Hans Bonfigt
Montag, der 10. Juli 2017

Digitale Dekadenz und degenerative Demenz

Überraschend muß ich zum Kunden.  In der schönen neuen Mobilwelt kein Problem:  Die Bahnfahrkarte kann ich mit dem Browser meines Mobiltelephons bestellen.

Seit heute nicht mehr.  „Ihr Browser wird nicht mehr unterstützt“, nee, schon klar, ist ja auch schon zwei Jahre alt.   „Sie können aber mit unserer APP die Bestellung tätigen“.   Wenn ich das Wort „APP“ bloß höre, brodelt mir die Magensäure.   Was ist das für ein Schwachsinn ?   Warum muß ich für Allerweltsaufgaben anfällige Spezialprogramme haben, wo es ein Internet-Browser genau so tut ?  Das Schlimmste:  Die meisten „App“s bekommt man nur für das verschwiemelte „Android“ oder das Insignium des technischen Analphabeten, das „Iphone“.  Nun bin ich weder Masochist noch schwul und so kommt ein solcher Mist einfach nicht für mich infrage.   Aber ich probiere dennoch einmal, mit meinem (QNX-) Blackberry die „App“ zu installieren.

Also öffne ich den Blackberry-Paketmanager.   Und finde die „App“.  Alles easy, nicht wahr ?   Schnell auf „Installieren“ gedrückt und schon …

… poppt ein Fenster auf:   „Diese Anwendung muß über den ‚Amazon Store‘ installiert werden“.  Ich will aber kein „Amazon Kunde“ werden !  Immerhin meine Frau hat ein Kundenkonto dort, und so eine fliegende Geschlechtumwandlung ist heutzutage ja hip.   Um überhaupt auf den Amazon-Shop zugreifen zu können, muß ich erstmal 500 MB (kein Witz!) Updates installieren.

Danach kann es endlich losgehen:   Amazon möchte Zugriff auf:

  • Bilder, Musik und Dokumente meines Telephons,
  • meinen Standort,
  • meine Kamera,
  • mein Telephon
  • das Mikrophon

naja, wer das bestätigt, dem sollte das aktive Wahlrecht auf Lebenszeit entzogen werden.

Also:  Es geht nicht, im Zug darf ich, „weil die digitalen Möglichkeiten ja so vielfältig sind“, 12 Euro Zuschlag zahlen.

Später lese ich:   Die „Bahn-App“ kann zwar Fahrscheine buchen und anzeigen, aber nicht mehr für ein hoffnungslos veraltetes Gerät wie meines.

Während dumme Schwätzer immer über „Digitale Barrierefreiheit“ diskutieren, bauen unsere servilen, proaktiven IT-Psychopathen jeden Tag immer mehr Barrieren auf.

 

Als ich beim Kunden ankomme, ist dieser ziemlich sauer:

„Da, sehen Sie!  Meine Leute können praktisch nicht mit dem Internetbrowser arbeiten!“.   Und tatsächlich:  Wenn man mit dem Scrollrad eine Seite schiebt, egal welche, dann dauert ein einzelner Zeilensprung etwa drei Sekunden.  Einmal schwungvoll am Rad gedreht und man kann in Ruhe einen Kaffee trinken gehen.

Was war passiert ?   Ein Sicherheitsupdate installierte auch die neue Superversion des „firefox“ – Browsers.   Und wenn die gerade einmal 16jährigen Pickelgesichter ihre Phantasieen ausgelebt haben, bleibt kein Auge trocken:  Manchmal kann man nicht mehr drucken, weil das Standard-Unix-Druckprotokoll nicht mehr unterstützt wird, manchmal nerven neumodische Sicherheitsfenster, die Eingaben unmöglich machen.  Aber jetzt haben die Spinner den Vogel abgeschossen:   In ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung haben sie auch das Font Rendering übernommen.   Sie basteln also die Seite zusammen und geben sie als monolithische Graphik aus.

Dumm nur:  Eine der wirklichen Stärken des UNIX – Betriebssystems liegt darin, daß Programmausführung und -visualisierung auf komplett unterschiedlichen Maschinen laufen können.   Und das ist gut so, denn es ermöglicht zentrale Programmausführung und zentrale Programmpflege.  Intelligente Unternehmen statten nicht jeden Arbeitsplatz mit einem komletten Rechner aus, für den Lizenzen anfallen, für den Sicherheitsupdates gefahren werden müssen etc. pp..  Gut, die Stadt München will jetzt genau in diese Sackgasse, aber ich sprach ja auch von intelligenten Unternehmen.

Also:  Meine Kunden haben in der Regel genau einen Internetbrowser, welcher auf einem Server im Serverraum läuft.   Bedient wird in den Büros über kleine Terminals.   Der Clou dabei:  Die Hauptarbeit der graphischen Aufbereitung erfolgt anhand einer vom Server geschickten „Aufgabenliste“ auf den Arbeitsplatzrechnern.  Das entlastet den Server ungemein, selbst ein schwachbrüstiger INTEL-Server kann leicht 500 Mitarbeiter bedienen.  Gleichzeitig wird der Datentransfer dramatisch begrenzt, die Anweisung, „Mach den Schirm hellblau und schreibe ‚Reiters neue Perspektive‘ drauf“, bedarf etwa 150 Bytes.  Eine direkte Ausgabe auf dem Bildschirm verquast sinnlos 6.220.800 Bytes, die ebenso sinnlos über das Netzwerk geschickt werden müssen.  Solange das Netzwerk lokal ist, kann man vielleicht damit leben – aber wehe, man sitzt „in der Cloud“, der vielgepriesenen.

Die juvenilen Pickelgesichter haben zwar den multikulturellen Regenbogen in der fauligen Matschbirne, aber je müheloser sie mit ihren Daddel-Gadgets weltweit Kontakt aufnehmen können, desto schneller schrumpft ihr geistiger Tellerrand.  Es paßt nur noch eine Pizza drauf, denn sie backen nur kleine Brötchen.  Zu denken brauchen auch nicht mehr, denn das tut ja „Sascha Lobo“ für sie.   Und weil sie nur ihr mit „Stickern“ verklebtes Notebook sehen, das ihre Welt ist, machen sie ganz en passant einen der größten Vorteile, die UNIX zu bieten hat, kaputt.  Auch deswegen, weil sie UNIX oder Linux nie wirklich verstanden haben.

 

Im Wittgensteinschen Sinne begrenzt die Sprache den kognitiven Horizont des Menschen, bei der Linux – Daddelcommunity hat der prollige PC die Bedeutung der Sprache eingenommen.   Graphik-Frickler wie die „Firefox“-Truppe muß man ja nicht ernst nehmen, kommen wir zu den richtig gefährlichen Revisionisten:

Lennart Poettering: Der größte juvenile Welt-verbesserer seit „Kremlflieger“ Matthias Rust

Hier kann man nicht mehr von Schadenspotential reden, denn der Schaden ist bereits angerichtet.   Schon als Kleinkind war Lennart begeistert, was für ein schöner, monolithisch zusammengekleisterter Kotzbrocken „Windows“ ist und „engagierte“ sich in der „Gnome-Community“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Linux zu einem unbrauchbaren, überladenen Havaristen zu transformieren, auf daß dem Benutzer die gleiche „Desktop-Experience“ widerfahre wie unter „Windows“.

Dabei wirkte sich aber eines störend aus:  Die völlige Trennung von Hardware, Kernel, Bibliotheken und Programmen.   Und klein-Lennart hatte eine Idee, wie er das würde ändern können — indem er das System an der Wurzel befallen würde, durch Redefinition der Mutter aller UNIX-Prozesse, nämlich des Prozesses 1.  Der startet und überwacht alle folgenden Prozesse.

Nun ist es mir weitgehend egal, was Jungprogrammierer in die Tastatur erbrechen und ich habe die Angelegenheit ignoriert.  Bis eines schönen Tages nach Stromausfall ein Kundenserver nicht mehr hochkam.  Das /usr – Dateisystem war korrumpiert und wollte repariert werden.  „In einer Viertelstunde sitzt Du wieder im Zug“, denke ich mir noch, starte den Server in den ‚rescue mode‘, will den check anwerfen  —  und muß feststellen, daß das /usr – Dateisystem bereits in Verwendung ist !!.   What-the-fuck ?

Da rufe ich doch gleich einmal den Marc Haber an und erfahre:  Ja, weil uns der Lennart so viele schöne neue Funktionen beschert hat, kommt er mit der minimalen ‚root‘ – Umgebung nicht mehr aus.  Und deswegen muß er das komplette /usr anhängen.  Er will aber auch alsbald /var assimilieren“.

Tja, und bald haben wir dann, wie unter „Windows“, einen großen Pott.  Zu retten wäre das von Poettering befallene System wohl nicht, wenn es nicht so chice Werkzeuge wie http://grml.org/ gäbe.  In diesem Falle war die Reparatur noch einfach, aber es gibt, auch in der täglichen Praxis, durchaus Fälle, in denen ‚rustikale‘ externe Methoden nicht mehr funktionieren.

Aber es kommt noch knüppeldick:  Klein-Lennart möchte nämlich auch noch den Boot-Loader integrieren, und da hat er auch schon das passende Produkt gefunden:  den Bootloader „GUMMIBOOT“.  „Gummiboot“.  Wie lustig, etwas für die ganz, ganz 13337en unter uns, die die Doppeldeutigkeit „Boot“ und „boot“ erkennen.  Das ist Heidegger, wenn nicht sogar Baudrillard oder Michel Foucault !

Denn „der Bootloader muß mit dem Betriebssystem kommunizieren“, ah ja.   Vielleicht liest Lennart irgenwann einmal nach, wieso ein Bootloader eigentlich „bootstrap loader“ heißt und was es damit auf sich hat.

Nicht verzagen, wir sind noch lange nicht fertig:   Auch der Linux-Kernel muß Teil werden von Lennarts kleiner Welt.   Nur zu blöd, daß die Kernel-Entwickler den kleinen Pupser völlig unverständlicherweise so ganz und gar nicht ausstehen können.  Aber denen hat er es jetzt gegeben:  Er bezeichnete die Entwickler-Ecke als „sick place“ und Linus Thorvalds dachte schon laut über eine Code-Sperre nach.  Der Kelch eines von Poettering verseuchten Linux-Kernels ist wohl vorerst an uns vorbeigegangen.

Nun dachte ich mir, „deinstalliere doch einfach diesen ’systemd‘ und Du hast Deine Ruhe“.   Aber weit gefehlt, das klappt nicht mehr.   Denn klein-Lennart stellt auch neue Standardschnittstellen für die Anwendungssoftware bereit, beispielsweise die Protokollierungs-Schnittstelle und diverse Abstraktionslayer.  Die Maintainer diverser Distributionen haben jede Menge Anwendungsprogramme entsprechend angepaßt.  Und so wird der verschöngeistigte, pubertäre Mist urplötzlich unverzichtbar.

Eine „Innovation“, so notwendig und so bescheuert wie die Rechtschreibreform.

 

Das Übel dabei ist:

Es wird nichts besser, sondern immer komplexer, aufgeplusterter und aufgedunsener.

Aber das allerschlimmste:

Alle machen kritiklos mit.

 

 

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Mai 2017

Quo Vadis – Digitale Transformation?

In eigener Sache.
Mit dem Thema „Digitalisierung“ setzte ich mich häufig auch in Vorträgen auseinander. Deshalb fahre ich auch am nächsten Freitag (12. Mai)  wieder auf’s Oberland IT Camp. Sowohl um ein wenig aufzuklären, aber vor allem um Neues zu Lernen und zu Erleben.

Deshalb hier ein Sammelsurium aus manchen Vorträgen, Diskussionen und Debatten rund um Digitalisierung. Der Stoff würde zweifelsfrei für ein Buch ausreichen, deshalb  zum Teil meine Gedanken hier nur in Stichworten. Für den, der sich auskennt, sollte es aber genügen.


 Digitalisierung – ein großes Missverständnis?
Kein Morgen ohne Heute, kein Heute ohne Gestern!

Mein Vortrag auf der Abendveranstaltung BICCnight it at media im Foyer Funkhaus Bayern, München am 22. 07. 2011 (Foto: Stephan Goerlich) – Das Video zum Vortrag findet sich unten in diesem Artikel.

