Klaus Hnilica
Donnerstag, der 5. Dezember 2019

Fritz – und der Stillstand der Zeit

Caro und Fritz (Folge 3)

Als Caro und Fritz unlängst in den Herbstferien bei uns waren, stand Fritz plötzlich vor mir und sagte,

Opa – die Caro ist so gemein…

Warum das denn Fritz?

Weil sie mich überhaupt nicht mit ihrem neuen Scooter mit den großen Rädern fahren lassen will! Dabei würde ich so gerne ausprobieren, wie schnell man mit dem sausen kann…

Tja – vermutlich wird sie dein ‚Gesause‘ mit ihrem Tretroller oder Scooter, wie man heute auf Neudeutsch, sagt, nicht besonders schätzen,lieber Fritz.

Nein – sie will mich nur ärgern…

Wieso, was sagt sie denn?

Ich fahr zu wild, sagt sie und würde bestimmt wieder wo dagegen donnern…

Was ja auch stimmt, du bist wirklich etwas arg ungestüm in letzter Zeit!

Aber bei ihrem neuen Scooter würde ich ganz toll aufpassen…

Das sagst du immer, Fritz – und dann passiert doch jedes Mal ein Malheur!

Aber nur, wenn irgend etwas blöd in der Gegend herumsteht, Opa!

Ja – aber das ist halt ziemlich oft der Fall!

Ach Opa – du hältst immer nur zu Caro!

Nein tu ich nicht, Fritz! – und drum sage ich dir jetzt, was der schlaue Einstein in deiner Situation machen würde, wenn er noch lebte…

Kommt jetzt wieder deine komische Relativitätstheorie?

Du ich wär‘ stolz wenn‘s ‚meine Relativitätstheorie‘ wäre! Aber diese ‚Spezielle Relativitätstheorie‘ gehört leider dem Albert Einstein, der sie 1905 mit nur 26 Jahren veröffentlicht hat, als er noch im Basler Patentamt arbeitete.

Und was hab ich davon?

Nun, der gute Einstein hätte dir gesagt, dass du geduldig sein und lieber dafür sorgen solltest, dass die böse Caro ja nur recht oft, lang und schnell auf ihrem neuen Scooter herum rast…

Und warum,Opa?

Weil dann für Caro die Zeit viel langsamer vergeht als für dich und du viel schneller alt und erwachsen wirst als sie…

Hab ich dann auch öfter Geburtstag und bekomme mehr Geschenke als Caro?

Aber klaro Fritz! Allerdings muss sie dazu wirklich schnell unterwegs sein auf ihrem Scooter!

Wie schnell denn?

Na ja – ungefähr mit 80% der Lichtgeschwindigkeit also 240 000 Kilometer in der Sekunde – oder 864 Millionen Kilometer in der Stunde!

Das ist ja super schnell, Opa!

Das kannst du laut sagen, Fritz! Bedenk‘ doch, dass dein Papa oder die Mama mit eurem VW höchstens 140 Kilometer in der Stunde fähren und ihr deshalb immer etwa dreieinhalb Stunde braucht, bis ihr bei uns seid, während Caro mit ihrem schnellen Scooter dann nur etwa  2 Tausendstel Sekunden für diese Strecke brauchen würde!

Und geht das wirklich?

Na ja eigentlich nicht wirklich – da sie selbst mit einem E – Scooter viel zu viel Energie bräuchte, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Aber dass sie langsamer alt würde bei dieser Geschwindigkeit als du, das stimmt!

Echt?

Ja echt – das sieht man zum Beispiel auch bei den Navigationssystemen, das ihr ja auch in eurem Auto habt und das seine Wegdaten von einem Satellit bekommt der mit 30.000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast.Die Uhrzeit, die der hat verläuft auch immer langsamer als die auf der Erde und muss daher so angepasst werden wie die Relativitätstheorie voraus sagt. Wenn das nicht getan würde, würdet ihr immer falsch abbiegen und uns nie finden…

Ja das wär blöd Opa – aber was hilft mir das?

Na – ja Einstein will dir auf diese etwas umständliche Art zumindest theoretisch die Chance ermöglichen, altersmäßig mit Caro gleich zu ziehen. Und wenn das passierte, würde sie bestimmt denken, du seist auch so vernünftig wie sie – und würde dir dann sicher ihren schnellen Scooter leihen…

Opa das kann ja sein, klingt aber ziemlich kompliziert…

So findest du?

Ja! – ich glaube, ich denke mir da lieber einen anderen Trick aus, wie ich an Caros Scooter komme…

Wie du meinst Fritz, aber versuch nicht zu schlau zu sein…

Nee – ich bin ja nicht Einstein…

Tja – wer weiß das schon?

KH

 

Klaus Hnilica
Montag, der 4. November 2019

Ein seltsamer Vergleich – oder?

Caro und Fritz (Folge 1)

  Enkelkinder sind immer eine ziemliche Herausforderung für Großeltern.

Insbesondere wenn sie derart aufgeweckt sind wie die 13-jährige Caro und der 11-jährige Fritz: ihr Opa, der sich immerhin Physiker schimpft, kommt da gelegentlich echt an seine Grenzen, wenn er die Dinge der Welt einfach erklären soll, wie unlängst, als Caro plötzlich loslegte.

Opa, was hat eigentlich ein ‚Arschloch’ mit einem ‚Schwarzen Loch’ zu tun?

Caro, außer dass es auch ein Loch ist wohl nix soweit ich weiß!

Aber warum sagt dann der Torsten, ich sei ein größeres Arschloch als jedes Schwarze Loch am Abendhimmel?

Tut mir Leid das weiß ich nicht – wahrscheinlich weil er keine Ahnung von Schwarzen Löchern hat – oder?

Was oder?

Oder du hast vielleicht auch etwas Unschönes zu ihm gesagt.

Ich hab nur zu ihm gesagt, dass er das größte Ekel in der ganzen Stadt ist.

Na ja – ist ja auch nicht gerade freundlich.

Aber das stimmt, weil er mich immer in der Pause an meinen Zöpfen zieht!

Gut das mag ja so sein – aber der Vergleich zwischen A – Loch und Schwarzem Loch ist trotzdem wissenschaftlich nicht haltbar!

Und warum nicht wissenschaftlich?

Nun weil die Schwarzen Löcher im Kosmos eher wie riesige Abflusslöcher wirken, die schon seit über Milliarden von Jahren nur alles in sich hinein saugen – und zwar nicht nur alle Sterne rundherum, sondern auch deren Licht. Und bei A – Löchern ist es ja, wie jedermann weiß so, dass da nur etwas rauskommt und nicht rein gesogen wird…

Ja  – und was sogar unheimlich stinkt!

Das kannst du aber laut sagen, Caro! Das Schwarze Loch dagegen würde sogar den Gestank in sich hineinsaugen! D, h. da riechste nix und siehste nix! Drum heißt es ja auch ‚Schwarzes Loch’!!

Und was ist dann ein Schwarzes Loch genau, Opa, von dem auch der Fritz dauernd quasselt?

Ja dem Fritz hab ich unlängst schon einmal davon erzählt und dass es die überall im Weltraum gibt, dass die aber niemand sehen kann, da sie ja auch alles Licht in sich hinein fressen…

Und warum weiß man dann überhaupt, dass es sie gibt?

