Roland Dürre
Samstag, der 26. Dezember 2015

Botschaften und Metaphern / Weihnacht 2.0

Für Liebe und Friede.

Für das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung.

Gestern hat der Willy Michl für uns im Lustspielhaus seine Weihnachtsbotschaft gespielt und gesungen. Mit der ihm angeborenen Leidenschaft hat er plädiert für
„Respect, honour and love!“
Und „den immer-währenden Frieden“ gefordert. Das hat mir wie jedes Jahr gefallen. So war das Konzert am Abend des ersten Weihnachtsfeiertag vielleicht sogar mein persönliches Weihnachts-Highlight.

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 - fotografiert von Rolo Zollner)

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 – fotografiert von Rolo Zollner)

Vor kurzem habe ich in einer communitiy diskutiert, wie man eine freie Bewegung am besten weiter entwickeln kann, ohne dass sie in Gefahr gerät, zur systemischen Institution zu werden. Einer der Gesprächspartner hat gemeint, man müsse dem Motto folgen:
„Lead, follow or get out of the way!“
Das erinnert mich zu sehr an das Denken in der Army, so mag ich es nicht.

Allerdings fällt mir da die Aufschrift in großen Lettern am Heck des riesigen Weltraum-Kreuzers in Mel Brooks Spaceballs ein
„We brake for nobody!“
Auch das klingt nach einer klaren Ansage, die sogar gar nicht die meine ist! I don’t like this.

Da ist mir sehr viel lieber
„Love it, change it or leave it!“
Das halte ich für ein gutes Motto, es gefällt mir allein schon wegen meiner Sympathie für den und meinem Respekt vor dem Deserteur.

Vor einem Jahr waren wir in einem größeren Meeting in der Klemme. Heiko (Bartlog – ein Freund) ist dann, um die Blockade auszulösen, aufgestanden und hat die drei T’s an die Tafel gemalt:
Trust – Transparenz – Team
Darum geht es. Wobei mir das Wort „Vertrauen“ an Stelle von Trust besser gefallen hätte. Aber dann wäre es ja aus dem TTT ein VTT geworden und der ganze schöne Stabreim futsch gewesen 🙂

Was mir gegen den Strich geht, aber immer weiter gelebt wird ist
„Morden – Rauben – Brandschatzen!“
Das ist in der Reihenfolge sinnvoll – erst die Menschen umbringen, dann sie ausrauben und ihre Häuser abbrennen. Aber das sollte langsam der Vergangenheit angehören.

Genauso grauenhaft ist auch
„Töten – Foltern – Vergewaltigen!“
Das wird sogar heute wieder häufig angewendet – natürlich im Kampf für die gute Sache. Dafür kann man doch nicht sein! Ich verstehe gar nicht, wie man da nicht zum totalen Pazifist werden kann! Denn es ist eine Binsenweisheit, dass jeder, der gegen irgend etwas kämpft, letztendlich scheitern wird. So ehre, respektiere und liebe ich Pazifisten. So wie der Willy seinen Bruder Konstantin (Wecker) im Konzert geehrt hat.

So wäre ich gegen die Wiederbewaffnung der BRD und den Wieder-Aufbau der Rüstungsindustrie gewesen, wäre ich damals nicht zu klein gewesen. Heute verehre ich seit vielen Jahren John Lennon und bin für
„Give peace a chance!“
und
„All you need is love!“

Das „Denglisch“ stört mich übrigens nicht. Sind doch ins Bayerische schon vor weit über 100 Jahren soviel schöne Begriffe aus dem Französischen eingewandert,als Folge einer „kleinen Globalisierung“. Und die Vermischung der Sprachen ist halt eine der besseren Folgen der „großen Globalisierung“. Und warum soll ich auch für „Reinheit der Sprache“ sein? Rechnen und bald Lesen und Schreiben sind ja auf dem Rückzug. Warum sollen dann die überformalen und komplizierten Sprachen sich nicht auch verändern?

