Hans Bonfigt
Montag, der 22. Mai 2017

Wut essen Seele auf…

Lieber Roland,

bin gerade auf Heimfahrt von der Uni Bremen, eine sehr schöne, rein technische Veranstaltung mit netten Austauschstudenten aus Cádiz – die Jungs hätten Ihnen gut gefallen.

Nun will ich gerade, positiv beinflußt und beschwingt, einen netten Nachruf auf einen wirklichen Universalgelehrten schreiben, von dem ich seit meinem 16. Lebensjahr eigentlich alles lese, was ich in die Hände bekomme: Prof. Dr. Joachim Kaiser. Einmal aus der Sicht eines Rezipienten.

 

Aber ich mache den Fehler und öffne den „Spiegel online“:

„Ursula von der Leyen läßt Bild von Kurt von Hammerstein-Equord an der BW-Uni abhängen“
Diese Dumpfbratze ist so peinlich, daß es weh tut.

„Niederländisches Gesetz zur Netzneutralität verstößt gegen EU-Recht“
Danke, Herr Ex-Digitalkommissar Oettinger. Und allen Schwaben die Krätze an den Hals!‎

„Alle Münchner sind in der Verantwortung, neue Moscheen zu schaffen“
Ja, spinnen denn die? Gerade in München gibt es eindeutig zu viele Gotteshäuser – die man sich hinsichtlich Brandschutz und neuen EU-Bauvorschriften einmal ganz genau angucken sollte!

„Jan Böhmermann liest Briefe von Dennis Yüksel“
Kann jemand diesen widerlichen Jammerlappen nicht in den Kofferraum stecken und zu seinem Kumpel in die Türkei bringen? Erdogan freut sich schon.‎

 

Also jetzt ‚mal im Ernst:
Jede einzelne Schlagzeile, ibs. die mit Kurt von Hammerstein, hätte gereicht, mir den Tag zu vermiesen — aber vier solche Klopper?

 

Also ehrlich, der Typ in „Falling Down“ wird mir immer sympathischer.

-hb

DSC_1659oder:
Wie sich der Herr mit Chauffeur das selbstfahrende Auto vorstellt.

ADFC – das ist der Lobby-Club für uns Radler. Viele Radfahrer empfinden diesen Club als ein wenig altbacken und sehen ihn als Gegenentwurf zum ADAC. Deshalb machen sie lieber bei freien Graswurzelbewegungen wie „Critical Mass“ und ähnlichen mit. Trotzdem bin ich gerne Mitglied des ADFC und unterstütze den Verein in seiner Lobbyarbeit wenn irgendwie möglich. Und empfehle die Mitgliedschaft auch sehr.

Der ADFC macht auch sehr gute Veranstaltungen. Eine davon ist das Mittagsgespräch in München. Da habe ich schon viele interessante Beiträge erlebt von Menschen wie Herrn Ude (als Bürgermeister), Herrn Ramsauer (als Bundesverkehrsminister), Toni Hofreiter (als Experte der Grünen für Mobilität) aber auch von in der Öffentlichkeit weniger bekannten Menschen wie z.B. dem Vorstand der DB-Regio. Dies immer mit interessanten und wichtigen Diskussionen.

Gestern war wieder ADFC-Mittagsgespräch in München. Als Redner war Peter Driessen geladen, der Haupt-Geschäftsführer der IHK München und Oberbayern. Für Leute, die diese Abkürzung nicht kennen: IHK steht für Industrie- und Handelskammer. Das ist eine Organisation, in der man als Unternehmen zwangsweise Mitglied sein muss und genauso zwangsweise „Kohle“ abdrücken muss.

Als Unternehmer weiß man nicht für was – bekommt dafür aber alle paar Wochen eine inhaltlich schwaches und uninteressantes Hochglanz-Magazin, das in der Regel sofort beim Altpapier landet. Die IHK ist in der Öffentlichkeit auch bekannt, da ihre „IHKs vor Ort“ oft ziemlich viele Geschäftsführende haben (in Chemnitz und Dresden z.B. 10, in Erfurt gar 11, in Hannover, Koblenz , Saarbrücken und Würzburg sogar 16), die meistens ganz ordentliche Gehälter beziehen, weil sie ja für so viele Unternehmen verantwortlich (?) sind (Zahlen siehe Offizielle Liste der IHK zur Einkünfte der GF-Teams ohne weitere Vorteile wie Geschäftsauto mit Fahrer etc.).

Und Peter D. hat uns an einem (wie er sagte unfreiwillig) selbst erlebten Beispiel die zukünftige Integration der verschiedenen Verkehrssysteme erklärt und dabei auch seine Vision zum „Fahrerlosen Auto“ preis gegeben:

„Auf der Donnersberger Brücke sei er mit seinem Chauffeur auf dem Wege zu einem Vortrag im Stau gestanden. Und da es keine Chance mehr gab, mit dem PKW pünktlich am Ziel zu sein, hat er fluchs das Auto verlassen und ist mit der S-Bahn weiter gefahren. Und wäre so auch pünktlich angekommen. Was ja ohne Chauffeur gar nicht gegangen wäre, denn er hätte das Auto ja nicht einfach auf der Donnersberger Brücke stehen lassen können“.

