Roland Dürre
Samstag, der 29. Februar 2020

Auf leisen Sohlen ins Gehirn.

Begeisterung.

Das ist der Titel eines Buches, das mir vorgestern ein guter Freund geschenkt hat. Es hat den Untertitel:

„Politische Sprache und ihre heimliche Macht“.

Das Buch hat einen interessanten Aufbau, in Form eines großes Interviews oder vielleicht besser Gesprächs zwischen Elisabeth Wehling und George Lakoff.

Es fasziniert mich. Denn ich misstraue schon länger der Diktatur des Verstandes. Wir Menschen sind nicht die vernünftigen Götter, wie man es uns eingeredet hat. Die von Vernunft gesteuert frei entscheiden können und dann ihre Verantwortung für ihre guten oder schlechten Handlungen tragen.

Habe ich doch in meiner Erziehung eingetrichtert bekommen, dass mein Gehirn (und damit ja auch ich) in der Lage ist, frei zu denken, darauf aufbauend unabhängig zu entscheiden und den Entscheidungen folgend Handlungen auszuführen, die man eindeutig als „richtig“ oder „falsch“ bewerten kann und für die ich dann verantwortlich bin. Für die man mich auch moralisch gerechtfertigt bestrafen kann – und muss!

Seit mehreren Jahren dank der Teilnahme an Seminaren der Philosophie und Gehirnforschung habe ich Schritt für Schritt erfahren, dass das keinesfalls so ist und sein kann.

Schon beim Denken fängt meine Unfreiheit an. Genauso auch beim Entscheiden. Mir für meine Handlungen Verantwortung aufzubürden, das war nur unfairer Trick der mich Sozialisierenden. Sogar später, wie ich Unternehmer wurde, hat man mir eingeredet, dass ich die Verantwortung für die Arbeitsplätze hätte. Was für ein hanebüchener Unsinn, den ich die ersten Jahre sogar geglaubt habe.

Eben im Sinne dieser Ausführungen gilt:
„Der Mensch ist nicht frei“.
Freiheit ist nur eine große Illusion und Selbsttäuschung. Schon lange, bevor ich vermeintlich bewusst entscheide, hat mein Unterbewusstsein festgelegt, was ich entscheiden werde. Mein Verstand rechtfertigt nur noch die gefällte Entscheidung. Mein Verstand kennt mein Unterbewusstsein überhaupt nicht. Leider. Da gibt es bestenfalls ein Bauchgefühl.

Damit wäre die einzigartige Positionierung des Menschen aufgrund seines Verstandes als „Krone der Schöpfung“ kaputt – oder in meiner Sprache:

Wir, die Menschen, sind auch nur Säugetiere wie unsere Brüder und Schwestern, das Schwein, die Kuh, die Katze und der Hund. Und all die anderen Wesen der Schöpfung. Es gibt keinen Grund – geschweige denn ein „Recht“ – uns über die anderen Lebewesen und die Schöpfung zu stellen.

Herausragend ist unsere Position nur, wenn man das Ausmaß der von den Wesen dieser Erde verursachten Zerstörung misst, das bei „der Krone der Schöpfung“ Mensch ja kaum mehr messbar ist. Sondern eher als Grenzwert gegen unendlich geht.

Dies mehr als 2.000 Jahre gültige menschliche Selbstverständnis des Menschen, sich als „zur reinen Vernunft fähigen Wesen“ zu sehen, stellt sich als Lüge oder zumindest als folgenschwerer Irrtum heraus.

Der Mensch ist eher als „die kriminellste Gattung auf dem Planeten“ zu betrachten, die aus reinem Egoismus ihre eigene Existenz vorsätzlich zerstört. Und ich rätsele, welcher zynische Witzbold die Gattung Mensch als „homo sapiens“ bezeichnet hat.

Die logische Folge dieser Erkenntnis ist, dass wir unser gesamtes Verständnis von sozialen Systemen, Gesellschaft oder auch unseres Rechtsverständnisses neu  definieren müssten. Aber mit dem Mut zur Veränderung ist es bei uns ja nicht weit her. Und deswegen bleiben wir bei den alten Parolen und zerstören munter weiter.

Und dann kommt das kleine Buch von George Lakoff und Elisabeth Wehling zu KOMMUNIKATION und GESELLSCHAFT zu mir. Schon auf der 1. Seite des Buches (gleich nach dem Vorwort von Freimut Duve aus Seite 13) wird eine zentrale Frage diskutiert:

Denken in Metaphern. Die heimlichen Machthaber. Was wir denken über unser denken zu wissen.

Auf Seite 13 finde ich auch die „vier größten Fehlannahmen über das menschliche Denken“, die ich hier wörtlich zitiere:

  1. Denken ist ein bewusster Prozess.
    FALSCH!
    Gut 80 % unseres Denkens sind uns nicht bewusst!
  2. Der menschliche Geist ist eine Instanz unabhängig von unseren Körper.
    FALSCH!
    Alles Denken ist physisch! Die Form unseres Denkens hängt von den physischen Beschaffenheit unserer Gehirne ab.
  3. Denken ist universell, alle Menschen können gleich denken.
    FALSCH!
    Menschen begreifen unterschiedlich, weil unsere Gehirne unterschiedlich geformt sind.
  4. Wir können alle Dinge in der Welt gedanklich so erfassen, wie sie an sich existieren.
    FALSCH!
    Wir denken und sprechen jeden Tag hundertfach in Metaphern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Abstrakte Ideen zum Beispiel – also all die Dinge, die wir nicht körperlich erfahren – können nur durch Metaphern begriffen und benannt werden.

Diese vier Annahmen habe ich so auch gelernt und als braver Schüler geglaubt. Nach einem langen Lebensweg habe ich gelernt, dass sie alle falsch sind und überzeugend widerlegt werden können.

Was sind die Folgerungen?