Ich habe jetzt noch zwei Feiertage Zeit, mir zu überlegen, was ich mit diesem Artikel sagen wollte. Heute denke ich, dass er ein brand-neuer und doch uralter Appell für Achtsamkeit, Anerkennung, Augenhöhe, Gemeinsamkeit, Offenheit, Respekt, Transparenz, Vernunft, Vertrauen und Wertschätzung ist. Auf dieser Ebene möchte ich mit allen Menschen kommunizieren. Und kundtun, dass Liebe und Frieden wie das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung mir am wichtigsten sind.

Meine Zeit im letzten Jahr habe ich am liebsten mit Menschen verbracht, die ähnlich denken. Das war wunderschön, so will ich es in 2016 auch halten!

Euch möchte ich einen genialen Wunsch weitergeben, den mein Freund Aebby (Eberhard Huber) mir und Freunden gesandt hat und über den ich mich sehr gefreut habe:

„Möget Ihr viele Begegnungen mit Menschen haben, die Hoffnung statt Angst und Ärger verbreiten!“

Denn ich liebe Euch!
Das zu schreiben kann ich mir leisten, folge ich doch einfach meinem neuen Lieblingssatz:
„Einen Scheiß muss ich!“
(Mit Dank an Nadja und Stefan!)

RMD
(inspiriert vom Weihnachtskonzert des „Sound of Thunder“ am 25. Dezember 2015 im Lustspielhaus zu Schwabing, der wie ich im 66. Winter steht und den ich schon seit mehr als 40 Jahren ehre und achte.)

P.S.
Das Bild ist von meinem Bruder Rolo Zollner, der nun sein Wigwam in Burghausen aufgeschlagen hat. Das Bild steht unter Common Licence, Ihr dürft es also nutzen, wenn Ihr die Quelle und den Rolo als Fotograf angebt.

Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Drei glorreiche Halunken (I)

halunken

Mißerfolg ist planbar.

In loser Folge möchte ich drei ausgemachte Fußfesseln der deutschen Wirtschaft vorstellen, Kraken, die seit Inkrafttreten des Grundgesetzes nicht nur eine ganze Volkswirtschaft mit ihren Tentakeln befallen, sondern auch die Mehrzahl der Bürger dieses Landes in Geiselhaft genommen haben.

Und wenn man damit anfängt, beginnt man am besten mit der Institution, die Generationen von Hackern mit diesem Signet persifliert haben:

One of the 1000's of high resolution textures available from Mayang's Free Textures - see http://www.mayang.com/textures/ This texture may not be sold without permission from the authors.

Schon als kleiner Junge, in den frühen siebziger Jahren, konnte ich die Bundespost nicht verstehen: Zuhause hatten wir eine „richtige“ Telephonanlage mit sechs Nebenstellen. Jede konnte die öffentliche Vermittlungsstelle erreichen, mit Ausnahme der beiden Apparate, die sich in den Kinderzimmern befanden.

Mein eigentlich sehr liberaler Vater begründete das wie folgt: „Die Bundespost berechnet für jede amtsberechtigte Nebenstelle zehn Mark im Monat“. Nun war ein „eigenes“ Telephon unerhört prestigeträchtig und ich drängte darauf, daß es doch wenigstens möglich sein müsse, an uns Kinder externe Gespräche zu verbinden.

„Nun, dann wären eure Apparate ‚halbamtsberechtigt'“, erläuterte mein Vater, „und das kostet zwar nicht zehn, so aber doch immer noch fünf Mark im Monat“.  Das hat mich insofern schockiert, weil die Leistung der Post, nämlich die Bereitstellung eines analogen Telephonanschlusses am W-Amt, unabhängig war von der Anzahl der Nebenstellen.

Not macht unterdessen erfinderisch, jede SIEMENS-Telephonanlage verfügte inliegend über genaue Schaltungsbeschreibungen und meine kriminelle Karriere begann im Alter von 12 Jahren, indem ich die Anlage entsprechend meinen Wünschen manipulierte. Und, wie bei jeder ordentlichen ‚Backdoor‘, ist nicht die eigentliche Funktionalität entscheidend, sondern die Tarnung:

Das ‚Feature‘ Amtsberechtigung konnte man bedarfshalber abschalten.

