Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluß haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessensgruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten Zwischenebene wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.

Hans Bonfigt
Freitag, der 22. September 2017

Krampfhennenreport #1: VerbraucherschützerInnen

Da fragt der geschätzte Chris Wood nach, sinngemäß, „Mit welcher Motivation schreiben Sie im iF-Blog?“.

Nun ja, vor längerer Zeit habe ich hier ein Zitat von Rupert Lay gelesen, „wir leben in der Zeit des unverantworteten Geschwätzes“. Das ist deswegen so relevant und in seinen Auswirkungen schlimm, weil Internet-Medien das „unverantwortete Geschwätz“ annähernd mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten.

Schlimmer noch: Weil ein Schwätzer vom anderen abschreibt und gleichzeitig eigenen Unsinn ergänzt, potenziert sich der Schwachsinn.

In lockerer Folge möchte ich einige Beispiele für inkompetenten Dünnschiß aufzeigen, der eine ursprüngliche gute Absicht übel pervertiert und gleichzeitig Verwirrung stiftet, damit Betrug und Mißwirtschaft schön im Nebel bleiben.

Gleichzeitig behandle ich nur Themen, von denen ich etwas verstehe, sprich: Mit denen ich mich seit mindestens 20 Jahren beruflich befasse.

Beginnen wir mit dem Verbraucherschutz.

„Die einzige Kamera, die ‚was taucht“, mit diesem Slogan bewarb Minolta einst eine wasserfeste Hobbykamera. Der Verbraucherschützer wollte den armen Konsumenten vor dem bösen Hersteller schützen und klagte: „Beim flüchtigen Lesen hat der Verbraucher den Eindruck, daß alle anderen Kameras nichts taugen würden“. Nee, schon klar. Eine Spaß-Knipse für 49,90 taugt als einzige etwas, die Leica M6 ist Sondermüll. Da muß unbedingt ein Gerichtsverfahren publikumswirksam ausgefochten werden. Das Gericht erkannte nicht, durch welchen Kakao es da gezogen wurde und gab den Krampfhennen auch noch recht.

Auf der anderen Seite ärgere ich mich im Supermarkt immer wieder darüber, daß bei Batterien nie eine Kapazität draufsteht. Bei Zucker, Bier, Haferflocken oder auch bei Akkus: Der Inhalt in Gramm, Liter oder Ampèrestunden steht drauf. Bloß nicht bei Batterieen. Wie soll ich da eine Preis / Leistungsabschätzung treffen? Den Verbraucherschutz interessiert das einen feuchten Kehricht, dafür werden Lobbyisten schon gesorgt haben.

Wie Krampfhennen vom Verbraucherschutz lächerliche Randprobleme aufblasen und damit von den wirklich üblen Umständen ablenken, sehen wir besonders gut am Beispiel von Lina Ehrig:

Hier werden Sie gerettet!

Und sie bringt auch gleich die ganz großen Skandale mit, denn, „Das deutsche Erfolgsrezept zum einfachen Wechsel von Telefon- und Internetanbietern hängt am seidenen Faden„, au weia! Die schlimme Folge:  „EU erschwert Telefonanbieterwechsel – für immer Telekom?“ …

Sehen wir uns doch einmal die skandalösen Verschlechterungen an:

Beim Wechsel eines Telephonanbieters muß dieser nicht innerhalb eines Tages, sondern am nächsten Werktag vollzogen sein. Unsere Telekom braucht für den „Wechsel“ von ISDN zu VoIP auch schon mal 14 Tage. Beim geschäftlich alleinig genutzten Anschluß einer Hamburger Werbeagentur, wohlgemerkt. Eine ähnliche Katastrophe hatten wir kürzlich bei einer Hausverwaltungsgesellschaft, die auch tagelang unerreichbar war.

Für die Privatperson, die ja grundsätzlich kein Mobiltelephon hat, ist das eine Katastrophe! Und die lieben Kleinen können eventuell einen oder zwei Tage keinen „Bushido-Rap“ „streamen“! Ein unersetzlicher Verlust für die kindliche Entwicklung!

„Die Vertragslaufzeit beginnt von neuem“. Die Dame hat Jura studiert, wohlgemerkt. Wieso, zum Teufel, sollte bei einem neuen Vertrag die Vertragslaufzeit nicht neu beginnen? Was glaubt Frau Juristin eigentlich, wie hoch teilweise die Kosten sind für die Anlage beispielsweise eines neuen Kabelanschlusses? Irgendwie muß ein Provider doch seine Investition absichern.

Das war’s auch schon, was die Juristin auf der Erbse bemängelt und die Conclusio kann sich sehen lassen: „Jetzt nimmt [die Bundesregierung] die Aushöhlung der Verbraucherrechte und Absenkung des Schutzniveaus billigend in Kauf„.

Bereits die Formulierung entlarvt das unterirdische Gaga-Niveau: Man kann etwas billigen, dann ist man damit einverstanden und zufrieden. Man kann etwas in Kauf nehmen, dann ist man nicht damit einverstanden und schon gar nicht zufrieden, sondern toleriert es, um in einer anderen Sache einen Nutzen zu erlangen. Man kann aber ganz sicherlich nicht etwas „billigend in Kauf nehmen“, das ist eine contradictio in adiecto. Naja, iustitia non calculat und Fermat ist lange tot.

Kommen wir zur Wahrheit

Es verschlechtert sich nichts durch einen neuen EU-Kodex, denn unsere Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Telekom das Pessimum bereits erreicht.

Denn weil die Telekom wettbewerbswidrig jeden privat genutzten Internetzugang mit einem Telephonieangebot bündelt, kann sich kein Verbraucher wirklich frei für einen alternativen Anbieter entscheiden. Täte er das, beispielsweise für einen seriösen, kompetenten Provider wie QSC oder Sipgate, dann läge die zwangsweise „gebündelte“ Telephonie brach, es müßte also doppelt gezahlt werden. Gleichzeitig sitzt die Telekom auf der Rufnummer wie die Glucke auf dem Ei, in der Regel muß man sich die Rufnummer „freiklagen“. Das tut aber kaum jemand. „Gebündelte“ Angebote sind aber selbst dann wettbewerbswidrig, wenn ein Hersteller ein Zusatzprodukt verschenkt, siehe beispielsweise die EU-Auseinandersetzungen um die kostenlose Beigabe des „Internet Explorers“ zu „Microsoft Windows“.

Hier hat der Verbraucherschutz auf der ganzen Linie erbärmlich versagt! Er muß sich vorwerfen lassen, entweder brunzdumm zu sein oder aber umfassend von Lobbyisten geschmiert.

Die Bundesregierung hat, während die Bundeskanzlerin die Bevölkerung dreist belog, dafür gesorgt, daß die Netzneutralität auf der letzten Meile gekippt wurde. Wenn man sich als Anbieter bestimmten Telekom-Angeboten anschließt, belastet die Telekom beim Datentransfer auf Mobilgeräte das gebuchte Volumenbudget nicht. Damit werden diese Anbieter unangemessen bevorzugt und die „kleinen“ haben wieder keine Chance. Die Holländer haben das vorausgesehen und solche gefährlichen Blockaden gesetzlich verhindert — nur, leider:  Aufgrund der neuen EU-Richtlinie, die unter der Ägide „Oettinger“ auf Wunsch der „Kanzlerin“ entstand, müssen die Niederlande dieses urdemokratische Gesetz, welches ein wichtiger Garant für Informationsfreiheit ist, zurücknehmen.  Dank der, wie sagt Roland immer, „ComEUcon“.

Mit der Nebelkerze „Vectoring“ hat die Bundesnetzagentur übrigens die Konservierung der teilweise 100 Jahre alten sog. „Hauptkabel“ zementiert und damit die Netzanbindung „in der Fläche“ um Jahrzehnte zurückgeworfen. Soviel zum unsäglich albernen Schlagwort „Digitalisierung“.