Für mich stürzt eine Welt zusammen. Kommunikation wird zu einem Ding der Unmöglichkeit, das zwangsläufig im Chaos versinken muss. Es gibt kein falsch oder richtig, gut oder böse, schuldig und unschuldig mehr.

Darf man Menschen jetzt noch beurteilen oder gar  verurteilen? Gibt es auch nur eine Chance, das personale DU verstehen zu können. Wie unmöglich wird soziales und politisches Handeln? Wie überhaupt soll Demokratie so funktionieren? Wir merken, mit Vernunft und Ratio wird das nicht mehr funktionieren.

Wie sinnlos wird es, andere Menschen überzeugen zu wollen. Wie solle Demokratie und Politik funktionieren? Zurzeit scheint da viel Zusammen zu brechen. Ist das nicht nur logisch?

Ich habe da keine Antworten. Ich bin im Buch aber erst am Anfang. Und habe noch zirka 150 Seiten vor mir. Vielleicht kommen da noch die Antworten.

Und wenn ich sie finde, werde ich darüber berichten. Allerdings – angesichts des Gelernten: Macht so etwas wie IF-Blog überhaupt noch einen Sinn? Gerade wenn ich an den Disput und Diskurs denke, der hier oftmals ausgetragen wird?

RMD

 

 

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Oktober 2019

Sei anders, sei Du selbst!

Ein Bild, das man sich lange anschauen kann.

Heute möchte ich ein besonderes Buch besprechen.

Der Autor ist mein Freund Jolly Kunjappu, den ich als meinen Bruder im Geiste kennen gelernt habe. Wir sind beide für Frieden und lehnen Feindseligkeit und Gewalt ab. Wir leben beide sehr gerne und achten die Schöpfung. Uns graut beiden vor Ideologien und dogmatischem Handeln. Wir wünschen uns Respekt. Wir wollen immer konstruktiv handeln und dabei kritsch bleiben. Es könnte sein dass wir beide Rebellen sind. …

Das Buch habe ich schon in einer frühen Fassung lesen dürfen. Ich habe schon damals keine einzige Aussage gefunden, der ich innerlich widerspreche. Jetzt ist es erschienen und ich habe es noch mal gelesen. Wow, es hat sich gemausert.

Das Buch ist eigentlich mehrer Bücher. Je nachdem wie man es liest, ist es eine Biographie. Oder ein Buch, das hilft, das eigene Leben zu gestalten. Es ist aber auch ein Buch für Führungskräfte. Oder ein Buch für Eltern. Oder Partner (z.B. in einer Beziehung). Oder für Heranwachsende, die vielleicht in der Pubertät die Welt und ihr Leben in dieser Welt nicht mehr verstehen. Oder als Vorlesebuch für Kinder, denen noch nicht die Weisheit geraubt wurde.

Zum Inhalt:
Jolly ermuntert und zeigt uns den Weg, wie wir zu uns selbst finden und unser Leben autonomer führen können. Das aber auf sehr unaufdringliche und respektvolle Art und Weise. Am eigenen Erleben schildert er, wie der Weg zum eigenverantworteten Leben gelingen kann. Dass es ein Weg ist, der oft uns nicht als leicht erscheint, für den wir jedoch reichhaltig belohnt werden.

Er erzählt von dem alten englischen Verkehrsschild
STOP – LOOK – GO!
und sieht das als Metapher für ein Leben des
ANHALTEN – BETRACHTEN – LOSGEHEN!

Er begründet, warum es Sinn macht, willens und fähig zu sein, die Entfaltung von eigenem und fremden Leben zu mehren. Und es ist das einzige mir bekannte Buch, dass nicht nur die Lösung aufzeigt, sondern auch klar macht, wie wir Menschen ganz selbstverständlich in Unfreiheit gelangen.

Und weil gerade Weihnachten ist:
Das Buch ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Auch von außen hochwertig und es kostet nur 15 €! Es liest sich spannend und macht glücklich. Es braucht nicht viel Platz und ist nicht schwer zu tragen. Und wird den meisten Menschen gefallen und nutzen.

Es gibt aber auch eine Warnung:
Es könnte sein, dass es bei sehr „konservativen“ Menschen nicht gut ankommt. Wenn sie also einen Mr. Hyde kennen, dann schenken Sie es ihm nur, wenn sie feindselige Gefühle hegen und diesen ärgern wollen.

RMD

P.S.
Wer Jolly erleben will, dem empfehle ich unser Video
FRIEDEN.

 

 

 

Roland Dürre
Freitag, der 18. Oktober 2019

Leseproben.

Vor kurzem habe ich vom Buch „Was dem Leben dient“ (RUPERT LAY LESEBUCH) berichtet.

Eigenes Bild.

Hier zitiere ich vier Texte aus dem Rupert Lay Lesebuch. Das Buch ist eine lockere Zusammenfassung,   von Definitionen, Stellungnahmen und Aussagen zu Themen, die Rupert Lay sein Leben lang bewegt haben.

Dies sind Ethik und Verantwortung, Führung und Autorität, Sprache und Kommunikation, Menschenbild und Personalität, Religion und Christentum, Wirklichkeit und Realität, die großen Systeme und Traditionen (Gesellschaft | Unternehmen | Gewerkschaften | Verbände |Kirchen | Politik), Wirtschaft und Technik.

Zu all diesem hat er konstruktiv und kritisch, oft auch revolutionär und provokativ in vielen Büchern Stellung genommen.

Im Lesebuch findet sich eine Sammlung  „best of“ zu all diesen Themen; daraus habe ich ein paar ganz kurze und längere zum Probelesen ausgesucht. Vielleicht regt das zum Weiterlesen in den Büchern an?