Schwieriger war es schon mit unserem ersten Modem, 1976, welches mein Vater beruflich brauchte, um mit der DATEV zu kommunizieren. Das kostete schlappe 400 Mark — Miete im Monat. Das entsprach etwa einer Monatsmiete für eine Dreizimmerwohnung.

Als ich mit einem Partner dann zusammen unser erstes Büro einrichtete, lernten wir weitere interessante Schikanen kennen: Die „Bereitstellung“ des Gebührenimpulses kostete extra, obwohl amtsseitig extra ein Filter gesetzt werden mußte, um den Impuls zu blockieren.

Wir sollten zahlen für den Wegfall einer Komponente. Aber es ging weiter: Jede Telephonsteckdose (und davon hatten wir überreichlich) sollte jetzt kostenpflichtig sein!

Anrufbeantworter? Kostenpflichtig!

Rufnummerngeber?  Kostenpflichtig!

Nebenstellenanlage? Kostenpflichtiger Wartungsvertrag mußte nachgewiesen werden!

Unsere Telephonanlage kostete Anfang der 80er richtig viel Geld, wir haben, als kleines „Startup“, etwa 5.000 Mark berappen müssen. Die Telephonkosten waren der schiere Horror, insbesondere natürlich die Datenfernverarbeitung (damals noch mit serieller Schnittstelle, ohne IP). Interessanterweise kosteten Telephonate von den USA nach Deutschland nur einen Bruchteil dessen, was uns die Post für die Gegenrichtung abpreßte.

Mit dem Monopolangebot „Telephonie“ konnte die Bundespost Unternehmen aller Größenordnungen ausnehmen wie Weihnachtsgänse – und man konnte nichts dagegen tun.

„Wir brauchen bloß einmal tief einzuatmen, und der Markt ist leergefegt“, so ließ der (später wegen „wettbewerbswidriger Absprachen“ rechtskräftig verurteilte) Siemens-Vorstand Dieter von Sanden in Bezug auf seinen Wettbewerb verlauten. Und keiner wagte aufzumucken. Die Achse zwischen Postminister Kurt Dummle und Dieter von Sanden hielt ähnlich gut wie die zwischen Gerhard Schröder und Hartmut Mehdorn — und in beiden Fällen wurden auf der einen Seite Milliarden sinnlos verpulvert, während auf der anderen Seite eine ganze Republik lahmgelegt wurde.

Denn der erste Megaflop des Telekom-Vorgängers war keineswegs ISDN, sondern das „elektronische Wählsystem“ EWS.

Die Geschäftsführung von SIEMENS machte sich lustig über die „Digitalitis“ der amerikanischen Firmen und setzte darauf, die mechanischen Vermittlungsgestelle zwar zu ersetzen, die Analogübertragung über typischerweise zwei Doppeladern pro Verbindung zu erhalten. Hier hatten bereits Nachrichtentechniker im Hause SIEMENS nachdrücklich gewarnt, denn das bisherige „Analognetz“ hatte eine häßliche Eigenschaft, die es für die auch damals immer wichtiger werdende Datenübertragung völlig unbrauchbar machte: Pupinspulen.

Die nämlich sorgten dafür, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit der niederfrequenten Töne in Abhängigkeit von der Frequenz unterschiedlich war. Es mußte klar sein, daß mit Einführung dieses Systems die technologische Entwicklung in einem stark expandierenden Markt, der „Datenfernverarbeitung“, für Jahrzehnte zu Grabe getragen werden würde.  Aber wen interessierte das schon? Ganz sicherlich nicht den Postminister, der seine Aufgabe darin sah, seine qua Monopol geknebelten „Kunden“ maximal zur Ader zu lassen.

Da braucht man einen starken Komplizen.  SIEMENS und Telephonie, das waren Synonyma. Daß SEL ein marktreifes Alternativsystem im Angebot hatte, durfte da nicht interessieren. Also ließ Kurt Dummle SIEMENS machen und verkaufte schon mal einen großen Teil der Gebäude, in welchen die platzraubenden Ortsvermittlungsstellen untergebracht waren.

