Detlev Six
Samstag, der 9. Januar 2016

Regelschule für Flüchtlinge

Viele Flüchtlinge kommen aus antidemokratischen und kulturrassistischen Ländern. Sie treffen hier auf ihr Spiegelbild Pegida & Co, die freudig diese Gelegenheit begrüßen, den Kamm schwellen zu lassen. Dazu kommen Flüchtlinge, die keine ideologischen Vorbehalte gegen unsere Gesellschaft haben, denen es hauptsächlich ums Geld geht. Alle gemeinsam sind sie nicht, was Bill Clinton, als die Voraussetzung für das Funktionieren einer Gesellschaft erachtete: „Those who work hard and play by the rules“. Können sie auch nicht sein, also lass sie uns dazu machen.

Wir sollten nicht mehr über Menschenrechte, Menschenwürde, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz, Gleichheit, Gleichstellung, Pluralismus, Moral, Ethik oder noch schlimmer, in zorniger Würde, ganz allgemein über westliche Werte schwadronieren. Alles, was den Erfolg unserer Gesellschaft ausmacht ist ein Zusammenleben, in dem niemand jemand anders auf öffentlichen Plätzen ungebeten in den Schritt greift und in dem der wirtschaftliche Erfolg einem gemeinsamen Willen zum Fortschritt zu verdanken ist. Aus allen unseren herrlichen Werten lassen sich klare Regeln ableiten, für die kein Mensch 20 Semester Philosophie studiert haben muss. Fangen wir an:

1. Regel: Deutsch lernen.
2. Regel: Keiner Frau ungebeten in den Schritt greifen.
Und, und, und.

Die Regelschule ist Pflicht für alle Flüchtlinge, der Abschluss obligatorisch, die Note fließt mit deutlichem Gewicht in die Aufenthaltsbewilligung ein.

Ich kenne die Einwände: Gibt’s alles schon. Nur, wo überall verstreut? Ist irgendjemand für diese Schule verantwortlich? Ist genug Geld und Personal dafür da? Die CSU wehrt sich seit Jahren gegen ein Einwanderungsgesetz mit dem Argument, passende Gesetze gäbe es schon überall irgendwie  und irgendwo. Ja, himmihergottzakramentnoamoi, es ist doch ein himmelweiter Unterschied, ob ich einen Teller bunte Knete quer durch alle Institutionen habe, oder eine feste Einrichtung, wie ein Einwanderungsministerium mit einem maßgeschneiderten Gesetzespaket.

Der größte Mist jetzt ist doch das Versäumnis klarer, verantwortungsvoller Zuständigkeit. Sei es institutioneller oder personeller Art.

In die Regelschule würde ich übrigens auch die schicken, die sich jahrelang an den Regensburger Domspatzen vergangen haben (Schon bemerkt? In der Tagesschau wird zwischen der Köln-Berichterstattung und den Domspatzen-Meldungen immer ein anderer Nachrichtenblock geschaltet, damit es nicht so auffällt, dass auch im gesitteten Deutschland eine Menge Testosteron-Täter herumlaufen. Ich will an dieser Stelle gar nicht wissen, was heute immer noch in einigen Ehen an Ungewolltem vor sich geht).

Was die Regelschule für Flüchtlinge sofort lösen würde: Die Menschen haben eine Aufgabe, ein Ziel und können selbst ihre Perspektive verbessern. Und so banal es klingt: sie sind beschäftigt.

SIX

Roland Dürre
Dienstag, der 13. Oktober 2015

Weicht die Gesetzes- und Urteilsflut den Rechtsstaat auf?

Laufend rollen neue Gesetze auf uns zu. Von der EU, vom Bund, vom Land. Sie sind zur Flut geworden. Viele davon erscheinen unsinnig. Oft kann man nicht erkennen, was sie eigentlich bewirken sollen oder wieso man sie gemacht hat. Und auch nicht, warum man sie befolgen sollte.

Gleichzeitig fällen Gerichtshöfe Urteile. Wie vor einer Wocher zu safe harbor. Das tat zwar irgendwie gut, bringt aber nichts. Denn es ist einfach nicht praktikabel.

Und auch schon wieder fast vergessen, obwohl der große Sturm dazu eben gar nicht lang her ist. So bin ich sicher, dass schon bald kein Hahn mehr nach dem „Safe Harbor-Urteil“ krähen wird. Wozu auch? Wetten dass?

So könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Menschen hierzulande Gesetze immer weniger ernst nehmen werden und es so mit dem Rechtsstaat zu Ende gehen könnte. Und dass das eine große Gefahr für unsere Demokratie wäre.

Diese Sorge teile ich nicht. Meine Wahrnehmung ist schon, dass Recht und Gesetze nicht mehr so ernst genommen werden, wie früher. Aber ich habe den Eindruck, dass gilt nur für die von den vielen Administrationen geregelte.

Ich nenne das mal die „extrinsische Moral“, die von außen vorgegeben wird. Und die wird immer absurder, so dass man sie gar nicht mehr ernst nehmen kann.

Dafür scheint mir, dass sich eine Form von „intrinsische Moral“ entwickelt. Immer mehr entdecke ich einen mehrheitlichen Konsens, was man tut und was man nicht tut, der mir sympathisch ist.

Und die kommt aus den Menschen heraus, unabhängig von dem Unsinn, den die legislativen und judikativen Fließbänder der EU, ihrer Staaten und Länder über uns aus schütten.

Den warnenden Hinweis, dass der Rückzug von „extrinsischer Moral“ den Rechtsstaat aushöhlen könnte, teile ich nicht. Könnte doch die „intrinsische Moral“ fürs Überleben nützlicher sein als die „extrinsische“.

Denn wie oft sind Rechtsstaaten umgekippt und zu Unrechtsstaaten geworden, die aber sehr wohl auf „Recht“ aufgebaut waren. So wie auch das dritte Reich Gesetze erließ und Gerichte installierte, die diese brutal durchgesetzt haben. Und dieses unheilvolle System insofern eigentlich ja ein Rechtsstaat war, der freilich auf Prämissen aufgebaut war, die mich schauern lassen.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. Mai 2015

Die MonoRail von Mumbai.

