Computer Vintage
oder:
Wenn Produktions- und Entwicklungsketten zu komplex werden, dann könnten sie ja auch mal (zer-)reißen

Die Gedanken zu diesem Artikel entstanden im Rahmen einer kurzen Diskussion, inwieweit unsere entwickelte Gesellschaft technologisch wieder in das prä-elektrische Zeitalter zurückfallen könnte. Mein Gesprächspartner meinte, das wäre unmöglich. Dieser feste Glaube hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ein kleiner Bruder und ein ganz kleines Brüderchen der von mir beschriebenen Flach-Baugruppe. Das Telefon soll die Größe der kleinen Teile klar machen 🙂

Anfang der 70iger Jahre studierte ich an der TUM Mathematik mit Nebenfach Informatik und war schon bald bei Siemens als Werkstudent tätig. Weil es da tolle Rechner (Computer) gab und man als Student für damalige Verhältnisse gut verdient hat.

Ich war damals in den Baracken der „Koppstrasse“ tätig. Getestet haben wir im „Feurich-Bau“ – im Zentralgelände der Siemens AG an der Hofmann-Straße. Das Leben in den Baracken war toll, es war eine richtige F&E-Atmosphäre, so wie man es sich heute bei einem guten Start-up vorstellt.

Mein erstes Projekt habe ich hier in IF-Blog beschrieben. Es ging damals um das Berechnen von möglichst großen Mersenne-Primzahlen. Das war eine Aufgabe eher für einen Einzelkämpfer.

Dann wurde ich immer mehr Teil der Teams und fast berauscht von denn Herausforderungen unserer Aufgabe. Wir arbeiteten gemeinsam mit weiteren Kollegen an der Entwicklung der PALOG-A- und PALOG-B-Systeme.

PALOG stand für „PrüfAutomat für LOGik. Die Aufgabe eines PALOG-A-Gerätes war der Funktionstest von in kleinen Serien gebauten „Maxi-Flachbaugruppen“, die in Groß-Rechnern unterschiedliche Funktionen realisierten. Die Funktionalität und die Richtigkeit der zu realisierenden Logik waren schon getestet.

Es ging „nur noch“ um das Prüfen, ob die Serien-Produktion fehlerfrei erfolgt war und die gefertigten Komponenten zuverlässig die gewünschten Ergebnisse lieferten. Die erweiterte Funktion des PALOG-B erläutere ich im weiteren Teil des Textes.

So eine Maxi-Flachbaugruppe war ein großes Brett (Board), ziemlich breit und tief aber von geringer Höhe. Die auf den Bildern abgebildeten Boards stammen aus späterer Zeit und waren viel kleiner.

Eine Maxi-Flachbaugruppe hatte auf einer Seite eine Steckleiste mit 128 Stiften, die in die Rückwand des Großrechners eingesteckt wurden. Dieser speiste das Board mit digitalen Mustern entsprechend der Anzahl der Stifte, bekam vom Board ein Ergebnis zurück und verarbeitete dieses weiter. (Vielleicht täusche ich mich und es waren nur 64 Stifte, aber ich erinnere mich deutlich an 128.)

Das Board war auf der Oberfläche voll mit Elektronik-Bauteilen, die ein paar Füße oder mehrere Füßchen hatten. Diese wurden in die vorbereiteten Löcher des Brettes gesteckt. Das ganze wurde dann von unten entsprechend verlötet, bei Serienproduktion in einem Lötbad.

Die Bauelemente auf dem Board waren zum Teil von Siemens selber entwickelt und produziert. Einiges musste zugekauft werden. Ich habe da besondere Chips von Motorola in Erinnerung, die im Einkauf auch mal um die 1.000 DM kosteten.

Wenn ich mich hier nicht korrekt ausdrücke habe, dann bitte ich dies zu entschuldigen. Ich habe nie Hardware gemacht, sondern mich schon damals ausschließlich auf die Entwicklung der Software beschränkt.

Der Prozess der Bestückung und Verlötung war alles andere als trivial.  So war es durchaus möglich – und kam auch häufig vor – dass diese Maxi-Flachbaugruppen nach der Fertigung keine oder falsche Ergebnisse lieferten. Manchmal kam es auch vor, dass die zu gelieferten Einzelteile defekt waren.

Aber wie findet man das raus? Wie testet man so eine Maxi-Flachbaugruppe?

Unsere Methode war einfach. In das zu prüfende Objekt wurden Bitmuster gesendet und dann geprüft, ob die Antwort die richtige (erwartete) ist. Einen solchen Test kann man aus Effizienzgründen natürlich nicht mit allen möglichen Eingabe-Mustern durchführen. Die Aufgabe unserer Software war es, relevante Muster zu generieren, mit denen man in möglichst wenigen Testschritten beweisen konnte, dass die Logik der Maxi-Flachbaugruppe richtig funktioniert.

Noch mal die kleineren und jüngeren Brüder der Maxi-Flachbaugruppe.

Dazu wurde diese in den PALOG-A Automaten eingespannt und dort mit den ihrer Funktionalität entsprechenden Binär-Mustern über die 128 Stifte beschickt. Die Antworten wurden mit den Soll-Ergebnissen verglichen. Wenn IST und SOLL bei allen Testmustern übereingestimmt hatte, war validiert, dass die Maxi-Flachbaugruppe einwandfrei funktioniert.

Die Suchen und Finden der relevanten Testmuster war alles andere als einfach und wurde ziemlich „mathematisch“ aus der jeweiligen Funktionalität heraus entwickelt. Die Programmierung erfolgte „cross“ auf BS1000 und dann bald auch auf BS2000.

Die Muster selber und die richtigen Antworten wurden auf Prozessrechnern der Serie 300 generiert. Die hatten übrigens einen 6-Bit-Assembler mit zwei Akkumulatoren und dem schönen Namen PROSA. Die „Dreihunderter“ galten als ungeheuer schnelle Rechner.

Das Spitzenmodell war die 306. Aber auch diese in der damaligen Zeit absolut schnellste Maschine von Siemens brauchte gut und gerne auch mal eine Woche oder mehr für die Berechnung der benötigten Muster.

Ein Rechner lief damals selten eine Woche ohne Ausfall. Meistens stürzte er in so einem langen Zeitraum schon ein paar mal ab. Deswegen hatte die Software neben der algorithmischen Herausforderung noch weitere wie die Wiederaufsetzbarkeit des Programms bei einem Systemabsturz. Dies war damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Soweit so gut. Immerhin konnten wir mit PALOG-A zuverlässig validieren, ob eine Maxi-Flachbaugruppe fehlerfrei war oder nicht. Allerdings gab es ziemlich häufig mangelhafte Produkte. Was macht man mit diesen? Allein aufgrund der teuren eingesetzten Bauelemente wollte man die natürlich nicht vernichten oder zurück bauen, denn damit wäre auch nicht viel gewonnen worden. Man wollte also möglichst alle wenn irgendwie möglich reparieren.