Dieses Beispiel hat er dann mit seiner Vision zum selbst fahrenden Auto ergänzt:

„So könne man doch in solchen Situationen mit dem Öffentlichen Nahverkehr ans Ziel fahren und das fahrerlose Auto würde im Stau hinterherzuckeln und dann seinen Eigentümer wieder abholen.“

Das klang ziemlich ernst. Vielleicht war es auch lustig gemeint. Nur ist so ein Bild von mobiler Zukunft alles anders als lustig. Besonders wenn es von einem wichtigen Repräsentanten eines Wirtschaftsverbandes kommt, der zumindest sich selbst für unheimlich wichtig hält.

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 21. August 2016

Ende mit Schrecken

Der Roland, zurecht, sagt ja immer, hier im Blog müsse das Positive überwiegen. Und er hat recht. Deswegen fange ich jetzt einmal mit etwas Positivem an.

Denn es gibt junge Leute, die sich eigenständig etwas erarbeiten, das nicht der Erzielung von Einkünften dient, sondern der Erforschung des Wesens der Dinge. Nehmen wir einmal den Herrn Warkus. Der, im Rahmen seines Philosophiestudiums in Marburg, hat die Arbeiten von C.S. Peirce, den „Digitalfritzen“ unter uns bekannt vom ‚Peirce-Operator‘, fortgeschrieben. Er spricht nicht mit mir, uns trennt ein Marianengraben an Gegensätzen, den man dahingehend abstrahieren kann, daß er Gerechtigkeit als hohes Gut erachtet, ich dagegen Ungerechtigkeit als notwendiges Übel.

Dennoch nehme ich mir die Freiheit, jemanden zu bewundern, der „über die Veränderung in Zeichen“ promoviert wurde. Er stellt das bisherige Paradigma von Veränderung, „eine Eigenschaft ist entfallen oder hinzugekommen“ infrage und kombiniert die Sichtweise von Peirce mit semiotischen Ansätzen: Wahrnehmungen werden von der Realität quasi gespiegelt, zum Beispiel die Farbe an einer Wand. Gleichzeitig werden aber auch Wahrnehmungstäuschungen ‚mitgespiegelt‘, zum Beispiel durch den Farbton der Beleuchtung. Das resultierende Ergebnis wird von uns sogleich perzipiert, quasi einem Bewertungsalgorithmus unterzogen. Interessant wäre es jetzt, zu postulieren, daß Veränderungen (nur) dann existieren, wenn sich die Perzeption ändert. Ganz herunterbanalisiert: „Das Wesen der Dinge ist ihr Schein“.

Das soll natürlich keine Zusammenfassung einer Arbeit sein, für die ein außergewöhnlich intelligenter Mann bestimmt zwei Jahre gebraucht hat. Der Ansatz ist interessant und die Begründung ebenfalls. Der praktische Nutzen dieser Arbeit unterdessen ist – ähm – mäßig.

Der Witz ist bekannt:
Schimpft der Dekan mit dem Leiter seines physikalischen Instituts: „Ja SPINNEN denn Sie? Schon wieder eine Viertelmillion Nachtragshaushalt für den neuen Strömungssimulator??? Wie gehen Sie denn mit dem Geld um? Sehen Sie sich einmal die mathematische Fakultät an: Die brauchen nur Bleistift, Papier und Papierkorb. Und die Philosophen erst: Die brauchen nur Bleistift und Papier!“.

Es wäre ganz schlimm, wenn es nicht Menschen wie den Herrn Warkus gäbe. Aber es gibt eine Menge Dampfplauderer und Möchtegerns, die in allen möglichen „Geisteswissenschaften“ promoviert werden. Da ist ja erstmal nix gegen zu sagen, aber dummerweise wollen die nach der Uni auch Geld verdienen. Möglicherweise sogar mehr als ein „einfacher“ Maurer.

Dann landen sie irgendwo in Unternehmen. Und treffen plötzlich Entscheidungen. Das Dumme ist nur, sie sehen die Welt als ihr kleines Modell, und es braucht auch nicht gegebenenfalls angepaßt werden, denn es muß richtig sein, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und so werden Entscheidungen nicht semiotisch sondern semi-idiotisch getroffen. Bis zum bitteren Ende.

Eine Groß- und Deutschbank betreibt nicht nur ein eigenes Rechenzentrum. Einer der beiden Server, welche einen Großteil von Deutschlands SEPA-Lastschriften abwickeln, steht „full serviced“ in einem externen Rechenzentrum. So, wie vermögende Leute die Ponys für die Töchter „im Vollberitt“ auf einem Pferdehof vollversorgen lassen, so wird dort der Server mit Daten, Strom und einer Wartungsmannschaft versorgt.

Und weil so viele gebildete Akademiker beteiligt sind, die noch nie so einen Rechner gesehen haben, gibt es definierte Schnittstellen und „SLA“s in hierarchischer Form:

Vertragspartner der Bank ist eine indische Firma. Die hat die Wartung des IBM-Rechners bei Hewlett-Packard in Auftrag gegeben. Hewlett-Packard hat zwar weder Ersatzteile noch Know-How, aber die Inder haben ja ein „SLA“, was kann das schon schiefgehen. Hewlett-Packard vergibt die Wartung weiter, an eine hessische Proletentruppe, die nicht einmal eine Klospülung würde reparieren können. Aber sie können ein „SLA“ schreiben.

