Hans Bonfigt
Donnerstag, der 31. Dezember 2015

Bertrand Russell und das Internet 5.0

Ein spleeniger Amerikaner besucht ein kleines deutsches Dorf, sucht den dortigen Barbier auf und verspricht diesem 100.000 Dollar, wenn er alle Bewohner des Dorfes rasiere, mit Ausnahme natürlich derer, die dies selbst tun.
Mit Freuden fängt er an und als er gerade mit der Hälfte seiner Kunden durch ist, geht ihm ein Licht auf: Wie sollte er es eigentlich mit sich selber halten ?

Um es gnadenlos abzukürzen:  Die Definition „Barbier := Jemand, der Menschen rasiert, die dies nicht selbst tun“ ist eine trickreiche Definition der Leeren Menge.  Die lustige Geschichte erwies sich in Wahrheit als der Tod der seinerzeit existenten Mengenlehre.  Das Russell’sche Paradigma machte einen Erfinder recht bekannt.

Sehr gerne zitieren Roland als „Superintendent“ dieses „Magazins“, aber auch andere Autoren den nachfolgenden, ebenfalls Bertrand Russell zugeschriebenen Satz:

„Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“

Mit Aphorismen und Zitaten ist es wie mit Bibelsprüchen, die man aus einem beliebigen Kontext des „theologischen Selbstbedienungsladens“ ziehen kann. Nun hat Roland mein letztes Zitat dieses Aphorismus‘ wieder aufgegriffen und, Vorsicht, übelster Sozial- und sonstiger „Rassismus“, ich möchte einmal konkretisieren, warum jener meines Erachtens so wichtig ist.

Mein alter Herr war in den 70er Jahren in der Rolle eines Wirtschaftsprüfers für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika tätig, wovon er seinem etwa zwölfjährigem Sohn berichtete. In Erinnerung geblieben ist mir die Schilderung, daß zehn hochmoderne Reisebusse von Büssing angeschafft und ausgeliefert worden waren, um Menschen täglich in die nächsten größeren Städte zur Arbeit zu bringen und zurück. Das ehrgeizige Projekt war gescheitert aufgrund „mangelnder Akzeptanz der Einheimischen“. Auch mein Vater hatte es mit Russell, insbesondere mit dessen Satz, „Wenn sich Experten einig sind, ist größte Vorsicht geboten“ und suchte die eigens ausgebildeten Busfahrer auf. Die führten aus, daß die Busse schon sehr schön seien, aber immer „kaputt“ gingen.

Und da forschte er einmal nach: Bei Bus 1 war die Batterie leer, bei Bus 2 lag eine Bagatelle mit der Druckluftbremse vor, Bus 3 war zwar vollgetankt, aber wohl zwischendurch leergefahren worden, so daß die Kraftstoffleitung hätte entlüftet werden müssen, Bus 4 hatte einen defekten Kühlwasserthermostaten und die Busse 5 bis 10 „litten“ an ähnlichen Kleinigkeiten. Während seiner Lehrzeit hatte mein Vater oft LKWs gefahren und so war es eine Sache von wenigen Minuten, bis er den ersten Schraubenschlüssel in der Hand hatte und die Busse einen nach dem anderen wieder in Betrieb nahm. Dennoch konnte mein Vater keine Erfolgsgeschichte mit nach Hause bringen: Zwei Tage fuhren die Busse wieder, aber dann kehrte wieder „Normalität“ ein in Form von Bagatellausfällen, mit denen das lokale Team völlig überfordert war.

„Die moderne Technik ist dort hinten einfach noch nicht angekommen, Du kannst denen nicht erklären, was Elektrizität ist. Und es war blödsinnig, die modernsten verfügbaren Busse zu nehmen. Es hätten viel einfachere, robustere Modelle sein müssen. Ohne hydrodynamische Getriebe, ohne Servolenkung. So wird das nie etwas“.

Mein alter Herr wird wohl recht gehabt haben.

Mittlerweile gibt es Heinrich Büssings Nutzfahrzeugfabrik nicht mehr, aber in jedem „Smartphone“ steckt mehr Komplexität als in allen zehn Bussen zusammen! Und spätestens ab sechs braucht man eines, es heißt ja schließlich „Eifon 6“. Wenn es ein „Eifon 5“ ist, darf man sicher sein, daß das arme Kind in der Schule „gemobbt“ wird.

Wenn uns früher als Kindern das Fahrrad kaputt ging, dann reparierten wir es. Ein „Eifon“ muß bei der geringsten Macke in die Spezialwerkstatt, wo es in aller Regel gegen ein neues Modell ausgetauscht wird. Was hätten wir früher jemandem den Vogel gezeigt, der uns gesagt hätte, „wenn Euer Scheinwerferbirnchen durchgebrannt ist, dann braucht Ihr ein neues Fahrrad!“ — bei einem Eifon kann man nicht einmal mehr den Akku wechseln. Also: Ich bleibe dabei: Wer sich so ein Ding als erwachsener Mensch kauft, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Natürlich haben wir früher den Polizeifunk abgehört, indem wir unsere Radiogeräte, welche schon für den internationalen Markt ausgelegt waren, ein wenig umjustierten. Wir nannten die Geräte auch nicht „Radio“, sondern „Superhet“, weil wir wußten, daß der drinsitzende Tuner nach dem Überlagerungsprinzip arbeitete, weil eine feste Zwischenfrequenz mit besserer Selektivität herausgefiltert werden konnte.

Ja, wir hatten eine Beziehung zu den Geräten und wuchsen mit ihnen. Es war ein Freudentag, als unsere Familie ein größeres „SABA Lindau“ – Radiogerät bekam, das man sich nicht „mal eben so“ kaufen konnte, sondern für das mein Vater lange und hart gearbeitet hatte. Dieses Gerät repräsentierte schon „Spitzentechnologie“ in Form eines „Integrierten Schaltkreises“, nämlich einer Röhre des Typs EABC80:

„Das gute alte Dampfradio“ war schon komplizierter als man sich gemeinhin vorstellen konnte, aber das Prinzip kannte jeder. Das Radiogerät hat seinen Dienst mehr als 30 Jahre zur besten Zufriedenheit erledigt. Ein Eifon hält maximal zwei Jahre.

Mit dem „Dampfradio“ aber gab es bereits in der Kommunikationstechnik die tollsten Möglichkeiten, die später dazu beitrugen, einen Kanal mehrfach zu nutzen, beispielsweise die Einseitenbandmodulation.

Wenn wir von moderner Internetkommunikation reden, dann ist diese das Ergebnis einer fieberhaften, internationalen und koordinierten Suche nach der „Mehrfachnutzung“ von Leitungen. Diese ist keineswegs selbstverständlich! Wenn wir vor 30 Jahren von Hamburg nach München telephonierten, dann war eine physikalische Drahtverbindung, sogar vierfach, über die gesamte Strecke durchgeschaltet und diente exklusiv den beiden Gesprächspartnern. Nun stelle man sich den Aufwand vor, man müßte jeden Internetcomputer mit jedem verbinden!

Also ersann man nicht nur unterschiedlichste Modulationsverfahren, welche typischerweise nicht nur die Amplitude, sondern zusätzlich auch die Phasenlage des Trägers beeinflußten und damit deutlich effektiver wurden, sondern man teilte Kanäle in Zeitschlitze auf („TDMA“) oder versuchte einen Kanal durch ‚chaotisches‘ Trial-and-Error‘ mehrfach zu nutzen („CSMA/CD“). Einen gigantischen Durchbruch unterdessen erzielte die Einführung einer „paketorientierten“ Übertragung, deren weitaus bekannteste Variante schon vor einem Vierteljahrhundert „IP“ hieß, und dreimal dürfen Sie raten, liebe Leser, wofür das „I“ steht.  Mit „IP“ war es erstmals möglich, von jedem Endgerät jeden Dienst eines jeden Systems zu nutzen.

Wer heute von einer „innovativen CLOUD-Lösung“ spricht, ist ein dummer Schwätzer, der die Grundlagen des Phänomens „Internet“ nachhaltig nicht verstanden hat. Denn der innovative, proaktive Dummschwätzer verfügt zwar über Spitzentechnik in seiner Hemdtasche, aber sein Verstand ist nicht annähernd mitgewachsen. Denn sonst wüßte er, daß unzählige Unternehmen und Institutionen seit Jahrzehnten „Cloud-Technologie“ wie selbstverständlich nutzen.

Wie weit Unverständnis und fast schon perfide zu nennende Borniertheit gehen, zeigt in kaum zu übertreffender Dreistigkeit „Telekom“ – Chef Höttges, welcher von Google, Amazon und anderen „Volumenanbietern“ eine „Mautgebühr“ verlangt, mit der im Wortsinn perversen Begündung, „Die benutzen unsere Leitungen und wir bekommen dafür keinen Pfennig“. Als ob Google von sich aus etwas schicken würde, was der zahlende, und zwar an die „Telekom“ zahlende, Endkunde nicht abrufen würde! Und ja, der Kunde ruft auch die Werbung ab, die Google nicht „mitschickt“, sondern die der Browser des „Telekom“-Kunden dynamisch nachlädt.

Die komplette Gurkentruppe „Telekom“ ist ein erschreckender Beweis dafür, was passiert, wenn Russels Satz konsequent nicht beachtet wird.

 

Der „Zuwachs an Weisheit“ darf aber keineswegs reduziert werden auf „Zuwachs an technischem Verständnis“.

Speziell in der DDR gab es richtige „Röhrenkünstler“, die theoretisch und praktisch allerbestens ausgebildet waren, sei es „offiziell“ oder in privater Arbeit. Was der typische „Zoni“ aber nie kennengelernt hatte, war Demokratie.

Nach der unglückseligen „Wiedervereinigung“ bekam der Zoni, qua 1:1 – Umtausch, alles gratis: Bananen, Cola, Farbfernseher und Beate Uhse. „Westautos“ vor allen Dingen. Eine eingereiste DDR-Familie, der ich einen prima Farbfernseher geschenkt hatte, beschwerte sich bei Bekannten über mich, „Er hat uns ein Gerät gegeben, mit dem wir nicht einmal RTL gucken können“. Genau diese Familie „engagiert“ sich mittlerweile in der „NPD“, das Oberhaupt befindet sich seit Jahren, wer hätte das gedacht, „in einer beruflichen Umorientierungsphase“.