Wenn ich einen Fehler in einer komplizierten Logik einer Flachbaugruppe beheben will, muss ich aber zuerst einmal herausfinden, wo er sich auf dem Board befindet. In unserem Fall geht das natürlich nicht durch logisches Überlegen oder „Code Reading“ wie bei einem Programm. Auch einen eingebauten Debugger hatter wir nicht. Die Frage ist ja, welches Bauteil falsch sein könnte, welche Lötstelle nicht funktioniert oder ähnliches …

Da kam unser System PALOG-B ins Spiel. Wenn eine Maxiflachbaugruppe von PALOG-A als fehlerhaft erkannt wurde kam sie ins PALOG-B-System. Dort wurde sie einer (von uns so genannten) PFAD-Methode unterworfen und mit ganz anderen Testmustern bearbeitet. Diese ermöglichten an Hand der zurück kommenden Daten den Fehler auf dem Board einzukreisen. So war es möglich durch mehrfaches Einkreisen die möglichen Fehler zu beheben. Dann wurde das Board wieder mit PALOG-A getestet, und wenn es dann funktioniert hat wurde gejubelt.

Warum das Vorgehen „PFAD-Methode“ hieß, kann man sich gut vorstellen. Man sich nur überlegen, dass verschiedene Eingabemuster verschiedene „Pfade“ auf der Flachbaugruppe durchlaufen. Und wenn man fest stellen kann, welche der vielen möglichen verschiedenen Pfade nicht funktioniert, ist man dem Fehler schon deutlich näher.

Ich habe versucht, das alles möglichst einfach und gut verständlich zu beschreiben. In Wirklichkeit war das Ganze aber sehr kompliziert und wurde von einem über sehr viele Jahre erarbeiteten und weitergegebenen Know-How getragen.

Unsere Software war nur ein kleiner Teil der für die effiziente Entwicklung und Produktion von IT-Systemen notwendigen Design- und Konstruktionssoftware. Da ging es bei Siemens damals mit großen Fortschritten weiter. Ein paar Jahre später hatte die Siemens AG eine umfassende Workbench aus vielen SW-Systemen für die Entwicklung ihrer Chips, die wahrscheinlich allen Konkurrenz-Systemen deutlich überlegen war.

Leider habe ich Abkürzung dafür vergessen, weiß aber noch, dass diese Anwendung als die komplizierteste SW-Lösung der Welt galt und die meisten „Lines of Code“ aller bekannten Programmsysteme gehabt haben soll.

Und dann ging es abwärts mit dem Bereich Datenverarbeitung und all das Know-How verschwand.

😉 Aber was interessiert den Juden und auch uns „die Freud von gestern“?
Vorbei ist vorbei!

Ich kann mir vorstellen, dass das Know-How und die Werkzeugkette, die gebraucht werden um einen Intel-Prozessor oder einen IBM Power zu entwickeln und zu produzieren mittlerweile eine ungleich höhere Herausforderung darstellt als damals die doch noch überschaubaren Flachbaugruppen.

Und es könnte sein, dass nicht nur so ein High-Tech-Prozessor sondern auch der „einfache“ elektrische Motor oder Stromgenerator heute ohne einer ähnlich komplexen „Maschinerie“ so ganz einfach nicht mehr hergestellt werden können. Und wenn die zerbricht – warum auch immer – was dann?

Damit habe ich den Kreis geschlossen und komme zur Eröffnung meines Artikels. Genau wegen der Durchdringung solcher Werkzeug- und Produktionsketten in allen Technologien und Sparten – ob Chemie, Energie, Landwirtschaft, Mechanik, Pharmazie, Physik … könnte ich mir gut vorstellen, dass unser System kippen kann und wir dann wieder bei NULL anfangen müssen. Und das das dann sehr schwierig sein könnte.

RMD

P.S.
Ich schreibe die technischen Erinnerungen aus dem Kopf heraus und völlig ohne Unterlagen auf. Leider ist Wikipedia bei solchen spannenden Themen der Informatik gar nicht so recht hilfreich. Ich finde es schade, dass in Wikipedia ausgerechnet die Technik, die Wikipedia erst ermöglicht hat, kaum und meistens sehr ungenügend  beschrieben ist.

Insofern bitte ich zu entschuldigen, wenn ich die eine oder andere Abkürzung falsch in Erinnerung habe oder ähnliche Fehler mache. Ich konnte nirgends nachschauen und so meinen Erinnerungen auf die Sprünge helfen. Umso mehr bin ich für Korrekturen und Hinweise zur von mir berichteten Technik dankbar.

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. 😊

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD

CLOU/HIT in der InterFace Connection

Oder:

Wie Wolf und ich es dann selber machten.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

if-logoProjekt 4

Jetzt kommt die Geschichte zum vierten Projekt:

Schon vor 1983 hatte ich keine Lust mehr, für andere zu arbeiten. Ich war damals noch bei Softlab. Dort konnte ich mein einseitiges Wissen – es bestand bis auf ein wenig SNA (IBM) überwiegend aus Siemens-Technologie – erweitern und lernte weitere IBM-Technologien aber vor allem auch die Technik von verschiedenen Systemen der „Mittleren Datentechnik“ kennen.

Das waren Maschinen, die je nach Speicherausbau aus zwei bis drei Teilen groß wie Bosch-Kühlschränke bestanden. Also viel kleiner und auch einfacher als Mainframe. Die waren damals groß in Mode und so gab es zuhauf europäische und nicht-europäische Wettbewerber mit mit unterschiedlicher und oft sehr proprietärer Technik. Kienzle und Nixdorf waren bei diesen aufstrebenden MDT-Unternehmen auch dabei und damals wurde allein in einer Stadt wie München ein und dieselbe Branchen-Software von verschiedenen Unternehmen parallel für verschiedene Technologien entwickelt.

Softlab war mit Sicherheit damals eines der innovativsten deutschen „Software-Häuser“. Sie hatten auch ein proprietäres System, das berühmte PET-Maestro. Für mich war das das erste System ohne den Frust des permanenten Datenverlusts, den das Pet-Maestro arbeitete auch schon zeichenweise – und jedes Zeichen wurde sofort auf die Platte geschrieben. Bei Reset erfolgte so immer ein aktueller Warmstart – und nichts war futsch! Es war eine Erlösung, das Zittern vor Datenverlust beim Arbeiten zum Beispiel mit EDT oder EDOR war vorbei.

