Klaus Hnilica
Samstag, der 16. März 2019

Teneriffa und seine diebischen Elstern

Carl und Gerlinde (Folge 61)

Also ehrlich –  jedem normalen Menschen bereitet es doch ein diebisches Vergnügen, wenn er endlich einmal ohne jede Hemmung schadenfroh sein darf. Bei Carl ist das jedenfalls so!

Und ganz besonders kann er diese Schadenfreude genießen, wenn es um Teneriffa geht. Jene Insel, auf die sich Gerlinde vor etlichen Jahren für ein paar Wochen zurückgezogen hatte, als sie in einem Anfall geistiger Umnachtung meinte, sie müsse sich von ihm trennen. Doch welche klarsichtige Frau trennt sich schon von einem wie Carl?

Keine – meint jedenfalls Carl.

Und Gerlinde tat dies letztlich ja auch nicht wirklich! Denn sobald sie eingesehen hatte, welche grandiosen Vorzüge dieses Wunderwerk von einem Mann hatte, kuschelte sich auch wieder erstaunlich zügig zu ihm zurück.

Natürlich war er froh gewesen, als sie wieder bei ihm war: schließlich hatten sie sich doch all die Jahre blendend verstanden. Und er hatte bis heute nicht begriffen, warum sie diese Auszeit damals haben musste – und auch noch ausgerechnet auf dieser blöden Insel Teneriffa! Die er noch nie leiden konnte. Und auf die er nie und nimmer jemals  fliegen wollte.

Und auf der er nun doch wieder mit Gerlinde – des lieben Friedens willen – gelandet war. Genau wie diese sieben Millionen anderen Touristen, die Jahr für Jahr hier aufkreuzten. Und alt waren, dick waren, aus England kamen und Deutschland und Frankreich und – wer hätte das für möglich gehalten – auch aus Russland…

Und dieses „Barceló“ in Puerto Santiago mit seinen vier Sternen war ja kein schlechtes Hotel, das musste Carl schon zugeben. Auch wenn er sich das nur widerwillig eingestand: dieser Hotelbau lag ja wirklich so malerisch wie ein Kreuzfahrtschiff an der schwarzen Lavaküste, dass man glaubte, es würde jeden Moment in See stechen. Direkt hinein in den Atlantik, vorbei an San Sebastian, der Hauptstadt von Gomera, wie einst Christoph Columbus, der dann auch, wie Carl und Gerlinde, Tag und Nacht nur mehr das blaue Meer vor der Nase hatte – und die steife Prise vom Westen her.

Zugegeben, die traumhafte Promenade an dem kleinen Fischerhafen vorbei, war auch nicht übel in diesem Städtchen Puerto Santiago und das trotz der vielen üblen Bausünden entlang dieser Promenade, bis weit ins Hinterland hinein, ja selbst noch die schwarzen Vulkanhänge hoch.

Lustig war der einsame Taucher, angekettet an ein Stahlgeländer! Wahrscheinlich um ihn vor Dieben zu schützen und dem kräftigen Kalima, der stetig von Afrika herüber wehte. In seiner Brusttasche staken Prospekte einer Taucherschule, doch seine beiden Arme hingen erstaunlich freudlos nach unten. Und obwohl die linke Hand vermutlich ein frustrierter Terrier schon weg gebissen hatte, zeigte seine rechte Hand in rotem Handschuh, weiter tapfer in den dreißig Meter tiefen Abgrund eines schwarzen Barancos, der unmittelbar hinter ihm in das nahe Meer mündete, dessen mächtige Wellen seit Millionen von Jahren Tag und Nacht an der schwarze Lavaküste hochschnellten und an ihr nagten.

Links hinter dem Taucher blickte man auf den neu errichteten prächtigen Festplatz der Stadt, der weit ins Meer hinausragte und an dessen Beginn die Statue eines verdienten Spaniers stand, umgeben von Guanchen, denen seinerseits die Spanier kräftig zugesetzt und im Namen des Christentums ganze Arbeit geleistet hatten: außer Spuren in den Genen der heutigen Bevölkerung war von ihnen nichts mehr übrig geblieben.

Carl und Gerlinde schlenderten fast jeden zweiten Tag an dem Festplatz vorbei, in Richtung Arena, genossen den prächtigen Blick aufs Meer und steuerten regelmäßig eines der typischen Lokale an, um bei Cortado und Aqua con Gas gemütlich das muntere Treiben auf den kleinen Stränden zu beobachten.

Donnerstags auch! Nur blies der Kalima noch stärker als die Tage zu vor, so dass sie mittags, als sie wieder weiter schlenderten, quasi in eine permanente Geräuschglocke gehüllt waren. Unzählige Touristen waren auf den breiten Gehsteigen unterwegs und praktisch jedes Lokal entlang der Straße war fest in Händen halb nackter sonnenverbrannter alter Männer, die zumeist schweigend mit ihren weißhaarigen Frauen hinter riesigen Biergläsern hockten, doch wenn sie etwas sagten, klang das Englisch, sehr selten Deutsch und nie Spanisch..