Kann man es verübeln? Es wurde ein tolles Schlaraffenland versprochen, „blühende Landschaften“, Wohlstand für alle und Friede, Freude, Eierkuchen. Stattdessen sollte man auch hier arbeiten müssen? Nett zu Kunden sein? Und diesen verdammten „Briketts“ und „Fidschis“, die man schon zu DDR-Zeiten schon so gehaßt hatte, gesellten sich jetzt auch noch Asylanten zur Seite? Das konnte nicht sein – und so kam es, daß die ersten Flüchtlingsunterkünfte brannten. Als ich im Fernsehen etwa 1990 die Hoyerswerda-Bilder sah, habe ich geheult.

Mittlerweile haben unsere „Brüder und Schwestern“ größtenteils einen luxuriösen Internetanschluß mit einem Durchsatz zwischen 6.000 und 25.000 MBit/s. Und unsere Bundesregierung möchte noch weit mehr. Da darf ich doch ‚mal fragen, unter Zugrundelegung der Prämisse, „Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“, worin besteht denn verdammt nochmal der Zuwachs an menschlichem Glück, wenn der demokratiefeindliche Pöbel über „Facebook“ die allerübelste Hetze auskippt ?

Technik, Wissen um Technik und Wissen um die mit der Nutzung von Technik einhergehenden Verantwortung müssen miteinander wachsen. Am Beispiel der unsäglichen „Bundeskanzlerin“ können wir sehen: Die Demokratie ist einfach noch nicht in der ehemaligen DDR und unter deren Bürgern angekommen. Wie sonst könnte sich beispielsweise Merkel entblöden, im Falle „Bin Laden“ der amerikanischen Regierung „für die gelungene Aktion“, i.e. den Mord eines mutmaßlichen Attentäters ohne Gerichtsverhandlung, zu gratulieren? Im Namen der Bundesregierung?

Wenn „Facebook“-Abschaum aus den „neuen Bundesländern“ das Bild eines ertrunkenen Kleinkindes mit „Wir Feiern!“ kommentiert, dann ist das eklig, aber weder verwunderlich noch strafbar – es wird ja keiner gezwungen, sich einzuschreiben in diese Asozialensuhle. Wenn Merkel öffentlich Gewaltverbrechen billigt, dann ist das knallhart strafbar.

Zusammenfassend: Weder kann ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Internet umgehen — noch ist die „Kanzlerin“ in der Lage, ein Mobiltelephon verantwortungsvoll zu nutzen.

Leider viel zu früh verstarb der von mir hochgeschätzte Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba. Viele sahen in Walter Mixa einen Nachfolger, was Dyba nicht annähernd gerecht wird:  Es ist nicht so, daß jener Protz und Prunk gehaßt hätte – er hatte ihn einfach nicht nötig, denn er glich durch scharfen Intellekt, charismatische Persönlichkeit, Integrität und brillante, geradezu lustvolle Rhetorik aus.  Aus dem Spiegel, der „Pressestelle des Teufels“, zitiere ich ihn einmal:

„Der Werteverfall hat seinen Preis: Früher dauerte ein Flug nach London mit einer Propellermaschine zwei Stunden. Heute dauert die Reise mit all den Sicherheitsmaßnahmen, trotz Düsenjet, eine halbe Stunde länger. Warum? Weil das moralische Tabu gefallen ist, daß Flugzeuge nicht entführt werden dürfen. Unser ganzes System geht in die Brüche, weil ganz selbstverständliche Tugenden, die aus dem Glauben und aus der christlichen Nächstenliebe erwuchsen, aufgegeben wurden.“

Als Agnostiker möchte ich anmerken, daß diese „selbstverständlichen Tugenden“ vor allem ein Axiom unserer ehemals freiheitlichen Demokratie sind, siehe Artikel 2 Grundgesetz.

Man kann zu Silvio Berlusconi unterschiedlicher Auffassung sein, aber ganz sicher wird ihm keiner unterstellen, jener könnte Dinge nicht konzis und pointiert auf den Punkt bringen: Ob es seinerzeit die paßgenaue Charakterisierung des unsäglich peinlichen Martin Schulz war, ob es um eine kurze, charmante Bezeichnung für die „Bundeskanzlerin“ ging oder um die „Errungenschaften“ der Islamisten:  Berlusconi traf den Punkt. Ich war mit meiner Frau vor einigen Jahren auf der Durchreise in Bologna, als ich den „Cavalliere“ im Hotelfoyer auf einem RAI – Kanal vom Leder ziehen hörte (bitte keine Korrektheit erwarten, schon gar keine politische – mein Italienisch ist arg eingerostet – also: sinngemäß):

„Was hätte denn der Islam jemals geleistet, was die Menschheit vorangebracht hätte? Kennen Sie irgendeine Erfindung, irgendein Produkt, das unser Leben bereichern würde? Ganz im Gegenteil, Islamisten benutzen Technik und Wissenschaft, um andere zu schädigen, um Leben zu vernichten und Staaten zu erpressen. Zudem können Sie die ganze Rückständigkeit der islamischen Staaten daran erkennen, wie erniedrigend Frauen dort behandelt werden“.

Das mag zwar jetzt bei Claudia Roth, Renate Künast und anderen Schönheiten keinen Anklang finden, aber vielleicht gerade deswegen möchte ich diese sinngemäß wiedergegebene Äußerung ergänzen: Die einzige Innovation, die Islamisten dem Internet „geschenkt“ haben, ist das Enthauptungsvideo.

Und jetzt eröffnet der Kongress des „Chaos Computer Clubs“ mit einer „Keynote“, in der „mehr Internet für Flüchtlinge“ gefordert wird.  Und wieder unter Zugrundelegung des Russel’schen Satzes frage ich mich, ob das nicht das genaue Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt: Denn bisher haben viele „Flüchtlinge“ Technik nicht gerade so gebraucht, daß damit „ein Zuwachs menschlichen Glücks“ erreicht worden wäre:

  • die eigenen Schicksalsgenossen werden mit Fahrplanauskünften aus den „Windows“-basierten DB-Automaten, welche einer echten Fahrkarte täuschend ähnlich sehen, um ihr Geld betrogen
  • Züge werden mit der Notbremse angehalten, mehrfach pro Fahrt, wodurch Mitreisende und nachfolgende Züge in Gefahr gebracht werden
  • Unter Vorlage falscher oder gefälschter Dokumente werden Verträge mit Internetprovidern geschlossen, erhebliche Schäden enstehen
  • Der Münchner Marienplatz wird blockiert aus Protest gegen eine etwas einsamere Unterkunft, unendliche 900 Meter von der nächsten Siedlung entfernt und kein Internet!!!
  • Beim „Kampf“ um eine freie Steckdose schlägt man sich mit Eisenstangen, die aus demolierten Betten „gewonnen“ wurden, die Köpfe ein

Die Liste ließe sich ziemlich lang und fies fortsetzen, aber ich möchte hier keine „Hetzseite“ gegen Asylanten einrichten.

Aber ich finde es auch hier notwendig, aus Russell zu lernen: Wir müsssen die Menschen, die hierhin kommen, zunächst einmal mit dem Notwendigsten versorgen, Essen, medizinischer Versorgung, gewaltfreier Unterkunft, Teilnahme, Zitat Sina Trinkwalder, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit“. Das kann nicht in Ballungszentren wie in Berlin oder in Hamburg klappen, sondern beispielsweise auf dem Land – wo auch Landwirtschft betrieben wird.

Einen Internetanschluß oder ein „Smartphone“ braucht man dazu erst einmal nicht.

 

Wir müssen, sowohl geistig als auch vom technischen Verständnis her, genau so schnell wachsen wie unsere Technologien.

Nicht mehr, aber verdammt nochmal auch nicht weniger.

hb

Roland Dürre
Dienstag, der 13. Oktober 2015

Weicht die Gesetzes- und Urteilsflut den Rechtsstaat auf?

Laufend rollen neue Gesetze auf uns zu. Von der EU, vom Bund, vom Land. Sie sind zur Flut geworden. Viele davon erscheinen unsinnig. Oft kann man nicht erkennen, was sie eigentlich bewirken sollen oder wieso man sie gemacht hat. Und auch nicht, warum man sie befolgen sollte.

Gleichzeitig fällen Gerichtshöfe Urteile. Wie vor einer Wocher zu safe harbor. Das tat zwar irgendwie gut, bringt aber nichts. Denn es ist einfach nicht praktikabel.

Und auch schon wieder fast vergessen, obwohl der große Sturm dazu eben gar nicht lang her ist. So bin ich sicher, dass schon bald kein Hahn mehr nach dem „Safe Harbor-Urteil“ krähen wird. Wozu auch? Wetten dass?

So könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Menschen hierzulande Gesetze immer weniger ernst nehmen werden und es so mit dem Rechtsstaat zu Ende gehen könnte. Und dass das eine große Gefahr für unsere Demokratie wäre.

Diese Sorge teile ich nicht. Meine Wahrnehmung ist schon, dass Recht und Gesetze nicht mehr so ernst genommen werden, wie früher. Aber ich habe den Eindruck, dass gilt nur für die von den vielen Administrationen geregelte.

Ich nenne das mal die „extrinsische Moral“, die von außen vorgegeben wird. Und die wird immer absurder, so dass man sie gar nicht mehr ernst nehmen kann.

Dafür scheint mir, dass sich eine Form von „intrinsische Moral“ entwickelt. Immer mehr entdecke ich einen mehrheitlichen Konsens, was man tut und was man nicht tut, der mir sympathisch ist.

Und die kommt aus den Menschen heraus, unabhängig von dem Unsinn, den die legislativen und judikativen Fließbänder der EU, ihrer Staaten und Länder über uns aus schütten.

Den warnenden Hinweis, dass der Rückzug von „extrinsischer Moral“ den Rechtsstaat aushöhlen könnte, teile ich nicht. Könnte doch die „intrinsische Moral“ fürs Überleben nützlicher sein als die „extrinsische“.

Denn wie oft sind Rechtsstaaten umgekippt und zu Unrechtsstaaten geworden, die aber sehr wohl auf „Recht“ aufgebaut waren. So wie auch das dritte Reich Gesetze erließ und Gerichte installierte, die diese brutal durchgesetzt haben. Und dieses unheilvolle System insofern eigentlich ja ein Rechtsstaat war, der freilich auf Prämissen aufgebaut war, die mich schauern lassen.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 8. Oktober 2015

Wir schaffen das! Oder die Gnade der Ahnungslosigkeit

Carl und Gerlinde (XLV)

Es gab Tage, da ahnte Carl bereits während des Aufwachens, bei dem Gerlindes elfenhaftes Gesäusel zwar schon an seine Basilarmembranen plätscherte, aber seine Augenlider noch nicht hochgeklappt waren, dass ihm Unangenehmes widerfahren würde.

