Roland Dürre
Donnerstag, der 8. September 2016

HELLO WORLD – Ein offener Brief – #FRIEDEN

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Vor kurzem hatte ich ein tolles Gespräch mit einem Menschen, den ich sehr schätze und lieb gewonnen habe. Ich will ihn für unser Projekt FRIEDEN gewinnen. Am nächsten Tag habe ich ihm geschrieben – hier meine Gedanken dazu als offenen Brief.

Lieber Freund!

im Abstand einer Nacht möchte ich mich nochmal für das Gespräch gestern bedanken.

Du hast mir die richtigen und wichtigen Fragen gestellt. Das ist ein großer Wert. Denn Lösungen findet man nur, wenn man vorher die richtigen Fragen findet.

Hier der Versuch einer zusammenfassenden Antwort auf Deine klugen Fragen zum Projekt FRIEDEN (Warum und Wie):

Für mich ist FRIEDEN die allgemeine Metapher für das Gegenteil von all dem, was nach meiner Meinung in unserer Gesellschaft schief läuft.

Weltweit (mit ganz wenigen und sehr fragwürdigen Ausnahmen) dominiert ein Wirtschafts-System, das die Menschen manipuliert. „Shareholder Value“ und die eigene Bereicherung der handelnden Akteure setzt es in ungeahnter Konsequenz über alles. Auch der Krieg dient hier als Mittel zum Zweck.

Diesem System ist das Wohlbefinden, die physische und psychische Gesundheit der Menschen und auch unser Planet völlig egal. Ich kann das für viele Branchen belegen, auch durch besondere Insights die ich aufgrund meines Netzwerkes habe.

Dazu gehören – nur als ein Beispiel – auch Diskussionen mit Vorständen eines sehr relevanten Pharmaziekonzern im Rahmen eines Forschungsprojekts. Und wenn ich dann aktuell die Bewertung der neuesten Medikamente (von 23 ist eines im grünen, wenige im orangen und über die Hälfte im roten Bereich) anschaue, dann weiß ich sehr wohl die Gründe dafür (siehe SZ von gestern).

Leider gilt das für viele (ich meine alle) Branchen – ob Gesundheit ganz allgemein, Nahrungsmittel, Energie, Finanzen (Banken und Versicherungen), Rohstoffe, Handel, Kfz, Kommunikation, Technologie … Dass die Waffenindustrie da dabei ist, ist natürlich klar.

Und dies ist (leider) keine Verschwörungstheorie sondern präzise belegbar.

Auch die EU ist leider eine sehr undemokratische Organisation (geworden?), die dominiert wird von den Interessen der Konzerne und auch letzten Endes auch von diesen gegründet wurde. So wie auch der EURO kein politisches Produkt ist sondern vor allem von „der Wirtschaft“ eingefordert wurde. Gestern hat ein Urteil des EuGH dies wieder einmal belegt (siehe die ZEIT von gestern).

Ich will aber keine Diskussion über solche Missstände lostreten. Viel mehr beschäftigen mich Begriffe wie Reform, Revolution, Veränderung, Wandel, Innovation, Evolution, Transformation. Diese Begriffe sind auch Basis meiner Vorträge, ganz gleich ob es um Digitalisierung, Führung oder Unternehmertum geht.

Das alles sind schwierige Begriffe. Innovation ist für mich „kreative Zerstörung“. Reform ist gewaltfreie Veränderung. Alle schreiben nach Reformen – nur Veränderung will man nicht. Und Veränderung beinhaltet immer Gewalt.

Ich benutze für das Projekt FRIEDEN den Begriff der Transformation. Mein Ziel ist vielleicht, ein kommunikatives Gegengewicht zu schaffen gegen all das „Unfriedliche“. Und das eben nicht auf einer „religiösen“ Ebene. Also nicht durch missionieren.

Sondern durch emotionale und rationale Anstöße zum Nachdenken. Mit der Absicht Menschen so zu inspirieren. So dass sie auf die Idee gebracht werden, eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Ein Schneeball-System, welches Menschen ohne Dogmen und Drogen ihre Autonomie finden lässt – das wäre schön.

Dass mein Herz heiß ist und ich deshalb gerne große Ziele vorgebe, bitte ich zu verzeihen. Zum Teil liegt es daran, weil mir in meinem Leben – zumindest in meiner Wahrnehmung – schon Erstaunliches gelungen ist, das ich selber nie für möglich gehalten hätte.

Andererseits nehme ich mich selber als eher bescheidenen Menschen wahr, der auch mit kleinen Erfolgen gut leben kann. Denn zuerst Mal ist der Weg das Ziel!

Nur: Wegschauen und nichts machen geht schon mal gar nicht.

Als Mentor unterstütze ich Menschen immer nur „homöopathisch“ und freue mich, wenn es mir gelingt andere Menschen ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen. Und bin dann selber sehr zufrieden und glücklich. Das gilt auch für „meine Startups“.

Mein persönliches Hauptziel ist, in Dankbarkeit leben zu können.

Ganz liebe Grüße und lass uns in Verbindung bleiben!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Juni 2016

BREXIT

Flag_of_the_United_Kingdom.svgHier auch noch meine 1000 Eurocents zu der nach meiner Meinung unwürdigen Diskussion zum BREXIT.

 