Nun wissen wir aus erster Hand von Roland, wie SIEMENS „Projektmanagement“ betrieb. Ich wette, es ist heute nicht anders as früher. Nämlich nach einem tollen Plan, wie ihn sich kein moderner „Solution Designer“ besser ausdenken hätte können:

Und danach sollte man innovative Software und Produkte entwickeln - ist doch irgendwie lächerlich.

Wenn man sich die Mühe macht, sich das Diagramm genau anzuschauen, dann erkennt man durchaus die Systematik, wie man sie sich in manchen Projekten wünscht. Nur: Dummerweise bleibt der wichtigste Aspekt außen vor.

Denn wenn die Grundidee ein Irrtum ist und man schon beim Prototyp konzeptionell nachbessern muß (es gab alsbald EWS/O und EWS/F), dann kann, auch bei penibelster Einhaltung aller Stufen und Phasen, nur Bullshit dabei herauskommen.  Ja, und so war es dann auch.

Ohne, daß irgendjemand es bemerkt hätte, verpulverten SIEMENS und das Postministerium zweistellige Milliardenbeträge. Denn stoppen konnte man die dysfunktionale Fehlgeburt natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin? SIEMENS und alle anderen „Amtbaufirmen“ wurden mit einer unerwarteten Konjunkturspritze verwöhnt, denn nun mußten, koste es was es wolle, bestehende Altinstallationen gegen die deutlich kompakteren, wenn auch freilich nach dem gleichen, jahrzehntealten elektromechanischen Prinzip arbeitenden EMD-Wähler getauscht werden.

Einen größeren Flop hatte es in der deutschen Technikgeschichte nie gegeben. Aber man hielt in bewährter Manier den Ball flach, man wollte schließlich keine Rufschädigung der deutschen Industrie riskieren — und vor allem: Man hatte ja den vielleicht nicht willigen, aber dafür um so willenloseren deutschen Michel, den man weit über die Schmerzgrenze hinaus nach Belieben zur Ader lassen konnte.

hb

P.S.
In der nächsten Folge:
Robert T. Online, ISDN und DSL:  Die  Degeneration entläßt ihre Kinder

Roland Dürre
Montag, der 5. Oktober 2015

Ein Treffen für unsere Zukunft.

Ist das nicht toll?

So schön können es nur die Kollegen von Visual Braindump
Christian Botta und Daniel Reinold
auf den „graphischen“ Punkt bringen, unser

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Wir versprechen:

AktMobCmp wird ein wunderbares Barcamp an einem ziemlich konkurrenzlosen Termin werden! Wir werden zwei besondere Tage in einem schönen Kreis am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching erleben.

Die „Aktive Mobilität im Alltag“ ist die dritte Säule der Mobilität neben dem individuell motorisierten und dem öffentlichen Verkehr. Leider wird sie in Gesellschaft und Politik oft nur als Restverkehr verstanden.

Das tut uns weh und das müssen wir ändern. Denn wir müssen unsere Mobilität in den Griff kriegen, um unsere Zukunft zu bewahren!

Einen ganz großen Dank an Christian und Daniel für ihr großartige Unterstützung!

RMD
(Im Namen des Teams vom AktMobCmp)

P.S.
Hier zwei Links zu Artikel in IF-Blog zu AktMob und AktMobCmp. Und weil das Thema so wichtig ist, bitte ich um eifriges Teilen und Retweeten!

Roland Dürre
Dienstag, der 24. März 2015

Auto und Autobahn – über alles.

AutobahnkleeblattHeute morgen in der SZ lese ich in der Kategorie „Landkreis“, dass bei einem Autobahn-Einzelprojekt in meiner Nähe, dessen Notwendigkeit ich auch nicht so recht verstehe, die Kosten von geplanten 25 Millionen um 19 Millionen steigen werden und das Projekt jetzt 44,3 € Millionen kosten wird.

Wahrscheinlich werden es in der Retrospektive dann noch mehr.

