Roland Dürre
Samstag, der 5. Januar 2019

RADIKAL.

Aufs Wohl der radikalen Ketzer!

In der Diskussion in den Kommentaren zum Artikel von Hans Bonfigt hat der Begriff „radikal“ eine wichtige Rolle gespielt. Das hat mich dazu gebracht, mal über das Wort RADIKAL nachzudenken. Weil mir das „radikal sein“ irgendwie als sehr wichtig erscheint.

Laut de.Wiktionary.org/wiki/ sind sinnverwandte Wörter entweder
[1] hart, rücksichtslos, unerbittlich, unnachgiebig
oder
[2] deutlich, gründlich, merkbar, merklich, umfassend

In Wikipedia selber habe ich keine nutzbare Definition von „radikal“ gefunden. Politikwissenschaftlich gibt es dort den Verweis auf Radikalismus, soziologisch wird auf Radikalität als Eigenschaft des Wandels verwiesen, siehe Sozialer Wandel.

Es gibt also zumindest in der deutschen Wikipedia aktuell keine Definition des so oft genutzten Wortes „radikal“. Das zeigt schon, wie schwer die Diskussion dieses Begriffs ist. Das erscheint mir fast logisch, weil wir Menschen uns ja besonders gern über Dinge streiten, von denen wir gar nicht wissen was sie bedeuten. Einfach, weil wir dazu neigen, gerade Begriffe, die wir nicht verstehen oder definieren können, besonders stark emotional besetzen.

Jetzt spekuliere ich mal, was radikal so heißen könnte. Oder wie ich es verstehe. Dazu habe ich ein paar Tage des Nachdenkens gebraucht. Dann kam ich darauf, dass mir „radikal“ besonders im Bezug aufs „Denken“wichtig ist. Also das „radikale Denken“, was der Hans Bonfigt nach meinem Verständnis immer wieder mal macht.

Ich meine, das „radikal denken“ bedeutet, dass die Gedanken sich ohne Rücksicht und Ablenkung von „moralischen“ Feldern geradeaus entwickeln dürfen, also nicht beeinflußt werden vom „das denkt man aber nicht“.

Und ich denke mir, dass „radikales Denken“ schnell zu Ketzertum fühlt. Mir sind Ketzer sympathisch, wenn sie in der Lage sind auch ihre eigenen Gewissheiten in Frage zu stellen.

Jetzt versuch ich mal ein paar Gedanken-Ergebnisse zu beschreiben, die durch radikales Denken so entstehen können.

  • Religionen und Gott wurden von Menschen erfunden. Wie können Menschen etwas, das sie selber erfunden haben, zur absoluten Wahrheit machen wollen?
  • Wem nützt der Krieg am meisten? Der Rüstungsindustrie. Also braucht die Rüstungsindustrie den Krieg. Und wenn es keinen gibt, wird sie dafür sorgen, dass es einen gibt.
  • Ich muss zuerst an mich selber denken. Denn nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich andere Menschen lieben. Märtyrertum ist sozial also schädlich und sollte unterlassen  – und auf keinen Fall verehrt – werden.
  • Menschen sind nicht böse. Wenn dann sind es ihre Handlungen. So sollte man nicht die Menschen sondern ihre Handlungen verurteilen.
    (So hat Rupert Lay mal formuliert, dass Hitler an sich kein schlechter Mensch war, weil er wahrscheinlich meistens seinem Gewissen gefolgt ist. Das sien Gewissen sicherlich ein uns sehr fremdes, vielleicht für uns alle pathalogisches Gewissen war.  Allerdings hat er diese Aussage auf einem Festvortrag für prominente Gäste einer großen Bank in Deutschland gemacht. Und er ist dann der Legende nach vom Vorstandsvorsitzenden persönlich unterbrochen und aus dem Raum geführt worden. Weil er ein Tabu gebrochen hat – man darf so etwas nicht denken geschweige denn sagen).

Aber bevor ich mich völlig unbeliebt mache und von der Schreibe-Bühne geführt werde, höre ich hier und jetzt besser auf.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Dezember 2018

Warum ist Deutschland bei der Digitalisierung so weit hinten?