  • Die Menschen, die in GB zur Wahl gingen, haben sich entschieden. Wahrscheinlich mögen sie die EU nicht und schätzen die Nachteile für ihr Land höher ein als die Vorteile. Rational kann man das eh nicht diskutieren, da gibt es zu viele Argumente pro und contra, dies auf soviel unterschiedlichen Ebenen. Die man auch nicht gewichten oder metrisieren kann. Letzten Endes geht es da um Gefühle, also um Bauchentscheidungen.
  • Die Entscheidung, die gefallen ist, sollten alle respektieren, sowohl die Überschlauen in der EU wie auch die, die bei der Entscheidung für einen Verbleib GBs in der EU gestimmt haben. Und besonders die, die abstimmen hätten können und darauf verzichtet haben. Das überhebliche Moralisieren der vereinigten Pro-Europäer der Welt gegenüber den Briten finde ich alles andere als angebracht.
  • Man darf auch nicht vergessen, dass ja weder die britische Regierung noch das britische Parlament durch diese Entscheidung irgendwie gebunden sind. Das heißt, dass eh noch gar nichts passiert ist –  und wie so oft in der Politik so richtig auch nichts passieren wird. Wahrscheinlich werden nur die Geldflüsse gekappt – oder anders kaschiert.
    Jetzt wird ein wenig gemauschelt – und mit jedem Tag, der ins Lande geht – wird das Thema #brexit mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch ein paar 1.000 EU-Funktionäre werden beraten, wie sie eine Lösung hinkriegen, so dass die britische Regierung vor ihren Wählern nicht das Gesicht verliert und die EU auch keinen Schaden hat. Dies so nach Muster von TTIP hinter verschlossenen Türen.
  • Ich persönlich glaube nicht, dass die EU ein bedeutsamer oder gar kritischer  Faktor für die Zukunft Europas ist. Ist halt noch eine Administration mehr. Mehr Sorgen macht mir da die NATO und die zahlreichen nationalen bis nationalistischen Tendenzen. Die Nato wird weiter erweitert, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste unserer Nachbarn. Hier vermisse ich eine Diskussion. Und es könnte sein, dass die nationalen Interessen durch den aktuellen Zustand der EU eher befördert denn reduziert werden.
  • Sehe ich die EU als Wirtschaftseinheit, dann bin ich enttäuscht.
    • Als Wirtschaftseinheit dürfte die EU und besonders der EURO eigentlich nur Deutschland (als Platzhirsch) und ein paar Kleinstaaten wie Luxemburg (als Finanzplatz der Europa beherrschenden Konzerne und Banken) oder Estland (als Tor nach Russland) begünstigt haben. Alle anderen sehe ich mehr oder weniger auf der Verlierer-Seite.
    • Sogar im bevorzugten Deutschland herrschen riesige Probleme wie eine große Polarisierung zwischen arm und reich (immer mehr verarmende Menschen, dafür mehr extremer Reichtum) oder bei der Bildung. Auch für diese Entwicklung dürfte die EU eine der Ursachen sein. Und dass z.B. Spanier – um wirtschaftlich überleben zu können – nach Deutschland gehen müssen ist doch bizarr. In anderen Fällen spricht man da von Wirtschaftsflüchtlingen, denen man auf keinen Fall Asyl geben dürfe. Wir sind einig, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht diskriminiert werden dürfen. Sehr wohl aber wegen ihren Passes – und da systematisch und differenziert.
    • Ich meine, dass Regionen das Recht haben, sich gegen zentrale Angriffe von Konzernen oder rücksichtslosen Billigproduzenten zu wehren. Der Versuch mit Subventionen die Entmachtung der Benachteiligten auszugleichen ist in der Geschichte immer wieder gescheitert und hat meistens das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Und hat letzten Endes immer zu einer ungerechtfertigten Bereicherung geführt.
    • Besonders schlimm finde ich, dass die Macht der Lobbyisten in Europa mittlerweile auf allen Ebenen weiter gewachsen ist. Die können das Geschehen in Europa jetzt zentral steuern.
  • Sehe ich die EU als gemeinsamen Lebensraum, dann bin ich enttäuscht. Ich erlebe Regulierung ohne Ende. Kleine Unternehmen besonders im Handwerk auch bei uns in einem Maße bedroht wie kaum jemals in der Geschichte zumindest Westdeutschlands.
    Vieles wurde schlechter und nicht besser wie das Mobilitäts-Angebot durch öffentliche Verkehrsmittel. Dafür wird wohl auf deutschen Druck der Individualverkehr mit Verbrennungsmotor in einem unvorstellbaren Maße gehätschelt.
    Nicht einmal die Mobilität im Netz konnte die EU in den letzten Jahren einheitlich hinkriegen. Der einfache Smartphone-Nutzer stellt das bei jedem Verlassen seiner Heimatregion fest. Zweifelsfrei orientiert sich die Politik der EU auf den Vorteil von Kapital, der Konzerne und Banken. Dass sie eigentlich für die Menschen da sein sollte, vergißt sie. Und die Funktionäre der EU denken sind überwiegend Systemagenten, die zuerst mal ans eigene Wohl und ihren Geldbeutel denken, dies in einem Maße, das  oft noch unverschämter ist als auf den meisten nationalen Ebenen.
  • Sehe ich die EU als .politische Einheit, dann bin ich enttäuscht. Hier nur als Stichwort das unmögliche Verhalten und die komplett fehlende Solidarität beim Umgang mit Flüchtlingen. Und wer ist eigentlich für unsere Außenpolitik gegenüber Russland etc. verantwortlich? Ich sehe da nur gefährliche Defizite.
    Und noch ein provozierender Zusatz:
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es eigentlich nur noch einen Staatenbund geben dürfen – das ist die UNO. Denn die Probleme sind eher regional oder global.
  • Die politischen Strukturen und die Arroganz der Funktionäre der EU erinnern mich durchaus an graue Systeme wie den Comecon. Wohin die geführt haben, sollte uns gut bekannt sein. Da soll es mal eine Zeit gegeben haben, in der in der ganzen UDSSR und den meisten ihrer Vasallen-Staaten nur noch eine Brotsorte produziert wurde …
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn GB in eine Reihe von kleineren Staatssystemen zerfällt? Folgen sie da nicht nur einer logischen Entwicklung, die sie im Fußball schon lange vorweg genommen haben?
  • Die von mir persönlich erlebte Geschichte lehrt mich, dass eigentlich nach einem Zerfall von großen Systemen alle Beteiligten glücklicher waren als vorher. Vom römischen Reich kann ich nicht sprechen, da habe ich keine Ahnung. Aber ich kenne keinen Slowenen, Kroaten oder andere Menschen aus dem ehemaligen großen Jugoslawien, der dem Zerfall Jugoslawiens nachtrauert. Anfang der 70iger Jahre habe ich Jugoslawien bereist und kann das gut nachvollziehen. Auf meiner Radreise zum schwarzen Meer habe ich einmal einen Serben in Belgrad getroffen, der gemeint hätte, dass manche Menschen in Serbien jetzt endgültig Abstand vom Traum eines Groß-Serbischen Reiches nehmen müssten.
    In Tschechien und in der Slowakei ging es mir ähnlich – in Prag oder Bratislava habe ich niemanden, der sich wieder die ČSR wünscht.
    Und das der schon erwähnte Comecon und die UDSSR sich aufgelöst haben, bedauern doch auch nur ganz wenige. Ich kenne viele ex-DDR Bürger, die sich diese Systeme aber überhaupt nicht zurück wünschen.
    Ein wenig Polemik sei mir gestattet:
    🙂 Wenn sich die BRD vernünftig zerlegen würde, wären die Bayern wahrscheinlich auch nicht so ganz unglücklich. Aber wahrscheinlich sogar zumindest finanziell kaputte Länder wie Berlin-Brandenburg hätten wieder eine Chance zu gesunden und könnten sich nicht auf alle Ewigkeit auf den Almosen anderer Bundesländer ausruhen. Wobei die Ewigkeit hier eine eher endliche sein dürfte – denn trotz mancher gegensätzlicher Beteuerung aus Politikermund wird die Lage von Kommunen und Ländern in ganz Deutschland laufend schlechter (Grundversorgung, Infrastruktur, Bildung, Einkommens-Situation der Menschen …).
  • Zur Freizügigkeit: Ich höre immer, dass ein großer Vorteil für Bürger von EU-Staaten die Freizügigkeit bei der Wahl des Arbeitsplatzes und so auch der Wohnort wäre. Und dass die Briten die Zukunft der „jungen Generation“ verspielt hätten, weil sie jetzt nicht mehr so einfach in den Ländern Europas arbeiten könnten.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ein soziales System einer solchen Größe und Vielfalt wie Europa so funktionieren kann. Da muss bestimmt ein wenig gesteuert werden.
    Ein Beispiel dazu:
    In China wollen die meisten Chinesen in Peking leben. Das geht natürlich nicht, also müssen Chinesen, die nach Peking wollen, Voraussetzungen erfüllen. Z.B. müssen sie über ein abgeschlossenes Studium verfügen oder den Nachweis für ein nicht unbeträchtliches Vermögen erbringen.
  • Als weiterer Vorteil der EU wird immer der Wegfall der Grenzkontrollen erwähnt. Grenzkontrollen nehme ich gerne in Kauf, wenn damit der totale digitale Überwachungsstaat vermieden werden kann. Intelligent organisierte Grenzkontrollen (siehe Eisenbahn oder am Flughafen) führen auch nicht zu Staus.
  • Schließlich:
    Ich mag kein Europa von Nationalstaaten, die sämtlich bereit sind, die Freiheit der Sicherheit zu opfern und von denen eine Reihe mich eher an Diktaturen und korrupte Systeme mit faschistischen Tendenzen als an funktionierende Demokratien erinnern.