Hm –  gute Frage! Aber man kann eben mit großen Teleskopen beobachten, wie ein Schwarze Loch über Milliarden von Kilometern andere Sterne und Planeten zu sich hinzieht und sie in ihren normalen Himmelsbahnen stört, ähnlich wie wenn man in einer vollen Badewanne den  Abflussstöpsel zieht, da bewegt sich auch plötzlich aller Badeschaum in  Richtung  Abfluss, der alles in sich hineinsaugt. Und den Badeschaum musst du dir nur als Sterne vorstellen, die alle in den Abfluss reingesaugt werden, allerdings fließen die dann nicht ab, sondern pappen hinterm Abfluss  immer dichter und fester zusammen.

Und warum saugt das Schwarze Loch so stark, Opa?

Tja Caro – weil es das tut, was ihm die allgemeine Relativitätstheorie zuflüstert!

Und was flüstert diese Relavatitätstheorie – oder wie die heißt?

Die sagt, also vielmehr der Herr Einstein, der diese Theorie ausgearbeitet hat, sagt, dass ein so genanntes Schwarzes Loch, wenn es schon drei Sterne von der Größe unserer Sonne in sich hineingestopft hat, immer unersättlicher wird und auch alles weitere aus seiner Umgebung anzieht und in sich hinein frisst, bis es nach etwa fünfzig Sonnen und  mehr eines Tages explodiert…

Und wann passiert das?

Na ja das dauert schon ein paar Milliarden Jährchen! Also wir erleben das nimmer, Caro!

Hm – und würde dieses Schwarze Loch auch den blöden Torsten verschlucken.

Natürlich – man müsste ihn nur nahe genug hin stupsen…

Das wär super, Opa, dann hätte ich endlich meine Ruhe in den Pausen

Oh – oh! Caro du bist ganz schön brutal!

Mir egal…

Das sollte es dir aber nicht sein – wenngleich der böse Torsten vermutlich gar nix spüren würde, wenn er da in das Schwarze Loch rein flutschte.

Und warum spürt der nix, Opa?

Das erzähl ich dir, wenn du den bösen Torsten am Leben lässt, in ein paar Tagen einmal – aber jetzt muss ich kochen, Caro. Ich hab nämlich der Oma versprochen, dass ich heute für uns alle Schnitzerl mit Erdapfelsalat mache…

Super Opa, da freu ich mich schon drauf – und dem Schwarzen Loch geben wir davon nix, gell?

Überhaupt nix bekommt dieses Schwarze Loch von uns  – das soll ruhig einmal ein paar Tage fasten nach ihren dreißig oder vierzig Sonnen in den letzten Milliarden Jahren!!

KH

PS: Und in spätestens zwei Wochen erzählt dieser Opa seiner Caro und dem Fritz, wie diese komische Relativitätstheorie dafür sorgt, dass dieser böse Torsten leider oder lieber Gott sei Dank, nichts spürt, wenn er im gierigen Schwarzen Loch verschwindet.

Roland Dürre
Freitag, der 26. Juli 2019

Schafkopf, Schule und Digitalisierung.

 

Geschichten aus der Kartenrunde.

 

Laub(?)-Solo an Position 3 mit 4 Obern, in der Bockrunde mit Kontra verloren.

Gelegentlich verlasse ich die sportlichen Schafkopfrunden und spiele mit den alten Herren. Das ist eine fiktive Kartenrunde. Ähnlichkeiten mit realen Runden sind rein zufällig.

Die „alten Herren“ sind nicht älter als ich. Die Runde nenne ich insgeheim so, weil es eine sehr beschauliche Schafkopf-Runde ist. Mit geringen Einsätzen und ohne Klopfen, aber viel Ratsch und Tratsch.

Die „alten Herren“ sind überwiegend Rentner oder Privatiers. In der Regel haben sie eine Familie gegründet und können auf eine erfolgreiche berufliche Karriere zurück blicken. Sie hatten ein erfülltes Leben, wussten immer, was richtig und falsch ist und haben als brave Bürger einiges erreicht. Sie leben in einer objektiv  sorgenfreien und friedlichen Welt, allerdings begleitet von vielen unsinnigen Ängsten. Heute wirken sie als sie gute Großväter und unterstützen ihre Kinder in besonders vorbildlicher Art und Weise bei der Betreuung der Enkelkinder.

Das Blatt des Gegners an Position 4, der mein Solo „abgeschossen“ hat.

Dafür bringen sie auch richtig viel Zeit auf. Als helfende Engel sind sie ständig für andere Menschen unterwegs. Und wissen auch immer besser, wie man es richtig macht.

Ich meine, dass jeder seine Probleme  selber lösen müsse und unterstütze am liebsten nur mit „Hilfe zur Selbsthilfe. Und jeder sein Leben eigenverantwortlich gestalten solle.

Ich habe versucht, vom moralischen Vorgaben und ähnlichem komplett verabschiedet habe. Auch mein schlechtes Gewissen habe ich abgeschafft. Sonst würde ich mich in solchen Runden als richtig schlechter Familienvater und Mensch fühlen.

Jetzt zur Geschichte. Es geht um die Schule. Auch ich habe eine Tochter, die Lehrerin geworden ist. Meine Tochter erzählt auch oft Geschichten, die mich wundern machen. Es ist erschütternd, wie sehr Schule und Bildung in Deutschland unter die Räder kommen.

So stammt folgende Geschichte aus der Welt der staatlichen Schule. Sie ist aber nicht von meiner Tochter. Sondern von einem Schafkopffreund aus der Runde der „alten Herren“:

Zum Schuljahresende haben Lehrer*innen eine höhere Belastung. Das sind nicht nur die Zeugnisse, die geschrieben werden müssen. Also müssen die Großväter ran und vermehrt auf ihre „Lehrerenkel“ aufpassen. Damit die Lehrereltern den wichtigen Jahresabschlußaufgaben nachkommen können.

Eine wichtige aufwändige Aufgabe ist die Rücknahme der Lehrbücher. Stichwort Lehrmittelfreiheit. Die Lehrer, die  freiwillig oder verpflichtet die Verantwortung für die Lehrbücher übernommen haben, sind da gefragt.  Und da das viel Zeit kostet, muss Opa „babysitten“.

Die Geschichten beim Schafkopf sind wie an allen Stammtischen immer wertend. So wird auch die Erzählung von der Rückgabe des Schulbücher zur moralischen Wertung. Trefflich lässt sich  sich am Beispiel der Schulbücher auch die Erkenntnis des Sokrates bestätigen, dass die Jugend immer schlimmer wird. Und die weisen Häupter werden kräftig geschüttelt, wenn das Unverständnis zu signalisiert wird, wie die Gesellschaft doch runtergekommen wäre, würde man den Zustand der zurück zu nehmenden Bücher sehen. Wie mühsam es wäre, auch zu prüfen, welche Papiere in den Büchern drin wären.  Durchaus auch mal mit vertraulichen Daten. Da lässt sich dann auch über die Machtlosigkeit von Autoritätspersonen in der heuten Zeit und Schule klagen.

Ich schüttle dann auch mein weises Haupt. Weil ich nicht verstehen kann, dass es überhaupt noch Schulbücher gibt! Wir leben doch im 21. Jahruhndert, also  im digitalen Zeitalter! Aber ich sage nichts. Denn ich weiß, dass jeder am Kartentisch ein schulisches Leben ohne genormte Schulbücher zu all diesen Fächern für ein Werk für das Ende unserer abendländischen deutschen Kultur hält.