Als Carl dann fast schon beängstigend gut gelaunt mit Gerlinde zurück ging, um im Paraiso del Sol, die übliche Portion gegrillter Sardinen mit reichlich Roséwein einzuwerfen, hatte er plötzlich im Rauschen des Kalimas das Gefühl, dass irgend etwas an ihm kurz vibrierte. Das Handy in der Brusttasche war’s nicht. Nach der zweiten Vibration wusste er, dass es hinten vom Rucksack kam. Er drehte sich blitzschnell um und streifte sogar noch eine der beiden dunkel gekleideten schwarzhaarigen Frauen, die viel zu dicht an ihm waren, aber keinerlei Verwunderung zeigten, sondern unbeirrt weitergingen. Irritiert stand er plötzlich alleine da, nahm sich den Rucksack vom Rücken und starrte ungläubig auf die zwei weit geöffneten Fächer seines Rucksacks mit den Schals, Mützen, der Wasserflasche, den Brillenetuis und der Haarbürste. Geschockt rief er Gerlinde zu, die ein paar Schritte voraus war und nichts bemerkt hatte, dass die beiden Frauen vor ihr – vermutlich Romas – ihn beklauen wollten, aber wohl nichts Interessantes in seinem Rucksack gefunden hatten.

Noch während Carl das rief, spürte er neben einer lähmenden Hilflosigkeit eine rasende Wut in sich hochsteigen und wär am liebsten gleich über diese beiden Taschendiebinnen hergefallen. Aber die ließen sich selbst durch seine Rufe zu Gerlinde nicht aus der Ruhe bringen, sondern taten so als ginge sie das Ganze überhaupt nichts an. Ja sie stellten sich sogar noch zu dem angeketteten Taucher, nahmen ihm ein Prospekt aus der Brusttasche und studierten es zusammen höchst interessiert.

Carl fühlte, dass er da auch hin musste mit seinem offen stehenden Rucksack und war mit wenigen Schritten da. Sein Studium des Prospektes bestand jedoch darin, dass er die beiden dunklen Elstern ununterbrochen fixierte, was diese aber nicht im Geringsten zu stören schien.

Plötzlich stand Gerlinde neben ihm und sagte, „Carl du ich geh jetzt in den Laden dort drüben und kauf mir die Schuhe, die wir uns gestern zusammen angeschaut haben“.

„Okay“, sagte Carl  apathisch, ohne zu wissen was Gerlinde meinte und starrte weiter auf die beiden schwarzen Gespenster vor ihm..

„Aber ich brauch dazu Geld von dir, ich hab keines dabei. Du hast es doch sicher wie üblich da vorne in der Rucksacktasche, oder?“

Noch ehe Carl reagieren konnte, hob sie seinen Rucksack hoch, den Carl am Arm hängen hatte und zauberte aus dem dritten kleinen Rucksachfach, das die beiden Biester nicht geöffnet hatten und in dem nur Aspirin und ein paar andere Medikamente waren, vier 50 Euroscheine heraus und entschwand ohne ein weiteres Wort auf die andere Straßenseite.

Plötzlich hatte Carl doch den Eindruck, dass die mühsam aufrecht erhaltene Fassade der beiden schwarzen Unglücksbringerinnen jäh verfiel: ruckartig stopften sie den Prospekt so energisch in die Brusttasche des Tauchers zurück, dass dieser trotz Befestigung beinahe umstürzte und eilten davon. Je weiter sie weg waren, umso heftiger gifteten sie sich gegenseitig an, schien es Carl, so als machten sie sich gegenseitig  Vorwürfe, gerade eine riesige Chance dilettantisch vertan zu haben.

Und Carl wurde nicht nur schlagartig klar, warum er an seiner frechen Gerlinde gar  so einen Narren gefressen hatte, sondern spürte vor allem die herzerwärmende Kraft berechtigter Schadenfreude in sich hochsteigen…

K.H.

PS:
In  Folge 21 (XXI)
Hinter Sonnenbrillen vor Gomera
genießt Gerlinde ihre Auszeit auf Teneriffa!

(Hinweis der „Redaktion“ zum Suchen: Die frühen „Carl & Gerlinde“ – Geschichten waren mit lateinischen Ziffern numeriert).

Klaus Hnilica
Sonntag, der 28. Januar 2018

Saunaaufguss

Carl und Gerlinde (Folge 56)

Das Jahr 2018 hatte eigentlich super begonnen.

Jedenfalls für Carl. Für Gerlinde sicher auch.

