Klaus Hnilica
Dienstag, der 19. Juni 2018

Integrationsvorteile durch fortschreitende Digitalisierung

Die Frage, wie weit sich Vampire integrieren lassen, ist brandaktuell seit eine neue britische Studie feststellt, dass die fortschreitende Digitalisierung auch in dieser Hinsicht massive Vorteile bietet und vollkommen neue Perspektiven eröffnet!

Und nicht die alten Köpfe und Zöpfe waren es, die diese Revolution eingeleitet haben, sondern wieder einmal ist es die oft gescholtene Jugend, die entscheidende Schritte in diese neue ‚blutjunge Zukunft’ tut: Sie ist es, die nicht nur über Digitalisierung quasselt, wie jeder zweitklassige Provinzpolitiker heutzutage, sondern diese Digitalisierung auch tatsächlich lebt!

Ja sie – die ‚Generation Smartphones’ – gibt im 21. Jahrhundert völlig überraschend und ungeplant den Vampiren ein winziges Zipfelchen ihrer Freiheit zurück, in dem sie sie wieder frei zubeißen lässt!

Denn – ehrlich – was ist geeigneter für den unmittelbaren, zwanglosen Zubiss eines Vampirs, als das entblößte vorgestreckte Hälschen einer fünfzehnjährigen Smartphone-Nutzerin, die gebannt auf ihren Bildschirm starrt – und das ununterbrochen – auf der Straße, im Zug, auf dem Fahrrad, der Toilette und bei den Hausaufgaben?

Nix – aber auch gar nix ist geeigneter!

Und diese Eignung für den schnellen Zubiss gilt natürlich nicht nur für die genannte Fünfzehnjährige, sondern für sämtliche Smartphone-Nutzerinnen und -nutzer, egal welchen Alters und welcher Hautfarbe: alle diese Personen verharren bei ihrer Tätigkeit in der exakt gleichen Position, mit der exakt identischen ‚Bissaufforderung ihres Halses’ vor ihrem Gerät, so dass die oben erwähnte britische Studie sogar die Vermutung äußert, dass der oder die Erfinder des Smartphones unbedingt ‚Vampirhintergrund’ haben mussten oder müssen: Dies umso mehr als alle Smartphoneanwender und -anwenderinnen dermaßen auf ihre Geräte fixiert sind, dass sie nicht nur den schnellen Biss in ihren Hals nicht merken, sondern auch den nachfolgenden Saugakt nicht wahrnehmen!

Ja sie gehen derart in ihrer Smartphonewelt auf, dass sie für keine weitere Wahrnehmung mehr zugänglich sind: erst wenn ungeschickter Weise Blut auf ihre Bildschirme tropft, kreischen sie oftmals auf und werden aggressiv, weil sie selbst mit ihren eigenen Wischbewegungen und eigenem Blut ihre Bildschirme versauen!

Nicht zuletzt deshalb gibt es schon seit Jahren Initiativen führender Vampire in Wirtschaft und Politik, in denen energisch an Firmen wie Apple, Samsung und Nokia appelliert wird – endlich den ‚Blut abweisenden Bildschirm’ auf den Markt zu bringen! Der letztlich unabdingbar ist, wenn diese einmalige Chance der Vampirintegration in die Gesellschaft nicht leichtfertig vertan werden soll: und zwar die Integration aller Vampire! Auch der Ungeschickten – die beim Zubeißen schon mal daneben ‚tröppeln’!

Auf dem Sektor Datenschutz muss natürlich auch massiv nachgebessert werden: Immer wieder passiert es nämlich, dass Smartphonenutzer Vampire bei ihrer Blutmahlzeit photographieren und dies den Gebissenen blitzschnell auf ihre Smartphones spielen!

Erst ab da merken die Gebissenen vielfach, dass sie Blut abgeben und glauben es auch, da sie es ja auf ihren Smartphones sehen – und führen dann schon mal die eine oder andere unangebrachte Abwehrbewegung aus, die erst recht zu unnötigen Blutverlusten führen kann.

Es müssen also schnellstens entsprechende Gesetzesinitiativen mit einhergehendem ‚Filmverbot bei Blutmahlzeiten gestartet werden, und dies nicht in nationalen Alleingängen sondern sowohl auf EU–Ebene als auch bei der UNO, was allerdings keine allzu großen Probleme aufwerfen dürfte, wenn alle Beteiligten das gleiche Blut meinen und davon ihre Münder nicht zu voll nehmen.

Viel schwieriger dürfte ein anderes Problem zu lösen sein.

Nämlich – der Biss in den ‚faltigen Hals eines älteren Menschen’, den auch manche Vampire schätzen, wie die oben zitierte britische Studie bestätigt.

Glücklicherweise gibt es für diese wenigen ‚Feinschmecker’ heutzutage ausreichend ältere Smartphonenutzer – wenngleich deren Verbissenheit und Ausdauer bei weitem nicht an die forsche Jugend herankommt, was den schnellen Zubiss nicht gerade erleichtert!

Aber letztlich ist das nicht das zentrale Problem – bei diesem Problem! Das zentrale Problem ist viel mehr, dass selbst, wenn der Biss am ‚letscherten Faltenhals’ gelingt, das dabei abgesaugte Blut ähnlich schmeckt, wie eine Weinschorle aus einem Achtel Riesling aufgespritzt mit einem Liter Sodawasser!

Nämlich nach nix. Ja weniger als nix!

Was daher kommt, dass heutzutage praktisch in alle älteren Menschen von vereinter Ärzteschaft und Krankenkassen jede Menge teuere Blutverdünner versenkt werden: Dies sicher zum Vorteil der Pharmaindustrie und der blutverdünnten alten Menschen – aber für Vampire ist das der reinste Horror!

Und das nicht nur vom Geschmacklichen her, sondern insbesondere bezüglich des Mengenbedarfs: Denn Vampire werden dadurch nicht nur gezwungen, Unmengen an Blut in sich aufzunehmen, sondern gleichzeitig auch zu unzähligen Toilettengängen, um ihr Wasser abzuschlagen, was nicht selten zu punktuellen Blockaden öffentlicher Toiletten führt! Sehr zum Leidwesen von Menschen mit Blasenschwäche!

So dass letztlich nach all dem Gesagten schon noch viel zu tun bleibt, bis auch für Vampire ähnlich paradiesische Zustände in Deutschland gelten, wie nach Aussage der Kanzlerin für den Rest der Bevölkerung!

Doch wenn die noch zu lösenden Probleme von der Politik endlich vorurteilslos und zeitnah angegangen werden und die Gesellschaft ruhig Blut bewahrt, sollten sich die in der britischen Studie aufgezeigten Integrationsvorteile durch die zunehmende Digitalisierung trotzdem rasch realisieren lassen – insbesondere dann, wenn dafür Sorge getragen wird, dass Blut immer dicker bleibt als Weinschorle weil sonst ältere Herrschaften zwangsläufig nach jedem Vampirbiss unvertretbar lange Blutspuren hinter sich herziehen, die ihrerseits wieder massive Probleme beim Datenschutz aufwerfen, was politisch sicher von niemandem gewollt wird; dies umso mehr, als Vampire sich nach nichts mehr sehnen, als endlich in aller Ruhe ihre tägliche Blutmahlzeit verrichten zu können – und sonst nix!

K.H.

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 6. Juni 2018

Digital, bekloppt, banal

Wenn das Herz stockt, Folge # 1337 :

Hallo, ich bin John

Ich bin WiFi-Architect in einer Behörde, mit Fokus auf Schulen und kommunale Einrichtungen in Nordrhein-Westfahlen, Deutschland. Zuvor habe ich als Integrator für Software-Lösungen von Spielberg und als Netzwerk-Architekt für Kunden im Mittelstand gearbeitet. Anfangs war ich Active-Directory und Firewall-Administrator in einer der größten, europäischen Bankunternehmen.

[…]

Für mich ist WiFi für unsere Schulen eine Möglichkeit, unsere Zukunft ein wenig besser zu gestalten. Ich möchte Kindern und Lehrern die Möglichkeit geben, diesen wunderbaren Planeten zu entdecken. Es steckt also auch ein bisschen Idealismus in meiner Arbeit. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass ich diesen Job machen darf.

 

 

Ich bin in Düsseldorf auf die Welt gekommen, habe die erste Hälfte meines Lebens in Meerbusch Osterath verbracht und die zweite Hälfte in Krefeld Königshof.

Na gut, er kommt aus Düsseldorf.  Das gibt mildernde Umstände.