Meine Gedanken gehen mich an einer Reihe von leidenschaftlichen „Pitches“ beim Business Wettbewerb bei BayStartup, bei denen junge Gründerteams für eine digitale Schule plädiert haben. Und aufgezeigt haben, wie technisch einfach so etwas zu realisieren wäre. Und wie groß die Vorteile mehrdimensional wären. Ich erinnere mich aber auch daran, wie diese tatsächlich sehr jungen Teams von der Mehrheit der Juroren belächelt (und schlecht bewertet) wurden. Das ist auch schon ein paar Jährchen her – und ich hatte gehofft, dass sich da etwas geändert hat.

Aber wir leben in Deutschland. Auch meine Kollegen in den Jurys – überwiegend auch alte weiße Männer wie ich – waren von solchen revolutionären Ideen gar nicht begeistert. Weil sogar die Protagonisten der Veränderung nicht verstanden haben, dass Innovation kreative Zerstörung ist. Und Schulbücher als Mittel zu einer standardisierten Bildung

Und auch technisch einfache Dinge sind politisch eben das Gegenteil von einfach. Besonders nicht wenn es um Veränderung geht. Und das, was ich denke sage ich besser nicht.

Denn in der  Schafkopfrunde will ich ja Karten spielen und keine Plädoyer für Digitalisierung führen. Habe ich doch schon oft erlebt, dass digitales Leben wie auch das Internet als faires „Teilgeber-System“ hierzulande halt von den Kräften an der Macht nicht verstanden wird.

Und ich muss leider dem Sascha recht geben, wenn er schreibt:
„Das größte deutsche Vermögen ist das Beharrungsvermögen, verwaltet wird es von der Gewohnheit.“
(Sascha Lobo in einem Artikel zur Micromobilität)

Und ich kann die alten weißen Männer (und ebenso die schlimmen weiblichen und immer alles besser wissenden Matronen) nur warnen:

Wenn Ihr so weitermacht, dann ist hierzulande bald Schluß mit dem Wohlstand und dem Leben, das Ihr so liebt. Es geschieht Euch recht! Und es ist gut so!

RMD

P.S.
Aber eine gute Nachricht gibt es zumindest aus Bayern. Schafkopfen wird jetzt als Schulfach angeboten. Wahrscheinlich das einzig sinnvolle.

Roland Dürre
Samstag, der 28. April 2018

Lärmverschmutzung – im Wachstum!

Wer glaubt denn noch ans Wachstum? Ich nicht mehr. Beim Lärm zum Beispiel nervt mich Wachstum nur noch.

Aus der Zeit, in der ich noch Autofahrer war – mit meinem roten BMW und meiner hübschen Barbara. Man beachte den popeligen Golf daneben! Bäh!


Zuerst erzähl ich mal, was mir in meiner Wahrnehmung von meinen Erziehern als Kind so vermittelt wurde.


Den gemerkten Rückmeldungen meiner Eltern folgend habe ich als Kind (fast) alles falsch gemacht. Ich habe gelärmt, oft war das nur Teil des Spiels, das wurde aber so nicht verstanden. Laut (und lustig) sein, das ging gar nicht. Ich wurde zur absoluten Rücksichtnahme verpflichtet.  Weil man andere Menschen – besonders die Erwachsenen – nicht stören darf. Und ihnen auch nicht zur Last fallen darf. Besonders nicht durch kindgerechtes also falsches Verhalten. So hieß es immer: BENIMM DICH!

Lärm machen war in der Tat etwas ganz Schlimmes. Nachts ging das sowieso nicht. Das galt aber auch für tagsüber. Denn unsere Nachbarn hatten regelmäßig Nachtdienst. Denn wir lebten in einem Wohnblock nur für Eisenbahner. Und müde Eisenbahner müssen ausschlafen, damit sie für den nächsten Nachtdienst fit sind.

Auch sollte ich Hochdeutsch – dies immer sehr deutlich – sprechen. Ich sollte immer sauber und adrett sein, musste auch beim schönsten Hochsommerwetter Schuhe tragen und natürlich waren meine Haare extrem kurz (schmutzige Kinder ohne Schuhe mit langen Haaren waren doch Zigeuner-Kinder)!

Als deutsches Kind sollte ich immer die Wahrheit sagen und eine gerade und aufrechte Körper-Haltung einhalten. Erwachsene musste ich als Erster freundlich grüßen, reden durfte ich nur wenn ich gefragt wurde. Beim Sprechen hatte ich diesen in die Augen zu schauen. Natürlich sollte ich mich auch in allem anderem absolut korrekt verhalten. Später war das Nyltest-Hemd angesagt und eine amerikanische Jeans ein NOGO!

Da ich nur selten das Musterkind aus dem Bilderbuch war (und sein wollte), habe ich viel gemuffelt und getrotzt. Das war dann gar nicht gut für mich – denn so war ich häufig der böse Unfolgsame. Das Böse musste natürlich bestraft werden. So hagelte es öfters körperliche Züchtigungen, Zimmerarreste, Straf- und Zwangsarbeiten. Ausgehverbote wie auch Entzug von vermeintlichen Vergünstigungen wie Verbote aller Art für Dinge wie Fußball spielen, Raus dürfen, Radio hören … (Fernseher hatte wir erst recht spät) waren an der Tagesordnung. Meinen Freunden ging es damals überwiegend mehr oder weniger ähnlich. Viele von uns haben sich sehr ungerecht behandelt gefühlt – mit dem Vertrauensverhältnis zu unseren Eltern ging es schnell bergab. So war das oft in den 50igern.


Gewirkt hat sie – diese Erziehung. Bis heute! So lässt mich mein Überich auch heute noch oft zusammen zucken. Sobald ich zum Beispiel (zu) laut bin oder mich schlecht benehme, hebt das Überich seinen strengen Zeigefinger und ermahnt mich!

Aus heutiger Sicht hat das auch Vorteile. Schon seit längerem plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich mich auch nur ans Steuer eines Autos setze. Ich mag nicht mehr lärmend durch die Gegend düsen. So nutze ich – als Fahrer wie als Mitfahrer – nur noch in ganz seltenen Fällen das Autos. In meiner späten Trotzphase zwischen 40 und 50 habe ich einen C1 (Motorroller mit Dach von BMW) gefahren. Mein Überich und die Barbara haben mich geschimpft, weil das Teil einen schrecklichen Lärm gemacht hat. So habe ich ihn halt verkauft. Darüber bin ich heute so richtig froh.


Letzten Montag habe ich den Tag des Bieres in der Forschung gefeiert. Wir haben über die Zerstörung der Welt und die Verherrlichung des Wachstum gesprochen. Typische Stammtischgespräche, wie Mann sie halt gerne in passender Runde bei einem (oder mehreren) hellen Bockbier „Sankt Jacobus“ führt.


Ein Freund in dieser Runde hat erzählt, dass er in seinem Garten kein ruhige Minute mehr hat. Zwar liegt sein Haus in sicher einer der besseren Wohngegenden im nahen Umkreis des Münchner Südostens, aber es lärme Tag und Nacht. Immer brumme die Autobahn (ziemlich laut obwohl eigentlich weit weg), die SUVs würden mit ihren fetten Allwetterreifen durch die „Tempo 30-Zonen“ lärmen und die Motorräder ihr Benzin-Lied röhren. Am Himmel würden Flieger dröhnen und der Hubschrauber lut ratternd übers Dach seinen Fang von der Autobahn ins Krankenhaus nach Harlaching bringen.

