cc++In 1988 war ich auf meiner ersten Uniforum, der zentralen und internationalen Unix-Tagung in den USA. Hier zur Info ein zeitgenössischer Bericht aus der Computerwoche über die Uniforum 1988.

Die Veranstaltung fand in Dallas statt. Es war auch mein erster Besuch in den USA. Gemeinsam mit Jacob Rosendorfer, Rainer Schaaf und Wolf Geldmacher (alle von InterFace) waren wir dort. Wir waren schwer beeindruckt: die riesige Halle mit drei Großleinwänden parallel, Unmengen von Besuchern, selbst organisierte „Birds of the feather“-Veranstaltungen und Parties im 2-Stunden-Rhythmus.

Ein wichtiges Thema auf dieser Messe war C++. Einer der Helden der Messe war Bjarne Stroustrup (hier seine Homepage). Die zweite Auflage „The C++ Programming Language“ (Addison-Wesley, first edition 1985) war gerade erschienen und wurde von der Palette weg verkauft. Wir haben ein paar der ganz frischen Bände mit nach Deutschland gebracht.

Und wir haben die Firma „Glockenschlag“ entdeckt.

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Ende 1979 habe ich innerhalb Siemens gewechselt. Von UB D DF 131 ging ich nach UB D VS. Die erste Abkürzung stand für das Labor für Datenfernverarbeitung, das Kürzel VS in der zweiten Abkürzung für Vertrieb Sonderprojekte.

Dort spielte die „IT-Musik“: Projekte wie START (die erste Vernetzung von DB, Reisebüros und Lufthansa), ITS (das integrierte Transportsystem der Deutschen Bundesbahn), SNATCH (SNA-Transdata Coupling of Hosts) oder auch Dispol (ein völlig neues Computernetz für die Bayerische Polizei) waren revolutionär mit bis dahin unvorstellbarer neuer Funktionalität.

Der Wechsel war für mich sehr vorteilhaft, da ich tariflich von bei 6.2 stehend nach 7.2 befördert wurde. Das war damals eigentlich bei Siemens unmöglich, aber bei den Sonderprojekten ging manches, was im normalen Siemens-Leben unmöglich war.

Mein Einsatz war in SNATCH geplant. Transdata kannte ich, aber von der Konkurrenz von IBM (SNA) hatte ich nur rudimentäre Kenntnisse hatte. Auch das wollte ich durch meinen Wechsel ändern.

Aufgrund großer Schwierigkeiten im Projekt Dispol wurde dort dringend ein TRANSDATA-Spezialist gebraucht. So wechselte ich unter Murren ins Projet Dispol, habe das später aber nie bereut.

Was macht man, wenn man neu in eine Abteilung von IT-Spitzenkräften kommt? Man zeigt sein Können, um gleich mal fachlich respektiert zu werden.

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Roland Dürre
Samstag, der 30. Mai 2009

Twitter und die Lochkarte

Ein paar Jahre lang habe ich viel mit Lochkarten gearbeitet. Lochkarten waren damals etwas total Innovatives. Keine blöden Lochstreifen mehr. Und die Flexibiliät. Bei Lochkarten konnte man etwas einfügen (Bei Lochstreifen völlig unmöglich).

lochkarteDie abgebildete Lochkarte (übrigens aus Wikipedia) enthält 40 Zeichen. Unsere Lochkarten waren moderner und hatten 80 Zeichen (Spalten in unseren „Sheets“, auch Programmierformulare genannt, die wir mit Bleistift ausfüllten und dann als gestanzten Lochkartenstapel zurück bekamen. Das war noch eine Art zu Programmieren!).

Die Spalte 72 mußte man markieren, wenn auf der nächsten Karte die Fortsetzung war. Ab Spalte 73 waren die Zeichenfelder der Nummerierung vorbehalten. Die Spalte 71 war für etwas besonderes reserviert (kann für ein Kommentarzeichen oder so etwas ähnliches gewesen sein – ich weiß es nicht mehr).

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Robert Kulzer
Freitag, der 15. Mai 2009

VCFE Impressionen (Vintage Computer Festival Europe)

Vorm 1. – 3. Mai hat in München das VCFE (Vintage Comuter Festival Europe) stattgefunden. Habe auch in einem Post darauf hingewiesen.

Unten ein paar Schnappschüsse, die Roland Dürre gemacht hat. Solche wunderschöne Gerätschaften wurden dort gezeigt, die meisten absolut lauffähig.

Der Herr auf dem letzten Foto ist Wolfgang Stief, bestens bekannt von der GUUG.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. April 2009

Vintage Computer Festival Europe in München (1. – 3. Mai 2009)

cv_6457Es ist wieder soweit! Ab Morgen gleich für drei Tage findet vom 1. bis zum 3. Mai in München wieder das jährliche Computer Vintage Festival Europe statt.

Veranstaltungsort ist wie immer die Mehrzweckhalle des ESV München Ost, Baumkirchner Straße 57 in 81673 München. Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 9:45 bis 18:30, am Sonntag von 10:15 bis 16:30 Uhr.

