Roland Dürre
Donnerstag, der 22. August 2019

Geld.

Virtuell und digital.

Im Smoking – es geht zur Gala. 

Geld fasziniert mich schon seit meiner Jugend. Nicht nur, weil man sich alles dafür kaufen kann, sondern weil es etwas Virtuelles mit sehr wichtigen Funktionen und großer Kraft und Macht ist.

Geld ist virtuell. Es braucht Glauben und Symbole. Ein fast absurder und kollektiver Glaube an den Wert des Geldes ist zwingend notwendig, soll es seinen Zweck erfüllen. Denn keiner mag etwas, das ihm etwas wert ist, ohne einen verbindlichen und gesicherten Gegenwert hergeben.

Geld funktioniert als Währung, wenn es von einem größeren Kollektiv als „wertig“ akzeptiert wird. Wenn nicht die Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft an die Währung glaubt, dann taugt diese nichts.

Geld hat architekturell und funktional betrachtet zwei wesentliche Funktionen.

Zuerst mal ist Geld ein

I. Zahlungsmittel,

welches den einfachen Warenaustausch vereinfacht, vielleicht sogar erst ermöglicht. Es hat aber auch eine zweite Funktion, die man sauber davon trennen sollte. Es geht um das Finanzieren in die Zukunft hinein, gemeinhin auch „Schuldenmachen“ genannt und um das „Vorsorgen“.

II. Finanzierung von Gegenwart und Versorgen von Zukunft

Hier kommt die Dimension der Zeit ins Spiel. Geld kann angehäuft werden,  um Zukunft zu sichern. Das bezeichnet man mit Sparen.

Man kann auch versuchen, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft zu verbessern. Das heißt, ich kann eine Ware heute kaufen und bekommen und nutzen, sie aber erst (viel) später oder in Raten bezahlen. Weil ich z.B. heute kein Geld habe, aber davon ausgehe, morgen eines zu haben. Warum auch immer.

Dadurch kann ich mir ein Haus auf Pump bauen. So entsteht auch Einkommen aus Kapital oder Rechten. Ich muss nur einen Gläubiger finden, der mit glaubt, dass ich morgen meine Schulden zu einem definiertem Zeitpunkt zurück zahlen werde.

Beides – Sparen wie Schulden machen – setzt voraus, dass die Währung auch über die Zeit ihren Wert behält. Das tut sie aber selten. Bevor wir aber zum Phänomen der Inflation kommen, kommt der Zins ins Spiel.

Denn dieses Überbrücken von Zeit wurde nur möglich durch die Erfindung des Zins. Jetzt konnte der Inhaber von überschüssigen Zahlungsmitteln (einen Zustand, den man reich nennt) seine von ihm nicht benötigten Mittel einem Dritten zu geben, der sie brauchte. So konnte dieser (Schuldner genannt) sich seine Bedürfnisse erfüllten und musste dem Gläubiger für das Leihen des Geldes einen Zins zahlen. Und er konnte sich ausrechnen, wie viel teurer ihm eine Anschaffung kommt, wenn er sie sofort braucht.

Beim Thema Zins kommt sofort das Thema Inflation auf. Ist diese z.B. höher als der Zins, dann kann man durch Schulden machen reich werden – ganz ohne Arbeit. Uns so entsteht der Effekt, dass „der Teufel immer auf einen großen Haufen scheißt“. Will sagen, dass arm und reich sich ganz automatisch polarisiert.

Geld ist wie schon berichtet immer Virtuell gewesen. Das oft durch dingliche Gegenstände (Münzen, Papiernoten) präsentiert wurde. Der Inhaber von solchen Objekten konnte sich mit diesen am Eigentumsspiel beteiligen. Die Objekte waren typischer Weise besondere Gegenstände, Münzen oder Papier.

Mit dem Fortschritt der Zivilisation konnte man auch selber Geld generieren. Man brauchte nur das Vertrauen seiner Geschäftspartner. Gesetze und der Schuldturm erweiterten die Sicherheit. So konnte man Schuldverträge zum Beispiel in Form einen Wechsels erstellen und bekam  dann Waren gegen ein bedingungsloses Zahlungsversprechen, dass an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft lag.

Heute wird auf auf gegenständliche Repräsentanten von Geld immer mehr verzichtet. So wird Geld nur noch zum Eintrag in einem globalen Journal, das beschreibt, welcher Person es gehört. Das globale Journal wird durch die ein komplexes System von Banken realisiert und geführt. Das dieses Journal mittlerweile nicht mehr auf Papier sondern digital geführt wird, ist der ganz normale technologische Fortschritt.

