Roland Dürre
Dienstag, der 27. November 2018

Der CIO

Diesmal Unterstützung nur beim Reifen flicken.

Ich helfe immer gerne Menschen, die einen Job suchen. Dazu habe ich sogar eine kleine „Methode“ entwickelt, ich nenne sie „alternative Bewerbung“:

Gemeinsam entwickeln wir zusammen eine „alternative Bewernbung“. Das ist ein Text, in dem der Jobsuchende offensiv seine Stärken beschreibt und eine kleine Vision aufbereitet, welchen Mehrwert er mit seiner Arbeit fürs Ziel-Unternehmen mit Freude und Mut gerne bringen möchte und könnte. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Nach- und Neudenken und dazu eine kreative Öffnung des Bewerbers.

Sind wir damit fertig, dann nutzen wir die entwickelte Geschichte als Text für die „alternative Bewerbung“. Zusätzlich machen wir vielleicht noch ein kleines Video, in dem Bewerber seine persönliche Ausstrahlung rüberbringt – mit Link im Anschreiben – sozusagen an Stelle des üblichen Fahndungs-Fotos.

🙂 Das alles richten wir individuell auf den Ziel-Job und das anvisierte Unternehmen aus. Mein Gedanke ist, dass es einen Unternehmer am meisten interessiert, was der Bewerber seinem Unternehmen „Gutes tun“ könnte und ob und wie dieser mitdenkt.

Und tatsächlich, in der Regel führt der „alternative Lebenslauf“ dann zeitnah zu Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Die dann natürlich auch wieder gründlich vorbereitet werden müssen. Denn Erfolg kommt halt meistens nicht von nichts.

Oft haben die von mir betreuten Menschen einen wunderbaren klassischen Lebenslauf und in diesem sind dann viele Details auf die übliche klassische Art tabellarisch beschrieben. Da sind die Tätigkeiten und Rollen der letzten Jahre (20 !?) aufgelistet, gespickt mit Lehrgängen, Schulungsmaßnahmen und Zertifikaten. Gut und gewissenhaft gemacht.

Nur sind diese Bewerbungen nicht so erfolgreich. Es hagelt dann absagen, dies wiederum frustiert den armen Bewerber. Das leuchtet mir auch ein, denn wie will man so die eigenen Kompetenz (Wissen + Können) klar machen?

Der „klassische“ Lebenslauf interessiert halt oft niemanden. Deshalb kürzen wir ihn und nehmen in dann nur als Anlage, die belegt, dass es gute Gründe für das zuversichtliche Auftreten in der „alternativen Bewerbung“ gibt.

Oft muss ich den von seiner Erfolglosigkeit am Boden zerstörten Bewerber erst mal wieder aufrichten.

Unter meinen „Schützlingen“ waren auch Frauen, die – nachdem sie sich einige Jahre um die Kinder gekümmert hatten – wieder einsteigen wollten. Und ich muss sagen, wenn wir dann gemeinsam Erfolg haben, ist das Glück oft sehr groß. Und ich freue mich wahnsinnig mit.

Vor kurzem hat mich der Zufall mit einem „echten Hochkaräter“ zusammen gebracht. Der war Geschäftsführer bei einem guten mittelständischem IT-Unternehmen. Dort hatte er dort gekündigt. Der für mich absolut nachvollziehbare Grund war, dass die Eigentümer des Unternehmens dieses verkauft hatten und ihm die Politik und Ziele der neuen Herren aber auch so gar nicht zusagten.

Mutig wie er war hat er gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Jetzt sucht er einen Job als CIO (Chief Information Officer) bei einem guten Mittelständler. Und wurde in meiner Wahrnehmung überrascht, dass das trotz bester formaler Qualifikation gar nicht so einfach war.

Mein Gesprächspartner war ein hochsympathischer Mensch im besten Mannesalter, der auch lauter vernünftige Dinge sagte. In vielen Dingen war er nahezu perfekt. Auch seine Lebensbilanz erschien mir als durchaus erfolgreich. Er hatte auch einen großartigen klassischen Lebenslauf.