Unser John möchte unseren Schülern und Lehrern ein Mittel an die Hand geben, das diese erstmals in die Lage versetzt, die Welt zu entdecken.  Mir bleibt bei einer solcherart unbeabsichtigt zu Schau gestellten Borniertheit glatt die Spucke weg.

(p * V) / (T * m) = R

Das wäre ein Ansatz, die Welt zu entdecken.

Und die Aufgabe einer Schule wäre es, Menschen zu zeigen, was hinter dieser Gleichung steht und was man damit alles anstellen kann.  Man kann die Gleichung auffassen als Definition der spezifischen Wärmekapazität in J/(Kg*K) (Druck * Volumen ergibt ja Energie).  Sie ist aber auch die Verknüpfung entscheidender Teile der Lebenswerke von Boyle-Mariotte, Gay-Lussac und Ludwig Boltzmann.

Alle drei haben die Grundidee des Arztes Robert Mayer zum ersten Hauptsatz der Thermodynamik weiterentwickelt:  „Energie geht nicht verloren“.  Der hört sich trivial an, aber er hat unser Verständnis unserer Welt erst ermöglicht.  Und über den zweiten Hauptsatz und dessen universelle Relevanz streiten sich bis heute die Gelehrten:  „In einem geschlossenen adiabaten System kann die Entropie nicht geringer werden“.

Die Schule ist nicht dazu da, den Menschen die Welt möglichst einfach und mundgerecht vorzukauen und zu „präsentieren“, sondern dazu, ihnen das Rüstzeug an die Hand zu geben, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.

Und dazu braucht man ganz bestimmt kein „WLAN“ oder einen „Computer“.  Ganz im Gegenteil, die Initative „Schulen ans Netz“ kann neben dem Islam als größter Bildungsfeind betrachtet werden.

Hierzu:  Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer

Natürlich gab es haufenweise Verrisse hierzu, allen voran der Sueddeutsche Beobachter und, subtiler, eine Replik von Dieter Kempf, dem Mann also, der die DATEV in eine digitale Sackgasse gefahren hat.

Es gibt nichts peinlicheres als den deutschen Bildungsbürger.  Ich kann mich erinnern, als ich etwa 1976 während des stinklangweiligen, nervtötenden Geographieunterrichts ein Assemblerprogramm schrieb; man tat das früher auf Formularen in A4 quer, und obendrauf stand fett „KIENZLE  Assembler 2200“ — es fiel also durchaus auf, daß ich mich nicht mit einer Landkarte beschäftigte.   „Sag‘ ‚mal Bonfigt“, so störte mich unvermittelt der zweitlangweiligste Pauker des Gymnasiums, „wie willst Du eigentlich später Dein Geld verdienen ?  Doch nicht mit dieser brotlosen Kunst ?“.   Naja, ich war nicht nett damals und entgegnete, „Naja, wie man es nimmt.  Mehr als ein Geographielehrer verdiene ich jetzt schon, aber ich wüßte nicht, wie ich mit den paar Kröten einen angenehmen Lebensunterhalt bestreiten sollte“.  Das war dumm und arrogant, aber genau so dumm war es, Menschen, die sich mit so etwas „exotischem“ wie Computer beschäftigten, als unnütze Spinner zu bezeichnen.  Auch die „Klassenkameraden“ hatten keine Ahnung, was man mit so einem Ding alles anstellen könnte — was daran lag, daß es gottseidank noch keine Hobbycomputer gab.  Dieser widerliche Commodore-Brotkasten befiel die Welt erst in den Achtzigern.

Hätte ich damals meinen Mitschülern empfohlen, sich einen Computer anzuschaffen — alle hätten mir einen Vogel gezeigt (taten die getauften Heiden sowieso, ich war der notorische Klassenspinner).  Wenn ich heute sage, „kein Kind braucht einen Computer für seine persönliche Entwicklung“, dann bin ich wieder der Idiot.  Früher war ich ein perverses Schwein, wenn ich sagte, man solle die Schwulen doch in Ruhe lassen, solange sie nicht andere belästigen, heute bin ich ein Rassist/Faschist, wenn ich sage, daß mich öffentlich zur Schau gestellte Homosexualität anekelt.

Zeitgeist ist Kleingeist !

Und je dümmer ein Mensch, desto mehr orientiert er sich an diesem.  Ob das 13jährige Girlie, der widerwärtige Sexualstraftäter oder der peinlichste Schwätzer der Republik  —  alle tragen ein „IPhone“ mit sich herum — wohl wissend, daß sie sich damit freiwillig ihrer informationellen Selbstbestimmung begeben.  Und keinem fällt das auf !

Aber wehe, wehe, jemand vertritt eine Meinung, die dem Mahlstrom der „Allianz der Anständigen“ zuwiderläuft !

Nun ist der oben zitierte „John Lose“ ein ganz netter, hilfsbereiter Kerl.  Und er gehört zu der verlesenen Handvoll von Menschen, die sich wirklich mit Microsoft-Produkten auskennen.

Schlimmer schon steht es mit Digitalproll „Sascha Lobo“, dessen albernen roten Haarschopf eine hochintelligente Informatikerin mit einem einzigen Satz erklärte:  „Stell‘ Dir vor, der hätte ganz normale Haare, dann träte seine Visage anstatt seiner Frisur in den Vordergrund“.  Und genau so albern wie die Frisur des dauerjünglierenden Digitaldebattanten ist dessen schwachsinniges Geseiere vom digitalen Entwicklungsland Deutschland.

Es hat sich viel getan im sogenannten „Breitbandausbau“ und ein „DSL 6000“ mit 6 MBit/s im Down- und 1,2 MBit/s im Upstream sollte für jeden Privatanwender dicke ausreichen.  Hier jetzt herumzuheulen von wegen „gebrochener Versprechungen“ ist Klagen auf allerhöchstem Niveau.  Wenn der Arsch einen Film anschauen will, dann soll er den Fernseher anschalten, dazu ist der nämlich da.  Besondere Ansprüche hat er nicht, es reicht „Eine schrecklich nette Familie“.   Den Dreck muß man nicht qua Unicast über das teure Netz prügeln, dafür gibt es direktabstrahlende Satelliten.

„Es kommt“, so sekundiert mir meine Schwester gern, „nicht darauf an, wie stark oder woher der Wind bläst, sondern wie man die Segel setzt.  Und wenn ich nicht weiß, wo ich hinwill, ist jeder Weg der richtige.  Erst die Standort- und Zieldefinition ermöglichen es mir, einen Kurs zu bestimmen.  Und dann erst beschäftige ich mich mit Wind und Strömung“.  Das weiß nicht nur jeder erfahrene Segler.  Der einzig merkbefreite ist der Möchtegern-Informatiker, der feststellt, daß der von ihm fabrizierte Multimediaschrott immer langsamer läuft und meint, er könnte sein Problem mit immer unmäßigerem Ressourcenverbrauch lösen.

Diese krampfhaften Versuche zeigen die Idiotie der sogenannten „Digitalisierung“.   Und hier habe ich, mehr zufällig, einen interessanten Artikel eines Jugoslaven gefunden und ihn unkommentiert eingestellt.  Das fand Roland unpassend, insbesondere dehalb, weil er argwöhnte, es handele sich um einen recht einfältigen Menschen mit gefährlichem Halbwissen.   Dazu muß man wissen:  Hier schreibt ein Jugoslave.  Die gibt es, soweit mir bekannt, in zwei Ausfertigungen:  Die dummen glauben an Allah, die gerissenen glauben an sich, ihr dickes Auto und ihre dicken Eier.   Der „Kollege“ Jerko ist klar der Gruppe 2 zugehörig und hält sich für einen „hochqualifizierten Spezialisten“, weil er DATEV-Programme auf Windows-PCs installieren kann und auch schon einmal eine „LAN-LAN-Kopplung“ gemacht hat, etwas, das ein Fachmann in der Regel meidet wie der Teufel das Weihwasser.  Er definiert sich nur über Marken, die er trägt oder fährt und läßt keine Gelegenheit aus, mit seinem Reichtum zu prahlen.  Machen Sie sich selbst ein Bild.

Aber diesem Mann fehlen auch die deutschen Scheuklappen und aufgrund seines schlichten Gemütes denkt er erfrischend geradeaus und kommt zu erschreckend richtigen Schlußfolgerungen, etwa zu vergleichen mit denen des kleinen Oskar Matzerath.

So stellt er ganz offen die „Digitalisierung“ als Allheilmittel infrage, indem er feststellt, daß eine „vollanaloge“ MP 5 von Heckler & Koch bis zu 300 Asylanträge pro Minute bearbeiten kann.   Ohne Zweit- und Drittinstanz beim Bundesverfassungs- oder -verwaltungsgericht.  Bevor hier wieder das Theater losgeht:  Man muß soetwas als Fingerzeig verstehen und nicht 1:1 umsetzen.  Aber zum Beispiel die Verbringung aller kriminellen Asylbetrüger auf die Kerguelen-Inseln wäre eine praktische Option.

