Roland Dürre
Mittwoch, der 27. Dezember 2017

Der „Mercedes Benz“ unter meinen E-Bikes!

Heute komme ich zu meinem dritten elektrischen Fahrrad – meinem London von Utopia. Neben normalen Fahrrädern (mit normal meine ich die ohne elektrischen Antrieb, die ich abwechselnd auch immer sehr gerne nutze), fahre ich „elektrisch“ ja noch unser Familien-eCargo (unseren „VW-Bus“) und mein elektrisches Mountain-Bike (meinen „Jeep“). Jetzt steht in meinem Schuppen noch ein elektrisches Langstrecken- und Reiserad von Utopia, über das ich heute berichte!

So sieht das elektrische London auf der Website von Utopia aus.

Links ist das London mit seinem besonderen Rahmen abgebildet. Bei mir zu Hause steht fast das gleiche. Ich habe es erst im Herbst bekommen und trotzdem hat es schon weit über 2.000 Kilometer auf dem Buckel.

Das liegt auch daran, weil ich dank des elektrischen Antriebes jetzt auch längere Strecken mit dem Fahrrad fahre, auf denen ich früher den öffentlichen Verkehr bevorzugt hätte (die kurzen Strecken so bis einfach 10 km fahre ich in München natürlich nicht elektrisch …).

Gern nehme ich jetzt das „elektrische“ Fahrrad an Stelle vom „öffentlichen“ Verkehrsmittel, wenn das Ziel weiter weg und/oder die Heimfahrt am späten Abend ist. So war ich vor kurzem (Mitte Dezember) für einen Abendvortrag an der TUM in Garching. Ohne eBike hätte ich die S- und U-Bahn von Neubiberg nach Garching genutzt, da das mit dem Fahrrad eine einfache Strecke von doch gut 30 km ist und mir das früher ein wenig zu weit war.

Nach Rückankunft hatte ich tatsächlich „entspannte“ 65 km auf dem Tacho. Besonders auf der nächtlichen Heimfahrt so ab 20:30 von Garching war es schon sehr angenehm, dass ich den Weg ins 70 Meter höher gelegene und gut 30 km entfernte Neubiberg mit elektrischer Unterstützung rollen konnte.

Aber zurück zu meinem London von Utopia. Das besondere an diesem Fahrrad ist, dass es einen Frontantrieb hat. Utopia ist der einzige mir bekannte deutsche Hersteller, der elektrische Fahrräder mit viel Komfort und hoher Zuladung mit einem hochwertigem Frontantrieb herstellt.

Der Frontantrieb ist ein wenig in Verruf geraten, weil diese Technologie oft bei Billig(st)rädern zum Einsatz kommt. Die solchen Rädern zugesagten Nachteile treffen bei meinem London überhaupt nicht zu. Im Gegenteil.

Auf dem Bild links kann man gut den Frontantrieb VR1F meines Londons sehen. Nach bald 3.000 km schwöre ich auf den Frontantrieb. Gerade im „glitschigen“ und „matschigen“ Spätherbst ist es fantastisch, wie gut der Frontantrieb auch auf schwierigen Pfaden die Spur hält.

Wenn meine Mitradler auf schweren Pfaden stecken geblieben sind oder aufgegeben haben, zog der Frontmotor mein Rad geradeaus weiter. Das macht er auch im „Schiebemodus“, der ja eigentlich beim Frontantrieb „Ziehmodus“ heißen müsste.

Der Motor VR1F ist ein Antrieb mit permanenterregter Synchronmaschine (DirectDrive ohne Getriebe), der im Vorderrad integriert ist. 90% des Stroms, der vom Akku zum Motor geht, wird zur Fortbewegung so über das Vorderrad auf die Straße gebracht. Das Hinterrad wird weiterhin von der Körperkraft angetrieben, bei meinem Rad unter Nutzung der bewährten Rohloff-14-Gang-Nabenschaltung. Komfortabler geht es kaum.

Das Fahrrad wird so zu einem „Fahrzeug mit Allradantrieb“, und dies mit optimaler Gewichtsverteilung (vorne der Motor, hinten die Rohloff), das geht mit einem Motor im Hinterrad (Heckantrieb) wie bei unserem eCargo natürlich nicht. Im Gegensatz zum Mittelmotor gibt es auch keine Verluste durch Getriebe oder durch Weitergabe der Kraft über die Kette ans Hinterrad.