Redaktionelle Anmerkung:
Die zitierten Texte habe ich invers gesetzt. Alle Begriffe in den Zitaten, die mit einem Schrägstrich markiert sind wie /Begriff werden im Buch definiert


VERSCHLEIERN  (Gesellschaft)

Laut Joseph Schumpeter eine Lieblingsbeschäftigung von Politikern, seit es diesen merkwürdigen, schmarotzerischen und eigentlich völlig unnötigen Berufsstand gibt. Sie behaupten, ihr /Handeln sei uneigennützig am /Gemeinwohl orientiert, obwohl sie am Gemeinwohl nur insofern interessiert sind, sofern es ihrem Eigenwohl nicht widerspricht.

Da kann man trefflich diskutieren, aber ich fürchte, da steckt ein kräftiges Maß an Richtigkeit drin.


VF VERZÖGERUNGSFAKTOR  (Unternehmen)

Gibt an, ob die Anpassung der Unternehmensstruktur an veränderte /WEIB eher schneller oder langsamer erfolgt.

Anmerkung von mir: WEIB steht als Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse der Menschen. Und wie schnell Unternehmen stehen bleiben können, wissen wir alle.


WENN MENSCHEN ZU AGENTEN WERDEN (Führung und Autorität)

In nicht wenigen Institutionen haben nur diejenigen Menschen eine realistische Chance, im Namen und im Auftrag der Institution zu handeln – also Führungspositionen innerhalb der Institution zu übernehmen – die nahezu kritiklos bereit sind, dem endogenen Zwecke der Institutionen zu dienen.

Ich habe in Kirche, Staat und Unternehmen nicht wenige solche uneigenützigen Diener kennen gelernt. Für den Bestand ihrer Organisation sind sie bereit, nicht nur ihr Bestes – nämlich ihr Leben, ihre  Arbeitskraft, ihr Privatleben und ihre moralischen Wertvorstellungen – zu geben, sondern auch gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.

Quelle: Wie man sich Feinde schafft, 1994, Seite 197


DAS MITTELMAß ALS FEIND DER WEISHEIT  (Ethik und Verantwortung)

Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen unserer Zeit zu betrachten oder gar aufzuzeichnen  versucht.  Schon Platons Vermutung, dass die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaß bedeutet, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme nach 1848 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir versäumt – und so beherrschen uns in  Politik und Wirtschaft, im sozialen (etwa auch in den Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa in den Kirchen) das Mittelmaß.

Quelle: Weisheit für Unweise, 1998, Seite 200

 

Ich finde, dass jeder Absatz in Ruperts Lesebuch ein klares Statement ist, das inspiriert, Impulse gibt. Und zum Nachdenken anregt.

RMD

 

Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Oktober 2019

RUPERT LAY LESEBUCH

 

Was dem Leben dient.

 

Da steht alles drin.

Ein ganz wichtiges Buch. Das mich tief berührt. Denn es hat eine besondere Geschichte:

Zur Jahrtausendwende hat sich eine kleine Gruppe meiner Freunde im gemeinützigen Ronneburger Kreis e.V. (der mittlerweile aufgelöst wurde) zusammen getan und die vielen Definitionen von Begriffen aus dem alltäglichen Leben wie aus Wirtschaft und Gesellschaft in den Büchern wie aus dem Wirken Rupert Lays gesammelt. Das entstandene kleine Werk haben wir das  „Wörterbuch zur Ethik des Rupert Lay“ genannt und im Ronneburgerkreis veröffentlicht (siehe Bild unten).

Das war eine schöne Sammlung von wichtigen Texten. Es hat mir Spaß gemacht, es immer wieder aufzuschlagen und mich an dem einen oder anderen Artikel zu erfreuen oder sich mit diesem auseinander zu setzen.


In diesem Sommer feierte Rupert seinen 90. Geburtstag. Norbert Copray hatte die Idee, das Wirken von Rupert Lay aus diesem Anlaß mit einer besonderen Veröffentlichung zu würdigen. Es sollte ein großer Überblick der Gedanken Rupert Lays werden, in dem das freie Rumschmökern in anspruchsvollen Texten Spaß macht. Ein schweres Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Die Quelle für das Lesebuch (2002)

Als geeigneten Grundbaustein fand er unser „Wörterbuch“. Aber das „Wörterbuch“ hatte er nur in Papierform vorliegen. So machte es sich auf die Suche nach der digitalen Quelle. Und so fand er mich.

Die digitale Quelle war verschwunden. Aber in der digitalen Welt ist das ja kein großes Problem mehr. Mein Freund Wolfgang Groß übernahm die Aufgabe und stellte kurzer Hand ein hochwertiges digitales Exemplar vom Wörterbuch her. Und Norbert Copray und Erich Ruhl-Bady konnten loslegen.

Und sie haben etwas ganz Großartiges geschaffen. Aus dem Wörterbuch ist ein Lesebuch geworden, dass viel Klugheit, Klarheit und auch Frechheit enthält. Auf fast vierhundert Seiten finden wir ein Feuerwerk von Gedanken, mit denen sich auseinandersetzen lohnt und das richtig Spaß macht. Diese Gedanken findem wir thematisch schön geordnet. Zum Teil sind sie nur eine Zeile lang und selten länger als eine Seite. Richtig schön zum lesen.

So lohnt es sich immer, zwischendurchs ins Buch reinzuschauen. Aber Vorsicht: Man wird förmlich süchtig und bleibt dann schnell eine oder mehr Stunden hängen, und wundert sich dann um diese Jahreszeit, dass es so schnell dunkel geworden ist.

Großen Dank an Norbert Copray und seine Mitstreiter!

RMD

P.S.
Wer sich dieses Buch nicht besorgt versäumt etwas.

Roland Dürre
Freitag, der 27. September 2019

Buchneuerscheinung: »Das Auto im digitalen Kapitalismus«

Vor kurzem hat mich folgende Pressemitteilung erreicht:


Verkehr à la Silicon Valley?

