Das war erst viel später und da war es schon vorbei. Das erste Projekt war noch in Koppstr. (Nahe Hofmannstr.)

Das gab es erst viel später – da war es schon aus und vorbei. Mein erstes Projekt war in der Koppstr. (Hofmannstr.)

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

Jetzt beginne ich mal mit dem ersten kleinen Projekt:

Projekt 1

Das erste Projekt meines Lebens war nur ein ganz kleines. Es sollte 6 Wochen dauern, es war mein erster beruflicher Einsatz in der Datenverarbeitung.

Ich war damals Student der Informatik im zweiten Anlauf. Das erste Mal bin ich 1969 an der Technischen Hochschule München (THM) gestartet mit Mathematik und Informatik als Nebenfach. Die einzigen Alternativen fürs Nebenfach waren Physik – das mochte ich nicht und BWL. Da war ich allerdings skeptisch, hatte ich doch am „Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ Jacob Fugger zu Augsburg Abitur gemacht.

Buchführung war da Abiturfach, und das konnte ich sehr gut. Während mir das Wissen, das mir in BWL/VWL vermittelt wurde, doch sehr hinterfragbar vorkam – wie übrigens heute noch mehr. Also blieb nur Informatik – und das klang ja 1969 richtig spannend. Professor F.L. Bauer gelang es dann im Herbst 1969 mir noch mehr Appetit darauf zu machen.

Aber dann zwangen mich am 1. April 1970 finstere Schicksalsmächte und eine Mischung von Pech und Ungeschick zur Bundeswehr. Das war kein Aprilscherz und so musste ich 18 Monate als Wehrpflichtiger auch in sehr hinterfragbaren Umgebungen verbringen.

Und wie ich dann Ende September 1971 wieder frei war, fing ich halt wieder von vorne an, wieder im ersten Semester, wieder mit derselben Fachkombination und wieder an selben Hochschule, die aber plötzlich TUM (Technische Universität München) hieß.

Aber außer dem Namen war nichts anders. Und ich wusste schon fast alles, weil ich 1969 noch ein fleißiger Student gewesen war und alles schon mal gehört und brav gelernt hatte. So ging es mir gut und die Olympiade 1972 kam ins Land. Da hatte ich neben dem Studium einen tollen Job mit guter Bezahlung bei der Eisenbahn (damals noch der Deutschen Bundesbahn) als Kundenberater für die Gäste aus der ganzen Welt. Und irgendwie gehörte mir die ganze Welt …

1974 schaffte ich das Vordiplom und brauchte wieder ein wenig mehr Geld als ich als Tutor an der TUM (Lineare Algebra I und II und ein Programmier-Praktikum waren meine Themen) verdienen konnte (fürs Bafög hat es bei mir ganz knapp nicht gelangt und meine Eltern – auch bei der Eisenbahn – waren der Meinung, ich könnte ja auch in Augsburg bei der Familie in meinem Zimmer wohnen bleiben und so wie mein Vater nach München pendeln). Das wollte ich aber nicht. Also suchte ich einen Ferien-Job – und natürlich war das Ziel bei einem führenden High-Tech- und Computer-Unternehmen.

Das war Siemens damals! Es ist aus heutiger Sicht kaum fassbar, welches wahnsinnige Know-How auf unheimlich vielen Feldern in diesem Unternehmen vorhanden war. Und sie nahmen mich bei Siemens und so war ich ab Sommer 1974 dann zuerst für 6 Wochen und dann für das restliche Studium mitten drin in der echten High-Tech-Welt. Mit Rechnern, Betriebssystemen und Programmiersprachen aller Art in direktem Zugriff – und das in vollem Überfluss, ganz anders als z.B. in der sogenannten TUM.

Und schon am ersten Tag bei Siemens bekam ich mein erstes Projekt! Mein (Ober-)Chef, unser Abteilungsleiter hieß Bieck. Er war ein Hardware-Mann und wurde ein paar Jahre später der Entwicklungs-Chef bei einem der damals aufstrebenden deutschen Computer-Hersteller, der Firma Kienzle.

Kienzle war nur einer der kleinen Konkurrenten von Siemens – aber es war schon sehr bemerkenswert, was solche Unternehmen – wie auch das viel größere Nixdorf oder viele kleinere damals so alles auf die Beine stellten.

Ich hatte in meiner 6 Wochen Werkstudentenzeit die totale Freiheit – versehen aber mit einen konkreten Auftrag. Und mir wurde signalisiert, dass meine Aufgabe wahrscheinlich gar nicht lösbar sein werde. Aber dass es schon schön wäre, wenn ich es irgendwie schaffen würde. Das war durchaus so, wie es in den letzten Jahren mir von Google berichtet wurde: Man stellt sich unerreichbare Ziele, es gibt aber eine schöne Toleranz fürs Scheitern und so freut man sich so richtig, wenn man das unmöglich scheinende dann doch schafft.

Die Aufgabe war ganz einfach zu formulieren:
Die Abteilung wollte möglichst große Mersenne-Primzahlen haben. Für einen Hardware-Prototypen.

Für Nicht-Mathematiker:
Eine Zahl heißt dann Mersenne-Primzahl, wenn sie eine Primzahl ist, die sich als eine Zweierpotenz minus 1 ergibt. Also wenn (2 power n) – 1 oder (2 power m) – 1, eine Primzahl ist. So würde ich es mal aus der freien Hand definieren.

Ja – und da wollte mein Chef möglichst hohe „n“s und „m“s haben. Wie ich das machen würde, war ihm gleich.

Zum Hintergrund:
Bei Siemens war damals viele Menschen so richtig in „Forschung und Entwicklung“ Das war wirklich toll. Aber das war kein losgelöstes akademisches F&E. Nein, die Anstrengungen dienten fast immer ganz konkreten Anwendungen und Projekten. Es war einfach geil.

Praktische F&E braucht theoretisches Wissen. Das holte sich die Wirtschaft von den Universitäten (früher gab es da noch etwas zu holen). Und da hat die Siemens AG natürlich auch über die Grenzen geschaut – besonders gerne über die innerdeutsche. Denn die DDR-Unis waren so schlecht nicht.

So lag auf meinem Schreibtisch eine wissenschaftliche Arbeit – ich meine sie war aus Leipzig – in der theoretisch bewiesen wurde, dass es möglich wäre, einen Zufallsgenerator aus einer Ringschaltung mit n binären Schaltern zu bauen. Und wenn man den  Aufbau an der richtigen Stelle „kurzschließen“ würde, dann würde das System eine maximale Perioden von Zufallszahlen liefern. Und zwar genau dann, wenn die Anzahl der verwendeten Schalter n eine Mersenne-Primzahl wäre. Und wenn der „Kurzschluss“ mach dem m-ten Schalter geschaltet würde – und dies m eine Mersenne-Primzahl wäre.

(ich bitte meine laienhafte Beschreibung zu entschuldigen, aber in der Hardware war ich nie sehr kundig).

Diese Arbeit habe ich nie verstanden, auch wären die 6 Wochen wären wohl viel zu kurz gewesen, um sie zu verstehen. Aber das war ja für meinen Job auch völlig unwichtig. Man wollte ja nur möglich große Primzahlen der Art 2 power n -1 von mir. Sogar die Primzahlen waren unwichtig, wichtig war nur das m und n.

Für meine Freunde aus der Software:
Anfangs der 70iger Jahre war es völlig utopisch, so etwas wie einen Zufalls-Generator in Software zu bauen. Die Teile sollten ja ziemlich schnell die Bitmuster erzeugen, immerhin waren sie für den Test von Maxi-Flachbaugruppen für Großrechner vorgesehen, und das waren für die damalige Zeit ganz schön schnelle Teile.

Herrn Bieck war es auch völlig gleichgültig, wie ich die Aufgabe lösen würde – sprich ob ich etwas zur Berechnung programmieren würde oder ob ich irgendwo auf der Welt die gesuchten großen Mersenne-Primzahlen finden würde. Ich hatte alle Möglichkeiten.