Ich zitiere aus der SZ, Landkreis München, 24.03.2015, aus einem Artikel mit der Überschrift:

Kostenexplosion an der A 99

Die Verlegung der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der Autobahn A 99 von der Bundesstraße B 471 zur Kreisstraße M3 wird deutlich teurer als bisher kalkuliert. Das gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreistags am Montagnachmittag im Pullacher Bürgerhaus bekannt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte das Landratsamt demnach vergangene Woche darüber informiert, dass die Baumaßnahmen ein Gesamtvolumen von 44,3 Millionen Euro haben werden. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro ausgegangen, bei Baubeginn im Sommer 2013 war bereits von 29 Millionen Euro die Rede gewesen. Die neue Anschlussstelle an der Kreuzung der Autobahn A 99 und der Kreisstraße M 3 wird als Vollkleeblatt gebaut und die bisherige Einmündung der M 3 in die Bundesstraße B 471 zu einem Kreisverkehr mit Überführung für den durchgehenden Verkehr umgestaltet.

Besonders beeindruckt mich ein zweites Zitat in dem Artikel. Der Landrat Göbel sagt dazu laut diesem Artikel einfach mal so:

 „Dazu kommt eine allgemeine Kostensteigerung um 15 Prozent“.

Das kann ich mir gut vorstellen. Nur ich höre immer, dass wir zu wenig Inflation haben.

RMD

P.S.
Das Bild „AK-Detail“ ist von Wikoli aus der deutschsprachige Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2015

Die Frust-Splitter des Neuen Jahres

Jetzt sind wir im neuen Jahr. Ich bin frei und habe viele Pläne. Und freue mich. Nur Radio hören darf ich gar nicht mehr. Denn dann kommt der Frust. Hier ein paar emotionale Gedanken zu den Nachrichten von Silvester und dieser Tage. So vieles verstehe ich gar nicht mehr.

Die Silvester-Böllerei hat uns in Deutschland mindestens vier Menschenleben gekostet. Sie wurden Opfer der Pyrotechnik. Wie viel Menschenleben die Silvester-Völlerei gekostet hatten wissen wir nicht. Auch der Gesamtschaden der Silvester-Nacht muss dieses Jahr besonders hoch gewesen sein. Damit meine ich nicht die vielen Feuerwehrkörper, die sinnlos und mutwillig zerstört worden sind sondern die Folgeschäden.

Aber wir verschießen Raketen, machen Feuerwerk und haben Angst vor Terrorismus und einer „Ent-Europäisierung“. Und dem Islam. „Pegida“ spielt die zentrale Rolle in den Nachrichten. Bei unserer Kanzlerin wie auch bei den Arbeitgeberverbänden. Die wollen kein Pegida. Aber nur weil es schlecht für die Wirtschaft ist.

Ich mag auch kein Pegida. Aber vor allem, weil es einfach unmenschlich, dumm und fundamentalistisch ist.

Die Politiker sagen jedoch: Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Weil sie immer auf Stimmenjagd sind. Und Angst haben, dass ihre Mehrheiten immer zweifelhafter werden. Und dies zweifellos zu Recht.

Die Sorgen der vielen Menschen, die die Wachstumsideologie und den Widersinn unserer Wirtschaftssystem nicht begreifen wollen und können, nimmt „die Politik“ nicht ernst. Weil Wachstum alternativlos ist.

So wie auch die Sorgen der Menschen, die den totalen Lauschangriff auf uns durch inländische und ausländische Organisationen kritisieren. Und wehe, man macht sich Sorgen wegen TTIP oder wünscht sich eine neue Gesellschaftsordnung.

Solche Menschen muss man „nicht ernst nehmen“ sondern überzeugen! heute noch durch Reklame (genannt Aufklärung) der zuständigen Ministerien. Wie bin ich froh, dass wir noch keine staatliche Umerziehung haben.

Die Diskussion über den Mindestlohn und diesen an sich finde ich auch so bürokratischen Quatsch. Nicht weil ich dagegen wäre. Nein, ich bin absolut dafür, dass menschliche Arbeit fair bezahlt wird. Möglichst weltweit und auch bei uns. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur – der Mindestlohn wird uns das aber genau nicht bringen, sondern vor allem mehr Bürokratie, Verordnungen, Kontrollen, Bußgelder … Und noch mehr Ungerechtigkeit.

