Roland Dürre
Sonntag, der 30. Dezember 2012

Der brennende Dornbusch

Vor kurzem habe ich im Münchner Volkstheater “Moses” gesehen. Das Stück hat mich tief bewegt. Es hat auch wieder mein Wissen über “den brennenden Dornenbusch im Berg Horeb” aktiviert. Diese Episode stellt in der Religionsgeschichte einen markanten Wendepunkt da, hat sich hier doch erstmalig Gott mit einem “auserwählten Volk” einen Bund geschlossen – zumindest in den Köpfen der Menschen. Und seitdem sind die überlieferten und oft als “heilig” bezeichneten Geschichten der Menschheit geprägt von einem Gott in der Rolle eines Bündnispartners der eigenen Interessen oder Gruppe.

Mich bringt aber schon der Gedanke eines “auserwählten Volkes” aus der Fassung. Ich denke an eine schreckliche Parallele zu unserer jüngsten Vergangenheit. Sind wir doch vor noch nicht mal 100 Jahren auch einem Wahnsinnigen hinter hergelaufen, der den Anspruch hatte, eine Herrenrasse in die ihr angemessene 1000-jährige Zukunft zu führen. Und damit unendlich viel Leid verursacht. Vielleicht weil zu ihm auch mal so eine Art “brennender Dornbuch” gesprochen hat?

Und die Verrücktheit hört ja nicht auf. Panzer werden von Militärpfarrern gesegnet. Selbstmordattentäter und -attentäterinnen sprengen sich im Namen Gottes in die Luft. Und Gott wird immer wieder als Bündnispartner der eigenen Interessen vereinnahmt. Und genau das widerspricht doch einer Welt geprägt von Liebe, Respekt und Ehre. Und im “heiligen Land” ist die Situation verfahrener als je zuvor …

Ich kann nur empfehlen: Moses im Volkstheater anschauen. Und werde demnächst mal von meinem eigenen religiösen Erleben im Alter so von 9 – 10 berichten.

RMD

P.S.
Das Foto ist Pressematerial zum Stück. Es gehört dem Münchner Volkstheater, das Copyright liegt beim Fotografen Arno Declair.

Roland Dürre
Freitag, der 30. November 2012

Der Wandel im Management (Vortrag)

Meine beiden Vorträge der letzten Woche zum “Wandel im Management” verliefen sehr abwechslungsreich. Ich hatte viel Spaß dabei und ich hatte den Eindruck, meine Zuschauer auch. So waren die Rückmeldungen auch sehr schön für mich.

Da die Vorträge sehr interaktiv waren, ist es für mich nicht ganz einfach, sie hier wiederzugeben. Aber ich notiere zumindest mal stichpunktartig ein paar Inhalte, auch wenn so manches aus dem Vortrag fehlt.

Der Wandel kommt. Ob wir wollen oder nicht.

In den beiden Vorträgen ging es um

  • Projekt Management
  • Management
  • Unternehmertum
  • Führung
  • Innovation als kreative Zerstörung
  • craftmanship
  • Das Zeitalter des “co”
    co-creation, co-programming, co-operation …
  • Future is female
    Warum sitzen so wenig Frauen in Gefängnissen?

Das alles sind Elemente sowohl unserer privaten wie unser Arbeitswelt. In Unternehmen und Institutionen schaffen wir Zukunft. Eine wesentliche Rolle spielen dabei

  • die in den sozialen Systemen gelebte Kultur und deren
  • Organisation.

Kommunikation, Entscheidungs- und Verantwortungsprozesse ändern sich.

Wer kennt Begriffe wie:

Barcamp, Jam Session, OpenSpace, Fishbowl?

Wer nicht, sollte sie mal in Wikipedia nachlesen.

Wichtig ist heute:

Wissen teilen, Erfahrung weitergeben. Aus der Praxis für die Praxis. Konsumenten wollen zu Produzenten werden.

Man trifft sich auf Augenhöhe. Angstfreie Räume ermöglichen Kreativität.

Wie war das früher?

  • Die Bäume sind von oben nach unten gewachsen.
  • Oben der Hierarch, klare Kommandostrukturen, disziplinarische Vorgesetzte.
  • Und das hat lange gehalten, eine einfache und strukturierte und vor allem stabile Welt.
    Beispiel: Deutscher Elektrokonzern (alles was mit Strom zu tun hat) als hierarchische Organisation, kreiert nach dem Muster der Deutschen Reichswehr. Mit Aufbau- und Ablauforganisation, gegliedert in Unternehmensbereiche mit bis zu 10 Hierarchie stufen Stabsabteilungen  für Gemeinsamkeiten wie F&E, Marketing und Zentralfunktionen aller ArtDesign.
  • So wurde die Matrix-Organisation mit durchgezogenen/gestrichelten Linien und Stabs- und Zentralabteilungen entwickelt.
  • Beispiel: Elektrokonzern, Geschäftsfelder Motoren/Generatoren, Küchengeräte …). Gemeinsam Design etc. Vertrieb etc. Forschung waren zentrale Stabsabteilungen.
  • Dieses Organisationmodell war aus der industriellen Revolution entstanden – tayloristisch und mechanisch. Und ging lange Zeit ganz gut.
  • Alle paar Jahre musste die Organisation (und meistens auch nur Teile) verändert werden. Aber das war akzeptabel.

