Roland Dürre
Dienstag, der 18. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #5 Lektüre.

Ein Reisebericht der anderen Art (5).

Die lange Zugfahrt ist vorbei. In Sanya habe ich Zeit fürs Lesen und Schreiben.

Für die lange Zugreise von Moskau nach Peking hatte ich meinen ollen Kindle wieder ausgemottet. Ich hatte ihn in den letzten Jahren nur noch selten genutzt.

Zum einen, weil ich noch viele Papierbücher habe (und immer wieder neue geschenkt bekomme) die ich nicht gelesen habe.

Zum anderen weil ich in meinem aktuellen Leben die meiste meiner Zeit des Lesens im Internet verbringe. So lange es möglich ist, möchte ich das noch halbwegs freie Netz nutzen.

Da gibt es so viel tolle Blogs und Artikel (und Podcasts und Videos), die mir z.B. über Twitter zugespielt werden. Die sind kürzer, spannender und effizienter zu lesen (oder zu hören oder anzuschauen) als so mancher Schinken von Buch, in dem ein Professor meint, er müsse wissenschaftlich ein und das selbe Thema auf Hunderten von Seiten durchwalzen. Oder „Bestseller-Autoren“ kiloseitenweise die Welt mit belanglosem Gelabere vollschlammen.

Auf meinen Kindle habe ich das Gesamtwerk von Isaac Asimov auf Englisch. Da wollte ich schon lange drin herum lesen. Und wann habe ich eine bessere Gelegenheit zum Lesen als auf einer dreiwöchigen Reise, davon die Hälfte mit 8.000 km im Zug und anschließend beim Faulenzen mit meinen „chinesischen Enkeln“? So dachte ich mir?

Und weil es mich schon lange interessierte, wollte ich mich endlich mal zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ ganz konkret schlau machen. Und habe deshalb auch noch ein möglichst „dünnes“ Büchlein zu diesem Thema im Kindle eingepackt.

Hätte ich doch besser die „Gebrauchsanweisung“ der Reise gelesen! Da stand drin, dass man das Gepäck auf keinen Fall mit zuviel Bücher beschweren solle. Denn zum Lesen würde man eh nicht kommen!

So war es auch. Noch sind wir ja unterwegs. Die Zugreise liegt aber schon ein paar Tage hinter uns. Und wie vorhergesagt, da war mit Lesen nicht viel drin.

Immerhin ist es mir gelungen, das Buch zur gewaltfreien Kommunikation fast ganz zu lesen. Und die Chancen stehen gut, dass ich es auf dem Rückflug dann fertig schaffe.

Kurz zu diesem absolut lesenswerten Buch:
Ich war begeistert, auch weil für mich nur wenig Neues drin stand. Das hat mir gut getan. Vieles mir als selbstverständlich Erscheinendes wurde mir wieder bewusst und aufgefrischt. Die empfohlenen Übungen im Buch sind auch nicht schlecht. Und bringen viel. Man muss sie halt nur angehen.

Schade, dass ich mir  diesen Stoff so richtig erst jetzt im 69. Lebensjahr angeschaut habe. Ich bin mir sicher, dass wir eine bessere Welt hätten, wenn „gewaltfreie Kommunikation“ allgemeines Schulfach wäre – als Einstieg in eine dialektische Basisausbildung schon in den unteren Klassen. Das wäre wichtiger, als vieles, was unsere Kinder heute lernen. Mannomann, wie viel Quatsch ist da dabei.

RMD

Nachtrag:
Das von mir gelesene und hier erwähnte Buch ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Robert Leiser.

 

Roland Dürre
Montag, der 17. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #4 WICHTIG!

Ein Reisebericht der anderen Art (4).

Die folgende Episode mit der in dieser entstandenen Botschaft ziehe ich im Bericht ein wenig vor, weil sie mir persönlich sehr wichtig ist. Die Reise war schon fortgeschritten. Wir waren mitten drin in Sibirien und bald sollte es in Richtung Mongolei gehen.