Mit Blockchain-Technologie wird der Versuch unternommen, diese Buchführung digital dezentral und global und vor allem unabhängig von zentralen Dienstleistern zu erledigen, überwiegend mit verdeckten Identitäten, so dass die Eigentümer sich über ihr SW-System identifizieren können und ihre Authentizität nicht preisgeben müssen.

Mehrheitlich hängen die Währungen jedoch nach wie vor an staatlichen Systemen. Und das Geld wird von privaten Unternehmen, den Banken, verwaltet. Das ist logisch, da die geschichtliche Annahme war, dass Staate nicht zahlungsunfähig werden können, gehört ihnen doch alles und können sie sich in der Not durch ihre Bürger finanzieren.

Defacto trägt jedoch der Glaube der Bürger an „ihren Staat“ und „dessen Währung“ das System. Wenn dieser Glauben zerbricht, dann kann es mit einer Währung ganz schnell zu Ende sein. Und das ist schon oft eingetreten und hat dann immer zu katastrophalen Folgen geführt.

Auch moderne Währungen wie Dollar, EURO oder der Renminbi können also kaputt gehen. Auch wenn das uns unvorstellbar erscheint, kann das ganz schnell gehen. Ohne die Funktion von Geld ist wirtschaftliches Leben nicht vorstellbar.

Gedankenexperiment:
Was passiert dann?

Die Antwort erscheint einfach.
Es müssen neue Währungen entstehen. Die notwendige Bedingung ist, dass die Menschen an diese glauben. Der kann am ehesten in gleichgesinnten Gruppen entstehen.

Das müssen nicht immer unbedingte staatliche Gruppen sein. Sondern sollten möglichst große Communites sein. Die größten Communities finden wir im Internet. So erscheint der Gedanke an große Internet-Unternehmen als Träger solcher Communities eigentlich nur logisch.

So sehe ich eine Facebook-Währung (als Beispiel) in einem anderen Licht. Und meine, dass es gut wäre, wenn solche Währungen schon mal vorbereitet werden würden. Einfach als Ersatz, wenn Dollar, EURO oder Renminbi (oder alle gemeinsam) mal doch kaputt gehen.

Um es klar zu sagen:
Es könnte sein, dass die bei uns so diskrimierten und bekämpften Währungen wie LIBRA plötzlich zu Rettern des weltweiten wirtschaftlichen Lebens werden. Wenn z.B. die großen drei Währungen zusammenbrechen, wohin sollen wir dann unser Geld sonst bringen?

Das könnte schneller gehen als es uns lieb ist.

Noch eine Abgrenzung von Libra oder ähnlichen Währungen zu Bitcoin:

Facebook will letztlich eine Glaubengruppenswährung organisieren. LIBRA dürfte eine ganz klassische nur digital verwaltete Währung werden. Die nichts mit einer Kryptowährung zu tun hat. Bitcoin ist etwas ganz anderes – da ist das hervorstechende Kriterium, dass die Eigentümer über ihre Software und ihre Zugangsdaten hinter Identitäten verborgen sind und so anonym bleiben. Anonymes Eigentum erscheint mir in unser Gesellschaftlich aber nicht mehr als erwünscht. Und diese ist sogar bei Bitcoin nur theoretisch realisierbar. Allein schon die „Miner“ stehen da davor.

Und vielleicht noch eine zynische Frage. Auch die katholische Kirche könnte ich mir gut als Provider für eine Internet-Währung vorstellen. Ihr vertrauen immer noch sehr viele Menschen – und sie hat ein tolles Argument – das Unternehmen existiertt es seit mehr als 2.000 Jahren erfolgreich.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 26. April 2019

„Sparsam Leben!“ oder „Geld ausgeben!“ (???)

Das waren noch Zeiten – DM-Zeiten. Kohle tut gut.

Früher hat man freiwillig gespart, um Geld fürs Alter zurück zu legen. Dazu hat man schon als Kind ein Sparbuch bekommen. Das ist heute gar nicht mehr so einfach und das ist auch nicht weiter schlimm, weil in Nullzins-Zeiten Sparen keinen Sinn mehr macht. Man spart und spart, und am Ende hat man nichts davon. Weil das ersparte Geld nicht mehr viel wert ist. Wegen einer hohen Inflation und keinen Zinsen – beides Dank der Geldpolitik der EZB.

Heute müssen immer mehr Menschen sparen.

Nicht mehr fürs Alter – sondern damit es zum Leben reicht. Und am Ende des Monats dann das Girokonto ein wenig zu früh leer ist. Denn Leben ist teuer geworden. Präziser formuliert, die Mieten, zumindest in vielen Städten, sind so richtig teuer geworden.

