Hans Bonfigt
Samstag, der 4. April 2020

GEW: Wenn Dummheit durch die Decke schiesst …

Eigentlich gibt es gute Nachrichten:

Das exponentielle Wachstum an Corona-Infektionen ist beendet.  Die Maßnahmen der Regierungen haben ganz offensichtlich gegriffen.

Ganz anders verhält es sich mit den Dumm-Dumm-Attacken aus dem „GEW“ – Umkreis:   Hier pushen die durchideologisierten Politspinner jedes Jahr das scheinbar absolute Blödheitsniwo auf ungeahnt neue Höhen.  Das ist exponentielles Wachstum, welches über jede menschliche Annahme hinausschießt.  Sie sind gewarnt, lieber Leser:

Nein, es ist nicht Rotzi.    Es ist schlimmer.

Hintergrundfahne überflüssig: Die Dummheit guckt ihm auch so aus den Augen …

Gesamtschullehrer Ryan Plocher, Englisch und Politik“wissenschaften“ an der „Freien Universität Berlin“, hat nämlich eine Karrikatur von Hans Traxler wiederentdeckt:

„In einer Karikatur von Hans Traxler aus dem Jahr 1976 stehen ein Elefant, ein Affe, ein Goldfisch und andere Tiere aufgereiht vor einem Beamten, der am Schreibtisch sitzt. Er sagt: „Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!“ Soweit ein Klischee der Pädagogik: Die Schule soll demnach nur das prüfen, was in der Schule vermittelt wird – unabhängig davon, was die Kinder und Jugendlichen von zu Hause mitbringen. In der Karikatur wird das deutlich: Der Affe kann bereits klettern, der Goldfisch braucht Hilfe“.

Jeder Mensch mit einem IQ über Zimmertemperatur wird sich jetzt denken, „was zum Teufel soll ein Goldfisch auf einem Baum?  Würde es dem Goldfisch denn gutgehen, hälfe man ihm, auf den Baum zu gelangen ?“.  In der Tat, würde ein Mensch Goldfische an einen Weihnachtsbaum hängen, würde man ihn bei „Twitter“ als perversen Tierquäler textbausteinigen.  Für den Sonderpädagogen „Ryan Plocher“ ist das jedoch „best practise“.

Unsere Tochter leidet unter einer angeborenen Stoffwechselkrankheit, welche, zunächst unerkannt und folglich unbehandelt, postnatal zur Zerstörung einiger Teile ihres Gehirns führte.  Betroffen ist u.a. das Sprachzentrum, sie kann weder lesen noch elaboriert sprechen, versteht aber fließendes Deutsch.  Ich bewundere unsere Jule dafür, wie sie, ohne je ein Buch in die Hand genommen zu haben, ihre Umwelt verstehen und vollständig am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.  Und als Eltern sind wir dankbar, daß es die Finkenkrug-Schule gibt, die unserer Jule in einer Gruppe unter Gleichen das zum Leben nötige geistige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben hat, an dessen Vermittlung wir als Eltern wohl gescheitert wären.

Wie froh sind wir, daß unsere Jule zu einer Zeit zur Schule ging, als SED und Grüne noch als Spinner verachtet wurden und keine Möglichkeit hatten, qua „Inklusion“ das Schulsystem zu kompromittieren.  Denn unter „normalen“ Schülern wäre sie immer die „dumme Jule“ gewesen, jeder Tag wäre ihr zur Qual geworden, als „inkludiertes Opfer“ wäre sie jämmerlich eingegangen wie der Goldfisch am Baum.

Aber solche Geschichten müssen einen „GEW“ – organisierten Weltverbesserer ja nicht interessieren, denn es geht ihm um Höheres:   Den Sieg der absoluten Bildungsgerechtigkeit!

Im Süden des Berliner Bezirks, da wo ich an einer Gemeinschaftsschule unterrichte, stehen bürgerliche Einzelhäuser im Schatten von Wohnblocks. Während manche Jugendliche im eigenen Zimmer mit eigenem Rechner, Drucker und Highspeed-WLAN weiterlernen, haben die Kids aus der Westplatte ganz andere Themen.
Wer keinen Rechner hat, versucht die PDFs vom Smartphonebildschirm abzulesen. Wer kein heimisches WLAN hat, verbraucht das eigene Datenvolumen. Eine Kollegin berichtet, dass der Klassensprecher Can zu ihr sagte: „Frau Lehrerin, Chemie können wir nicht mehr herunterladen!“ Das Geld für mehr Daten sei eben alle.

Tja, Herr Lehrer:  Wieso kommt man auch auf die verschwurbelte Idee, Internet- und PC-Technologieen für den Unterricht zu nutzen?  In vielen Fällen übrigens illegal unter Verwendung von „Diensten“ wie „Facebook“ ?

UNSERE Pauker früher waren sich nicht zu schade, Aufgaben und Arbeiten auf einer Wachsmatritze zu tippen und mit einem ziemlich archaisch anmutenden „Vervielfältiger“ vierzig Exemplare für die Klasse zu erstellen.  Das hat sogar mitunter geklappt, im Gegensatz zum zitierten GEW-Dummschwaller durfte ich frühzeitig lernen, daß man ein Dokument weder „ausdruckt“ noch „einscannt“, sondern druckt oder scant.

Auch in Zeiten von „Corona“ brauchen wir kein „Internet“.  In Italien weiß man nicht, wohin mit den Toten, unsere Schüler sind gerade einmal für 14 Tage suspendiert  —  laßt sie doch um Himmels willen in Ruhe – beispielsweise ihren Eltern beim Einkaufen helfen.  Oder die Geschwister beaufsichtigen.  Außerdem habe ich gerüchtehalber gehört:  Es soll SCHULBÜCHER geben!  Ja, ehrlich!  Die werden sogar kosten- und klassenlos verteilt !

Unser Hausmeister, der Willi, besucht uns ab und zu auf einen Kaffee, während meine Frau für seine Tochter Lea die Hausaufgaben von der Webseite der Schule herunterlädt und druckt.  Wenn wir nicht da sind, dann würden mindestens drei weitere Nachbarn schnell aushelfen können – und wollen.   Das ist Nachbarschaftshilfe, und es ist gut, daß die Lea sieht, wie einfach man solche Dinge regeln kann, wenn man in einer problematischen Sitaution zusammenhält.  Unsere neue Nachbarin hat keinen Internetanschluß.  Klar, daß wir ihr, durch die Dachrinne, eine Glasfaserstrippe gezogen haben.   WLAN, aber auch das weiß ein GEW-Pädagoge nicht, ist nutzlose, störanfällige Proletentechnik.

„Aus der Perspektive mancher Grundschullehrkräfte klingt solch eine Eigenständigkeit vielleicht sogar idyllisch. Für viele von ihnen ist nicht nur die oft fehlende oder unzureichende Technik eine Hürde, sondern auch die Eltern an sich. Einige Eltern können parallel zum Homeoffice ihr Grundschulkind begleiten und betreuen. Andere hatten noch nie Interesse daran. Und wieder andere können nicht mal ein PDF in einer Mail öffnen. Sie müssten sich erst mal mit „dem Internet“ auseinandersetzen, erklären sie den Kollegen – vorausgesetzt, sie können dafür genug Deutsch. Für eine Kollegin in Nordneukölln bedeutet das: jedes Kind persönlich anrufen, um dem Kind einzeln beizubringen, wie man Apps installiert, wie man Lernforen erreicht, was ein Passwort ist und wie man eine Mail öffnet. Man stelle sich das achtstellige Passwort mit Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen eines Kindes vor, das gerade das halbe Alphabet gelernt hat.“

Also, Herr Leerer, wie wär’s denn damit:   Erst das Alphabet lernen, dann im Internet kommunizieren.  Und nicht umgekehrt.   Vor allen Dingen:  Auf keinen, aber auf gar keinen Fall einen Lehrer an einen Rechner lassen !!!  Ich habe wirklich nix gegen Lehrer,  einigen bin ich bis heute zutiefst dankbar, aber aus Erfahrung weiß jeder Schüler:  Pädagogik, Politik, Soziologie und Informatik sind „Laberfächer“ für die hinterletzten Luschen.  Hier bekommt jeder eine Eins, wenn er nur will.   Unsere Informatik-Junglehrer setzten Schulbücher ein, in denen wörtlich steht, „Es gibt zwei Betriebssysteme, Windows und DOS“.  Entsprechend erstreckt sich der „Informatik-Unterricht“ auf das Bearbeiten von „Excel-Sheets“.  Als fachlich versiertem Onkel oder Bekanntem legen mir ab und zu Jugendliche ihre „Informatikaufgaben“ vor  —  ich muß dann immer ganz fürchterlich schlucken,  denn ich helfe den jungen Leuten nicht, wenn ich ihren Lehrer niedermache.   DAS kostet Kraft, die Contenance zu bewahren.  Mein alter Deutschlehrer Willi Tröster sagte immer, „seine Sprache offenbart den Menschen“:  Wenn ein Lehrer allen Ernstes von „Apps“ spricht anstatt von „Programmen“, dann könnte ich ihm von morgens bis abends in die Fresse hauen.  Da fehlt nun jede Art von Kontemplativität.  Neulich erwischte ich beim Kunden eine blöde Tante von der AOK, wie sie völlig ungefragt versuchte, irgendeine garantiert nutzlose Software von CD auf einen Rechner in der Buchhaltung installieren wollte.  Wo jeder weiß, daß Windows-Programmkot ohne jede Rückfrage mirnix, dirnix wichtige Systembibliotheken austauscht.   Und ich frage mich:  Wie wollen die Leerer überhaupt aus der Ferne installieren ?   Doch nicht etwa mit  TeamViewer, dem Offenbarungseid der Blödheit?   Eine Freundin, hochmotiviert, internetkundig, seit Jahrzehnten beim DFN resp WINshuttle angestellt, bekannt für ihre Ausgeglichenheit und Ruhe, bekommt einen roten Kopf und Schaum vor den Mund, wenn sie das Wort „Informatiklehrer“ nur hört, denn:   „Die haben von nichts eine Ahnung, wissen aber alles besser“.

„So viele Telefonate – auch über die Osterferien – sind notwendig, um die Bindung an die Schule aufrechtzuhalten“.

Mir kommen die Tränen.  Wie schon vor etlichen Jahren eine  LeererIn in einem GEW-Blättchen wortwörtlich schrieb, „Keine Berufsgruppe leidet so an Überlastung wie der Lehrer“ …   Da können Ärzte, Apotheker, LKW-Fahrer oder Polizisten natürlich nicht mithalten.

„Für ein paar Wochen mag das gerade noch gehen, aber sollten die Schulen bis zum Ende der Sommerferien geschlossen bleiben, gehen wir von einem verlorenen Schuljahr aus“.

So what ?   Warum nicht einfach ein halbes oder ganzes Jahr pausieren ?  Hat noch keinem geschadet.  Da gibt es sogar einen Roman von Jules Verne, „vier Jahre Ferien“.   Verdammtnochmal, können wir endlich alle einmal aufhören, uns selbst so unwahrscheinlich wichtig zu nehmen ?

Wenn Lisas alleinerziehende Mutter noch weiter an der Kasse bei Rewe arbeitet, dann finde ich es sehr richtig, dass Lisa sich wenig mit „Science and technology – Visions of the future“ beschäftigt. Das Schwesterchen muss heute und jetzt satt, sauber und sicher sein, und das leistet eben Lisa, anstatt Karikaturenanalyse zu üben.

Finde ich auch.   Liest sie halt „Animal Farm“ oder „Brave New World“ von Aldous Huxley.   Und lernt ganz nebenbei und vor allen Dinge erstmalig, wie fatal sich einseitige psychisch-mentale Indoktrination junger Menschen auswirken kann.

„Kevin zum Beispiel kämpft schon seit Jahren mit der Schule: Sein alleinerziehender Vater ist chronisch krank, es gibt Geldsorgen. Er fehlt viel und hat nicht die Unterstützung zu Hause, um alles nachzuholen. Seitdem die Schulen geschlossen sind, betreue ich ihn nicht per WhatsApp (Datenschutz ist einzuhalten!), sondern nach viel Mühe über den schuleigenen Messenger“.

Ja, in der Tat:  Der Datenschutz ist einzuhalten und daher „nutzt“ man so einen Dreck wie „Whatsnepp“ und „facebook“ nicht:

Wo, verdammtnochmal, wenn nicht in der Schule, soll man so etwas lernen ?

„Mehrere Tage gehen für die Technik drauf, aber eigentlich geht’s darum: Kevin sollte interessiert und konzentriert bleiben, den Mathestoff aus der Achten nachpauken und mit Schweiß, Blut und Tränen hoffentlich die zentrale Prüfung in Mathe für den neunten Jahrgang bestehen, um überhaupt einen Schulabschluss zu bekommen“.

Tja, es gibt Leute, die behaupten, „Kevin“ sei kein Name, sondern ein Zustand.  Bestimmt ist das Blödsinn, ganz sicher, wenn es sich um einen „echten“ Engländer handelt.  Aber warum soll Kevin „mit Schweiß, Blut und Tränen“ unbedingt durch eine Prüfung geprügelt werden ?   Ausgerechnet in Mathematik.  Kann sowieso kaum jemand.  Test:  „Anderthalb Hühner legen anderthalb Eier in anderthalb Tagen.  Wieviel Eier legt ein Huhn pro Tag ?“   Und jetzt schnell, zack-zack.   Das peinlich-dumme Geblubbere von Elena Erdmann zeigt mit erschreckender Klarkeit:  Auch ein Mathematikstudium hilft nicht immer beim Erkennen der einfachsten Zusammenhänge.

