geht es darum, dass die Menschen, die kommen, sich gegenseitig grĂ¶ĂŸer machen – und eben nicht kleiner wie in vielen Lehrsystemen. Ich gehe aber davon aus, dass „Wissen teilen“ und vom „GegenĂŒber“ zu lernen fĂŒr die Praxis meistens wertvoller sind als der Erwerb von Zertifikaten oder schlimmer die „Zertifizierung der Welt“.

(RW) Auf meinen Workshop-Impuls zu „Projektmanagement fĂŒr soziale Zwecke“ gab es zwar viel Diskussion und begeisterte RedebeitrĂ€ge, …
(RMD) Frage: „Was ist ein begeisterter Redebeitrag?“! 🙂

(RW) … auf meine Frage, wer nun was konkret machen will, waren alle ziemlich schnell (zum Mittagessen) verschwunden.
(RMD) 
Ist doch sinnvoll. Dazu hĂ€tte man ja den zweiten Tag fĂŒr konkrete Sessions dazu nutzen können._

(RW) Zugegeben, es ist auch bei der GPM ziemlich schwer, die Mitglieder zur Umsetzung des Besprochenen zu bewegen.
(RMD) 
Ich wĂŒsste nicht, warum es bei der GPM einfacher sein sollte als im tĂ€glichen Leben.

(RW) Hier erweist sich allerdings, ob es bei „Sonntagsreden“ bleibt, oder den „schönen Worten“ auch konkrete Taten folgen.
(RMD) Schon Seneca hat gesagt „Philosophie heißt nicht Reden sondern handeln“. Und das wir alle viel reden und nichts tuen sehen wir ja nicht nur bei der VerĂ€nderung des Klimas durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Aber auch hier entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit Reinhard.

(RW) Das wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, aber vielleicht bleibt das auch nur ein frommer Wunsch zu Weihnachten 🙂
(RMD) Mein (weiß nicht ob frommer) Wunsch nicht nur zu Weihnachten ist, dass die Menschheit ein wenig weiser werden wĂŒrde.


Auch wenn ich viel Gegenrede halte, möchte ich mich bei Reinhard explizit fĂŒr seinen Artikel bedanken. Vielleicht ist das ein Beginn fĂŒr eine leidenschaftliche und wunderbare Diskussion zur Frage:
Wie viel VerbÀnde und Vereine brauchen wir wirklich?
Weil mir da eine ganze Reihe fĂŒr ĂŒberflĂŒssig erscheinen und ich mir mehr von Graswurzelbewegungen erwarte.

RMD

P.S.
Die Überschrift dieses Posts ist nicht von mir, sondern vom post vom Reinhard ĂŒbernommen.

Jetzt bin ich wieder zu Hause aus Dornbirn und im Wochenende angekommen. Es war eine starke Woche. Zuerst zwei NĂ€chte in NĂŒrnberg mit einem langen Tag auf der #DOAG2015 und dann Donnerstag bis Samstag ein ganz starkes PM-Camp in Dornbirn #PMCampDOR. Die beiden Hashtags verlinken ĂŒbrigens auf die Tweets zu den beiden Veranstaltungen, es lohnt sich das anzusehen.

Auf der DOAG 2015 durfte ich ja letzten Mitwoch wieder einen Vortrag halten:

„Kreativer Raum – gesunder Raum!“

Hier das Bild vom Christian und meine Kurz-Skizze zum Vortrag.

"created by Christian Botta"

„created by Christian Botta“

Heute: Arbeitssituation in Unternehmen scheint oft unerfreulich, es gibt (viele) Mitarbeiter, die innerlich gekĂŒndigt haben, Gehalt wird nur noch als Schmerzensgeld empfunden. Aber zum „Love it, change it or leave ist“ reichen Mut und Kraft halt nicht mehr.

Sinnlose Besprechungen, GefĂŒhl der Machtlosigkeit, Burnout sind das Ergebnis. Dagegen will man etwas tun, siehe auch BGM (Betriebsgesundheitsmanagement).

So ist Wandel ist allerorten, Konferenzen werden von Unkonferenzen abgelöst, ich gehe lieber auf Barcamps…

Und ich prÀsentiere hier die Geschichte meines Vortrages. Eine Kurzfassung musste eingereicht werden. Dann die PrÀsentationsunterlagen. Auch Folien sollte ich einreichen. Hatte aber kein. Weil ich immer frei spreche.