Ich stand unter dem Eindruck der Erlebnisse der ersten Woche. Mit der Stalinzeit wird in Russland nach unseren Reiseerlebnissen bewusster umgegangen als wir dies mit der Hitlerzeit tun. Denn wir beschränken und beschäftigen uns doch vor allem mit dem Holocaust. Dabei vergessen wir nur zu gerne den restlichen Irrsinn der deutschen Geschichte. Und wiederholen vielleicht auch deshalb wieder die alten Fehler.

Auch der religiöse „rebound“ in Russland hat mich bestürzt. Dieser ist in meiner Wahrnehmung nicht real, sondern ein „Fake der Mächtigen“. Aber dazu im übernächsten Artikel.

Wir waren in Ulan Ude und sind unserer lokalen Führerin auf ihrem unterhaltsamen bis nachdenklichen Spaziergang durch die Stadt gefolgt. Wie alle unsere lokalen Führer war sie total von ihrer Stadt und der Toleranz ihrer Heimat begeistert. Ich befand mich am Ende unserer mittlerweile „schönen Gruppe BLAU“ und philosophierte ein wenig mit Valeri, der die Rolle des „Lumpensammler“ übernahm und sich zurück hielt, auch um den „lokalen Guides“  die Schau nicht zu stehlen.

Mit „local guide“ in Ulan Ude, wie immer mit blauer Fahne.

Und dann ist es passiert. Ein Gedanke folgte dem anderen – und heraus kamen drei Gebote.

Bleibe
im Kopf kühl,
im Herzen heiß und
an den Händen sauber!
Dann bleibt (wird) alles gut 🙂 !!!

Über diese einfache Regeln musste ich auf der restlichen Reise viel nach denken. Irgendwie ist das die Formulierung, die mein Lebensmotto beschreibt. Das war mir bisher nicht so klar.


Lasst uns kurz diese drei „Gebots-Metaphern“ diskutieren.

Der kühle Kopf schützt uns. Das heiße Herz erhält uns am Leben. Und die sauberen Hände sind wichtig für unsere soziale Situation. Ganz einfach.

Für mich ist das eine gute Handreichung, wie man langfristig glücklich und erfolgreich (im Sinne von zufrieden) werden kann.

Diese drei Regeln machen mehr Sinn als die bekannten „Zehn Gebote“ des Moses.

🙂 Und sie sind auch praktischer. Allein schon weil es nur drei sind. So kann man sich diese sich ein Leben lang problemlos merken. Unterstützt von der Eselsbrücke:
Kopf, Herz, Hände.

Erst vor kurzem wieder einmal erlebt, dass kaum mehr ein Mensch die „Zehn Gebote“ auswendig vortragen kann – wie ich auch niemanden mehr kenne, der das „Vaterunser“ fehlerfrei vorbeten kann. Beides können in der Regel nur noch die Systemagenten.

So unsinnige Vorgaben wie das Gebot „Du sollst nicht lügen“ und  ähnliche weitere enthalten sie auch nicht. Weiß doch ein jeder, dass eine Lüge sehr oft das kleinere Übel ist und durch sie großer Schaden und Unglück vermieden werden kann.

Obwohl (oder weil?) ich sehr stark katholisch indoktriniert wurde, haben mich alle Arten von Religionen und Begriffe wie Schuld und Sühne und Moral immer ziemlich „kirre“ gemacht. Auch die heute sehr aktuelle Form der „Kirche der Vernunft“, auf die viele meiner Zeitgenossen zu schwören scheinen, konnte mich nur beim ersten Kennen lernen begeistert – dann bin ich auch vor ihr geflohen.

So möchte ich Euch ganz herzlich grüßen! Euer hedonistischer Anarchist oder anarchischer Hedonist (ganz wie Ihr wollt).

Morgen geht es dann weiter mit meiner Urlaubslektüre im Zug.

