Klaus Hnilica
Donnerstag, der 17. August 2017

„Don Carl“ – oder der heroische Kampf um die Unterhose

Carl und Gerlinde (Folge 52)

Mit größerem Vergnügen war Carl in jüngster Zeit selten in seine Unterhose gestiegen! Es war dieses herrliche Gefühl des ‚Umhüllt seins’, des ‚Geschützt seins’, das er genoss.

Ein Genuss, den er sich neuerdings sogar mehrfach am Tag ins Bewusstsein rief – und der sich seltsamer Weise noch verstärkte, wenn er tagsüber durch unauffälliges Herumzupfen an seinen Hosen das darin eingeengte Gemächt neu positionieren durfte!

Ja – „durfte“ – nicht „musste“ – wie er es früher empfunden hatte!

Denn seit offensichtlich vom Süden Deutschlands her sich eine Bewegung breit zu machen drohte, in der sich die üblichen Verdächtigen /1/ mit Bayrischer Wollust über die Herrenunterhose hermachten, die in der christlich–abendländischen Kultur seit bald 300 Jahren bestens verankert war, läuteten bei Carl in mehrfacher Hinsicht die Alarmglocken!

Ja – es war geradezu ein ‚Schock mit Aura’, der sich in Carl breit machte, als er am 13. August 2017 in den sozialen Netzwerken auf diesen besagten if-blog–Eintrag /1/ stieß, in dem in nicht allzu ferner Zukunft einer Welt ohne Herrenunterhosen das Wort geredet wurde: einer Welt, in der von einem Tag auf den anderen jegliches berechtigte Tragen einer Unterhose bei Männern in Abrede gestellt wurde, da offensichtlich sämtliches Wundreiben, lästiges Jucken, ekelhaftes Kitzeln und männlichkeits-bedrohendes Einzwicken in messerscharfe Reißverschlüsse ganz offensichtlich ignoriert, geleugnet oder unter einen ‚Kaftan’ gesteckt wurde.

Einem ‚Kaftan’, der angeblich nur der Freiheit diente – nämlich der Freiheit des ‚hemmungslosen Baumeln lassen des Gemächts’ und des damit verbundenen ‚angeblichen Wohlgefühls’!

Dies natürlich mit unabsehbaren Folgen für Leib – Leben – Gesundheit – Moral – Gesellschaft und Wirtschaft! Nicht nur für Deutschland und der Europäischen Union, sondern letztlich für das gesamte christliche Abendland und Tausende von Unterhosen produzierende Arbeiterinnen und Arbeiter.

Und war der Zeitpunkt wirklich zufällig?

Hatte nicht erst vor wenigen Monaten Putin in der gesamten Eurasischen Wirtschaftszone sämtliche Aktivitäten im Bereich der Damendessous verboten mit ähnlich verheerenden Folgen für TRIGA?

War das etwa nun der ausgleichende gender-erforderliche Gegenschlag gegen die Herren der Schöpfung, nach dem vorher gegen die Damenwelt gewütet worden war?

Und war es wirklich Zufall, dass diese Kampagne ausgerechnet von Bayern ausging? Oder war das vielleicht doch ein abgekartetes Spielchen zwischen Putin und Seehofer?

Aber als Carl all diese Aspekte in der wenige Tage zurückliegenden Besprechung zur ‚Entwicklung neuer Marketingstrategien’ bei TRIGA vorbrachte, war er nicht nur entsetzt über die Gleichgültigkeit seiner Kolleginnen und Kollegen, sondern vor allem über die Reaktion von Bernie – d.h. von Dr. Osterkorn – dem Leiter des Bereichs Trikotagen bei TRIGA: denn der schien die Tragweite dieses Vorgangs in keiner Weise zu begreifen – wie so oft fehlten ihm auch dieses Mal wieder die Antennen für neue Trends in Mode und Gesellschaft!

Übrigens ähnlich wie Gerlinde beim morgendlichen Frühstück!

Die auch nur lachte und ihn, Carl, fast mitleidig als Spinner abtat, der wieder einmal Gespenstern hinterherlief. Und als Carl daraufhin beleidigt aufstand, ohne seinen Frühstückskaffee mehr »

Roland Dürre
Dienstag, der 25. Oktober 2016

Winterzeit & Sommerzeit – so sinnlos wie ein Kropf

P1070194Jetzt sag ich mal meine Meinung!

Am 30. Oktober ist es wieder so weit. Da werden die Uhren nachts um 2:00 für eine Stunde angehalten. Dann dürfen sie wieder weiterlaufen. Oder man stellt sie am Morgen um eine Stunde zurück. War es gerade noch 8:00, ist es schlagartig 7:00. Am Abend wird es plötzlich viel zu früh dunkel …

Ich habe dann wieder meine 3 – 5 schummrigen Tage vor mir. Denn irgendwie macht mir die „homöopathische“ Zeitumstellung um nur eine Stunde komischer Weise mehr zu schaffen als ein „Jetlag“ von mehreren Stunden.

Die Unfallstatistik – ob Verkehr oder Haushalt – weist zur Zeitumstellung auch wieder einen Ausreißer nach oben aus. Wahrscheinlich stirbt der eine oder andere an der Zeitumstellung. Und am 26. März 2017 geht es dann wieder zurück.