Abstract:

Wer die Gegenwart verstehen will, muss wissen, wie es zu ihr gekommen ist. Die Geschichte der Digitalisierung ist uralt. In den letzten 50 Jahren hat sich die Entwicklung rasant beschleunigt und in den beiden letzten Jahrzehnten noch mal so richtig an Fahrt aufgenommen. Alles deutet darauf hin, dass die Beschleunigung zumindest die nächsten 20 Jahre nicht nachlassen wird.


Digitalisierung

Die „Digitalisierung“ hat die Gesellschaft massiv verändert, anders aber in einem ähnlichen Ausmaß, wie es die „Industrielle Revolution“ in den letzten drei Jahrhunderten getan hat. Die zweite große „Transformation durch technologische Weiterentwicklung“ liegt jedoch noch vor uns. Sie wird unsere individuelle und soziale Art zu leben nochmal komplett verändern.

So schadet es nicht, sich folgende Fragen zu stellen:

Wie war das mit der Digitalisierung? Wie kam es dazu? Was hat sich bisher verändert? Wo stehen wir heute? Was bedeutet die Digitalisierung für das „analoge“ Wesen Mensch? Wie wird es weitergehen? Und kann es sein, dass die neue Technologie uns wieder „zum rein analog kommunizierenden Wesen“ werden lässt?

In meinem Vorträgen diskutiere ich diese und weitere Fragen auf technischer und sozialer Ebene. Ich versuche das  verständlich und unterhaltsam zu machen, Prognosen zu wagen und die eine oder andere Antwort zu finden. Aber vor allem versuche ein wenig zu provozieren und nachdenklich zu machen.


So stellen sich viele Fragen, die man unterschiedlich beantworten kann.
Ab jetzt eher in Stichworten.

Wozu dient die Digitalisierung eigentlich?
Wo Menschen doch analog kommunizieren?
Sprache und Denken sind im Kopf analog. Das Bedürfnis, Zahlen, Gedanken und Geschichten aufzuzeichnen, entstand schon relativ kurz nach Erfindung der Sprache. Zuerst wohl auch als Anwendung mit wirtschaftlichen Nutzen. Später um „Wissen“ über die Zeiten weiterzugeben und zu verbreiten.

So entstanden Bilder, Symbole, Zahlen, Zeichen und systemische Zeichenvorräte (Alphabet). Immer mit dem Ziel, Sprache (Gedanken, Geschichten) „zu verschriften“. Damit man sie über Zeit und Raum jenseits der mündlichen Weitergabe transportieren konnte. Und der „Kopf“ musste sie „beim Lesen“ wieder „entschriften“ und ins Analoge bringen.

Jeder Zeichenvorrat ist auf die minimale Zeichenmenge {0,1} bijektiv abbildbar. Digitalisierung heißt vor allem, dass das Analoge auf das Digitale abgebildet wird und dann transportiert, verarbeitet aber vor allem auch wieder „analogisiert“ werden kann. So war das. Heute ist die digitale Welt aber so weit, dass sie uns komplett analog bedient.

Geschichte von Digitalisierung:

Schrift als Digitalisierung von Sprache. 24 Zeichen.
Stein, Ton, Papyrus, Papier als Informationsträger.
Früher: 1 Mönch diktiert, viele schreiben mit.
Dann: Druckerpresse, bewegliche Lettern.
Speichern von Ton mechanisch (Wachsscheibe, Drehleier, Schallplatte, Walze).
Die Übertragung von Information erfolgte durch physischen Transport der Speicher.
Interessante Ausnahmen waren verkettete Signale auf optischer und akustischer Basie (Spiegeln an Wachtürme an der italienischen Küste, Trommelketten) in der Regel mit reduzierter Informationsbreite (für einen bestimmten Zweck).

Dann kam die Elektrizität …

Übertragung: Über Kabel mit Strom oder drahtlos (Funk)
Speicherung; Immer noch mechanisch (Lochstreifen/-karten).
Später kamen erste magnetische Tonträger (die übrigens gerade verschwinden).

Protokolle:

Allein die Geschichte der Übertragungsprotokolle wäre ein eigenes Buch wert. So auch hier nur ein paar Stichworte:

MORSE-Code (3-wertig, Kurzton, Langton, Pause = Ende; variable Zeichenlänge maximal vier).
Zur Weitergabe und später Verbreitung von Inhalten (Material und Methode).
TELEX (mechanisch-elektrisch)
CCITT-Code (5 Bit-Code, 31 Zeichen mit 24 Buchstaben plus Sonderzeichen)
Telefon/Telefax – war beides analog mit Leitungsvermittlung.
ISDN und Paketvermittlung (X25) kamen erst später.
Datenfernübertragung ging mit Modem über das Telefonnetz
(Umwandlung von digitalen Signalen durch Modulation ins Analoge und durch Demodulation auf der anderen Seite der Leitung zurück).
Dann kommt die Digitalisierung auch bei der Übertragung. Im Prinzip geht es da immer um das Abtasten von Kurven in äquidistanten Abständen (Rasterung) – so werden auch die von Töne = Musik = Sprache digitalisiert.
Parallel kam die universale Maschine (Computer), der eben nicht nur rechnen konnte, sondern alles.
Die Büchse der Pandorra hat sich geöffnet.
Es kam die CD 1982, ISDN 1989 (Pilot ab 1979).
CD steht für Compact Disk, hieß eigentlich DD für Digitale Disk.
Beim Einstieg in ISDN hatten Bevölkerung und Bundestag große Angst vor der jetzt einfach möglichen Überwachung! Heute ist ISDN abgelöst – wie TELEX in den 80iger Jahren. Und alles kannmehr oder weniger überwacht werden und wird es je nach Bedarf.
Die Datenverarbeitung wurde auch immer digital und bekam Datensichtgeräte.
Auf der Hannover Messe 1980 hab ich mein erstes farbiges Datensichtgerät gesehen. Es war von Tectronix, sah aus wie ein großer Oszillograph und war so teuer wie ein kleines Reihenhaus in München.
Multiplexen auf einer Leitung wird möglich, dann endlich kommt die Datenfernübertragung auf der Basis von Paketvermittlung (Datex-P X25). Aus den Netzen werden erstmalig „Wolken“ – vorher bestanden sie immer aus vielen Verbindungslinien.
Bildschirmtext war die Zukunft. Die Austastlücke des Fernsehers wurde genutzt. Während der Zeit, die der Kathodenstrahl brauchte um von rechts unten wieder nach links zu gehen, wurden ja keine Daten übertragen. Diese Übertragungslücke wurde genutzt, um Daten in die Fernsehausstrahlung einzubetten. Durch Nutzung eines einfachen Rückkanals konnte man sogar eine interaktive Kommunikation über den Fernseher mit den Bildschirmtext-Rechnern herstellen. Sogar Graphik war möglich, die Codierung einfacher Bilder erfolgt im Zeilen- und Spalten-Bildschirm mit Hilfe von Codes basierend auf alpha- und mosaik-Tafeln. Das Ergebnis war zwar plump und der Seitenaufbau langsam, aber immerhin hat es funktioniert. Trotzdem wurde BTX dann bald überholt, aber zum Anschauen der Fußball-Ergebnisse und einfacher Nachrichten hat es lange Jahre ganz gut gedient.

Ein anderer „Dienst“ – Teletex mit noch leitungsbasiertem Punkt-zu-Punkt- Protokoll (Datex-L) und normierten Datensichtgeräten als Stationen sollte der Nachfolger von Telex werden (auch Leitungs-basierend mit Endgerät Fernschreiber). Dies Projekt scheiterte aber vor Inbetriebnahme.


Einschub:
Zweimal durfte ich auf der IFA (Internationale Funk Ausstellung) in Berlin Fortschritt mit „Gänsehaut-Effekt“ erleben. Das war das Farbfernsehen (60iger Jahr) und die CD (siebziger) Jahre. Da erlebte ich beides Mal für mich „Unvorstellbares“. Die Realität kam wieder ein Stück mehr ins Wohnzimmer, real und virtuell begann sich zu vermischen.


Der technische Fortschritt marschiert:

Das Original-Transistor-Radio meines Vaters. Wir haben es in IF-Blog als Logo für unsere Radiophilosophie genutzt.

Nie werde ich das „Transistorradio“ meines Vaters vergessen. Weil er so richtig glücklich über diese Errungenschaft war. Es war ein kleines Gerät von Grundig mit 6 Transistoren. Es lief auf UKW und MW, war klein, hatte Batterien. Jetzt  hatte überall Empfang – auch im Ausland. Das war wichtig im kalten Krieg.

Das Farbfernsehen kam übrigens 1967. Und war für uns Schwarzweiß-Gucker so etwas wie ein technisches Wunder (obwohl wir das technologische Prinzip im Physik-Unterricht gelernt und auch verstanden hatten.
Zitat dazu:
Zum Start des Farbfernsehens 1967 brachte Körting den preiswertesten Farbfernseher auf den Markt, ein Gerät mit 14 Röhren plus Bildröhre mit Zwei-Trafo-Konzept.

Und dann ging es weiter.
Digitale Musik (die Schallplatte wurde von der CD abglöst, die CD vom iPod integriert über MacIntosh und iTunes).
Das Telefonieren wurde drahtlos und dann auch digital.
Die Kommunikation ging nicht mehr nur synchron sondern auch asynchron.


Einschub:
Hier ein Video von einem meiner gut zu diesen Themen passenden Vortrag am 22. 07. 2011 im Foyer des Funkhaus Bayern in München mit dem wunderschönen Titel:

What’s new, pussycat?“

 


Dann kamen Lösungen, wie wir sie heute noch kennen …

e-Mail
Internet
Bildtelefonie
Social Media, FB, Google, Wikipedia …

Das ist mittlerweile alles ein uralter Hut..

Es kam aber auch viel Unsinn:

Aufbewahrungpflicht von E-Mails, Datensammelwut und Datenschutz.
(bald lächerlich und von gestern weil selbstverständlich geworden)
Es kam BIG DATA als weiteres großes Missverständnis.
Beleg dafür sind Sätze wie „Daten als Erdöl der Zukunft“, „Bigdata engine macht aus Daten Dollars“. Das alles ist bestenfalls Bullshit.
Nebenher hat der Taschenrechner das Rechnen im Kopf, auf Papier und den Rechenschieber abgelöst.
😉 Und demnächst sollen die Auto fahrerlos im Stau dem Manager hinterfahren, der die U-Bahn nutzt, um seinen Termin zu schaffen …

Aber was ist der Trend?
Früher hätte ich geschrieben: snapchat, wechat und Konsorten sind Wegweiser in die Zukunft. Das ist aber auch schon wieder alles ein alter Hut.

Morgen!

Wahrscheinlich betrifft es nur die entwickelten Gesellschaften – die anderen werden eh noch ärmer und werden ganz andere Sorgen haben. Aber bei uns könnte sich Vieles (Alles?) ändern:

Chat kills E-Mail
Podcast kills Post
Audio kills Lesen&Schreiben
Video kills Audio (Telefon)
… ???

Die klassische Form der Mobilität wird sich radikal ändern.
3D wird den Alltag verändern.
Dokumente werden wohl doch bald verschwinden.
Geld wird richtig virtuell werden.
Eigentum, Besitz und Recht werden virtuell werden – mit allen Konsequenzen.