Fassen wir zusammen: Vielfach überbezahlte Juristinnen der „Verbraucherschutzberatung“ spüren einen lebensgefährlichen Kratzer am Knie auf und übersehen dabei den Krebstumor und die Lungenentzündung. Und keinem fällt auf, daß man besser keine Juristen als Arzt beschäftigen sollte.

(hb)

Roland Dürre
Mittwoch, der 26. Juli 2017

Wirtschaft sollte doch für die Menschen da sein?!

Unterhaching beherbergt einen tollen Fussball-Verein, eine Reihe von IT-Unternehmen wie auch die InterFace AG und sogar Weltfirmen. Zu einer von diesen gehört Wrigley.

Ich erzähle mal, was ich in den letzten Wochen so gehört habe. Ich habe die Geschichte nicht recherchiert, es könnte aber gut sein, dass es stimmt, was so als Bericht und Gerücht durch die Gegend wabert.

Sicher ist es die Spielvereinigung Unterhaching, die den Bekanntheitsgrad von Unterhaching über die Grenzen Deutschlands hinaus beträchtlich erhöht hat.

Neben Fußball gibt es in Unterhaching auch Volleyball, Turnen und manche erfolgreiche Sportart mehr – und einiges an weiteren interessanten Unternehmen, ein wunderschönes Freibad und vieles schöne mehr.

So erfreut sich auch die Gemeinde Unterhaching auch daran, dass das namhafte Welt-Unternehmen Wrigley seine Europa-Zentrale seinen Sitz hat. Und das muss demnächst wohl heißen „hatte“.


Die großen Konzerne streben nach Macht. Für diesen Zweck übernehmen sie gerne andere Konzerne.


Mag sein, dass Mars mit Erlösen in 2016 von 35 Milliarden US-Dollar eher im Schatten von Nestlé (Umsatz 2015 war 88,8 Milliarden CHF) steht. Umso mehr arbeitet Mars daran, den großen Rivalen einzuholen.

Gerade bereiten sie die Übernahme des Tierklinikbetreibers VCA Inc. (Veterinary Centres of America) vor. Inklusive Schulden will Mars 9,1 Milliarden US-Dollar ausgeben! Damit soll das Geschäftsfeld Tiergesundheit weiter verstärkt werden. Ich empfinde das als Wahnsinn und fehlgeleiteten Spätkapitalismus. Was der amerikanische Nahrungsmittel-Gigant mit der Übernahme vorhat, das kann ich mir nur zu gut (besser schlecht) ausmalen.


Nahrungs-Mittel-Hersteller investiert in Tierklink. Bestraft sei, wer hier Böses denkt.


Schon in 2008 wurde Wrigley von Mars übernommen. Die Europa-Zentrale verblieb zuerst mal in Unterhaching. Ein weiterer wichtiger europäischer Standort von Mars liegt wohl in Viersen bei Düsseldorf.

Jetzt will Mars eine Reihe seiner zentralen Aktivitäten in London konzentrieren. Eine Folge wird sein, dass Menschen von Unterhaching und Viersen nach London umziehen müssen. Manchen Unterhachingern mag das weh tun – für andere wird es eine spannende Herausforderung sein.

Aber das ist halt so in einer globalen Welt und Wirtschaft, die ja die meisten Menschen mögen zu scheinen und zumindest mit ihrem Konsum-Verhalten unterstützen.

Das ist aber nicht das Thema dieses Artikels. Was mich bestürzt, ist die Begründung für den Umzug nach London.


Große Konzerne gehen davon aus, dass in Zukunft die Qualität des Marketing der zentrale Erfolgsschlüssel im Wettbewerb ist.


Dieser erscheint dem Konzern nützlich, ja notwendig, weil er davon ausgeht, dass im Markt der LEBENS-MITTEL nur das Unternehmen sich behaupten wird und vielleicht sogar zulegen kann, das das beste MARKETING macht. Und in den Kreisen des Top-Managements geht man davon aus, dass die effizienten und effektiven Marketing-Firmen halt in London sitzen. So wird deren Nähe gesucht – und man geht nach Great Britain. Trotz Brexit und so, der nach meiner Meinung ja auch mehr so ein Operetten-Ding ist.

LEBENS-MITTEL-Konzerne sind zuerst Mal auf Umsatz und Ergebnis (Profit) getrimmt. Und da ist – in der Wahrnehmung der Konzerne – das MARKETING der entscheidende Erfolgsfaktor. Alles andere wie Qualität der Nahrungsmittel und die Folgen für die Gesundheit spielt nur eine untergeordnete Rolle.


Wirtschaft sollte für die Menschen da sein, nicht die Menschen sind für die Wirtschaft!


Wichtig ist den Konzernen nur eines – die Menschen müssen das billig produzierte Massennahrungsmittel kaufen und zwar für einen möglichst hohen Preis. Damit es der Masse schmeckt, wird es möglichst „convenient“ gemacht und verführerisch dargestellt. Mit opportunen Aroma-Stoffen angereichert wird „the taste of the world“ generiert und durchgesetzt. „Billig“ geht vor Qualität, Aufmachung und Verpackung vor Inhalt, Einfalt vor Vielfalt, Masse vor Klasse, Haltbarkeit vor Frische, logistische Eignung vor Geschmack …

Und so gibt es eine starke LOBBY, die dem Gesetzgeber in Europa und BRD untersagt, dass dieser zum Beispiel eine klare Kennzeichung für gesundheitlich schädliche Produkte einführt.

Und was machen die Menschen? Gar nichts. Sie glauben dem Marketing und kaufen wie Lemminge die Produkte von Mars, Nestlé und Co. Leider auch in Unterhaching.

RMD

 

Eugenie Wirz mit Christian Mendoza (Jungunternehmer aus Polen) auf UTUM-Hackathon (2016)

Bei meiner Arbeit – oder soll ich besser sagen bei meinem Hobby – als Mentor unter anderem für UTUM (UnternehmerTUM) und TUM (TU München) habe ich eine ganze Reihe von jungen Menschen eine Zeitlang auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen und dabei auch viele sympathische Menschen kennengelernt, die sich beruflich wie sozial mit unheimlich viel Idealismus gerade für junge Menschen (auch in Not) und Start-Ups engagieren.

Besonders gerne habe ich mit Eugenie Wirz (ihre Freunde dürfen sie Jenna nennen) zusammen gearbeitet. Kennengelernt habe ich Jenna vor ein paar Jahren, da hat sie noch das Mentoring-Programm von TUM betreut und sich außergewöhnlich für „ihre“ Mentées eingesetzt.

Seit einem Jahr hat sie eine neue Aufgabe bei UnternehmerTUM im europäischen Rahmen übernommen und das Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ erarbeitet. Das bringt viele Ideen und frische Perspektiven in die Welt von UTUM. Im Magazin TUMcampus 4 | 16 auf Seite 12 findet sich ein „special“ dazu unter dem Titel „Von erfolgreichen Unternehmern lernen“. Das Exist-Gründerprogramm ist auch unterstützend dabei.

In der Wirtschaftswoche finden wir einen Artikel, der beschreibt wie „man im Ausland das Gründen lernt“. Weitere Beispiele für erfolgreiche Projekte gibt es hier hier

Als Begleiter so mancher Startups gerade mit sehr jungen Gründern habe ich verstanden, dass in vielen Fällen genau dieses Programm ein wichtiges Kapitel beim Schreiben des eigenen Unternehmer-Drehbuchs sein kann. Deshalb habe ich diesen Post für Jenna und ihr Programm „Erasmus for Young Entrepreneurs“ sehr gerne geschrieben. Also, wenn Ihr jungen Gründer kennt, dann gebt ihnen diese Information weiter!

Und wer zum Projekt Fragen hat, der darf sich per E-Mail an Jenna wenden.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 14. Februar 2017

Auweia – Europa – was ist denn das?