Auch sonst lernte ich bei Softlab viel Neues. Aber auch im kaufmännischen Bereich: Wie man Angebote möglichst risikofrei formuliert, wie man mit den VB’s der großen Unternehmen (Bull, ICL, IBM, Nixdorf, Siemens) klüngelt (ohne die großen ging es damals schon nicht) oder – und wie man Studien schreibt. So wurde ich zum Papiertiger (das hat nichts mit paper tiger, der namhaften freien chinesischen Theaterbewegung zu tun). Und damals war es schon so, dass man als Papiertiger (noch) bessere Stundensätze bekam denn als Programmierer. So weiter gestärkt, wollte ich es selber machen. Alleine traute ich mich nicht. Also ging ich auf Partnersuche. In meinen Kreisen suchte und identifizierte ich Menschen, die mir sympathisch und fähig vorkamen. Und die vielleicht auch gründen wollten. Da gab es einige. Aber immer wieder klappte es nicht.

Bis der Wolf (Geldmacher) kam. Wolf war deutlich jünger als ich. Er war fachlich Spitze. Und wir sahen die Dinge ähnlich. Das soll heißen, dass sich unsere Werte, Erwartung, Interessen und Bedürfnisse gegenseitig sehr gut ergänzt haben. Ich war so mehr der Old-Style-Programmierer – und der Wolf hatte die Ahnung, von allem was in der IT modern und neu war. Und Wolf war absolut der Qualität verpflichtet. Und wenn einer Menschenverstand hatte, dann war es der Wolf. Und das sind wohl die wichtigsten Dinge: Fachliche Ahnung, Menschenverstand und Qualitätsbewusstsein. Dann muss man nur noch ein netter Kerl sein …

So gründeten wir in Kurzform die InterFace Connection. Die InterFace hat Peter Schnupp auf uns vererbt, die „Connection“ war unser Begriff. Das wollten wir gemeinsam mit unseren zukünftigen Mitarbeitern sein, eine „Connection“, die zusammen hält und gemeinsam erfolgreich wird. So gründeten wir 1983 das Unternehmen und starteten am 1. April 1984 das Geschäft.

Das Projekt von dem ich berichte, ist aber nicht das Unternehmen, sondern die Entwicklung unseres Produkts. Und ein Produkt wollten Wolf und ich aus zwei Gründen haben: Zum einen waren wir überzeugt, dass ein Produkt etwas ist, auf das man stolz sein kann. Dass ein Produkt eine Identität schafft. Und dass ein Produkt besser skalierbar ist, als Dienstleistung.

Außerdem gaben wir dem damals sehr gut funktionierenden „Body Leasing“ keine Zukunft. Wir glaubten nämlich noch an die Gesetze, und uns war als Gründer ziemlich klar, dass die übliche Form von Body Leasing genau das schon damals war, das dem AÜG folgend ganz einfach ungesetzlich war.

Schnell war uns klar, dass damals Unix die richtige Basis für zukünftige Produkte wäre. Wir waren uns auch rasch einig, dass ein auf Unix so ziemlich alles fehlte, was man für die Nutzung von Rechnern bei Unternehmen bräuchte. Und dass da ganz besonders ein Textsystem fehlen würde. Und dass man auf Unix mit seinen neuen Datensichtgeräten (im raw oder cooked mode) und gerade mit der Sprache c zuerst mal eine komfortable Schreibmaschine relativ zügig entwickeln können müsse.

Weil wir vor der Herstellung und dem erfolgreichen Vermarkten eines Produktes großen Respekt hatten, begannen wir die Entwicklung des Produktes in Kooporation mit InterFace Computer. Wir hatten sehr schnell einen kleinen Erfolg im Umfeld von SINIX (dem Unix von Siemens) und so verlagerte sich die Entwicklung zu uns und InterFace Computer übernahm die Portierungen wie auch den Vertrieb im „Restmarkt“.

Und wir hatten ganz schnell ein zweistelliges Team von ganz jungen Leuten. Das waren in der Regel Studenten. Sie mussten programmieren können und sympathisch sein. Und trotz der Doppelbelastung Arbeit und Studium zweiteres durchziehen. Alles andere war uns egal.

Da Wolf und ich (gemeinsam mit ein paar jungen fest angestellten Informatikern mit akademischen Abschluss durch besagtes Bodyleasing (mit Stundensätzen zwischen 150 – 120 DM) die Entwicklung finanzierten, waren die jungen Menschen ziemlich frei. Gesteuert wurden sie von unserer „Assistentin“ Heidi (Kaindl). Die Heidi hatte die Jungs gut im Griff und passte gut auf, dass die auch arbeiteten. Wolf und ich waren nur in kurzen Meetings mit den Jungens zusammen (bald nach der Gründung kamen dann auch Frauen dazu).

Der Wolf hatte damals die Rolle eines SCRUM-Masters und mehr (obwohl es damals SCRUN noch lange nicht gab. Er erklärte dem Team, was Qualität wäre. Und dass sie die Qualität eben nicht für unsere Endkunden, nicht für unsere Vertriebspartner für Siemens und auch nicht für die InterFace Connection machen würden, sondern zuerst mal als ehrliche Programmierer für sich. Und Wolf hatte hohe Ansprüche und war streng. Wenn jemand nicht fähig oder willens war, die Qualität zu bringen, gab es keine Zukunft bei der „Connection“. Wolf beschützte aber auch das Team, wenn z.B. ich auf Ressourcen spechtete. Und setzte auch die notwendigen Investitionen durch.

Meine Aufgabe war vielleicht die des Product Owners. Zumindest am Anfang. Ich musste als Jugendlicher Stenographie und Schreibmaschine schreiben lernen. Stenographie habe ich geliebt, es ist eine wunderschöne Art zu schreiben. Weil es nicht gegen die Hand geht, wie die normale Schreibschrift. Aber die Schreibmaschine haßte ich. Und ich wusste genau, wie eine gute Editier-Maschine aussehen musste. Das hatte ich dann auch in Gründerzeiten aufgeschrieben.

Wie es komplizierter wurde und z.B. CLOU mit seiner „embedded sql“ dazu kam, gab ich die Rolle des Product-Owners an unsere Kunden ab. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn die Kunden konnten uns tatsächlich sagen, wie sic sich eine automatisierte Bausteinverarbeitung vorstellten. Und haben uns den weiteren Weg gewiesen.

Eine Regel war, dass alle Mitarbeiter – bis auf Heidi – programmieren konnten. Die Heidi war unsere erste und wichtigste Kundin. Sobald die erste Version von HIT verfügbar waren, haben wir ihr den „vi“ und die für Bürobetrieb geschriebenen „nroff-makros“ weggenommen, und sie musste mit HIT arbeiten – sehr übrigens zu ihrem Unwillen. Den so schlecht war die vi-Lösung nicht. Später hat sie dann aber trotzdem ihren HIT lieben gelernt. Wen wundert es, sie hat ihn ja auch mit gebaut!

Alle anderen Kollegen im HIT-Team mussten „hands-on“ legen können. D.h. jeder musste programmieren, Fehler suchen und vor allem „co-working“ (Team-Arbeit) können.

