Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

BUSINESS Visualisierung

DAS Buch von
Botta/Reinold/Schloss

Unter diesem harmlosen Titel verbirgt sich ein wirklich aufregendes Sachbuch. Ich würde sagen für Menschen im Alter von 6 bis 90 Jahre, die im Leben mehr Freude und Erfolg haben wollen.

Der Untertitel
Ein Reiseführer für Neugierige und Visionäre
weist dann schon ein wenig darauf hin, dass es ein besonderes Buch ist.

Besonders? Ich habe es gelesen und würde es als revolutionär bezeichnen. Es handelt von einer Reise in eine neue Welt, die ich sehr liebe und schätze. Das ist eine Welt der kreativen und wertschätzenden Kommunikation und des „Zusammens“! Und führt in eine Welt, die sich auch weiter immer noch verändert und erweitert.

Das Buch liest man eigentlich nicht sondern man erfühlt es sich. Spannend und humorvoll wird die Reise einer jungen Dame namens Barbara (Babs) ins agile Abenteuer beschrieben. Diese führt sie durch die Welt moderner Kommunikation, die beim Zuhören und Verstehen anfängt und den Kreis über das Kreative bis hin zum Dokumentieren der Ergebnisse schließt.

Für mich ist ganz klar – die Kommunikation ist die Basis von „sozialen Systems“ jeder Art. Und Kommunikation gelingt besser, wenn wir neue Formate nutzen (die zum Teil ja uralt sind). Dazu gehören auch die Nutzung von Bildern und Haptik – als Teil einer neuen, mir sehr sympathischen Geisteshaltung.

In meinem Wirken werde ich immer wieder überrascht, wie viele Menschen von den stattfindenden „agilem Wandel“ einfach ignorieren oder von ihm fast überrollt werden. Das Buch als gemeinsames Werk Botta, Reinold und Schloß könnte für Nichtkenner oder Verweigerer dieses „Neulands“ ein solider Einstieg sein. Aber auch der „erfahrene Agilist“ findet einiges an Neuem darin.

Ich kann Euch versichern, dass dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt. Es gehört nicht zu den Schinken, bei denen nach den ersten 50 Seiten die Botschaft klar ist und diese dann noch auf ein paar 100 Seiten verkünstelt und langweilig wiederholt begründet wird. Nein – hier kommt auf jeder Seite etwas Neues. Es bleibt immer humorvoll, der Lesespaß hört nicht auf.

Von den Autoren würde ich mir nur wünschen, dass sie weitere Büchern zu weiteren Reise schreiben, denn die wundervolle Welt moderner Kommunikation ist groß. Im Buch ist wirklich sehr viel davon drin – aber natürlich nicht alles. So könnte die Barbara (Heldin im Buch und im Leben Inspiratorin der Autoren) uns noch auf weitere tolle Reisen mitnehmen.

Das wäre schön. Aber die erste Reise empfehle ich schon mal ganz sehr! Für Unternehmer und (Projekt) Manager ist das Buch eine Pflichtlektüre.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 24. September 2018

Disruptive Technologien & Zukunftsangst

Angst vor IT?

Haben Sie Angst vor sich beschleunigender Veränderung und wachsender Komplexität? Und Sehnsucht nach Buzzwords wie agil, resilient, antifragil?

Beides war mir fremd. Den Wandel empfand ich nicht so aufregend und die vielen Buzzwords habe ich als normales Ergebnis der Zunahme von unverantwortetem Geschwätz in unserer Zeit gesehen.

Weil ich meinte, dass wir auch heute nichts anderes erleben, als den ganz normalen technologischen Fortschritt. Der natürlich schon immer Welt und Gesellschaft rasant und massiv verändert hat. Man denke nur an die Zeit von 1918 bis 1938! 20 Jahre, in den es so richtig abging.

Und auch auf die damalige Zeit kann man treffend die Überlegung von Bertrand Russell anwenden:


» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «


Denn das hat wohl auch damals nicht funktioniert.

Mindestens drei technologische Dimensionen sind herausragend und besonders aufregend.

  • Nicht mehr Mensch-Maschine sondern Welt-Maschine (Sensoren).
  • Totale Vernetzung der Maschinen (IoT).
  • Lernende System auf der Basis (künstliche Intelligenz).

Das könnte einiges an Veränderung toppen! Denn die Maschinen werden exponentiell intelligenter, weltweit vernetzt und brauchen den Menschen als Mittler zur Welt nicht mehr.

Zusammen dürfte das unsere Welt und Gesellschaft vielleicht genauso heftig (oder noch heftiger) verändern wie es der Siegeszug der „individuellem Mobilität basierend auf Verbrennungsmotoren“ getan hat. Und wenn ich daran denke, dann bin auch ich kurz davor, Angst zu bekommen. Weil der „Siegeszug des Autos wirklich heftige Folgen hatte und das Glück der Menschen wohl wesentlich geschmälert hat.

Da bleibt mir nur die Hoffnung, dass die Menschen genauso schnell weiser werden wird wie siche der „technische Fortschritt“ beschleunigt.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 15. September 2018

Manifest des Lebens

Manifeste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, zum Beispiel das Manifest zur neuen Arbeit als Bekenntnis von Microsoft (!) zu #newwork.

Inspiriert von #PMCampBER und schönen Gesprächen der letzen Tage habe ich ein Manifest des Lebens entworfen. Natürlich stand bei mir das agile manifesto (diesmal der Link zur englischen Version) Pate.

Mein Vorschlag für ein Manifest des Lebens würde so aussehen:


 

Manifest für Leben

Wir suchen nach Werten, die uns ermöglichen, in Freude und mutig leben zu können
und versuchen diese für uns selbst und im Zusammensein mit Anderen zu leben.
Auf dieser Suche haben wir diese Geisteshaltung schätzen gelernt:

  • Eigenverantwortung und Selbstorganisation vor Fremdsteuerung und Unmündigkeit!
  • Werte und Haltung vor Moral und Dogmen!
  • Liebe und Friede vor Hass und Krieg!
  • Freiheit und Verzicht vor Unterdrückung und Verschwendung!
  • Vertrauen und Transparenz vor Misstrauen und Geheimhaltung!

Unterzeichner


 

Jetzt fehlen mir nur noch ein paar Mitdenker und Unterzeichner!?
(Verbesserungsvorschläge sind willkommen)

RMD

P.S.
Dr. Marcus Raitner hat vor kurzem von den 10 Thesen von Google für „Gute Führung“ berichtet. Könnte eine gute Basis für ein „Manifest zu Führung“ sein.

Hans Bonfigt
Samstag, der 26. Mai 2018

Moderne Zeiten

Bekenntnisse eines ewiggestrigen Rassisten

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir gehen schale Witzchen über den BER auf die Nerven.
Ein schwuler Bürgermeister, eine peinliche Truppe SED-Aktivisten und ein heruntergekommener Restbestand „Sozialdemokraten“ haben sich an einem Flughafenrojekt versucht.  Das MUSSTE schiefgehen.

Nun könnte man sagen, „Berlin ist halt nun einmal Berlin, hier haben kriminelle Veruntreuung von Steuergeldern und schwachsinnige Verordnugen, die stets das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist, eine jahrzehntealte Tradition“.

Doch aus der Sicht eines Experten für Datenverarbeitung muß ich leider immer wieder feststellen:

BER ist überall. Sogar im schönen Bayern.

Denn junge, unerfahrene Menschen basteln sich Umgebungen zusammen, die immer komplexer werden und selbst von guten Administratoren nicht mehr beherrscht werden können. Gleichzeitig wird der verspielte Klapperatismus immer schwerfälliger und undeterministischer in seiner Antwortszeit — gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit gegen Angriffe erheblich.
Was ist da eigentlich passiert ?