Nahrungsmittel sind billig geworden, ich meine so billig wie noch nie.

Ich kenne Leute, die zahlen 1.200 € im Monat kalt für eine kleine Wohnung in München – und finden das oft noch billig. Trotzdem ist das mehr als die Hälfte ihres Netto-Einkommens.

Wenn man eine Wohnung hat, dann braucht man ja nur noch ein wenig Kleidung und Essen.

Kleidung haben die meisten von uns viel zu viel.

Wir stopfen sie in unsere Kleiderschränke. Aber Gebrauchsspuren (man muss ja ordentlich aussehen) und die Mode (man muss ja schick sein) lassen uns weiter einkaufen. Obwohl wir vieles gar nicht mehr brauchen. Konsumismus pur. Und in den Kleiderschränken wird es weiter immer enger.

Betrachten wir das Essen.

Das ist in Deutschland billig wie kaum in einem anderen Land. So habe ich mal die Preise für Basis-Lebensmittel vom Discounter untersucht:


Eier Milch und Mehl

Milch kostet als frische Vollmilch mit  3,8 % Fett  1,05 €, als H-Milch mit 3,5% Fett sogar nur 0,70 €. Das verblüfft mich. Im Verhältnis zu einem Liter Diesel (1,30 €) oder Benzin (1,45 €) ist das doch wirklich spottbillig. Besonders weil da immer noch ein Tetrapak dabei ist. Und beim Autofahren so ein Liter Sprit doch ziemlich schnell weg ist.

Beim Mehl haut der Preis mich vom Stengel. So kostet das Mühlengold Weizenmehl vom Aldi Süd nur 0.39. Jetzt verstehe ich, warum der eine oder andere mit Getreide heizt.

Wenn ich Kuchen backen will, brauche ich noch Eier. Da habe ich drei Varianten im 10er-Pack: aus Bodenhaltung für 1.19 €, Eier aus Freilandhaltung 1.59 €, aus ökologischer Erzeugung 2.69 €. Mag ich gekochtr und gefärbte Eier dann bekomme ich die 10 Stück für 1.89 €. Das klingt doch gut.

Öl brauche ich auch noch.

Ich schau mal nach. Das reine Pflanzenöl aus Raps kostet beim Discounter genauso 0.99 wie auch das reine Sonnenblumenöl. Hi, auch das Öl ist billiger wie Benzin und Diesel. Ob ich das in meinem Tank schütten kann. Oh, ich habe ganz vergessen, dass ich ja nicht mehr Auto und schon gar nicht mehr Diesel fahre.

Kaffee darf auf meiner Liste nicht fehlen.

Da finde ich „Bio Caffè Crema, ganze Bohne“ für 9.49 € und noch besser „Tizio Caffe, ganze Bohne, sortiert“, das Kilo zu 7.49 €. Das haut dem Fass den Boden raus, enthalten diese Preise doch neben der Mehrwertsteuer auch noch die Röststeuer. Diese Kaffeesteuer in Deutschland beträgt laut Wikipedia pro Kilo Bohnenkaffee für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm. Für löslichen Kaffee sind es sogar 4,78 Euro je Kilogramm.

Für die Alkoloholiker unter uns ist auch gut gesorgt.

Der billigste Schnaps – ist der Doppelweizenkorn Kornmeister, da gibt es die 0,7-Flasche zu 5.29 und drei Liter Gold Bier der Marke KARLSKRONE gibt es im 6-Pack (6x 0,5 L) für 1.79 €. Zusammen für 7,08 € sollte das für einen Fußballabend vor dem Fernseher alle Mal reichen.

Wer kein Bier mag, dem empfehle ich Rotwein.

Da gibt es beim Discounter die Flasche „Mazedonischer Rotwein“ für schlappe 1.49 € den Liter. Was will man mehr?

Was zum knabbern dazu gibt es auch billig. Da nehmen wir als Chips SUN SNACKS, die 200 g zu 0.79 €. Da legen wir zwei Packungen in den Einkaufswagen und schon kostet uns der Fernsehabend mit 6 halben, einer Flasche Schnaps und zwei Packungen Chips immer noch 8,68 €. Dann nehmen wir noch den Wein für nach dem Spie mit und wir sind knapp über 10,- €.

Als den absoluten Billig-Renner empfinde ich übrigens Apfelmus.

Da gibt es SWEET VALLEY, die 710 g für 0.59 € im Tetrapak. Wer kann das so billig produzieren?

Man sieht, wenn ich bereit bin, billig zu essen, dann lebe ich schon sehr günstig in Deutschland. Ich weiß zwar nicht, wie diese Preise möglich sind und habe den Verdacht, dass da der eine oder andere Arbeiter, Produzent oder Lieferant schon richtig ausgebeutet werden muss.


