Roland DürreMontag, der 23. August 2010
“Meine Generation” oder “UPZZDA und Rondismus” ♫
Auf solche Gedanken komme ich im Urlaub, wenn ich so ein wenig über mein Leben reflektiere:
Ich bin 1950 geboren. Wir waren eine Generation im Aufbruch. Den Ballast der Nachkriegszeit wollten wir abschütteln. Aber jeden Tag ging es uns materiell immer besser.
Wir waren Idealisten und liebten Utopien. Manche Werte und Meinungen unserer Eltern konnten wir nicht verstehen. So zogen wir uns in verqualmte Kaffees und Kneipen zurück. Bei Rotwein und Bier diskutierten wir über Gott und die Welt, gerne auch mal im Kreis herum. Rothändle und Gauloises waren Ehrensache, Sartre und Camus unsere Lieblingsautoren. Für Barock und Romantik und die Kulturen der Vergangenheit hatten wir wenig bis nichts über.
Von den etablierten Parteien hatten wir schon damals die Nase voll. Und Karl Jaspars, der Anfang der sechziger über die Oligarchie der Parteien als Gefahr für die Demokratie schrieb, sprach uns aus dem Herzen.
Die Sinnlosigkeit des Krieges – nicht nur in Vietnam – war uns ein Gräuel. Der Overkill der Langstreckenraketen mit ihren Atombomben das größtmögliche Maximum an Absurdität. Wir waren Pazifisten. Zwangsdienst und sinnlose Zwänge waren uns zuwider und zur Bundeswehr wollten wir auf keinen Fall.
Roland DürreMittwoch, der 11. August 2010
Nürburgring
Mein Nachbar wollte das abgebildete Buch auf den Sperrmüll geben. Bei uns in Riemerling gibt es das noch: alle acht Wochen ist “Sperrmüll”. Dann werden in vielen Haushalten die Speicher entrümpelt und viele schöne liegen Dinge liegen herrenlos auf der Straße. Mehrere Kleinlaster mit östlichen Nummerschildern kreisen dann durchs schöne Riemerling und laden kräftig auf.
Das Buch war mir zu Schade für den Sperrmüll, so habe ich meinen Nachbarn gefragt ob ich es mir nehmen dürfe und er hat es mir geschenkt.
Zur Abwechslung liest sich so etwas auch mal ganz gut. Und viele historische Bilder sind auch drin. Immerhin ist die erste Auflage von 1965, es hat also schon so ein wenig Vintage-Charakter. Im Bild ist die dritte (und letzte) Auflage von 1970 abgebildet.
Roland DürreDonnerstag, der 10. Juni 2010
Menschenhaufen
Im Rahmen eines OpenSpeech (siehe auch meinen Vortrag im Gymnasium Ottobrunn am 20. Mai zum Thema Gemeinschaft – Mensch – Gesellschaft) habe ich ganz zu Beginn die Zuhörer aufgefordert, einfach mal den Begriff Gemeinschaft auf sich einwirken zu lassen, einen Moment assoziativ nach zu denken und dann die verwandten Begriffe laut raus zu lassen.
Es ist auf mich nur so eingeprasselt. Und ein junger Mann der Kollegstufe hat ganz einfach gesagt:
Gemeinschaft ist nur möglich, wenn es einen “Menschenhaufen” gibt!
Ist das nicht genial? In der Tat: Gemeinschaft und soziale Systemen, Gesellschaft, all das kann nur entstehen, wenn es einen oder mehrere Menschenhaufen gibt. Menschenhaufen, die sich in ihrer Zusammensetzung laufend ändern und anders vermischen?
Der Begriff des Menschenhaufen suggeriert, dass Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn es so etwas wie eine Klugheit der Masse oder Schwarmintelligenz gibt. “Menschenhaufen” erklärt förmlich, warum es soziale Systeme geben muss und sich Gesellschaft entwickeln kann.
Und wir sind nur ein Teil eines Menschenhaufens. Wir lieben oder hassen unseren Menschenhaufen, und ab und zu verlassen wir ihn auch und gehen in einem neuen auf.
Das vereinfacht doch vieles. Ich danke dem mir unbekannten Zuhörer und Erfinder des Begriffes “Menschenhaufen”!
RMD
Roland DürreMittwoch, der 2. Juni 2010
Isetta
Diesen spannenden Text habe ich im Originalhandbuch zu meiner Isetta von 1957 gefunden und kopiert. Ich veröffentliche ihn mal ohne Worte:
Das war gestern. Was kommt morgen?
Vielleicht steht im Handbuch Ihres neuen Elektromobils in 10 Jahren dann folgendes drin:
Detlev SixSamstag, der 22. Mai 2010
Langeweile macht Angst.
Die Angst hat eine steile Karriere hinter sich.
Mit dem bisherigen Höhepunkt der “dschörmän ängst”.
Angefangen hat die Angst als Furcht und bezeichnete
das lebensbedrohende Gefühl, das unserere Vorfahren
im Angesicht eines Säbelzahntigers hatten.