Die goldene Regel ist „Was einfach ist und nutzt, das gewinnt.“

Die Messie-Kultur verlässt die reale Welt (Besitz belastet!) und geht ins Virtuelle.
Man geht weg von Sachwerten, eine gut gefühlte digitale Börse ist wichtiger als komische Sachwerte, die eh nur Stress machen.
Viele Hypes, über die mancher sich heute noch gerne erregt, werden selbstverständlich werden – oder ganz verschwinden.
Die Menschen werden noch mehr über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben.
Die Maschinen werden bestimmen wo es lang geht.
Neue Werkzeuge werden den Trend bestimmen.
Lernen und Bildung wird sich völlig verändern.
Was passiert mit den Schule und Universitäten? Vielleicht werden ein paar als nostalgische Überbleibsel aus vergangenen Zeiten überleben.
Smart Solutions arbeiten für uns, ohne dass uns das bewusst sein wird.
Smart Solutions werden „shared economy“ ermöglichen, vielleicht retten sie so die Welt? Oder schieben den Untergang zumindest ein wenig hinaus?
Systeme der künstliche Intelligenz werden durch selbstständiges lernen immer schneller immer klüger – und die Menschen dafür immer dümmer?
Neue Technologie kann es auch ohne den Menschen, weil sie selbst direkt mit der Welt kommuniziert.
Gesellschaftlich entstehen „Verschwörungstheorien“ von völlig neuen Dimensionen.
Die Menschen werden immer mehr  Audio, Video und dreidimensionales Erleben nutzen. Die Fähigkeit des quasi „automatischen“ Lesens und Schreibens als selbstverständlich beherrschten Kulturtechnik wird verschwinden. Ein rudimentärer Analphabetismus wird sich entwickeln. Die meisten Menschen werden Lesen und Schreiben genauso verlernen wie sie Kopfrechnen und das Rechnen auf Papier schon seit vor einiger Zeit verlernt haben. Weil man es halt nicht mehr brauchen wird.

Aber welche Technologien spielen schon heute eine wichtige Rolle und werden wohl richtig relevant für die Zukunft werden?
Oder: Auf was sollten wir heute unsere Aufmerksamkeit lenken?

  • Sensoren
    Bis vor kurzem hat die ganze IT immer mit den Menschen oder besten Falls mit anderen „digitalen Systemen“ kommuniziert. Durch den Einsatz von Sensoren kann die IT plötzlich direkt mit der Welt arbeiten – sie braucht den Menschen als Mittler nicht mehr.
  • Smart Solutions
    Smart bedeutet im Kontext mit Lösung die Kombination von „digitaler Technik“ und „sozialer Veränderung“.
    Kurzform: smart = sozial + digital
  • Weiter entwickelte Lösungen, die man heute mit buzzwords wie augmented, merged oder virtual reality bezeichnet.
  • Autonome und integrative Systeme aller Art, wahrscheinlich ganz andere als die an man heute denkt. Also eher nicht das fahrerlose Auto. Lassen wir uns überraschen!
  • Das Problem wird immer die Benutzerschnittstellen sein. Wenn man sich zum Beispiel die schlechten Noten auch für viel genutzte „deutsche Apps“ anschaut, könnte man meinen, dass die Entwicklung von Apps eine gute Zukunft haben wird.

Dann zum Abschluss noch Warnung und eine

These:

Die Zukunft – basierend auf digitaler Technologie – bringt die „Analogisierung“ des Alltages und eine gewaltige gesellschaftliche Veränderung durch Smart Solutions!

Warnung

Digitalisierung ist ein uralter Hut! Das war einmal! Dinge wie Datenschutz sind erledigt. Die Diskussion darüber lenkt uns nur ab, die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen. Und die quasi „automatisch“ entstehende gesellschaftliche Veränderung in eine humane Richtung zu steuern.

Darüber lohnt es sich meines Erachtens zu diskutieren und debattieren. Aber bitte zuerst nachdenken!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. April 2017

IT Oberland BarCamp am 12. Mai 2017 in Holzkirchen!

Das BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen

Damals dachte der Autor noch in Hardware 🙂

Momentan schlägt das „buzzword“ DIGITALISIERUNG hohe Wellen. Es gibt ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) und in den bayrischen Ländern entstehen geförderte Digitalisierungs-Zentren.

Nur Digitalisierung war doch gestern. Das war damals, als die Uhren, Tachometer und Thermometer plötzlich eine digitale Anzeige bekamen. Das war vielleicht 1985, als Apple 2 und MacIntosh fröhlich Urstand feierten und die deutschen Informatiker in ihrer Industrie-Nostalgie mit BS2000 und ähnlichem noch viel Geld verdienten.

Internet und Google sind mittlerweile ein alter Hut. Von selbst lernenden Systemen haben wir schon vor ein paar Jahrzehnten geträumt – in unserer Euphorie zu KI (künstliche Intelligenz). Die modernen unter uns haben schon 1980 die KI dann AI (artificial intelligence) genannt, weil wir wussten, dass es damit in Deutschland nichts wird. Damals haben wir von Lisp und Prolog geträumt. Jetzt kommen die denkenden Systeme und lernen schnell von selbst – in Bereichen wie Übersetzung oder Verkehr – weil die Hardware halt so leistungsfähig ist, dass es zu funktionieren beginnt. Auch ohne Lisp und Prolog.

Immer noch passiert viel Neues. Dies in einem oft nicht mehr nachvollziehbarem Tempo. Und es scheint erst jetzt so richtig los zu gehen. Eine unvorstellbare Welle von Produkten rollt auf uns zu, die die Welt nochmals radikal verändern werden. Viele Gesetze und Regeln werden in Zukunft nicht mehr funktionieren. Da stellen sich viele Fragen:

  • Heute wird viel über „das selbst fahrende Auto“ diskutiert. Aber ist das nicht nur die Spitze des Eisbergs einer Veränderung des Lebens? Und wird schon viel früher viel mehr sich merklich und unmerklich verändern?
  • Leben wir nicht im Zeitalter der Sensorik, die eine völlig neue Verbindung und Interaktion von „Informatik“ zur Welt schafft? Und es bald nicht mehr um die Mensch-Maschine-Schnittstelle gehen wird sondern um die „Welt-Maschine-Schnittstelle“.
  • Ist Datenschutz wirklich sinnvoll machbar? Oder nur so eine Chimäre der ewig gestrigen? Was bedeutet das für unsere Gesellschaft?
  • Welche technischen Elemente brauchen „Smart Solutions“ in einer modernen IoT-Architektur? Was heißt „smart“ überhaupt – und was verstehen wir tatsächlich unter IoT?
  • Wie ist denn das mit den Regeln für Roboter (selbst fahrende Autos)? Was sagt die „Ethik-Kommission“ der Bundesregierung dazu?
  • Wie gehen wir mit Kampfrobotern und Drohnen um? Was bedeutet das für Krieg und Frieden?
  • Müssen wir nicht viele Elemente unserer gesellschaftlichen Ordnung als Folge der technischen Entwicklung umdenken oder gar neu definieren?
  • Was bedeutet das für unseren gesellschaftlichen Rahmen? Wird Politik Gestalterin des Selbigen bleiben oder haben das schon Maschinen übernommen?

Solche und weitere Fragen werden auf dem Oberland BarCamp in Holzkirchen offen, redlich und achtsam diskutiert werden – wie das auf Barcamps meistens so üblich ist.

Deshalb habe ich mich zum BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen AuswirkungenOberland BarCamp genannt – angemeldet. Es wird am 12. Mai in der RSC Factory – Trainings- und Coachingzentrum für Digital Business & Innovation in Holzkirchen stattfinden.

Und ich freue mich schon darauf, dort viele Freunde wieder zu sehen!

RMD

P.S.
Das Oberland barcamp wird über Meetup organisiert. Wenn Ihr Euch da anmeldet und mit diskutiert, macht das dem Veranstalter das Leben ein wenig einfacher!

 

Von Stand-by-Jobs, Facilitation und Fahrerlosen U-Bahnen. Und vom Uli.

Vor kurzem habe ich Ulrich Sendler kennen gelernt. Uli ist „Unabhängiger Technologieanalyst“ und Musiker. Er schreibt Bücher (die sogar ins chinesische übersetzt werden und dort hohe Auflagen haben), hält Vorträge (so wie ich ihn erlebt hatte dürften die sehr kompetent aber auch unterhaltsam sein) und ist als Berater und Moderator unterwegs. Bei unserem Treffen hat er mir erzählt, dass er demnächst in Gütersloh eine „keynote“ zum Thema „Automated Society“ halten wird. Irgendwie erscheint das mir die logische Entwicklung unserer „Self-Service-Society“. Ich bestelle den Dienst im Internet und die Lieferung erfolgt oder Dienstleistung erfolgt dann automatisch.

„Automated Society“ und „Self-Service-Society“ sind für mich auch „buzz words“, die gerne als Merkmale unserer „neuen digitalisierten Gesellschaft“ in unserem „post-faktischen Alltag“ genannt werden.

Sie haben bei mir gleich ein paar Assoziationen und Gedanken ausgelöst:

Technologie hat das Ziel, dem Menschen Leben und Arbeit einfacher zu machen. Dafür gibt es auch ein schönes und heute oft verwendete buzz word:
Facilitation!
Im englischen Wikipedia wird das Wort zurzeit so definiert:
Facilitation is any activity that makes tasks for others easy, or tasks that are assisted.

Im alltäglichen Leben hat das dazu geführt, dass die Arbeit von uns Menschen durch viele technologisch Errungenschaften erleichtert wird. Das kann auch dazu führen, dass wir gar nichts mehr zu tun haben.

Denken wir an einen Piloten der Lufthansa. Die sind zurzeit wegen ihrer Streikleidenschaft öfters in der Presse. Der arme Pilot darf auf einem Langstreckenflug wie in die Karibik wohl nur noch 10 Minuten – beim Einleiten und Durchführen von Start und Landung. Den Rest schaut er zu, wie der Flieger so vor sich hin fliegt. Der arme Pilot darf seine Langweile auch nicht mit Computer-Spielen vertreiben. Alkohol wird ihm auch verboten sein wie bestimmt auch der Damenbesuch im Cockpitz.B. durch eine Stewardess. Was übrige bleibt ist dann Langeweile.

Wecker1Ich nenne solche Berufe „Stand-by-Jobs“. Da ich als Programmierer tätig war ist das für mich, wie wenn ich dem Computer 8 Stunden beim Programmieren zu schauen muss und dann in fünf Minuten kurz überprüfe, ob das entstandene Programm den Vorgaben entspricht. Ich stelle mir so einen Job eher grausam vor. Kann gut sein, dass so ein Stand-by-Job depressiv macht.

Vor ein paar Jahrzehnten hatte ich nach einem Job-Wechsel beim neuen Arbeitgeber gut zwei Wochen nichts zu tun. Von Morgens bis Abends saß ich im Büro, langweilte mich und versuchte verzweifelt mich sinnvoll zu beschäftigen. Und die Zeiger der Uhr schienen so richtig dahin zu schleichen.

So unglücklich wie damals war ich nie in meinem Arbeitsleben.

Münchner U-Bahnhof Dietlindenstraße (U6) - Urheber: FloSch - Eigenes Werk unter CC BY 2.5 (2005)

Münchner U-Bahnhof Dietlindenstraße (U6) – Eigenes Werk von FloSch, unter CC BY  2.5 veröffentlicht in Wikipedia (2005)

Die Stadtwerke München (SWM) betreiben unter anderem das Münchner U-Bahn-System. Die SWM sind intelligente Arbeitgeber, die wissen, dass Menschen „Stand-by-Arbeit“ nicht mögen. U-Bahnfahrer ist auch zum „Stand-by-Job“ geworden. Die Stadtwerke wollen glückliche U-Bahnfahrer haben, die ihren Job motiviert erfüllen. Vor kurzem habe ich gelernt, dass ein U-Bahnfahrer an jeder Haltestelle aussteigen muss um die Befüllung des Zuges zu kontrollieren und dann wenn diese erfolgreich erfolgt, die Abfahrt frei geben darf. Das ist seine wesentliche Aufgabe.

Die Maßnahme dient der Sicherheit am Bahnsteig. Vor allem aber dient sie dem Fahrer, denn so wird sein Job wieder verantwortungsvoller, abwechslungsreicher und er hat sogar ein wenig Bewegung. Das tut Seele und Körper gut.

Nur, die U-Bahnen in Nürnberg fahren seit Jahren ohne Zugführer. Und die in Lyon schon seit Jahrzehnten. Und in beiden Fällen scheint das System sehr gut zu funktionieren, sogar besser als mit Fahrer.

Die Schlussfolgerungen überlasse ich meinen Lesern.