Und nun passiert es:
Der seltene Fall tritt ein und der IBM-Mainframe fällt aus. Übrigens wegen einer Bagatelle. Über die „SLA-Kette“ gelangt die Proletentruppe zum Server und muß nun die Anweisungen aus Hinterindien ausführen, mit HP als „Relaisstation“. Der einzige, der Ahnung hat, kommt nicht zur Analyse, geschweige denn zur Entscheidung: Das arme Schwein muß alle 15 Minuten „Reports“ schreiben, und zwar an mehrere Stellen. Wenn er mit einer Welle Reports fertig ist, kann er gleich die nächste beginnen.

In Panik ruft der Chef der Proletentruppe einen IBM-Partner an, jener versucht verzweifelt einen AIX-Experten zu bekommen.

Als allerletzte Option (ich bin nicht bankkompatibel) werden wir involviert, denn schon nach dem dritten Tag kommt einer der Inder auf die Idee, daß es doch ganz schön wäre, wenn jemand dabei wäre, der so ein Ding vielleicht einmal einschalten kann (zugegebenermaßen nicht trivial bei IBM). Während der folgenden vier Tage werden, auf Anweisung aus Indien, die lustigsten Dinge getan, unter anderem wird eine baugleiche Maschine im Nachbarrack aufgebaut. Unser Job: Warten.

Jede mögliche einfache Lösung wurde „von oben“ verhindert.

Jeder noch so abstruse Ansatz wurde stattdessen verfolgt, Geld spielte auf einmal keine Rolle.

Bereitwillig angebotenes Fachwissen von Seiten des Endkunden wurde ignoriert oder zurückgewiesen.

Und so endete ein Einsatz in einer peinlichen Katastrophe:

Jemand bei der Bank, ohne akademische Bildung, aber mit dickem Scheckbuch, rief bei IBM an.  Und weil der Scheck hoch war, ließ sich IBM nicht lange lumpen. Per Anordnung: KONTAKTSPERRE für uns mit dem IBM-Mitarbeiter. Naja, beim Frühstück in der Cafeteria haben wir uns dann doch kurz unterhalten: Ein banaler Ausfall eines VRM im primären CEC, das hätte jeder leicht sehen können, dem erlaubt worden wäre, das Ding aufzuschrauben und nachzugucken. Das passende Ersatzteil kam dann drei Stunden später.

Zwei Tage wurden unterdessen benötigt, das von der Proletentruppe auf Anweisung aus Indien verursachte Schlachtfeld zu beseitigen.

Und nun frage ich mich, was wohl passiert wäre, wenn es den Hauptserver erwischt hätte anstatt wie in unserem Fall den Backup-Server. Höchstwahrscheinlich wären noch mehr Parteien involviert worden, die noch mehr Bullshit verzapft hätten. Und Deutschland wäre zwei Wochen ohne Zahlungsverkehr geblieben.

Irgendein konservativer (eher reaktionärer) Kunde meinte einmal zu mir, „wenn fremde Leute mit fremdem Geld fachfremde Sachen tun, dann kannst Du dein Unternehmen beerdigen“.

Wohl wahr!

-hb

Roland Dürre
Samstag, der 20. Februar 2016

Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2

Angenommen am 23. Mai 1949 - vorher hatte man andere Sorgen.

Angenommen am 23. Mai 1949 – vorher hatte man andere Sorgen.

In meinem Artikel „Texte zur Weltfinanzkrise“ und weiteren Artikeln hier im Blog habe ich schon ein paar mal von der mutigen und fast lustvollen Bayerischen Verfassung geschwärmt.

Die Bayerische Verfassung wird aber vom Grundgesetz überlagert. Zwar ist Bayern der Bundesrepublik nie beigetreten – aber sicher hat der Freistaat die letzten Jahrzehnte durch konkludentes Handeln sein Einverständnis bekundet, ein Teil der BRD zu sein.
Ja, die bayerische Verfassung ist meine Lieblingsverfassung – ich mag sie. Das Grundgesetz habe ich jetzt auch noch mal gelesen und empfehle das jedem zu lesen.

Und finde es so richtig schwach. Hier nur drei willkürliche Beispiele, die mich gar nicht so begeistern und beginne mit dem Artikel 8.

Art 8

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art 10

(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art. 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Kommentar: Da wird etwas gewährleistet. Aber – man muss nur Gesetz machen, dann darf man alles einschränken. Oder auch enteignen.
Aber noch schlimmer ist (2). Kann man es noch unverbindlicher formulieren, dass ein Eigentümer nicht nur Rechte sondern auch Pflichten hat? Und lascher forden, dass etwas zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

So geht es im Text in einem fort. Ob Art 13 (Die Wohnung ist unverletzlich), Art 16 (Politisch Verfolgte genießen Asylrecht) oder Art 17a (Gesetze über Wehrdienst und Ersatzdienst), immer ist alles erlaubt und wird dann auch gleich wieder eingeschränkt.