1. Was der Bauer nicht kennt…

Von Larry Ellison stammt das schöne Bonmot, „Ich würde meinen Kindern eher Drogen geben als DOS“.
Wohl wahr. Aber auch an unseren höheren Schulen werden unsere Kinder ausschließlich mit der kranken, kaputten PC-Architektur konfrontiert – privat sowieso.
Die Folge: Später, im Beruf, setzen unsere „alternativlosen“ Jungspunde das einzige System ein, was sie kennen. Und das ist ein Kretin aus kaputter Hardware und vermurkster Software.
– Das führt zwangsweise zu einer „Monokultur“ mit allen damit verbundenen Nachteilen,
– insbesondere einer fatalen Störanfälligkeit.
– Sinnvolle Alternativen verschwinden vom Markt,
– fatale Abhängigleiten entstehen.
Spätestens seit „Spectre“ und „Meltdown“ muß eigentlich jedermann klar sein: INTEL-basierte Systeme sind außer für Daddelspiele zu nichts zu gebrauchen. Ihr Einsatz ist grob fahrlässig.
„Windows“ und „Office“ telephonieren etwa 20 Mal „nach Hause“, wenn man nur ein einziges „Word“-Dokument öffnet. Über die fatalen Lücken in „Microsoft Outlook“ zu berichten, wäre müßig.
Solche Systeme professionell zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu nutzen, ist schlichtweg illegal – das weiß auch die Bundesregierung.  Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Transportwesen haben wir die unterschiedlichsten Systeme zur Wahl, aus gutem Grund: Denn ob Kreuzfahrtschiff, Motorrad, A380, Traktor, Schnellzug oder Tieflader: Sie haben alle ihre spezielle Eignung. Bloß in der „IT“ – da arbeitet alles mit den über die Jahre immer wieder marginal aufgerüsteten DOS-Kisten. Ja, selbst die modernsten „Server“, in Wirklichkeit aufgebohrte PCs, booten noch mit „DOS“ – Bordmitteln.
Das war füher anders: Man hatte die „Mainframes“ für hochverfügbare, hochsichere und hochzuverlässige Massendatenverarbeitung, typischerweise im Verbund mit einer Datenbank. Programmiert wurden diese in Sprachen, die einen Programmierer nicht überfordern und es vor allen Dingen ermöglichen, daß mehrere Programmierer konfliktfrei an einem Programm oder Projekt arbeiten können.
Die Bedienung und Dateneingabe erfolgt ergonomisch OHNE Maus, man benötigt unterdessen eine gewisse Einarbeitungszeit. Allerdings ist man nach dieser um Größenordnungen schneller als ein Mausschubser.

Es gab integrierte „Mini-Computer“ für kleinere bis mittelgroße Unternehmen.

Es gab leistungsfähige technische Rechner für Prozeßsimulation, Konstruktion, Bild- und Tonbearbeitung. Diese Systeme verfügten, weitaus früher als beispielsweise Apple oder Microsoft, über eine professionelle Graphik, die bis heute unerreicht ist: Denn das X-Window – System unter UNIX verteilt Programmhaltung, Programmausführung und graphische Benutzerschnittstellen auf unterschiedliche Systeme. So können hunderte Anwender einen Hochleistungsrechner gemeinsam und gleichzeitig nutzen!
Nur zum Vergleich: Unter „Windows“ gibt es so etwas nicht und deshalb will die Münchner Stadtverwaltung wieder einen Intensiv-Oatienten „nach gängigen Standards“ unter jeden Sachbearbeiterschreibtisch stellen.

Es gab spezielle Rechner zum Steuern von Maschinen und Anlagen, die neben erweiterten physikalischen Bedingungen nuch dem Umstand Rechnung trugen, daß spezielle Hardwarefunktionen benötigt wurden, beispielsweise hochauflösende Timer, Pulsweitenmodulatoren, D/A – Wandler etc..

Tja, und es gibt den „PC“ zur Bespaßung „moderner“ Konsumenten: Papi guckt sich Pornos an, der Sohnemann erfreut sich mit dem neuesten „EGO-Shooter“ und knallt Feinde ab, die Tochter postet kompromittierende Bilder ihrer aktuellen Todfeindin auf „Facebook“ und Mami kann jetzt endlich im „Wiki“ nachgucken, was ein „Narrativ“ ist, man will ja schließlich mitreden können.
Der PC bietet also für jeden etwas — und ist damit genau so effektiv und hilfreich wie ein „Schweizer Taschenmesser“: Kann alles, aber nix ansatzweise richtig.
Der PC aber hat uns dominiert. Das blanke Mittelmaß hat uns dominiert.

2. Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß

Der Manager Hans-Jürgen Esser, für mich über Jahrzehnte ein väterlicher Ratgeber, fuhr einmal vor etwa 25 Jahren mit mir als Beifahrer zufällig hinter seinem Chef her.  Hier trafen zwei Fahrstile aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, und so entspann sich folgender Monolog:
„Ah, sehen Sie: Das ist unser Hansi. Also, un-glaublich! Sehen Sie bloß, wie er um die Kurve schlabbert … und hier: Er ordnet sich gar nicht ein, fährt einfach in der Mitte, und so entscheidungsschwach wie auf der Straße ist er auch in seinem Job: Bloß niemendem wehtun, immer schön die goldene Mitte … Hansi ist kein Unternehmer, er ist ein UNTERLASSER !
Der könnte nie mein Freund sein. Und das sage ich Ihnen, mit schlechten Menschen kann ich gut umgehen, verdammtnochmal, ich bin ja selber schlecht, mit guten Menschen ja sowieso, ABER JENEN, DIE GANZ LEISE SCHLEICHEN, DEN MUSST DU AUS DEM WEGE WEICHEN.
Warten Sie, [fährt auf gefühlt 25 cm auf], GLEICH SCHIEBE ICH IHN AN !“
Ich muß dazu sagen, der Chef war immer frendlich zu mir, fand nie ein böses oder ein gutes Wort für mich oder irgendeinen anderen, war stets indifferent. Man muß ihm allerdings zugutehalten, daß er seinem schärfsten Kritiker die operative Leitung seines Unternehmens überließ. Und das gelang jenem mit Glanzbravour. Denn H.J. Esser war das Gegenteil der Mittelmäßigkeit.

Damit der Roland nicht der einzige hier bleibt, der Rupert Lay zitiert:

 Nicht der Bösewacht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn 
 man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen
 unserer Zeit betrachtet oder gar aufzuzeichnen versucht. Schon 
 Platons Vermutung, daß die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaßes
 bedeute, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme 
 in Europa nach 1948 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform 
 umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir verabsäumt - und so 
 beherrschen uns in Politik und Wirtschaft, im Sozialen (etwa den
 Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa den Kirchen) das Mittelmaß.
 Wie aber mag es dazu kommen, daß in demokratisch organisierten Sy-
 stemen die Herrschaft des Mittelmaßes tendenziell wenigstens unaus-
 weichlich ist ? Es handelt sich hier wieder einmal um die normative
 Kraft des Faktischen. Und das Faktische demokratischer Systeme ist
 der Kompromiß. Kompromißbildungen sind aber nun einmal die Konflikt-
 lösungsstrategien des Mittelmaßes. 

Quelle: Rupert Lay, Weisheit für Unweise (Hervorhebung von mir)

Lay indes ist ganz und gar kein Antidemokrat, aber Lay verachtet Demokratismus.

Warum ?

Demokratie – Demokratismus – Demokratur – Diktatur.

Die Diktatur des Mittelmaßes nennt sich übrigens heute „Shitstorm“.

Im Rahmen eines Fernsehinterviews wurde der geniale österreichische Verbrecher Udo Proksch einmal gefragt, „Herr Proksch, wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten – was würden Sie bei einer Fee bestellen ?“ — und jener antwortete, ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken:
Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals !

Heiko Mittelmaaß diene als Warnung, wie fatal sich Mittelmäßigkeit in der Politik auswirken kann – bei der Konzeption technischer Systeme unterdessen sind faule Kompromisse, und nichts anderes ist das Ergebnis des Mittelmaßes, fatal und führen schnurstracks zu BER.

3. „Best Practice“

Früher hat man sich Gedanken gemacht, „optimiere ich hinsichlich Leistung, Stabilität, Ressourcenverbrauch, Modularität, Salierbarkeit“, um wichtige Entwicklugsziele zu benennen.  Und in der Tat ergaben sich höchst unterschiedliche Entwürfe. Die Kunst war, mögliche Zielkonflikte zu vermeiden oder — na, wie heißt das heute im Idiotensprech? „mitigieren“.

