Roland Dürre
Freitag, der 3. April 2020

Arbeiter und Angestellte – heute und morgen.

1950 Im Herbst mit meinem Vater.

In meiner Kindheit gab es Arbeiter und Angestellte.

Und Beamte. Ich war ein Beamtensohn. Mein Vater war bei der Eisenbahn, in der Direktion Augsburg der Deutschen Bundesbahn.

Mir schien er eine gute Arbeit zu haben. So habe ich ihn gerne im Büro besucht, bin hoch in sein Büro mit dem Paternoster gefahren und habe in seinem Zimmer die Rohrpost bewundert. Er hatte feste Arbeitszeiten, eine verantwortungsvolle Aufgabe, die ihm Freude machte (Erstellung der Fahrpläne), nette Kollegen und wie ich meinte ein gutes Gehalt. Und das „Bundesbahn Sozialwerk“ machte viele schöne Veranstaltungen nicht nur für die Eisenbahner-Kinder.

So ging es uns immer gut.

Ein paar Mal im Jahr war mein Vater auf Fahrplankonferenzen, die immer eine Woche lang gingen. Da war ich mit meiner Mutter alleine zu Haus, und er war in fernen Städten in  Westdeutschland, ein paar mal auch in Österreich und der Schweiz. Und immer brachte er mir von den Dienstreisen etwas Schönes mit. Darauf habe ich mich dann zum Wochenende, wenn er wieder heimkam, schon sehr gefreut.

Wir wohnten in einem Eisenbahner-Block in der Rosenaustr. 18 in Augsburg. Die Rosenaustraße war zumindest im oberen Bereich eine Eisenbahner-Straße, denn hinter dem großen Hauptbahnhof gehörte der Grund mit allen Gebäuden der Deutschen Bundesbahn. Das Haus, in dem wir wohnten, hatte 12 Wohnungen auf drei Ebenen. Die Bewohner waren alle Beamte. In den Nachbar-Gebäuden lebten Arbeiter. Da hatten wir nicht so viel Kontakt.

Wie ich in die Schule kam, lernte ich dass die Eltern der Mitschüler zum Teil Arbeiter und zum Teil Angestellte waren. Ich habe das damals so wahrgenommen, dass die Arbeiter richtig arbeiten mussten. Arbeiter machten sich schmutzig. Die Menschen mit den weißen Kragen, die nicht körperlich arbeiteten, waren die Angestellten. Den Angestellten ging es „besser“.

Sie hatten es zwar nicht so gut wie die rundum versorgten Beamten, aber deutlich besser als die Arbeiter.

Die mussten immer ran, wenn es nach Schmutz und Schweiß roch – also körperlich schwere Arbeit in unangenehmer Umgebung (Stahlkochen, Schweißen …) anstand oder wenn es gefährlich wurde (Rangieren, ausgesetzte Arbeit auf Gerüsten …).

Das war mein Weltbild.

Kein Wunder, dass ich Ingenieur werden wollte. Wie ich dann älter wurde und 1960 ins Gymnasium kam, änderte sich die Welt. Die Arbeiter verschwanden und wurden Angestellte. Auch mein Berufswunsch änderte sich – mit dem Ingenieur wurde ich unsicher, vielleicht sollte ich doch besser Direktor werden?

Die Welt änderte sich weiter. Ende der 60iger hatte ich an etwas Gefallen, für das es noch keinen Namen gab. So begann ich 1969 an der TUM mein Studium der Mathematik und Informatik.

Das war eine kluge Entscheidung, denn so langsam kam die Digitalisierung auch in das Land der Techniker und Ingenieure. Zwar ein wenig zögerlich und mit manchen Rückschritten.

Heute haben wir Corona – und es scheint zu sein, dass ironischer Weise das Virus der Digitalisierung in unserem Land zum Durchbruch verhilft.

So bin ich sicher, dass nach dem Zusammenbruch des EUROs, der ja wahrscheinlicher wird (Corona könnte ihn endgültig zum Platzen bringen), wir auch bei uns eine rein digitale Währung einführen werden. Keine Angst, es wird kein Krypto-Quatsch werden. Eher auf Basis einer soliden Blockchain-Technik wie C-Chain implementiert. Unser zukünftiger Bruderstaat China wird uns sicher dabei unbürokratisch helfen.

Die Digitalisierung eröffnet eine neue ZWEI-Klassen-Gesellschaft.

Das zeigt uns auch die Corona-Krise. Ich könnte mir vorstellen, dass man den „Arbeiter“ zukünftig als einen Menschen bezeichnen wird, der seine Arbeit VORORT erbringen muss. Der Angestellte dagegen kann seine Leistung von ÜBERALL erbringen.

Man erkennt auf Anhieb die Vorteile der ANGESTELLTEN-Klasse. Sie können aufwändige Fahrtwege vermeiden, sich ihre Zeit und Wege frei einteilen, auch mal in der Freizeit oder im Urlaub wichtige Sachen erledigen, einfach ihr Leben deutlich mehr selbst steuern und verantworten. Der ARBEITERKLASSE dagegen wird weiter fremdbestimmt auferlegt werden, WO und WANN sie zu arbeiten hat.

Ein Problem dürften aber beide Klassen haben. Man kann sie leicht weg rationalisieren. Das betrifft die Kassierin im Supermarkt (ARBEITERIN – wird durch eine Spezial-Hardware ersetzt) genauso wie den Sachbearbeiter (ANGESTELLTER – wird durch ein Stück Software ersetzt).

Vielleicht wird die Definition sich ändern in:

ARBEITER sind die, die durch Roboter ersetzt werden können.
ANGESTELLTE sind die, die durch Bots ersetzt werden können.

Ich persönlich habe den Glauben, dass die Selbstständigkeit das Beste ist. So heißt mein neues altes Credo:

Ach wie gut, dass ich mein eigener Herr sein kann.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 1. April 2020

Wie schützen wir uns vor Katastrophen?

Unser Leben ist permanent bedroht. Ständig sind wir in Gefahr. Es können uns täglich Dinge passieren, die uns albtraumhaft erscheinen, die aber sehr wohl real sind.

Ein Radunfall kann die Berufsunfähigkeit bedeuten, unsere Wohung kann abbrennen, ein Gehirntumor uns zum Krüppel machen …

Privat schützen wir uns durch Versicherungen.

Eine Versicherung ist eine „negative Wette“. Normalerweise wetten wir, dass etwas Belangloses eintritt, z.B. die Kugeln mit „unseren“ Zahlen aus der Lotto-Trommel fallen oder der Fußball-Verein gewinnt, auf den wir setzen. Und wenn sich unsere Annahme bestätigt, bekommen wir Geld, machmal auch ganz schön viel – das aber nur sehr selten.

Bei der „negativen Wette“ gehen wir von der Annahme aus, dass uns irgend wann in der Zukunft etwas ganz Schlimmes zustößt, eben z.B. unser Haus abbrennt. Und wir zahlen deshalb  jeden Monat eine Betrag auf diese Wette ein.

Und wenn das schlimme Ereignis eintritt, dann haben wir die Wette gewonnen – das Haus ist tatsächlich abgebrannt und wir bekommen ganz viel Geld, um es neu aufzubauen. Gut, dass wir versichert waren.

Solange wir die Wette verlieren, sind wir auch froh, dass das Haus nicht abgebrannt ist – und zahlen für das gute Gefühl „geschützt zu sein“ gerne weiter.

Bei Gemeinwesen ist es nicht so einfach.