Das Rad ist absolut leise. Von der Elektrik hört man nichts. Für die Steuerung des Motors gibt es zurzeit sieben verschiedene Fahrprogramme, die den Fahrer perfekt unterstützen. Die Rohloff schaltet butterweich – und ich schalte sie häufig, um in optimaler Trittfrequenz bleiben zu können, was beim e-Bike viel einfacher möglich ist als bei einem Rad ohne zusätzlichen Vortrieb.

Ich habe kompetente Mitarbeiter von Dully’s BIKESTATION – die führen die Marke Utopia leider nicht  – mit meinem Rad Probe fahren lassen – und auch die waren von diesem Antrieb sehr angetan. So kann ich Antrieb und Motor (wie das ganze Fahrrad) wirklich guten Gewissens weiter empfehlen.

Auf der Einfahrt kurz vor der Ausfahrt.

Von der Seite kann man gut den wunderschönen klassischen Kreuzrahmen des London, der in Aalten (Niederlande) bei einer kleinen Manufaktur gefertigt wird und den Akku auf der linken Seite sehen. Der zweite Akku auf der rechten Seite ist symmetrisch angebracht. Zwei Akkus finde ich genial, weil ich so nie in Stress komme. Wird die Tour weiter als geplant oder habe ich mehr Strom verbraucht als erwartet und ist so ein Akku leer, dann lege ich einen Schalter an der Steuerung um und weiter geht es mit dem vollen Akku.

Zur (elektronischen) Steuerung:
Die Steuerung ist mit einer App verbunden. Die App erkennt das Fahrrad und enthält alle relevanten Daten. Über das App kann immer schnell ein anderes Fahrprogramm geladen bzw. aktiviert werden. So kann das Handy als übersichtliches Anzeigegerät am Lenker genutzt werden – man kann so auf einen eigenen Tacho oder ein GPS-System verzichten.

Zur Reichweite:
Hier gilt ähnliches, wie ich schon im Mountain-Bike-Artikel geschrieben habe: Die Reichweite ist von vielen Faktoren abhängig. Wie ist das Höhen-Profil der Strecke? Welches Programm fahre ich? Welche Trittfrequenz schaffe ich? Habe ich Gegen- oder Rückenwind? Wie schwer ist das Gelände? Wie „Strom sparend“ fahre ich? Wie schwer bin ich und mein Gepäck? Und ähnliches.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen gehe ich davon aus, dass ich auch unter schwierigen Verhältnissen mit den beiden Akkus immer mehr als 100 km schaffen werde. Tagestouren um die 150 km werden mit Sicherheit im Normalfall kein Problem sein.

Ich habe auch festgestellt,  dass ich jetzt mit einem deutlich höheren Durchschnittsgeschwindigkeit fahre als mit meinem guten alten Roadster (auch von Utopia) ohne Strom. In der Stadt bin ich (trotz vieler Ampeln) bei der gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit elektrisch um nahezu 50 % schneller, d.h. ich schaffe auch längere Strecken in 2/3 der früher benötigten Zeit.

Das macht richtig Lust auf viele schöne Touren in 2018 durch Deutschland, Österreich, Italien, vielleicht auch Frankreich und weitere Länder!

RMD

Nachtrag:
Ein Nachteil am Frontantrieb könnte sein, dass ich vorne ins Vorderrad keinen Nabendynamo einbauen kann. Das ist bei Heck- oder Mittelmotorantrieb natürlich möglich und findet man dort auch öfters – siehe bei unserem Cargo. Es hat den Vorteil, dass ich ohne Batterien am Fahrrad ein auch Nachts voll verkehrstaugliches Fahrrad habe. Beim Frontantrieb müsste ich mir. wenn ich nachts ohne Batterien unterwegs sein will, einen batterie- oder akku-versorgten zweiten Beleuchtungssatz hin klemmen.

🙂 Ich habe ja versprochen, mehr über Sex und elektrische Fahrräder zu schreiben. Deshalb erzähle ich heute meine Erfahrungen mit meinem eWMe 627 von CONWAY.