Warum, zum Teufel, muß man Kevin die Welt zur Hölle machen ?  Deutschland braucht auch Straßenkehrer!  Und, ganz nebenher:  Vor einem Straßenkehrer habe ich, gerade in diesen Zeiten, verdammt mehr Respekt als vor manchem Sonderpädagogen.   Denn jede Arbeit, die getan werden muß, ist es wert, getan zu werden.  Vielleicht entwickelt sich Kevin zum begnadeten Müllwagenfahrer?  Damit umzugehen ist verdammt nicht einfach und bedingt große Verantwortung und Kooperationsbereitschaft im Team – wenn es im Lärm und in der Hektik keine Toten geben soll.   Ein GEW-Lehrer könnte den Job nie und nimmer durchhalten.

Hier gab es analoge Hilfe. Wir trafen wir uns mit 1,5 Meter Abstand in der Schule, damit er seine Schulbücher noch aus dem Spind holen konnte.

Schau ‚mal einer guck!  Das lese ich ja jetzt erst!  Zeigt sich:  Papier schlägt Schere und Stein.  Wir wollen einmal gnädig darüber hinwegsehen, daß der Inhalt der Mathebücher größtenteils digital ist.  Soviel also zur Relevanz der „Digitalisierung“ des Unterrichts:  „Wenn man etwas kapieren will, dann doch lieber wie gewohnt“.  Das wußte man übrigens schon länger:   „Was man schwarz auf Weiß hat, kann man getrost nach Hause tragen“ oder, noch älter: „Nihil in intellectu quod non prior fuerit in sensu“.

„Man könnte uns Lehrkräften schon zutrauen, durch die bisherige Benotung für eine faire Selektion zu sorgen“.

So langsam wird mir schlecht.  Schluß jetzt mit dem Gedrängele (1,5m), gestatten:  Dr. Mengele.  Staatliche Selektion, das erinnert mich jetzt fatal an einen bekannten deutschen Experimentalmediziner.

Dazu vielleicht einmal ein Exkurs in die Praxis meiner Schwester, sie ist Steuerberaterin.

Oft wollen Mandanten z.B. eine Arztpraxis oder eine Firma übernehmen, aber das Vorhaben scheitert oft an einer negativen Prognose der Bank.   Und meine Schwester gehört zu den zwei Promille der aufrichtigen Steuerberater und sagt dann oft:  „Seien Sie der Bank dankbar.  Denn die Fakten, welche sie zusammengetragen hat, stimmen.  Nehmen Sie die berechtigten Einwände der Bank ernst und Ihren Kopf aus der Schlinge“.   Natürlich verliert sie dann in der Regel das Mandat.  Sie weiß das.  Aber sie wird dennoch immer das sagen, was sie sagen muß.

Der Schulabschluß ist keine „Selektion“.   Sein Fehlen verhindert nur, daß „Kevin“ zum Schaden eines künftigen Arbeitgebers, vor allem aber zu seinem eigenen, einen falschen Job anfängt.

Natürlich kann er kein Werkzeugmechanker werden, da muß er ab und zu sicher rechen können – meistens mehr als ein Diplom-Mathematiker.   Aber ihm steht, weil er bestimmt andere Qualitäten hat, garantiert eine andere Beschäftigung offen, beispielsweise wie Heinz und Karl sie gefunden haben.  Gut, ich gebe zu, die Geschichte ist mir etwas länglich geraten.

Hier stelle mich mir erneut den versteiften Beamten aus Traxlers Karikatur vor: Gönnt er Mehmet und Thea ihre bisherige Gymnasialempfehlung? Oder besteht er noch auf eine Prüfung, obwohl sie in der kleinen Wohnung nie Ruhe hatten und die Klassenfreunde Nico und Layla zu Hause im eigenen Zimmer üben konnten? Ich werde das selbstverständlich tun, aber ich bin auch linksgrünversifft.

Höchstwahrscheinlich ein „Linker“ von der Sorte, für den Bakunin ein Schokoplätzchen ist.  Ein Lehrer ist kein „Gönner“!  Was sind denn das für verborgene Machtphantasieen?  „Dem Johannes gebe ich keine Gymnasialempfehlung, denn der wird zuhause so stark unterstützt und hat auch soeben wieder einen neuen Monitor bekommen.  Gemessen am Grad der Unterstützung müßte er viel besser sein“.  „Frederikes Vater ist in der AfD und damit ist ihre Teilhabe an einer offenen, multikulturellen Gesellschaft derart erschwert, daß ich ihr keine Gymnasialempfehlung aussprechen kann“.

Unterdessen weiß eigentlich jeder Pädagoge, daß eine „Gymnasialempfehlung“ in den allerseltensten Fällen seriös nach der vierten Klasse gegeben werden kann.   Es gibt also immer einen Spielraum, den man nutzen, aber niemals „gönnen“ kann.   Nochmal Dank an meinen knarzigen alten Deutschlehrer:  „Seine Sprache offenbart den Menschen“ – auch den Lehrer.

Schlachten wir stattdessen ein paar heilige Kühe des selektiven Bildungssystems. Die Prüfungen können wegfallen. Die Schule hat aber viel wichtigere Aufgaben in Deutschland: Erziehung zur Mündigkeit und Bildung zur Teilhabe.

Nehmen Sie das, Sie Idiot:  „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.  Das steht in unserem Grundgesetz.  Gut, da feilen Sie und Ihresgleichen ja schon seit Jahren dran, aber noch steht es da.  Ihr verdammter Job ist es, Wissen zu vermitteln.   Indem Sie mit Ihrem überzogenen Anspruch das Erziehungsrecht der Eltern infragestellen, enthüllen Sie unfreiwillig, was Sie von „Mündigkeit“ halten.

Was bin ich auf einmal meiner Schule dankbar, daß sie so war, wie sie war.

Zum hysterischen Ablachen am Schluß:

Lohnt sich.

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2020

Korona in der Presse

In den letzten Tagen sind mir drei Artikel (in der Welt, in BR24 und der NZZ) zugesandt worden, die ich hier gerne teilen möchte.

 

Gestern hat mir ein Freund einen Artikel zu Korona aus der Welt empfohlen. Jetzt ist die Welt nicht unbedingt mein Lieblingsblatt, aber in diesem Artikel finden wir doch ein paar bemerkenswerte Gedanken.


 

Wir dürfen die Vernunft nicht dem Virus ueberlassen.

Ich zitiere einen Schlüsselabsatz aus diesem Artikel.

Man könnte sagen, in Asien werden Epidemien nicht nur durch Virologen oder Epidemiologen, sondern vor allem durch Informatiker und Big-Data-Spezialisten bekämpft. Ein Paradigmenwechsel, der in Europa noch nicht wahrgenommen wird. Big Data rettet Menschenleben, würden die Apologeten der digitalen Überwachung ausrufen.

Allgemein weckt der Artikel den Gedanken, dass die nicht-asiatische Welt „bei der Bekämpfung von Korona“ so ziemlich alles falsch macht, was man falsch machen kann. Und in den letzten Jahren ziemlich dreist China wegen seines kollektiven Gesellschaftsmodell beschimpft und zum Teil erpresst hat.

 


 

Heute beim Frühstück schaue ich mir auf dem Mobiltelefon in BR24 die Nachrichten an. Und da kommt der nächste Schock. Ein Artikel erklärt mir, dass Isolation dem Immunsystem gar nicht gut tut.

 


 

Corona-Pandemie: Was Isolation mit dem Immunsystem macht.

In diesem Artikel wird beschrieben, wie in Isolation das Immunsystem unter Stress gerät. Ein Zitat hierzu:

Je länger die Isolation andauert, desto ausgeprägter sind die Allergien dann auch. Überraschend dabei: Diese Allergien brechen nicht etwa während der Isolation aus, sondern erst, wenn man wieder zurück ist. Das konnte Alexander Choukèr sowohl bei den Überwinterern als auch bei den Astronauten beobachten.

Daraus könnte der misstrauische Korona-Beobachter schließen, dass wir mit unserer Isolations-Strategie stetig unser Immunsystem schwächen. Und dicker (fetter) dürfte das Volk in Isolation auch werden. Beides ist eine schlechte Voraussetzung in einer Situation, wo uns alte und neue Viren und zahlreiche Bakterienstämme (darunter auch gegen Antibiotikum restistente) angreifen.

 


Es geht weiter mit der NZZ. In der Ausgabe vom 13. März 2020 stand ein Gastkommentar der renommierten Ökonomen Margit Osterloh und Bruno S. Frey zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Auf diesen hat mich ein Freund schon vor ein paar Tagen hingewiesen.

Man findet den Artikel und einen Kommentar dazu hier. Und auch dazu ein Zitat aus dem Artikel der NZZ:

In Italien gab es 631 Tote durch das Coronavirus (Stand 11. 3. 20). Das ist schlimm. Aber im Winter 2016/2017 wurden nicht weniger als 25 000 Grippetote registriert, davon 19 400 im Alter von über 65 Jahren. Warum wurden damals die Landesgrenzen nicht geschlossen? In der Schweiz gibt es bis jetzt 4 Tote durch das Coronavirus (Stand 11. 3. 20). Im Jahr 2017 gab es 800 bis 1000 der Grippe zugeschriebene Todesfälle. Warum wurden damals Grossveranstaltungen, Konzerte und Gottesdienste nicht abgesagt?

Spannend zu lesen.


 

Selfie in Greece.

Langsam bekomme auch ich Angst, weniger vor dem Virus sondern vor den Folgen der Bekämpfung desselbigen.

Die Parole „Gesundheit geht vor“ wird halt immer wieder anders angewendet. Diese Parole ist aber ein rethorisch-moralischer Trick. Die Aussage wird zur Moral, weil viele von uns irrsinnig Angst vor dem eigentlich eher harmlosen Virus haben: „Wir wollen auf keinen Fall an dem Virus sterben“. Die Moral gilt dann für allem von Dritte. Um glaubwürdig zu sein halten wir uns selber auch scheinheilig dran.

Nur gilt diese Parole „Gesundheit geht vor“ nicht, wenn es um das sinnlose Verbrennen von Kohle zur Stromerzeugung, um die Reinhaltung der Luft von Schadstoffen wie Feinstaub, das Sauberhalten des Wassers (Gülle-Verordnung), die Aufzucht von Schlachttieren mit Antibiotika, die Bakterien resistent machen … und weitere solche Dinge geht.

Die Parole „Gesundheit geht vor“ gilt auch nicht, wenn Flüchtlinge  in den Meeren ertrinken oder in Lagern leiden und sterben. Weil die ja selber schuld sind!?

Und besonders gilt die „Gesundheit geht vor“ nicht, wenn es um das Auto und die Rüstungswirtschaft geht. Die wenigen 100 Toten pro Jahr auf den Autobahnen werden damit gerechtfertigt, dass ja die Toten auf den Landstraßen deutlich mehr wären!? Und dass wir abhängig von unserer Autoindustrie sind, die uns das tägliche Brot gibt. Weil: „Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.“

Und heute opfern wir unseren Brotgeber ganz locker vom hocker wie naive Sektenmitglieder auf dem Altar der „Korona-Gesundheit“. Mir soll es recht sein, obwohl das Sterben der Automobil-Industrie auch mich massiv betrifft.

Waffen herzustellen und unsere Soldaten in fremden Ländern einzusetzen, ist auch viel wichtiger als die „Gesundheit“. Weil wir ja als mächtiger und  reicher Staat eine globale (und auch moralische !) Verpflichtung haben, in der Welt mitzumischen. Da kann kein „Gesundheit geht vor“ mehr gelten.

Hahaha!

Mir scheint, dass die Regel „Gesundheit vor Wirtschaft“ ausschließlich für die Korona-Krise geht.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 27. März 2020

Korona – sachlich bleiben in der Manie!

 

Ein paar Thesen zu Korona – um die herrschende Manie ein wenig zu relativieren.

Ich weiß nicht ob der Krankheitsverlauf so richtig exponentiell ist. Die Manie ist es aber. Vielleicht könnte man ein wenig mit Vernunft und logischen Überlegungen die Manie verlangsamen.