Vor kurzem bin ich nach einem Vortrag gefragt worden, was denn die zentrale Ursache für unsere (die deutsche) Schwäche bei der Digitalisierung wäre? Wo wir doch schon immer das Land der Ingenieure gewesen wären?


Da schau ich gar nicht glücklich aus der Uniform. Hätte lieber mit Rechnern gespielt.

Da musste ich erst Mal nachdenken. Denn immerhin gab es eine Zeit, da waren deutsche Unternehmen wie Siemens technologisch auch in der IT an der Weltspitze.

Ich versuche, die IT-Szene ganzheitlich über die Zeit zu betrachten. Dabei fällt mir auf, dass Innovationen schon seit längerem nur noch selten aus den Technologie-Labors der Mega-Konzerne oder Großforschungs-Einrichtungen kommen.

Vielmehr wird Innovation von Bewegungen geschaffen, die meistens von jungen Menschen mit Leidenschaft getragen werden. Das gilt besonders für Informatik, also die IT und damit verwandte Technologien.

Ich selber habe bei Siemens in der zweiten Hälfte der siebziger und später in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts an dem mitgewirkt, was ich Industrie-Informatik nenne. Da wurden – absolut ingenieurs-mässig – teure und schwere Großrechner mit ebensolcher Peripherie entwickelt.

Zeitlich parallel dazu kamen einfache Rechner „für zu Hause“ auf die Märkte. Als Beispiele nenne ich den Atari (1979) oder den  Commodore (1982). Die „Kinder“ in den USA (und auch bei uns) haben mit diesen und ähnlichen Rechnern „gespielt“.

Wir „Industrie-Informatiker“ haben uns die Heimrechner auch angeschaut.  Für uns waren das aber nur Spielzeuge, die wir nicht ernst genommen haben. Wir haben nicht erkannt, welches faszinierende Potential diese Systeme eröffneten.

Mich persönlich zum Beispiel hat die mangelnde technische Perfektion dieser Systeme irritiert. Da wurde z.B. als Bildschirm (bei uns hieß der Datensichtgerät) ein flackernder Billig-Fernseher eingesetzt. Die Speicherung erfolgte mit Hilfe von Kassettenrekordern auf unzuverlässigen Tonkassetten. Und auch die Eingabetastaturen waren alles andere als Vertrauen erweckend. Und last not least entsprachen die Programmiersprachen auch nicht dem Stand der Kunst.

Später habe ich es bereut, dass ich dieser neuen Technologie zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. So wurde ich von der PC-Welle und später vom Erfolg vom technisch so schwachen Windows mit seiner graphischen Oberfläche und vor allem Spielen wie Solitär überrascht.

Die graphische Oberfläche kannte ich schon von Geräten wie dem Xerox Star, der von Siemens als „Büro Computer“ vertrieben wurde. Das war zwar ein professionelles Gerät, aber sein Nutzen-/Kosten-Verhältnis unterirdisch schlecht. So haben ihn auch nur ganz wenige Unternehmen eingesetzt, mir ist in Deutschland eigentlich nur die Lufthansa bekannt, die sich diesen teuren Luxus leistete. So habe ich auch diese Technologie nicht ernst genommen.

Die jungen Leute kannten oft nur die Welt der neuen Computer  – und sie haben diese vorwärts gebracht. Das hat in den USA stattgefunden – und was da passiert ist, kann man gut nach lesen. Z.B. in der Biographie über Steve Jobs – einem absolut lesenswerten Buch.


Zurück zur Eingangsfrage:

Was ist die zentrale Ursache, dass Deutschland bei IT so abgehängt wurde?

Ich glaube nicht, dass es eine zentrale Ursache für die deutsche digitale Schwäche gibt. Da gibt es sicher mehrere.


Aber eine – vielleicht ein wenig rethorische – Antwort habe ich:

Ich meine, dass eine wesentliche Ursache die Wehrpflicht gewesen sein könnte.

Wir hatten in dem für die Entwicklung von IT kritischen Zeitraum 500.000 junge Männer unter Waffen. Das war ein wesentlicher Teil der männlichen Bevölkerung – im besten Alter. Die „Bundeswehr“ bestand überwiegend aus Wehrpflichtigen, die für 18 und später 15 Monate aus dem „normalen Leben“ entfernt waren. Das waren überwiegend junge Menschen

Auch heute finden sich in den MINT-Berufen (MINT für Mathematik, Ingenieurswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik) überwiegend die Männer. Das war damals noch ausgeprägter. Und die Wehrpflicht betraf nur die jungen Männer und behinderte so ihre Entwicklung.

IT war – und ist – eine Hochleistungs-Disziplin. Man muss sich über Jahrzehnte mit Leidenschaft damit beschäftigen und dabei eine gnadenlos schnelle Entwicklung aushalten und verstehen. Eine Schaffenspause von über einem Jahr wirft gewaltig zurück. Das ist etwa so, wie wenn ein Spitzen-Jugend-Fussballer für 18 Monate mit dem Fußballspielen pausieren muss. Mein Verdacht ist groß, dass das im Normalfall das Ende seiner Fußballer-Karriere bedeuten würde.

Für die Richtigkeit meiner These gibt es eine Reihe guter Gründe.

Meine eigene Erfahrung

Ich begann im Herbst 1969  an der TUM Mathematik und „Informatik“ im 1. Semester zu studieren. Am 1. April 1970 wurde ich eingezogen und habe bis zum 30. September 1971 als Wehrpflichtiger „gedient“. In diesen 18 Monaten habe ich „Saufen“ und „Chillen“ gelernt. Positives Lernergebnis war eigentlich nur, wie man solche perverse Systemen überlebt.

Dann bin ich im Herbst 1971 wieder an der TUM gestartet, wieder im ersten Semester. So blieb ich im „Chill-Modus“. Diesen habe ich mir erst wieder im vierten Semester (Frühjahr 1973) abgewöhnt, weil da das Vordiplom vor der Tür stand und ich so ein wenig unsanft aufgeweckt wurde. Da hatte ich Stress und habemein „berufsbegleitendes Studium“ (mehr bei Siemens als an der TUM mit schnellem Lernen aus Büchern) wieder recht intensiv aufgenommen. Und sogar das Vordiplom auf Anhieb geschafft.

Nach meinem Hauptdiplom hatte ich noch ein paar „Lehrjahre“ bei Siemens und Softlab. Gegründet habe ich so erst 1984, da war ich schon deutlich über dreissig. Ohne Bundeswehr wäre das wahrscheinlich schon ein paar Jahre früher passiert …

Erfahrungen bei InterFace

In den frühen Jahren der InterFace AG hatten wir viele Studenten an Bord. Sogar junge Gymnasiasten waren dabei. Sie waren  fasziniert von der neuen Technologie und wollten da auch mal professionell rein schnuppern. Oft kamen sie auf Empfehlung (z.B. als Kinder von Kunden) zu uns.

Die Jungen waren gut und wurden schnell zu wichtigen Mitarbeitern. Wenn es aufs Abitur zu ging, kam das große Zittern. Mussten sie zur Bundeswehr? Das wäre für uns ein großer Ausfall gewesen.

Oft haben wir mitgeholfen, dass sie nicht „eingezogen“ werden konnten und bei uns das Studium begleitend weiter arbeiten konnten. Ohne diese jungen Talente hätten wir unser Produkt CLOU & HIT und viele dazu gehörende Innovationen nicht geschafft.

Die amerikanischen Gründer

Wenn wir die Helden des Silicon Valley betrachten wie Bill Gates, Steve Jobs und weitere, dann wurde da keiner von Wehrpflicht oder ähnlichen Zwangsdiensten behindert. Viel mehr haben sie ihr Studium abgebrochen, um sich komplett auf ihr Unternehmen und die neue Technologie konzentrieren zu können.

Deutsche Gründer

Hasso Plattner und Dietmar Hopp  (beide SAP) dürften ihren veröffentlichten Lebensläufen folgend wohl auch nicht bei der Bundeswehr gewesen sein. Von einem sehr kreativen Gründer wie Peter Schnupp, dem Mitbegründer von Softlab (1934 geboren – also befreit vom Wehrdienst) weiß ich das aufgrund unserer persönlicher Freundschaft.

Start-Up-Szene …

Seit mehr als 10 Jahren bin ich Mitglied in der Jury von BayStartup, dem wohl in Bayern führenden Unternehmen für Themen wie Businessplan Wettbewerb, Finanzierung, Business Angels …

Je nach Verfügbarkeit bewerte ich im Jahr dann um die 100 Geschäftspläne. So lerne ich viel über die aktuellen technischen Trends und vor allem zahlreiche  junge Menschen kennen, die Firmen gründen wollen. Und stelle fest, dass es kein neues Thema gibt, dass seine Besonderheit nicht wesentlich mit der dazu entwickelten Software erklärt.

So trifft es sich gut, dass bei allen Startups immer Software-Leute dabei sind. Die berichten mir stolz, dass sie schon seit ihrem 10. Lebensjahr programmieren würden und dann mit 12 oder 14 Jahren auf „vernünftige“ Computersprachen und moderne Technologie umgesattelt hätten. Eine 15 oder gar 18 Monate währende Zwangspause würde für sie einen großen Rückschritt wenn nicht das „Aus“ bedeuten.

Soweit ein paar Argumente, die meine Theorie vielleicht ein wenig belegen.


Jetzt hoffe ich,dass Ihr mich gut genug kennt, dass ich so eine originelle Theorie nicht zur Wahrheit erkläre.

Ich bin aber überzeugt, dass mit der Wiederbewaffnung der BRD nach dem 2. Weltkrieg und dem damit verbundenen Wiederaufbau der Rüstungsindustrie zumindest eine einzigartige Chance für ein großartiges friedliches Deutschland zerstört wurde. Und dass Wehrpflicht und Militarisierung in Deutschland einen immensen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden bewirkt haben.

„Schuld“ an dieser Entwicklung waren damals wie heute die Vorurteilswelt und der Zynismus alter weißer Männer wie Adenauer. Von Angst getrieben hat dieser schon seit 1950 mit kriminell-subversiven Methoden im Geheimen auf die Wiederaufrüstung hingearbeitet.

Die Wikipedia-Artikel zur Bundeswehr und zur Wehrpflicht sind sehr lesenswert und helfen sehr gut, die Frage „Wie war das eigentlich?“ zu beantworten.

Jetzt bin ich aber erst Mal froh, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und hoffe, dass dieser Zwangsdienst nie mehr wieder eingesetzt wird.

RMD

P.S.
Geschichte der Bilder
Am 1. April 1970 (nach einem Semester des Studiums der Mathematik und Informatik an der TUM) bin ich eingezogen worden. Aus dem Roland Dürre wurde der „Flieger Dürre“. Das war leider kein schlechter Aprilscherz. Nach einer Nacht in Lagerlechfeld (dort gab es eine gemischte Grundausbildung für Abiturienten mit einem technischen Ausbildungsanteil von 6 Wochen) und ein paar Nächten in Landsberg kam ich nach Ulm. Wegen Renitenz.

In Ulm wurde ich in ein Ausbildungs-Bataillon gesteckt, das aus dem  „Rekruten-Ausschuss“ der Luftwaffe ordentliche Wachsoldaten machen sollte. Weil ich in meiner Kompanie der einzige Rekrut mit Abitur war, wurde ich als Ausbilder behalten und habe dann fünf Quartale im Stamm der Ausbilder verbracht. Ich hatte jedes Quartal eine Gruppe zu führen und übernahm nebenher weitere Aufgaben wie Kompanie-Unterricht zu halten. So habe ich zum Beispiel Rekruten ohne Schulabschluss erklärt, wie die Demokratie und Grundgesetz der BRD funktionieren und was Begriffe wie Legislative, Judikative und Exekutive bedeuten. Oder die Menschen an der Waffe (G3, P1, wie das Maschinengewehr hieß weiß ich nicht mehr …) geschult.

Aus dieser Zeit eine Anekdote:
Während der Grundausbildungszeit (die ersten drei Monate) war den Rekruten Ausgang nur  in Uniform gestattet. Das galt auch für Heimfahrten am Wochenende. Immerhin durften die nach ein paar Wochen Kasernierung fast jedes zweite Wochenende heimfahren, allerdings musste auch dieser „Ausgang“ in Uniform erfolgen. Die meisten waren gar nicht  begeistert, sich in Uniform in der Öffentlichkeit bewegen und dann in der Heimat so aufzutauchen zu müssen. Auch wenn das unseren Eltern gefallen hat und wir in Uniform ein begehrtes Foto-Motiv waren. So sind auch die beiden Bilder im Artikel entstanden.

Manche der Rekruten waren besonders schlau. Am Ulmer Hauptbahnhof gingen sie in Uniform auf die Toilette – und kamen dann in Zivil heraus. Sie wussten nur nicht, dass die Bundeswehr da Aufpasser (auch in Zivil !) positioniert hatte. Die haben dann die umgezogenen (ungezogenen) Jungsoldaten gleich wieder eingesammelt und in die Kaserne gebracht. Der Wochenend Ausgang war damit weg und fürs Wochenende eins drauf gab es dann auch gleich noch eine Ausgangssperre.

Der „Dienst am Bahnhof“ war überwiegend nicht beliebt. Wahrscheinlich war das ein wenig ähnlich, wie wenn man im Kriegszustand an einem Erschießungskommando teilnehmen musste. Ich konnte mich die restlichen 15 Monate als Ausbilder dann davon drücken.

Beim ersten Ausgang im elterlichen Wohnzimmer.

P.S.1
Impuls zum Artikel
Die Idee für diesen Artikel kam mir anlässlich der aktuellen Diskussion um den Paragrafen 219b und die damit verbundenen Versuche, die Reform des Paragrafen 218 (die den Tatbestand einer immer noch verbotenen Abtreibung unter gewissen Voraussetzungen unter Straffreiheit stellt) in Frage zu stellen. Da habe ich von rechter Seite aus der „bürgerlichen Mitte“ eine Aussage gehört, die sinngemäß ausdrückte, dass „wir ohne Abtreibungen keine ausländischen Gastarbeiter gebraucht hätten“. Diese „Theorie“ hat mich entsetzt und inspiriert, mal zu behaupten, dass „wir ohne Wehrpflicht keinen digitalen Rückstand in Deutschland hätten“.

Roland Dürre
Dienstag, der 27. November 2018

Der CIO

Diesmal Unterstützung nur beim Reifen flicken.

Ich helfe immer gerne Menschen, die einen Job suchen. Dazu habe ich sogar eine kleine „Methode“ entwickelt, ich nenne sie „alternative Bewerbung“:

Gemeinsam entwickeln wir zusammen eine „alternative Bewernbung“. Das ist ein Text, in dem der Jobsuchende offensiv seine Stärken beschreibt und eine kleine Vision aufbereitet, welchen Mehrwert er mit seiner Arbeit fürs Ziel-Unternehmen mit Freude und Mut gerne bringen möchte und könnte. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Nach- und Neudenken und dazu eine kreative Öffnung des Bewerbers.

Sind wir damit fertig, dann nutzen wir die entwickelte Geschichte als Text für die „alternative Bewerbung“. Zusätzlich machen wir vielleicht noch ein kleines Video, in dem Bewerber seine persönliche Ausstrahlung rüberbringt – mit Link im Anschreiben – sozusagen an Stelle des üblichen Fahndungs-Fotos.

🙂 Das alles richten wir individuell auf den Ziel-Job und das anvisierte Unternehmen aus. Mein Gedanke ist, dass es einen Unternehmer am meisten interessiert, was der Bewerber seinem Unternehmen „Gutes tun“ könnte und ob und wie dieser mitdenkt.

Und tatsächlich, in der Regel führt der „alternative Lebenslauf“ dann zeitnah zu Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Die dann natürlich auch wieder gründlich vorbereitet werden müssen. Denn Erfolg kommt halt meistens nicht von nichts.

Oft haben die von mir betreuten Menschen einen wunderbaren klassischen Lebenslauf und in diesem sind dann viele Details auf die übliche klassische Art tabellarisch beschrieben. Da sind die Tätigkeiten und Rollen der letzten Jahre (20 !?) aufgelistet, gespickt mit Lehrgängen, Schulungsmaßnahmen und Zertifikaten. Gut und gewissenhaft gemacht.