Von unserem eCargo habe ich ja schon berichtet. Nicht nur, dass beim Einkaufen das Auto plötzlich aber auch gar keine Alternative mehr ist, auch für die Enkel und Freizeit-Aktivitäten ist das Cargo zum beliebtesten Fahrzeug der ganzen Familie geworden. Und mich hat unser eCargo auf den „elektrischen Geschmack“ gebracht.

Mein E-Enduro mit 160-mm-Fahrwerk, das Conway eWME 627 als zweites E-Bike in der Familie.

Früher war ich oft mit dem Mountain Bike in den Bergen. Bergauf war ich nie der Schnellste. Die letzten Jahre bin ich natürlich auch nicht schneller geworden.

Insofern wurde das doch sehr geliebte Radeln in den Bergen zu zweit oder in kleinen Gruppen schwieriger. Meine jüngeren und sportlicheren Begleiter mussten immer ziemlich lange auf den Gipfeln warten, bis ich dann auch angeschoben kam. Das ging nicht nur mir auf die Nerven.

Dann stand der Sommer vor der Tür – und damit das jährliche Radeln in den Bergen des Peloponnes (in der Gegend von Gythio und Mani). So entschloss ich mich bei unserem Stamm-Händler (Dully’s BIKESTATION) ein elektrisches Mountain-Bike Probe zu fahren.

Um es kurz zu machen: Ich war begeistert. So habe ich mir eins gekauft und jetzt macht mir das Mountain-Biken wieder so richtig Spaß. 2017 in Griechenland bin ich dann gleich das Doppelte an Kilometern (und auch Höhenmetern) geradelt wie in den Jahren davor.

Zum Rad und zur Technik:
Mein eCargo hat ja einen Heckmotor (GoSwissDrive), eine einfache Kettenschaltung und im Vorderrad einen Nabendynamo. Heckantrieb finde ich für ein Cargo ideal, die Kette wird nicht übermäßig belastet und dank des Nabendynamos ist es auch nachts uneingeschränkt gebrauchstüchtig, auch wenn die Batterie leer oder nicht dabei ist.

Bei meinem Mountain-Bike ist es anderes. Es hat einen Mittelmotor von Shimano an der Kurbel.  SHIMANO STEPS MTB ist ein System von E-Bike-Komponenten (Motor, Batterie, Steuerung, Reichweitenrechner …), das extra fürs Mountain-Biking entwickelt worden. Die selben Räder gibt es auch mit Bosch-Technologie, bei der Probefahrt gefiel mir aber das Shimano-System wegen einer verzögerungsfreien Unterstützung und der Abstimmung besser.

Das Herz des Steps-System ist genau wie bei Bosch der Mittelmotor. Er wie 2,8 kg und ist wo wohl einer der leichtesten Motoren auf dem Markt. Der Mittelmotor sitzt in Kurbel, im Gegensatz zum Hinter- oder Vorderradantrieb ist es kein „direct-drive“ sondern verfügt über ein Getriebe. Man kann auch gut „ohne Strom“ fahren, der Motor bremst nicht, man hat nur das höhere Gewicht aufgrund von Motor und der Elektrik.

Das dürfte auch der Grund sein, dass Mittelmotoren immer ein leicht „schabendes Geräusch machen. Relativ leise sind da wohl nur der Motor von Impulse und Brose, alle anderen Motoren (neben Bosch gibt es mittlerweile viele Anbieter, besonders aus Asien) sind wesentlich lauter als „direct-drive“-Antriebe, die man wirklich nicht hört. Man hat auch immer ein leichtes „Ruckeln“, wenn der Motor sich zur Unterstützung einschaltet, ganz im Gegensatz zu den „direct-drives“ im Hinter- oder Vorderrad.

Trotzdem meine ich, dass der Mittelmotor der richtige Antrieb für Mountain-Bikes ist. Das Gewicht von Motor und Batterie sitzt sehr nahe an der Kurbel. Das ist in steilem Gelände bergab wie bergauf durchaus ein Vorteil.

