Roland DürreMontag, der 30. August 2010
Müll
Seit einer Woche fast zelte ich jetzt in Griechenland. Und es ist verblüffend, wie nett die Menschen sind und wie gesund das Essen hier schmeckt. Überall ist gute Laune und alles ist vom Feinsten.
Kann natürlich sein, dass ich deshalb die Sonnenseite von Griechenland erlebe, weil ich weit weg vom zentralen Athen/Piräus bin. Wir sind 15 km südlich von Gythio.
Gythio war der Hafen Spartas und ist die lokale Metropole, hat aber auch nur knapp 5.000 Einwohner. Die nächste größere “Stadt” dürfte Sparta sein, das aber mit seinen weniger als 15.000 (Stadt) bzw. 20.000 (Landkreis) Einwohnern nach unseren Maßstäben auch in die Rubrik “Kleinstadt”fällt. Sowohl Ottobrunn wie Unterhaching haben zum Beispiel mehr Einwohner.
Detlev SixDienstag, der 24. August 2010
Das Ende vom Ich.
Wenn ich in der Schule schlecht bin,
schlagen meine Eltern den Lehrer.
Wenn ich fett werde,
berufe ich mich auf meine Gene.
Wenn ich zu dünn bin,
sind die falschen Vorbilder schuld.
Wenn ich Alkoholiker werde,
ist das Suchtzentrum im Hirn verantwortlich.
Wenn ich Heroin drücke,
dann ist meine Familie schuld.
Wenn ich Täter werde,
schiebe ich es auf meine Determiniertheit.
Wenn ich Opfer werde,
schiebe ich es auf den Täter.
Wenn es mir schlecht geht,
bitte ich Gott um Hilfe.
Wenn Gott nicht hilft,
ist der Teufel daran schuld.
Wenn ich als Politiker nichts mache,
dann ist die Faktenlage dafür verantwortlich.
Wenn ich als Manager versage,
muss die Firma für mich sorgen.
Wenn ich Einwanderer bin,
sind die Einheimischen für alles zuständig.
Bitte fortsetzen.
Detlev SixMittwoch, der 18. August 2010
“khadashta sharafi”
Ich lächle der hübschen Schwarzhaaarigen auf
der Parkbank zu. Im Halbdunkel sehe ich nicht genau,
ob sie zurücklächelt. Ich will weitergehen, da stellt
sich ein Mann in den Weg: “khadashta sharafi”
“khadashta sharafi” heisst, “Du hast meine Ehre verletzt”
und die Geschichte ist erfunden.
In seinem Post “Man spricht deutsch” wandert Roland
in einem beschwingten Samstagsspaziergang durch
Babylon, die Sprachen fliegen wie bunte Vögel durch
die Luft, ein sympathisches Multikultigefühl überkommt
ihn. Sein Fazit: “Für mich ist die deutsche Sprache ein
Kulturgut, das wir pflegen sollten, mehr nicht.”
Das klingt weltoffen, liberal, menschenfreundlich.
Und ist hochgefährlich.
Roland DürreSonntag, der 15. August 2010
Sloganismen
Es ist gar nicht so lange her, als es noch keine Autos gab. Kutschen zwängten sich durch die engen Gassen der Städte. Aber auch die Straßen über Land waren nur schmale Wege.
Die feinen Leute saßen in der Kutsche, der Kutscher auf dem Bock. Das gemeine Volk war zu Fuß auf den Straßen unterwegs. Manchmal waren die Straßen eng, oft verstopft von Menschen und Tieren.
Die feinen Herrschaften hatten es eilig. Sie konnten nicht warten, bis der Pöbel den Weg frei machte. Deshalb hatten die Kutscher auf ihrem Bock eine lange Peitsche. Die diente nicht vorrangig zum Anspornen der Pferde. Vielmehr bahnte der rüde Kutscher mit der Peitsche seinem Gefährt den Weg durch die Menge. Und so gab es öfters Striemen für menschliche und tierische Hindernisse, die sich dachten “Wer wird denn gleich in die Luft gehen?” und sich nicht in die selbige auflösten.