Dieses Manöver soll ja Energie sparen. Nur weiß ich nicht, wie das gehen soll. Wenn dann könnte das ja nur beim Licht stattfinden. Aber wie soll das funktionieren? Die Aktivitäten der Menschen werden doch nur um eine Stunde nach hinten geschoben? Wenn man das Licht eine Stunde früher ausschaltet und dafür eine Stunde früher einschaltet, dann klingt das doch arg nach einem Nullsummenspiel …

Wie die meisten Menschen, die ich kenne, halte ich dieses Zeitumstellungs-Theater für kompletten Unsinn. Für mich ist es ein weiteres Beispiel für unsere trostlose politische Situation: Ein bayerischer Alleingang würde wahrscheinlich zu schwerwiegenden Konflikten mit Berlin führen. Ein deutscher Alleingang ist wegen EU-Recht nicht möglich. Und dass die EU mal etwas sinnvolles beschließt erscheint mir immer unwahrscheinlicher.

So werden wir wahrscheinlich noch Jahre mit diesem Blödsinn leben müssen. Bis diese EU dann mal zerfällt.

RMD

P.S.
Dass Putin in Russland in Russland diesen Blödsinn beendet hat, traue ich mich ja fast gar nicht mehr zu erwähnen, denn der ist ja ein antidemokratischer Diktator, der nicht vom Volk gewählt wurde. Er hat allerdings auf Winterzeit umgestellt – ich würde dagegen auf Sommerzeit umstellen. Weil das besser zu uns passt.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank den tapferen Wallonen aussprechen, dass sie sich dem Wachstums- und Effizienzwahn einer vom Spätkapitalismus dominierten weltweiten Lobbystruktur entgegenstemmen.

Wenn es um Menschlichkeit und Solidarität geht, dann denke ich gerne global. Aber wenn es darum geht, die totale freie Fahrt für Großkonzerne zu schaffen, dann denke ich lokal. Und wünsche mir regionale Schutzmechanismen und keinen Offenbarungseid und die Preisgabe jeglicher Selbstbestimmung.

Auch wenn man für solch eine Meinung gerne ausgebuht wird. Witzigerweise besonders von den Gabriels und Schulzen dieser Welt.

Alle Reden von Digitalisierung. Auch ich 😉

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerIch halte sogar Vorträge darüber. Weil ich den Eindruck habe, dass die Verwirrung da sehr groß und das Thema eigentlich nichts Neues ist.

Unter anderem werde ich Thomas Kofler vom Zentrum-Digitalisierung.Bayern auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg ergänzen und dort sprechen.

Ich bin aber auch unterwegs für große und kleine Unternehmen, soziale Clubs wie Lions oder vor kurzem für Gut Hohenfried in Berchtesgaden ….

Für mich ist schon der Begriff der Digitalisierung unglücklich. Begriffe, die ich im gemeinten Kontext für relevant halte, sind „Kommunikation“, „Vernetzung“ und „Information“.

Informationsaustausch heißt durch Denken Information zu erzeugen und diese durch Aussprechen des Gedachten weiterzugeben oder auszutauschen. Also ganz analog mit Sprache. Sprache kann man verschriften – dann wird es „digital“. Das ist trivial. Relevant ist, wie schnell und intensiv die Verbreitung und der Austausch von Information statt finden. Und schon sind wir bei Technologie und ihrer Entwicklung.

Betrachten wir mal die Entwicklung des Menschen in seiner jüngeren Vergangenheit:

Nach langem Anlauf haben die „Menschenartigen“ vor zirka 2 Millionen Jahren den aufrechten Gang geschafft. Dies war die Voraussetzung für die Wandlung der „Menschenartigen“ zum „Homo Sapiens“ bis vor ungefähr 200 000 Jahre. Damals noch als Jäger und Sammler hatten die Menschen ihre kreativste Phase und begannen vor zirka 125.000 Jahren, Afrika zu verlassen. Vor 60.000 Jahren nahm Homo Sapiens dann so richtig Fahrt auf und entwickelte bis vor 10.000 Jahren Sprache.

Das gesprochene Wort ist flüchtig. Man konnte das von einem Menschen Gesagte nur einmal hören. So wurden Geschichten ausgebildet und mündlich weitergegeben. Redundanzen wurden eingebaut, um Verfälschungen bei der Weitergabe soweit möglich zu reduzieren. Es gab Versuche, die Botschaften in Zeichnungen zusammen fassen, dies aber nur mit eingeschränktem Erfolg. So war es nur logisch dass ein paar Jahrtausende nach der Erfindung der Sprache auch schon die „Verschriftung“ kam. Und so entstanden vor ungefähr 7.000 Jahren Schriften.

Im alten Ägypten wurden die Geschichten in Tempeln in Sandstein gemeißelt und zusätzlich eingefärbt. Mit Hilfe einer Symbolsprache, die aus Bildzeichen besteht. Dann kamen leichtere Materialien auf wie Papyros und Papier. Und Technologien wie die Druckerpresse und den Drucksatz. Und später wurde – wie alle Technologien – auch die Informationstechnik elektrifiziert. Zuerst mit Kupfer (Kabel) und drahtlos (Funk).

Auch die Codierung wurde verbessert, wie z.B. hin zu einfachen Alphabeten mit wenig Buchstaben und Zahlen. Auch „Algorithmen“ und „Technologien“ zur Abbildung von Sprache und Information aller Art ins „Digitale“ entwickelten sich immer weiter. Dass alle Zeichen binär (nur durch Einsen und Nullen) dargestellt werden können, ist einfach aufzuzeigen. Diese Erkenntnis hat Konrad Zuse als wohl erster gehabt; es war eine wichtige Voraussetzung für die Entwickler des Computers, denn Computer arbeiten halt am einfachsten nur mit Nullen und Einsen. Auch das war eine ganz normale technische Entwicklung.