Besonders weh hat mir dieser Artikel getan:

Art 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Kommentar: Sind das nicht nur schöne Worte, die ihren Wert verloren haben? Von wem geht denn heute die Macht aus? Von den Menschen (dem Volke) bestimmt nicht. Sondern von einer Oligarchie der Parteien und Institutionen, die eine unheilvolle Allianz mit den wirklich mächtigen Interessensverbänden und Lobbyisten des Kapitals und der Spekulanten bilden. Mit ihrem Bündnis stärken sie gegenseitig ihre Macht. Und weil es ohne die Menschen nicht geht, sondern diese eher zu stören drohen, werden sie für ihre Zwecke manipuliert und indoktriniert.
Witzig auch, dass wir in (4) das Recht zum Widerstand haben, sogar der bewaffnete quasi als ultima ration wird den Worten folgend nicht ausgeschlossen …

Nach meinem Wissen ist die Rechtslage eindeutig. Deutschland hätte sich schon vor Jahren eine neue Verfassung hätte geben müssen. Ums Recht scheinen sich aber die Mächtigen auch nicht zu scheren. So ist keine deutsche Verfassung in Sicht.

Und ich weiß nicht, ob ich darüber traurig sein oder mich freuen soll. Zwar ist unser Grundgesetz unteroptimal. Und natürlich bräuchten wir in der heutigen Zeit eine ganz starke, mutige und freudvolle Verfassung – mit einem großen gesellschaftlichen Konsens für Zukunft, Frieden, Menschlichkeit und Bildung.

Nur – mit Sicherheit würde auch die neue Verfassung nur von den Lobbyisten geschrieben werden. TTIP lässt grüßen. Demokraten hätten keine Chance.

So lasst uns lieber die Reste unseres Grundgesetz gegen weitere Angriffe verteidigen. Ganz gleich, wo diese herkommen. Eine turbo-kapitalistische und neoliberale Verfassung, geschrieben von Parteienfilz & Deutschland AG und verkauft über Populismus, wäre sicher ein großer Unglück.

RMD

P.S.
Das Abbild der Fahne ist gemeinfrei, zum Link nach Wikipedia.

Roland Dürre
Samstag, der 26. Dezember 2015

Botschaften und Metaphern / Weihnacht 2.0

Für Liebe und Friede.

Für das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung.

Gestern hat der Willy Michl für uns im Lustspielhaus seine Weihnachtsbotschaft gespielt und gesungen. Mit der ihm angeborenen Leidenschaft hat er plädiert für
„Respect, honour and love!“
Und „den immer-währenden Frieden“ gefordert. Das hat mir wie jedes Jahr gefallen. So war das Konzert am Abend des ersten Weihnachtsfeiertag vielleicht sogar mein persönliches Weihnachts-Highlight.

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 - fotografiert von Rolo Zollner)

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 – fotografiert von Rolo Zollner)

Vor kurzem habe ich in einer communitiy diskutiert, wie man eine freie Bewegung am besten weiter entwickeln kann, ohne dass sie in Gefahr gerät, zur systemischen Institution zu werden. Einer der Gesprächspartner hat gemeint, man müsse dem Motto folgen:
„Lead, follow or get out of the way!“
Das erinnert mich zu sehr an das Denken in der Army, so mag ich es nicht.

Allerdings fällt mir da die Aufschrift in großen Lettern am Heck des riesigen Weltraum-Kreuzers in Mel Brooks Spaceballs ein
„We brake for nobody!“
Auch das klingt nach einer klaren Ansage, die sogar gar nicht die meine ist! I don’t like this.

Da ist mir sehr viel lieber
„Love it, change it or leave it!“
Das halte ich für ein gutes Motto, es gefällt mir allein schon wegen meiner Sympathie für den und meinem Respekt vor dem Deserteur.

Vor einem Jahr waren wir in einem größeren Meeting in der Klemme. Heiko (Bartlog – ein Freund) ist dann, um die Blockade auszulösen, aufgestanden und hat die drei T’s an die Tafel gemalt:
Trust – Transparenz – Team
Darum geht es. Wobei mir das Wort „Vertrauen“ an Stelle von Trust besser gefallen hätte. Aber dann wäre es ja aus dem TTT ein VTT geworden und der ganze schöne Stabreim futsch gewesen 🙂

Was mir gegen den Strich geht, aber immer weiter gelebt wird ist
„Morden – Rauben – Brandschatzen!“
Das ist in der Reihenfolge sinnvoll – erst die Menschen umbringen, dann sie ausrauben und ihre Häuser abbrennen. Aber das sollte langsam der Vergangenheit angehören.

Genauso grauenhaft ist auch
„Töten – Foltern – Vergewaltigen!“
Das wird sogar heute wieder häufig angewendet – natürlich im Kampf für die gute Sache. Dafür kann man doch nicht sein! Ich verstehe gar nicht, wie man da nicht zum totalen Pazifist werden kann! Denn es ist eine Binsenweisheit, dass jeder, der gegen irgend etwas kämpft, letztendlich scheitern wird. So ehre, respektiere und liebe ich Pazifisten. So wie der Willy seinen Bruder Konstantin (Wecker) im Konzert geehrt hat.