RMD

P.S.
Gestern bin im mit dem Bus 210 des MVG von Neuperlach Bahnhof nach Ottobrunn, Haltestelle Jahnstr. gefahren. Der Fahrer saß ziemlich abgegrenzt vorne in seinem dunklen Kabäuschen. Der Kontakt vom Fahrzeug zu den Menschen war automatisiert, die Anzeige und die Ansage der Haltestellen. Der Fahrer ist nur noch der Lenker, er hält an, wenn er Menschen an der Haltestelle sieht oder ein Fahrgast auf den Knopf drückt. An diesem Abend hatte ich Glück, der Fahrer ist sehr vernünftig gefahren und hat auf starkes Beschleunigen und heftiges Bremsen verzichtet. Das war mir angenehm. Es gibt aber auch Fahrer, bei denen geht es so richtig rund. Dann hat so ein selbstfahrender Bus schon auch seinen Vorteil… Technisch sollte es ja heutzutage möglich sein.

 

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. November 2016

„Digitaler Wandel“ – Gedanken zum Vortrag – #nostructure !

Leider habe ich keine Bilder von Vortrag in Nürnberg und Rosenheim.

Leider habe ich keine Bilder von Vortrag in Nürnberg und Rosenheim.

Gerne bin ich in Sachen „Vortrag“ unterwegs. Meine Vorträge halte ich vor allem für liebe Freunde und „gute Sachen“. Dabei versuche ich, keine Wahrheit zu verkünden, sondern gerade auch die Gedanken, von denen ich selber überzeugt bin, in Frage zu stellen.

😉 Weil ich in mir die „Wahrheit“ fühle, dass es eben keine Wahrheit gibt.

Das ist ein schwieriges Thema. Man denke an den Satz:

„Toleranz ist das höchste Gut. Intoleranz ist nur gegen Intoleranz erlaubt. Aber da muss sie sein!“

Denkt ein wenig nach, und Ihr merkt schnell, wo hier „der Hund begraben ist“.

Zurzeit spreche ich überwiegend zu Themen wie „Führung“, „Unternehmertum“ und „Digitalisierung“. Wenn ich einen Vortrag halte, dann lerne ich immer am meisten. So war es auch vorgestern in Kolbermoor als Gast bei der Tech-Division, einem Unternehmen, das ich sehr positiv erlebe. Die Tech-Division sitzt in Kolbermoor in der „Alten Spinnerei“, einem wunderschönen Loft-Bürogebäude.

Die Überschrift meines Vortrages zum Thema der digitalen Transformation war diesmal:
Was bei der Digitalisierung gerne vergessen wird!

Da ich für alle Zuhörer etwas dabei haben will, bringe ich immer so eine Art „kritisches Potpourri“ mit. Ich arbeite wesentlich mit Metaphern. Ich versuche, den Vortrag keiner Struktur zu unterwerfen. Deshalb spreche ich auch prinzipiell ohne Folien (bei großem Auditorium nutze ich emotionale Hintergrundbilder).

Wichtige Standards der Kommunikation (wie Dreisatz oder Fünfsatz, Syllogismen und Logik allgemein) nutze ich nur innerhalb der Bausteine meines „Potpourris“. Früher habe ich viel „Vertriebs-Vorträge“ gehalten. Da wollte ich manipulieren oder zumindest die Zuhörer von meiner Wahrheit überzeugen.

Das ging so:

Ich habe im Vortrag eine (plausible und von meinen Zuhörern gut nachvollziehbare Annahme) X aufgestellt und dann eine logische Kette gebildet: Aus X folgt A , aus A folgt B … und aus Y folgt Z. So habe ich aus X die Botschaft Z abgeleitet und wollte damit beweisen, dass aus einer allgemein gültigen Annahme X, die jeder einsieht, sich eine Folgerung Z ergibt. Z war meine Botschaft, ich wollte die Zuschauer dazu bringen, dass sie sich Z zu eigen machen. Das ist vorbei.

Allgemein arbeite ich in meinen Vorträgen gerne mit Analogien. So beschreibe ich ein Prinzip oder einen Sachverhalt, die eigentlich mit dem Thema nichts zu tun haben, die aber eine Botschaft enthalten, die man auf andere Prinzipien oder Sachverhalte anwenden könnte. Und abhängig von der Einschätzung des aktuellen Moments berichte ich auch noch die Analogie – oder lass die Zuhörer sie selber finden.

Ich bringe ein Beispiel:

Wenn ich über Digitalisierung rede, geht es auch um Infrastruktur. Infrastruktur ist ein spannendes Thema. Wir leben im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen. Der Mensch hat die Welt wesentlich bis total verändert, dies mit dem Schaffen ganz neuer Infrastrukturen und Technologien. Angefangen hat das schon bei den „Menschenartigen“, von denen wir abstammen.

Zuerst kam vor langer, langer Zeit der aufrechte Gang, die (daraus resultierende ?) Entwicklung von Werkzeugen, dem Entstehen von Denken und Sprache (vor 10.000 Jahren?) gefolgt von der „Verschriftung“ von Sprache (vor 5.000 Jahren?). Diese Innovationen haben wohl die „Informationsgesellschaft“ eingeleitet oder zumindest erst ermöglicht.

Gestartet wurde das Bilden von Infrastrukur im mobilen Bereich wohl mit der Entwicklung von Pfaden, die das „zu Fuß gehen“ erleichtert haben. Mit der Erfindung des Rades (3000 Jahre vor Christi ?) mussten erste Formen von „Straße“ entstehen. Eine wichtige Rolle in der Mobilität hat immer das Wasser (Meer, Flüsse, Seen …) gespielt. So entstand ein Binnen-Netz von Kanälen. Weiter ging es mit Postkutsche, Eisenbahn und mechanisierten und motorisiertem Individualverkehr. So wurde das Straßennetz in einem unvorstellbaren Maß ausgebaut.

Aber nicht nur Menschen und Güter müssen mobil sein. Auch die Geschichten der Menschen brauchten Mobilität. So wurde die Aufgabe des Kuriers erfunden. Die Brief-Post entstand, die Übertragung per Leitung oder Funk, Netze wie das Fernschreib-, Telegramm- oder später Telefonnetz. Heute ist es das Internet. Die Voraussetzung für all das war die Elektrizität. So entstanden Stromnetze für den Transport von Energie …

So berichte ich im Vortrag „Digitalisierung“ gerne von der in meiner Einschätzung größten Infrastruktur aller Zeiten – dem Straßennetz. Wahrscheinlich gelange ich mit dem Auto an fast jeden Punkt auf dieser Welt, wo Menschen wohnen. Überall – sogar auf kleinen Inseln – gibt es Parkplätze, Straßen, Tankstellen und Reparaturwerkstätten für Autos. Jeder Mensch bekommt wahrscheinlich Waren geliefert, die mal in einem Lkw oder Pkw befördert worden sind.

Es gibt kaum soviel Regeln und Gesetze wie in der individuellen Mobilität, die uns vorschreiben, was wir zu tun haben und wie so ein Fahrzeug aussehen muss. Es gibt ein Mindestalter und man braucht einen Führerschein, um sich motorisiert in dieser Infrastruktur zu bewegen.

Mir stellt sich (natürlich) die Frage, was das alles genutzt hat, wenn ich die Ergebnisse sehe: 1.400 Millionen Verkehrstote pro Jahr weltweit. Daneben gesundheitliche Schäden ohne Ende durch Lärm und Abgase. Aber auch indirekt durch Bewegungsverlust und Verfettung. Eine zu betonierte Landschaft. Und vieles mehr. Da liegt doch der Gedanke nahe, das da etwas falsch gelaufen ist. Und, dass man vielleicht aus der Geschichte etwas lernen könnte.

Im Vortrag nehme ich diese große Infrastruktur und den Weg dorthin als Metapher für technologische Entwicklung (Digitalisierung ist für mich ja nur Teil von Technologie). Als Redner muss ich jetzt entscheiden:

Soll ich das explizit machen? Ich rede ja über „Digitalisierung“. Deshalb kann ja jetzt jeder mal ganz von selbst auf die Idee kommen, zu überlegen, wie die Metapher des Straßennetzes für das „Digitale Netz“, sprich dem Internet verwendet werden könnte.

Ich kann auch verbal die Menschen anstoßen, darüber nach mal zu denken und ein paar Impulse geben.

Ich kann aber auch ausführlich Fakten berichten, die zum Nachdenken anregen: Dass das Verkehrsnetz fast jeden Menschen erreicht. Das Internet erreicht zurzeit aber von zirka 8 Milliarden nur etwa 2 Milliarden. Facebook soll angeblich 1 Milliarde Menschen erreichen. Angeblich, weil es Quellen gibt, dass es „nur“ 500 Millionen sind.

Ich könnte die Menschen fragen, was es eigentlich heißt, ein „digitaler“ Mensch und Teilnehmer im Internet zu sein. Reicht es, wenn ich E-mail nutze, chatte, in Facebook bin und gelegentlich in Wikipedia (ist ja auch nur ein Lexikon) etwas nachschaue? Oder muss ich um der Definition zu genügen ein aktiver Teilnehmer sein? Man denke an das schon lang vergessene aber gar nicht so alte Buzzword vom Web2.0 (Menschen werden von „Teilnehmern“ zu „Teilgebern“)!?

So versuche ich ganz bewusst möglichst „chaotische“ und „verwirrende“ Vorträge zu halten. Und freue mich über jede schöne Rückmeldung. Besonders gerne wenn sie dann ein wenig eingeschränkt wird mit Bemerkungen wie „… so klar strukturiert war es aber leider nicht …“ oder „… wenn auch der roten Faden hin und wieder verloren ging …“

🙂 Weil ich dann mein Ziel erreicht habe!

RMD

P.S.
Noch ein Tipp: Wer etwas über Digitalisierung lernen will – eben wie das so funktioniert – dem empfehle ich die Lektüre von Fefe’s Blog, die „BILD-Zeitung für Nerds“ (scherzhaft). Da kann man zu vielen Aspekten lernen.

Gestern habe ich von einem lieben und sehr klugen Freund eine E-Mail bekommen. Der Kern-Absatz war folgender:


Vorgestern hat Siemens Kaeser ein Grundeinkommen gefordert. Er fürchtet um die künftige Beschäftigung – unser altes Thema. Da Du reflektierst, vielleicht findest Du Lust meine These zu hinterfragen, dass Trump durch seinen Protektionismus quasi irrtümlich das Richtige tut. Denn bevor die negative Wirkung des Protektionismus sich wirklich entfalten kann, kommt es durch Industrie 4.0 zu einem massiven Arbeitsplatzabbau. Und da die USA dann wieder mehr Arbeit im Land haben, dürften final mehr Arbeitsplätze überbleiben.

Sicherlich nicht fundiert die These, aber ich kann mir vorstellen, dass es so kommen kann.


So sehen mich Christian und Daniel (© Visual-Braindump) - zumindest letzte Woche auf PM_Camp in Dornbirn.

So sehen mich Christian und Daniel (© Visual-Braindump) – zumindest letzte Woche auf dem schönen PM_Camp in Dornbirn.

Zu Trump kann ich nichts sagen. Ich weiß auch nicht, ob Trump für die USA oder gar für die Welt gut oder schlecht ist. Ich glaube nur, dass die meisten Politiker, Unternehmensführer, Gewerkschaftsbosse und sonstigen gesellschaftlich Verantwortlichen viel Mist machen und wir jetzt die schon lange fällige Quittung bekommen. Weil die Menschen halt die Nase voll haben und ihre Geduld zu Ende geht. Wie bei mir eigentlich auch.

Die These, dass Trump das richtige tut, wenn er die Globalisierung wieder ein wenig an die Leine nehmen will, gefällt mir.  Die von mir „fett“ hervorgehobene und so wie selbstverständlich zitierte Annahme mit dem kommenden Arbeitsplatz-Abbau als Folge von Industrie 4.0 verwirrt mich. Ich höre sie häufig. Genauso wie die Warnung vor dem großen „Service-Proletariat“, welches auf uns zu kommt. Zum letzteren meine ich, dass wir dies schon haben. Ich muss mir anschauen, wie viele Leute ihren Lebensunterhalt verdienen mit „Auto fahren“ oder „für Sicherheit sorgen“ oder ähnlichem.

Ich räume auch ein, dass der Arbeitsplatzabbau in der Industrie möglich sein mag. Wenn wir keine Autos mehr haben, dann gibt es halt auch keine Arbeitsplätze in der Autoindustrie mehr. Das klingt logisch. Wobei ich aber glaube, dass diese dann durch andere herzustellende Güter substitutiert werden. Sozusagen fast vollautomatisch. So wie es immer war.

Nur: Zukunft ist nicht vorhersagbar!