ZZZZSimg211Entsprechend verkniffen fielen dann natürlich auch seine Gesichtszüge aus, die er während des Verzehrs seines Frühstückseies Gerlinde darbot und die sich eins zu eins in ihrer Miene widerspiegelten, so weit dies neuerdings zwischen den extrem aufdringlichen Illustrationen der ‚Frankfurter Allgemeinen’ überhaupt noch wahrnehmbar war.

Wie wenig ihn sein Gefühl auch diesmal trog, registrierte Carl, als ihm seine Sekretärin Bettina im Büro endlich den üblichen morgendlichen Kaffee servierte. Denn ihre bedeutungsvoll gekräuselten Lippen, weit geöffneten Augen und mehrfachen Versuche, die Kaffeetasse näher an ihn heran zuschieben, verhießen nichts Gutes.

Als sie ihm dabei noch zuflüsterte, dass Dr. Osterkorn um zehn Uhr dreißig zu einem Gespräch im großen Besprechungszimmer bittet – Unterlagen wären nicht nötig – war klar, dass sich seine düstere Ahnung auch dieses Mal erfüllen würde…

Überraschend war dann nur, dass neben Bernie alias Dr. Osterkorn sowie einer Reihe neuer unbekannter Gesichter, nicht nur die drei anderen Spartenleiter anwesend waren, sondern auch beide Geschäftsführer seiner Firma TRIGA.

Dr. Schäufele, dem kaufmännischen Geschäftsführer, oblag offensichtlich die Gesprächsführung, da er sich mit arg zerknautschtem Gesicht und ständigem Getuschel mit seinem Kollegen Dr. Tuchweber, an die Stirnseite des großen Besprechungstisches platziert hatte.

Carl schob sich, seiner gedämpften Stimmung entsprechend, unauffällig neben Miriam Braun, auf den einzigen noch freien Stuhl.

Dr. Schäufele kam sofort zur Sache! Nach dem sehr prononciert verlesenen Grußwort der Konzernleitung aus Düsseldorf verwies er, ohne von seinem Text hochzublicken, auf die gigantische nationale Aufgabe, die durch die dramatische Veränderung der politischen Großwetterlage auf Deutschland zukäme und der sich die Konzernleitung mit großem Respekt und Verantwortungsbewusstsein stellen werde.

Natürlich werde im Rahmen dieser noch nie da gewesenen Herausforderung – hier blickte Dr. Schäufele erstmals von seinem Manuskript hoch – auch die Firma TRIGA ihren angemessenen Beitrag leisten!

Dies umso mehr, fuhr Dr. Schäufele fort, als die Kanzlerin mit ihrem “Wir schaffen das“, ein klares Signal gesetzt habe! In ihrer unverwechselbaren Art, ohne sich in Details zu verlieren, habe sie damit nicht nur jedes Bundesland in Deutschland, jede Kommunen und jede Stadt zu einer Teilhabe an der Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien eingeladen, sondern auch jeden Staatsbürger und jede Staatsbürgerin. Alle seien aufgerufen, sich an dieser großen gesamteuropäischen Aufgabe zu beteiligen und hinsichtlich ihrer menschlichen und monetären Ressourcen bis an die Grenze des Möglichen zu gehen. Und da die Asylverfahren beschleunigt würden, sei trotz steigender Flüchtlingszahlen dies alles ohne nennenswerte Aufstockung von Bundesmitteln zu bewältigen, so die Kanzlerin!

Es sei kein Wunder, sagte Dr. Schäufele, mit schmalen Lippen, dass die Kanzlerin angesichts dieser vorbildhaften Einstellung von weiten Teilen der Presse gefeiert und vereinzelt sogar mit dem Friedensnobelpreis in Zusammenhang gebracht wurde!

Angespornt von diesen aufrüttelnden Worten der Kanzlerin, appelliere daher auch die Konzernleitung an alle Konzernfirmen, ebenfalls ihren Beitrag zu diesem großen nationalen Programm zu leisten und unbedingt über die Einbindung junger, geschulter und ungeschulter Kriegsflüchtlinge nachzudenken! Wie das im Einzelnen zu geschehen habe, würde, so Dr. Schäufele, eine speziell Arbeitsgruppe zum gegebenen Zeitpunkt konzerneinheitlich erarbeiten und an alle Sparten und Abteilungen der einzelnen Konzernfirmen durchstellen; natürlich mit der Maßgabe, dass sämtliches ungeplante Fremdpersonal innerhalb von drei Jahren derart in die laufenden Arbeitsprozesse eingebunden werden müsse, dass sowohl die aktuellen als auch mittelfristigen Umsatz- und Ergebnisziele nicht negativ beeinflusst werden und es somit zu keinerlei Beeinträchtigung der festgelegten Konzernkennzahlen komme: denn niemand – meine Damen und Herren – mahnte Dr. Schäufele mit sorgenvoller Miene, begleitet von einem heftigen Kopfnicken des Technischen Geschäftsführers Dr. Tuchweber, könne und wolle selbst während dieser schwierigen Wochen und Monate eine Gewinnwarnung des Konzerns riskieren! Niemand könne das wollen! Niemand!

Und um dem vorzubeugen, fiel Dr. Tuchweber seinem kaufmännischen Kollegen, Dr. Schäufele, ins Wort, erwarte er von der gesamten Führungscrew der Firma TRIGA, dass sie so motivierend auf ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einwirke, dass jeder Einzelne den Ernst der Lage erkenne und zukünftig nicht nur hundert Prozent, sondern die eben schon implizit geforderten hundertzwanzig Prozent seines persönliches Leistungsvermögen abrufe! Denn nur so, mahnte Dr. Tuchweber mit festem Blick in die Runde, werde Deutschland diese gigantische Aufgabe der geordneten Kanalisierung der Flüchtlingsströme bewältigen können.

Angesichts der sich nach diesem eindringlichen Appell der Geschäftsführung ausbreitenden Hochstimmung im Besprechungsraum wagte Carl die Frage, ob auch die Konzernleitung ihrerseits einen eigenen Beitrag erwäge und außerplanmäßig zusätzliche Gelder für diese große nationale Aufgabe bereitzustellen gedenke, nicht mehr laut auszusprechen, sondern nur noch seiner für den Vertrieb von Unterwäsche zuständigen Sitznachbarin Miriam Braun zuzuflüstern.

Doch noch während Miriam Braun, hilflos lächelnd, mehrmals ihre Schultern hochzog, verfestigte sich bei Carl schon die Gewissheit, dass sowohl diese Konzernleitung, als auch seine Geschäftsführung, ähnlich wie die Mitglieder der Bundesregierung, weniger um ihre gut ausgestattete monetäre Versorgung zu beneiden waren, sondern viel mehr noch um die ‚beispiellose Gnade der Ahnungslosigkeit’, mit der sie allesamt gesegnet waren. Hervorgerufen und sichergestellt durch eine alle Bereiche durchdringende hierarchische Ordnungs- und Befehlsstruktur, die wie ein präzis arbeitendes Filtersystem alles aussortierte, was ‚oben’ weder gehört noch gesehen werden wollte!
Ja selbst die Herstellung von läppischen Unterhosen geschah nach diesem Muster.

Da aber Carl dieser Gnade nie ausgesetzt sein wollte, ja plötzlich sogar von einer unerwarteten Übelkeit beschlichen wurde, die durchaus auch auf alle anderen im Raum und im Lande übergreifen konnte, sprang er zum Erstaunen der übrigen Gesprächsteilnehmer spontan auf und verließ kopfschüttelnd die Besprechung…

KH

Roland Dürre
Montag, der 5. Oktober 2015

Ein Treffen für unsere Zukunft.

Ist das nicht toll?

So schön können es nur die Kollegen von Visual Braindump
Christian Botta und Daniel Reinold
auf den „graphischen“ Punkt bringen, unser

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Wir versprechen:

AktMobCmp wird ein wunderbares Barcamp an einem ziemlich konkurrenzlosen Termin werden! Wir werden zwei besondere Tage in einem schönen Kreis am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching erleben.

Die „Aktive Mobilität im Alltag“ ist die dritte Säule der Mobilität neben dem individuell motorisierten und dem öffentlichen Verkehr. Leider wird sie in Gesellschaft und Politik oft nur als Restverkehr verstanden.

Das tut uns weh und das müssen wir ändern. Denn wir müssen unsere Mobilität in den Griff kriegen, um unsere Zukunft zu bewahren!

Einen ganz großen Dank an Christian und Daniel für ihr großartige Unterstützung!

RMD
(Im Namen des Teams vom AktMobCmp)

P.S.
Hier zwei Links zu Artikel in IF-Blog zu AktMob und AktMobCmp. Und weil das Thema so wichtig ist, bitte ich um eifriges Teilen und Retweeten!

Klaus Hnilica
Dienstag, der 22. September 2015

Ist ’soziale Gerechtigkeit‘ nur ein Missverständnis?

Ja – wenn wir weiter an dem festhalten, was wir bisher dafür halten! /1/

Nach diesen Vorstellungen hält sich nämlich seltsamer Weise auch jeder für sozial gerecht, beklagt aber im gleichen Atemzug die wachsende Ungerechtigkeit in der Welt.

Dieses Missverhältnis scheint unüberbrückbar zu sein.

ApfelpflückerWir sind einfach zu verliebt in unsere unklaren Begrifflichkeiten, ja suhlen uns regelrecht in der Vorstellung, dass die ‚soziale Gerechtigkeit’ eine Art ‚moralische eierlegende Wollmilchsau’ zu sein hat, und nicht etwa nur ein Mindeststandard für das Verhalten von Menschen, der lediglich ein paar Regeln umfasst, an die sich selbst die Böswilligsten zu halten haben!

Wenn wir allerdings Letzteres akzeptieren, stellt sich sehr schnell heraus, dass ‚soziale Gerechtigkeit’ eher wenig mit romantisierter ‚Gleichheit’ zu tun hat, aber sehr viel mit der nicht so romantischen ’Freiwilligkeit’. Und dass deswegen die Politik generell ein inhärentes strukturelles Problem hat, ‚soziale Gerechtigkeit’ herbeizuführen, auch wenn sie noch so eifrig ‚Gerechtigkeitslücken’ aufspürt und zu schließen versucht. In drei Schritten lässt sich das auch unschwer zeigen; man muss nur

   A) auf das allgemeine Prinzip der ‚Tauschgerechtigkeit’ eingehen,

   B) auf die ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’ und

   C) auf die besonders ins Auge springende ‚Verteilungsgerechtigkeit’.

Gehen wir auf die drei Schritte näher ein:

   A) Denn um eine sehr spezielle Form der ‚Tauschgerechtigkeit’ geht es ja letztlich, wenn im Namen der ‚sozialen Gerechtigkeit’ nach gerechten Preisen und Löhnen gerufen wird!