Schriftzeichen und so Verschriftlichung von Information wurden übrigens zuerst für „kaufmännische Zwecke“ genutzt. So scheint mir die „Wirtschaft die Mutter aller Dinge und Erfindungen“ zu sein und nicht der „Vater  Krieg“. Der ist nur eine besondere Art von „Wirtschaft“ – und zwar eine besonders zu verabscheuende.

Verschriftung macht Wissen über Zeit und Raum verfügbar und erzeugt Vernetzung. Die raren Bücher eines Galileo Galilei gingen durch Europa und brachten die Gedanken eines Keplers mit denen Galileos zusammen. Fortschritt und Technologie entstanden in Städten. Denn da trafen sich die verschiedenen Disziplinen. Später begannen die Städte sich zu vernetzen und die Dinge beschleunigten sich. Und dann vernetzte sich die ganze Welt. Zuerst durch Briefe, Bücher und Zeitschriften. Später durch „elektrische“ Unterstützung werden Zeitungen und Bücher werden von der „IT-Technologie“ abgelöst wie Petroleumlampen und das Talglicht durch Strom und Glühbirne.

Die Vernetzung von Informationen brachte uns die sogenannte „industrielle Revolution“. Und die „Digitalisierung“ ist nur die Fortsetzung dieser Entwicklung. Beides, die Geschwindigkeit der Vernetzung und die Menge an Wissen sind angestiegen und steigen weiter an, so beschleunigt sich dieser Prozess immer mehr. Das ganze ist Teil des Anthrozopän (das Zeitalter des Menschen), von dem man auch nicht so recht weiß, wann man eigentlich seinen Beginn festlegen soll und natürlich erst recht nicht, wo es uns hinführen wird und was anschließend kommen wird.

Eine Satellitenaufnahme der Erde gibt anhand der sichtbar gemachten Lichtverschmutzung einen Eindruck der Größenordnung menschlichen Einflusses auf die Umwelt

Satellitenaufnahme der Erde mit sichtbar gemachter Lichtverschmutzung.
So groß ist der menschliche Einflusses auf unseren Planeten (Bild aus Wikipedia).

Mir wäre es lieber, wenn wir die aktuelle Phase der Menschheit mit den Begriffen von Vernetzung und Information verbinden würden. Digitalisierung ist eine schwache Metapher für das, was sich gerade entwickelt. Aber Digitalisierung ist „in“ und Begriffe wie „Informationszeitalter“ sind „out“. Und jeder will vorne dabei sein, damit er nicht „abgehängt“ wird. In Bayern gibt es so ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B), andere Bundesländer kopieren das schon.

Und man kann beliebig viele Pamphlete zur Digitalisierung lesen (in denen meist nur Unsinn drinsteht) und viele Veranstaltungen besuchen. Beides ist in der Regel umsonst. Vor kurzem war ich auf den TechDays in der Tonhalle in München- Es war ein richtiges Festival der Spekulationen und dürfte die vorhandene Verwirrung eher noch vergrößert haben.

In der deutschen Wikipedia kann ich zum Thema Digitalisierung den Artikel Digitale Transformation empfehlen. Er fasst den Stand sachlich zusammen Es finden sich dort auch noch eine Reihe von Beiträgen wie Computerisierung, Informationszeitalter oder gar Digitale Revolution, die alle „nice to have“ sind aber eigentlich keiner braucht. Ein denglisches „digital business transformation“ gibt es da auch – hoffentlich wird da bald ein vernünftiges „Digitalisierung in Behörden und Wirtschaft“ oder ähnlich daraus.

Lasst uns die „Digitalisierung“ einfach als Weiterentwicklung der „Industrialisierung“ und Teil der Evolution des Lebens auf unserem Planeten im Anthrozopän betrachten. Zu dem es übrigens im deutschen Museum zurzeit eine Sonderausstellung mit ein paar durchaus sehenswerten Exponaten gibt. Da sollte man aber darauf achten, einen Führer zu kriegen, der seine Gruppe nicht nur mit Halbwissen und persönlichen Meinungen drangsaliert.

RMD

P.S.
Dann noch ein wenig Reklame auch für die DOAG-Konferenz! Ist wohl eine der besseren IT-Veranstaltungen in Deutschland veranstaltet von der wohl größten und wichtigsten IT-Anwender-Gruppe in Deutschland. Und auch ein Hinweis auf meinen Vortrag auf der DOAG2015.
DOAG12016-K-A-Banner-468x180_engl

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 10. März 2016

Schloss am Strom – oder Schinkels Hirsch

Eine weitere Deutung des berühmten Gemäldes „Schloß am Strom“(1820)  von

Karl Friedrich Schinkel

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In Schinkels Bild mit Schloss und Baum,
Tritt ein Hirsch, noch stört er kaum:
Gelassen schaut er – gar nicht wirsch –
Was typisch ist für diesen Hirsch!

Trieb er doch dereinst den Förster,
Als dieser schießen wollt’ als Erster,
Auf ihn – den Hirsch – im Morgenrot,
Mit seinem Blick dreist in den Tod!