Vermutlich weiß gegenwärtig niemand, was dieses so genannte ‚Europa’ eigentlich für ein Gebilde ist, das da wirtschaftlich vor sich hindümpelt, mit steigender Arbeitslosigkeit in den Krisenländern kämpft, das politisch zerstritten ist und in dem Bürger und Eliten sich zunehmend anfeinden, weil sie sich nach sieben Jahren Eurokrise plötzlich auch noch einem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom aus Afrika und dem Nahen Osten gegenüber sehen?

Ist das der Untergang dieser ‚europäischen Kunstgebilde,’ Europäische Union (EU) und Währungsunion, in dem keine der inkludierten Staatsführungen ein verbindendes Narrativ aufzuzeigen vermag, so dass ersatzweise das dümmliche Geschrei rechter Spaltpilze von einer allein gelassenen Bürgerschaft wie Gralsbotschaften aufgesogen werden?

Oder ist dieses diffuse Gebilde EU deshalb dem Untergang geweiht, weil alle Grenzen offen bleiben müssen? Da sonst der Euro scheitert, wie die deutsche Kanzlerin ihrer Bevölkerung droht und der sie gleich noch in die Stammbücher schreibt, dass sich eine 3000km lange Grenze wie Deutschland sie hat, ohnehin nicht kontrollieren lässt. Genau wie der EU das mit ihrer 14000km – Grenze nicht gelingen wird!

Und wer da besserwisserisch den ‚Schengen–Knüppel ‚ schwinge und meine, dass die Kontrolle dieser Außengrenze doch auf jeden Fall realisiert werden hätte müssen, nach dem Wegfall der  Binnengrenzkontrollen, der habe wohl aus der ebenfalls von den Amerikanern angezettelten Weltfinanzkrise nicht die Bohne gelernt: denn wer habe sich denn damals um die Regeln von Maastricht geschert, als die einzelnen Staatsführungen reihenweise ihre Banken retteten, weil die ökonomischen Lenkungswerkzeuge kläglich versagt hätten, wie sie meinten, und man sich deshalb natürlich gezwungen sah zum ‚Primat der Politik’ zurückkehren?

Und dabei wird geblieben! Basta! Denn über Rettungspakete und weiche Budgetbeschränkungen lassen sich doch mit der ‚EZB des Herren Draghi’ herrlich die Zinsen niedrig halten und ohne jedes Schamgefühl  sogar noch weiter Kredite aufnehmen, ohne sich mit Schuldenabbau und Strukturreformen verzetteln zu müssen, wie dies die üblichen Querköpfe fordern!

Blöd nur, dass Teile der Bevölkerung in der EU und Währungsunion trotzdem immer unzufriedener werden: massenweise laufen die im Süden den Linksparteien zu und im Norden und Osten den Rechtsextremen und Nationalkonservativen, statt sich endlich an ihre Nasen zu fassen und ein Beispiel an Deutschland zu nehmen – bei der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und der Energiewende! Das wär’ doch ein Leichtes, oder?

Selbst auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere Klugscheißer dann wieder meine, dass Deutschland aus gut gemeinten Gründen durch unabgestimmte Politik das Falsche tue und damit das Friedensprojekt eines geeinten Europas aufs Spiel setze, wie etwa dieser Historiker Heinrich August Winkler, der da sagt: „Zur deutschen Verantwortung gehört auch, dass wir uns von der moralischen Selbstüberschätzung verabschieden, die vor allem sich besonders fortschrittlich dünkende Deutsche aller Welt vor Augen führen. Der Glaube wir seien berufen gegebenenfalls auch im Alleingang das Gute zu verwirklichen, ist ein Irrglaube. Er darf nicht zu unserer Lebenslüge werden!“

Hm – wie verwirrend! Das ist doch nie und nimmer die Meinung unserer Kanzlerin?

Aber vielleicht hat der gute Mann trotzdem Recht?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 3. Februar 2017

Eine Geschichte zur EURO-Geschichte.

Europa ist mehr als die EU (und der EURO)!

Denn 5-Hunderter gibt’s ja wohl nicht mehr – trotz hohen Wertverlusts der Währung.

Letzten Dienstag war ich bei einer Veranstaltung im Café Luitpold, die mit dem Text des Untertitel dieses Artikels angekündigt war (bis zur Klammer; die Ergänzung in der Klammer ist von mir).

Harald Lesch war als Star des Abends eingeladen, aber leider kurzfristig verhindert. Er wurde von zwei „Europa-Experten“ vertreten.

Trotz des Ausfalls von Harald Lesch (wegen dem ich da war) war es ein interessanter Abend, gerade weil sehr geschraubt Unsinn geredet wurde. Dies von Leuten, die bei uns als wissenschaftliche Elite gelten. Da zuzuhören ist zwar ab und zu ärgerlich, ich genieße aber eine gewisse morbide Freude wenn ich gespreizten Unsinn höre.

Die beiden Herren auf dem Podium haben  beim alten römischen Reich angefangen und zum Teil absurde Thesen aufgestellt. Zum Beispiel war die Antwort auf die Frage aus dem Publikum, ob der Niedergang Europas nicht etwas mit dem Verlust von Spiritualität und Religion zu tun haben könnte, dass die wahre Gefahr für Europa nicht von den Atheisten sondern von den Agnostikern ausgehen würde. Mit der Begründung, dass so ein fanatischer Atheist einen streng islamischen Gläubigen besser verstehen könne denn ein Agnostiker. Und Integration dann besser möglich wäre.

Da habe ich mir ganz still bei mir „oh mein Gott“ gedacht.

Bei dieser Veranstaltung im schönen Café im feinsten Teil von München war mein Freund Sigi dabei. Nach Vortrag und Diskussion erzählte mir der Sigi eine Geschichte, die mir recht bekannt vorkam. Weil ich sie so ähnlich auch schon oft erzählt habe – allerdings nie dem Sigi.

Dafür hat diese Geschichte mir vor schon 20 Jahren der Rudi Jansche berichtet, damals allerdings in der Zukunftsform. Das war noch vor der Einführung des EUROs und der Rudi war einer der Top-Manager in Deutschland eines relevanten englischen Konzerns, der auch im restlichen Europa und der BRD viel Macht hatte. Und oft habe ich mich über die Weitsicht meines Mentors Rudi gewundert.

Die Geschichte zum EURO (vom Sigi, Rudi und von mir), erzähle ich jetzt so wie ich sie selber erlebt habe:


Anfang der 60iger Jahre war ich als Austauschschüler in Frankreich. Da gab es noch den Franc. Ich konnte noch nicht ganz so gut französisch und war ein wenig verwirrt, dass ein Sakko z.B. 100 (cent) Francs kostete. Und mein Gastgeber berichtete, dass er für dieses Sakko zehntausend („dix milles“) Francs oder  „dix milles balles“ bezahlt hätte.

Das Rätsel löste sich dann rasch auf. In Frankreich gab es kurz vor meinem Besuch eine Währungsreform. Da wurde der „nouvel franc“ eingeführt, der dem Gegenwert von 100 alten Francs entsprach. Die alten „francs“ konnten als „centimes“ weiter genutzt werden. Eigentlich wurden nur zwei Nullen gestrichen. Aber viele sprachen und dachten noch im alten Franc, obwohl die Produkte in den Läden in neuen Franc ausgezeichnet waren.

Näheres zur französischen „Währungsreform“ steht in Wikipedia – hier ein Auszug:


Am 27. Dezember 1958 wurde die Einführung des Nouveau Franc (NF) zum 1. Januar 1960 verfügt. Ein NF, seit 1963 offiziell nur noch Franc (F) genannt, entsprach 100 alten Francs (anciens francs). Die alten Franc-Münzen konnten als Centimes weiter verwendet werden. In der Alltagssprache blieb die Angabe in alten Francs noch jahrzehntelang gebräuchlich.


Dieser Artikel in Wikipedia ist sehr lesenswert, gibt er doch sehr schön Einblick in die französische Inflation.

Ich erinnere mich noch schwach, dass es eine Zeit gab, da bekam man für eine Deutsche Mark (DM) so in etwa einen nouvel franc (NF) – oder andersrum. Das war aber sehr schnell vorbei, schon wenige Jahre später waren es dann schon drei Francs, die man für eine Deutsche Mark bekam oder auf den Tisch legen musste. Und so ging es munter weiter.