Jedes Gemeinwesen hat eine Art König und Untertanen. Der König als Symbol für den Staat führt den Staatshaushalt. Wenn der Haushalt einen Überschuß hat, überlegt der König was er damit macht (Altes Modell). Er hat viele Möglichkeiten:

  • Er kann sich ein weiteres Schloß kaufen.
    Damit erhöht er seinen Glanz gegenüber den Untertanen.
  • Er kann sich eine große Kanone kaufen.
    Dann fürchten ihn die Nachbar-Länder noch mehr.
  • Er kann in die Infrastruktur des Landes investieren.
    Mit einem Kanal-Bau sorgt er für bessere Handelswege und erhöht die Prosperität seines Landes.
  • Er kann in die Kunst und / oder Wissenschaft investieren.
    Die Künstler und Wissenschaftler, die er an seinen Hof holt, beleben die Muse und die Forschung und erbauen seine Majestät.
  • Er kann Schulen und Universitäten bauen.
    Das Teilen von Wissen und Forschen bringt das Land nach vorne.
  • Er kann aber auch versuchen, die Risiken der Zukunft für sein Untertanen zu entschärfen.
    Und Katastropenvorsorge organisieren.

Mit letzterem will ich mich in diesem Artikel beschäftigen.

Wie schützt der König seine Untertanen vor kollektiven Krisen und Katastrophen?

Mit Versicherungen geht das nicht so einfach. Weil man als Staat sich gegen Corona schlecht versichern kann. Beim Katastrophenschutz muß „der König“ selber denken, bewerten und klug investieren. Aber auch für den Katastrophenschutz gilt dasselbe wie bei der Versicherung. Er ist teuer – und das Geld ist zuerst Mal weg. Man sieht kein Ergebnis. Und so lange nichts passiert, sind die Investitionen verlorenes Geld. Scheinbar sinnlose Investitionen Wenn etwas passiert, sind sie Gold wert. Und dann merkt man auch schnell, was man versäumt hat, wenn man nichts gemacht hat.

Um für eventuelle Katastrophen Vorsorge zu treffen, muss man sich die Katastrophen erst mal vor stellen können. Welche Katastrophen drohen uns? Wie werden diese sich auswirken? Welche Szenarios müssen wir durchdenken?

Man muss sich überlegen, wie wahrscheinlich die Katastrophe ist und welches zerstörerische Potential sie entfalten kann. Die Katastrophen, auf die man sich am dringensten vorbereiten muss, sind die mit einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit und einer hohen Schadenswirkung. Besonders lohnt sich die Vorsorge, wenn man dann auch noch eine Chance hat, dieser dann erfolgreich entgegenzuwirken.

Zweifelsfrei fallen in diese Kategorie die Krankheiten, die als Seuchen oder Pandemien die Menschheit immer wieder – übrigens in realitiv kurzen Abständen – heimgesucht haben. Hier sind alle drei Bedingungen erfüllt.

  1. Seuchen kommen häufig vor.
  2. Sie können gigantische Schäden anrichten.
  3. Bei guter Vorbereitung kann man ihnen gut begegnen.

Es loht sich also eine gute Vorsorge zu treffen.

Eine andere Art von Katastrophen sind Metoriten, die überraschend aus dem Weltall einschlagen oder Vulkanausbrüche mit ihren Tsunamis, die schwer vorhersagbar sind und gigantische Schäden bis zur Zerstörung des Planeten bewirken können. Das ist eher schwieriger. Da hilft bestensfalls ein allgemeiner Katastrophenschutz.

🙂 Ich kenne da ein paar gute Science Fiction als Lösungshilfe.

Wir haben noch eine Sonderkategorie, den KRIEG. Da meine ich zwar, dass der keine eigentliche Katastrophe ist, sondern ein selbstverschuldetes Übel.

Aber gerade für letztere sorgen die Gemeinwesen dieser Welt immer gut vor. Sie bauen Bunker und legen „strategische Reserven“ an.

Es wäre doch wünschenswert, wenn man sich auf die erste Kategorie „Krankheiten und Seuchen“ genauso gut vorbereiten würde.

Wie kann man sich auf Pandemien vorbereiten?

In der heutigen Zeit bestimmt nicht mehr der König die gesellschaftliche Entwicklung, sondern die Menge der Unternehmen und Lobbyisten.

Man braucht also ein Unternehmen, das zuständig ist für die Vorsorge und die Bekämpfung vor Epidemien. Keine akademische Behörde.

Dieses hat dann zwei Aufgaben:

  1. Es muss Massnahmen durchführen, damit der Staat im Notfall genug Ressourcen an Menschen und Material hat.
  2. Es muß eine starke Lobby entwickeln, die das Bewusstein der Bedrohung in Öffentlichkeit und Politik immer wieder klar macht.

Ich fürchte, dass Behörden, die mehr Academica als Unternehmen sind, eine solche Aufgabe kaum erfolgreich erfüllen können.

Begründung:
Die Academica funktioniert über Ruhm & Anerkennung. Die dort erfolgreichen Protagonisten definieren den Wert ihrer Arbeit über Veröffentlichungen und Vorträge. Sie nutzen die renommierten Fachzeitschriften und Kongresse als ihre Bühne und mehren so ihren Ruhm. Sie meiden überwiegend die Praxis des Lebens und ziehen sich zurück in die Theorie ihrer Elfenbeintürme. Sie üben das Reden und verlernen dabei das Handeln. Etwas Funktionierendes kommt selten raus.

Das ist ein sehr negatives Bild der Academica. Es ist aber nicht so, dass ich ein Feind von Academica bin. Ich habe nur den Eindruck, dass sich hier eine ein wenig abgehobene Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft gebildet hat. Da sie keine echten Erfolge mehr zu feieren hat, feiert sie sich auf ihren Veranstaltungen selbst. Marketing ist ihr wichtig, deswegen überschüttet sie die Umwelt und ihre Alumnis beliebig mit Hochglanz. Sie hat ihre eigenen Regeln und ihre eigene Kultur, dies im positiven wie negativen. Und viele Widersprüche. Als Beispiel sei die Versorgungssicherheit genannt. Es gibt den Status der Überversorgtheit des eremitierten Professor auch über seine aktive Zeit hinaus und gleichzeitig die hohe Unsicherheit bei den vielen jungen Wissenschaftlern mit befristeten Arbeitsverträgen. Und auch sehr unterschiedliche „Fleiß-Kulturen“.

Großforschung hat ja auch einen Geruch von Academica. Die IBM hat früher 10 % ihres Umsatzes für Grundlagenforschung ausgegeben. Das hat mich beeindruckt; ob das heute noch so ist, weiß ich nicht.

Natürlich haben die shareholder diese Kosten kritisch gesehen. So mußte die IBM die Grundlagenforschung messbar machen, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Man hat bei IBM die Patente, Veröffentlichungen, Vorträge und last not least die Nobelpreisträger gezählt, die man produziert hat. Patente klingt ja ganz vernünftig. Ist aber nicht mehr. Heute haben Patente nicht mehr die Bedeutung wie früher. Sie befördern nicht mehr den technischen Fortschritt, sondern bilden eine neue Spielwiese, auf der sich Juristen lukrativ bekriegen können und Konzerne zusätzliche Einnahmen generieren können.

Fairerweise muss man der Academica zu gestehen, dass auch sie sich weiter entwickelt hat: Es gibt mittlerweile die „Drittmittel-Forschung“. Da hat sie zumindest schon mal enorme vertriebliche Qualitäten entwickelt. Und eine Reihe von privaten Universitäten agieren wie Unternehmen, dies mit beträchtlichem Erfolg gerade in der Lehre.