Wenn man sich schon Gedanken über die Zukunft macht, sollte man zumindest nicht so 1-dimensional denken, wie es wohl die großen Unternehmensführer machen, wenn sie jetzt plötzlich und überraschend ein „bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)“ fordern. Ich vermute eh, dass sie jetzt den Trump als neuen „Mr. Erfolg“ kopieren. Und einfach mal etwas fordern. Wahrscheinlich wollten sie auch mal geprügelt werden. Aber tut ihnen den Gefallen.  Der Trump wurde wegen jeder zweiten Äußerung geprügelt – und wahrscheinlich wollte er es genauso …
😉 Weil er ein alter Fuchs ist und die Wahl halt gewinnen wollte. Unter anderem nach dem Motto – viel Prügel, viel Ehr.

So könnte ich mir auch vorstellen, dass wir in Zukunft trotz „Industrie 4.0“ und „digitaler Transformation“ (welche Begriffswelt und Gedankenexperimente hinter diesen Buzzwords auch stecken mögen) vielleicht ganz viel Arbeitsplätze brauchen. Ich bringe ein paar Beispiele:

  • Landwirtschaft
    Wenn wir wieder Nahrungsmittel haben wollen, die diesen Begriff verdient haben, könnte es gut sein, dass wieder mehr Menschen in der Landwirtschaft gebraucht werden …
  • Forstwirtschaft
    Nach meinen Informationen sind heute schon in der BRD mehr als eine Million Menschen in der Forstwirtschaft beschäftigt. Es könnte gut sein, dass der Wald sehr wichtig für uns wird …
  • Handwerk
    Ich meine, dass es hier in Zukunft Möglichkeiten ohne Ende geben wird …
  • Pflege
    Alte Menschen brauchen Ansprache, alte Menschen brauchen Pflege. Und unser Altersdurchschnitt steigt und steigt und …
  • Bildung
    Immer mehr junge Menschen brauchen mehr und mehr Hilfe, um mit ihrem Leben zurecht zu kommen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden …
  • Infrastruktur (alt)
    Ganz gleich ob Münchner U-Bahn oder Eisenbahn, Straßen oder Brücken – unsere Infrastruktur ist marode. Und wir werden bald nur noch zwei Möglichkeiten haben – Sperren oder Sanieren. Und alles sperren können wir halt nicht …
  • Infrastruktur (neu)
    Ich lese, dass der öffentliche Verkehr auch in der kleinen „Megacity München“ vor dem Kollaps steht. Ich höre Visionen von der „smart city“ der Zukunft.  Das alles fällt nicht vom Himmel.
  • Infrastruktur (Beispiel)
    Vor kurzem habe ich von den Stadtwerken München gehört, dass sie sich intensiv mit der „Kühlung von München“ beschäftigt und davon ausgeht, dass die bald von den Menschen geforderte Kühlung der Gebäude Münchens nicht auf „asisatische Weise“ (auch wegen derer Uneffizienz) erfolgen kann. Man denkt jetzt über Fernkälte als die beste Lösung nach …
  • Tourismus
    Schon heute ist meines Wissens das Hotel- und Gaststätten-Gewerbe in Umsatz und Beschäftigung die stärkste Branche in Bayern. Wer gelegentlich in Peking oder Mumbai ist, der weiß Klima, Landschaft, Sehenswürdigkeiten, Sicherheit und weitere Attraktionen hier wie vielleicht auch unsere Kulturlandschaft sehr zu schätzen und macht wahrscheinlich gerne bei uns Urlaub. Das könnte ein gutes Geschäft werden. Jedoch: Gastfreundlichkeit geht auch nur über Menschen und Service …
  • Rückbau (Umwelt 1)
    Noch betonieren wir jedes Jahr fleißig Unmengen von Boden in Bayern zu. Das könnte sich aber mal umdrehen (müssen) …
  • Katastrophenabwehr (Umwelt 2)
    Wir werden ersaufen an dem Wasser!“ hat der Astrophysiker Harald Lesch gerade zu den großen Überschwemmungen gesagt, die immer mehr passieren.  Das stand drin im Bayernteil der SZ von heute. Und es könnte gut sein, dass wir in Zukunft uns täglich nicht nur mit Überschwemmungen, sondern mit Tornados, massiven Trockenperioden und vielem mehr rumschlagen müssen und eine Katastrophen-Armee brauchen, die permanent im massiven Einsatz ist …
  • Integration von Flüchtlingen
    Es könnte gut sein, dass das, was wir in den letzten beiden Jahren erlebt haben, nur ein kleine Vorgeschmack auf die Zukunft ist. Wenn wir die Menschen, die dann zu uns kommen, auch nur halbwegs sozial integrieren wollen, ohne in eine weitere Katastrophe hinein zu geraten, brauchen wir ganz viele Menschen.
    😉 Das gilt übrigens auch für die Vermittlung deutscher Leitkultur , auch die muss dann jemand machen …

Ich bin sicher, wenn ich weiter über solche Dinge nachdenke, fällt mir noch einiges mehr ein.

Man sieht, so ganz glaube ich nicht, dass wir in eine Situation kommen können, wo die meisten von uns nichts mehr zu tun haben und wir deshalb ein BGE brauchen.Im Gegenteil, ich fürchte, dass wir mehr als genug zu tun haben werden, um unser Überleben zu sicher. Und dass es nicht mehr ausreichen wird ein wenig unserer Wohlstandsreserven aufzulösen.

Ich halte es trotzdem für wichtig, ein BGE mal auszuprobieren. Aber nicht weil wir keine Arbeit mehr haben, sondern weil wir uns so ein komplexes System mit Dingen wie Kindergeld, Bafög, Arbeitslosengeld, Grundsicherung (Aufstockung, Sozialgeld, Sozialhilfe, Hartz 4, Wohngeld …) Betreuungsgeld, Renten usw. wahrscheinlich in Zukunft auch gar nicht mehr leisten können. Weil wir uns nicht in Bürokratie zu Tode spielen können sondern wieder mal die Dinge anfassen und so richtig arbeiten müssen.

Aber wie gesagt – keiner weiß was die Zukunft uns bringen wird. Und auch im Besitz der Wahrheit ist auch keiner von uns. Und wenn es um Zukunft geht eben schon zwei mal nicht.

RMD

P.S.
Gerade lese ich, dass der große Sechzig-Sponsor in einem „von einer Münchner Chauffeur-Zentrale gemieteten Maybach“ bei der Pressekonferenz der 60iger zur Entlassung ihres Trainers vorgefahren ist … Auch eine Branche, die Arbeitsplätze schafft.

Roland Dürre
Samstag, der 12. November 2016

Interview im DOAG-TV zur „Digitalisierung“

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerVom 15. bis zum 18. November 2016 findet die 29. Auflage der DOAG Konferenz + Ausstellung in Nürnberg statt. Ich war dabei und durfte einen Vortrag halten – und für DOAG-TV ein Interview geben. Hier die Fragen und meine Antworten:


Wann und wie begann, Ihrem Verständnis nach, eigentlich die Digitalisierung?

Digitalisierung beginnt für mich mit der “Verschriftung von Sprache”. Das hat ein paar Tausend Jahre nach dem Entstehen von Sprache begonnen, vielleicht so vor um die 5.000 Jahre. Dann kamen die Informationsträger für Schrift – wie Papyros, Papier und IT und Maschinen wie die Druckerpresse, der Bleisatz und schließlich das Internet.

Schrift wurde übrigens zuerst für die Bedürfnisse der Wirtschaft (des Handels) erfunden. Die Wirtschaft ist der Erfinder alles Dinge – nicht der Krieg. Krieg ist bestenfalls eine extreme Art von Wirtschaft – und wie ich finde, eine höchst fragwürdige und pervertierte.

Auch damals waren die Zeiten schon "digital".

Auch damals waren die Zeiten schon „digital“.

Wo stehen wir heute, und was bedeutet die Digitalisierung für das „analoge“ Wesen Mensch?

Der Mensch ist und bleibt ein analoges Wesen. Durch die “Kulturtechniken” wie Lesen und Schreiben wurde der Mensch ein wenig digital. Aber eben nie so richtig. Denn die Umsetzung von digitalen Erfahrungen in sein analoges Vorstellungsvermögen gelingt dem Menschen auch heute noch nicht so richtig. Man denke an das Geheimnis der großen Zahl. Linear ist schwer genug, quadratisch (geometrisch) wird schon sehr schwierig, logarithmisch unmöglich. Wissen Sie, können Sie sich vorstellen, was 200 Billiarden (deutsch) EURO sind (Das ist die Summe, mir der sich die Länder der EU jedes Jahr neu verschulden)?

Den Verlust der Fähigkeit im Kopf oder auf Papier zu rechnen hat schon der Taschenrechner bewirkt. Wer kann noch im Kopf oder auf Papier rechnen? Wer kann noch ohne Rechner eine Wurzel ziehen oder einen logarithmischen Wert berechnen?

Ein Blick in die Zukunft: Wohin wird uns die Digitalisierung führen?

Verblüffender Weise könnte die Digitalisierung zu eine Re-Analogisierung unseres Lebens führen. Früher habe wir digitale Daten mit dem Modem (Modulieren & Demodulieren) in analoge Signale umgewandelt und über eine Leitung gesendet. Und am anderen Ende hat das Modem wieder in digitale Daten umgewandelt. Heute wandeln wir analoge Signale (Ton und Bild) für den Transport in digitale Daten, zerhacken diese in kleine Datenpakete, leiten sie über ein Paketvermittlungsnetz, sammeln und reihen sie dann wieder auf und rekonstruieren das analoge Signal aus den digitalen Daten. (So gibt es auch kein Rauschen mehr 🙂 ).

Was wird kommen?

  • In der Kommunikation: Facilitation wird immer wichtiger. Es wird gelten: Mehr Bilder und weniger Schrift. Mehr sprechen und mehr zeichnen und weniger schreiben. Audio wird immer relevanter – auch als Teil der asynchronen Kommunikation. Podcasts und Videos werden weiter auf dem Vormarsch sein.
  • Ein „rudimentäres Analphabetentum“ wird sich weiter ausbreiten. Die Sprache wird gewinnen. Starke Metapher werden wichtig, das Bewusstsein für “restricted code” und “elobarated code”.
  • Sprach- und Gestiksteuerung wird dominant werden.

So oder anders könnte die Zukunft werden. Aber Zukunft ist halt nicht vorhersagbar.


Soweit das Interview! Einen Vortrag mit dem Titel „Digitalisierung – ein großer Irrtum“ werde ich auf der DOAG-Konferenz am Mittwoch halten. Und habe soviel spannende Themen gesammelt, dass ich gar nicht weiß was ich erzählen soll. Das macht mich aufgeregt. Aber zuerst kommt ja am Dienstag das Interview. Wenn es online ist, werde ich es natürlich auch in IF-Blog verlinken. Und da schon ganz neugierig, was ich dann tatsächlich erzählen werde.

Das Bild entstand übrigens bei meinem letzten Vortrag auf der DOAG-Konferenz in 2015.

"Zur Erinnerung an meinen Vortrag in 2015 (created by Christian Botta")

„Zur Erinnerung an meinen Vortrag in 2015 (created by Christian Botta)“.

RMD

DSC_1659oder:
Wie sich der Herr mit Chauffeur das selbstfahrende Auto vorstellt.

ADFC – das ist der Lobby-Club für uns Radler. Viele Radfahrer empfinden diesen Club als ein wenig altbacken und sehen ihn als Gegenentwurf zum ADAC. Deshalb machen sie lieber bei freien Graswurzelbewegungen wie „Critical Mass“ und ähnlichen mit. Trotzdem bin ich gerne Mitglied des ADFC und unterstütze den Verein in seiner Lobbyarbeit wenn irgendwie möglich. Und empfehle die Mitgliedschaft auch sehr.

Der ADFC macht auch sehr gute Veranstaltungen. Eine davon ist das Mittagsgespräch in München. Da habe ich schon viele interessante Beiträge erlebt von Menschen wie Herrn Ude (als Bürgermeister), Herrn Ramsauer (als Bundesverkehrsminister), Toni Hofreiter (als Experte der Grünen für Mobilität) aber auch von in der Öffentlichkeit weniger bekannten Menschen wie z.B. dem Vorstand der DB-Regio. Dies immer mit interessanten und wichtigen Diskussionen.