Gleich am dritten Sonntag im Monat, also noch im Januar, nachmittags in die Sauna zu gehen, war eine prima Idee von Gerlinde gewesen.

Natürlich lag sie schon längst splitternackt genüsslich ausgestreckt auf ihrem Saunatuch, als Carl endlich in die überhitze Kabine gestakst kam.

Ihren kritischen Blick, während er seine Handtücher auf der Saunabank arrangierte, kannte und spürte er – der war nicht neu…

Wenn du dich weiter so wenig bewegst, kannst du demnächst meine Büstenhalter übernehmen, kicherte sie flapsig – und schwitzend.

Soll das heißen, dass dir deine Brüstchen eigentlich zu klein sind und uns daher demnächst eine Schönheitsoperation ins Haus steht?, fragte Carl scheinheilig – noch nicht schwitzend.

Nein das mein ich nicht. Ich bin mit meinen Brüsten vollkommen zufrieden.

Also keine Brustvergrößerung mit inkludierter Straffung demnächst, murmelte Carl und streifte immer wieder über sein ohnehin perfekt liegendes Saunatuch. Auch das mehrfach gefaltete Handtuch auf dem Kopfteil lag längst tadellos.

Nein Carl – aber bei dir wär’ allerlei zu straffen, wenn ich dich so anschau’.

Tja – dann schau halt nicht…

Tu’ ich eh meistens nicht, aber manchmal, wie jetzt, passiert es doch und dann muss ich feststellen, dass du ziemlich schwammig geworden bist, lieber Carl.

Carl schwang sich endlich wortlos auf seine sorgfältigst abgedeckte Saunabank. Vorher grinste er Gerlinde noch genervt zu.

Vor allem deine Brüstchen hängen immer mehr und mehr! stellte Gerlinde beharrlich fest.

Hm – und deswegen soll ich mich mit deinen BHs anfreunden?, fragte Carl mit ersten Schweißperlen im Gesicht, am Bauch und zwischen den Gesäßbacken.

Nein das sollst du nicht – aber du könntest ja vielleicht statt dessen etwas weniger Schokolade in dich hineinarbeiten.

Es muss ja nicht jeder deinem Schlankheitswahn frönen und so ein Knochengestell sein, wie du, liebe Gerlinde!

Nein muss man nicht: aber man muss auch nicht so faul und verfressen sein wie du in letzter Zeit, lieber Carl.

Du bist ganz schön biestig heute, sagte Carl. Er wälzte sich von seiner Saunabank umständlich herunter und schöpfte vier Kellen Wasser auf die Saunakohle. Er wusste, dass Gerlinde das zu heiß wurde.

Sie stöhnte auch kurz auf, sagte dann aber: mach’ nur, Carl, das empfindliche Herzchen hast ja du!

Weißt du, Gerlinde, am liebsten würde ich dich unter die kalte Dusche stellen und festhalten bis du wieder zu dir kommst und friedlich wirst.

Dann tu’ s doch, Carl! Du kannst mich auch auspeitschen, aufs Streckbett ketten oder sonst irgendwie quälen, aber…

Was aber?

Aber du könntest auch deine Großhirnrinde aktivieren und vielleicht darüber nachdenken, ob du nicht auch deinen apollinischen Leib einmal etwas quälen solltest, statt immer nur…

Was genau meinst du mit quälen? unterbrach sie Carl gequält.

Ich meine schlicht und einfach, dass du dich mehr bewegen könntest und etwas gesünder ernähren.

Aha, stöhnte Carl und drehte sich schwitzend und ächzend auf seinem Saunatuch nach links, so dass er Gerlinde erstmals im Blick hatte.

Du willst damit wohl andeuten, fuhr er fort, dass bei uns jetzt auch diese ‚neuen Zeiten’ eingeläutet werden sollen!

Gott  wie dramatisch du immer wirst, wenn dir etwas gegen den Strich geht, stöhnte Gerlinde.

Na das muss man ja wohl werden, wenn jetzt statt Sex, Drugs und Rock’n Roll plötzlich mit Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer gedroht wird!

Du immer mit deinen Sprüchen, Carl!

Ja – ich immer mit meinen Sprüchen.

Was ist denn daran so schlecht, wenn man seine Gesundheit im Auge hat und auf seinen Körper achtet? Murmelte Gerlinde in sich hinein.

Tja wenn du nicht verstehst, was ich meine, liebe Gerlinde, kann ich dir auch nicht helfen – aber ich muss jedenfalls an die frische Luft sonst dreh ich noch durch bei soviel überhitztem Schmarren…

Aber Vorsicht, Carl, unsere fette Nachbarin lunzt immer nach deinen Speckhöckerchen und sonst was!