Nun schreibt mir dieser Mann im bereits zitierten Artikel,

http://www.jerkos-welt.com/schluss-mit-dem-digitalisierungsgeschwaetz-hoert-endlich-auf-uns-zu-verarschen/,

wirklich aus der schwarzen Seele.  Das liegt zum einen daran, daß auch ich ein einfältiger Mensch bin.  Meine Frau und meine „Ex“ kennen sich gut und rätseln noch bis heute, „ist er ein ‚vielschichtiger‘ Mensch oder nicht ?“, aber je mehr ich ihr versichere, ich sei einfach und ehrlich gestrickt, desto mehr zweifeln sie.  Ich bezeichne meinen Intellekt als „schlicht“ und sehe in Schlichtheit seit jeher auch eine gewisse Schönheit.

Unter diesem Aspekt:  Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, wenn Sie meinen,

  • daß man mit Geld nicht unsere Bildungsmisere lösen kann
  • daß vermeintliches „Expertenwissen“ oft nichts anderes ist als „Mausklick nach Anleitung“
  • daß nicht die mangelnde „Bandbreite“, sondern die Dummheit der Internetnutzer das Problem darstellen

Und lasen Sie es sich von einem wirklichen „Digital Native“ sagen:  Der Mann hat recht.

-hb

Klaus Hnilica
Samstag, der 28. Oktober 2017

Rumpelstilzchen versagt – ein Bericht aus der realen Märchenwelt

Wissen Sie – ich hab’ als Kind schon das Rumpelstilzchen geliebt! Das war so spannend, wie es da im finsteren Wald vor einem Feuerchen tanzte – und „ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, geträllert hat! So aufregend war das, dass ich gar keine Worte dafür finde…

Ja und auch wie es dann schon ein paar Sätze weiter in der Geschichte sich vor der Königstochter zerrissen hat – herrlich! Welch eine Konsequenz und Tapferkeit – sich einfach so zu zerreißen! Ich hab’ dieses eindringliche Bild immer in mir getragen!

Und nun die Ernüchterung! Diese unappetitliche „Rumpelstilzchenaffäre“! Sie haben das sicher auch in der Presse gelesen: es geht da um eine Affäre zwischen dem europäischen Hochadel und einem deutschen Müller!

Königs und Müllers sollen zusammen ein übles Ding gedreht haben bei dem es um viel Geld geht!

Europäisches Geld – versteht sich!

Und zwar soll der besagte Müller – genauer ein gewisser ‚Soja-Müller’ – mit dem weltgrößten Sojamehl Versandhaus im Rücken,  zusammen mit einem höchst respektablen europäischen Königshaus versucht haben – aus Stroh Gold zu machen!

Und das obwohl er, der Müller, gar kein Stroh hat, sondern nur ‚Sojakuchen’! Also praktisch nur den Abfall aus der Sojamehlherstellung – aber kein Stroh!

Dabei hätte es für Stroh aus dem Landwirtschaftsfond der Europäischen Kommission ordentlich Subventionen gegeben, aber nicht für Kuchen, also ‚Sojakuchen’, versteht sich!

Für die Aktien des Sojamehl Versandhauses war das natürlich nicht gut! Ja sogar eine regelrechte Katastrophe! Schließlich sind Aktien auch nur Menschen, d. h. hinter ihnen verstecken sich Menschen.

Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen! Genau wie bei des Müllers Töchterchen Annegret, die schon seit jeher eine Riesenschwäche für alles Königliche hatte.

Insbesondere seit dem letzten ‚Opernball in Wien’, wo sie mit einem ganz süßen Jungkönig Linkswalzer getanzt hat, Linkswalzer bis sie schwindlig wurde – und  in die blaublütigen Arme des Jungkönigs gesunken ist.

Arme, die sie wegen des niedrigen Aktienkurses, dann auch umgehend vor den Traualtar geleitet haben. Kein Wunder, dass dadurch nicht nur die Liebe dieser beiden Turteltäubchen hochschnellte, sondern auch die Aktienwerte des ‚Sojamehl Versandhauses’! Und wie die hochschnellten!!

Klar, dass dies ein Raunen in der Welt der finanzstarken Oligarchen auslöste und schon nach wenigen Tagen ein so genanntes ‚Rumpelstilzchen’ auf den Plan rief; eines von dem niemand wusste wer es war und woher es kam und wie es wirklich hieß?

Doch emsig wie es war, dieses ‚rumpelnde Stilzchen’, hatte es im Handumdrehen mit den Stimmen Rumäniens, Bulgariens und des frisch vermählten Königreiches bei der Europäischen Kommission eine Mehrheit dafür erreicht, dass ‚Sojakuchen’ zukünftig als Stroh deklariert werden darf und somit durch EU – Gelder vergoldet wird!

Unglaublich was so ein Rumpelstilzchen alles kann, und gut dass niemand weiß wie es wirklich heißt…

Dass bei diesem ‚Deal’ auch der österreichische Rum-Hersteller namens ‚Stroh’, mit einer größeren Liefermenge seines 85%-tigen ‚Stroh-Rums’ an den EU – Ratspräsident Junker, als solch ein Rumpelstilzchen fungiert haben soll, ist allerdings eine dieser hässlichen „Fake News“ aus Russland, die einzig und allein dazu dienen, die Europäische Union zu destabilisieren!

Was ja bei Putin niemand mehr überrascht!

Genau so wenig, wie die Meldung, dass die frisch vermählte ‚Sojamehl Königin’ angeblich durch dieses plötzlich aufgetauchte Rumpelstilzchen geschwängert worden sei – und nicht durch den europäischen Hochadel?

Was für eine weitere bodenlose Verleumdung! Nicht einmal ihren feschen Pilates Trainer haben diese lausigen russischen Hacker bei ihrer Desinformationskampagne der jungen Königin zugestanden. Das ist wirklich zum Junge kriegen!

Was ja auch prompt passiert ist.

Immerhin erklärt diese üble Schwangerschaftsverleumdung, warum Rumpelstilzchen unbedingt das neugeborene Kind der jungen Königin an sich reißen wollte? Natürlich weil es einen Vaterschaftstest verhindern wollte, und überhaupt nicht heiß drauf war, für sein segensreiches Tun, auch noch ein  Rumpelstilzchenleben lang Alimente zu zahlen! Klaro!!

Ähnlich ging es der Königin, die ihrerseits ihr Neugeborenes auch ohne jeden Vaterschaftsnachweis behalten wollte! Und das per Twitter sogar postwendend, samt ihren 10 Millionen Followers, dem Rumpelstilzchen unter die lange Nase rieb!

Hätte sie lieber nicht tun sollen! Die königliche Hoheit! Dieses Herumtwittern! Denn der amerikanische Geheimdienst hat mitgelesen, und ebenso postwendend dem angeblichen russischen Rumpelstilzchen wegen versuchten Raubes eines Königskindes mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht…

Nicht glaubwürdig – und für mich persönlich auch sehr, sehr enttäuschend ist allerdings – dass sich daraufhin dieses unbekannte Rumpelstilzchen angeblich wutentbrannt zerrissen haben soll! Genau wie seinerzeit im Märchen!!

Und das vor den blauen Augen der sojamehligen Königin, die von ihrem Kind nicht lassen wollte! Schrecklich – nicht wahr? Sich einfach so durchzureißen! Der Länge nach – von unten nach oben! Grauslich!

Wo man doch heute nach fast 300 Jahren kultureller Weiterentwicklung so etwas viel eleganter mit einem Sprengstoffgürtel aus dem Internet erledigen kann!

In den Medien wär das auch viel besser rüber gekommen!

Und jeder von uns hätte nach der Selbstsprengung des Rumpelstilzchens vor der Königin, dieses schreckliche Geschehen bestimmt zeitnah über sein Smartphon von irgendeiner Videoüberwachungskamera herunterladen können – d. h. wir wären alle dabei gewesen – ganz Europa wär dabei gewesen!

Auch die übliche stereotype Verurteilung dieser feigen und abscheuenswürdigen Tat durch die Politik hätte viel mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht – als dieses stille, egomanische ‚Sich – Selbst – Zerreißen’ des Rumpelstilzchens!

Zu dem sich nicht einmal der IS bekannt hat!