So trieb ich mich gleich an den nächsten Tagen nach Auftragserteilung in diversen Bibliotheken (Siemens, StaBi, Unis) herum (man erinnere sich, dass es damals noch kein Internet gab). Und ich habe schnell gemerkt, dass die Suche nach großen Mersenne-Primzahlen auf diesem Wege aussichtslos war, selber wenn irgend jemand auf der Welt diese schon berechnet hätte.

Also habe ich mich zu einer schnellen Entscheidung gezwungen. Ich vergesse die Welt um mich herum und versuche es allein – und programmiere mal los. Ich hatte ja nur noch ein bisschen mehr als 5 Wochen.

Das war das erste, was ich in meinem Leben zu „Projekt Management“ gelernt habe:
Fälle rasch eine Entscheidung, besonders wenn es wirklich schwer ist und Du eigentlich nicht weiter weißt.

Dann habe ich versucht, konventionell zu programmieren. Im Dezimal-System gedacht, mit integer und in arithmetischen Rechensystemen gewühlt. Und nach zwei Wochen gemerkt, dass ich so niemals ans Ziel kommen würde.

Und das war das zweite, was ich für Projekte und fürs Leben gelernt habe:
Du musst neue Wege gehen, wenn Du nicht weiter weißt! Verabschiede Dich dann von den alten Gedankenwelten und Mustern, aber das ganz schnell!

Ich beschloss also mich ab sofort nicht mehr um die großen Zahlen zu kümmern, sondern eine Zahl nur noch als Feld von Bits zu sehen. Und plötzlich schrumpften die ganz großen Zahlen ganz klein – zum Beispiel wurde aus 2hoch256 nur noch ein 32 Byte langes binäres Feld. Und mit 32 langen Bit-Feldern (oder auch größeren) kann man ganz elegant „rechnen“, denn man muss nur noch „shiften“. Und schon hatten die großen Zahlen ihren Schrecken verloren …

Die Geschichte erzähle ich aus zwei Gründen.

Zum ersten, weil ich da ganz bewusst plötzlich verstanden habe, dass neben dem schnellen und mutigen Entscheiden das Verlassen alter Denkmuster notwendig ist, wenn man etwas besonderes voll bringen will. Und habe dann oft darunter und dem typischen „Aber das war doch immer schon so ..:“ gelitten, das so oft im Wege stand.

Und weil ich als Zeitzeuge bestätigen kann, dass Siemens vor gut 40 Jahren oft so gearbeitet hat, wie man es heute Google unterstellt. Und dass in dieser Zeit wirklich großartiges geleistet wurde und es so weltweit eigentlich nur wenig Konkurrenz gab, wie vielleicht IBM und Xerox oder Hitachi. Alles andere war erst am entstehen.

Demnächst wird meine nächste Geschichte aus Berlin vom #PMCampBER zum Vintage Projekt Management hier erscheinen. Da war ich dann schon fest angestellt – bei Siemens im Labor. Das war Ende der Siebziger. Ich werde dann schildern, wie Siemens alles, aber wirklich alles getan hat, um seine damalige Stärke zu zerstören.

Dies durch ein Abschwören von seinen alten Tugenden und durch Einführung von Arbeitsteilung (Taylorismus) im kreativen Bereich wie Produktplanung (Requirement Management), Qualitätsmanagement, spezialisierte DV/IT-Lehrer in seinen D-Schulen, Manual-Redakteure und manchen mehr solcher Rollen.

Und vor allem immer vor Entscheidungen nur noch Fragen wie „Was bringt uns das?“ und „Wo ist dabei unser Vorteil“ gestellt wurden und nicht mehr die zentrale Frage „Warum machen wir das überhaupt?“ wie früher.

🙂 Projekt Manager gab es zurzeit meines ersten Projektes noch keine – der erste Projekt Manager taucht so erst in der von mir erlebten Welt dann erst in meiner dritten Projekt Management – Vintage – Geschichte auf. Das war dann Anfang der Achtziger Jahre.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 5. Oktober 2015

Ein Treffen für unsere Zukunft.

Ist das nicht toll?

So schön können es nur die Kollegen von Visual Braindump
Christian Botta und Daniel Reinold
auf den „graphischen“ Punkt bringen, unser

Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

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Wir versprechen:

AktMobCmp wird ein wunderbares Barcamp an einem ziemlich konkurrenzlosen Termin werden! Wir werden zwei besondere Tage in einem schönen Kreis am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching erleben.

Die „Aktive Mobilität im Alltag“ ist die dritte Säule der Mobilität neben dem individuell motorisierten und dem öffentlichen Verkehr. Leider wird sie in Gesellschaft und Politik oft nur als Restverkehr verstanden.

Das tut uns weh und das müssen wir ändern. Denn wir müssen unsere Mobilität in den Griff kriegen, um unsere Zukunft zu bewahren!

Einen ganz großen Dank an Christian und Daniel für ihr großartige Unterstützung!

RMD
(Im Namen des Teams vom AktMobCmp)

P.S.
Hier zwei Links zu Artikel in IF-Blog zu AktMob und AktMobCmp. Und weil das Thema so wichtig ist, bitte ich um eifriges Teilen und Retweeten!

Roland Dürre
Sonntag, der 20. September 2015

Konferenz versus Unkonferenz

Warum ich keine Konferenzen mehr mag, Barcamps aber liebe?
ODER: 
Was auf Barcamps alles so passieren kann!

Gute Laune in Dornbirn auf einem PM-Camp.

Gute Laune in Dornbirn auf PM-Camp

Ich mag keine Konferenzen mehr. Deshalb stehe ich als Redner für solche Veranstaltungen nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung wie demnächst wieder auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg.
😉 Oder gegen gute Bezahlung.

Denn wie geht die Redner-Auswahl bei Konferenzen? Mindestens sechs, meistens aber wesentlich mehr Monate vor dem Termin müssen potentielle Referenten ihren Beitrag einreichen. Mit einem konkreten Thema, einem Summary und einer Kurzfassung. Meistens mit vorgegebener Anzahl von Zeichen und einer blöden Word-Vorlage.

Aber wie soll ich im Januar wissen, was mich zum Jahresende bewegt? Woher wissen wie die Dinge sich in den Monaten bis zum Vortrag weiterentwickeln?

Nach Einsende-Schluss tagt das Konferenz-Komitee. Das soll die passenden Beiträge auswählen. Die Juroren im Komitee müssen auf die Veranstaltungs-Sponsoren, die Vertreter zahlreicher Interessen und der Industrie, diverse Amigos, politische Einflussnahme und vieles mehr Rücksicht nehmen. Sie kennen die meisten Einreichenden nicht persönlich, so können sie auch nichts über deren Redner-Qualitäten wissen. Oft fehlt ihnen auch die fachliche Kompetenz.

Junge Referenten, die vielleicht wirklich etwas zu sagen hätten, haben da keine Chance und dementsprechend sieht dann das Konferenzprogramm auch aus.

Die glücklich Ausgewählten müssen ein Manuskript einreichen. Das muss dann auch wieder eine bestimmte Länge haben, die Word-Vorlage ist in der Regel noch schlimmer als die bei der Einreichung. Auch das Manuskript muss immer noch eine ganz schöne lange Zeit vor der Konferenz eingereicht werden. Denn der Begleitband muss ja gedruckt werden.

Da denke ich mir, warum soll ich etwas vortragen, dass doch jeder der Anwesenden schriftlich vorliegen hat? Ich rede immer frei, ohne Powerpoint oder ähnliches. Wenn ich in einem großen Raum spreche, bitte ich meinen Graphiker mir ein paar Dia zu erstellen, die meine Rede emotional unterstreichen. Aber nicht mehr. Was ich genau erzähle weiß ich doch erst am Tag der Veranstaltung – und das ändert sich auch noch während des Vortrages den Rückmeldungen meiner Zuhörer folgend.