Etwa wenn es heißt: hier die duftende Alpenbutter, da die lächerlichen Ein-Euro-Achtzig; oder hier das Super-Manuskript und dort das schmale Honorar. ‚Wertgleichheit’ fordert eigentlich hierbei das allgemeine ‚Prinzip der Tauschgerechtigkeit’! Aber wie bestimmt man diese ‚Wertgleichheit’ objektiv bei jedem konkreten Tauschvorgang?

Ist in der Sahara beispielsweise eine Unze Gold für einen Eimer Wasser angemessen, wenn’s ums Überleben geht? Und sind 50 Cent für zwei Liter Milch nicht schon zuviel, wenn eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt? Oder wie hoch darf die Honorarforderung für ein angebotenes Manuskript sein, das dann doch nur unter das Bein eines wackelnden Tisches geschoben wird?

Heißt das nicht, dass die ‚Bewertung’ eines Tauschobjektes naturgemäß sehr subjektiv ist und dieser Wert nichts mit Gleichwertigkeit zu tun hat? Dies umso mehr, als der Tausch ja nur zustande kommt, weil jeder Beteiligte die Tauschobjekte unterschiedlich bewertet und gerade darin seinen Gewinn sieht.

Natürlich lässt sich dieser ‚Tauschgewinn’ genauso wenig nachweisen wie der ‚Tauschwert’: aber klar ist auch, dass der Gewinn immer dann vorhanden und nachweisbar ist, wenn der Tausch freiwillig erfolgt! Woraus folgt, dass eine Tauschhandlung immer dann ‚sozial gerecht’ ist, wenn niemand zu ihr gezwungen wird!

Natürlich stellt diese Freiwilligkeit beim ‚Tausch’ nicht sicher, dass jeder seine Maximalvorstellung durchsetzt, und sie schützt auch nicht vor Fehlentscheidungen, wie beispielsweise dem unüberlegten Zugriff auf niedrigpreisige Milch trotz Laktoseunverträglichkeit. Aber das muss auch nicht sein. Denn die Bewertung des ‚Tauschgewinnes’ erfolgt ja subjektiv und darf daher dann nicht wieder unter ein falsches Gleichheitsdiktat gestellt werden, nur weil von der irreführenden Intuition ausgegangen wird, diese ‚Gleichheit’ stehe auch beim ‚Tauschgewinn’ in einem engem Zusammenhang mit ‚sozialer Gerechtigkeit’!

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Preise und Löhne immer dann sozial gerecht sind, wenn sie ohne Zwang akzeptiert werden können!

   B) Nun zur angeblich sozial gerechten ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’!

Hier führt die Gleichheitsbesessenheit in eine ähnliche logische Sackgasse, wie sich an einem einfachen Beispiel unschwer zeigen lässt: Stellt man nämlich an eine Rentnerin, einen Sportler und einen sechsjährigen Jungen unter dem Aspekt der Gleichbehandlung die gleiche Forderung, nämlich von einem vier Meter hohen Apfelbaum, an dem eine Leiter lehnt, Äpfel zu pflücken, so wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: erst nach sehr unterschiedlich gearteten Hilfeleistungen, die in keiner Weise mehr einer Gleichbehandlung entsprechen, werden alle drei Kandidaten zur gleichen Anzahl von Äpfeln gelangen und somit Ergebnisgleichheit erzielen.

Da aber letztlich alle Individuen auf der Erde unterschiedlich sind, wird generell bei Gleichbehandlung nie Ergebnisgleichheit erzielt werden und umgekehrt!

Und obwohl dieser Sachverhalt glasklar ist, fordern wir immer wieder Gleichheit bei sozialer Gerechtigkeit. Aber wäre Gleichheit wirklich sozial gerecht, dann wäre doch auch ein Zustand, in dem es allen Menschen gleich schlecht geht, gerechtigkeitstheoretisch das Großartigste, was man sich nur wünschen kann.

Glücklicherweise glaubt das niemand! Dennoch sträuben wir uns, die logische Konsequenz zu ziehen und Gleichheit nicht mehr als einen Ausdruck sozialer Gerechtigkeit zu betrachten.

   C)  Besonders augenfällig ist die Gleichheitsneigung in Debatten über ‚Verteilungsgerechtigkeit’!

Verteilen bedeutet ausgeben aus einem Vorrat. Verteilungsgerechtigkeit fordert, dass dies nach gewissen Regeln zu erfolgen hat. Am klarsten sind die Gerechtigkeitsverhältnisse aber letztlich nur dann, wenn die Eigentümerin verteilt, denn dann gilt ausschließlich ihr Wille. Es kann zwar vernünftig sein, sich an den Erwartungen Dritter zu orientieren, aber eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist das nicht. Sondern der wird durch den Schutz von Eigentumsrechten genüge getan.

Wirklich schwierig wird es aber, wenn keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen, wie das in jedem politischen System der Fall ist, da sich hier die Einflussbereiche der Verteiler und der Empfänger vielfach überschneiden. Da sind Konflikte vorprogrammiert und deren ‚gerechte Lösung’ nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern in den meisten Fällen nur mehr ein hehres Ziel!

Wie einfach haben es im Vergleich dazu Privatpersonen und Unternehmen: sie brauchen nur – nicht zu betrügen, nicht zu stehlen, nicht gewalttätig zu sein und nicht vertragsbrüchig – und schon handeln sie gerecht. Mehr Regeln brauchen sie nicht einzuhalten!

Letztlich ergibt sich aus dieser Beobachtung nicht nur für die Gerechtigkeitstheorie, sondern vor allem für die Wirtschafts- und Sozialpolitik eine überraschende Lösung, nämlich die, möglichst viele Entscheidungen in den privaten Bereich auszulagern, da hier klare und nach dem oben Gesagtem auch ‚sozial gerechte’ Verhältnisse herrschen.

Sicher nur ein frommer Wunsch, denn von dem unhaltbaren ‚gleichheitsgesättigten’ Gerechtigkeitsbegriff werden sich viele trotzdem nicht trennen wollen! Und von der daraus erwachsenen Machtfülle, die dieses ‚übergriffige Gleichheitsverständnis’ ermöglicht, noch weniger!

KH
/1/ Dagmar Schulze Heuling; „Was Gerechtigkeit nicht ist“; Nomos – Verlag Baden – Baden

Roland Dürre
Dienstag, der 8. September 2015

Hi Regierungen, bitte mehr denken beim Gesetze machen!

§ § § § § § § § § § § …. … …

Immer mehr gewinne ich den Eindruck, dass immer schneller immer mehr immer fragwürdige Gesetze immer schlampiger gemacht werden. Sei es auf bayerischer, deutscher oder europäischer Ebene.

Dies möchte ich an harmlosen Beispielen zeigen, harmlos deshalb, weil es Gesetze sind, wegen denen wohl noch nie jemand wesentlich bestraft oder geschädigt worden sein durfte. Und die wahrscheinlich auch nichts Schlimmes bewirkt haben.

Unter anderem sind dies das Kulturgutschutzgesetz, das reformiert und verschärft werden soll, das Telemediengesetz mit seinem Punkt Störerhaftung (betreffend Haftung bei WLAN) und last not least das auch sehr umstrittene Gesetz zur Tarifeinheit.

Das erste Gesetz ist am 10. August 1955 verabschiedet worden. Es sollte den Ausverkauf der deutschen Geschichts- und Kunst Heilgtümer verhindern. Es war wohl eine Reaktion auf Maßnahmen, die Länder wie Ägypten ergriffen haben, um den Kunstraub durch fremde Länder zu erschweren.

Jetzt soll es erneuert werden – und schon jetzt wird eine Debatte geführt, die eigentlich nur den Unsinn dieses Gesetzes klar macht.  Da stellt sich mir die Frage: Warum überprüft man solche Gesetze nicht bevor man sie erneuert? Und fragt sich, welchen Nutzen und welchen Schaden sie eigentlich gebracht haben, Besonders da jedes Gesetz, dass nichts nutzt, allein schon durch seine Existenz schadet? Und warum hat man nicht den Mut, ein Gesetz, dass nichts nutzt einfach abzuschaffen?

Aber nein, an Stelle mal aufzuräumen macht man immer mehr sinnlose Gesetze. Weil man meint, dass „Gesetze abschaffen“ schon sehr mutig wäre. Warum eigentlich?

So sorgt auch das Thema der „Störerhaftung“ als Teil des Telemediengesetzes nur für Verdruss. Auf meinen Reisen bin ich oft begeistert, wie unproblematisch in vielen Ländern der Welt der Zugang zum im Internet funktioniert. Aber wehe du betrittst Deutschen Boden …

Die Störerhaftung scheint mir auch so ein Thema zu sein, das dem besonderen Sicherheitsbedürfnis und der Misstrauenskultur unserer zivilisierten Welt aber auch der deutschen Mentalität (german angst?) entgegen kommt. Wer will hier schon, dass Fremde einen Pfad durch unser Grundstück benutzen?

Ein anderes Beispiel ist das Tarifeinheitsgesetz. Auch das war ein Rohrkrepierer. Ich zitiere zuerst Mal aus Wikipedia:

Seit dem 10. Juli 2015 gilt in Deutschland das Gesetz zur Tarifeinheit (Tarifeinheitsgesetz). Es sieht vor, dass bei kollidierenden Tarifverträgen in einem Betrieb nur die Rechtsnormen des Tarifvertrags derjenigen Gewerkschaft anwendbar sind, die zum Zeitpunkt des Abschlusses des zuletzt abgeschlossenen Tarifvertrags im Betrieb die meisten Mitglieder hat. Das Gesetz wurde von Gewerkschaften und Opposition scharf kritisiert und ist Gegenstand mehrerer Verfassungsbeschwerden.

Bei diesem Gesetz konnte man nicht prüfen, ob es etwas taugt. Denn blöderweise wird es wohl nie angewendet werden, hat es doch schon im ersten Anwendungsfall versagt. Das war die Auseinandersetzung zwischen GDL (Gewerkschaft der Lokomotivführer) und der Bahn AG. Für diese Tarifauseinandersetzung wurde das Gesetz ja eigentlich gemacht.

Und was ist passiert? Die Einigung der beiden Parteien war in der Schlichtung nur möglich, weil diese auf Vorschlag des Schlichters (übrigens einem Landesvater, der „der Linken“ angehört) überein kamen, dieses Gesetz nicht anzuwenden. Und so der Weg zur Einigung frei gemacht wurde.