So wäre ich gegen die Wiederbewaffnung der BRD und den Wieder-Aufbau der Rüstungsindustrie gewesen, wäre ich damals nicht zu klein gewesen. Heute verehre ich seit vielen Jahren John Lennon und bin für
„Give peace a chance!“
und
„All you need is love!“

Das „Denglisch“ stört mich übrigens nicht. Sind doch ins Bayerische schon vor weit über 100 Jahren soviel schöne Begriffe aus dem Französischen eingewandert,als Folge einer „kleinen Globalisierung“. Und die Vermischung der Sprachen ist halt eine der besseren Folgen der „großen Globalisierung“. Und warum soll ich auch für „Reinheit der Sprache“ sein? Rechnen und bald Lesen und Schreiben sind ja auf dem Rückzug. Warum sollen dann die überformalen und komplizierten Sprachen sich nicht auch verändern?

Ich habe jetzt noch zwei Feiertage Zeit, mir zu überlegen, was ich mit diesem Artikel sagen wollte. Heute denke ich, dass er ein brand-neuer und doch uralter Appell für Achtsamkeit, Anerkennung, Augenhöhe, Gemeinsamkeit, Offenheit, Respekt, Transparenz, Vernunft, Vertrauen und Wertschätzung ist. Auf dieser Ebene möchte ich mit allen Menschen kommunizieren. Und kundtun, dass Liebe und Frieden wie das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung mir am wichtigsten sind.

Meine Zeit im letzten Jahr habe ich am liebsten mit Menschen verbracht, die ähnlich denken. Das war wunderschön, so will ich es in 2016 auch halten!

Euch möchte ich einen genialen Wunsch weitergeben, den mein Freund Aebby (Eberhard Huber) mir und Freunden gesandt hat und über den ich mich sehr gefreut habe:

„Möget Ihr viele Begegnungen mit Menschen haben, die Hoffnung statt Angst und Ärger verbreiten!“

Denn ich liebe Euch!
Das zu schreiben kann ich mir leisten, folge ich doch einfach meinem neuen Lieblingssatz:
„Einen Scheiß muss ich!“
(Mit Dank an Nadja und Stefan!)

RMD
(inspiriert vom Weihnachtskonzert des „Sound of Thunder“ am 25. Dezember 2015 im Lustspielhaus zu Schwabing, der wie ich im 66. Winter steht und den ich schon seit mehr als 40 Jahren ehre und achte.)

P.S.
Das Bild ist von meinem Bruder Rolo Zollner, der nun sein Wigwam in Burghausen aufgeschlagen hat. Das Bild steht unter Common Licence, Ihr dürft es also nutzen, wenn Ihr die Quelle und den Rolo als Fotograf angebt.

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Drei glorreiche Halunken (I)

halunken

Mißerfolg ist planbar.

In loser Folge möchte ich drei ausgemachte Fußfesseln der deutschen Wirtschaft vorstellen, Kraken, die seit Inkrafttreten des Grundgesetzes nicht nur eine ganze Volkswirtschaft mit ihren Tentakeln befallen, sondern auch die Mehrzahl der Bürger dieses Landes in Geiselhaft genommen haben.

Und wenn man damit anfängt, beginnt man am besten mit der Institution, die Generationen von Hackern mit diesem Signet persifliert haben:

One of the 1000's of high resolution textures available from Mayang's Free Textures - see http://www.mayang.com/textures/ This texture may not be sold without permission from the authors.

Schon als kleiner Junge, in den frühen siebziger Jahren, konnte ich die Bundespost nicht verstehen: Zuhause hatten wir eine „richtige“ Telephonanlage mit sechs Nebenstellen. Jede konnte die öffentliche Vermittlungsstelle erreichen, mit Ausnahme der beiden Apparate, die sich in den Kinderzimmern befanden.

Mein eigentlich sehr liberaler Vater begründete das wie folgt: „Die Bundespost berechnet für jede amtsberechtigte Nebenstelle zehn Mark im Monat“. Nun war ein „eigenes“ Telephon unerhört prestigeträchtig und ich drängte darauf, daß es doch wenigstens möglich sein müsse, an uns Kinder externe Gespräche zu verbinden.

„Nun, dann wären eure Apparate ‚halbamtsberechtigt'“, erläuterte mein Vater, „und das kostet zwar nicht zehn, so aber doch immer noch fünf Mark im Monat“.  Das hat mich insofern schockiert, weil die Leistung der Post, nämlich die Bereitstellung eines analogen Telephonanschlusses am W-Amt, unabhängig war von der Anzahl der Nebenstellen.

Not macht unterdessen erfinderisch, jede SIEMENS-Telephonanlage verfügte inliegend über genaue Schaltungsbeschreibungen und meine kriminelle Karriere begann im Alter von 12 Jahren, indem ich die Anlage entsprechend meinen Wünschen manipulierte. Und, wie bei jeder ordentlichen ‚Backdoor‘, ist nicht die eigentliche Funktionalität entscheidend, sondern die Tarnung:

Das ‚Feature‘ Amtsberechtigung konnte man bedarfshalber abschalten.

Schwieriger war es schon mit unserem ersten Modem, 1976, welches mein Vater beruflich brauchte, um mit der DATEV zu kommunizieren. Das kostete schlappe 400 Mark — Miete im Monat. Das entsprach etwa einer Monatsmiete für eine Dreizimmerwohnung.

Als ich mit einem Partner dann zusammen unser erstes Büro einrichtete, lernten wir weitere interessante Schikanen kennen: Die „Bereitstellung“ des Gebührenimpulses kostete extra, obwohl amtsseitig extra ein Filter gesetzt werden mußte, um den Impuls zu blockieren.