Das Motto war damals in alter Gutsherrenart “Vorsprung durch Peitsche“. Und die Peitschen knallten laut ein fröhliches “Wir machen den Weg frei”.
In der spät-(oder bald post-)automobilen Zeit werden die (meist männlichen) Menschen anders verführt:
Roland DürreSonntag, der 8. August 2010
“Ohrakel, Amarik und die lieben Toiletten …” oder “Zugfahrtentdeckungen”
Immer wenn ich mit der Bahn AG unterwegs bin, mache ich “Zugfahrtentdeckungen”. Da genügt schon die kurze Strecke von München Hbf nach Nürnberg Hbf, wie am Freitag, den 6. August in der Früh.
Kurz vor Ingolstadt entdecke ich das Ohrakel. Im Dauerregen sieht es besonders orakelhaft aus.
Wollte sich auch nicht fotografieren lassen. Zugfenster, Regen, schlechtes Licht und das Fahrttempo des Zuges haben es mir schwer gemacht.
Die Aufklärung des Rätsels sieht man gleich. Eine Kneipe oder Bar auf dem Weg von München nach Nürnberg kurz vor Ingolstadt hat diese originelle Schreibweise gewählt, die uns als Oracle-Partner immer auffällt.
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Roland DürreSamstag, der 7. August 2010
Wikipedia #12 – “Überalterung!” oder “Ein deutsches Problem?”
Auch bei meinem letzten Vortrag vor doch zahlreichen Menschen habe ich wieder die Frage gestellt: Wer im Raum nutzt Wikipedia? Alle haben sich gemeldet – kein einziger Nichtnutzer war im Raum! Wikipedia ist eine ganz wichtige Geschichte geworden. Wikipedia ist nicht mehr weg zu denken.
In Wikipedia steht alles, meint man. Denn die Anzahl der in Wikipedia verfügbaren Begriffe ist ein Mehrfaches höher als in allen anderen Enzyklopädien. Natürlich kann in Wikipedia auch nicht alles stehen. Ab und zu entdeckt man relevantes Kulturgut, das in Wikipedia nicht vermerkt ist. Eigentlich wäre es eine “Bürgerpflicht”, das Entstehen der fehlenden Artikel dann zu unterstützen.
Wikipedia verändert die Welt. Techniken oder Begriffe, die in Wikipedia nicht gefunden werden oder dort schlecht beschrieben sind, verlieren an Bedeutung. Neues, das in Wikipedia nicht beschrieben ist, hat keine Chance, sich zu entwickeln.
Dank der demokratischen Struktur von Wikipedia gleicht sich das zum größten Teil selbst aus. Es gibt eine gute demokratische Kontrolle. Und die Vertreter aller Fachgebiete wissen natürlich, dass ihr Wissen in Wikipedia rein muss, damit es eine Chance bekommt, relevant zu bleiben. Denn in Wikipedia beschriebene Technologien und Kulturen aber auch Menschen und soziale Systeme bekommen eine andere Bedeutsamkeit.
Wikipedia ist aber massiv bedroht!
Roland DürreFreitag, der 6. August 2010
Nachlese zu meinem Vortrag – Fragen&Antworten #8 Mitarbeiterverantwortung
In dieser Artikelserie beantworte ich die von Studenten gestellten Online-Fragen, die ich in meinem Vortrag
Lehren für Unternehmensführer – das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik
im Rahmen der Vorlesungsreihe
„Innovative Unternehmer“ / Sommersemester 2010
Führung von wachstumsorientierten Unternehmen
nicht ausführlich behandeln konnte.
Thema: Mitarbeiterverantwortung
Roland DürreFreitag, der 30. Juli 2010
Süd-Post
Auch nur so eine Geschichte am Rande …
Am Mittwoch morgen verlasse ich auf dem Fahrrad mein Haus in der Waldparkstraße zu Riemerling. Gerade sehe ich noch einen alten roten Dreier-BMW, der ziemlich schnell durch die Waldparkstraße düst. Es ist das gleiche Modell, wie ich es vor vielleicht 13 Jahren gefahren bin. Und dann hält das Auto vor meinem Hause.