Schlusssätze:

Ich bin für Vielfalt und gegen Einfalt. Ich mache mir Sorgen, dass zu große Systeme die Einfalt fördern. So bin ich für ein EUROPA der vernetzten und verbundenen Regionen, die sich gerne und freiwillig in die Gemeinschaft integrieren. Einem EUROPA, dass den Regeln der Subsidiarität folgt.

Ich mag kein EUROPA, dass wie eine Marionette an den Fäden von Konzernen und Wirtschaftsinteressen hängt. Ich mag kein EUROPA, das von einer Oligarchie von Parteien regiert wird, die vor allem den Vorgaben der Lobbyisten folgt. Und die alle ihr Geschäft mit  der Angst betreiben.

Mein EUROPA soll agil, offen und schlank verwaltet werden, Grundrechte und Individuelles/Privates respektieren, ethisch verantwortlich entscheiden und auch bereit sein, Besitzstand aufzugeben, wenn es notwendig wird.

Ich träume von einem sozialen und menschenfreundlichen Europa, dass radikal für Frieden eintritt, keine Kriege führt und keine Waffen in die Welt liefert. Und in seiner Politik ernsthaft der Erkenntnis folgt, dass unser Planet schon ziemlich kaputt gemacht worden ist. Und wir die Zerstörung von Umwelt und Natur auch in unseren Micro-Kosmen nicht mehr fortsetzen dürfen. Das Umweltstörung nicht auch noch subventioniert (Kerosin), auf unsinnige gigantische Projekte (S21) verzichtet und dafür Qualität auch in der Breite fördert. Von einem Europa, dass endlich mal von Ideologien und Glaubenssätzen abrückt, wie dass „durch Wachstum alle Probleme gelöst werden“, „das Leben an sich halt ein Kampf gegeneinander ist“ oder „Kinder halt mal erzogen und Menschen für ihre Taten bestraft werden müssten“.

So freue ich mich, dass die Briten mutig für einen BREXIT gestimmt haben. Dies obwohl ich die Selbstverständlichkeiten und Vorurteile von beiden Seiten – der BREXIT-Befürworter und Gegner – oft maßlos dumm und grauenhaft hypothetisch (spekulativ9 fand. Beide Seiten massten sich an, die Zukunft vorher sagen zu können und begründeten ihre Annahmen mit Argumenten, die ich als lächerlich bis kriminell empfunden habe.

Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Skala für Unredlichkeit in der politischen Auseinandersetzung nach oben offen ist. Aber das Zustimmen zum BREXIT ist dennoch ein starkes Signal, das deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann. Vielleicht bringt es Bewegung in die Politik und die Damen und Herren Politiker ein wenig zum Nachdenken. Bin aber auch da sehr skeptisch. Die Bürger müssen es wahrscheinlich selber richten.

Ganz falsch finde ich aber die ersten Reaktionen der EU-Partner-Regierungen, die so geheißen habe, jetzt müsse der Austritt ganz schnell erfolgen und ein Wiedereintritt müsse definitiv auf alle Zeit (!?) ausgeschlossen werden. Das erinnert mich sehr stark an eine Familie, in der ein Kind ausziehen will. Die Eltern mögen dies aber nicht und drohen dem Kind, dass es nie wieder einziehen dürfe. Vor 50 Jahren war so etwas durchaus üblich, ich habe es öfters erlebt.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 25. Juni 2016

Great Britain: You did it again …

Erst 2012 enthüllte die Queen das „Bomber Command Memorial“, welches die Männer und Frauen ehrte, die mit aberwitzig hohen Verlusten erfolgreiche Einsätze gegen Deutschland flogen, welches sich anschickte, ganz Europa zu unterjochen.

London_RAF_Bomber_Command_Memorial

Das war überfällig.

Mehr als 50.000 todesmutige Menschen verloren bei der Verteidigung ihrer Demokratie ihr Leben. Es ist peinlich, daß diese Ehrung erst 2012 erfolgte, mit der Begründung, daß „Bomber Harris“ deutsche Zivilisten nicht verschonte. Aber warum auch? Es war das deutsche Kleinbürgertum, welches die terroristischen Überfälle auf seine europäischen Nachbarn gebilligt und verübt hatte. Albert Speer führte in seinen Memoiren aus, daß die fortgesetzten Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung einen ganz erheblichen Anteil der Rüstungskapazität banden.

Zum Vergleich: Die ritterlich-ehrenhafte „Deutsche Wehrmacht“ warf über London Teddybären mit einer eingebauten Sprengladung ab, die so dimensioniert war, daß sie ein kleines Kind nicht töten, aber doch schwer verletzen würde. Das Kalkül war, daß die Briten ein Kind bei der medizinischen Versorgung zu Lasten ihrer kämpfenden Truppen bevorzugen würden. Gegen solche viehischen „Gegner“ ist m.E. jedes Mittel legitim.

Während alle europäischen Nachbarn von Deutschland überrannt wurden, hielten die Briten stand. Und sie kämpften entschieden, entschlossen und an allen Fronten.

Unbedingt zu erwähnen sind auch Marian Rejewski, Alan Turing und die vielen Wissenschaftler, Funker, Geheimdienstler und Helfer des „ULTRA“ – Teams in Bletchley Park, welchem es gelang, in den deutschen Marinefunkschlüssel M einzubrechen und so die massiven Verluste durch die deutsche U-Boot – Waffe weitgehend zu neutralisieren.

Wissenschaftler, aber auch Funkamateure stellten sich freiwillig unter Klausur und entwickelten das ASDIC für die Marine und das „OBOE Groundmarking Attack System“ für die RAF.

Eine ganze Nation hielt zusammen, wuchs über sich hinaus und hat es schließlich geschafft, ganz Europa vor einer furchtbaren, widerwärtigen Diktatur zu bewahren.

Vor dieser Leistung, von der wir alle in Europa profitieren, habe ich den größten Respekt.

 

Etwa 70 Jahre später rettet uns das britische Volk erneut vor einer infamen Diktatur.

Ich verneige mich und sage erneut „Danke“.

hb

Roland Dürre
Samstag, der 2. April 2016

Mauern !?

Zurzeit weile ich in China. Und schau mir an, wie da die Dinge so sind. Und muss sagen, die Dinge sind in China zum Teil extrem anders. Was ich so sehe, stellt einige meiner Selbstverständlichkeiten schwer in Frage. Und manches meiner Glaubens-Muster wird ziemlich radikal zerbrochen. Ich kann das alles gar nicht so schnell formulieren wie es mich erwischt hat.