Heute interessiert das niemanden mehr. Es wird das gemacht, was alle anderen Idioten auch machen.  Statt „Best Effort“ ist heute die „Best Practice“ das Gebot der Stunde.

4. Wirrtualisierung

Die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib dauert bekanntlich neun Monate. Wenn man diese Zeit verkürzen will, ist es evident sinnlos, gleich 9 Frauen zu schwängern. Man erhält zwar „statistisch“ pro Monat ein Kind, aber jedes Kind benötigt minimal neun Monate.

Um einen schwachbrüstigen „PC“ im Servergewand also zu beschleunigen, ist das „Clustering“ vieler Einzelserver womöglich nicht dazu geeignet, einen Prozeß zu verbessern. Klar, wird man entgegnen können, „viele Teilprozesse können heutzutage parallelisiert werden“, aber dummerweise gibt es immer wieder Punkte, an denen Teilprozesse aufeinander warten müssen – allerspätstens dann, wenn auf eine gemeinsam genutzte Ressource schreibend zugegriffen wird.

Die Wirklichkeit unterdessen ist grausamer und schlimmer:

„Clustering“ geht aus administrativen Gründen fast immer einher mit „Virtualisierung“.

Heutzutage entfällt der Hauptteil der Ein- und Ausgabelast eines Servers so gut wie immer auf die Netzwerkschnittstellen. Eine „virtuelle“ Netzwerkschnittstelle kann man jedoch nicht in einen „echten“ Switch stecken. Es muß also mindestens ein „virtueller Switch“her. Der „virtuelle Switch“ simuliert einen „echten“ Switch unter Zuhilfenahme einer Wald- und Wiesen – Universal-CPU. Und so kommt es, daß die „virtuellen Switches“ in Superclustern eines Servicerechenzentrums deutlich langsamer sind als absolut billige Amateurgeräte aus dem Aldi !  Denn schon die billigsten Konsumentengeräte verfügen über Hardwareunterstützung und können alle Ports simultan bedienen !

Apropos Hardwareunterstützung: „Virtuelle“ Netzwerkkarten entlasten den TCP/IP – Stack nicht von zeitaufwendigen Operationen.
Jedes Datenpaket muß, wieder von einer Wald- und Wiesen-CPU, aufwendig mehrfach ineinander verschachtelt, verpackt werden. Nun werden Sie sagen, „dann opfere ich halt zwei CPUs dafür“. Die CPUs aber arbeiten im Hauptspeicher und invalidieren („trashen“) den Cache, wodurch ALLE anderen Prozesse ausgebremst werden. Hinzu kommen, für den Profi, pro Paket in jede Richtung DREI Kernel/Userspace – Übergänge. Und jeder kostet nicht nur CPU-Zeit, sodern verlangsamt ein System durch (bei Taskwechsel notwendige) Locking-Mechanismen.
Aus technischen Gründen mußte ich am letzten Wochenende einen „virtuellen“ Server mit viel Netzlast durch einen „realen“ Server ersetzen. Es war ein Notfall; wir mußten das nehmen, was wir kriegen konnten — und das war ein schedderiger, alter „Windows 95“- PC mit Originalhardware. Eine zweite Netzwerkkarte mit stolzen 100 MBit/s war auch schnell gefunden und der Transfer auf eine gammelige IDE-Platte klappte ebenfalls prima.
Ich hatte die größte Befürchtung, eine erbärmliche Performance abzuliefern, aber am Montagmorgen kam eine Dame zu mir: „Was haben Sie gemacht ? SO SCHNELL lief unser Frontoffice-System noch nie !
Der zuvor eingesetzte Server war ein HP DL380 Gen.6, mithin also ein veritables Schwergewicht in der PC-Welt, mit allem, was die „Entwicklung“ zu bieten hatte.  Die Virtualisierung aber degradierte das System zu einer peinlich-lahmen Ente, die von einem „Pentium 5“ mit 512 MB Hauptspeicher gnadenlos deklassiert wurde.   Wohlgemerkt: Mit der gleichen Software, dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Einsatzbedingungen.
Eigentlich wußte ich immer schon, daß Wirrtualisierung im allgemeinen und „VMWare“, die Küchenschabe unter den Virtualisierungs-lösungen im speziellen, ausgemachte Performancebremsen sind — daß es aber so schlimm steht, das hätte ich nicht geahnt.
Aber auch ich habe mich in Sachen Performance zusehr an Mittelmäßigkeit gewöhnt.

5. Besen, Besen, sei’s gewesen …

Miese Leistung ist ja heutzutage „Standard“. Aber mit der „Virtualisierung“ kauft man sich einen Verwaltungsaufwand ein, der einem buchstäblich den Atem raubt:

Jeder normal denkende Mensch würde ja erwarten, daß man ein System von außen direkt administrieren kann — aber weit gefehlt bei Platzhirschen wie „VMWare“ und IBM.

Ich gehe einmal auf die abstruseste, hirnverbrannteste Variante ein, die IBM sich nicht schämt, seinen Benutzern zuzumuten:

– Zur Steuerung eines aktuellen IBM POWER – Servers ist jetzt eine alberne „Hardware Management Console“ notwendig, ein unzuverlässiger Havarist auf der Basis von „Nürnberger Windows“ („SuSE“). Diese besticht vor allem dadurch, daß sie gerne einmal ungefragt und unerwartet die NUMA-Konfiguration des verwalteten Rechners durcheinanderwürfelt, was allerdings nicht weiter schlimm ist, denn die Idioten, die eine „HMC“ benutzen, sind generell merkbefreit.

– Aber: Neuerdings braucht man ZWEI DAVON, und, dreimal dürfen Sie raten, die installiert man dann: RICHTIG, auf einer „VMWare“ – Wirrtualisierungsumgebung.

– Nur: Auf diese Verwaltungsumgebung kann man nicht zugreifen, es braucht noch ein „Windows 10“ mit „Flash“ und allen Multimedia – Uappetitlichkeiten an Bord, um via „Vschmier“ – Konsole auf den Server zuzugreifen, der wiederum das Verwaltungsprogramm beherbergt, das den eigentlichen Serer verwalten soll, der die einzelnen Serverinstanzen verwaltet.

Wir reden also von einer Verwaltung der Verwaltungsinstanz der Verwaltung einer Verwaltung. Ein größerer Schwachsinn ist für mich bislang nicht denkbar gewesen.
Es sind mindestens fünf(!) unterschiedliche Betriebssysteme beteiligt, mindestens zwei unterschiedliche Rechnerarchitekturen und unzählige Netzwerkschnittstellen.

Wer so etwas bei einem Kunden produktiv installiert, ist für mich ein krimineller Idiot.

6. Des Kaisers neue Kleider …

Der typische „IT-Admin“ ist in seiner Mittelmäßigkeit gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Er läßt sich jeden, aber auch wirklich JEDEN Schwachsinn als „innovatives Feature“ andrehen. Und traut sich nicht, STOP! zu sagen, um nicht vor seinen Kollegen als unwissend dazustehen. So kommt es, daß alle mit ihrer primären Arbeitsumgebung hoffnungslos überfordert sind und die Kernaufgabe der Abteilung darin besteht, sich Begründungen für das jeweils aktuelle Versagen im eigenen Projekt auszudenken – zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, das.

Man soll ja eine Betrachtung immer mit einem positiven Aspekt abschließen — kein Problem für mich, bitteseher:  Die modernen IT-Lakaien, durch faule Kompromisse kompromittiert,  durch „soziale Medien“ in Watte gepackt, ohne Ziel, ohne Verantwortung, ohne Achtung vor den Leistungen anderer und schon gar nicht vor der eigenen —

erst im Formulieren ihres eigenen Unvermögens sind sie dann ganz große Klasse !

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Mai 2018

Warum die DSGVO absolut in die falsche Richtung geht.