Der Christian Botta von VisualBraindump hat von meinem Vortrag ein Bildprotokoll gemacht. Danke!

Heute hĂ€tte ich den Vortrag vielleicht „KomplexitĂ€t, Innovation und Burnout in Unternehmen“ benannt. WĂ€re ein schönerer Titel gewesen als der in den Unterlagen. Oder auch „Über das artgerechte Halten von Menschen“. Weil es im Prinzip um das selbe ging wie beim „key speaker“ Gunter Dueck.

Los ging es mit den EindrĂŒcken fĂŒr den Vortrag zu Anfang des Jahres. Da hat Dietmar Neugebauer (PrĂ€sident der DOAG) hat mich angefragt, ob ich im November wieder einen Vortrag halten auf seiner Konferenz halten wĂŒrden. Das habe ich gerne gemacht. Dann kamen die DenkanstĂ¶ĂŸe. Das eine war OpenInnovation bei der InterFace AG gemeinsam mit FAU NĂŒrnberg, Lehrstuhl Prof. Möslein. Bei der Abschlussveranstaltung des Projektes ein Vortrag von Dora zu „kreativen RĂ€umen. Anschließend konnte ich mir ein gutes Bild machen, wie RĂ€ume (und Organisationen) „aussehen“ mĂŒssen, die Innovation möglich machen – physisch wie virtuell. Sie haben wohl etwas mit Partizipation, Respekt, Augenhöhe, Kultur, Muster brechen, Freude und GlĂŒck zu tun.

Ein paar Wochen hatte ich ein Interview mit Dr. Marius Poersch. Marius ist als Psychologe leitender Arzt in einer Klinik, die auch  viele Burnout-FĂ€lle versorgt. Er möchte nicht nur „Reparaturbetrieb“ sein, sondern erforscht auch, was Menschen und Organisationen machen können, damit burn-outs minimiert werden können. Nach seinem Vortrag konnte ich mir gut vorstellen, wie so ein „burnout-freier“ Raum aussehen mĂŒsste.

VerblĂŒffend, aber eigentlich logisch ist das Ergebnis: Die RĂ€ume sind genau die selben. Der von Dora beschriebene „Raum“, der Innovation ermöglicht, ist genau derselbe wie der von Marius, der uns gesund erhĂ€lt.

Was sind jetzt aber die Ursachen fĂŒr den Frust, den wir erleben? Wir vermuten, es ist die KomplexitĂ€t, die uns Angst macht und die in der Folge entstehende BĂŒrocracy unserer Gesellschaft, die versucht eine fragwĂŒrdige Sicherheit zu geben?

Einschub:
Als Beispiel fĂŒr eigenen Frust als Unternehmer (Weil bei Oracle und in NĂŒrnberg) die Geschichte von DocuMaker und der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Misserfolg durch unsinnige Regeln, der Oracle-Middleware-Produkt-Manager kennt das Produkt nicht, Vorhersage zu Oracles Zukunft nach Larry Ellision … Viel Frust, viel Verlust fĂŒr alle. Gott sei dank fĂŒr uns nicht Distress, weil der Gewinn Oystress gewesen wĂ€re.

Annahme: Eine komplexe Welt im schnellen Wandel macht uns Schwierigkeiten. Dazu kommen die Prozesse, Regeln, Protokolle, Prozesse, die die KomplexitÀt bewÀltigen sollen aber vor allem uns das Leben schwer machen.

Einschub:
Bericht vom PM-Camp Berlin (Komplex versus Kompliziert)

Da wurde auch viel abstrakt diskutiert ĂŒber den Unterschied zwischen komplex und kompliziert. Nach Niels Pflaeging ist es ganz einfach: Solange es nur kompliziert ist, können uns die klassischen Methoden des Projekt Management und Lösens von Problemen helfen. Aber nicht mehr, wenn es komplex wird.