Jetzt betrachte ich aus aktuellem Anlass mal das berühmte Deutsche Robert-Koch-Institut (RKI). Das war mal eine renommierte Forschungseinrichtung, fokussiert auf Seuchen und tropische Krankheiten. Zwar akademisch ausgerichtet, aber mit einem klaren Fokus.

Diesen hat es spätestens 2014 verloren, da wurde vom Bundestag der Ausbau des RKI zu einem „modernen“ aber sehr allgemeinen PublicHealthInstitut beschlossen, das ganz allgemein als „Institut für die Gesundheit der Bevölkerung Deutschlands“. Ein lauter Warner vor Pandemien und umsichtiger und starker Krisenvorsorger war sie nie.

Das RKI hatte weder einen unternehmerischen Auftrag, noch hätte sie diesen erbringen können. Zur Abwehr des Koronavirus hätten wir ein starkes Unternehmen gebraucht, dass unermüdlich auf die Gefahr hinweist und erzwingt, dass die Ressourcen dann beim ja sehr wahrscheinlichen Ernstfall da sind.

Für die Krise hätten wir Ressourcen wie Krankenbetten und Krankenhaustechnik vorbereiten  und Menschen ausbilden müssen, die mit der Technik und kranken Menschen umgehen können. Und wir hätten eine Strategie und Infrastrukturen entwickeln müssen, wir wir eine Ansteckung zielgerichtete vermeiden können.

Bekommen haben wir Hilflosigkeit und widersprüchliche Aussagen von „Virologen“. Und jetzt fehlen auch noch Schutzkleidung und Atemmasken. Und wir wundern uns, wie das möglich ist. Entwickeln gemeinsam eine Manie und reißen gemeinsam in Panik unsere Zivilisation ein.

Ja, wer Academica und Polit mit so „systemrelevanten“ Aufgaben wie Krisenmanagement betraut, der muss wissen, dass das ganze schief gehen muss.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 13. März 2020

Corona, die Zweite.

Was bringt die Zukunft?

Mein erster Artikel zu Corona war eine zynische Betrachtung sein. Oft hilft es ja, wenn man sich über bedrohliche Dinge lustig macht.

Die Entwicklung hat sich in eine Richtung verschoben, so dass das Thema eine seriöse Betrachtung wert ist.

Wir haben jetzt eine von Angst dominierte Mehrheitsmeinung, die von allen Experten und Politiker für die politisch korrekte erklärt wird. Kaum einer traut sich zu widersprechen oder -setzen. Eine davon abgehende Meinung erfordert ganz schön Zivilcourage. Also wird gebetsmühlenartig gesagt.

  • Gesundheit geht vor!
    Damit ist aber nicht gemeint, dass Menschen immun werden, sondern
    „Nichtansteckung um jeden Preis“!

Das ist eine gefährliche These. Die ist jetzt fast schon zum völkischem Konsens geworden. Alle Maßnahmen werden diesem Ziel unterstellt. Obwohl das Ziel gar nicht mehr zu erreichen ist. Was an sich immer schon gefährlich ist.

Alle scheinen sich unkritisch dieser Meinung zu unterwerfen. Wir haben eine hochansteckende Krankheit, die weltweit ihre Opfer sucht und findet. Jetzt wollen wir das unmögliche schaffen. Und mit schwachen Werkzeugen eine Weiterverbreitung einer Seuche einschränken, die schon da ist.

Denn die Seuche ist da, sie ist frei gelassen, hoch ansteckend und im Umlauf. Sie funktioniert. Wir haben keinen verläßlichen Impfstoff, kein Medikament. Der einfache und zuverläßige Test auf das Virus scheint genauso schwer wie ein Antikörpernachweis. Wir laufen ihr hinterher.

So dürfte uns aktuell nur ein funktionierendes Immunsystem helfen, das wir mit kleinen Schritten unterstützen. Und das baut zuerst Mal die Natur. Das scheint ja auch bei vielen Menschen zu funktionieren.

Für das Ziel „Nichtansteckung um jeden Preis“ sind wir bereit einen beliebig hohen Preis zu zahlen. Wird das funktionieren? Vielleicht verläuft die Seuche im Sande. Wenn aber nicht, was ist dann?

Ich meine, dass bei jeder Entscheidung – so auch der für „Nichtansteckung um jeden Preis“ – eine „sittlich verantwortete Güterabwägung“ erfolgen muss. Folgende Fragen sind zu beantworten:

  1. Wie groß ist der Schaden der Ansteckung?
  2. Welchen Schaden richten die Maßnahmen an, die die Ansteckung vermeiden und zurückdrängen (beides laut Experten unrealistisch) oder zumindest verlangsamen sollen?

Auf jeden Fall sollte 1. (der Nutzen der Verlangsamung der Verbreitung) größer sein als der Schaden 2. (den die Maßnahmen zur Verlangsamung verursachen). Wenn die Maßnahmen mehr kaputt machen als der eingedämmte Schaden wert ist, dann ist die Strategie falsch.

Wir scheinen Glück im Unglück zu haben. Der aktuelle Virus scheint die Menschen nicht so zu Grunde richten wie zum Beispiel der AIDS-Virus. Er scheint vor allem Menschen zu gefährden, die Vorerkrankungen und ein höheres Alter haben. Junge und gesunde Menschen wie auch Kinder haben in der Regel einen harmlosen Krankheitsverlauf. Hoffentlich bleibt das so.

Insofern könnte der Gedanke einer „gesteuerten“ Ansteckung nicht ganz falsch sein. Auf lange Sicht bleibt uns eh nichts anderes übrig.

Wenn wir uns – das nur als Beispiel – auf den Schutz der Menschen konzentrieren würden, die als Risikogruppen (vorgeschädigt, Ü60 oder Ü70, …) eingeschätzt werden und die anderen Infizierungen in Kauf nehmen würden, dann könnte der Verlauf der Seuche positiv beeinflußt werden. Immer mehr Menschen würden immun werden und hätten einen Herdenschutz.

Entwicklungen, gegenüber denen man machtlos ist, muss man sich zu nutze machen. Aktuell stemmt sich die Menschheit gegen die Epidemie, an Stelle zu überlegen wie sie die Entwicklung nutzen kann, um die Schäden zu minimieren.

Folgende Frage müssten wir  uns stellen: Wie schafft man es, bei der Bekämpfung von Korona sich Korona zu nutzen zu machen? Wie man dem Waldbrand mit Feuer begegnet?

Angst findet im Kopf statt. Blind der Angst zu folgen, ist kein guter Ratgeber. Leicht macht man dann das kaputt, was man bewahren will. Man darf doch nicht die Gesellschaft aus Hysterie schädigen oder zerstören. Es geht darum, dass Virus in den Griff zu kriegen.

Das gegenwärtige Handlungsmuster passt gut in unsere Welt. Bei uns sind die Verwalter, Systemagenten, Bürokraten, Gezähmten, Mutlosen und Lebensfernen in den verantwortlichen Positionen.  Die Devise heißt: Nichts falsch machen. Also ruft man nach Gesetzen und Regeln von höherer Stelle. Und will ja nichts riskieren. Dann plappert man lieber hohle Sätze nach, wie wir sie die letzten Tage so oft gehört haben. Und opfert die Realität den Dogmen und scheinbarer Vernunft.

Der erste Schritt wäre, dass man sich eingesteht, dass Korona Opfer kosten wird. Auch Menschenopfer. Das müssen wir akzeptieren. So wie wir das ja auch machen, wenn es um andere Krankheiten (Fettleibigkeit, Tabak, Alkohol …) oder Themen (KFZ-Verkehr, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Kriege …) geht.