Die meisten elektrischen Mountain-Bikes verfügen über eine einfache Kettenschaltung (ein Zahnrad vorne und ziemlich viele Ritzel hinten), bei meinem Conway ist es die mechanische Shimano XT.  Ein Nachteil könnte sein, dass beim Mittelmotor die gesamte Kraft (Mensch und Motor) auf die Kette und die Schaltung gehen, beim Mountain-Bike ist das nach meiner Meinung aber auch zu vernachlässigen, da muss man eh Kette und Ritzel öfters austauschen.

Reichweite

Immer wieder werde ich gefragt: „Wie weit fährst Du mit einer Akkuladung?“. Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Natürlich hängt die Reichweite von Parametern ab wie der Steigung, die die Strecke für den Radler vorhält. Lange Aufstiege am Stück brauchen mehr Strom als wenn es hoch und runter geht. Wichtig ist die Trittfrequenz des Radlers (wenn ich mich richtig erinnere sollte man da deutlich über 60  je Minute fahren). Und natürlich den Modus, den man wählt.

Bei STEPS gibt es drei Fahrstärken: ECO, TRAIL und BOOST. Wenn man Strom spart und ECO fährt und bei Abfahrten den Motor ausstellt (STEP kann ja aufgrund des Pinzips „Mittelmotor“ nicht rekuperieren, also macht es den Antrieb abzuschalten und wenn man nicht tritt gibt es natürlich auch NULL motorenbedingten Widerstand) dann ist die Reichweite in der Regel über 100 km, also dreistellig.

Im Modus TRAIL würde ich sagen, dass dann um die 70 km mit 700 Höhenmetern eigentlich immer gut gehen. Wenn ich dagegen auf BOOST gehe und das Fahrrad den Berg so richtig raufpeitsche, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass nach 20 km der Saft zu Ende sein kann. Das ist mir noch nie passiert, wahrscheinlich wäre das dann auch mehr so eine Gaudi-Fahrt.

Bei Reiserädern würde ich den Mittelmotor nicht empfehlen, aber dazu dann mehr bei der Beschreibung meines Utopia Londons.

Mir bereitet mein e-Mountain-Bike viel Freude. Bergab muss ich nicht mehr so rasen wie früher (ich wollte immer ein wenig der Zeit bergab reinholen, die ich bergauf verloren hatte). Und vor allem, die „elektrischen“ Tages-Touren sind (zeitlich) kürzer geworden – so muss ich nicht mehr so früh aufstehen und komme auch nicht so spät heim wie früher. Wenn früher immer „der ganze Sonntag“ weg war, so bleibt jetzt noch Zeit über für andere Interessen.

Auf den Touren mit Barbara musste jetzt ich lange am Berg aus sie warten. Auch in Griechenland. Ich mit Strom, die Barbara ohne Strom. Die Verhältnisse hatten sich umgekehrt.

Barbaras elektrischer Bergesel, der 327 von Conway.

Dann hat sie sich auch ein 327 von Conway gekauft und jetzt haben wir gemeinsam einen großen Spaß! Die Tagesausflüge in die bayerischen Alpen zeitlich überschaubar und nicht mehr durch so lange Aufstiegszeiten belastet wie früher. Und ich freue mich schon so richtig auf den Frühling und bin mir sicher, dass wir in 2018 ziemlich viel in den Alpen unterwegs sein werden. Und freue mich schon so richtig auf die zwei Rad- / Schwimm-Wochen Ende August / Anfang September auf dem Peloponnes!

Beim nächsten Mal berichte ich dann über mein Utopia London mit Frontantrieb, das für mich das absolut perfekte Reise- und Alltagsrad ist. Wenn ich das eCargo mit einem VW-Transporter vergleiche, dann entspricht das eBike eher einem Jeep und mein London wäre dann so etwas wie die Mercedes-Limousine der S-Klasse.

Über „meinen Mercedes“ (von Utopia) berichte ich dann in meinem nächsten Artikel zu eBikes.

RMD

P.S.
Die beiden Bilder sind von der „Conway-Website“, auf die ich öfters verlinkt habe.

Roland Dürre
Sonntag, der 26. November 2017

Mein erstes elektrisches Fahrrad – ein Lastenrad.

Im Frühjahr dieses Jahr hat die Elektro-Mobilität in unserem Haushalt Einzug gehalten.

Mit einem Lastenrad für die Einkäufe und die Enkel.

