Roland Dürre
Dienstag, der 14. Juli 2015

Vom PM-Camp über BGM zu John Izzo…

Etwas Schönes in meinem gegenwärtigen Leben ist, dass ich immer häufiger Menschen kennen lerne, mit denen ich mich verstehe. So gewinne ich laufend weitere Freunde, von und mit denen ich immer wesentliches Neues lerne.

Hier ein Beispiel: 2011 hatten wir das erste PM-Camp in Dornbirn. Es war ein Riesenereignis! Für mich und wie ich glaube auch für alle anderen, die dabei waren. Den erhaltenen Rückmeldungen folgen sind (fast) alle Menschen glücklich und zufrieden vom Camp heimgefahren. Ich auch. Denn dort habe ich viele Menschen kennen gelernt, die sich ernsthaft mit Projekt Management, Führung, Unternehmertum und vielem mehr beschäftigen. Aber letzten Endes vor allem damit, wie sie ein Sinn machendes und erfolgreiches Leben führen können.

Mit den PM-Camps ging es dann richtig los. In Wien, Zürich und vielen Städten in Deutschland finden sie jetzt regelmäßig statt. Und werden immer mehr. Menschen und Communities vernetzten sich so. Und immer wieder sind ein paar davon zu meinen Freunden geworden.

Auf diesem Wege habe ich auch Dr. Marius Poersch kennen, schätzen und mögen gelernt. Marius ist Psychiater, der seinen Job als Arzt sehr ernst nimmt. Er betreut in einer namhaften Klinik Menschen, die im Umgang mit „modernen Arbeitsstressoren“ sich verausgabt haben, zunehmend gestresst sind oder bereits psychisch erkrankt.

In ihm ist die Erkenntnis gereift, dass es zwar eine ehrenwerte Aufgabe ist, Menschen zu helfen und bei ihrer Heilung zu unterstützen. Ihn treibt aber auch die Erkenntnis an, dass es bei vielen Menschen gar nicht so weit hätte kommen müssen, wie es gekommen ist. Wenn – ja wenn die Lebens- und Arbeitsumgebung nur ein klein wenig anders wäre und die eigene Fähigkeit, sich sinnvoll anzupassen.

Und da Marius nicht nur Teil eines „Reparatur-Betriebes“ sein will, hat er unter anderem ein Institut gegründet, (www.erwerbscoaching.de) in dem er gemeinsam mit Gleichgesinnten forscht und untersucht, wie Menschen ein ganzes Erwerbsleben lang sich engagieren und arbeiten können, ohne die eigene Balance zu verlieren und ohne vorzeitig psychisch zu erkranken. Er ist also auf der Suche nach einer Arbeits- und Lebensumgebung, die ein nachhaltig erfüllendes Leben ermöglicht.

Er erforscht aber auch die andere Seite der Medaille – wie denn so die individuelle Einstellung im Sinne von Lebensvorsatz und -führung sein müsse, damit man auch in schwieriger Umgebung lebensbejahend und -erweiternd leben kann.

Dazu hat er eine ähnliche Methode entworfen, wie sie John Izzo in seinem Buch der „5 Geheimnisse“ beschrieben hat. Er führt Interviews mit Senioren, die ein ganzes Erwerbsleben lang gearbeitet haben und sich nun als Rentner oder Pensionäre weiter vielfältig engagieren, da er davon ausgeht, dass diese Gruppe einen Gesundheitsschatz kennt, der z.B. auch vor Burn-out schützt.

Ein guter Freund – Dr. Andreas Zeuch, als Autor und Unternehmensberater gut bekannt nicht nur im Umfeld von PM-Camp – hat mich mit Marius zusammen gebracht. Ich durfte einer seiner Interview-Kandidaten werden. So trafen wir uns eines Tages an einem schönen sonnigen Nachmittag in Stuttgart zum Gespräch. Praktischerweise am Nachmittag vor dem PM-Camp Stuttgart.

Ich war neugierig und auch ein wenig gespannt, was da auf mich zukommen würde. Aus diesem Nachmittag wurde ein schöner Abend und wunderbares gemeinsames Frühstück. Schon während des Interviews wurde mir einiges aus meinem Leben klar. Anschließend erläuterte mir Marius die fachlichen Hintergründe seiner Methode und die verwendetete Technik. Und mir wurde noch viel mehr über mich selber klar.

Vor wenigen Tagen habe ich Post von Marius bekommen. Im Umschlag war das oben erwähnte Buch. Ich habe mich sehr gefreut – glaube ich doch, mit Marius einen Freund gefunden zu haben und Geschenke von guten Freunden erfreuen mich immer ganz besonders 🙂

Das Buch habe ich schnell gelesen. Obwohl es zweifelsfrei ein wenig amerikanisch und überausführlich ist, liest es sich spannend – und ist eine wichtige Lektüre für alle Menschen, die bereit sind über ihr eigenes Leben nachzudenken. Die im Buch von John Izzo entwickelten Gedanken, Schlüsse und Folgerungen kann ich absolut nachvollziehen.

Das Buch heißt

„Die fünf Geheimnisse, die Sie entdecken sollten, bevor Sie sterben“

Ich meine, dass der Titel für sich spricht. Und im letzten Artikel in IF-Blog kurz darüber berichtet. Ich kann es nur empfehlen.

RMD

P.S.
Ich weiß, dass Dr. Marius Poersch noch weitere Interview-Partner für seine Arbeit sucht – und möchte ihn gerne dabei unterstützen. Wenn Ihr also Senioren kennt, die nach ihrem Erwerbsleben in irgendeiner Art vital und engagiert geblieben sind, so gebt mir doch den Kontakt, ich werde ihn dann weitergeben.

„Die Verpackungen werden immer schöner und der Inhalt immer schwächer“

Airbus_A380-841 -LufthansaGestern bin ich von München mit LH nach Mumbai geflogen. Trotz des Absturzes des German Wing Flugzeugs von Barcelona hielt sich das mulmige Gefühl in Grenzen. Es war ein ruhiger Direktflug – vielleicht mit einer ein wenig mehr heftigen Landung als durchschnittlich, ansonsten war alles wie immer.

Aber: Ein Rätsel hat sich für mich aufgeklärt.

Ich bin kein Vielflieger und lege auf das Bord-Entertainment keinen großen Wert. Im Regelfall läuft bei mir am Bildschirm deshalb die „Flight Info“, während ich von mir hindöse. Das ist eine Seite, auf der immer die Position des Fliegers und Daten wie Flughöhe, Außentemperatur, Geschwindigkeit zum Boden und manches mehr angezeigt wird (wurde).

Und deshalb habe ich nicht verstanden, warum es unter den Passagieren des Unglücksfliegers von Barcelona keine Panik oder Aufstand an Bord gegeben hat. Denn wenn ich mir vorstelle, ich sehe auf der Flightinfo an meinem Sitz eine Flughöhe von 1.000 Meter – und das kurz vor dem Anflug auf die Pyrenäen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass bei mir der Angstschweiß in Strömen fliesst.

Seit gestern weiß ich, dass mit dem neuen Entertainment System der LH so etwas gar nicht mehr passieren kann. Und dass der Unglücksfliegers wahrscheinlich schon das neue System an Bord hatte. So wie gestern mein Flieger von München nach Bombay/Mumbai.

Das neue System gibt dem Benutzer nur noch ganz wenig Informationen. Man hat ein Menü mit vier Punkten zu Auswahl: Die Anzeige der Anschlussflüge, zwei Kameras, die man verfolgen kann und etwas, das sich Art SmartFly oder ähnlich nennt.

Die Maske der Anschlussflüge enthielt einen Vermerk, dass dort zum Flugende hin Informationen über Anschlüsse gemeldet werden würden. Bei den Kameras zeigte eine wohl nach unten und eine nach vorne. Beide lieferten gestern keine besondere Info – nach unten sah man Wolken und nach vorne die Dunkelheit. Der vierte (smarte) Punkt zeigte virtuelle Bilder – schön gemacht, immer mit einem Lufthansa-Flieger in der Mitte – vom nüberflogenden Gebiet mit eingestreuten Ortsnamen. Als Information gab es aber nur drei Angaben:

Die Entfernung zum Zielflughafen, die verbleibende Flugzeit und schließlich noch die Uhrzeit. Keine Flug-Geschwindigkeit und keine -Höhe mehr…

Ich berichte dass nur, weil mir diese Entwicklung so stark symbolhaft für die Entwicklung unserer Gesellschaft scheint. Die Transparenz nimmt ab, Informationen werden von uns ferngehalten, alles wird in Watte verpackt geliefert … Und dann wird uns erklärt, dass dies alles nur zu unserem Besten wäre.