Zudem hat der Mindestlohn einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Wie bei vielen ähnlichen dieser Gesetze wurde einfach die Inflation vergessen. Und schon in wenigen Jahren werden wir über den Mindestlohn lachen, weil er so niedrig ist. Oder soll er ab jetzt jährlich und nach welchen Kriterien erhöht werden? Mir ist nichts bekannt.

Die Inflation findet statt, das merke ich laufend, ob beim Bäcker oder auf dem Markt beim Gemüse kaufen, im Schwimmbad, in der S-Bahn und Eisenbahn, in der Post beim Brief frankieren, in den Lokalen usw. Da hilft es auch nichts, wenn der Diesel wahrscheinlich eh nur vorübergehender Weise mal eine Zeitlang verblüffend billig erscheint. Und man das Geld in großen Mengen zum Niedrig-Zins bekommt.

Auch die Verrückten in Brüssel frustrieren mich: Eine Billion EURO (in Zahlen 1.000.000.000.000 €) wollen die jetzt für Wachstum und gegen die zu niedrige Inflation bereitstellen.

Von was soll ich noch schreiben?

Dass die Krankenkassen in 2015 ihre Rücklagen im Wettkampf um die Mitglieder verblasen und dann mit trickreichen Tarifkonstruktionen ab 2016 ihr Zusatzeinkommen generieren dürfen – und sollen? Und dann alles noch intransparenter und komplizierter werden wird? Mit noch mehr „Werbung für die Gesundheit“?

Vom nach weihnachtlichen Populismus der CSU? Oder der Hilflosigkeit des Papstes, der in seinem Managementsystem fünfzehn Krankheiten entdeckt hat, jedoch nicht weiß, wie er diese Krankheiten heilen soll? Oder von dem Wahnsinn in der Ukraine und mit der Nato? Über die Forderung nach verlängerter Datenspeicherung (wegen der Cyber-Kriminalität) der Bayerischen Staatsregierung (um die Aufklärungsquote zu erhöhen)?

Nööö, irgendwie macht sogar das Schimpfen keinen Spaß mehr!

RMD

P.S.
Habe gerade in den Nachrichten auch eine menschliche Nachricht gehört:
Der Uli (Hoeneß) ist ab heute Freigänger. Ich freue mich für ihn.

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. Juni 2014

Durch Verbrennen von Öl gewinnen wir Zeit um Öl zu verbrennen.

Eigentlich nur zum Nachdenken. Aber wir sind schon ein komisches Völkchen.

Wir trachten nach Wohlstand und Freizeit. Dafür opfern wir viel Wichtiges unseres Lebens. Unsere Zeit, unsere Gesundheit, unsere Familie, unser soziales Leben. Wir wollen beim großen Spiel erfolgreich dabei sein, also akzeptieren wir ein Maß von Blindleistung, das in unser immer komplexer werdenden Gesellschaft und Wirtschaft fast schon geometrisch steigt. Um sind bereit, uns maximalem Stress auszusetzen.

So schaffen wir – auch durch den gnadenlosen Einsatz von Technologie – ein nie da gewesenes personales Niveau von Reichtum. Allerdings mit einer immer stärker werdenden Polarisierung zwischen den Menschen und Welten.

Uns geht es aber nicht so gut, weil wir so fleißig und genial sind. Wir sind so reich, weil wir mit unser Technologie gnadenlos Öl und Kohle verbrennen. Und weil wir in einer globalisierten Welt ganz wo anders ganz billig (und oft ziemlich rücksichtslos) produzieren lassen.

Wir sind so erfolgreich, dass wir dauernd etwas tun müssen. So wird unsere Zeit immer knapper. Und was machen wir in unserer verbleibenden Freizeit? Wir reisen hinaus in die globale Welt. Oder schlagen die Zeit mit unseren Luxusmaschinen tot. Und bemühen uns, dabei immer möglichst viel Öl zu verbrennen.

Vereinfacht gesagt:

Wir verbrennen fossile Energien um Zeit für das Verbrennen von fossilen Energien zu gewinnen.

