Hans-Peter Kühn
Samstag, der 6. März 2010

„A Hell of a Woman“ – Jim Thompson oder “Mala Vita”

hell_of_a_womanSeine Romane sind wie die Gemälde von Hieronimus Bosch und Pieter Brueghel, Welten der Sünde und des Lasters. In ihrem moralischen Gravitationszentrum stehen Eifersucht, Gier, Neid, Gemeinheit, Habsucht, Skrupellosigkeit, Lüge und List. Seine Protagonisten sind hinterhältige Halunken, miese Betrüger, korrupte Polizisten, erbärmliche Versager, versauerte Nieten, psychopathische Killer und  schmuddelige Doktoren. Seine Heldinnen lauern als lasterhafte Miezen in lauschigen Ecken dunkler Spelunken oder spähen nach leichter Beute als hässlich zerfressenen Fratzen von Habgier und Hass, blicken als üppige Puppen mit trügerischer Sanftheit nach Opfern lüsterner Geilheit und lauernder Lust.

Willkommen bei Jim Thompson, im Dschungel von Niedertracht, Lug und Trug!

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Roland Dürre
Sonntag, der 28. Februar 2010

Brandeins im Februar – Die Problemlöser.

Schwerpunkt: Logistik

Im März geht es bei Brandeins ums Probleme lösen und um Problemlöser. Das passt natürlich zu uns. Denn InterFace ist ja ein Unternehmen, das am liebsten für seine Kunden alle (IT-)Probleme löst.

Da Brandeins schon Mitte der Woche bei mir im Briefkasten war, konnte ich es zu unserem Bob-Event nach Igls mitnehmen. Da war aber so viel los und mein Blut wurde mit einer Unmenge von Adrenalin überschüttet, so dass ich erst gestern in der S-Bahn auf dem Weg ins Theater zur Lektüre kam.

Auf der Hinfahrt fuhr die S-Bahn normal. Wir wollten “Klein Eyolf” von Henrik Ibsen sehen, der fiel aber wegen Erkrankung im Ensemble aus. Als Ersatz gab es “Watten” von Thomas Bernhard. Mit einem Dirk Ossig in einer erstklassigen Solo-Rolle. War einfach toll.

Auf der Rückfahrt zuckelte dann S-Bahn wegen einer Signalstörung (kennen wir in München gut, wer baut denn nur die Signale?) so dahin und ich hatte genug Zeit zum Lesen.

Aber nun endlich zum Brandeins des März:

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Hans-Peter Kühn
Samstag, der 27. Februar 2010

„Inviting Desaster“ – James R. Chiles oder „Murphy’s Law“

InvitingJames R. Chiles führt uns in Katastrophengebiete, zu rauchenden Trümmern, verstrahlten Ruinen, krachenden Explosionen, stürzenden Airlinern, lodernden Flammen, sinkenden Schiffen… Die Reiter der Apokalypse sind weder Stürme noch Sintfluten oder Erdbeben, es handelt sich um hausgemachte Unglücke, verursacht von unseren Geschöpfen, Technik Maschinen und unserem Versagen im Umgang mit ihnen

Der Autor ist weder Sensationsreporter noch Technologiegegner. Sein Buch richtet sich nicht an Voyeure, Desastertouristen und militante Kreuzritter gegen technischen Fortschritt. Sein Stil ist betont sachlich, nüchtern, seine Haltung objektiv. Chiles beschreibt Wirkungen detailgenau, forscht nach Auslösern, zeigt Auswege. Hier spricht kein Besserwisser mit erhobenem Zeigefinger sondern ein unermüdlicher, akribischer Ursachenforscher.

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HaarteppichknDurch Zufall kam es mir in die Finger – das Buch Die Haarteppichknüpfer von Andreas Eschbach. Den Autor kannte ich von Jesus Video und Der Nobelpreis. Besonders pfiffig fand ich Eine Billion Dollar und sehr beeindruckt hat mich Ausgebrannt, auch wegen der Präzision der zugrunde liegenden Recherchen.