Roland als Insel-Philosoph mit (sauberer) Wäsche in Sifnos (Kykladen, Griechenland).

Eine philosophische Betrachtung.

Weil die #DSGVO morgen (am 25. Mai 2018) wirksam wird. Wie ich meine, kein guter Tag.

Meine These:

Wir denken zu viel an Eigentum und zu wenig in Allmende.

Wir streben ausschließlich nach Besitz.

Obwohl gemeinsames soziales Leben, Erleben und Überleben auf der Agenda stehen müsste.

Hier ein paar Begründungen:

  • 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt.
  • Wieso ist es selbstverständlich, dass Menschen („natürliche Personen“) beliebig Grund und Boden in Besitz nehmen (kaufen) und als Eigentum haben und vererben können?
  • Wieso darf jeder ein Auto besitzen (das selbstredend beträchtlichen Schaden am Gemeinwohl verursacht)? Oder eine Yacht? Oder ein Schloß? Oder Ländereien? Oder eine Insel im Meer?
  • Wieso können große soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel (Unternehmen genannt) komplett einem (oder wenigen) Menschen oder wiederum anderen Unternehmen „gehören“? Dies vernetzt bis zur totalen Intransparenz?>

Diese und ähnliche Fragen kann ich beliebig fortsetzen. Irgend etwas ist faul mit dem Recht an Eigentum. Wir brauchen eine neue Geisteshaltung zu EIGENTUM!

Heute wird in den zivilisierten Ländern eine „Tugend“ gelebt – die  sich „Besitzstandwahrung“ nennt.

Unser Grundrecht Nummer Eins: Das Wahren von Besitzstand!

Dass Menschen, die laut Gesetz „natürliche Personen“ sind, über ein Eigentumsrecht verfügen wollen und auch sollen, das verstehe ich – und wünsche ich mir für mich persönlich ja auch.

Aber das muss doch sinnvoll begrenzt sein, wenn die Welt funktionieren soll. Nur so werden wir in Frieden, ohne Krieg und Unterdrückung, mit Menschenwürde für alle, in gegenseitigem Respekt und in Liebe leben können!

Und jetzt institutionalisieren wir neben dem Eigentum an Dingen, Ideen und Gedanken auch noch ein „Eigentum an unseren Daten“. Also: Spinnen wir oder sind wir noch bei Trost? Wir wissen nicht einmal, was immer das sein mag (unsere Daten), aber wird sind mal wieder mal motiviert, weil wir Angst haben. So manifestieren wir unseren Eigentums- und Besitz-Wahn weiter. Dabei sollten wir versuchen, ihn Schritt für Schritt zu therapieren.

Und es stellen sich weitere Fragen:
Warum haben „natürliche und juristische Personen“ die selben Eigentums-Rechte?

„Juristische Personen“ wie Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, limited company usw. – im französischen übrigens treffend als „société anonyme“ bezeichnet – haben mehr oder weniger die selben Rechte an Eigentum wie die „natürlichen Personen“. Das habe ich noch nie verstanden.

Stirbt eine „natürlichen Person“ kommt als Problem das „Vererben“ dazu. Es verstärkt die Polarisierung von „arm und reich“. Dieses zu lösen, gelingt unserer Gesellschaft nicht, obwohl ich hier schon eine Reihe guter Vorschläge gehört habe (den wesentlichen Teil des Erbes an „ALLE“ verteilen oder für die Finanzierung eines BGEs zu verwenden).

„Juristische Personen“ können ein langes Leben haben und ihr Eigentum beliebig mehren. Erschwerend kommt dazu, dass Eigentum sich in der Regel von selbst vermehrt. Ihr Eigentum macht sie immer mächtiger und ihre Macht immer reicher. Sie sterben keines natürlichen Todes, können allerdings Insolvenz gehen (if not to big to fail ?). Was passiert bei Insolvenz? Auch im modernisierten Insolvenz-Recht steht der Gläubigerschutz  (Schutz des Eigentums der Gläubiger) immer noch vor dem Erhalt des Unternehmens. Was gerade kleinen Unternehmen oft zum Verhängnis wird und den großen dann nutzt.

Welche Arten von Eigentum gibt es denn überhaupt?

Zuerst mal haben wir ein Eigentum an Dingen. Das ist nach meiner Meinung nur dann in Ordnung, wenn die Dinge nicht aus dem (Be-)Reich der Allmende sind und die konkrete Eigentumssituation das Gemeinwohl nicht schädigt.

Schwieriger wird es schon beim geistigem Eigentum und beim Eigentum an Rechten.

Wieso können die genauso so vererbt werden wie dingliches Eigentum?

Und vor allem:

Kann es wirklich sein, dass jemand, der in einer glücklichen Situation (das richtige Team, die richtige Umgebung, die richtige Inspiration, die richtige Kommunikation, das richtige Talent, die richtige Idee, die glückliche Umsetzung) ein Patent erfunden und erarbeitet hat, dann Jahrzehnte über ein Einkommen verfügt, das es ermöglicht sich jedes Jahr eine oder mehrere Immobilien in Munich City zu kaufen? Das er an seine Erben weitergibt?Macht es Sinn, dass die arme Bestseller-Autorin nach ein paar Jahren zur Milliardärin wird?

Die überhöhten Einkommen und „Werte“ von Fußball-Stars werden oft angeprangert. Auch sie sind nur möglich aufgrund von „Urheber-Rechten“, die massen-medial ausgenutzt werden.

Die irrationalen Vorstandsgehälter begründen sich wohl auch nur auf die mediale Überhöhung der Bosse. Das viele Geld jedoch, dass sie erhalten, wird durch die kollektive Klasse des Unternehmens erarbeitet, also den Menschen, die den Namen des Konzerns vergolden.

Die Leistung eines Künstlers soll natürlich vernünftig entlohnt werden. Und wenn ein großer Künstler arm lebt und stirbt und posthum seine Werke wertvoll werden, ist das natürlich dumm gelaufen.

Aber beruht nicht jedes Werk auf der sozialen Teilhabe vieler Menschen und wird es nicht aus vielen Quellen gespeist. Lebt der Künstler nicht immer von Vorbildern und erlebten Mustern anderer Menschen, die es so mit geschaffen haben? Gilt dies nicht auch für den erfolgreichen Patentinhaber?

Und noch eine Frage:

Wie kann es sein, dass „natürliche“ und „juristische“ Personen die selben Rechte an Eigentum haben?

Ein wesentlicher „Strickfehler“ unserer gesellschaftlichen Ideologie scheint mir zu sein, dass das Recht an geistigem Eigentum im selben Maß „juristischen Personen“ zugebilligt wird wie „natürlichen“? Sollte die Musik eines Bob Marley oder der Beatles nicht den Menschen dieser Welt gehören und nicht Konzernen, die diese Rechte „erworben haben“ und maximal ausbeuten.

Gilt dies nicht auch für die Theaterstücke von Bert Brecht? Sind die Verjährungs-Zeiten der Walt-Disney-Gesetze, (die so heißen, weil sie auf Betreiben des gleichnamigen Konzerns mehrfach verlängert wurden), nicht viel zu lang?

Und jetzt gibt es auch noch ein Eigentum an den Daten? Wie pervers ist denn das?

Ich bin der Meinung, dass wir
Keinen Datenschutz brauchen sondern eine Pflicht zur Transparenz!

Ich würde mir wünschen, dass „juristische Personen“ alle ihre Daten veröffentlichen müssen. Diese sollten absolut transparent sein!

Und die Instanzen, die Geheimhaltung brauchen, um uns zu unterdrücken und zu manipulieren, sollten wir abschaffen. So sollte der „whistelblower“ ausgezeichnet und der Geheimniskrämer zu Rechenschaft gezogen werden (wie in meiner Denke auch der Deserteur der Held ist aber nicht der „loyale Soldat, der für die „gute Sache“ bereit ist zu töten)!

Wenn ich die Menschen frage, warum sie für Datenschutz sind, höre ich überwiegend drei Arten von Begründungen:

  • Die Menschen fürchten die staatliche Überwachung und Kontrolle
  • Sie haben Angst vor noch schlimmerer Manipulation durch Marketing zum Beispiel der großen Konzerne.
  • Sie fürchten gesellschaftliche Diffamierung und soziale Ausgrenzung.