Für mich klingt das so:
Ich schreibe ein Programm für einen Kunden. Und der schließt gleich mal aus, es einzusetzen. Wäre doch ein Grund, an der Leistungsfähigkeit meines Programms zu zweifeln …

Es gibt übrigens mehr so Gesetze, die nie angewendet worden sind. Wie zum Beispiel das zur Mitarbeiterbeteiligung. Im Frühjahr 2010 beschloss die große Koalition, mit steuerlichen Anreizen die Beteiligung von Mitarbeitern an Unternehmen stärker zu fördern. Ein komplexes Gesetz, das meines Wissens auch noch nie angewendet wurde.

Um dieses wie die drei oben genannten Themen ist es still geworden. Wie auch um das Mautgesetz, auch das ist noch nicht so ganz lange her.

Aber gerade bei Gesetzen dürfte die einfache Weisheit „weniger ist mehr“ gelten. Das Gegenteil ist aber der Fall, aus dem Europäischen und nationalen Wolken hagelt es Gesetz um Gesetz. Und manche Ankündigung jagt uns wie Blitz und Donner einen gehörigen Schreck ein. So will Frau Nahles noch in dieser Regierungsperiode die „Scheinselbstständigkeit“ neu regeln! Mit dem erklärten Ziel, dass auch wirklich ein jeder in die Sozialversicherungskasse einzahlen muss.

Da kann für wahr nichts gutes herauskommen. Ich bin schon mal gespannt.

RMD

Jörg Rothermel
Montag, der 2. Februar 2015

Ist da was faul – in Australien?

 Vor ein paar Wochen hat Klaus Rabba an dieser Stelle einen Beitrag gepostet
Es ist was faul … in jedem Staate!

Ich lebe seit fast 3 Jahren in Australien – ist doch klar, dass bei einer ähnlichen Betrachtung über Australien etwas völlig anderes herauskommen muss – oder?

Australien.

Australien beteiligt sich mit 10 Kampfjets und 600 Soldaten am Kampf gegen den islamischen Staat (IS).

Terrorakte sind in Australien bisher extrem selten: http://en.wikipedia.org/wiki/Terrorism_in_Australia

In 2014 hat es in Australien zwei Terroranschläge gegeben, die von den Behörden mit islamistischen Hintergrund in Verbindung gebracht wurden (in beiden Fällen hat es sich allerdings um die Taten von Einzelgängern ohne Verbindung zu einer Terrorgruppe gehandelt):

·         Am 23 September 2014 hat ein 18-jähriger 2 Polizeibeamte in einer Polizeiwache südlich von Melbourne angegriffen und wurde bei dem Vorfall erschossen.

·         Am 15 Dezember 2014 nahm ein selbsternannter „Sheikh“ 17 Menschen in einem  Café in Sydney als Geiseln. Am Morgen des nächsten Tages stürmte die Polizei das Café mit dem Resultat, dass der Geiselnehmer und zwei Geiseln erschossen wurden und vier weiter Menschen verletzt wurden.

Insbesondere die Geiselnahme in Sydney hat Politiker und die Öffentlichkeit alarmiert. Aber bereits vor dem Anschlag wurden strikte Anti-Terror-Maßnahmen eingeführt:

·         Die Australian Security Intelligence Organisation (ASIO), bekommt die Autorität, in Zukunft praktisch unbegrenzt auf Kommunikationsnetze zuzugreifen.

·         Die Strafen für Journalisten und Whistleblower, die „sicherheitsrelevante“ Informationen veröffentlichen, wurden drakonisch erhöht.

·         Vorratsdatenspeicherung: alle Metadaten zu Kommunikationsvorgängen müssen durch die Provider 2 Jahre vorgehalten werden.

·         Es wurde eine neue Straftat der „Verteidigung des Terrorismus“ im Strafgesetzbuch eingeführt. Bei Verdacht auf diese Straftat können Verdächtige ohne Anklage festgenommen werden.

·         Jeder Australier der ohne „legitimen Grund“ in bestimmte Weltregionen reisen möchte, die das Außenministerium formal als “declared area” bezeichnet, kann daran gehindert werden.

Gesellschaft.

Australien ist eines der reichsten Länder der Welt; das mittlere Einkommen vor Steuern aller 9,3 Millionen Haushalte ist 145.000 AUS$. http://www.businessinsider.com.au/chart-the-average-australian-households-income-is-145400-heres-what-they-spend-it-on-2014-9

Zwar ist der Mittelwert durch die hohe Anzahl sehr wohlhabender Haushalte verzerrt, aber das Median-Einkommen[1] aller Haushalte ist immer noch 72.000 AUS$.

Dies ist ein Anzeichen dafür, dass es in Australien eine starke Mittelschicht gibt.

Diverse Regierungen haben, unterstützt durch diese Mittelschicht, ein hochwertiges Soziales Sicherungssystem geschaffen in dem sich alle Beteiligten bemühen, keine Menschen zurückzulassen.

Das Australische Bildungssystem bietet nach der Schule (primary + secondary education) eine zweigeteilte höhere Ausbildung an:

·         Berufsvorbereitend in öffentlichen Institutionen die als “Technical And Further Education” oder TAFE bezeichnet werden.

·         Akademische Ausbildung an Universitäten.

TAFE-Institute bieten eine Vielfalt von Abschlüssen an, einschließlich Bachelor. Studenten können ihre Ausbildung, die sie an einem TAFE – Institut angefangen haben, auf der Universität vervollständigen. Die Universitäten können mit europäischen Universitäten mithalten.

In Australien gibt es nach Ansicht von Experten eine der besten öffentlichen Krankenversicherungen der Welt (Medicare);  ergänzt wird diese durch private Krankenversicherungen. Der Krankenversicherungsbeitrag ist zurzeit 2% des Brutto-Einkommens – dazu gibt es Förderung für einkommensschwache Familien.

Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer beträgt 30 %.

Einwohner mit permanenter Aufenthaltserlaubnis bekommen ab dem 67 Lebensjahr eine steuerfinanzierte Grundrente von AU$ 383/Woche für Alleinstehende und AU$ 577,40 für Paare.

Darüber hinaus gibt es ein kapitalgedecktes Rentensystem über strikt regulierte Fonds (Super Annuation Funds) – der Arbeitgeberbeitrag ist zurzeit 9,5 % des Bruttogehalts – jeder Arbeitnehmer kann freiwillig steuermindernd bis zu einer gesamten Obergrenze von AU$ 30.000 p.a. aufstocken. Die Erträge der besten Fonds in 2014 betrugen 9,3 – 12,7 %.

Migration.

Australien ist DAS Einwanderungsland. Die Bevölkerung in 2014 betrug ca. 23 Mio Einwohner – nach dem 2. Weltkrieg waren es nur ca. 7 Mio. Die australische Gesellschaft ist offen und liberal – Einwanderer können sich in der Regel sehr gut integrieren.

Einwanderungswillige  unter 45 Jahren und mit guter Ausbildung (das kann ein Handwerk sein) bekommen ohne Probleme in Australien ein „Limited Work Visa“ für 4 Jahre. Nach 2 Jahren Arbeit in Australien kann eine permanente Aufenthaltserlaubnis beantragt werden.

Herkunft von Migranten der ersten Generation und Anteil an der Gesamtbevölkerung aus dem Jahr 2010:

Top 10 Länder aus denen Einwanderer kommen

Absolute Anzahl  Einwohner die in diesen Ländern geboren sind (2010)

Relativer Anteil an der Gesamt-bevölkerung

United Kingdom

1.192.878

5,16%

Neuseeland

544.171

2,35%

China

379.776

1,64%

Indien

340.604

1,47%

Italien

216.303

0,94%

Vietnam

210.803

0,91%

Philippinen

177.389

0,77%

Südafrika

155.692

0,67%

Malaysia

135.607

0,59%

Deutschland

128.558

0,56%

Im Vergleich zur Einwanderung aus UK oder Asien ist der Anteil von Einwanderern aus muslimischen Ländern verschwindend gering. Ich habe bisher keine Vorbehalte gegen Muslime wahrgenommen.

Für muslimische Frauen gibt es keinerlei Einschränkungen Hijab oder Burka zu tragen.

Ein Vorstoß der Regierung in 2014, das Tragen von Burkas im Parlamentsgebäude von Canberra zu untersagen, wurde nach wenigen Wochen kritischer Behandlung in den Medien (Die Regierung konnte nicht beantworten, ob überhaupt mal eine verschleierte Muslima das Parlament besucht hat) vom Premierminister persönlich zurückgezogen.

Asylsuchende und Flüchtlinge.

https://www.humanrights.gov.au/asylum-seekers-and-refugees-guide

1.       Asylsuchende, die ein gültiges Visum haben und in Australien Asyl im Rahmen des Flüchtlings-Schutzprogramms beantragen, werden durch die zuständige Behörde („Department of Immigration and Border Protection“) nach den Statuten der Genfer Flüchtlingskonvention bezüglich der Anerkennung des Flüchtlingsstatus beurteilt.

2.       Asylsuchende ohne gültiges Visum:

Seit August 2012 wurde eine Politik des „Offshore-Processing“ für Flüchtlinge eingeführt, die ohne gültiges Visa per Boot anlanden („Irregular Maritime Arrivals – IMA“):

Die Australische Regierung hat mit den Regierungen von Papua Neuguinea (PNG) und Nauru Umsiedlungsvereinbarungen abgeschlossen. Asylbewerber ohne gültiges Visum werden dorthin in  Internierungslager deportiert während ihre Ansprüche beurteilt werden.  Aber auch in dem Fall, dass ihre Ansprüche auf einen Flüchtlingsstatus positiv beschieden werden, können diese Menschen sich nicht in Australien niederlassen, sondern müssen in PNG bzw. Nauru bleiben (Nebenbemerkung PNG ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt).

Insgesamt sind die Zahlen der Irregular Maritime Arrivals überschaubar.

Herkunft

illegale Landungen 01.09.2013 – 31.08.2014

Ägypten

281

Iran

256

Pakistan

246

Libyen

158

Irak

83

Afghanistan

78

China

56

Papua Neuguinea

50

Syrien

49

Sri Lanka

32

andere

258

Befürchtungen über eine Flüchtlingswelle aus islamischen Ländern relativieren sich durch diese Zahlen stark.

Die Australische Asylpolitik und die Zustände in den Internierungslagern, haben der Australischen Regierung einen handfesten Konflikt mit der UN-Menschenrechtskommission eingebracht. Außerdem haben sich die Beziehungen zu Indonesien deutlich verschlechtert, nachdem es in den letzten 2 Jahren mehrfach vorgekommen ist, dass Boote mit Flüchtlingen von der Australischen Marine abgefangen und unter Verletzung der indonesischen Hoheitsrechte nach Indonesien geschleppt wurden.