Mir gefällt das nicht. Ich möchte wissen, was los ist und nicht immer für dumm verkauft werden, auch dann, wenn es unangenehm ist. So wie ich auch nicht permanent überwacht werden will.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikpedia – wir sind allerdings in einem kleineren Airbus geflogen.

Roland Dürre
Dienstag, der 24. März 2015

Auto und Autobahn – über alles.

AutobahnkleeblattHeute morgen in der SZ lese ich in der Kategorie „Landkreis“, dass bei einem Autobahn-Einzelprojekt in meiner Nähe, dessen Notwendigkeit ich auch nicht so recht verstehe, die Kosten von geplanten 25 Millionen um 19 Millionen steigen werden und das Projekt jetzt 44,3 € Millionen kosten wird.

Wahrscheinlich werden es in der Retrospektive dann noch mehr.

Ich zitiere aus der SZ, Landkreis München, 24.03.2015, aus einem Artikel mit der Überschrift:

Kostenexplosion an der A 99

Die Verlegung der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der Autobahn A 99 von der Bundesstraße B 471 zur Kreisstraße M3 wird deutlich teurer als bisher kalkuliert. Das gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreistags am Montagnachmittag im Pullacher Bürgerhaus bekannt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte das Landratsamt demnach vergangene Woche darüber informiert, dass die Baumaßnahmen ein Gesamtvolumen von 44,3 Millionen Euro haben werden. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro ausgegangen, bei Baubeginn im Sommer 2013 war bereits von 29 Millionen Euro die Rede gewesen. Die neue Anschlussstelle an der Kreuzung der Autobahn A 99 und der Kreisstraße M 3 wird als Vollkleeblatt gebaut und die bisherige Einmündung der M 3 in die Bundesstraße B 471 zu einem Kreisverkehr mit Überführung für den durchgehenden Verkehr umgestaltet.

Besonders beeindruckt mich ein zweites Zitat in dem Artikel. Der Landrat Göbel sagt dazu laut diesem Artikel einfach mal so:

 „Dazu kommt eine allgemeine Kostensteigerung um 15 Prozent“.

Das kann ich mir gut vorstellen. Nur ich höre immer, dass wir zu wenig Inflation haben.

RMD

P.S.
Das Bild „AK-Detail“ ist von Wikoli aus der deutschsprachige Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Sonntag, der 22. Februar 2015

Augenhöhe – der Film über Arbeitswelt im 21. Jahrhundert.

workhard117Ein Team von fünf Menschen hat ein spannendes Projekt gestartet, aus dem ein Film wurde: „Augenhöhe„.

Die Geschichte berichtet folgendes: In einer Session auf dem 12. intrinsify!me Wevent in Berlin über die Werte der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts entstand die Idee, das nicht immer nur in Worten zu beschreiben, sondern zu zeigen. Also einen Film zu machen.

Fünf aus der Session blieben zusammen und taten dann auch was. Sie drehten den Film Augenhöhe. Ich habe von diesem Projekt das erste Mal auf dem PM-Camp 2014 in Berlin durch einen tollen Impuls-Vortrag von Ulf Brandes erfahren und dann Ausschnitte aus dem Film auf dem PM-Camp in München 2014 gesehen. Zwei der Protagonisten von „Augenhöhe“ habe ich persönlich auf PM-Camps kennen gelernt.

Dank enorm guter „social media“-Arbeit machte das Projekt schnell nicht nur im Internet „Furore“. Wie auch das erfolgreiche Crowdfunding zur Finanzierung sehr viel öffentliches Aufsehen hatte und dementsprechend erfolgreich war. Auch die Premiere am 30. Januar in Hamburg war richtig gut besucht. Über 400 (!) Menschen kamen ins Hamburger Museum der Arbeit zur Uraufführung des Filmes.

Der Film behandelt gute Themen. Mit Dokumentarfilmen mit verwandter Thematik wie von Geyrhalter, Wagenhofer (unter anderem die Trilogie We Feed the World, Let’s Make Money und Alphabet) oder Carmen Losmann (Work Hard – Play Hard) kann er von der filmischen Qualität vielleicht nicht mithalten. Das muss er auch nicht – er ist eher eine erfrischende Produktion auf dem Niveau von TV-Reports in ARD oder ZDF z.B. über die Verschiffung von Elektro-Schrott nach Afrika.

Der Film handelt von Menschen in verschiedenen Rollen der Arbeitswelt. Von Unternehmern, Managern und Gründern. Aber vor allem zeigt er Mitarbeiter, die  sich freuen, dass sie bei „guten“ Arbeitgebern arbeiten. Weil sie z.B. dank innovativer Arbeitszeit-Modelle über eine nicht selbstverständliche Freiheit verfügen und ihr eigenes Leben so realisieren wie sie es wollen.

Leider ist auch beim hochgelobten Projekt „Augenhöhe“ nicht alles Gold was glänzt. Kurz vor Vollendung rutschten in den Film noch zwei Beiträge über Adidas und Unilever.

Adidas

Plötzlich erscheint Christian Kuhna im Film, den ich auf dem open-up Camp in Nürnberg kennen gelernt habe. Er ist beim Sport-Giganten für Social Media, Moocs und was sonst noch dazugehört zuständig und steht dort einem kleinen aber feinen Team vor.

Sicher herrscht im Team vom Christian eine gute und moderne Arbeitsstimmung. So wie ich immer wieder von den kompetenten und gut gelaunten jungen Verkäufern in den Adidas-Shops angetan bin. Aber für die überwiegende Mehrheit der für den Konzern produzierenden Menschen gilt das sicher nicht.

So wurde die Aufnahme von Adidas in den Film auch im Kreise der „crowd funder“ sehr unterschiedlich diskutiert.

Unilever

Ganz am Ende der Dreharbeiten kam auch noch Unilever dazu. Schon in München war ich überrascht, dass auch der Food-Gigant als positives Beispiel dabei war. Sven Franke – einer der Protagonisten – hat dort berichtet, dass Unilever wegen des Filmes „WORK HARD PLAY HARD“ von Carmen Losmann auf „Augenhöhe“ zugekommen sei. In diesem Film hatten sie keinen guten Eindruck abgegeben, den sie jetzt wieder wettmachen wollten. Ganz gleich, ob dem so gewesen ist, Unilever passt auch nicht in so einen Film.

Sven erklärte die Entscheidung so: Man hätte zeigen wollen, dass es auch in großen Unternehmen zumindest in Nischen die Arbeitswelt auf Augenhöhe erfolgen könnte.

Ist vielleicht Geschmackssache. Klar gibt es in jedem großen Unternehmen auch „Inseln der Seligkeit“. Und wenn es das Vorstandsteam ist.

Es könnte aber auch sein, dass Adidas und Unilever aufgenommen würde, weil sie doch „big names“ sind. Und so die Zugkräftigkeit des Filmes erhöhen sollten. Ist sicher auch eine akzeptable Entscheidung, dann sollte man sie aber auch so kommunizieren.

Wenn wir bei „big names“ und solchen Gedanken sind, dann fällt mir auch Tomas Sattelberger ein. Auch der taucht – wie zurzeit überhaupt sehr häufig in der Öffentlichkeit – im Film auf. Die Geschichte vom Saulus zum Paulus soll sich ja immer wieder mal wiederholen. Ich kenne Thomas Sattelberger nicht persönlich sondern nur aus der Presse – und habe deshalb keine valide Einschätzung. Aber in seinen Vorstandsrollen bei namhaften DAX-Konzernen schien er mir kein Vertreter von „Augenhöhe“ gewesen zu sein.

Soweit die kleinen Flecken auf der an sonst weißen Weste.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Thema „Augenhöhe“, so wie es von Sven Franke oder Ulf Brandes formuliert wird, finde ich sehr gut, wie auch die Aktion an sich und das Ergebnis. Ich gönne auch den beteiligten Unternehmen den Image-Gewinn und würde mich freuen, wenn die Initiatoren auch „materiell“ ordentlich für ihr großes Engagement entlohnt werden würden.

Es macht wirklich Spaß, die Filmszenen auch „unternehmerisch“ zu diskutieren. Gerade die gezeigten Gründerunternehmen könnten suggerieren, dass eine ordentliche Firma nur möglich ist, wenn es den „guten Tyrannen“ gibt. Die Frage, die mich bewegt ist, wie man die propagierte Unternehmenskultur auch strukturell in einem sozialen System verankern kann – im Sinne zum Beispiel eines „demokratischen Unternehmens“.

RMD

P.S.
Das Bild ist nicht aus dem Film Augenhöhe sondern aus „WORK HARD PLAY HARD“ von Carmen Losmann.