Heute geht das nicht mehr – deswegen stöhnen so viele Menschen unter der dauernden Umorganisation ihres Unternehmens. Nur – die reicht nicht aus, um dem Tempo der Veränderung zu folgen. So ist “nach der Umorganisation” immer öfter “vor der Umorganisation”. Schlimmer noch, die neue Umorganisation beginnt schon bevor die alte beendet wurde.

Und auch die Bäume wachsen in der Natur von unten nach oben. Das ist zuerst ein paar Idealisten in der Informatik aufgefallen. Sie haben die Bäume auf dem Kopf gestellt.

  • Bäume umdrehen geht aber auch nicht.
  • Der CEO würde dann zum Träger von allem (der große Fritz als erster Diener im Staat).
  • Man sieht, Bäume reichen nicht aus.
  • Auch die neue Kommunikation schafft Veränderung – Veränderung bewirkt Kommunikation
  • So passiert der Übergang vom Baum zum Netz in eine Kugel im dreidimensionalen Raum.

(Anmerkung: Sogar in der militärischen Dimensionen und bei kriegerischen Konflikten scheint es so zu sein, dass netz-ähnliche Strukturen letzten Endes den hierarchischen Kommandostrukturen überlegen sind, selbst wenn diese eine große Ressourcenüberlegenheit besitzen.)

Das alles ist nicht neu. Schon in den 80iger Jahren gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung zum Beispiel an der Hochschule in St. Gallen. Es entsteht ein neues “Management-Modell”, das die HSG weltberühmt macht. Diese kumuliert in den 8 Thesen des Hans Ulrich – “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998 zum Wandel im Management”:

  1. Ungewissheit und die Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Strategie als Planen von Zukunft, akzeptieren, dass Entscheidungen unter Unsicherheit erfolgen.
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen das aber … und für die Freiheit der Gedanken. Aber auch – Wissen teilen
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale,

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisgewinn zu produzieren, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. So brauchen wir Kreativität, um die Probleme zu finden (1. kreative Pflicht). Wenn wir die gefunden haben, müssen wir Wissen einsetzen um Lösungen zu generieren.

Taylorismus und “Mechanismus” geht bei modernen sozialen Systeme nicht mehr. Wir den Erkenntnisgewinn über neue Kommunikationsformate notwendigerweise auch in den Unternehmen und Institutionen nutzen.
(Ausflug ins Privatleben: Auch das traditionierte Familienmodell war tayloristisch und mechanistisch. Wer will das heute noch?)

Leider haben dies bis heute viele Manager noch nicht verstanden und so leben zu viele Unternehmen noch im gestern. Das erklärt auch den Erfolg der “neuen Unternehmen”, die in wenigen Jahren die “alte Industrie” beliebig überholen.

Die Wurzeln für das, was heute und hierzulande passiert, finden wir bei (damals beschimpften) Vordenkern der Bonner Republik wie Adorno und Habermas (Frankfurter Schule):

Herrschaftsfreier / Redlicher Diskurs als Basis (Habermas)
  1. Kein äußerer Zwang darf das Gespräch behindern.
  2. Geltung hat das beste Argument.
  3. Jeder hat die gleiche Chance zur Beteiligung am Gespräch.
  4. Jeder muss zur “ungekränkten Selbstdarstellung” fähig sein und sich den anderen transparent machen.
  5. Jeder muss die Grundentscheidungen seines Lebens thematisieren und kritisieren lassen. (Hierzu dient ein ausgeklügeltes System von Rede und Gegenrede, Begründungspflicht für alle Aussagen und Behauptungen usw.).
  6. Keiner hat Vorrechte aufgrund von Alter, Erfahrung, Autorität usw.
  7. Jeder muss bereit sein, mit jedem die Verhaltenserwartungen zu tauschen. Jeder soll jederzeit mit jedem zum Rollentausch bereit sein.
  8. Diskutiert wird so lange, bis ein Konsens erreicht ist. Ist die neue Wahrheit angenommen, bestimmt sie von da an das Leben und Verhalten der Teilnehmer.

Klingt unerfüllbar und utopisch, aber wird immer mehr in der Realität gelebt:

  • Durch Formate wie jam session, barcamp, openspace, fish bowl,
  • Pecha Kucha, Ignite
  • Runde Säle
  • Web 2.0 (interaktiv Blogs, Twitter)
  • Wikipedia und Open Source
  • Social Media wie Facebook und Google+als logische Konsequenz

These:

Der herrschaftsfreie Diskurs beginnt zu leben. In einer “hybriden” Kombination mit dem Internet (social web) wird die neue Welt der Gemeinsamkeit immer stärker. Eine neue Kommunikations- und “Erkenntnis-Gewinn-Gesellschaft entsteht. Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit werden zu immer wichtigeren Werten.