Ich fühle, dass die Zeit, in der unsere „Leitkultur“ von den USA – God’s own country – definiert wurde, vorbei ist. Wie war das doch vor 20 Jahren? Wir waren in den USA und wußten, dass das was wir dort erlebten zehn Jahre später in Deutschland ähnlich sein würde.

Doch die Vorherrschaft der USA geht zu Ende – die Frage ist für mich nur noch, ob das „preußische China“ die USA ablöst oder ob das „chaotische“ Indien da noch kräftig mitmischen wird. Nach meinen Erlebnissen in Mumbai im letzten Frühsommer und jetzt in Peking, Pengyao, Xi-an und weiteren Städten tippe ich aktuell mehr auf China.

Hoch die GREAT WALL mit Käppi nach hnten.

Die GREAT WALL hoch, Käppi nach hinten.

Aber sei es darum, China ist sicher das Land der Mauern. Historisch wie heute, auch im Internet. Dort macht es jetzt dem russischen und weiteren Regimen vor, wie das digitale Mauerbauen geht.

Angeblich gibt China für seine Aktivitäten zur Zensur mehr Finanzmittel aus und setzt dafür mehr Personal ein als für seine Armee. Das klingt unglaublich, ist aber durchaus vorstellbar. Der Gedanke allein hat schon etwas und Zensur ist aufwendig.

So schaue ich mir auch diesmal wieder die große Mauer an. Und kraxle ein wenig auf ihr herum. Und erkläre mir das mit der GREAT WALL so:

Da gibt es eine große chinesische Community (Nation, Reich, Volk, wie auch immer man das nennt). Die hat sich über lange Zeit organisiert und ihre Ordnung gefunden. Durch die Jahrhunderte ist sie groß und mächtig geworden. Mitte des zweiten Jahrtausend hat sie festgestellt, dass die Ordnung um ihren Herrschaftsbereich herum eine andere ist als die eigene. Die Veränderung, die rings herum stattfindet, wurde als Bedrohung empfunden. Also wurde eine Mauer gebaut.

Ist es heute nicht genauso?

Letzen Endes war (und ist) das Ziel der Mauer, die eigene Ordnung zu schützen. Und das ist China mit der GREAT WALL wohl auch gelungen. Jetzt ist es müßig nachzuforschen, ob der Bau der großen Mauer für China kurz-, mittel- und langfristig nützlich war. Ob die Mauer es geschafft hat, die Werte zu bewahren, die es wert waren, bewahrt zu werden. Dies und die Nützlichkeit dürften doch das wichtigste Argument für solche Entscheidungen wie einen gigantischen Mauerbau mit großen Folgen sein.

Chinas Smog und Dunst macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Chinas Smog macht vor der GREAT WALL nicht halt.

Ich nehme mal an, dass die große Mauer kurzfristig für China sehr nützlich war. Sie bewahrte die Stabilität des Riesenreiches und machte es so noch mächtiger und reicher.

Aber dass der Nutzen der Mauer nachhaltig war, bezweifle ich. Könnte es sein, dass die Mauer langfristig wesentliche Nachteile mit sich brachte? Dass sie zwar half, eine alte Ordnung zu bewahren, aber das Land als Folge davon immer schwächer wurde? Weil die Dynamisierung zum Erliegen kam. Und China so die Kraft für Zukunft ausging.

Und vielleicht wäre China ohne GREAT WALL Jahrhunderte später nicht in diese unfassbare Schwächephase eingetaucht, aus der es sich erst mit der blutigen und grausamen Revolution eines Mao-tse-Tung über sehr komplexe und schmerzhafte Wege zu befreien wußte?

Und vielleicht hätte es ohne Mauer dann auch keine so radikale Kulturrevolution als Spätfolge gegeben, die schnurstracks in einen überbordenden und oft pervers anmutenden Turbo-Kapitalismus gemündet hat.

Mit einer dem Streben und Handeln einzigen zugrunde liegende Erfolgsmetrik – der Gier nach Reichtum und der Jagd nach Geld?

Und wahrscheinlich wird das mit den chinesischen (und russischen und sonstigen) Mauern im Internet auch mal so sein, dass sie ganz eigene Effekte haben werden, von denen wir heute gar keine Ahnung haben? Und denen am meisten schaden werden, die heute meinen, davon zu profitieren?

Diese Gedanken zu Mauern, Angst und Xenophobie gehen nicht nur Diktaturen an. Auch Noch-Demokratien, wie sie vereinzelt in Europa und der EU hoffentlich noch zu finden sind, sollten mal darüber nachdenken, ob es langfristig wirklich Sinn macht, Mauern zu bauen. Und so bringt mich die große Mauer wieder auf den Gedanken, dass Transparenz und Offenheit der bessere Leitstern ist.

Solche Gedanken berühren mich im beginnenden Zeitalter der Naturkatastrophen und der daraus folgenden Konflikte und Migration ganz besonders.

RMD

 

Roland Dürre
Samstag, der 20. Februar 2016

Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2

Angenommen am 23. Mai 1949 - vorher hatte man andere Sorgen.

Angenommen am 23. Mai 1949 – vorher hatte man andere Sorgen.

In meinem Artikel „Texte zur Weltfinanzkrise“ und weiteren Artikeln hier im Blog habe ich schon ein paar mal von der mutigen und fast lustvollen Bayerischen Verfassung geschwärmt.

Die Bayerische Verfassung wird aber vom Grundgesetz überlagert. Zwar ist Bayern der Bundesrepublik nie beigetreten – aber sicher hat der Freistaat die letzten Jahrzehnte durch konkludentes Handeln sein Einverständnis bekundet, ein Teil der BRD zu sein.
Ja, die bayerische Verfassung ist meine Lieblingsverfassung – ich mag sie. Das Grundgesetz habe ich jetzt auch noch mal gelesen und empfehle das jedem zu lesen.

Und finde es so richtig schwach. Hier nur drei willkürliche Beispiele, die mich gar nicht so begeistern und beginne mit dem Artikel 8.

Art 8

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art 10

(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art. 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Kommentar: Da wird etwas gewährleistet. Aber – man muss nur Gesetz machen, dann darf man alles einschränken. Oder auch enteignen.
Aber noch schlimmer ist (2). Kann man es noch unverbindlicher formulieren, dass ein Eigentümer nicht nur Rechte sondern auch Pflichten hat? Und lascher forden, dass etwas zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

So geht es im Text in einem fort. Ob Art 13 (Die Wohnung ist unverletzlich), Art 16 (Politisch Verfolgte genießen Asylrecht) oder Art 17a (Gesetze über Wehrdienst und Ersatzdienst), immer ist alles erlaubt und wird dann auch gleich wieder eingeschränkt.