Ich kenne das. Kleine Sonderfahrzeuge versuchen bei uns im Frühling laut den Splitt zu entfernen, den genauso laute Streufahrzeuge im Winter verteilt haben. Die Dieselfahrzeuge der vielen Paket-Dienste – die ja alle mit eigenen Fahrzeugen kommen – rattern immer durch irgendeine der Nachbargassen, um die vielen im Internet-bestellten Kleinigkeiten mit aufwändiger Verpackung als große Pakete auszuliefern. Motorsportler feiern auch in der Nacht den Sound ihres PS-starken Boliden mit Sport-Auspuff.

Früh am Morgen, wenn die Nacht gerade dabei ist sich zu beruhigen, kommen Straßenkehr-Maschine und Müllabfuhr. Die werden fließend von Rasenmähern und Bau-Maschinen abgelöst. Am Bau wird immer früh gestartet – und irgendeine Baustelle gibt es immer im Viertel. Da bekommt man dann das ganze Paket an lauten Maschinen ab, von der Pressluftmaschine über die Fliesen-Säge bis hin zum einfachen Hammer. Und ist die Villa auch noch so flach, ohne einen lärmenden Hochkran geht es nicht mehr. In den Lärm mischen sich Laub-Bläser ein, die mittlerweile nicht mehr nur im Herbst ihr Unwesen treiben.


Mir geht es also ähnlich wie meinem Freund. Ich leide unter dem Lärm. Ich schlafe gerne mit offenem Fenster, aber das ist bei uns zu Hause nicht mehr möglich (obwohl „sehr ruhig gelegen“). Zu oft wache ich dann wegen Störgeräuschen auf. Am liebsten würde ich umziehen, aber ich finde keine Alternative.

Vor kurzem habe ich am Ostsee-Strand mit offenem Fenster geschlafen. Es war wunderschön. Aber es war am Samstag, in der Nacht vom Sonntag auf Montag ging das Gedröhne dann beizeiten los. Und vorbei war es mit gesunden Nachtruhe.

Dabei könnten wir alle ganz anders leben. Nur mit ein wenig guten Willen. Es wäre auch billiger und gesünder. Ohne Autos und dem ganzen Wohlstandsmüll. Aber schon höre ich das Credo“ „Ohne Auto geht es doch nicht“. Das stimmt natürlich nicht. Man lebt besser ohne, aber ist es halt so gewöhnt.


Mit dem Lärm wird es immer schlimmer und die Unachtsamkeiten mehren sich. Wir wohnen in Neubiberg in der Kufsteiner Strasse. Uns gegenüber stand bis vor zwei Jahren ein gemütliches altes Haus mit „Charakter“ und einem überdurchschnittlich großem Grundstück. In diesem Haus lebte ein altes Paar. Der mir sympathische Herr sorgte für seine pflegebedürftige Frau. Wie der rüstige Mann überraschend verstarb kam seine Frau ins Pflegeheim. Das wunderschöne Haus wurde schnell verkauft und zeitnah abgerissen. Auf dem Grundstück wurden im Rekordtempo zwei „Villen“ gebaut. Ein Vorgang, der im Rahmen der „Verdichtung“ des Münchner Umland häufig vorkommt.

Vor ein paar Tagen komme ich mit dem Fahrrad vom Einkaufen heim. Und höre einen ungewohnten Brumm. Ich wundere mich und suche nach der Quelle. Und finde sie. Kurz hinter dem Zaun einer der beiden neuen Villen steht fest gemauert in der Erden ein futuristisch aussehendes Gerät. Das vor sich hin lärmt.

Ich weiß nicht, ob das Teil heizt oder kühlt oder beides macht. Vielleicht soll es nur Energie sparen. Das mache ich bei unserem Anwesen geräuschlos mit Solarstrom und -warmwasser. Die neue Villa hat so etwas nicht. Dafür hat sie ein Schwimmbad im Freien. Das den eh nicht so großen Garten völlig verschwinden lässt. Vielleicht brummt das Gerät für das Schwimmbad? Weiß ich’s? Ist mir auch gleichgültig.

Glücklicherweise geht der Brumm nicht ganz bis zu unserem Haus. Wir haben ein Hammergrundstück mit einer Zufahrt von zirka 50 Metern. Dreißig Meter vor unserem Haus höre ich den Brumm nicht mehr. Ich atme auf. Glück gehabt. Und denke mir gut so. Weil auch bei mir das St.-Florians-Prinzip gilt:
Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus / Zünd’ and’re an!“
Auf englisch heißt das übrigens Nimby als Akronym für
„Not in my backyard“
🙂 Man sieht, das „by“ von Nimby hat nichts mit Bayern zu tun.


Am Nachmittag des „Tages des Bieres“ bin ich in den Münchner Osten zu einem Workshop geradelt. Meine Teilnehmer beklagten sich über die Hitze. Wir sind im April. Und der eine oder andere meint, dass er sich jetzt doch bald eine Klima-Anlage anschaffen müsse. Wegen der Klimakatastrophe. Quasi wollen sie den Teufel mit dem Belzebub austreiben.


Mit Schrecken denke ich an vergangene Reisen in südliche Gefilden. Da hatte ich ein wunderbares Hotelzimmer in der schönsten Gegend der Welt – in wunderschön ruhiger Lage. Nur die Klima-Anlagen rechts und links von, über und unter uns haben ihre Lieder gesungen. Für mich ist das eine „harmlose“ Form von Hölle. Die richtige Hölle kommt erst in ein oder zwei Generationen – und zwar von uns selber verursacht. Die Götter WACHSTUM, GIER, EGOISMUS und TRÄGHEIT haben ihre Opfer gefordert: Den Ausstoß von gigantisch viel Kohlendioxid, die Zerstörung der Meere, die Vermüllung der Welt, die Vergiftung der Umwelt, mit all dem haben wir unsere Lebensgrundlagen zerstört. Wir sind unserem christlichen Auftrag „Macht Euch die Welt untertan!“ gefolgt – jetzt bekommen wir ganz unchristlich die Quittung.

Und so gesehen ist das bisschen Lärm ja geschenkt! Obwohl mein Überich ermahnt mich übrigens auch, keine Produkte zu kaufen und nutzen, die unnötig verpackt sind, also keine Dosen und keine Getränke in Plastikflaschen oder 2Go-Bechern zu nutzen. Tetrapaks sind für mein Überich total out wie auch Kosmetika (weil es eine einfache Seife genauso tut). Ich soll nicht zu viel Fleisch zu essen und allgemein versuchen #nowaste zu leben und auch vor zu leben!

Danke, liebes Überich. So habe ich mich mit Dir angefreundet und verbündet. Wobei das alles nicht so einfach ist wie es klingt und sein könnte. Wir werden es nur gemeinsam schaffen.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. August 2017

Warum wir Christophine brauchen! (II)

Das habe ich am 12. Juli geschrieben. Ein paar Tage nach dem ich als mittlerweile 67-jähriger wieder mal zur Grundschule gehen durfte. Und zwar in der Christophine. Und ich bin so froh, dass ich zu diesem Artikel so viel Zuspruch bekommen habe.

So erlebe ich, dass ich mit meiner Kritik an der Art und Weise, wie Kinder weltweit „erzogen“ und „gebildet“ werden nicht alleine stehe. Denn bei Schule geht meistens ums „dressieren“ und „formatieren“ eine jungen Menschen – und dabei bleibt der Respekt vor dem Kinde auf der Strecke.