Multikulturelle Gesellschaft und Drogen.

In Australischen Großstädten gibt es durchaus Problemviertel wie etwa München/Hasenbergl oder Hamburg/Schanzenviertel aber definitiv keine „No-Go areas“.

In Melbourne und Sydney gibt es multikulturelle Gesellschaften, die im Vergleich zu europäischen Großstädten gut funktionieren (ein Nachbar von mir ist auf eine Schule gegangen, in der „weisse“ Schüler mit ca. 30% deutlich in der Minderheit waren und hat sehr positive Erinnerungen an die Schulzeit).

Die Geiselnahme in Sydney war zwar ein tiefgreifendes Ereignis für die australische Gesellschaft, dennoch verblasst sie hinter einem 8-fachen Mord den vier Tage später eine junge Mutter von den Torres Strait Islands an ihren Kindern und einer Nichte im Drogenrausch begangen hat.

Drogen- und  Alkoholmissbrauch ist eines der größten Probleme der australischen Gesellschaft – anfällig für Drogen sind „Young Professionels“ aber auch die marginalisierten dieser Gesellschaft – die Aborigines.

Aborigines.

Die Aborigines und die Bewohner der Torres Strait Islands sind die indigenen Völker Australiens. Sie setzen sich aus ca. 250 Sprachgruppen und Nationen zusammen und bilden die älteste kontinuierlich existierenden Kultur der Welt[2]. Ihr Lebensstil und ihre Identität sind jedoch bedroht durch Versuche, sie in eine “westliche” Lebensweise zu integrieren.

Die Aborigines sind in allen negativen Kennziffern überrepräsentiert:

·         Aborigines stellen knapp 3% der Australischen Gesamtbevölkerung. Aus diesen 3% rekrutieren sich 28% der Insassen in australischen Gefängnissen.

·         Häusliche Gewalt, Alkoholkrankheit und Drogenkonsum sind signifikant höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Der Unterschied zur Lebenserwartung weißer Australier beträgt 14 Jahre.

·         Die Kindersterblichkeitsrate liegt bis zu viermal höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Gemeinden der Aborigines haben deutlich schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung, angemessenen Wohnungen, sauberem Wasser, Elektrizität und Schulen. Je abgelegener die Gemeinschaft, desto kritischer die Situation.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Der Löwenanteil der Aborigines sitzt wegen Verkehrsdelikten und Drogendelikten ein (meist in Verbindung miteinander).
  • „Stolen Generation“: bis in die Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Aborigine-Kinder und Jugendliche durch Zwangsadoption ihren Familien weggenommen. Diejenigen, die noch von dieser Praxis betroffen sind, werden doppelt so häufig wie ihre Altersgenossen auffällig.
  • Fötales Alkoholsyndrom. Viele Kinder und Jugendliche sind durch erhöhten Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft in ihren Alltagsfähigkeiten behindert und gesundheitlich beeinträchtigt.
  • Für Aborigines spielt das Land der Eltern und Vorväter eine wesentliche Rolle. Aborigines, die weit entfernt vom Land ihrer Vorväter leben, sind statistisch signifikant anfälliger für Drogen- und Alkoholkonsum.
  • Funktionierende Stammesverbände und Familien sind oft in Auflösung begriffen.
  • Rassistische Diskriminierung im Alltag.

Das UN Committee On The Elimination Of Racial Discrimination (CERD)  forderte die australische Regierung mehrfach dazu auf, dafür zu sorgen, dass ihre Politik bezüglich der Aborigines und der Bewohner der Torres-Strait-Inseln die internationalen Konventionen erfüllt, ganz besonders die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker und die ILO-Konvention Nr. 169.

Momentan spielt sich ein Wandel in der Position der Frau in den Aborigine-Gemeinden ab: Frauen verlassen häufiger gewalttätige Ehemänner (dies widerspricht eigentlich dem Verhaltenskodex der Frau in der Aborigine-Gesellschaft) und mehr Frauen werden Stammesführer (Elderwomen).

Rassismus.

Die Australische Gesellschaft ist liberal, offen und lebt von der Vielfalt der Einwanderer – da war es für mich unmöglich, mir vorzustellen, dass es Rassismus geben kann.

Die Isolation von Bevölkerungsgruppen in sozial schwachen Gebieten betrifft praktisch ausschließlich die Aborigines – nicht Muslime, Asiaten, Inder und schon gar nicht Immigranten aus Europa.

Es existiert jedoch eine bestimmte Schicht „weißer“ Australier, die wenig Verständnis sowohl für Aborigines als auch für Einwanderer hat und auch kein Interesse aufbringt, sich mit deren Kulturen auseinanderzusetzen – dies ist eine beständige Quelle rassistischer Konflikte.

Im persönlichen Gespräch mit Bekannten oder Nachbarn über die Situation der Aborigines hören wir wir oft die Antwort „… die sind ja nie nüchtern …“.

Allerdings ist es in 2013 und 2014 mehrfach vorgekommen, dass Touristen in der S-Bahn belästigt wurden, weil sie sich in Ihrer Muttersprache unterhalten haben (dummerweise gibt es jetzt Facebook und Twitter – und solche Zwischenfälle gehen in Stunden rund um die Welt).

Auch die Beurteilung von Menschen aus Asien und Afrika ist oft von Rassismus geprägt.

So hat mich in 2012 eine Bekannte davor gewarnt, einen bestimmten Markt zu besuchen  „ … da sind so viele Schwarze und man weiß ja, dass die alle Waffen tragen …“. Das mag ein besonders böses Negativbeispiel sein, aber Bemerkungen dieser Art habe ich inzwischen mehrfach gehört.

Wirtschaft.

Der Wohlstand Australiens ist im Wesentlichen ein Ergebnis des Rohstoffreichtums Australiens.

http://www.ga.gov.au/scientific-topics/minerals/mineral-resources/aimr/table1#g

Auszug daraus:

Resource

Australiens Anteil  an den weltweiten Reserven

Tantal

65,0%

Zirkon Sand

58,4%

Rutile Sand

57,1%

Blei

39,8%

Uran

33,6%

Diamanten

33,4%

Eisenerz

28,1%

Nickel

25,4%

Zink

25,1%

Bauxite

23,1%

Die Herausforderung besteht darin, dass Australien die Abhängigkeit von den Rohstoffen schrittweise reduzieren muss. Schon 2013 und 2014 hat sich die geringfügig reduzierte Nachfrage nach Rohstoffen aus China deutlich im australischen Haushalt bemerkbar gemacht.

Die Australische Industrie befindet sich im Umbruch: Im Bundesstaat Victoria, in dem wir leben, werden bis 2017 die Werke von Ford, Toyota und Holden geschlossen. Ein großer Schiffsausrüster (600 Mitarbeiter) in Williamstown hat nur noch Aufträge für 6 Monate …

Allerdings zeigen sich bisher wenig Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenrate ist mit 6,1% (Januar 2015) moderat.

Die Australische Politik muss dringend eine Vision entwickeln, wie es mit Australien in einem härter werdenden Wirtschaftsklima weiter geht.

IT und High-Tech-Industrie entwickeln sich, haben aber noch nicht die Innovationskraft wie z.B. in Deutschland. Medizin und Pharmazie haben wegen hochwertiger Forschungen auf dem Gebiet in Australien ein großes Potenzial.

Schlussfolgerung.

Wenn man von der Situation der Aborigines absieht, gibt es in Australien keine „Parallelgesellschaften“. Im Gegensatz zu den meisten Europäischen Staaten sind die Aufstiegschancen für Migranten hoch (bei jeder Auszeichnung „Australier des Jahres“ ist mindesten ein Migrant dabei).

Bemerkenswerterweise ist Australien eines der wenigen demokratischen Ländern mit Wahlpflicht (ich habe aber noch nicht gehört, das die Australier sich darüber beschweren) – deswegen verbieten sich Vergleiche bezüglich der Wahlbeteiligung mit fast allen Europäischen Ländern.

Ich sehe nur geringe Gefahr, dass sich die Welle des islamistischen Terrors auch in Australien fortsetzt (dies wird natürlich auch davon abhängig sein, wie sich die Regierung in der Zukunft mit der Unterstützung der Luftschläge gegen den IS verhält).

Australien hat sehr gute Bedingungen, um einer globalisierten Welt weiter zu bestehen:

·         Ressourcenreichtum

·         Gutes Bildungsniveau mit guten Universitäten

·         Eine hervorragende soziale Infrastruktur

·         Eine offene und integrative Gesellschaft

Australien muss dringend erheblich mehr für die indigene Bevölkerung tun – erste positive Aktivitäten gibt es zwar, allerdings sind das vorerst Aktivitäten aus „Graswurzel“-Bewegungen und werden, wenn überhaupt, nur zögerlich von der politischen Führung getragen.

Leider – und damit sind wir auch wieder bei dem Problem des internationalen Terror – ist es schwierig, in einer Zeit, in der Millionen von Menschen durch Gewalt bedroht sind, die internationale Aufmerksamkeit auf weniger als 600.000 Aborigines zu lenken.

JR


[1] wenn alle Haushalte in einer Reihe nach dem Einkommen sortiert werden, ist das Median-Einkommen das Einkommen des Haushaltes in der Mitte der Reihe

[2] z.B. in http://www.australiangeographic.com.au/news/2011/09/dna-confirms-aboriginal-culture-one-of-earths-oldest/

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 11. Dezember 2014

Was ist los mit Deutschland – schläft es wirklich?

Carl und Gerlinde (XXXVIII)

Als Carl morgens im Badezimmerspiegel seine zerknautschte Visage anstarrte überlegte er kurz, ob er sich gleich eine reinhauen sollte, oder erst nach dem Frühstück! Aber mit leerem Magen ging das ohnehin nicht: diese versifften Mundwinkel und die Schimmelzunge waren viel zu ekelhaft! Außerdem fürchtete er, sich jeden Moment übergeben zu müssen. Kam’s vom Magen? Oder dieser Halloween–Fratze?

ZZWerIII Die heiße Dusche brachte die Erlösung!