Elektrischer Antrieb, geteilte Nutzung, selbststeuernde Fahrzeuge – der digitale Kapitalismus erobert die Straßen. Doch befinden wir uns damit auch auf dem Weg in eine nachhaltigere Mobilität? »Keineswegs«, sagt Timo Daum und plädiert in seinem neuen Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus« (ET 7. Oktober 2019) für einen kritischen Umgang mit diesen Trends – und den dahinter stehenden Akteuren.

Der digitale Kapitalismus schickt sich an, ein neues Feld zu erobern: den Verkehr. Für Timo Daum ist klar: »Die Tage des klassischen Automobils sind gezählt, wodurch auch die Kompetenz der traditionellen Autoindustrie immer weniger gefragt ist.« Die Herausforderungen reichen vom elektrischen Antrieb bis zum selbstfahrenden Auto – und die Konkurrenz kommt dabei vor allem aus dem Silicon Valley. Digitalkapitalistische Konzerne wie Tesla, Uber und Google erobern die Verkehrsbranche. Doch was folgt für die Mobilität der Zukunft, wenn Algorithmen und Daten eine immer größere Rolle spielen? Wie wirkt sich diese Entwicklung auf unsere Städte und unsere Lebensqualität aus?

Das Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« skizziert den Status Quo der technischen Entwicklung im Bereich der Mobilität. Es erläutert Strategien und Geschäftsmodelle der Digitalunternehmen und plädiert für einen kritischen Umgang mit den Herausforderungen, die damit einhergehen. Denn digital bedeutet nicht automatisch nachhaltig.

Timo Daum: »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

Zum Autor:

Timo Daum arbeitet als Hochschullehrer in den Bereichen Online, Medien und Digitale Ökonomie und veranstaltet Vorträge und Seminare zum Thema »Digitaler Kapitalismus«. Sein Buch »Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie« wurde mit dem Preis »Das politische Buch 2018« der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Auf seiner Homepage > informiert er über die Schwerpunkte seiner Arbeit und Veranstaltungstermine.


 
Soweit die Pressemitteilung. Da steht schon vieles drin. Es hat mich neugierig gemacht – da bekomm ich Lust zum Lesen und Rezensieren. Also bestelle ich mir ein  Vorabexemplar und lese es.
Vorab es hat sich gelohnt! Das ist das Buch:
Timo Daum »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A).
Erscheint am .. im Oekom-Verlag
Ein gutes Buch, das meine Vorurteile krass bestätigt 🙂
Denn die Geisteshaltung ist sehr modern. Es geht nicht nur um  SUVs und „imperiale Lebensweise“ und die Hoffnung, von der „autozentrierte Stadt“ wegzukommen.
Es ist eine gute Zusammenfassung und Kritik des mobilen Wandels, verursacht durch Elektrifizierung und Digitalisierung.  Viel Tesla ist dabei und die Geschichte des Stroms. Interessant ist auch die Geschichte des Autos und besonders des elektrischen. Die Bedeutung der Stromspeicherung (Akkus). Weitere Themen sind:
  • Der Dieselskandal und die Betrugssoftware
  • Eine Marktübersicht von E-Autos mit unerwarteten und erfreulichen Kenntnissen
  • Die Rolle Chinas und die Situation in China
  • Nutzfahrzeuge
  • den Versuch des „fossilen Kapitals“, die Vergangenheit zu konservieren …
  • die zahlreichen und wesentlichen Vorteile der E-Mobilität und die Unmöglichkeit die „autozentrierten Mobilität“ durch eine eins zu eins Ersetzung durch elektrische Fahrzeuge zu lösen …
  •  Die Bestrebungen großzügig Infrastrukturen umzurüsten
  • Der schwierige Weg zum automatischen Auto
  • Wie „autonomes Autofahren“ die Philosophie des Autofahrens verändern wird
  • Das „geteilte Auto“ als logische Folge der Entwicklung
Das ist noch nicht alles. Es gibt viele Referenzen auf aktuelle Studien. Und am Ende  des Buches gibt es ein großartiges Plädoyer
Für eine neue Verkehrsordnung!
Allein dieses letzte Kapitel lohnt die Lektüre des Buches.

 
Vom selben Autor habe ich noch gefunden:

Timo Daum: „Die Künstliche Intelligenz des Kapitals“
Edition Nautilus, Hamburg 2019

 

(Kritik im Deutschlandfunk)

Das Kapital sind wir:
Zur Kritik der digitalen Ökonomie (Nautilus Flugschrift)

 

„Ob es innerhalb des Kapitalismus allerdings überhaupt die Möglichkeit gibt, aus der wachstumsfixierten Umweltzerstörung auszubrechen, eine Abkehr vom fossilen Raubbau hin und zu einer nachhaltigen zirkulären Ökonomie zu erreichen, ohne die Grundprinzipien des Kapitalismus selbst infrage zu stellen, ist mehr als fraglich.“
RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 18. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #5 Lektüre.

Ein Reisebericht der anderen Art (5).

Die lange Zugfahrt ist vorbei. In Sanya habe ich Zeit fürs Lesen und Schreiben.

Für die lange Zugreise von Moskau nach Peking hatte ich meinen ollen Kindle wieder ausgemottet. Ich hatte ihn in den letzten Jahren nur noch selten genutzt.

Zum einen, weil ich noch viele Papierbücher habe (und immer wieder neue geschenkt bekomme) die ich nicht gelesen habe.

Zum anderen weil ich in meinem aktuellen Leben die meiste meiner Zeit des Lesens im Internet verbringe. So lange es möglich ist, möchte ich das noch halbwegs freie Netz nutzen.

Da gibt es so viel tolle Blogs und Artikel (und Podcasts und Videos), die mir z.B. über Twitter zugespielt werden. Die sind kürzer, spannender und effizienter zu lesen (oder zu hören oder anzuschauen) als so mancher Schinken von Buch, in dem ein Professor meint, er müsse wissenschaftlich ein und das selbe Thema auf Hunderten von Seiten durchwalzen. Oder „Bestseller-Autoren“ kiloseitenweise die Welt mit belanglosem Gelabere vollschlammen.