Und du pass auf ihren Rauhaardackel auf, der nagt jeden Knochen an…

KH

Roland Dürre
Montag, der 26. Dezember 2016

Unterwegs in Mittelamerika

Als „Alien“ unterwegs auf einem großen Schiff.

Seit Heilig Abend sind wir wieder zurück von unserer Seereise und haben schon wieder zwei wundervolle Tage in der „Heimat“ verbracht. Die Reise schwingt noch nach – jetzt reflektiere ich die vielen Erlebnisse von vierzehn sehr intensiven Tagen.

In den vergangenen zwei Wochen haben wir acht Länder besucht. Von La Romana in der Dominikanischen Republik ging es nach Jamaika, dann nach Mexico, Belize, Honduras, Costa Rica, Panama, Kolumbien und wieder zurück über Santo Domingo nach La Romana.

Es war wie erhofft und erwartet angenehm warm in der Karibik. Öfters hatten wir willkommene Wolken, so gab es keinen Sonnenbrand, obwohl wir eigentlich immer an der frischen Luft waren. In der restlichen Zeit haben sich Sonne und Regen haben sich mit Vorteil für Sonne abgewechselt.  Ab und zu war es recht windig.

Die Nacht war fast dreizehn Stunden lang und recht dunkel, so dass es immer genug Zeit gab, sich aus zu schlafen. Bei offener Balkontour haben wir über die Nacht das Rauschen des Wassers genossen. Gut elf Stunden am Tag war es dann so richtig hell – genug Zeit zum intensiven Leben.

Zwar war es eine typische „all inclusive“ Reise auf einem Riesenschiff mit über 2.000 Reisenden. Es gab viel Animation in diversen großen und kleinen Bühnen. Wie oft bei Kreuzfahrten wurde versucht, den Passagieren eine mondäne Welt des Luxus zu suggerieren.

Wir haben die  Schiffsreise für uns ein wenig anders definiert und sie nicht so organisiert wie die große Mehrheit unserer Mitreisenden. So waren wir immer im Freien, haben nicht ein einziges Mal in den großen und kleinen Restaurants unten im Schiff gespeist sondern immer in zwei kleinen Biergarten-ähnlichen Freiluft-Restaurants.

Und fast schon wie selbstverständlich waren wir auch bei keiner der vielen Shows dabei, die viele unserer Mitreisenden tatsächlich begeistert haben. So war es tatsächlich ein einfacher Urlaub ganz allein für Barbara und mich.

Als privater „Kreuzfahrer“ unterwegs in Roatán (Honduras).

Tagsüber waren wir in sechs Ländern jeweils einen Tag, in Jamaika und der Dominikanischen Republik waren es zwei Tage in verschiedenen Orten. Abhängig von der Situation waren wir an sechs von zehn Tagen ganz individuell und privat zu Fuß und einmal mit gemieteten Fahrrädern unterwegs, viermal haben wir das Angebot von Ausflügen genutzt. Nachts waren wir immer auf dem Meer unterwegs wie auch an den vier Seetagen, an denen wir die Seele baumeln lassen und das Erlebte verdauen konnten.

Zwei Schiffs-Giganten treffen sich in Cozumel (Mexiko).

In den nächsten Tagen werde ich in lockerer Reihenfolge berichten, was mir so durch den Kopf ging. Zum Beispiel, dass wir tatsächlich in drei Ländern waren, die keine Armee haben und wie froh und stolz die Menschen dort mehrheitlich über diese Tatsache waren.

RMD

Wie Ihr wisst, weise ich in IF-Blog immer gerne auf die Konzerte der Arcis-Vocalisten hin. Zum einen weil die Evelyn (EG) bei diesem Chor mit großer Leidenschaft dabei ist und zum anderen, weil diese Konzerte für alle Zuhörer immer ganz große Erlebnisse sind!

Mozart

Und das Beste:

Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es wieder ein kleines Zucker. Einfach bei mir melden mit Stichwort „Mozart“!

RMD

P.S.
Hier noch der Hinweis auf ein weiteres und ganz besonderes Beethoven-Konzert der Arcis-Vocalisten an Silvester!

Für alle, die sich etwas ganz besonderes zum Jahreswechsel gönnen wollen!

Die Konzerte der Arcis-Vocalisten erwähne ich hier immer sehr gerne – nicht nur weil die Evelyn (EG) da mitsingt. Sondern weil die Aufführungen immer einzigartig sind und die Herzen aller Zuhörer mit großer Freude füllen!

Beethoven

Für IF-Blog-Leser, die das Konzert besuchen wollen, gibt es wieder ein schönes Zuckerl …

Einfach bei mir melden mit Stichwort „Beethoven“.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 12. Februar 2016

Drei Floskeln, die Freude und Mut kaputt machen können.

Und zwar bei einem selber wie auch bei seinen Mitmenschen.