Und verlieren dabei uns selber. Ist doch absurd!

RMD

Jetzt bin ich drei Tage von der Schweiz kommend durch Deutschland geradelt. Und habe bei einem Freund und in zwei Hotels übernachtet. Beim Wolf in Rorschach, dann in Oberstaufen und Füssen in so ganz normalen Touristen-Hotels.

Und jeden Abend im Hotel angekommen musste ich beim Check-In ein Formular ausfüllen. Name, Vorname, Geburtsdatum, Heimadresse, Geburtsdatum und Vorname meiner Frau.

Bei meinem Freund musste ich dies jedoch nicht. Warum da eigentlich nicht? Immerhin habe ich in Rorschach übernachtet. Muss man beim „Privat Übernachten“ nichts ausfüllen? Und kann mir einer sagen, warum eigentlich nicht? Sondern nur im Hotel? Meine Gefährlichkeit ändert sich doch nicht, wenn ich im Hotel übernachte.

Da fällt mir ein, dass ich meine Übernachtungs-Gäste – und ich habe öfters welche – auch kein Formular ausfüllen lasse. Und melden tue ich sie auch nicht. Müsste ich das vielleicht als gesetzestreuer Bürger?

Da ich viel unterwegs bin, muss ich viele solche Formulare ausfüllen. Eine unnötige Arbeit. Dachte immer die Daten sind in meinem Personalausweis. Und auf vielen meiner Plastik-Karten in so kleinen Chips. Also könnte man sie doch auslesen. Dann müsste ich zumindest nicht mehr mit dem Kugelschreiber immer wieder lästig Papier beschmutzen. Mein Geburtsalter und meine Adresse kenne ich doch schon, üben muss ich es doch auch nicht mehr.

Wobei mir das alles eh schon als sinnlos erscheint. Es weiß doch eh ein jeder, wann ich wo ich war und bin. So ist das Ausfüllen doch so eine Art bürokratische Schikane.

Besonders absurd finde ich das Ausfüllen natürlich, wenn ich mein Smartphone am Morgen anschaue. Das begrüßt mich dann jeden Morgen und sagt mir genau wo ich bin, wie das Wetter draußen ist und viel mehr dazu. Und es gibt noch viel mehr Anwendungen, die immer genau wissen, wo ich wann bin.

Trotzdem werde ich wahrscheinlich immer weiter das Anmeldeformular aus füllen müssen. Völlig sinnlos. Wie so vieles in unserer Welt.

🙂 Wobei das jetzt auch nichts ist, was mich so richtig ärgert. Es ist einfach nur blödsinnig.

Also was soll’s. Füll ich halt weiter Formulare aus …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 21. Juli 2013

Sind wir noch zu retten … ?

Oder gehen wir im Irrsinn unter …?

Aus aktuellem Anlass ist mir wieder ein Theaterstück eingefallen, das Norbert Weinberger und ich am Ende des letzten Jahrtausend auf einem Flug nach Indien skizziert und anschließend ausgearbeitet haben. Wir sind damals über Zürich von München kommend mit Swiss Air nach Neu-Dehli geflogen, um dort unser Tochterunternehmen „AMPERSAND ltd“ zu besuchen. Die Business Klasse war ziemlich leer und gleich mehrere charmante Damen aus der Schweiz kümmerten sich so richtig nett um uns.

Champagner gab es zum Abwinken und der Norbert und ich meinten, dass es Sinn machen würde, die Zeit zu nutzen, um den Schwachsinn des Spätkapitalismus in einem kurzen Sketch zu beschreiben.