Schade ist das! Schade, dass Rumpelstilzchen so versagt hat! Von so einer Sprengung hätten doch alle etwas gehabt? Auch Sie, Sie und Sie! Ja wir alle. Europa wär durch diese Selbstsprengung echt zusammengesprengt worden! Endlich wäre zusammengesprengt worden –  was zusammen gehört! Schade, wirklich schade…

KH

PS: Das herrliche Poster ist von Meike Schwagmann aus der Autorengruppe ‚ZwanzigZehn‘

Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluss haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessengruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten und gerechtfertigten Zwischenebenen wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.

Hans Bonfigt
Freitag, der 22. September 2017

Krampfhennenreport #1: VerbraucherschützerInnen

Da fragt der geschätzte Chris Wood nach, sinngemäß, „Mit welcher Motivation schreiben Sie im iF-Blog?“.

Nun ja, vor längerer Zeit habe ich hier ein Zitat von Rupert Lay gelesen, „wir leben in der Zeit des unverantworteten Geschwätzes“. Das ist deswegen so relevant und in seinen Auswirkungen schlimm, weil Internet-Medien das „unverantwortete Geschwätz“ annähernd mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten.

Schlimmer noch: Weil ein Schwätzer vom anderen abschreibt und gleichzeitig eigenen Unsinn ergänzt, potenziert sich der Schwachsinn.

In lockerer Folge möchte ich einige Beispiele für inkompetenten Dünnschiß aufzeigen, der eine ursprüngliche gute Absicht übel pervertiert und gleichzeitig Verwirrung stiftet, damit Betrug und Mißwirtschaft schön im Nebel bleiben.

Gleichzeitig behandle ich nur Themen, von denen ich etwas verstehe, sprich: Mit denen ich mich seit mindestens 20 Jahren beruflich befasse.

Beginnen wir mit dem Verbraucherschutz.

„Die einzige Kamera, die ‚was taucht“, mit diesem Slogan bewarb Minolta einst eine wasserfeste Hobbykamera. Der Verbraucherschützer wollte den armen Konsumenten vor dem bösen Hersteller schützen und klagte: „Beim flüchtigen Lesen hat der Verbraucher den Eindruck, daß alle anderen Kameras nichts taugen würden“. Nee, schon klar. Eine Spaß-Knipse für 49,90 taugt als einzige etwas, die Leica M6 ist Sondermüll. Da muß unbedingt ein Gerichtsverfahren publikumswirksam ausgefochten werden. Das Gericht erkannte nicht, durch welchen Kakao es da gezogen wurde und gab den Krampfhennen auch noch recht.

Auf der anderen Seite ärgere ich mich im Supermarkt immer wieder darüber, daß bei Batterien nie eine Kapazität draufsteht. Bei Zucker, Bier, Haferflocken oder auch bei Akkus: Der Inhalt in Gramm, Liter oder Ampèrestunden steht drauf. Bloß nicht bei Batterieen. Wie soll ich da eine Preis / Leistungsabschätzung treffen? Den Verbraucherschutz interessiert das einen feuchten Kehricht, dafür werden Lobbyisten schon gesorgt haben.

Wie Krampfhennen vom Verbraucherschutz lächerliche Randprobleme aufblasen und damit von den wirklich üblen Umständen ablenken, sehen wir besonders gut am Beispiel von Lina Ehrig:

Hier werden Sie gerettet!

Und sie bringt auch gleich die ganz großen Skandale mit, denn, „Das deutsche Erfolgsrezept zum einfachen Wechsel von Telefon- und Internetanbietern hängt am seidenen Faden„, au weia! Die schlimme Folge:  „EU erschwert Telefonanbieterwechsel – für immer Telekom?“ …

Sehen wir uns doch einmal die skandalösen Verschlechterungen an:

Beim Wechsel eines Telephonanbieters muß dieser nicht innerhalb eines Tages, sondern am nächsten Werktag vollzogen sein. Unsere Telekom braucht für den „Wechsel“ von ISDN zu VoIP auch schon mal 14 Tage. Beim geschäftlich alleinig genutzten Anschluß einer Hamburger Werbeagentur, wohlgemerkt. Eine ähnliche Katastrophe hatten wir kürzlich bei einer Hausverwaltungsgesellschaft, die auch tagelang unerreichbar war.

Für die Privatperson, die ja grundsätzlich kein Mobiltelephon hat, ist das eine Katastrophe! Und die lieben Kleinen können eventuell einen oder zwei Tage keinen „Bushido-Rap“ „streamen“! Ein unersetzlicher Verlust für die kindliche Entwicklung!

„Die Vertragslaufzeit beginnt von neuem“. Die Dame hat Jura studiert, wohlgemerkt. Wieso, zum Teufel, sollte bei einem neuen Vertrag die Vertragslaufzeit nicht neu beginnen? Was glaubt Frau Juristin eigentlich, wie hoch teilweise die Kosten sind für die Anlage beispielsweise eines neuen Kabelanschlusses? Irgendwie muß ein Provider doch seine Investition absichern.

Das war’s auch schon, was die Juristin auf der Erbse bemängelt und die Conclusio kann sich sehen lassen: „Jetzt nimmt [die Bundesregierung] die Aushöhlung der Verbraucherrechte und Absenkung des Schutzniveaus billigend in Kauf„.

Bereits die Formulierung entlarvt das unterirdische Gaga-Niveau: Man kann etwas billigen, dann ist man damit einverstanden und zufrieden. Man kann etwas in Kauf nehmen, dann ist man nicht damit einverstanden und schon gar nicht zufrieden, sondern toleriert es, um in einer anderen Sache einen Nutzen zu erlangen. Man kann aber ganz sicherlich nicht etwas „billigend in Kauf nehmen“, das ist eine contradictio in adiecto. Naja, iustitia non calculat und Fermat ist lange tot.

Kommen wir zur Wahrheit

Es verschlechtert sich nichts durch einen neuen EU-Kodex, denn unsere Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Telekom das Pessimum bereits erreicht.

Denn weil die Telekom wettbewerbswidrig jeden privat genutzten Internetzugang mit einem Telephonieangebot bündelt, kann sich kein Verbraucher wirklich frei für einen alternativen Anbieter entscheiden. Täte er das, beispielsweise für einen seriösen, kompetenten Provider wie QSC oder Sipgate, dann läge die zwangsweise „gebündelte“ Telephonie brach, es müßte also doppelt gezahlt werden. Gleichzeitig sitzt die Telekom auf der Rufnummer wie die Glucke auf dem Ei, in der Regel muß man sich die Rufnummer „freiklagen“. Das tut aber kaum jemand. „Gebündelte“ Angebote sind aber selbst dann wettbewerbswidrig, wenn ein Hersteller ein Zusatzprodukt verschenkt, siehe beispielsweise die EU-Auseinandersetzungen um die kostenlose Beigabe des „Internet Explorers“ zu „Microsoft Windows“.

Hier hat der Verbraucherschutz auf der ganzen Linie erbärmlich versagt! Er muß sich vorwerfen lassen, entweder brunzdumm zu sein oder aber umfassend von Lobbyisten geschmiert.

Die Bundesregierung hat, während die Bundeskanzlerin die Bevölkerung dreist belog, dafür gesorgt, daß die Netzneutralität auf der letzten Meile gekippt wurde. Wenn man sich als Anbieter bestimmten Telekom-Angeboten anschließt, belastet die Telekom beim Datentransfer auf Mobilgeräte das gebuchte Volumenbudget nicht. Damit werden diese Anbieter unangemessen bevorzugt und die „kleinen“ haben wieder keine Chance. Die Holländer haben das vorausgesehen und solche gefährlichen Blockaden gesetzlich verhindert — nur, leider:  Aufgrund der neuen EU-Richtlinie, die unter der Ägide „Oettinger“ auf Wunsch der „Kanzlerin“ entstand, müssen die Niederlande dieses urdemokratische Gesetz, welches ein wichtiger Garant für Informationsfreiheit ist, zurücknehmen.  Dank der, wie sagt Roland immer, „ComEUcon“.

Mit der Nebelkerze „Vectoring“ hat die Bundesnetzagentur übrigens die Konservierung der teilweise 100 Jahre alten sog. „Hauptkabel“ zementiert und damit die Netzanbindung „in der Fläche“ um Jahrzehnte zurückgeworfen. Soviel zum unsäglich albernen Schlagwort „Digitalisierung“.

Fassen wir zusammen: Vielfach überbezahlte Juristinnen der „Verbraucherschutzberatung“ spüren einen lebensgefährlichen Kratzer am Knie auf und übersehen dabei den Krebstumor und die Lungenentzündung. Und keinem fällt auf, daß man besser keine Juristen als Arzt beschäftigen sollte.