So klein ist der Mensch. Am linken Rand Muhamed, Führer und Freund.

Wieder zurück! So klein ist der Mensch. Am linken Rand Muhamed, Führer und Freund.

Letzte Woche habe ich das erste Mal die Gräber und Tempel der Pharaonen gesehen. Da habe ich viel Neues erfahren und hatte Zeit zum Nachdenken.

Drei Floskeln wurden mir bewusst, die das Leben schwer machen können. Die erste ist das
„JA ABER …“

Früh habe ich gelernt, dass man nicht so oft „Ja aber“ sagen soll. Das war beim Management-Training.

Im unternehmerischen Alltag habe ich unter dem „Ja aber“ meiner Mitmenschen ab und zu gelitten. Gebracht hat es wohl nie etwas.

Wie wir beschlossen hatten

Hurra, wir machen unsere erste Kulturreise an den Nil!

kam sie wieder, diese Floskel.

Ich habe sie oft – auch ein paar mal von mir selber – gehört.

 

Ja, aber der Kohlendioxid-Fussabdruck …
(ein Problem, dass ich sehr ernst nehme)
Ja, aber Kulturreisen sind doch immer so anstrengend …
(Fast jeden Tag einen Tempel und manchmal auch zwei …)
Ja, aber die lange Anreise  …
(es waren fast 13 Stunden, mit dem Zug nach Nürnberg, dann mit dem Flieger nach Hurghada am roten Meer und von dort mit dem Bus nach Luxor – nochmal 380 km).
Ja, aber das geht doch nicht, wegen dem Terror …
(und in München stoßen zwei Züge zusammen)
und so weiter …

Und wie dumm wäre es gewesen, wenn wir diese Reise nicht gemacht hätten!

Die zweite Floskel die ich meine ist das
Dagegen Sein!

Wie oft ertappe ich mich selber, dass ich gegen etwas bin:

Ich bin gegen die gigantischen Subventionen von Geschäftswagen. Ich bin gegen Faschismus. Ich bin gegen Dummheit in der Politik. Ich bin gegen den Kohlehafen im Barrier Reef in Australien. Ich bin gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Ich bin gegen Bürokratie. Und so weiter …

Erst vor ein paar Jahren hat mir mein Freund Jolly Kunjappu erklärt, dass „das Dagegen Sein“ etwas Negatives ist, das einen selber runter zieht. Überlegen wir uns doch lieber, was schön ist, was wir mögen und wo wir dafür sind. Das gibt uns Mut und Freude.

Die dritte Floskel hat mir Moslam letzte Woche auf unserer Reise ins Bewusstsein gerufen. Moslam war unser Führer bei unserer Reise auf dem Nil, wir haben uns angefreundet. Er ist regelmäßig in Deutschland. So haben wir auch über seine Erlebnisse in meiner Heimat gesprochen und er hat berichtet, wie es ihn berührt, dass seine deutschen Freunde immer sagen:
„Wir müssen …“

Ich kenne das gut von mir. Ich muss nachher gleich Milch einkaufen gehen. Dann muss ich einen Artikel für IF-Blog schreiben und Business-Pläne bewerten. Und dann muss ich mich mit Barbara beim Artemis (dem Griechen gleich neben an) zum Mittagessen treffen. Und heute Nachmittag muss ich dann mit Freunden von der Uni in der Forschungsbrauerei zum Starkbier-Anstoß treffe. Und morgen muss ich dann zur F.re.e gehen …

Aber ist es nicht wunderschön, dass ich Milch einkaufen kann. Als ob es selbstverständlich wäre, dass man gleich um die Ecke so gute Milch in der braunen Flasche mit 3,8 % Fett bekommt. Die noch wie Milch schmeckt! Und ins Artemis gehe ich immer sehr gerne, weil das Essen dort so gut schmeckt und die griechischen Wirtsleute so freundlich sind. Die Forschungsbrauerei ist immer einen Besuch wert und auf der F.re.e warten so viele Impulse auf mich, was ich alles so machen kann, dank der Vielfalt von Kulturen und Landschaften unseres so schönen Planeten.

All das mache ich doch gerne, es ist doch wunderschön – warum muss ich dann das machen?

Zusammenfassend würde ich sagen:
Es lohnt sich „positiv“ zu reden und zu schreiben, dann wird man auch immer mehr so fühlen und denken!

Luxus pur von Luxor nach Assuan. Das Leben ist schön!

Luxus pur von Luxor nach Assuan. Das Leben ist schön!

RMD

Heute ein wenig Werbung fürs Torturmtheater in Sommerhausen.

Dort läuft vom 8. Oktober bis zum 20. Dezember 2015 – immer Dienstag bis Freitag 20.00 Uhr, Samstag um 16.30 und 19.00 Uhr und zusätzlich an den Adventssonntagen ebenfalls um 16.30 Uhr und 19.00 Uhr ein wunderbares Theaterstück.