RMD

Nachsatz: 
Dass ich gefühlt ein Anarchist und Hedonist bin (oder sein möchte), war ich mir lange nicht bewusst. Auch nicht, dass ich das Paar Anarchismus und Hedonismus auch ganz rational als ein allgemein gültiges vernünftiges Lebensprinzip sehe. Und mit meinem Hedonismus gerne andere Mensche anstecke.

Das ist für mich so formuliert neu. So wie die drei Regeln oben neu sind. Aber beides haben ich und wir nicht erfunden, auch wenn es uns neu erscheint. Wahrscheinlich ist das alles schon mehrfach gesagt oder geschrieben worden. So wie es für alles schon irgendwo ein Urheberrecht geben dürfte !? Was bedeutet, dass es keines geben darf. So fordere ich:

„Alle Macht für niemand!“

Wenn die Menschheit jedoch alles Wissenswerte und Kluge schon mal gedacht, gesagt oder geschrieben haben sollte, dann sehe ich keinen Sinn und keine Rechtfertigung mehr, dass sie noch länger überleben sollte. Ihr baldiges Ende, das sie selber mit der Zerstörung des Planeten eingeleitet hat, erscheint mir absolut stimmig und logisch. Genug ist genug.

Vielen Dank fürs Lesen!

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #3 Die Guides.

Ein Reisebericht der anderen Art (3).

Ich habe ja schon berichtet, dass die Fahrt mit dem Zarengold-Express von Moskau nach Peking unsere erste Bildungsreise war. Eigentlich auch unser erster „organisierter Urlaub“.

Wir wussten nicht, was uns erwarten würde. So waren wir richtig neugierig, als wir uns am Samstag Abend des 2. Juni 2019 zum Treffpunkt unserer Reise in unserem Hotel in Moskau zum Abendessen einfanden.

Am Tage funkeln sie in der Sonne genauso schön wie in der Nacht!

Den Nachmittag nach unserer Anreise hatten wir privat für einen ausgedehnten Spaziergang durch Moskau genutzt. Dabei hatten es uns die in der Sonne glitzernden Straßen der Fußgängerzone besonders angetan.

Am Abend sollten wir sie beleuchtet wiedersehen und lernen, dass diese für Fußball-WM in 2018 so besonders dekoriert wurden. Und weil es so schön war, hat man die Dekoration nach der WM einfach gelassen.

Aber vorher stand das Treffen mit unserer Reisegruppe an. Im unseren Hotel hatten sich mehrere Gruppen der Zarengold-Reisenden eingefunden. Wir waren ja als BLAU eingeteilt und fanden uns mit zirka 20 Menschen dort zusammen. In unserem Raum auch die Gruppe GELB (ähnlich groß) dabei. Ein paar Gruppen waren in anderen Speiseräumen desselben Hotels, weitere in einem anderen Hotel. Waren es doch insgesamt fast 200 Fahrgäste im Zarengold-Express.

Das Essen hat gepasst – und dann kam unser Führer Valeri und stellte sich vor. Er sprach ein wunderbares Deutsch und erklärte uns, dass er uns die ganze Tour bis an die chinesische Grenze begleiten würde. Und versprach uns, dass das ganze Team deutsche Organisations-Kompetenz mit russischer Improvisations-Kunst verbinden würde, um uns ein wunderbares Reiseerlebnis zu ermöglichen.

Er sei unser Ansprechpartner für alle Sorgen und Fragen und immer für uns da. Auch der Gesamtreiseleiter stellte sich vor – und alles machte einen guten Eindruck.

Nach dem Abendessen ging es auch gleich los mit dem Programm. Es hieß „Moskau bei Nacht“ – und Valeri führte uns gemeinsam mit einer lokalen Führerin durch die einzigartige Moskauer Unterwelt (damit ist jetzt die U-Bahn gemeint) und brachte uns dann über die Glitzerstraßen, die wir bei Tag ja schon in der Sonne bejubelt hatten, wieder zur Übernachtung in unser Hotel.

Die erste Führung in Moskau. Der rote Platz ist dran. Valeri mit blauer Fahne zeigt den Eingang.

So war das dann in  allen russischen Städten, die wir besuchten. Neben Valeri immer noch ein lokaler Führer  dabei.