Ich war überrascht, wie bei jedem Besuch von mir in Frankreich das Weißbrot (für mich) immer billiger wurde. Denn das unterlag einer Preisbindung und wurde offensichtlich vom Staat bezuschusst. Wie ich auch überrascht war, dass ich auch nach mehreren Besuchen in Frankreich für viele Franzosen der „le boche“ blieb. Mit meinen Austausch-Eltern befreundete Familien haben sich von meinen Austausch-Eltern abgewandt, weil sie einen „boche“ aufgenommen und – noch schlimmer – ihren Sohn nach Deutschland zum Erbfeind geschickt hatten. Die gute Nachricht: Ich fand trotzdem ganz schnell in Frankreich viele junge Freunde.

Mit der Familie (meinen Eltern und meiner Schwester) ging es damals in den Urlaub meistens nach Österreich. An den Schilling erinnere ich mich gerne. Der Schlagbaum an der Grenze und anderes Geld, das war ein Erlebnis. Wir waren im Ausland!

Die Schillinge – ob das 1- oder 5-Schilling-Stück – waren schöne Münzen. Ich erinnere mich, dass es immer so um die sieben Schilling für eine DM gab. Da hat sich nie viel daran geändert.

Die Zeit des Urlaubs mit meinen Eltern in Österreich ging schnell vorbei so wie auch der Ferienaustausch in Frankreich. Dem Elternhaus entflohen ging es immer häufiger nach Ländern wie Italien und Griechenland.

So lernte ich Lira und Drachmen kennen. Das war eine ganz andere Art von Währung. Die Scheine waren schmuddelig, die Münzen erinnerten an DDR-Geld und waren nichts wert.

In Italien war ich überrascht, dass die Pizza für mich jedes Jahr billiger obwohl sie nominell in Lira immer teuerer wurde. In Griechenland war das ähnlich. Das waren paradiesische Zustände für den DM-Inhaber, die ja seit langem (leider) vorbei sind.

Aus Sicht der Italiener und der Griechen war das Ganze nicht so toll. Sie wollten zum Beispiel gerne einen Mercedes kaufen. Nur, wenn sie endlich den beantragten Kredit für das Auto bewilligt bekommen hatten, war der Mercedes schon wieder teuerer geworden. Und dann haben sie doch lieber einen 2CV, R4 oder einen Lada gekauft.

Und dann kam der EURO. Und alle waren glücklich. Die deutsche Industrie und die internationalen Konzerne waren begeistert, weil sie viel mehr verkaufen konnte. Es gab ja jetzt einen gemeinsamen Binnenmarkt mit einer einheitlichen Währung. Da konnte man so richtig Gas geben und verbleibende lokale Konkurrenz vernichten oder übernehmen, je nachdem wie es für den Ausbau des Geschäfts opportun erschien.

Die Italiener und Griechen waren zuerst auch sehr zufrieden. Denn die Preise für die schönen deutschen Autos blieben stabil. Man konnte sie sich jetzt leisten und wie viele mehr von den schönen Dingen, die deutsche und internationale Konzerne ins Land pressten.

Nur ich war nicht zufrieden. Denn jetzt wurde auch für mich in Italien und Griechenland die Pizza und das Gyros teuerer. Früher galt für die Radtour über die  Alpen ans Mittelmeer die Regel, dass die Übernachtung immer billiger wird, je mehr wir in den Süden kommen. Das ist vorbei. Heute schläft man am billigsten noch in Bayern, in Österreich wird es schon ein wenig teuer und in Italien geht das so weiter.

Das mit dem EURO hatte natürlich einen Haken. Denn die schönen Autos aus Deutschland wurden wie vieles mehr auf Pump gekauft. Und während die deutsche Industrie jubelte und Rekordzahlen schrieb gingen manche Länder an ihren Schulden kaputt. Die „Heilung“ durch Abwertung ging ja nicht mehr, von dem schönen EURO-Strohfeuer blieben nur noch Inflation und Senkung der Einkommen.

Die Gläubiger wollten von diesen schwachen Ländern einen hohen Zins haben und bekamen ihn – und das tat weiter weh. Wie es immer schmerzt, wenn man eh schon pleite ist und viel Geld ohne Gegenleistung abliefern muss.

Aber, die EZB, die EU und der Welt-Währungsfond hatte ein Einsehen. Sie senkten die Zinsen und kauften die Ramsch-Anleihen auf, um die große „Katastrophe“ des Staatsbankrott des einen oder anderen Mitglied-Staates zu vermeiden.

Das rettete scheinbar viele europäische Länder nicht nur im Süden. Besonders gut war das aber auch für den größten aller Schuldner in Europa, die BRD, sprich uns. Unsere Belohnung fürs Mitmachen war, dass wir gar keine Zinsen mehr zahlen müssen. Sonst hätten wir das auch natürlich nicht geduldet hätte, denn natürlich gilt auch bei uns „Germany first“!

So konnten wir uns zweimal ins Fäustchen lachen:
Zuerst rollte unsere Industrie den gemeinsamen Markt dank einer einheitlichen Währung auf – und dann zahlten wir für unsere Staatsschulden keine Zinsen mehr. Auf wunderbare und pfiffig erscheinende Art und Weise haben wir plötzlich einen ausgeglichenen Haushalt geschenkt bekommen.

Das alles hat mein Freund Rudi vorhergesehen. Aber natürlich nicht die verantwortliche Regierung unter dem großen Kanzler der Einheit.

Selbst wenn die den EURO nicht gewollt hätte, hätte das nichts geholfen. Tanzte die Regierung doch schon damals nach der Pfeife der Industrie wie die gesamte EU. Und die Industrie wollte den EURO. Die anderen Staaten Europas übrigens auch. Oder korrekter – sie wollten die D-Mark weg haben, weil die Dominanz der starken DM ihnen schon lange ein andauerndes Ärgernis war. Und das ging ja nur mit dem EURO.

Und jetzt haben wir ein Problem. Ich bin schon gespannt, was der neue Wunderkandidat der SPD dazu sagen wird. Hat er doch im EU-Parlament genau diese Linie unterstützt.

Jetzt muss und wird er wieder deutsch reden – Germany first.  Hat er doch wie kein zweiter deutscher Politiker (außer vielleicht der große Bayer) von Trump gelernt, wie man Menschen „populisiert“.

Dem aktuellen System von Oligarchie der Parteien und Lobbyisten wird er auch nichts entgegen setzen wollen und können. Aber bestimmt wird er es schaffen, seine eigene so unglaubliche Karriere. Und er träumt jetzt ja vom Kanzleramt.

Das macht aber auch nichts. Es dürfte völlig egal sein, wer da im Berlin der Großmannssucht regiert. Ob die Merkel mit dem Schulz oder der Schulz mit der Merkel. Das einzige was sicher sein dürfte ist, dass Mr. Gabriel weiter Außenminister bleibt (wegen geheimen Absprachen – dem Hauptmittel der aktuellen Politik).

So wird sich in meiner Geschichte nichts ändern. Sie wird enden wie so viel Märchen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann regieren sie bis auf weiteres.

Ergänzung:
Immer wieder höre ich von EURO-Befürwortern, dass dank des EUROs es doch jetzt so schön wäre zu reisen. Der Nachteil zum Beispiel des Geldwechseln wäre weggefallen.

Das Argument verstehe ich gar nicht. In den auch nicht so guten alten Tagen hatte ich immer Reiseschecks. Die musste ich im Zielland auch wechseln. War vielleicht völliger Blödsinn, aber mein „Über-ich“ hat mir das so befohlen.

Heute jedoch ist Geld nur noch eine Verrechnungseinheit und das Umrechnen von einer Währung in die andere ist eine der leichtesten Aufgaben für unsere „digitale Welt“.