11348857_10206989802848252_348583267_oIn der Straße vor der Anlage Dodha, dem Hochhaus, in dem ich zurzeit wohne, wird viel Beton für den Bau einer MonoRail-Trasse verbaut. Über der engen Straße zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Häusern windet sich ein zweifacher Betonstrang dahin, der der Einschienenbahn Mumbais den Weg über und durch die Stadt bereiten soll.

Wie sonst nur der „Fly over“, die wohl wichtigste Hochstraße von Mumbai, die dann zum Teil auch aufs Meer ausweicht und so die Stadtviertel und ihre Hochhäuser verbindet. Den Hochhäusern, die wie ich schon geschrieben habe man unter anderem in die drei Klassen „schon fertig“, „noch in Bau“, „nicht fertig und nicht mehr in Bau“ einteilen kann. Für die man aber auch spannende andere Kategorien erfinden könnte.

Irgendwo in Mumbai fährt die MonoRail schon, als Verbindung zu einer noch nicht fertigen Zukunftsstadt. Dort ist sie zum Touristenspaß geworden. Eine echte Attraktion wie die Magnetschienenbahn in Shanghai zum Flughafen ist sie aber nicht.

20150523_111953_resized_2Die MonoRail scheint mir als ein Prestige-Objekt von Mumbai. Verkehrsmäßig wird sie nicht viel bringen. Aber so eine MonoRail ist schon etwas außergewöhnliches und soll den Ruhm Mumbais als moderne Stadt mehren. Außerdem wird das Projekt bewirken, dass ein paar Reiche noch reicher werden. Ein paar – das heißt in Indien immer ein paar mehr. Und wenn so ein Großprojekt privaten Reichtum mehrt, dann ist das schon eine Rechtfertigung.

Vor kurzem kam eine neue Regierung an die Macht. Sie ist eher rechts-populistisch. Anstatt offensichtliche Probleme anzugehen, hat sie zuerst mal den Verzehr von Rindfleisch verboten und mit maximaler Bestrafung belegt. Und vor der Wahl versprochen, die vielen alten Metro-Züge mit den offenen Türen und Fenstern zu klimatisieren. Weil AC (air condition) immer gut ankommt. Ein wohl völlig aussichtsloses Vorhaben.

In einem anderen Bundesstaat soll eine Identitätskarte für jede Kuh eingeführt werden. Um für sie ein glückliches Leben sicher zu stellen. Obwohl Indien einer der größten wenn nicht gar der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt ist. Es scheint aber zu sein, dass solche Maßnahmen sich gegen die Moslems richten, die angeblich in der indischen Rindfleisch-Industrie das Sagen haben.

20150523_072952_resizedFrauen scheinen mir in Indien immer noch eigenartig behandelt zu werden. Nicht immer so ganz auf Augenhöhe, mit einem leichten Hintergrundtenor als Menschen zweiter Klasse. Sexualität wird aus dem öffentlichen Leben eher ausgeblendet, es scheint irgendwie eine sehr prüde Gesellschaft zu sein.

Und dies führt offensichtlich zu Spannungen zumindest bei dem männlichen Teil der Gesellschaft. Damit die nicht zu schlimm eskalieren, gibt es in der oft überfüllten Metro eigene Abteile, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind. So wie es Abteile gibt, die nur von „disabled persons“ und Krebskranken genutzt werden dürfen, gut zu erkennen am Symbol für „cancer“, einem großen Krebs und am Zeichen für Behinderte, wie wir es auch kennen.

20150523_072839_resizedWir allerdings als West-Menschen fahren meistens mit dem Auto (einem weißen Toyota mit sechs Sitzen) und verbringen so (zu-)viel Zeit auf den Straßen Mumbais. Geht irgendwie nicht anders. Die Fahrten dauern auch bei kurzen Strecken ganz schön lange, weil immer Stau ist. Die allgegenwärtige AC macht es erträglich.

Unser Fahrer fährt für eine Firma, die eine Teilfirma von einer Teilfirma einer ganz großen Firma ist. Die fahren auch für westliche Firmen. Früher hatten diese Unternehmen eigene Autos und angestellte Fahrer. Das war aber zu teuer – obwohl es objektiv spottbillig war. Und dann wurde halt gespart und „outgesourct.“.

Jetzt wird die Kombination Fahrer/Fahrzeug als Full-Service von riesigen Unternehmen mit vielen verschiedene Lieferanten geliefert. Die einen liefern die Autos, die anderen die Fahrer und wieder andere den Service. Die Fahrer bekommen so weniger Geld, die Kunden sind unzufriedener, aber die Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase. Wie überhaupt jeder Service, immer von riesigen Dienstleistungsunternehmen erbracht zu werden scheint.

20150523_072924_resizedDie ausländischen Unternehmen bauen in Indien vorzugsweise Produkte, die wahrscheinlich bald keiner mehr brauchen wird wie z.B. Turbinen für Dampfkraft. Die sind dann für Kohlekraftwerke bestimmt. Auch eher nicht die Highend-Produkte. Wer will schon z.B. eine Dampf-Turbine aus Indien für sein Atomkraftwerk haben?

Schon im Mai hat es hier über 40 Grad auch in den Bürogebäuden, wo die Ingenieure arbeiten und das Qualitäts-Management und ähnliches stattfindet. Dort gibt es Propeller an der Decke aber keine Klimaanlagen. Denn Strom ist teuer in Indien. Kein Wunder, dass die Auftraggeber nicht immer zufrieden sind, wie die Projekte abgewickelt werden.

Der Vertreter des Staates sind freundlich und hilfsbereit, wie die meisten Menschen, die ich getroffen habe. Die Korruption soll aber unglaubliche Ausmaße haben, ohne kleine oder größere Zuwendungen geht angeblich nichts.