Wir sollten zahlen für den Wegfall einer Komponente. Aber es ging weiter: Jede Telephonsteckdose (und davon hatten wir überreichlich) sollte jetzt kostenpflichtig sein!

Anrufbeantworter? Kostenpflichtig!

Rufnummerngeber?  Kostenpflichtig!

Nebenstellenanlage? Kostenpflichtiger Wartungsvertrag mußte nachgewiesen werden!

Unsere Telephonanlage kostete Anfang der 80er richtig viel Geld, wir haben, als kleines „Startup“, etwa 5.000 Mark berappen müssen. Die Telephonkosten waren der schiere Horror, insbesondere natürlich die Datenfernverarbeitung (damals noch mit serieller Schnittstelle, ohne IP). Interessanterweise kosteten Telephonate von den USA nach Deutschland nur einen Bruchteil dessen, was uns die Post für die Gegenrichtung abpreßte.

Mit dem Monopolangebot „Telephonie“ konnte die Bundespost Unternehmen aller Größenordnungen ausnehmen wie Weihnachtsgänse – und man konnte nichts dagegen tun.

„Wir brauchen bloß einmal tief einzuatmen, und der Markt ist leergefegt“, so ließ der (später wegen „wettbewerbswidriger Absprachen“ rechtskräftig verurteilte) Siemens-Vorstand Dieter von Sanden in Bezug auf seinen Wettbewerb verlauten. Und keiner wagte aufzumucken. Die Achse zwischen Postminister Kurt Dummle und Dieter von Sanden hielt ähnlich gut wie die zwischen Gerhard Schröder und Hartmut Mehdorn — und in beiden Fällen wurden auf der einen Seite Milliarden sinnlos verpulvert, während auf der anderen Seite eine ganze Republik lahmgelegt wurde.

Denn der erste Megaflop des Telekom-Vorgängers war keineswegs ISDN, sondern das „elektronische Wählsystem“ EWS.

Die Geschäftsführung von SIEMENS machte sich lustig über die „Digitalitis“ der amerikanischen Firmen und setzte darauf, die mechanischen Vermittlungsgestelle zwar zu ersetzen, die Analogübertragung über typischerweise zwei Doppeladern pro Verbindung zu erhalten. Hier hatten bereits Nachrichtentechniker im Hause SIEMENS nachdrücklich gewarnt, denn das bisherige „Analognetz“ hatte eine häßliche Eigenschaft, die es für die auch damals immer wichtiger werdende Datenübertragung völlig unbrauchbar machte: Pupinspulen.

Die nämlich sorgten dafür, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit der niederfrequenten Töne in Abhängigkeit von der Frequenz unterschiedlich war. Es mußte klar sein, daß mit Einführung dieses Systems die technologische Entwicklung in einem stark expandierenden Markt, der „Datenfernverarbeitung“, für Jahrzehnte zu Grabe getragen werden würde.  Aber wen interessierte das schon? Ganz sicherlich nicht den Postminister, der seine Aufgabe darin sah, seine qua Monopol geknebelten „Kunden“ maximal zur Ader zu lassen.

Da braucht man einen starken Komplizen.  SIEMENS und Telephonie, das waren Synonyma. Daß SEL ein marktreifes Alternativsystem im Angebot hatte, durfte da nicht interessieren. Also ließ Kurt Dummle SIEMENS machen und verkaufte schon mal einen großen Teil der Gebäude, in welchen die platzraubenden Ortsvermittlungsstellen untergebracht waren.

Nun wissen wir aus erster Hand von Roland, wie SIEMENS „Projektmanagement“ betrieb. Ich wette, es ist heute nicht anders as früher. Nämlich nach einem tollen Plan, wie ihn sich kein moderner „Solution Designer“ besser ausdenken hätte können:

Und danach sollte man innovative Software und Produkte entwickeln - ist doch irgendwie lächerlich.

Wenn man sich die Mühe macht, sich das Diagramm genau anzuschauen, dann erkennt man durchaus die Systematik, wie man sie sich in manchen Projekten wünscht. Nur: Dummerweise bleibt der wichtigste Aspekt außen vor.

Denn wenn die Grundidee ein Irrtum ist und man schon beim Prototyp konzeptionell nachbessern muß (es gab alsbald EWS/O und EWS/F), dann kann, auch bei penibelster Einhaltung aller Stufen und Phasen, nur Bullshit dabei herauskommen.  Ja, und so war es dann auch.

Ohne, daß irgendjemand es bemerkt hätte, verpulverten SIEMENS und das Postministerium zweistellige Milliardenbeträge. Denn stoppen konnte man die dysfunktionale Fehlgeburt natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin? SIEMENS und alle anderen „Amtbaufirmen“ wurden mit einer unerwarteten Konjunkturspritze verwöhnt, denn nun mußten, koste es was es wolle, bestehende Altinstallationen gegen die deutlich kompakteren, wenn auch freilich nach dem gleichen, jahrzehntealten elektromechanischen Prinzip arbeitenden EMD-Wähler getauscht werden.