Ich meine, dass es so einfach nicht ist. Habe eine Session mit Maik Pfingsten (Blogger, PoD-Cast) gehalten und mich an der Definition von Maik fĂŒr KomplexitĂ€t erfreut (aus Sicht des Systemingenieurs)

x – Achse: Grad an Kompliziertheit
y – Achse: Tempo der VerĂ€nderung

Je mehr von beidem, desto „komplexer“.

Ich habe das erweitert um die
z-Achse: Maß in dem es im Projekt menschelt.

Also: Je komplizierter, dynamischer und je mehr es menschelt, desto komplexer …

Aber:
Seneca: Philosophie heißt nicht reden sondern handeln.

Also:
Was können wir tun? Wenn es sehr kompliziert wird, wenn die Dinge sich immer schneller Àndern und es immer stÀrker menschelt?

Hier gibt es keine Kochrezepte oder Best Practice, auch keine Methoden und Techniken, nur ein paar Dinge zum Nachdenken.

Ingenieure, Software-MĂ€nner, Techniker
Euch verweise ich auf das: Agile Manifesto (2001)

Unternehmer, Manager, FĂŒhrungskraft
Hans Ulrich – 8 Thesen zum Wandel im Management (1982)

Einschub:
Hans Ulrich

Hier stichwortartig die „8 Thesen zum Wandel im Management“ von Hans Ulrich mit ebensolchen Anmerkungen:

  1. Ungewissheit und Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Zukunft ist halt nicht vorsehbar 

  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen „Das geht doch nicht“ oder “Das haben wir immer schon so gemacht” sein. Die Freiheit der Gedanken nicht unterdrĂŒcken. Wissen teilen.
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete GĂŒterabwĂ€gung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell fĂŒr die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, SubsidiaritÀt
  6. Managen als Sinn gebende und Sinn vermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild.
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale 


Als Mensch:
John Izzo – 5 Dinge, die Sie vor Ihrem Tode berĂŒcksichtigen sollten

Hier empfehle ich die LektĂŒre der Rezension des gleichnamigen Buches.

Oder auch die Erfahrungen der Bonnie Ware:

Hier ihre 5 gelernten Dinge aus der Betreuung von Sterbenden:

  1. „Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“
  2. „Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte nicht so viel gearbeitet“

  3. „Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte den Mut gehabt, meine GefĂŒhle auszudrĂŒcken“

  4. „Ich wĂŒnschte mir, ich hĂ€tte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

  5. „Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte mir erlaubt, glĂŒcklicher zu sein“

Das sind die 5 Einsichten, die Bonnie Ware bei der Begleitung von Sterbenden gesammelt hat. Ich meine, da kann man doch auch einiges Lernen fĂŒrs Leben lernen …

Das hilft alles aber nichts, wenn Sie nicht bereit sind, zu leben. Da fehlt noch etwas.

Einschub:
Ein MentĂ©e von mir arbeitet bei Osram: Da kriselt es eh. Ein ziemlich unsinnig anmutender Umzug vom 60igerStadion nach Garching kommt dazu. Mein MentĂ©e lebt in Unterhaching, sein Arbeitsweg vervierfacht sich. Er spĂŒrt seine schlechte Laune.
Er kommt schlecht gelaunt zu Arbeit und schlecht gelaunt nach Hause. Dialog: Wie geht es Deinem Chef? – Der ist gut gelaunt! – Was macht er anders als Du? – Der radelt jeden Morgen von Trudering nach Garching! – Radel doch auch! – Geht nicht! – Geht nicht gibts nicht!
Dann hat er sich ein e-Bike gekauft und ist auch jeden Tag geradelt. Und seitdem kommt er gut gelaunt im BĂŒro und wieder zu Hause an. Und fĂŒhlt sich wieder soviel besser …

Vereinfacht:

Unser Körper braucht Bewegung und frische Luft. Und Zeit in der Natur. Und das kann man ganz einfach haben – nĂ€mlich mit aktiver MobilitĂ€t im Alltag. Siehe auch AktMobCmp.

Auch Seneca hat gelehrt:
Lebe im Einklang mit der Natur.
(Seneca war ein Lehrer, der seine SchĂŒler erfolgreich und glĂŒcklich machen wollte. Leider war das nie das priore Ziel meiner Lehrer).