Aber der EURO ist halt passiert und jetzt haben wir ihn. Gerne hätte ich auf nämlicher Veranstaltung an die beiden Europa-Experten die Frage gestellt, ob sich die Einführung des EUROs  nützlich für ein gemeinsames Europas oder schädlich war. Dazu kam ich aber nicht mehr. Ich kann sie nicht beantworten, vermute aber, dass er eher geschadet hat.

Wir haben aber nicht nur den EURO sondern auch den Nullzins. Und eine weiter stark wachsende Verschuldung der Länder Europas, die von der EZB und dem Währungsfond noch gedeckt wird. Das ist eine Situation, von dem man nicht weiß, wie lange es gut geht.

Auf dem letzten PM-Camp hat Gerhard Wohland gesagt, dass ein Problem ein Zustand ist, der so nicht bleiben kann. Zu unserem Problem hat keiner eine Lösung, vielleicht gibt es keine. So machen die Verantwortlichen in Europa einfach so weiter wie bisher. Was sollten sie sonst auch tun?

Für mich ist Europa aber so viel mehr als der EURO und ich meine, dass es völlig gleichgültig sein wird, wann und wie er platzt. Ist er doch nur eine Verrechnungseinheit, die dann halt durch neue und genauso virtuelle Verrechnungseinheiten ersetzt wird. Das kriegt eine gute Administration hin.

Klar wird es auch hier Verlierer und Gewinner geben. Wahrscheinlich werden auch in Zukunft die Reichen die Gewinner und die Armen die Verlierer sein. Aber an das sind wir ja seit längerem gewöhnt und werden da weiter machen bis es halt mal wieder knallt.

Und das klingt nach der Logik der Geschichte. Und vielleicht knallt es schon bald, weil die Welt vor viel größeren Herausforderungen steht als vor so einer läppischen Währung!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 19. September 2016

Nachtgedanken zu Europa.

Denk ich an „europe“ in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht …
(Heinrich Heine)

flagge-europaeische-union-euKatalonien will unabhängig werden von Spanien. Schottland wollte Great Britain verlassen. Eingeschüchtert von Drohungen und Angstmache von allen Seiten haben die Schotten keine Mehrheit dafür erreicht. Jetzt sind sie traurig, dass sie es nicht geschafft haben.

GB als Staat mit einer großen demokratischen Tradition und Gründungsmitglied will aus der EU austreten. Der Austrittsfall ist aber nicht vorgesehen (nicht aus der EU und nicht aus dem EURO). Es erscheint fraglich, ob dies von der Gesetzeslage her überhaupt möglich ist, zu verzahnt ist nationales und europäisches Recht. Ratlosigkeit herrscht vor – nur ändern wird sich nichts.

Die Mittelmeerstaaten torkeln. Auch die BRD ist immer noch Schuldeneuropameister. Bayern fühlt sich in der BRD schon lange nicht mehr wohl und finanziert trotzdem weiter Berlin/Brandenburg. Oft erscheinen mir die „Koalitions-Streitigkeiten“ die Vorboten eines „bavarian exit“.

Immer mehr Staaten in der EU erweisen sich als im Höchstmaß unsolidarisch. Besitzstandwahrung ist angesagt. An den östlichen Grenzen wird mit dem Säbel gerasselt, weil (angeblich ?) die Bedrohung durch die Nachbarn wächst. An den südlichen fühlt man sich durch Flüchtlinge bedroht und löst das Problem mit eigenartigen Deals.

Trotz besseren Wissens tanzt Europa unverdrossen weiter um das goldene Kalb namens „Wachstum“. Grund und Boden werden zu betoniert, der Indiviualverkehr hat totalen Vorrang und manche Länder wollen sogar wieder auf Kernkraft setzen. Europa ist fest im Griff der Weltkonzerne, für die mehr als je zuvor der „shareholder value“ den absolute Priorität hat. Die Unternehmen sind nicht mehr für die Menschen da, sondern die Menschen für sie. Als konsumierende Kaufvieh-Herde, die beliebig durch Marketing manipuliert werden muss.

Obwohl absolut gegen den Trend werden so Abkommen wie CETA und TTIP durchgepeitscht, die den totalen weltweiten und schrankenlosen Wettbewerb propagieren. Das basiert auf extremer Arbeitsteilung und befördert natürlich die Ausbeutung von Menschen und ganzen Ländern. Und die vorhersehbaren Streitfälle sollen nicht an unabhängigen Gerichten verhandelt sondern von Schiedsgerichten aus den Reihen der Wirtschaft geregelt werden.

Währenddessen macht der Euro weiter ganze Regionen platt. Finanziert wird das alles von einer Staatsbank, die eine Riesenblase produziert. Früher oder später wird diese platzen – und dann geht das Jammern über die nächste Weltwirtschaftskrise wieder los.

Politisch führt das Denken in Eigennutz zu immer mehr populistischen Regimen, die Demokratie und Humanismus verhöhnen. Der Umgangston ist kalt geworden. Schon geht der Hickhack zwischen den Nationen Europas los, die ersten Parolen vom Ausschluss einzelner Länder erklingen – obwohl der genauso wie der Austritt nicht vorgesehen und wahrscheinlich mit Rechtsmitteln gar nicht möglich ist. Aber das alles stört nicht, so lange die „Kohle“ fließt.

Die EU entpuppt sich immer mehr als ein undemokratisches System. Mit einem machtlosen Mega-Parlament und Kommissionaren, die sich laufend blamieren. Alle Europa steuernden Institutionen sind zu Büttel der Konzern-Lobby und des Kapitals geworden, alle mächtigen europäischen Gremien und Verbände sind in der Hand von Kapital und Wirtschaft. Die Politik ist in Geiselhaft genommen worden, die Politiker müssen ihren Herren dienen. Es gilt: Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Und wird es doch mal kritisch für die „Großen“, dann sorgt der EuGh dafür, dass die Gesetze so ausgelegt werden, wie es im Sinne der Herrschenden ist.

Permanent werden neue Gesetze generiert, zum Teil widersprechen sie sich. Aufgrund der Inflation an Gesetzen werden sie nicht mehr ernst genommen. So wird mehr Schaden als Nutzen generiert. Als Folge erfasst auch eine Erniedrigungsbürokratie ganz Europa, so wie wir sie von „den sozialistischen Staaten“ aus dem Ostblock kannten. Der dann an seiner Bürokratie eingegangen ist. Veränderung war nicht mehr möglich und die Arbeitsteiligkeit auf staatlicher Ebene hatte die Vielfalt zerstört.

Wird gegen von einem Großkonzern gegen ein Gesetz massiv und vorsätzlich verstoßen, das Menschen vor giftigen Abgasen und Partikeln schützen soll, interessiert das niemand. Auch wenn der Konzern Millionen seiner Kunden betrogen hat. Denn die Großen lässt man laufen, ist man doch von ihnen abhängig.

Ab und zu wird an einem Kleinen ein Exempel studiert. So wie man die modernen Überbringer der schlechten Botschaft, die Whistle-Blower, bestraft, die Steuerschwindler aber laufen lässt. Weil sie ja im „Rahmen der Gesetze“ gehandelt haben. Obwohl sie Konstrukte gebaut haben, die extra für die Steuergesetze geschaffen worden sind und nichts mit der Realität zu tun haben. Auch im Wissen, dass sie so mächtig sind, dass man sie ja nicht vergrämen darf. Wäre ihre Rache doch für kleinere Staaten existenziell bedrohlich.

Mit einer sehr eigenartigen Zinspolitik saniert die „reiche BRD“ an der Spitze aber zu Lasten einer unheilvollen Süd-Allianz ihren Haushalt. Subventionen werden verteilt, nicht nur an die so „systemrelevante“ Finanzindustrie – aber immer zu Lasten der Zukunft und so der Bürger. Dass so die Mehrheit der Armen und des Mittelstands ärmer und die wenigen Reichen reicher werden interessiert niemanden.