Warum schreibe ich das alles?

Weil ich die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen ist.

Irgendetwas stimmt da nicht, und einiges stinkt da auch. Für ein Zimmer in München zahle ich eine Miete, für die ich ganze Essensberge und T-Shirt-Stapel kaufen kann und nebenher mich auch zu Tode saufen kann.

Was wird passieren, wenn wir als Folge von Klimakrise und Bodenvernichtung nicht mehr genug Weizen produzieren.

Von dem Weizen, der heute so billig ist, dass wir für ein Kilo Mehl (sauber und ordentlich verpackt) nur 0,39 Eurocent zahlen? Für die oben genannte Monatsmiete von 1.200 € würde ich dann mehr als 3 Tonnen Weizen bekommen. Grob gerechnet sind das über 700 Kilo pro Woche, also 100 Kilo am Tag! Was wird passieren, wenn der Weizen knapp wird?

Was passiert, wenn sich die Dinge plötzlich ins Gegenteil verkehren? Irgendwie ist es mir unheimlich und ich bekomme Angst vor der Krise.

Und ich denke an meinen Konsum. Was brauche ich außer Wohnen und Essen noch zum Leben?

Klar – ich will reisen.

Vor kurzem im Regional-Express auf dem Weg von Winterhausen zurück nach Neubiberg sassen einen Teil der Strecke zwei junge Damen mit uns am Vierertisch. Die haben sich natürlich über dritte junge Damen unterhalten. Die eine Woche Mallorca für 250,- Euro gebucht hatten. Wo es 3 Tage „Malle“ schon für 146 € geben würde. „Iiihh, wie kann man nur so verschwenderisch sein“, war deren Meinung zu diesem Thema. Der Ballermann lässt grüßen.

Mobilität ist den Menschen, wie auch mir, sehr wichtig.

Hier hilft es, wenn man verstanden hat, dass man auch ohne Auto gut mobil sein kann. Mit der Kombination von Fahrrad und öffentlichen geht das sogar deutlich besser. Viele Menschen meinen aber, dass sie zwingend ein Auto für ihre mobile Freiheit. Die müssen dann den Rest, der vom Einkommen nach Miete bleibt, zuerst mal fürs Auto ausgeben. Und dann bleibt oft wirklich nur noch der Discounter.

Aber mir wird klar. Wenn ich eine Wohnung habe, dann kann ich auch mit relativ wenig Geld überleben. Wer auch immer dabei geschädigt werden mag.

Kleider haben die meisten von uns  genug.

Da kann man ziemlich lange ohne Neukäufe auskommen. Das praktiziere ich – und es klappt. Ich bin glücklich damit. Keine Anzüge, weiße Hemden und teure Krawatten mehr. Und im Sommer immer nur die alten kurzen Hosen. Mit den vielen geschenkten T-Shirts. Wie herrlich.

Ich versuche regionale Produkte einzukaufen, wie z.B. auf dem Wochenmarkt oder den guten Kaffee vom Supremo. Da sind die Preise ganz anders als beim Discounter. Der Kaffee kostet das 2,5 Fache. Mir geht es gut und ich kann es mir leisten. Damit möchte ich anderen das Überleben ermöglichen und den Raubbau reduzieren. Aber wahrscheinlich gelingt mir das gar nicht?

Dazu ein Gedankenexperiment:

Was passiert, wenn ich jemandem, den ich mag und der knapp bei Kasse ist, z.B. 10.000 € schenke? Ich fürchte, dass er sich dann sofort ein Auto kauft oder eine Flugreise in ein „Paradies“ macht. Also seinen Kohlendioxid-Fußabdruck sofort wesentlich erhöht. Und das will ich ja nicht.

Vielleicht wäre die beste Lösung, dass ich mein Geld verbrenne. Nicht an der Börse, weil dann hat das Geld ja auch wieder ein anderer. Nein, im eigentlichen Sinne des Wortes.

Nur wird das auch nichts helfen. Weil eine einseitig orientierte EZB ganz schnell neues Geld kreiert (früher hätte man „druckt“ gesagt). Um die Wirtschaft anzukurbeln und den Zusammenbruch der EURO-geschädigten Nationen aufzuhalten.

RMD

P.S.
Die Preise habe ich am 24. Mai 2019 der Website Discounter-Preisvergleich entnommen. Die Barbara hat mich darauf hingewiesen, dass manche Produkte (wie z.B. der Liter „Frischmilch“) deutlich billiger sind als von mir geschrieben.