Irgendwie gewann ich aber den Eindruck, dass er nicht nur bedruckt sondern auch nicht mehr so ganz auf dem Laufenden war. Besonders wenn es um das Internet ging und die vielleicht durch die Digitalisierung mit verursachte Zeitenwende. Sein eher negative und ziemlich einseitige Beurteilung zu Twitter, das er selber (natürlich) nicht nutzte, war für mich irgendwie bezeichnend.

Nach dem Gespräch habe ich ihn zu seinem Auto gebracht. Und innerlich darauf gewettet, was da für ein Auto stehen würde. Ich habe die Wette gewonnen – es war der größte SUV von Audi, den es wohl so in Europa gibt.

Ich hatte ihm angeboten, dass ich ihn bei seiner Bewerbung unterstützen und mich auch in meinem Netzwerk umsehen würde. Er müsse sich nur bei mir melden.

Das hat er nicht gemacht. Wahrscheinlich hat er es nicht für möglich gehalten, dass ein Radfahrer ihm helfen könnte.

Mir soll’s Recht sein, dann bleibt mir mehr Zeit für andere, die es vielleicht nötiger haben. Und vielleicht hatte ich dem „CIO“ das Buch von Otto Scharmer zur „Methode U“ schenken sollen?

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 18. Februar 2017

Abschied von einem guten Freund.

Nachruf auf Werner Lorbeer.

Am 25. April 2016 ist mein Freund Werner Lorbeer gestorben. Von seinem Tod habe ich leider erst nach der Trauerfeier am 2. Mai erfahren, so dass ich nicht dabei sein konnte. Das schmerzt mich immer noch. Ich werde Werner nie vergessen.

Seit fast einem Jahr habe ich versucht, mich auch in IF-Blog von Werner zu verabschieden. Ich habe es nicht geschafft. Meine Erinnerung an Werner ist immer noch ganz frisch.

In den letzten Jahren vor seinem Tod haben Werner, Josef und ich uns alle paar Monate in München getroffen. Da haben wir über „Gott und die Welt“ geredet. Aber vor allem über die Zukunft. Und was wir zu einem guten Ausgang wohl beisteuern könnten. Wir waren nicht mehr so jung aber immer noch voller Pläne und Ideen, es waren immer schöne Treffen in großer Gemeinsamkeit.

Werner (in der Mitte) mit mir und Josef beim Frühschoppen im Weißbräu im Tal (2012) – aufgenommen von einer der netten Bedienungen dort.

Werner war ein sehr lebensfroher Mensch, der viel Verantwortung übernommen hat. Er war viele Jahre krank, hat seiner Krankheit getrotzt und sich für vieles eingesetzt. Und auch regelmäßig für IF-Blog geschrieben. Das war ein großes Glück für mich. Hier findet Ihr alle seine Artikel.


Werner Lorbeer war wie ich Schüler am Jakob Fugger Gymnasium. Bald nach meinem Übertritt im Jahre 1960 ins Gymnasium habe mich mich für die Schachmannschaft der Schule gemeldet und ihn dort kennen gelernt. Er war ein wenig älter als ich und für acht Jahre in der Schule wie im Schach eine Klasse höher als ich.

Schon am Gymnasium spielte er eine wichtige Rolle und wurde so auch bald zum „Schulsprecher“, bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebt und von allen unterstützt. In späteren Jahren haben wir auch in der „Brücke“, der Schülerzeitung des Jakob-Fugger, mit weiteren Freunden einiges angestellt.

Ich habe ihn damals – und das ist immer so geblieben – als wahrhaftig sympathische Persönlichkeit wahr genommen. Er war eine Lichtfigur, die in ganz besonderer Art und Weise immer vorbildlich und erstaunlich weise gehandelt hat. Sein Wertesystem, das mir immer sehr nahe war, hat er konsequent gelebt. Kurz: er war ein enorm kluger Kopf voller Empathie und verfügte über eine so große menschliche Ausstrahlung.