Und Mitmachen macht glücklicher und erfolgreicher!

So habe ich versucht, einen Vortrag für die Zukunft zu halten.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 24. November 2012

brand eins im Dezember

Am Freitag war es schon da. Und sah auf dem ersten Blick aus wie ein Mappe mit Spiralbindung. Bei InterFace haben wir so ein paar Broschüren dieser Art. Eine heißt flatland.

Da steht drin, wie wir uns unsere Unternehmenskultur wünschen würden. So ein klein wenig Utopie. Aber ich glaube dran. Hochspannend. An flatland hat das brand eins mich erinnert. Aber über flatland schreibe ich ein anderes mal.

Wie immer lasse ich das neue brand eins erst mal von außen auf mich wirken, bevor ich dann rein schaue. Ein freundlicher Herr schaut mich an. Er ist wohl älter als ich es bin. Da freue ich mich, habe ich ja so auch noch eine Chance, mal auf den Titel eines Blatts zu kommen. Der Herr strahlt Ruhe und Würde aus. Passt schon mal.

Dann sehe ich die Überschrift:
Nichts für Feiglinge
Oha! Was hat das zu bedeuten? Ich weiß immer noch nicht, ob ich ein Feigling bin. Oder ein (was)? Verflixt, was ist denn jetzt noch mal das Gegenteil von Feigling? Mutige? Angstfreie? Bin jetzt zu faul, es zu recherchieren. Mache ich heute Abend. Faulheit ist übrigens auch eine wichtige Tugend und bringt großes Glück. Man muss sich halt nur trauen. Faulheit ist sozusagen nichts für Feiglinge.

Ich gehe weiter zum Schwerpunkt Das gute Leben. Da kommt mir schon wieder eine Assoziation. Habe ich ein gutes Leben? Die spontane Antwort – zweifelsfrei! Aber da fällt mir noch das Kleingedruckte auf der ersten Seite auf:
“Ich habe heute das gute Gefühl, dass ich die richtigen Prioritäten gesetzt habe” Gerd Knop, 70
Ja, ab und zu lohnt es sich, das Kleingedruckte zu lesen. Das Rätsel ist gelöst. Der Mann, der mich da so souverän anschaut ist wohl Herr Knop und siebzig Jahre alt.

Also rein ins Heft – und wie immer zuerst zum Editorial von Frau Fischer. “Keine Glückssache” steht da geschrieben und ich denke mir “wahrscheinlich ist es keine Glückssache, die richtigen Prioritäten zu setzen“? Hmm, schwierig. Oder einfach? Ich weiß es nicht. Aber spannend.

Das Heft erscheint mir dick. Es hat diesmal 170 Seiten. Ist schon viel. Muss auch wieder zuerst mal fleißig Werbung raus schütteln. Darüber habe ich ja schon beim letzten Heft geschrieben. Papierkorb holen, Heft drüber halten und fleißig schütteln. Komme mir dann immer vor wie bei Frau Holle. Wird gleich wieder kräftig schneien auf der Erde. Und schon ist das Heft deutlich schlanker.

Bin ich jetzt aber die Pech-Marie oder die Gold-Marie? Eigentlich ist mir klar: Ich bin die Gold-Marie. Habe ja fleißig geschüttelt. Und habe das gute Gefühl, auch die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben. Und erfreue mich am Leben solange ich noch Neues erlernen und erleben darf.

Und schon nach wenigen Seiten merke ich, dass ich auch aus diesem Heft wieder vieles für mich Wertvolles holen werde. Was mir bei den anderen Hochglanzmagazinen nie passiert. Nicht mal beim “Playboy”. Auch nicht bei Wirtschaftswochen oder Manager Magazinen und den Periodikas, die ebensolche Worte im Titel tragen (so selbstverständlich leer wie es Parteien gibt, die das Wort “christlich” oder “sozial” im Namen haben). Und  wenn ich sie noch so gut schüttele, kommt da für mich nichts gescheites raus.

Also ganz kurz: Es ist wieder ein schönes Heft mit einem tollen Titel. Ich werde es ein paar mal verleihen und auf meinen Reisen mitnehmen. Und ich sag mal: Wer brand eins liest – der wird nicht zur Pech-Marie.

Es grüßt Euch zum Wochenende Eure Gold-Marie.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 17. November 2012

Rückblick – Wilfried Bommert im IF-Forum

Am letzten Dienstag war Wilfried Bommert vom WDR bei uns in Unterhaching zu Gast. Wildfried Bommert ist ein namhafter Experte für “Welternährung”. Zu diesem Thema hat er auch einige Bücher veröffentlicht. Zurzeit gründet er mit Partnern das “Institut für Welternährung” in Berlin.