Auf meinen Kindle habe ich das Gesamtwerk von Isaac Asimov auf Englisch. Da wollte ich schon lange drin herum lesen. Und wann habe ich eine bessere Gelegenheit zum Lesen als auf einer dreiwöchigen Reise, davon die Hälfte mit 8.000 km im Zug und anschließend beim Faulenzen mit meinen „chinesischen Enkeln“? So dachte ich mir?

Und weil es mich schon lange interessierte, wollte ich mich endlich mal zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ ganz konkret schlau machen. Und habe deshalb auch noch ein möglichst „dünnes“ Büchlein zu diesem Thema im Kindle eingepackt.

Hätte ich doch besser die „Gebrauchsanweisung“ der Reise gelesen! Da stand drin, dass man das Gepäck auf keinen Fall mit zuviel Bücher beschweren solle. Denn zum Lesen würde man eh nicht kommen!

So war es auch. Noch sind wir ja unterwegs. Die Zugreise liegt aber schon ein paar Tage hinter uns. Und wie vorhergesagt, da war mit Lesen nicht viel drin.

Immerhin ist es mir gelungen, das Buch zur gewaltfreien Kommunikation fast ganz zu lesen. Und die Chancen stehen gut, dass ich es auf dem Rückflug dann fertig schaffe.

Kurz zu diesem absolut lesenswerten Buch:
Ich war begeistert, auch weil für mich nur wenig Neues drin stand. Das hat mir gut getan. Vieles mir als selbstverständlich Erscheinendes wurde mir wieder bewusst und aufgefrischt. Die empfohlenen Übungen im Buch sind auch nicht schlecht. Und bringen viel. Man muss sie halt nur angehen.

Schade, dass ich mir  diesen Stoff so richtig erst jetzt im 69. Lebensjahr angeschaut habe. Ich bin mir sicher, dass wir eine bessere Welt hätten, wenn „gewaltfreie Kommunikation“ allgemeines Schulfach wäre – als Einstieg in eine dialektische Basisausbildung schon in den unteren Klassen. Das wäre wichtiger, als vieles, was unsere Kinder heute lernen. Mannomann, wie viel Quatsch ist da dabei.

RMD

Nachtrag:
Das von mir gelesene und hier erwähnte Buch ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Robert Leiser.

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

BUSINESS Visualisierung

DAS Buch von
Botta/Reinold/Schloss

Unter diesem harmlosen Titel verbirgt sich ein wirklich aufregendes Sachbuch. Ich würde sagen für Menschen im Alter von 6 bis 90 Jahre, die im Leben mehr Freude und Erfolg haben wollen.

Der Untertitel
Ein Reiseführer für Neugierige und Visionäre
weist dann schon ein wenig darauf hin, dass es ein besonderes Buch ist.

Besonders? Ich habe es gelesen und würde es als revolutionär bezeichnen. Es handelt von einer Reise in eine neue Welt, die ich sehr liebe und schätze. Das ist eine Welt der kreativen und wertschätzenden Kommunikation und des „Zusammens“! Und führt in eine Welt, die sich auch weiter immer noch verändert und erweitert.

Das Buch liest man eigentlich nicht sondern man erfühlt es sich. Spannend und humorvoll wird die Reise einer jungen Dame namens Barbara (Babs) ins agile Abenteuer beschrieben. Diese führt sie durch die Welt moderner Kommunikation, die beim Zuhören und Verstehen anfängt und den Kreis über das Kreative bis hin zum Dokumentieren der Ergebnisse schließt.

Für mich ist ganz klar – die Kommunikation ist die Basis von „sozialen Systems“ jeder Art. Und Kommunikation gelingt besser, wenn wir neue Formate nutzen (die zum Teil ja uralt sind). Dazu gehören auch die Nutzung von Bildern und Haptik – als Teil einer neuen, mir sehr sympathischen Geisteshaltung.

In meinem Wirken werde ich immer wieder überrascht, wie viele Menschen von den stattfindenden „agilem Wandel“ einfach ignorieren oder von ihm fast überrollt werden. Das Buch als gemeinsames Werk Botta, Reinold und Schloß könnte für Nichtkenner oder Verweigerer dieses „Neulands“ ein solider Einstieg sein. Aber auch der „erfahrene Agilist“ findet einiges an Neuem darin.

Ich kann Euch versichern, dass dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt. Es gehört nicht zu den Schinken, bei denen nach den ersten 50 Seiten die Botschaft klar ist und diese dann noch auf ein paar 100 Seiten verkünstelt und langweilig wiederholt begründet wird. Nein – hier kommt auf jeder Seite etwas Neues. Es bleibt immer humorvoll, der Lesespaß hört nicht auf.

Von den Autoren würde ich mir nur wünschen, dass sie weitere Büchern zu weiteren Reise schreiben, denn die wundervolle Welt moderner Kommunikation ist groß. Im Buch ist wirklich sehr viel davon drin – aber natürlich nicht alles. So könnte die Barbara (Heldin im Buch und im Leben Inspiratorin der Autoren) uns noch auf weitere tolle Reisen mitnehmen.

Das wäre schön. Aber die erste Reise empfehle ich schon mal ganz sehr! Für Unternehmer und (Projekt) Manager ist das Buch eine Pflichtlektüre.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 20. Juli 2017

Ein Tag mit der Liebe …

Genau vor einem Monat bin ich 67 Jahre alt geworden. Ich hab nur wenig Geschenke bekommen, weil meine Freunde akzeptieren, dass ich schon alles besitze und nichts mehr brauche. Und für sinnlose Gimmicks so gar nichts übrig hab. Dafür bin ich ihnen dankbar.