Gestern war wieder ADFC-Mittagsgespräch in München. Als Redner war Peter Driessen geladen, der Haupt-Geschäftsführer der IHK München und Oberbayern. Für Leute, die diese Abkürzung nicht kennen: IHK steht für Industrie- und Handelskammer. Das ist eine Organisation, in der man als Unternehmen zwangsweise Mitglied sein muss und genauso zwangsweise „Kohle“ abdrücken muss.

Als Unternehmer weiß man nicht für was – bekommt dafür aber alle paar Wochen eine inhaltlich schwaches und uninteressantes Hochglanz-Magazin, das in der Regel sofort beim Altpapier landet. Die IHK ist in der Öffentlichkeit auch bekannt, da ihre „IHKs vor Ort“ oft ziemlich viele Geschäftsführende haben (in Chemnitz und Dresden z.B. 10, in Erfurt gar 11, in Hannover, Koblenz , Saarbrücken und Würzburg sogar 16), die meistens ganz ordentliche Gehälter beziehen, weil sie ja für so viele Unternehmen verantwortlich (?) sind (Zahlen siehe Offizielle Liste der IHK zur Einkünfte der GF-Teams ohne weitere Vorteile wie Geschäftsauto mit Fahrer etc.).

Und Peter D. hat uns an einem (wie er sagte unfreiwillig) selbst erlebten Beispiel die zukünftige Integration der verschiedenen Verkehrssysteme erklärt und dabei auch seine Vision zum „Fahrerlosen Auto“ preis gegeben:

„Auf der Donnersberger Brücke sei er mit seinem Chauffeur auf dem Wege zu einem Vortrag im Stau gestanden. Und da es keine Chance mehr gab, mit dem PKW pünktlich am Ziel zu sein, hat er fluchs das Auto verlassen und ist mit der S-Bahn weiter gefahren. Und wäre so auch pünktlich angekommen. Was ja ohne Chauffeur gar nicht gegangen wäre, denn er hätte das Auto ja nicht einfach auf der Donnersberger Brücke stehen lassen können“.

Dieses Beispiel hat er dann mit seiner Vision zum selbst fahrenden Auto ergänzt:

„So könne man doch in solchen Situationen mit dem Öffentlichen Nahverkehr ans Ziel fahren und das fahrerlose Auto würde im Stau hinterherzuckeln und dann seinen Eigentümer wieder abholen.“

Das klang ziemlich ernst. Vielleicht war es auch lustig gemeint. Nur ist so ein Bild von mobiler Zukunft alles anders als lustig. Besonders wenn es von einem wichtigen Repräsentanten eines Wirtschaftsverbandes kommt, der zumindest sich selbst für unheimlich wichtig hält.

RMD

Guido Bruch hat mir zu meinem Artikel
#Digitalisierung – Die „Ethik“ von IT und „Künstlicher Intelligenz“
einen Kommentar hinterlassen:


Im Buch Silicon Germany wird die ethische Dimension diskutiert. Hier ein Beispiel: Kind läuft von rechts auf die Straße. Links geht ein Rentner mit Rollator. Der Mensch würde entweder zufällig oder bewusst entscheiden, wen er umfährt, wenn er nicht mehr bremsen kann. Welche Vorgabe soll man aber einer Maschine geben? Immer das Kind schützen und somit eine Auslese betreiben (und dies bei Deutschlands Vergangenheit) oder einen Zufallsgenerator einbauen. Ich denke, hier um geht es.

Aber sicherlich sind dies nur theoretische Fragen, da die Anzahl der potentiellen Unfälle gering sein dürfte. Vermutlich würde sich die Thematik hierdurch selber regeln. Gab es schon vergleichbare Unfälle?

Eine andere Frage wäre, was die Autohersteller tun, wenn sie in anderen Ländern andere Auflagen bekämen? Z.B. in bestimmten Golfstaaten Einheimische schützen und zur Not Gastarbeiter überfahren.


Dafür ganz vielen Dank an Guido. Guidos Beitrag hat viele assoziative und auch emotionale Gedanken bei mir bewirkt:

Das Problem ist, dass ein Programm, das einer Abwägungs-Ethik folgend arbeiten soll, eine alle Fälle abdeckende und mehrdimensionale Bewertungs-Matrix mit berechenbaren Regeln braucht, mit denen es über eine wohl definierte Systematik den Wert von menschlichen Leben bewerten kann.

D.h. „man“ müsste plötzlich Alter, Geschlecht, aber auch Bildung, Funktion und soziale Verantwortung einer Person und manches mehr bewerten und klassifizieren. Und so eine „persönliche Wertzahl“ errechnen, so dass eine Relation auf der Menge aller Menschen ermöglicht wird. Ähnlich dem mathematischen „größer“ bei den ganzen Zahlen.
(Theoretisch darf es dann ja auch kein „gleich“ oder „größer-gleich“ geben, denn dann muss ja wahrscheinlich doch ein Zufallsgenerator her.)

Wenn man die Gedanken einer solchen Relation „größer“ weiter denkt, dann gibt es z.B. auch in der Menge der Menschen zu jedem Zeitpunkt einen wichtigsten und einen unwichtigsten Menschen. Das ganz mathematisch. Mir erscheint diese ganze Diskussion so etwas von sinnlos, auch wenn sie im Buch Silicon Germany steht.

Für die Menschen in der BRD ist das übrigens schon lange geregelt. Da gibt es das Grundgesetz, das eindeutig festlegt, das alle Menschen gleich sind. Und somit ist eine absurde Metrik, die den „Wert eines Menschen“ algorithmisch festlegt, sowie nicht zulässig.

Welche „ethische“ Vorgabe soll man einer Maschine geben?

Ein Beispiel:
Wie Guido schreibt und er zweifelt es auch gleich an, dass man auf den Gedanken kommen könne, immer das Kind zu schützen. Die erste Frage ist dann natürlich, was machen wir bei einer Entscheidung „Kind gegen Kind“?

Abgesehen davon wird so eine Zweiklassengesellschaft definiert: Kinder und Rest der Menschheit. Wie definieren wir dann aber Kind? Über das Alter, die Größe, das Gewicht, den Reifegrad? Und wie wird eine Mutter als Teil des „Rests“ im neunten Monat eingestuft. Vielleicht als zwei Menschen – ein Kind und einmal Rest?
Ich meine auch, dass der „Rest“ sich gegen so eine Regelung vehement zur Wehr setzen würde.

Das Dilemma ist nebenher gesagt uralt. Was soll man machen, wenn kurz vor der Geburt entdeckt wird, dass das bei der Entbindung des lebensfähigen Säuglings die Mutter sterben muss. Und die Mutter nur durch Tötung des Säuglings gerettet werden kann. Ein Gedankenexperiment, dass durchaus auch in der Realität vorkommt. Und dass man natürlich ich immer beliebig erweitern kann, wie z.B. dass die Mutter noch zwei kleine Kinder (und einen Mann …) hat. Kann man so etwas in einen Regelkatalog pressen, den eine Maschine abarbeiten kann? Natürlich nicht.

Hier noch ein paar nicht ernst gemeinte Beispiele, die die Absurdität klar machen sollen:

Wer ist mehr wert?

  • Die Bundeskanzlerin oder der Kapitän der Deutschen Fussball-National-Manschaft?
  • Ein CSU-Landtagsabgeordneter oder ein SPD-Bundestags-Abgeordneter?
  • Ein Unternehmer oder ein Politiker?
  • Ein Deutscher oder ein Franzose (abhängig vom Einsatzort)?
  • Ein integrierte Bürger mit weißer Haut oder ein Asylant mit schwarzer Haut?
  • Ein junger Mann oder eine alte Frau?
  • Der Insasse des Autos für den ich der Roboter zuständig oder der Insasse des entgegenkommenden Autos, für den ein anderer Roboter zuständig ist?
  • Oder um ganz zynisch zu sein: Roboter A ist von BMW. Ihm kommt ein BMW und ein Mercedes entgegen? Soll er den BWM oder den Mercedes rammen?

Solche Beispiele kann man in beliebiger Menge produzieren. Nur welchen Sinn macht das? Außer die Sinnlosigkeit des Ganzen zu belegen?

Ich nenne auch noch ein paar scheinbar harmlosen Beispielen: Katze gegen Hund, wer ist mehr wert? Der streunende Köter oder der Rassehund des Opern-Stars? Oder – um die Absurdität auf die Spitze zu bringen: Wen soll das Auto überfahren, wenn es die Wahl hat zwischen einer „gemeinen deutschen Kröte auf ihrer Wanderung“ oder einer „entlaufenen griechischen Landschildkröte“?
(Hinweis des Autors: Mir tut es immer sehr weh, wenn ich zu Hause beim Radeln die vielen überfahrenen Kröten sehe und in Griechenland die überfahrenen Schildkröten.)

Die meisten Menschen schlagen als Lösung vor, man könne einen Zufallsgenerator für diese Entscheidung einsetzen? So oft würde der ja eh nicht aufgerufen werde würde. Klingt pragmatisch. Warum nicht.

Der große Isaac Asimov löst das Problem in seinem SF-Werk übrigens ganz einfach:
Wenn ein Roboter in die Not kommt, einen Menschen zu schädigen, blockiert sich das System den drei Gesetzen der Robotik folgend und wird irreversibel zerstört. Aber auch er entdeckt schnell den Haken an seinem Vorschlag (übrigens aus den 40iger Jahren).
Nämlich:
Welche Vorgabe bekommt der Computer, um einen Mensch als solchen zu identifizieren? In einem besonderen Fall scheint das der Dialekt der „spacer“ von Solaria zu sein. Mit dem die „spacer“ von Aurora große Schwierigkeiten haben. Und die „settler“ sowieso. Und so vernichten die Roboter von Solaria fremde Eindringlinge – auch wenn sie Menschen sind und ganz gleich ob settler oder spacer“.
😉 Mein Vorschlag: Nehmen wir doch den bayerischen Dialekt zur Erkennung von Menschen? Das würde vielleicht auch die große bayerische Volkspartei in ihr Programm auf nehmen …

Beim autonomen Auto helfen uns aber die „Gesetze der Robotik“ auch nicht weiter. Das kann ja nur funktionieren, wenn das Auto leer fährt :-).

Nein, die Ethik-Kommission für autonomes Fahren ist Unsinn – so wie die meisten Ethik-Kommissionen und auch -Diskussionen.

Bei Drohnen und Kriegsrobotern würde ich mir ja eine Ethik-Kommission wünschen. Das Ergebnis einer solchen Kommission scheint mir aber ebenso klar zu sein wie die Tatsache, dass die Mächtigen dieses sowieso ignorieren würden.

Auch eine Ethik-Kommission kann ich mir vorstellen, die die Frage beantwortet, ob es sein darf, dass private Institutionen (Konzerne wie Google, Amazon …, aber auch der Lobbyismus vieler Branchen bis hin zu den Privat-Armeen einzelner Unternehmen) eine Macht bekommen, wie sie gesellschaftlich noch nie so da war und die bis hin zur psychischen oder  gar physischen Gewaltausübung geht. Die in manchen Fällen durchaus als Verletzung des „Gewalt-Monopols des Staates“ diskutiert werden kann.

Nur, auch da ist mir klar, dass das Ergebnis einer solchen Kommission eigentlich nur ein „NEIN“ sein kann, das aber ebenso ignoriert werden würde.

Ethik hilft nicht bei der Lösung unserer Probleme. Besonders nicht, wenn sie von einer Kommission generiert werden soll. Wir brauchen menschliche Weisheit, dazu zitiere ich immer gerne Bertrand Russell:
» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.«

Und Ethik hilft halt leider gar nicht, weiser zu werden. Sie lenkt eher davon ab.

Insbesondere hilft Ethik nichts bei „autonomen Systeme“. Mein Trost ist, dass es im Schienen gebundenen Verkehr meines Wissens kein einziges belegtes Ereignis gibt, das einem dieser „Gedankenexperimente“ wie dem Trolley-Dilemma ähnelt. Wir müssen uns da also nicht zu viele Gedanken machen.

Vielleicht hilft der folgende Gedankengang:

Schienen sind aus Eisen. Sie dienten im Zeitalter des Eisens dazu, Menschen oder Waren in Fahrzeugen von A nach B zu bringen.