  • Die Ansteckung erfolgt überwiegend direkt von Mensch zu Mensch.
    Das ist noch nicht bewiesen. Es könne ja auch über Tiere gehen. Schließlich soll eine Schleichkatze das Virus beim Knabbern an einer Fledermaus sich eingefangen und dann an den Menschen weitergegeben haben.
    🙂 Unser Kater ist mir schon lange ein Dorn im Korona-Auge. Ich habe mir schon überlegt, ob ich ihn keulen soll. Da waren die Damen aber dagegen.
    Speisen oder Gegenstände könnten ebenso der Übertragung dienen. Auch das muss alles genau geprüft werden, das muss man doch herausfinden können.
    In dieser Betrachtung spielt das keine Rolle. Wir glauben mal den Virologen, dass die Korona-Viren überwiegend, vielleicht ausschließlich von Mensch zu Mensch springen.  Was aber noch zu beweisen wäre.
  • Nicht jede Ansteckung klappt auf Anhieb
    Wenn ein Infizierter einen Nicht-infizierten in einem Abstand von sagen wir mal einem Meter trifft, ist die Ansteckung nicht zwangsläufige Folge. Im Gegenteil, sie wird öfters nicht erfolgen als erfolgen. Wie hoch der Faktor ist, wäre auch Aufgabe der Wissenschaft. Ohne ein wenig Fachwissen geht es halt nicht. Das sollte auch Experten klar sein.
  • Die einzelne Ansteckung ist ein komplizierter Prozess. 
    Das Virus ist sicher hoch ansteckend. Trotzdem ist jede einzelne Ansteckung ein auch für die Viren riskante Aktion, die um erfolgreich zu sein, ein ganz besonderes Umfeld braucht.
    Ich meine das im Sinn der Gedanken im Buch Der Schwarze Schwan von Taleb, der beschreibt, wie viele Zufälle notwendig sind, damit Dinge gelingen.
  • Die Ansteckungen sind nicht zufällig und beliebig.
    Die animierten Kugelmodelle im Fernsehen suggerieren uns, dass die Ansteckung von Person zu Person geht, und jede Person genau eine gewisse Anzahl von Menschen ansteckt. Diese Zahl ist aber nur statistisch aussagekräftig. In der Praxis dürften die Zahlen stark unterschiedlich sein.
    Es scheint Personen zu geben, die eine große Anzahl von Menschen angesteckt haben. So sind die Hotspots entstanden. Andere stecken nur wenige oder gar keine an. Und eine Simulation  aufbauend auf einfachen Regeln wie „Jeder Infizierte steckt in einem Zeitraut t jeweils n Menschen an“ bringt ganz andere Ergebnisse, als wenn jeder hundertste Infizierte Hundert ansteckt usw.
  • Ein präzises Wissen über den Ansteckungsweg ist nützlich.
    Ich meine, wenn wir präzise wissen würden, wie bei den Hotspots  ( „After-Schi“ in Ischgl, „Party“ im Landkreis Heinsberg, evangelische Messe im Elsaß …) die Ansteckung genau vorgegangen ist, dann wäre dieses Wissen ein großer Vorteil für die Bewältigung der Krise. Ich hätte vorgeschlagen, unsere besten Kriminaler-Teams nach Ischgl und Heinsberg zu senden. Um rauszukriegen, was da wirklich passiert ist. Wie gesagt, ganz ohne Wissen geht es nicht.
  • Ein Mensch kann gleichzeitig an mehreren Viruskrankheiten erkranken.
    Da ich kein Virologe bin, bin ich mir da nicht ganz sicher. Ich weiß aber, dass es Menschen gibt, die gleichzeitig Aids und Grippe haben. Daraus schließe ich, dass ein Mensch parallel an mehreren Viruskrankheiten erkranken kann. Und wenn er dann auch noch von verschiedenen und zum Teil gegen Antibiotikum resistente Bakterienarten befallen wird, auch noch geschwächt von ungesundem Leben oder von Umweltgiften geschädigt ist, dann dürfte es wirklich eng werden.
  • Könnte es nicht sein, dass die Verursacher der Hotspots deswegen so gefährlich waren, weil sie an Corona und Influence und mehr erkrankt waren?
    Wäre das für die Übertragung nicht ideal? Das Niessen der Influenza befördert das Virus des Corona und der Husten der Corona das Virus der Influenza. Und wenn der arme Mensch jetzt auch noch parallel z.B. an Aids erkrankt ist, was dann? Und wenn dann auch noch die Bakterien kommen?
  • Ein solcher Ansteckungsmechanismus könnte vieles erklären und erfordern.
    Meines Erachtens verlaufen die Virus-Wellen in verschiedenen Regionen unterschiedlich. Dann gibt es verschiedene Viruskombinationen gerade an den Hotspots. Und so auch unterschiedliche Verläufe mit differendierenden Ergebnissen bei Mortalität und Krankheitsverlauf.
    Das würde aber auch andere Diagnose-Methoden erfordern. So müsste man die Opfer testen, ob sie neben Corona auch noch weitere Virus-Erkrankungen hatten (und wahrscheinlich) auch sonstige.

Beim Nachdenken.

Ich habe diese Gedanken als Laie geschrieben, der ein bisschen Mathematik und Informatik kann und sich sein Leben lang mit komplexen Systemen beschäftigt hat. So ist mir klar, dass sie dem Experten als dilettantisch erscheinen werden.

Ich habe jedoch hohen Respekt von Dilettanten. Wäre schön, wenn sie einen kleinern Beitrag gegen die Pandemie leisten könnten. Weil die Experten-Profis ja noch nichts zerrissen haben.

Persönlich fürchte ich mich am meisten Bakterien, die resistent gegen Antibiotikum geworden sind.

Dazu hat mir eine Bäuerin aus dem Allgäu erzählt, dass jeder Sack bayerisches Kalbsfutters standardmäßig Antibiotikum enthält. Ich habe gelesen, dass die Rinder in Norditalien in ihrem Leben ein mehrfaches an Antibiotikum zu fressen kriegen.

Und bei dem „medizinischen“ Zeug, dass die großen Fischfarmen – frei installiert in den Meeren dieser Welt – oben rein schütten müssen, weil sonst das ganze nicht funktioniert, graut es mir. Und irgendwie habe ich gelesen, dass die meiste Menge des weltweit produzierten Antibiotikum in Natur landet.

Vielleicht muss ich auch wie manch meiner Freunde zum strengen Vegetarier werden.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 23. März 2020

Fragen zu Korona

Ich denke mal!

Wenn ich nach Fakten zu Corona suche, gehe ich auf die Website des RKI (Robert-Koch-Instituts). Die Zahlen dort sind zwar nicht sehr aussagekräftig, weder inhaltlich, strukturell noch semantisch. Aus Sicht eines Unternehmers eher recht schwach.

Immerhin lese ich gestern dort, dass heute in Deutschland 18.610 Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind, der Zuwachs von gestern auf heute waren dabei 1.948 Infizierte. Die Zahl ist wohl ein wenig zu niedrig, wir hatten auch am Sonntag eine ärgerliche Kommunikationspanne beim RKI.

Ich nehme die Dunkelziffer mit 4 mal so groß an, also komme ich auf 100.000 Infizierte. Die Bevölkerung in Deutschland betrug in 2018 an Menschen 82,79 Millionen. Auch hier dürfte es eine Dunkelziffer geben.

Ich habe gehört, dass wir eine Durchseuchung mit dem Coronavirus von 60 % in der Bevölkerung brauchen, damit wir mit ihm genauso gelassen umgehen können wie wir es in den letzten Jahren mit dem Grippevirus gemacht haben. Das wären dann gut 50 Millionen Infizierte in Deutschland.

Jetzt rechne ich mal:
In drei Wochen haben wir es geschafft, 100.000 zu infizieren. Klar sind beide Parameter fragwürdig. Sie sollen aber nur einem Gedankenexperiment dienen. Und dafür taugen sie schon.

Jetzt gehen wir mal davon aus, die Maßnahmen nützen etwas. Vielleicht haben sie schon genützt! Ich muss die Ergebnisse ja immer zeitversetzt betrachen. Die heute gemessenen Neuinfektionen sind ja schon vor Tagen passiert. So betrachtet zeigen die letzten Zahlen zumindest eine Stabilisierung der Fälle.

Dann hätten wir das Ziel einer Verlangsamung erreicht und kriegen in einem Zeitraum von 3 Wochen nur noch 100.000 Neu-Infizierte hin. Oder weniger.

Wie lange brauchen wir dann, bis wir die 50.000.000 geschafft haben? Die Antwort kriege ich einfach durch Division von 50.000.000 durch 100.000. Da kommt raus 500 raus. Das nehem ich mal 3 (der Zeitraum war 3 Wochen), also 1500 Wochen. Das entspricht 30 Jahren!

Das hieße 30 Jahre „Krieg gegen Corona“.

Das geht aber nicht. Wir haben Deutschland schon mal mit einem dreißigjährigen Krieg ziemlich kaputt gemacht. Und machen das jetzt innerhalb weniger Wochen.

Aber keine Sorge, es wird ja eh anders kommen. Meine Prognose ist: Die Neuinfektionen werden bald drastisch zurück gehen. Vielleicht Dank der Maßnahmen, vielleicht weil die Grippe-Saison zu Ende geht., vielleicht wegen beidem. Den Rückgang dürfen wir feiern. Die Ursache kann uns dann gleich sein. Im Sommer ist die Corona-Manie dann vergessen und die Medien treiben neue Säue durchs Dorf treiben.

Aber Vorsicht:
Im Dezember kommt dann die nächste Grippe-Saison. Was machen wir dann? Oder besser: Was plant Ihr Politiker dann? Wieder die selbe Aktion! Kann ich mir nicht vorstellen.

Andererseits – Warum nicht:
Vielleicht sollten wir einfach nur noch im Sommer leben und im Winter das öffentliche Leben still legen und kollektiv in soziale Isolation gehen. Privat will ich 2020/21 versuchen das Winterhalbjahr in La Réunion zu bleiben (gegen den Protest meiner Frau). Wenn ich das nicht schaffe, dann begebe mich ab Dezember 2020 auf jeden Fall in die totale soziale Isolation, so wie ich es gerade lerne. Denn ich will in 2021 auf keinen Fall wieder so eine Scheiß-Erkältung kriegen, wie ich sie mir im Februar 2020 eingefangen habe.

Zurzeit genieße ich die Ruhe. Die Straßen sind deutlich leerer, die Luft deutlich besser. Kaum mehr Kondensstreifen am Himmel. No shopping! So wäre es doch ein innovativer Vorschlag, der auch bei der Rettung des Planeten helfen würde:

Wir schaffen nicht die Sommerzeit ab, sondern versetzen das Land jedes Jahr von Januar bis März in einen Winterschlaf. Mal auf Probe für 10 Jahre. Dann halten wir es auch 30 Jahre mit Corona aus.

Was für eine geniale Idee. Dafür würde ich sogar die CSU und Herrn Söder wählen. Und den Austritt von Bayern aus der BRD akzeptieren. Denn wir haben wirklich andere Probelem als ein neues Seuchengesetz.

Immerhin ist Bayern nie der BRD beigetreten!

Also, was spricht dagegen?

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 13. März 2020

Corona, die Zweite.

Was bringt die Zukunft?

Mein erster Artikel zu Corona war eine zynische Betrachtung sein. Oft hilft es ja, wenn man sich über bedrohliche Dinge lustig macht.

Die Entwicklung hat sich in eine Richtung verschoben, so dass das Thema eine seriöse Betrachtung wert ist.

Wir haben jetzt eine von Angst dominierte Mehrheitsmeinung, die von allen Experten und Politiker für die politisch korrekte erklärt wird. Kaum einer traut sich zu widersprechen oder -setzen. Eine davon abgehende Meinung erfordert ganz schön Zivilcourage. Also wird gebetsmühlenartig gesagt.

  • Gesundheit geht vor!
    Damit ist aber nicht gemeint, dass Menschen immun werden, sondern
    „Nichtansteckung um jeden Preis“!

Das ist eine gefährliche These. Die ist jetzt fast schon zum völkischem Konsens geworden. Alle Maßnahmen werden diesem Ziel unterstellt. Obwohl das Ziel gar nicht mehr zu erreichen ist. Was an sich immer schon gefährlich ist.

Alle scheinen sich unkritisch dieser Meinung zu unterwerfen. Wir haben eine hochansteckende Krankheit, die weltweit ihre Opfer sucht und findet. Jetzt wollen wir das unmögliche schaffen. Und mit schwachen Werkzeugen eine Weiterverbreitung einer Seuche einschränken, die schon da ist.

Denn die Seuche ist da, sie ist frei gelassen, hoch ansteckend und im Umlauf. Sie funktioniert. Wir haben keinen verläßlichen Impfstoff, kein Medikament. Der einfache und zuverläßige Test auf das Virus scheint genauso schwer wie ein Antikörpernachweis. Wir laufen ihr hinterher.

So dürfte uns aktuell nur ein funktionierendes Immunsystem helfen, das wir mit kleinen Schritten unterstützen. Und das baut zuerst Mal die Natur. Das scheint ja auch bei vielen Menschen zu funktionieren.

Für das Ziel „Nichtansteckung um jeden Preis“ sind wir bereit einen beliebig hohen Preis zu zahlen. Wird das funktionieren? Vielleicht verläuft die Seuche im Sande. Wenn aber nicht, was ist dann?

Ich meine, dass bei jeder Entscheidung – so auch der für „Nichtansteckung um jeden Preis“ – eine „sittlich verantwortete Güterabwägung“ erfolgen muss. Folgende Fragen sind zu beantworten:

  1. Wie groß ist der Schaden der Ansteckung?
  2. Welchen Schaden richten die Maßnahmen an, die die Ansteckung vermeiden und zurückdrängen (beides laut Experten unrealistisch) oder zumindest verlangsamen sollen?

Auf jeden Fall sollte 1. (der Nutzen der Verlangsamung der Verbreitung) größer sein als der Schaden 2. (den die Maßnahmen zur Verlangsamung verursachen). Wenn die Maßnahmen mehr kaputt machen als der eingedämmte Schaden wert ist, dann ist die Strategie falsch.