Wir benutzen ganz früh Werkzeuge, lange bevor diese in den breiten Einsatz kamen. Aber nur sinnvolle wie „lint“ zur Kontrolle der Qualtitiät unseres Codes oder „sccs“ für die Source-Code-Verwaltung. Ich bin mir sicher, das wir immer wieder die ersten in München waren. Auch einen „tracker“ und automatischen „built“ hatten wir früher als fast alle anderen. Aber nie gab es eine Planungssoftware. Wie wir auch „bürocrazy“ nach Kräften mieden.

So waren alle im Projekt Programmierer. Die tatsächlich unter sich absprachen, wer was entwickelte. Es waren sehr verschiedene Typen dabei. Es gab auch den Wunderprogrammierer, nicht nur scherzhaft „Gott“ genannt. Die erste Regel war aber, dass es ein Team ist. Dass jeder für jeden da ist. Es galt immer, „einer für alle, alle für einen“. Nie wurde jemand im Stich gelassen. Und wenn man nicht mehr weiter wusste, hat man sich an seinen Kollegen gewendet. Es gab so kein explizites pair-programming, weil dies selbstverständlich war und quasi automatisch funktionierte. So gab es immer mehrere, die sich auch in den Sourcen der Kollegen aus kannten. Das war wie ein überlappendes System, das irgendwie ganz von selbst ohne viel Worte funktionierte.

Natürlich hatten wir ein komplizierte System in Entwicklung mit unheimlich vielen Modulen, Schnittstellen, Werkzeugen, APIs …. In der Summe entstand eine riesige Anzahl von lines of code. Es gab Module wie für die Virtualisierung von Keyboards, Teminals oder Drucker. Wir hatten den ersten National Language Support entwickelt, der dann in die UNIX-Implementierung von X-Open einging. Wir hatten komplizierte und gefürchtete Module und langweilige. Ab und zu mussten wir Fehler den von uns genutzten Compilern finden.

Das Team hat immer unter sich ausgemacht, wer welche Aufgabe anpackt. Unsere Werkbank – meistens aufgebaut auf OpenSource-Komponenten zur Source-Code-Verwaltung, für den Built und den teilweise automatisierten Test, für die Portierung auf die vielen Zielsysteme, die die Unix-Welt damals anbot, alles war Teil des Projekts. Das ging hin zur Produktion der im Quartals-Rhytmus erscheinenden Kundenzeitung, HITNews, von Fachliteratur, der Konzeption der Kurse. Alles wurde im Team gemacht, jeder brachte sein bestes ein.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal Situationen, wo vielleicht der eine oder andere überfordert war. Weil er noch nicht die Erfahrung hatte oder er die Aufgabe einfach unterschätzt hatte. Aber dann hat ihm ein Kollege ihm geholfen. Immer gab es den richtigen. Und wenn es notwendig war, dann kam eben „Gott“.

Natürlich hatten wir verschiedene Rollen in den Teams. Jeder war ein Projekt Manager und für die zugesagten Termine verantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger. Jeder war Quality Manager, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich gab es so etwas, wie einen ersten Ansprechpartner für unsere Kunden und unsere Partner. Der wurde gemeinsam bestimmt („wer kann es am besten machen“), er ist aber als Programmierer im Team geblieben. Aber im Prinzip hat jeder Entwickler die Fragen der Kunden beantwortet. Da die einfach bei uns ins Büro rein kamen. Die zentrale Klingel erklang, Und wer zuerst ans Telefon ging, hatte den Kunden in der Leitung.

Natürlich gab es Kollegen, die sich mehr um die Integration, die Planung, die Konfiguration und Built-Thematik, das Manual … gekümmert haben. Aber alle waren immer voll fachlich im Team drin.

Aber alle haben immer weiter programmiert. Und immer für Qualität gesorgt. Zum Beispiel weil sie automatische Testumgebungen einfach als Teil des Projektes gebaut haben. Es war eine total geteilte Verantwortung.

Mit dem Erfolg haben wir Lehrer für unser Produkt HIT/CLOU gebraucht. Die ersten Jahre haben alle Entwickler unsere sämtlichen Schulungen gehalten. Sie haben genauso die Kurse für Endnutzer wie Fachanwender, Systemleute und Programmierer. Selbst die zentralen Leute wie Friedrich Lehn, der „Vater“ des CLOU, hat Kurse gehalten und Anfängern das Programmieren mit CLOU beigebracht.

Gelegentlich hat das den Entwicklern nicht gefallen. Das Entwickeln wäre doch viel wichtiger. Aber die Kurse liefen gut (weil die Kollegen eben wussten, von was sie redeten und das manche „didaktische“ Schwäche mehr als ausgeglichen hat). Das tolle war aber, dass unsere Kollegen so immer erlebt haben, was der Kunde eigentlich will und braucht! So wurde der Kunde im Gesamt zum „Product Owner“.

Die Kollegen sind aufgrund dieser interdisziplinären Aufgaben fachlich und menschlich in einem enormen Tempo gewachsen – menschlich wie fachlich aber auch vertrieblich. Es war oft unglaublich, wie junge Studenten schon innerhalb wenigen Monaten zu selbstbewussten Experten wurden.

Ohne es zu formulieren, hatten wir schon damals im Team verstanden, dass es darum geht, alle Menschen im Team und im Unternehmen größer und nicht kleiner zu machen. Und an allen Dingen zu beteiligen und partizipieren. Wir haben gewusst, dass wir uns sehr hohe Ziele, oft kühne Ziele setzen mussten, sonst hätten wir das Produkt nie gestemmt. Aber uns war auch klar, wie wichtig es gerade dann ist, eine starke Fehlertoleranz zu leben. Dass nie der Kollege im Team oder der Kunde der Feind oder Gegner sein darf, sondern nur die zu lösende Herausforderung oder die Widrigkeit der Umstände.

Wolf und ich waren das „Management“. Wir waren aber mehr wie Besucher in unserem Unternehmen. Nach 8 – 10 Stunden am Tag Beratungszeit beim Kunden haben wir uns bei unseren „Mitarbeitern“ zu Hause im Büro ausgeruht. Die waren alle unsere Freunde, da haben wir uns wohl gefühlt. Und die Kollegen haben uns gezeigt, was sie wieder alles tolles geschaffen hatten. Wir haben unsere Rückmeldungen gegeben und sind dann wieder in den nächsten Beratungstag verschwunden.

Und immer wenn wieder ein schönes Ergebnis erreicht wurde, haben wir alle gemeinsam gefeiert. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben damals soviel gelernt. Auch wie oft das normale und konservative Denken Blödsinn ist. Zum Beispiel wollte ich unseren Kunden immer Termintreue bieten. Und musste Lernen, dass das Unsinn war.