Wie man mit Kindern respektvoll umgeht und ihnen den Raum gibt, selbst gesteuert und motiviert zu lernen und zu erleben, das ist genau das, was ich am 23. Juni in Marbach am Neckar erleben durfte. Hier mein Bericht:

Ich war an diesem Freitag einen halben Tag Teil der Klasse. Als nervöser neuer Schüler war ich natürlich ganz früh da. Und konnte mich freuen, wie die Schüler und Schülerinnen der Reihe nach eintrudelten. Es waren lauter gut gelaunte und fröhliche Kinder – die sich offensichtlich freuten, in der Schule angekommen zu sein.

Sobald die Klasse komplett war, wurde gemeinsam ein Lied gesungen. Das Lied bestand aus einer Begrüßung in vielen Sprachen – gemeinsam haben wir uns beim Singen auf den Tag gefreut.

Nach dem Lied gehörte an diesem Freitag die erste Runde den Kindern. Sie berichteten von einem Erlebnis, das ihnen wichtig war. Eines der Kinder war der Moderator der Runde – jeden Tag übernimmt diese Aufgabe ein anderes Kind.

Erzähler zu Erzähler ging eine gebastelte Pappkiste – die auf der einen Seite eine grüne und auf der anderen eine rote Scheibe hatte. Solange ein Kind sprach, dann zeigte den Zuhörern die rote Seite (Bitte seid still und hört mir zu!). Wenn es dann fertig war und Fragen erlaubte, drehte es die Schachtel um zeigte die grüne Seite (Jetzt dürft Ihr fragen und kommentieren!).

Es war toll, wie wohltuend kurz sowohl die Berichte wie dann auch die Fragen und Antworten waren. Wie die Kinder sich gegenseitig konzentriert zuhörten und ausreden ließen. Ich musste an das brutale Chaos denken, dass ich so oft bei so vielen Erwachsenen-Besprechungen (Meetings mit ganz wichtigen Leuten) erlebt habe …

Die zweite Runde gehörte der Arbeitsplanung. Die Kinder überlegten sich, mit welchen Tätigkeiten sie den weiteren Vormittag verbringen wollten. Ich war verblüfft, welch hohes Maß an Motivation die Kinder einbrachten und wie realistisch sie ihr eigenes Können bewertet und danach ihr Tätigkeiten ausgerichtet haben.

An der Christophine gibt keinen Sitz-Zwang. Deswegen tragen die Kinder leises Schuhwerk, damit sie die anderen Kinder nicht bei der Arbeit stören. Denn das ist ein wichtiges Recht, dass man auch einfordern darf (Bitte störe mich nicht bei meiner Arbeit!). Man arbeitet in Gruppen oder alleine – so wie es Sinn macht. Und wenn das Wetter passt geht es auch im Freien.

Mir ist aufgefallen, dass es in der Christophine eine Ordnung gibt, die für alle da ist. Die nicht als Zwang empfunden wurde, sondern eine gelingende Sozialität ermöglicht. Und die nicht Selbstzweck ist, sondern nur einen Rahmen gibt für einen vernünftigen Umgang mit sich selber und in der Gemeinschaft mit den anderen.

Die Sprache in der Schule war voller gegenseitigem Respekt – und wie ich sagen würde „alterozentriert“. Die Kinder können zu hören, waren in der Lage andere ausreden zu lassen und auf die Anliegen des Anderen einzugehen. Das ist so selten bei den Erwachsenen. So habe in dieser Schule ein erstaunliches Maß von redlicher und gewaltfreier Kommunikation zwischen Kindern erlebt! Ein „Aufeinander-Eingehen“, wie ich es im Erwachsenen-Leben nur selten wahr nehme.

Natürlich gab es auch einen Konflikt. Die wurde aber nicht von den Lehrern platt gemacht und herunter gebügelt. Die Streihähne (eins davon war ein Huhn) wurden angeleitet, vernünftig mit dieser Konfliktsituation umzugehen. Und wie es schwierig wurde, durften sich die jungen Kontrahenten zurück ziehen und ihr Problem unter vier Augen besprechen. Und spätestens als sie zum nahe gelegenen Dorfbrunnen gingen und ihre Hände ins Wasser gehalten haben, war der Konflikt bewältigt.

Und immer, wenn ich an die oft erlebte Erwachsenen-Welt denken musste, dann kamen mir die Tränen. Ja, der Rupert Lay hatte schon Recht, wenn er sagte, dass Kinder weise Wesen wären. Und wir, die Eltern und Lehrer, ihre Weisheit auf dem Altar der Erziehung opfern würden.

Und ich glaube auch, dass es durchaus Fortschritte gibt, wie z.B. in der Montessori Schule. Aber das ist mir zu wenig. Was wir brauchen sind doch viele freie und selbst organisierte Schulen mit einem zeitgemäßen Konzept. Ohne Indoktrination und zentrale Vorgaben.

Jetzt genieße ich die Sonne Griechenlands. Und überlege, was ich für die Christophine tun kann.

In meinem aktuellem Leben versuche ich meinen eigenen Frieden zu finden und meine Liebe zu mehren. Weil das die Voraussetzung für alles andere ist. Ich verbringe viel Zeit damit, Mentés (im Studium und beim Berufsstart) und jungen Unternehmern (geschäftlich beim Start-Up) zu helfen. Damit sie in ihrem Leben erfolgreicher und glücklicher werden.

Junge Müttern unterstütze ich bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg, in dem ich Ihnen helfe einen „alternativen CV“ zu schreiben (Das was sie können und tun möchten beschreiben an Stelle das, was sie getan haben).

Mit Freunden habe ich Barcamps wie PM-Camp und ähnliche Veranstaltungen ins Leben gerufen, um „Neues Denken“ und „Muster Brechen“ populär zu machen. Ich vernetze laufend Menschen ganz allgemein, damit sie gemeinsam stärker und größer werden. Und versuche eine sinnlose Mobilität vorzuleben und meinen Wunsch nach Frieden Ausdruck zu verleihen.

Und manches davon scheint sogar ganz gut zu klappen. Das macht mich durchaus selber ein wenig glücklicher.

Aber wäre es nicht sinnvoller, meine Zeit und Kraft vor allem für die ganz Kleinen und Schwachen zu investieren? Unseren Kindern und Enkeln. Denen es nach meiner Meinung jedes Jahr ein wenig dreckiger geht, weil sie immer mehr wegen vermeintlicher Sachzwängen ihrer Freiheit beraubt und indoktriniert und werden. Damit sie brave Bürger und Konsumenten werden.

Unsere Gesellschaft meint es ja immer so gut, macht es aber dann gnadenlos schlecht. Leider sind unsere Kinder das beste Beispiel dafür. Sollte deswegen es nicht mein Hauptziel werden, für die Kinder zu wirken? Dass diese nicht klein sondern groß gemacht werden? Und sie als freie und autonome Menschen die bestmöglichen Voraussetzungen haben ein gelingendes Leben zu führen?

Also ganz typische Gedanken, wie ich man sie halt in einer wunderschönen Auszeit so hat.

RMD

P.S.
Die „Marbacher Pädagogik“ von Lorenz Obleser halte ich für so etwas wie das von mir geforderte zeitgemäße Konzept. Ich werde versuchen, im Artikel „Christophine III“ auch hier im IF-Blog dann gemeinsam mit ihm und weitern Protagonisten der Christophine dazu etwas zu formulieren.

Roland Dürre
Sonntag, der 13. August 2017

Mein erstes „Coming Out“

Heute als „Wort zum Sonntag“!