Es scheint allgemeiner Konsens bei den Experten zu sein, dass so eine Korona-Epidimie keine Million an Opfern  weltweit fordern dürfte.

Mit Autos werden jeden Jahres 1,3 Millionen Menschen im Jahr und auf der Welt getötet. Auf grausame Art und Weise. Die zusätzlich ein mehrfaches an Opfern mit erheblichen körperlichen Schäden bewirken. Das akzeptieren wir, weil „es anders nicht geht“.

Es gibt leider keine Mehrheit für die „vision zero“. Oder würden Sie, um diese 1,3 Millionen Toten abzuwenden, ähnliche Einschränkungen wie jetzt für Corona akzeptieren? Auch ist da eine mächtige Lobby davor.

Hier ein vielleicht als zynisch empfundener Hinweis, der aber gar nicht so gemeint ist: Der Frühling steht vor der Tür. Da füllen sich die Intensivstationen wieder mit halb oder ganz toten Motorradfahrern.

Vielleicht sollte man ab sofort das Motorrad-Fahren verbieten, um die Betten für die erwarteten Korona-Patienten freizuhalten. Aber vielleicht ist ja das ganze Gespenst bis nach den Osterferien vorbei.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 9. März 2020

Corona

Erinnerungen an die Karibik.

Irgendwie kommt man an dem Thema nicht vorbei. Ich muss bei Corona immer daran denken, wie ich auf einem Touri-Dampfer ganz proletarisch durch die Sonne der Karibik geschaukelt bin und mir „ballermannmäßig“ das Anschauen von Bundesligafußballspielen in der großen Arena an Deck mit zahlreichen Flaschen leckeren Biers aus Mexiko verschönt habe, im Flaschenhals immer den frischen Limonenspalt. Das waren sorgenfreie Zeiten.

Heute dagegen waten wir knöcheltief durch Corona-Viren und -Chaos. Die großen Fußballspiele fallen aus – oder finden in leeren Stadien statt. Der DAX fällt. Die Messen – gleich ob Wein, IT oder Handwerk – werden abgesagt. Als Unternehmer und Mittelständler bekommst Du so richtig Angst. Du bist da aber nicht alleine, die tüchtigen Hausfrauen sehen das genauso und gehen hamstern.

Besonders die Gruppe der Ü80 ist gefährdet, nicht nur in Italien. Gut, dass ich jetzt erst in die Ü70 komme. Der Iran scheint nicht nur bei Trump auf der schwarzen Liste zu stehen, sondern auch beim Virus. Aber nein, wie in Italien werden im Iran überdurchschnittlich viele chinesische Billigarbeiter ausgebeutet. Die leben in beiden Ländern in ziemlich unwürdigen Verhältnissen; so kommen die Dinge wieder zusammen.

In Deutschland sind heute auch zwei Menschen aus der Ü80 am Corona-Virus gestorben. Glücklicherweise haben die Kinder bei uns nur harmlose Symptome, wenn sie an Corona erkranken. Es wird vermutet, dass die Kleinen in ihren ersten Lebensjahren sozusagen von Haus aus ein paar mit Corona verwandte Virusstämme in sich tragen und so ein wenig gegen das Virus immun sind. Auch sonst scheint der deutsche Mensch relativ gut mit dem Virus fertig zu werden. Vielleicht liegt es ja am guten Bier und unserer Saufkultur?

Auf der Suche nach Corona?

Die medizinische Wissenschaft „kann das aber alles nur vermuten“ und glänzt mal wieder mit Nichtwissen. Sie rätselt sich corona-mäßig durch die Gegend. Aber das sind wir ja gewöhnt.

Denn die Götter und Göttinnen in Weiß haben ihre Gehirne auf die Maximierung der kaufmännischen Ergebnisse spezialisiert, da ist für Logik und Fachwissen kein Platz. Und sie haben es ja auch schwer, denn alles was mit Leben und Biologie zu tun hat, ist ziemlich komplex. Und transparente und belastbare Daten haben sie ja auch nicht, das geht ja schon aus Datenschutzgründen gar nicht.

Ich mag ja auch nicht mit dem gelben Corona-Band am Kragen herumlaufen. Wobei ich die zahlreichen Virusstämme, die in meinem Körper ihr Dasein fristen, hier auflisten würde. So wie ich die Medizin verstehe, wäre das aber eine ganz schön lange und langweilige Liste, die keinen interessieren würde. Wie auch die meiner Bakterien, mit denen ich mal mehr und mal weniger symbiotisch zusammen lebe.

Die Hochrechnungen der Epidemiologen klingen ähnlich unsinnig wie die Umsatzannahmen in den Businessplänen von Startups. Messen werden abgesagt wie Großveranstaltungen. Das mit den Messen verstehe ich gut, kam ich nach einer Woche CeBit eigentlich immer mit einer Mordsgrippe heim.

Ich will hier aber nicht jammern, sondern eine Lebenshilfe geben: Was kann ein jeder von uns für sich selber tun?

Meine Empfehlung:
Man darf sich keinesfalls outen! Husten und nießen Sie ab sofort nicht mehr in der Öffentlichkeit! Und hoffen Sie, dass keine Melde- und Testpflicht kommen. Jetzt wo die Impfpflicht ja gerade Gesetz geworden ist, ist das leicht möglich.

Gehen Sie Ärzten aus dem Wege. Fahren Sie in der S-Bahn schwarz und üben Sie, die Kontrolleure frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. So können Sie sich auf die Gesundheitspolizei vorbereiten. Denn die könnte bald kommen.

Ein Freund von mir, der gerade für eine NGO in Malaysia unterwegs war, hat von dort getwittert, wie erleichtert er war, von den lokalen Behörden nach zweimaligen Fieber messen den gelben Unbedenklichkeitssticker für den Rückflug bekommen zu haben.

Denken Sie daran, wenn Sie als Corona-positiv erkannt oder verdächtigt werden, bedroht das nicht Ihre Gesundheit. Aber das könnte Ihre Karriere (und alles andere wie Ihr Einkommen, Ihre Partnerschaft, Ihre bürgerliche Position …) ruinieren.

Kritisieren Sie auch nicht die Einführung Ihnen unsinnig erscheinender Maßnahmen. Das könnte Ihnen nicht gut bekommen. Hysterie kennt keine Meinungsfreiheit. Schnell werden sie stigmatisiert. Und wenn sie sinnlosen Anordnungen nicht folgen wollen, dann lassen Sie sich nicht erwischen. Das könnte Ihnen gefährlich werden, gefährlicher als das Virus!

Also: Verhalten Sie sich unverdächtig. Fallen Sie nicht mit exzessiven Händewaschen und Ähnlichem auf. Denken Sie immer daran: Nicht Sie, sondern die Anderen sind vom Corona-Virus befallen. Verzichten Sie also auf eine Atemschutzmaske und Handschuhe, Sie müssen niemanden vor sich schützen!

So können Sie einen Händedruck ohne Bedenken ablehnen. Bedenken Sie aber, dass der auch nützlich sein könnte. Denn Sie und wir müssen schnell zu einem „Herdenschutz“ kommen. Die Kunst ist es, möglichst schnell immun zu werden. Sie müssen sich also möglichst früh anstecken, ohne dabei schwer krank zu werden oder gar zu sterben. Eine ganz einfache Regel.

Für uns Männer ist das nicht leicht! Wie oft in meinen Leben habe ich mich schon (vermeintlich?) schwer, ja sogar todkrank zur Arbeit geschleppt. Die Barbara hat das immer als „Männergrippe“ bezeichnet. Dann habe ich massiv gelitten – aber trotzdem ganz ordentlich programmiert.