Denn wenn Du wirklich Innovatives schaffen willst, lernst Du immer wieder, dass Termine keinen Sinn machen. Es funktioniert einfach nicht. Wenn der Termin einfach nicht gehalten werden kann, dann geht es nur darum, dass die Kommunikation klappt und man Lösungen findet, wie man den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird. Denn wenn alle an einem Strick ziehen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, gibt es immer eine Lösung – und siehe da, es geht immer.

Ich höre schon die Einrede:
Na ja das mag ja bei einem kleinen Projekt gehen? Aber bei einem großen?

Klar waren wir eher weniger als 50 Menschen. Aber genau die gleichen Projekt sind nicht nur bei einem Großkonzern gescheitert. Dort wurden dann oft fünf mal so viele oder noch mehr Menschen eingesetzt. Teure, erfahrene, hochqualifizierte. Und es hat nicht funktioniert.

Ich meine, es geht so auch in großen und sehr großen Projekten, wenn viele solche tollen Teams vernetzt und im good will vereint zusammenarbeiten.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Drei glorreiche Halunken (I)

halunken

Mißerfolg ist planbar.

In loser Folge möchte ich drei ausgemachte Fußfesseln der deutschen Wirtschaft vorstellen, Kraken, die seit Inkrafttreten des Grundgesetzes nicht nur eine ganze Volkswirtschaft mit ihren Tentakeln befallen, sondern auch die Mehrzahl der Bürger dieses Landes in Geiselhaft genommen haben.

Und wenn man damit anfängt, beginnt man am besten mit der Institution, die Generationen von Hackern mit diesem Signet persifliert haben:

One of the 1000's of high resolution textures available from Mayang's Free Textures - see http://www.mayang.com/textures/ This texture may not be sold without permission from the authors.

Schon als kleiner Junge, in den frühen siebziger Jahren, konnte ich die Bundespost nicht verstehen: Zuhause hatten wir eine „richtige“ Telephonanlage mit sechs Nebenstellen. Jede konnte die öffentliche Vermittlungsstelle erreichen, mit Ausnahme der beiden Apparate, die sich in den Kinderzimmern befanden.

Mein eigentlich sehr liberaler Vater begründete das wie folgt: „Die Bundespost berechnet für jede amtsberechtigte Nebenstelle zehn Mark im Monat“. Nun war ein „eigenes“ Telephon unerhört prestigeträchtig und ich drängte darauf, daß es doch wenigstens möglich sein müsse, an uns Kinder externe Gespräche zu verbinden.

„Nun, dann wären eure Apparate ‚halbamtsberechtigt'“, erläuterte mein Vater, „und das kostet zwar nicht zehn, so aber doch immer noch fünf Mark im Monat“.  Das hat mich insofern schockiert, weil die Leistung der Post, nämlich die Bereitstellung eines analogen Telephonanschlusses am W-Amt, unabhängig war von der Anzahl der Nebenstellen.

Not macht unterdessen erfinderisch, jede SIEMENS-Telephonanlage verfügte inliegend über genaue Schaltungsbeschreibungen und meine kriminelle Karriere begann im Alter von 12 Jahren, indem ich die Anlage entsprechend meinen Wünschen manipulierte. Und, wie bei jeder ordentlichen ‚Backdoor‘, ist nicht die eigentliche Funktionalität entscheidend, sondern die Tarnung:

Das ‚Feature‘ Amtsberechtigung konnte man bedarfshalber abschalten.

Schwieriger war es schon mit unserem ersten Modem, 1976, welches mein Vater beruflich brauchte, um mit der DATEV zu kommunizieren. Das kostete schlappe 400 Mark — Miete im Monat. Das entsprach etwa einer Monatsmiete für eine Dreizimmerwohnung.

Als ich mit einem Partner dann zusammen unser erstes Büro einrichtete, lernten wir weitere interessante Schikanen kennen: Die „Bereitstellung“ des Gebührenimpulses kostete extra, obwohl amtsseitig extra ein Filter gesetzt werden mußte, um den Impuls zu blockieren.

Wir sollten zahlen für den Wegfall einer Komponente. Aber es ging weiter: Jede Telephonsteckdose (und davon hatten wir überreichlich) sollte jetzt kostenpflichtig sein!

Anrufbeantworter? Kostenpflichtig!

Rufnummerngeber?  Kostenpflichtig!

Nebenstellenanlage? Kostenpflichtiger Wartungsvertrag mußte nachgewiesen werden!

Unsere Telephonanlage kostete Anfang der 80er richtig viel Geld, wir haben, als kleines „Startup“, etwa 5.000 Mark berappen müssen. Die Telephonkosten waren der schiere Horror, insbesondere natürlich die Datenfernverarbeitung (damals noch mit serieller Schnittstelle, ohne IP). Interessanterweise kosteten Telephonate von den USA nach Deutschland nur einen Bruchteil dessen, was uns die Post für die Gegenrichtung abpreßte.

Mit dem Monopolangebot „Telephonie“ konnte die Bundespost Unternehmen aller Größenordnungen ausnehmen wie Weihnachtsgänse – und man konnte nichts dagegen tun.

„Wir brauchen bloß einmal tief einzuatmen, und der Markt ist leergefegt“, so ließ der (später wegen „wettbewerbswidriger Absprachen“ rechtskräftig verurteilte) Siemens-Vorstand Dieter von Sanden in Bezug auf seinen Wettbewerb verlauten. Und keiner wagte aufzumucken. Die Achse zwischen Postminister Kurt Dummle und Dieter von Sanden hielt ähnlich gut wie die zwischen Gerhard Schröder und Hartmut Mehdorn — und in beiden Fällen wurden auf der einen Seite Milliarden sinnlos verpulvert, während auf der anderen Seite eine ganze Republik lahmgelegt wurde.

Denn der erste Megaflop des Telekom-Vorgängers war keineswegs ISDN, sondern das „elektronische Wählsystem“ EWS.

Die Geschäftsführung von SIEMENS machte sich lustig über die „Digitalitis“ der amerikanischen Firmen und setzte darauf, die mechanischen Vermittlungsgestelle zwar zu ersetzen, die Analogübertragung über typischerweise zwei Doppeladern pro Verbindung zu erhalten. Hier hatten bereits Nachrichtentechniker im Hause SIEMENS nachdrücklich gewarnt, denn das bisherige „Analognetz“ hatte eine häßliche Eigenschaft, die es für die auch damals immer wichtiger werdende Datenübertragung völlig unbrauchbar machte: Pupinspulen.

Die nämlich sorgten dafür, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit der niederfrequenten Töne in Abhängigkeit von der Frequenz unterschiedlich war. Es mußte klar sein, daß mit Einführung dieses Systems die technologische Entwicklung in einem stark expandierenden Markt, der „Datenfernverarbeitung“, für Jahrzehnte zu Grabe getragen werden würde.  Aber wen interessierte das schon? Ganz sicherlich nicht den Postminister, der seine Aufgabe darin sah, seine qua Monopol geknebelten „Kunden“ maximal zur Ader zu lassen.