🙂 Glücklicherweise macht der eine oder andere dann doch mal eine Ausnahme und bricht diese Regel. Auch diesen Menschen bin ich sehr dankbar. So hat mir der Paul das Buch geschenkt:

Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi 

Das war gut, denn oft habe ich den Eindruck, dass ich in diese Welt hinein mit vielen Augen geboren wurde. Mit diesen Augen habe ich so vieles gesehen und erlebt.

Leider schlossen sich im Laufe meines Lebens immer mehr meiner Augen, sei es bedingt durch meine Sozialisierung im Elternhaus, in der Schule oder warum auch immer.

Seitdem ich älter werde, habe ich den Eindruck, dass das Leben einen Teil meiner Augen wieder geöffnet hat, ein Prozess, den man vielleicht auch „Lernen“ nennen könnte. Und so glaube ich, dass „Lernen“ ein wenig auch als Synonym für „Leben“ steht.

Um es kurz zu machen, ich habe besagtes Buch erst zur Hälfte gelesen und nehme wahr, dass die Lektüre mir wieder „eine ganze Reihe meiner verschlossenen Augen geöffnet hat“. Und mich so wieder ein wenig glücklicher gemacht hat.

Der Inhalt des Buches ist ganz banal und hat es aber so richtig in sich.

So machen sich an einem wunderschönen Sommertag „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ zu einem Spaziergang auf. „Verliebtheit“ möchte von „LIEBE“ lernen und „LIEBE“ – die früher auch mal „VERLIEBTHEIT“ war, teilt ihr Wissen gerne mit „Verliebtheit“.

Auf ihrer Wanderung durch den wunderschönen Sommer führen die beiden einen Dialog, in dem es um Liebe geht. Die erfahrene „LIEBE“ unterstützt „VERLIEBTHEIT“ auf ihrer Suche danach.

Dieser Dialog wird zu einer einzigen wunderschönen und großen Metapher, die mir geholfen hat, ein wenig ruhiger und glücklicher zu leben.

🙂 Fast hätte ich geschrieben, ein wenig mehr zur Liebe zu finden. Dieser Anspruch ist mir aber zu mächtig und ich weiß noch nicht, ob ich schon so weit bin (oder jemals so weit sein werde).

Der Dialog zwischen „LIEBE“ und „VERLIEBTHEIT“ ist nur so gespickt von kleinen aber wunderbaren Erkenntnissen. So entschuldigt „Verliebtheit“ eine ihrer Schwächen damit, dass sie „nicht ihr Gesicht verlieren will“.

Die Antwort von „LIEBE““ – jetzt in meinen Worten – jedoch ist, dass man „das Gesicht nicht verlieren kann, sondern nur die Maske, die es maskiert“. In der Tat habe ich viele Masken, und bin immer wieder froh, wenn es mir gelingt eine davon „zu verlieren.

Das ist aber nur ein Beispiel von sehr vielen schönen Erkenntnissen, die Teil der Metapher sind.

Auffällig und besonders schön ist für mich die besondere Qualität des Dialogs zwischen „VERLIEBTHEIT“ und „LIEBE“. Es ist ein Musterbeispiel für eine friedvolle Kommunikation. Selten habe ich so schön erlebt und verstanden, was gewaltfreie Kommunikation sein könnte.

Es hat mich berührt, wie „LIEBE“ immer wieder versucht, ihre Erfahrung und ihr Wissen in nicht „belehrender“ Form an „Verliebtheit“ weiter zu geben. Ohne jede Form von Überheblichkeit oder Anmaßung. Wie es „LIEBE“ gelingt, auf „VERLIEBTHEIT“ einzugehen. Und absolut vermeidet, mit ihrer Überlegenheit „VERLIEBTHEIT“ zu verletzen und so kleiner zu machen.

Und genauso schön ist es, wie „VERLIEBTHEIT“ darauf eingeht, wohlüberlegt antwortet und kluge Fragen stellt. Und „LIEBE“ präzise auf diese Fragen eingeht.

Selten habe ich so –  ohne jede theoretische Belehrung – verstanden, was Achtsamkeit in der Kommunikation bedeutet.

Jetzt werde ich es dem Paul nach machen und dieses Buch auch ein paar Menschen schenken.

RMD

P.S.
Schade finde ich nur, dass ich den Autor – Moshen Charifi – nie kennen lernen durfte. Aber wer weiß, vielleicht passiert das auch noch einmal!

Roland Dürre
Montag, der 29. Mai 2017

Nomaden in den Kykladen – MILOS

Diesmal haben wir unser Insel-Hopping 2017 am 22. Mai von Piräus kommend in Serifos gestartet. Weiter ging es über Sifnos nach Milos. Morgen werden wir Sifnos in Richtung Paros und Antiparos verlassen – und am 2. Mai geht es dann wieder nach Piräus, zur letzten Nacht in Griechenland vor dem Rückflug von Athen nach München.

Das Buch habe ich (fast) in einem Stück auf meinem Balkon im Hotel Beach Lagada durchgelesen.

Gleich zu unserer Ankunft in Milos habe ich im Museum für Bergbau in Adamas ein Buch gefunden, das so spannend war, dass ich es gleich „am Stück“ gelesen habe. Der Titel des Buches ist

DER ARZT HANS LÖBER
Briefe aus Milos, 1943-1944

herausgegeben und kommentiert von Dr. Hanns-Georg Löber und Gregory Belivanakis.

Dieses Buch hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es absolut zum Lesen empfehle. Also, lieber Kykladen-Wanderer: Falls Du mal nach Milos kommt und mehr über diese Insel erfahren willst, dann besorge es Dir.