Und dann kommt der große Tag. Meistens beginnt die Konferenz mit einem aufwändigem Einführungsbromborium mit Grußworten und ähnlichem. Hier wird dann das Sitzfleisch und die Fähigkeit „wach zu bleiben“ der Zuhörer schon mal geprüft. Und dann wird kräftig „one-way“ beschallt.

Die Referenten lesen brav ihr Manuskript aus dem Tagungsband vor, der eine macht das besser, der andere schlechter. Wortmeldungen sind kaum möglich, ein Diskurs entsteht nie. Oben wird vorab Produziertes runtergeleiert, das unten vom Publikum konsumiert werden soll.

Mit einer lieben Freundin (einer renommierten Professorin) war ich vor kurzem auf einer akademischen Tagung. Da war es auch nicht viel anders. Auf meinen Hinweis, dass die Beiträge schon erstaunlich schwach wären, hat sie mich damit getröstet, dass die Vorträge ja Nebensache wären. Wichtig wäre, sich mal zu treffen und auszutauschen. Und vor allem die Abendveranstaltung würde den Wert des Treffens ausmachen.

Und das stimmt ja auch – wir müssen unser Wissen teilen und miteinander reden, wenn wir weiter kommen wollen. Aber für was brauche die Vorträge tagsüber, die keinen interessieren? Wahrscheinlich ist das dann nur eine Staffage fürs Finanzamt, um reisen und abends gemeinsam bei Speisen und Wein reden zu können..

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump.

Bei einem Barcamp ist das alles ganz anders. Und nach meiner Meinung viel besser!

Also, was ist ein Barcamp? Natürlich findet Ihr in Wikipedia eine hervorragende Beschreibung. Ich versuche hier aber mal, das Thema ganz anders zu beleuchten.

Stellt Euch vor, 50 bis 100 Menschen treffen sich. Zum Beispiel Blogger, Unternehmer oder Experten. Oder Menschen, die bereit sind eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen oder einfach nur gemeinsame Interessen haben.

Vorzugsweise sollten das Menschen sein, die gerne und ganz offen ihre Erfahrungen, ihr Gelerntes aber auch ihre Probleme teilen. Die auf Augenhöhe kommunizieren und an wichtigen Themen partizipieren wollen. Die nach autonomer Aufgeklärtheit streben, die vom redlichen Diskurs des Professor Habermas träumen (vielleicht ohne es zu wissen), die sich alle duzen und die gerne auch die anderen ausreden lassen. Selbst dann muss man eine Tagung nach heutigem Stand irgendwie organisieren.

Beim Barcamp ist es ganz einfach. Man stellt genug Räume bereit, in denen die Sessions stattfinden. Ein Raum muss so groß sein, dass alle Teilnehmer reinpassen. Dort werden gemeinsam die Sessions  entwickelt. Deshalb steht in der Mitte dieses Raumes eine Tafel. Auf Ihr ist einer Matrix, bei die Zeilen die Zeit der Sessions vorgeben (zum Beispiel für jede Stunde eine Zeile). Die Spalten markieren die Räume A, B, C …

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp.

Und jeder, der ein Problem hat, das ihm auf den Nägeln brennt, geht raus an die Tafel, heftet eine Karte mit seinem Thema ran und reserviert so den Raum und die Zeit für seine Session. Dann stellt sich vor und schildert knapp, zu welche Thema er berichten und welche Form er für diese Session vorschlagen möchte. Und wenn genug Karten an der Tafel hängen oder die Tafel voll ist, dann geht es los.

Wenn man dann noch einen schönen Kaffeeraum hat, es dort immer etwas zu essen und trinken gibt, dann ist der Erfolg schon fast gewährleistet. Denn es gibt noch eine Regel:

Jeder beim Barcamp ist frei.

Er kann wie ein Bienchen, das Honig sammelt, eifrig an möglichst vielen Sessions teilnehmen. Er kann aber auch wie ein Schmetterling nur bunt durch die Gegend flattern (Biene und Schmetterling sind die klassischen Metaphern fürs Verhalten bei einem Barcamp) und sich da aufhalten, wo es ihm gerade gefällt.

Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er in der falschen Sitzung ist, dann soll er diese verlassen. Das ist bei einem Barcamp nicht unhöflich, im Gegenteil fast eine Pflicht, damit es funktioniert. Deshalb sollten die Türen zu allen Räumen immer offen stehen.

Die Regel sagt auch: Alles was passiert, ist das genau das, was passieren sollte. Wenn zu einer Session nur wenige Besucher kommen, ist es genauso richtig wie wenn alle zu einer kommen. Es schaukelt sich schon zu recht.

Neuerdings versuchen Barcamp-Veranstalter einen Rahmen anzubieten, in dem die Sessions dokumentiert werden können. Es gibt eine besondere Variante des Barcamps, den OpenSpace, da ist die Dokumentation Pflicht und wird von einem sogenannten OpenSpace-Office unterstützt. eingesammelt und zusammengefasst.

Party beim PM-Camp in Dornbirn

Party beim PM-Camp in Dornbirn.

So einfach ist Barcamp. Ein Barcamp dauert in der Regel zwei Tage. Die Party am am Abend des ersten Tages tut immer sehr gut. Am zweiten Tag finden dann oft besonders viele spontane Sessions statt.

Ein Barcamp gilt genau dann als erfolgreich, wenn alle Teilnehmer – die wir beim Barcamp auch „Teilhaber“ nennen – zufrieden und glücklich die Heimreise antreten, mit vollem Herzen und Geist.

Obwohl man von einem Barcamp keine Ergebnisse erwarten soll, passiert dort oft Erstaunliches. Ich kenne Bewegungen und Unternehmen, die als Idee in einer Session entstanden sind. Es bilden sich erstaunlich viele Freundschaften und schöne Netzwerke. Die Anregungen sind immer groß. Barcamps bewirken so viel, helfen Menschen ins Nachdenken zu kommen, Dinge anders zu bewerten und privat wie „beruflich“ oder „geschäftlich“ erfolgreicher zu werden.

actmobcmp_100-300x86Ich war bei Camps wie OpenStartUp oder WorkLifeBalance. Dort und in fünf Jahren PM-Camp habe ich das Beschriebene erlebt. Beim PM-Camp ging es um Projekt Management, Führung und Unternehmertum. Ich habe jetzt gelernt, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel wird die Art, wie wir unsere Mobilität gestalten, von zentraler Bedeutung für unsere Zukunft sein. Deshalb habe ich mit Freunden ein neues Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp gegründet.

Wir starten am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 18. September 2015

„Komplexität L(i)eben“ – Session auf #PMCampBER

Hier der Bericht von der gemeinsamen Session von Maik (Maik Pfingsten) und mir am Samstag, dem zweiten Tag und quasi zum Ende des PM-Camp Berlin #PPMCampBER 2015 (11. – 12. September an der Humboldt-Universität).

Unser Anliegen war, ein paar Gedanken zu berichten und diskutieren, wie man auch in einer komplexen Umgebung ein zufriedenes und erfolgreiches Leben privat wie beruflich (geschäftlich) erreicht.

Dazu haben wir einige Thesen entwickelt:

Wahrheit

Nach unserer Bewertung gibt es keine absolute Wahrheit. Sicher gibt es Gedanken, die eher „richtig“ oder „falsch“ sind. Richtig und falsch hier aber nicht als harte Begriffe verwendet sondern als Metapher für „zielführend“, „nützlich“ und ähnliches. Ansonsten diskutieren wir aber meistens nur über unsere Gewissheiten und schlagen uns für diese gerne die Köpfe ein.

Wir vergessen dabei, dass vieles, an das wir glauben, und manches mehr nur ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Und nicht vergessen: Wenn es keine Wahrheit gibt, dann kann auch der kluge Satz, dass es keine Wahrheit gibt auch nicht stimmen. Vielleicht gibt es sie ja – irgendwo, wo wir nicht hinschauen können.