Wer will sein Leben in den Griff kriegen, wenn er es nicht mal schafft, seine eigene MobilitĂ€t in den Griff zu kriegen? Und Autofahren bringt eben nicht Freiheit noch ist es eine ErfĂŒllung unseres Lebens …. (Auch wenn es uns in einem gigantischen Brainwash von einer scheinbar ĂŒbermĂ€chtigen Industrie so eingeredet wird).

Also: Wir brauchen wir eine regelmĂ€ĂŸige und schöne Bewegung!

Aber nicht so, wie ich es nach einem Kinobesuch im Eldorada in der Sonnenstraße erlebt habe. Mit TrĂ€nen in den Augen kam ich aus dem wunderschönen Film „Die Kinder der Mme Ann“. Und stellt Euch mal vor, gegenĂŒber im 1. Stock ist ein Fitness-Studio. Mit großen Scheiben … Und man sieht dort hell erleuchtet wie im Schaufenster Menschen, die da ihr „work out“. Nach dem Motto Work Hard, Play Hard, WORK OUT …

FĂŒr mich ist das eine grauenhafte Vorstellung. Fitness geplant wie das ganze Leben. Also, auf zum Leben Ă€ndern! Und es geht. Denn wie Seneca sagt:

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer.

RMD

P.S.:
Im Vortrag habe ich noch zwei EinschĂŒbe gebracht – ĂŒber den Terrorismus und ĂŒber die FlĂŒchtlingssituation. Und kurz mögliche Ursachen fĂŒr beides erwĂ€hnt, aber vor allem beschrieben, warum ich mit unserer Reaktion auf und unserem Umgang mit beiden Problemen so gar nicht zufrieden bin. Meine Gedanken diesbezĂŒglich werde ich aber in zwei eigenen Artikeln in der nĂ€chsten Zeit ablegen.

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Kommunikaze

Hier wird ja viel berichtet von Projektarbeit und -management. Dazu meine ideologisch eingefĂ€rbte Sicht der Dinge, zusammengefaßt:

So gut wie jede Kommunikation mißlingt, und je artifizieller sie ist, desto mehr mißlingt sie. Von dieser ganzen Twitteria nehme ich ja Abstand. Denn bei meinen Kollegen sehe ich regelmĂ€ĂŸig, wohin das fĂŒhrt: Die „HĂ€ndis“ geben permanent irgendwelche abstrusen Laute von sich und die GesprĂ€chspartner sind abgelenkt. Die meisten lesen ja doch und beantworten dann dreisterweise auch noch ihre „Post“.

Die Mailerei geht mir zunehmend auf die Nerven, fĂŒnf bis zehn Mailwechsel pro einfachem Vorgang sind gar nichts.

Also telephoniere ich lieber, weil erstens im stetigen Wechsel Rede – Gegenrede IrrtĂŒmer frĂŒhzeitig erkannt werden können und zweitens der Subtext wesentlich besser erfaßt werden kann.

Aber auch fĂŒr das Telephonieren sind wir eigentlich nicht geschaffen. Menschen mĂŒssen einander sehen. Und nun sage mir keiner, „macht eine Videokonferenz“.

Gerade, wenn ich in Projekten arbeite, stelle ich fest, daß die persönliche Anwesenheit durch nichts zu ersetzen ist. Das fĂ€ngt damit an, daß der Besuchte Zeit einrĂ€umt und der Besucher sich spĂ€testens auf der Hinfahrt vorbereitet. Im Termin kann man, ganz multimedial, an die Tafel gehen und ZusammenhĂ€nge skizzieren. Und, quasi hypermedial, Sachen auch gleich ausprobieren. Aber das ist nur eine Seite der MĂŒnze: Im GesprĂ€ch erfahre ich ĂŒber neue Vorhaben eines Kunden oder erhalte RĂŒckmeldungen bezĂŒglich des letzten Projektes.

Persönliche Kommunikation sorgt dafĂŒr, daß die Zusammenarbeit besser funktioniert. Kommunikation ist daher fĂŒr mich auch MobilitĂ€t.

Und hinsichtlich MobilitĂ€t muß ich vor Roland warnen: Wenn jener stets erzĂ€hlt, wie schön entspannend doch Radfahren sei — lasset alle Hoffnung fahren. Meine Frau und ich bringen pro Jahr ĂŒber 10.000 Km unter die RĂ€der und dĂŒrfen uns als nicht gerade ungeĂŒbte Radfahrer bezeichnen. Wir fahren auch sehr gut angepaßte, moderne und effiziente FahrrĂ€der.