Roland Dürre
Sonntag, der 15. Februar 2015

ICH = BUSINESS ANGEL?

Komisch.
Die Anfragen bei mir mehren sich. Ob ich nicht in einer Rolle als Business-Angel, Mentor, Berater oder ähnlich das eine oder andere Unternehmen ein wenig unterstützen könnte. Das freut mich.
Also.
Ein paar Gedanken, was ich dazu meine.

Hier mit Klaus Hofeditz bei der Klausur von PM-Camp.org

Gemeinsam mit Klaus Hofeditz bei der Klausur von PM-Camp.org im Januar 2015 in Hamburg.

Ich sehe mich nicht als Business-Angel. Ich bin auch kein Berater oder Coach, den man engagieren kann.

Dagegen unterstütze ich meine Freunde gerne als mit denkender und mit suchender Komplize. Das am besten in homöopathischer Dosierung.

Ich möchte mit möglichst wenig Sitzungen den maximalen Erfolg schaffen. Und freue mich, wenn die konstruktiven Gedanken vielleicht erst ein paar Tage (oder Wochen) später kommen.

Gemeinsam mit den klugen Protagonisten des jungen (oder auch älteren) Unternehmens finde ich gerne die wichtigen (und richtigen) Fragen. Denn die brauchen wir, um die passenden Lösungen zu finden und uns kluge Maßnahmen und Aktionen auszudenken.

Gerne unterstütze ich auch dabei, dass nicht zu viel der Kraft der handelnden Personen in die falsche Richtung fließt und so verloren geht. Und bringe die Menschen zusammen, die zusammen gehören. Sprich: Vernetzen und Brücken bauen!

Ich arbeite gerne mit sympathischen Teams zusammen. Aber nicht gegen ein Honorar auf Zeitbasis. Wenn meine „Kunden“ im Projekt oder nach Abschluss des selbigen den Eindruck haben, dass ich Ihnen helfen konnte, freue ich mich über Anerkennung. Die darf im Falle eines wesentlichen Überschusses auch materiell sein
🙂 und in hässlichen Euros, Yankee-Dollars, Schweizer Franken oder Bitcoins gegen Rechnung ausgezahlt werden.

Also im Sinne eines Wertvertrages – wie Gebhard Borck es vorschlägt (Gebhard ist ein guter Freund von mir und Autor unter anderem des „Affenmärchen“ und auch eines Büchlein mit dem Titel „Dein Preis“ zu „Wertverträgen“).

Vertrauen finde ich etwas wunderschönes – so gehen nach meiner Vorstellung Wertverträge auch ohne Vertrag! Und ganz gleich wie es läuft, mir bleibt immer das neu Gelernte.

Ich mag nur noch mit Menschen zusammenarbeiten, die ich als verantwortlich, konstruktiv und fürs „miteinander“ stehend wahrnehme. Die Mut haben und ihr Thema mit Freude vertreten. Es ist schön, wenn Geist und Haltung wie die Werte des Teams passen. Denn ich will dabei auch Spaß haben.

Die Gedanken der Gemeinwohl-Ökonomie schätze ich. Wobei ich betonen möchte, dass Gemeinwohl und angemessenes Erwirtschaften von Gewinn kein Widerspruch sind. Im Gegenteil, Gemeinwohl und wirtschaftlicher Erfolg ergänzen sich gegenseitig hervorragend.

Apropos Erfolg:
Der Erfolg ist mir wichtig. Deshalb mag und kann ich diese Rolle nur dann ausüben, wenn ich persönlich an die handelnden Menschen und das zu erzielende Ergebnis glaube. Wenn ich überzeugt bin, dass es funktionieren kann, dann bin ich gerne dabei.

Und mein Beitrag darf nicht überschätzt werden. Ich bin auch nur ein Mensch. Und den Erfolg kann man nicht erzwingen. Also wünsche ich mir keine große Erwartungshaltung.

Das wären so meine Vorstellungen, wie man zusammen arbeiten kann.
🙂 Das könnte man ja fast schon meine AGB nennen.

RMD

P.S.
Das Foto hat Franziska Köppe (madiko) auf der PM-Camp-Klausur am 30. Januar in Hamburg-Altona aufgenommen. Neben mir sitzt Klaus Hofeditz, der das erste internationale Projekt Management Camp (PM-Camp) in Barcelona #PMCampBar voranbringt. Und ich habe die Freude, der Pate des #PMCampBar zu sein und so den Klaus zu unterstützen. Auch eine schöne Form von „Engelei“.

Jörg Rothermel
Montag, der 2. Februar 2015

Ist da was faul – in Australien?

 Vor ein paar Wochen hat Klaus Rabba an dieser Stelle einen Beitrag gepostet
Es ist was faul … in jedem Staate!

Ich lebe seit fast 3 Jahren in Australien – ist doch klar, dass bei einer ähnlichen Betrachtung über Australien etwas völlig anderes herauskommen muss – oder?

Australien.

Australien beteiligt sich mit 10 Kampfjets und 600 Soldaten am Kampf gegen den islamischen Staat (IS).

Terrorakte sind in Australien bisher extrem selten: http://en.wikipedia.org/wiki/Terrorism_in_Australia

In 2014 hat es in Australien zwei Terroranschläge gegeben, die von den Behörden mit islamistischen Hintergrund in Verbindung gebracht wurden (in beiden Fällen hat es sich allerdings um die Taten von Einzelgängern ohne Verbindung zu einer Terrorgruppe gehandelt):

·         Am 23 September 2014 hat ein 18-jähriger 2 Polizeibeamte in einer Polizeiwache südlich von Melbourne angegriffen und wurde bei dem Vorfall erschossen.

·         Am 15 Dezember 2014 nahm ein selbsternannter „Sheikh“ 17 Menschen in einem  Café in Sydney als Geiseln. Am Morgen des nächsten Tages stürmte die Polizei das Café mit dem Resultat, dass der Geiselnehmer und zwei Geiseln erschossen wurden und vier weiter Menschen verletzt wurden.

Insbesondere die Geiselnahme in Sydney hat Politiker und die Öffentlichkeit alarmiert. Aber bereits vor dem Anschlag wurden strikte Anti-Terror-Maßnahmen eingeführt:

·         Die Australian Security Intelligence Organisation (ASIO), bekommt die Autorität, in Zukunft praktisch unbegrenzt auf Kommunikationsnetze zuzugreifen.

·         Die Strafen für Journalisten und Whistleblower, die „sicherheitsrelevante“ Informationen veröffentlichen, wurden drakonisch erhöht.

·         Vorratsdatenspeicherung: alle Metadaten zu Kommunikationsvorgängen müssen durch die Provider 2 Jahre vorgehalten werden.

·         Es wurde eine neue Straftat der „Verteidigung des Terrorismus“ im Strafgesetzbuch eingeführt. Bei Verdacht auf diese Straftat können Verdächtige ohne Anklage festgenommen werden.

·         Jeder Australier der ohne „legitimen Grund“ in bestimmte Weltregionen reisen möchte, die das Außenministerium formal als “declared area” bezeichnet, kann daran gehindert werden.

Gesellschaft.

Australien ist eines der reichsten Länder der Welt; das mittlere Einkommen vor Steuern aller 9,3 Millionen Haushalte ist 145.000 AUS$. http://www.businessinsider.com.au/chart-the-average-australian-households-income-is-145400-heres-what-they-spend-it-on-2014-9

Zwar ist der Mittelwert durch die hohe Anzahl sehr wohlhabender Haushalte verzerrt, aber das Median-Einkommen[1] aller Haushalte ist immer noch 72.000 AUS$.

Dies ist ein Anzeichen dafür, dass es in Australien eine starke Mittelschicht gibt.

Diverse Regierungen haben, unterstützt durch diese Mittelschicht, ein hochwertiges Soziales Sicherungssystem geschaffen in dem sich alle Beteiligten bemühen, keine Menschen zurückzulassen.

Das Australische Bildungssystem bietet nach der Schule (primary + secondary education) eine zweigeteilte höhere Ausbildung an:

·         Berufsvorbereitend in öffentlichen Institutionen die als “Technical And Further Education” oder TAFE bezeichnet werden.

·         Akademische Ausbildung an Universitäten.

TAFE-Institute bieten eine Vielfalt von Abschlüssen an, einschließlich Bachelor. Studenten können ihre Ausbildung, die sie an einem TAFE – Institut angefangen haben, auf der Universität vervollständigen. Die Universitäten können mit europäischen Universitäten mithalten.

In Australien gibt es nach Ansicht von Experten eine der besten öffentlichen Krankenversicherungen der Welt (Medicare);  ergänzt wird diese durch private Krankenversicherungen. Der Krankenversicherungsbeitrag ist zurzeit 2% des Brutto-Einkommens – dazu gibt es Förderung für einkommensschwache Familien.

Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer beträgt 30 %.

Einwohner mit permanenter Aufenthaltserlaubnis bekommen ab dem 67 Lebensjahr eine steuerfinanzierte Grundrente von AU$ 383/Woche für Alleinstehende und AU$ 577,40 für Paare.

Darüber hinaus gibt es ein kapitalgedecktes Rentensystem über strikt regulierte Fonds (Super Annuation Funds) – der Arbeitgeberbeitrag ist zurzeit 9,5 % des Bruttogehalts – jeder Arbeitnehmer kann freiwillig steuermindernd bis zu einer gesamten Obergrenze von AU$ 30.000 p.a. aufstocken. Die Erträge der besten Fonds in 2014 betrugen 9,3 – 12,7 %.

Migration.

Australien ist DAS Einwanderungsland. Die Bevölkerung in 2014 betrug ca. 23 Mio Einwohner – nach dem 2. Weltkrieg waren es nur ca. 7 Mio. Die australische Gesellschaft ist offen und liberal – Einwanderer können sich in der Regel sehr gut integrieren.

Einwanderungswillige  unter 45 Jahren und mit guter Ausbildung (das kann ein Handwerk sein) bekommen ohne Probleme in Australien ein „Limited Work Visa“ für 4 Jahre. Nach 2 Jahren Arbeit in Australien kann eine permanente Aufenthaltserlaubnis beantragt werden.

Herkunft von Migranten der ersten Generation und Anteil an der Gesamtbevölkerung aus dem Jahr 2010:

Top 10 Länder aus denen Einwanderer kommen

Absolute Anzahl  Einwohner die in diesen Ländern geboren sind (2010)

Relativer Anteil an der Gesamt-bevölkerung

United Kingdom

1.192.878

5,16%

Neuseeland

544.171

2,35%

China

379.776

1,64%

Indien

340.604

1,47%

Italien

216.303

0,94%

Vietnam

210.803

0,91%

Philippinen

177.389

0,77%

Südafrika

155.692

0,67%

Malaysia

135.607

0,59%

Deutschland

128.558

0,56%

Im Vergleich zur Einwanderung aus UK oder Asien ist der Anteil von Einwanderern aus muslimischen Ländern verschwindend gering. Ich habe bisher keine Vorbehalte gegen Muslime wahrgenommen.

Für muslimische Frauen gibt es keinerlei Einschränkungen Hijab oder Burka zu tragen.

Ein Vorstoß der Regierung in 2014, das Tragen von Burkas im Parlamentsgebäude von Canberra zu untersagen, wurde nach wenigen Wochen kritischer Behandlung in den Medien (Die Regierung konnte nicht beantworten, ob überhaupt mal eine verschleierte Muslima das Parlament besucht hat) vom Premierminister persönlich zurückgezogen.

Asylsuchende und Flüchtlinge.

https://www.humanrights.gov.au/asylum-seekers-and-refugees-guide

1.       Asylsuchende, die ein gültiges Visum haben und in Australien Asyl im Rahmen des Flüchtlings-Schutzprogramms beantragen, werden durch die zuständige Behörde („Department of Immigration and Border Protection“) nach den Statuten der Genfer Flüchtlingskonvention bezüglich der Anerkennung des Flüchtlingsstatus beurteilt.

2.       Asylsuchende ohne gültiges Visum:

Seit August 2012 wurde eine Politik des „Offshore-Processing“ für Flüchtlinge eingeführt, die ohne gültiges Visa per Boot anlanden („Irregular Maritime Arrivals – IMA“):

Die Australische Regierung hat mit den Regierungen von Papua Neuguinea (PNG) und Nauru Umsiedlungsvereinbarungen abgeschlossen. Asylbewerber ohne gültiges Visum werden dorthin in  Internierungslager deportiert während ihre Ansprüche beurteilt werden.  Aber auch in dem Fall, dass ihre Ansprüche auf einen Flüchtlingsstatus positiv beschieden werden, können diese Menschen sich nicht in Australien niederlassen, sondern müssen in PNG bzw. Nauru bleiben (Nebenbemerkung PNG ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt).

Insgesamt sind die Zahlen der Irregular Maritime Arrivals überschaubar.

Herkunft

illegale Landungen 01.09.2013 – 31.08.2014

Ägypten

281

Iran

256

Pakistan

246

Libyen

158

Irak

83

Afghanistan

78

China

56

Papua Neuguinea

50

Syrien

49

Sri Lanka

32

andere

258

Befürchtungen über eine Flüchtlingswelle aus islamischen Ländern relativieren sich durch diese Zahlen stark.

Die Australische Asylpolitik und die Zustände in den Internierungslagern, haben der Australischen Regierung einen handfesten Konflikt mit der UN-Menschenrechtskommission eingebracht. Außerdem haben sich die Beziehungen zu Indonesien deutlich verschlechtert, nachdem es in den letzten 2 Jahren mehrfach vorgekommen ist, dass Boote mit Flüchtlingen von der Australischen Marine abgefangen und unter Verletzung der indonesischen Hoheitsrechte nach Indonesien geschleppt wurden.

Multikulturelle Gesellschaft und Drogen.

In Australischen Großstädten gibt es durchaus Problemviertel wie etwa München/Hasenbergl oder Hamburg/Schanzenviertel aber definitiv keine „No-Go areas“.

In Melbourne und Sydney gibt es multikulturelle Gesellschaften, die im Vergleich zu europäischen Großstädten gut funktionieren (ein Nachbar von mir ist auf eine Schule gegangen, in der „weisse“ Schüler mit ca. 30% deutlich in der Minderheit waren und hat sehr positive Erinnerungen an die Schulzeit).

Die Geiselnahme in Sydney war zwar ein tiefgreifendes Ereignis für die australische Gesellschaft, dennoch verblasst sie hinter einem 8-fachen Mord den vier Tage später eine junge Mutter von den Torres Strait Islands an ihren Kindern und einer Nichte im Drogenrausch begangen hat.

Drogen- und  Alkoholmissbrauch ist eines der größten Probleme der australischen Gesellschaft – anfällig für Drogen sind „Young Professionels“ aber auch die marginalisierten dieser Gesellschaft – die Aborigines.

Aborigines.

Die Aborigines und die Bewohner der Torres Strait Islands sind die indigenen Völker Australiens. Sie setzen sich aus ca. 250 Sprachgruppen und Nationen zusammen und bilden die älteste kontinuierlich existierenden Kultur der Welt[2]. Ihr Lebensstil und ihre Identität sind jedoch bedroht durch Versuche, sie in eine “westliche” Lebensweise zu integrieren.

Die Aborigines sind in allen negativen Kennziffern überrepräsentiert:

·         Aborigines stellen knapp 3% der Australischen Gesamtbevölkerung. Aus diesen 3% rekrutieren sich 28% der Insassen in australischen Gefängnissen.

·         Häusliche Gewalt, Alkoholkrankheit und Drogenkonsum sind signifikant höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Der Unterschied zur Lebenserwartung weißer Australier beträgt 14 Jahre.

·         Die Kindersterblichkeitsrate liegt bis zu viermal höher als bei nicht-indigenen Australiern.

·         Gemeinden der Aborigines haben deutlich schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung, angemessenen Wohnungen, sauberem Wasser, Elektrizität und Schulen. Je abgelegener die Gemeinschaft, desto kritischer die Situation.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Der Löwenanteil der Aborigines sitzt wegen Verkehrsdelikten und Drogendelikten ein (meist in Verbindung miteinander).
  • „Stolen Generation“: bis in die Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Aborigine-Kinder und Jugendliche durch Zwangsadoption ihren Familien weggenommen. Diejenigen, die noch von dieser Praxis betroffen sind, werden doppelt so häufig wie ihre Altersgenossen auffällig.
  • Fötales Alkoholsyndrom. Viele Kinder und Jugendliche sind durch erhöhten Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft in ihren Alltagsfähigkeiten behindert und gesundheitlich beeinträchtigt.
  • Für Aborigines spielt das Land der Eltern und Vorväter eine wesentliche Rolle. Aborigines, die weit entfernt vom Land ihrer Vorväter leben, sind statistisch signifikant anfälliger für Drogen- und Alkoholkonsum.
  • Funktionierende Stammesverbände und Familien sind oft in Auflösung begriffen.
  • Rassistische Diskriminierung im Alltag.

Das UN Committee On The Elimination Of Racial Discrimination (CERD)  forderte die australische Regierung mehrfach dazu auf, dafür zu sorgen, dass ihre Politik bezüglich der Aborigines und der Bewohner der Torres-Strait-Inseln die internationalen Konventionen erfüllt, ganz besonders die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker und die ILO-Konvention Nr. 169.