Kompliziert versus komplex

Früher habe ich geglaubt, dass das, was sehr schwierig aber noch determiniert ist, kompliziert ist. Und dass das Komplexe da beginnt wo die „Determiniertheit“ aufhört. Wenn der Ausgang nicht vorhersagbar oder durch einen Algorithmus beschreibbar ist, habe ich von Komplexität gesprochen. Andere haben fürs „Komplizierte“ die Metapher des „Toten“ und fürs „Komplexe“ die des „Lebendigen“ gewählt. So ist denkbar, dass die anorganische Chemie immer nur kompliziert ist, die anorganische aber durch aus komplex werden kann.

Maik hat – aus der Sicht des System-Ingenieurs – eine schöne Beschreibung von „komplex geliefert“. Er malt eine Achsenkreuz. Die  X-Achse beschreibt das Maß der Kompliziertheit, die Y-Achse das Maß der Veränderung und Dynamik. Und in dem Maße wie Kompliziertheit und Dynamik ansteigen, wird das System von kompliziert immer komplexer.

Mit dieser pragmatischen Definition kann ich gut leben. Auch hier liegt die Entscheidung ob komplex oder kompliziert in der Verantwortung des Beobachters. Dazu gab es auf #MCampBER übrigens eine sehr schöne Session von Nico Banz – gleich vor uns und im selben Raum. Mit dieser pragmatischen Definition kann ich gut leben. Auch hier liegt die Entscheidung ob komplex oder kompliziert in der Verantwortung des Beobachters. Ein Freund von mir – Nico Banz – hat mal an einem Beispiel belegt, dass die Bewertung ob komplex oder kompliziert auch in der Physik sehr subjektiv sein kann..

Mittlerweile meine ich, dass die akademische Diskussion über komplex und und kompliziert keinen großen Nutzen bringt. Vielmehr geht es um richtige Entscheidungen und zielführende Projekte.

Entscheidung

Die Definition des Begriffes „Entscheidung“ basiert auf zwei Voraussetzungen: Sie muss unter Unsicherheit erfolgen und relevante Folgen haben. Sonst ist es keine Entscheidung.

Spannend im Kontext von Entscheidungen ist auch, dass die Gehirnforschung immer mehr belegt, dass Entscheidungen nur scheinbar von der Ratio (Großhirnrinde) sondern in Wirklichkeit vom Unterbewusstsein und dann eben unbewusst getroffen werden.

🙂 In St. Gallen an der Hochschule wurde übrigens erforscht, dass die große Mehrheit von Management Entscheidungen falsch ist.

Wobei die Unterscheidung zwischen „richtig und falsch“ gar nicht so einfach ist. Es wird noch schwieriger: Wenn man ein Unternehmen oder ein Projekt in der Retrospektive betrachtet, stellt man oft fest, dass die Retrospektive oft zum „Story Telling“ wird. Die gefundenen Stories können zweifelsfrei nützlich sein, allerdings ist bei exakter Forschung (Studium der Protokolle etc.) es gar nicht so einfach, „à posterio“ zu bewerten, welche Entscheidung was bewirkt hat.

Ich wollte immer ein „guter“ Manager und Unternehmer sein. Und richtige Entscheidungen fällen. Und frage mich heute, wie es möglich ist, als Manager „à priori“ richtig zu entscheiden, wenn objektiv sogar im nach hinein nicht definitiv bewertet werden kann, wie die Kausalität war.

Projekte

Hier meine ich, dass es für uns nicht förderlich ist, wenn wir zwischen geschäftlich und privat unterschieden. Die Führung eines Lebens macht mehr Freude, wenn sie ganzheitlich erfolgt. Das heißt, ich muss im Privatleben genauso Handeln wie ich es im Geschäft oder in der Arbeit machen würde. Da gibt es keinen Unterschied.

Gerne stelle ich Dritten die Frage, was sie für mein wichtigstes Projekt halten. Die Antwort überrascht sie oft – aber für mich ist es klar – es ist mein Leben.

Mein Leben ist zweifelsfrei ein Projekt. Es hat einen Anfang und ein Ende. Ich verfüge über ein mehrdimensionales Budget – bestehend aus Zeit, Talent, Wissen, Erfahrung und manchem mehr. Das Ziel meines Lebens ist mein Lebensweg. Ein Teil davon ist mein Tod. Ich möchte gerne versöhnt sterben.

Mein Leben besteht aus vielen Projekten. Manche sind überwiegend privat, andere überwiegend geschäftlich. Es geht also um das richtige Handeln.

Richtiges Handeln

Das ist die wesentliche Frage: Wie soll ich in der Lage sein, richtig zu handeln? Weiß ich doch, dass es keine Wahrheit gibt. Weiß ich doch, das Zukunft nicht vorhersagbar ist. Weiß ich doch, dass ich mich die Konstrukte meines Unterbewusstseins lebe und die Fähigkeit, meiner Vernunft und Rationalität folgend zu Handeln eine Chimäre ist!

Ich meine, es hilft nur handlungsleitende Werte zu finden und diese zu Leben.

Empfehlungen

Ich glaube nicht mehr an Best Practice, Methoden und komplexe Werkzeuge. Ich mag keine Ratschläge (Ratschläge sind auch Schläge). Ich glaube nur noch an Einfachheit und Reduktion auf das Wesentliche. Und ich glaube ans Handwerk, Üben. Auf dem Wege zur Meisterschaft benötige ich Unterstützung von Meister.  So haben mir Mentoren und weise Menschen interaktiv wie als Vorbild in meinem Leben sehr geholfen.

In unserer Session in Berlin habe ich so kurz die Ratschläge von Hans Ulrich und John Izzo berichtet.

Hans Ulrich ist schon seit ein paar Jahren verstorben. Er war der Vater des St. Gallener Management Modells und hat 1982 einen wunderbaren und kurzen Aufsatz geschrieben zum Wandel im Management. Diesen Aufsatz habe ich  am 8. Dezember 2011 im Zug bei der Anreise als Vorbereitung für einen Workshop in St. Gallen gelesen und ich war richtig elektrisiert. Und habe bedauert ihn nicht früher gelesen zu haben.

Hans Ulrich

Hier stichwortartig die „8 Thesen zum Wandel im Management“ von Hans Ulrich mit ebensolchen Anmerkungen:

  1. Ungewissheit und Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Zukunft ist halt nicht vorsehbar …
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen „Das geht doch nicht“ oder “Das haben wir immer schon so gemacht” sein. Die Freiheit der Gedanken nicht unterdrücken. Wissen teilen.
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als Sinn gebende und Sinn vermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild.
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale …

Diese Thesen hat Hans Ulrich natürlich in erster Linie für das moderne Management formuliert. Sie sind aber für das private Leben genauso nützlich. Müssen sie ja auch – wir wollen ja nicht mehr zwischen Arbeit / Geschäft und privat unterscheiden.

Mehr zum Thema Führung und Hans Ulrich gibt es in IF-Blog gibt es zum Wandel im Management und einen weiteren Sessionbericht wie natürlich auch in meinem „Unternehmertagebuch

John Izzo

Der zweite kluge Ratgeber, den ich erwähnt habe, ist John Izzo. Er hat die gemeinsamen Werte von SeniorInnen erforscht, die von der Allgemeinheit als erfolgreich, glücklich und weise wahrgenommen werden. Und bei solchen Menschen etwas Gemeinsames entdeckt, das er „die fünf Geheimnisse“ genannt hat. Es sind Geheimnisse, die man vor seinem Tode kennen lernen sollte.

1. Geheimnis
Sei Dir treu!
Hier geht es um das „Destina“, einen Begriff der aus Südamerika kommt. Dies jedoch nicht im Sinne von Schicksal oder gar Kismet sondern als persönliche Bestimmung und Berufung im Leben.