(hb)

Roland Dürre
Mittwoch, der 26. Juli 2017

Wirtschaft sollte doch für die Menschen da sein?!

Unterhaching beherbergt einen tollen Fussball-Verein, eine Reihe von IT-Unternehmen wie auch die InterFace AG und sogar Weltfirmen. Zu einer von diesen gehört Wrigley.

Ich erzähle mal, was ich in den letzten Wochen so gehört habe. Ich habe die Geschichte nicht recherchiert, es könnte aber gut sein, dass es stimmt, was so als Bericht und Gerücht durch die Gegend wabert.

Sicher ist es die Spielvereinigung Unterhaching, die den Bekanntheitsgrad von Unterhaching über die Grenzen Deutschlands hinaus beträchtlich erhöht hat.

Neben Fußball gibt es in Unterhaching auch Volleyball, Turnen und manche erfolgreiche Sportart mehr – und einiges an weiteren interessanten Unternehmen, ein wunderschönes Freibad und vieles schöne mehr.

So erfreut sich auch die Gemeinde Unterhaching auch daran, dass das namhafte Welt-Unternehmen Wrigley seine Europa-Zentrale seinen Sitz hat. Und das muss demnächst wohl heißen „hatte“.


Die großen Konzerne streben nach Macht. Für diesen Zweck übernehmen sie gerne andere Konzerne.


Mag sein, dass Mars mit Erlösen in 2016 von 35 Milliarden US-Dollar eher im Schatten von Nestlé (Umsatz 2015 war 88,8 Milliarden CHF) steht. Umso mehr arbeitet Mars daran, den großen Rivalen einzuholen.

Gerade bereiten sie die Übernahme des Tierklinikbetreibers VCA Inc. (Veterinary Centres of America) vor. Inklusive Schulden will Mars 9,1 Milliarden US-Dollar ausgeben! Damit soll das Geschäftsfeld Tiergesundheit weiter verstärkt werden. Ich empfinde das als Wahnsinn und fehlgeleiteten Spätkapitalismus. Was der amerikanische Nahrungsmittel-Gigant mit der Übernahme vorhat, das kann ich mir nur zu gut (besser schlecht) ausmalen.


Nahrungs-Mittel-Hersteller investiert in Tierklink. Bestraft sei, wer hier Böses denkt.


Schon in 2008 wurde Wrigley von Mars übernommen. Die Europa-Zentrale verblieb zuerst mal in Unterhaching. Ein weiterer wichtiger europäischer Standort von Mars liegt wohl in Viersen bei Düsseldorf.

Jetzt will Mars eine Reihe seiner zentralen Aktivitäten in London konzentrieren. Eine Folge wird sein, dass Menschen von Unterhaching und Viersen nach London umziehen müssen. Manchen Unterhachingern mag das weh tun – für andere wird es eine spannende Herausforderung sein.

Aber das ist halt so in einer globalen Welt und Wirtschaft, die ja die meisten Menschen mögen zu scheinen und zumindest mit ihrem Konsum-Verhalten unterstützen.

Das ist aber nicht das Thema dieses Artikels. Was mich bestürzt, ist die Begründung für den Umzug nach London.


Große Konzerne gehen davon aus, dass in Zukunft die Qualität des Marketing der zentrale Erfolgsschlüssel im Wettbewerb ist.


Dieser erscheint dem Konzern nützlich, ja notwendig, weil er davon ausgeht, dass im Markt der LEBENS-MITTEL nur das Unternehmen sich behaupten wird und vielleicht sogar zulegen kann, das das beste MARKETING macht. Und in den Kreisen des Top-Managements geht man davon aus, dass die effizienten und effektiven Marketing-Firmen halt in London sitzen. So wird deren Nähe gesucht – und man geht nach Great Britain. Trotz Brexit und so, der nach meiner Meinung ja auch mehr so ein Operetten-Ding ist.

LEBENS-MITTEL-Konzerne sind zuerst Mal auf Umsatz und Ergebnis (Profit) getrimmt. Und da ist – in der Wahrnehmung der Konzerne – das MARKETING der entscheidende Erfolgsfaktor. Alles andere wie Qualität der Nahrungsmittel und die Folgen für die Gesundheit spielt nur eine untergeordnete Rolle.


Wirtschaft sollte für die Menschen da sein, nicht die Menschen sind für die Wirtschaft!


Wichtig ist den Konzernen nur eines – die Menschen müssen das billig produzierte Massennahrungsmittel kaufen und zwar für einen möglichst hohen Preis. Damit es der Masse schmeckt, wird es möglichst „convenient“ gemacht und verführerisch dargestellt. Mit opportunen Aroma-Stoffen angereichert wird „the taste of the world“ generiert und durchgesetzt. „Billig“ geht vor Qualität, Aufmachung und Verpackung vor Inhalt, Einfalt vor Vielfalt, Masse vor Klasse, Haltbarkeit vor Frische, logistische Eignung vor Geschmack …

Und so gibt es eine starke LOBBY, die dem Gesetzgeber in Europa und BRD untersagt, dass dieser zum Beispiel eine klare Kennzeichung für gesundheitlich schädliche Produkte einführt.

Und was machen die Menschen? Gar nichts. Sie glauben dem Marketing und kaufen wie Lemminge die Produkte von Mars, Nestlé und Co. Leider auch in Unterhaching.

RMD

 

Eugenie Wirz mit Christian Mendoza (Jungunternehmer aus Polen) auf UTUM-Hackathon (2016)

Bei meiner Arbeit – oder soll ich besser sagen bei meinem Hobby – als Mentor unter anderem für UTUM (UnternehmerTUM) und TUM (TU München) habe ich eine ganze Reihe von jungen Menschen eine Zeitlang auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen und dabei auch viele sympathische Menschen kennengelernt, die sich beruflich wie sozial mit unheimlich viel Idealismus gerade für junge Menschen (auch in Not) und Start-Ups engagieren.

Besonders gerne habe ich mit Eugenie Wirz (ihre Freunde dürfen sie Jenna nennen) zusammen gearbeitet. Kennengelernt habe ich Jenna vor ein paar Jahren, da hat sie noch das Mentoring-Programm von TUM betreut und sich außergewöhnlich für „ihre“ Mentées eingesetzt.

Seit einem Jahr hat sie eine neue Aufgabe bei UnternehmerTUM im europäischen Rahmen übernommen und das Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ erarbeitet. Das bringt viele Ideen und frische Perspektiven in die Welt von UTUM. Im Magazin TUMcampus 4 | 16 auf Seite 12 findet sich ein „special“ dazu unter dem Titel „Von erfolgreichen Unternehmern lernen“. Das Exist-Gründerprogramm ist auch unterstützend dabei.

In der Wirtschaftswoche finden wir einen Artikel, der beschreibt wie „man im Ausland das Gründen lernt“. Weitere Beispiele für erfolgreiche Projekte gibt es hier hier

Als Begleiter so mancher Startups gerade mit sehr jungen Gründern habe ich verstanden, dass in vielen Fällen genau dieses Programm ein wichtiges Kapitel beim Schreiben des eigenen Unternehmer-Drehbuchs sein kann. Deshalb habe ich diesen Post für Jenna und ihr Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ sehr gerne geschrieben. Also, wenn Ihr jungen Gründer kennt, dann gebt ihnen diese Information weiter!

Und wer zum Projekt Fragen hat, der darf sich per E-Mail an Jenna wenden.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 14. Februar 2017

Auweia – Europa – was ist denn das?

Vermutlich weiß gegenwärtig niemand, was dieses so genannte ‚Europa’ eigentlich für ein Gebilde ist, das da wirtschaftlich vor sich hindümpelt, mit steigender Arbeitslosigkeit in den Krisenländern kämpft, das politisch zerstritten ist und in dem Bürger und Eliten sich zunehmend anfeinden, weil sie sich nach sieben Jahren Eurokrise plötzlich auch noch einem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom aus Afrika und dem Nahen Osten gegenüber sehen?

Ist das der Untergang dieser ‚europäischen Kunstgebilde,’ Europäische Union (EU) und Währungsunion, in dem keine der inkludierten Staatsführungen ein verbindendes Narrativ aufzuzeigen vermag, so dass ersatzweise das dümmliche Geschrei rechter Spaltpilze von einer allein gelassenen Bürgerschaft wie Gralsbotschaften aufgesogen werden?

Oder ist dieses diffuse Gebilde EU deshalb dem Untergang geweiht, weil alle Grenzen offen bleiben müssen? Da sonst der Euro scheitert, wie die deutsche Kanzlerin ihrer Bevölkerung droht und der sie gleich noch in die Stammbücher schreibt, dass sich eine 3000km lange Grenze wie Deutschland sie hat, ohnehin nicht kontrollieren lässt. Genau wie der EU das mit ihrer 14000km – Grenze nicht gelingen wird!