Das autonome Auto ist ein Ergebnis der IT. Es ist so ein wenig moderner und fährt quasi auf „Schienen, die aus Software und Rechnern“ gebildet werden.

Und nutzt dabei halt die Infrastruktur, die sich als einzige weltweit total durchgesetzt hat, nämlich planierte und betonierte Wege, genannt das Straßennetz. Deshalb kann es Waren und Menschen nicht nur der Schiene entlang von A nach B (A und B sind fixe Stationen) bringen, sondern auch von X nach Y (X, Y sind jetzt variable Ziele, die durch eine Straße erreichbar sein).

Und die Eisenbahn hatte früher eine doppelte Redundanz. Es musste ein erstes Recovery für den „eigentlich unmöglichen“ Fehler geben. Für den Fall, dass dies versagt hat, war noch eine zweite Ebene vorgesehen, um auch beim Auftreten eines doppelt „unmöglichen“ Fehler den maximalen Unfall zu vermeiden.

Also ist unsere Aufgabe, als Ingenieure eine maximal mögliche Fehlerfreiheit zu erreichen. Dann sollte wir eine erste „Redundanz“ schaffen, die den „unmöglichen Fehler“ beherrscht. Und dann noch eine Ebene mehr an Sicherheit schaffen so wie früher bei der Eisenbahn.

So muss man Fehler so unwahrscheinlich wie nur möglich zu machen. Das ist die Mission!

Die Ethik-Diskussion ist intellektuelle Onanie. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass die Politik versucht von den relevanten und sehr unangenehmen Fragen zur Digitalisierung abzulenken (die ich unter andere in meinen Vorträgen stelle). So wird sie als Wahlkampf-Instrument missbraucht, die Politik will so den Bürgern hohe Kompetenz und Verantwortlichkeit im  vortäuschen. Mit dem Ziel, im Wahlkampf so zu punkten.

RMD

P.S.
Ich kann mich nur an ein vernünftiges Ergebnis einer Ethik-Kommission erinnern. Vor ein paar Jahrzehnten wurde viel über den Paragraphen 217 (Abtreibung) diskutiert. Da war Vorschlag der Ethik-Kommission, dass eine Abtreibung zwar Unrecht bleiben solle, dieses aber nicht mehr sanktioniert werden solle. Wie ich meine, war das kein schlechter Gedanke und wurde ja auch zur Basis für das neue Abtreibungs-Gesetz.

Aber braucht man für so etwas wirklich eine Ethik-Kommission? Wie hat Bert Brecht in der 3-Groschen-Oper gedichtet:
Bestraft das Unrecht nicht so sehr!
Das hilft den Betroffenen, weil die Bestrafung weg fällt. Aber es hilft nicht bei der Entscheidung. Denn die findet immer im Herzen und im Kopf der Betroffenen statt.

Hans Bonfigt
Freitag, der 7. Oktober 2016

DAMIT ICH MICH BESSER FRESSEN KANN

Ein Computergigant kannibalisiert sich selbst und wirft dabei so ganz nebenher die führende Rechnerarchitektur auf den Komposthaufen der „Community“.

Das ist das, was sich als Zusammenfassung vom „Linux on Power Anwendertag 2016“ aus dem IBM – Labor in Böblingen mitgenommen habe.

Ach ja, und Menschen „50+“ sind in der „IT“ deplaziert.
Wurde mir mehrfach klar gesagt.
Vielleicht, weil sie wissen, was sie tun?   Und vor allem: Was sie besser seinlassen?

Dies ist jetzt wieder einmal ein unsachlicher, fachlich sehr spezieller Bericht, er wird bestimmt lang und von geringem allgemeinen Interesse sein. Wer nicht weiß, für was AIX, AS/400 oder MVS stehen: Jetzt wäre es Zeit, hier mit dem Lesen aufzuhören.

Seit 1996 stagniert die INTEL – Welt, nicht, weil die Prozessoren schlecht wären, sondern weil die Architektur buchstäblich an ihrer eigenen Kleingeistigkeit erstickt.

Denn – wie hat das eigentlich angefangen?

Begeben wir uns einmal in die Zeit, als es in der Informationstechnik nur IBM gab und den „BUNCH“, Borroughs, Univac, NCR, Control Data und Honeywell. Der glücklose IBM – CEO sah verschnupft den Erfolg der „Äppel-Computer“, die sich den Anschein gaben, als könnten auch ganz normale Menschen damit umgehen. „Wo ist mein Äppel????“. Sehr eilig baute man im eigenen Hause etwas zusammen, den „Datamaster“.

Dazu vielleicht ein autobiographischer Einschub: Eine Laune des Schicksals hat dazu geführt, daß ich einige Zeit mit der Konstruktion von Scherenhebebühnen befaßt war. Im Zuge dieser Arbeiten wurde ich zu einem Konstruktionsseminar verdonnert. Es wurden dort Teams gebildet, die sich nach Sympathie ergeben hatten. Meines bestand aus Hubtisch- und Kranbauern. Ärgerlicherweise lautete die Aufgabe an uns nicht, „Baut ein Schwerlasthebezeug für einen Güterwaggon“, ein Job, den wir mit Bravour gelöst hätten, sondern, Gipfel der Infamie:
„Baut einen Kinderwagen“.

Was soll ich sagen, wir haben den teuersten, schwersten und unbrauchbarsten Entwurf abgeliefert. Und den scheußlichsten, denn er sah aus wie eine Hebebühne.

So wie diesen mißratenen Kinderwagen muß man sich den IBM „Datamaster“ vorstellen. Wenn Mainframe-Bauer PCs bauen sollen, dann kommt ein kleiner Mainframe dabei heraus, aber kein PC.

So kam es, daß der „Datamaster“ desaströs floppte und Akers tobte.

IBM – Mitarbeiter Don Estridge erklärte Akers:
Wenn Sie einen Computer für die Ahnungslosen bauen wollen, dann müssen Sie ihn von Leuten bauen lassen, die garantiert keine Ahnung von Computern haben„.

Das war sein Verhängnis: Mit 11 weiteren Flaschen, die in der Entwicklung entbehrlich waren, wurde er buchstäblich in die Wüste geschickt, wo er den „Personal Computer“ bauen sollte.

Der IBM – PC. Er war so erbärmlich, wie er aussah.

Dieses jenseits jeder Schamgrenze zusammengefrickelte Stück Sondermüll fackelte schon bei der internen Präsentation ab – nicht umsonst nannte man dessen Macher IBM – intern „Das dreckige Dutzend“. Aber warum auch immer:

IBM brachte das Mistding auf den Markt und weil alles, was IBM vorgab, zu jener Zeit sofort zum „Industriestandard“ avancierte, war eine Seuche geboren, die schlimmer war als AIDS, Ebola und Islamismus zusammen.

Aber auch Akers hatte sich selbst keinen Gefallen damit getan, denn die unbeabsichtigte Etablierung eines „Standards“ etablierte vor allem eines: Konkurrenz. Infolge einer fatalen Verkettung unglücklichster Umstände (ein IBM – Berater wollte am Wochenende in Ruhe angeln gehen, anstatt in Armonk eine wüste Folienschlacht über sich ergehen zu lassen) wurden Paul Allen und William H. Gates mit der Aufgabe betraut, ein Betriebssystem für diese Krätze zu bauen.

Das hatten sie nicht — aber warum auch, wenn man eines klauen konnte?

So wurde aus CP/M im Magenumdrehen „MS-DOS“, welches in seiner unausgegorenen Primitivität und desaströser Konzeptlosigkeit perfekt zur elenden Hardware paßte.

Die Folgen sind bekannt:

Bei Landfahrzeugen besteht aus gutem Grund eine starke Diversifizierung: Wir sehen täglich Bagger, Tieflader, Sattelschlepper, Motorräder, Cabriolets, Reisebusse, Fahrräder, Lokomotiven und Rennwagen. Kein Mensch käme auf die Idee, mit dem Möbelwagen in die Stadt zum Eisessen zu fahren oder mit dem Motorrad einen Umzug zu unternehmen.

Wirklich kein Mensch?

Der gemeine PC-Trendlemming war so dämlich. Und ist es heute noch. Selbst aktuelle Intel-„Server“ booten noch mit „DOS“. Und wer das nicht glaubt, der werfe eine Suchmaschine seiner Wahl an und finde heraus, wie PXE funktioniert, was ein „C/H/S-Interface“ ist und ein „A20-Gate“.

Jedermann kann nachvollziehen: Aus einem „Trabant“ macht man keinen Sportwagen und keinen LKW.

In der Informationstechnologie jedoch ist dies „Best Practice“.

Es gibt heute nur noch den vielfältig aufgebohrten „IBM PC“ in unterschiedlichen Metastasierungen.

DEC, SUN, HP und IBM hoben sich lange Zeit ab von dem billigen Tand und bauten tolle Prozessoren, SUN die „SPARC“, HP sein PA-RISC, DEC seinen legendären „Alpha“ und IBM unter anderem POWER.

Und diese Firmen hatten für ihre Kunden auch ernstzunehmende Betriebssysteme entwickelt, MVS, Solaris, VMS, AIX, OS/400…

Betriebssysteme, Prozessoren, Hauptspeicher und externer Speicher wurden individuell und nach Anforderung im Rahmen einer qualifizierten Ingenieursarbeit zu einem System zusammengestellt.

PCs und leider auch sogenannte „Intel-Server“ dagegen wurden und werden völlig sinnfrei von gegelten Trieftollen-Salesguys zusammengestellt. Einzige, dafür aber zwingende Anforderung an das Flachpersonal: Garantierte Ungetrübtheit von jeder Art Bildung oder gar technischem Sachverstand.

Mir war diese Entwicklung zunächst gar nicht so unrecht:

Ich fand es gut, daß sich „meine“ Server von den Billigbüchsen unterschieden, die Stabilität und die durchdachten Details der Betriebssysteme gefielen mir, mein Beruf war angesehen.

Bezahlt wurde auch recht gut.
Der Name IBM stand für Zuverlässigkeit, Qualität und Leistungsfähigkeit.

Irgendwann wollte oder mußte IBM Kosten senken.
Und da hatte man tolle Ideen:

  • Die für etwa 20 Milliarden entwickelte „Next Generation Platform“ wickelte man über eine Beerdigungsfirma ab, denn „eigene Hardware ist zu teuer“.
  • Die eigene Chipfertigung wurde verkauft.
  • Das für die eigenen, professionellen Systeme optimierte AIX, seit gut 25 Jahren stabil, robust, sicher, skalierbar und leistungsfähig, soll durch „Linux“ ersetzt werden, einen billigen Unix-Abklatsch: Technologie von gestern mit den Konzepten von vorgestern. Aber alle finden es ja soooooo toll.
  • Und auch die kommerziellen Systeme sollen durch Linux ersetzt werden: „One Size Fits All“.

Mir ist es ja egal, was IBM verzapft (wenn’s ‚mal so wäre…), es wird, solange ich lebe, immer Kunden geben, die meine Arbeit zu schätzen wissen – den Massenmarkt habe ich nie bedient.

Aber dennoch packt mich das blanke Entsetzen, wenn ich dann doch einmal an einer IBM – Konferenz teilnehme — und damit sind wir gnadenlos in der Gegenwart.

„Sie wollen eine gute Jazztrompete? Hier, nehmen Sie doch unsere neue Kirmeströte“

SAP läuft seit Jahren stabil und hochverfügbar auf „großen Eisen“.
Nun bietet IBM an:

„SAP hat jetzt seine eigene Datenbank, ‚HANA‘. Die laßt Ihr, in einer Wirrtualisierungsinstanz, auf unseren Servern laufen. Und zwar nicht unter AIX, das könnte ja unter Umständen die Performanceeinbuße durch die Wirrtualisierung kompensieren, sondern nehmt ein LINUX, und zwar nicht irgendeines, sondern das scheußlichste, war wir auftreiben konnten: ‚SuSE‘, von Experten gern und mit guten Gründen als ‚Nürnberger Windows‘ bezeichnet“.

Blöd bloß: Die Wirrtualisierungsinstanz heißt „Power VM“ und ist nichts anderes als ein „erweitertes“ AIX 6.1, und die Applikationsserver selbst laufen ebenfalls unter AIX.