2. Geheimnis
Lebe so, dass Du später nichts zu bereuen hast!
Probiere auch mal etwas aus! Habe Mut, etwas zu machen, was auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich erscheint. Diese kann auch eine konkrete Entscheidungshilfe sein.

3. Geheimnis
Lassen die Liebe in Dir lebendig werden!
Zuerst musst Du lernen, dich selbst zu lieben! Denn nur wer sich selber liebt, kann andere lieben. Nimm die Feindseligkeit aus deinem Leben. Mache die Menschenfreundlichkeit zu Deinem Lebensprinzip und die Menschen um Dich größer und nicht kleiner.

4. Geheimnis.
Lebe den Augenblick!
G
enieße und denke nicht zu viel. Streich das „ja aber“ aus Deinem Wortschatz und ersetze es durch  „ja und“. Kapituliere nicht von dem „Man tut das nicht!“.

5. Geheimnis
Gib mehr als Du nimmst!
Man gibt und bekommt viel mehr zurück. Schenke Vertrauen. Öffne Dich und gib etwas von Dir Preis.

Das Buch von John Izzo habe ich in einem eigenen Artikel in IF-Blog ausführlich besprochen. Ich meine, dass es lohnt, es zu lesen und diese Lebensempfehlungen für sich zu prüfen und vielleicht zu übernehmen.

🙂 Wem dies noch nicht genügt, der sollte sich (wieder) mal das Agile Manifest durchlesen. Da steht alles drin. Und sich Schritt für Schritt zum ALO-Mann entwickeln (siehe meinen Artikel Führung-Werte-Prinzipien) und dann agil, lean und open handeln und leben. Und beim „lean“ vielleicht noch daran denken, wie wichtig im Kanban die „Warum-Frage“ ist.

Dann kommst Du noch besser durch die Welt, ganz gleich ob diese kompliziert oder komplex ist, und ganz gleich ob privat oder geschäftlich.

Aber der wichtigste Gedanke: Nehmt Euch selbst nicht ganz so ernst und seht auch den Rest mehr spielerisch.

RMD

Im IF-Forum (Gäste sind noch willkomen – hier zur Einladung) morgen (23. Juli 2015 um 18:00) bei uns in Unterhaching geht es um „Lernen in Innovation“. Bruno Gantenbein wird anhand der Metapher des Unschoolings zeigen, wie Kinder lernen können und wollen und dabei Parallelen zum Lernen von erfahrenen Projekt Managern und erwachsenen Führungskärften aufzeigen.

Das Jahr 2015 ist bei InterFace Frau Ada Lovelace gewidmet. So hat mich Florian Specht als Veranstalter gebeten, bei der Hinführung die Frage zu beantworten:

Was verbindet Ada Lovelace mit „unschooling“?

🙂 Ich habe deshalb die folgende Hinführung entworfen, die ich aber morgen so nicht halten werde. Aber ich kann sie ja trotzdem mal veröffentlichen. Die richtige „Hinführung“ gibt es dann morgen live zu hören und wird natürlich auch veröffentlicht.

Ada im Alter von 4 Jahren

Ada im Alter von 4 Jahren

Welchen Berührungspunkte gibt es von Ada Lovelace und anderen Menschen wie Galileo Galilei (dem InterFace-Gesicht des Jahres 2014).

Mir sind weiter herausragende Persönlichkeiten wie Blaise Pascal, Leonardo da Vinci, Friedrich Nietzsche oder „die alten Griechen“ (Archimedes oder Sokrates) und der Römische Erzieher Seneca eingefallen.

Was haben diese Menschen alle mit „unschooling“ gemein?

Bei der Vorbereitung habe ich als erstes den Artikel zur Schulpflicht in Wikipedia nachgelesen.

Wir lernen:

  • Schulpflicht gab es nicht immer.
  • Sie wurde erst spät eingeführt und viel später umgesetzt.
  • Mancherorts betraf sie nur einen Teil und häufig nur den männlichen der Bevölkerung
  • Gelernt wurde aber immer im Leben und von Menschen und nicht so sehr in Schulen.

Dann habe ich mir die Lebensgeschichte von Ada Lovelace angeschaut. In Wikipedia finden wir als ersten Satz zu „Ada Lovelace“:

Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt (geborene Augusta Ada Byron;[1]10. Dezember 1815 in London; † 27. November 1852 ebenda), war eine britische Mathematikerin.“

Es lohnt sich den Artikel zu lesen. Sie war zweifelsfrei ein Genie.

Die anderen genannten Persönlichkeiten scheinen mir jedoch nie so richtig in die Schule gegangen zu sein:

Blaise Pascal (* 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand; † 19. August 1662 in Paris) war ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph.

Galileo Galilei (* 15. Februar 1564 in Pisa; † 29. Dezember 1641jul./ 8. Januar 1642greg. in Arcetri bei Florenz) war ein italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom, der bahnbrechende Entdeckungen auf mehreren Gebieten der Naturwissenschaften machte.

Wen wunderts, denn zu Lebzeiten der letzten beiden Persönlichkeiten gab es noch gar keine Schule im heutigen Sinne.

Als Kind habe ich immer die „alten Griechen“ bewundert. Was die mit einfachen Hilfsmitteln und ein wenig Rechnen für enorme und revolutionäre Erkenntnisse gewonnen haben. Zum Teil nur durch Beobachten, Denken und einfache Experimente. Und wen überrascht es: auch damals gab es so ein formatiertes Schulsystem wie wir es heute haben nicht.

So verstärkt sich bei mir der Verdacht, dass manche Innovation in der Geschichte der Menschheit nicht möglich gewesen wäre, wenn die Menschen damals so wie heute üblich in einer Regelschule von klein auf indoktriniert worden wären.

So richtig aber ging mir ein Licht auf, wie ich den Film namens Alphabet gesehen habe. ALPHABET, der Film ist von Erwin Wagenhofer in 2013 gedreht worden. Nach WE FEED THE WORLD und LETS MAKE MONEY war ALPHABET der letzte und abschließende Teil seiner bekannten Trilogie. ALPHABET ist ein Film, der ganz leise und weltweit die Situation der Kinder in Ausbildung beschreibt.

Ein Zitat aus dem Film hat mir besonders gut gefallen. Es scheint ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung zu sein:

98 % aller Babies kommen als Genie zu Welt. Am Ende der Ausbildung sind es dann noch 2 %.

Dann bliebe nur noch die Frage, wie Frau Lovelace ihr Genie bewahren konnte, denn vor 200 Jahren gab es ja schon die ersten Ansätze zur allgemeinen Schulpflicht.  Lage es vielleicht daran, dass es Schule damals in manchen Regionen nur für Buben gab? Die ja auch immer so tapfer sein mussten und nicht weinen durften?

RMD

P.S.
An meiner Hinführung (Version 2.0) muss ich jetzt noch ein wenig feilen. Und das Bild ist übrigens aus Wikipedia.

Roland Dürre
Montag, der 27. April 2015

Projekt & Produkt – #PMCampSTR

pmcampstrDas PM-Camp Stuttgart (Hashtag #PMCampSTR) findet vom 7. bis 9. Mai an der Hochschule der Medien in Stuttgart statt. Ich freue mich, dass ich dabei sein kann. Ticket und Fahrkarte sind gekauft und das Zimmer im Commundo ist reserviert.

Das Team, das diese Veranstaltung organisiert, hat als Überschrift fürs Camp „Projekt und Produkt“ gewählt. Das Stuttgarter Orgateam will sein PM-Camp so auch für Teilnehmer jenseits des klassischen Projekt Managements z.B. der IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) öffnen. So soll der Begriff „Produkt“ auch Ingenieure ansprechen, die anspruchsvolle Produkte bauen.

Was ist ein Projekt?