Wir scheinen Glück im Unglück zu haben. Der aktuelle Virus scheint die Menschen nicht so zu Grunde richten wie zum Beispiel der AIDS-Virus. Er scheint vor allem Menschen zu gefährden, die Vorerkrankungen und ein höheres Alter haben. Junge und gesunde Menschen wie auch Kinder haben in der Regel einen harmlosen Krankheitsverlauf. Hoffentlich bleibt das so.

Insofern könnte der Gedanke einer „gesteuerten“ Ansteckung nicht ganz falsch sein. Auf lange Sicht bleibt uns eh nichts anderes übrig.

Wenn wir uns – das nur als Beispiel – auf den Schutz der Menschen konzentrieren würden, die als Risikogruppen (vorgeschädigt, Ü60 oder Ü70, …) eingeschätzt werden und die anderen Infizierungen in Kauf nehmen würden, dann könnte der Verlauf der Seuche positiv beeinflußt werden. Immer mehr Menschen würden immun werden und hätten einen Herdenschutz.

Entwicklungen, gegenüber denen man machtlos ist, muss man sich zu nutze machen. Aktuell stemmt sich die Menschheit gegen die Epidemie, an Stelle zu überlegen wie sie die Entwicklung nutzen kann, um die Schäden zu minimieren.

Folgende Frage müssten wir  uns stellen: Wie schafft man es, bei der Bekämpfung von Korona sich Korona zu nutzen zu machen? Wie man dem Waldbrand mit Feuer begegnet?

Angst findet im Kopf statt. Blind der Angst zu folgen, ist kein guter Ratgeber. Leicht macht man dann das kaputt, was man bewahren will. Man darf doch nicht die Gesellschaft aus Hysterie schädigen oder zerstören. Es geht darum, dass Virus in den Griff zu kriegen.

Das gegenwärtige Handlungsmuster passt gut in unsere Welt. Bei uns sind die Verwalter, Systemagenten, Bürokraten, Gezähmten, Mutlosen und Lebensfernen in den verantwortlichen Positionen.  Die Devise heißt: Nichts falsch machen. Also ruft man nach Gesetzen und Regeln von höherer Stelle. Und will ja nichts riskieren. Dann plappert man lieber hohle Sätze nach, wie wir sie die letzten Tage so oft gehört haben. Und opfert die Realität den Dogmen und scheinbarer Vernunft.

Der erste Schritt wäre, dass man sich eingesteht, dass Korona Opfer kosten wird. Auch Menschenopfer. Das müssen wir akzeptieren. So wie wir das ja auch machen, wenn es um andere Krankheiten (Fettleibigkeit, Tabak, Alkohol …) oder Themen (KFZ-Verkehr, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Kriege …) geht.

Es scheint allgemeiner Konsens bei den Experten zu sein, dass so eine Korona-Epidimie keine Million an Opfern  weltweit fordern dürfte.

Mit Autos werden jeden Jahres 1,3 Millionen Menschen im Jahr und auf der Welt getötet. Auf grausame Art und Weise. Die zusätzlich ein mehrfaches an Opfern mit erheblichen körperlichen Schäden bewirken. Das akzeptieren wir, weil „es anders nicht geht“.

Es gibt leider keine Mehrheit für die „vision zero“. Oder würden Sie, um diese 1,3 Millionen Toten abzuwenden, ähnliche Einschränkungen wie jetzt für Corona akzeptieren? Auch ist da eine mächtige Lobby davor.

Hier ein vielleicht als zynisch empfundener Hinweis, der aber gar nicht so gemeint ist: Der Frühling steht vor der Tür. Da füllen sich die Intensivstationen wieder mit halb oder ganz toten Motorradfahrern.

Vielleicht sollte man ab sofort das Motorrad-Fahren verbieten, um die Betten für die erwarteten Korona-Patienten freizuhalten. Aber vielleicht ist ja das ganze Gespenst bis nach den Osterferien vorbei.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 4. März 2020

Metaphern

In meinem 6. Lebensjahrzehnt habe ich gerne Tagesseminare für Philosophie besucht. Öfters war ich beim Klaus-Jürgen Grün, aber auch bei anderen Philosophen. Gemeinsam mit einer Gruppe von unternehmerisch tätigen Menschen unter der Anleitung von Klaus-Jürgen habe ich mich damals auch einen spannenden Tag lang mit „Metaphern“ beschäftigt.

I’m a wanderer (1).

Mir wurde damals klar, welche herausragende Rolle Metaphern jenseits der „rationalen Kommunikation“ haben. Kurz würde ich formulieren:
„Kommunikation ohne Metaphern – geht gar nicht!“.

Zurzeit lese ich ein neues Buch zum Thema. Es heißt
Auf leisen Sohlen ins Gehirn„.
Es beschäftigt mich tief. Denn die von uns gelebten Metaphern haben uns alle geformt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie die früher von Karl May in die jungen Gehirne eingebrachte Winnetou und Old Shatterhand Helden- und Tapferkeits-Metaphern Wegbereiter der großen Kriege waren.

Ein anderes Beispiel ist die Harry Potter-Metapher, die die englische Schriftstellerin Joanne K. Rowling in ihrer Fantasy-Romanreihe kreiiert hat. Was haben diese Metaphern bis heute in den Köpfen der Menschen bewirkt?

Ich bring noch ein drittes Beispiel. Ich nutze dazu das Reich der musikalischen Metaphern. Bei den Metaphern der Beatles und namentlich John Lennon wünsche ich mir, dass sie in den Köpfen der Menschen eingezogen sind wie auch bei die der schwarzen Musik und entsprechend wirken. Vielleicht hilft das der Menschheit, auf dem Weg zum Frieden ein wenig weiterzukommen.

Und Menschen, die hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen sind, sind mit anderen Metaphern groß geworden als die bundesdeutschen Michel.

I’m a wanderer (2).

Metaphern haben eine große Macht, sie sind gewaltig. Für jede Kommunikation gilt, dass sie im Unterbewusstsein wurzelt. Bei der von uns bevorzugten rationalen Kommunikation wird jedoch versucht, den Einfluss des Unterbewusstsein zugunsten von vernünftiger Objektivität (Macht der Argumente) und des „Verstandes“ (Kleinhirn) auszuschalten oder zumindest zurückzudrängen.

Metaphern sind mächtige Bäume, deren Wurzeln tief ins  Unterbewusstsein reichen. Da das meiste unseres Wissen im Unterbewusstsein liegt, ist die Annahme nahe liegend, dass eine Kommunikation über Metaphern in der Lage ist, eine ganz andere Breite zu transportieren.

Erik Ringertz, der Gründer des gnadenlos erfolgreichen schwedischen IT-Unternehmens Netlight, das auf die Beteiligung aller Menschen im Unternehmen setzt und Themen wie #nobossing und eine Organisation mit minimalem Taylorismus setzt, hat es so ausgedrückt:

Sense & respond !
an Stelle
Plan & control !

Das und mehr kann man in seinem Buch „Harder, Better, Faster, Stronger“ nachlesen, das ich hier absolut zur Lektüre empfehlen möchte.

Ich verlängere mal beides. Dann wird
aus plan & control
I) Plan, calculate, decide, act, control !
Das klingt doch stark nach Siegen, Vernunft und rationaler Überlegenheit.

Aber aus sense & react wird
II) Sense, feel, dream, respond, go on !

Und bei II) wird klar, dass es hier gar kein „control“ geben kann. Wir haben ja keine rationale Metrik, die uns ein „control“ ermöglicht, geschweige denn sinnvoll nutzbar wäre.

Jetzt habe ich einen guten Punkt erreicht, zum Ende zu Kommen. Meine Zusammenfassung:

Wir ändern unser Leben – weg vom plan & control hin zum presence & react. Wahrscheinlich bedeutet das, weg vom kalten Verstand zum Gefühl. Die Schöpfung nicht mehr besiegen wollen sondern im Einklang mit der Natur wieder Mensch werden. Und nicht gegeneinander zu kämpfen sondern gemeinsam zu bewahren.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 29. Februar 2020

Auf leisen Sohlen ins Gehirn.

Begeisterung.

Das ist der Titel eines Buches, das mir vorgestern ein guter Freund geschenkt hat. Es hat den Untertitel:

„Politische Sprache und ihre heimliche Macht“.

Das Buch hat einen interessanten Aufbau, in Form eines großes Interviews oder vielleicht besser Gesprächs zwischen Elisabeth Wehling und George Lakoff.

Es fasziniert mich. Denn ich misstraue schon länger der Diktatur des Verstandes. Wir Menschen sind nicht die vernünftigen Götter, wie man es uns eingeredet hat. Die von Vernunft gesteuert frei entscheiden können und dann ihre Verantwortung für ihre guten oder schlechten Handlungen tragen.

Habe ich doch in meiner Erziehung eingetrichtert bekommen, dass mein Gehirn (und damit ja auch ich) in der Lage ist, frei zu denken, darauf aufbauend unabhängig zu entscheiden und den Entscheidungen folgend Handlungen auszuführen, die man eindeutig als „richtig“ oder „falsch“ bewerten kann und für die ich dann verantwortlich bin. Für die man mich auch moralisch gerechtfertigt bestrafen kann – und muss!

Seit mehreren Jahren dank der Teilnahme an Seminaren der Philosophie und Gehirnforschung habe ich Schritt für Schritt erfahren, dass das keinesfalls so ist und sein kann.

Schon beim Denken fängt meine Unfreiheit an. Genauso auch beim Entscheiden. Mir für meine Handlungen Verantwortung aufzubürden, das war nur unfairer Trick der mich Sozialisierenden. Sogar später, wie ich Unternehmer wurde, hat man mir eingeredet, dass ich die Verantwortung für die Arbeitsplätze hätte. Was für ein hanebüchener Unsinn, den ich die ersten Jahre sogar geglaubt habe.

Eben im Sinne dieser Ausführungen gilt:
„Der Mensch ist nicht frei“.
Freiheit ist nur eine große Illusion und Selbsttäuschung. Schon lange, bevor ich vermeintlich bewusst entscheide, hat mein Unterbewusstsein festgelegt, was ich entscheiden werde. Mein Verstand rechtfertigt nur noch die gefällte Entscheidung. Mein Verstand kennt mein Unterbewusstsein überhaupt nicht. Leider. Da gibt es bestenfalls ein Bauchgefühl.

Damit wäre die einzigartige Positionierung des Menschen aufgrund seines Verstandes als „Krone der Schöpfung“ kaputt – oder in meiner Sprache:

Wir, die Menschen, sind auch nur Säugetiere wie unsere Brüder und Schwestern, das Schwein, die Kuh, die Katze und der Hund. Und all die anderen Wesen der Schöpfung. Es gibt keinen Grund – geschweige denn ein „Recht“ – uns über die anderen Lebewesen und die Schöpfung zu stellen.

Herausragend ist unsere Position nur, wenn man das Ausmaß der von den Wesen dieser Erde verursachten Zerstörung misst, das bei „der Krone der Schöpfung“ Mensch ja kaum mehr messbar ist. Sondern eher als Grenzwert gegen unendlich geht.

Dies mehr als 2.000 Jahre gültige menschliche Selbstverständnis des Menschen, sich als „zur reinen Vernunft fähigen Wesen“ zu sehen, stellt sich als Lüge oder zumindest als folgenschwerer Irrtum heraus.

Der Mensch ist eher als „die kriminellste Gattung auf dem Planeten“ zu betrachten, die aus reinem Egoismus ihre eigene Existenz vorsätzlich zerstört. Und ich rätsele, welcher zynische Witzbold die Gattung Mensch als „homo sapiens“ bezeichnet hat.

Die logische Folge dieser Erkenntnis ist, dass wir unser gesamtes Verständnis von sozialen Systemen, Gesellschaft oder auch unseres Rechtsverständnisses neu  definieren müssten. Aber mit dem Mut zur Veränderung ist es bei uns ja nicht weit her. Und deswegen bleiben wir bei den alten Parolen und zerstören munter weiter.

Und dann kommt das kleine Buch von George Lakoff und Elisabeth Wehling zu KOMMUNIKATION und GESELLSCHAFT zu mir. Schon auf der 1. Seite des Buches (gleich nach dem Vorwort von Freimut Duve aus Seite 13) wird eine zentrale Frage diskutiert:

Denken in Metaphern. Die heimlichen Machthaber. Was wir denken über unser denken zu wissen.

Auf Seite 13 finde ich auch die „vier größten Fehlannahmen über das menschliche Denken“, die ich hier wörtlich zitiere:

  1. Denken ist ein bewusster Prozess.
    FALSCH!
    Gut 80 % unseres Denkens sind uns nicht bewusst!
  2. Der menschliche Geist ist eine Instanz unabhängig von unseren Körper.
    FALSCH!
    Alles Denken ist physisch! Die Form unseres Denkens hängt von den physischen Beschaffenheit unserer Gehirne ab.
  3. Denken ist universell, alle Menschen können gleich denken.
    FALSCH!
    Menschen begreifen unterschiedlich, weil unsere Gehirne unterschiedlich geformt sind.
  4. Wir können alle Dinge in der Welt gedanklich so erfassen, wie sie an sich existieren.
    FALSCH!
    Wir denken und sprechen jeden Tag hundertfach in Metaphern, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Abstrakte Ideen zum Beispiel – also all die Dinge, die wir nicht körperlich erfahren – können nur durch Metaphern begriffen und benannt werden.