Hier ein paar Gedanken als Anmerkung:
Viele griechische Inseln waren im zweiten Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht und der Armee des italienischen Verbündeten besetzt und zu militärischen Festungen ausgebaut worden. Dr. Hans Löber war ein Stabsarzt der Marine, der nach dem Einsatz an verschiedenen Fronten unter anderem auch im „Nordmeer“ 1943 den Auftrag bekam, in Milos ein medizinisches „Revier“ aufzubauen, das die medizinische Versorgung der bei den geplanten militärischen Operationen im Mittelmeer verletzten deutschen Soldaten sicher stellen sollte. Das gelang ihm sehr erfolgreich trotz extrem schwieriger Randbedingungen dank seines besonderen Organisationstalents. Quasi nebenher errichtete er auch noch ein Lazarett für die ärztlich nicht gut versorgte Bevölkerung von Milos, das ihm bei der einheimischen Bevölkerung viel Respekt, Wertschätzung und Dank einbrachte.

Zeugnisse der Besatzungszeit Griechenlands durch Deutschland im zweiten Weltkrieg habe ich bei meinen Reisen auf dem Peloponnes und den Kykladen öfters gefunden. Gerade in Kavralyta (siehe meinen Vorbericht zur Peloponnes-Wanderung Anfang Mai 2017) war ich tief betroffen von einem Massaker der deutschen Wehrmacht, die als Reaktion auf Partisanen-Überfälle dort ein paar Dörfer und um die 100 Menschen ermordet hatte.

In diesem Buch sind die Briefe, die Dr. Hans Löber während seiner Zeit auf Milos in die Heimat gesendet hat, wohl ziemlich original veröffentlicht. Dies ergänzt durch knappe Kommentare der Herausgeber und eine Auswahl von historischen Fotografien.

Das besondere am Buch ist die tiefe Menschlichkeit, die die Briefe ausstrahlen. Es sind Berichte und Bekenntnisse eines hoch religiösem und „treuen und redlichen“ Deutschen, treu und redlich meine ich hier im besten Sinne der Worte.

Sie sind aber auch beeindruckende zeitgenössische Dokumente. So erwähnt und kommentiert der Briefe-Schreiber am Rande immer wieder Kriegs- und politische Ereignisse, die ihn auf der Insel erreicht haben. Die Briefe geben seine ungebrochene Lebensfreude genauso wieder wie sein großes persönliches Leiden, verursacht durch den Kriegstod zweier seiner Brüder.

Die Dokumente zeigen aber auch, wie perfekt-perfide die Wehrmacht organisiert war und wie im Kriege Menschen total als Ressourcen für sehr fragwürdige Ziele eingesetzt werden. Und wie auch der zweite Weltkrieg von der Deutschen Administration präzise geplant und umgesetzt wurde, auch bei Randthemen wie Feldpost und Luftfeldpost oder dem deutschen Militärsender in Athen, der in seiner Weihnachtssendung einen Beitrag aus Milos positionierte.

Vor allem ist dies Buch – wenn auch nirgends irgendwie explizit erwähnt – ein beeindruckender Appell für FRIEDEN. Deswegen empfehle ich es jedem redlichem Menschen zur Lektüre.

Milos, 29. Mai 2017

RMD

P.S.
Das Buch ist auch im Internet bestellbar – der Erlös geht an eine Klinik in Milos.

Zwei Magazine, die mir gefallen – oder – Papier, dass sich zu lesen lohnt.

brand eins & enorm!

2008 habe ich mit dem „Bloggen begonnen“ und meine Erlebnisse und Gedanken in IF-Blog.de öffentlich formuliert. Es hat mir Spaß gemacht, das zu erst mal für mich selber zu tun. Dann hab ich mich über die vielen Leser erfreut wie auch an viele Ereignisse und Kontakte, die daraus entstanden sind. Dann habe ich noch ein paar Mitautoren gesucht und gefunden, von denen freilich nicht viele geblieben sind.

Auch an meinem Kennenlernen von brand eins war IF-Blog.de schuld. Das aber weiter unten.

Ausgabe Januar 2017

Die Geschichte von brand eins beginnt offiziell im August 1999.
 2008 gab es brand eins schon im neunten Jahr. Die Vorgeschichte begann sogar drei Jahre früher – in 1996. Trotzdem kannte ich wie viele meiner Freunde brand eins in damals nicht.

Die brand eins-Geschichte selber begann wohl mit einem Interview von Jost Stollmann (1996). Jost war damals noch Chef von Compunet, die InterFace Connection GmbH gab es damals auch schon seit zwölf Jahren. Mit Jost Stollmann verbindet mich nicht nur, dass er IT-Unternehmer ist. Nein, er war wie ich Schüler von Rupert Lay.

Rupert fuhr seinerzeit privat einen roten Dreier-BMW (mit 2.0-Liter-Maschine), für einen Jesuitenpater etwas besonderes. Sein Auto sah meinen roten Dreier-BMW (mit 2.3-Liter-Maschine) zum verwechseln ähnlich. Das hat uns viel Spaß gemacht. Allerdings war Ruperts BMW kein Geschäftsauto sondern ein Geschenk (oder Leihgabe) von Jost. Und Rupert hat sich an seinem schnellen roten BMW und vor allem über dessen Herkunft sehr erfreut.

Jost Stollmann ist übrigens brand eins treu geblieben und hat dort weitere Interviews gegeben (in 2009 und 2012).
(Das frühe Interview von 1996 habe ich leider nicht gefunden. Ich würde es gerne mal lesen. Wenn jemand also einen link darauf hat oder ein PDF oder so etwas, dann würde ich mich freuen, wenn er mir die Info zusenden würde.)

Florian Prange, Unternehmer und Schatzmeister von FÖS.

brand eins jedoch habe ich durch Florian entdeckt. Dr. Florian Prange hatte damals gerade bei InterFace als Senior Consultant angefangen. Er war ein sehr feiner, junger und sozial engagierter Typ. Heute ist er sein eigener Unternehmer und Schatzmeister im Vorstand von FÖS (Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft), auch einer sehr interessanten Adresse.