Da müßte ich ja schön blöd sein, einem Kunden ein solches Kuckucksei ins Nest zu setzen. Zumal bekannt ist: IBM ist nicht gerade sattelfest im Thema „Linux“:

„Crisis? What Crisis?“

In einem leider viel zu kurz geratenen Vortrag erläutert ein Universitätsprofessor, welcher am „Hasso Flachmann – Institut“ lehrt, daß IBMs Linux – Implementation noch lange nicht „fertig“ ist:

  • die „Hardware Management Console“ ist nicht nur ein elender Stromfresser und Produktivitätskiller, sondern „optimiert“ auch ungewollt den Prozessor/Storage – Pool kaputt.
  • Gut, das weiß man als IBMer und kennt auch Methoden, dieses Schandmal zu meiden.
  • Gerade bei vielen Nodes ist die NUMA sehr schlecht implementiert.
  • Ab und zu bleibt auch schon mal das Gesamtsystem unmotiviert stehen.
  • Der „gcc“-Compiler mit dem ppc-backend erzeugt alles andere als optimalen Code. Hier hätte IBM die Chance gehabt, einmal richtig zu helfen. Stattdessen pinselten sie in San Francisco überall „Love, Peace & Linux“ auf die Bürgersteige. Die Stadt war ’not amused‘ und IBM mußte die häßlichen Pinguine wieder entfernen.   Wer’s nicht glaubt:

Der Professor unterdessen wollte gnädig sein und hat auf Benchmarks, die beispielsweise einen prolligen „Dell“ und einen teuren „IBM POWER Server“ unter Linux miteinander vergleichen, verzichtet.

Freimütig konstatierte er jedoch, daß unter AIX sowohl NUMA als auch Compiler und überhaupt das Gesamtsystem aus Scheduler, Device Drivern und Libs perfekt aufeinander abgestimmt seien.

Das entspricht auch meiner „Hands-on Experience“ (es wurde durchweg ‚denglisch‘ gesprochen, einer degenerativen Variante des ‚modern Esperanto‘):
Bei gleichem Workload und vergleichbarer Maschinenleistung erzielt man mit „Linux auf Intel“ 100 %, mit „Linux auf Power“ 75 % und mit „AIX auf Power“ 200 %.

Aber: Der Prof führt sinngemäß aus, „Ja, in den Neunzigern konnte AIX seine Überlegenheit voll ausspielen, aber heute kennt es nur die Generation „50+“. Und außerdem hat es nicht diese vielen tollen „Tools“ aus der „Community“.

An der Pforte hatte ich in der Frühe meinen Morgenstern, das Wurfmesserset sowie die Tüte mit faulen Eiern abgeben müssen, wirklich wirksame Argumente standen mir daher nicht zur Verfügung.

Aber einen Zwischenruf mußte ich dann doch loswerden, „mit den Linux-Tools löst man dann die Probleme, die man unter AIX gar nicht hätte – weil es einfach läuft“.

Denn: Ein Betriebssystem ist für mich eine Infrastruktur – und kein Spielzeug. Mein Job ist es, Ideen auf dieser Plattform umzusetzen – und nicht, daran herumzubasteln.

Aber der Prof und die IBMer befinden:
„Die Welt spricht nun einmal Linux“.

Im Gleichschritt marsch …

Die Krönung setzt ein junger Mann von der „Sedativ GmbH“ auf, der, anstatt für einen Neppshop ein AIX mit einer ordentlichen Datenbank einzusetzen, PostgrSQL unter Linux verwendet. Er erzählt, „wir mußten POWER8 nehmen, denn die kann man auf ‚little endian‘ umstellen.

Auf meine Frage, „Warum nicht ‚big endian‘ , so daß die Lösung auch auf den (massiv im Einsatz befindlichen und immer noch verkauften) POWER7 – Modellen zum Einsatz kommen könnte“, meinte er, „wir wollten das Debian (die Linux-Distribution) nicht neu kompilieren“. Auf meinen Einwand, „die gibt es seit Jahren fix und fertig in der aktuellen Version zum Download“, ließ er dann doch die Katze aus dem Sack:

„Das, was Sie vorschlagen, ist halt ‚the road less taken'“.

Da weiß ich dann nicht, ob ich lachen, laut aufschreien oder heulen soll. Esst Scheiße — zehn Millionen Fliegen können sich nicht irren, oder, in Anlehnung an Robert Long:

Die Server krachen überall
und bald kommt es zum großen Knall,
man müßte schleunigst etwas unternehmen,
sonst werden wir erdrückt von den Problemen.
Doch statt daß die Vernunft regiert
wird fleißig weiter missioniert,
man watschelt gern mit Tux und Gott
zum Abgrund hin im Gänsetrott.
Linus führt, Linus führt,
dahin, wo man selig wird,
Linus führt, Linus führt,
den, dem es gebührt …
Es ist nun einmal, wie es ist,
der Mensch glaubt gerne jeden Mist,
Wer vorher blöd genug für Win,
der macht jetzt „profihaft“ in Lin.

Da nimmt es dann nicht wunder, daß die „Sedativ GmbH“ sich auch beim „Design“ der verkorksten Linux-Lösung für die Stadt München vom Prinzip der ‚road more taken‘ offensichtlich hat leiten lassen — mit dem bekannten Ergebnis.

Das Nachbauen von Microsoft – Strukturen zieht halt Microsoft – Probleme nach sich — damit konnte wirklich niemand rechnen!

Und — zum Thema „Welcher Weg ist meiner?“ hatte Robert Frost eine andere Vorstellung, und zwar schon in den 50er Jahren:

„The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood, and I,
I took the one less traveled by,
and that made all the difference.“

Zwischendurch zur Klarstellung:

Niemand will die bahnbrechende Leistung der IBM bei der Entwicklung der POWER – Architektur schmälern, ganz im Gegenteil!
Bloß, um beim Beispiel mit der guten Jazztrompete zu bleiben:
Wenn nur der ‚dumme August‘ hineinbläst, dann kann man auch bei der Kirmeströte aus Plastik bleiben.

Braucht jemand also eine Linux-Serverfarm, dann bestelle er sich ein Rack voller Dell-Pizzaschachteln. Die passen dann auch vom billigen Aussehen her perfekt zu Linux.

In der Welt der Verschwörer

Nun referiert ein Mitarbeiter der Firma Klo Lab.
Was mir gefällt: Die nehmen nicht den bestehenden Systemen die Workloads weg, sondern portieren Anwendungen weg von Windows, und das ist grundsätzlich begrüßenswert.

Aber: Das Produkt ist in Zusammenarbeit mit dem „BSI“ entwickelt worden. Das, was ich von dort mitbekommen mußte, taugte nie etwas.
Dann der Hinweis auf den eingebauten Mailserver der Firma „cyrix“: Den habe ich nicht in stabilster Erinnerung.
Dennoch: Es ist dringend notwendig, die grottenschlechten „Exchange“-„Server“ nachhaltig zu vernichten. Einschließlich des „Office“ – Sondermülls. Da gewinnt ein solches Produkt auf der POWER – Plattform gehörig an Relevanz.

Der Referent ist gut, aber so einige Behauptungen sind lustig:
Bei Intel-Prozessoren gebe es Extra-Instruktionen für „Google“ und die Asozialen-Schlammsuhle „facebook“. Das wäre ja einmal etwas: Wenn, wegen des fehlenden Spezial-Opcodes von INTEL, ich mit einem Power – Rechner nie wieder ein Bild der Visage des Herrn Zuckerberg zu Gesicht bekäme, dann wäre das ein ungeheurer Vorteil.
Auch, wenn der Referent sich alle Mühe gibt, tiefergehende Sachkenntnis zu verbergen: Einen Assembler – Programmierer erkenne ich, wenn ich ihn sehe. Da wäre ganz klar mehr gegangen.
Aber IBM hat für das komplexe Thema gerade einmal 20 (!) Minuten Zeit eingeplant. Ich wollte bei dem gedrängten Programm nicht schon wieder durch Zwischenrufe und Fragen auffällig werden, aber es juckte mir schon in den Fingern, einmal zu fragen, wieso für den Referenten die POWER – Architektur erst jetzt an Relevanz gewinnt. Daß der „x86“ so ziemlich die hinterletzte Küchenschabe ist, wurde von keinem sachkundigen Menschen jemals auch nur diskutiert. Man vergleiche 8080 mit 6502, 80286 mit 68000 und so weiter, und so fort. Im Vergleich zur POWER – Architektur geriert sich Intel wie die elektronische Multimedia-Orgel eines schmierigen Alleinunterhalters neben einem ausgewachsenen Bösendorfer – Flügel. Das muß doch einem denkenden, neugierigen Menschen, der eine schweizerische Hochschule besucht hat, ins Bewußtsein springen?

Im Rahmen des Ultrakurzvortrags habe ich ungefähr 127 Mal die Phrase von der „Freien Software“ gehört, das geht mir seit Jahren auf den Senkel, weil es etwas hat von „Wir sind die Guten“.
„Proprietäre Software“ heißt doch zunächst einmal nichts anderes, daß sich jemand darum kümmert! „Ökosysteme“ sind mir nicht erst seit Claudia Roth verhaßt. Es muß nicht jeder überall dran ‚rumfummeln, ich sage nur „Ralf Seggelmann“, „Telekom“ und „Heartbleed“. Oder darf ich noch auf das desolate Xorg hinweisen?  Früher hatte man gewitzelt, „Ah, it compiles! Let’s ship it!“.
Ein Xorg zerlegt sich schon beim imake.

Trotz aller Meckerei: Mit einer Alternative zur gängigen Kollabierungsware von Microsoft wird man sich auseinandersetzen müssen.

Danach stellen zwei Referenten eine weitere „Lösung“ vor, „Skalix“.

Hier zeigte sich:  Man kann auch noch einen 20-Minuten – Vortrag noch verkürzen, indem man 10 davon mit substanzlosen Unternehmensdarstellungen verplempert.  Da wäre mir ein „gespielter Witz“ lieber gewesen.
Außerdem benutzt das Produkt „JAVA“ und „MySQL“.  Wenn dann noch „PHP“ oder ähnlicher Müll dazukommt, dann muß man aufpassen, daß nicht eine „kritische Masse“ erreicht wird, die dann irgendwann als schmutzige Bombe explodiert.

Der Kracher fehlt …

… und sitzt doch im Plenum. Denn, und da sieht die „Komjunity“ vor lauter „Ökosystem“ die Bäume nicht, ein Computer ist kein Daddelspielzeug, sondern ein Werkzeug, mit dem Menschen ihre Fähigkeiten multiplizieren können.

Anstatt krampfhaft zu versuchen, „Schwerlastverkehr“ mit einem Klapproller zu realisieren, könnte man ja zur Abwechslung ja etwas Produktives tun:
Einen Computer als Anwendungsserver verwenden.
Und dazu bietet „Linux on Power“ ganz hervorragende Möglichkeiten:

Auf einem oder mehreren Servern weden Anwendungen installiert, die dann von hunderten oder tausenden von Anwendern über schlanke, energiesparende „Thin Clients“ genutzt werden können — in atemberaubender Geschwindigkeit.

Gleichzeitig gibt es keinen Streß durch zentrales Updatemanagement und man erreicht hohe Sicherheit — denn der typische Viren-Schadcode ist für die INTEL-Amateurcomputer konzipiert und läuft schlicht nicht auf einer POWER-Architektur.

Tja, und nach dieser Methode hätte man in München die Informationstechnologie auf Vordermann bringen können — anstatt jedem Mitarbeiter so einen lächerlichen PC hinzustellen — der heute buchstäblich zum alten Eisen zählt.

Das alles bekommt man mit „X2go“ hin, aber das Thema schien wohl nicht so interessant zu sein. Am Ende nimmt man dem lieben Wettbewerber HP noch ein paar Großkunden ab. Da richten wir doch lieber unser Kerngeschäft zugrunde und vergraulen unsere Stammkunden mit unausgegorenen Produkten.

Potentiale muß man erkennen …

… insbesondere wenn es um die eigenen geht.

Nachdem die Technologie ja angeblich zur Verfügung steht:

Ersetzt das IBM-Management durch „WATSON“ !

-hb