Es wird wirklich Zeit, Muster und Tabus zu brechen. So beginne ich jetzt damit. Auch im IF-Blog. Zuerst Mal im Kleinen und ganz sanft … Aber es kann ja noch werden.

Zu meiner Vorstellung: Ich bin ein männliches Säugetier. Von der Art „Mensch“. Menschen sind Nachkommen der Menschenartigen, die sich mal aus irgendwelchen Affen entwickelt haben. Die man – für mich unverständlicher Weise – im Gegensatz zu den so klugen und schönen Elefanten, Rindern oder Schweinen auch als „Primaten“ bezeichnet.

Männliche Säugetiere haben ein Geschlechtsteil. So auch ich. Ein männliches Geschlechtsteil hat viele Nachteile. Einer der vielleicht sogar harmloseren ist das Ewige „Wohin damit?“.

Selfie unter schwierigen Bedingungen – aber garantiert ohne Unterhose!

So hat „homo sapiens“ die Unterhose erfunden. Und die Unterwäsche-Industrie gegründet, die jetzt mit Unterhosen richtig gut Kohle verdient. Bekleidung wurde zu einer moralischen Sache („das gehört sich so“ oder „so geht das nicht“). So entstand unter anderem die Moral, die besagt, dass man (besonders Mann) ohne Unterhose nicht herum laufen darf.

Nur – Unterhosen engen ein. Allerdings engen Hosen noch mehr ein. Und dann kann es ohne Unterhose auch mal weh tun. Man denke nur an die Lederhose. Mit Unterhose kann es übrigens auch ab und zu weh tun.

Für die männlichen Menschen entstand eine besondere Unterhosen-Tragepflicht. Frauen trugen Röcke. Bei den Damen war „ohne Unterhose“ schon eher möglich. Bei ihnen ging das als erotische Frechheit durch, was bei den Herren undenkbar war.

So habe ich mindestens 50 Jahre brav meine Unterhose getragen und wenn möglich täglich gewechselt.

Vor vielleicht zehn Jahren habe ich in Indien das Ganzkörperkleid für Männer entdeckt. Könnte sein, dass man es Kaftan nennt. Davon habe ich mir zwei erworben (einen grünen und einen blauen) und diese gerne besonders im Sommer an Stelle des Bademantels genutzt. Und schnell verstanden, dass man unter so einem Kaftan keine Unterhose tragen muss. Und habe plötzlich ein völlig neues Wohlgefühl erlebt. Jetzt ist alles so frei – und zentriert.

Hans Söllner beim Sinnflut-Festival in Erding, 2004, hier noch mit Hose.
(dkeppner@freenet.de)
GNU Free Documentation License, aus Wikipedia

Da ich feige bin, gehe ich mit meinem Kaftan nur ganz selten ohne Unterhose in die Öffentlichkeit. Auch weil ich naiver Weise dachte, dass ich der einzige Mann bin, der gerne ohne Unterhose rumläuft.

So wie wir Männer halt sind. Weil wir immer denken, wir wären der Mittelpunkt dieser Welt und kämen nur als einzigster auf die guten Ideen. Aber dem ist nicht so.

Denn dann kam das Bayern-Sound-Festival, bei dem ich dabei sein durfte. Und da spielte der Söllner Hans. Er trat im Rock auf. Und betonte, dass er „garantiert unterhosenfrei“ sei.

Der Hans hatte noch weitere gute Argumente für den Rock ohne Unterhose. Er meinte, dass er es denen einfacher machen möchte, die ihn nur noch „am Arsch lecken“ könnten. Und dass diese rapide immer mehr werden würden.

Mir geht es ähnlich: Auch bei mir werden die, die „mich am Arsch lecken können“ immer mehr. Besonders dann, wenn sie vergessen, dass sie auch nur Säugetiere und nicht als Systemagenten geboren worden sind. Und sich dann auch noch so richtig „aufmanteln“ und selber als ganz tolle Helden empfinden. Dann können sie mich wirklich …

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 3. Oktober 2015

Wutrede!

Rotes QuadratAb und zu geht mit mir der Gaul durch. Zuletzt bei einer Diskussion in einem Forum. Es ging über „Unschooling“. Das System von kollektiver (staatlicher) Schule wurde als einzig selig machende Variante der Bildung und „Erziehung“ junger Menschen und „unschooling“ als gesellschaftlich nicht akzeptabel bewertet. 

Es gibt noch mehr Aussagen, die bei mir Wut erzeugen. Ich sehe rot, wenn ich zum Beispiel höre,

DASS

  • wir Waffen produzieren müssen.
  • Lobbyismus ein notwendiger Teil unserer Wirtschaft ist.
  • ein Tempolimit diese jedoch ruinieren würde. Oder:
  • Konzerne maximal Gewinn machen müssen,
  • fortwährendes Wachstum alternativlos ist,
  • der Kündigungsschutz unantastbar und
  • ein BGE (Bedingsloses Grundeinkommen anstelle der vielen Sozialsubventionen) kompletter Unsinn ist.
  • BND und  Verfassungsschutz ganz wichtige und notwendige Behörden sind und
  • totale Transparenz und Offenheit in der Gesellschaft wie bei Software nicht möglich wäre.
  • Patente und Copyright alternativlos sind.
  • die Klimakatastrophe nur eine Erfindung grüner Spinner wäre.
  • man die Beschneidung aus religiösen Gründen wie
  • auch die Unterdrückung der Frau tolerieren müsse

Aber zurück zur Schule: Wenn Menschen klassischen Systeme wie der Schule ausweichen, ist das für mich der letzte und wie ich ab und zu fürchte letztendlich erfolglose Versuch von einzelnen Menschen, aus einer Welt auszubrechen, die ich halt so gar nicht mag.

EINER WELT,

  • in der die Menschen individuell wie kollektiv so handeln, wie es mir gegen den Keks geht,
  • in der die Dummheit immer wieder siegt und ich den Eindruck habe, dass man nur gemeinsam so blöd sein kann (siehe auch Dueck – Schwarmdumm),
  • die wenigen von uns zwar viel zu viel Wärme und Kalorien beschert aber den anderen nichts gibt und letztlich uns allen so alles nimmt,
  • die uns Omnipotenz vorgaukelt, de facto uns aber total zu manipulieren versucht und
  • uns Freiheit die raubt und uns zu ins System passende Knechte machen will.
  • in der das kritische Hinterfragen „des Warum“ gar nicht gemocht wird, aber
  • in der ein „was nützt das unserem Profit“ regiert,
  • die versucht, uns gleich zu machen und
  • uns die Fantasie auszutreiben,
  • die uns den Glauben an Utopien ausgeredet,
  • in der man fortwährend „das geht doch sowieso nicht“, „das haben wir schon immer so gemacht“ und das „ja aber ..:“ zu hören bekommt,
  • die uns von klein auf „Schuld, Schuldhaftigkeit und Schuldgefühle“ trimmt, obwohl das Gehirn für so etwas gar nicht gebaut wird,
  • in der von Augenhöhe, Miteinander, Partizipation, Respekt, Toleranz, Zivilcourage … mächtig schwadroniert wird, aber
  • jeder Versuch zur Autonomie gleich mal abgestraft wird,
  • in der Aufforderungen zum „mehr geben als nehmen“ und „sei Dir selber treu“ wie Hohn klingen,
  • in der man sich gegenseitig aus Gewohnheit kleiner und eben nicht größer macht.
  • bei der wir die Regeln der Naturwissenschaften sehr gerne glauben, wenn sie uns nützlich zu sein scheinen; wehe aber wenn sie uns nicht „schmecken“.

