Markus Seidt
Dienstag, der 16. März 2010

Notizen aus Vietnam #7 – Kündigungen

Liebe Freunde,

die Vietnamesen haben ihr Neujahrsfest groß gefeiert. Sie haben viel Geld dafür ausgegeben, mit Recht, sie haben ein Jahr lang hart gearbeitet, besonders die Bauern, die ihren kleinen Grund und Boden bewirtschaften, und ihre Produkte so billig verkaufen müssen, dass sie nicht in der Lage sind, ihren Kinder eine richtige Schulausbildung zu finanzieren oder, wenn sie krank sind, eine ordentliche Behandlung zu bezahlen.

Währen der Feiertage lief mein Handy heiß, ich war fast immer online, weil die Kinder mit mir einfach sprechen wollen, sie  fühlten sich einsam und allein, sie möchten einfach nur reden ….

Nur leider bin ich für Telefon Seesorge nicht ausgebildet, so versuchte ich Trost zu spenden so gut ich konnte.

Wir haben 2 Wohnungskündigungen bekommen in Ha Noi und müssen eine Notlösung für die Kinder finden.

Es sind 32 Kinder, die meisten sind Mädchen, sie arbeiten als Schneiderinnen, ohne Festlohn, sondern nach Stückzahl. Es war immer schwer für die Mädchen allein schon wegen ihrer körperlichen Behinderungen die Aufträge rechtzeitig zu liefern.

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Roland Dürre
Sonntag, der 14. März 2010

Wirtschaftsflüchtlinge.

Am Sonntag höre ich immer gerne die Sonntagsbeilage von Michael Skasa auf Bayern 2 (Radio). Die Sendung läuft nach den 10:00-Nachrichten und wird dann um 17:00 wiederholt. So gelingt es mir doch öfters, da ein wenig reinzuhören.

Am letzten Sonntag war das Thema “In die Fremde”. Das ging mein “polyglottes Herz” natürlich auf.

Besonders beeindruckend fand ich den Beitrag über “Wirtschaftsflüchtlinge”. Drei Auswanderer-Briefe von (Christian Höning – Luchterhand – Amerika ist ein freies Land) wurden vorgelesen. Ein aktuelles Thema. Die Briefe waren aber 200 Jahre alt – und die Wirtschaftsflüchtlinge kamen aus Deutschland.

Das hat mich wieder an meinen Artikel zur Flüchtlingsbekämpfung erinnert. Ich verstehe immer noch nicht, warum wirtschaftliche Not als Fluchtmotiv so abfällig bewertet wird.

Vor 200 Jahren kamen die Flüchtlinge aus einem armen und hungernden Europa. Heute bekämpft die reiche EU die Wirtschaftsflucht nicht nur aus Afrika. Und sperrt die Flüchtlinge in Lager wie auf der Insel Lampedusa ein und nutzt  sie dann für die Ernte z.B. von Pfirsichen als billige Arbeitskräfte.

Jetzt freue ich mich schon darauf, was die Sonntagsbeilage von heute bringen wird.

RMD

Markus Seidt
Donnerstag, der 25. Februar 2010

Notizen aus Vietnam #6 – Bauen Sie ein Haus mit uns

haus-heuteDas kleine Haus in der Provinz Nam Dinh hat 50 qm, es war eine Autowerkstatt. Bischof Peter hat das Haus für  7  behinderte Mädchen gekauft und renoviert – es war eine Notlösung  für die Mädchen.

Anfangs haben die Kinder nichts verdient, weil keines von ihnen eine Ausbildung hat. Ihre Familien können für sie nicht sorgen, mit ihren körperlichen Behinderungen sind sie praktisch nicht fähig zu arbeiten und niemand will sie haben. Ihr Anblick erschreckt viele Menschen.

Das kleine Haus ist kaputt im Sinn des Wortes. Die Pläne für den Neubbau sind fertig. Etwa die Hälfte der Gesamtkosten von etwa 40.000 € steht schon bereit. Bitte helfen Sie uns dabei, die Restsumme aufzubringen.

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Klaus Küster
Donnerstag, der 11. Februar 2010

Partisanen gesucht.

Am 3o.1o. – in der Sendung “Immer noch benachteiligt” – heißt es im Deutschlandfunk:

Aus “ungelernten Arbeiterfamilien” schaffen nur 11 Prozent den Sprung auf die Hochschule. Tendenz: fallend.

Am 18.11.schreibt der Bildungsökonom Ludger Wössmann in der SZ:

Unzureichende Bildung stellt das Kernproblem der deutschen Arbeitslosigkeit dar. Bei zwei Kindern mit unterschiedlichem familiären Hintergrund – aber exakt dem gleichen (gemessenen) Kompetenz-Niveau ist die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, bei einem Akademikerkind viermal so hoch wie bei einem Arbeiterkind. Bei Beamtenkindern, die ein Elterteil mit Hochschul-Abschluß haben, nehmen 95% ein Hochschulstudium auf. Bei Kindern aus “gelernten Arbeiterfamilien” 17%.

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Auf dem EthnoFilmFest in München habe ich den Film 7915KM – auf den Spuren der Rallye nach Dakar von Nikolaus Geyrhalter gesehen, der mich sehr beeindruckt hat. In diesem Film bin ich auf das erste Mal auf die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen (kurz FRONTEX aus dem Französischen für Frontières extérieures) gestoßen. Die Frontex ist eine Gemeinschaftsagentur der Europäischen Union mit Sitz in Warschau. Wenn ich es richtig verstehe, ist das eine Organisation, die nicht unter parlamentarischer Kontrolle steht. Beim Lesen des Wikipedia-Artikels habe ich noch weitere Begriffe wie Fluchtabwehr entdeckt.