Von Werten wird viel gesprochen. Gelebt werden sie nicht. Die christlichen Wurzeln werden beschworen,  Aufklärung als Wert spielt kaum mehr eine Rolle. Immer mehr Freiheit wird für vermeintliche Sicherheit geopfert. Toleranz wird beansprucht aber nicht gewährt, Solidarität eingefordert aber nicht gegeben, Demokratie unterminiert und Menschenrechte reduziert. Achtsamkeit wird gefordert und Feindbilder gefördert.

So ein Europa habe ich mir nicht gewünscht. Ich fühle mich eh nicht als Deutscher und auch nicht als Europäer. Mit Nationalhymne, Bundesadler und Schwarz-Rot-Gold kann ich nichts anfangen. Die gelben Sterne auf blauem Grund mögen ansprechender sein als das fette „Schwarz-Rot-Gold“, aber auch das sind nicht meine Farben. Es gibt für mich auch keinen Grund, darauf stolz zu sein, dass ich ein Deutscher bin. Wie es auch keinen Grund gibt, zum Beispiel auf meine Hautfarbe stolz zu sein.

Ich bin ein Mensch aus, in und von dieser Welt. Woher ich komme, welche Sprache ich spreche – das spielt keine Rolle. Ich mag und schätze alle Menschen gleich. Ich bin für Frieden. Über Europa habe ich mich gefreut, weil mein Eindruck war, dass Europa einen guten Job macht. Das ist leider vorbei, was jetzt mit Europa passiert, macht mir tiefe Sorgen. Der Trend ist übel.

Seit meiner frühen Jugend war ich in Europa unterwegs. Zuerst als Austauschschüler, dann als Urlaubs-Reisender und schon bald vor allem als Radfahrer. Besonders gern war ich im Mittelmeerraum wie in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Zypern. Und überall habe ich freundliche Menschen getroffen, die mich immer herzlich empfangen haben – und mir geholfen haben, wenn ich ein Problem hatte. Genauso ging es mir in Holland und Belgien und später in Tschechien, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und in Lettland.

Alleine deswegen liebe ich Europa – einen Euro brauche ich dazu nicht. Aber auch jenseits der EU in Kenia, Tunesien oder in Marokko wie auch in China, Kuba oder Indien habe ich soviel Gutes und Schönes erlebt. Immer haben mich die Menschen gut angenommen und ich habe mich verstanden gefühlt.

In meinem Erleben waren die Menschen immer viel weiter als ihre Regierungen.

So wünsche ich mir eine Welt der gut vernetzten Regionen, ohne Nationalstaaten und Militärpakte. Eine Artenreiche Welt ohne Gleichmacherei. Eine Welt, in der die sinnlosen Gegensätze und Ängste immer mehr verschwinden und eine alle Menschen übergreifende Freundschaft gefeiert wird.

RMD

P.S.
Im nächsten Post habe ich vor zu erklären, warum mir kleine dezentrale Systeme besser gefallen als die großen zentralen. Gerade zur Lösung unserer wirklichen Probleme.

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. September 2016

HELLO WORLD – Ein offener Brief – #FRIEDEN

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Vor kurzem hatte ich ein tolles Gespräch mit einem Menschen, den ich sehr schätze und lieb gewonnen habe. Ich will ihn für unser Projekt FRIEDEN gewinnen. Am nächsten Tag habe ich ihm geschrieben – hier meine Gedanken dazu als offenen Brief.

Lieber Freund!

im Abstand einer Nacht möchte ich mich nochmal für das Gespräch gestern bedanken.

Du hast mir die richtigen und wichtigen Fragen gestellt. Das ist ein großer Wert. Denn Lösungen findet man nur, wenn man vorher die richtigen Fragen findet.

Hier der Versuch einer zusammenfassenden Antwort auf Deine klugen Fragen zum Projekt FRIEDEN (Warum und Wie):

Für mich ist FRIEDEN die allgemeine Metapher für das Gegenteil von all dem, was nach meiner Meinung in unserer Gesellschaft schief läuft.

Weltweit (mit ganz wenigen und sehr fragwürdigen Ausnahmen) dominiert ein Wirtschafts-System, das die Menschen manipuliert. „Shareholder Value“ und die eigene Bereicherung der handelnden Akteure setzt es in ungeahnter Konsequenz über alles. Auch der Krieg dient hier als Mittel zum Zweck.

Diesem System ist das Wohlbefinden, die physische und psychische Gesundheit der Menschen und auch unser Planet völlig egal. Ich kann das für viele Branchen belegen, auch durch besondere Insights die ich aufgrund meines Netzwerkes habe.

Dazu gehören – nur als ein Beispiel – auch Diskussionen mit Vorständen eines sehr relevanten Pharmaziekonzern im Rahmen eines Forschungsprojekts. Und wenn ich dann aktuell die Bewertung der neuesten Medikamente (von 23 ist eines im grünen, wenige im orangen und über die Hälfte im roten Bereich) anschaue, dann weiß ich sehr wohl die Gründe dafür (siehe SZ von gestern).

Leider gilt das für viele (ich meine alle) Branchen – ob Gesundheit ganz allgemein, Nahrungsmittel, Energie, Finanzen (Banken und Versicherungen), Rohstoffe, Handel, Kfz, Kommunikation, Technologie … Dass die Waffenindustrie da dabei ist, ist natürlich klar.

Und dies ist (leider) keine Verschwörungstheorie sondern präzise belegbar.

Auch die EU ist leider eine sehr undemokratische Organisation (geworden?), die dominiert wird von den Interessen der Konzerne und auch letzten Endes auch von diesen gegründet wurde. So wie auch der EURO kein politisches Produkt ist sondern vor allem von „der Wirtschaft“ eingefordert wurde. Gestern hat ein Urteil des EuGH dies wieder einmal belegt (siehe die ZEIT von gestern).

Ich will aber keine Diskussion über solche Missstände lostreten. Viel mehr beschäftigen mich Begriffe wie Reform, Revolution, Veränderung, Wandel, Innovation, Evolution, Transformation. Diese Begriffe sind auch Basis meiner Vorträge, ganz gleich ob es um Digitalisierung, Führung oder Unternehmertum geht.

Das alles sind schwierige Begriffe. Innovation ist für mich „kreative Zerstörung“. Reform ist gewaltfreie Veränderung. Alle schreiben nach Reformen – nur Veränderung will man nicht. Und Veränderung beinhaltet immer Gewalt.

Ich benutze für das Projekt FRIEDEN den Begriff der Transformation. Mein Ziel ist vielleicht, ein kommunikatives Gegengewicht zu schaffen gegen all das „Unfriedliche“. Und das eben nicht auf einer „religiösen“ Ebene. Also nicht durch missionieren.

Sondern durch emotionale und rationale Anstöße zum Nachdenken. Mit der Absicht Menschen so zu inspirieren. So dass sie auf die Idee gebracht werden, eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Ein Schneeball-System, welches Menschen ohne Dogmen und Drogen ihre Autonomie finden lässt – das wäre schön.

Dass mein Herz heiß ist und ich deshalb gerne große Ziele vorgebe, bitte ich zu verzeihen. Zum Teil liegt es daran, weil mir in meinem Leben – zumindest in meiner Wahrnehmung – schon Erstaunliches gelungen ist, das ich selber nie für möglich gehalten hätte.

Andererseits nehme ich mich selber als eher bescheidenen Menschen wahr, der auch mit kleinen Erfolgen gut leben kann. Denn zuerst Mal ist der Weg das Ziel!

Nur: Wegschauen und nichts machen geht schon mal gar nicht.

Als Mentor unterstütze ich Menschen immer nur „homöopathisch“ und freue mich, wenn es mir gelingt andere Menschen ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen. Und bin dann selber sehr zufrieden und glücklich. Das gilt auch für „meine Startups“.

Mein persönliches Hauptziel ist, in Dankbarkeit leben zu können.

Ganz liebe Grüße und lass uns in Verbindung bleiben!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Juni 2016

BREXIT

Flag_of_the_United_Kingdom.svgHier auch noch meine 1000 Eurocents zu der nach meiner Meinung unwürdigen Diskussion zum BREXIT.