Der Förster schoss damals vor Wut,
Was beim Schießen gar nicht gut,
Dem frechen Hirsch nicht aufs Geweih
Sondern konsterniert vorbei…

Und traf stattdessen nur das Knie
Vom Schlossherrn, der natürlich schrie:
„Verdammt sei’ st du, du Hundesohn
Der Blattschuss hier das sei dein Lohn!“

Betroffen wurd’ dann erst entwarnt,
Als trotz des Fluches, gut getarnt,
Das Ganze nach dem bösen Knall,
Vom Volk geseh’n als Jagdunfall!

Und allseits man in tiefer Trauer –
Der Schlossherr war noch immer sauer –
Den Oberförster auf der Fähre
Geleitete zur letzten Ehre…

KH

Das Bild ist aus Google

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Februar 2015

Stehpinkeln – oder der emanzipierte Mann

Carl und Gerlinde (XL)

Als Carl jüngst durch die „Frankfurter Allgemeine“ im Morgengrauen ein Gerichtsurteil des Amtsgerichtes Düsseldorf ins Haus geflattert kam, hätte er vor Freude nicht nur laut schreiend die Straße auf und ab rennen, sondern in den anliegenden Häusern auch alle Klomuscheln umarmen können!

ZZZSTimg164Denn endlich war ihm einmal als Mann durch die deutsche Justiz Genugtuung zuteil geworden! Genugtuung, an die er – und unzählige andere seiner Spezies – nie mehr zu glauben gewagt hatten, nach all den Ausgrenzungen und Erniedrigungen in diesem Land, das seit Menschengedenken von einer übermächtigen, freudlosen Frau in eine ungewisse Zukunft gelenkt wurde…

Und dann – dieses unerwartete Geschenk des Himmels am frühen Morgen, von dem Gerlinde völlig unberührt blieb: sie säuselte seelenruhig in ihrem Bettchen vor sich hin, während alle Zeichen auf eine endgültige Emanzipation des Mannes deuteten!

Natürlich fragte sich Carl, wie das auf einmal möglich war? Was passiert war? Gab es in diesem Land doch so etwas wie Gerechtigkeit? Sorgte vielleicht doch eine ausgleichende Wesenheit nach den Gesetzen der Entropieminimierung dafür, dass auch die Ungerechtigkeit minimiert wurde?

Wenn ja, dann könnte die unscheinbare Meldung in der „Frankfurter Allgemeinen“ an diesem Freitagmorgen ein erstes Zeichen gewesen sein! Ein Zeichen dafür, dass es sowohl für die Spezies Mensch als auch die Spezies Mann Hoffnung auf eine bessere Zukunft gab – während Gerlinde genüsslich vor sich hinschnarchte…

Für Carl aber krachte diese Zukunft wie ein Böllerschuss in sein Leben mit der amtlichen Feststellung des Düsseldorfer Richters Stefan Hank,

„….dass das Urinieren im Stehen nicht untersagt werden darf!

Sie sorgte dafür, dass sich Carl schlagartig nicht nur als Mensch neu definierte, sondern insbesondere auch als Mann! Und zwar als Mann, der endlich auch im Stehen daheim sein Wasser abschlagen durfte! Und dem das niemand mehr verbieten konnte! Weder eine Mutter, noch eine Ehefrau, noch eine Lebensabschnittspartnerin, noch die Putzfrau…

Was natürlich klipp und klar und ohne jede weitere Deutungsmöglichkeit hieß, dass auch die immer noch schlafende Gerlinde ab sofort zur Kenntnis nehmen musste, dass er – Carl – genau wie jedes andere männliche Wesen auf der Welt – das Recht hatte, im Badezimmer im Stehen in die Klomuschel zu pinkeln!

Diese völlig neue Rechtslage am Beginn des 21.Jahrhunderts, deren Abklärung Gerlinde ahnungslos verschlief, kam wie so oft bei großen Ereignissen, völlig unscheinbar in Form zweier einfacher Sätze von Richter Hank daher, die da lauteten:

„Trotz der in diesem Zusammenhang (nämlich der Mann – Frau – Beziehung) zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen“. (Aktenzeichen 42 c 10583/14)

Und klaro! – wenn der Marmorboden nicht verätzt wurde, wurden auch etwaige Keramikfließen auf dem Boden nicht verätzt, und wenn diese nicht verätzt wurden, dann natürlich auch die Klobrille nicht, was eine ganz einfache induktive Schlussfolgerung war, die auch einer Gerlinde, sollte sie jemals wieder aufwachen, einleuchten musste, obwohl ihr natürlich als Frau nicht immer der Zugang zur Logik gegeben war.

Anders bei Carl, der sich seinerseits aber jeden Versuch einer Domestizierung verbat, den der Richter angesprochen hatte, da sich ein Mann wie er niemals domestizieren ließ! Und schon gar nicht von einer Frau!

Das ging ja nun gar nicht!

Im Gegenteil, jetzt wo er endlich gerichtsfest, schwarz auf weiß verbrieft, im Bad und auf der Toilette ganz Mann sein durfte, wollte er diesen Akt der Emanzipation um jeden Preis durchziehen und auskosten und sich durch keinerlei Domestizierung oder sonst etwas, einschränken lassen.

Da konnte seine schlummernde Gerlinde sich noch so sehr auf den Kopf stellen (was sie ja bei einigen Yogaübungen ohnehin schon tat), er, Carl, war jedenfalls nicht mehr bereit von seinem Recht – gänzlich Mann zu sein – abzurücken!