Der Wasserstrom über Kopf, Rücken und Gesäß wirkte wie ein belebender Stromstoß. Als dann die Brust, der Bauch und das leblose Würmchen berieselt wurden, kam auch Carls schwabbelndes Großhirn in Schwung. Ja es schlängelte sich sogar die eine oder andere Erinnerung wieder durch seine Alkohol getränkten Synapsen. Auch die stechenden Kopfschmerzen waren fortgewischt. Nur die eineinhalb Liter Pinot Grigio in Blut und Leber mussten noch ausgeschwitzt werden und die gestrigen Gesprächstiraden von Dr. Osterkorn alias Bernie und Miriam auch…

Vollkommen überraschend war dieser ‚weinselige Gedankenaustausch’ gestern Abend bei Bernies Lieblingsitaliener für Carl nicht dahergekommen: Nach dem desaströsen Einbruch der Auftragszahlen im Unterwäschebereich durch die ‚Russlandklatsche’ war natürlich sonnenklar, dass die wichtigsten Spartenleiter bei TRIGA weithin hörbare Schnellschüsse abfeuern mussten.

Carl erinnerte sich dunkel, dass Bernie so etwas Ähnliches von sich gegeben hatte und schäumte sorgfältig seine muffelnden Achselhöhlen ein – puh! das war höchste Zeit…

Letztlich war Bernie auch nur ein Getriebener! Genau wie die Geschäftsführung und der Konzernvorstand: alle mussten die geplanten Renditeziele erreichen. Ohne Rendite – keine Boni! Weder für die Geschäftsführung noch für Bernie und seinen Spartenvertriebsleiter Carl. Und für Miriam, die Verantwortliche im Bereich Unterwäsche, schon gar nicht.

Wisst ihr – wir bräuchten ein komplett neues Narrativ für unsere Unterwäsche, hatte Bernie dann spontan losgeblafft und Miriam mit brunftigen Jungstierblick zugeprostet, die skeptisch ihre Augenbrauen hochzog. Ja – wir benötigen unbedingt eine richtig umstürzlerische Idee, um die Geschichte unserer Slips, Tops und BHs neu erzählen zu können und an unsere Kunden narrativ rüberzubringen! Ja und vielleicht sollten die Tops in den nächsten Jahren doch mal wieder bis zum Nabel reichen und die Damenhöschen wieder Höschen sein, die nicht nur das Schamhaar abdecken und hinten als Pobackenteiler fungieren?

Da Carl sich gerade den Po einschäumte, als dieser Erinnerungsfetzen durch sein Großhirn wehte und mit Entsetzen an Tangahöschen für Männer dachte, ging ein derartiges Beben durch seinen lädierten Körper, dass das herabrieselnde Duschwasser – oh Schreck – krachend gegen die Duschkabine platschte…

Vielleicht hat Putin ja wirklich Recht, hatte Bernie laut vor sich hin monologisiert, wenn er seit Sommer solche ‚Höschenfragmente’ von der russischen Frau fernhält und sie zukunftsweisend wieder in Richtung einer Unterhose dirigiert, die diesen Namen auch verdient. Dass er dabei in einem Aufwasch gleich die Werteskala für das ‚Neue Russland’ nachjustiert, kann ihm eigentlich niemand verübeln! Schließlich durfte das große, stolze Russland niemals auf das jämmerliche Niveau des dekadenten Westens absinken und Idealen huldigen deren aufgegipfelte Verkörperung eine ‚Conchita Wurst’ ist! Ist doch nachvollziehbar, oder?

Und wie stellst du dir das vor, lieber Bernie? Giftete Miriam plötzlich los: sollen wir dann zukünftig auch in Unterhosen bis zum Hals herumrennen und uns unterm Kaschmirkaftan verstecken? Na dann Prost-Mahlzeit, du Putinversteher! Du willst uns doch nur ins neunzehnte Jahrhundert zurückprügeln, damit du wieder ins Russlandgeschäft kommst, oder? Wenn dem so ist, lass es mich beizeiten wissen, ich bin dann schneller weg als du ‚Indianer Jones’ aussprechen kannst!

Carl, der sich endlich bis zu den Zehen durchgeschäumt hatte, war ziemlich erstaunt gewesen, dass Miriam so temperamentvoll ihren Bernie angeraunzt hatte. Das war echt super gewesen und verdiente einen extrakräftigen Massagestrahl auf Rücken und Lenden! Herrlich – wirklich ein Genuss…

Welch eine glückliche Fügung, dass dann das Essen gekommen war, sonst hätten sich Miriam und Bernie richtiggehend ineinander verbissen, aber so konnte Bernie ersatzweise in seinen Lammbraten beißen, Miriam an der überbackenen Goldbrasse knabbern und er sein Lammgulasch in Zitronensauce so hastig reinschaufeln, dass er von daher schon gezwungen war den Mund zu halten.

Da Bernie derlei Artigkeit offensichtlich fremd war und er mit vollem Mund weiterlaberte, ließ er Carl und Miriam voll an seinem zarten Lammbraten teilhaben, indem er ihn auch kleinteilig vor sich auf dem Tischtuch ausbreitete. Andererseits gelang ihm dadurch der nahtlose Übergang von Putin zu Merkel, von der er mehrfach energisch ein ähnliches Narrativ für Deutschland forderte, wie es Putin für das ‚Neue Russland’ geliefert hatte!

Aber du gehst jetzt nicht so weit, Bernie, dass du von ‚Mama Merkel’ nach der ‚Energiewende’ nun auch noch eine vorbildhafte radikale ‚Unterhosenwende’ einforderst, ätzte Miriam ebenfalls nahtlos weiter, während sie ihre Goldbrasse fachfraulich zerlegte.

Nein natürlich nicht, mampfte Bernie, aber ‚unsere Angela’ könnte das Deutsche Volk doch einmal mit einem hübschen, brauchbaren ‚Narrativ für Deutschland’ überraschen, statt es permanent mit sinnentleerten Worthülsen einzulullen! Es täte uns gut endlich aufzuwachen und uns mehr um den Rest der Welt zukümmern, statt ihn ständig mit unseren Ängsten zu quälen! Nur ‚German Angst’ ist ein bisschen wenig, oder Carl?

Ja dem konnte Carl unter der Dusche nur zustimmen und endlich den tierisch guten Massagestrahl abdrehen: Denn nach der Wassermassage war ‚Kaltduschen’ angesagt! Und das erforderte mindestens die gleiche Überwindung wie die Entwicklung eines Narrativs für Deutschland…

Aber siehe da, Osterkörnchen war nicht zu bremsen gewesen, ihn verlangte nach Miriams Rüffel und dem Lammbraten, nicht nur sofort nach einem Tiramisu, sondern er kam praktisch zeitgleich selber mit narrativen Ideen daher. Oder war’s Miriam gewesen? Die meinte wir sollten in einem neuen Narrativ für Deutschland nicht mehr nur den zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau und den Holocaust gebetsmühlenartig repetieren und auch nicht nur über die Überwindung der Ost – West – Spaltung und Europa reden, sondern vielmehr die Tatsache hervorheben, dass Deutschland neuerdings ein höchst begehrtes Einwanderungsland ist und zum Beispiel während der letzten beiden Fußballweltmeisterschaften sogar plötzlich als hip, multikulti, fröhlich und bunt galt!

Da hatte Carl dann auch schon genug von der ‚Kaltdusche’! Bibbernd sprang er aus der Duschkabine, rubbelte sich laut stöhnend mit dem Badehandtuch ab und wollte partout nicht mehr daran erinnert werden, dass er nach Miriams klugen Einwurf – vielleicht schon etwas angesäuselt – unbedingt auch die ‚Energiewende’ in das neue Deutschlandnarrativ einbinden wollte und mit schwerer Zunge darauf bestand, dass sich dadurch quasi von selbst ein gravierender Paradigmenwechsel im Unterwäschegeschäft ergäbe: denn warme Unterwäsche führe zwangsläufig zu einer Reduktion der Heizleistung und damit auch des CO2 Ausstoßes in die Umwelt! Das sei doch klar wie Kloßbrühe!

Und gestützt auf diese Fakten könnte Frau Merkel in ihrer wenig präzisen Art vermutlich dann wirklich allen Skeptikern seelenruhig entgegensäuseln, dass das Land der ‚Dichter und Dämmer’ in den von der Regierung massiv geförderten warmen Unterhosen sehr wohl seine ehrgeizigen Klimaziele in der Europäischen Gemeinschaft erreichen wird! Ja diese sogar noch überbieten werde, wenn in der großen Koalition, konform mit Herrn Sigmar Gabriel, noch vor Jahreswechsel – abweichend vom Koalitionsvertrag – beschlossen würde, dass neuerdings auch ‚Thermounterwäsche’ ähnlich umfangreich gefördert würde wie die Wärmedämmung der Gebäude, ohne dass dadurch natürlich die schwarze Null von Herrn Schäuble in Gefahr geraten dürfte, was zwar nicht dem Weltklima aber doch der CDU immens schaden würde – und allein das zählte! Letzteres sagte Frau Merkel zwar nicht in Carls Gedankenwelt, dachte sie aber.

Kurz danach musste bei ihm der Film gerissen sein, denn an den Jubelschrei von Bernie hatte er keine Erinnerung mehr – und wie er nach Hause gekommen war wusste nur Gerlinde, die ihn aber heute Morgen nicht sehen wollte, was schon ein bisschen komisch war, oder?

KH

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 31. Juli 2014

Machtverlust – oder die verdrängte Auslöschung

Udo Liekysz, zweiter Mann der ‚Republik Transistien’, war überzeugt, dass nur er vom Volk und der Führung der Republik ausersehen war, die Nachfolge des ‚großen Führers Jordan Khon’ anzutreten. Doch dann wurde nach dessen Tod überraschend Sandor, der völlig unerfahrene zwanzigjährige Sohn des ‚großen Führers’, auf den Thron gehievt und Liekysz auf demütigende Weise während einer Vollversammlung der Partei verhaftet und eliminiert! Vor welchem Gremium Udo Liekysz die nachfolgende Rede – vermutlich seine letzte – gehalten hat, ist nicht dokumentiert!

„Sie alle haben mich darin gesehen! In diesem mythischen Kleidungsstück! Und wir alle erinnern uns, dass bereits die ersten Kinderlieder in den ‚Jordan Khon Schulen’ sich ausschließlich um dieses unvergleichliche Kleidungsstück drehten. Und mein Gott – wie wahnsinnig sehnten wir uns danach, wenigstens einmal im Leben – und sei es nur für ein paar lumpige Sekunden – auch in diese ‚überirdische Umhüllung’ schlüpfen zu dürfen! Davon träumen wir doch heute noch! Oder?

ZAa MaIMG_5131Natürlich wagt kein Erwachsener, dieses abwegige Verlangen laut auszusprechen: denn wir alle wissen, dass nur ihm – dem Unaussprechlichen – das Privileg zusteht, jede Nacht in einem neu angefertigten, unendlich zarten ‚blauen Seidenpyjama mit tausend Sternen und Planeten’ schlafen zu dürfen: nur er verdient diese höchste Auszeichnung bis ans Ende der Tage – sonst niemand im Sonnensystem!