Einen größeren Flop hatte es in der deutschen Technikgeschichte nie gegeben. Aber man hielt in bewährter Manier den Ball flach, man wollte schließlich keine Rufschädigung der deutschen Industrie riskieren — und vor allem: Man hatte ja den vielleicht nicht willigen, aber dafür um so willenloseren deutschen Michel, den man weit über die Schmerzgrenze hinaus nach Belieben zur Ader lassen konnte.

hb

P.S.
In der nächsten Folge:
Robert T. Online, ISDN und DSL:  Die  Degeneration entläßt ihre Kinder

Roland Dürre
Montag, der 5. Oktober 2015

Ein Treffen für unsere Zukunft.

Ist das nicht toll?

So schön können es nur die Kollegen von Visual Braindump
Christian Botta und Daniel Reinold
auf den „graphischen“ Punkt bringen, unser

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Wir versprechen:

AktMobCmp wird ein wunderbares Barcamp an einem ziemlich konkurrenzlosen Termin werden! Wir werden zwei besondere Tage in einem schönen Kreis am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching erleben.

Die „Aktive Mobilität im Alltag“ ist die dritte Säule der Mobilität neben dem individuell motorisierten und dem öffentlichen Verkehr. Leider wird sie in Gesellschaft und Politik oft nur als Restverkehr verstanden.

Das tut uns weh und das müssen wir ändern. Denn wir müssen unsere Mobilität in den Griff kriegen, um unsere Zukunft zu bewahren!

Einen ganz großen Dank an Christian und Daniel für ihr großartige Unterstützung!

RMD
(Im Namen des Teams vom AktMobCmp)

P.S.
Hier zwei Links zu Artikel in IF-Blog zu AktMob und AktMobCmp. Und weil das Thema so wichtig ist, bitte ich um eifriges Teilen und Retweeten!

Roland Dürre
Dienstag, der 24. März 2015

Auto und Autobahn – über alles.

AutobahnkleeblattHeute morgen in der SZ lese ich in der Kategorie „Landkreis“, dass bei einem Autobahn-Einzelprojekt in meiner Nähe, dessen Notwendigkeit ich auch nicht so recht verstehe, die Kosten von geplanten 25 Millionen um 19 Millionen steigen werden und das Projekt jetzt 44,3 € Millionen kosten wird.

Wahrscheinlich werden es in der Retrospektive dann noch mehr.

Ich zitiere aus der SZ, Landkreis München, 24.03.2015, aus einem Artikel mit der Überschrift:

Kostenexplosion an der A 99

Die Verlegung der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der Autobahn A 99 von der Bundesstraße B 471 zur Kreisstraße M3 wird deutlich teurer als bisher kalkuliert. Das gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreistags am Montagnachmittag im Pullacher Bürgerhaus bekannt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte das Landratsamt demnach vergangene Woche darüber informiert, dass die Baumaßnahmen ein Gesamtvolumen von 44,3 Millionen Euro haben werden. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro ausgegangen, bei Baubeginn im Sommer 2013 war bereits von 29 Millionen Euro die Rede gewesen. Die neue Anschlussstelle an der Kreuzung der Autobahn A 99 und der Kreisstraße M 3 wird als Vollkleeblatt gebaut und die bisherige Einmündung der M 3 in die Bundesstraße B 471 zu einem Kreisverkehr mit Überführung für den durchgehenden Verkehr umgestaltet.

Besonders beeindruckt mich ein zweites Zitat in dem Artikel. Der Landrat Göbel sagt dazu laut diesem Artikel einfach mal so:

 „Dazu kommt eine allgemeine Kostensteigerung um 15 Prozent“.

Das kann ich mir gut vorstellen. Nur ich höre immer, dass wir zu wenig Inflation haben.

RMD

P.S.
Das Bild „AK-Detail“ ist von Wikoli aus der deutschsprachige Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2015

Die Frust-Splitter des Neuen Jahres

Jetzt sind wir im neuen Jahr. Ich bin frei und habe viele Pläne. Und freue mich. Nur Radio hören darf ich gar nicht mehr. Denn dann kommt der Frust. Hier ein paar emotionale Gedanken zu den Nachrichten von Silvester und dieser Tage. So vieles verstehe ich gar nicht mehr.

Die Silvester-Böllerei hat uns in Deutschland mindestens vier Menschenleben gekostet. Sie wurden Opfer der Pyrotechnik. Wie viel Menschenleben die Silvester-Völlerei gekostet hatten wissen wir nicht. Auch der Gesamtschaden der Silvester-Nacht muss dieses Jahr besonders hoch gewesen sein. Damit meine ich nicht die vielen Feuerwehrkörper, die sinnlos und mutwillig zerstört worden sind sondern die Folgeschäden.

Aber wir verschießen Raketen, machen Feuerwerk und haben Angst vor Terrorismus und einer „Ent-Europäisierung“. Und dem Islam. „Pegida“ spielt die zentrale Rolle in den Nachrichten. Bei unserer Kanzlerin wie auch bei den Arbeitgeberverbänden. Die wollen kein Pegida. Aber nur weil es schlecht für die Wirtschaft ist.

Ich mag auch kein Pegida. Aber vor allem, weil es einfach unmenschlich, dumm und fundamentalistisch ist.

Die Politiker sagen jedoch: Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Weil sie immer auf Stimmenjagd sind. Und Angst haben, dass ihre Mehrheiten immer zweifelhafter werden. Und dies zweifellos zu Recht.