In der Evolution sagt man, dass die Dinge sich erst ändern, wenn die alte Generation aus stirbt. So habe ich großen Respekt, wenn Eltern verantwortet beschließen, ihre Kinder selber zu erziehen. So ein Bekenntnis zur Familie ist selten geworden ist. Und das erfordert wie sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren und auf  Vieles zu verzichten.

Wie viel einfacher und bequemer ist es doch, Kinder (wie übrigens auch die Alten) in Verwahr-Anstalten abzugeben. Zwar führt das dazu, dass die Eltern sich früher oder später dem Druck der Schule beugen. So werden sie den Kindern fremd und die Eltern ergreifen letztendlich sogar noch die Partei der Agenten des Systems „Schule“ – gegen die Interessen  und den Willen der eigenen Kinder.

Die Varianten von „un-, no- oder home-schooling“ sind also nicht arrogant und elitär sondern revolutionär. Solchen Mut an Stelle von gedankenloser Hingabe brauchen wir in vielen anderen Bereichen unseres Lebens (Ernährung, Freizeit, „Life style“ …). Genauso wie wir die Bereitschaft brauchen, „Opfer“ für Zukunft zu erbringen und uns Zufriedenheit wie Glück nicht erkaufen sondern erarbeiten zu wollen.

Für ein gutes „Unschooling“ muss man seinen Kindern sehr viel geben. Besonders das Wertvollste was man hat, die eigene Zeit. Die ist knapp. Das Ändern des eigenen Leben braucht auch viel Zeit. Also dürfen wir mit Zeit nicht verschwenderisch umgehen. Und müssen Abstand nehmen von dem, was uns als erstrebenswert verkündet wird.

Verzicht ist mühsam. Verzicht dürfte aber die erste Maßnahme gegen Fremdsteuerung sein. Aus einem fremdgesteuerten Leben kann man leicht böse erwachen. Vielleicht ist es für einsame Menschen noch schwieriger zum eigenen Leben zu finden.

Der Versuch lohnt, der Formatierung einer pervertierten Gesellschaft zu entfliehen. Wir Menschen haben uns lange genug zum dressierten Affen machen lassen. Dies in einer ganz besonders pervertierten Art und Weise in dem langen 19. Jahrhundert. Die Aufklärung kann nur ein Aufbruch gewesen sein. Die uns Frieden und Freiheit jedoch auch Krieg und Zerstörung gebracht hat.

Dann meine ich mehr denn je, dass wir eine zweite Aufklärung brauchen. Und unsere Utopien weiter träumen müssen von einer sanften und gewaltfreien  Welt jenseits von „Bestrafung“ und „Rache“.

Danke Schön!

RMD

P.S.
In Deutschland ist die „unschooling-Diskussion“ im übrigen müßig. Da ist das „unschooling“, das in allen anderen Ländern Europas möglich ist, verboten. Trotz EU und dem ganzen bürokratischen Quatsch …

Werner Lorbeer
Samstag, der 22. August 2015

Mythen über Unterricht

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Schule als variable Sozialform

Aktueller Streit in BW! Es geht politisch bewährt um die Schulform. Und natürlich auch immer um den Quotienten Lehrer/Schüler und die Inklusion.

Erschütternd aus meiner Sicht ist die mangelnde Kenntnis der Streitenden über die empirische Forschungsliteratur.

Es bleibt festzuhalten, dass Einzelunterricht oder das Unterrichten weniger eine Kunstform ist, die literarisch studierbar im 18. und 19. Jahrhundert völlig gescheitert ist.

Dass der gut untersuchte autonome Lerner zu starker Differenzierung im sachstrukturellen Entwicklungsstand führt ist ebenfalls bekannt. Dass die Gruppengröße im wesentlichen durch die Disziplin in der Lernergruppe beschränkt ist, dies aber den Erfolg keineswegs beschränkt, zeigen uns die PISA Studien aus.

Jauchs Shows sind kein Abbild der aktuellen Sozialformen in der Schule. Diese ist gekennzeichnet durch sehr variable Sozialformen, auch wenn das in den Bildungsredaktionen kaum bekannt ist. Das Bild zeigt eine Routinesituation aus dem Holbein-Gymnasium Augsburg, das Ende einer Projektunterrichtsphase.

Was aber nicht heißt, dass es immer so weiter gehen konnte. Vielmehr hatte diese Klasse auch das Recht auf eine systematische Darstellung der Physik; denn Wissen hat eine Struktur um die im Laufe von vielen Jahrzehnten hart gerungen worden ist. Je begabter das Kind, um so erfolgreicher wird es die Wissensstruktur auf weitere Probleme anwenden.

Wir wissen aus der empirischen Forschung übrigens auch, dass die spezifischen Lehrerbegabungen den Unterichtserfolg ganz entscheidend beeinflussen. „Erfolg“ ist in der pädagogischen Forschung immer multidimensional zu verstehen – soziale Wirkungen, akademische Wirkungen, Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes etc.

Nicht jeder Lehrer hat von seiner Persönlichkeitsstruktur her gleiche Chancen. Und seine Wirkungen werden auch nicht auf jeden Schüler gleich sein. Es gibt zahlreich „trait-treatment interaction“-Forschungen, die das belegen. So gesehen, ist der Baden-Württemberg-Streit überflüssig, weil in keiner Weise dem Erfahrungsschatz der pädagogischen Praxis oder gar der pädagogischen Forschung verpflichtet.

Eine letzte Bemerkung zum Lehrer:
Wer sich durch Kinder „gestresst“ fühlt und sich „dem burn out“ nähert, der muss prüfen, ob seine Persönlichkeit geeignet ist, „Erzieher“ zu sein. Kinder haben das tägliche Recht auf einen „freundlichen, entspannten Lehrer“ (Hefendehl-Hebecker) und sie bieten dem Lehrer an, jeden Tag neu zu starten.

Wo bitte, gibt es in der Erwachsenen-Welt solche Chancen?

wl

Im IF-Forum (Gäste sind noch willkomen – hier zur Einladung) morgen (23. Juli 2015 um 18:00) bei uns in Unterhaching geht es um „Lernen in Innovation“. Bruno Gantenbein wird anhand der Metapher des Unschoolings zeigen, wie Kinder lernen können und wollen und dabei Parallelen zum Lernen von erfahrenen Projekt Managern und erwachsenen Führungskärften aufzeigen.

Das Jahr 2015 ist bei InterFace Frau Ada Lovelace gewidmet. So hat mich Florian Specht als Veranstalter gebeten, bei der Hinführung die Frage zu beantworten:

Was verbindet Ada Lovelace mit „unschooling“?

🙂 Ich habe deshalb die folgende Hinführung entworfen, die ich aber morgen so nicht halten werde. Aber ich kann sie ja trotzdem mal veröffentlichen. Die richtige „Hinführung“ gibt es dann morgen live zu hören und wird natürlich auch veröffentlicht.

Ada im Alter von 4 Jahren

Ada im Alter von 4 Jahren

Welchen Berührungspunkte gibt es von Ada Lovelace und anderen Menschen wie Galileo Galilei (dem InterFace-Gesicht des Jahres 2014).

Mir sind weiter herausragende Persönlichkeiten wie Blaise Pascal, Leonardo da Vinci, Friedrich Nietzsche oder „die alten Griechen“ (Archimedes oder Sokrates) und der Römische Erzieher Seneca eingefallen.