Überwachung und Kontrolle finden eh statt, weil für Geheimdienste und Verfassungsschutz die DSGVO nicht gilt (auch nicht gelten kann). Durch die aktuelle Beschneidung der Grundrechte wird dies auch zugunsten anderer Institutionen immer weiter ausgehebelt.

Die Manipulation findet im Marketing jetzt schon statt. Wäre es da nicht sinnvoller die grenzenlose Zügellosigkeit im Marketing radikal einzuschränken als ein für diesen Zweck mehr oder weniger wirkungsloses Datenschutzgesetz zu machen?

Und wäre es nicht besser, die großen Konzerne, die mittlerweile ja Basis-Bedürfnisse befriedigen zu zerlegen und als dezentrale Unternehmen nach den Regeln der Gemeinwohl-Ökonomie neu aufzusetzen. Bei globalen Aufgaben gerne in einem globalen Verbund, aber bitte ohne Wachstumswahn und „share-holder-value“-Anspruch“.

Die Angst vor Diffamierung nehme ich persönlich sehr ernst. Zu sehr habe ich kann ich das Unglück eines Menschen nach empfinden, der von einer kranken Gesellschaft stigmatisiert wird. Da gibt es viele Beispiele wie Homosexualität, sexuelle Fehltritte wie Verlust der Jungfernschaft vor der Ehe, einer Abtreibung oder Vorstrafe, die  Zugehörigkeit zu einer „falschen Religion“,körperlichen Gebrechens (wie z.B. Beschneidung) oder Krankheiten (Aids …).

Aber ist es auch dann nicht besser, an Stelle von Datenschutz-Gesetzen lieber dafür zu sorgen, dass die gesellschaftliche Diffamierung zu Ende geht. Wie es ja in Deutschland zumindest formal bei homosexuellen Paaren gelungen zu sein scheint?

Denn eins dürfen wir nicht vergessen:

Es war schon schwer genug in der Papier-Welt Dinge geheim zu halten. Eigentlich ist das nur in „faschistoiden“ Systemen (und auch dort auch nur begrenzt) möglich. In der „Digitalisierten Welt“ ist Geheimhaltung aufgrund der technischen Grundanlage ganz einfach unmöglich. Und das finde ich gut so!

Wenn Ihr mir jetzt sagt, mein Artikel wäre utopisch, dann antworte ich, dass wir nur mit Utopien unsere Welt ein klein wenig besser machen können.

RMD

Anmerkung zum Thema Eigentum und Einkommen:
Sina Trinkwalder (@manomama) hat mal getwittert, dass sie der Meinung wäre, man sollte beim Jahreseinkommen den Teil über 200.000 € besteuern sollte und die Summe darunter nur so weit wie wirklich notwendig. Weil man von 200.000 € im Jahr sehr gut leben könne. Eine Meinung, die ich teile. Die aber einen kleinen Shit-Storm hervor gerufen hat. In meiner Einschätzung besonders von Menschen, für die ein Jahreseinkommen von 200 000 € lebenslang eine Illusion bleiben dürfte,

Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.

 

Roland Dürre
Sonntag, der 1. April 2018

April, April, April.

So könnte man den den 1. April auch sehen.

Schon als Kind habe ich Aprilstreiche gemocht. Welche Freude war es, am 1. April die kleine Schwester „in den April“ zu schicken.

Später als Heranwachsender fand ich Aprilscherze immer interessant. Und habe in der Augsburger Allgemeinen jeden 1. April am Morgen als erstes nach den Aprilscherzen gesucht. Und oft welche gefunden, die gar keine waren.

Natürlich durften dann in meinem späteren Leben auch in IF-Blog.de die Aprilscherze nicht fehlen. In einem Jahr hatten wir sogar Drei.

2018 habe ich schon früh im Jahr über einen guten Scherz für heute sinniert. Leider ist mir keiner eingefallen. Vielleicht auch, weil es mittlerweile täglich so viel Meldungen gibt, die besser als (schlechter) April-Scherz durchgehen sollten.

Heute Morgen war die alte Neugierde auf die Aprilscherze da. Und einen habe ich gefunden, der mir wirklich gut gefallen hat.


Fahrradstadt Münster

Pressemitteilung:
Wir, die IG Fahrradstadt Münster, haben nach den jüngsten Ereignissen in unserer Stadt eingesehen, dass die Bretter die zu bohren sind, um wirklich Fahrradstadt zu werden, sehr dick sind. Wir haben uns deshalb in einem internen Mehrheitsbeschluss dazu entschieden, weiterhin nicht mehr dieses Ziel zu verfolgen.

Stattdessen werden wir uns dem bereits sehr gelungenen Weiterausbau der Autofreundlichkeit in Münster widmen. Die vielversprechenden Entwicklungen der Vergangenheit zeigen uns, dass sich hier mit weitaus weniger Aufwand erheblich bessere Erfolge erreichen lassen.

Wir bieten hiermit dem ADAC und dem ACV Automobil-Club Verkehr unsere volle Unterstützung in ihren Projekten für autofreundliche Städte an. Das vielversprechende Ablehnen von Fahrverboten, vor allem bei unseren Vorbildern z.B. in Stuttgart, lässt uns jetzt für unser höchstes Ziel „Freie Fahrt für freie Bürger“ kämpfen.

Dafür stehen wir mit unserem Namen!

Mit freundlichen Grüßen
Die IG Autostadt.ms

(In Kürze werden unsere Social Media Domains natürlich geändert, Facebook und Twitter benötigen für Namensänderungen allerdings eine gewisse Zeit, wir hoffen dies schnellstmöglich abschließen zu können.)

Westfälische Nachrichten
Münstersche Zeitung
WDR Lokalzeit Münsterland
ANTENNE MÜNSTER
Radio Q
Münstersche Volkszeitung
Die Wiedertäufe


Der gefällt mir richtig gut. Vielleicht, weil ein klein wenig immer die klammheimliche Sorge da ist, dass es kein Aprilscherz sondern eine wahre Aussage ist. Aber auch, weil das was in Münster als April-Scherz durchgeht in München Strategie ist.

Und nicht nur in München, sondern auch in „meiner Heimat-Gemeinde“ Neubiberg. Immer noch wird dort wesentlich Geld für öffentliche PKW-Stellplätze im Ortszentrum ausgegeben. Im ganzen Landkreis werden mit hohem Aufwand Parkmöglichkeiten auf, unter und über der Erde geschaffen, Sportbauten scheitern letztendlich an den Stellplätzen und in ganz Bayern werden täglich Naturflächen, die in Fußballfelder gemessen werden können, für Parkplätze an Schulen, Friedhöfen, Bahnhöfen … mal schnell zu betoniert.

Und wenn es dann noch einen Ort des Widerstands gegen den Autowahnsinn gibt, wie Oberhaching dies zu sein schien, so stellt der Leser bei der Lektüre seiner Zeitung fest, dass diese Bastion auch schon mittlerweile geschliffen wurde.

Aber dieses Mal gibt es ja am 1. April ja für alle Ostereier umsonst! Und Haching gewinnt heute Nachmittag gegen Rostock.

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 31. Dezember 2017

Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

Und wieder einmal stehen wir unmittelbar vor einem neuen Jahr.

In den vergangenen 12 Monaten hatten wir, meine Frau und das Team, mit dem wir geschäftlich unterwegs sind, eine harte Zeit mit vielen und teileweise unerwarteten Rückschlägen zu kämpfen.  Aber wir sind gestärkt aus der Situation hervorgegangen.  Und wir freuen uns, daß wir die Weichen zu Anfang dieses Jahres richtig gelegt haben.   Und unbeirrt auf Kurs geblieben sind. Viele andere Teams wären unter den Belastungen auseinandergebrochen.  Und daher wäre es für mich völlig falsch, im Zorn zurückzublicken.

Auch der vorsichtige Blick in die Zukunft läßt eine positive Prognose zu.