Diese vier Annahmen habe ich so auch gelernt und als braver Schüler geglaubt. Nach einem langen Lebensweg habe ich gelernt, dass sie alle falsch sind und überzeugend widerlegt werden können.

Was sind die Folgerungen?

Für mich stürzt eine Welt zusammen. Kommunikation wird zu einem Ding der Unmöglichkeit, das zwangsläufig im Chaos versinken muss. Es gibt kein falsch oder richtig, gut oder böse, schuldig und unschuldig mehr.

Darf man Menschen jetzt noch beurteilen oder gar  verurteilen? Gibt es auch nur eine Chance, das personale DU verstehen zu können. Wie unmöglich wird soziales und politisches Handeln? Wie überhaupt soll Demokratie so funktionieren? Wir merken, mit Vernunft und Ratio wird das nicht mehr funktionieren.

Wie sinnlos wird es, andere Menschen überzeugen zu wollen. Wie solle Demokratie und Politik funktionieren? Zurzeit scheint da viel Zusammen zu brechen. Ist das nicht nur logisch?

Ich habe da keine Antworten. Ich bin im Buch aber erst am Anfang. Und habe noch zirka 150 Seiten vor mir. Vielleicht kommen da noch die Antworten.

Und wenn ich sie finde, werde ich darüber berichten. Allerdings – angesichts des Gelernten: Macht so etwas wie IF-Blog überhaupt noch einen Sinn? Gerade wenn ich an den Disput und Diskurs denke, der hier oftmals ausgetragen wird?

RMD

 

 

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. Februar 2020

Der große Fehler in der Architektur unseres Bildungssystems.

Bergwandern im Schnee (FEB 2020).

Vor kurzem habe ich den Frust meines (fiktiven) Freundes Otto beschrieben. Der ist Lehrer und leidet an dem Unglück seiner Schüler, das sich ja wirklich sehr bedenklich äußert.

So quält mich schon lange die bange Frage:

„Was sind die Ursachen für den vereinigten Frust der meisten Schüler an Deutschlands Schulen?“

Und auch vieler Eltern? Und Lehrer?

Wir haben ja in vielen Unternehmen eine große Frustsituation. Das kann ich aus eigener Fahrung bestätigen. Die Mitarbeiter haben dort oft innerlich gekündigt und betrachten ihr Gehalt als Schmerzensgeld. Montag bis Freitag opfern sie ihre Zeit zähneknirschend ihren Arbeitgebern! Aber am Wochende leben Sie ihr Leben. Um dann wieder frustriert sich am Montag zum Malochen am Arbeitsplatz schleppen. Oder „krank“ vom Wochenende zu Hause bleiben.

Wenn es um die Arbeitswelt geht, da fordern viele Menschen und Gruppen ein neue Form des Arbeitens: #newwork. Von Dr. Markus Raitner gibt es sogar ein tolles Manifest für menschliche Führung. Viele Schlagworte wie Selbstorganisation, Unternehmensdemokratie, Eigenverantwortlichkeit, Agilität sind in aller Munde. Mit Methoden wie wol (working out loud) und vielen anderen wird versucht, die Motivationssituation in den Unternehmen zu verbessern. Die ganz radikalen rufen nach #nobossing. Die Personalabteilungen auch der großen Konzerne versuchen mit vielen Maßnahmen und großem Aufwand die Zufriedenheit und Motivation bei den Mitarbeitern strategisch wieder herzustellen.

Erwachsenen beanspruchen für sich #newwork, unsere Kinder brauchen #newschool.

Beim Überholen der Zugspitzbahn 🙂 (FEB 2020).

An die Kinder denken die Erwachsenen nicht. Die sind ihnen anscheinend gleichgültig. Da höre ich keinen lauten Ruf nach einer Form von #newschool an den Bildungsanstalten. Es ist einfacher, auf die ach so unmögliche Jugend zu schimpfen. Früher war halt alles besser.

Leider gibt es auch nur ganz wenig Schulen, die den Kindern die Möglichkeit geben wollen und können, agil, selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu arbeiten. Von der Christophine habe ich mal berichtet. Dabei sollten wir Erwachsene an die Kinder denken, nicht immer nur an uns selber. Denn wir können mit ein wenig Mut und Glück unser Leben selber autonom einrichten.

Also weg mit #newwork. Ersetzen wir das besser durch ein #newschool für ein gelingendes Leben unserer Kinder.

Die Übel hat einen Namen, es ist der Lehrplan.

Der Lehrplan bestimmt die Schule. Er hat zwei Funktionen. Dem Lehrer schreibt er vor, welcher Lehrstoff in welcher Klasse durchgenommen werden muß. Und er ist die Basis für die Prüfungen, mit denen die Schüler objektiv vermessen werden sollen, was sie gelernt haben. Damit man sie dann mit Noten versehen einordnen kann.

Die Lehrpläne haben nur Nachteile. Sie sind schlecht konfiguriert, weil es unmöglich ist, das Wissen richtig einzuteilen. Der Stoff muss in einem bestimmten Zeitraum erlernt werden. Es so etwas wie einen Fahrplan, der vorgibt, zu welchem Zeitpunkt im Jahr die Klasse ihren Stoff gelernt haben muss. Lehrerausfälle schnell den Fahrplan durcheinander bringen. Wie der Verlust von Tagen durch „hitzefrei“ oder andere Wetterereignisse den Lernprozess stört. Und Kinder wie Gruppen lernen unterschiedlich.

Auf dem Wege von Grainau nach Eibsee (FEB 2020).

Der Lehrplan konzentriert sich auf die Vermittlung von Wissen. Das Einüben von wichtigen Fähigkeiten fällt hinten runter wie Kommunikation im Zweier- oder Gruppengespräch, kreatives Denken, systematisches Ordnen und Bewerten,  Suchen nach Lösungem, eigenständigem Denken, Selbstorganisation, Leben in hierarchiefreier Sozialisierung, Analysieren von Problemen, aber auch allgemein wie man das Wissen findet und es erlernt. DENKEN und MENSCHLICHKEIT sind nur minimale Teil des Lehrplans – das muss der Schüler sich selber beibringen oder meistens erst dann später im Berufsleben lernen.

Lehrpläne haben aber auch schwerwiegende qualitative Mängel. Geisteshaltung und Werte kann man in keinen Lehrplan pressen, so wie man sie in keine Konserve einfüllen kann. Und der Lehrplan verwechselt Wissen und Können. Er ist listet Faktenwissen, aber nicht die Fähigkeit, wie man ans Wissen kommt. So lernen die Kinder Philosophie Ausagen und die Namen und Daten von Philosophen, sie lernen aber nicht zu Philosophieren. So wie mancher Mathematiker meint, dass es die Zahl π (PHI) gäbe, aber nie verstanden hat, dass π nicht existiert. Es gibt nur einen Algorithmus, der in der Lagen ist, diese Zahl in alle Unendlichkeit (an den Limes) zu berechnen.

Lehrplane können das Wissen nicht sinnvoll bewerten. Es gibt zu viel Wissen auf dieser Welt. Alles Wissen passt in keinen Lehrplan. Also wird das Wissen bewerten, was gut genug ist und in den Lehrplan reingehört und in das Restwissen, das nicht so wichtig ist. Ein unmögliches und sinnloses Unterfangen. Ein Lehrplan wird  nie die Frage beantworten können, welches Wissen konkret und aktuell für die Gesellschaft und die Zeit relevant ist. Es vermehrt sich zu schnell. Und bevor man sich umschaut ist es wieder anders.

In selbst kenne mich ein wenig in Informatik und Teilen der Mathematik aus. Die Lehrpläne, die da sehe, haben mit der Realität nichts zu tun. In der Informatik enthält der Lehrplan meistens nur ein bisschen Anwendungssoftware (natürlich von MS) und ein wenig „programmieren“. Das hat mit Digitalisierung aber nicht viel zu tun. Und in der Mathematik ist es ganz schwer. Da wird vieles unwichtiges gelernt – und das Spannende und Schöne bleibt liegen. Wobei das durchaus individuell unterschiedlich sein kann – ein grund mehr, dass ein kollektiver Lehrplan unteroptimal ist.

Diese beiden Fächer sind ein gutes Beispiel, dass gute Lehrpläne individuell sein müssen. Es gibt bei beiden Fächern so viel Spannendes, das man aufgreifen könnte und gemeinsam erarbeiten könnte. Und das gilt für alle Fächer, naturwissenschaftlich wie geisteswissenschaftlich.

Warum dürfen die Schüler sich ihre Lehrpläne nicht selber erarbeiten?

Ich könnte mir agile und selbstorganisierte Klassen vorstellen. Die in Gruppen sich am Anfang der Woche überlegen, was sie an diesem Tage und vielleicht an den nächsten paar Tagen lernen wollen. Dies begleitet und angeregt von Moderatoren, die früher die Lehrer waren. Und am Freitag  präsentiert man sich dann gegenseitig, was sie tolles Neues entdeckt haben. Und vergrößert dann den Nutzen des Lernens so weiter.

Diese Art des freien Lernen würde so viel bringen. Wenn ich einen Lehrplan von den Alpen bis zur Ostsee und vom Rhein bis zur Oder habe, dann klingt das doch nach einer Monokultur und schrecklicher Einfalt. Wenn aber jede Gruppe das Lernen darf was sie will, bekommen wir eine fruchtbare Vielfalt und wissen viel mehr. Also, weg mit dem Lehrplan … Und auf die unsäglichen Schülbücher kann ich dann auch verzichten.

Die Welt ist so groß und faszinierend und passt in keinen Lehrplan und kein Schulbuch rein. Es geht um Zuhören, Verstehen, Begreifen, Weitergeben … Es geht um soziale Kompetenzen, um soziales Leben, um psychische Hygenie, um Respekt und menschliche Fähigkeiten wie Empathie um Emotionen.

Die Schule sollte doch ein Platz sein, dies alles einzuüben und zu erleben. Auch gemeinsam glücklich und fröhlich zu sein. Uns um die Zukunft zu kümmern und auch ein wenig träumen zu dürfen.

Vielleicht bräuchten wir ein paar Menschen mehr, die die Klassen moderieren und animieren und den Kindern Impulse geben und sie inspirieren. Aber das Geld sollten wir doch wirklich für Bildung aufbringen können.

Von vielen „Management und Persönlichkeitsfördernen Trainings kam ich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich war glücklich, das ich etwas besonderes Wichtiges und für mich Neues gelernt hatte. Das war in der Regel so trivial, dass ich es schon in der Schule hätte erlernen könnne. So war ich auch unglücklich, weil ich nicht verstanden hatte, warum ich erst ein Alter von 30, 40, 50 oder 60 Jahren erreicht haben musste, bis ich das gelernt habe, was man mir als Kind hätte üben sollen.

Das waren so Fähigkeiten wie Zuhören, gewaltfreie Kommunikation, sauber logisch Denken können, dialektisch korrekt mit Sprache umgehen zu können und vieles mehr. Das meiste davon hätte ich schon mit 16 oder früher verstanden – und wie sehr hätte mir das im Leben geholfen. Beim Reich werden genauso wie beim glücklich werden.

Aber das wichtigste: Wäre ich früher gestorben, dann hätte ich das nie gelernt. Was für ein grauenvoller Gedanke! Es geht ja auch um die fünf Dinge, die man lernen sollte bevor man stirbt. Da könnte die Schule auch helfen.

Unsere Kinder (und jetzt die Enkel) leben in einer sich dynamisch  Gesellschaft, die sich immer schneller ändert. Sie haben es schwer, denn sie sitzen in der Regel in einer Regelschule und müssen Wissen in sich hinstopfen und banale Kulturtechniken üben, die sie dann auch gleich wieder verlernen, weil sie diese nicht brauchen.

Die Braven lösen Kinder lösen das mit Wissensbulimie und werden seelisch krank, die Bösen mit Trotz und Auflehnung. Das geht hin bis zu Vandalismus und Selbstzerstörung.

Ich muss gestehen, dass ich durchaus oft Sympathien für die bösen habe.

RMD

P.S.
Neben dem Lehrplan besteht noch mehr Reformbedarf. Müssen Schüler wirklich Klassenzimmer haben? Sollte Schule nicht ein offener Raum für Kinder sein, der zum gemeinsamen Lernen, Erleben und Erfahren motiviert. Schau da mal die Erlebnisschaften von MS & Google an.

Roland Dürre
Donnerstag, der 30. Januar 2020

Otto – der Lehrer.

Hier wieder rein fiktive Gedanken. Durch Otto’s Seele (einem fiktiven Gymnasiallehrer).

Im vorletzten Artikel habe ich von Judy berichtet, einem kleinen Mädchen, das als Erwachsene in die Politik ging. Heute möchte ich Euch den kleinen Otto vorstellen, der auf seinem Lebensweg den Beruf des Lehrers einschlagen wird.