Und wer da besserwisserisch den ‚Schengen–Knüppel ‚ schwinge und meine, dass die Kontrolle dieser Außengrenze doch auf jeden Fall realisiert werden hätte müssen, nach dem Wegfall der  Binnengrenzkontrollen, der habe wohl aus der ebenfalls von den Amerikanern angezettelten Weltfinanzkrise nicht die Bohne gelernt: denn wer habe sich denn damals um die Regeln von Maastricht geschert, als die einzelnen Staatsführungen reihenweise ihre Banken retteten, weil die ökonomischen Lenkungswerkzeuge kläglich versagt hätten, wie sie meinten, und man sich deshalb natürlich gezwungen sah zum ‚Primat der Politik’ zurückkehren?

Und dabei wird geblieben! Basta! Denn über Rettungspakete und weiche Budgetbeschränkungen lassen sich doch mit der ‚EZB des Herren Draghi’ herrlich die Zinsen niedrig halten und ohne jedes Schamgefühl  sogar noch weiter Kredite aufnehmen, ohne sich mit Schuldenabbau und Strukturreformen verzetteln zu müssen, wie dies die üblichen Querköpfe fordern!

Blöd nur, dass Teile der Bevölkerung in der EU und Währungsunion trotzdem immer unzufriedener werden: massenweise laufen die im Süden den Linksparteien zu und im Norden und Osten den Rechtsextremen und Nationalkonservativen, statt sich endlich an ihre Nasen zu fassen und ein Beispiel an Deutschland zu nehmen – bei der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und der Energiewende! Das wär’ doch ein Leichtes, oder?

Selbst auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere Klugscheißer dann wieder meine, dass Deutschland aus gut gemeinten Gründen durch unabgestimmte Politik das Falsche tue und damit das Friedensprojekt eines geeinten Europas aufs Spiel setze, wie etwa dieser Historiker Heinrich August Winkler, der da sagt: „Zur deutschen Verantwortung gehört auch, dass wir uns von der moralischen Selbstüberschätzung verabschieden, die vor allem sich besonders fortschrittlich dünkende Deutsche aller Welt vor Augen führen. Der Glaube wir seien berufen gegebenenfalls auch im Alleingang das Gute zu verwirklichen, ist ein Irrglaube. Er darf nicht zu unserer Lebenslüge werden!“

Hm – wie verwirrend! Das ist doch nie und nimmer die Meinung unserer Kanzlerin?

Aber vielleicht hat der gute Mann trotzdem Recht?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 3. Februar 2017

Eine Geschichte zur EURO-Geschichte.

Europa ist mehr als die EU (und der EURO)!

Denn 5-Hunderter gibt’s ja wohl nicht mehr – trotz hohen Wertverlusts der Währung.

Letzten Dienstag war ich bei einer Veranstaltung im Café Luitpold, die mit dem Text des Untertitel dieses Artikels angekündigt war (bis zur Klammer; die Ergänzung in der Klammer ist von mir).

Harald Lesch war als Star des Abends eingeladen, aber leider kurzfristig verhindert. Er wurde von zwei „Europa-Experten“ vertreten.

Trotz des Ausfalls von Harald Lesch (wegen dem ich da war) war es ein interessanter Abend, gerade weil sehr geschraubt Unsinn geredet wurde. Dies von Leuten, die bei uns als wissenschaftliche Elite gelten. Da zuzuhören ist zwar ab und zu ärgerlich, ich genieße aber eine gewisse morbide Freude wenn ich gespreizten Unsinn höre.

Die beiden Herren auf dem Podium haben  beim alten römischen Reich angefangen und zum Teil absurde Thesen aufgestellt. Zum Beispiel war die Antwort auf die Frage aus dem Publikum, ob der Niedergang Europas nicht etwas mit dem Verlust von Spiritualität und Religion zu tun haben könnte, dass die wahre Gefahr für Europa nicht von den Atheisten sondern von den Agnostikern ausgehen würde. Mit der Begründung, dass so ein fanatischer Atheist einen streng islamischen Gläubigen besser verstehen könne denn ein Agnostiker. Und Integration dann besser möglich wäre.

Da habe ich mir ganz still bei mir „oh mein Gott“ gedacht.

Bei dieser Veranstaltung im schönen Café im feinsten Teil von München war mein Freund Sigi dabei. Nach Vortrag und Diskussion erzählte mir der Sigi eine Geschichte, die mir recht bekannt vorkam. Weil ich sie so ähnlich auch schon oft erzählt habe – allerdings nie dem Sigi.

Dafür hat diese Geschichte mir vor schon 20 Jahren der Rudi Jansche berichtet, damals allerdings in der Zukunftsform. Das war noch vor der Einführung des EUROs und der Rudi war einer der Top-Manager in Deutschland eines relevanten englischen Konzerns, der auch im restlichen Europa und der BRD viel Macht hatte. Und oft habe ich mich über die Weitsicht meines Mentors Rudi gewundert.

Die Geschichte zum EURO (vom Sigi, Rudi und von mir), erzähle ich jetzt so wie ich sie selber erlebt habe:


Anfang der 60iger Jahre war ich als Austauschschüler in Frankreich. Da gab es noch den Franc. Ich konnte noch nicht ganz so gut französisch und war ein wenig verwirrt, dass ein Sakko z.B. 100 (cent) Francs kostete. Und mein Gastgeber berichtete, dass er für dieses Sakko zehntausend („dix milles“) Francs oder  „dix milles balles“ bezahlt hätte.

Das Rätsel löste sich dann rasch auf. In Frankreich gab es kurz vor meinem Besuch eine Währungsreform. Da wurde der „nouvel franc“ eingeführt, der dem Gegenwert von 100 alten Francs entsprach. Die alten „francs“ konnten als „centimes“ weiter genutzt werden. Eigentlich wurden nur zwei Nullen gestrichen. Aber viele sprachen und dachten noch im alten Franc, obwohl die Produkte in den Läden in neuen Franc ausgezeichnet waren.

Näheres zur französischen „Währungsreform“ steht in Wikipedia – hier ein Auszug:


Am 27. Dezember 1958 wurde die Einführung des Nouveau Franc (NF) zum 1. Januar 1960 verfügt. Ein NF, seit 1963 offiziell nur noch Franc (F) genannt, entsprach 100 alten Francs (anciens francs). Die alten Franc-Münzen konnten als Centimes weiter verwendet werden. In der Alltagssprache blieb die Angabe in alten Francs noch jahrzehntelang gebräuchlich.


Dieser Artikel in Wikipedia ist sehr lesenswert, gibt er doch sehr schön Einblick in die französische Inflation.

Ich erinnere mich noch schwach, dass es eine Zeit gab, da bekam man für eine Deutsche Mark (DM) so in etwa einen nouvel franc (NF) – oder andersrum. Das war aber sehr schnell vorbei, schon wenige Jahre später waren es dann schon drei Francs, die man für eine Deutsche Mark bekam oder auf den Tisch legen musste. Und so ging es munter weiter.

Ich war überrascht, wie bei jedem Besuch von mir in Frankreich das Weißbrot (für mich) immer billiger wurde. Denn das unterlag einer Preisbindung und wurde offensichtlich vom Staat bezuschusst. Wie ich auch überrascht war, dass ich auch nach mehreren Besuchen in Frankreich für viele Franzosen der „le boche“ blieb. Mit meinen Austausch-Eltern befreundete Familien haben sich von meinen Austausch-Eltern abgewandt, weil sie einen „boche“ aufgenommen und – noch schlimmer – ihren Sohn nach Deutschland zum Erbfeind geschickt hatten. Die gute Nachricht: Ich fand trotzdem ganz schnell in Frankreich viele junge Freunde.

Mit der Familie (meinen Eltern und meiner Schwester) ging es damals in den Urlaub meistens nach Österreich. An den Schilling erinnere ich mich gerne. Der Schlagbaum an der Grenze und anderes Geld, das war ein Erlebnis. Wir waren im Ausland!

Die Schillinge – ob das 1- oder 5-Schilling-Stück – waren schöne Münzen. Ich erinnere mich, dass es immer so um die sieben Schilling für eine DM gab. Da hat sich nie viel daran geändert.

Die Zeit des Urlaubs mit meinen Eltern in Österreich ging schnell vorbei so wie auch der Ferienaustausch in Frankreich. Dem Elternhaus entflohen ging es immer häufiger nach Ländern wie Italien und Griechenland.