Der letzte Vortrag unserer Reihe “Nach(haltig) überleben” im IF-Forum des Jahres 2012 war wieder ein weiterer Höhepunkt. Herr Bommert hat seinen Vortrag bewusst sehr kurz und bündig gehalten. Das haben wir so geplant, denn wir wollten ja quasi als zusätzlichen Wert des Tages ein attraktives Video für Youtube produzieren.

Das dürfte uns gelungen sein. Jeder Satz von Herrn Bommert hat gesessen. Verbindlich, ohne unnötige Emotionalität und fragwürdige Wertung, hat er ganz sachlich Fakten berichtet und einfache, sehr nachvollziehbare Schlüsse gezogen.

So hatten wir im Anschluss an den Vortrag eine lange Diskussion. Sehr konstruktiv und leidenschaftlich. Und waren uns einig: Die Botschaften des Herrn Bommert sind wichtig. Er hat ganz schlicht und sachlich demonstriert, an welch dünnem Faden die Ernährung der Welt hängt. Und wie leicht das kippen kann und wohl auch wird.

Herr Bommert hat uns aber auch Wege aufgezeigt, wie man die Dinge ändern kann. Und dass man sich durchaus für die Zeit nach dem Kollabieren unserer dummen und langfristig schädlichen Art von Wirtschaft vorbereiten kann. So kam es trotz vieler sehr nachdenklich machender Fakten und Bewertungen zu einem schönen und optimistischen Abschluss.

Bei Wienern und Leberkäs (natürlich vom Metzger Schlammerl aus Ottobrunn) wurde so noch kräftig in vielen kleinen Runden weiter diskutiert. Und spätestens beim Glühwein mit köstlichen Lebkuchen – auch aus der Region vom Bäcker Götz in Taufkirchen – war die Stimmung getragen vom Mut zum Aufbruch und die Freude über den lehrreichen und nahrhaften Abend bei allen groß.

Ich freue mich schon auf das Video vom Vortrag, das Friedrich Lehn aufgenommen hat. Sobald es fertiggestellt ist, werden wir es auf unsern diversen Kanälen in Youtube zum Anschauen bereit stellen.

RMD

Hier noch ein paar Bilder als Erinnerung und zum Appetit machen aufs Video.

Wilfried Bommert im Gespräch mit Familie Gerlach. Thomas Gerlach ist Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk und hat den Kontakt zu Herrn Bommert hergestellt.

Die Hinführung zum Vortrag, gleich geht es los …

Alle Photos sind wie so oft von unserem Rolo Zollner.

Roland Dürre
Samstag, der 3. November 2012

Sieben Utopien – sieben Thesen für Zukunft.

Weil so vieles passiert, das ich nicht verstehe, schreibe ich heute mal ein paar Utopien auf, die mir ganz ganz gut gefallen. Und nehme mir vor, zu jeder ein paar Gedanken zu entwickeln, die die Utopie begründen und erklären, warum ich diese für ganz so unrealistisch nicht halte.

  • Straffreie Gesellschaft
    Es wäre schön, wenn es (fast) keine Gefängnisse mehr geben würde. Wenn wir unser Zusammenleben anders organisieren könnten als durch “Strafe”. Wenn wir nicht mehr Rache aus üben wollten sondern versuchen würden, klug den sozialen Schaden zu minimieren.
  • Gewaltfreie Gesellschaft
    Eine Gesellschaft frei von körperlicher Gewalt gegeneinander. In der Regionen und Völker ohne Kriege auskommen. Für einen vernünftigen Umgang mit den Tieren und der Natur. Eine Gemeinschaft, in denen Gegensätze im “herrschaftsfreien und fairen Diskurs” auf Augenhöhe abgearbeitet werden.
  • Demokratische, tolerante und transparente Gesellschaft ohne Fundamentalismus, Dogmen und Tabus
    Bildung und Aufklärung wirken Fundamentalismus, Dogmen und Tabus entgegen. Nur so kann ein gemeinsames humanes Gesellschaftskonzept gefunden und weiterentwickelt werden. Transparenz ist die Voraussetzung für gemeinsames Denken und Entscheiden, für Erkenntnisgewinn im Konsens. Und Toleranz ist die Ultima Ratio, Untoleranz nur gegen Untoleranz zulässig und sogar da höchst kritisch zu bewerten.
  • Gesellschaft der Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit
    Ich wünsche mir eine freie Gesellschaft. In der Eigentum generell sinnvoll geteilt und Privateigentum verantwortet und differenziert geregelt wird. Mit einem ganz besonders verantworteten Blick auf das “geistige Eigentum”, das soweit wie möglich als Wissen sinnvoll geteilt wird.
  • Humane Wirtschaft
    Eine Wirtschaft, die nicht getrieben wird von den großen Finanzmechanismen ihr Handeln und Wirken nicht ausschließlich am Profit orientiert. Frei von Lobbyismus mit dem Hauptzweck, die Menschen mit sinnvollen Produkten und Dienstleistungen zu versehen (So, wie es zum Beispiel in der bayerischen Verfassung steht). Eine Wirtschaft, in der die Unternehmen wertgeschätzt werden, die weniger die Optimierung von Gewinn sondern die Erhöhung des Gemeinwohl als Ziel haben.
  • Medien frei von Marketing
    Warum werden Medien immer vom Marketing dominiert? Warum bekomme ich auf einen Teil Information zwei Teile Beeinflussung? Warum hält man mich für so unmündig und meint, ich könne nicht selber entscheiden was ich brauche? Warum will mich alle Welt zu ihrem Vorteil und meinem Schaden manipulieren?
  • Sanfte und sachliche Mobilität
    Wie schön wäre eine Mobilität ohne permanenten Stress und Kampf? Ohne Gestank und Lärm? Als Mittel zum Zweck und nicht als emotionales Selbstbetätigungs- und -darstellungsfeld. Ohne den Verbrauch fossiler Brennstoffe? Vom Tempo langsamer und letztlich doch effizienter.

Sie werden sagen, ich bin ein Träumer – aber da halte ich es mit John Lennon  und zitiere aus seinem “Imagine” den letzten Absatz:

You may say I am a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Und erinnere an Utopien, die mal als völlig unrealistisch galten und heute selbstverständlich sind, wie das Wahlrecht für Frauen, eine gewaltfreie Erziehung von Kindern und manches mehr.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 26. August 2012

Wandel

Ab und zu lese ich hier im Urlaub im wilden Süden Griechenlands (Peloponnes, Mani) ein wenig die “Informations-Seiten” im Internet. ARD, SZ, Spiegel und ähnliches.

Und bemerke da auffallend häufig ein Gefühl der Ratlosigkeit in den Nachrichten. Zum Beispiel bei der Mobilität. Ich lese:

Sogar der vom VCD prämierte sparsamste PKW mit Verbrennungsmotor produziere viel zu viel Gramm an Kohlendioxid. Elektroautos wären nicht in Sicht. Die Benzinpreise würden steigen …

Und dann kommt die Angst dazu:

Was wird mit dem Rückgrat der deutschen Industrie – der Automobilia?

Zwar erscheinen die Sorgen berechtigt. Aber auch hier gibt es Lösungen. Und wir sollten uns mehr mit den Lösungen auseinandersetzen. Auch in den “Nachrichten”. Wäre schön, wenn die Medien weniger Angst und Ratlosigkeit verbreiten sondern sich um die Zukunft kümmern würden.

Die wird vom Wandel geprägt sein. Denn der Wandel, den wir brauchen, der wird stattfinden und findet schon statt. Dieser Wandel wird und muss in unserem kollektiven und individuellem Bewusstsein vor sich gehen. Wir müssen umdenken. Und wir werden umdenken, weil wir es müssen. Als Teil der Evolution, getragen durch die Vernetzung unserer Welt übers Internet.

Und es fängt an. Schon jetzt versuchen immer mehr Menschen, Arbeiten und Leben besser zusammen zu kriegen. Nutzen vermehrt die öffentlichen Verkehrsmittel und das Fahrrad. Und wahrscheinlich bald den Elektroskooter. Es muss und wird gelingen, ein wenig “Decroissance” in die Mobilität und unser gesamtes Leben zu bringen.

In vielen Bereichen fällt die Hierarchie und wird sukzessive durch Netzwerke ersetzt. Unternehmerische Initiativen treten an Stelle von systemischer Umsetzung. Strikte Koppelung wird durch lose ersetzt, zentrale Steuerung durch Selbststeuerung abgelöst. Dies wird gerade in den komplexen sozialen Systemen notwendig sein und auch passieren. Dies auch als Hinweis, wie man unsere “aktuellen Probleme” wie EU und EURO lösen könnte.

Immer mehr Menschen beginnen ihre Lebensgewohnheiten ändern. Entziehen sich der Marketing-Maschinerie. Reduzieren ihren Konsum. Verzichten auf Statussymbole. Ernähren sich gesünder. Gewinnen ihre Lebensfreude aus dem, was ihnen wichtig ist. Ziehen das Sein dem Schein vor. Werden kritischer und autonomer und lassen sich nicht mehr von Religionen und Verbänden die Meinung aufdrücken.

Für den Wandel brauchen wir keine staatlichen Programme. Die können uns nicht helfen, denn es muss aus uns heraus passieren. Auf Subventionen und Verordnungen verzichten wir am besten, die werden uns garantiert nicht voranbringen. Die Weiterentwicklung unseres  Bewusstsein und unserer Werte muss aufbauend auf einem herrschaftsfreien und fairen Diskurs geschehen. Und der hat schon begonnen.

Parallel dazu müssen wir nur noch handeln. Dezentrales Tun ist angesagt. Gemeinsam und jeder für sich muss einfach nur das tun, was richtig ist und sein lassen, was falsch ist. So einfach ist es.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. Juni 2012

EURO + GRIECHENLAND + MILLIARDEN + ZUKUNFT

Am Sonntag Abend habe ich mal wieder “Nachrichten geschaut”. Übrigens ein blödsinniger Euphemismus! Wie schaut man Nachrichten an?

Aufgefallen ist mir, dass von einer “Schicksalstunde für Europa” gesprochen wurde. Nur weil da eine klitzekleine Wahl in einem klitzekleinen Land in Europa war. Das am nächsten Freitag eh dann so richtig im Fußball Dresche kriegt. Weil es so böse ist.

:-) Oder vielleicht für die Sensation sorgt. So etwas ist ja im Fußball möglich.

Aber man spricht von”Schicksalsstunde”, und gleich für Europa! Schon wieder so ein Euphemismus. Stehen wir vor dem nächsten “Europakrieg”?

Was soll das?

Da ist mir die Entscheidung in München gegen die dritte Landebahn schon wichtiger. Vielleicht ist das wirklich eine Kehrtwendung weg von der Beton-Chrom-Jetset-Gesellschaft? Ich wage es noch nicht zu hoffen.

Aber zurück zu den Milliarden, Verzeihung Billionen. Eine Billion heißt im deutschen Sprachgebrauch 1000 Milliarden. Vorsicht, im englischen ist das anders!

Da habe ich auch in den Nachrichten gehört, wie gut es für uns Deutsche wäre, dass Griechenland jetzt im EURO bliebe (?). Sonst hätten wir Deutschen nämlich weitere Kosten in der Höhe von mehr als 100 Milliarden zu tragen.

Ist doch auch schon wieder Bullshit. Aber selbst, wenn es so wäre, was sind in diesem Spiel denn 100 Milliarden? Die öffentlichen Körperschaften der BRD haben in der Summe Schulden von weit mehr als zwei Billionen EURO. Vor gar nicht langer Zeit waren es noch knapp zwei Billionen. 100 Milliarden sind da nicht mal 5 % mehr. Ist doch lächerlich.

Und die Schulden steigen zurzeit sowieso schneller als je, trotz “Schuldenbremse” (auch so ein sprachlicher Blödsinn) und “sprudelnder Steuereinnahmen”. Da kann auch ein “Spardiktat” oder “Fiskalpaket” (wieder doppelt sprachlicher Blödsinn) nichts ändern. Das System hat sich entpersonalisiert und es läuft so, wie es halt läuft.

Auch ob wir ein wenig früher oder später die 3-Billionen-Schuldengrenze erreichen, ist völlig bedeutungslos. Es ist doch so einfach:

Schulden in solchem Umfange, ob in Deutschland, Griechenland, in Europa oder in der USA können doch nur durch Inflation (oder noch besser Zusammenbruch der Währung) geheilt werden.

Bleiben wir bei der freundlicher erscheinenden Inflationslösung (vom Zusammenbruch reden wir nicht, da er mir zu unwahrscheinlich erscheint):

Wenn wir innerhalb eines bestimmten Zeitraums (sagen wir mal 5 Jahre) von 2 Milliarden nominal auf 1 Milliarde Realschulden wollen, dann muss sich halt der Geldwert halbieren. Wollen wir von 3 nominal auf 1 Milliarde real, muss sich der Geldwert dritteln. Und das ist inflationär gesehen doch kein so ganz großer Unterschied.

Denn, erstens ist es ja nicht schlecht, wenn die ganz Reichen einen Teil ihres Reichtums mal wieder abgeben müssen. Wer verliert und wer sogar noch hinzu gewinnt, hängt doch nur vom Anlage-Mix ab. Und da gibt es auch keine sicheren Strategien für die Reichen. Gold und Immobilien müssen hier nicht unbedingt funktionieren. Deswegen sind die Verlierer ja auch meistens in der Mehrzahl. Und so mancher Millionär ist schon verarmt.

Die wirklich Armen, die nur ihre Rente haben, sind leider die wahren Verlierer. So wie das “Großmütterchen mit dem Sparbuch”. Oder dem Empfänger von “Hartz 4″. Und vielen mehr. Aber das kommt doch sowieso und wird nur gelindert werden können.

Vielleicht ist die Lösung dann doch so eine Art “Bedingungsloses Grundeinkommen” – gepaart mit ergänzenden Tätigkeiten in typischen Niedriglohn-Beschäftigungen. Zu tun gäbe es in dieser Gesellschaft genug – auch für “sogenannte soziale Randschichten” und “Niedrig Qualifizierte” (wieder so Un-Worte).

Wenn wir von Inflation reden, dann wird oft vergessen, dass viele Elemente des Basisbedarfs wie z.B. Nahrungsmittel trotz eines gewaltigen inflationären Effektes bei uns in Deutschland relativ billig sind. Die inflationären Effekte wurden in der Vergangenheit bei vielen Produkten durch eine “Erhöhung der Produktivität” und durch “Bereitschaft zum Qualitätsverzicht” abgefedert.

Der zweite Punkt ist mir unverständlich. Aber erklärbar durch eine (schleichende) Adaption an die Verschlechterung der Lebensqualität, gestützt durch massives Führen der Konsumenten per Marketing für schlechtere aber attraktiv gelabelte Produkte und dem Verkaufen einer vermeintlich erhöhten aber in Wahrheit eher entarteten Lebensqualität.

Mit dem ersten, der Anstieg der Produktivität könnte es bald vorbei sein. Denn der “Produktivitätsanstieg” ist nur zum Teil das Ergebnis von “echter Kreativität” und “innovativen Lösungen”. Vielmehr ist er meistens einem verschwenderischen bis zerstörerischen Umgang mit Natur und Ressourcen und einer systematischen Ausbeutung von Menschen hier und in anderen Regionen der Welt geschuldet. “Nicht nachhaltiger” Umgang mit Mensch und Natur wäre hier auch wieder so ein Euphemismus.

Und gerade die wohlhabenden Menschen ändern ihren Konsum. Qualität geht immer mehr vor Quantität, das “Weniger” wird attraktiver als das “Mehr”.

Wir haben viele Probleme, die immer sichtbarer werden. Die werden wir aber nur mit Kreativität, Innovation und Umdenken lösen können. Nicht mit “gutem Funktionieren” in “eingefahrenen Gleisen”!

Also – auf geht es!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 7. März 2012

Meine Lieblingszeitung …

…  muss noch erfunden werden.

Auf der Biike in Sylt habe ich vor zwei Wochen einen sehr kompetenten Vortrag über die Zukunft der Printmedien allgemein und der Tageszeitungen insbesondere gehört. Diese erscheint mir gerade nach dem dort Erfahrenen ziemlich aussichtslos. Ganz gleich ob man die Entwicklung der Auflagen oder die Werbeeinnahmen betrachtet, es geht abwärts.

Das war für mich ein Anlass, mal darüber nachzudenken, wie meine “Traumtageszeitung” aussehen würde. Hier ist das Ergebnis:

Ich wünsche mir, ein klassisches, eher kleines Format. Größer wie die “modernen” Formate der schrecklichen Kompakt-Zeitungen, aber nicht so ausladend wie die Süddeutsche.

Diese Zeitung müsste über eine herausragende Qualität verfügen. So in etwa auf Zeit-Niveau, über SZ oder FAZ. Möglichst wenig Bilder und keine Farbe. Dafür aber mit herausragenden Kommentaren.

Einer klaren Struktur folgend und verläßlich gegliedert. Für die Lesbarkeit einen ordentlichen Font – vielleicht mit Serifen? Und qualitativ ordentlichem Druck.

Eine Weltzeitung mit einem natürlichen europäisch-deutschen Schwerpunkt. Ein kritisches Blatt mit Ideologie freien und nicht dogmatischen Beiträgen. Von kritischen Journalisten, die den Mut haben, auch alle vermeintlichen Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Das Wichtigste aber wäre mir, dass diese Zeitung komplett frei von Werbung ist!

Diese Zeitung würde ich mir dann auf Papier- und im Kindle-Format wünschen.

Auf Papier mit einer täglichen (inklusive Sonntag) Morgenausgabe, im elektronischen Bereich vielleicht mit einer Morgen- und Abendausgabe. Oder “fließend dynamisch”.

Und zumindest für die elektronische Variante würde ich mir einen “sehr regionalen” Lokalteil wünschen. Der am besten direkt von den Menschen, die dort leben, erstellt wird. Da gibt so lokale Netzwerke, die würden bestimmt gerne die lokalen Informationen zu liefern.

So eine Zeitung würde ich abonnieren und wäre auch bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Und vielleicht sie sogar wieder sammeln?

Allerdings würde diese Zeitung den Niedergang der Papiermedien auch nicht  verhindern können – aber zumindest in einer Nische das Ende der Papierzeitungen ein wenig hinaus schieben.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 4. März 2012

Kein Brot für die Welt

Ein Freund vom Bayerischen Rundfunk hat mir bei meiner Suche nach guten Referenten Herrn Wilfried Bommert vom WDR empfohlen. Nach ein paar E-Mails hin und her hatten wir ein sehr anregendes Telefongespräch.

Das Ergebnis ist, dass er uns im Herbst besuchen und im IF-Forum 2012 mit dem Motto
“Nachhaltig (über)leben”
einen Vortrag zu dem Thema “Ernährung der Welt” halten soll.

Um Herrn Bommert besser kennen zu lernen, habe ich mir sein Buch “Kein Brot für die Welt” gekauft, in dem er die Hintergründe der Ernährungskrise beschreibt.

:-) Übrigens das erste e-Book, das ich mir zum “normalen” Preis geleistet habe.

Jetzt habe ich es auf meinem Kindle gelesen. Sehr sachlich und gut begründet wird beschrieben, wie wir Menschen mit dem wertvollsten Gut umgehen, das wir besitzen. Die Lektüre des Buches hat mich tief bewegt.

Die Dinge liegen schlimmer als ich es mir vorgestellt hatte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein redlicher Mensch nach dem Lesen dieses Werkes noch zum Beispiel für den Bau einer dritten Lande- und Startbahn für den Flughafen München sein kann.

Ich empfehle die Lektüre des Buches nachdrücklich:

mehr »

Jens Hoffmann hat mit diesem Artikel in 23actions.com eine intensive Diskussion verursacht.

Projekte sind schädlich für die Gesundheit Ihres Unternehmens!

:-) Mich hat dieser Artikel angespornt. Zu größerem. Schau mer mal …

Der erste Versuch der Definition von Projekt Management durch Nachlesen in Wikipedia hat mich ja nicht so richtig voran gebracht. Also probiere ich es mal anders …

Einem schwierigen Begriff kann ich mich auf verschiedene Arten annähern:

  • Bei einem deutschen Begriff suche ich nach Synonymen, auch das geht ja heute besonders einfach.
  • Wenn es ein klassisches Fremdwort ist, suche ich nach der ursprünglichen Bedeutung der griechischen oder lateinischen Wortes. Dazu brauche ich Hilfe von einem Humanisten, der Griechisch und Latein kann (weil ich es nicht kann).
  • Bei einem Anglizismus schaue ich einfach ins Wörterbuch.

So lass uns mal zu Projekt Management in leo.org oder dict.cc nachschlagen. Da finde ich für to manage viele Übersetzungen:

• administrieren  auskommen beaufsichtigen • bedienen • besorgen bewältigen • bewerkstelligen  • bewirtschaften • erledigen fertig werden • fertigbringen • führen • gelingen • handhaben  • leiten • lenken • managen manipulieren regeln • schaffen • steuern  • verwalten • zurecht kommen • zustande zubringen • zuwege bringen  zwingen

In Verbindung mit anderen Worten finde ich auch:

• ein Geschäft führen • ein Geschäft leiten • ein Unternehmen leiten • ein Konsortium leiten • Geldreserven verwalten • Gelder verwalten • es schaffen • mit etwas auskommen • kontokorrentmäßig führen • mengenmäßig führen • Menschen führen • Menschen leiten • etwas aufkriegen • mit etwas behelfen • mit weniger auskommen • die Arbeitsumgebung bereitstellen und aufrechterhalten • sich selbst verwalten • inszenieren •

Ok, das alles gehört zu “managen”. Ich beginne, den Begriff Management zu verstehen. Jetzt lass untersuchen, was es mit dem Projekt auf sich hat. Ich suche nach project. project gibt es als Verb und als Substantiv. Beim Hauptwort lese ich:

• Entwurf Plan • Projekt Projektierung • Vorhaben

Wenn ich jetzt an meine Wikipedia-Recherchen denke, bin ich verunsichert. Da sollte ich doch im Projekt ein Vorhaben zum Ziel bringen. Also im Vorhaben ein Vorhaben … Irgend etwas stimmt da nicht. Ein Limes durch unendliche Definition … Beim Programmieren auch “dead lock” genannt …
( :-) Bitte entschuldigt meinen Unernst zwischendurch – wäre schön wenn er als Schalk ankäme)

Aber auch hier erkenne ich wieder, dass ein Projekt halt etwas Planbares bezeichnet. Dann könnte Projekt Management ja ein Pleonasmus oder eine Tautologie sein. Dann kann ich ja ein Wort streichen – wie beim “weißen Schimmel”. Beim Schimmel muss ich das Wort weiß streichen. Beim Projekt Management so das Wort Projekt.

Und in der Tat ist ja ein Projekt wohl das einzige, was man nicht managen kann. Ich kann ein Gebäude, einen Zug, ein Rechenzentrum, einen Marktplatz, ein Unternehmen … alles kann ich “managen”. Vielleicht auch eine Ehe oder eine Beziehung. Oder Schlimmeres. Aber ein Projekt?

Vielleicht brauchen wir in einer “Neuen Welt” ganz andere Organisationsformen? Vielleicht stehen wir bald vor Herausforderungen, die ganz neue Strategien erfordern werden. Vielleicht einfach um zu überleben. So wie es ja viele Jahrtausende in der menschlichen Geschichte war. Wo man die Dinge alle gemeinsam regeln und verantworten musste? Könnte ja sein …

Im nächsten Artikel werde ich versuchen, über den Bezug von Management zum zeitgenössischen Menschenbild/Gesellschaftsverständnis nachzudenken. Oder darüber, ob man die Welt wirklich in privates und geschäftliches Management teilen kann. Oder ob das alles nicht zusammen gehört. Live is life

:-) Nur, dass ich nicht mehr von Projekt Management reden werde. Dieser Begriff ist mir zu obskur. Rede nur noch über Management …

RMD

P.S.
Spaßfrage:
Was unterscheidet einen Zitronenfalter von einem Projektleiter (deutsch für project manager)?
Antwort:
Der Zitronenfalter weiß, dass er keine Zitronen falten kann …

P.S.1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!