Otto ist eine Fiktion wie Judy. Bei erfundenen Personen ist der Zusatz „Ähnlichkeiten mit lebenden (und verstorbenen) Personen sind rein zufällig“ fast verpflichtend. So wie ich betonen möchte, dass in den Geschichten von Judy und Otto und vielleicht noch weiteren in Zukunft „die Personen und Handlungen frei erfunden sind“.


 

Aus Datenschutzgründen habe ich das Bild von Otto durch eines von mir ersetzt.

Als kleiner Junge war Otto am liebsten im Freien. Schon morgens wollte er raus, an die frische Luft. Besonders gerne trug er seine kurze Lederhose. Im Sommer war er glücklich. Der Winter dagegen war nicht seins.

Die ersten sechs Jahre seines Lebens war Otto ein Einzelkind. Seine Existenz gab dem Leben seiner Eltern neuen Sinn. Er war ihr Augenstern und wurde verwöhnt. Auch bei den Großeltern war er der große Star. Er schien sehr begabt zu sein und konnte gut lesen, dies schon bevor er in die Schule kam. Deswegen wurde er so bald wie möglich eingeschult.

Da war es schlagartig vorbei mit seinem „glücklichen Kindsein“. Zudem bekam er zu diesem Zeitpunkt auch noch ein Schwesterchen, die ganz schnell zum neuen Liebling der Eltern und Großeltern werden sollte. Das Baby wurde verhätschelt. Wenn es schlief, mussten alle ganz leise sein, um die neue Prinzessin ja nicht zu wecken. Er dagegen wurde jeden Morgen unmenschlich früh barsch geweckt und  dann zu Fuß auf den langen Weg zur Schule geschickt. Der Schule nachmittags endlich entkommen, musste er den Rücken krumm machen für die Hausaufgaben.

Auch das ist natürlich nicht der echte Otto – das Elend nimmt seinen Lauf.

Der Winter war besonders grausam. Zur Weckzeit früh um 6:30 ist es noch stockfinster. Die Schuhe, vom Vortag noch nicht ganz trocken, waren im nassen Schnee (den es damals noch gab) schon nach wenigen Schritten durch und durch nass. Der Weg ging entlang einer dunklen und von den Abgasen der Autos verpesteten Straße. Das unfreiwillige Ziel war eine düstere Schule. Da wartete eine Klasse auf ihn, die nach mehr als 40 Schülern stank. Lauter unangenehmen und bösartige Zell- pardon Zeitgenossen.

Dort wartete auf ihn ein missmutiger Lehrer, der Mühe hatte, die große Klasse zu bändigen. Alle mussten immer sitzen, die Regeln waren streng und es hagelte Strafen. Otto war müde vom frühen Aufstehen. In der Pause wurde aus der domestizierten Klasse eine wilde Horde. Die großen und starken Jungen lachten ihn aus und rempelten ihn. Ab und zu gab es auch eine Tracht Prügel oder wurden ihm Sachen weggenommen.

Die Schulstunden brachten die große Langeweile. Er konnte ja schon lesen. Nur, die Schulbücher waren irgendwie überhaupt nicht interessant. Auch auf den hinteren Seiten nicht. Da standen nur komische Geschichten für kleine Kinder drin, die lehren sollten, was gut und was böse ist. Wobei das nie so ganz klar war. Das Rechnen war eher was für Babies. Und Heimatkunde und so ein Kram interessierte ihn schon gar nicht.

So wurde  der kleine Otto ganz schnell ein sehr demotivierter Schüler. Er war froh, wenn es vormittags hell wurde. Da konnte er zum Fenster hinausschauen. Wenn er Glück hatte, sah er ein paar der wenigen Vögel, die im Winter im Lande geblieben waren. Die beneidete er um ihre Freiheit. Der Lehrer mochte das Rausschauen aus dem Fenster aber nicht, so hagelte es Strafen.

So wurde der kleine Otto ein schlechter und unglücklicher Schüler. Daheim war er nicht mehr der bewunderte und verwöhnte Liebling. Er wurde zum bösen Bub, der immer kritisiert und gemaßregelt wurde. Die vier Jahre in der Volksschule waren für Otto die Hölle. Dann schaffte er den Übertritt ins Gymnasium, auch weil seine Eltern ihn jeden Nachmittag zum Lernen zwangen und den Lern-Fortschritt durch tägliches Abfragen am Abend kontrollierten .

Auch das ist natürlich nicht der fiktive Otto!

Auf das Gymnasium gewechselt,  ging es ihm ein wenig besser. Der Stoff war interessanter und die Fremdsprache Englisch ließ ihn von einer besseren Welt träumen. Bei Otto kam so etwas wie eine intrinsische Motivation auf. Es gab sogar Lehrer, die verstanden es, auf die Schüler und Otto einzugehen.

Dann kam die Pubertät, die für Otto wieder ziemlich schlimm werden sollte. Danach, in den höheren Klassen wurde es wieder besser. In einigen – überwiegend naturwissenschaftlichen Fächern – wurde er richtig gut. So baute er sein zerstörtes Selbstbewusstsein mit Fächern wie Biologie und Mathematik wieder ein wenig auf.

Als er merkte, dass er beim weiblichen Geschlecht so halbwegs erfolgreich war, ging es weiter nach oben. Otto nabelte sich Schritt für Schritt von seiner Familie ab, verdiente sich mit Nachhilfeunterricht gutes Geld, dass er mit Pizza-Essen und in Kneipen beim Bier verprasste. Es ging es aufwärts. Er wurde ernst genommen, wirkte bei der Schülerzeitung mit und bestand die Abiturprüfung sogar mit ganz vernünftigen Noten.

Ich kürze jetzt ab. Zu Hause wurde Otto immer eingebläut, dass ein Abiturient studieren müsse. Um es im Leben mal besser zu haben. Otto wählte sich Mathematik und Physik als Fächer aus und studierte fürs Lehrfach. Sein Motiv für die Berufswahl „Lehrer“ war, dass ihm der Nachhilfeunterricht viel Spaß gemacht hatte und er ein besserer Lehrer werden wollte als die, die er selber als Schüler erlebte hatte.

Er bestand die Staatsexamen und wurde Gymnasiallehrer. Er hatte Glück und wurde in den Schuldienst übernommen. Auch das war ja nicht selbstverständlich. Und durfte an ein neues Gymnasium, nicht weit weg von seiner Heimat, das gerade gebaut worden war.

Kurzer Einschub zum Gymnasium:
Früher durften nur wenige Prozent der „Volksschüler“ aufs Gymnasium. Da war das Gymnasium etwas besonderes. Heute geht die große Mehrheit der Kinder „aufs Gymnasium. Für viele Eltern ist es ein MUSS, dass ihre Kinder Abitur machen müssen. Der Übertritt aufs Gymnasium ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Ins Gymnasium kann man schon mit 10 Jahren kommen. Dann verbleibt man dort 8 oder 9, manchmal auch 10 Jahre. Die Schüler sind so zwischen 10 und 20 Jahre alt. Kinder, Pubertierende, halbstarke Jugendlich und Volljährige sind gemeinsam an einer Schule. Und die 20 Jährigen werden zum Vorbild der jungen. Gerade in den Ballungsgebieten, sind die Gymnasien zu Bildungsfabriken geworden, die 1.000 und mehr Schüler mit Bildung und Wissen versorgen sollen.

Zurück zu Otto:
Er kam mit allen gut zurecht, ob Unter-, Mittel- oder Oberstufe. Die Arbeit mit den jungen Menschen machte ihm Freude. Und er hatte allen Grund sich zu freuen, manchmal kam es ihm vor, dass er der einzige Lehrer an der Schule war, den die Schüler respektierten und dem sie zumindest auch ein wenig folgten. Das sorgte für Neid bei manchem Kollegen.

Sogar die Eltern der sogenannten Problem-Schüler freuten sich, wenn er ihre Kinder unterrichteten. Da klappte plötzlich manches besser und sie meldeten ihm das auch zurück. Das freute ihn. Er hatte auch beim Chef (dem Direktor) einen guten Ruf. Der Nachteil war nur, dass er deswegen oft mit Spezialaufgaben versorgt wurde. Das konnte auch ganz schön anstrengend sein.

Man sollte meinen, dass in Ottos Leben alles bestens war. Es gab aber auch Schattenseiten. Er bemerkte, dass viele der Lehrer ihn wegen seines Erfolges bei den Schülern nicht so mochten. Aber das er nicht beliebt war, war er gewöhnt. Hatte er doch schon oft in seinem Leben die Außenseiterrolle inne gehabt. So verkraftete er das Ganze.

Die Schule war nagelneu und sehr modern. Es machte ihm richtig Spaß, in so eine schöne Schule zu gehen. Das Raumkonzept war menschenfreundlich, es gab helle Räume und auch genug Platz für Freistunden. Schade dass man die Fenster nicht öffnen konnte und die Klimaanlage meistens nicht so funktionierte, wie sie sollte. Aber das ist heute ja nicht nur in Schulen so, sondern auch in Büros, Zügen und Hotels.

Es gab andere Dinge, die Otto mehr bedrückten. Der sinnlose Vandalismus der jungen Generation entsetzte Otto. Wie in den meisten Schulen waren eingeschlagene Scheiben, eingetretene Türen, zerstörte Feuerlöscher, demolierte Klos und manches mehr an der Tagesordnung. Manche Schüler legten eine erstaunlich kreative Kriminalität an den Tag.

Otto erinnerte das an die Schule, an die er selber ging. Da war aufgrund von Verwüstungen im Physik-Saal auch kein Unterricht mehr möglich. So dass dieser Raum für Jahre geschlossen wurde und nicht mehr verfügbar. Aber sein Gymnasium war ja schon vor Jahren abgerissen. Und anstelle dessen die gute städtische Lage für den Bau eines Kaufhaus genutzt worden.

Aber heute war es zum Teil schlimmer. Einzelne Schüler bedrohten gelegentlich Lehrer mit Gewalt. Sogar Waffen tauchten einmal in der Schule auf. Das gab es an seiner alten Schule nicht. Mobbing war sowieso an der Tagesordnung. Mal waren Schüler die Opfer, weil deren Gesichter den anderen nicht passten. Oder die Opfer waren Lehrer, die sich nicht durchsetzen konnten oder körperliche Gebrechen hatten.

Vor dem Schulgebäude sah es oft aus wie im Glasscherben-Viertel; angeblich gab es dort auch einen florierenden Drogen-Handel. Das hatte er selber noch nicht erlebt, allerdings war ihm wohl bewußt, dass Wettsaufen bei den Schülern ein beliebter Sport war, bei dem manche es zu wirklichen Spitzenleistungen brachten. Dies im Gegensatz zu ihren schulischen Leistungen. Zumindest hier wurde das Sprichwort „Intelligenz säuft“ Lügen gestraft.

Die „Abi-Streiche“ waren oft nicht mehr lustig, sondern erinnerten an Terroranschläge. Wie war es möglich, dass Kinder, die in der Schule neun Jahre unterrichtet wurden, zum Abschied so ausrasteten? Auch die Ansprachen der Schülervertretern bei den Abiturfeiern am Jahresabschluss wurden mehr und mehr vom konstruktive Rückblick auf 9 Jahre mit Danksagung zu oft gnadenlosen Abrechnungen mit der Schule und den Lehrern.

In solchen Momenten fühlte Otto sich hilflos und fragte sich ernsthaft, wie lange die Schule noch stehen oder wie sie wohl in 10 Jahren ausschauen würde. Und vor seinem geistigem Auge sah er, wie die Schüler die Schule abfackelten und die Lehrer auf dem Scheiterhaufen verbrannten.

Aber nicht nur der Zustand des Gebäudes machte ihm Angst. Auch das Alltagsleben war nicht so wie es sein sollte. Die Situation im Lehrerkollegium wurde immer stressiger. Es gab eindeutig zu wenig Lehrer. Die Folge waren Engpässe – nicht nur bei den Klassenleitern, auch bei den Fächern sah es schlecht aus. Teilzeitkräfte mussten den „Klassenleiter machen“, obwohl das nicht so gedacht war.

Insgesamt herrschte bei den Lehrkräften schon im „Normalfall“ eine katastrophale Mangelwirtschaft. Abhängig von der Jahreszeit wurde die noch schlimmer. Es gab laufend hohe Ausfälle durch Krankheit. Das Lehrer-Kollegium war überwiegend weiblich. Dagegen war ja nichts einzuwenden. Otto waren die weiblichen Kolleginnen generell lieber als die männlichen.

Nur, Frauen arbeiten gerne in Teilzeit. Es gab also viele Teilzeitkräfte an der Schule. Eine nicht ganz zu vernachlässigende Anzahl der Kolleginnen waren schwanger, es gab viele Ausfälle durch Mutterschutz. Und die schwangeren Kolleginnen mussten aufgrund des Beschäftigungsverbots bei bestimmten Erkrankungen  daheim bleiben. Das bedeutete, wenn ein Schüler mit Masern in die Schule kam, musste die Handvoll schwangere Lehrerinnen daheim bleiben.

Jeder Wandertag wurde zur Belastung. Otto machte gerne Wandertage. Er hatte Freude daran gemeinsam mit den Jugendlichen außerhalb der Schule neue Sachen zu entdecken. Die meisten seiner Kollegen sahen das anders und versuchten, sich vor dem Wandertag zu drücken. Wie auch vor mehrtägigen Veranstaltungen wie den Abitur-Fahrten. Die dann auch Otto zu viel waren.