 

  • Die Menschen, die in GB zur Wahl gingen, haben sich entschieden. Wahrscheinlich mögen sie die EU nicht und schätzen die Nachteile für ihr Land höher ein als die Vorteile. Rational kann man das eh nicht diskutieren, da gibt es zu viele Argumente pro und contra, dies auf soviel unterschiedlichen Ebenen. Die man auch nicht gewichten oder metrisieren kann. Letzten Endes geht es da um Gefühle, also um Bauchentscheidungen.
  • Die Entscheidung, die gefallen ist, sollten alle respektieren, sowohl die Überschlauen in der EU wie auch die, die bei der Entscheidung für einen Verbleib GBs in der EU gestimmt haben. Und besonders die, die abstimmen hätten können und darauf verzichtet haben. Das überhebliche Moralisieren der vereinigten Pro-Europäer der Welt gegenüber den Briten finde ich alles andere als angebracht.
  • Man darf auch nicht vergessen, dass ja weder die britische Regierung noch das britische Parlament durch diese Entscheidung irgendwie gebunden sind. Das heißt, dass eh noch gar nichts passiert ist –  und wie so oft in der Politik so richtig auch nichts passieren wird. Wahrscheinlich werden nur die Geldflüsse gekappt – oder anders kaschiert.
    Jetzt wird ein wenig gemauschelt – und mit jedem Tag, der ins Lande geht – wird das Thema #brexit mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch ein paar 1.000 EU-Funktionäre werden beraten, wie sie eine Lösung hinkriegen, so dass die britische Regierung vor ihren Wählern nicht das Gesicht verliert und die EU auch keinen Schaden hat. Dies so nach Muster von TTIP hinter verschlossenen Türen.
  • Ich persönlich glaube nicht, dass die EU ein bedeutsamer oder gar kritischer  Faktor für die Zukunft Europas ist. Ist halt noch eine Administration mehr. Mehr Sorgen macht mir da die NATO und die zahlreichen nationalen bis nationalistischen Tendenzen. Die Nato wird weiter erweitert, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste unserer Nachbarn. Hier vermisse ich eine Diskussion. Und es könnte sein, dass die nationalen Interessen durch den aktuellen Zustand der EU eher befördert denn reduziert werden.
  • Sehe ich die EU als Wirtschaftseinheit, dann bin ich enttäuscht.
    • Als Wirtschaftseinheit dürfte die EU und besonders der EURO eigentlich nur Deutschland (als Platzhirsch) und ein paar Kleinstaaten wie Luxemburg (als Finanzplatz der Europa beherrschenden Konzerne und Banken) oder Estland (als Tor nach Russland) begünstigt haben. Alle anderen sehe ich mehr oder weniger auf der Verlierer-Seite.
    • Sogar im bevorzugten Deutschland herrschen riesige Probleme wie eine große Polarisierung zwischen arm und reich (immer mehr verarmende Menschen, dafür mehr extremer Reichtum) oder bei der Bildung. Auch für diese Entwicklung dürfte die EU eine der Ursachen sein. Und dass z.B. Spanier – um wirtschaftlich überleben zu können – nach Deutschland gehen müssen ist doch bizarr. In anderen Fällen spricht man da von Wirtschaftsflüchtlingen, denen man auf keinen Fall Asyl geben dürfe. Wir sind einig, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht diskriminiert werden dürfen. Sehr wohl aber wegen ihren Passes – und da systematisch und differenziert.
    • Ich meine, dass Regionen das Recht haben, sich gegen zentrale Angriffe von Konzernen oder rücksichtslosen Billigproduzenten zu wehren. Der Versuch mit Subventionen die Entmachtung der Benachteiligten auszugleichen ist in der Geschichte immer wieder gescheitert und hat meistens das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Und hat letzten Endes immer zu einer ungerechtfertigten Bereicherung geführt.
    • Besonders schlimm finde ich, dass die Macht der Lobbyisten in Europa mittlerweile auf allen Ebenen weiter gewachsen ist. Die können das Geschehen in Europa jetzt zentral steuern.
  • Sehe ich die EU als gemeinsamen Lebensraum, dann bin ich enttäuscht. Ich erlebe Regulierung ohne Ende. Kleine Unternehmen besonders im Handwerk auch bei uns in einem Maße bedroht wie kaum jemals in der Geschichte zumindest Westdeutschlands.
    Vieles wurde schlechter und nicht besser wie das Mobilitäts-Angebot durch öffentliche Verkehrsmittel. Dafür wird wohl auf deutschen Druck der Individualverkehr mit Verbrennungsmotor in einem unvorstellbaren Maße gehätschelt.
    Nicht einmal die Mobilität im Netz konnte die EU in den letzten Jahren einheitlich hinkriegen. Der einfache Smartphone-Nutzer stellt das bei jedem Verlassen seiner Heimatregion fest. Zweifelsfrei orientiert sich die Politik der EU auf den Vorteil von Kapital, der Konzerne und Banken. Dass sie eigentlich für die Menschen da sein sollte, vergißt sie. Und die Funktionäre der EU denken sind überwiegend Systemagenten, die zuerst mal ans eigene Wohl und ihren Geldbeutel denken, dies in einem Maße, das  oft noch unverschämter ist als auf den meisten nationalen Ebenen.
  • Sehe ich die EU als .politische Einheit, dann bin ich enttäuscht. Hier nur als Stichwort das unmögliche Verhalten und die komplett fehlende Solidarität beim Umgang mit Flüchtlingen. Und wer ist eigentlich für unsere Außenpolitik gegenüber Russland etc. verantwortlich? Ich sehe da nur gefährliche Defizite.
    Und noch ein provozierender Zusatz:
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es eigentlich nur noch einen Staatenbund geben dürfen – das ist die UNO. Denn die Probleme sind eher regional oder global.
  • Die politischen Strukturen und die Arroganz der Funktionäre der EU erinnern mich durchaus an graue Systeme wie den Comecon. Wohin die geführt haben, sollte uns gut bekannt sein. Da soll es mal eine Zeit gegeben haben, in der in der ganzen UDSSR und den meisten ihrer Vasallen-Staaten nur noch eine Brotsorte produziert wurde …
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn GB in eine Reihe von kleineren Staatssystemen zerfällt? Folgen sie da nicht nur einer logischen Entwicklung, die sie im Fußball schon lange vorweg genommen haben?
  • Die von mir persönlich erlebte Geschichte lehrt mich, dass eigentlich nach einem Zerfall von großen Systemen alle Beteiligten glücklicher waren als vorher. Vom römischen Reich kann ich nicht sprechen, da habe ich keine Ahnung. Aber ich kenne keinen Slowenen, Kroaten oder andere Menschen aus dem ehemaligen großen Jugoslawien, der dem Zerfall Jugoslawiens nachtrauert. Anfang der 70iger Jahre habe ich Jugoslawien bereist und kann das gut nachvollziehen. Auf meiner Radreise zum schwarzen Meer habe ich einmal einen Serben in Belgrad getroffen, der gemeint hätte, dass manche Menschen in Serbien jetzt endgültig Abstand vom Traum eines Groß-Serbischen Reiches nehmen müssten.
    In Tschechien und in der Slowakei ging es mir ähnlich – in Prag oder Bratislava habe ich niemanden, der sich wieder die ČSR wünscht.
    Und das der schon erwähnte Comecon und die UDSSR sich aufgelöst haben, bedauern doch auch nur ganz wenige. Ich kenne viele ex-DDR Bürger, die sich diese Systeme aber überhaupt nicht zurück wünschen.
    Ein wenig Polemik sei mir gestattet:
    🙂 Wenn sich die BRD vernünftig zerlegen würde, wären die Bayern wahrscheinlich auch nicht so ganz unglücklich. Aber wahrscheinlich sogar zumindest finanziell kaputte Länder wie Berlin-Brandenburg hätten wieder eine Chance zu gesunden und könnten sich nicht auf alle Ewigkeit auf den Almosen anderer Bundesländer ausruhen. Wobei die Ewigkeit hier eine eher endliche sein dürfte – denn trotz mancher gegensätzlicher Beteuerung aus Politikermund wird die Lage von Kommunen und Ländern in ganz Deutschland laufend schlechter (Grundversorgung, Infrastruktur, Bildung, Einkommens-Situation der Menschen …).
  • Zur Freizügigkeit: Ich höre immer, dass ein großer Vorteil für Bürger von EU-Staaten die Freizügigkeit bei der Wahl des Arbeitsplatzes und so auch der Wohnort wäre. Und dass die Briten die Zukunft der „jungen Generation“ verspielt hätten, weil sie jetzt nicht mehr so einfach in den Ländern Europas arbeiten könnten.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ein soziales System einer solchen Größe und Vielfalt wie Europa so funktionieren kann. Da muss bestimmt ein wenig gesteuert werden.
    Ein Beispiel dazu:
    In China wollen die meisten Chinesen in Peking leben. Das geht natürlich nicht, also müssen Chinesen, die nach Peking wollen, Voraussetzungen erfüllen. Z.B. müssen sie über ein abgeschlossenes Studium verfügen oder den Nachweis für ein nicht unbeträchtliches Vermögen erbringen.
  • Als weiterer Vorteil der EU wird immer der Wegfall der Grenzkontrollen erwähnt. Grenzkontrollen nehme ich gerne in Kauf, wenn damit der totale digitale Überwachungsstaat vermieden werden kann. Intelligent organisierte Grenzkontrollen (siehe Eisenbahn oder am Flughafen) führen auch nicht zu Staus.
  • Schließlich:
    Ich mag kein Europa von Nationalstaaten, die sämtlich bereit sind, die Freiheit der Sicherheit zu opfern und von denen eine Reihe mich eher an Diktaturen und korrupte Systeme mit faschistischen Tendenzen als an funktionierende Demokratien erinnern.