Besonders weh hat mir dieser Artikel getan:

Art 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Kommentar: Sind das nicht nur schöne Worte, die ihren Wert verloren haben? Von wem geht denn heute die Macht aus? Von den Menschen (dem Volke) bestimmt nicht. Sondern von einer Oligarchie der Parteien und Institutionen, die eine unheilvolle Allianz mit den wirklich mächtigen Interessensverbänden und Lobbyisten des Kapitals und der Spekulanten bilden. Mit ihrem Bündnis stärken sie gegenseitig ihre Macht. Und weil es ohne die Menschen nicht geht, sondern diese eher zu stören drohen, werden sie für ihre Zwecke manipuliert und indoktriniert.
Witzig auch, dass wir in (4) das Recht zum Widerstand haben, sogar der bewaffnete quasi als ultima ration wird den Worten folgend nicht ausgeschlossen …

Nach meinem Wissen ist die Rechtslage eindeutig. Deutschland hätte sich schon vor Jahren eine neue Verfassung hätte geben müssen. Ums Recht scheinen sich aber die Mächtigen auch nicht zu scheren. So ist keine deutsche Verfassung in Sicht.

Und ich weiß nicht, ob ich darüber traurig sein oder mich freuen soll. Zwar ist unser Grundgesetz unteroptimal. Und natürlich bräuchten wir in der heutigen Zeit eine ganz starke, mutige und freudvolle Verfassung – mit einem großen gesellschaftlichen Konsens für Zukunft, Frieden, Menschlichkeit und Bildung.

Nur – mit Sicherheit würde auch die neue Verfassung nur von den Lobbyisten geschrieben werden. TTIP lässt grüßen. Demokraten hätten keine Chance.

So lasst uns lieber die Reste unseres Grundgesetz gegen weitere Angriffe verteidigen. Ganz gleich, wo diese herkommen. Eine turbo-kapitalistische und neoliberale Verfassung, geschrieben von Parteienfilz & Deutschland AG und verkauft über Populismus, wäre sicher ein großer Unglück.

RMD

P.S.
Das Abbild der Fahne ist gemeinfrei, zum Link nach Wikipedia.

Detlev Six
Samstag, der 9. Januar 2016

Regelschule für Flüchtlinge

Viele Flüchtlinge kommen aus antidemokratischen und kulturrassistischen Ländern. Sie treffen hier auf ihr Spiegelbild Pegida & Co, die freudig diese Gelegenheit begrüßen, den Kamm schwellen zu lassen. Dazu kommen Flüchtlinge, die keine ideologischen Vorbehalte gegen unsere Gesellschaft haben, denen es hauptsächlich ums Geld geht. Alle gemeinsam sind sie nicht, was Bill Clinton, als die Voraussetzung für das Funktionieren einer Gesellschaft erachtete: „Those who work hard and play by the rules“. Können sie auch nicht sein, also lass sie uns dazu machen.

Wir sollten nicht mehr über Menschenrechte, Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz, Gleichheit, Gleichstellung, Pluralismus, Moral, Ethik oder noch schlimmer, in zorniger Würde, ganz allgemein über westliche Werte schwadronieren. Alles, was den Erfolg unserer Gesellschaft ausmacht ist ein Zusammenleben, in dem niemand jemand anders auf öffentlichen Plätzen ungebeten in den Schritt greift und in dem der wirtschaftliche Erfolg einem gemeinsamen Willen zum Fortschritt zu verdanken ist. Aus allen unseren herrlichen Werten lassen sich klare Regeln ableiten, für die kein Mensch 20 Semester Philosophie studiert haben muss. Fangen wir an:

1. Regel: Deutsch lernen.
2. Regel: Keiner Frau ungebeten in den Schritt greifen.
Und, und, und.

Die Regelschule ist Pflicht für alle Flüchtlinge, der Abschluss obligatorisch, die Note fließt mit deutlichem Gewicht in die Aufenthaltsbewilligung ein.

Ich kenne die Einwände: Gibt’s alles schon. Nur, wo überall verstreut? Ist irgendjemand für diese Schule verantwortlich? Ist genug Geld und Personal dafür da? Die CSU wehrt sich seit Jahren gegen ein Einwanderungsgesetz mit dem Argument, passende Gesetze gäbe es schon überall irgendwie  und irgendwo. Ja, himmihergottzakramentnoamoi, es ist doch ein himmelweiter Unterschied, ob ich einen Teller bunte Knete quer durch alle Institutionen habe, oder eine feste Einrichtung, wie ein Einwanderungsministerium mit einem maßgeschneiderten Gesetzespaket.

Der größte Mist jetzt ist doch das Versäumnis klarer, verantwortungsvoller Zuständigkeit. Sei es institutioneller oder personeller Art.

In die Regelschule würde ich übrigens auch die schicken, die sich jahrelang an den Regensburger Domspatzen vergangen haben (Schon bemerkt? In der Tagesschau wird zwischen der Köln-Berichterstattung und den Domspatzen-Meldungen immer ein anderer Nachrichtenblock geschaltet, damit es nicht so auffällt, dass auch im gesitteten Deutschland eine Menge Testosteron-Täter herumlaufen. Ich will an dieser Stelle gar nicht wissen, was heute immer noch in einigen Ehen an Ungewolltem vor sich geht).

Was die Regelschule für Flüchtlinge sofort lösen würde: Die Menschen haben eine Aufgabe, ein Ziel und können selbst ihre Perspektive verbessern. Und so banal es klingt: sie sind beschäftigt.

SIX

Roland Dürre
Dienstag, der 13. Oktober 2015

Weicht die Gesetzes- und Urteilsflut den Rechtsstaat auf?

Laufend rollen neue Gesetze auf uns zu. Von der EU, vom Bund, vom Land. Sie sind zur Flut geworden. Viele davon erscheinen unsinnig. Oft kann man nicht erkennen, was sie eigentlich bewirken sollen oder wieso man sie gemacht hat. Und auch nicht, warum man sie befolgen sollte.

Gleichzeitig fällen Gerichtshöfe Urteile. Wie vor einer Wocher zu safe harbor. Das tat zwar irgendwie gut, bringt aber nichts. Denn es ist einfach nicht praktikabel.

Und auch schon wieder fast vergessen, obwohl der große Sturm dazu eben gar nicht lang her ist. So bin ich sicher, dass schon bald kein Hahn mehr nach dem „Safe Harbor-Urteil“ krähen wird. Wozu auch? Wetten dass?

So könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Menschen hierzulande Gesetze immer weniger ernst nehmen werden und es so mit dem Rechtsstaat zu Ende gehen könnte. Und dass das eine große Gefahr für unsere Demokratie wäre.

Diese Sorge teile ich nicht. Meine Wahrnehmung ist schon, dass Recht und Gesetze nicht mehr so ernst genommen werden, wie früher. Aber ich habe den Eindruck, dass gilt nur für die von den vielen Administrationen geregelte.

Ich nenne das mal die „extrinsische Moral“, die von außen vorgegeben wird. Und die wird immer absurder, so dass man sie gar nicht mehr ernst nehmen kann.

Dafür scheint mir, dass sich eine Form von „intrinsische Moral“ entwickelt. Immer mehr entdecke ich einen mehrheitlichen Konsens, was man tut und was man nicht tut, der mir sympathisch ist.