Die Haarteppichknüpfer waren der erste Langroman von Andreas Eschbach. Bis dahin hat er wohl vor allem kürzere Geschichten geschrieben.

Bei den Haarteppichknüpfern liest man zuerst viele Seiten spannende Fantasy, genial gegliedert und aufgebaut – und kann es irgendwie nicht verstehen, was es zu bedeuten hat. Im letzten Teil wechselt es kurz in die Science Fiction, um mit einem Paukenschlag (und ermöglicht durch die unvermeidliche Liebesgeschichte) die Erklärung des Rätsels brutal und albtraumhaft zu präsentieren.

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KaiserDas Ende des heiligen römischen Reiches deutscher Nation kann auf den Tag genau festgelegt werden. Am 6.8.1806 verzichtete Franz II auf den Thron und erklärte damit das Ende eines „uralten Imperiums“, wie Talleyrand zu sagen pflegte. Über seinen Anfang sind sich die Historiker nicht einig. War es der Weihnachtstag 800 als Leo III Karl den Grossen in Rom zum Kaiser krönte? Oder das Jahr 911 als die Ostfranken Konrad I zum König wählten?

Schmidt-Kaspar folgt der Historikertradition des 19. Jahrhunderts und beginnt seine Geschichte im Jahre 919 mit der Inthronisierung des Sachsen Heinrich I, auch Heinrich der Vogler genannt.

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DahlheimIst Ihnen bei Ihrem letzten Urlaub in Griechenland, Italien oder Südfrankreich, bei einem Ihrer Museums- oder Ausstellungsbesuche oder als Sie die Ilias für eine Opernsängerin hielten und Ihrer Tochter erklärten, dass Kleopatra eigentlich Elisabeth Taylor hiess, schon aufgefallen, dass Sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, dass brandeiliger Handlungsbedarf besteht?!?

Sind Sie leidenschaftlicher Trivial Pursuit Spieler, begeisterter Mitrater beim Millionenquiz, bildungsbeflissener IT-Manager, fanatischer Antike-Freak?!?

Alle, die ja sagen sind Sie bei Werner Dahlheim genau an der richtigen Adresse!

Das Verlagslabel „UTB für Wissenschaft“ verspricht universitäres Bildungskauderwelsch, das blassrote Cover gediegene Langweile. Der Schein trügt!
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ChemieSeit Mitte der Achtziger sind die Irrungen und Wirrungen von Gerichtsmedizinern und forensischen Experten durch Patricia Cornwell und ihrer nunmehr mit Kultstatus versehenen Heldin Kay Scarpetta zu einem eigenständigen Genre der Krimiliteratur herangewachsen. Simon Beckett präsentiert David Hunter.

Der forensische Experte hat sich vor drei Jahren, nach einer persönlichen Tragödie, die tiefe Wunden hinterlassen hat, in ein neues Leben als Landarzt im tiefsten Norfolk zurückgezogen. Er meint, dass die Vergangenheit hinter ihm liegt, bis er mit den grausigen Überresten von Sally Palmer konfrontiert wird. Eine weitere Frau verschwindet spurlos und ein friedliches Dorf taucht ab in Furcht und Paranoia, der Nebel des Verdachts legt sich über die Mitglieder der friedlichen Gemeinde.

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Dies ist das vierte Buch von Richard Dawkins, das ich mit Freude gelesen habe (Das Buch ist noch nicht in Deutsch verfügbar).

Dawsins“Das egoistische Gen“ macht Schluss mit der weitverbreiteten Irrmeinung, dass genetische Evolution stattfindet um Lebewesen, Rassen und/oder Arten zu entwickeln. Das Buch macht deutlich, dass (nur) Gene am Werk sind, von denen jedes dazu neigt, sich selbst so intensiv wie möglich zu vervielfältigen. Oft, aber nicht immer, „nützt“ dies dem dazugehörigen Lebewesen, der Rasse oder/und der Art

“Der blinde Uhrmacher“ erklärt, wie es, im Gegensatz zur Meinung von Fred Hoyle,  möglich ist, dass solche komplexen Strukturen wie das menschliche Auge entstehen können.

