Roland Dürre
Samstag, der 1. April 2017

Ganz neu am 1. April: Das Programm von Martin Schulz.

Martin Schulz – 28. Februar 2014 – Bild aus Wikipedia.

In jungen Jahren habe ich mich gerne in den „Republikanischen Cafés“ und ähnlich zweifelhaften Orten herumgetrieben. Damals gab es noch viele Jusos. die gerade dort zahlreich vertreten waren.

Gemeinsam haben wir manchen Liter Rotwein vertilgt und viele Stangen Rothändle in Rauch umgewandelt. Aus dieser Zeit gibt es in meinem Freundeskreis auch heute noch einige wenige und meistens schon ganz schön alte Sozialdemokraten.

Zum Teil sind die noch älter als ich und plaudern gerne mal aus der Schule. Einer davon hat mir nun ein Dokument zugesandt, welches das Geheimnis um das Wahlprogramm der neuen SPD unter Martin Schulz lüften sollte.

Hier die wichtigsten Punkte seines sozialdemokratischen Programms als kurzer und stichwortartiger Auszug:

  • Ein klares NEIN zur Forderung der Trump-USA nach einer Erhöhung der Rüstungsausgaben der BRD auf 2 % des Brutto-Sozial-Produktes. Im Gegenteil – eine schrittweise Senkung unter 1 % und eine wesentliche Reduktion der Rüstungsexporte.
  • Erhöhung der Ausgaben für Bildung.
  • Eingehendes Verbot von Lobbyismus und Beenden der Einflussnahme auf politische Entscheidungen und Gesetzgebung durch Institutionen aller Art wie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften oder Kirchen.
  • Starke Beschränkung von Marketing, besonders wenn irreführend und manipulativ.
  • Senken aller Steuern und Beiträge, die Arbeit teurer machen.
  • Keine Besteuerung von allgemeinem Einkommen zum Beispiel bis 50.000, von Einkommen aus Arbeit bis 100.000, dafür eine wesentliche Besteuerung von Einkommen höher als 250.000 € im Jahr.
  • Pflicht zur Transparenz und Offenheit besonders für anonyme und exorbitante Vermögen, gleich ob von Privat- oder juristischen Personen.
  • Neuregelung der Erbschaftssteuer im Sinne einer zusätzlich erhöhten Besteuerung des Einkommen aus dem aus Erbe kommenden Vermögen mit Erhöhung bei jeder Generation (Beispiel: Eine zusätzliche Einkommenssteuer von vielleicht 10% auf Erträge aus direkt ererbtem Vermögen, aus zweiter Generation dann 20 % usw.)
  • Massive Erhöhung der Besteuerung für Spekulation und Wetten aller Art (Währung, Rohstoffe, Lebensmittel, Unternehmen …)
  • Infrastruktur: Pro Bahn, ÖPNV und aktive Mobilität.
  • Tempolimit auf Autobahnen (110 km/h), Landstraßen (80/km) und in Ortschaften (30 km/h als Default-Obergrenze).
  • Angleichung der Steuern für Benzin und Diesel mit relevanter Erhöhung – dafür Verzicht auf die dümmliche Maut.
  • Beenden der Subventionen für die Automobilindustrie (Dienstwagen-Regelung)
  • Wirkliche Gleichstellung der Geschlechter.

Auch mit Europa hat er besonderes vor:

  • Ein Europa der Regionen, das nicht mehr ein Spielball von Nationalstaaten ist sondern nach Zerlegung der großen Staaten aus Bundesstaaten mit der maximalen Größe von Ländern wie Bayern besteht.
  • Den Abbau zentraler Machtapparate (Brüssel) oder subzentraler Machtapparate wie Berlin etc. zugunsten eines Netzes von subsidiaritären lokalen und regionalen Systemen.
  • Reduktion des ausufernden EUROPAS-Apparats und der krassen Bevorteiligung der „EUROPA-Beamten“ beim Einkommensstatus.
  • Und der Hammer: Der zentrale EURO soll abgeschafft und durch lokale EURO-Varianten ersetzt werden, die angepasst an die regionalen Umstände ein „floatendes“ Währungsnetz bilden und nach außen durch einen Durchschnitts-Euro repräsentiert werden.