So sahen wir auch am Sonntag Morgen in Moskau unsere Führerin vom Abend davor wieder. Diesmal ging es mit dem Bus los zu einer großen Runde durch und rund um Moskau. Mit zwei blauen Fahnen wurden wir geführt. Da blieb dann die ganze Fahrt über so – immer liefen wir durch russische Städte, eine Fahne hinter und eine vor uns. Und nie war es uns langweilig.

Am Nachmittag nach dem Mittagessen hatten wir ein wenig Zeit für uns. Am Samstag Nachmittag ging es dann los. Ein Bus brachte unsere blaue Gruppe über ein paar kleinen Zwischen-Stopps zu einem der Moskauer Bahnhöfe, wo der Zug schon auf uns wartete. Wie uns auch das Hauptgepäck in unseren Abteilen schon erwartete, da es direkt vom Flughafen in die Abteile gebracht wurde.

Dann fuhr der Zug los – und wir gingen in den Speisewagen. Beim Speisen rauschten die schier endlosen grünen russischen Wälder mit ihren vielen Birken am Fenster vorbei. Und ein russisches Bier gab es auch.

Insgesamt hatten wir auf der Fahrt dann durch die Weiten Russlands und in der Mongolei geschätzt um die zehn lokale „Guides“.

Die waren sämtlich weiblich und hatten einen akademischen Hintergrund. Die meisten davon waren inhaltlich wie vom Vortrag ausgezeichnet und konnten die meisten Fragen kompetent beantworten. Nur wenige fielen ein wenig ab. So konnte nur eine Führerin kaum Deutsch, dies wurde aber von Valeri als Übersetzer ausgezeichnet kompensiert.

All diese Menschen habe ich sehr bewundert. Sie haben uns in den besuchten Städten auf langen Spaziergängen mit überzeugender Begeisterung und großem Stolz ihre Heimatstadt präsentiert haben. Das kenn ich aus Deutschland so gar nicht. So habe ich mich im Stillen ermahnt, in Zukunft und auch von meinem Zuhause mehr begeistert zu sein. Und weniger an den Zuständen in und um München herum zu nörgeln.

Auch kritische Anmerkungen zur Entwicklung in Russland waren immer wieder zu hören. Da konnte ich die Guides insofern beruhigen, dass auch bei uns die Freiheitsrechte aktuell kräftig beschnitten werden würden. Und dies auch uns beunruhigen sollte.

Besonders Valeri habe ich auf dieser Reise sehr viel zu verdanken. Im nächsten Artikel werde ich darüber berichten.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 15. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #2 Der Zug.

Ein Reisebericht der anderen Art (2).

Ich habe ja schon berichtet, dass es unsere erste Bildungsreise war. Und auch die erste Reise mit einem „Schlafwagenzug“ über eine längere Entfernung. Immerhin sollten es ja fast 8.000 km werden.

Das Unternehmen „Lernidee“ hat dazu eine ganze Reihe von Angeboten. Sowohl Teilzüge, die ähnlich Kurswagen mit Regelzügen befördert werden und komplette Sonderzüge. Solche Angebote gibt es nicht nur für Europa und Asien sondern auch Afrika und Amerika.

Wir waren mit einem Sonderzug mit dem Namen „Zarengold“ unterwegs, der auf der ganzen Strecke bis an die chinesische Grenze dieselbe Zugnummer hatte. Dort mussten wir in einen chinesischen Sonderzug umsteigen, der unserem entgegen kam und Gäste aus Peking für die Rückreise nach Moskau brachte.

„Zarengold“ ist nur ein Label, der Zug wird für jede Reise eigens konfiguriert. Unser Zug hatte mit 20 Wagons die maximal mögliche Länge. Dabei waren ein Organisationswagen, ein Gepäckwagen und vier Speisewagen. Die restlichen Wagen waren Schlafwagen mit unterschiedlichen Abteilen (vier oder zwei Betten) und Klassen.