Da fällt mir ein, dass ich meine besten Schachpartien im zarten Alter von 17 in tief erkältetem Zustand gespielt habe. Wo ich bis heute nicht weiß, ob ich damals an der Grippe oder einer massiven Erkältung und Schnupfen erkrankt war?

Vielleicht kann mir ja ein kompetenter Mediziner bei Gelegenheit den Unterschied zwischen normaler Erkältung und Grippe erklären? Wäre ich echt dankbar. Aber die Mediziner erklären mir nichts. Sie hoffen, dass das Virus mit der Frühlingserwärmung verschwindet. Schau mer mal. Im italienischen Frühling scheint es ihm ja noch bestens zu gefallen.

Ich kann mich auch freuen: Haben jetzt sogar die Herren von CSU und CDU erkannt, dass Globalisierung nicht unbedingt immer gut ist. Die fordern jetzt, dass man der Wirtschaft Quoten vorgibt, wieviel sie in Deutschland produzieren müssen. Christliche Autarkie und Planwirtschaft!

Auch bei der Digitalisierung sind wir auf groteske Art und Weise von Indien und China abhängig. Infosys (Anmerkung des Autors: ein indisches IT-Haus) hat schon eine Reihe von Dax-Konzernen in eine radikale digitale Abhängigkeit gebracht und mit chinesischer Technologie ist es ähnlich. Das muss ich mal der CSU berichten. Vielleicht gibt es dann ein Gesetz, das vorschreibt, dass SW in Deutschland geschrieben werden muss!

Vielleicht noch ein Vorschlag zur Bekämpfung des Corona-Virus. Lieber Krisenstab des Robert-Koch-Instituts, holt Euch einfach ein paar gestandene CIOs, die erklären Euch gerne, wie man das in der IT mit den Viren macht. Da könnt Ihr viel für Euer Corona-Virus lernen.

RMD

Klaus Hnilica
Montag, der 17. Februar 2020

Caro – schnell und dünn…

Caro und Fritz (Folge 4)

Na – sagte ich zu Caro, der offensichtlich wieder einmal stinke langweilig war, hast du dich denn jetzt mit Fritz geeinigt, wie er mit deinem super tollen Scooter umzugehen hat?

Ja, sagte Caro.

Und wie sieht diese Einigung aus?

Die sieht so aus, dass der Fritz seine Fingerchen von meinem Scooter lassen muss, sonst kriegt er ein paar Kräftige von meinen Fingern drauf gehauen!

Du bist aber ganz schön ekelhaft zu dem lieben Fritzchen…

Ja, weil wenn ich das nicht bin, kracht er mit meinem schönen Scooter doch nur wieder gegen irgendeine Wand oder einen Baum, und sagt er könne nichts dafür, da der blöde Baum ganz von selbst auf die Straße gesprungen sei..

Aber du könntest ja vorschlagen, mit ihm in eine ruhige Straße zu gehen, wo er unter deiner Aufsicht deinen ‚Edelscooter‘ einmal ausprobieren kann.

Das könnte ich, Opa, will ich aber nicht! Der liebe Fritz soll einfach seine Finger von meinen Sachen lassen – das will ich!

Na ja so lange du halt mit deinem tollen Scooter immer vor seiner Nase herum tanzt, ist es für ihn auch schwer, ihn nicht anzurühren.

Was kann ich dafür, Opa, ich kann ja mich und meinen Scooter nicht wegzaubern…

Wegzaubern nicht, aber vielleicht ‚verdünnisieren‘ – quasi unsichtbar machen…

Und wie soll das gehen? Weiß das vielleicht auch wieder dein super schlauer Einstein?

Irgend wie schon, denn wenns nach ihm ginge müsstest du nur genügend schnell mit deinem Scooter dahin brettern!

Und sonst nichts? Das würde reichen?

Ja das müsste reichen: denn nach Einsteins ‚Spezieller Relativitätstheorie‘ vergeht dann für dich, im Vergleich zum Fritz auf dem Gehsteig, nicht nur die Zeit viel langsamer, sondern mit zunehmender Geschwindigkeit sieht der Fritz auch, dass dein Scooter bezüglich seiner Länge immer mehr schrumpft und du immer dünner wirst….

Opa – ist das bloß Klein-Fritzchens Hirngespinst oder wirklich so?

Nein – Caro, das ist wirklich so! Wenn noch andere Leute auf dem Gehsteig sein sollten, sehen die das genau so! Das Umgekehrte gilt allerdings auch.

Welches Umgekehrte?

Na ja – für dich würde Klein-Fritzchen auch immer dünner erscheinen je schneller du an ihn vorbei rast…

Und Opa, spür ich wie ich dünner werde?

Nein für dich und deinem Scooter ändert sich ja nichts, ihr bleibt wie ihr seid – und für Fritz gilt das Gleiche. Verändert wirken immer nur die, die vorbei sausen!

Und wie schnell müsste ich sein, dass Fritz für mich nur mehr ein ‚Strich in der Landschaft‘ wäre, genau wie ich für ihn?

Na ja du müsstest dich schon fast mit Lichtgeschwindigkeit bewegen! Was immerhin etwa 300 000 km in der Sekunde wären, oder 1,08 Milliarden km/h!

Oh – da muss ich mich aber anstrengen!

Ja das musst du! Aber für alle an denen du dann vorbeirast, schaust du auf deinem Scooter dann letztlich nur mehr wie ein ‚großes Rufzeichen‘ aus, denn an deiner Größe würde sich nichts ändern…

Ein etwas seltsamer Vorschlag von deinem Herrn Einstein, findest du nicht auch Opa?

Ja seltsam schon, aber keine Zauberei, sondern pure Wirklichkeit, liebe Caro! Denn Zauberei, oder Spukhaftes mochte Einstein gar nicht, so etwas hatte er sich immer verbeten!

Hm!

Aber,Caro, wenn dir das mit der Raserei doof vorkommt, dann kannst du ja vielleicht auch einfach so etwas netter zu Fritz sein, was hältst du davon?

Ich überlegs mir Opa?

Prima Caro – und wenn du das tatsächlich tust, dann erzähle ich dir demnächst von einer anderen Seltsamkeit des Herrn Einstein und zwar aus der noch komplizierteren ‚Allgemeinen Relativitätstheorie‘!

Und welche Seltsamkeit?

Nämlich von der, dass meine teure Armbanduhr, die auf eine Millionstel Sekunde genau geht, auf unserem Küchentisch schneller läuft als unterm Tisch am Küchenboden – und man daher auf der Tischplatte schneller altert als unterm Tisch…

Cool Opa! Vielleicht liegen deswegen Hunde immer unterm Tisch.

Ja Caro! Damit sie jung und frisch bleiben. Aber wie gesagt, das ist eine noch seltsamere Geschichte, die ich dir und Fritz ein anderes Mal erzähle…

KH

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Januar 2020

Brexit

Um den Brexit ist es still geworden. Gestern kam mal wieder etwas zum Brexit in den Nachrichten. Da wurde berichtet, dass Bayern mehr unter dem Brexit leiden würden als die anderen Bundesländer. Weil sie aktuell mehr als diese nach GB exportieren würden. Nämlich vor allem Autos.

Eigentlich eine simple Logik, also keine „breaking news“. Ist möglich. Oder auch nicht. Das weiß kein Mensch.

Ich glaube ja persönlich, dass sich nach dem Brexit nicht viel ändern wird. Wie heißt es: Der Berg kreißt – und gebar eine Maus.