Die Sorgen der vielen Menschen, die die Wachstumsideologie und den Widersinn unserer Wirtschaftssystem nicht begreifen wollen und können, nimmt „die Politik“ nicht ernst. Weil Wachstum alternativlos ist.

So wie auch die Sorgen der Menschen, die den totalen Lauschangriff auf uns durch inländische und ausländische Organisationen kritisieren. Und wehe, man macht sich Sorgen wegen TTIP oder wünscht sich eine neue Gesellschaftsordnung.

Solche Menschen muss man „nicht ernst nehmen“ sondern überzeugen! heute noch durch Reklame (genannt Aufklärung) der zuständigen Ministerien. Wie bin ich froh, dass wir noch keine staatliche Umerziehung haben.

Die Diskussion über den Mindestlohn und diesen an sich finde ich auch so bürokratischen Quatsch. Nicht weil ich dagegen wäre. Nein, ich bin absolut dafür, dass menschliche Arbeit fair bezahlt wird. Möglichst weltweit und auch bei uns. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur – der Mindestlohn wird uns das aber genau nicht bringen, sondern vor allem mehr Bürokratie, Verordnungen, Kontrollen, Bußgelder … Und noch mehr Ungerechtigkeit.

Zudem hat der Mindestlohn einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Wie bei vielen ähnlichen dieser Gesetze wurde einfach die Inflation vergessen. Und schon in wenigen Jahren werden wir über den Mindestlohn lachen, weil er so niedrig ist. Oder soll er ab jetzt jährlich und nach welchen Kriterien erhöht werden? Mir ist nichts bekannt.

Die Inflation findet statt, das merke ich laufend, ob beim Bäcker oder auf dem Markt beim Gemüse kaufen, im Schwimmbad, in der S-Bahn und Eisenbahn, in der Post beim Brief frankieren, in den Lokalen usw. Da hilft es auch nichts, wenn der Diesel wahrscheinlich eh nur vorübergehender Weise mal eine Zeitlang verblüffend billig erscheint. Und man das Geld in großen Mengen zum Niedrig-Zins bekommt.

Auch die Verrückten in Brüssel frustrieren mich: Eine Billion EURO (in Zahlen 1.000.000.000.000 €) wollen die jetzt für Wachstum und gegen die zu niedrige Inflation bereitstellen.

Von was soll ich noch schreiben?

Dass die Krankenkassen in 2015 ihre Rücklagen im Wettkampf um die Mitglieder verblasen und dann mit trickreichen Tarifkonstruktionen ab 2016 ihr Zusatzeinkommen generieren dürfen – und sollen? Und dann alles noch intransparenter und komplizierter werden wird? Mit noch mehr „Werbung für die Gesundheit“?

Vom nach weihnachtlichen Populismus der CSU? Oder der Hilflosigkeit des Papstes, der in seinem Managementsystem fünfzehn Krankheiten entdeckt hat, jedoch nicht weiß, wie er diese Krankheiten heilen soll? Oder von dem Wahnsinn in der Ukraine und mit der Nato? Über die Forderung nach verlängerter Datenspeicherung (wegen der Cyber-Kriminalität) der Bayerischen Staatsregierung (um die Aufklärungsquote zu erhöhen)?

Nööö, irgendwie macht sogar das Schimpfen keinen Spaß mehr!

RMD

P.S.
Habe gerade in den Nachrichten auch eine menschliche Nachricht gehört:
Der Uli (Hoeneß) ist ab heute Freigänger. Ich freue mich für ihn.

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. Juni 2014

Durch Verbrennen von Öl gewinnen wir Zeit um Öl zu verbrennen.

Eigentlich nur zum Nachdenken. Aber wir sind schon ein komisches Völkchen.

Wir trachten nach Wohlstand und Freizeit. Dafür opfern wir viel Wichtiges unseres Lebens. Unsere Zeit, unsere Gesundheit, unsere Familie, unser soziales Leben. Wir wollen beim großen Spiel erfolgreich dabei sein, also akzeptieren wir ein Maß von Blindleistung, das in unser immer komplexer werdenden Gesellschaft und Wirtschaft fast schon geometrisch steigt. Um sind bereit, uns maximalem Stress auszusetzen.

So schaffen wir – auch durch den gnadenlosen Einsatz von Technologie – ein nie da gewesenes personales Niveau von Reichtum. Allerdings mit einer immer stärker werdenden Polarisierung zwischen den Menschen und Welten.

Uns geht es aber nicht so gut, weil wir so fleißig und genial sind. Wir sind so reich, weil wir mit unser Technologie gnadenlos Öl und Kohle verbrennen. Und weil wir in einer globalisierten Welt ganz wo anders ganz billig (und oft ziemlich rücksichtslos) produzieren lassen.

Wir sind so erfolgreich, dass wir dauernd etwas tun müssen. So wird unsere Zeit immer knapper. Und was machen wir in unserer verbleibenden Freizeit? Wir reisen hinaus in die globale Welt. Oder schlagen die Zeit mit unseren Luxusmaschinen tot. Und bemühen uns, dabei immer möglichst viel Öl zu verbrennen.

Vereinfacht gesagt:

Wir verbrennen fossile Energien um Zeit für das Verbrennen von fossilen Energien zu gewinnen.

Und verlieren dabei uns selber. Ist doch absurd!

RMD