Der Reichtum einzelner Familien ist unglaublich. Die richtig Reichen können sich alles leisten, die hohe Importsteuer auf Luxusartikel spielt überhaupt keine Rolle. Da steht dann in der Tiefgarage die Sammlung von neuesten Fahrzeugen uns gut bekannten Marken neben ein paar auch wie neu aussehender Oldtimern. Die Reichen wohnen in „fenced communities“. Dort in den Tiefgaragen sieht man ganze Trupps von Menschen, die ihre Nobelkarossen nach jeder Ausfahrt polieren. Ich habe selten so viel auf Hochglanz poliertes Autoblech und blitzendes Chrom gesehen wie in den paar Tagen in Indien.

Die Armen werden immer mehr. Sie leben auf Straßen, die in meiner Wahrnehmung noch schmutziger geworden sind. Dort hausen Menschen in kaum beschreibbaren Umständen. Wenn in zwei Wochen der Monsum kommt, wird ihr zu Hause immer wieder unter Wasser stehen.

In den in der Regel selbst verwalteten Slums lebt es sich deutlich besser. Aber es ist gar nicht so einfach, da Einlass zu bekommen. Besonders wenn man gar nichts hat.

An den Kreuzungen der lauten Straßen wird gebettelt. Frauen und Kinder sind dabei wie Alte und Krüppel. Manche Frauen tragen beim Betteln am Körper im Wickeltuch einen Säugling oder ein Kleinkind. Die dösen seltsamerweise immer vor sich hin. Ich habe so ein Kind nie schreien gehört oder weinen gesehen. Mir wurde berichtet, dass die Babies zum Betteln durch Medikamente ruhig gestellt werden.

Ganz Mumbai hat einen unangenehmen Geruch, man könnte sagen, es stinkt. Das merkt man nicht nur, wenn man den Flieger verlässt. Die Vermüllung und Verschmutzung scheint jedes Jahr zuzunehmen. Und es ist laut in Mumbai.

Der Geruch der Stadt bleibt im 29. Stockwerkes des Hochhauses ein wenig draußen, der hohe Geräuschpegel der Stadt trotz einer Art „Schallschutzfenster“ aber nicht. Auf den Autos steht die Aufforderung „Horn me“ – und so hört es sich an.

Aus dem allgemeinen Lärm am Tag wie in der Nacht stechen dann zwischen durch die schrillen Trompeten der Eisenbahnen und das laute Gebrumme von Hubschraubern heraus. Die fahren und fliegen am Tag wie in Nacht. Der Lärm der Züge kommt von unten, der der Hubschrauber von allen Seiten, wenn sie über die Hochhäuser oder zwischen durch fliegen. Und von oben kommt dann der Fluglärm dazu. Das alles reißt mich im heißen Mumbai immer wieder nachts aus dem Schlaf.

Manche Entwicklungen kommen mir von Zuhause bekannt vor. Nicht so krass wie hier. Aber da gibt es mittlerweile auch Ausschreibungen im öffentlichen Nahverkehr, die die Bereitstellung der Fahrzeuge und des Personals trennen. Gerade als Radler fällt einem auf, dass der Plastikmüll entlang unseren Straßen laufend mehr wird. So wie auch immer mehr sinnlose Prestigeprojekte erkenne und einen Hang zum Gigantismus unserer Administration. Sinnlose Gesetze und unfähige Politiker kenne ich von Deutschland auch. Und das Auseinanderdriften der Gesellschaft ist uns ja auch nicht unbekannt.

Wir scheinen von Indien zu „lernen“. Diese Art von mir nicht so gefälligen „Fortschritt“ und „Wachstum“ findet aber nach meinem Erleben überall auf der Welt statt, in Indien wie in Kuba, ich China wie in USA, in Italien wie in Portugal … Und eben auch in Deutschland.

Glücklicherweise ist bei uns noch nicht die Dimension erreicht worden, wie ich sie in Mumbai erlebe. Der Trend scheint aber ähnlich zu sein. Die Frage ist, schaffen wir bei uns den Turnaround? In Indien wüsste ich nicht mehr, wie das noch gehen sollte.

Bei meinem letzten Besuch vor einem Ende 2013 habe ich für einen EURO noch gut 80 Rupie bekommen. Aktuell sind es noch 70. Ich stelle mir die Frage, wie viel Rupie ich dann Ende 2016 für einen EURO bekommen werde? Vielleicht dann nur noch 60? Das Leben in Indien ist seit meinem letzten Besuch aber nicht billiger geworden.

Das macht mich nachdenklich. Vielleicht ist die indische Gesellschaft doch das Muster, dem die Zukunft – auch bei uns – gehört?

Und trotzdem!

Unsere Tage in Mumbai waren bisher sehr schön. Sicher hatten wir ein privilegiertes Leben. Über die beschriebenen Zustände habe ich mich geärgert. Weil Lärm, Gestank, im Stau im Auto sitzen und ähnliches sogar nicht die Welt ist, in der ich mich wohlfühle.

Es war aber eine gute Zeit mit sehr glücklichen Tagen. Es war schön gemeinsam mit Barbara, meinem Sohn und seiner Familie soviel teilen und erleben zu dürfen. Und ich durfte bei vielen einfachen und sicher armen Menschen auf den Straßen viele „Shiny Eyes“ sehen.  Auch das macht mich glücklich.

Wahrscheinlich ist es das Schlimme wie das Schöne am Mensch-Sein, dass wir so viel aushalten und ertragen können. Und absurder Weise können wir eher glücklich sein, wenn wir weniger haben. Oder ein wenig leiden müssen. Wenn es uns zu gut geht, dann verschwinden die „shiny eyes“. In den teueren Lokalen, Bars und am Swimming Pool sieht man sie oft nur noch bei den Kindern.

So sind die glücklichen Augen in Mumbai häufiger zu sehen als auf den Straßen Münchens. Eigentlich unfassbar. Aber das Gefühl hatte ich ja schon vor gut zwei Monaten auf meiner Radtour durch den Westen Kubas.

RMD

P.S.
Den Begriff der „Shiny Eyes“ habe ich von Nadja gelernt. Nadja möchte mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass es bei uns wieder „More Shiny Eyes“ gibt. Wie ich finde ein wunderschönes Vorhaben.

Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2015

Die Frust-Splitter des Neuen Jahres

Jetzt sind wir im neuen Jahr. Ich bin frei und habe viele Pläne. Und freue mich. Nur Radio hören darf ich gar nicht mehr. Denn dann kommt der Frust. Hier ein paar emotionale Gedanken zu den Nachrichten von Silvester und dieser Tage. So vieles verstehe ich gar nicht mehr.