Schlusssätze:

Ich bin für Vielfalt und gegen Einfalt. Ich mache mir Sorgen, dass zu große Systeme die Einfalt fördern. So bin ich für ein EUROPA der vernetzten und verbundenen Regionen, die sich gerne und freiwillig in die Gemeinschaft integrieren. Einem EUROPA, dass den Regeln der Subsidiarität folgt.

Ich mag kein EUROPA, dass wie eine Marionette an den Fäden von Konzernen und Wirtschaftsinteressen hängt. Ich mag kein EUROPA, das von einer Oligarchie von Parteien regiert wird, die vor allem den Vorgaben der Lobbyisten folgt. Und die alle ihr Geschäft mit  der Angst betreiben.

Mein EUROPA soll agil, offen und schlank verwaltet werden, Grundrechte und Individuelles/Privates respektieren, ethisch verantwortlich entscheiden und auch bereit sein, Besitzstand aufzugeben, wenn es notwendig wird.

Ich träume von einem sozialen und menschenfreundlichen Europa, dass radikal für Frieden eintritt, keine Kriege führt und keine Waffen in die Welt liefert. Und in seiner Politik ernsthaft der Erkenntnis folgt, dass unser Planet schon ziemlich kaputt gemacht worden ist. Und wir die Zerstörung von Umwelt und Natur auch in unseren Micro-Kosmen nicht mehr fortsetzen dürfen. Das Umweltstörung nicht auch noch subventioniert (Kerosin), auf unsinnige gigantische Projekte (S21) verzichtet und dafür Qualität auch in der Breite fördert. Von einem Europa, dass endlich mal von Ideologien und Glaubenssätzen abrückt, wie dass „durch Wachstum alle Probleme gelöst werden“, „das Leben an sich halt ein Kampf gegeneinander ist“ oder „Kinder halt mal erzogen und Menschen für ihre Taten bestraft werden müssten“.

So freue ich mich, dass die Briten mutig für einen BREXIT gestimmt haben. Dies obwohl ich die Selbstverständlichkeiten und Vorurteile von beiden Seiten – der BREXIT-Befürworter und Gegner – oft maßlos dumm und grauenhaft hypothetisch (spekulativ9 fand. Beide Seiten massten sich an, die Zukunft vorher sagen zu können und begründeten ihre Annahmen mit Argumenten, die ich als lächerlich bis kriminell empfunden habe.

Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Skala für Unredlichkeit in der politischen Auseinandersetzung nach oben offen ist. Aber das Zustimmen zum BREXIT ist dennoch ein starkes Signal, das deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann. Vielleicht bringt es Bewegung in die Politik und die Damen und Herren Politiker ein wenig zum Nachdenken. Bin aber auch da sehr skeptisch. Die Bürger müssen es wahrscheinlich selber richten.

Ganz falsch finde ich aber die ersten Reaktionen der EU-Partner-Regierungen, die so geheißen habe, jetzt müsse der Austritt ganz schnell erfolgen und ein Wiedereintritt müsse definitiv auf alle Zeit (!?) ausgeschlossen werden. Das erinnert mich sehr stark an eine Familie, in der ein Kind ausziehen will. Die Eltern mögen dies aber nicht und drohen dem Kind, dass es nie wieder einziehen dürfe. Vor 50 Jahren war so etwas durchaus üblich, ich habe es öfters erlebt.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 25. Juni 2016

Great Britain: You did it again …

Erst 2012 enthüllte die Queen das „Bomber Command Memorial“, welches die Männer und Frauen ehrte, die mit aberwitzig hohen Verlusten erfolgreiche Einsätze gegen Deutschland flogen, welches sich anschickte, ganz Europa zu unterjochen.

London_RAF_Bomber_Command_Memorial

Das war überfällig.

Mehr als 50.000 todesmutige Menschen verloren bei der Verteidigung ihrer Demokratie ihr Leben. Es ist peinlich, daß diese Ehrung erst 2012 erfolgte, mit der Begründung, daß „Bomber Harris“ deutsche Zivilisten nicht verschonte. Aber warum auch? Es war das deutsche Kleinbürgertum, welches die terroristischen Überfälle auf seine europäischen Nachbarn gebilligt und verübt hatte. Albert Speer führte in seinen Memoiren aus, daß die fortgesetzten Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung einen ganz erheblichen Anteil der Rüstungskapazität banden.

Zum Vergleich: Die ritterlich-ehrenhafte „Deutsche Wehrmacht“ warf über London Teddybären mit einer eingebauten Sprengladung ab, die so dimensioniert war, daß sie ein kleines Kind nicht töten, aber doch schwer verletzen würde. Das Kalkül war, daß die Briten ein Kind bei der medizinischen Versorgung zu Lasten ihrer kämpfenden Truppen bevorzugen würden. Gegen solche viehischen „Gegner“ ist m.E. jedes Mittel legitim.

Während alle europäischen Nachbarn von Deutschland überrannt wurden, hielten die Briten stand. Und sie kämpften entschieden, entschlossen und an allen Fronten.

Unbedingt zu erwähnen sind auch Marian Rejewski, Alan Turing und die vielen Wissenschaftler, Funker, Geheimdienstler und Helfer des „ULTRA“ – Teams in Bletchley Park, welchem es gelang, in den deutschen Marinefunkschlüssel M einzubrechen und so die massiven Verluste durch die deutsche U-Boot – Waffe weitgehend zu neutralisieren.

Wissenschaftler, aber auch Funkamateure stellten sich freiwillig unter Klausur und entwickelten das ASDIC für die Marine und das „OBOE Groundmarking Attack System“ für die RAF.

Eine ganze Nation hielt zusammen, wuchs über sich hinaus und hat es schließlich geschafft, ganz Europa vor einer furchtbaren, widerwärtigen Diktatur zu bewahren.

Vor dieser Leistung, von der wir alle in Europa profitieren, habe ich den größten Respekt.

 

Etwa 70 Jahre später rettet uns das britische Volk erneut vor einer infamen Diktatur.

Ich verneige mich und sage erneut „Danke“.

hb