So lernte ich Lira und Drachmen kennen. Das war eine ganz andere Art von Währung. Die Scheine waren schmuddelig, die Münzen erinnerten an DDR-Geld und waren nichts wert.

In Italien war ich überrascht, dass die Pizza für mich jedes Jahr billiger obwohl sie nominell in Lira immer teuerer wurde. In Griechenland war das ähnlich. Das waren paradiesische Zustände für den DM-Inhaber, die ja seit langem (leider) vorbei sind.

Aus Sicht der Italiener und der Griechen war das Ganze nicht so toll. Sie wollten zum Beispiel gerne einen Mercedes kaufen. Nur, wenn sie endlich den beantragten Kredit für das Auto bewilligt bekommen hatten, war der Mercedes schon wieder teuerer geworden. Und dann haben sie doch lieber einen 2CV, R4 oder einen Lada gekauft.

Und dann kam der EURO. Und alle waren glücklich. Die deutsche Industrie und die internationalen Konzerne waren begeistert, weil sie viel mehr verkaufen konnte. Es gab ja jetzt einen gemeinsamen Binnenmarkt mit einer einheitlichen Währung. Da konnte man so richtig Gas geben und verbleibende lokale Konkurrenz vernichten oder übernehmen, je nachdem wie es für den Ausbau des Geschäfts opportun erschien.

Die Italiener und Griechen waren zuerst auch sehr zufrieden. Denn die Preise für die schönen deutschen Autos blieben stabil. Man konnte sie sich jetzt leisten und wie viele mehr von den schönen Dingen, die deutsche und internationale Konzerne ins Land pressten.

Nur ich war nicht zufrieden. Denn jetzt wurde auch für mich in Italien und Griechenland die Pizza und das Gyros teuerer. Früher galt für die Radtour über die  Alpen ans Mittelmeer die Regel, dass die Übernachtung immer billiger wird, je mehr wir in den Süden kommen. Das ist vorbei. Heute schläft man am billigsten noch in Bayern, in Österreich wird es schon ein wenig teuer und in Italien geht das so weiter.

Das mit dem EURO hatte natürlich einen Haken. Denn die schönen Autos aus Deutschland wurden wie vieles mehr auf Pump gekauft. Und während die deutsche Industrie jubelte und Rekordzahlen schrieb gingen manche Länder an ihren Schulden kaputt. Die „Heilung“ durch Abwertung ging ja nicht mehr, von dem schönen EURO-Strohfeuer blieben nur noch Inflation und Senkung der Einkommen.

Die Gläubiger wollten von diesen schwachen Ländern einen hohen Zins haben und bekamen ihn – und das tat weiter weh. Wie es immer schmerzt, wenn man eh schon pleite ist und viel Geld ohne Gegenleistung abliefern muss.

Aber, die EZB, die EU und der Welt-Währungsfond hatte ein Einsehen. Sie senkten die Zinsen und kauften die Ramsch-Anleihen auf, um die große „Katastrophe“ des Staatsbankrott des einen oder anderen Mitglied-Staates zu vermeiden.

Das rettete scheinbar viele europäische Länder nicht nur im Süden. Besonders gut war das aber auch für den größten aller Schuldner in Europa, die BRD, sprich uns. Unsere Belohnung fürs Mitmachen war, dass wir gar keine Zinsen mehr zahlen müssen. Sonst hätten wir das auch natürlich nicht geduldet hätte, denn natürlich gilt auch bei uns „Germany first“!

So konnten wir uns zweimal ins Fäustchen lachen:
Zuerst rollte unsere Industrie den gemeinsamen Markt dank einer einheitlichen Währung auf – und dann zahlten wir für unsere Staatsschulden keine Zinsen mehr. Auf wunderbare und pfiffig erscheinende Art und Weise haben wir plötzlich einen ausgeglichenen Haushalt geschenkt bekommen.

Das alles hat mein Freund Rudi vorhergesehen. Aber natürlich nicht die verantwortliche Regierung unter dem großen Kanzler der Einheit.

Selbst wenn die den EURO nicht gewollt hätte, hätte das nichts geholfen. Tanzte die Regierung doch schon damals nach der Pfeife der Industrie wie die gesamte EU. Und die Industrie wollte den EURO. Die anderen Staaten Europas übrigens auch. Oder korrekter – sie wollten die D-Mark weg haben, weil die Dominanz der starken DM ihnen schon lange ein andauerndes Ärgernis war. Und das ging ja nur mit dem EURO.

Und jetzt haben wir ein Problem. Ich bin schon gespannt, was der neue Wunderkandidat der SPD dazu sagen wird. Hat er doch im EU-Parlament genau diese Linie unterstützt.

Jetzt muss und wird er wieder deutsch reden – Germany first.  Hat er doch wie kein zweiter deutscher Politiker (außer vielleicht der große Bayer) von Trump gelernt, wie man Menschen „populisiert“.

Dem aktuellen System von Oligarchie der Parteien und Lobbyisten wird er auch nichts entgegen setzen wollen und können. Aber bestimmt wird er es schaffen, seine eigene so unglaubliche Karriere. Und er träumt jetzt ja vom Kanzleramt.

Das macht aber auch nichts. Es dürfte völlig egal sein, wer da im Berlin der Großmannssucht regiert. Ob die Merkel mit dem Schulz oder der Schulz mit der Merkel. Das einzige was sicher sein dürfte ist, dass Mr. Gabriel weiter Außenminister bleibt (wegen geheimen Absprachen – dem Hauptmittel der aktuellen Politik).

So wird sich in meiner Geschichte nichts ändern. Sie wird enden wie so viel Märchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann regieren sie bis auf weiteres.

Ergänzung:
Immer wieder höre ich von EURO-Befürwortern, dass dank des EUROs es doch jetzt so schön wäre zu reisen. Der Nachteil zum Beispiel des Geldwechseln wäre weggefallen.

Das Argument verstehe ich gar nicht. In den auch nicht so guten alten Tagen hatte ich immer Reiseschecks. Die musste ich im Zielland auch wechseln. War vielleicht völliger Blödsinn, aber mein „Über-ich“ hat mir das so befohlen.

Heute jedoch ist Geld nur noch eine Verrechnungseinheit und das Umrechnen von einer Währung in die andere ist eine der leichtesten Aufgaben für unsere „digitale Welt“.

Aber der EURO ist halt passiert und jetzt haben wir ihn. Gerne hätte ich auf nämlicher Veranstaltung an die beiden Europa-Experten die Frage gestellt, ob sich die Einführung des EUROs  nützlich für ein gemeinsames Europas oder schädlich war. Dazu kam ich aber nicht mehr. Ich kann sie nicht beantworten, vermute aber, dass er eher geschadet hat.

Wir haben aber nicht nur den EURO sondern auch den Nullzins. Und eine weiter stark wachsende Verschuldung der Länder Europas, die von der EZB und dem Währungsfond noch gedeckt wird. Das ist eine Situation, von dem man nicht weiß, wie lange es gut geht.

Auf dem letzten PM-Camp hat Gerhard Wohland gesagt, dass ein Problem ein Zustand ist, der so nicht bleiben kann. Zu unserem Problem hat keiner eine Lösung, vielleicht gibt es keine. So machen die Verantwortlichen in Europa einfach so weiter wie bisher. Was sollten sie sonst auch tun?

Für mich ist Europa aber so viel mehr als der EURO und ich meine, dass es völlig gleichgültig sein wird, wann und wie er platzt. Ist er doch nur eine Verrechnungseinheit, die dann halt durch neue und genauso virtuelle Verrechnungseinheiten ersetzt wird. Das kriegt eine gute Administration hin.

Klar wird es auch hier Verlierer und Gewinner geben. Wahrscheinlich werden auch in Zukunft die Reichen die Gewinner und die Armen die Verlierer sein. Aber an das sind wir ja seit längerem gewöhnt und werden da weiter machen bis es halt mal wieder knallt.

Und das klingt nach der Logik der Geschichte. Und vielleicht knallt es schon bald, weil die Welt vor viel größeren Herausforderungen steht als vor so einer läppischen Währung!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 19. September 2016

Nachtgedanken zu Europa.

Denk ich an „europe“ in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht …
(Heinrich Heine)

flagge-europaeische-union-euKatalonien will unabhängig werden von Spanien. Schottland wollte Great Britain verlassen. Eingeschüchtert von Drohungen und Angstmache von allen Seiten haben die Schotten keine Mehrheit dafür erreicht. Jetzt sind sie traurig, dass sie es nicht geschafft haben.