Momentan spielt sich ein Wandel in der Position der Frau in den Aborigine-Gemeinden ab: Frauen verlassen häufiger gewalttätige Ehemänner (dies widerspricht eigentlich dem Verhaltenskodex der Frau in der Aborigine-Gesellschaft) und mehr Frauen werden Stammesführer (Elderwomen).

Rassismus.

Die Australische Gesellschaft ist liberal, offen und lebt von der Vielfalt der Einwanderer – da war es für mich unmöglich, mir vorzustellen, dass es Rassismus geben kann.

Die Isolation von Bevölkerungsgruppen in sozial schwachen Gebieten betrifft praktisch ausschließlich die Aborigines – nicht Muslime, Asiaten, Inder und schon gar nicht Immigranten aus Europa.

Es existiert jedoch eine bestimmte Schicht „weißer“ Australier, die wenig Verständnis sowohl für Aborigines als auch für Einwanderer hat und auch kein Interesse aufbringt, sich mit deren Kulturen auseinanderzusetzen – dies ist eine beständige Quelle rassistischer Konflikte.

Im persönlichen Gespräch mit Bekannten oder Nachbarn über die Situation der Aborigines hören wir wir oft die Antwort „… die sind ja nie nüchtern …“.

Allerdings ist es in 2013 und 2014 mehrfach vorgekommen, dass Touristen in der S-Bahn belästigt wurden, weil sie sich in Ihrer Muttersprache unterhalten haben (dummerweise gibt es jetzt Facebook und Twitter – und solche Zwischenfälle gehen in Stunden rund um die Welt).

Auch die Beurteilung von Menschen aus Asien und Afrika ist oft von Rassismus geprägt.

So hat mich in 2012 eine Bekannte davor gewarnt, einen bestimmten Markt zu besuchen  „ … da sind so viele Schwarze und man weiß ja, dass die alle Waffen tragen …“. Das mag ein besonders böses Negativbeispiel sein, aber Bemerkungen dieser Art habe ich inzwischen mehrfach gehört.

Wirtschaft.

Der Wohlstand Australiens ist im Wesentlichen ein Ergebnis des Rohstoffreichtums Australiens.

http://www.ga.gov.au/scientific-topics/minerals/mineral-resources/aimr/table1#g

Auszug daraus:

Resource

Australiens Anteil  an den weltweiten Reserven

Tantal

65,0%

Zirkon Sand

58,4%

Rutile Sand

57,1%

Blei

39,8%

Uran

33,6%

Diamanten

33,4%

Eisenerz

28,1%

Nickel

25,4%

Zink

25,1%

Bauxite

23,1%

Die Herausforderung besteht darin, dass Australien die Abhängigkeit von den Rohstoffen schrittweise reduzieren muss. Schon 2013 und 2014 hat sich die geringfügig reduzierte Nachfrage nach Rohstoffen aus China deutlich im australischen Haushalt bemerkbar gemacht.

Die Australische Industrie befindet sich im Umbruch: Im Bundesstaat Victoria, in dem wir leben, werden bis 2017 die Werke von Ford, Toyota und Holden geschlossen. Ein großer Schiffsausrüster (600 Mitarbeiter) in Williamstown hat nur noch Aufträge für 6 Monate …

Allerdings zeigen sich bisher wenig Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenrate ist mit 6,1% (Januar 2015) moderat.

Die Australische Politik muss dringend eine Vision entwickeln, wie es mit Australien in einem härter werdenden Wirtschaftsklima weiter geht.

IT und High-Tech-Industrie entwickeln sich, haben aber noch nicht die Innovationskraft wie z.B. in Deutschland. Medizin und Pharmazie haben wegen hochwertiger Forschungen auf dem Gebiet in Australien ein großes Potenzial.

Schlussfolgerung.

Wenn man von der Situation der Aborigines absieht, gibt es in Australien keine „Parallelgesellschaften“. Im Gegensatz zu den meisten Europäischen Staaten sind die Aufstiegschancen für Migranten hoch (bei jeder Auszeichnung „Australier des Jahres“ ist mindesten ein Migrant dabei).

Bemerkenswerterweise ist Australien eines der wenigen demokratischen Ländern mit Wahlpflicht (ich habe aber noch nicht gehört, das die Australier sich darüber beschweren) – deswegen verbieten sich Vergleiche bezüglich der Wahlbeteiligung mit fast allen Europäischen Ländern.

Ich sehe nur geringe Gefahr, dass sich die Welle des islamistischen Terrors auch in Australien fortsetzt (dies wird natürlich auch davon abhängig sein, wie sich die Regierung in der Zukunft mit der Unterstützung der Luftschläge gegen den IS verhält).

Australien hat sehr gute Bedingungen, um einer globalisierten Welt weiter zu bestehen:

·         Ressourcenreichtum

·         Gutes Bildungsniveau mit guten Universitäten

·         Eine hervorragende soziale Infrastruktur

·         Eine offene und integrative Gesellschaft

Australien muss dringend erheblich mehr für die indigene Bevölkerung tun – erste positive Aktivitäten gibt es zwar, allerdings sind das vorerst Aktivitäten aus „Graswurzel“-Bewegungen und werden, wenn überhaupt, nur zögerlich von der politischen Führung getragen.

Leider – und damit sind wir auch wieder bei dem Problem des internationalen Terror – ist es schwierig, in einer Zeit, in der Millionen von Menschen durch Gewalt bedroht sind, die internationale Aufmerksamkeit auf weniger als 600.000 Aborigines zu lenken.

JR


[1] wenn alle Haushalte in einer Reihe nach dem Einkommen sortiert werden, ist das Median-Einkommen das Einkommen des Haushaltes in der Mitte der Reihe

[2] z.B. in http://www.australiangeographic.com.au/news/2011/09/dna-confirms-aboriginal-culture-one-of-earths-oldest/

Detlev Six
Samstag, der 31. Januar 2015

Wir Käse-Glocken-Helden der Freiheit.

In den Nachrichten kam die Meldung, dass der Kölner Satire-Wagen zum Hebdo-Attentat aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zum Karnevalsumzug zugelassen werde.

Gleich danach lief die neue Sitcom „Dritter Stock links“. Sitcom ist die Abkürzung von Situation Comedy und sollte (wie von den Machern in der Vorschau verkündet), aktuelle Ereignisse spontan umsetzen.

So weit, so blöd.

Denn nicht die von mir freudig erwartete „Cologne Angst“ (eine Unterabteilung der „German Angst“) war das Thema der ersten 20 Minuten, sondern, ja, es stimmt wirklich, Frau Merkel. Der Käse stänkerte in den Grenzen, die ihm von den Islamisten gesetzt wurde.

Dabei tat er so, als hätte er sich selbst die Käseglocke aufgesetzt, denn innerhalb dieser Sicherheitszone ging es ordentlich zur Sache. Frau Merkel als harmloses Ersatz-Opfer für die gefährlichen Mörder von Paris, da hatte der Kabarett-Käse ein starkes Aroma.

Rebellierten die Zuschauer der Sitcom wegen dieses durchsichtigen Manövers? Keineswegs, sie lachten pflichtschuldigst. Sie wussten, mehr Mumm hat der westliche Freiheitswille nicht.

Und ich auch nicht, darum steht oben in der Schlagzeile „wir“. Ich bin heute noch froh, dass ich nicht im 3. Reich meine Courage nachweisen musste. Der Gedanke, dass ich ein geschmeidiger Mitläufer gewesen wäre, ist mir einfach zu nah.

Nach 20 Minuten habe ich die Sitcom ausgeschaltet und mir geschworen, im Zusammenhang mit Freiheit und freier Meinungsäußerung jederzeit die Lippen schmal und nicht dick zu halten.

SIX

Klaus Rabba
Dienstag, der 13. Januar 2015

Es ist was faul … in jedem Staate!

Vorwort von Roland Dürre:

In Facebook haben ein paar Freunde mit mir eine spannende Diskussion geführt. Der Ausgangspunkt war mein Artikel #JesuisCharlie. Natürlich konnten wir die Diskussion in Facebook nicht befriedigend abschließen (wenn das überhaupt möglich ist).

Denn die Ursachen für das Dilemma, in dem sich die Welt rund um den Globus befindet, scheinen vielfältig zu sein. Dazu könnte Vieles gehören:

Wir haben eine radikale Globalisierung, die die Grenzen für den Handel total fallen lässt, die Grenzen aber für die normalen Menschen belässt. Die Arbeiterin im Billiglohnland produziert zwar für die reiche Welt, sie muss aber in der armen bleiben.