Die Sabotage-Akte der Kinder verursachten zusätzliche Krisen, die das Lehrerkollegium belasteten. Nicht nur, dass sie immer wieder randalierten und die Schule beschädigten, auch das Internet machte Probleme. Immer wieder wurden Schüler beim Anschauen von die NS-Zeit verherrlichendem oder pornographischen Bildern oder Videos erwischt, die sie gemeinsam auf ihren Handies anschauten. Mal wurden sie mit Rauschgift erwischt. Dann musste die Schulleitung die Polizei rufen. Und die Situation an der Schule eskalierte.

Da war für die Zusammenarbeit der Lehrer nicht förderlich und verstärke die negative Entwicklung. So fielen viele Stunden Unterricht trotz großer Bereitschaft einzelner Lehrer für Überstunden aus. Die Leistungen der Schüler gingen von Jahr zu Jahr zurück. Die Leitung wollte natürlich gute Noten und eine vorzeigbare Abschlussquote. Das passte alles nicht zusammen.

Im Lehrer-Kolleg war klar, dass an den unfassbaren Zuständen in der Lehranstalt die schlecht erzogenen Kinder und deren Eltern schuld waren. Aber Otto war sich da nicht ganz so sicher wie seine Kollegen. Konnte es nicht sein, dass auch das System Schule mit Ursache war für den Hass, den manche Kinder entwickelten? Freilich hütete er sich, solche Gedanken im Lehrkolleg laut oder auch nur leise von sich zu geben. Aus gutem Grunde.

So gab es viele Tage, an denen Otto sein Job auch keinen Spaß machte. Er war zwar Außenseiter, aber er litt genauso wie die anderen Lehrer unter der Situation. Die wiederkehrenden Aggressionen und Depressionen mancher Schulkinder machte es nicht leichter.

So musste er sich wieder bewusst machen, dass es an seiner Schule auch viel Gutes gab. Immer wieder war er erstaunt, wie verantwortet schon die jungen Menschen mit Schwächeren umgingen. Es gab so viele wirklich liebe Kinder. Viele Kinder hatten erstaunlich reife Gedanken, andere waren sehr kreativ. Im Chaos der Schule gab es viele selbst organisierte soziale Inseln, die durchaus der negativen Entwicklung entgegenwirkten.

Solidarische und eigenverantwortlich organisierte Teams lieferten bei Projekttagen tolle Ergebnisse ab. Die Theatergruppe, unter der Leitung seines Freundes und Kollegen Hans, stellte immer wieder herausragende Aufführungen auf die Beine. Da merkte man, zu was  die Schüler in der Lage waren, wenn man sie nur vernünftig behandelte. Es machte Otto aber wieder traurig, dass Hans wohl der einzige Kollege war, der ihn zu verstehen schien.

Es gab Schüler, die klug und emphatisch handelten. Es gab  Schüler, die kleine Genies in Spezialgebieten waren. Die hatten sich aber das Meiste durch selbständiges Lernen beigebracht. Wie machten sie das nur? Alles Leute mit Zukunft und für die Zukunft. Andere oft sehr junge Schüler waren in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig.

Es gab doch auch so viel Positives, dass oft gar nicht wahrgenommen wurde.

Und es gab noch etwas anderes, was ihn wirklich positiv beeindruckte. Das war die fridays4future-Bewegung (F4F). Die war doch ein herausragendes Beispiel, dass an unseren Schulen nicht alles schlecht sein kann. fand er bewundernswert. Aber auch da war ihm bewußt, dass die Mehrheit im Lande seine Bewunderung nicht teilte …

Trotzdem: Waren das nicht alles Kinder, die in der Schule  – so auch bei ihm – wirklich etwas gelernt hatten? Die sich gründlich informierten, autonom nachdachten, eine eigene Meinung hatten, sich nicht von Dummschwätzern beeinflussen ließen, in größeren Zusammenhängen dachten und –  Zivilcourage aufbrachten! Genau die Menschen, die unsere Gesellschaft braucht!

Hoch anzurechnen war es den F4F-Kids auch, dass sie nie zur Gewalt griffen. Sie hatten mit ihrem konstruktiven Ungehorsam viel Aufmerksamkeit erzielt. Obwohl sie faktisch nichts erreicht hatten und von vielen nur runtergemacht und beleidigt wurden, blieben sie konsequent bei friedlichen Demonstrationen. Das imponierte Otto sehr. Er war sich selbst nicht sicher, ob er in seiner Jugend so friedfertig geblieben wäre.

Otto hütete sich, seinen Kollegen sein Herz auszuschütten, weil er  ahnte, dass die meisten Kollegen ihn nicht verstehen würden.

Er fragte sich: Müsste man die Bildungssysteme nicht reformieren? Utopische Gedanken machten sich in seinem immer noch jugendlichen Gehirn breit. Er begann zu träumen: Von agilen und selbst organisierten Schulen. Die nicht dümmlichen Lehrplänen folgen mussten, die man nur mit „kaum zu erfüllen und nicht mehr zeitgemäß“ bewerten kann.

Sondern Schulen, in denen die Jugendlichen selber bestimmen dürfen, was sie lernen wollten und das auch eigenverantwortlich in die Hand nehmen. Und die Lehrkräfte dabei eher die Rolle des unterstützenden Mentors übernehmen und sich aufs Anregen, Impulse geben und Inspirieren konzentrieren!

Wie schön wäre eine Schule, an der das Lernen Spaß macht und Kinder, Jugendliche und Lehrer gerne hingehen. Und sich auch die mit ihrer Schule identifizieren, sie gut behandeln und nicht zerstören? Aber wie sollte das mit und in dem aktuellen System funktionieren?

 


 

Otto hatte mal einen Vortrag gehört, in dem ein Schlauschwätzer seinen Zuhörern empfohlen hatte, im  Berufsleben nach folgendem Motto zu handeln:
„Love it, change it or leave ist!“

„Love it“, das war ihm klar, das würde er nicht schaffen, dazu war die Situation zu schlimm. Die konnte man nicht lieben. Außerdem war er ein leidenschaftlicher Lehrer. Und hatte einen ganz anderen Anspruch. Also:
„Change it!“ ?
Das wäre schön. Nur, der Karren steckte zu tief im Dreck. Allein, oder gemeinsam mit Hans. dem Leiter der Theatergruppe, konnte er ihn da nicht raus ziehen. Da hatten sie keine Chance. Und mächtige Verbündete, die ihm helfen würden, sah er auch nicht. Also blieb nur
„Leave it!“
Das schien unmöglich. Er war verbeamtet. Otto wollte zeitnah heiraten und eine Familie gehören. Mit seinem Gehalt würde das eh nur mehr schlecht als recht funktionieren. Seine Versorgung fürs Alter war ihm auch wichtig. Seine Pension war toll. Da hatte er nur Mitleid mit den Angestellten, von denen manche in der „Industrie“ ein wenig mehr verdienten als er. Dafür mussten die aber auch meistens mehr arbeiten. Und hatten viel weniger Freizeit und -heit als er. Und deren Rente war im Verhältnis zu seiner Pension ärmlich.

„Ich muss es nur bis ins Rentenalter schaffen und darf nicht vorher an einem Burn-Out sterben“ dachte er. Wie könnte er das schaffen? Otto kam eine Idee: Er könnte ja ins Ministerium wechseln? Das wär doch was! Nach so einem Job würde er sich jetzt mal umschauen. Vielleicht könnte er von dort aus das Schulsystem ein wenig verbessern.

Und wenn das nicht klappen würde, blieb ihm zur Not ja noch der Wechsel auf eine Privatschule. Angeblich sollte es da einige geben, die ganz gut funktionierten. Als Beamter war er ja unkündbar, konnte seinen Dienst aber täglich niederlegen. Er war doch in einer komfortablen Situation.

Er könnte auch eine reiche Frau heiraten, mit ihr Kinder kriegen und „home schooling“ machen. Dazu müsste er allerdinges auswandern. Denn die BRD ist wohl so der einzige Staat in dieser Welt, in dem „home schooling“ verboten ist.

Ich bin gespannt, wie es mit Otto (und unserem Schulsystem) weitergeht?
🙂 Und so unternehmerisch wie Otto rüberkommt, würde ich ihm empfehlen, ein Schulunternehmen zu gründen. Am besten ein agiles und sich selbstorganisierendes. Hier eine Variante.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 27. Dezember 2019

Empfehlungen für erzreaktionäre weiße alte Männer

… als nachträgliches Weihnachstgeschenk, das man sich gern selbst macht.

Wenn man gerne mit Zahlen spielt und sich an hochwertigen Dingen erfreuen kann.

Unser leistungsfähiges Tandem-Gespann aus EU-Kommission und Bundesregierung hat ja seit ein paar Jahren ein Informationsverfälschungs- und -unterdrückungsgesetz namens „TMG“ beschlossen – eine freie Meinungsäußerung in Form einer spontanen Empfehlung ist nicht mehr möglich.   Sie müßte mit „Werbung“ gekennzeichnet sein.

Normalerweise würde ich mich schon aus Prinzip nicht an die Norm halten, aber als Gastautor verhält man sich so, daß der Gastgeber tunlichst keinen Ärger bekommt.  Auch wenn mir das in der Vergangenheit nicht immer gelungen sein mag.

Also:  Dies ist eine unmittelbare Werbung und ich habe dafür eine Villa im Tessin sowie sechs Boeing 737 MAX bekommen.

 

Rolands letzter Entwurf, die Weihnachtsruhe ließ es zu, hat mich in die Welt der Zahlen entführt, in die Welt von Leibnitz, Euler, Babbage und Turing.  Mit Zahlen kann man spielen wie mit Billardkugeln.  Die piemontesische Mathematiker*in Giuseppina Peano/a/d schuf um 1900 herum die Voraussetzungen für die „Verkehrs-regeln“ beim Zahlenspiel.  Oft wird von der Peano-Axiomatik gesprochen, wenn die daraus abgeleiteten „Verkehrsregeln“ gemeint sind, z.B.:

Für Rechenoperationen gibt es neutrale Elemente und invertierende Elemente.

  • die 0 ist das neutrale Element für Addition und Subtraktion
  • die 1 ist das neutrale Element für Multiplikation und Division
  • (-1) ist das invertierende Element für Multiplikation und Division

In Mathe war ich immer schlecht.   O.K., das stimmt jetzt nicht, aber es ist eine schöne Reminiszenz an meine erste Empfehlung, die wirklich von Herzen kommt.  Auf meine durchschnittliche Intelligenz resp. das, was unzählige Alkoholexzesse davon übriggelassen haben, bilde ich mir nix ein, sehr wohl aber darauf, daß ich mir auch schlechte Erfahrungen merke wie ein Elefant.  Mathematik war lange mein Horror, denn es wurde nicht hergeleitet, sondern festgelegt.  Das ist ungefähr so, als würde man Demokratie per Prügelstrafe durchsetzen oder Überwachungskameras in den Schulen installieren, um das Bewußtsein für informationelle Selbstbestimmung im Schüler zu verankern.

In der Unterstufe wurden wir monatelang mit Zins- und Prozentrechnung malträtiert, und beides ist so überflüssig wie ein Kropf.  Ganz im Gegenteil, weil speziell weibliche Vielschreiber meistens würfeln, was die Bezugs- und Vergleichswerte sind, kommen in der Regel hanebüchene Resultate dabei heraus, wenn sie sich an der „Prozentrechnung“ versuchen.

Dabei hätte alle so einfach sein können:

  • 10% addieren:    Mit 1,1 multiplizieren.
  • 10% abziehen:    Mit 0,9 multiplizieren.
  • 19% MWSt „herausrechnen“:   Durch 1,19 dividieren.
  • die Mehrwertsteuer ermitteln:  Bruttobetrag * (0,19/1,19).

Im Prinzip geht die ganze „Prozentrechnung“ auf eine einzige Gleichung zurück,  Vergleichswert = Bezugswert * (1+p/100).   Dafür braucht man maximal 45 Minuten.   Wir wurden monatelang mit dem Mist beschallt und mußten tausenderlei Begriffe, Regeln und Sätze lernen.  Die ich sämtlich nicht verstanden habe, das war so deprimierend für mich, daß ich oft heimlich weinte.