Alle Informationen finden Sie hier!

Ich freue mich schon darauf und werde auf jeden Fall vorbeischauen. Bin gespannt, was ich da für Systeme aus meiner IT-Urzeit wieder entdecken werde.

Das Bild ist eine Kostprobe von Rolo Zollners Computer Vintage Photo Galerie, die wir in Bälde in IF-Blog eröffnen werden!

RMD

siemens_munchen_perlachSiemens ist eine große Firma mit einer beeindruckenden Geschichte. Da gibt es auch eine tolle Seite in Wikipedia. Das Bild hier links ist auch aus Wikipedia, dort unter einer GNU-Lizenz verfügbar.

In einer großen Firma gibt es immer Gerüchte, die sich stabil über viele Jahre halten. Da geht es dann um strategische Partnerschaften oder neue technologische Basen. Ein gutes Beispiel war Unix. Schon kurz nach der Geburt von Unix Ende der 60iger Jahre munkelte man im Unternehmensbereich D, dass es strategische Absicht wäre, mit Unix alle Betriebssysteme, ob BS 1000 oder BS 2000, Kommunikations- oder Prozessrechner, abzulösen. Das Gerücht wurde immer stärker und Anfang der 80iger Jahre ging es dann mit Sinix los.

BS2000 gibt es zwar immer noch (sogar als profitables) Geschäft, aber Unix läuft heute in vielen Rechnern, Systemen und Geräten, und wenn Windows nicht gekommen wäre …

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lexikon-der-dvUnsere Abteilung bei Siemens (UB D DF ST131, so um 1978) zog mal wieder um. Wir mussten unsere Idylle in der Ortenburgstr. aufgeben und wurden auf die andere Seite vom Stammgelände Hofmannstrasse jenseits der S-Bahn verlegt (in Richtung Wolfratshausener Str.). Die Enttäuschung war groß. Die Kopp-Straße kannte ich schon, weil ich da zwei Jahre als Werkstudent verbracht hatte. Kopp-Straße, das hieß Stacheldraht und Baracken.

Es war noch die Zeit der „drei Schichten“, 7:10 – 15:45, 7:30 – 16:05, 7:50 – 16:30, eine Maßnahme um den Verkehr zu entflechten. Die Mittagspause war genau auf 35 Minuten bemessen.

Stechuhren gab es keine. Wenn man kam, trug man sich im Sekretariat des Chefs in eine Anwesenheitsliste ein. Für jeden Monat gab es ein Blatt DIN A4, da standen die Mitarbeiter links von oben nach unten alphabetisch gelistet, rechts kamen die Spalten für die Werktage. Wir mussten unser Kürzel in die Kreuzung von Tageszeile und Namensspalte eintragen, jeden Tag kam eines dazu und so wurde die Zeile im Laufe des Monats voll. Wenn man krank war, trug die Sekretärin ein „K“ ein, bei Urlaub ein „U“.

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In dieser Reihe Beitrag berichte ich von Rednern, die mich in ihren Vorträgen sehr beeindruckt haben. Diesmal erzähle ich von meiner Begegnung mit Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck.

Augustinus Henckel von Donnersmarck ist mir unvergessen. Das erste Mal habe ich ihn auf einer Kundenveranstaltung von ICL (International Computer Limited) getroffen. ICL ist – im Gegensatz zu Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck – zumindest im deutschen Wikipedia sehr kümmerlich beschrieben. Die Veranstaltung fand in Wiesbaden im hessischen Hof als Danke Schön für Kunden und Partner statt.  Ich war eingeladen, weil wir (InterFace und ICL) eine sehr erfreuliche und erfolgreiche Kooperation hatten. ICL war damals in England recht erfolgreich, in Deutschland eher ein feiner Nischendarsteller. Das ganze muss schon über 10 Jahre her sein.
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Roland Dürre
Donnerstag, der 29. Januar 2009

Computer Vintage #9 Meine erste Visitenkarte (1978)

Nach dem Studium bin ich beim Siemens gelandet. Die Siemens AG kannte ich, war ich doch schon gut 3 Jahre als Werkstudent dabei. Trotzdem oder auch deshalb habe ich mich mit dem frischen Diplom in der Tasche zuerst mal bei 2 anderen Firmen beworben. Aber wir hatten gerade wieder mal eine kleine Wirtschaftskrise und das Ergebnis war enttäuschend. Ich bekam sehr schnell zwei kurze und sich sehr ähnliche Serienbriefe mit der lapidaren Aussage, dass man zurzeit keine Leute suchen würde und ich mich in einem halben Jahr wieder bewerben solle. Eines der beiden Unternehmen war Softlab :-), dort sollte ich ja später landen.