Wallstreet-Mentalität und das „Shareholder Value Prinzip“, ein durchgepeitschtes Freihandelsabkommen, Unfreiheit, Korruption, Irreführung, Frustration von Menschen, Emotionen aus zweiter Hand, Manipulation durch verschiedene Systeme, totales Marketing und mächtiger Lobbyismus, massiv unterschiedliche Religionen die in unterschiedlichen Epochen zu leben scheinen, das auseinander driften von arm und reich, nicht artengerechte Haltung von Menschen, ein verbreitetes Gefühl der Ohnmächtigkeit, eine Radikalisierung von Gesellschaften, das beliebige Verletzen von Gefühlen, die klare Priorät für Profit, der Hang zu Esoterik, der Verlust von Aufklärung, die Entwicklung von Dogmatik, Unfreiheit, Folter und vieles mehr scheint immer mehr im Kommen zu sein.

Wäre es nicht schön, da ein wenig Ordnung und Klarheit rein zu bringen. Was sind die Ursachen, was kann man dagegen tun? Es gibt dazu so viele spannende Fragen.

Diese Diskussion brachte uns auf den Gedanken, „das Thema in IF-Blog anzuschieben“. Vielleicht schaffen wir sogar eine Blog-Parade. Ich werde auf jeden Fall, wenn wir eine Basis geschaffen haben, zu einer Blog-Parade zum Thema einladen.

Zum Start dieses Projektes berichtet Klaus Rabba aus Frankreich über seine Wahlheimat.

Frankreich.

Die furchtbaren Ereignisse in Paris haben uns die Gewalt und die Schrecken aus dem Orient und aus Afrika in unsere Mitte gebracht.

Die zivile Reaktion ist gewaltig. Bis zu einer Million Menschen gingen auf die Straßen, um für unsere schwer erkämpften Rechte auf Meinungsfreiheit und Unversehrtheit zu demonstrieren.

Frankreich verteidigt seine Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Wie ist es um diese Gesellschaft bestellt und was hätte die Gemeinschaft tun sollen, um diese Taten zu verhindern?

Schnell sind die Argumente bei der Hand, die von Politik und Medien gebetsmühlenhaft verbreitet werden und an die viele der aufgeklärten, aber weniger politisch bewussten Bürger nicht mehr so recht glauben mögen:

  • Toleranz gegenüber anders denkenden und anders gläubigen
  • Wir sind eine Gemeinschaft
  • Chancengleichheit
  • Wer will, der kann
  • Bildung ist der Schlüssel zur Integration
  • Kampf dem Faschismus

Niemand kann gegen diese Argumente ernsthaft opponieren, will er nicht ins Abseits oder die braune Ecke gedrängt werden. Aber das ist nicht gut so, denn bohrende Fragen werden nicht weiterverfolgt.

Gesellschaft.

Die französische Gesellschaft leistet im Verhältnis zu anderen europäischen Gesellschaften außerordentliches in der Erziehung. Ab dem dritten Lebensjahr gibt es für jedes Kind in unmittelbarer Nähe zum Wohnort einen Ganztagskindergarten, die „École Maternelle“, die die Kinder berufstätiger Eltern mit Mittagessen versorgt, den Kleinen einen Platz zum Mittagsschlaf stellt und die Kinder nie vor 17.00 aus dem Schulgelände entlässt, wenn die Eltern nicht pünktlich zur Abholung erscheinen. Ab 19.00 können die Kinder auf der Gendarmerie abgeholt werden. Alle Kinder gehen in die Maternelle, weil sie sonst den Anschluss an den Schulbeginn nicht schaffen.

Die Schulzeit verläuft nach dem gleichen Muster und eigentlich wäre dies der Schlüssel für die Gleichheit in der Erziehung – vorausgesetzt, die Eltern spielen mit. Über neunzig Prozent der Eltern erfüllen ihre Rolle. Was macht der Rest?
In staatlichen Schulen und Universitäten herrscht strikte Religionsfreiheit. Es dürfen weder Kreuze sichtbar getragen werden, noch Kopftücher oder Kipas. Religion ist Privatsache, es gibt keine Staatsreligion.

Gleichheit.

Trotz staatlicher Fürsorge existieren Löcher im sozialen Netz. In jeder Gesellschaft gibt es Schulverweigerer oder andere Kinder, die nicht durch das Bildungsmodell motiviert werden. Hier greift der Staat ein und hält eine Fülle von Erziehungsmaßnahmen und Betreuungseinrichtungen für diese Kinder bereit. Alles in Ordnung? Nein!

Die staatliche Fürsorge in Heimen hört mit dem sechszehnten Lebensjahr auf. Die Heranwachsenden sind dann auf sich gestellt. Wenn das Elternhaus nicht intakt ist oder das Umfeld nicht stimmt, kommt es zum Abbruch von Schule und Ausbildung. Das ist in einer homogenen Umgebung schon tragisch, doch wie wirkt sich das in einem von Migration bestimmten Umfeld aus!

Die Wohlhabenden schicken ihre Kinder auf katholische Privatschulen oder ziehen in Gebiete, in denen es unverhältnismäßig viele Gutbegüterte gibt, so dass diese Schulen zu den besten der Republik gehören.

Migrationshintergrund.

Frankreich hat eine lange Migrationsgeschichte. Verlorene Kolonialkriege in Indochina und Algerien haben eine erste Welle von Einwanderung ausgelöst, da die Kollaborateure um ihr Leben fürchten mussten, so dass Frankreich ihnen den Zuzug gewährte. Bürgerkriege in den ehemaligen französischen Kolonien brachten weitere Einwanderer ins Land. Eine offene Asylpolitik ließ auch Verfolgte aus China zu.

Das Straßenbild in Paris und anderen Städten wurde schon Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bunt. Die Zeiten der Vollbeschäftigung kaschierte die grundsätzlichen Unterschiede der Einwanderer – zunächst.

Steigende Arbeitslosigkeit, Zuzug von Familienangehörigen und die starke Vermehrung der arabischen und afrikanischen Migranten führte zur Zuspitzung der Unterschiede.

Während die asiatischen Zuwanderer sehr diskret und geschlossen leben und dem französischen Bildungsideal zugetan sind, haben die arabischen und afrikanischen Neufranzosen mehr Schwierigkeiten damit. Religionsunterschiede waren bei Asiaten kaum ein Thema. Das hinderte die Kinder aber nicht an guten schulischen Leistungen und sie sicherten sich gut bezahlte Arbeitsplätze. Auch Afrikaner und Araber boxen sich durch den Bildungsweg zur Hochschulreife, aber im Verhältnis zur Masse zu wenige.

Parallelgesellschaften entstanden in hastig hochgezogenen Wohnvierteln, die langsam zu Gettos verkamen. In diesen Parallelgesellschaften kommt auch heute ein Großteil der vielfältigen Migranten unter. Und plötzlich spielt auch Religion eine Rolle, die es vorher in seiner Deutlichkeit nicht gab.

Heute leben in diesen Vierteln unterschiedliche Menschen zusammen, bestehend aus Migranten mit Arbeit, Familien mit und ohne Einkommen und vor allem Menschen mit unterschiedlichen Religionen.

In diesem Gemenge greifen die vorbildlichen staatlichen Bildungsmodelle nicht. Zu viele Schulabbrecher ohne Grundkenntnisse von Sprache und Rechtschreibung und ohne Perspektiven leben dort. Die ersten Konflikte finden in diesen zusammengewürfelten Gemeinschaften statt, wo die Herumlungerer die Arbeitenden belästigen. Die ersten Opfer sind die Frauen und Mädchen.

Gettokultur.

In den de-favorisierten Stadtteilen entwickelte sich bei der Jugend eine eigene Sprache, das Verlaine. Es ist ein rudimentäres Französisch, in dem Begriffe phonetisch umgedreht werden; aus „Femme“ wird „Meuf“, aus „Flique“ wird „Keuf“, nur um ein Beispiel zu nennen. In diesen Kreisen spielt der „Rap“ eine große Rolle, sowie ein kruder Islam, der die Abgrenzung noch verstärken soll.

Der nächste Schritt für die jungen Männer dieser Gesellschaft führt in die Kleinkriminalität. Ablehnung des französischen Gesellschaftsmodells drückt sich durch starke Aggression aus, die den Beamten der Polizei und Feuerwehr, aber auch Notärzten entgegen schlägt. Autos werden angezündet und die heranrückenden Feuerwehrleute verprügelt. Notärzten ergeht es oft nicht anders – sogenannte ‚no-go-areas’ bildeten sich.

Wird ein Mitglied aus der Gemeinde der entschiedenen Gesellschaftsgegnern bei der Verfolgung seiner Straftat verletzt oder gar getötet, kommt es zu den berüchtigten Aufständen.