Und Gerlinde würde er noch heute die neue rechtliche Pinkelsituation unter ihr keckes Näschen reiben! Was mit Sicherheit nicht ohne lautstarken Wortwechsel abging! Das war klar wie Rinderbrühe, aber die Sache Wert, sagte sich Carl und war stolz, wie gelassen und nüchtern er die Dinge noch vor der ersten Tasse Kaffee an diesem Morgen sah…

Na ja – und da Gerlinde vermutlich jetzt wirklich bald aufwachen würde, war zur Sicherstellung eines reibungslosen Gesprächablaufes es bestimmt pfiffig und klug, sie nicht schon vor dem Frühstücksei mit richterlichen Fakten zu überfallen, sondern erst eine Weile abzuwarten und ihr dann, je nach Befinden, bei einem Gläschen Sekt und mit der Zeitung in der Hand, die neue gerichtsfeste ‚Pinkelsituation’ zu präsentieren…

Ja das war eindeutig der bessere Weg! Der viel bessere sogar!

Und wenn er es genau überlegte – so Carl – stellte sich ja ohnehin letztlich die Frage, warum Gerlinde überhaupt mit dieser Sache konfrontiert werden musste? Sie stand doch nicht prüfend neben ihm, wenn er pinkelte! Also warum dann soviel Theater darum machen und endlos darüber quasseln?

„Hey – wo sind wir denn?“ sagte er laut zu sich selbst, legte die „Frankfurter Allgemeine“ beiseite und schlüpfte nach dieser spontanen Eingebung schnell noch einmal unter die warme Bettdecke…

Er konnte doch am Klo machen was er wollte: wenn er beschloss beim Pinkeln zu stehen, dann stand er, und wenn er beschloss sich wie bisher zu setzen, dann war das auch gut und er tat sogar noch Gerlindes nagender Forderung genüge!

Wichtig war doch nur, dass er nicht kniff, sondern klar Position bezog! Und das tat er jetzt, wo er im Lichte der neu gewonnenen Freiheit alle Optionen hatte und sich sowohl stehend als auch sitzend der Klobrille nähern konnte!

War das nicht ein irres, männliches Gefühl, nicht ‚alternativlos’ zu sein, wie es die Kanzlerin oft war…

KH
(Translated by EG)

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 23. Oktober 2014

Halloween in Hanau oder ‚Wiener Blut‘

Ein vampirischer Telefonsketch
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Elias Hupka-Hürlimann wohnt seit geraumer Zeit in Hanau.

Zu Halloween verwirklicht er einen lang gehegten Wunsch: er organisiert in seiner weitläufigen Wohnung in einer Hanauer Altstadtvilla erstmals eine aufwendige Vampir-Party, bei der es an Nichts fehlen soll! Vor allem nicht an Blut bester Qualität! Seine Freundin Susanne rät ihm zu dem berühmten ‚Wiener Blut’ einer bekannten Wiener Agentur in der Blutgasse im 1.Bezirk! An einem Dienstag ruft Elias dort an; nach zweimaligem Läuten meldet sich eine jugendliche Stimme:

• Internationaler Vampir Party Service ‚Blutdurst’ – Gottlieb Bissinger am Apparat – Grüß Gott!

• ……………………………………….

• Das freut mich aber, Herr Hupka-Hürlimann, dass Sie durch eine Empfehlung auf uns gestoßen sind. Das zeigt, dass wir Vieles richtig machen und unsere Kunden zufrieden sind! Oder?

• ……………………………………….

• Darf ich fragen wo dieses Hanau in Deutschland liegt, von wo Sie anrufen?

• ……………………………………….

• Ah – bei Frankfurt am Main – ja das kennt man natürlich! Hanau ist mir allerdings vollkommen unbekannt. Aber macht ja nix – ist doch schön wenn’s sogar in Ortschaften wie Hanau Vampire gibt, das lässt hoffen?

• ……………………………………….

• Ja – Sie sehen, in Wien gibt es eben nicht nur Heurige und Kaffeehäuser, Herr Hupka-Hürlimann, sondern auch einen sehr gediegenen ‚Blutservice für Vampire’!

• ……………………………………….

• Aber bitte, Herr Hupka-Hürlimann, Sie sollten nicht vergessen, dass wir in Österreich eine Jahrhundert alte Vampirtradition haben.

• ……………………………………….

• Na, na, na, nix England – der erste dokumentierte Vampir kommt aus Istrien in Kroatien, das schon vor über 200 Jahren zur Österreichisch Ungarischen Monarchie gekommen ist – das ist Tatsache!

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• Ja lachen Sie nur – Spaß muss sein, Herr Hupka-Hürlimann! Ist ja leiwand, wenn man sich gleich so gut versteht, dass man lachen kann, das macht alles viel leichter, gell!

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• Natürlich ist Wien ein ausgezeichnetes Pflaster für Vampire! Wissen Sie, bei uns weiß man nicht nur ein gutes Schluckerl Wein zu schätzen, sondern immer öfter auch einen gschmackigen Lutscher Blut! Überhaupt wenn er vom richtigen Halserl kommt und den entsprechenden Abgang hat!

• ……………………………………….