Da braucht man einen starken Komplizen.  SIEMENS und Telephonie, das waren Synonyma. Daß SEL ein marktreifes Alternativsystem im Angebot hatte, durfte da nicht interessieren. Also ließ Kurt Dummle SIEMENS machen und verkaufte schon mal einen großen Teil der Gebäude, in welchen die platzraubenden Ortsvermittlungsstellen untergebracht waren.

Nun wissen wir aus erster Hand von Roland, wie SIEMENS „Projektmanagement“ betrieb. Ich wette, es ist heute nicht anders as früher. Nämlich nach einem tollen Plan, wie ihn sich kein moderner „Solution Designer“ besser ausdenken hätte können:

Und danach sollte man innovative Software und Produkte entwickeln - ist doch irgendwie lächerlich.

Wenn man sich die Mühe macht, sich das Diagramm genau anzuschauen, dann erkennt man durchaus die Systematik, wie man sie sich in manchen Projekten wünscht. Nur: Dummerweise bleibt der wichtigste Aspekt außen vor.

Denn wenn die Grundidee ein Irrtum ist und man schon beim Prototyp konzeptionell nachbessern muß (es gab alsbald EWS/O und EWS/F), dann kann, auch bei penibelster Einhaltung aller Stufen und Phasen, nur Bullshit dabei herauskommen.  Ja, und so war es dann auch.

Ohne, daß irgendjemand es bemerkt hätte, verpulverten SIEMENS und das Postministerium zweistellige Milliardenbeträge. Denn stoppen konnte man die dysfunktionale Fehlgeburt natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin? SIEMENS und alle anderen „Amtbaufirmen“ wurden mit einer unerwarteten Konjunkturspritze verwöhnt, denn nun mußten, koste es was es wolle, bestehende Altinstallationen gegen die deutlich kompakteren, wenn auch freilich nach dem gleichen, jahrzehntealten elektromechanischen Prinzip arbeitenden EMD-Wähler getauscht werden.

Einen größeren Flop hatte es in der deutschen Technikgeschichte nie gegeben. Aber man hielt in bewährter Manier den Ball flach, man wollte schließlich keine Rufschädigung der deutschen Industrie riskieren — und vor allem: Man hatte ja den vielleicht nicht willigen, aber dafür um so willenloseren deutschen Michel, den man weit über die Schmerzgrenze hinaus nach Belieben zur Ader lassen konnte.

hb

P.S.
In der nächsten Folge:
Robert T. Online, ISDN und DSL:  Die  Degeneration entläßt ihre Kinder

Auf der InterFace 30 Jahre Feier war Gerhard Saeltzer einer unserer Ehrengäste. Als „Überraschungsgast aus Dresden“ hatte er eine wunderbare Rede vorbereitet. Im Trubel und Lärm des Festes fand sich leider keine Gelegenheit, dieser Ansprache den angemessenen Rahmen zu geben. Die Rede beschreibt im ersten Teil ein beeindruckendes Kapitel deutsch/deutscher Geschichte, an dem die InterFace und ich sehr früh teilhaben durfte.

Schön, dass es Euch alle gibt!

Lieber Roland Dürre, liebe InterFace’ler, liebe Gäste!

Heute feiern wir gemeinsam den 30. Geburtstag von InterFace. Für die Einladung danke ich herzlich und bin gleich aus dem fernen Dresden mit meiner Frau hierher geeilt

Schön, dass es Euch alle gibt und dass wir uns alle hier zusammengefunden haben!

Erinnern wir uns an Ereignisse, die 24 Jahre zurückliegen, an das Jahr der Deutschen Wiedervereinigung 1990. Was waren das für spannende und aufregende Zeiten! Und was für frustrierende Zeiten im Osten! Da kamen z.B. zu uns nach Sachsen Deutsche aus Bayern mit einer für unsere sächsischen Ohren so ganz anderen Sprache. Und das zweite Wort, was die Bayern von sich gaben, war eins, was im Osten ausgemerzt worden war: Gott. Überall hörte man „Grüß Gott“ – was die Sachsen nur verlegen und kleinlaut mit einem „Na goodden Taach“ erwidern konnten.

Und wir lernten, dass mit dem göttlichen Gruß auch etwas ganz anderes kam: Die Kirchensteuer übers Finanzamt und häufig schockierend hohe Nachzahlungen für die Ostler. Und dann geschah ganz Erstaunliches: In den Osten strömten scharenweise besondere Ritter – Glücksritter und Raubritter. Dazu überkluge Juristen und Politiker, Berater und Makler, die Funktionäre und Gewerkschaftler, darunter viele, die – sagen wir es deutlich – im Westen überflüssig oder ausgemustert waren. Da rückten im Eiltempo heran die Abzocker: Die Autohändler, die vierrädrigen Schrott als Neuwagen verkauften. Die Textilhändler, die gebrauchte Kleidung als neu verkauften. Die flinken Immobilienjäger, die große marode Ost-VEB‘s für 1 DM kauften, abwickelten und dann die Grundstücke für Millionen verkauften. Und die Vertreter für alles Mögliche und völlig Überflüssige, vor allem Versicherungen. Auch ich habe davon unnötig „genascht“.

Ich lernte im Osten tolle Juristen und Beamte aus dem Westen kennen, die z.B. nicht einmal wussten, dass man eine Klage unterschreibt – bevor man sie beim Gericht einreicht. Und es kamen sogar Showmaster und Zauberer. Einer landete sogar direkt aus dem Himmel – mit einem geborgten Hubschrauber – in Dresden, wie ein Glücksgott. Er baute in einem Sumpfgebiet eine neue Vorstadt von Dresden, verkaufte die besten Fußballspieler und verschwand letztlich hinter Gittern. Und es kamen auch tolle IT-Berater, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten und nicht einmal wussten, was Software-Engineering und Softwarequalität ist.

Ja, liebe Bayern, so gab es damals nach der Wende im Osten reichlich Frust und negative Kulturschocks. Wir mussten uns total umprogrammieren. Und dann geschah plötzlich ein Wunder, ich erlebte das Umgekehrte, eine Art positiven Kulturschock. Ich lernte in Dresden den Unternehmer Roland Dürre mit Teilen seiner jungen Mannschaft, seine Frau und sogar seinem jüngsten Sprössling Rupi, näher kennen.