Je nach Belegung der Betten kann der Zug in dieser Konfiguration bis um die 200 Leute mitnehmen. Also soviel wie ein kleines Kreuzfahrtschiff. Bei uns waren es ein paar weniger, so dass in den Speisewagen im „Einschichtbetrieb“ gegessen werden konnte. Das war sehr angenehm, weil man so in Ruhe speisen und am Ende der Mahlzeit genug Zeit für ein Pläuschchen mit Mitreisenden da war.

Wir schliefen in einem  Zweibett-Abteil im Wagen mit der Nummer 10, der sich ziemlich in der Mitte des Zuges befand. Das war in der mittleren Klasse. Wir konnten das aber nicht beeinflussen. Diese Reisen scheinen sehr begehrt, wenn man nicht sehr frühzeitig bucht, dann muss man nehmen, was es noch gibt.

Unser robuster Schlafwagen wurde noch in der DDR hergestellt und in vielen Details renoviert. Der Wagen hatte zwei „europäische“ (und geschlossene) WC’s mit Wasserspülung, ein geräumiges Duschabteil, zwei kleine Schaffnerabteile und dann noch 10 Schlafkabinen, all derselben Kategorie mit jeweils zwei Einzelbetten. Es gab genug Platz für das Verstauen des Gepäcks, war aber trotzdem ein wenig eng. Duschen war nur während der Fahrt des Zuges möglich, dazu musste man sich in eine Liste eintragen und so das Duschabteil reservieren.

Die Kabinen waren üppig mit Samt dekoriert. Jeder Schlafwagen hat zwei Schaffnerinnen, die sich um das Wohl der Passagiere kümmerten. Zusätzlich wurde der Zug von ungefähr 35 Menschen betrieben, allein jeder der vier Speisewagen hatte drei Bedienungen und ein wohl genauso großes Küchenteam.

Die Speisekarte im Zarengold-Express vom 2. Juni 2019.

Das Essen mittags und abends war gut, besonders wenn man bedenkt, wie klein die Küchen in den Speisewagen sind. Es gab immer einen sehr frischen Salat, der schon am Platz stand, wenn man kam.  Dann folgten in der Regel zwei Gänge, oft bestehend aus einer Suppe und einem Hauptgang mit Fleisch oder Fisch. Beides immer frisch gekocht. Abgeschlossen wurde das Essen mit einem Nachtisch. Das Essen war nie „convenient“, damit meine ich vorgefertigt aus dem Plastikbeutel und nur aufgewärmt. Auch übers Frühstück konnte man sich nicht beklagen. Nur der Kaffee schmeckte mir überhaupt nicht, so dass ich komplett auf Tee umstieg. Die Preise für Getränke waren im übrigen kommod.

Zu Beginn der Reise wurden die Reisende in Gruppen eingeteilt. Die Gruppen wurden nach Farben benannt, wir hatten die Farbe BLAU. Im uns zugeordneten Speisewagen gab es einen für BLAU reservierten Bereich, BLAU sollte auch unsere Leitfarbe für alle Aktivitäten werden.

Dazu aber später mehr. Vom Zug kann man noch berichten, dass er mit zwei Ausnahmen abgesehen jede Nacht durchfuhr. Das war ziemlich laut und unruhig.  So haben wir nicht so richtig gut geschlafen, was zu einer gewissen Müdigkeit führte, die durch dreifaches Vorstellen der Uhr – zweimal um zwei und einmal um eine Stunde – noch mehr gefördert wurde.

Und immer wenn der Zug am Morgen ein Ziel erreicht hatte, dann ging es raus und rein in das Programm. So richtig Zeit zum Ausruhen gab es eigentlich nie. Und wenn der Zug mal doch tagsüber auf der Strecke war, gab es interessante Vorträge über das „Zugradio“.

Auch hierzu berichte ich dann mehr in den folgenden Artikeln.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 14. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #1 Einleitung.

Ein Reisebericht der anderen Art (1).

Wir haben es geschafft. Gestern sind wir in Peking angekommen! Nach fast 8.000 Kilometern im Zug!