• Nein, nein – da ist kein Mangel bei uns! Schauen Sie, wir haben jede Menge Rentner in Wien, ausreichend Sängerknaben und wirklich einen Haufen Lipizzaner! Und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber die ganz jungen Lutscher, sozusagen die ‚blutjungen Zuzler’, üben sehr gern erst an einem letscherten Renterhals, bevor sie ihre richtige Gaudi mit den weißen Halserln der Sängerknaben und Sängermadln haben! Ja und für alle Tag schnappen sie sich schon einmal einen Lipizzaner – das ist einfach Fakt!!

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• Natürlich nicht während der Aufführungen der ‚Spanischen Hofreitschule’, Herr Hupka-Hürlimann, das ist doch klar! Aber danach in den Stallungen, wenn die Lipizzaner müde sind und sich kaum noch rühren können…

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• Nein, in unserm Servicedienst arbeiten nicht nur Vampire! Das tät’ die Gewerbeaufsicht gar nicht zulassen! Das ist doch bei uns alles streng geregelt, auch die Vampirquote! Vermutlich stammt diese Regelung sogar noch aus der Monarchie?

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• Sicher Herr Hupka-Hürlimann, Ordnung muss sein! Das geht gar nicht anders bei unserem heiklen Blutgeschäft. Was glauben Sie, wie viele so genannte ‚Gutmenschen’ ständig hinter uns her sind und uns ein Hackl ins Kreuz hauen wollen! Da können wir gar nicht genug aufpassen…

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• Genau! Und weil es halt diese Auflagen beim Personal gibt, Herr Hupka- Hürlimann, beschäftigen wir in unserem Partyservice nur in ganz begrenztem Umfang echte Vampire – alles andere wär’ auch viel zu teuer!

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• Auf keinen Fall – wo denken Sie hin! Bei unserem Partyservice ‚Blutdurst’ ist das so organisiert, dass 70% der Mitarbeiter so genannte N V P sind, also ‚Non Vampire People’ wie das amtlich heißt! Und von den restlichen 30% sind 20% H V P also ‚Hetero Vampire People’ das heißt, die sind mal so mal so, und nur 10%, Herr Hupka-Hürlimann, sind wirkliche P V P also ‚Pure Vampire People’! Sie sehen, die Quote ist wirklich gering!

• ……………………………………….

• Sie sagen es! Das wird in der Presse viel zu viel aufgebauscht! Ehrlich gesagt gibt’s keinen Vampirüberschuss bei uns und in der EU, sondern einen bedauernswerten Mangel! Ein paar mehr würden dem ganzen ‚Dradiwaberl’ mehr als gut tun, das können Sie mir glauben…

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• Richtig – Sie sehen das ja an uns! In unserem optimierten Service-Team ‚Blutdurst’ sind wir gerade einmal 6 Mitarbeiter!

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• Wie? Sie fragen, ob dann nur 6 Zehntel eines Mitarbeiters bei uns ein reiner Vampir ist?

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• Ja das ist vollkommen richtig, Herr Hupka-Hürlimann! Das haben Sie super schnell ausgerechnet! Gratulation!

• ………………………………………..

• Wie das geht, mit dem 6-Zehntel Mitarbeiter?

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. Das ist ganz einfach, das heißt, dass der Hubert, unser einziger Vampir, nur ab Mitternacht im Einsatz ist und akquiriert – so einfach ist das!

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• Ja gell, manchmal sind die Dinge einfacher als man denkt? Aber jetzt zu Ihrer Bestellung, Herr Hupka-Hürlimann! Was können wir für Sie tun?

• …………………………………

• Leiwand – das macht natürlich alles viel einfacher, wenn Sie sich schon auf unserer Homepage über sämtliche Produkte und Dienstleistungen informiert haben.

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• Selbstverständlich können Sie bei uns alles sofort telefonisch bestellen! Da machen wir überhaupt keine ‚Würschtl’!

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• Geben Sie mir doch durch was Sie benötigen, Herr Hupka-Hürlimann und ich tipp’ alles sofort in unseren Zentralrechner:

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• Ich versteh – Sie wollen 50 Liter Bio-Blut von der Blutgruppe A und 30 Liter Bio-Blut der Blutgruppe AB, aber keines mit der Blutgruppe B! Das wollen Ihre deutschen Gäste nicht! Interessant das zu hören, Herr Hupka-Hürlimann!

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• Ja da haben Sie Recht! Die Blutgruppe B schmeckt ein bisserl sperrig! Pelzig würden ihre Kenner in Hanau sagen! Und sagen Sie, legen Sie Wert auf einen bestimmten Rhesusfaktor?

• ……………………………………….

• Ist Ihnen egal! Das kann ich gut verstehen! Ja da haben Sie vollkommen Recht, vom Gschmackn her spielt der Rhesusfaktor wirklich eine untergeordnete Rolle; überhaupt wenn man einen Blut-Spritz serviert mit viel Eis! Da schmeckt man praktisch keinen Unterschied zwischen den Rhesusfaktoren: weder vom Bukett her noch beim Abgang!

• ………………………………………

• Darf es noch etwas sein, Herr Hupka-Hürlimann?

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• Wie Sie wollen wissen, was das ‚Bio’ bei unseren Blutprodukten bedeutet?

• ………………………………………

• Natürlich! Blut ist irgendwie immer Bio! Aber bei uns heißt das, dass es wirklich von reinster Qualität ist und eben noch diesen unverfälschten Blutgschmackn hat! Schließlich ist ja unser Haus zertifiziert, wenn Sie wissen was ich meine.

• ………………………………………

• Nun – wie Sie ja aus unserem Lieferprospekt sicher gesehen haben, liefern wir auch Blutprodukte in ganz anderen Geschmacksrichtungen!