Und als Roland vor fĂŒnf Jahren hier im Blog eine „kleine, entspannende, erfrischende Tour“ lobpries, haben wir uns erlaubt, die Strecke einmal nachzufahren. Fix und fertig waren wir hinterher. Nein, Roland, so viel steht fest: „Mal eben einen Kunden mit dem Rad besuchen“, das kann man getrost vergessen. Es sei denn, man will sich so richtig beliebt machen.

Eine der großen Entlastungen fĂŒr Admins und Programmierer sind die mittlerweile sehr handlichen DatentrĂ€ger. Wenn ich mich an frĂŒher erinnere: Da fuhr ich kofferraumweise BĂ€nder, Listings, PeripheriegerĂ€te und Werkzeuge durch die Landschaft. Heute besorgt man sich vor Ort alles per Internet oder hat seine Daten auf einem winzigen Flash-DatentrĂ€ger.

Warum also nicht, mit leichtem GepĂ€ck, „hybrid“ reisen? Damit meine ich, den Löwenanteil mit der Bahn und den Rest mit dem (Falt-)rad.

Das kann die tĂ€gliche Fahrt zur Arbeit sein, aber auch GeschĂ€ftsreisen ĂŒber mehrere Tage sind möglich und machen viel VergnĂŒgen: Denn am Zielort hat man den Vorteil, mit einem Fahrrad mobil zu sein.

Die Fahrt im Zug kann man sinnvoll mit Musikhören, Lesen oder Stift und Papier nutzen – oder sinnlos mit Telephonieren oder Smartphonebedaddeln totschlagen. Eine Reise ist fĂŒr mich eine Reise, die ich als „Auszeit“ sehe und durchaus dem Kunden widme, den ich besuche. Was nur fair ist, der zahlt ja schließlich die Anreisezeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Kunden es mittlerweile akzeptieren, wenn man mit dem Fahrrad erscheint – obwohl sich das nicht gerade beim Erstkontakt anbietet.

Damit solche „hybriden“ Möglichkeiten hĂ€ufiger genutzt werden können, mĂŒssen VerĂ€nderungen stattfinden, insbesondere im Nah- und Fernverkehr der DB. Eines geht ja schon ‚mal gar nicht: In der MĂŒnchner S-Bahn sind riesige Panorama-Kinderwagen stets kostenfrei willkommen, aber mit dem Rad darf man zu Berufsverkehrszeiten nicht einmal hinein. Hartmut Mehdorn hat ja die Forderung nach Fahrradmitnahme im Fernverkehr konsequent torpediert, viele Strecken werden nicht mehr bedient.

Es ist also etwas zu tun:

Kreativer Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist erforderlich. Und obwohl mir „Barcamps“ so gar nicht liegen, möchte ich auch nochmal Werbung machen fĂŒr das
actmobcmp_100-300x86 
Momentane Lieblingsprojekt von Roland
,

im Rahmen dessen man vielleicht etwas erreichen kann. Den einen oder anderen Beitrag, wie man MVV, OrdnungshĂŒter und die deutsche Bahn ausbremst, könnte ich auch liefern.

Das mache ich nicht, weil ich an unsere Umwelt denke. Ich mache das, weil es UnabhÀngigkeit und Lebensfreude bringt. Und ich mache es, damit Horrortrips wie diese die absolute Ausnahme bleiben.

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hb

Roland DĂŒrre
Donnerstag, der 15. Oktober 2015

Mein letzter Tweet fĂŒr heute – Reklame fĂŒr PMCampDor 2015

aus wird

aus wird

wir sehen uns beim

als Werbetexter 🙂

🙂 geil gell?

Kommt zum #PMCampDOR

RMD

Das war erst viel spÀter und da war es schon vorbei. Das erste Projekt war noch in Koppstr. (Nahe Hofmannstr.)

Das gab es erst viel spĂ€ter – da war es schon aus und vorbei. Mein erstes Projekt war in der Koppstr. (Hofmannstr.)