Um es gleich zu sagen – ich bin sehr froh, dass wir diese Reise gemacht haben. Sie war anstrengend schön oder schön anstrengend, ganz wie Ihr wollt. Wir hatten ein großartiges Erlebnis mit vielen tollen Eindrücken und Anregungen.

Ich werde hier davon berichten. Aber nicht in Form eines traditionellen Reiseberichts mit einer chronologischen Aufzählung und Beschreibung von Fahrten und Orten. Hans-Peter Kühn hat schon 2009 hier in IF-Blog von der gleichen Reise – nur noch weiter über Peking nach Tibet mit Rückflug von Shanghai – berichtet. Seine Artikel-Serie ist immer noch aktuell, soviel hat sich in den letzten zehn Jahren nicht geändert.

In meinen nächsten Artikeln zu unseren Reisen werde ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken wieder geben. Es wird nicht um Wissen und Fakten gehen, die findet man besser in Wikipedia oder anderen Seiten im Internet. Sondern um von mir Erlebtes und Gefühltes.

Der Zarengold-Express beim Stop am Baikal-See.

Zur Reise selber:
Schon lange hatten wir die Absicht, Sibirien mal mit der Eisenbahn zu durchqueren. Einer unserer Söhne Maximilian lebt seit mehreren Jahren in Asien, die letzten Jahre in Peking. Wir besuchen ihn und seine Familie immer wieder gerne. Da er bald nach Europa zurückzukommen zurück kommen wird, haben wir die Gelegenheit genutzt, ihn noch mal mit der Eisenbahn zu besuchen.

Ich war selber noch nie im „neuen Russland“ und wollte das Land und seine Menschen erleben. Deshalb haben wir eine „Bildungsreise“ bei „Lernidee“ gebucht und sind am Sonntag, den 2. Juni am Abend in Moskau in den Sonderzug nach Peking eingestiegen. Gestern (Donnerstag, den 13. Juni) um 14:30 war Ankunft in Peking.

Von den 11 Nächten auf dieser Reise haben wir acht Nächte im „russischen“ Sonderzug verbracht, eine Nacht in Irkurts in einem Hotel, eine Nacht in der „sibirischen Schweiz“ in der Nähe von Ulaan Baatar in einer Jurte und eine Nacht im chinesischen Sonderzug, der uns an der mongolisch-chinesischen Grenze „aufgepickt“ und nach Peking gebracht hat.

Für uns als am liebsten individuell Reisende war das etwas Neues: Jeder Tag war voll gepackt mit Ausflügen, die zusammen so eine Art von Bildungsprogramm dar stellten. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und waren andauernd beschäftigt.

Die Mühe hat sich gelohnt, Land und Menschen wurden uns sehr nahe gebracht. Das lag besonders am Valeri, unserem ausgezeichneten „Guide“, der uns fast die ganze Reise begleitete. Mit jedem Tag erfuhren wir mehr und mehr, was für ein großartiger Mensch, kluger Philosoph wie auch glänzender Organisator er ist.

Mein Kopf und mein Herz sind voller Erinnerungen. Ein paar der wichtigsten Eindrücke werde ich jetzt in IF-Blog in loser Reihenfolge veröffentlichen – wie alle meine Artikel vor allem als persönliche Notizen für mich.

Hier habe ich den Zug bei unserem Stop am Baikal-See von hinten aus einem Tunnel fotografiert.

Die Fahrt ist jetzt vorbei, mein Kopf wie mein Herz sind voll. Der Gedanken-Topf quillt schier über. Jetzt sammel und verarbeite ich erst Mal die vielen Eindrücke.

Zwei Nächte bleiben wir noch in Peking. Dann gibt es ein paar Tage Urlaub, am 22. Juni bin ich wieder im deutschen Alltag

Sobald ich die nächsten Tage Zeit und Muße finde, werde ich ein paar Gedanken und Erfahrungen aus den letzten zwei Wochen hier ablegen.

Mit besten Grüßen aus Peking!

RMD