Und die kommt aus den Menschen heraus, unabhängig von dem Unsinn, den die legislativen und judikativen Fließbänder der EU, ihrer Staaten und Länder über uns aus schütten.

Den warnenden Hinweis, dass der Rückzug von „extrinsischer Moral“ den Rechtsstaat aushöhlen könnte, teile ich nicht. Könnte doch die „intrinsische Moral“ fürs Überleben nützlicher sein als die „extrinsische“.

Denn wie oft sind Rechtsstaaten umgekippt und zu Unrechtsstaaten geworden, die aber sehr wohl auf „Recht“ aufgebaut waren. So wie auch das dritte Reich Gesetze erließ und Gerichte installierte, die diese brutal durchgesetzt haben. Und dieses unheilvolle System insofern eigentlich ja ein Rechtsstaat war, der freilich auf Prämissen aufgebaut war, die mich schauern lassen.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. Mai 2015

Die MonoRail von Mumbai.

11348857_10206989802848252_348583267_oIn der Straße vor der Anlage Dodha, dem Hochhaus, in dem ich zurzeit wohne, wird viel Beton für den Bau einer MonoRail-Trasse verbaut. Über der engen Straße zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Häusern windet sich ein zweifacher Betonstrang dahin, der der Einschienenbahn Mumbais den Weg über und durch die Stadt bereiten soll.

Wie sonst nur der „Fly over“, die wohl wichtigste Hochstraße von Mumbai, die dann zum Teil auch aufs Meer ausweicht und so die Stadtviertel und ihre Hochhäuser verbindet. Den Hochhäusern, die wie ich schon geschrieben habe man unter anderem in die drei Klassen „schon fertig“, „noch in Bau“, „nicht fertig und nicht mehr in Bau“ einteilen kann. Für die man aber auch spannende andere Kategorien erfinden könnte.

Irgendwo in Mumbai fährt die MonoRail schon, als Verbindung zu einer noch nicht fertigen Zukunftsstadt. Dort ist sie zum Touristenspaß geworden. Eine echte Attraktion wie die Magnetschienenbahn in Shanghai zum Flughafen ist sie aber nicht.

20150523_111953_resized_2Die MonoRail scheint mir als ein Prestige-Objekt von Mumbai. Verkehrsmäßig wird sie nicht viel bringen. Aber so eine MonoRail ist schon etwas außergewöhnliches und soll den Ruhm Mumbais als moderne Stadt mehren. Außerdem wird das Projekt bewirken, dass ein paar Reiche noch reicher werden. Ein paar – das heißt in Indien immer ein paar mehr. Und wenn so ein Großprojekt privaten Reichtum mehrt, dann ist das schon eine Rechtfertigung.

Vor kurzem kam eine neue Regierung an die Macht. Sie ist eher rechts-populistisch. Anstatt offensichtliche Probleme anzugehen, hat sie zuerst mal den Verzehr von Rindfleisch verboten und mit maximaler Bestrafung belegt. Und vor der Wahl versprochen, die vielen alten Metro-Züge mit den offenen Türen und Fenstern zu klimatisieren. Weil AC (air condition) immer gut ankommt. Ein wohl völlig aussichtsloses Vorhaben.

In einem anderen Bundesstaat soll eine Identitätskarte für jede Kuh eingeführt werden. Um für sie ein glückliches Leben sicher zu stellen. Obwohl Indien einer der größten wenn nicht gar der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt ist. Es scheint aber zu sein, dass solche Maßnahmen sich gegen die Moslems richten, die angeblich in der indischen Rindfleisch-Industrie das Sagen haben.

20150523_072952_resizedFrauen scheinen mir in Indien immer noch eigenartig behandelt zu werden. Nicht immer so ganz auf Augenhöhe, mit einem leichten Hintergrundtenor als Menschen zweiter Klasse. Sexualität wird aus dem öffentlichen Leben eher ausgeblendet, es scheint irgendwie eine sehr prüde Gesellschaft zu sein.

Und dies führt offensichtlich zu Spannungen zumindest bei dem männlichen Teil der Gesellschaft. Damit die nicht zu schlimm eskalieren, gibt es in der oft überfüllten Metro eigene Abteile, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind. So wie es Abteile gibt, die nur von „disabled persons“ und Krebskranken genutzt werden dürfen, gut zu erkennen am Symbol für „cancer“, einem großen Krebs und am Zeichen für Behinderte, wie wir es auch kennen.

20150523_072839_resizedWir allerdings als West-Menschen fahren meistens mit dem Auto (einem weißen Toyota mit sechs Sitzen) und verbringen so (zu-)viel Zeit auf den Straßen Mumbais. Geht irgendwie nicht anders. Die Fahrten dauern auch bei kurzen Strecken ganz schön lange, weil immer Stau ist. Die allgegenwärtige AC macht es erträglich.

Unser Fahrer fährt für eine Firma, die eine Teilfirma von einer Teilfirma einer ganz großen Firma ist. Die fahren auch für westliche Firmen. Früher hatten diese Unternehmen eigene Autos und angestellte Fahrer. Das war aber zu teuer – obwohl es objektiv spottbillig war. Und dann wurde halt gespart und „outgesourct.“.

Jetzt wird die Kombination Fahrer/Fahrzeug als Full-Service von riesigen Unternehmen mit vielen verschiedene Lieferanten geliefert. Die einen liefern die Autos, die anderen die Fahrer und wieder andere den Service. Die Fahrer bekommen so weniger Geld, die Kunden sind unzufriedener, aber die Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase. Wie überhaupt jeder Service, immer von riesigen Dienstleistungsunternehmen erbracht zu werden scheint.

20150523_072924_resizedDie ausländischen Unternehmen bauen in Indien vorzugsweise Produkte, die wahrscheinlich bald keiner mehr brauchen wird wie z.B. Turbinen für Dampfkraft. Die sind dann für Kohlekraftwerke bestimmt. Auch eher nicht die Highend-Produkte. Wer will schon z.B. eine Dampf-Turbine aus Indien für sein Atomkraftwerk haben?

Schon im Mai hat es hier über 40 Grad auch in den Bürogebäuden, wo die Ingenieure arbeiten und das Qualitäts-Management und ähnliches stattfindet. Dort gibt es Propeller an der Decke aber keine Klimaanlagen. Denn Strom ist teuer in Indien. Kein Wunder, dass die Auftraggeber nicht immer zufrieden sind, wie die Projekte abgewickelt werden.

Der Vertreter des Staates sind freundlich und hilfsbereit, wie die meisten Menschen, die ich getroffen habe. Die Korruption soll aber unglaubliche Ausmaße haben, ohne kleine oder größere Zuwendungen geht angeblich nichts.

Der Reichtum einzelner Familien ist unglaublich. Die richtig Reichen können sich alles leisten, die hohe Importsteuer auf Luxusartikel spielt überhaupt keine Rolle. Da steht dann in der Tiefgarage die Sammlung von neuesten Fahrzeugen uns gut bekannten Marken neben ein paar auch wie neu aussehender Oldtimern. Die Reichen wohnen in „fenced communities“. Dort in den Tiefgaragen sieht man ganze Trupps von Menschen, die ihre Nobelkarossen nach jeder Ausfahrt polieren. Ich habe selten so viel auf Hochglanz poliertes Autoblech und blitzendes Chrom gesehen wie in den paar Tagen in Indien.