Es heißt
Unsere Frauen
und ist von
Eric Assous

Unter der Regie von Christine Neuberger spielen
Joachim Bauer, Alexander Diepold und Armin Hägele.

„Unsere Frauen“ ist ein Stück, in dem keine einzige Frau auftritt. Und dennoch sind die Frauen (mehr als) omnipräsent.

Das Torturmtheater wird von Angelika Relin geleitet. Sie schafft es immer wieder, auf die kleine Bühne wunderbare Stücke zu bringen. Ich durfte bei der Premiere des aktuellen Stücks am 8. Oktober dabei sein – und es war wieder wunderbar. So kann ich den Kurzurlaub ins Theater mit Übernachtung in Sommerhausen nur empfehlen. Und ein „Geheimtipp“: Die Anreise geht am besten mit der Bahn nach Winterhausen. Von dort sind es nur noch 800 Meter über die Main-Brücke zum kleinen Theater in Sommerhausen.

Hier ein paar Bilder, die gut die ungeheure Dynamik des Stückes wiedergeben.

Torturmtheater-unsereFrauen1

Die Kartenrunde der drei Freunde beginnt schon übel – einer kommt zu spät und gesteht einen Mord.

Torturmtheater-unsereFrauen2

Eine lange Nacht mit vielen Geschichten und der Alkohol fordern ihren Tribut.

Torturmtheater-unsereFrauen3

Die Solidarität unter Freunden gewinnt die Oberhand.

Torturmtheater-unsereFrauen4

Doch dann passiert etwas, dass alles wieder ins Wanken bringt.

Wer Tipps zum Theaterausflug nach Sommerhausen (Anreise, Unterkunft, Speisung, Sehenswürdigkeiten …) benötigt, darf sich gerne an mich wenden. Und die Karten kann man hier vorbestellen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 23. Februar 2015

Ich bin dann mal auf der Insel … #noweb

Abstinenz vom Internet! Vom 26. Februar bis 14. März 2015.

Flag_of_Cuba.Am Donnerstag (26. Februar) geht es nach Kuba. Mit einem Direktflug von Air Berlin von München nach Varadero. Und unsere beiden Utopias, die Silbermöwe und Roadster, sind auch dabei.

Barbara und ich werden dann genau zwei Wochen möglichst weit durch die lang gestreckte Insel radeln. Bei der Vorbereitung haben wir gelernt, dass es in Kuba mit dem Internet noch nicht so weit her sein soll. Man kommt wohl nur aus ausgewählten Touristik Hotels ins Netz.

Typische Verkehrsszene auf einer Landstraße zwischen Santiago de Cuba und Holguín (2008)

Typische Verkehrsszene auf einer Landstraße zwischen Santiago de Cuba und Holguín (2008)

Da will ich aus der Not eine Tugend machen und zwei Wochen „web-abstinent“ leben. Das erste Mal seit vielen Jahren in meinem Leben.

Also #nointernet und #noweb. #noTwitter und #noFacebook. Raus aus der virtuellen Welt. Rein in die Reelle.

Ich werde auch keine Pläne machen und mir nichts vor nehmen. Nichts vorhaben. Nur im Jetzt leben und das Leben lieben. Mit den Rädern einfach durch Kuba bummeln, dies mit weit geöffneten Augen und Ohren und vor allem mit einem offenen Herzen. Die Sonne und die warme Luft genießen. Und am Abend schau ich, wo es uns hin getrieben hat und wir Quartier finden.

Das bedeutet auch, dass ich in diesen beiden Wochen keine Artikel für IF-BLog schreiben und veröffentlichen werde. Also auch #noIFBlog!

Havanna – Blick auf das Kapitol

Havanna – Blick auf das Kapitol

Vielleicht mache ich mir ein paar Notizen und Photos von der Reise. Die gibt es dann anschließend zu lesen.

Ansonsten möchte ich meinen Kopf völlig von den Gedanken des Alltages befreien. Und alles in München lassen, was dorthin gehört. Und zu einhundert Prozent in Kuba leben.

Meine Memoiren werde ich auch nicht schreiben, obwohl es da einiges Interessantes gerade auch aus den letzten Jahren zu berichten gäbe …

RMD

P.S.
Alle Bilder sind aus Wikipedia.
„Flag of Cuba“
„Blick auf das Capitol in Havanna“ – Autor: Breogan67
„Verkehrsszene auf einer Landstraße“ – Autor: Escla
Alle lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

P.S.1
🙂 Geil wäre es natürlich schon – aus Kuba zu twittern!