Eine nicht unbedingt sehr glücklich und vertrauensvoll aussehende Person weiblichen Geschlechts eher fortgeschrittenen Alters steigt aus, macht sich an meinem Briefkasten zu schaffen, springt wieder ins Auto und fährt für die Tempo 30-Zone ein wenig zu flott weiter …
Da werde ich misstrauisch und kehre um. Die gerade noch geschlossene Briefkastenklappe ist offen. Mach sie zu und sperre den Briefkasten auf. Und entdecke ein ziemlich unwichtiges Schreiben eines Mobilfunk-Unternehmens. Befördert mit der Südpost.
Roland DürreDonnerstag, der 29. Juli 2010
brand eins im November 2008 – Keine Panik
Das ist schon wieder nicht das Ende!
Das war das Heft zum Thema des Vortrages von Frau Fischer in unserem IF-Forum am 21. Juli 2010. Freundlicherweise hatte die Redaktion von brand eins uns einen ganz schön hohen Berg vom roten Heft mit dem grünen “Button” gesendet.
Zwischen November 2008 und August 2010 befindet sich ja eine kleine Welt. Und so ein altes Wirtschaftsmagazin. Bald zwei Jahre alt. Das ist doch schon fast Presse-Vintage.
Denkste.
Erstaunlich wie frisch das Heft ist. Wahrscheinlich könnte man es ohne große Veränderungen auch im kommenden November veröffentlichen. Sollte man vielleicht machen.
Interessant übrigens, dass das Heft im wesentlichen fertiggestellt wurde, bevor die Lehmann Brüder pleite gingen.
Das Heft kann man übrigens auch online im Archiv von brand eins lesen. Und wer es lieber auf Papier hat, kann es meines Wissens auch beim Verlag nachkaufen.
Es lohnt sich!
RMD
Roland DürreMittwoch, der 28. Juli 2010
Nachlese zu meinem Vortrag – Anmerkungen #4 Technologischer Fortschritt
Lehren für Unternehmensführer – das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik
In dieser Artikelserie nehme ich Stellung zum schriftlichen Feedback, welches mich nach dem Vortrag erreicht hat und beantworte die von Studenten vorher gestellten Online-Fragen, die ich in meinem Vortrag nicht ausführlich behandeln konnte.
„Innovative Unternehmer“ / Sommersemester 2010
Führung von wachstumsorientierten Unternehmen
Eine andere, mir sehr wichtige Rückmeldung war
“der Prognose des Referenten, dass sich im “Gegenstand”-Bereich nicht mehr viel tun wird, stimme ich allerdings nicht zu”
Das ist absolut nachvollziehbar. Ich fürchte, dass ich im Vortrag nicht ausreichend klar gemacht habe, dass ich diese Prognose im Sinne der bisherigen Zielsetzung “weiter, schneller, höher” der “physikalischen” (alten) Technologien gemeint habe. Das “weiter, schneller, höher” dürfte tatsächlich am Ende angelangt sein. Vielmehr glaube ich, dass in den klassischen Ingenieursdisziplinen es um “sparsamer, leichter, einfacher” gehen wird.
In diesem Kontext verweise ich gerne auf “Cheap Design”, einen Begriff den Rolf Pfeifer, hier im Interview, kreiert und bekannt gemacht hat. Rolf Pfeifer ist Gründer und Leiter des Artificial Intelligence Laboratory, Department of Informatics, University of Zurich. Berühmt sind z.B. seine Billigroboter, die durch völlig neuartige Ansätze ganz neue Wege bei Robotik und Künstlicher Intelligenz aufgezeigt haben. Ich empfehle die inspririerende Lektüre seines Buches “How the Body Shapes the Way We Think: A New View of Intelligence” (Bradford Books).