Bloß die momentane Situation des Staates, in dem wir leben, macht mir zum ersten Mal im Leben Angst und Bange.

Wir gehen nicht daran kaputt, daß wir fast täglich mit bestialischen Verbrechen konfrontiert werden, die typischerweise mit dem Frauenbild islamisch geprägter Immigranten zusammenhängen.  So grausam die Taten sind, so einfach lassen sie sich erklären — Frauen sind keine Menschen, sondern Eigentum und man kann damit machen, was man will.   Das sollte uns jetzt allerdings nicht überraschen, denn es ist noch nicht einmal 100 Jahre her, daß ein „ganz normaler deutscher Familienvater“ morgens seine Töchter liebevoll streichelte und mittags gleichaltrigen Mädchen, die freilich das Pech hatten, jüdische „Untermenschen“ zu sein, den Bauch aufschlitzte und sich daran erfreute.  Die heldenhafte „Deutsche Wehrmacht“ warf über London Teddybären mit einer eingebauten Sprengladung ab, die so ausgelegt war, daß sie das Kind, das diesen Teddy finden sollte, nicht töten, sondern „nur“ schwer verletzen würde.  Man war sich wohl bewußt, daß der „Erzfeind“ deutlich mehr moralische Integrität hatte als die selbsternannte „Herrenrasse“ und ging davon aus, daß die Engländer alles daran setzen würden, das Kind zu retten, auch zulasten der Versorgung der kämpfenden Truppe.

Wenn wir als Deutsche wenige Jahrzehnte später wieder einmal mit dem Zeigefinger herumspazieren und den jungen Abenteurern dozieren, „das macht man aber nicht“, machen wir uns lächerlich.

Und leider:  Wie viele widerwärtige Verbrechen geschehen tagtäglich selbst im schönen Bayern ?  Von „anständigen Deutschen“ begangen ?

Wir gehen auch nicht daran kaputt, daß wir zu viele Schwätzer und Pseudowissenschaftler hochgepäppelt haben, ob die nun „Aneta Kahane“ heißen oder „Aydan Özoguz“.  Die uns erklären wollen, „das ist alles gar nicht so“.  Wir haben seit 30 Jahren Dampfplauderer und Krampfhennen an den höchsten Stellen.

Wir gehen schon eher daran kaputt, daß die „normale“ Bevölkerung merkt:  Wirtschaftswachstum schön und gut, aber die Lebenshaltung wird von Jahr zu Jahr teurer.  Überall Kontrollen, an vielen öffentlichen Orten Ausgehverbote und Beschränkungen, fast in jeder Stadt „Schutzpoller“, welche effektiv die Rettungswagen behindern.  An die unglaublich albernen und peinlichen Flughafenkontrollen habe ich mich immer noch nicht gewöhnt.  Aufstockung des „Bundesnachrichtendienstes“ mit Milliardensummen, vernetzte Videoüberwachung überall,

Fear makes the wolf look bigger

aber vor allen Dingen die ewigen gebetsmühlenartigen Beteuerungen, „Ihr seid hier sicher“.  Will man, kann man in einem solchen Land „gut und gerne leben“ ?  Der SPD-Bürgermeister der Kleinstadt Kandel, wo eine junge Frau islamisch „geschächtet“ wurde, betonte sofort:  „Unsere Gedanken sollten bei der Familie sein.  Wir haben mit jungen ‚Geflüchteten‘ so gute Erfahrungen gemacht und sollten jetzt nicht an Abschiebungen denken“.  Auf die Rückfrage eines Reporters, ob der Herr Bürgermeister denn schon einmal die Familie besucht habe:  Tja, da sei er noch nicht dazu gekommen.

Das ist so zynisch, daß es selbst einem jahrzehntelangen SPD-Stammwähler zu doof ist.   Und die Stimmung wird im Land umso schneller kippen, je mehr Soziologen und sonstige Schwätzer das Gegenteil vom Offensichtlichen predigen.

Und wie auf einmal eine furchtbare Gewalt entsteht und wohin sie führen kann, das wissen wir Deutsche wohl am besten.

 

Ganz sicher aber gehen wir daran kaputt, daß seit einigen Jahren kein Diskurs mehr möglich ist.  Ein Hochschullehrer äußert privat, unsere Gesellschaft schulde den Immigranten nichts, denn sie seien für ihre Situation selbst verantwortlich und nähmen uns benötigte Ressourcen weg.

Und dieser Mann wird seither systematisch ausgegrenzt und verfolgt.  Weil er sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hat.   Leider stimmt diese Meinung nicht mit der der selbsternannten „Allianz der Anständigen“ überein.  Und schon ist er ein „Rassist“, „Faschist“, „Nazi“.

Viele seiner Studenten boykottieren nicht nur die Vorlesungen, sondern sabotieren sie.  Ich habe sogar ein bißchen Verständnis für die jungen Leute, weil sie offenbar diese und andere Äußerungen des Professors „extrapolieren“ und im Ergebnis etwas sehen, das an die „nationalsozialistische“ Sicht erinnert und gleichzeitig dieses Bild auf den Professor zurückprojizieren.  Ich habe aber kein Verständnis dafür, daß, wenn der Professor anbietet, über seine Positionen zu diskutieren, dieser dann abgewiesen wird mit den Worten „Wir wollen Faschisten keine Bühne bieten“.

Und wieder zeigt sich:  Die „Antifa“ ist dreimal so schlimm wie der vorgebliche „Faschist“.  Denn Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.  Das sollte man, auch wenn man eine Gesamtschule besucht hat, eigentlich wissen, bevor man beginnt, ausgerechnet die Iura zu studieren.

Aber die oberste Dienstherrin von Professor Rauscher, Sachsens „Wissenschaftministerin“ Eva-Maria Stange, stellt sich doch bestimmt schützend vor ihren Professor ?   ‚Mal sehen:

Sachsens Hochschulen sind weltoffen und international. Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf.“

Tja, wo nun genau die Äußerungen des Professors „ausländerfeindlich“ sein sollen — das ist wohl wieder eine windige Projektion auf das faule Ei der zeitgemäßen Gesinnung.

Wie soll man diese Äußerung  richtig übersetzen ?  Ich versuch’s ‚mal:

„Sachsens Hochschulen haben unmittelbar hintereinander zwei antidemokratischen Terrorregimes gedient und sich stets und erfolgreich um deren Machterhalt und um die Unterdrückung differenzierter Meinungen verdient gemacht.  Edgar Froese verließ unsere Universität in den sechziger Jahren mit der Bemerkung: ‚Der Staub der Universitäten liegt wie ein Leichentuch über der Wahrheit‘.  So peinlich, eklig und frech wie unsere ‚Pegida‘ auf der Straße, so feige, opportunistisch und hinterhältig ist unsere Kaderschmiede des Konformismus.  Wir können kein Hochdeutsch.  Aber außer Sächsich jede Menge anderer Widerwärtigkeiten“.

Ich glaube, das trifft es am besten.

Die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter erklärte in einem Interview, wenn man nicht allerspätestens mit dem fünften Lebensjahr anfange, Geige zu spielen, sei „das Rennen schon gelaufen“, gemeint war, daß man nur dann die virtuose Fertigkeit des Geigespielens erlernen könne, wenn man ‚von Anfang an‘ damit begonnen habe.

So ungefähr ist das aber auch mit der Demokratie.  Aus einer ehemaligen FDJ-Sekretärin machen fünf Jahre Nachwendezeit keine Demokratin, da ist unsere Bundeskanzlerin ein besonders widerliches Beispiel.

 

Die „Bundeskanzlerin“ ist hoffentlich bald Geschichte.  Aber wirklich Angst habe ich, wenn junge Leute wieder in Reih‘ und Glied marschieren — egal ob in der „Pegida“ oder im „ASta“.

 

Auf daß uns der Bürgerkrieg 2018 verschonen möge  —  am besten ohne Merkel!

 

Allen denen, denen unser Grundgesetz mit seinen Artikeln 1, 2 und 5 zusagt, ein gutes neues Jahr!

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 26. November 2017

Lieber böser Trieb.