Roland Dürre
Montag, der 6. Januar 2014

Die Deutsche Bahn und der Döner in Lindau

Freitag auf Samstag war ich in der Schweiz. Bei meinem Freund und Partner Wolf. Er wohnt in Goldach am Bodensee. Ich fuhr wie immer mit dem Zug.

Am liebsten fahre ich über Lindau. Die Strecke von München über Buchloe, Kaufbeuern, Kempten, Immenstadt, Oberstaufen führt durchs schöne Allgäu. Ich genieße sie immer sehr. Und kann auf der Fahrt auch ein wenig lesen und diverse Themen vorbereiten.

Blöder Weise kann ich in München keine Fahrkarte nach Goldach kaufen. Geht im Internet und auch am Schalter nicht. Ein Ticket nach St. Margrethen gibt es, aber nicht für die kleinen Orte wie Rorschach oder eben Goldach. So war es auch letzte Woche wieder.

Den Fahrplan nach Goldach via Lindau bekomme ich schon in Deutschland ausgedruckt. Es geht zuerst mal mit dem Alex nach Lindau. Also kaufe ich mir ein „Bayern Ticket“. Das ist bis Lindau gültig, dort muss ich umsteigen.

Normalerweise ist die Umsteigezeit zur S-Bahn nach Bregenz oder sogar direkt nach St. Margrethen gut 20 Minuten. Ich habe also in der Regel ausreichend Zeit, um mir in Lindau das Ticket für die Strecke von Lindau nach Goldach zu kaufen.

Auf meinem Reiseplan ist die Umstiegszeit aber diesmal nur 5 Minuten. Und da ein deutscher Zug nie pünktlich ist, wird es knapp. Auch diesmal ist es so. Mein Alex war zwar die ganze Fahrt pünktlich. Vor Lindau Hbf steht er dann 5 Minuten vor dem Sperrsignal.

Und wir kommen (natürlich) mit Verspätung in Lindau an. Der Anschlusszug nach Bregenz/St. Magrethen wartet, allerdings drängt uns die Stimme aus dem Lautsprecher zur Beeilung. Ich habe aber keine Fahrkarte für die Weiterfahrt. In den Zügen in Österreich kann man auch kein Ticket lösen.

Also muss ich mich ganz schnell entscheiden.

Variante 1: Schwarzfahren.
Das Risiko, erwischt zu werden ist nicht groß. Die Fahrt kostet gut 10,- €, die Strafe meines Wissens 40 €. Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden ist wesentlich kleiner als 10 %.  Rein spieltheoretisch spricht also einiges fürs Schwarz-Fahren.

Variante 2: Ticket kaufen.
Wenn ich mir ein Ticket kaufe, komme ich 40 Minuten später an. Und habe weitere Unbequemlichkeiten: Ich muss meinen Freund über meine verspätete Ankunft informieren, weil er mich abholen will. Und muss einmal mehr umsteigen. Und habe in Lindau einen ziemlich langen Aufenthalt vor mir.

Entscheidung: Döner-Mann
Mir fällt der Döner-Mann im Lindauer Bahnhof ein. Der hat einen Döner, der mir besonders gut schmeckt. Also spurte ich nicht zur S-Bahn über Bregenz nach St. Margrethen sondern lenke meine Schritte in Richtung Lindauer Bahnhofshalle.

Zuerst besorge ich mir mein Ticket nach Goldach. Dazu muss ich den österreichischen Fahrkarten-Automaten nutzen. Denn der deutsche kann das nicht. Und zahle 10,50 € für die kurze Strecke von Lindau nach Goldach.
Für die Nicht-Bahnfahrer hier eine Erläuterung: Lindau ist wie früher Salzburg (Deutschland/Österreich) oder St. Margrethen (Österreich/Schweiz) ein Grenzbahnhof, da stehen die Fahrkarten-Automaten zweier Bahngesellschaften.
Dann gehe ich zum Dönermann und will mir einen Döner leisten. Ich habe jetzt Zeit und studiere in Ruhe die Preisliste. In Lindau kostet der „normale“ Döner 4 €. Der gute mit Käse 4,50 €. Und der Dürüm Döner sogar runde 5 €!

Irgendwie habe ich ganz andere Döner-Preise im Kopf. Da will ich gar nicht bis in die DM-Zeit zurückgehen.

Jetzt biete ich eine Wette an. In fünf Jahren wird der normale Döner in Lindau Hbf 7,50 € oder mehr kosten. Und das Ticket von Lindau nach Goldach mindestens das doppelte vom Döner.

Wer wettet dagegen?

RMD

P.S.
Am Abend holen wir in St. Margrethen die Barbara ab. Alle Schweizer Züge auf der Anzeige sind pünktlich. Nur für einen Zug – der EC aus Deutschland – ist eine Verspätung angezeigt. Die Ansage auf dem Bahnsteig ist ganz lakonisch: „Wegen eines Ereignisses im Ausland hat der Zug 10 Minuten Verspätung.