• ……………………………………….

• Jawohl! Das ist dann Blut, das wir uns vorwiegend von passionierten Heurigengängern holen und das ganz fein nach ‚Blauem Zweigelt’ oder ‚Grünem Veltliner’ schmeckt! Oder auch nach Riesling! Aber wirklich nur ganz zart! Ist halt was für echte Feinschmecker! Da muss man schon mit einem sehr feinen Züngerl gesegnet sein, Herr Hupka-Hürlimann! Übrigens momentan haben wir auch für die nicht ganz so ‚feine Zunge’ jede Menge Blut mit einem prima Wodka-Gschmackl! Sehr zu empfehlen, wenn man was Wuchtiges möcht’ – nicht so was Fusseliges!

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• Genau, Herr Hupka-Hürlimann, dieses Blut kommt täglich frisch aus der Ukraine, und ist von ganz exzellenter Qualität, da es direkt aus den aktuellen Kampfzonen eingeflogen wird!

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• Ja – probieren Sie es doch einmal – ist wirklich was ganz Leckeres und Extravagantes, ich bin sicher, ihre Partygäste werden jedes Schluckerl goutieren…

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• Also ich ergänze Ihre Bestellung somit um weitere 10 Liter AB mit an Wodka Gschmackl und 5 Liter AB mit an ‚Blauen Zweigelt – Körper’ Prima Herr Hupka-Hürlimann! Zu dieser ausgewogenen Bestellung kann ich Ihnen im Namen unseres Hauses nur herzlichst gratulieren! Wirklich!

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• Wie? Wer uns beliefert? Nun des wickeln wir alles über das sehr professionelle Drohnen-Service von Amazone ab! Das funktioniert eins A! Die liefern zuverlässig und pünktlich! Da gibt’s überhaupt keine Probleme!

• ………………………………………..

• Sie sagen es! Amazone kooperiert auch auf diesem Sektor ganz eng mit der NSA und weiß daher praktisch in Echtzeit wo und wann die neuesten Blutquellen sprudeln…

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• Ja das ist wirklich eine feine Sache! Anders kann man das nicht bezeichnen! Endlich einmal ein sinnvoller Einsatz moderner Technik! Sonst machen die doch eh nur lauter Blödsinn mit der Technik, oder?

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• Ja – also dann nochmals schönen Dank für ihren Auftrag, Herr Hupka-Hürlimann! Ich hoffe Sie beehren uns bald wieder! Und wie gesagt wir werden Sie diskret und prompt beliefern! Wie das dem Stil unseres Hauses entspricht!

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• Und Servus auch von Kolleg’ zu Kolleg’! Gell’ Du bist auch so ein richtiger Blutlutscher, wie ich?

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• Irgendwie hört man das gleich raus! Macht Dich sympathisch, auch wenn Du ein Piefke bist! Nix für ungut! Und Servus noch einmal…

KH

Roland Dürre
Mittwoch, der 14. Mai 2014

Das sinnvollste elektrische Gerät in meinem Haushalt ?

Oft habe ich schon komische Ideen.

So fange ich eines Abends an, darüber nachzudenken, welches unserer vielen elektrischen Geräte im und um den Haushalt herum eigentlich das nützlichste ist. Und überlege mir, was ich davon eigentlich so wirklich brauche.

Das Bügeleisen erscheint mir eingeschränkt sinnvoll. Ich könnte die Hemden ja zur Reinigung bringen. Die Schuhputzmaschine, den elektrischen Dosenöffner, die elektrische Kaffeemühle und die große Bierdosen kühlende Heimzapfanlage können es nicht sein, habe ich doch diese Geräte und noch ein paar mehr gemeinsam mit den elektrischen Weihnachtskerzen beim Umzug abgeschafft.

Da macht der Kühlschrank zum Bier kühlen schon mehr Sinn. Allerdings könnte ich Bier auch in den zahlreichen Kneipen rings um unser Haus trinken – und hätte dann immer Gesellschaft.

Eine kleine Kühltruhe dagegen gibt es noch. Die ist aber nicht mehr so voll, esse ich doch die Nahrungsmittel lieber frisch. Und versuche ich doch auch generell eher weniger zu essen. Die Kinder sind ja auch fast alle außer Haus. So finde ich Lebensmittel zu horten nicht richtig, weil ich dann immer unter dem Zwang stehe, die Haltbarkeit des Lagers zu prüfen und die Sachen aufessen zu müssen.

Da fällt mir unser in die Wasserleitung integrierter Wassersprudler und -kühler ein. Eine tolle Sache, er war lange Zeit der Stolz der Familie. Aber jetzt ist er schon seit über zwei Wochen kaputt – weil die Firma Grohe auch nicht mehr so fix wie früher ist – und siehe da, es geht auch ohne. Weil man Wasser auch so vom Wasserhahn trinken kann.

Bleiben wir in der Küche. Da gibt es die Herdplatte (Induktion mit virtuellem Kochfeld) und den Herd, den Dampfgarer mit Wasseranschluss, die Spülmaschine und die Brotschneidemaschine, den ESGE-Zauberstab, den Eierkocher, die Küchenmaschine(n), die elektrische Zitronen- und Apfelsinenpresse, die Getreidemühle, das Gerät zum Sahne schlagen, das Gerät zum ein Folie einschweißen – alles elektrisch. Und im Keller steht auch noch eine Micro-Welle.