Wir haben uns für ein CARGO-Rad von i:SY entschieden. Das  „Traditions-Unternehmen Hermann Hartje KG aus Hoya/Weser“ stellt das Rad in Deutschland her.

Unser Lastenrad ist vom Typ „long john“ – ein langgestrecktes „Cargo“ mit nur zwei Rädern. Die andere Alternative wäre ein „Christiania“ gewesen. Das hat vorne zwei Räder,  also insgesamt drei. Da kann man vor der Ampel sogar auf dem Rad sitzen bleiben. Der Name kommt von „christiania bikes“ – er wird als Begriff für alle Räder diese Bauart verwendet, auch ungenauer Weise für die von anderen Unternehmen.

Die Lastenräder von der Art „long john“ gibt es von ihren Herstellern. Meistens in verschiedenen Größen, das heißt, dass verschieden lange Ladeflächen (und damit auch Räder) angeboten werden. Auch der Hersteller unseres Rades bereitet gerade ein längeres Modell vor. Für unseren jetzt nur  3-Personen kleinen Haushalt und die Enkel reicht das kürzeste Modell jedoch völlig. Für ganz schwere oder sperrige Lasten habe ich ja noch meinen Anhänger (korrekter gesagt: meine Anhänger. Es sind ja drei … 🙂 ).

Unser Lastenrad nennt sich „i:SY eCAR:GO“. Es wurde uns von unserem Stamm-Händler (Dully’s BIKESTATION) in Ottobrunn sehr stark empfohlen hat. Wir haben es ausgewählt, weil es ein sehr bewegliches, ja fast sportliches Lastenrad ist. So klappt auch die Durchfahrt von Schikanen damit meistens sehr gut.

Ich verzichte hier auf die Maße und technischen Daten, die findet Ihr unter den Links. Wir haben auch den Aufbau vorne, wie auf dem Bild oben abgebildet (das Bild kommt auch von der ISY-Website ).

Die Alternative zur Transporte ist ein einfaches Ladebrett, häufig aus geriffeltem Blech. Der Aufbau (eine Holzbox mit Klappsitz und Kindergurten) war für uns wichtig, weil auf der (einklappbaren) Kindersitzbank zwei Kinder gemütlich nebeneinander Platz finden.

Das war auch ein wichtiger Grund für den Kauf des Lastenrads, immerhin müssen wir als Großeltern ab und zu mal die Kinder vom Kinder abholen. Und die haben halt am meisten Spaß, wenn sie vorne im Freien sitzen dürfen, den Wind in den Haaren spüren und wissen, dass der „Opa“ oder die „Oma“ gleich dahinter sitzen.

Das Rad gibt es auch ohne elektrische Unterstützung. Die Fahreigenschaften sind auch ohne Strom ausgezeichnet. Es ist halt schwerer als ein normales Rad, im flachen München ist das aber kein Problem und ist die nicht-elektrische Variante hier völlig ausreichend. Aber wenn man beim Familien-Ausflug mit den anderen (jüngeren) Familien-Mitgliedern und ihren schnellen Rädern mithalten will, dann ist die e-Bike-Version schon hilfreich, besonders wenn es z.B. nach Osten in Richtung Alpen geht.

Unser eCAR:GO ist motorisiert mit einem GoSwissDrive. Es ist ein Heckantrieb, das scheint mir für ein Lastenfahrrad optimal. Der Antrieb bei e-Bikes ist ja so etwas wie eine Glaubenssache. Die einen schwören auf den Heckantrieb, viele nutzen den Mittelantrieb und ich bin eigentlich von allen drei Antriebsarten begeistert, gerade auch vom Frontantrieb meines Reiserades, einem London von Utopia.

Aber dazu später – wie ich auch den Unterschieden bei den Antrieben einen eigenen Artikel widmen werde. In meinem Stall steht mittlerweile ja alles – das Lastenrad mit Heckantrieb, das Conway-Mountain-Bike mit Mittelantrieb und das Reiserad mit einem traumhaften Frontantrieb.

Den GoSwissDrive von unserem Lastenrad habe ich natürlich auch ausführlich gegoogelt. Er wird bei sehr edlen (und dementsprechend teuren) Rädern angeboten. Von Heckantrieb zu sprechen ist unpräzise. Eigentlich hat ein e-Bike immer ein komplettes elektrisches System. Die Komponenten sind Sensoren, Kabel, das Steuergerät, der Akku, der Antriebsmotor und schließlich auch das Ladeteil.