Also liebe Brexit-Gegner: Lasst Euch von den Panikmachern nicht  beeinflussen. So schlimm wird es nicht werden. Und Ihr werdet sicherlich auch ein paar Vorteile von Euerer neuen Freiheit haben.

Ich kann die Brexit-Befürworter gut verstehen. Ich finde die EU „boring“. Noch mehr unwürdiges Politiktheater mit schillernden Schauspielerin. Die Europa-Wahl war eine Unverfrorenheit. Das menschenunwürdige Gerangel um wichtigste Themen stört mich genauso wie die Selbstdarstellung (und -bereicherung) der Protagonisten, das Postengeschacher und die Entscheidungs- und Handlungsunfähigkeit der Gremien. Dass bekannte Missstände wie die Landwirtschaftpolitik aufgrund von Interessensverklemmungen ignoriert werden, darf nicht sein. Und wenn mal ein vernünftiger Vorschlag kommt, dann weiß man schon vorher, dass das nichts wird.

Meine Sympathie für die Menschen und Kulturen in Europa hat nichts mit der EU zu tun. Aber Bürokratie und Überregulierung, die Wettkämpfe nationaler Ego-Staaten stören mich. Und wenn ich an DSGVO und Urheberschutz denke, dann bekomme ich Angst vor der Zukunft.

Dabei habe ich so etwas wie einen europäischen Traum. Ich wünsche mir ein Europa der Regionen, bestehend aus kleinen Staaten, die eine Chance haben, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Kein Vetorecht, ein gemeinsames Bewusstsein, dass Kultur und Geisteshaltung wichtiger sind als Gesetze, eine hohe Solidarität. Mit einer starken Basisdemokratie und einem Parlament, das die Entscheidungswege streng kontrolliert. In dem Lobbyismus und Wahlkampfmarketing nichts verloren hat. Und das dem Politiktheater keine Bühne gibt.

Wie kommt man dahin? Ganz einfach, man löst die Nationalstaaten und ihre Parlamente auf. In Deutschland sind die natürlichen EU-Elemente die Länder. Also, Bundestag und Bundesregierung ersatzlos streichen, Auflösung der Bundesrepublik und Beitritt der Länder in eine reformierte europäische Gemeinschaft, die diesen Namen auch verfügt.

Aber jetzt habe ich mich verplappert. Ich wollte doch nur diese beiden brexit songs meinen Lesern präsentieren. Weil sie einfach sehens- und hörenswert sind.

RND

 

Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Oktober 2019

Der zweite große Fehler.

Vor kurzem habe ich einen schweren Architektur-Fehler in unserem gesellschaftlichen Konstrukt aufgedeckt. Es ist die juristische Gleichstellung von „natürlichen Personen“ (ein Mensch, der rechtsfähig ist) mit „juristischen Person“ (virtuelle Gebilde, wie Unternehmen mit Rechtsformen wie „GmbH“, „AG“ oder ähnlich).

Mit Gleichstellung habe ich z.B. gemeint, das alle „Personen“ (natürliche wie juristische) das selbe Recht an Eigentum haben. Dies hat zur Folge, dass Konzerne immer reicher werden und so immer weniger Menschen immer reicher und der Rest ärmer wird.

Wir brauchen da eine Reform. Besonders wenn es in Zukunft rechtsfähige Roboter geben wird wie z.B. autonome Autos, die ja tanken wollen. Die würden ja wahrscheinlich auch nicht natürlichen Personen gleich gestellt werden und sollten deshalb nur eingeschränkt rechtsfähig sein. Und das sollte so auch für „anonyme Gesellschaften“ gelten.

Heute will ich einen anderen eher „operativen“ System-Fehler beschreiben. Dazu weise ich auf die Buchbesprechung in meinem letzten Beitrag hin. Da habe ich vom Buch Sei anders, sei Du selbst von Jolly Kunjappu berichtet.

Jolly vermittelt in diesem Buch unter anderem, dass eine aufgeklärte Gesellschaft mündige Bürger braucht, die eigenverantwortlich und autonom leben wollen und sich nicht von externen Vorgaben und Dogmen steuern lassen.

Zu Begriffen wie Manipulation, Werbung und Marketing fällt mir als erstes das Internet an. Alphabet (Google) lag in 2018 beim Kriterium „Marktkapitalisierung“ weltweit an vierter Stelle. Und mit was verdient Google sein Geld? Überwiegend mit Marketing. Und was ist Marketing? Manipulation, die uns dazu bringt, nach fremden Vorgaben zu leben.

Aber nicht nur Google lebt von Marketing. Alle Unternehmen in der Liste der größten Unternehmen stecken Unsummen ins Marketing. Nur so können sie ihre beherrschende Stellung verteidigen und ausbauen. Das schlägt sich dann in den Medien und im öffentlichen Raum nieder. Gerade dort wird richtig aufgerüstet.

Es gibt auch andere Kanäle. Viele Anwendungen wie zum Beispiele Computerspiele gibt es „gratis“. Die sind aber nicht umsonst sondern zwingen den Nutzer als Gegenleistung Werbung anzuschauen. Und seine Daten abzuliefern. Damit man ihn noch besser manipulieren kann.

Auch in der Politik spielt Marketing eine große Rolle. In der Demokratie gewinnt eine Partei deutlich mehr Stimmen, wenn sie ein gutes Marketing macht. So werden Wahlen nicht von Werten und Programmen gewonnen, sondern von Marketingunternehmen und Beratern, die dem Politiker erklären, wie er sich am besten darstellen muss. Und die besten Selbst-Darsteller gewinnen. Sind diese vom falschen Flügel, werden sie als Populisten beschimpft.

Und die Bundesministerium vermarkten ihre kleinen „Erfolge“ auf großen Plakaten – auch wenn diese gar nicht so beeindruckend sind.

Zusammenfassend finde ich es tragisch, wieviel menschliche Kraft  wie Kreativität und wie viele Stunden Arbeitszeit dazu verwendet werden, um Menschen mit Glücksversprechungen zu betrügen und so zu sinnlosem Konsum verführen.

Zum Schluß eine selbst erlebte Geschichte  zum Thema Marketing:

 


In Unterhaching war viele Jahre die Europazentrale von Wrigley angesiedelt. Wrigley gehört zum Mars-Konzerns. Mars ist ein ganz Großer in der „Food-Branche. Nicht ganz so gigantisch wie Nestlé, aber auch nicht zu unterschätzen.

Vor einiger Zeit war es eine schlechte Nachricht für Unterhaching, dass die Wrigley-Zentrale nach London verlegt wurde. Dies schien wegen des drohenden Brexit eine nicht ganz schlüssige Entscheidung. Um so überraschender war es, dass Mars alle Zentralen seiner europäischen Tochterunternehmen nach London verlegte.

Durch Zufall traf ich mal einen Top Manager des Food-Konzern. Dieser konnte mich aufklären. Ich zitiere:
„In unserem Business (Anmerkung: Food) kann man nur noch margenträchtig verkaufen, wenn man das beste Marketing der Welt hat. Und die besten Marketing-Firmen Europas sitzen in London. Mit diesen müssen unsere Top Manager eng zusammen arbeiten. Und deshalb müssen sie in London sitzen“.


Ist das nicht entsetzlich? Man kann Nahrungsmittel nur noch gut verkaufen, wenn man extrem gutes Marketing dafür macht! In was für einer Welt leben wir?