Zurück zum Trinken. Die elektrische Kaffeemaschine wird viel benutzt. Und Kaffee trinke ich wirklich sehr gerne und (wahrscheinlich) zu viel. Notwendig brauchen tu ich diese Maschine aber auch nicht, kann ich doch lecker arabischen Kaffee im Topf kochen. Habe ja auch noch einen Filter für die Kaffeekanne, einen Kaffeestempel und die kleine italienische Espressomaschine, die alle wie meine beiden guten alten Kaffeemühlen ganz ohne Elektrik funktionieren.

Der Joghurt-Zubereiter steht beim Flohmarktzeug, ihn brauche ich wirklich nicht. Den Staubsauger nutze ich nicht so gerne, weil er Lärm macht. Lieber beseitige ich die Reste am Boden mit dem Besen und der Kehrschaufel. Teppichboden ist bei uns ein „nogo“ und Teppiche gehören an der frischen Luft ausgeklopft und nicht besaugt. Den elektrischen Rasierer nutze ich nur im Notfall, weil ich mich lieber nass rasiere. Dafür schätze ich die elektrische Zahnbürste sehr – aber brauche ich sie wirklich?

Da fällt mir etwas ganz wichtiges ein – meine Laptops, Tablets, der Router und der Drucker! Und nicht zu vergessen, das kleine elektrische Gerät, das die „Tans“ zum Überweisen produziert. Das scheint ja alles lebensnotwendig zu sein, obwohl es früher ja auch ohne ging. Da gab es ja noch Telefone, Radios und Fernseher – aber die haben wir ja immer noch und dies auch noch in mehreren Räumen. Obwohl die Fernseher mehr so große Tablets sind, mit denen man halt auch Fernsehschauen kann. Und so richtig viel Fernsehen schaue ich wirklich nicht mehr, da höre ich lieber Radio. Oder nutze den Plattenspieler, der so richtig Freude macht.

Einen anderen schönen Exoten haben wir auch noch, die sich mit elektrischem Antrieb drehende Kompressor-Eismaschine. Mit der macht die Barbara ab und zu ein besonders leckeres Eis (Zimt oder Mango, weil unser Sohn diese Früchte immer aus Indien mitbringt). Aber das auch nur (zu) selten. Fast so selten wie ich die elektrische Eisenbahn im Keller aufbaue und fahren lasse (nie). Aber die hebe ich ja auch für die Enkel auf (obwohl die heutigen Kinder Null Bock auf Eisenbahn spielen haben, weil es ja Computer gibt).

Im Keller gibt es noch eine Bohrmaschine. Die wurde sogar beim Umzug benutzt. Obwohl ich mal gelernt habe, dass die durchschnittliche Nutzung einer Bohrmaschine im Deutschen Haushalt im ganz unteren Minutenbereich liegt. Diverse elektrische Sägen, Klebepistole und mehr so elektrischer Heimwerker-Blödsinn findet sich da auch noch. Da muss ich an „shared economy“ denken. Und sofort an die Haustechnik (Heizung, Solar für Brauchwasser und Photovoltaik), die natürlich auch ziemlich elektrisch ist. Wobei „solar“ übrigens sehr sinnvoll ist.

Aber was ist das wichtigste elektrische Gerät im Haushalt? Die elektrischen Uhren können es doch auch nicht sein, könnte man ja alles mechanisch lösen. Eher der Rasenmäher, der spart Schweiß. Aber das hat man früher auch anders gelöst – Stichwort „Sense“, ein fast nicht mehr gebräuchliches Wort. Und ist Schweiß sparen nicht „out“?

Auch das elektrische Tor würde per Handbetrieb seinen Dienst genauso gut leisten. Elektrische Fahrräder – sogenannte e-bikes – habe ich glücklicherweise noch nicht, sonst hätte ich den ganzen Lade- und Wartungsstress. Dafür habe ich mehrere Fahrrad-Computer (Pro Rad einen) und zwei GPS-Systeme – sind ja auch elektrische Geräte. Und eine Video-gestützte Überwachungsanlage, damit die Fahrräder nicht gestohlen werden. Bezuweilen der böse Dieb beim Stehlen gefilmt wird.

Lampen sind ja eigentlich auch elektrische und sehr wichtige Geräte. Licht ist ja besonders am Abend ganz praktisch.

🙂 Plötzlich fällt mir der Schuhlöffel ein, ein geiles Gerät, das mir jeden Morgen gute Dienste leistet – aber der ist ja nicht elektrisch. Vielleicht wäre das eine Idee für einen Start-Up?

Ist das nicht ein Wahnsinn? Wie viel Elektromotoren sich bei uns im Hause so drehen oder besser nicht drehen! Wenn ich so nachdenke meine ich, dass wir bei meiner Geburt im Jahre 1950 „NULL“ Elektromotoren in unserem Haushalt hatten. Und an Elektrik fallen mir nur Lampen und das Radio ein …

🙂 Aber ich bin ja auch noch aus dem letzten Jahrtausend.

Jetzt aber die Quintessenz: Brauchen wir das alles wirklich? Demnächst werde ich mal überprüfen, wie viel Schuhe ich für wie viele Zwecke so habe. Oder noch einfacher, was ich alles so einkaufe, was ich gar nicht brauche …

RMD

P.S.
Die Barbara schaut mir über die Schulter und meint ganz spontan: Die Waschmaschine ist es! Gern genommen.