Der Florian mochte meine Artikel und hat mich deshalb auf brand eins aufmerksam gemacht. Er meinte, dass meine Artikel ein wenig mehr Leser verdient hätten – und dies vielleicht über brand eins möglich wäre.

Ich kannte brand eins damals tatsächlich noch nicht, obwohl es ja schon neun Jahre auf dem Markt war. Die „Pflichtlektüre“ für Manager waren das Manager Magazin oder die Wirtschaftswoche. Beide Illustrierte waren (und sind) mir ein Graus – und brand eins war so ganz anders und viel besser.

So war ich von brand eins begeistert und habe dann so manche Ausgabe an Freunde und Geschäftspartner verschenkt. Das war immer ein großer Erfolg – viele kannten das Magazin auch nicht, waren überrascht und haben sich gefreut, ganz neue Impulse zu bekommen.

Das hat sogar geschäftlich gut getan. Einer meiner Freunde (der IF-Blog-Autor Edwin Ederle) schaffte es mit seinem Unternehmen data2impact (Feine Klitsche) sogar in eine Ausgabe. Und meine für viele Jahre regelmäßige Rezensionen zu brand eins in IF-Blog.de wurden gerne und viel gelesen.

Frau Gabriele Fischer im Vortrag für InterFace (2009)

So entstand auch der Kontakt zu Gabriele Fischer, der Gründerin von brand eins. Dieser führte zu einem großartigen Vortrag von Frau Fischer im IF-Forum.

Leider wollte Frau Fischer damals nicht als „Youtube-Toussie“ enden ( 🙂 so hat sie das selber formuliert), so dass wir auf die Video-Dokumentation ihres tollen Vortrages verzichteten.
🙂 Und so der Nachwelt etwas sehr Wichtiges verloren ging.

brand eins gibt es heute noch – und ist mittlerweile das etablierte Wirtschafts-Magazin nicht nur für Manager! Und es ist immer noch das einzige Papier, das ich in die Hand nehme …

Falsch!

Korrekt muss es heißen: War. Denn ich habe jetzt enorm gefunden. Da geht es nicht so sehr um Wirtschaft sondern mehr um Leben.

Das ging so. Am letzten Freitag vor einer Woche habe ich Peter Felixberger (übrigens gut befreundet mit Gabriele Fischer) kennen gelernt. Peter war unter anderem der Gründer von changeX.

Heute ist er Programmgeschäftsführer von Murmann Publishers. Er ist Herausgeber und verantwortlich für die Redaktion der kursbuch.edition und des Magazins enorm sowie Herausgeber von »Kursbuch auf Weltreise« (Goethe-Institut). Und macht noch manches mehr. Auch mein Freund Andreas Zeuch hat sein letztes Buch bei Murmann veröffentlicht.

Mit Peter Felixberger hatte ich an diesem Freitag ein wunderbares Gespräch. Ich habe viele Gemeinsamkeiten betreffend Werte, Erfahrungen, Interessen und Bedürfnisse zwischen uns festgestellt. So war es für mich sehr schön, ihm zu zuhören; er konnte mich für seinen Verlag und seine Produkte so richtig begeistern.

Er hat mir auch enorm vorgestellt, ein Magazin, dass als Zielmarkt die 20- bis 40-jährigen hat, nach meiner Bewertung aber auch schnell viele Anhänger bei jüngeren und älteren Lesern gefunden hat und finden wird.

Ich kann mir gut vorstellen, dass enorm schon in weniger als  zehn Jahren genauso erfolgreich wie brand eins heute ist. So wage ich  so eine kurze mini-Rezension der aktuellen Ausgabe 06 (Dezember/Januar 2016/2017).

Was begeistert mich an elan?

Es sind zwei Elemente – die Grundstimmung im Heft und die Themen.

Die Grundstimmung würde ich mit fair und achtsam bezeichnen.

Die Themen gefallen mir, weil alles was ich im Heft finde, für mich von hoher Relevanz ist. Die Struktur besteht aus AUFBRECHEN, MACHEN und LEBEN. Unter der Klammer „Jetzt erst recht“ finde ich eine gelungene Sammlung von Themen, die heute wichtig sind. enorm gibt es auch schon seit Januar 2010. Im Archiv auf der Website findet man alle Ausgaben seit 2010, auch immer mit wichtigen Themen. Allerdings sind viele Artikel – abhängig von der Ausgabe – „noch nicht freigeschaltet“. Ich finde das in Ordnung, denn gerade mit wertvollem Inhalt sollte man auch Geld verdienen. Und so gibt es trotzdem genug zu lesen.

Jetzt überlege ich mir, enorm wie damals brand eins an meine Freunde und Geschäftspartner zu verschenken. Gerade in den Abteilungen mit dem unmöglichen Namen für „Human Resource“ (HR) bei den kleinen und großen deutschen Unternehmen könnte enorm vielleicht enorm helfen, die Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter besser zu verstehen. Und das dürfte jedem Unternehmen gut tun.

Bei brand eins konnte man alle Artikel im Archiv auf der Webseite für umsonst nachlesen. Diese Zeit scheint vorbei zu sein. Allerdings finde ich viele Artikel in brand eins übers Internet – siehe auch die beiden Interviews mit Jost Stollmann. Und auch die Idee Inspiration auf der Website von brand eins gefällt mir gut.

Es lohnt übrigens, beiden Magazinen bei Twitter zu folgen:
🙂 Hier die „accounts“ @brandeins und @enorm_magazin.
Also #FF!

Kaufen und Bezahlen!

Ich meine, dass es die Fairness gebietet, ab und zu auch Papier zu kaufen. Wenn man es selber nicht lesen will, kann man es gut her schenken. Um andere Menschen zu inspirieren.

Also: Am 24. Februar geht es auf zum Kiosk, da wird die nächste Ausgabe von enorm erscheinen.

RMD