Einen Mann, der so ganz anders war. Ein Unternehmer, der nicht nur groß schwätzte, sondern etwas von seiner Sache verstand, mit dem man reden konnte, von Mensch zu Mensch, ohne Arroganz – sondern partnerschaftlich, der nicht erst den Inhalt meines Portmonees prüfte (indem ich sowieso nichts hatte), bevor er mit mir redete. Und der sogar als Präsident ganz familiär in Filzpantoffeln seine Mitarbeiter aufsuchte. Mit einem sportlich bescheidenen Lebensstil, der zur der täglichen Körperpflege Kernseife aus Armeebeständen gewissen parfümierten Chef-Seifen vorzog. Roland Dürre, der Unternehmer, der so aufmerksam zuhören konnte, ein Mann mit dem das Gespräch, die Zusammenarbeit, Teamarbeit richtig Spaß machte, ein flexibler Teamplayer im besten Sinne.

Ich sage es frei heraus: Roland Dürre und sein Team kamen mir als Wende-frustrierten vor wie Außerirdische von einem anderen, positiven Stern. Und Sie haben erfolgreich die letzten 30 stürmischen Jahre gemeistert! Ich bewundere alle Beteiligten von InterFace.

Ihr seid einfach Klasse! Schön, dass es Euch alle noch gibt!

Herzlichen Dank InterFace und Roland Dürre für diesen erlebten Lichtblick, diesen positiven deutsch-deutschen Nach-Wende-Kulturschock! Lieber Roland Dürre! Wir waren damals beide verwegen und mutig und organisierten die erste deutsch-deutsche Fachtagung für moderne Software und Anwendungssysteme SoftSys 9/90 in Dresden. Wir waren beide – mit unseren bescheidenen Ressourcen – sogar schneller als die großmächtige Politik.

Schon 9 Tage vor der Wiedervereinigung, am 3.10.1990, fand unsere Ost-West-Deutsche Wiedervereinigung als Fachtagung in Dresden statt! Gute Kommunikation zwischen uns zeigte deutlich messbare Wirkung: Es lief alles schneller. Die Verbindung zwischen uns riss leider ab.

ComputerweltUmso wunderbarer war es, dass wir uns nach 24 Jahren plötzlich wieder fanden. Ich fand InterFace im Internet, als ich nach mir selbst suchte und zufällig eine Buchbesprechung über mein Informatikbuch für Kinder und späteres Schulbuch in Sachsen „Erstaunliche Computerwelt“ entdeckte.

Lieber Herr Dürre, liebes InterFace Team!

Wenn ich so zurückblicke, bin ich etwas traurig: In Deutschland und Europa gibt es gegenwärtig zu wenige, leider viel zu wenige Unternehmen mit einer so angenehmen, kommunikativen und fairen Kultur wie InterFace. In diesen Zeiten der Firmen-Insolvenzen und -Übernahmen bewiesen, wo so manches Unternehmen den Bach hinunter ging, konntet Ihr Euch erfolgreich am Markt behaupten. Wunderbar! Viele können von Euch lernen.

Ich bewundere Euch!

Es ist wirklich schade, dass die Wissenschaft heute etwas Wichtiges noch nicht beherrscht. Das perfekte Klonen. Es würde Deutschland und Europa und der Welt besser gehen, wenn man Sie und Ihr Unternehmen klonen würde, sagen wir 5mal oder etwas unbescheidener 20mal! Und weil das leider noch nicht klappt, müsste man wenigstens ganz schnell ein Denkmal oder wenigstens eine Denktafel für InterFace hier in Unterhaching setzen. Auch wenn es noch nicht so schnell klappt: Wenigstens schnell noch meine herzlichen Glückwünsche, etwas angelehnt an Theodor Fontane:

„Kummer sei lahm! Sorge sei blind!
Weiter 30 gute Jahre in bester Gesundheit
wünschen wir dem Geburtstagskind!“

Und lieber Roland Dürre, noch eine kleine Bitte für die Zukunft – weil Zusammenarbeit mit Ihnen so großen Spaß macht, habe ich eine hübsche Idee für ein neues gemeinsames Projekt mit weltweitem Wirkungspotential mitgebracht. Doch darüber möchte ich noch gerne mit Ihnen reden.

Allen wünsche ich beste Gesundheit und viel Glück auf allen Wegen!

Grüß Gott! Godden Taach, und bis bald – vielleicht in der Session mit heiteren Anekdoten aus meinem Leben mit dem Computer im Osten! Herzlich lade ich alle ein!
Dr. Saeltzer, Unterhaching am 27.6.2014

Hochzeit im FlußDie Einladung erging zur Session „Faszinierendes und Anekdotisches rund um Gegenwart und Zukunft der Computeranwendung“ von Dr. Saeltzer auf unserer 30 Jahre Feier. In dieser Session berichtete er lustige Anekdoten vom Start der IT in der DDR in den sechzigern Jahren. Er betätigte sich auch als Mutmacher und zeigte mit kleinen Lesungen aus seinem Buch „Hochzeit im Fluss“ (einer „Anleitung zur Resilienz) wie Menschen selbst in schwierigen Situationen wie bei der Dresdener Hochwasser-Katastrophe Zuversicht bewahren können.

Beim Lesen dieses Textes habe ich rote Ohren bekommen, mich aber umso mehr sehr gefreut.

Einen ganz großen herzlichen und lieben Dank an Dr. Saeltzer.

RMD

P.S.
Ein paar Stichworte zu unserem „Überraschungsgast“ Dr. Gerhard Saeltzer:
Informatiker, Softwaretechnologe und Simulationsexperte, Autor, Dozent, Trainer (über 10 Bücher, auch ein Bestseller, 100 gedruckte Fachbeiträge, 1000 Vorträge und Kurse, Exposees für das Bildungsfernsehen), ganzseitige Auftritte und Interviews in der Tagespresse, Chairman großer Fachtagungen im Osten, Erfinder von Innovationen wie ProgFox, LEMA, zuletzt angestellt in der Position eines Regierungsdirektors beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten in Dresden, jetzt im Unruhezustand, joggt in Dresden seit 45 Jahren täglich 20 Minuten zwischen 6:00 und 9:00 Uhr.

P.S.2
Der Text ist original von Dr. Gerhard Saeltzer. Die Bilder der beiden genannten Bücher habe ich eingefügt.

Roland Dürre
Sonntag, der 21. November 2010

brand eins im Dezember – Unberechenbar!

Die Ökonomie der Familie

Assoziere immer im Leben – so auch bei jedem neuen Titel des brand eins.

Unberechenbar!

Das gefällt mir! Schreibe ich doch gerade an einem Artikel über Operation Research (OR) und Unternehmensforschung. Beides ist laut Wikipedia das selbe. Fordere aber, dass sich Unternehmensforschung mehr mit Führung und Unternehmenskultur beschäftigen und nicht Unternehmen in mathematische Modelle zwängen sollte wie die OR.

Die Ökonomie der Familie

Klar. Familie ist für mich so wichtig, was wäre ich ohne sie? Gerade als Unternehmer finde ich Familie gut: Eine Familie ist auch nichts anderes als ein kleines Unternehmen und für die Gründung einer Familie braucht es besonders bei der Frau ein großes Unternehmerherz.