Die Silvester-Böllerei hat uns in Deutschland mindestens vier Menschenleben gekostet. Sie wurden Opfer der Pyrotechnik. Wie viel Menschenleben die Silvester-Völlerei gekostet hatten wissen wir nicht. Auch der Gesamtschaden der Silvester-Nacht muss dieses Jahr besonders hoch gewesen sein. Damit meine ich nicht die vielen Feuerwehrkörper, die sinnlos und mutwillig zerstört worden sind sondern die Folgeschäden.

Aber wir verschießen Raketen, machen Feuerwerk und haben Angst vor Terrorismus und einer „Ent-Europäisierung“. Und dem Islam. „Pegida“ spielt die zentrale Rolle in den Nachrichten. Bei unserer Kanzlerin wie auch bei den Arbeitgeberverbänden. Die wollen kein Pegida. Aber nur weil es schlecht für die Wirtschaft ist.

Ich mag auch kein Pegida. Aber vor allem, weil es einfach unmenschlich, dumm und fundamentalistisch ist.

Die Politiker sagen jedoch: Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Weil sie immer auf Stimmenjagd sind. Und Angst haben, dass ihre Mehrheiten immer zweifelhafter werden. Und dies zweifellos zu Recht.

Die Sorgen der vielen Menschen, die die Wachstumsideologie und den Widersinn unserer Wirtschaftssystem nicht begreifen wollen und können, nimmt „die Politik“ nicht ernst. Weil Wachstum alternativlos ist.

So wie auch die Sorgen der Menschen, die den totalen Lauschangriff auf uns durch inländische und ausländische Organisationen kritisieren. Und wehe, man macht sich Sorgen wegen TTIP oder wünscht sich eine neue Gesellschaftsordnung.

Solche Menschen muss man „nicht ernst nehmen“ sondern überzeugen! heute noch durch Reklame (genannt Aufklärung) der zuständigen Ministerien. Wie bin ich froh, dass wir noch keine staatliche Umerziehung haben.

Die Diskussion über den Mindestlohn und diesen an sich finde ich auch so bürokratischen Quatsch. Nicht weil ich dagegen wäre. Nein, ich bin absolut dafür, dass menschliche Arbeit fair bezahlt wird. Möglichst weltweit und auch bei uns. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur – der Mindestlohn wird uns das aber genau nicht bringen, sondern vor allem mehr Bürokratie, Verordnungen, Kontrollen, Bußgelder … Und noch mehr Ungerechtigkeit.

Zudem hat der Mindestlohn einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Wie bei vielen ähnlichen dieser Gesetze wurde einfach die Inflation vergessen. Und schon in wenigen Jahren werden wir über den Mindestlohn lachen, weil er so niedrig ist. Oder soll er ab jetzt jährlich und nach welchen Kriterien erhöht werden? Mir ist nichts bekannt.

Die Inflation findet statt, das merke ich laufend, ob beim Bäcker oder auf dem Markt beim Gemüse kaufen, im Schwimmbad, in der S-Bahn und Eisenbahn, in der Post beim Brief frankieren, in den Lokalen usw. Da hilft es auch nichts, wenn der Diesel wahrscheinlich eh nur vorübergehender Weise mal eine Zeitlang verblüffend billig erscheint. Und man das Geld in großen Mengen zum Niedrig-Zins bekommt.

Auch die Verrückten in Brüssel frustrieren mich: Eine Billion EURO (in Zahlen 1.000.000.000.000 €) wollen die jetzt für Wachstum und gegen die zu niedrige Inflation bereitstellen.

Von was soll ich noch schreiben?

Dass die Krankenkassen in 2015 ihre Rücklagen im Wettkampf um die Mitglieder verblasen und dann mit trickreichen Tarifkonstruktionen ab 2016 ihr Zusatzeinkommen generieren dürfen – und sollen? Und dann alles noch intransparenter und komplizierter werden wird? Mit noch mehr „Werbung für die Gesundheit“?

Vom nach weihnachtlichen Populismus der CSU? Oder der Hilflosigkeit des Papstes, der in seinem Managementsystem fünfzehn Krankheiten entdeckt hat, jedoch nicht weiß, wie er diese Krankheiten heilen soll? Oder von dem Wahnsinn in der Ukraine und mit der Nato? Über die Forderung nach verlängerter Datenspeicherung (wegen der Cyber-Kriminalität) der Bayerischen Staatsregierung (um die Aufklärungsquote zu erhöhen)?

Nööö, irgendwie macht sogar das Schimpfen keinen Spaß mehr!

RMD

P.S.
Habe gerade in den Nachrichten auch eine menschliche Nachricht gehört:
Der Uli (Hoeneß) ist ab heute Freigänger. Ich freue mich für ihn.

Roland Dürre
Samstag, der 18. Oktober 2014

Sommerzeit – eine Frage der Moral?

🙂 Wie in IF-Blog.de leicht zu sehen, beschäftige ich mich zurzeit gerne mit Moral.

Heute habe ich mir Gedanken über die Sommerzeit gemacht. Besser gesagt über den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit. Auch als „use case“ für mein Thema „Entscheiden unter Moral“.

Kommenden Sonntag ist es ja wieder soweit. Dann wird es wieder schlagartig früher hell und natürlich auch früher dunkel. Und wie zweimal in jedem Jahr fühle mich wieder ein paar Tage so ein klein wenig daneben (dizzy), weil ich ein Mini-Jetlag habe, blöderweise aber ohne Ortswechsel.

Und ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich so schwer tut, etwas für mich und viele andere offensichtlich Unsinniges abzuschaffen.

Zur Erinnerung:
Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. „Erneut“, weil die Sommerzeit ein Erbe aus Krieg- und Nachkriegszeiten ist und sowohl im 1. wie im 2. Weltkrieg eingesetzt wurde. Wie immer findet man gute Informationen zum Thema dazu in Wikipedia.