Mein Weg. Im Wind. Auf schmaler Spur. Auf gefährlicher Strecke. Durchhalten!

Ich schreibe ja zurzeit öfters über Sex. Und elektrische Fahrräder. Heute wieder über Sex.

Mir geht es nicht um den Sex an sich. Vielmehr bin ich betroffen, wie sehr gerade bei diesem Thema geheuchelt und moralisiert wird. Und wie sich die Menschen dabei selbst betrügen, wohl weil sie Angst vor ihren Trieben und ihren unbewussten Wünschen haben.

Ich meine, dass wir besser leben könnten, wenn wir unser eigenes Leben und das der „Anderen“ nicht unnötigerweise mit Tabus und Moral kaputt machen würden.

Wenn ich in meinen Artikeln zurzeit Muster breche, dann möchte ich niemand verletzten oder beleidigen, sondern nur ein wenig zum Nachdenken und Überprüfen der eigenen Gewissheiten anregen.


Bei meinem „meetoo-Artikel“ habe ich neben viel Zustimmung auch Gegenwind bekommen. Positiv zusammen gefasst wurden mir im wesentlichen zwei Aussagen entgegen gehalten:

(1) „Auch Männer sollten in der Lage sein, was auch immer sie gerade treiben, sich zu beherrschen.“

und

(2) „Wir müssen – ganz gleich in welcher Situation wir uns befinden – immer ausreichend Respekt vor anderen Menschen und deren Recht auf Selbstbestimmung haben“!

Das klingt beides gut. Und danach versuche ich sogar zu leben. Und ich meine, beides sollte für alle Menschen und alle Geschlechter gelten, nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen.
(Einschub: Im übrigen haben wir ja neuerdings drei Geschlechter. Bei der Sexualität hat das Bit jetzt drei Werte – Informatik-Insider.)

Aber sehen wir uns mal (1) genau an: Was heißt das „auch Männer“? So wie Frauen? Oder Kinder? Oder unsere Haustiere? Oder Autofahrer*Innen! Wer sollte eigentlich nicht in der Lage sein, sich zu beherrschen?

Wenn ich (2) gründlich und langsam lese, dann denke ich mir als erstes „Wow, was für ein schöner Satz!“. Aber ist das nicht eine Utopie oder schlimmer nur so eine Floskel? Wie ist die Realität, die uns sozialisiert hat und in der wir unsere Kinder sozialisieren? In meinem Leben habe ich zu oft das Gegenteil von Aussage (2) erlebt. Wie schön wäre es gewesen, wenn andere Menschen mein Recht auf Selbstbestimmung respektiert hätten! Besonders meine „Erziehungsberechtigten“!

Gibt es überhaupt ein Gesetz, dass unsere Selbstbestimmung schützt? Ich fürchte nicht. Kann ich das Recht zur Selbstbestimmung aus der Garantie meiner Würde ableiten? Freiheit heißt doch auch „das eigene Leben eigenverantwortlich leben“? Und wird das nicht beliebig eingeschränkt, mit der „genial-fiesen“ Begründung mich schützen zu wollen. Vor mich selber!

😉 Ich kenne nur, die Selbstbestimmung über meine Daten … Und das auch eher nur als Gesetz (weil diese Selbstbestimmung in meiner Bewertung sowieso Blödsinn ist).

Meine „Selbstbestimmung“ wurde laufend durch Mächtigere und Mächtigeres weggefegt. Ich könnte hier eine schier unendlich lange Liste von Lebenserfahrungen aus Elternhaus, Schule, Bundeswehr, Studium, Erwerbsleben, in Sondersituationen wie z.B. im Straßenverkehr und dem „gemeinen“ täglichen Alltag berichten und damit Seiten füllen.

Das betrifft aber nicht nur mich. Nahezu pausenlos erlebe ich sogar im „öffentlichen Bereich“, wie Menschen die Selbstbestimmung anderer überhaupt nicht respektieren. Und dies in allen Dimensionen des Zusammen-Lebens. Und die harmloseste Form ist da noch „Moralisieren“, das schnell zum „Mobbing“ wird.

Trotzdem versuche ich (2) zu leben. Wie auch (1). Mit (1) ist es aber auch nicht so ganz einfach. Ist es wirklich „gut“ für mich, wenn ich mich immer beherrsche? Und wieso soll ich Menschen ächten, verfolgen und bestrafen, nur weil sie sich trauen, was ich mich nicht traue. Zum Beispiel wenn sie sich die Freiheit nehmen, einem anderen Menschen zurück zu melden, dass sie ihn schön finden. Was ich mich aus Angst vor „Sexismus“ dies nicht traue. Soll ich sie verurteilen, weil ich sie um ihren Mut und ihre Freiheit beneide? Und mich ärgern, wenn diese auf „ihre Unverschämtheit“ dann auch noch eine positive Reaktion bekommen!

Und was das Moralisieren betrifft, da zitiere ich ausnahmsweise und sinngemäß – anders geht das ja eh nicht – das neue Testament)
Der, der frei von Schuld, möge den ersten Stein werfen!

Wir dürfen doch nie vergessen, dass „Mensch“ (wir alle) halt letzten Endes nur ein ab und zu mehr und ab und zu weniger sympathisches „Säugetier“ ist. Ab und zu voller Feindseligkeit und dann wieder von größter (Menschen-)Freundlichkeit! Ein Säugetier, dass zwar über so etwas wie ein „moralisches“ Kleinhirn verfügt, das aber halt nur das „kleine Hirn“ ist?

Wie würdigt der Bayer seinen Franz-Josef (Strauß) : „Ein Hund war er schon!“.

Und dass Mensch einredet, wie klug, stark und frei er doch wäre. Obwohl die ganzen relevanten Erinnerungen und Erfahrungen im Unterbewusstsein gespeichert sind.An so viel Information (fast alle die wir haben) kommen wir eben nicht „bewusst“ hin. Das Unterbewusstsein fällt und bereitet de facto die Entscheidungen vor. Wir sind nicht die „edle, göttliche Rasse“, ohne Fleisch und nur aus Geist, die sich absolut vom Tier unterscheidet. So sollten wir auch nicht versuchen, so tun als ob oder gar so werden zu wollen.

Wir haben eben keinen unbeeinflussten und bewussten Willen. So sind wir auch nur recht bedingt und dann sehr konstruiert schuldfähig. Diese (naturwissenschaftlich der modernen Gehirnforschung folgend) sehr wahrscheinliche Realität wird nicht gerne gehört, und ruft bei vielen (den meisten) Menschen in der Regel Entsetzen und eine heftige Gegenreaktion aus. Daraus folgt aber auch, dass z.B. eine „Haftstrafe“ für  falschen (sozial-schädliches) Verhalten nicht mehr als Strafe verstanden wird sondern als Maßnahme, die die Absicht hat, dass sich dies nicht wiederholen kann.

Ich frage mich: Macht es Sinn und ist es legitim (im Sinne von ehrlich), wenn ich mich moralisch über die „Täter“ oder pauschal gar über „Täterkategorien“ erhebe und diese verurteile? Was bringt es sozial, wenn ich oder wir uns an Hexenjagden beteiligen und auch z.B. juristische Güter wie das der Verjährung in so einem Fall einfach ignorieren?

These (1) – nicht beherrschen können – wird ja immer besonders Männern unterstellt. Ich bin ein Mann und kenne die „Triebsituation“ von Frauen nicht. Es gibt Frauen, die mir berichtet haben, dass sie auch „trieb-ähnliche“ Situationen haben. Das glaube ich ihnen, denn es passt zu meinen persönlichen Erfahrungen. Der Trieb ist Teil des Mensch-Seins (oder Tier-Seins 🙂 ?). Freilich kann die Intensität je nach Sozialisierung und mag sein auch genetischer Veranlagung mehr oder weniger stark sein kann. Vielleicht bis zur Null-Menge.