Ich habe erlebt, wir er seine Mitmenschen immer in einer vorbildlichen Art respektiert und wertgeschätzt hat. Für mich war er ein ruhender Pol, der immer viel Nachsicht für unsere Fehler hatte. Dies ganz im Gegensatz zu mir, ich habe mich selber als Hitzkopf empfunden, der vieles falsch gemacht hat.

Werner hat mir geholfen, meine Verzweiflung die ich in jungen Jahren nur zu oft hatte, zu überwinden. Ich glaube, dass er auch mein Freund war. Meine Beziehung zu ihm war auf jeden Fall voller Freundschaft, Liebe und Wärme. Ich habe Grund zu vermuten, dass die Beziehung symmetrisch war. Darüber bin ich sehr froh.

So habe ich das Bedürfnis, hier ein paar Gedanken zu Werner und unserer Freundschaft zu formulieren. Ich weiß nämlich nicht, was Freundschaft und Liebe so wirklich sind. Ab und zu meine ich es zu fühlen, aber verstehen kann ich es nicht. Wie ich auch nicht weiß, was so wirklich „der Sinn des Lebens“ ist? In unserer Jugend haben Werner und ich häufig über solche und ähnliche Fragen diskutiert. Ich hatte immer das Gefühl, dass Werner die Fragen verstanden hätte, an denen ich zu zerbrechen drohte. Seine Hilfe war für mich essentiell.

Eine Freundin hat mir mal geschrieben:
Ich definiere Freundschaft als etwas, was ein Mensch auf diesem Planeten mit seinen biologischen Randbedingungen (Schlafen, Tag-Nacht, Biorhythmus, Winter, Sommer, geistige Kapazität, …) nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung haben kann für zwanzigtausend Menschen (bei von mir gewünschter Intensität). Nicht mal für eintausend. 

Das ist für mich eine schöne Metapher für Freundschaft. Ich meine auch, dass man im Leben nicht beliebig viele Freunde haben kann. Und Freundschaft etwas Seltenes ist. Eine Antwort ist das für mich aber auch nicht. Liebe ist ja wohl etwas anderes als Freundschaft. Vielleicht gehört aber beides eng zusammen?

Metaphern wie „bereit sein für jemanden zu sterben“ oder ähnliches machen mich eher skeptisch. Auch „Seelengleichheit“ oder „große Sympathie mit hoher Übereinstimmung bei Werten, Erwartungen, Interessen und Bedürfnissen“ bringt mich nicht so richtig weiter. „Blindes Verständnis über Zeit und Raum“ erscheint mir auch nur eine schöne Metapher. Von Rupert Lay habe ich wie von Werner vieles mir sehr Wichtiges gelernt. Rupert hat uns mal gesagt:

Toleranz ist, wenn man das „Anders Sein des Andern“ akzeptiert. Liebe jedoch bedeutet, das „Anders Sein des Andern“ zu wollen!

Diese Metapher finde ich großartig. Sie dürfte auch für Freundschaft gelten. Ihr folgend wäre Werner für mich ein absoluter Freund gewesen, weil ich sein „Anders Sein“ nicht nur für ihn sondern auch für mich wollte.

🙂 So bin ich weiter auf der Suche nach der Bedeutung von Freundschaft und Liebe und weiß immer noch nicht was das wirklich ist; die Philosophen helfen mir da auch nicht weiter 🙁

Und bin und bleibe traurig, dass mein Freund Werner von uns gegangen ist.

Hier noch zwei kurze Beiträge zum Leben von Werner aus der Augsburger Allgemeine und ein Bericht von „Pro Augsburg“ anlässlich seines Todes.  Für das Wohl unser beider Heimatstadt hat er sich immer intensiv und erfolgreich engagiert. Und manches bewirkt, über dass sich die Augsburger heute richtig freuen.

RMD

P.S.
Von Werners Krankheit habe ich schon viele Jahre gewusst. Als ich davon erfahren habe, war ich sehr niedergeschlagen und habe in IF-Blog über meinen Schmerz in einem sehr persönlichen Post geschrieben.