Ende der 70iger Jahre hatte wir eine „gefühlte Energiekrise“. Es gab eine allgemeine Annahme, dass der Zeitwechsel Energie sparen würde. Und weil „Energie sparen“ gut und so „moralisch richtig“ ist, hat man entschieden, die Sommerzeit einzuführen.

Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die Annahme „Sommerzeit spart Energie“ weder widerlegt noch bestätigt werden kann. Jetzt könnte „man“ sich entscheiden, die Sommerzeit wieder abzuschaffen.

Rational wäre die Sache eindeutig entscheidbar – denn die Umschaltung schafft Aufwand und verursacht Schaden. Zum Beispiel weil die Unfallhäufigkeit höher als im Durchschnitt sonst. Intuitiv (emotional) auch, denn wer mag schon wirklich den Stress mit der Zeitumstellung.

Jetzt haben wir aber noch die Moral, die ja nach meiner Annahme so oft die wesentliche Entscheidungsgrundlage ist. Und da sieht es schlecht aus für die Abschaffung des Zeitwechsels:

  • Man darf doch so etwas nicht alleine entscheiden“
    (wie der böse Putin, der ja die Sommerzeit abgeschafft hat)!
  • Wie sollen wir das denn den anderen in Europa erklären?
    (Dass wir diesen Blödsinn nicht mit machen.)
  • Vielleicht hat die Entscheidung ja auch Nachteile, an die wir nicht denken?
    (Am Schluss spart es doch Energie?)
  • Jetzt hatten wir doch so lange die Sommerzeit! Warum sollen wir es dann ändern?

Entscheidungsfeigheit, Zweifel und Angst haben mit Moral zu tun. Oft bremsen sie Entscheidungen und verhindern Reformen und Veränderung.

In der „Theorie der Entscheidungen“ heißt es, dass wenn zwei wesentliche Gründe für eine Entscheidung sprechen, es keinen großen Sinn mehr macht, die anderen eher nicht so relevanten Gründe noch groß abzuwägen. Das dürfte wohl auch für Kollektiv-Entscheidungen wie in diesem Fall gültig sein.

Ich würde übrigens die Sommerzeit lassen, weil sie einfach am besten zu dem Längengrad passt, auf dem wir leben. Und wenn die „alte“ Winterzeit käme, meinen Lebens-Rhythmus einfach eine Stunde vorverlegen.

RMD

Werner Lorbeer
Mittwoch, der 28. Mai 2014

Vom Bock zum Gärtner der den Bock erklärt …

Aus der Telekom-Werbeseite

Aus der Telekom-Werbeseite

Die EZB warnt vor DAX 10.000 … und ist durch zinsfreies Geld die Ursache ihrer Warnung.

Das ist was für Gutjahr und Rangi Yogeschwar für die korrekte journalistische Darstellung. Es ist höchste die Zeit für eine Ideologie-Kritik an der Geldpolitik der EZB (und das ist keine „Kapitalismuskritik“ im Stil des 19. Jahrhunderts).

Wenn im €-Währungsbereich zu wenig investiert wird, dann ist die Ursache nicht das teure Geld, es ist jetzt schon so billig. Schon Karl Schiller wusste ohne Simulationsrechnung: „Man kann die Pferde zur Tränke führen, aber saufen müssen sie schon selber“.

Ein wirklicher EU-Bankenskandal ist, dass nach wie vor Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Ein weiterer Skandal ist natürlich, dass Schattenbanken überhaupt nicht durch Eigenkapitalhinterlegungen reglementiert werden. Und dass durch Derivate Schuldscheinmengen produziert werden, die jederzeit bei Handelsunterbrechungen vom Spieltisch auf den Tisch der Volkswirtschaft der Güter hereinbrechen können.

Meine Forderung ist: „Gebt den Spielern Chips = Kräftige Regulierung des Derivatemarkts“. Sie müssen sich dann zur Auszahlung an der Casino Kasse drängeln und dann verdient wenigstens die staatlich regulierte Spielbank und wir können die Tische jederzeit schließen. Ackermann (Deutsche Bank) irrte fundamental als er äußerte, dass substanzlose Kapitalströme Vermögen schaffen.

Der völkerrechtswidrige Bruch der Lissabon-Verträge „no bail out“, muss repariert werden. Das mindeste wäre eine Austrittsklausel im Vertrag aus dem €. Der Austritt kann freiwillig oder durch Vertragsbruch erzwungen indiziert werden. So wie es jetzt ist, dass durch Niedrigzins Renten, Lebensversicherer, Sparbücher rasiert werden, kann es nicht weiter gehen.

Oder man stellt sich der Verantwortung: „Scheitert der € dann scheitert Europa“ jedenfalls ist so genial formuliert, dass die meisten Journalisten die Formel heute noch herbeten, obwohl der Propagandaspruch keine 2 Minuten der Analyse stand hält.

Aber so ist sie halt die modische Medien-Ideologie (Die jüngste Fehlleistung der Redaktionen: „EU-Kritisch == europafeindlich“). Die Rückkopplungsmechanismen sind schwierig zu erklären und wenn man die selbst gesetzte Rückkopplung beklagt, wie heute die EZB, dann muss man als Bock als Gärtner maskiert gehen. Anonymus lässt grüßen.

wl

Roland Dürre
Sonntag, der 9. März 2014

Krim, Krise, krass.

Wenn mich noch vor kurzem einer gefragt hätte, zu welchem Land die Krim gehört, hätte ich gesagt „zu Russland“. Jetzt haben wir eine „KRIM-KRISE“ und ich habe gelernt, dass die Krim der Ukraine „gehört“. Und jeden Tag ist die Krim-Krise in den Nachrichten, so auch bei Spiegel-Online: Szenarien für die Krim: Sanktionen, Chaos, Krieg.

Die ganze Situation empfinde ich als abstrus. Da ist die Ukraine total pleite. Wie übrigens viele andere Staaten auch. Regiert wird sie von Banditen, die diesen Staat dann auch noch ein wenig ausgeplündert haben. Auch das kennt man von anderen Staaten. Dann wird dieser Staat auch noch vom reichen Nachbar und ehemaligen Verbündeten alimentiert. Wie andere auch. Und erliegt in seiner Armut natürlich auch den Versuchungen des reichen Westens.