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die fĂŒr mich sehr wichtig waren. Und hier angekĂŒndigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

Jetzt beginne ich mal mit dem ersten kleinen Projekt:

Projekt 1

Das erste Projekt meines Lebens war nur ein ganz kleines. Es sollte 6 Wochen dauern, es war mein erster beruflicher Einsatz in der Datenverarbeitung.

Ich war damals Student der Informatik im zweiten Anlauf. Das erste Mal bin ich 1969 an der Technischen Hochschule MĂŒnchen (THM) gestartet mit Mathematik und Informatik als Nebenfach. Die einzigen Alternativen fĂŒrs Nebenfach waren Physik – das mochte ich nicht und BWL. Da war ich allerdings skeptisch, hatte ich doch am „Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ Jacob Fugger zu Augsburg Abitur gemacht.

BuchfĂŒhrung war da Abiturfach, und das konnte ich sehr gut. WĂ€hrend mir das Wissen, das mir in BWL/VWL vermittelt wurde, doch sehr hinterfragbar vorkam – wie ĂŒbrigens heute noch mehr. Also blieb nur Informatik – und das klang ja 1969 richtig spannend. Professor F.L. Bauer gelang es dann im Herbst 1969 mir noch mehr Appetit darauf zu machen.

Aber dann zwangen mich am 1. April 1970 finstere SchicksalsmÀchte und eine Mischung von Pech und Ungeschick zur Bundeswehr. Das war kein Aprilscherz und so musste ich 18 Monate als Wehrpflichtiger auch in sehr hinterfragbaren Umgebungen verbringen.

Und wie ich dann Ende September 1971 wieder frei war, fing ich halt wieder von vorne an, wieder im ersten Semester, wieder mit derselben Fachkombination und wieder an selben Hochschule, die aber plötzlich TUM (Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen) hieß.

Aber außer dem Namen war nichts anders. Und ich wusste schon fast alles, weil ich 1969 noch ein fleißiger Student gewesen war und alles schon mal gehört und brav gelernt hatte. So ging es mir gut und die Olympiade 1972 kam ins Land. Da hatte ich neben dem Studium einen tollen Job mit guter Bezahlung bei der Eisenbahn (damals noch der Deutschen Bundesbahn) als Kundenberater fĂŒr die GĂ€ste aus der ganzen Welt. Und irgendwie gehörte mir die ganze Welt 


1974 schaffte ich das Vordiplom und brauchte wieder ein wenig mehr Geld als ich als Tutor an der TUM (Lineare Algebra I und II und ein Programmier-Praktikum waren meine Themen) verdienen konnte (fĂŒrs Bafög hat es bei mir ganz knapp nicht gelangt und meine Eltern – auch bei der Eisenbahn – waren der Meinung, ich könnte ja auch in Augsburg bei der Familie in meinem Zimmer wohnen bleiben und so wie mein Vater nach MĂŒnchen pendeln). Das wollte ich aber nicht. Also suchte ich einen Ferien-Job – und natĂŒrlich war das Ziel bei einem fĂŒhrenden High-Tech- und Computer-Unternehmen.

Das war Siemens damals! Es ist aus heutiger Sicht kaum fassbar, welches wahnsinnige Know-How auf unheimlich vielen Feldern in diesem Unternehmen vorhanden war. Und sie nahmen mich bei Siemens und so war ich ab Sommer 1974 dann zuerst fĂŒr 6 Wochen und dann fĂŒr das restliche Studium mitten drin in der echten High-Tech-Welt. Mit Rechnern, Betriebssystemen und Programmiersprachen aller Art in direktem Zugriff – und das in vollem Überfluss, ganz anders als z.B. in der sogenannten TUM.

Und schon am ersten Tag bei Siemens bekam ich mein erstes Projekt! Mein (Ober-)Chef, unser Abteilungsleiter hieß Bieck. Er war ein Hardware-Mann und wurde ein paar Jahre spĂ€ter der Entwicklungs-Chef bei einem der damals aufstrebenden deutschen Computer-Hersteller, der Firma Kienzle.

Kienzle war nur einer der kleinen Konkurrenten von Siemens – aber es war schon sehr bemerkenswert, was solche Unternehmen – wie auch das viel grĂ¶ĂŸere Nixdorf oder viele kleinere damals so alles auf die Beine stellten.