Mein Reaktion:
Ich mache um Produkte, die aufwändig beworben werden, wenn irgendwie möglich einen großen Bogen. Das funktioniert ganz gut. Und wenn an den Bahnhöfen Deutschlands auf den Monster-Bildschirmen ein neuer Schokoladenriegel flimmert, dann nehme ich mir ganz fest vor, diesen nie in meinem Leben zu essen geschweige denn zu kaufen!

Weil es so schön ist:

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 22. Oktober 2019

Ein Hauptfehler unserer Gesellschaft!?

In unserer hoch entwickelten und so zivilisierten und kultivierten Gesellschaft läuft vieles falsch.

  • Der Gegensatz von arm und reich wird immer stärker.
  • Die Hälfte des Vermögens der Welt gehört immer weniger Eigentümern, aktuell spricht man von zirka fünfundzwanzig.
  • Immer wieder werden grausame Kriege geführt.
  • Die einen verfetten, die anderen verhungern.
  • Auch in Demokratien wird der Wille der Mehrheit missachtet, wenn er der Position der Mächtigen widerspricht.
  • Der Planet geht kaputt und keinen störts.
  • und so weiter …

 
Dafür muss es doch Ursachen geben. Da fallen mir menschliche Schwächen ein. Da gönnte die Gier und der Neid dabei sein, das unbedingte „Haben Wollen“ und der Egoismus. Denen steht aber so viel Positives und Liebenswürdiges gegenüber, dass es das allein eigentlich nicht so sein kann.

Ist doch ganz einfach!

Ich habe viel darüber nachgedacht und einen massiven gesellschaftlichen Konstruktionsfehler gefunden. Es geht um die Rechtsfähigkeit. Ich zitiere die Definition aus Wikipedia:

Rechtsfähig ist, wer über Rechte und Rechtspflichten verfügt und deshalb rechtsgestaltende Handlungen vornehmen kann.

Aha! Das klingt einleuchtend. Denn das ist ja die Basis unserer Zivilisation.
Ich zitiere weiter aus Wikipedia:

Über Rechtsfähigkeit verfügen von Natur aus nur Menschen, denn sie sind Sender und Adressat der umfassten Gebote der Rechtsordnung.

Das klingt logisch.
Aber (Zitat geht weiter):

Daneben können auch Verbünde von Menschen, juristische Personen, insbesondere private Vereinigungen und öffentliche Körperschaften, von Rechtspflichten und Rechten (z. B. als Eigentümer) betroffen sein.

Das klingt sinnvoll.
Aber schon wird es kompliziert. Denn:

Wird unter „Recht“ eine Ordnung menschlichen Verhaltens verstanden,[1][2] so sind die Pflichten und Befugnisse einer juristischen Person den Menschen zuzurechnen, die in dem Verband organisiert sind, wobei die Verbandsverfassung näher bestimmt, wer welche Pflichten des Verbandes zu erfüllen hat und wer dafür zuständig ist, bestimmte Befugnisse des Verbandes auszuüben (Kompetenz).

Es gibt also natürliche und juristische Personen. Mir scheint, dass beide sehr unterschiedlich sind. Natürliche Personen sterben, ihr Lebe  hat ein natürliches Ende. Juristische Personen dagegen können ewig leben. Das ist kaufmännisch gesehen ein großer Wettbewerbsvorteil! Denn die juristischen Personen haben die selben Rechte – besonders das Eigentum – betreffend wie die natürlichen.

Das mag noch durch gehen, wenn die Menschen (Eigentümer der juristschen Person) hinter der juristischen Person noch sichtbar sind. Aber gilt das noch?

Die französische Aktiengesellschaft heißt sehr treffen „societé anonyme“. Was wird aus der juristischen Person Gesellschaft, wenn die Gesellschafter hinter der Institution nicht mehr sichtbar sind? Oder die Gesellschafter ihr Interesse an der Institution auf den „shareholder value“ reduziert haben!Oder es gar keine Gesellschafter mehr gibt, weil die Gesellschaft die Anteile an sich alle aufgekauft hat. Wenn dann noch Organe und Agenten der Gesellschaft bedingslos und kritiklos bereit sind, dem endogenen Zwecke der Institutionen zu dienen, dann kann man schnell von „anonymen juristischen Personen sprechen“, die vom Kapital gebildet werden.

Diese Überlegung könnte man weitertreiben: Was passiert wenn so eine anonyme Kapitalgesellschaft von einem Computer mit Künstlicher Intelligenz gesteuert wird?

Man sollte sich vielleicht wirklich eine Reform überlegen, die die Rechtsfähigkeit von juristischen Personen von der Rechtsfähigkeit natürlicher Personen differnziert,

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Oktober 2019

RUPERT LAY LESEBUCH

 

Was dem Leben dient.

 

Da steht alles drin.

Ein ganz wichtiges Buch. Das mich tief berührt. Denn es hat eine besondere Geschichte:

Zur Jahrtausendwende hat sich eine kleine Gruppe meiner Freunde im gemeinützigen Ronneburger Kreis e.V. (der mittlerweile aufgelöst wurde) zusammen getan und die vielen Definitionen von Begriffen aus dem alltäglichen Leben wie aus Wirtschaft und Gesellschaft in den Büchern wie aus dem Wirken Rupert Lays gesammelt. Das entstandene kleine Werk haben wir das  „Wörterbuch zur Ethik des Rupert Lay“ genannt und im Ronneburgerkreis veröffentlicht (siehe Bild unten).

Das war eine schöne Sammlung von wichtigen Texten. Es hat mir Spaß gemacht, es immer wieder aufzuschlagen und mich an dem einen oder anderen Artikel zu erfreuen oder sich mit diesem auseinander zu setzen.


In diesem Sommer feierte Rupert seinen 90. Geburtstag. Norbert Copray hatte die Idee, das Wirken von Rupert Lay aus diesem Anlaß mit einer besonderen Veröffentlichung zu würdigen. Es sollte ein großer Überblick der Gedanken Rupert Lays werden, in dem das freie Rumschmökern in anspruchsvollen Texten Spaß macht. Ein schweres Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Die Quelle für das Lesebuch (2002)

Als geeigneten Grundbaustein fand er unser „Wörterbuch“. Aber das „Wörterbuch“ hatte er nur in Papierform vorliegen. So machte es sich auf die Suche nach der digitalen Quelle. Und so fand er mich.

Die digitale Quelle war verschwunden. Aber in der digitalen Welt ist das ja kein großes Problem mehr. Mein Freund Wolfgang Groß übernahm die Aufgabe und stellte kurzer Hand ein hochwertiges digitales Exemplar vom Wörterbuch her. Und Norbert Copray und Erich Ruhl-Bady konnten loslegen.

Und sie haben etwas ganz Großartiges geschaffen. Aus dem Wörterbuch ist ein Lesebuch geworden, dass viel Klugheit, Klarheit und auch Frechheit enthält. Auf fast vierhundert Seiten finden wir ein Feuerwerk von Gedanken, mit denen sich auseinandersetzen lohnt und das richtig Spaß macht. Diese Gedanken findem wir thematisch schön geordnet. Zum Teil sind sie nur eine Zeile lang und selten länger als eine Seite. Richtig schön zum lesen.

So lohnt es sich immer, zwischendurchs ins Buch reinzuschauen. Aber Vorsicht: Man wird förmlich süchtig und bleibt dann schnell eine oder mehr Stunden hängen, und wundert sich dann um diese Jahreszeit, dass es so schnell dunkel geworden ist.

Großen Dank an Norbert Copray und seine Mitstreiter!

RMD

P.S.
Wer sich dieses Buch nicht besorgt versäumt etwas.