Die Menschen sind verarmt und haben die Nase voll. Wie viele andere Menschen in anderen Staaten. Es kommt zu Aufständen und weiteren eigenartigen Ereignissen. Unter anderem mischt sich ein „deutscher Boxweltmeister“ ein. Alte BanditInnen melden sich zu Wort. Und natürlich hat die Ukraine – wie viele anderen Staaten auch – auch noch das Problem eines Vielvölkerstaats mit unterschiedlichen Mehrheiten in  verschiedenen Regionen wie auch noch ein paar Minderheiten dazu.

Es passiert, was halt dann so passiert: der alte, zwar gewählte aber vielleicht nicht so ganz legitime Boss wird abgesetzt. Es gibt einen neuen (nicht direkt gewählten) Chef. Und der betont in seiner ersten Rede die „Unverletzlichkeit der territorialen Integrität“. Und hat auch ziemlich fragwürdige Unterstützer.

Und dann gibt es Sanktionen und große Krisenhektik. Einen Aufruhr in der ganzen Welt. Politiker manteln sich auf und sprechen von Sanktionen. Und am Ende wird doch – so oder so – eine neue Ordnung auch in dieser Region stehen.

Parallel feiert man die „Olympischen Spiele der Behinderten“ als Nachgeburt einer eh sinnlosen Olympiade, die nur dem Diktator und den westlichen Unterhaltungskonzernen dient.

Ist das nicht alles Blödsinn?

Ist nicht auch Jugoslawien zerfallen? Die Tschechoslowakei hat sich in zwei Staaten aufgelöst. Vor kurzem haben „Die deutschen Unternehmer in Katalonien vor den verheerenden Folgen einer Unabhängigkeit der spanischen Region gewarnt“? Und in Italien gibt es auch eine „Liga Nord“! Spielt es wirklich in der Welt so eine Rolle, ob die Krim russisch oder ukrainisch ist? Werden in der nächsten Zeit nicht in vielen Erdteilen Neu-Ordnungen von Staaten und territorialen Grenzen folgen. Zwangsläufig, weil die alten Mäntel nicht mehr passen?

Dass Afrika brennt, interessiert doch auch niemanden. Dafür schützt die EU ihre Grenzen gegen die bösen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika durch die “Grenzschutzagentur” Frontex (siehe dazu auch meinen Artikel vom 2 4. Januar 2010). Das mit einer Armee, die demnächst kräftig aufgerüstet wird – und das alles ohne parlamentarische Kontrolle.

Aber witzigerweise will die EU der Ukraine jetzt mit 11 Milliarden helfen. Damit sie ihre viel höheren Schulden an die Russen besser zahlen kann? Und dann wahrscheinlich neue Schulden an die EU hat.

Das mit dem „Schulden bezahlen“ wird aber nicht gehen. Weil die Ukraine im Gegensatz zu uns das Gas mit 30 % Freundschafts-Rabatt bekam. Die Russen haben mit dieser Subvention jetzt aber Schluss gemacht. Und die Ukraine braucht viel Gas …

Wie übrigens auch die BRD.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 18. August 2013

Gedanken im Paradies ?

DIGITAL CAMERAIch lebe zurzeit im Paradies. Schon ist das Zelt direkt am Meer zur vertrauten Heimat geworden. Alles passt und tut gut.

Die Anreise war angenehm, die Krti 2 hatte nur 30 Minuten Verspätung (das ist fast Rekord verdächtig wenig). Den Halt in Korfu gibt es nicht mehr – und auch das Ausschiffen in Patras ging sehr zügig – wohl weil das Schiff schon ziemlich leer war. Denn beim Zwischenstop in Igoumenitsa haben die meisten Fahrzeuge das Schiff verlassen, denn dort beginnt die Autobahn nach Istambul – und dorthin rollt der Verkehr.

Beim Einlaufen in den Hafen von Patras hat uns schon der erste Waldbrand auf zwei Gipfeln über der Stadt wie zur Begrüßung empfangen. Und bei der Weiterfahrt noch im Dunklen in Richtung Korinth haben uns dann regelmäßig die uns auch gut vertrauten Löschflugzeuge überflogen. Bis dann im Osten die Sonne aufging.

DIGITAL CAMERAJetzt haben wir uns eingenistet. Und fühlen uns wieder wie zu Hause. Die Gedanken schweifen und die Gespräche kreisen um Dinge, die uns bewegen. In zwei Wochen geht es wieder nach Hause. Dann sind Wahlen in Deutschland. Wen sollen wir wählen? Und sollen wir wählen überhaupt wählen gehen?

In der Politik und bei allen Parteien vermisse den Diskurs zu den relevanten Problemen unserer Gesellschaft. Es gibt keinen Versuch, einen sozialen Konsens in unserer politischen Welt zu finden. Die Parteiprogramme sind voller Worthülsen, eine Besinnung auf gemeinsame Werte findet nicht statt. Unsere Probleme stammen aus dem 21. Jahrhundert, die Parteien aber wollen sie mit Lösungen je nach Farbe aus dem 18., 19. oder 2o. Jahrhundert bekämpfen. Das kann nicht funktionieren. So steigt der Verdruss der Menschen, die sehr wohl Lippenbekenntnisse hören, aber dann immer wieder das Gegenteil erleben und erfahren.

Mir sind die Menschen am wichtigsten. Und da finde ich, dass wir eine unsolidarische Gesellschaft geworden sind. Wir lassen es zu, dass viel zu viele Menschen keine soziale Heimat mehr finden. Dass sie von Bildung ausgeschlossen werden. Und dass sogar die Kinder der privilegierten Schichten leider nicht die wichtigen Dinge lernen, sondern einer Wissens-Bulimie zum Opfer fallen. Werte, der Spagat zwischen Individuellem und kollektivem Leben und wirkliches Lebenswissen werden in der täglichen schulischen Arbeit an den Rand gedrängt. Die Grundlagen von Demokratie und Rechtsstaat werden nicht mehr vermittelt.