So bewarb ich mich bei Siemens. Da musste ich zuerst einen sehr psychologischen EDV-Eignungstest machen. Man musste ein wenig Kopfrechnen, in Zeichen-Kolonnen besondere Muster erkennen, geometrische Formen sortieren und ähnliches. Die Zeit war ein wenig knapp, habe aber trotzdem alles geschafft. Mir schien es, dass mir die Übung vom Schafkopfen (Bayerisches Kartenspiel) bei diesem Test sehr zu Gute kam (Mitzählen und sich merken, welche Trümpfe und Asse schon weg sind, ist wohl nicht nur für den Geldbeutel gut).

Dann ging es los. Mein erstes Gehalt war DM 2.650,- im Monat, 50,- DM davon waren eine Sonderzulage aufgrund meiner Verdienste als Werkstudent. Ein knappes Jahr später (da war die Krise schon wieder vorbei) bekamen neue Mitarbeiter plötzlich deutlich mehr als wir „alten Siemensianer“, was wir zwar nicht hätten wissen dürfen, uns aber sehr geärgert hat.

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Roland Dürre
Donnerstag, der 1. Januar 2009

Computer Vintage #8 Knoblauch und Computer (1979)

Im Versuchsfeld im Feurich-Bau in der Hofmannstraße bei Siemens, da standen sie, unsere neuen TRANSDATA-Prototypen. Auf dem Weg von der Ortenburgstr. (da waren unsere Büros ausserhalb des Stammgeländes) zum Feurich-Bau gab es einen Gemüseladen. Besonders erinnere ich mich an frische Walnüsse (Schälnüsse) und leckere Maroni. Abhängig von der Jahreszeit gab es immer frische Ware. Gerne nutzten wir den Weg ins Versuchsfeld, um dort fürs Abendessen einzukaufen. Einmal gab es wunderschöne Knoblauch-Zöpfe. Kauflust steckt an, so kam ich zu einem Knoblauch-Zopf.

An diesem Tag wollte unser Prototyp mal wieder gar nicht so wie ich wollte. Ich war richtig böse auf ihn. Und Knoblauch soll ja die bösen Geister vertreiben. So klebte ich den Knoblauchzopf ans Gehäuse des Rechners. Immerhin konnte ich so meine schlechte Laune ausleben – und siehe da, der Test verlief jetzt schon deutich besser. Als ich am Abend heimging, ließ ich den Zopf am Rechner hängen. Am nächsten Morgen ging es weiter, alles lief bestens.

Dummerweise kam am späteren Vormittag unser Hauptabteilungsleiter Dr. M. mit Kunden vorbei, um diesen die neuen TRANSDATA-Systeme zu zeigen. Der Knoblauch hat unsere Gäste sichtlich irritiert, aber sie sahen geflissentlich über den Rechnerschmuck hinweg. Es gab auch kein Nachspiel.

Zu diesem Blödsinn hatte mich eine Weihnachtsvorlesung von Prof. Lammel inspiriert, die dieser Ende 1969 gehalten hatte. Das ist jetzt bald unglaubliche 40 Jahre her. Professor Lammel las damals Analysis 1 für die Erstsemester, später habe ich bei ihm auch „Spezielle Funktionen“ gehört. Professor Lammel war ein Professor vom alten Schlag. Er kam gut vorbereitet in die Vorlesung und konnte die Dinge ausgezeichnet erklären. In der letzten Stunde vor Weihnachten las er uns aus einem Buch von Heisenberg verschiedene Geschichten vor. Eine Geschichte hat mir besonders gut gefallen. Sie ging ungefähr so:

Bohr, Einstein und Heisenberg treffen sich am Wochenende in einer Hütte, die Einstein gehört. Über der Eingangstür hängt ein Hufeisen. Die beiden Gäste necken Einstein mit der Frage, wie er als Naturwissenschaftler so abergläubisch sei, dass er ein Hufeisen als Talisman vor das Haus hängen würde. Einstein weist jede Form von Aberglauben strikt zurück, indem er antwortet: Natürlich glaube er nicht, dass das Hufeisen etwas Positives bewirken könne. Wenn es dies aber tatsächlich vermögen würde, hätte er allerdings auch nichts dagegen.

Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Geschichte und habe sie auch nie mehr in der Literatur gefunden. Insofern kann es gut sein, dass ich die Sache nicht korrekt wieder gebe. Vielleicht war es auch nicht die Hütte von Einstein sondern die von Bohr, und die schlagfertige Antwort kam von ihm.

Mit dem Knoblauch an der TRANSDATA-Maschine war es ähnlich. Natürlich hat er nichts geholfen. Aber es hat Spaß gemacht – es waren halt noch richtige Pionierzeiten.

RMD

P.S.

🙂 Der Talisman soll Glück bringen, das Amulett soll das Böse abwehren. Diese feine Differenzierung war mir bis vor kurzem nicht bekannt. Ein Knoblauchzopf wäre dieser Definition folgend also ein Amulett. Und wenn Sie wissen, in welchem Buch die von mir erzählte Geschichte steht, dann bitte ich um eine kurze Info per E-Mail.

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