Antisemitismus.

In Frankreich und vor allem in Paris gibt es jüdische Gemeinden. Nicht alle Juden sind vermögend und wohnen in den schicken Arrondissements der Stadt Paris. Viele leben in Vorstädten und gehören zur Mittelschicht. Auf diese Gruppe der Israeliten konzentriert sich die Wut der islamischen Vorstadtjugend. Der Konflikt zwischen Palästinensern und dem Judenstaat wurde in die französischen Städte getragen und es kommt täglich zu Aggressionen.

Der Druck ist stark, so dass jedes Jahr tausende Juden Frankreich in Richtung Israel verlassen. Der israelische Ministerpräsident Nethanjahu brüskierte Frankreich, als er bei einem Staatsbesuch die Juden Frankreichs aufforderte nach Israel zu kommen, da der französische Staat nicht in der Lage wäre, diese zu schützen.

Extremismus.

Der Extremismus findet in den benachteiligten Gebieten und bei den Menschen dort leichter seinen Nährboden, als in funktionierenden Gemeinschaften oder Familien. Ausnahmen bilden hier wie anderswo die Konvertiten.

Unkontrollierte Prediger, die aus Nordafrika kommen, spielen eine düstere Rolle. Die französische Rechtsordnung erschwert Ausweisungen sogenannter Hassprediger außerordentlich. Hinzu kommt, dass die Muslime keine Organisation wie Christen oder Juden besitzen, die für die Gläubigen sprechen. Präsident Sarkozy gründete einen Islam Rat, damit der französische Staat einen Ansprechpartner für religiöse Belange bei den Muselmanen findet.

Der Islamische Rat kam unter unsäglichen Querelen zustande, da die Muslime aus verschiedenen Ländern stammen, wie z.B. aus Algerien und Marokko und sich unversöhnlich gegenüberstehen. Auf das große Schisma im Islam hier einzugehen, würde den Rahmen der Betrachtung sprengen. Fakt ist, dass der Islam Rat nur einen Teil der Gläubigen erreicht und schon gar nicht die inneren Kreise der Gettos. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass die moslemische Welt geeint ist.

Wirtschaft.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich die Welt verändert, da ein Konkurrenzmodell zum Kapitalismus ausfiel. Gleichzeitig setzte eine innereuropäische Arbeitsmigration ein. Die wirtschaftlich starken Länder zogen Arbeitskräfte auf jeden Niveaus an. Gleichzeitig enthemmten sich die Arbeitsbedingungen und führten zu einem gnadenlosen Lohndumping. Arbeitnehmer aus osteuropäischen Firmen arbeiten für einen lächerlich niedrigen Lohn in Westeuropa. Federführend bei dieser Entwicklung ist die deutsche Wirtschaftspolitik.

In der Folge schließen immer mehr französische Betriebe, z.B. im Lebensmittelbereich, da sie den staatlichen Mindestlohn zahlen müssen, während deutsche Schlachthöfe mit Billigkräften aus osteuropäischen Firmen ohne soziale Absicherung die großen Supermarktketten Europas beliefern. Diese Entwicklung verringert die Arbeitsplätze der Kleinverdiener, zu denen viele Migranten gehören. Zum Glück ist Frankreich eines der größten Tourismusländer der Welt und kann viele Arbeitsplätze bieten. Ohne Migranten würde die französische Gastronomie und Hotellerie zusammenbrechen.

Außenpolitik.

Frankreich pflegt den französischen Sprachraum auf allen Kontinenten und es findet jedes Jahr ein Weltkongress der ‚Francophonie’ statt. Traditionell wurden die Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien wirtschaftlich und politisch aufrecht gehalten. Ausnahmen sind Algerien und Indochina, bzw. Vietnam.

Die Besonderheit ist, dass die französische Sprache zunächst die Amtssprache in den neu entstandenen Ländern war und großenteils noch ist. Natürlich wurden auch wirtschaftliche Interessen gepflegt und die Regime militärisch gestützt. Sogar eine Währung wurde in den frankophonen Ländern Afrikas eingeführt und von Paris gestützt. Gleichzeitig gab und gibt einen stetigen Zustrom aus diesen Ländern ins Mutterland

Frankreich hat über 10.000 Soldaten ständig weltweit im Einsatz. Der größte Teil davon tut Dienst in Afrika, wo es laufend zu Kampfhandlungen kommt. Französische Soldaten versuchen den entsetzlichen Völkermord in der kongolesischen Provinz Kivu zu entschärfen, die Elfenbeinküste vor einem Bürgerkrieg zu bewahren, Mali vor der Teilung zu schützen und in Togo, Kongo und Kamerun die Regierung zu halten. Gleichzeitig werden gewaltige Wirtschaftszonen auf See überwacht. Französische Luftstreitkräfte waren zusammen mit den Briten maßgeblich am Sturz Gaddafis beteiligt und hätten wohl auch in Syrien gegen Assad eingegriffen, wäre die Lage nicht völlig aus dem Ruder gelaufen.

In Folge dieser Politik geriet Frankreich in das Visier von Al Kaida, dem Islamic State oder Deash, wie es in Frankreich heißt.

Systemkritik.

Die Globalisierung nach Wallstreet Bedingungen schreitet unaufhörlich voran. Gesellschaften, wie die französische, müssen dem Wandel folgen, wollen sie nicht zum Defizitstaat verkommen, der durch ‚Rankings’ heruntergestuft und abgestraft wird. Das ist bitter für alle, da bei der Umverteilung von unten nach oben, die das neue Wirtschaftsmodell mit sich bringt, die Mittelschicht und die unteren Klassen an Kaufkraft verlieren, ganz zu schweigen von der schwächeren sozialen Absicherung.

Die französische Politik wehrt sich gegen diese Entwicklung und bisher hat es noch keine Maggi Thatcher oder einen Sozialisten wie Gerhard Schröder gegeben, der mit seiner Agenda den Sozialstaat stutzte und für den globalen Markt vorbereitete. Es gibt viel zu verlieren: Für das Schulmodell, für die Beamtenschaft, für eine Arbeiterschaft, die für einen garantierten staatlichen Mindestlohn schafft.

Einem rigorosen Sparkurs fallen zuerst die sozial schwachen Schichten zum Opfer. Da der Staat und die Wirtschaft von Eliten geführt werden, sind die Quereinstiegschancen für Migranten quasi null. Wer aus dem Bildungssystem ausscheidet und über sechzehn Jahre alt ist, steht allein da. Bildungsferne Migrantenkreise bleiben auf Dauer von Aufstiegschancen ausgeschlossen, was die Abschottung nur weiter vorantreibt. Der zweite Bildungsweg ist möglich, ist aber noch härter als der normale Schulweg.

Politik, Medien und intellektuelle Kreise hängen unbeirrt dem multikulturellen Idealbild nach und negieren die Selbstisolation der Gruppen in sozial schwachen Gebieten. Mittlerweile wird die Schuld an der Isolation mehr der französischen Gesellschaft zugeschrieben, als den Migrantengruppen, die sich isoliert fühlen, aber alles tun, um in dieser Situation zu verharren.

Die Religiosität der Randgruppen steht stark im Vordergrund und sorgt für Konfliktstoff während des Fastenmonats und der Gebetszeiten. Die Religion trägt zur Ausgrenzung in einem laizistischem Umfeld bei und behindert Religion übergreifende Verbindungen. Migranten beharren über Generationen auf Vornamen der Heimat und wählen kaum neutrale oder französische Vornamen.

In Frankreich herrscht Politikverdrossenheit, was sich in schwacher Wahlbeteiligung ausdrückt. Viele Skandale in den Regierungsparteien und im Präsidentenpalast haben einen Vertrauensverlust ausgelöst. Zu viele Franzosen sind der Meinung, dass ihre Regierung nicht in der Lage ist, die dringendsten Probleme zu lösen.

Was tun, um eine bessere Integration zu erreichen oder eine Gemeinschaft zu bilden? Zu allererst gehört Ehrlichkeit und Offenheit auf die Tagesordnung. Die Gesellschaft muss verstehen, dass die Migranten gebraucht werden und auf der anderen Seite müssen die Neubürger erfahren, dass sie ihr bisheriges Leben nicht ohne Veränderungen fortführen können, sondern Anpassungen nötig sind. Schließlich kommen die Menschen nach Europa aus solchen Gesellschaften, die es bisher nicht schafften, Wohlstand zu erzeugen. Gesellschaftskritik ist deshalb nötig.