Die Armen werden immer mehr. Sie leben auf Straßen, die in meiner Wahrnehmung noch schmutziger geworden sind. Dort hausen Menschen in kaum beschreibbaren Umständen. Wenn in zwei Wochen der Monsum kommt, wird ihr zu Hause immer wieder unter Wasser stehen.

In den in der Regel selbst verwalteten Slums lebt es sich deutlich besser. Aber es ist gar nicht so einfach, da Einlass zu bekommen. Besonders wenn man gar nichts hat.

An den Kreuzungen der lauten Straßen wird gebettelt. Frauen und Kinder sind dabei wie Alte und Krüppel. Manche Frauen tragen beim Betteln am Körper im Wickeltuch einen Säugling oder ein Kleinkind. Die dösen seltsamerweise immer vor sich hin. Ich habe so ein Kind nie schreien gehört oder weinen gesehen. Mir wurde berichtet, dass die Babies zum Betteln durch Medikamente ruhig gestellt werden.

Ganz Mumbai hat einen unangenehmen Geruch, man könnte sagen, es stinkt. Das merkt man nicht nur, wenn man den Flieger verlässt. Die Vermüllung und Verschmutzung scheint jedes Jahr zuzunehmen. Und es ist laut in Mumbai.

Der Geruch der Stadt bleibt im 29. Stockwerkes des Hochhauses ein wenig draußen, der hohe Geräuschpegel der Stadt trotz einer Art „Schallschutzfenster“ aber nicht. Auf den Autos steht die Aufforderung „Horn me“ – und so hört es sich an.

Aus dem allgemeinen Lärm am Tag wie in der Nacht stechen dann zwischen durch die schrillen Trompeten der Eisenbahnen und das laute Gebrumme von Hubschraubern heraus. Die fahren und fliegen am Tag wie in Nacht. Der Lärm der Züge kommt von unten, der der Hubschrauber von allen Seiten, wenn sie über die Hochhäuser oder zwischen durch fliegen. Und von oben kommt dann der Fluglärm dazu. Das alles reißt mich im heißen Mumbai immer wieder nachts aus dem Schlaf.

Manche Entwicklungen kommen mir von Zuhause bekannt vor. Nicht so krass wie hier. Aber da gibt es mittlerweile auch Ausschreibungen im öffentlichen Nahverkehr, die die Bereitstellung der Fahrzeuge und des Personals trennen. Gerade als Radler fällt einem auf, dass der Plastikmüll entlang unseren Straßen laufend mehr wird. So wie auch immer mehr sinnlose Prestigeprojekte erkenne und einen Hang zum Gigantismus unserer Administration. Sinnlose Gesetze und unfähige Politiker kenne ich von Deutschland auch. Und das Auseinanderdriften der Gesellschaft ist uns ja auch nicht unbekannt.

Wir scheinen von Indien zu „lernen“. Diese Art von mir nicht so gefälligen „Fortschritt“ und „Wachstum“ findet aber nach meinem Erleben überall auf der Welt statt, in Indien wie in Kuba, ich China wie in USA, in Italien wie in Portugal … Und eben auch in Deutschland.

Glücklicherweise ist bei uns noch nicht die Dimension erreicht worden, wie ich sie in Mumbai erlebe. Der Trend scheint aber ähnlich zu sein. Die Frage ist, schaffen wir bei uns den Turnaround? In Indien wüsste ich nicht mehr, wie das noch gehen sollte.

Bei meinem letzten Besuch vor einem Ende 2013 habe ich für einen EURO noch gut 80 Rupie bekommen. Aktuell sind es noch 70. Ich stelle mir die Frage, wie viel Rupie ich dann Ende 2016 für einen EURO bekommen werde? Vielleicht dann nur noch 60? Das Leben in Indien ist seit meinem letzten Besuch aber nicht billiger geworden.

Das macht mich nachdenklich. Vielleicht ist die indische Gesellschaft doch das Muster, dem die Zukunft – auch bei uns – gehört?

Und trotzdem!

Unsere Tage in Mumbai waren bisher sehr schön. Sicher hatten wir ein privilegiertes Leben. Über die beschriebenen Zustände habe ich mich geärgert. Weil Lärm, Gestank, im Stau im Auto sitzen und ähnliches sogar nicht die Welt ist, in der ich mich wohlfühle.

Es war aber eine gute Zeit mit sehr glücklichen Tagen. Es war schön gemeinsam mit Barbara, meinem Sohn und seiner Familie soviel teilen und erleben zu dürfen. Und ich durfte bei vielen einfachen und sicher armen Menschen auf den Straßen viele „Shiny Eyes“ sehen.  Auch das macht mich glücklich.

Wahrscheinlich ist es das Schlimme wie das Schöne am Mensch-Sein, dass wir so viel aushalten und ertragen können. Und absurder Weise können wir eher glücklich sein, wenn wir weniger haben. Oder ein wenig leiden müssen. Wenn es uns zu gut geht, dann verschwinden die „shiny eyes“. In den teueren Lokalen, Bars und am Swimming Pool sieht man sie oft nur noch bei den Kindern.

So sind die glücklichen Augen in Mumbai häufiger zu sehen als auf den Straßen Münchens. Eigentlich unfassbar. Aber das Gefühl hatte ich ja schon vor gut zwei Monaten auf meiner Radtour durch den Westen Kubas.

RMD

P.S.
Den Begriff der „Shiny Eyes“ habe ich von Nadja gelernt. Nadja möchte mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass es bei uns wieder „More Shiny Eyes“ gibt. Wie ich finde ein wunderschönes Vorhaben.

Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2015

Die Frust-Splitter des Neuen Jahres

Jetzt sind wir im neuen Jahr. Ich bin frei und habe viele Pläne. Und freue mich. Nur Radio hören darf ich gar nicht mehr. Denn dann kommt der Frust. Hier ein paar emotionale Gedanken zu den Nachrichten von Silvester und dieser Tage. So vieles verstehe ich gar nicht mehr.

Die Silvester-Böllerei hat uns in Deutschland mindestens vier Menschenleben gekostet. Sie wurden Opfer der Pyrotechnik. Wie viel Menschenleben die Silvester-Völlerei gekostet hatten wissen wir nicht. Auch der Gesamtschaden der Silvester-Nacht muss dieses Jahr besonders hoch gewesen sein. Damit meine ich nicht die vielen Feuerwehrkörper, die sinnlos und mutwillig zerstört worden sind sondern die Folgeschäden.

Aber wir verschießen Raketen, machen Feuerwerk und haben Angst vor Terrorismus und einer „Ent-Europäisierung“. Und dem Islam. „Pegida“ spielt die zentrale Rolle in den Nachrichten. Bei unserer Kanzlerin wie auch bei den Arbeitgeberverbänden. Die wollen kein Pegida. Aber nur weil es schlecht für die Wirtschaft ist.

Ich mag auch kein Pegida. Aber vor allem, weil es einfach unmenschlich, dumm und fundamentalistisch ist.