Ich hatte in meiner 6 Wochen Werkstudentenzeit die totale Freiheit – versehen aber mit einen konkreten Auftrag. Und mir wurde signalisiert, dass meine Aufgabe wahrscheinlich gar nicht lösbar sein werde. Aber dass es schon schön wĂ€re, wenn ich es irgendwie schaffen wĂŒrde. Das war durchaus so, wie es in den letzten Jahren mir von Google berichtet wurde: Man stellt sich unerreichbare Ziele, es gibt aber eine schöne Toleranz fĂŒrs Scheitern und so freut man sich so richtig, wenn man das unmöglich scheinende dann doch schafft.

Die Aufgabe war ganz einfach zu formulieren:
Die Abteilung wollte möglichst große Mersenne-Primzahlen haben. FĂŒr einen Hardware-Prototypen.

FĂŒr Nicht-Mathematiker:
Eine Zahl heißt dann Mersenne-Primzahl, wenn sie eine Primzahl ist, die sich als eine Zweierpotenz minus 1 ergibt. Also wenn (2 power n) – 1 oder (2 power m) – 1, eine Primzahl ist. So wĂŒrde ich es mal aus der freien Hand definieren.

Ja – und da wollte mein Chef möglichst hohe „n“s und „m“s haben. Wie ich das machen wĂŒrde, war ihm gleich.

Zum Hintergrund:
Bei Siemens war damals viele Menschen so richtig in „Forschung und Entwicklung“ Das war wirklich toll. Aber das war kein losgelöstes akademisches F&E. Nein, die Anstrengungen dienten fast immer ganz konkreten Anwendungen und Projekten. Es war einfach geil.

Praktische F&E braucht theoretisches Wissen. Das holte sich die Wirtschaft von den UniversitĂ€ten (frĂŒher gab es da noch etwas zu holen). Und da hat die Siemens AG natĂŒrlich auch ĂŒber die Grenzen geschaut – besonders gerne ĂŒber die innerdeutsche. Denn die DDR-Unis waren so schlecht nicht.

So lag auf meinem Schreibtisch eine wissenschaftliche Arbeit – ich meine sie war aus Leipzig – in der theoretisch bewiesen wurde, dass es möglich wĂ€re, einen Zufallsgenerator aus einer Ringschaltung mit n binĂ€ren Schaltern zu bauen. Und wenn man den  Aufbau an der richtigen Stelle „kurzschließen“ wĂŒrde, dann wĂŒrde das System eine maximale Perioden von Zufallszahlen liefern. Und zwar genau dann, wenn die Anzahl der verwendeten Schalter n eine Mersenne-Primzahl wĂ€re. Und wenn der „Kurzschluss“ mach dem m-ten Schalter geschaltet wĂŒrde – und dies m eine Mersenne-Primzahl wĂ€re.

(ich bitte meine laienhafte Beschreibung zu entschuldigen, aber in der Hardware war ich nie sehr kundig).

Diese Arbeit habe ich nie verstanden, auch wĂ€ren die 6 Wochen wĂ€ren wohl viel zu kurz gewesen, um sie zu verstehen. Aber das war ja fĂŒr meinen Job auch völlig unwichtig. Man wollte ja nur möglich große Primzahlen der Art 2 power n -1 von mir. Sogar die Primzahlen waren unwichtig, wichtig war nur das m und n.

FĂŒr meine Freunde aus der Software:
Anfangs der 70iger Jahre war es völlig utopisch, so etwas wie einen Zufalls-Generator in Software zu bauen. Die Teile sollten ja ziemlich schnell die Bitmuster erzeugen, immerhin waren sie fĂŒr den Test von Maxi-Flachbaugruppen fĂŒr Großrechner vorgesehen, und das waren fĂŒr die damalige Zeit ganz schön schnelle Teile.

Herrn Bieck war es auch völlig gleichgĂŒltig, wie ich die Aufgabe lösen wĂŒrde – sprich ob ich etwas zur Berechnung programmieren wĂŒrde oder ob ich irgendwo auf der Welt die gesuchten großen Mersenne-Primzahlen finden wĂŒrde. Ich hatte alle Möglichkeiten.