Um die Verlierer von der Straße zu holen, verlangt es Änderungen im Schulprogramm. Selbstverständlich kann nicht das Niveau gesenkt werden, um den Nachzüglern den Anschluss zu erleichtern. Das ginge auf Kosten der gesamten Gesellschaft. Es braucht Klassenverbände, die mehr auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler eingehen. Außerdem brauchen sozial instabile Jugendliche eine Betreuung über das sechzehnte Lebensjahr hinaus.

Für Kinder aus zerbrochenen Familienbanden mit Migrationshintergrund ist die Zukunft besonders schwer. Mannigfach sind die Versuchungen, sich mit Kriminalität Geld zu beschaffen, statt auf einen Erfolg im Beruf zu warten. Wie überall auf der Welt, spielen hierbei Drogen eine große Rolle. Wichtig ist, Jugendliche nicht in den normalen Strafvollzug zu schicken, sondern offenere und selbstverantwortliche Vollzugsformen zu erarbeiten.

Schluss-Bemerkung zum Attentat auf Charly Hebdo.

Die Attentäter mit Migrationshintergrund waren früh Waisen, lebten in Heimen und bekamen eine Berufsausbildung, ehe sie dann in die Kriminalität abglitten. Die Radikalisierung fand wohl im Gefängnis statt, wobei ein Prediger einen starken Einfluss auf die Attentäter nahm. Hier kann nicht der Gesellschaft die Schuld gegeben werden, denn sie hatte ja ihre Pflicht gegenüber den Waisen erfüllt. Die Entscheidung, einen Mord zu planen, trifft letztendlich jedes Individuum allein.

KR

Was ist der Sinn eines Unternehmens? Diese Frage sollte sich jedes Gründerteam stellen. Ganz früh und immer wieder.

Mir fällt dazu ein, dass

  • alle die für das Unternehmen arbeiten genug Geld für ihre Arbeit bekommen sollen, so dass sie gut davon leben können.
  • das Unternehmen auch sonst genug verdient, so dass es von seinem Überschuss Investitionen für die Zukunft bilden und das Kapital „gerecht“ bedienen kann.
  • das Unternehmen Produkte und Dienstleistungen anbietet, die das Wohl der Menschen mehren und gleichzeitig das Gemeinwohl nicht belasten (Gemeinwohlökonomie).
  • alle Beteiligte am Tun Spaß und Freude haben und gemeinsam erfolgreich sind.
  • es viele und aufregende Projekte durchführt.
  • das Gründerteam sich so entfalten kann, wie es sich dies vorstellt.

Das wären jetzt so meine persönliche Gedanken. Anderen Gründern wird Anderes wichtig sein. Vielleicht der rasche Aufstieg mit dem schnellen Verkauf des Unternehmens als Krönung der unternehmerischen Arbeit.

Insofern macht es sicherlich Sinn, wenn sich das Gründerteam gemeinsam die Frage stellt:

„Was sind denn die Kriterien des Erfolgs, die uns gemeinsam sind und die uns verbinden?“

Das sollte man sich vor der Gründung und dem Start auch gut überlegen. Also empfehle ich jungen Menschen, die ein Unternehmen gründen wollen, ab und zu im Elan der Gründung inne zu halten, eine Auszeit zu nehmen und zu prüfen, ob es einen gemeinsamen Leitstern gibt. Und mal prüfen, wie der aussieht und ob die Geisteshaltung der Beteiligten wie ihre Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse (noch) zusammen passen.

Denn auch bei einer Gründung gilt „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“. Und je früher man Dinge korrigiert, die nicht passen, desto besser ist es für alle.

Oder:
Wenn man mal vom Kurs abkommt, dann ist das ganz normal. Aber je früher man wieder zum richtigen Kurs zurückfindet, um so besser auch für den Erfolg.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Donnerstag, der 6. November 2014

Politische Bildung – FES und HSS

Politische Bildung ist ein immer noch gefördertes aber doch ziemlich vergessenes Thema in der aktuellen Bundesrepublik. Und wohl auch ein Anachronismus. Passiert doch die wirkliche Meinungsbildung bei uns nicht mehr in den Parteien und deren „Stiftungen“ sondern in barcamps „auf der Straße“.

Ich kenne zwei parteinahe Stiftungen, das ist die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS – CSU) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES – SPD). Beide laden mich regelmäßig ein und und ab und zu, wenn mich das Thema interessiert, gehe ich dann auch hin.

😉 Wobei anzumerken ist, dass die Treffen sich insofern voneinander unterscheiden, dass die der HSS besser organisiert sind und dort auch das Essen sehr gut schmeckt. Bei der FES gibt es meistens gar nichts zu essen und die Organisation ist nicht so perfekt. Vielleicht ist das ein Grund, warum die CSU in Bayern so eine große Mehrheit hat und die SPD kaum einer mehr wählt.

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Am Dienstag, den 4. November bin ich einer Einladung der FES (SPD) gefolgt. Weil dort der Film „WORK HARD, PLAY HARD“ gezeigt wurde. Das ist ein Dokumentarfilm von Carmen Losmann über unsere moderne Arbeitswelt, den ich schon lange mal sehen wollte. Ausserdem war das persönliche Erscheinen der Regisseurin Carmen angekündigt.

Ich wollte sie gerne persönlich kennen lernen, auch um ihr vom Projekt „Augenhöhe“ berichten zu können.

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Kurz gesagt: WORK HARD, PLAY HARD ist ein toller Film mit einer klaren Botschaft. Für einen Dokumentarfilm ist er extrem spannend. Und hat richtig gut ins Arena (Hans-Sachs-Straße 7, 80469 München) gepasst, einem wunderschönen Kino im wunderschönen Glockenbach-Viertel. Und Carmen Losmann, Regisseurin des Filmes war wie angekündigt auch da.

Es gab anschließend eine Diskussion mit Stärken und Schwächen. Mir fällt es immer schwer, nach einem aufregenden Erlebnis souverän zu debattieren. Trotzdem war es ein guter Abend. Vor allem, weil Carmen auf unheimlich sympathische und eindringliche Art und Weise uns ihre Bewertung des Status unserer Wirtschaft erläutern konnte.

Aber dann mussten wir schnell raus, weil das Kino ja wieder in den Regelbetrieb wechseln musste. Im Gedränge des Gegenverkehrs war es nicht möglich, eine Nach-Diskussion mit Menschen zu führen, die in der Diskussion durch vernünftige Beiträge aufgefallen waren. Das hätte ich als echt nützlich empfunden.

Das aber nur als Feedback für die Veranstalter. Vielleicht sollten diese beim nächsten Mal ein oder zwei Tische im benachbarten Kneipenviertel reservieren und so die Besucher dazu animieren, noch ein wenig weiter diskutieren zu können.

Bei der Veranstaltung hat aber auch wieder so richtig „die alte Welt“ um die Ecke geschaut. Denn am Anfang musste man die Teilnahme auf der Teilnehmer-Liste durch Unterschrift bestätigen. Im Gegensatz zu manch Datenschutz-Protagonisten habe ich da kein Problem. Ich finde, wenn ich zu einer Veranstaltung der SPD- und Gewerkschaft-nahen FES gehe, muss ich auch dazu stehen und dann soll es auch ein jeder wissen dürfen. Genauso wie wenn ich Gast bei der Konkurrenz (HSS) bin.

Die Erklärung des Moderators aber bei der Begrüßung vor dem Film für die Unterschriftenaktion war, dass die Unterschrift notwendig sei. Die FES wäre ja als „meinungs-bildende“ Organisation staatlich gefördert und sie müsse deshalb die Teilnahme der „jetzt politisch gebildet gewordenen Menschen“ (mein wording)“ nachweisen, damit sie auch weiter gefördert werden würde.

Der Moderator war übrigens ein freiberuflicher „Dialektik-Trainer“, der für die FES und vor allem für Gewerkschaften arbeitet. Von irgendwas muss halt ein jeder leben.

Ich finde, dass diese Förderung von „politischer Bildung“ entweder abgeschafft oder das Geld allen denen gegeben werden sollte, die für die Entwicklung von gesellschaftlichen Kontext arbeiten. Und da kenne ich viel gut besuchte barcamps und ähnliche Bürgerveranstaltungen, zu denen viele Menschen strömen, obwohl dort nicht so tolle Filme gezeigt werden und es dort auch kein so gutes Essen wie bei der HSS gibt.

Dieser Tage wird ja viel an die „wir sind das Volk“-Zeit erinnert. Könnte gut sein, dass demnächst die regierenden Parteien und ihre Anhängsel auch in der BRD den Ruf hören werden: „Wir sind das Volk“.

Ich freue mich jetzt aber erst mal über die Bekanntschaften, die ich an diesem Abend gemacht und die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe und werde in den nächsten Posts den einen oder anderen Gedanken von diesem schönen Abend einbinden.

RMD