Aber ich wandere mal durchs Heft:
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Roland Dürre
Dienstag, der 26. Oktober 2010

HITPC, das Männchen und der Wagen

Heute mal ein kurzer Blick in die Vergangenheit von InterFace

Bei InterFace gibt es immer viele Kleinigkeiten mit IF-Logo. Ich glaube, dass auch das ein wenig mit hilft, Identität zu stiften – und weiß, dass viele Unternehmen, die ich schätze, es ähnlich machen. Zudem gibt es bei uns jedes Jahr ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter – natürlich auch immer mit unserem IF-LOGO.

Über die Jahre kommt da viel zusammen. Von der Schachtel mit den Pfefferminztabletten bis hin zur InterFace-Jacke, von den vielen verschiedenen Tassen bis zum Geschirr inklusive Weißwursttopf, von der Sporttasche bis zum kleinen Taschenmesser.

Und so entstand auch mal eine kleine Figur. Die nannten wir
„HITPC-Männchen“

Unser Textsystem gab es nicht nur für Unix, sondern auch für PCs. Und zwar nicht nur in Deutsch sondern z.B. auch in Russisch (kyrillisch)!

Und als Verlängerung der UNIX-HIT-CLOU Werkbanken war der HITPC auch auf DOS ganz schön verbreitet. Und besonders für die DOS-Nutzer haben wir das HIT-PC-Männchen entworfen. Das hat immer eine gute Figur auf den damals noch recht plumpen PCs gemacht.

Die hübsche Werbefigur aus Plastilin wurde von Hildegard Heidecker entworfen. Sie hat unseren Service-Gedanken in Gestalt gebracht.

Damals gab es auch einen (original) Märklin-Wagen von der InterFace Connection, auf dem auch unser HIT-PC-Männchen abgebildet war.

Der Wagen wurde in der kleinstmöglichen Limitierung (ich meine 200 Stück, bin mir da aber nicht mehr so sicher) aufgelegt und unseren Kunden und Mitarbeitern zu Weihnachten geschenkt.

Dieser Wagen hat es dann auch in den Koll-Katalog für Märklin-Werbemodelle geschafft und einen (angeblich) ziemlich hohen Sammlerwert erreicht.

Das ganze ist jetzt schon über zwanzig Jahre her.

RMD

P.S.
In Unterhaching im 2. Stock – gleich neben dem Empfang – kann man ein vergoldetes HITPC-Männchen bewundern. Das hat uns Frau Heidecker zum 25. Jubiläum geschenkt! Und natürlich auch noch einen der Märklin-Wagen bei mir im Zimmer.

Roland Dürre
Sonntag, der 11. Juli 2010

Kontext

1969 habe ich in der Informatik-Vorlesung des großen Professors F.-L. Bauer kurz nach dem Abitur das erste Mal den Begriff „kontextsensitiv“ gehört. Vieles im ersten Semester habe ich nicht verstanden, wie auch manche Themen und Bilder in dem die Vorlesung begleitendem Buch „Informatik 1“, dem berühmten gelben „Bauer/Goos“.

Erst viele Jahre später, mittlerweile mit F.-L. Bauer befreundet, in vielen persönlichen Gesprächen mit ihm und gemeinsamen Begehungen der Abteilung Informatik im Deutschen Museum, habe ich begriffen, was Informatik eigentlich ist.

Mit dem Begriff „kontext-sensitiv“ war das ähnlich. Der Begriff war für mich relevant, wenn es um Programmieren und Programmiersprachen ging. In meinem Programmierer-Leben ist mir schnell klar geworden, dass geschaffene Software inklusive aller Korrekturen und Änderungen frei von „Kontext-Sensivität“ sein muss.

Im Vergleich zur menschlichen Kommunikation erscheint die Beschreibung eines Problems in einer formalen Sprache oder die Lösung des selbigen mit einer Programmiersprache geradezu trivial. Aber gerade im echten Leben spielt der „Kontext“ die entscheidende Rolle. mehr »

Roland Dürre
Donnerstag, der 11. März 2010

Neuperlach

Am Dienstag, den 9. März fand im Siemensgelände in Neuperlach die Wahl des Siemensbetriebsrates statt. In den noch von Siemens genutzten Gebäuden im Gelände konnte man aus den Lautsprechern auf Deutsch und Englisch die eindringliche Aufforderung hören, unbedingt an der Wahl teilzunehmen. So laut, dass man sich im Meeting nicht mehr unterhalten konnte.

Obwohl ich in meinem Leben viel Zeit hinter diesen Mauern verbracht habe, war es das erste Mal, dass ich die Anlage bewusst gehört habe. Lautsprecherdurchsagen in Gebäuden berühren mich immer ein wenig, ist irgendwie eine Mischung von Schule, Bundeswehr und Orwell.

Hintern den Zäunen in Neuperlach kursieren immer zahlreiche Gerüchte. Da ich dort immer noch viele Menschen kenne, werde ich bei meinen Besuchen immer frisch mit Informationen aufmunitioniert.

Am Dienstag hat mich ein Gerücht einer besonderen Qualität erreicht. Just an diesem Tag soll beurkundet worden sein, dass die Siemens AG das Gelände Neuperlach an einen „real estate investor“ verkauft.

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Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Dezember 2009

Hommage an Gudrun!

gudrun_falknerAlle Jahre wieder zu Weihnachten werden Erinnerungen wach. Und oft hat man das Glück, alte Freunde wieder zu sehen.

Da gibt es dann ganz besonders nette Treffen. Längst vergangene Zeiten werden wach, Erinnerungen ausgetauscht und fast vergessene Weggefährten wieder lebendig.

Ein besonderes Treffen habe ich immer mit Frau Dr. Gudrun Falkner. Gudrun und ich haben uns in einer der ersten Informatikübungen vor 38 Jahren an der TUM kennen gelernt. Bis heute gelang uns nicht, die uns damals erklärte zweiwertige Logik zu verstehen.

Es waren gute Jahre. Eines Tages ging die Gudrun über den großen Teich nach Amerika. Zurück in Deutschland machte sie an der TUM ihren Doktor, wurde so zu Dr. Gudrun B. Falkner und arbeitete anschließend viele Jahre bei der InterFace. Ihr Schwerpunktthema war Neuland: Die Entwicklung von technischen Dokumentationen für IT-Systeme.

Dann ereilte sie der Ruf der Wissenschaft. Heute lehrt sie an der Hochschule in Stralsund, wo sie auch als Gleichstellungsbeauftragte wirkt. Das Bild ist von ihrer dortigen Website.

Und einmal im Jahr treffen wir uns in der Weihnachtzeit zum Abendessen beim Thailänder in Neubiberg. Und quasseln über Gott und die Welt, über die Vergangenheit und die Zukunft.

Es war ein schöner Abend!

RMD