Als handlungsleitende Werte legt Martin Schulz fest:

  • Eine gesunde Skepsis gegen Wachstumsgläubigkeit, Taylorismus und Globalisierung.
  • Aufgeklärtes, agiles, schlankes und offenes Denken und Handeln.
  • Solidarität versus Egoismus, Transparenz vor Geheimhaltung, Mut vor Angst.
  • Nicht nur Respekt vor den Menschen sondern auch Wertschätzung und die Begegnung auf Augenhöhe!
  • Weniger Administration und Bürokratie und dafür mehr politische Gestaltung aufbauend auf gesellschaftlichem Konsens.

An der Diskussion eines solchen Programmes „ZUKUNFT FIRST“ würde ich mich durchaus beteiligen. Und mir (trotz der „Wer hat uns verraten?“-Frage) mal wieder überlegen, die SPD zu wählen. Jetzt wurde mir aber aus anderer und genauso vertrauter Quelle zugetragen, dass das besagte Dokument leider nur ein April-Scherz ist, auf den ich reingefallen bin. Und genau das alles weder die SPD noch Martin Schulz wollen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 1. April 2016

Elefanten-Hochzeit: ADAC und DAV fusionieren!

Elefanten-Hochzeiten kennen wir schon lange aus der Wirtschaft. Da übernimmt der eine Brau-Konzern den andern. Große Banken schlucken sich gegenseitig. Im Handel übernimmt laufend eine Kette einen lästigen Konkurrenten.

Auch in der IT gibt es eine lange Geschichte von Aufkäufen. Man denke nur an Unternehmen wie Compac oder Digital, die ganz schnell mal geschluckt wurden oder an die Übernahme im letzten Jahr von EMC durch Dell. Oder die stolze Münchner Softlab GmbH, aus der über Circuit (BMW) dann NTT (Nippon Telcom) wurde, so wie die elitäre SDM heute Cap Gemini heißt …

ADAC-Logo.svgLogo_DAV.svgJetzt hat das Fieber der Fusionitis auch die deutschen Mega-Vereine erreicht. So wird heute Mittag um 13:00 in der Bayerischen Staatskanzlei (!) der Zusammenschluss des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. (ADAC) und dem Deutschen Alpenverein (DAV) bei einem öffentlichen Sektempfang bekannt gegeben.

Da dieses bemerkenswerte Ereignis mit „dem Volk“ gefeiert werden soll, sind alle Freunde des Kraftfahrzeuges und der Alpen herzlich auf ein paar Gläser Sekt und einen kleinen Imbiss von den Hochzeitern eingeladen. Und in meiner Rolle als „Aktivist für aktive Mobilität im Alltag“ müsste ich eigentlich auch hingehen. Geht aber nicht, da ich ja heute noch in China auf der „GREAT WALL“ herumklettern will.

Die Tragweite und Bedeutung dieses Ereignisses darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Der Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) ist die größte Bergsteigervereinigung der Welt und der achtgrößte Sportverband Deutschlands, der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V., kurz ADAC, ist Deutschlands größter Automobil-Club mit Sitz in der wahren Auto-Hauptstadt München!

Und wer hat solch Historisches auf den Weg gebracht? Der Vermittler dieses Handels und so Retter der beiden Verbände ist – wie könnte es anderes sein – unser bayerischer Landesvater Horst der Erste zu Seehofer! Er war der Hochzeitsmacher, der die beiden kränkelnden, in sich zerstrittenen und von Krisen geschüttelten Lieblingsvereine der Deutschen zusammen gebracht und so vor dem Untergang gerettet hat.

Unermüdlich hat er sein großes politisches Gewicht wieder einmal in den Kampf für bayerische Grundwerte und deutsche Lebensart eingebracht und mit maximalen Einsatz für die wahren Interessen der Menschen im Lande gekämpft, die eben nicht für Laptop und Lederhose sind sondern zuallererst ihre Autos und Berge lieben.