Vielleicht können Sie sich jetzt vorstellen, was für ein unbeschreibliches Entsetzen mich befiel, als ich mich letzten Dienstag in der Morgendämmerung auf meinem Eisenbett aufrichtete, energisch die nicht vorhandene Bettdecke zurückwarf, meine Beine mühsam über die Bettkante schwenkte und plötzlich feststellen musste, dass mir während des Schlafes genau dieser ‚überirdische blaue Führerseidenpyjama’ abhanden gekommen war – dabei hatte ich die ganze Nacht nur davon geträumt?

Was war da los? Wer konnte das veranlasst haben? Plante jemand gar einen Umsturz?

Es kam noch schlimmer!

Denn ich – Udo Liekysz – der einzig ‚wahre Präsident der Republik Transistien’, steckte nicht nur nicht in dem heiligen ‚blauen Seidenpyjama der tausend Sterne und Planeten’, sondern in einem groben Leinenkittel, der hinten vom Hals ab komplett offen war.

Können Sie sich das vorstellen?

Ganz zu schweigen von dem kalten Eisenrahmen des Bettes, der in meine Oberschenkel drückte und die Blutzufuhr in die unanständig entblößten ‚Präsidentengesäßbacken’ abwürgte. Noch scheußlicher war der grellgelbe Urinfleck – da unten – auf dem Kittel! Mit dieser Deutlichkeit war der auf dem ‚blauen Seidenpyjama’ in der Nacht nicht zu sehen gewesen!

Das können Sie mir glauben! Meine herabhängenden weißen Beine übersät von Hungerödemen – wären auch niemals so unstaatsmännisch herumgependelt, wenn sie noch in den blauen Seidenhosen stecken würden. Das war unbestreitbar!

Reichlich unangenehm war auch die modrige Kälte auf meinem freiliegenden Rücken: Ja – ich Udo Liekysz – der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ – fröstelte sogar ein wenig! Da wurde eindeutig zuviel gespart; ein Versagen der zuständigen Behörde! Ein bisschen Wärme brauchte auch ein Präsident! Das musste auf alle Fälle umgehend in Ordnung gebracht werden! Sobald ich wieder in der Lage war, auf meinen verwelkten Beinen voran zu kommen, werde ich sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten… Schließlich tat ich das nicht zum ersten Mal!

Unlängst war ich in einer ganz ähnlichen Situation gewesen! Und was meinen Sie wie schnell die zuständigen Behörden reagiert hatten? Das war selbst für mich überraschend gewesen: denn kaum hatte ich mich an diesem grimmig kalten Montagmorgen deutlich sichtbar auf dem ‚Platz der Republik’ aufgestellt, mich als der neue ‚Präsident der Republik Transistien, der wirklich dem Volk dient’ vorgestellt und mein ‚Neues Programm’ verkündet, als auch schon eine Hundertschaft begeisterter Landsleute in festlichen Uniformen munter schnatternd auf mich zueilte, mich umringte, mich begeistert empor hob – und fast etwas rüde mit sich fortriss! Aber bei dieser spontanen Begeisterung war das kein Wunder gewesen! Im Gegenteil, ich ließ die jubelnden Massen ohne Einschränkung gewähren… Für dieses einfache Volk war ja jede Faser meiner einfachen Kleidung eine kostbare Reliquie! Wer hätte das nicht verstanden?

Drum wollte ich auch kein Aufhebens machen, als ich schon nach kürzester Zeit nur mehr Hemd und Unterhose am Leib hatte und richtig zu frieren begann: denn ich sah doch den freudig erregten Menschen an, wie recht ich mit meinem Eingreifen gehabt hatte! Es war höchste Zeit gewesen, ‚Neues’ zu verkünden, wenn das Land nicht vollständig vor die Hunde gehen sollte!

Und was meinen Sie, in welch erschütterndem, heruntergekommenen Zustand selbst der Präsidentenpalast war? Sie können sich das nicht vorstellen? Die oft hinter vorgehaltener Hand gescholtenen Prunkräume des ‚Präsidenten der Republik Transistien’ bestanden in Wirklichkeit aus einer einzigen jämmerlichen Kammer mit Bett, Tisch, Stuhl und zwei Eimern: in einem konnte man sich waschen, in den anderen wurde hinein gekackt. Da beide stanken, war es gar nicht leicht, sich für den richtigen zu entscheiden!

Aber was sollte es – bei der Armut draußen im Land, war es nur recht und billig, dass auch der ‚Präsident der Republik’ sich in Bescheidenheit übte! Ich war natürlich zunächst von der Kargheit des Raumes überrascht, als man mich im Überschwang der Begeisterung, gepaart mit ein wenig Schalkhaftigkeit, schon von der Tür aus auf das harte Eisenbett geknallt hatte. Vielleicht war ich ja auch mit dem Kopf ein klein wenig gegen die Wand gekracht und kurz bewusstlos gewesen, denn als ich zu mir kam, waren alle meine Landsleute weg und ich ganz alleine…

Was ja auch in Ordnung war, schließlich mussten die sich um ihre Familien kümmern, das Leben war hart genug außerhalb des Präsidentenpalastes. Da hatte ich es viel besser! Ich war versorgt! Wenn auch auf eine sehr einfache Art! Ja – ich stand wirklich vor einer gigantischen Aufgabe in dieser ‚Neuen Republik Transistien’!

Nur um Ihnen ein Beispiel zu geben wie ungeschult alleine das Personal im Präsidentenpalast war: Als sich nach etlichen Tagen immer noch niemand um mich kümmerte, da man wohl auch drastische Personaleinsparungen angeordnet hatte, um das Land wieder auf Vordermann zu bringen, bekam ich doch langsam Hunger und fror auch wieder. Durch Klopfzeichen und Rufe konnte ich mich soweit bemerkbar machen, dass sich endlich ein Untergebener zeigte, dem ich meine Anweisungen erteilen konnte! Aber was soll ich Ihnen sagen, der Mann war nicht nur schlampig gekleidet und mürrisch – sondern gab mir statt einer Antwort – links und rechts eine schallende Ohrfeige! Und als ich mir verwundert die Backe rieb und fragte was das soll, gab er mir noch einen Tritt in den Hintern, dass ich in hohem Bogen auf mein Bett segelte.

Nun Sie werden mir sicher beipflichten, dass man in diesem Fall nicht gerade von ausreichend geschultem Personal sprechen konnte! Wenngleich ich schon auch erwähnen sollte, dass diese gezielte ‚Schnellmassage’ an Kopf und Hinterteil meinen Kreislauf prächtig in Schwung brachte und ich danach sogar eher schwitzte als fröstelte – ja das musste ich dem Mann zugestehen, das hatte er erreicht!

Aber natürlich ist noch jede Menge zu tun in der ‚Neuen Republik’, und ich habe deshalb auch überhaupt keine Zeit, noch länger hier zu referieren, sondern muss sofort meine Ministerriege zusammenrufen! Wissen Sie, die Entleerung der beiden Eimer in der Präsidentensuite darf unter keinen Umständen noch länger hinausgezögert werden! Vielleicht spüren Sie ja auch schon den beißenden Geruch?

Und die Wäscheklammer auf der Nase, kann und darf nicht zur Dauerlösung werden! Lasst uns endlich handeln! Ich, der ‚wahre Präsident der Republik Transistien’ ermächtige Euch dazu!“

KH

PS: Nach einer Idee von Detlef Knoll

Sicherheit mal ganz schlicht gedacht.

Mein Vater war Eisenbahner. Das hat mich irgendwie der Eisenbahn nahe gebracht. Irgendwann habe ich so auch die Bahnpolizei entdeckt. Die war in meinem Verständnis zuständig für die Bahnhöfe und Anlagen der Deutschen Bundesbahn. Ich habe aber nicht verstanden, warum es sie braucht.

Nach meinem Abitur musste ich zur Bundeswehr. Da gab es die Feldjäger als Militärpolizei. Deren Existenz habe ich dann eher verstanden. Müssen Soldaten doch rauhe Gesellen sein, wenn man mit ihnen Kriege gewinnen will. Und die kann man halt nicht mit Samthandschuhen anfassen wie den normalen Bürger.

Bei Siemens gab es den Werkschutz. Die haben unter anderem die Standorte gesichert und sind entlang der Werkszäune patroulliert. So wie die Wachbataillone bei der Bundeswehr die Kasernen und militärisches Gelände „bewacht“ haben. Für mich war der Werkschutz so etwas wie die Bahnpolizei der Siemens AG.

Heute hört man, dass zum Beispiel Gasprom für diesen und sonstige Zwecke über eine kleine Privat-Armee verfügen soll. Ganz eingesehen habe ich die Notwendigkeit des Werkschutzes aber nicht so ganz, so wie ich auch die Legitimation der Gasprom-Armee nicht verstehe.

Wie man die Bahn privatisiert hat, ist die Bahnpolizei nicht zum Werksschutz der Deutschen Bahn AG geworden, sondern dem Grenzschutz zugeschlagen worden. Züge sind ja mobil und so immer auf irgendeine Art „Grenze“.

Der Grenzschutz war für mich immer eine besondere Polizei. Deren Aufgabe war mir auch vom Begriff her klar. Sie sollte unsere Grenzen zu Friedenszeiten schützen und verteidigen, so wie dies mal als Aufgabe der Bundeswehr in Kriegszeiten gedacht war.

Heute übernimmt der Grenzschutz weitere Aufgaben wie Fahndung nach Schwarzarbeit. Demnächst sollen Sie ja auch noch den „Mindestlohn“ kontrollieren.

Die Finanzämter haben auch ihre eigene Polizei – die Steuerfahndung.

Mittlerweile gibt es auch noch ganz viele private Polizeien. Und auch sie haben eines gemein – sie tragen Uniform und fahren mit Autos durch die Gegend, die polizeiliche Fahrzeuge imitieren.

Ganz verstehe ich das alles nicht. Eigentlich haben wir doch nur ein Gesetz. Warum reicht dann nicht eine Polizei, die gegliedert nach Aufgaben und regionaler Verantwortung ihren Job macht, darauf achtet dass Gesetze eingehalten werden und die Bürger vor Übergriffen schützt?

😉 Oder soll es mal für jedes Gesetz eine eigene Polizei geben?

Von polizei-ähnlichen Systemen wie Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz will ich gar nicht reden. Die dann natürlich keine Uniform tragen. Auch über die Pläne, die Bundeswehr zum „Einsatz im Inneren“ zu ermächtigen, denke ich lieber gar nicht nach.

RMD