“Der Gotteswahn“ zeigt, dass es keinen guten Grund gibt, an Gott zu glauben (obwohl zugegeben wird, dass Glaube möglicherweise zur Natur des Menschen gehört).

“Die größte Schau der Welt“ geht einen Schritt nach Hinten, weg von diesen schwierigen Themen, denn Dawkins musste zu seinem Leidwesen erkennen, wie wenig Leute an Evolution glauben. Die Beweise dafür, dass die Erde ein paar Milliarden Jahre alt ist und dass alle ihre Lebewesen sich allmählich im Laufe des überwiegenden Teils dieser Zeit entwickelt haben, sind erdrückend. Es gibt mehr Beweise dafür, als etwa dafür, dass die Erde keine Scheibe ist und kleiner als die Sonne ist. Ich vermute, dass mehr als die Hälfte aller naturwissenschaftlichen Erkenntnisse die Evolutionstheorie untermauern. Dawkins hebt hervor, dass das Wort „Theorie“ in zwei Bedeutungen verwendet wird. Man kann es entweder für eine Hypothese gebrauchen, oder für eine Tatsache, wie etwa die Evolutionstheorie.

Dawkins erklärt, dass Fossilienfunde nur ein kleiner Teil der Beweismenge sind und dass immer mehr „Glieder der Kette“ entdeckt werden – und es gab noch nicht einen einzigen Gegenbeweis (etwa den Fund eines eine Milliarden Jahre alten fossilen Kaninchens).

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Roland Dürre
Sonntag, der 31. Januar 2010

Brandeins im Februar – Hart im Nehmen.

001_b1_05_09Diesmal geht es im Brandeins um “Die Marke“. Und natürlich um “Werben“. Und letzten Endes um “Verkaufen“.

Ich gebe zu, das sind drei Themen, die mich brennend interessieren – und an denen ich oftmals verzweifle. Also genau das richtige Heft für mich.

Da ich die letzte Woche unterwegs war, bekam ich es erst Freitag Abend zu sehen. Nach dem Theaterbesuch (Von morgens bis mitternachts von Georg Kaiser) kam ich dann am späten Freitag noch ein wenig zum reinschmökern.

Irgendwie hat die Nachtlektüre das Theaterstück ergänzt. Beide (Brandeins und das Theaterstück) haben mich nachdenklich gemacht, nachdenklich im Sinne von “Nach denken”. Passt auch zum Kernsatz des Stückes: Geld verschlechtert den Wert.

Loben brauche ich Brandeins nicht mehr, die IF-Blog-Leser wissen schon, dass ich immer wieder von Brandeins begeistert bin. Deswegen hier nur ein paar Schmankerl:

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TauscheTauschen und Täuschen liegen so nah beieinander, wie die beiden Punkte auf dem a. Es sind siamesische Zwillinge, sich gegenseitig bedingend, auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden.

Gesellschaften sind Überlebensgemeinschaften, ihr konstituierendes Element ist der Tausch, bei dem der Stärkere handfeste Leistungen einbringt, der Schwächere immerhin Lob, Anerkennung und Unterordnung. Im Kielwasser des Tausches kommen dann Kalkül und Täuschungsmanöver…

Soziale Gebilde funktionieren unter personellen Aspekten (Schutz und Hilfe werden getauscht gegen Unterwerfung und Abhängigkeit z.B. Klientelbindung im antiken Rom), unter normativen Aspekten (Erfüllung von Normen, Anerkennung von Werten werden getauscht gegen Geborgenheit im diesseits und jenseits z.B. Theokratie) und schliesslich nutzenorientierten Aspekten (der Nutzen der Gesamtheit ist die Addition der individuellen Nutzenmaximierungen z.B. Kapitalismus).

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