Der Zusammenschluß ist eine Liebesehe. Gilt folgende Formel doch bei beiden Vereinen schon lange

Bergsport = Motorsport
denn Berg und Motor gehören zusammen!

Denn was wäre der Bergwanderer ohne seinen Diesel, gleich ob von Toyota oder VW? Sitzt er doch bei der Anreise zum Bergsteigen meistens länger in seinem Lebensblechgefährt(en) als er dann auf dem Berg mit seiner Lebensgefährt*in unterwegs ist.

Und wo soll denn der Autofahrer seine Rußkutsche am Wochenende hinlenken, wenn nicht in die Berge? Nur die Fahrt morgens zum Bäcker und abends zum Zigarettenautomaten – das lohnt sich doch nicht.

Bilden der Bergsteiger und sein Diesel nicht ein perfektes Duo? Robust, zuverlässig, ausdauernd, genügsam! Und sind nicht beide auf allen Pisten zu Hause? Und wenn es schwierig wird schalten beide auf Quattro.

Auch die Publikationen und Magazine der beiden Vereine – die Motorwelt des ADAC wie die Alpinwelt und das Panorama vom Alpenverein – klingen nicht nur ähnlich sondern sind von der selben Strickart. Vermarktung ist alles.

Dem martialischen helden-gelben ADAC-Logo wird das dezente grüne Edelweiß gut tun. Die rußige Weste der Motorsport-Helden braucht dringend die zwar oft vom Schweiß feuchte aber ansonsten saubere Funktionsunterwäsche des Bergsteigers, um zumindest wieder zu ergrauen. So wird der ADAC seine moralische Integrität im lederbehosten Schoß der Alpenliebhaber wieder finden. Der DAV dagegen kann sein biederes Image in Richtung Glanz, Chrom und Auto-Glamour verbessern. So passt emotional bei dieser Fusion alles, es wächst zusammen, was zusammen gehört.

Aber die Liaison folgt auch der Logik einer Vernunftehe. Denn es gibt schon jetzt viele absehbare Synergien. Mit dem starken Vertrieb für Tourismus-Produkte des ADAC hat der DAV einen neuen starken Marktkanal für seine Produkte im Bereich des Berg- und Hütten-Tourismus gewonnen. Globetrotter – der Vertriebspartner des Alpenvereins – könnte dann auch die ADAC-Geschäftsstellen beherbergen und den Naturfreunden die schönen SUVs von Porsche und Toyota noch mehr fürs Gelände schmackhaft machen. Ich erwähne nur das Zauberwort „Cross-Selling“!

Und die Phantasien für ganz neue Kooperationsmodelle drängen sich weiter nur so auf. Wie wäre es zum Beispiel mit einem gemeinsamen Hyper-Schutzbrief, der den schnellen Abtransport von Verletzten per Hubschrauber sowohl von der Straße wie vom Berg oder der Schneepiste im Angebot beinhaltet?

Beide Vereine decken ja auch ganz verschiedene Welten der Kriminalisierung – äh  Verzeihung Kommerzialisierung ab. Die besonderen Beziehungen des ADAC zur deutschen Automobil-Industrie sind ja nur zu bekannt. Der Alpenverein ist schon lange der Sympathie- und erfolgreiche Vertriebspartner von Toyota. So schafft die Fusion auch eine neue Brücke der Völkerverständigung zwischen den Autobauern von Japan und Deutschland! Was zweifelsfrei beiden helfen dürfte, ihre immer mehr von koreanischen und bald auch chinesischen Herstellern bedrohte Position im Weltmarkt zu stärken.

Es bleiben aber auch Fragen und Sorgen:

Was machen die restlichen Sport- und Interessens-Verbände? Wie soll der DSV zum Beispiel alleine gegen den neue Superverein bestehen? Wie wird der DLV reagieren? Was passiert jetzt mit VCD und ADFC?

Kann der kaiserliche DFB als Mafiaführer pardon Marktführer bei einer solchen Machtkonzentration wirklich gelassen zuschauen oder übernimmt er am Schluss das Ganze?

RMD