GB als Staat mit einer großen demokratischen Tradition und Gründungsmitglied will aus der EU austreten. Der Austrittsfall ist aber nicht vorgesehen (nicht aus der EU und nicht aus dem EURO). Es erscheint fraglich, ob dies von der Gesetzeslage her überhaupt möglich ist, zu verzahnt ist nationales und europäisches Recht. Ratlosigkeit herrscht vor – nur ändern wird sich nichts.

Die Mittelmeerstaaten torkeln. Auch die BRD ist immer noch Schuldeneuropameister. Bayern fühlt sich in der BRD schon lange nicht mehr wohl und finanziert trotzdem weiter Berlin/Brandenburg. Oft erscheinen mir die „Koalitions-Streitigkeiten“ die Vorboten eines „bavarian exit“.

Immer mehr Staaten in der EU erweisen sich als im Höchstmaß unsolidarisch. Besitzstandwahrung ist angesagt. An den östlichen Grenzen wird mit dem Säbel gerasselt, weil (angeblich ?) die Bedrohung durch die Nachbarn wächst. An den südlichen fühlt man sich durch Flüchtlinge bedroht und löst das Problem mit eigenartigen Deals.

Trotz besseren Wissens tanzt Europa unverdrossen weiter um das goldene Kalb namens „Wachstum“. Grund und Boden werden zu betoniert, der Indiviualverkehr hat totalen Vorrang und manche Länder wollen sogar wieder auf Kernkraft setzen. Europa ist fest im Griff der Weltkonzerne, für die mehr als je zuvor der „shareholder value“ den absolute Priorität hat. Die Unternehmen sind nicht mehr für die Menschen da, sondern die Menschen für sie. Als konsumierende Kaufvieh-Herde, die beliebig durch Marketing manipuliert werden muss.

Obwohl absolut gegen den Trend werden so Abkommen wie CETA und TTIP durchgepeitscht, die den totalen weltweiten und schrankenlosen Wettbewerb propagieren. Das basiert auf extremer Arbeitsteilung und befördert natürlich die Ausbeutung von Menschen und ganzen Ländern. Und die vorhersehbaren Streitfälle sollen nicht an unabhängigen Gerichten verhandelt sondern von Schiedsgerichten aus den Reihen der Wirtschaft geregelt werden.

Währenddessen macht der Euro weiter ganze Regionen platt. Finanziert wird das alles von einer Staatsbank, die eine Riesenblase produziert. Früher oder später wird diese platzen – und dann geht das Jammern über die nächste Weltwirtschaftskrise wieder los.

Politisch führt das Denken in Eigennutz zu immer mehr populistischen Regimen, die Demokratie und Humanismus verhöhnen. Der Umgangston ist kalt geworden. Schon geht der Hickhack zwischen den Nationen Europas los, die ersten Parolen vom Ausschluss einzelner Länder erklingen – obwohl der genauso wie der Austritt nicht vorgesehen und wahrscheinlich mit Rechtsmitteln gar nicht möglich ist. Aber das alles stört nicht, so lange die „Kohle“ fließt.

Die EU entpuppt sich immer mehr als ein undemokratisches System. Mit einem machtlosen Mega-Parlament und Kommissionaren, die sich laufend blamieren. Alle Europa steuernden Institutionen sind zu Büttel der Konzern-Lobby und des Kapitals geworden, alle mächtigen europäischen Gremien und Verbände sind in der Hand von Kapital und Wirtschaft. Die Politik ist in Geiselhaft genommen worden, die Politiker müssen ihren Herren dienen. Es gilt: Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Und wird es doch mal kritisch für die „Großen“, dann sorgt der EuGh dafür, dass die Gesetze so ausgelegt werden, wie es im Sinne der Herrschenden ist.

Permanent werden neue Gesetze generiert, zum Teil widersprechen sie sich. Aufgrund der Inflation an Gesetzen werden sie nicht mehr ernst genommen. So wird mehr Schaden als Nutzen generiert. Als Folge erfasst auch eine Erniedrigungsbürokratie ganz Europa, so wie wir sie von „den sozialistischen Staaten“ aus dem Ostblock kannten. Der dann an seiner Bürokratie eingegangen ist. Veränderung war nicht mehr möglich und die Arbeitsteiligkeit auf staatlicher Ebene hatte die Vielfalt zerstört.

Wird gegen von einem Großkonzern gegen ein Gesetz massiv und vorsätzlich verstoßen, das Menschen vor giftigen Abgasen und Partikeln schützen soll, interessiert das niemand. Auch wenn der Konzern Millionen seiner Kunden betrogen hat. Denn die Großen lässt man laufen, ist man doch von ihnen abhängig.

Ab und zu wird an einem Kleinen ein Exempel studiert. So wie man die modernen Überbringer der schlechten Botschaft, die Whistle-Blower, bestraft, die Steuerschwindler aber laufen lässt. Weil sie ja im „Rahmen der Gesetze“ gehandelt haben. Obwohl sie Konstrukte gebaut haben, die extra für die Steuergesetze geschaffen worden sind und nichts mit der Realität zu tun haben. Auch im Wissen, dass sie so mächtig sind, dass man sie ja nicht vergrämen darf. Wäre ihre Rache doch für kleinere Staaten existenziell bedrohlich.

Mit einer sehr eigenartigen Zinspolitik saniert die „reiche BRD“ an der Spitze aber zu Lasten einer unheilvollen Süd-Allianz ihren Haushalt. Subventionen werden verteilt, nicht nur an die so „systemrelevante“ Finanzindustrie – aber immer zu Lasten der Zukunft und so der Bürger. Dass so die Mehrheit der Armen und des Mittelstands ärmer und die wenigen Reichen reicher werden interessiert niemanden.

Von Werten wird viel gesprochen. Gelebt werden sie nicht. Die christlichen Wurzeln werden beschworen,  Aufklärung als Wert spielt kaum mehr eine Rolle. Immer mehr Freiheit wird für vermeintliche Sicherheit geopfert. Toleranz wird beansprucht aber nicht gewährt, Solidarität eingefordert aber nicht gegeben, Demokratie unterminiert und Menschenrechte reduziert. Achtsamkeit wird gefordert und Feindbilder gefördert.

So ein Europa habe ich mir nicht gewünscht. Ich fühle mich eh nicht als Deutscher und auch nicht als Europäer. Mit Nationalhymne, Bundesadler und Schwarz-Rot-Gold kann ich nichts anfangen. Die gelben Sterne auf blauem Grund mögen ansprechender sein als das fette „Schwarz-Rot-Gold“, aber auch das sind nicht meine Farben. Es gibt für mich auch keinen Grund, darauf stolz zu sein, dass ich ein Deutscher bin. Wie es auch keinen Grund gibt, zum Beispiel auf meine Hautfarbe stolz zu sein.

Ich bin ein Mensch aus, in und von dieser Welt. Woher ich komme, welche Sprache ich spreche – das spielt keine Rolle. Ich mag und schätze alle Menschen gleich. Ich bin für Frieden. Über Europa habe ich mich gefreut, weil mein Eindruck war, dass Europa einen guten Job macht. Das ist leider vorbei, was jetzt mit Europa passiert, macht mir tiefe Sorgen. Der Trend ist übel.

Seit meiner frühen Jugend war ich in Europa unterwegs. Zuerst als Austauschschüler, dann als Urlaubs-Reisender und schon bald vor allem als Radfahrer. Besonders gern war ich im Mittelmeerraum wie in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Zypern. Und überall habe ich freundliche Menschen getroffen, die mich immer herzlich empfangen haben – und mir geholfen haben, wenn ich ein Problem hatte. Genauso ging es mir in Holland und Belgien und später in Tschechien, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und in Lettland.

Alleine deswegen liebe ich Europa – einen Euro brauche ich dazu nicht. Aber auch jenseits der EU in Kenia, Tunesien oder in Marokko wie auch in China, Kuba oder Indien habe ich soviel Gutes und Schönes erlebt. Immer haben mich die Menschen gut angenommen und ich habe mich verstanden gefühlt.

In meinem Erleben waren die Menschen immer viel weiter als ihre Regierungen.

So wünsche ich mir eine Welt der gut vernetzten Regionen, ohne Nationalstaaten und Militärpakte. Eine Artenreiche Welt ohne Gleichmacherei. Eine Welt, in der die sinnlosen Gegensätze und Ängste immer mehr verschwinden und eine alle Menschen übergreifende Freundschaft gefeiert wird.

RMD

P.S.
Im nächsten Post habe ich vor zu erklären, warum mir kleine dezentrale Systeme besser gefallen als die großen zentralen. Gerade zur Lösung unserer wirklichen Probleme.