So trieb ich mich gleich an den nĂ€chsten Tagen nach Auftragserteilung in diversen Bibliotheken (Siemens, StaBi, Unis) herum (man erinnere sich, dass es damals noch kein Internet gab). Und ich habe schnell gemerkt, dass die Suche nach großen Mersenne-Primzahlen auf diesem Wege aussichtslos war, selber wenn irgend jemand auf der Welt diese schon berechnet hĂ€tte.

Also habe ich mich zu einer schnellen Entscheidung gezwungen. Ich vergesse die Welt um mich herum und versuche es allein – und programmiere mal los. Ich hatte ja nur noch ein bisschen mehr als 5 Wochen.

Das war das erste, was ich in meinem Leben zu „Projekt Management“ gelernt habe:
FĂ€lle rasch eine Entscheidung, besonders wenn es wirklich schwer ist und Du eigentlich nicht weiter weißt.

Dann habe ich versucht, konventionell zu programmieren. Im Dezimal-System gedacht, mit integer und in arithmetischen Rechensystemen gewĂŒhlt. Und nach zwei Wochen gemerkt, dass ich so niemals ans Ziel kommen wĂŒrde.

Und das war das zweite, was ich fĂŒr Projekte und fĂŒrs Leben gelernt habe:
Du musst neue Wege gehen, wenn Du nicht weiter weißt! Verabschiede Dich dann von den alten Gedankenwelten und Mustern, aber das ganz schnell!

Ich beschloss also mich ab sofort nicht mehr um die großen Zahlen zu kĂŒmmern, sondern eine Zahl nur noch als Feld von Bits zu sehen. Und plötzlich schrumpften die ganz großen Zahlen ganz klein – zum Beispiel wurde aus 2hoch256 nur noch ein 32 Byte langes binĂ€res Feld. Und mit 32 langen Bit-Feldern (oder auch grĂ¶ĂŸeren) kann man ganz elegant „rechnen“, denn man muss nur noch „shiften“. Und schon hatten die großen Zahlen ihren Schrecken verloren 


Die Geschichte erzĂ€hle ich aus zwei GrĂŒnden.

Zum ersten, weil ich da ganz bewusst plötzlich verstanden habe, dass neben dem schnellen und mutigen Entscheiden das Verlassen alter Denkmuster notwendig ist, wenn man etwas besonderes voll bringen will. Und habe dann oft darunter und dem typischen „Aber das war doch immer schon so ..:“ gelitten, das so oft im Wege stand.

Und weil ich als Zeitzeuge bestĂ€tigen kann, dass Siemens vor gut 40 Jahren oft so gearbeitet hat, wie man es heute Google unterstellt. Und dass in dieser Zeit wirklich großartiges geleistet wurde und es so weltweit eigentlich nur wenig Konkurrenz gab, wie vielleicht IBM und Xerox oder Hitachi. Alles andere war erst am entstehen.

DemnĂ€chst wird meine nĂ€chste Geschichte aus Berlin vom #PMCampBER zum Vintage Projekt Management hier erscheinen. Da war ich dann schon fest angestellt – bei Siemens im Labor. Das war Ende der Siebziger. Ich werde dann schildern, wie Siemens alles, aber wirklich alles getan hat, um seine damalige StĂ€rke zu zerstören.

Dies durch ein Abschwören von seinen alten Tugenden und durch EinfĂŒhrung von Arbeitsteilung (Taylorismus) im kreativen Bereich wie Produktplanung (Requirement Management), QualitĂ€tsmanagement, spezialisierte DV/IT-Lehrer in seinen D-Schulen, Manual-Redakteure und manchen mehr solcher Rollen.

Und vor allem immer vor Entscheidungen nur noch Fragen wie „Was bringt uns das?“ und „Wo ist dabei unser Vorteil“ gestellt wurden und nicht mehr die zentrale Frage „Warum machen wir das ĂŒberhaupt?“ wie frĂŒher.

🙂 Projekt Manager gab es zurzeit meines ersten Projektes noch keine – der erste Projekt Manager taucht so erst in der von mir erlebten Welt dann erst in meiner dritten Projekt Management – Vintage – Geschichte auf. Das war dann Anfang der Achtziger Jahre.

RMD