Ich zitiere aus Wikipedia:

Ein Projekt ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gelenkten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Zwängen bezüglich Zeit, Ressourcen (zum Beispiel Geld bzw. Kosten, Produktions- und Arbeitsbedingungen, Personal) und Qualität ein Ziel zu erreichen.[1]

Diese wie ich meine veraltete Definition von „Projekt“ bedeutet folgendes:

  • Jedes Projekt hat einen Anfang (Projektstart).
  • Jedes Projekt hat ein Ende (Fertigstellungstermin).
  • Die gewünschten Ergebnisse sind als Projektziel festgelegt.
  • Alle einzusetzenden Ressourcen sind vorgegeben.
  • Das Projektziel muss termingerecht erreicht werden.
  • Die geplanten Ressourcen dürfen nicht überzogen werden.
  • Es gibt eine Planung, den Projekt-Plan.
  • Die Meilensteine der Planung sind einzuhalten.

Nach meiner Meinung dürfen sichProjekte nur dann „Projekt“ nennen, wenn sie Wesentliches verändern oder bewirken und wirklich etwas Innovatives oder Neues schaffen. Und schon sieht man, dass mit der Definition da irgendetwas nicht stimmen kann.

Trotz bester Planung erleben wir selbst bei einfachen Ingenieurs-Projekten massive Zielabweichungen mit oft unglaublicher Überschreitung der benötigten Ressourcen. Die Ursache dürfte sein, dass mittlerweile auch Aufgaben, die ziemlich simpel klingen, eine erstaunliche Komplexität in sich tragen.

Innovative Veränderung!

Noch schwieriger ist es, wenn es um Projekte geht, die kreativen Einfluss auf soziale Systeme aller Art und auf die sowieso stattfindende Evolution nehmen sollen. Die beschriebene „Projektdenke“ zwingt förmlich dazu, dem Motto folgend „Augen zu und mit voller Kraft durch“ zu handeln. Und dabei ist man nicht in der Lage, neue und bessere Erkenntnisse permanent in den weiteren Projektweg zu integrieren.

Sogar im Rückblick ist es schwierig, die kausalen Zusammenhänge von Maßnahmen und deren Wirkung (Nutzen?) zu bewerten. Wie soll das dann „im voraus“ gelingen? Innovative Veränderung kann man also nicht einfach so geradeaus durchplanen, sondern muss die Maßnahmen behutsam und agil mit der laufenden Entwicklung in Einklang bringen.

Projekte stehen also im Widerspruch zu Innovation. Innovation ist kreative Zerstörung. Dies mobilisiert dann auch noch zusätzlich die Gegner der Veränderung, besonders die von der Zerstörung betroffenen. Das erschwert es dann noch weiter.

Projekte als Teil von Veränderung?

So ist mir eine Definition von Projekt lieber, die ein Projekt als einen integrierten Teil von vielen eines kontinuierlichen Veränderungs- und Verbesserungsprozess beschreibt. Die gesteuerte Veränderung soll nützliche Ergebnisse bringen. Ist für mich doch jede wohl durchdachte Aktivität, die verändern und Entwicklungen beeinflussen will, ein Projekt, ganz gleich um es hier um konkrete „unfassbare“ oder abstrakte „virtuelle“ Ergebnisse geht.

Was ist ein Produkt?

Die Planung, Entwicklung, Herstellung eines Produkts ist wie seine Vermarktung, der Verkauf desselbigen, Support und Service das Ergebnis von vielen kleinen und größeren Projekten, die multidimensional vernetzt sind und so zusammen wirken. Ein Produkterfolg wird so immer auf einer Vielzahl kleiner und größerer Projekte, also einem mehrdimensionalen „Mega-Projekt“ beruhen. Stichworte mögen hier sein Vernetzung, Dynamik, Lernen, Versuchen, Verwerfen, Neumachen … Aber das gilt nicht nur für das physische Produkt sondern genauso für Dienstleistungen.

Kistenware oder Dienstleistung?

Ein Produkt kann also ein physischer Gegenstand – sprich eine „anfassbare“ Ware – sein, die von einer Organisation ingenieurmäßig entwickelt, in großer Serie produziert und so vielen Kunden „verkauft“ oder in kleiner Losgröße (n = 1) für ihn individuell und „on-demand“ hergestellt wird. Solche Produkte müssen in der Regel durch ein Support- und Serviceangebot ergänzt werden, um erfolgreich am Markt bestehen und „nachläufiges Geschäft“ ermöglichen zu können.

Ein Produkt kann aber auch eine Dienstleistung sein, die beim oder für den Kunden von Menschen erbracht wird, die gemeinsam mit ihrer Organisation eine besondere Qualifikation und „best practice“ erworben haben, welche das Ergebnis eines über Jahrzehnte statt gefundenen persönlichen wie kollektiven Lernprozess sind.

So könnte das Kreieren eines „physischen“ Produkts augenscheinlich mehr Projekte erfordern als eines „virtuellen“.

Der Unterschied für den Unternehmer.

Für den Unternehmer könnte es einen wesentlichen Unterschied machen, ob er ein „echtes“ Produkt-Unternehmen aufbaut oder ein Unternehmen, das als Produkt eine spezifizierte Dienstleistung anbietet.

Zum Beispiel sollte er beim „echten“ Produkt daran denken, dass das Feedback von den Kunden und vom Markt in der Regel viel später kommt als bei einer Dienstleistung. So werden hier oft langfristig hohe Investitionen in ein „echtes“ Produkt, dass sich dann am Markt erst bewähren muss. Insofern scheint ein solches Produkt im Erfolgsfall besser skalierbar zu sein als die Dienstleistung aber eben auch riskanter.

Bei der Dienstleistung dagegen wird ihn das Feedback wesentlich frühzeitiger erreichen, so dass er zeitnäher seine Schlüsse ziehen und gegensteuern kann.

PMCampSTR_Logo-150🙂 So richtig viel mehr fällt mir zu Produkt und Projekt jetzt nicht ein. Nur dass Projekte eigentlich die kleinen Module unseres Lebens sind. Jede bewusste Entscheidung für eine Handlung, die relevant verändert – sei es einen selber oder die Umwelt – ist irgendwie ein Projekt.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 29. November 2014

Gebhard Borck jetzt auch bei IF-AGORA

Nachlese zum PM-Camp in Dornbirn – #PMCampDOR

Für mich war Gebhard die positive Sensation auf dem letzten PM-Camp und openPM.

Sein Impulsvortrag war das Beste, was ich jemals zu Organisation und Unternehmertum gehört habe. An der Tafel hat er mit Kreide in ganz einfachen Schritten erläutert, an welchen Dingen sich ein Unternehmen der Zukunft orientieren muss. Und das ganze auch noch äußerst lustig und spannend gestaltet.

Vor allem hat er mir klar gemacht, wie gut ein Unternehmen funktioneren kann, wenn es nur die eigentlich so banalen Bedürfnisse der Menschen im Unternehmen sinnvoll befriedigt.

Ja – und jetzt ist Gebhard auch bei mir in der IF-AGORA vertreten! Ist das nicht Klasse?

Hier sein Wissensangebot! Dazu empfehle ich sein aktuelles Sachbuch, das man auch online lesen kann Affenmärchen.

Unsere Impuls-Rednerin des zweiten Tage des #PMCampDOR Dr. Melanie Kaiser hat uns genauso begeistert. Melanie hat uns nicht nur berichtet, wie arme Manager an ihren falschen Entscheidungen sogar krank werden können. Nein, sie konnte uns auch klar machen, wie wichtig Intuition und Ratio auch für glaubhafte Kommunikation ist.

Hier ihr „Wissensangebot“ Burnout.

Und ihren Vortrag vom PM-Camp hält sie bestimmt auch für Sie!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. November 2014

Bald ist wieder PM-Camp in Dornbirn!

Die InterFace AG ist auch in diesem Jahr wieder Sponsor des PM-Camp in Dornbirn, das vom 20. – 22. November 2014 stattfindet.