Und sicher kann man sich selber betrügen, in dem man den eigenen Trieb einfach wegschiebt. Vielleicht in manchen Fällen sogar erfolgreich. Oder sehr schadbringend. Da muss ich an den rechtschaffenen aber latent homosexuellen Bürger im Stück „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams denken. Der „Schwule“ hasst und auf das schlimmste verfolgt. Wohl auch weil er insgeheim fühlt, dass er selber „schwul“ ist – was aber im Spießbürger-Milieu der ruhigen und wohlgeordneten Südstaaten-Kleinstadt schon gar nicht geht! Ein Fremder kommt – und die Hexenjagd geht los. Ein Stück, dessen Aufführung ich in den Kammerspielen gesehen habe und das mir richtig „Seelenqualen“ verursacht hat.

Wie das im Gehirn das alles so genau funktioniert, ist noch nicht komplett erforscht und ich weiß es natürlich auch nicht. Ich vermute aber, dass letztendlich derjenige, der Schwule hasst und tot schlägt, weil er selber schwul ist oder sein könnte, maximal unglücklich ist. Wie so oft wenn Täter und Opfer eins sind.

An Diskussionen wie sie gerade zum Sexismus geführt werden, stört mich besonders, dass es es immer Kategorien sind, die an den Pranger gestellt werden. Zum Beispiel allein erziehende Mütter. Vor denen habe ich so richtig Respekt.

Ich kenne Menschen, die genau diese disqualifizieren. Wenn nicht gleich als Nutten, so zumindest weil sie leichtfertig schwanger geworden sind. Ihr Kleinhirn hätte doch auf den Trieb aufgepasst müssen. Das weiß doch heute jeder, wie man schwanger wird. Wie heißt das Gedicht der Physik-Lehrerin zum Merken der Worte konkav und konvex?
Ist das Mädchen brav, bleibt der Bauch konkav, hat es aber Sex, wird dieser konvex.

Andere – besonders „tugendhafte“ – Moralisten meinen, die „unfreiwilligen“ Mütter hätten halt Nein-Sagen sollen! Also hätte sie versagt im Sinne von (1): „Auch Frauen sollten durchaus in der Lage sein, was auch immer sie gerade treiben, sich zu beherrschen.“
Und dann gibt es die ganz konsequenten Moralisten (halt mit einer anderen Moral):
„Die sind doch selber schuld, sie hätten doch abtreiben können!“.

Natürlich hat Schwangerschaft mit Sex zu tun und verändert das Leben einer Frau gewichtig. Es gibt Frauen, die haben „brav verhütet“ und sind trotzdem schwanger geworden. Zum Beispiel weil sie ein Produkt wie die „Kupferspirale“ verwendet haben, die schon in ihrer Produktbeschreibung (siehe Pearl-Index) als unzuverlässig beschrieben ist (und natürlich von Männern für Frauen entwickelt wurde).

Andere sind schwanger geworden, weil sie für elf Minuten“schwach“ geworden sind. Für sie alle war das dann ein großes Erschrecken. Warum eigentlich?

Manche haben „ihren Fehler“ korrigiert und abgetrieben. Oft unterstützt und ermuntert von ihrer sozialen Umwelt. Auch da meine ich, dass niemand das Recht hat, diese Frauen moralisch zu verurteilen. Auch nicht, die an der Zeugung beteiligten Männer, weil sie ihren Trieb nicht beherrschen konnten – auch wieder im Sinne von Regel (1)?

Ich gestehe, die Versuchung ist groß, eine moralische Forderung aufzustellen wie „Man muss Nein sagen können“. Gleich, ob es um Sex oder Korruption geht. Nur wie oben schon geschrieben „Wer wirft den ersten Stein„? Wäre es nicht besser, wir würden keine Steine schmeißen sondern allen Menschen Respekt entgegen bringen und nicht immer einfach so moralisch herum zu verurteilen?

Es war ja noch mal schlimmer. Ich erinnere mich an Zeiten, das war es als Frau unmoralisch, einen Orgasmus zu haben. Denn Sex war der göttliche Auftrag zur Vermehrung und nicht zur Gewinnung von Lust. Die Frau, die Spaß am Sex hatte, galt als Hure. Und wie auch schon mal von mir geschrieben, haben die Männer „die Hure“ gesucht, die möglichst gleichzeitig „die Heilige“ sein sollte.

Armes dummes in diesem Fall männliches Kleinhirn!

Um es nochmal zu wiederholen: Gewalt gegen alle Mitmenschen ist ein absolutes #nogo. Ganz gleich zu welchem Zweck. Da gibt es keine Beschönigung. Hier noch eine abschließende Provokation – aber nicht so gemeint sondern nur als Inspiration und Impuls zum Nachdenken:

Gewalt und Anwendung von Macht im Kontext von Trieben wird angeprangert und leidenschaftlich verfolgt.
Soweit OK!
Brutalste Gewalt, die sich gegen Menschen richtet, wird toleriert, gefordert, dekoriert und aktiv unterstützt oder organisiert. Von den selben Menschen und der selben Gesellschaft!
Überhaupt nicht OK!

RMD

P.S.
Verhütung ist bei uns ja ganz selbstverständlich Frauensache. Das empfinde ich als ziemlich respektlos gegen FRAU. Das ist auch so eine Facette der Moral unserer Gesellschaft, die ich als Sexismus bezeichnen würde.

Roland Dürre
Dienstag, der 7. November 2017

Sex und Strom

Auf dem Höhepunkt meiner katholisch-christlichen Karriere!

Zu elektrischen Fahrrädern und #MeToo.

IF-Blog-Freunde haben mich aufgefordert, mal neue und wichtigere Themen anzugehen.

So bin ich nicht nur per E-Mail gebeten worden, doch mal über E-Bikes zu schreiben. Weil das ein interessantes und relevantes Thema wäre.

Stimmt!

So werde ich das machen. Denn seitdem ich eBike-Erfahrung habe, verstehe ich schon gar nicht mehr, warum man noch Autofahren muss.

Oder besser gesagt, warum man sich das noch antut – Auto fahren? Wir sind offensichtlich eine Nation von Masochisten (fast hätte ich geschrieben Masochristen).

Wobei mir schon bei dem zweiten Themenwunsch wären. Unserer sexuellen Verlogenheit.

Ich bin von Lesern ermuntert worden, auch dazu mal Stellung zu nehmen. So habe ich zum Beispiel diesen Tweet bekommen:


😀😂 …Mal ehrlich lieber Ihnen muss doch
das ganze Sexismus Gelaber
gehörig auf den Senkel gehen!


 

Ja das stimmt auch! Es geht mir auf den Senkel.

Sobald es um Sexualität geht, wird bei uns geheuchelt, dass sich die Balken biegen. Und zwar von Frauen wie von Männern. Da werden Kampagnen gestartet, die in meiner Bewertung einfach das Hauptproblem unserer Gesellschaft ignorieren, schlimmer noch davon ablenken. Weil die bösen Männern immer die guten Frauen belästigen und ausbeuten. Und unsere Gesellschaft beim Sex vergessen würde, „Grenzen zu ziehen“. Ja, wenn wir diese Grenzen nur beim Sex überschreiten würden, jedoch nicht dauernd im normalen Leben …

Umso mehr wird gefordert, diese Grenzen schnellstmöglich wieder scharf zu ziehen. Die Lust am Bestrafen steigt. Nur lenken wir damit letztlich davon ab, dass der Einsatz von Macht seit Tausenden von Jahren zur validen Erfolgsstrategie und zum allgemeinen Handlungsprinzip geworden ist, wenn es darum geht Menschen zu unterdrücken und zu manipulieren. Und es doch nur erstaunlich wäre, wenn das bei der Sexualität, die ja nicht nur auf „Gier“ sondern auf „Trieb“ ursacht, anders sein sollte als „im normalen Leben“.

Also schreibe ich ab jetzt auch ab und zu mal über Elektro-Fahrräder (als ganz normales Thema) und Sexualität (um ein klein wenig Tabus zu brechen). Dafür richte ich zwei neue Kategorien im IF-Blog ein: eBike und Sexualität.

Noch sind beide noch leer. Aber – als nächstes kommt mein Artikel zu #MeToo. Und geht es los mit e-Biken.

RMD