Die Lehrer, die ich kenne, berichten mir immer wieder Vernichtendes aus ihrem Alltag. Denn die Bildung ist wie die Arbeit, die Gesundheit und die meisten anderen Bereiche unseres Lebens „ökonomisiert“ worden. Das tut weh. Wenn unser ganzes Handeln nur noch dem Diktat von Ökonomen unterworfen ist, schmerzt das besonders in allen Feldern, in denen Menschen die betroffenen sind.

Das gilt auch für die Betreuung zum Beispiel der Kinder in Pflegeheimen. Kinder, die vielleicht sogar noch Eltern haben, die aber nicht in der Lage sind, ihre Kinder emotional und materiell ausreichend zu versorgen. Denen deswegen z.B. das Sorgerecht entzogen wurde. Hier spielen sich so viele schlimme menschliche Dramen ab. Das ist an sich schlimm genug. Noch schlimmer ist aber, dass hier  die Saat für noch mehr Leid geschaffen wird.

Unsere Gesellschaft produziert immer mehr Verlierer und Opfer. Wir ignorieren das und versuchen, mit sozialen Reparatur-Betrieben das Schlimmste zu vermeiden. An Vorsorge durch wahrhafte Bildung und emotionale und empathische Zuwendung denken wir nicht. Man studiere doch nur, wie Medizin und Krankenhäuser zu mechanischen und ökonomisierten Reparaturbetrieben verkommen sind.

Dieses  Ökonomisieren mittlerweile aller unserer Strukturen und Lebensverhältnisse betrübt mich. Wenn ich eine Partei wählen würde, dann nur eine, die dies erkennt und ernsthaft dagegen etwas tun will. Und dies mit oberster Priorität.

Nur geben wir das Geld für ganz andere Dinge aus. Und das meiste erscheint mir als Unsinn. Ich bin mal durch Berlin geradelt. Vorbei am neuen Gebäude des Bundesnachrichtendienstes. Das größte Regierungsgebäude, dass es jemals in Deutschland gab. Eigentlich ein gigantisches Mahnmal, dass es genauso eben nicht geht! Monströs wie manch andere Behörde, die sich in der „neuen“ Bundeshauptstadt und ehemaligen Hauptstadt des Deutschen Reiches präsentiert.

Und dass, wo wir doch eigentlich auf diese nationale Zwischenschicht verzichten könnten. Ein Land Bayern in einem freien und vereinten Europa der Regionen würde mir völlig genügen. Aber ein Muster-Deutschland der heutigen Prägung, dass sich als Vorbild für Europa selbst empfiehlt, brauche ich nicht.

Und in ein paar Wochen soll ich wählen. Obwohl die Sache schon entschieden ist. Bestenfalls bekommen wir eine Patt-Situation – die dann sich schnell durch eine große Koalition auflösen würde.

Dann denke ich mir, dass ich doch lieber nicht wählen gehe und dafür meinen politische Aktivität auf  Artikel wie diesen beschränke. Und in meinen zwar immer völlig unpolitischen Vorträgen noch mehr mich auf die Werte einer freien und aufgeklärten demokratischen Gesellschaft konzentriere.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 13. Juli 2013

brand eins im Juli

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Wenn ich die täglichen Schlagzeilen in den Zeitungen und Magazinen so überfliege, bekomme ich gelegentlich das unerfreuliche Gefühl, dass meine ganze Wühlerei ziemlich sinnlos ist.

Beim brand eins ist das anders  – auch diesmal. Also gleich vorweg – das Juli-Heft ist wieder herausragend innovativ und motivierend. Im Heft geht es um Zukunft und die macht dort so richtig Mut! Mit dem Titel „Ich riskier’s!„. Der Schwerpunkt ist dann schlicht „Fortschritt wagen“.

Dann schaue ich aufs heutige Datum und denke mir, dass ich ein „armer Kater“ bin. Da liegt das brand eins schon gut zwei Wochen zum Lesen bei mir. An zwei Menschen habe ich es auch schon verschenkt. Und doch habe ich keine Zeit gefunden, um meinen „brand eins – Artikel“ zu schreiben. Da muss doch auch mal bei mir etwas Innovatives passieren! Denn die Zeit ist mein wertvollstes Gut. Und das ist zurzeit sehr knapp. Also gleich rein ins Heft und ein paar kommentierte Hinweise.

Schon auf Seite 31 finde ich den ersten Knaller. Nach einer Studie vom BDI und der Deutschen Telekom Stiftung ist die Schweiz mit Abstand das innovativste Land dieser Welt! Das glaube ich gerne, habe ich doch bei den schönen Unternehmer-Workshops bei RISE (HSG) in Basel, Zürich und St. Gallen ganz viele tolle Schweizer Unternehmen und Unternehmer kennen gelernt. Innovativ und modern in einem Sinne, der mir sehr viel Respekt abgewonnen hat.

„Selbstorganisation und Selbstbestimmung in Organisationen und Unternehmen“ hat schon Hans Ulrich, der Begründer des St. Gallener Management Modells, in den 80iger Jahren als wichtige Forderung für einen Wandel im Management gefordert. Und genau diese Fähigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für Innovationsfähigkeit. Und ich frage mich: Liegt das auch an der Schweizer Basis-Demokratie? Die könnte zumindest ein vernünftiger Versuch sein, auch die Menschen einer Nation sich selbst organisieren und über ihr Schicksal bestimmen zu lassen? So gesehen könnte Basisdemokratie der Katalysator für die Innovation auch einer Nation sein!

Zumindest bei mir ist die Schweiz als Land der Unternehmer sehr positiv besetzt. Von nichts kommt nichts, sagt der Volksmund. Auch gute Hochschulen habe ich in der Schweiz erlebt. So haben mich die HSG (Hochschule St. Gallen) und die ETH in Zürich sehr beeindruckt. Ich ziehe meinen Hut vor der dort vorhandenen Dynamik! Und ich denk mir mal, dass die Qualität der Unis und Hochschulen eines Landes durchaus in Korrelation zum Erfolg dieses Landes stehen.