Und als Sponsor durfte ich für die Website des #PMcampDOR drei Fragen beantworten und erläutern, warum die InterFace AG einen Sponsorbeitrag leistet. Hier sind die Texte:

Hier mit Dr. Marcus Raitner (links).

Hier auf PM-Camp mit Dr. Marcus Raitner (links).

InterFace AG – darum unterstützen wir das PM Camp!

PM-Camp ist kurzweiliger als eine übliche Konferenz und bringt viele Erkenntnisse. Es ist eine freie Veranstaltung, die nicht von höheren Interessen gesteuert wird. Die „Teilnehmer/-haber“ generieren ihre Konferenz selber. Auf Augenhöhe werden Wissen und Erfahrung geteilt. PM-Camp vernetzt Menschen! Je öfters ein PM-Camp stattfindet, desto intensiver ist es in der Regel.

PM-Camp soll für alle erschwinglich sein. Der Preis darf keine hohe Hürde darstellen, denn PM-Camp soll alle erreichen – jung und alt, weiblich und männlich, arm und reich. Darum unterstützt die InterFace AG das eine oder andere PM-Camp auch finanziell. Wir wollen helfen, Mut und Freude zu entwickeln und einen guten Rahmen und eine schöne Party ermöglichen.
Wir freuen uns, wenn alle Teilnehmer ein gutes Stück reicher an Wissen, Erfahrung und Erlebtem vom Camp zurück kommen. Dann hat sich unser Invest gelohnt.

Drei Fragen und meine Antworten zum Thema PM:

Woran krankt das Projektmanagement heute?

  • Projekt Management wird häufig als deterministische “Ingenieursarbeit” und nicht als Werte basierte Führungsarbeit verstanden.
  • Projekt Management wird als “tayloristiches” Spezialistentum gesehen.
  • Der Einsatz von Werkzeugen wird überschätzt.
  • Hierarchisches Denken läßt “Organisation als Netzwerk” kaum zu.

Was sind für Dich die Herausforderungen von morgen?

  • In Projekten – wie in Unternehmen – wird Resilienz vor Effizienz gehen.
  • Das Umgehen mit Unsicherheit muss erlernt werden, denn Zukunft ist nicht planbar.
  • Wir müssen in Ergebnissen und dürfen nicht in Zielen denken.
  • Ein Projekt-Team muss als biologisches Wesen und nicht als determinierte Maschine verstanden werden.

Welchen Beitrag kann das PM Camp aus Deiner Sicht leisten?

  • Die richtigen Menschen zusammen bringen.
  • Lebendige Ergänzung zur Welt des Paukens von abstrakten Wissens sein.
  • Dauerhafte Netzwerke zwischen Menschen begründen.
  • Projekt Manager für “Industrie 4.0” befähigen.

Hier mit Dr. Stefan Hagen (rechts).

Hier auf PM-Camp mit Dr. Stefan Hagen (rechts).

Zur Person:

Roland Dürre (duerre.de, if-blog.de) ist IT-Pionier der 3. Generation. Im Herbst 1969 begann er das Studium der Mathematik und Informatik an der TUM, das er mit Diplom (univ.) abschloss.

Nach “Lehrjahren” bei Siemens (6 Jahre) und Sofllab (3 Jahre) gründete er 1984 die InterFace AG, die er über 30 Jahre leitete. Zum Jahresende wird er aus dem Vorstand des IT-Unternehmen in den Aufsichtsrat wechseln. Ab 2015 will er sich um wichtige gesellschaftliche Themen zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Bilder stammen vom PM-Camp 2012 in Dornbirn. Oben bin ich mit Dr. Marcus Raitner, auf dem unteren mit Dr. Stefan Hagen zu sehen. Beide sind ganz wichtige Protagonisten der PM-Camp-Bewegung, die es ohne sie nicht gäbe.

Roland Dürre
Freitag, der 5. September 2014

Noch ein Barcamp – EnjoyWorkCamp!

Ich mag Barcamps. Besonders natürlich das PM-Camp, an dessen Aufbau ich ja ein wenig mitgewirkt habe. Es gibt aber andere – zum Beispiel das OpenUpCamp. Da war ich auch schon. Jetzt habe ich ein ganz anderes Barcamp gefunden und werde dort auch hingehen. Es ist das EnjoyWorkCamp.

Franziska Köppe ist die Gründerin des EnjoyWorkCamp, das in diesem Jahr am 14. und 15. November 2014 in Stuttgart stattfinden wird. Franziska schreibt dazu:

Wo Freude, Begeisterung und Überzeugung am Werk sind, stellt sich der Erfolg wie von selbst ein. Wir alle tragen die Sehnsucht in uns, Sinnvolles zu tun. Als Unternehmer streben wir danach, wirtschaftlich erfolgreich, sozial verantwortungsbewusst und ehrbar zu sein. Wir wollen die Umwelt und die Natur erhalten. Ständig gibt es im Arbeitsalltag kleine und große Änderungen, die teils immense Auswirkungen auf uns und unser Umfeld haben. Das ist alles gar nicht so einfach. Denn es gibt viele Fragen:

  • Wie hoch ist unser Wert und wie gestalten wir daraus wertorientierte Angebote?
  • Was bringt Eigenverantwortung der Mitarbeiter und wie geht gute Teamarbeit?
  • Ist nicht jede Firma und jede Erwerbstätigkeit ein Hamsterrad?
  • Wie gestalte ich ein Umfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten?
  • Welche Werkzeuge, Architektur, Infrastruktur, Mobilität, Prozesse, Kultur… eignen sich dafür?
  • Wie fördere ich Gemeinwohl in meinem persönlichen Umfeld?
  • Wie schaffe ich mir selbst Freiraum (Zeit und Geld), um Zukunft aktiv gestalten zu können?

Wie oft sind wir für genau dieser Fragen auf eine Konferenz gegangen und haben die Antworten dann beim Plausch in der Kaffeepause gefunden?

Soweit Franziska. Ich werde hingehen, weil ich davon ausgehe, dass das EnjoyWorkCamp genauso wie PM-Camp den Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe bietet. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Unternehmern und Führungskräften aus kleinen mittelständischen aber auch großen Unternehmen Lösungen rund um soziale, ökonomische und ökologische Aspekte zukunftsweisender Geschäftsmodelle zu diskutieren.

Mir ist wichtig, dass das Programm von den Teilnehmern selbst gestaltet wird – so dass ich auch meine Bedürfnisse einbringen kann. Und besonders freue ich mich auf das Wiedersehen mit ein paar guten Freunden, die sich schon angemeldet haben. Gemeinsam wollen wir ins Handeln kommen und uns dabei gegenseitig unterstützen.

Hier noch weitere Informationen: Unkonferenz und News und Presse.

Die Vision von EnjoyWorkCamp ist:
Gemeinwohl, Lebensqualität und Freude an der Arbeit!
Das ist noch ein Grund für mich hinzugehen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 15. August 2014

Start-up (1) – Scheitern

Wie so manchen Sommer schon befinde ich mich beim Zelten in Porto Ageranos. Der Platz liegt auf dem Peloponnes auf dem mittleren Finger, zirka 10 km südlich von Gythio, kurz bevor das wilde Mani beginnt. Vom Zelt sind es gerade 10 Meter zum Meer, die erste Nacht war schon mal so richtig gut. Und da wir die Gegend gut kennen sind wir sofort wieder so richtig zu Hause!

Die Zeit hier nutze ich zum Entspannen, Nachdenken, und nicht zuletzt zum Pläne schmieden. Und natürlich zum Schwimmen und Radfahren, gut Essen und einfach nur so mit den Lieben zusammen zu sein. Und natürlich zum Artikel schreiben (für IF-Blog.de).