Zufällig habe ich kurz danach auch noch in Bayern 2 Wissen einen Bericht gehört, der über die Zustände auf der Insel Lampedusa berichtet hat (hier auch ein Bericht aus der SZ).

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Markus Seidt
Mittwoch, der 20. Januar 2010

Notizen aus Vietnam #5 – Tếtfest

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Dekoration zum Tetfest (Quelle: Wikipedia)

Xuan oder Frühling ist Tếtfest, die Festlichkeit des Jahres in Vietnam, ähnlich wichtig wie in Europa das Weihnachtsfest. Die Feste und Zeremonien richten sich nach wie vor nach dem Mondkalender. Und das Tếtfest markiert den ersten Tag des neuen Mondjahres und zugleich den Beginn des Frühlings.

Schon die Vorbereitungen zum Fest sind ein Fest für sich. Verwandte kommen aus der ganzen Welt nach Vietnam, um Ihre Familien zu besuchen. Neue Kleider werden angeschafft und besondere Speisen zubereitet. Die Straßen ertrinken zur Tếtfeier in einem Meer aus glücksbringenden Zweigen und Blüten.

Das Tếtfest selbst dauert drei Tage. Dieses Jahr fällt das Tếtfest auf den 14. Februar und begrüßt das Jahr des Tigers.

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Roland Dürre
Sonntag, der 27. Dezember 2009

“Keine Kriege!” oder “Danke, Francis!” ♫

Der Weihnachtsbrief von Francis Van Hoi hat mich an meine Jugend erinnert. In den 60iger Jahren ging es wieder los mit dem Krieg in Asien. Wie wir in die Oberstufe des Gymnasiums kamen, eskalierte der Vietnamkrieg. Auch persönlich ging der Krieg uns nahe. Wir waren mit GI’s aus den US-Kasernen befreundet. Nachts trafen wir uns im Playboy (Augsburg Pfersee) und Hank’s Night Club (Augsburg Oberhausen) oder im Tambourine in München. In ihrer letzten Nacht in Deutschland, bevor sie dann im Morgengrauen nach Vietnam mussten, heulten sie.

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Markus Seidt
Samstag, der 26. Dezember 2009

Notizen aus Vietnam #4 – Weihnachtsbrief von Francis Van Hoi

bac HoiLiebe Freunde,

ich habe in der letzten Woche mehr geweint als gelacht. Mein Leben hier hat mich mehr verändert als ich erwartet hätte. Es gibt hier heute genau so viel Elend wie in Zeiten des Krieges, obwohl dieser schon vor mehr als 30 Jahren zur Ende ging. Im Namen der Behinderten bedanke ich mich bei Ihnen für Ihre Hilfe. Möge Gott Ihnen Frieden und Gesundheit schenken.

Die Kinder haben wirklich kein Glück gehabt, seit sie in diese Welt gekommen sind. In einem sehr armen Land wie Vietnam ist ihr Unglück umso größer – so groß, dass sie dringend Ihre Hilfe brauchen. mehr »

Markus Seidt
Dienstag, der 15. Dezember 2009

Notizen aus Vietnam #3 – Regen der Vernichtung

1Von Januar 1965 bis April 1970 ging über Vietnam ein Regen der Vernichtung nieder. Man spricht von ca. 45 Millionen Liter des Herbizids Agent Orange, die zur Entlaubung eingesetzt wurden. Sie enthielten etwa 300 kg Tetrachlordibenzodioxin (zum Vergleich: beim Sevesounglück waren es ca. 1,5 kg des Dioxins).

Francis Van Hoi schilderte es so: “Wenige Hundert Meter hinter unserem Haus begann dichter Regenwald in dem wir als Kinder oft spielten. Eines Morgens hatten die Bäume plötzlich alle Blätter verloren. Wir gingen tiefer in den (ehemaligen) Wald als je zuvor, holten Holz für das Feuer und Fische aus bisher unentdeckten Wasserstellen. Wir waren froh, einmal wieder genug Brennmaterial und Nahrung zu finden …”

Heute kämpfen in Vietnam über 1 Million behinderte Kinder und Jugendliche mit den Folgen des Giftes.

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Markus Seidt
Dienstag, der 8. Dezember 2009

Notizen aus Vietnam #2 – Ein ethisch korrekter Fischsaucen-Deal

Martin copyKennen Sie Phú Quốc? Die größte Insel Vietnams liegt südwestlich des Festlands im Golf von Thailand. Die Ausweisung großer Teile als Nationalpark macht das bisher kaum bekannte Eiland zunehmend für den Tourismus attraktiv. An einigen Stellen dürfte es jedoch für europäische Nasen etwas strenger riechen. Der Grund dafür ist Nước mắm. Das ist die vietnamesische Bezeichnung für Fischsauce, der grundlegenden Würzsauce der vietnamesischen, thailändischen und koreanischen Küche. Und nicht wenige, darunter auch Francis Van Hoi, sind der Meinung, dass aus Phú Quốc einige der beste Fischsaucen weltweit kommen. Dies kommt nun auch seinem Hilfsprojekt für behinderte Kinder und Straßenkinder zugute.

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