Die Politiker sagen jedoch: Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Weil sie immer auf Stimmenjagd sind. Und Angst haben, dass ihre Mehrheiten immer zweifelhafter werden. Und dies zweifellos zu Recht.

Die Sorgen der vielen Menschen, die die Wachstumsideologie und den Widersinn unserer Wirtschaftssystem nicht begreifen wollen und können, nimmt „die Politik“ nicht ernst. Weil Wachstum alternativlos ist.

So wie auch die Sorgen der Menschen, die den totalen Lauschangriff auf uns durch inländische und ausländische Organisationen kritisieren. Und wehe, man macht sich Sorgen wegen TTIP oder wünscht sich eine neue Gesellschaftsordnung.

Solche Menschen muss man „nicht ernst nehmen“ sondern überzeugen! heute noch durch Reklame (genannt Aufklärung) der zuständigen Ministerien. Wie bin ich froh, dass wir noch keine staatliche Umerziehung haben.

Die Diskussion über den Mindestlohn und diesen an sich finde ich auch so bürokratischen Quatsch. Nicht weil ich dagegen wäre. Nein, ich bin absolut dafür, dass menschliche Arbeit fair bezahlt wird. Möglichst weltweit und auch bei uns. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur – der Mindestlohn wird uns das aber genau nicht bringen, sondern vor allem mehr Bürokratie, Verordnungen, Kontrollen, Bußgelder … Und noch mehr Ungerechtigkeit.

Zudem hat der Mindestlohn einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Wie bei vielen ähnlichen dieser Gesetze wurde einfach die Inflation vergessen. Und schon in wenigen Jahren werden wir über den Mindestlohn lachen, weil er so niedrig ist. Oder soll er ab jetzt jährlich und nach welchen Kriterien erhöht werden? Mir ist nichts bekannt.

Die Inflation findet statt, das merke ich laufend, ob beim Bäcker oder auf dem Markt beim Gemüse kaufen, im Schwimmbad, in der S-Bahn und Eisenbahn, in der Post beim Brief frankieren, in den Lokalen usw. Da hilft es auch nichts, wenn der Diesel wahrscheinlich eh nur vorübergehender Weise mal eine Zeitlang verblüffend billig erscheint. Und man das Geld in großen Mengen zum Niedrig-Zins bekommt.

Auch die Verrückten in Brüssel frustrieren mich: Eine Billion EURO (in Zahlen 1.000.000.000.000 €) wollen die jetzt für Wachstum und gegen die zu niedrige Inflation bereitstellen.

Von was soll ich noch schreiben?

Dass die Krankenkassen in 2015 ihre Rücklagen im Wettkampf um die Mitglieder verblasen und dann mit trickreichen Tarifkonstruktionen ab 2016 ihr Zusatzeinkommen generieren dürfen – und sollen? Und dann alles noch intransparenter und komplizierter werden wird? Mit noch mehr „Werbung für die Gesundheit“?

Vom nach weihnachtlichen Populismus der CSU? Oder der Hilflosigkeit des Papstes, der in seinem Managementsystem fünfzehn Krankheiten entdeckt hat, jedoch nicht weiß, wie er diese Krankheiten heilen soll? Oder von dem Wahnsinn in der Ukraine und mit der Nato? Über die Forderung nach verlängerter Datenspeicherung (wegen der Cyber-Kriminalität) der Bayerischen Staatsregierung (um die Aufklärungsquote zu erhöhen)?

Nööö, irgendwie macht sogar das Schimpfen keinen Spaß mehr!

RMD

P.S.
Habe gerade in den Nachrichten auch eine menschliche Nachricht gehört:
Der Uli (Hoeneß) ist ab heute Freigänger. Ich freue mich für ihn.

Roland Dürre
Samstag, der 18. Oktober 2014

Sommerzeit – eine Frage der Moral?

🙂 Wie in IF-Blog.de leicht zu sehen, beschäftige ich mich zurzeit gerne mit Moral.

Heute habe ich mir Gedanken über die Sommerzeit gemacht. Besser gesagt über den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit. Auch als „use case“ für mein Thema „Entscheiden unter Moral“.

Kommenden Sonntag ist es ja wieder soweit. Dann wird es wieder schlagartig früher hell und natürlich auch früher dunkel. Und wie zweimal in jedem Jahr fühle mich wieder ein paar Tage so ein klein wenig daneben (dizzy), weil ich ein Mini-Jetlag habe, blöderweise aber ohne Ortswechsel.

Und ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich so schwer tut, etwas für mich und viele andere offensichtlich Unsinniges abzuschaffen.

Zur Erinnerung:
Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. „Erneut“, weil die Sommerzeit ein Erbe aus Krieg- und Nachkriegszeiten ist und sowohl im 1. wie im 2. Weltkrieg eingesetzt wurde. Wie immer findet man gute Informationen zum Thema dazu in Wikipedia.

Ende der 70iger Jahre hatte wir eine „gefühlte Energiekrise“. Es gab eine allgemeine Annahme, dass der Zeitwechsel Energie sparen würde. Und weil „Energie sparen“ gut und so „moralisch richtig“ ist, hat man entschieden, die Sommerzeit einzuführen.

Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die Annahme „Sommerzeit spart Energie“ weder widerlegt noch bestätigt werden kann. Jetzt könnte „man“ sich entscheiden, die Sommerzeit wieder abzuschaffen.

Rational wäre die Sache eindeutig entscheidbar – denn die Umschaltung schafft Aufwand und verursacht Schaden. Zum Beispiel weil die Unfallhäufigkeit höher als im Durchschnitt sonst. Intuitiv (emotional) auch, denn wer mag schon wirklich den Stress mit der Zeitumstellung.

Jetzt haben wir aber noch die Moral, die ja nach meiner Annahme so oft die wesentliche Entscheidungsgrundlage ist. Und da sieht es schlecht aus für die Abschaffung des Zeitwechsels:

  • Man darf doch so etwas nicht alleine entscheiden“
    (wie der böse Putin, der ja die Sommerzeit abgeschafft hat)!
  • Wie sollen wir das denn den anderen in Europa erklären?
    (Dass wir diesen Blödsinn nicht mit machen.)
  • Vielleicht hat die Entscheidung ja auch Nachteile, an die wir nicht denken?
    (Am Schluss spart es doch Energie?)
  • Jetzt hatten wir doch so lange die Sommerzeit! Warum sollen wir es dann ändern?

Entscheidungsfeigheit, Zweifel und Angst haben mit Moral zu tun. Oft bremsen sie Entscheidungen und verhindern Reformen und Veränderung.

In der „Theorie der Entscheidungen“ heißt es, dass wenn zwei wesentliche Gründe für eine Entscheidung sprechen, es keinen großen Sinn mehr macht, die anderen eher nicht so relevanten Gründe noch groß abzuwägen. Das dürfte wohl auch für Kollektiv-Entscheidungen wie in diesem Fall gültig sein.

Ich würde übrigens die Sommerzeit lassen, weil sie einfach am besten zu dem Längengrad passt, auf dem wir leben. Und wenn die „alte“ Winterzeit käme, meinen Lebens-Rhythmus einfach eine Stunde vorverlegen.

RMD