Entstanden ist in dieser Nacht ein kurzes Theaterstück mit einfachen Bildern und Botschaften, erzählt von unserer Märchenerzählerin (Muschka):

Zwei Freiberufler und Freunde (Norbert und ich) sind in der Klemme. Deshalb trinken sie auf einer zugigen Parkbank ein Bier. Einem zufällig vorbei kommenden Studenten der BWL (Markus) erzählen sie ihr Dilemma und gründen mit diesem eine Firma. Sie freuen sich schnell über das erste gute Jahresergebnis, aber ihr Wirtschaftsprüfer (Christian) holt sie schnell auf den Boden runter. Er empfiehlt ihnen einen ihm persönlich bekannten Business Angel (Hans). Der löst gleich alle Probleme und bringt sie mit goldenen Flügeln (am Rücken) an die Börse. Die Assistentin des Vorstands (Claudia) gefällt das auch und serviert den Champagner. Jetzt heißt es wachsen, also „hire & buy“. Plötzlich ist die Euphorie raus und das Unglück nimmt seinen Lauf. Aus Mr. Buy wird Mr. Sell (Alfred). Und  am Schluss finden sich die beiden Freunde wieder auf ihrer Parkbank beim Bier.

Soweit die Handlung dieser sehr sentimentalen Satire auf die New Economy von Norbert Weinberger und Roland Dürre als Theaterstück. Uraufgeführt wurde es von den Geschäftsführern und Vorständen der im IT-Treff kooperierenden mittelständischen IT-Unternehmen. Das war am 29. Juni 1999 vor gur 550 Zuschauern, die sich damals im Schlachthof zu München fast tot gelacht haben. Das ist dann bald 15 Jahre her, an der Aktualität des Stückes hat sich aber nichts geändert.

Hier der Text zum Lesen oder Nachspielen.
IT-Treff Satire (2140)

Es gibt auch ein Video vom Stück, das leider nur von äußerst schlechter Qualität ist. Ich würde mich freuen, wenn eine Bühne (Laien oder Profis) unser Stück aufführen würde und wir so ein neues Video erstellen könnten. So ein Projekt würde ich tatkräftig kräftig unterstützen und lobe 1.000 € für dies erste Bühne aus, die das Stück in einem schönen Rahmen spielt. Da es kurz und einfach zu inszenieren ist, könnte es auch nur als „Vorstück“ dienen. So wie eine Vor-Band. Wäre doch mal etwas anderes!

RMD

Edwin Ederle
Donnerstag, der 18. Oktober 2012

Sicherheit im Amtsgericht

Nachdem vor einiger Zeit in einem Gericht in Dachau ein Staatsanwalt erschossen wurde, hat man ja beschlossen, sämtliche bayerische Gerichte mit Zugangskontrollen auszustatten.

Vorgestern durfte ich zum ersten Mal erleben, was das bedeutet. Es ist immer wieder schön, zu sehen, wie professionell unsere Steuergelder eingesetzt werden.

Alle Zugänge zu den Gebäuden sind verschlossen – bis auf einen, der mit einer Schleuse wie am Flughafen ausgestattet ist. Ich mußte Jacke, Unterlagen etc. in einem Korb durch ein Röntgengerät fahren. Man bat mich, auch meine Armbanduhr abzunehmen, da „das Gerät sehr empfindlich“ sei. Trotzdem gab es bei mir einen Alarm und ein Wachtmeister kontrollierte mich. Auslöser waren die Nieten meiner Jeans.

Der Weg ins andere Gebäude war weit und verschlungen und nach dem Termin wollte ich mich auf den Rückweg machen als mich meine Bekannte auf ein „Ausgang“-Schild aufmerksam machte. Ich meinte, dass der sicher verschlossen sei, doch wir probierten es. Hier wurde anscheinend intensiv nachgedacht, wie man hohen Sicherheitsstandard gewährleisten kann: An der Tür war ein kleines Schild mit 2 Aufforderungen: Tür wieder fest zuziehen! und Keinen Unbefugten Zutritt gewähren!

Im Internet habe ich gerade gelesen, dass für Umbauten in diesem Zusammenhang 15 Millionen Euro zu Verfügung standen. Wäre nicht ein Schild am Haupteingang „Bitte keine Waffen ins Gebäude bringen!“ viel günstiger gewesen?

E2E

Mähnicke & Six
Samstag, der 15. September 2012

Der tägliche Wahnsinn: Biodioten

Wenn zum Glauben an die gute Sache Blödheit kommt, kommt man sogar ins Fernsehen.

Mehr Täglicher Wahnsinn?