Bei einer Festveranstaltung der TU München mit einem Gast der ETH hat der Präsident der TUM, Herr Dr. Herrmann, berichtet, dass bei der ETH die pro Kopf-Aufwendungen pro Student ein mehrfaches höher sind als an der TUM. Meine mich zu erinnern, dass es ein Faktor im zweistelligen Bereich mit einer 1 vorne dran war. Eine gute Bildung und damit auch gute Hochschulen sind natürlich von elementarer Bedeutung für gelingenden Fortschritt. Aber auch an den Unis gilt halt „ohne Moos nichts los“.

Ich finde es auch gut, dass die ETH den Mut hatte, eine Technische Hochschule zu bleiben und ihr „H“ im Namen zu behalten. 1969 habe ich an der THM (Technische Hochschule München) mein Studium der Mathematik und Informatik aufgenommen. Kurz später hat sich diese dann in Technische Universität umbenannt. Ich fände es besser, wenn das „H“ für „Hochschule“ erhalten geblieben wäre. Außen scheinbar „Hui“ bedeutet noch lange nicht innen „Hui“, sondern in unserer Zeit immer öfters „Pfui“.

Die TUM schätze ich wert, weil sie für deutsche Verhältnisse ganz ordentliche Informatiker ausbildet. Sie gibt sich auch ein schickes Außenbild. Ob sie aber wirklich eine innerlich innovative Hochschule ist? Man könnte da ein paar Fragen stellen, erscheinen mir doch deutsche Universitäten ziemlich bürokratisch und überadministriert. So dass den meisten Professoren am Ende des Tages zu wenig Zeit für Forschung, Lehre und den Menschen bleibt.

Aber so ist das halt in unserem Deutschland, in dem das Internet von höchster Stelle als Neuland bezeichnet wird. Die Hochschulen werden verschult, die akademische Freiheit eingeengt und dann wundert man sich, wenn die kleine Schweiz uns sogar bei der Innovation überholt. Der Welt (und uns) wird aber erzählt wird, dass wir eine Insel der Seligen in einem Europa der Elendigen wären! Also doch „Außen Hui, innen Pfui?“.

Umso besser, dass es brand eins gibt. So habe noch viel mehr Positives im brand eins des Juli gefunden. Nur noch ein Beispiel: Mich hat sehr gefreut, dass ich meinen Freund Günther Bonin auf Seite 56 entdeckt habe, sogar mit Bild. Da wird berichtet, wie er und seine Freunde die Meere unseres Planeten vom Plastikmüll befreien wollen (1earth1ocean). Dass so etwas im brand eins steht, finde ich großartig.

Vielen Dank – Frau Fischer!

RMD

P.S.
Habe von mir als armen Kater geschrieben. Das erinnert mich an eine Twitterfreundschaft mit jemanden, der sich in Twitter @ArmerKater genannt hat. Ich habe ihn später auf PM-Camps im realen Leben getroffen und wir sind auch dort Freunde geworden.

Er nannte sich @ArmerKater, weil er in seinem Leben als angestellter Projekt Manager doch des öfteren recht verzweifelt war.

😉 Jetzt ist er Unternehmer geworden und kein armer Kater mehr und twittert unter einem neuen Namen. Das wäre eine Geschichte für das brand eins des Juni gewesen. Da gab’s der Titel „Montags könnt‘ ich kotzen“ …

Roland Dürre
Samstag, der 17. November 2012

Rückblick – Wilfried Bommert im IF-Forum

Am letzten Dienstag war Wilfried Bommert vom WDR bei uns in Unterhaching zu Gast. Wildfried Bommert ist ein namhafter Experte für „Welternährung“. Zu diesem Thema hat er auch einige Bücher veröffentlicht. Zurzeit gründet er mit Partnern das „Institut für Welternährung“ in Berlin.

Der letzte Vortrag unserer Reihe „Nach(haltig) überleben“ im IF-Forum des Jahres 2012 war wieder ein weiterer Höhepunkt. Herr Bommert hat seinen Vortrag bewusst sehr kurz und bündig gehalten. Das haben wir so geplant, denn wir wollten ja quasi als zusätzlichen Wert des Tages ein attraktives Video für Youtube produzieren.

Das dürfte uns gelungen sein. Jeder Satz von Herrn Bommert hat gesessen. Verbindlich, ohne unnötige Emotionalität und fragwürdige Wertung, hat er ganz sachlich Fakten berichtet und einfache, sehr nachvollziehbare Schlüsse gezogen.

So hatten wir im Anschluss an den Vortrag eine lange Diskussion. Sehr konstruktiv und leidenschaftlich. Und waren uns einig: Die Botschaften des Herrn Bommert sind wichtig. Er hat ganz schlicht und sachlich demonstriert, an welch dünnem Faden die Ernährung der Welt hängt. Und wie leicht das kippen kann und wohl auch wird.

Herr Bommert hat uns aber auch Wege aufgezeigt, wie man die Dinge ändern kann. Und dass man sich durchaus für die Zeit nach dem Kollabieren unserer dummen und langfristig schädlichen Art von Wirtschaft vorbereiten kann. So kam es trotz vieler sehr nachdenklich machender Fakten und Bewertungen zu einem schönen und optimistischen Abschluss.

Bei Wienern und Leberkäs (natürlich vom Metzger Schlammerl aus Ottobrunn) wurde so noch kräftig in vielen kleinen Runden weiter diskutiert. Und spätestens beim Glühwein mit köstlichen Lebkuchen – auch aus der Region vom Bäcker Götz in Taufkirchen – war die Stimmung getragen vom Mut zum Aufbruch und die Freude über den lehrreichen und nahrhaften Abend bei allen groß.

Ich freue mich schon auf das Video vom Vortrag, das Friedrich Lehn aufgenommen hat. Sobald es fertiggestellt ist, werden wir es auf unsern diversen Kanälen in Youtube zum Anschauen bereit stellen.

RMD

Hier noch ein paar Bilder als Erinnerung und zum Appetit machen aufs Video.

Wilfried Bommert im Gespräch mit Familie Gerlach. Thomas Gerlach ist Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk und hat den Kontakt zu Herrn Bommert hergestellt.

Die Hinführung zum Vortrag, gleich geht es los …

Alle Photos sind wie so oft von unserem Rolo Zollner.