Auf der Rückfahrt war es dann ähnlich. Pünktlich in der Schweiz und in Lindau (!) abgefahren, dann in Immenstadt auf den zweiten Zugteil gewartet. In Buchloe dann umgestiegen – glücklicherweise hatte der Anschlusszug nach München auch eine Verspätung …

Roland Dürre
Freitag, der 20. Dezember 2013

Singende Elche ..

Ein besonders netter Weihnachtsgruß hat mich von unserem Autor Klaus Hnlica erreicht. Klaus schreibt für IF-Blog nicht nur die Fortsetzungsgeschichten zu Carl & Gerlinde, über die ich immer recht schmunzeln muss.

Aber ab und zu dichtet er auch – so wie zu Weihnacht 2013:

Ich wurd’ gefragt – und dann gleich welche –
Weihnachtslieder singen Elche?
Ja singen die denn überhaupt?
Und wenn, ist’s Elchen auch erlaubt,
Die „Stille Nacht…“ mit Elchsgeweihen
Brünftig in die Nacht zu schreien!

Das verschreckt doch jeden Bär
Und auch den Jäger trotz Gewehr!
Schon gar nicht mag ich daran denken,
Wie Rehe sich den Hals verrenken.
Und selbst die Kräh’ im kahlen Strauch
Krächzt – ach Gott – so sing’ ich auch!

Doch drin im Stall, dort bei den Föhren
Scheint’s Sepp und Mary nicht zu stören:
Im Stroh davor schnalzt froh ihr Junge
Zu „White Christmas“ mit der Zunge!
Ist per iPhone live verlinkt,
Hört nicht was die Elchkuh singt…

Drum wenn’s Apple echt gelänge,
Dass auch die Elchkuh richtig sänge
Weil im Ohr steckt Knopf samt Kabel,
Wär’ das alles keine Fabel,
Sondern Fakt zu guter Letzt,
Dass Mensch mit Tier ist echt vernetzt!

Weihnachten wär noch viel schöner:
Die Elche äßen mit uns Döner,
Auch die Kirchen wären voller,
Mit Elchen ganz im Weihnachtskoller,
Die da sängen ‚elchisch bieder’
Röhrend alte Weihnachtslieder!

Doch bei uns ist heuer nicht
‚Elch – Bedarf’ wie im Gedicht!
Denn bei uns sind alle da –
Die Enkel und die Kinderschar!
Und wie alle Jahre wieder
Singt Alt und Jung dann Weihnachtslieder!

Fröhliche Weihnachten und ein gutes Neues Jahr wünschen Euch von Herzen,

Brigitte und Klaus Hnilica
Rodenbach, im Dezember 2013

Jetzt frag ich mich nur, ob die Elche auch im bayerischen Dialekt singen könnten.

RMD

P.S.
Und für die Liebhaber von singenden Elchen hier noch Elche 2.0:

Ich wurd’ gefragt – und dann gleich welche –
Weihnachtslieder singen Elche?
Ja singen die denn überhaupt?
Und wenn, ist’s Elchen auch erlaubt,
Die „Stille Nacht…“ mit Elchsgeweihen
Brünftig in die Nacht zu schreien!

Das verschreckt doch jeden Bär
Und auch den Jäger trotz Gewehr!
Schon gar nicht mag ich daran denken,
Wie Rehe sich den Hals verrenken.
Und selbst die Kräh’ im kahlen Strauch
Krächzt – ach Gott – so sing’ ich auch!

Doch drin im Stall, dort bei den Föhren
Scheint’s Sepp und Mary nicht zu stören:
Im Stroh davor schnalzt froh ihr Junge
Zu „White Christmas“ mit der Zunge!
Ist per iPhone live verlinkt,
Hört nicht was die Elchkuh singt…

Drum wenn’s ‚Apple’ echt gelänge,
Dass auch die Elchkuh richtig sänge
Weil im Ohr steckt Knopf samt Kabel,
Wär’ das alles keine Fabel,
Sondern Fakt zu guter Letzt,
Dass Mensch mit Tier ist echt vernetzt!

Weihnachten wär noch viel schöner:
Die Elche äßen mit uns Döner,
Auch die Kirchen wären voller,
Mit Elchen ganz im Weihnachtskoller,
Die da sängen ‚elchisch bieder’
Röhrend alte Weihnachtslieder!

Selbst Franziskus käm’s gelegen,
In einer App gäb er den Segen
Digital an Mensch und Elch –
Feierlich bei Brot und Kelch –
Damit endlich all das Geld
Friede stifte in der Welt!!

Klaus Hnilica

Besonders die Verse der letzten Strophe finde ich wunderschön!