Angst war über eine lange Zeit immer mit einem konkreten,
direkten Bedrohungsobjekt verbunden.
Und heute?
Roland DürreSonntag, der 16. Mai 2010
Krise
Wir stecken heute in der größten Krise seit langem. Wir verteidigen unsere Währung, kämpfen um die Stabilität des EURO.
Das sagt unsere Kanzlerin.
EZB-Chef Trichet sagt sogar, dass
Europa in der schlimmsten Krise seit dem 2. Weltkrieg wäre.
Man spricht vom Währungskrieg. Klingt alles nach Blut, Schweiß und Tränen. Erinnert an Winston Churchill.
Und man hört, dass die EURO-Fighter im EURO-Land hart an verschiedenen Fronten kämpfen sollen. Unermüdlich, selbst am Wochenende sind sie ruhelos unterwegs und stabilisieren unsere Währung. Gegen die bösen Spekulanten.
Sie mobilisieren die letzten Reserven und werfen sie an die EURO-Front. Mit 500 virtuellen Milliarden bekämpfen sie eine virtuelle Bedrohung durch 3.500 Milliarden, die auf dem Währungsmarkt kursieren, wobei allein 1000 Milliarden täglich zwischen Euro und Dollar um die Erde schwappt, sorry, ich meine natürlich gehandelt wird.
Detlev SixFreitag, der 14. Mai 2010
Krieg der Zahlen
Immer wenn ich in den IF-Blog gehe, finde ich dort viele Zahlen.
Der IF-Blog ist damit natürlich nicht alleine.
Die Zahl als solche steht in voller Blüte der Welterklärung.
Ich sehe 3 Sorten von Zahlen.
Entscheidungszahlen.
Erregungszahlen.
Entrückungszahlen.
Roland DürreMontag, der 3. Mai 2010
Euro
Der über viele Jahre privilegierte Wirtschaftsstatus des reichen Deutschlands der letzten 50 Jahre geht zurück. Ich meine, dass das aber nicht vor allem an uns selbst liegt. Wir in Deutschland sind immer noch genauso geschickt, kreativ und ideenreich, kompetent, tüchtig und fleißig, wie wir es die letzten Jahre waren.
Die Konstellation hat sich geändert. Unsere wirtschaftliche Macht geht weltweit zurück. Natürlich haben wir den Wohlstand, den wir uns in den Wirtschaftswunderjahren erarbeitet haben und den hohen Lebensstandard, den wir seit Jahren gewohnt sind, nicht nur unserer Tüchtigkeit zu verdanken. Wir haben auch von billigen Rohstoffen und Arbeitskräften außerhalb Deutschlands profitiert. Und wurden von der D-Mark als einer stabilen Währung mit einem Superruf verwöhnt.
Roland DürreSonntag, der 2. Mai 2010
brand eins im Mai – Dieses Heft macht sexy!
Dieses Heft macht sexy – stimmt! Ist aber nicht mein Kommentar, sondern tatsächlich der Titel der Mai-Ausgabe von brand eins. Natürlich will ich sexy (am liebsten sogar sehr sexy
) sein, fühle mich also sofort angesprochen.
Noch mehr trifft mich der Untertitel:
Der Sieg des Irrationalen!
Das ist Wasser auf meine Mühlen. Erfahre ich doch täglich, wie auf kompliziert und rational ermittelten Annahmen mühsam aufgebaute, filigran geplant und so schön konstruierte Vorhaben zerplatzen.
Während die schönsten Dinge und die besten Projekte aus irgendwelchen Winkeln kommen, an die man nie gedacht hätte. Und irgendwie ist das immer so.
Viele Jahre habe ich daran geglaubt hat, dass die Ratio eine wertvolle Begleiterin meines Lebens ist. Mittlerweile weiß ich, dass in Wirklichkeit die alte Volksweisheit gilt: “der Mensch denkt, Gott lenkt” (wer oder was dieser Gott auch immer sein mag). So bin ich zur Überzeugung gekommen:
Chris WoodFreitag, der 30. April 2010
Wie wir unsere Welt zerstören
Während der letzten zehntausend Jahre war die Erde geprägt durch recht schöne, stabile Klimaverhältnisse, die es der menschlichen Spezies ermöglichten, sich von einer Million auf 7000 Millionen zu vermehren. Man nennt diesen Zeitabschnitt der Erdgeschichte das Alluvium. Jetzt gehen wir über in das Anthropozän, welches dank uns Menschen wohl nicht ganz so bequem werden dürfte.
In der Ausgabe des “New scientist” von 27.02.2010 steht der Bericht von einer Konferenz mit 28 Umweltexperten, die sich darüber berieten, wie nah wir schon daran sind, alles komplett zu ruinieren. Neben dem Klima haben sie noch acht weitere Aspekte unter die Lupe genommen.
Im Folgenden fasse ich ihre provisorischen Schlussfolgerungen kurz zusammen und gebe ein paar eigene Kommentare dazu ab. Am Anfang steht der einzig positive Aspekt und am Schluss kommt der, wo es am schlimmsten brennt.


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