Diesmal ist das Schwerpunktthema start ups

Ich kenne viele Menschen. Mit manchen davon bin ich freundschaftlich verbunden. Da sind auch viele junge Kollegen dabei. Mir scheint, dass ich mit der jungen Generation gut kann.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit Gründungen von Unternehmen. So bin ich immer wieder in der Jury eines Business Plan Wettbewerbs, als Mentor betreue ich Menschen und Unternehmen, die im Werden sind (start ups). Dies mal enger, gelegentlich sporadisch. Und stecke so ein wenig in der Szene drin.

Die meisten Teams, die ich kenne und erlebe, sind toll. Fleißig und kreativ versuchen sie mit höchstem persönlichen Engagement auf vielen Ebenen basierend auf einer spannenden Idee ihr Leben eigenverantwortlich zu führen und ein Unternehmen aufzubauen.

Und dann scheitern sie.

Manche scheitern schon beim Start, andere nach Auslauf eines Förderprogrammes wie EXIST oder nach der ersten Finanzierung. Oft dauert der Leidensweg dann eine Weile bis zum endgültigen „Aus“, ab und zu wird am Schluss noch ein „Notausgang“ gefunden. Und nur ganz, ganz wenige werden erfolgreich, allerdings meist auf andere Art und Weise als vorher geplant.

Die meisten, die scheitern, haben einiges an Kraft und oft auch Geld gelassen. Ihnen bleibt nur der Trost, dass sie viel gelernt haben, also irgendwie dann doch „erfolgreich gescheitert“ sind. Das ist aber ein schwacher Trost, denn in bei einer alternativen Lebenslinie zum Beispiel in einem guten Job bei einem Mittelständler hätten sie vielleicht noch mehr für ihre persönliche Zukunft lernen können.

Das bewerte ich als eine gigantische Verschwendung von Kapital, Kreativität, Fleiß („waste“ im Sinne von Kaizen). Auch die Enttäuschung und der Frust der vielen betroffenen jungen Menschen schmerzt mich. Und ich denke mir oft, dass dieses häufige Scheitern in vielen Fällen vermeidbar gewesen wäre.

Denn das massenhafte Scheitern ist gut erklärbar. Die Gründer arbeiten in der Regel genauso, wie es die Expertise einer vergangenen Epoche ihnen vorgibt. Und dieses Muster hat noch nie besonders gut funktioniert, heute geht es in der Regel gar nicht mehr auf. Wie sollen in der Welt von morgen die Erfolgsmuster von gestern auch noch funktionieren?

Und die ganz wenigen Ausnahmen – die übrigens ausnahmslos aufgrund eines zusammen Kommens besonders glücklicher Zufälle basieren – bestätigen diese Regel.

Warum ist das Scheitern normal?

Die Antwort ist einfach. Zum Beispiel versuchen auch große Konzerne immer wieder, neue Produkte in den Markt zu bringen. Diese Konzerne verfügen über alles, was man für eine neue Produkt-Idee braucht: Beliebig viel Kapital, eine renommierte Marke, ein geniales Marketing, eine starke Marketing- und Vertriebs-Organisation, weltweiten Zugang zu den Märkten, tolle Ingenieure und Lieferanten und vieles mehr. Und vor allem, sie kennen ihren Markt, weil sie ihn sich oft über Jahrzehnte „erlernt“ und „erarbeitet“ haben.

Und trotzdem scheitern ihre Produkt-Entwicklungen. Im besten Fall sind nur 10 % solcher Entwicklungen am Markt leidlich erfolgreich. Bei strengeren Messkriterien noch viel weniger.

Nur wie will ein junges Team, das all das nicht hat, da mit halten? Nur mit jugendlicher Unbeschwertheit und Kreativität? Das ist doch Unsinn.

Ein Schluss könnte sein, dass junge Gründer nur eine reelle Chance in ganz neuen Märkten haben. Dann sollten junge Gründer (fast) alle Geschäftsideen, die sich in vorhandenen Technologien und Lösungen meiden. Die Entwicklung scheint diese Annahme zu bestätigen. Hier vielleicht eine erste vorsichtige Empfehlung an start-ups:

Aufpassen beim Eintritt in Märkte, die schon besetzt sind!

Große Konzerne stehen sich natürlich bei kreativen Themen mit ihrer Organisation und ihren Prozessen selber im Weg. Ihr Erfolg hat die negative Seite, dass man zwangsläufig in alten Mustern denkt. Das erkennen sie auch und sie suchen so die Innovation von außen. Sie gründen „acceleration“- und „invest“-Abteilungen und suchen die Kooperation mit „start-ups“. Das ist ja auch die neueste Idee von „unternehmerTUM“ der Technischen Universität wie auch vom neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Herrn Reiter.

Das Zauberwort „Kooperation von Konzernen und Start-ups“ wird aber auch nicht funktionieren. Denn zum einen leben die alten Unternehmen intensiv die Ablehnung von außen. Das Motto heißt, dass „not invented here“, im eigenen Unternehmen nichts wert ist und nicht sein darf.

Ich habe das beliebig oft beobachtet und auch selbst in einer strategischen Kooperationen mit einem großen Konzern erlebt – dies sogar zweimal. Und ich kenne eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen die „unternehmerischen“ Ergebnisse von XXX-Acceleration oder XXX-invest gescheitert sind.

Aber auch das „alte“ Vorgehen ist nur noch in wenigen Ausnahme-Fällen erfolgreich. Ich bringe als Beispiel das Scheitern fast aller „Steuerspar-Modelle“. Wir erleben das seit Jahren nicht nur in den Branchen „Film“, „Immobilien“ ,„Schifffahrt“ oder „alternative Energien“. Auch die großen Verluste von Anlegern bei Projekten im Eisenbahn- oder Kanal-Bau sind gute Beispiele.

Das Scheitern hatte mehrheitlich als Ursache nicht, dass Betrüger oder unseriöse Geschäftsleute am Werk waren. Das hat es auch gegeben. Aber meistens ist die Ursache des Scheiterns solcher Projekte, dass die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und -pläne falsch waren. Obwohl sie von Experten „professionell“ erstellt wurden, die ihren Markt bestens kannten.

Und von anderen Experten, wie zum Beispiel von Banken kritisch geprüft wurden. Und das ehrlich, denn die Banken haben ja geprüft, weil sie sich selbst auch dran beteiligen wollten – und sie wollten ja auch keine Verluste machen.

Auch da habe ich ganz persönliche Erfahrungen. In einem Fall hat die von mir hoch eingeschätzte Sparkasse München einen geschlossenen Immoblilien-Fonds in jena auf „Herz und Nieren“ geprüft, und ein paar Millionen verloren. Ich war auch dabei, den ich habe der Prüfung der Stadtsparkasse vertraut, aber glücklicherweise nur einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich verloren.

Aber wenn die von Experten geschriebenen und von vielen anderen Experten validierten Business Pläne nicht funktionieren, wie soll dann ein junges Gründungs-Team ohne Erfahrungen und Marktkenntnis ihr neues Unternehmens-Schiffchen erfolgreich in eine nicht vorhersagbare Zukunft führen?

So gesehen erscheinen doch Gründungen von neuen Unternehmen als aussichtslos oder zumindest als tollkühne Abenteuer, auf die sich eigentlich kein ernsthafter Mensch einlassen darf.

Ich denke mir aber, dass es möglich ist,die Erfolgswahrscheinlichkeit eines start-ups von gefühlten 1 : 100 vielleicht sogar auf 1 : 1 (Erfolg zu Scheitern) zu verbessern.

Ich weiß, dass das dies eine sehr mutige Aussage ist und habe mir vorgenommen, in meinen zwei Wochen auf einem Zeltplatz ganz im Süden des Peleponnes auf Mani ein paar Artikel zum Thema „start-up“ hier im IF-Blog zu schreiben. Für die von mir betreuten „start-ups“ wie für alle anderen Leser auch.

RMD

P.S.
Beginnen werde ich in der nächsten Folge mit meinem eigenen Werdegang. Ich glaube, da kann man schon viel daraus lernen.