Was haben diese Menschen alle mit „unschooling“ gemein?

Bei der Vorbereitung habe ich als erstes den Artikel zur Schulpflicht in Wikipedia nachgelesen.

Wir lernen:

  • Schulpflicht gab es nicht immer.
  • Sie wurde erst spät eingeführt und viel später umgesetzt.
  • Mancherorts betraf sie nur einen Teil und häufig nur den männlichen der Bevölkerung
  • Gelernt wurde aber immer im Leben und von Menschen und nicht so sehr in Schulen.

Dann habe ich mir die Lebensgeschichte von Ada Lovelace angeschaut. In Wikipedia finden wir als ersten Satz zu „Ada Lovelace“:

Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt (geborene Augusta Ada Byron;[1]10. Dezember 1815 in London; † 27. November 1852 ebenda), war eine britische Mathematikerin.“

Es lohnt sich den Artikel zu lesen. Sie war zweifelsfrei ein Genie.

Die anderen genannten Persönlichkeiten scheinen mir jedoch nie so richtig in die Schule gegangen zu sein:

Blaise Pascal (* 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand; † 19. August 1662 in Paris) war ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph.

Galileo Galilei (* 15. Februar 1564 in Pisa; † 29. Dezember 1641jul./ 8. Januar 1642greg. in Arcetri bei Florenz) war ein italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom, der bahnbrechende Entdeckungen auf mehreren Gebieten der Naturwissenschaften machte.

Wen wunderts, denn zu Lebzeiten der letzten beiden Persönlichkeiten gab es noch gar keine Schule im heutigen Sinne.

Als Kind habe ich immer die „alten Griechen“ bewundert. Was die mit einfachen Hilfsmitteln und ein wenig Rechnen für enorme und revolutionäre Erkenntnisse gewonnen haben. Zum Teil nur durch Beobachten, Denken und einfache Experimente. Und wen überrascht es: auch damals gab es so ein formatiertes Schulsystem wie wir es heute haben nicht.

So verstärkt sich bei mir der Verdacht, dass manche Innovation in der Geschichte der Menschheit nicht möglich gewesen wäre, wenn die Menschen damals so wie heute üblich in einer Regelschule von klein auf indoktriniert worden wären.

So richtig aber ging mir ein Licht auf, wie ich den Film namens Alphabet gesehen habe. ALPHABET, der Film ist von Erwin Wagenhofer in 2013 gedreht worden. Nach WE FEED THE WORLD und LETS MAKE MONEY war ALPHABET der letzte und abschließende Teil seiner bekannten Trilogie. ALPHABET ist ein Film, der ganz leise und weltweit die Situation der Kinder in Ausbildung beschreibt.

Ein Zitat aus dem Film hat mir besonders gut gefallen. Es scheint ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung zu sein:

98 % aller Babies kommen als Genie zu Welt. Am Ende der Ausbildung sind es dann noch 2 %.

Dann bliebe nur noch die Frage, wie Frau Lovelace ihr Genie bewahren konnte, denn vor 200 Jahren gab es ja schon die ersten Ansätze zur allgemeinen Schulpflicht.  Lage es vielleicht daran, dass es Schule damals in manchen Regionen nur für Buben gab? Die ja auch immer so tapfer sein mussten und nicht weinen durften?

RMD

P.S.
An meiner Hinführung (Version 2.0) muss ich jetzt noch ein wenig feilen. Und das Bild ist übrigens aus Wikipedia.

Roland Dürre
Sonntag, der 12. April 2015

Schule. Bildung. Zukunft.

Bernice Zieba hat in Facebook auf der Seite Alphabet – der Film Reklame für ihr Buch „Kinder brauchen keine Schule“ gemacht und darauf hingewiesen, dass man dieses Buch ab sofort bestellen könne. Im Buch geht es um „Homeschooling und Unschooling“. Ich kenne das Buch (noch) nicht – und kann es so auch nicht bewerten. Den Film Alphabet dagegen kenne ich gut und empfehle ihn sehr.

Auf Facebook führte dieser Eintrag zu einer eifrigen Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern der Schulpflicht. Die Diskussion hat mich angemacht, besonders weil meine Erfahrungen mit Schule sowohl als Schüler wie als mehrfacher SchülerInnen-Vater alles andere als erfreulich waren. Und mir deshalb Bewegungen wie Sudbury – endlich frei zumindest als schöne Utopie doch ziemlich sympathisch sind.

Deshalb konnte ich nicht umhin, auch meine Meinung zur Situation von Bildung und Schule in einem Kommentar zu schreiben. In diesem habe ich sinngemäß folgende Thesen formuliert:

KinderSchuleDie Schulen in der ganzen Welt lehren nicht und leiten nicht an. Sie fördern nicht das Hinterfragen und Nachdenken sondern vermitteln Wissen unwissend. Wissens-Bulimie wird so zur Regel.

Formen von Autonomie der Schüler werden als störend empfunden genauso wie kritische Positionierungen. Aufklärung ist in der Schule unerwünscht und zum Unwort verkommen. Denn das überwiegende und oft ausschließliche pädagogische Ziel der Ausbildungssysteme scheint es, die Menschen so zu formen, dass sie im Zielsystem möglichst reibungslos funktionieren. Die Lehrer scheinen förmlich den Auftrag zu haben, den Schülern ihre Kreativität auszutreiben und sie anpassbar zu machen. So werden System treue Konsumenten produziert, dies sich ohne zu murren brav in die nicht Menschen gerechte Leistungsgesellschaft einfügen.

Die zeitgenössischen Schulen und Bildungssysteme in der ganzen Welt können eines besonders gut: Indoktrinieren! Nur der Grad der Indoktrination ist noch unterschiedlich zwischen den Schulen und den Kulturen

Indoktrination ist jedoch der Feind eines Lebens in Freiheit und Würde. So wird kein vernünftiger Wandel gelingen. Nicht mal den „sozialen Konsenz“ werden wir so finden können, der Voraussetzung ist für eine konstruktive, menschliche und aufgeklärte Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Als Beispiel: Vielleicht würde ein redlicher Diskurs uns dabei helfen – das geht aber nicht, wenn wir das dazu notwendige Handwerkszeug nicht gelernt haben!

Es scheint klar, dass das Sicherstellen einer vernünftigen Bildung für die nachfolgenden Generationen eine der zentralen Aufgabe jeder (und auch unserer) Gesellschaft ist. Wahrscheinlich sollte das die höchste Priorität haben. Tatsächlich erleben wir jedoch ein riesiges Versagen unseres Bildungssystems. Die Defizite in den Schulen werden immer größer, für viele Gruppen der Gesellschaft  verschlechtert sich die Situation kontinuierlich.

Trotzdem stehe ich persönlich „Homeschooling und Unschooling“ eher skeptisch gegenüber und würde sie nur als Notwehr oder „ultima ratio“ in besondern Fällen als sinnvoll ansehen.

Soweit mein Kommentar. Aber noch eine Anmerkung sei mir gestattet: Ich bin froh, dass es noch Lehrer gibt, die sich gegen diese wohl weltweit stattfindende Entwicklung sträuben und sich den drückenden systemischen Zwängen widersetzen. Einige davon kenne und schätze ich. Aber leider habe ich den Eindruck, dass sie immer mehr auf verlorenen Posten stehen und auch immer weniger werden.

RMD

P.S.
Im übrigen ist mir nicht klar, warum wir immer diese hässlichen amerikanischen Begriffe benutzen müssen wie „Homeschooling oder Unschooling“?