Roland Dürre
Sonntag, der 11. August 2019

Die CLOUD im Theater.

Das ist ein Stück zur Digitalisierung!
Und was für eines!

Das Torturmtheater zu Sommerhausen.

Theater ist ein wichtiges Bestandteil meines Lebens. Ich brauche es förmlich. Es muss nicht pseudo-modern sein. Mich begeistert auch kein pompöses Gesamtkunstwerk mit technisch aufwändigen Audio- und Video-Produktionen.

Mir ist ehrliches Theater am liebsten. Gern bin ich nah dran an Bühne und den Schauspielern. Wenn diese „gute Handwerker“ sind, die ihre Rollen verstehen und mit Leidenschaft spielen, dann ist das für mich etwas Großartiges. Besonders wenn das Stück dann auch noch etwas taugt.

Zurzeit habe ich drei Lieblingsbühnen. In München sind dies das Volkstheater und das Metropol. Ganz besonders liebe ich aber das Torturmtheater in Sommerhausen, unweit von Würzburg.

Im Torturmtheater fängt das Besondere schon bei den Stücken an. Jedes Jahr wählt Angelika Relin, die das Theater leitet und da für irgendwie alles zuständig und verantwortlich ist, vier zeitgenössische Stücke aus. Diese zeichnet aus, dass sie Themen mit herausragender Aktualität behandeln und sich wunderbar ergänzen. Im Jahre 2019 ist das schon mit den ersten drei Stücken wieder hervorragend gelungen.

Zum Frühling gab es:


Bilder einer großen Liebe
von Wolfgang Herrndorf.

Bilder Deiner großen Liebe.

Das war ein großartiges Ein-Personen-Stück. Ich habe in  einem Artikel von meinem Besuch berichtet.

Das Mädchen Isa, gespielt von Isabel Kott, berichtet sein Leben – wie ein aus dem Himmel gestürzter Engel.

Isa ist ein aus dem Erziehungs-Heim ausgerissenes Mädchen, dass ohne Geld und Ziel durchs Leben streicht und wahrscheinlich auch stricht.  Isa weiß, dass sie offizielle geisteskrank ist. Nur, alles was sie erzählt kommt dem Zuschauer vernünftiger vor als das meiste von dem, was er täglich erlebt.

Im Erfolgsroman TSCHICK des Autors des Stückes hat das Mädchen Isa nur eine Nebenrolle, im Stück erzählt sie ihr Leben.

Das war ein großartiget Theaterabend in 2019, den uns das Torturmtheater, Angelika Relin, Eos Schopohl (Regie) und Isabel Kott und das ganze Team uns beschert haben. Das war der aber nur erste Streich!

Weiter ging es im beginnenden Sommer mit


Lieben. feministisch
Von Samantha Ellis

Lieben – feministisch.

Das war wieder der nächste Volltreffer. Ein Knaller, der absolut in unsere #metoo-Zeit passt.

Lieben feministisch berichtet von einem Paar. Die Frau steht eigentlich auf geile Machos. Dummerweise liebt sie einen Mann, der von seiner Mutter zum überzeugten „Feministen“ erzogen wurde.

Dieser liebt sie, will sie respektieren und achten, obwohl das sogar nicht das ihre ist?

Kann das gut gehen? Eigentlich nicht.

Aber das Stück gibt eine schöne Antwort. Von Angelika Relin spitzenhaft gefunden und ausgesucht Stück, das wir dank Amelie Heller und Christian Streit (die Schauspieler) und Ercan Karacayli (Regie) genießen durften.

Und jetzt am 8. August hieß es „Vorhang auf“ für


Die Mitwisser
von Philipp Löhle.

Die Mitwisser.

Ich durfte bei der Premiere dabei sein. In diesem Stück geht es um unser Leben in und mit der CLOUD. Es geht um den gesellschaftlichen Wandel, den die Digitalisierung bewirkt.

Das ist mein Thema – arbeite und wirke ich doch schon seit 50 Jahren intensiv an der Digitalisierung  mit.

So suche ich nach der Metapher, die am besten für das steht, was die Digitalisierung individuell und sozial/gesellschaftlich bewirkt.

Ist es das Internet, das Netz oder das WebIrgendwas mit 2.0, 3.0, 4.0 oder die Cloud? Und habe mich für den Begriff der „CLOUD“ entschieden. Der trifft es am besten. Finde ich.

„Die Mitwisser“ zeigt die Welt in der CLOUD. Die liegt noch in der Zukunft liegt aber ist auch schon da. Und alle – ob Politiker oder Wirtschaftsbosse wollen und fordern Digitalisierung, obwohl sie oft gar nicht wissen, was das ist.

Im Stück zeigt wie unsere Welt in der CLOUD ausschaut, wenn sie den Algorithmen und neuronalen Netzen folgt. Dies mit großer künstlerischer Offenheit und einem klugen Maß an Kritik, aber auch in versöhnlicher Zuversicht.

Regie (Ercan Karacayli) und das Schauspieler-Team (Norbert Ortner, Anna Bomhard, Martin Herse, Malene Becker) haben das Stück von Philipp Löhle herausragend umgesetzt und zeigen, dass sie das Thema verstanden haben. Und nehmen die Zuschauer mit in eine Reise in die „CLOUD“.

Wie viele  Veranstaltungen mit mehr „oder weniger“ hochkarätigen ReferentInnen habe ich besucht! Da ging es um Digitalisierung allgemein, um die Folgen von social Media wie Blockchain und Bitcoin, Allgortithmen KI und neuronale Netze.

Und wie oft bin ich enttäuscht heimgekommen. Was da alles oft erzählt wurde, hatte mit der Realität aber auch gar nichts zu tun. Und ehrlich gesagt, meistens hatten die Referenten keine Ahnung von dem über das sie redeten. Meistens bestätigte sich die These meines Lehrers Rupert Lay, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben.

Ich garantiere, dass dieses harmlose Theaterstück so viel mehr Substanz enthält als all die schrecklichen Vorträge (von Akademika, Wirtschaft und Politik), die ich gehört habe.

Und es kommt noch besser. Die Zuschauer des Stücks hatten unheimlich viel Spaß und sind alle mit großer Freude und Hochgefühl heimgehen. Aber vorher gab es im edlen Foyer des Torturmtheaters einen intensiven Gedankenaustausch gepaart mit einer gesunden Portion an Nachdenklichkeit.

Wahrscheinlich sollte man unsere ganzen Politiker, die sich täglich zur Digitalisierung bekennen und darüber schwafeln, ganz schnell ins Stücke reinschicken. Das wären dann mal gut angelegte Steuermittel.

Aber wie bekomme ich die bayerische Staatsregierung ins Torturmtheater? Wahrscheinlich schafft man es nicht einmal, die Judith Gerlach vom Bayerischem Staatsministerium für Digitales  ins Theater zu locken, weil sie etwas wichtiges Juristisches für die DSGVO oder das Urheberrecht im Internet lösen muss. Und für sie und ihre Mitarbeiter im Ministerium wäre der Besuch besonders nützlich und wertvoll.

Und am 10. Oktober ist die Premiere des vierten und letzten Stückes in 2019.


ALLES WAS SIE WOLLEN

von Matthieu Delaporte / Alexandre de la Patellèrie.

Ich bin schon gespannt!

Und bis dahin empfehle ich jedem, der an unserer Zukunft und Digitalisierung interessiert ist, den Besuch des aktuellen Stückes, das bis zum 5. Oktober im Torturmtheater gespielt wird.

RMD

P.S.
Hier der Spielplan 2019 des Torturmtheaters Sommerhausen.