Leider (auch aufgrund von EU-Vorschriften) ist jedes System „elektrisch“ anders. Und ich kann mit dem Ladegerät des einen Systems nicht die Batterie eines anderen Systems laden. Ich meine, dass das Unsinn ist, weil man Standards definieren und die Sicherheitsprobleme auch anders lösen hätte können. Aber das ist halt die EU-Regelwut, bei der technischer Verstand und Entwicklung oft aber auch gar keine Rolle spielt. Sondern eher die Interessen großer Hersteller. Und die sich am Schluss dann doch selber schaden mit ihrem Interesse an proprietären Lösungen.

Beim GoSwissDrive besticht unter anderem der Magnet-Stecker, mit dem der Akku mit dem Ladegerät bzw. am Rad mit dem Motor verbunden wird. Das kennen wir ja bei uns in der IT vor allem von unseren Apples und da war ich auch vom magnetischen Ladestecker begeistert. Ist zwar nur eine Kleinigkeit – aber eine sehr angenehme.

Mir gefällt die kurze Ladezeit der Batterie, die einfache und übersichtliche Steuerung und Anzeige des Antriebes am Rad und natürlich ganz besonders die totale Laufruhe des Motors und  perfekt angepasste Unterstützung in den verschiedenen Stärken. Gemeinsam und Dank der Shimano Acera 9-Gangman Schaltung merkt man kaum den Antrieb nie unangenehm, hat eine tolle Trittfrequenz – und ist plötzlich viel schneller, vor allem bergauf.  Eine Schiebehilfe ist natürlich auch dabei.

Ein Vorteil des GoSwissDrive ist, dass er „rekuperiert“. Das heißt, der Antrieb kann beim Berg ab Fahren Energie zurück gewinnen, dies einstellbar in mehreren Leveln. Das bringt nicht unbedingt viel Energie, obwohl man nach längerer Bergfahrt auch ab und zu mal ganz froh ist, wenn der Akku sich wieder ein wenig füllt, damit man dann für die letzte Auffahrt vor dem Ziel wieder ein bisschen Kraft im Akku hat.

Für mich ist wichtiger, dass die Rekuperation wie eine Motorbremse wirkt und man man weniger stark bremsen muss. So werden Bremsen und Hände geschont. Toll ist auch der Nabendynamo vorne – er ermöglicht auch bei Nacht und ohne Akku mit bestem Licht zu fahren.

Unser Lastenrad hat nur einen Akku, der an der Rückwand des Transportkastens von oben eingesteckt wird. Das geht ganz einfach – genauso wie die Abnahme. Dann kommt der Magnet-Stecker ran und fertig. An der Rückwand auf der anderen Seite wäre ist auch noch Platz und die Halterung für einen zweiten Akku, bei unserer Nutzung im flachen München ist das völlig unnötig, denn die Reichweite – besonders bei schonender Fahrt – geht locker deutlich über 100 km.

Das dürfte anders sein, wenn man im hügeligen Land wohnt und das Rad ganztägig professionell nutzt. Aber dann gibt es mit zwei Akkus garantiert auch kein Problem. Und wenn der eine Akku leer ist, steckt man einfach den Magnetstecker von dem einen auf den anderen und schon geht es weiter.

Die Barbara hat dann unser Lastenrad noch mit einer von ihr professionell angepassten und hand-genähten Plane versehen, so dass wir auch im Regen unsere Ware im Trockenen transportieren können. Die praktische Nutzung hat gezeigt, dass gerade zum Einkaufen (neben dem Kinder transportieren) das Lastenrad in seiner Beliebtheit ganz nach vorne geschoben hat. Es ist einfach zu schön, die erbeuteten Güter einfach einzuladen und dann direkt an der Haustür abzuliefern. Und auf die Idee, mit dem Auto einkaufen zu gehen, kommt man wirklich nicht mehr. Ist viel zu kompliziert.

Ja, ich finde es schade, dass wir in unserer Zeit als Eltern so etwas nicht hatten. Dafür freut es die Enkel umso mehr!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD