Roland Dürre
Sonntag, der 12. Juni 2016

Projekt Frieden – Jolly!

Dieses Jahr haben Jolly und ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Ein wunderschönes Ergebnis unseres Kickoffs ist dieses Video.

Es sind gut 61 Minuten, die man nur genießen kann. Die wunderbar positiv inspirieren und viele Impulse geben. Also, nehmt Euch die Stunde Zeit und einen oder mehrere liebe Partner. Macht es Euch gemütlich, schaltet ab und schaut Euch das Video an.
🙂
Vorher ganz entspannen – für die Alkoholiker unter uns gerne bei einem Glas Rotwein.

Denn Jolly ist wirklich ein herausragender Mensch und Mentor der allerersten Klasse. So hat er viele Menschen in seinen Seminaren und durch seine Vorträge glücklicher und erfolgreicher gemacht hat. Auch mich.

Das Projekt Frieden wird ist das ehrgeizigste, an dem ich jeweils beteiligt war. Wir stehen am Anfang und brauchen Freunde, Partner und Unterstützer.

Ich werde laufend auch hier in IF-Blog den Fortschritt über die Ideen, Gedanken und Aktionen des Projektes FRIEDEN berichten. Bisher weiß ich nur, dass es das ehrgeizigste Projekt wird, an dem ich jemals beteiligt war. Und persönlich meine allergrößte Herausforderung.

Als nächstes werde ich dann hier in IF-Blog meinen Vortrag vom Kickoff vorstellen!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. Mai 2016

Immer mehr und mehr und mehr … (TTIP)

Wachsen, wachsen, wachsen!

Eine Liliputaner-Parade marschiert durch Gullivers Beine. Illustration von Louis Rhead, 1913.

Eine Liliputaner-Parade marschiert durch Gullivers Beine. Illustration von Louis Rhead, 1913.

Der G7-Gipfel mit US-Präsident Obama und Mrs. Merkel an der Spitze will weltweit “mehr Wachstum”, weil das ja alle Probleme – auch das der Flüchtlinge – lösen würde. Die CDU will mehr und längere Gefängnisstrafen für Wohnungsdiebe, weil angeblich die diesbezügliche Kriminalität zu nimmt. Und mehr und höhere Strafen ja ganz bestimmt die Einbrecher abschrecken.

Die Gewerkschaften wollen mehr sonntägliche Ruhe und stoppen den verkaufsoffenen Sonntag zum Münchner Gründerfest. Die Linken wollen mehr Radikalität und mehr Frische, damit die AfD ihnen nicht weiter Wähler wegnimmt. Die Regierenden in Frankreich wollen mehr „internationale Konkurrenzfähigkeit“, weil sie glauben, dass sie dann wirtschaftlich erfolgreicher wären.

Ich halte das alles für „Bullshit“ und will eigentlich nur mehr Frieden und weniger Konsum. Wenn Wachstum sein muss, dann wünsche ich mir „mehr Weisheit“ und „mehr Vernunft“. Dies nicht nur bei unseren Politikern. Wachstum würde ich auf Bereiche beschränken, wo es nicht schadet. Wie z.B. mehr gutes Theater, dies aber nur dann wenn mehr Menschen auch öfters ins Theater gehen.

Weil wir immer mehr Wachstum brauchen, soll auch das TTIP-Abkommen laut Obama und G7 bis Ende des Jahres zum Abschluss kommen und wirksam werden. Mit allen Mitteln wollen sie die Konjunktur auf unserem Planeten ankurbeln. Es könnte also langsam ernst werden mit TTIP.

Darum meine klare Aussage:

Ich bin gegen TTIP und unbegrenztem Freihandel. Nicht nur weil mit TTIP auf abscheuliche Art und Weise die Demokratie ausser Kraft gesetzt und das Recht der Unternehmen über das von Regierungen und Parlamenten gestellt werden soll. Das allein ist schlimm genug. Auch nicht weil z.B. die Erfahrungen und Folgen in Südamerika mit einem ähnlichen Freihandels-Abkommen alles andere als ermunternd waren. Was ja auch gegen solch ein Abkommen spricht.

Noch viel schlimmer ist für mich, dass der totale Freihandel eigentlich der Vergangenheit angehören sollte und mittlerweile überhaupt nicht mehr im Trend liegt. Weil er den Planeten ruiniert. Und auch zu einem aufgeklärtem Zeitgeist überhaupt nicht passt. Wie vieles andere was wir so produzieren und zum wesentlichen Teil unseres „life style“ gemacht haben ist.

Wer will den noch einen „Raubtier-Kapitalismus“, der einzig dem „shareholder value“ dient? Und unverantwortliche Dinge durchpeitscht, für Profit und Marktmacht. Sind wir mittlerweile nicht schöner Weise wieder auf dem Weg zu regionalen Produkten? Zum „weniger ist mehr“? Haben wir nicht mittlerweile verstanden, dass Konsum nicht glücklich macht sondern eher depressiv? Dass zu viel Trägheit und Vermeidung körperlicher Anstrengung zwar angenehm sein mag aber letzten Endes krank macht? Und zwar ziemlich krank!

Wer will den noch eine weitere Verschärfung der weltweiten Arbeitsteiligkeit, die doch auch nur viele Verlierer schafft, weil sie gute Jobs vernichtet und billige Arbeitsplätze (Ausbeutung) begünstigt. Und den mörderischen Wettlauf zwischen den Völkern fördert, wer am billigsten durch Ausbeutung von Mensch und Natur produzieren kann? Wer will denn noch Konzerne, die mächtiger sind als die Regierungen und die Uno? Lobbys, die alles dominieren? Und Unternehmen, die ihre Kunden manipulieren und betrügen, künstliche Nachfrage generieren und Märkte bestimmen, die Interessen der Menschen aber bestenfalls ignorieren?

Wie wird denn die Konjunktur gemacht? Nicht in dem man Lebensmittel wie Milch immer schlechter und billiger macht. Konjunktur geht nur industriell mit teuren Produkten. Wie Autos und Panzern. D.h. ein Wachstum ist am einfachsten möglich, wenn noch mehr teure Fahrzeuge gebaut und verkauft werden. Dann verdient man doppelt – an den Produkten und weil die Infrastruktur dafür gewaltig ausgebaut werden muss. Also Garagen, Strassen, Brücken, Autobahnen … Oder noch schlimmer: Für die Rüstungsindustrie müssen dann ein paar Kriege gemacht werden!

Aber das wollen wir doch nicht mehr. Wir wollen transparente, schlanke Systeme und durchschaubare Strukturen. Wir wollen starke Regionen in weltweiter Harmonie. Wie die Agenda 21 mal auf ihre Fahne geschrieben hatte:

Think globally, act locally“ or „Think global, act local„.

Und dies bitte mit mehr Menschlichkeit und Rücksicht auf unsere Umwelt.

RMD
Geschrieben heute Abend in Piräus im Hotel Anita beim Anschauen der ersten Halbzeit des Champion League Finales.

P.S.
Eine zynische Hoffnung bleibt ja. Mr. Trump mag das TTIP (aus anderen Gründen als ich) auch nicht. Und mittlerweile sind die Chancen ja gut, dass er der nächste Präsident der USA wird.

Roland Dürre
Freitag, der 29. April 2016

FRIEDEN

Denker, Künstler und vor allem Mensch.

Denker, Künstler und vor allem Mensch.

Das Kickoff gestern Abend zum Projekt Frieden scheint gelungen. Ich glaube wir und besonders Jolly haben die Menschen erreicht. Wir haben auch schönes Video-Material eingefahren und werden uns nun beraten, was wir und wie wir das am besten aufbereiten.

Roland M. DürreGestärkt wollen wir jetzt weitermachen. Wir suchen Verbündete und sammeln verrückte Ideen. Und werden gemeinsam nachdenken und dann neue Aktivitäten angehen.

Bei allen Besuchern möchte ich mich fürs Kommen und die große Unterstützung bedanken.

In meinem Beitrag habe ich in gut 30 Minuten  Jolly vorgestellt, persönlich berichtet, warum ich mich ab mich ab sofort immer mehr auf das Projekt FRIEDEN konzentrieren möchte, meinen Optimismus begründet und versucht darzulegen, dass die Zeit zum Handeln gekommen ist.

Wir werden die Vorträge von Jolly und mir im Internet verfügbar machen. Hier schon mal vorab mein Vortrag in Stichworten ergänzt um ein paar Links zu Videos:

Vorstellung Jolly (Wir sind Partner im Projekt)

  • Kennengelernt bei der Münchner Schach-Akademie
  • Sofort festgestellt, dass wir „Brüder im Geiste“ sind
  • Künstler und Philosoph
  • Moderner Robin Hood
    Mit seiner Lebensphilosophie überzeugt er die Wohlhabenden, ihren Reichtum mit den Bedürftigen zu teilen.
  • Er lebt, wovon er spricht und setzt sich für Miteinander und Frieden ein.

Warum mache ich das (Motivation fürs Projekt)?

  • Dankbarkeit für so vieles Gutes, was mir im Leben- zurückgeben.
    • Privat (Ehe, Familie Kinder)
    • Immer warm und satt.
    • Wunderbare Lehrer, Kreise und Gemeinschaften.
    • Die Chance gehabt, unendlich viel zu lernen.
    • Geschäftlich und sozial erfolgreich.
  • Erlebnisse
    • Krieg im Elternhaus – 50iger
      (inneren Frieden)
    • Tschernobyl – 80iger
      (Wir waren dabei)
    • Kuba-Krise – 60iger
      (eine immer noch traumatisierte Gesellschaft hat Angst vor dem großen Krieg)
    • Vietnam
      (Mein Erlebnis mit jungen GIs in den 60igern)
    • und viele mehr Kriege!
      (Friede zwischen Menschen, Völkern und Gemeinschaften aller Art)
  • Ärger, dass ich vieles nicht so gemacht habe, wie ich es hätte machen können. Trotz besseren Wissens.
    • Die Aufgabe der Generationen vor mir weiterführen (Vorväter – Vorbilder).
      (Carl Amery, John Lennon, Konstantin Wecker, Willy Michl, Ghandi oder Martin Luther King)
    • Das ingenieurmäßige Wissen, dass wir eine große Transformation brauchen, dies ziemlich schnell und wohl auch radikal – sonst ist in wenigen Generationen Schluss.
    • Bald 66 Jahre – und merke immer mehr, dass der FRIEDE das einzige was zählt in meinem Leben ist

Worauf beruht meine Hoffnung (Optimismus)?

  • Krieg wird immer absurder!
    • 13500 Cyber-Soldaten
      (harmlose Variante – die Vorstellung vom permanenten Cyberkrieg ist erschreckend)
    • Bodyleasing von Soldaten als neue Qualität eines anderen Söldnertums (früher habe sich einzelne Menschen als Söldner verkauft, heute wird zum normalen unternehmerischen Profit-Thema von Kapitalgesellschaften).
      Beispiel: Academi (von 1997 bis 2007 Blackwater USA, bis 2009 Blackwater Worldwide, bis 2011 Xe Services LLC, seit 2014 Teil der Constellis Holdings) ist das größte US-amerikanische private Sicherheits- und Militärunternehmen.
    • Kampfroboter (war robots)
      Atlas entwickelt von Boston Dynamics im Auftrag der US-amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency oder
      Bosten Dynamics war meines Wissens mal Alphabet (Google), mittlerweile wohl verkauft weil militärisch und
    • zur neuen Kriegsführung eine Übersicht.
  • Neues Wissen aus Gehirnforschung und Philosophie
    • Dinge wie persönliche Schuldfähigkeit und den freien Willen haben wir völlig falsch verstanden
    • Der Verstand ist nur ein ganz kleiner Teil von uns
    • Wir sind eben nicht die freien Denker und Lenker sondern gefangen von unserer Sozialisierung, die unser Unterbewusstsein prägt. Könnte ein Grund mehr sein, warum wir letzten Endes doch sehr soziale Wesen sind. Denn unser Unterbewusstsein wurde von der Sozialisierung, sprich von anderen Menschen geschaffen.
  • Das Internet verändert die Welt. Die digitale und sozial Vernetzung der „freundlichen Menschen“ mit der Bereitschaft etwas gemeinsam zu tun nimmt zu.
    • Erfolgreiche Beispiele
      (NextHamburg, Urbanauten, PMCamp.org selbstgemacht, Open Source Communities, NGOs aber auch Unternehmen)
    • Selbermachen von solchen „freien Communities“ wird zum Hauptweg der Zukunft um konkrete Probleme zu lösen (Infrastruktur-Themen in der Smart Cities). Auch weil Vater Staat das alles gar nicht mehr machen kann.

Wie soll es gehen? (Handeln)

  • Wir dürfen nicht Reden sondern müssen Handeln! Aufstehen! Etwas Tun!
  • Wir müssen bei uns selber beginnen
  • Keine Indoktrination, nur Impuls und Inspiration.
  • Freiheit und Frieden.
  • In Liebe leben.
  • Verbindung mit Kunst und Künstlern?
  • Schneeballprinzip?
  • Ideen gibt es genug.

Und dann kam Jolly … 

RMD
(Fertiggestellt am späten Abend im Zug von Stuttgart nach Hause in ein schönes Wochenende und schon ein wenig auf dem Wege am Samstag nach Rom)

P.S.
JOERG ROTHERMEL hat auf Facebook einen schönen Kommentar geschrieben:


„Wir dürfen nicht Reden sondern müssen Handeln! Aufstehen! Etwas Tun!“
da halte ich mal den text einer feministin dagegen:
https://franziskaschutzbach.wordpress.com/…/ich-denke…/
besonders nett finde ich die Überlegung ob „Macker“ von „Macher“ kommt!


Da trifft er mich natürlich im Herzen. Weil ich da sehr männlich formuliert habe. Nur: Ich meine Frauen und Männer sind halt so. Das ganz wertfrei. Und ich bin halt ein Mann und empfinde so die Frauen als schöne Göttinnen. Der Post hinter dem Link ist übrigens sehr lesenswert.

Ich sehe da aber kein Gegeneinander sondern vielmehr eine große Ergänzung.

Denn in meiner Denke steht
„Wir dürfen nicht Reden sondern müssen Handeln! Aufstehen! Etwas Tun!“
NICHT FÜR: GOCKELHAFTES MACHEN, KÄMPFEN, DEMONSTRIEREN, PROPAGANDA und MISSIONIEREN Fast ärgere ich mich, dass ich unser Unternehmen FRIEDEN als Projekt FRIEDEN bezeichnet habe. Halte ich persönlich ja in meiner Radikalität das allgemeine Projektverständnis schon als typisch chauvinistes Gehabe und Wichtig tue und meine ich doch, dass Teams von Frauen und Männer im Prinzip für tolle Ergebnisse KEINE Projekt Manager brauceh.

Vielmehr ist das für mich die METAPHER

FÜR: „Uns nicht von DAS TUT MAN NICHT unterdrücken, von MARKETING manipulieren, von INDOKTRINATION beeinflussen lassen.“
FÜR: „auf die BOTSCHAFTEN AUS DER ZUKUNFT HÖREN, AUTONOM und FREI LEBEN und nicht mehr JEDEN BLÖDSINN zu schlucken.“
FÜR: „den QUATSCH der POLITIK nicht mehr einfach so zu SCHLUCKEN sondern MUTIG und mit ZIVILCOURAGE darauf zu reagieren.“
FÜR: die WERTSCHÄTZUNG für uns selber und unsere NMITMENSCHEN, die SCHÖPFUNG und unsere UMWELT wieder in uns zu gewinnen, in gegenseitigem RESPEKT zu leben und MENSCHENFREUNDLICHKEIT und in LIEBE leben als die handlungsleitenden ELEMENTE des ALLTAGES zu leben.“
FÜR: „sich mit FREUNDLICHEN MENSCHEN (keine WUTBÜRGER) zu verbünden und konkret mit MUT und FREUDE unser Welt zu verbessern.“ und vor allem
FÜR: „sich zuerst mal selbst ändern und FREUDE und LIEBE in sich selbst finden!“

UND VIELES MEHR IN DIESE RICHTUNG!

Da könnten sich die Geschlechter doch gut treffen!?

Roland Dürre
Montag, der 25. April 2016

Die Meister der Reformen.

Die Vorgeschichte zum Artikel:
Zurzeit habe ich lieben Besuch aus China. Gestern am Sonntag (24. April) will unser Besuch die Bundes-Talkshow mit „Anne Will“ sehen.

Was tut man nicht alles für seine Gäste. Also schauen wir gemeinsam „Anne Will“. Das Thema der Sendung ist die Politik der EU und das Verhältnis zu ihrem Partner Türkei, mit besonderer Aufmerksamkeit auf Erdoğan, den zwölften Präsident der türkischen Republik (den ich eher als Diktator wahrnehme). Die Gäste sind überwiegend die bekannten Gesichter … (zur Sendung).

Recep Tayyip Erdoğan 2015

Recep Tayyip Erdoğan 2015
ein großer Reformer?

Zuerst ist es langweilig wie immer. Dann wird Recep Tayyip Erdoğan von einem Teilnehmer als großer Reformer gelobt.

Mich irritiert, dass diese Aussage von den Gesprächspartnern nicht nur sofort bestätigt wird, sondern dies den Diktator in der Runde aufwertet und als Gegenargument die Frage kommt, warum er denn jetzt „seine eigenen (guten) Reformen“ alle wieder abschaffen würde?

Bevor man über und von Reformen quatscht, sollte man sich zuerst mal überlegen, was denn unter „Reformieren“ zu verstehen ist. Ich schaue zuerst mal die Begriffserklärung für Reform in Wikipedia nach.

Gleich als ersten Punkt in der Aufzählung finde ich, dass der Begriff Reform nichts anderes beschreibt als
„Die planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse“.

Das erscheint mir doch schon als eine halbwegs valide Definition. Und siehe da – sie ist völlig wertfrei. Nirgends steht hier, dass eine Reform etwas „Positives“ oder Gutes“ sein müsse.

Die Definition fragt auch nicht nach dem Zweck. So bleibt eine Reform eine Reform, auch wenn sie zum Beispiel der Einführung einer (guten oder schlechten) Diktatur oder einer (vielleicht genauso guten oder schlechten) Demokratie dient.

Den eigentlichen Artikel zu Reform in Wikipedia finde ich schwach. Er beschränkt sich auf Beispiele für Reformen in der Geschichte; Politische Reformen im Deutschland der Gegenwart und Kirchliche Reformen. Er suggeriert auch, dass eine Reform nur dann eine Reform ist, wenn es um eine Umgestaltung geht, die zu einer wesentlichen Veränderung führt. 

Das gängige und einzige Mittel zur Umsetzung von Reformen in Demokratien scheint die Gesetzgebung zu sein. Reformieren heißt, ein neues Gesetz zu machen. Woher kommt dann eigentlich der dauernde Ruf „nach neuen Reformen“? Da wir ja nicht die Kraft haben, Gesetze zu streichen, verkommt er zur Forderung nach mehr Gesetzen. Und genau die werden auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene eh schon in inflationärer Art und Weise produziert!

Ein gutes Objekt für eine geschichtliche Betrachtung von Reformen und ihre Folgen ist für mich die Geschichte der deutschen Eisenbahn. Zuerst wurden die Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn (DR) zusammengefasst. Dadurch entstand eines der größten Unternehmen der Welt und der weltweit größte Arbeitgeber. Die Vorteile waren simpel, es war jetzt möglich „Einheitsbaureihen“ in großer Stückzahl zu bauen. Diese „Reform“ hat wohl auch zu einer sehr leistungsfähigen Organisation geführt. Angeblich fuhr die deutsche Reichsbahn sogar in den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs pünktlicher als die DB AG und ihre Wettbewerber heute.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bundesbahn (DB) in Westdeutschland die Nachfolgerin der DR. Zur Übernahme der Deutschen Reichsbahn der DDR kam dann die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn und die Überführung in die DB AG inklusive einer Zerlegung in viele Eisenbahn-Betriebsgesellschaften und Erweiterung des Betriebes durch „private“ Konkurrenten.

Da kann man jetzt sicher trefflich über den Sinn und Zweck dieser Reformen diskutieren.

Aber zurück zur Talkshow von Anne Will.
Zuerst musste ich bei der Erwähnung der Reformen von Erdoğan an Adolf Hitler denken. War der doch nicht nur der größte Feldherr (GröFaZ) sondern auch der größte Reformer aller Zeiten (GröRaZ)? Sind doch viele Reformen und die daraus resultierende Gesetze, die überwiegend heute noch gelten, im dritten Reich angelegt worden (Arbeit, Mutterschutz, Verhältnis Kirche/Staat inklusive Kirchensteuer, Kulturgutschutz und vieles mehr).

Die türkische Geschichte, wie ich sie gelernt habe:
Als Kinder haben wir in der Schule und im Rahmen der BRD-Sozialisierung gelernt, dass die Türkei und die Türken den Deutschen sehr freundlich gesinnt seien. Militärisch wäre die Türkei immer ein guter Partner gewesen. Die aus dem Mittelalter stammende Angst vor den Türken wäre nicht mehr angebracht. Innenpolitisch wäre die Türkei sicher ein wenig kritisch zu bewerten, da die Trennung von Kirche und Staat naturgemäß in islamischen Staaten nicht so einfach wäre. Das säkulare Erbe von Atatürk (Mustafa Kemal Atatürk), dem Vater aller Türken, würde aber glücklicherweise von den Generälen des starken Militär beschützt, das so auch die Demokratie in der Türkei sicher stellen würde. Und natürlich hat man uns gelehrt, dass die türkischen Gastarbeiter ein wichtiges Moment für die deutsche Wirtschaft wären. Das war es dann schon, was man uns über den Nato-Staat und damals noch baldiges Mitglied der europäischen Gemeinschaft erzählt hat.

Naja, vielleicht hat Erdoğan ja da mit seinen Reformen durchaus etwas verändert.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia Kremlin.ru
Встреча Президента России Владимира Путина с Президентом Турции Реджепом Тайипом Эрдоганом в Баку

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. März 2016

Warum das Projekt Frieden?

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Ich beschreibe mal aus meiner Sicht, warum wir dringend etwas für den Frieden tun müssen. Für den großen, alles umfassenden, inneren wie äußeren Frieden.

Den wir mit uns selber und mit der Umwelt schließen müssen. Und zwischen den Menschen und den Völkern. Beides wird immer notwendiger, um Zukunft überhaupt noch zu ermöglichen.

Dazu brauchen wir eine starke Veränderung des Denkens und Bewusstseins.

Weil es nicht sein darf, dass die „Denkhoheit“ von Menschen beherrscht wird, die zum Beispiel fest daran glauben, dass:
Ein böser Mensch mit einer Waffe nur von einem guten Mensch mit einer Waffe gestoppt werden kann.
(NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre 2012)

Auf Staaten umgemünzt würde das heißen, dass
„Ein böser Staat mit einer Armee eben nur von einem guten Start mit einer Armee gestoppt werden kann!“

Man erkennt doch sehr schnell, dass solch eine Denke in moralischen Kategorien wie „gut“ und „böse“ uns nicht wirklich weiter hilft und es besser ist, wenn wir den Weg von Aufklärung und Demokratie weiter gehen.

Das heißt unter anderem, dass wir das Gewalt- und damit das Waffenmonopol eben der Gemeinschaft (dem Staat) überlassen, in der wir leben und dem wir es ja schon als Teil unseres zivilisatorischen Fortschritts schon abgetreten haben.

Dazu muss die Gesellschaft in der Lage sein, einen Unrechtsstaat oder gar eine Diktatur durch öffentliche Kontrolle, unter anderem durch eine klare Gewaltenteilung zu vermeiden. Und ebenso Lobby-Strukturen zurückdrängen können , die nur zu leicht zu einer Diktatur des Kapitals und im schlimmsten Fall zu einem Militär-Wirtschafts-Komplex führen.

Die Voraussetzung für einen solchen Frieden im Staat und zwischen Staaten und Völkern und Ethnien (auch unter Einbeziehung der problematischen Religionen) ist, dass wir ein Bewusstsein entwickeln, dass dies nur gelingen kann, wenn wir auch für uns ganz individuell einen inneren Frieden gewinnen.

So ist Voraussetzung für kollektiven Frieden der innere Friede der Individuen des Kollektivs. Wir müssen also mit uns selber ins Reine kommen. Das mag schwer genug sein, dürfte aber die einzige Chance sein, ein neues Verständnis von Strafe und Gerechtigkeit zu entwickeln. Das uns gesellschaftlich wirklich weiter hilft.

Denn sind Gefängnisse wirklich die einzige Möglichkeit, eine im Inneren friedliche Gesellschaft zu erreichen. Oder bewirken sie nicht eher das Gegenteil? Wie kann eine Gesellschaft zu einem sozialen Frieden gelangen, wenn Armut und Reichtum in einer unzulässigen Polarisierung unterliegen?

So geht es einerseits darum, unsägliche Philosophien wie z.B. die von Ayn Rand (eine der wichtigen Vordenker der Republikaner in USA) zu widerlegen und eine „neue“ Aufklärung 2.0 auf den Weg zu bringen. So müssen wir uns gegen jede Art von Indoktrination wehren, denn eine solche ist der schlimmsten Gegner einer aufgeklärten Gesellschaft.

So versuche ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu mit unserem Projekt Frieden einen kleinen Beitrag zu leisten, um den fragilen Spagat von Freiheit und vermeintlicher Sicherheit zugunsten der Freiheit zu stabilisieren.

Ich persönlich möchte die Menschen auch daran erinnern, dass in Konfliktfällen immer der Weg ohne Morden und Töten, Folter und Vergewaltigung der für alle bessere ist und nur dieser Weg in der Regel für stabile und nachhaltige Lösungen sorgt. Und den Optimismus und die Zuversicht stärken, dass dies ganz normal möglich und realistisch ist.

Eher also der Metapher eines „Ghandi“ folgen als der eines Gewaltherrschers.

(Geschrieben in Peking)

RMD

P.S.
Noch mal zusammengefasst:
Die „innere Aufrichtigkeit“ (die uns selbst gegenüber) ist Voraussetzung für „inneren Frieden“, der wiederum Voraussetzung für den „großen Frieden“ ist. So brauchen wir Inspiration und Impulse für „innere Aufrichtigkeit“. Das ist ein Grund, warum Jolly und ich am 28. April zum Kickoff für FRIEDEN ins IF-Forum einladen.

Roland Dürre
Sonntag, der 13. März 2016

Für FRIEDEN.

Auf der Suche nach nach meinen Helden habe ich schon in frühen Jahren Boris Vian gefunden. Es hat ein radikales Friedenslied in 1954 geschaffen und gesungen – Le Déserteur. Das war ein großer Song und für mich Anfang der 60iger Jahre eine wahre *Hymne für Freiheit und Frieden.*

2012 habe ich darüber geschrieben und mich über die #GEMA wegen ihrer Sperren in Youtube geärgert.

Hier ist das Lied:

Ein weiterer großer Sänger von Friedensliedern ist Jacques Brel. Auch er war einer der Helden meiner Jugend.

Terry Jacks hat in 1974 Seasons in the Sun produziert. Dieser Song basiert auf dem Chanson Le Moribond („Der Sterbende“) von Jacques Brel.

Aber hören wir den Meister im Original:

Das war aber damals vielleicht ein wenig kitschig aber auch nicht so ganz schlecht:

Jetzt überlege ich mir, wer denn heute so meine Vorbilder sein könnten. Ich meine, dass Carl Amery und José Saramago da ganz gut geeignet wären.

Für Frieden!

RMD

P.S.
Zu John Lennon, Barbara und vielen anderen kommen wir dann später …

P.S.1
Weil ich gefragt wurde, wer Barbara ist …

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 31. Dezember 2015

Bertrand Russell und das Internet 5.0

Ein spleeniger Amerikaner besucht ein kleines deutsches Dorf, sucht den dortigen Barbier auf und verspricht diesem 100.000 Dollar, wenn er alle Bewohner des Dorfes rasiere, mit Ausnahme natürlich derer, die dies selbst tun.
Mit Freuden fängt er an und als er gerade mit der Hälfte seiner Kunden durch ist, geht ihm ein Licht auf: Wie sollte er es eigentlich mit sich selber halten ?

Um es gnadenlos abzukürzen:  Die Definition „Barbier := Jemand, der Menschen rasiert, die dies nicht selbst tun“ ist eine trickreiche Definition der Leeren Menge.  Die lustige Geschichte erwies sich in Wahrheit als der Tod der seinerzeit existenten Mengenlehre.  Das Russell’sche Paradigma machte einen Erfinder recht bekannt.

Sehr gerne zitieren Roland als „Superintendent“ dieses „Magazins“, aber auch andere Autoren den nachfolgenden, ebenfalls Bertrand Russell zugeschriebenen Satz:

„Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“

Mit Aphorismen und Zitaten ist es wie mit Bibelsprüchen, die man aus einem beliebigen Kontext des „theologischen Selbstbedienungsladens“ ziehen kann. Nun hat Roland mein letztes Zitat dieses Aphorismus‘ wieder aufgegriffen und, Vorsicht, übelster Sozial- und sonstiger „Rassismus“, ich möchte einmal konkretisieren, warum jener meines Erachtens so wichtig ist.

Mein alter Herr war in den 70er Jahren in der Rolle eines Wirtschaftsprüfers für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika tätig, wovon er seinem etwa zwölfjährigem Sohn berichtete. In Erinnerung geblieben ist mir die Schilderung, daß zehn hochmoderne Reisebusse von Büssing angeschafft und ausgeliefert worden waren, um Menschen täglich in die nächsten größeren Städte zur Arbeit zu bringen und zurück. Das ehrgeizige Projekt war gescheitert aufgrund „mangelnder Akzeptanz der Einheimischen“. Auch mein Vater hatte es mit Russell, insbesondere mit dessen Satz, „Wenn sich Experten einig sind, ist größte Vorsicht geboten“ und suchte die eigens ausgebildeten Busfahrer auf. Die führten aus, daß die Busse schon sehr schön seien, aber immer „kaputt“ gingen.

Und da forschte er einmal nach: Bei Bus 1 war die Batterie leer, bei Bus 2 lag eine Bagatelle mit der Druckluftbremse vor, Bus 3 war zwar vollgetankt, aber wohl zwischendurch leergefahren worden, so daß die Kraftstoffleitung hätte entlüftet werden müssen, Bus 4 hatte einen defekten Kühlwasserthermostaten und die Busse 5 bis 10 „litten“ an ähnlichen Kleinigkeiten. Während seiner Lehrzeit hatte mein Vater oft LKWs gefahren und so war es eine Sache von wenigen Minuten, bis er den ersten Schraubenschlüssel in der Hand hatte und die Busse einen nach dem anderen wieder in Betrieb nahm. Dennoch konnte mein Vater keine Erfolgsgeschichte mit nach Hause bringen: Zwei Tage fuhren die Busse wieder, aber dann kehrte wieder „Normalität“ ein in Form von Bagatellausfällen, mit denen das lokale Team völlig überfordert war.

„Die moderne Technik ist dort hinten einfach noch nicht angekommen, Du kannst denen nicht erklären, was Elektrizität ist. Und es war blödsinnig, die modernsten verfügbaren Busse zu nehmen. Es hätten viel einfachere, robustere Modelle sein müssen. Ohne hydrodynamische Getriebe, ohne Servolenkung. So wird das nie etwas“.

Mein alter Herr wird wohl recht gehabt haben.

Mittlerweile gibt es Heinrich Büssings Nutzfahrzeugfabrik nicht mehr, aber in jedem „Smartphone“ steckt mehr Komplexität als in allen zehn Bussen zusammen! Und spätestens ab sechs braucht man eines, es heißt ja schließlich „Eifon 6“. Wenn es ein „Eifon 5“ ist, darf man sicher sein, daß das arme Kind in der Schule „gemobbt“ wird.

Wenn uns früher als Kindern das Fahrrad kaputt ging, dann reparierten wir es. Ein „Eifon“ muß bei der geringsten Macke in die Spezialwerkstatt, wo es in aller Regel gegen ein neues Modell ausgetauscht wird. Was hätten wir früher jemandem den Vogel gezeigt, der uns gesagt hätte, „wenn Euer Scheinwerferbirnchen durchgebrannt ist, dann braucht Ihr ein neues Fahrrad!“ — bei einem Eifon kann man nicht einmal mehr den Akku wechseln. Also: Ich bleibe dabei: Wer sich so ein Ding als erwachsener Mensch kauft, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Natürlich haben wir früher den Polizeifunk abgehört, indem wir unsere Radiogeräte, welche schon für den internationalen Markt ausgelegt waren, ein wenig umjustierten. Wir nannten die Geräte auch nicht „Radio“, sondern „Superhet“, weil wir wußten, daß der drinsitzende Tuner nach dem Überlagerungsprinzip arbeitete, weil eine feste Zwischenfrequenz mit besserer Selektivität herausgefiltert werden konnte.

Ja, wir hatten eine Beziehung zu den Geräten und wuchsen mit ihnen. Es war ein Freudentag, als unsere Familie ein größeres „SABA Lindau“ – Radiogerät bekam, das man sich nicht „mal eben so“ kaufen konnte, sondern für das mein Vater lange und hart gearbeitet hatte. Dieses Gerät repräsentierte schon „Spitzentechnologie“ in Form eines „Integrierten Schaltkreises“, nämlich einer Röhre des Typs EABC80:

„Das gute alte Dampfradio“ war schon komplizierter als man sich gemeinhin vorstellen konnte, aber das Prinzip kannte jeder. Das Radiogerät hat seinen Dienst mehr als 30 Jahre zur besten Zufriedenheit erledigt. Ein Eifon hält maximal zwei Jahre.

Mit dem „Dampfradio“ aber gab es bereits in der Kommunikationstechnik die tollsten Möglichkeiten, die später dazu beitrugen, einen Kanal mehrfach zu nutzen, beispielsweise die Einseitenbandmodulation.

Wenn wir von moderner Internetkommunikation reden, dann ist diese das Ergebnis einer fieberhaften, internationalen und koordinierten Suche nach der „Mehrfachnutzung“ von Leitungen. Diese ist keineswegs selbstverständlich! Wenn wir vor 30 Jahren von Hamburg nach München telephonierten, dann war eine physikalische Drahtverbindung, sogar vierfach, über die gesamte Strecke durchgeschaltet und diente exklusiv den beiden Gesprächspartnern. Nun stelle man sich den Aufwand vor, man müßte jeden Internetcomputer mit jedem verbinden!

Also ersann man nicht nur unterschiedlichste Modulationsverfahren, welche typischerweise nicht nur die Amplitude, sondern zusätzlich auch die Phasenlage des Trägers beeinflußten und damit deutlich effektiver wurden, sondern man teilte Kanäle in Zeitschlitze auf („TDMA“) oder versuchte einen Kanal durch ‚chaotisches‘ Trial-and-Error‘ mehrfach zu nutzen („CSMA/CD“). Einen gigantischen Durchbruch unterdessen erzielte die Einführung einer „paketorientierten“ Übertragung, deren weitaus bekannteste Variante schon vor einem Vierteljahrhundert „IP“ hieß, und dreimal dürfen Sie raten, liebe Leser, wofür das „I“ steht.  Mit „IP“ war es erstmals möglich, von jedem Endgerät jeden Dienst eines jeden Systems zu nutzen.

Wer heute von einer „innovativen CLOUD-Lösung“ spricht, ist ein dummer Schwätzer, der die Grundlagen des Phänomens „Internet“ nachhaltig nicht verstanden hat. Denn der innovative, proaktive Dummschwätzer verfügt zwar über Spitzentechnik in seiner Hemdtasche, aber sein Verstand ist nicht annähernd mitgewachsen. Denn sonst wüßte er, daß unzählige Unternehmen und Institutionen seit Jahrzehnten „Cloud-Technologie“ wie selbstverständlich nutzen.

Wie weit Unverständnis und fast schon perfide zu nennende Borniertheit gehen, zeigt in kaum zu übertreffender Dreistigkeit „Telekom“ – Chef Höttges, welcher von Google, Amazon und anderen „Volumenanbietern“ eine „Mautgebühr“ verlangt, mit der im Wortsinn perversen Begündung, „Die benutzen unsere Leitungen und wir bekommen dafür keinen Pfennig“. Als ob Google von sich aus etwas schicken würde, was der zahlende, und zwar an die „Telekom“ zahlende, Endkunde nicht abrufen würde! Und ja, der Kunde ruft auch die Werbung ab, die Google nicht „mitschickt“, sondern die der Browser des „Telekom“-Kunden dynamisch nachlädt.

Die komplette Gurkentruppe „Telekom“ ist ein erschreckender Beweis dafür, was passiert, wenn Russels Satz konsequent nicht beachtet wird.

 

Der „Zuwachs an Weisheit“ darf aber keineswegs reduziert werden auf „Zuwachs an technischem Verständnis“.

Speziell in der DDR gab es richtige „Röhrenkünstler“, die theoretisch und praktisch allerbestens ausgebildet waren, sei es „offiziell“ oder in privater Arbeit. Was der typische „Zoni“ aber nie kennengelernt hatte, war Demokratie.

Nach der unglückseligen „Wiedervereinigung“ bekam der Zoni, qua 1:1 – Umtausch, alles gratis: Bananen, Cola, Farbfernseher und Beate Uhse. „Westautos“ vor allen Dingen. Eine eingereiste DDR-Familie, der ich einen prima Farbfernseher geschenkt hatte, beschwerte sich bei Bekannten über mich, „Er hat uns ein Gerät gegeben, mit dem wir nicht einmal RTL gucken können“. Genau diese Familie „engagiert“ sich mittlerweile in der „NPD“, das Oberhaupt befindet sich seit Jahren, wer hätte das gedacht, „in einer beruflichen Umorientierungsphase“.

Kann man es verübeln? Es wurde ein tolles Schlaraffenland versprochen, „blühende Landschaften“, Wohlstand für alle und Friede, Freude, Eierkuchen. Stattdessen sollte man auch hier arbeiten müssen? Nett zu Kunden sein? Und diesen verdammten „Briketts“ und „Fidschis“, die man schon zu DDR-Zeiten schon so gehaßt hatte, gesellten sich jetzt auch noch Asylanten zur Seite? Das konnte nicht sein – und so kam es, daß die ersten Flüchtlingsunterkünfte brannten. Als ich im Fernsehen etwa 1990 die Hoyerswerda-Bilder sah, habe ich geheult.

Mittlerweile haben unsere „Brüder und Schwestern“ größtenteils einen luxuriösen Internetanschluß mit einem Durchsatz zwischen 6.000 und 25.000 MBit/s. Und unsere Bundesregierung möchte noch weit mehr. Da darf ich doch ‚mal fragen, unter Zugrundelegung der Prämisse, „Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“, worin besteht denn verdammt nochmal der Zuwachs an menschlichem Glück, wenn der demokratiefeindliche Pöbel über „Facebook“ die allerübelste Hetze auskippt ?

Technik, Wissen um Technik und Wissen um die mit der Nutzung von Technik einhergehenden Verantwortung müssen miteinander wachsen. Am Beispiel der unsäglichen „Bundeskanzlerin“ können wir sehen: Die Demokratie ist einfach noch nicht in der ehemaligen DDR und unter deren Bürgern angekommen. Wie sonst könnte sich beispielsweise Merkel entblöden, im Falle „Bin Laden“ der amerikanischen Regierung „für die gelungene Aktion“, i.e. den Mord eines mutmaßlichen Attentäters ohne Gerichtsverhandlung, zu gratulieren? Im Namen der Bundesregierung?

Wenn „Facebook“-Abschaum aus den „neuen Bundesländern“ das Bild eines ertrunkenen Kleinkindes mit „Wir Feiern!“ kommentiert, dann ist das eklig, aber weder verwunderlich noch strafbar – es wird ja keiner gezwungen, sich einzuschreiben in diese Asozialensuhle. Wenn Merkel öffentlich Gewaltverbrechen billigt, dann ist das knallhart strafbar.

Zusammenfassend: Weder kann ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Internet umgehen — noch ist die „Kanzlerin“ in der Lage, ein Mobiltelephon verantwortungsvoll zu nutzen.

Leider viel zu früh verstarb der von mir hochgeschätzte Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba. Viele sahen in Walter Mixa einen Nachfolger, was Dyba nicht annähernd gerecht wird:  Es ist nicht so, daß jener Protz und Prunk gehaßt hätte – er hatte ihn einfach nicht nötig, denn er glich durch scharfen Intellekt, charismatische Persönlichkeit, Integrität und brillante, geradezu lustvolle Rhetorik aus.  Aus dem Spiegel, der „Pressestelle des Teufels“, zitiere ich ihn einmal:

„Der Werteverfall hat seinen Preis: Früher dauerte ein Flug nach London mit einer Propellermaschine zwei Stunden. Heute dauert die Reise mit all den Sicherheitsmaßnahmen, trotz Düsenjet, eine halbe Stunde länger. Warum? Weil das moralische Tabu gefallen ist, daß Flugzeuge nicht entführt werden dürfen. Unser ganzes System geht in die Brüche, weil ganz selbstverständliche Tugenden, die aus dem Glauben und aus der christlichen Nächstenliebe erwuchsen, aufgegeben wurden.“

Als Agnostiker möchte ich anmerken, daß diese „selbstverständlichen Tugenden“ vor allem ein Axiom unserer ehemals freiheitlichen Demokratie sind, siehe Artikel 2 Grundgesetz.

Man kann zu Silvio Berlusconi unterschiedlicher Auffassung sein, aber ganz sicher wird ihm keiner unterstellen, jener könnte Dinge nicht konzis und pointiert auf den Punkt bringen: Ob es seinerzeit die paßgenaue Charakterisierung des unsäglich peinlichen Martin Schulz war, ob es um eine kurze, charmante Bezeichnung für die „Bundeskanzlerin“ ging oder um die „Errungenschaften“ der Islamisten:  Berlusconi traf den Punkt. Ich war mit meiner Frau vor einigen Jahren auf der Durchreise in Bologna, als ich den „Cavalliere“ im Hotelfoyer auf einem RAI – Kanal vom Leder ziehen hörte (bitte keine Korrektheit erwarten, schon gar keine politische – mein Italienisch ist arg eingerostet – also: sinngemäß):

„Was hätte denn der Islam jemals geleistet, was die Menschheit vorangebracht hätte? Kennen Sie irgendeine Erfindung, irgendein Produkt, das unser Leben bereichern würde? Ganz im Gegenteil, Islamisten benutzen Technik und Wissenschaft, um andere zu schädigen, um Leben zu vernichten und Staaten zu erpressen. Zudem können Sie die ganze Rückständigkeit der islamischen Staaten daran erkennen, wie erniedrigend Frauen dort behandelt werden“.

Das mag zwar jetzt bei Claudia Roth, Renate Künast und anderen Schönheiten keinen Anklang finden, aber vielleicht gerade deswegen möchte ich diese sinngemäß wiedergegebene Äußerung ergänzen: Die einzige Innovation, die Islamisten dem Internet „geschenkt“ haben, ist das Enthauptungsvideo.

Und jetzt eröffnet der Kongress des „Chaos Computer Clubs“ mit einer „Keynote“, in der „mehr Internet für Flüchtlinge“ gefordert wird.  Und wieder unter Zugrundelegung des Russel’schen Satzes frage ich mich, ob das nicht das genaue Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt: Denn bisher haben viele „Flüchtlinge“ Technik nicht gerade so gebraucht, daß damit „ein Zuwachs menschlichen Glücks“ erreicht worden wäre:

  • die eigenen Schicksalsgenossen werden mit Fahrplanauskünften aus den „Windows“-basierten DB-Automaten, welche einer echten Fahrkarte täuschend ähnlich sehen, um ihr Geld betrogen
  • Züge werden mit der Notbremse angehalten, mehrfach pro Fahrt, wodurch Mitreisende und nachfolgende Züge in Gefahr gebracht werden
  • Unter Vorlage falscher oder gefälschter Dokumente werden Verträge mit Internetprovidern geschlossen, erhebliche Schäden enstehen
  • Der Münchner Marienplatz wird blockiert aus Protest gegen eine etwas einsamere Unterkunft, unendliche 900 Meter von der nächsten Siedlung entfernt und kein Internet!!!
  • Beim „Kampf“ um eine freie Steckdose schlägt man sich mit Eisenstangen, die aus demolierten Betten „gewonnen“ wurden, die Köpfe ein

Die Liste ließe sich ziemlich lang und fies fortsetzen, aber ich möchte hier keine „Hetzseite“ gegen Asylanten einrichten.

Aber ich finde es auch hier notwendig, aus Russell zu lernen: Wir müsssen die Menschen, die hierhin kommen, zunächst einmal mit dem Notwendigsten versorgen, Essen, medizinischer Versorgung, gewaltfreier Unterkunft, Teilnahme, Zitat Sina Trinkwalder, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit“. Das kann nicht in Ballungszentren wie in Berlin oder in Hamburg klappen, sondern beispielsweise auf dem Land – wo auch Landwirtschft betrieben wird.

Einen Internetanschluß oder ein „Smartphone“ braucht man dazu erst einmal nicht.

 

Wir müssen, sowohl geistig als auch vom technischen Verständnis her, genau so schnell wachsen wie unsere Technologien.

Nicht mehr, aber verdammt nochmal auch nicht weniger.

hb

Roland Dürre
Sonntag, der 4. Oktober 2015

Ich bin kein Held.

Nach meiner „Wutrede“ stellt sich die Frage:
Was ist eigentlich mein Beitrag?

Die Krypta des Freisinger Doms

Die Krypta des Freisinger Doms

Für mich ist die Philosophie so etwas wie die Lehre vom Leben. Seneca hat schon vor langer Zeit zu seinen Schülern gesprochen:

Die Philosophie lehrt handeln, nicht reden.

So sollte auch der Wutredner prüfen, ob er nur redet oder schon handelt. Und ich gestehe, ich bin nicht zufrieden mit mir.

Zwar versuche ich die von mir kritisierten gesellschaftlichen Normen und eingefahrenen Muster zu verlassen. Und wenn möglich aktiv Veränderung anzustoßen. Aber reicht das aus?

Merke ich doch nur zu oft, wie ich in meiner Bürgerlichkeit gefangen bin. Meine Dompteure waren unter anderem meine Eltern und Lehrer. Diverse Systemagenten wollten mich nach ihren Vorstellungen  ausrichten und mir sagen, wo es lang geht. Moralismen und eine extrem kapitalistische Konsumgesellschaft wirken sowieso täglich massiv auf mich ein.

Trotzdem hoffe ich, zu denen zu gehören, die unser „dressiertes Leben“ eben nicht für unabwendbar halten. Zumindest habe ich in meinem Leben immer wieder versucht, den Zügeln besagter Dompteure zu entkommen. Und fühle mich schon ein wenig besser. Aber ich mache zu wenig. Gut, ich fahre nicht mehr Auto. Aber das ist eigentlich schon fast egoistisch zu nennen. Bin ich doch plötzlich viel mobiler und freier als je zuvor. Und mein Leben ist durch diese Veränderung und (vermeintlichen) Verzicht schöner geworden. Das hilft schon beim Umdenken.

Wenn ich meine Generation so sehe, dann bin ich entsetzt, wie viele meiner Weggefährten ihr Leben lang in nicht nur emotionalen Gefängnissen eingesperrt waren. Ich kenne Menschen, die in ihrem Leben jeden Quatsch, den man ihnen verzählt hat, brav geglaubt haben. Die aus Bequemlichkeit scheibchenweise ihre Autonomie aufgegeben haben.

Andere sind kein einziges Mal in ihrem Leben an Biforkationspunkten einem Motto wie „love it, change it or leave it“ gefolgt. Sie sind dann folgerichtig immer kleiner gemacht geworden. Trotzdem nehmen sie sich heute wichtig bis zum geht nicht mehr, leben von ihrem Status und ersticken in ihrer Angst. Das Bangen um ihren Besitzstand bestimmt ihr Leben und lässt sie inhuman werden. Dass auch sie nur sterbliche Wesen scheinen sie vergessen zu haben.

Ich habe keine Lust mehr, dem Schwachsinn dieser Gesellschaft zu folgen. Und will die nächsten Jahre mehr handeln. Dabei habe ich mich auf die Suche nach Vorbildern begeben. Eines habe ich gefunden, es ist Carl Amery. Sein Leben und Werk beeindrucken mich. Ich glaube, er war so eine Art Held.

🙂 Leider bin ich noch kein Held. Aber es kann ja noch werden …

RMD

P.S.
Das von mir verwendete Bild ist aus Wikipedia. Mit ihm ist der Artikel zu Carl Amery (bürgerlich Christian Anton Mayer) illustriert. Es ist das Werk von Richard Huber.

Klaus Hnilica
Dienstag, der 22. September 2015

Ist ’soziale Gerechtigkeit‘ nur ein Missverständnis?

Ja – wenn wir weiter an dem festhalten, was wir bisher dafür halten! /1/

Nach diesen Vorstellungen hält sich nämlich seltsamer Weise auch jeder für sozial gerecht, beklagt aber im gleichen Atemzug die wachsende Ungerechtigkeit in der Welt.

Dieses Missverhältnis scheint unüberbrückbar zu sein.

ApfelpflückerWir sind einfach zu verliebt in unsere unklaren Begrifflichkeiten, ja suhlen uns regelrecht in der Vorstellung, dass die ‚soziale Gerechtigkeit’ eine Art ‚moralische eierlegende Wollmilchsau’ zu sein hat, und nicht etwa nur ein Mindeststandard für das Verhalten von Menschen, der lediglich ein paar Regeln umfasst, an die sich selbst die Böswilligsten zu halten haben!

Wenn wir allerdings Letzteres akzeptieren, stellt sich sehr schnell heraus, dass ‚soziale Gerechtigkeit’ eher wenig mit romantisierter ‚Gleichheit’ zu tun hat, aber sehr viel mit der nicht so romantischen ’Freiwilligkeit’. Und dass deswegen die Politik generell ein inhärentes strukturelles Problem hat, ‚soziale Gerechtigkeit’ herbeizuführen, auch wenn sie noch so eifrig ‚Gerechtigkeitslücken’ aufspürt und zu schließen versucht. In drei Schritten lässt sich das auch unschwer zeigen; man muss nur

   A) auf das allgemeine Prinzip der ‚Tauschgerechtigkeit’ eingehen,

   B) auf die ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’ und

   C) auf die besonders ins Auge springende ‚Verteilungsgerechtigkeit’.

Gehen wir auf die drei Schritte näher ein:

   A) Denn um eine sehr spezielle Form der ‚Tauschgerechtigkeit’ geht es ja letztlich, wenn im Namen der ‚sozialen Gerechtigkeit’ nach gerechten Preisen und Löhnen gerufen wird!

Etwa wenn es heißt: hier die duftende Alpenbutter, da die lächerlichen Ein-Euro-Achtzig; oder hier das Super-Manuskript und dort das schmale Honorar. ‚Wertgleichheit’ fordert eigentlich hierbei das allgemeine ‚Prinzip der Tauschgerechtigkeit’! Aber wie bestimmt man diese ‚Wertgleichheit’ objektiv bei jedem konkreten Tauschvorgang?

Ist in der Sahara beispielsweise eine Unze Gold für einen Eimer Wasser angemessen, wenn’s ums Überleben geht? Und sind 50 Cent für zwei Liter Milch nicht schon zuviel, wenn eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt? Oder wie hoch darf die Honorarforderung für ein angebotenes Manuskript sein, das dann doch nur unter das Bein eines wackelnden Tisches geschoben wird?

Heißt das nicht, dass die ‚Bewertung’ eines Tauschobjektes naturgemäß sehr subjektiv ist und dieser Wert nichts mit Gleichwertigkeit zu tun hat? Dies umso mehr, als der Tausch ja nur zustande kommt, weil jeder Beteiligte die Tauschobjekte unterschiedlich bewertet und gerade darin seinen Gewinn sieht.

Natürlich lässt sich dieser ‚Tauschgewinn’ genauso wenig nachweisen wie der ‚Tauschwert’: aber klar ist auch, dass der Gewinn immer dann vorhanden und nachweisbar ist, wenn der Tausch freiwillig erfolgt! Woraus folgt, dass eine Tauschhandlung immer dann ‚sozial gerecht’ ist, wenn niemand zu ihr gezwungen wird!

Natürlich stellt diese Freiwilligkeit beim ‚Tausch’ nicht sicher, dass jeder seine Maximalvorstellung durchsetzt, und sie schützt auch nicht vor Fehlentscheidungen, wie beispielsweise dem unüberlegten Zugriff auf niedrigpreisige Milch trotz Laktoseunverträglichkeit. Aber das muss auch nicht sein. Denn die Bewertung des ‚Tauschgewinnes’ erfolgt ja subjektiv und darf daher dann nicht wieder unter ein falsches Gleichheitsdiktat gestellt werden, nur weil von der irreführenden Intuition ausgegangen wird, diese ‚Gleichheit’ stehe auch beim ‚Tauschgewinn’ in einem engem Zusammenhang mit ‚sozialer Gerechtigkeit’!

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Preise und Löhne immer dann sozial gerecht sind, wenn sie ohne Zwang akzeptiert werden können!

   B) Nun zur angeblich sozial gerechten ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’!

Hier führt die Gleichheitsbesessenheit in eine ähnliche logische Sackgasse, wie sich an einem einfachen Beispiel unschwer zeigen lässt: Stellt man nämlich an eine Rentnerin, einen Sportler und einen sechsjährigen Jungen unter dem Aspekt der Gleichbehandlung die gleiche Forderung, nämlich von einem vier Meter hohen Apfelbaum, an dem eine Leiter lehnt, Äpfel zu pflücken, so wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: erst nach sehr unterschiedlich gearteten Hilfeleistungen, die in keiner Weise mehr einer Gleichbehandlung entsprechen, werden alle drei Kandidaten zur gleichen Anzahl von Äpfeln gelangen und somit Ergebnisgleichheit erzielen.

Da aber letztlich alle Individuen auf der Erde unterschiedlich sind, wird generell bei Gleichbehandlung nie Ergebnisgleichheit erzielt werden und umgekehrt!

Und obwohl dieser Sachverhalt glasklar ist, fordern wir immer wieder Gleichheit bei sozialer Gerechtigkeit. Aber wäre Gleichheit wirklich sozial gerecht, dann wäre doch auch ein Zustand, in dem es allen Menschen gleich schlecht geht, gerechtigkeitstheoretisch das Großartigste, was man sich nur wünschen kann.

Glücklicherweise glaubt das niemand! Dennoch sträuben wir uns, die logische Konsequenz zu ziehen und Gleichheit nicht mehr als einen Ausdruck sozialer Gerechtigkeit zu betrachten.

   C)  Besonders augenfällig ist die Gleichheitsneigung in Debatten über ‚Verteilungsgerechtigkeit’!

Verteilen bedeutet ausgeben aus einem Vorrat. Verteilungsgerechtigkeit fordert, dass dies nach gewissen Regeln zu erfolgen hat. Am klarsten sind die Gerechtigkeitsverhältnisse aber letztlich nur dann, wenn die Eigentümerin verteilt, denn dann gilt ausschließlich ihr Wille. Es kann zwar vernünftig sein, sich an den Erwartungen Dritter zu orientieren, aber eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist das nicht. Sondern der wird durch den Schutz von Eigentumsrechten genüge getan.

Wirklich schwierig wird es aber, wenn keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen, wie das in jedem politischen System der Fall ist, da sich hier die Einflussbereiche der Verteiler und der Empfänger vielfach überschneiden. Da sind Konflikte vorprogrammiert und deren ‚gerechte Lösung’ nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern in den meisten Fällen nur mehr ein hehres Ziel!

Wie einfach haben es im Vergleich dazu Privatpersonen und Unternehmen: sie brauchen nur – nicht zu betrügen, nicht zu stehlen, nicht gewalttätig zu sein und nicht vertragsbrüchig – und schon handeln sie gerecht. Mehr Regeln brauchen sie nicht einzuhalten!

Letztlich ergibt sich aus dieser Beobachtung nicht nur für die Gerechtigkeitstheorie, sondern vor allem für die Wirtschafts- und Sozialpolitik eine überraschende Lösung, nämlich die, möglichst viele Entscheidungen in den privaten Bereich auszulagern, da hier klare und nach dem oben Gesagtem auch ‚sozial gerechte’ Verhältnisse herrschen.

Sicher nur ein frommer Wunsch, denn von dem unhaltbaren ‚gleichheitsgesättigten’ Gerechtigkeitsbegriff werden sich viele trotzdem nicht trennen wollen! Und von der daraus erwachsenen Machtfülle, die dieses ‚übergriffige Gleichheitsverständnis’ ermöglicht, noch weniger!

KH
/1/ Dagmar Schulze Heuling; „Was Gerechtigkeit nicht ist“; Nomos – Verlag Baden – Baden

Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Juli 2015

Ada Lovelace und Unschooling?

Hier meine Hinführung zum Vortrag „Lernen in Innovation“ von Bruno Gantenbein (bei InterFace AG in Unterhaching am 24. Juli 2015, 18:00, zur Einladung), wie ich sie heute Abend halten möchte. Ich versuche, die Person von ADA LOVELACE, den Begriff des „unschooling“ und das Thema „Projekt-Management“ zu verbinden.

Ada Lovelace 1836, Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

Ada Lovelace 1836,
Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

ADA LOVELACE war eine sehr widersprüchliche Frau, die in meiner Wahrnehmung ein sehr bewegtes – ein erfolgreiches wie auch sehr verzweifeltes – Leben geführt hat. Bei der Beschäftigung mit ihrer Person hat schon die Lektüre ihres Artikels in Wikipedia bei mir eine Reihe von Assoziationen ausgelöst.

Wenn wir es in unserem Handwerk zur Meisterschaft bringen wollen, müssen wir uns in der „best practice“ großer Meister üben und die in „design pattern“ kondensierten Erfahrungen der Menschheit nutzen. Bis wir an einem Punkt kommen, wo es nicht weitergeht – und an dem wir uns vom Gelernten verabschieden müssen. Dann heißt es aufzubegehren und „die Dinge“ sowie das „Das macht man so!“ in Frage zu stellen.

Lernen heißt Muster zu verstehen und zu erfahren, an denen wir uns festhalten können. Lernen in Innovation aber verlangt das Brechen von Mustern. Das Brechen von Mustern und das Entwickeln neuer Muster führt zu kreativer Zerstörung. So zwingt uns das Leben in sozialer Gemeinschaft dazu, den anhaltenden Spagat zwischen individuellem Bedürfnis und kollektiver Vorgabe auszuhalten. Schöner wäre es natürlich wenn wir diese Spannkraft  zur Entfaltung unseres eigenen Lebens nutzen könnten.

Wir alle lieben das formatierte Leben, weil es sicher und bequem ist. Wir sind bereit, uns der Moral zu unterwerfen, weil wir gut sein wollen. Andererseits sehnen wir uns nach Freiheit und Neuem. Weil wir wissen und fühlen, dass eine moralisierte Gesellschaft uns genau die Freiheit nimmt und uns einengt und klein macht.

Das scheint mir in unserer Konsumgesellschaft noch schwieriger zu werden, versucht doch die Welt (Gesellschaft und Wirtschaft) mit Marketing uns  klar zu machen, wie wir uns individualisieren sollen. Das heißt, dass kollektive Manipulation versucht unsere individuellen Bedürfnisse vorzugeben.

So ist es im privaten Leben wie im beruflichen (wenn diese Unterscheidung in einer entwickelten Gesellschaft überhaupt noch zulässig ist). In den sozialen Gemeinschaften unsere privaten Lebens „lavieren“ wir permanent zwischen diesen oft paradoxen Positionen. Und genauso in unserem Berufsleben. Denn auch das Unternehmen, in dem wir „arbeiten“ ist ein soziales System, das halt einen ökonomischen Zweck hat und uns natürlich manipulieren will. Durch Führung. Aber Führung baut auf Kommunikation auf und Kommunikation ist auch wieder nur ein Kombination von Zuhören und Reden.

Selten habe ich den Konflikt zwischen autonomer Selbstbestimmung und Fremdsteuerung so intensiv erlebt wie bei der Lektüre der Biographie der großen Mathematikern. Mir fällt da im Moment nur noch Nietzsche ein, der knapp 30 Jahre nach ADA LOVELACE geboren wurde!

Ich meine:
Wir können nur „gute“ Projektleiter, Manager, Führungskräfte – und Menschen sein, wenn uns die wichtigen Projekte gelingen. Das wichtigste Projekt eines jeden Menschen ist sein eigenes Leben. Das muss als erstes Gelingen, erst dann macht es Sinn, sich in fremdes Leben einmischen.

Das eigene Leben kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind, uns auf die wichtigen Dinge zu besinnen und unsere dem Leben abträgliche Gewohnheiten zu ändern. So muss ich willens und fähig sein, mein eigenes Leben autonom zu entfalten und dort in Ordnung zu bringen, wo es nicht passt.

Ich habe mir da zum Beispiel auch meine Mobilität herausgesucht. Und versuche schädliche Art von Mobilität zu meiden, soweit dies nur möglich ist.

Weil ich mir ganz einfach die Frage stelle: Wie will ich in der Lage sein, mein Leben verantwortet zu führen, wenn ich das bei der Mobilität, für die ich so viel Zeit ausgebe, nicht schaffe? Also muss ich mich und mein Verhalten ändern. Verhalten beruht auf Gewohnheit, die eingeübt sit und die zu verändern so nur durch üben geht. Und beim üben muss ich vor allem lernen, störende Fremdsteuerung ausschalten.

Soweit meine Assoziationen zum zerrissenen Leben der ADA LOVELACE.

Beim folgenden Vortrag von Bruno Gantenbein empfehle ich, auf Parallelen zum eigenen Leben zu achten.

RMD

P.S.
Noch sind Plätze frei. Und das Bild von Lady Lovelace ist aus Wikipedia.