Schlimm wurde es bei der Einführung negativer Zahlen, als uns erzählt wurde, „Minus mal Minus ergibt Plus„, basta.  Ja, ich gebe zu:  Ich habe es damals NICHT VERSTANDEN !   Ich hätte aufstehen müssen und sagen, „Warum zerstört man, beispielsweise bei einer Normalparabel, die Ein-Eindeutigkeit ?  Das ist doch völlig kaputt, wenn ein- und dergleiche Funktionswert zwei Funktionsargumenten zugeordnet werden kann ?“.  Aber ich habe nix gesagt.  In der Oberstufe hatten wir richtige Mathelehrer und die lieben Mitschüler hatten Angst vor mir,  jedoch in der Unterstufe war es genau umgekehrt, die Pauker waren grottenschlecht (z.B. Geschichtslehrer mit Zusatzaubildung) und die Mitschüler reagierten aggressiv auf Dinge, die Verwirrung stifteten.  Oftmals wurden mir nach dem Unterricht die Arme durch zwei Löcher in einem Maschendrahtzaun gesteckt, zwei Mann hielten mich hinter dem Zaun stehend fest, der johlende Rest spuckte mir nacheinander ins Gesicht, wobei die „Haltemannschaft“ natürlich rotierte, schließlich sollte jeder auf seine Kosten kommen.   Wenn ich heute den „Hashtag“ (der gar keinen Hash beinhaltet, aber die ‚Twitteria‘ ist nicht nur asozial, sondern auch brunzdumm) „#WIRSINDMEHR“ sehe, dann kontere ich innerlich immer mit Franz-Josef Degenhardt,

Ja, ich hab sie noch im Fadenkreuz, die Wohnungstür,
diesmal Lodenröcke, diesesmal, da lauern wir,,,
Ich blas‘ euch Halali, kommt, ist Feierabendzeit,
und — ich bin bereit …

Naja, wie auch immer, ich schweife ab.  Oder — eigentlich nicht.  Vieles hat sich geändert, aber ich bin sicher, daß ein Schüler auch heute noch Angst hat, Fragen zu stellen.  Je grüner und moderner die Schule, desto mehr Angst muß ein Schüler haben, einfache Fragen zu stellen, die ggfs. die selbsternannte „Allianz der Anständigen“ auf den Plan rufen.   In so einem Klima kann Mathematik nicht gedeihen.

Warum, zum Teufel, haben die Pauker nicht, bevor sie uns auf die Zahlen losließen, deren Verkehrsregeln vermittelt ?   Dann hätte man die Frage nach „Warum ergibt Minus mal Minus denn plus) sehr einfach beantworten können:

„Nehmen wir an, eine Differenz werde negativ.  Wenn wir dieses Ergebnis invertieren wollen, dann muss die Multiplikation mit (-1), dem invertierenden Element, ein positives Ergebnis ergeben.  Selbstverständlich hätte man auch festlegen können, daß (-1)² = (-1) sei.  Wir würden dann aber eine komplett andere algebraische Struktur erhalten.   Es sind aber, das sei im Vorgriff erwähnt, Zahlen denkbar, deren Quadrat (-1) ergibt.   Allein schon aus dem Grunde, weil in der Mathematik, im Gegensatz zu unserer degenerierten ‚Konsensgesellschaft‘, alles denkbar ist.   So kann man mit der Mathematik das Unmögliche denken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Das, so wünschte ich mir, hätte ich als Lehrer geantwortet.  Genauso wie ich mir wünsche, daß ich das als Schüler verstanden hätte.  Lehrer Franz Lemmermeier  (meine zweite Empfehlung für vergnügliche Unterhaltung nicht nur zur Weihnachtszeit) sieht das skeptisch.

Ich will einmal so kontern:  Meine Mutter war Stütze im Kirchenchor und mußte Dinge singen, die sie weder verstand noch mochte, sie hört lieber Schlager („Hello again“), ließ sich aber gern Schallplatten mit Konzerten von Bach, Händel oder Telemann schenken, Hauptsache, der ‚gebildete‘ Schein blieb gewahrt.  Als Kinder mußten meine Schwester und ich zu Weihnachten immer das „Weihnachtsoratorium“ ertragen, VIER STUNDEN auf kalten Kirchenbänken.   Zugang zu Bach habe ich bis heute noch nicht gefunden.   Mein Vater dagegen war das genaue Gegenteil eines ‚Bildungsbürgers‘ und ließ keine Gelegenheit aus, seine ‚kultivierten‘ Mitmenschen zu verhohnepiepeln.  Doch er liebte Beethoven, insbesondere die Neunte, die Pathétique und die Apassionata.  Er konnte sozusagen darin leben, und das teilte sich mir mit.  Auch wenn er mich oft arg nötigte, etwas zu tun oder zu lassen:  Seine Musik zwang er mir nie auf.  Aber weil Wege auch dadurch entstehen, daß wir sie gehen, öffnete sich für mich im Alter von 12 Jahren ein Fenster zu Beethoven.   Und selbst 48 Jahre später zählt die Apassionata immer noch zu meinen Lieblingsstücken.  Allerdings wechsle ich oft die Interpreten, das ist einer der wirklich wenigen Vorteile des Internet – man kann sich schnell und einfach Interpretationen eines einzigen Konzertes von Kempff, Backhaus, Gilels, Barenboim, aber auch von jungen Pianisten wie zum Beispiel Sophie Pacini (im verlinkten Video, sehr schön anzusehen und zu hören, die Waldsteinsonate) oder Valentina Lisitsa anhören, egal wo man sich befindet.

Ich glaube daran, daß sich „echte“ Hingabe und Passion mitteilt.  Junge Menschen können den Unterschied zwischen „oberlehrerhaft pedantisch“ und „genau statt beliebig“ erkennen.

Ich komme zu meiner Weihnachtsempfehlung:

Da issie:

Sie sehen hier, vergrößert, zwei Zahlen-Spielmaschinen.   Sie sind nahezu identisch.  Die linke ist das 1988 erschienene historische Original von HP.  Es wurde bis Ende der Neunziger gebaut.  Die Nachfolgemodelle, bis heute, sind eher spezialisierte Computer statt Taschenrechner.   Der legendäre HP48 lieferte HPs Antwort auf den von den Mathematik-Didaktor*innen vorgeschlagenen „CAS“ – Rechner.  Er konnte mit Termen und Gleichungen umgehen, symbolisch differenzieren und, ein SEGEN, sauber mit Einheiten umgehen.  Aber vom „Feeling“ her arbeitete man immer auf einem Stück „Software“.  Der 48er war behäbig bis langsam.  Ich habe, trotz HP-Erfahrung, zwei Jahre gebraucht, um damit sicher umgehen zu können – trotzdem war es notwendig, das kleine Referenzbuch in der Rechnertasche mitzuführen.

Der HP42S war „Hardware“.  Er konnte „nur“ rechnen, „nur“ mit Zahlen, aber das dann richtig.  Vor allem aber auch mit Vektoren und komplexen Zahlen.  Was eigentlich schon wieder ein Pleonasmus ist.

Das rechte Gerät ist ein aktueller Nachbau, der funktional identisch ist: Der DM 42 von SwissMicros.  In einem schönen, schwarz eloxierten Aluminiumgehäuse, leicht, robust und dank eines aktuellen Prozessors nochmal um den Faktor zehn schneller.  Die Batterie, eine Standard-Knopfzelle CR2032, hält auch bei reger Nutzung ewig.  Das ist das Gerät, das man immer dabeihaben kann.

Warum heute noch ein Taschenrechner ?

Roland würde vielleicht vorschlagen, „stell‘ Dir doch eine ALEXA auf den Schreibtisch“, bestimmt gibt es auch „Google Math“, das jeden Term ausrechnet und bestimmt auch jede Gleichung löst.

Aber so ein Rechner kann mehr.  In Verbindung mit seiner ungewöhnlichen Eingabelogik „knabbert“ man sich durch ein Problem durch, wobei man sämtliche Zwischenergebnisse sehen und PRÜFEN kann.  Dabei unterstützt der Rechner bei Vektoren und komplexen Zahlen die „Versor“- Schreibweise.

Meiner Schule und ibs. meinen Mathematiklehrern in der Oberstufe bin ich sehr dankbar.  Aber dennoch:  Die Einführung der komplexen Zahlen war unter aller Sau. Es wurde angeordnet, „Radikanden aus negativen Zahlen haben die Form ‚b + i‘ und nennen sich ‚komplexe Zahlen'“.   Und dann folgte ein riesiges Konvolut an Sätzen und Formeln.  Soweit, so schlecht.  Natürlich habe ich das in der Schule nie verstanden, was ich aber unterdessen ganz elegant verbergen konnte.   Als ich dann aber für die damalige Mannesmann-Demag ein Berechnungsprogramm für Elektromotoren schrieb (es gab die in unglaublich vielen Varianten und in Amerikanien gibt es zu allem Überfluß auch das Zweiphasensystem, das, einer Idee von Nicola Tesla (schon wieder eine prominente Frau in Wissenschaft und Technik…) folgend, einen echten Vierpol ermöglicht), mit dessen Hilfe man bestehende Motoren „umwickeln“ konnte, rächte sich dieses Versäumnis hinterhältig und brutal.

Und da hat mir zum erstenmal ein HP-Rechner den Arsch gerettet.  Denn man kann, beispielsweise bei diesem kleinen HP-42, einstellen:  „Winkel bitte in Grad, Vektornotation in Polarkoordinaten“.    Wenn man jetzt eingibt, „Wurzel aus (-2)“, dann erscheint brav:   „1,41E0 ∠90,0E0“.  Ein Vektor also !  Durch das „Spielen“ mit dem Gerät wurde mir sofort klar, „Es sind Zahlen, die auf einer Zahlengeraden liegen, die ORTHOGONAL durch den Nullpunkt der ’normalen‘ Zahlengerade läuft“.  Mit der Wahnsinnskonsequenz, daß jetzt auf einmal „ganz normal“ mit diesem Vektor gerechnet werden konnte:   Quadrieren ?   Kein Problem, Betrag quadrieren, Winkel addieren:  Wir erhalten SCHWUPPS „2,00 ∠ 180,0E0“ — macht (-2).

Das folgende ist das einzige, was man braucht, um mit komplexen Größen zu rechnen:

Z   =   r * e^(iφ)   =   r (cos φ + i sin φ)   :=   r cis φ   :=   r∠φ

Das geht doch gar nicht einfacher.  Man muß jetzt nur noch reelle Zahlen entsprechend notieren, also wäre 2 „2∠0“ und (-2) entsprechend „2∠180“.

Eine Stunde Spielerei mit der Zahlenspielmaschine überkompensierte zwei Monate Schulunterricht im Mathematik-Leistungskurs.

Wenn Sie, lieber Leser, Lust haben, Ihre Mathekenntnisse aufzufrischen, dann können Sie sich z.B. den Herrn Spannagel auf „Youtube“ angucken, uneingeschränkte Empfehlung, aber am meisten Spaß macht es mit einem solchen kleinen, feinen Maschinchen.  Wenn Sie noch die alten FACIT- und BRUNSVIGA – Maschinen kennen:   Der DM 42 verhält sich zu „modernen Alleskönnern“ wie die CURTA von Herrn Herzstark zu den mechanischen Vollautomaten.

Es macht Freude, den DM 42 in die Hand zu nehmen, ebenso wie die kleine Curta.   Der DM 42 kostet neu etwa 200,–, für eine gebrauchte, überholte Curta müssen Sie etwa 2.000,– berappen resp. befranken.

In beiden Fällen erwerben Sie ein faszinierendes Stück Mathematikgeschichte mit einem ganz erstaunlich hohen Gegenwartsnutzen.

 

Nachtrag

Es handelt sich beim DM 42 nicht um eine „Antiquität“, auch wenn das Design mehr als 30 Jahre alt ist.  Es war halt seiner Zeit sehr weit voraus.   Sehr weit, wenn man sich die Obsoleszenz mancher Mobiltelephone anschaut.

Genau deswegen sind Sie aber auch noch heute mit diesem Gerät im Vorteil, das will ich noch kurz an einem realen beruflichen Beispiel erläutern.   Sehr oft entwerfe ich hydraulische Hebelsysteme (zeitgemäß könnte ich mich als „Aufstocker“ bezeichnen, weil wir neben dem IT-Krams auch noch Anlagenbau betreiben), und da will man oft gern wissen, „Halten meine Zylinderaufhängungspunkte ?“.  Kennt man Zylinderdruck und -durchmesser, dann kennt man die Kraft und benötigt jetzt eine Komonente orthogonal zur Unterstützung, dann gibt man zwei Vektoren in den Rechner,   F ∠@zyl  sowie  1 ∠ @auflager  und sagt dann dem Rechner „DOT“, womit das Maschinchen das Skalarprodukt errechnet und damit die Komponente in die angegebene Richtung.   Viel wichtiger, bei Antrieben:   Drehmoment = Kraft mal Hebel, sofern die Kraft orthogonal angreift.   Allgemein gilt:  Vektor Moment = Vektor Kraft  X  Vektor Hebel .   Tja, ich gebe also meine beiden Vektoren ein, sage dem Rechner dann „CROSS“ und erhalte Drehrichtung und Betrag des Drehmomentes.

Sicher, das geht auch alles mit der Hand, aber zumindest ich muß dann immer mit dem Bleistift irgendwelche Hilfslinien in die Zeichnung schmieren.

Nebenbei ganz interessant:  Dieses Ding hat, wegen seiner 128 Bit – Fließkommabibliothek, mit einer 34-stelligen Mantisse und Exponenten von -6.143 bis 6.144, eine deutlich höhere Genauigkeit als eine Standard – C – Floating Point Library.  Erstklassig zum Nachrechnen bestimmter Rechnerergebnisse.

Programmieren kann man so ein Gerät auch, interessanter sind allerdings die numerischen Integrationsmöglichkeiten (nach Simpson) und der Gleichungslöser.  Das findet man allerdings im Internet.

Dank an und Lobpreisung über Thomas Okken,  https://thomasokken.com/free42/, auf dessen Arbeit das Maschinchen basiert.

Man kann sich das Maschinchen auch fürs Mobiltelephon herunterladen, aber dann isses nicht mehr so schön.