Nur sind diese Bewerbungen nicht so erfolgreich. Es hagelt dann absagen, dies wiederum frustiert den armen Bewerber. Das leuchtet mir auch ein, denn wie will man so die eigenen Kompetenz (Wissen + Können) klar machen?

Der „klassische“ Lebenslauf interessiert halt oft niemanden. Deshalb kürzen wir ihn und nehmen in dann nur als Anlage, die belegt, dass es gute Gründe für das zuversichtliche Auftreten in der „alternativen Bewerbung“ gibt.

Oft muss ich den von seiner Erfolglosigkeit am Boden zerstörten Bewerber erst mal wieder aufrichten.

Unter meinen „Schützlingen“ waren auch Frauen, die – nachdem sie sich einige Jahre um die Kinder gekümmert hatten – wieder einsteigen wollten. Und ich muss sagen, wenn wir dann gemeinsam Erfolg haben, ist das Glück oft sehr groß. Und ich freue mich wahnsinnig mit.

Vor kurzem hat mich der Zufall mit einem „echten Hochkaräter“ zusammen gebracht. Der war Geschäftsführer bei einem guten mittelständischem IT-Unternehmen. Dort hatte er dort gekündigt. Der für mich absolut nachvollziehbare Grund war, dass die Eigentümer des Unternehmens dieses verkauft hatten und ihm die Politik und Ziele der neuen Herren aber auch so gar nicht zusagten.

Mutig wie er war hat er gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Jetzt sucht er einen Job als CIO (Chief Information Officer) bei einem guten Mittelständler. Und wurde in meiner Wahrnehmung überrascht, dass das trotz bester formaler Qualifikation gar nicht so einfach war.

Mein Gesprächspartner war ein hochsympathischer Mensch im besten Mannesalter, der auch lauter vernünftige Dinge sagte. In vielen Dingen war er nahezu perfekt. Auch seine Lebensbilanz erschien mir als durchaus erfolgreich. Er hatte auch einen großartigen klassischen Lebenslauf.

Irgendwie gewann ich aber den Eindruck, dass er nicht nur bedruckt sondern auch nicht mehr so ganz auf dem Laufenden war. Besonders wenn es um das Internet ging und die vielleicht durch die Digitalisierung mit verursachte Zeitenwende. Sein eher negative und ziemlich einseitige Beurteilung zu Twitter, das er selber (natürlich) nicht nutzte, war für mich irgendwie bezeichnend.

Nach dem Gespräch habe ich ihn zu seinem Auto gebracht. Und innerlich darauf gewettet, was da für ein Auto stehen würde. Ich habe die Wette gewonnen – es war der größte SUV von Audi, den es wohl so in Europa gibt.

Ich hatte ihm angeboten, dass ich ihn bei seiner Bewerbung unterstützen und mich auch in meinem Netzwerk umsehen würde. Er müsse sich nur bei mir melden.

Das hat er nicht gemacht. Wahrscheinlich hat er es nicht für möglich gehalten, dass ein Radfahrer ihm helfen könnte.

Mir soll’s Recht sein, dann bleibt mir mehr Zeit für andere, die es vielleicht nötiger haben. Und vielleicht hatte ich dem „CIO“ das Buch von Otto Scharmer zur „Methode U“ schenken sollen?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 4. November 2018

Wir ersetzen viele andere.

Hier noch im Freibad Uhg (Fotografieren verboten).

🙂 Hier eine von mir erlebte Geschichte, die ich nicht erfunden habe.

Sie zeigt, wie das heute so geht, mit Mitarbeitern und Geld sparen. Weil es irgendwie peinlich ist, nenne ich die Namen der Beteiligten nicht. Außer dem Unternehmen, dass eine Hauptrolle in der Geschichte spielt. Es ist die Weva. Die Abkürzung steht für Wir ersetzen viele andere“.
Vielleicht sagt das schon alles. Wie es in Wikipedia steht: Nomen est Omen.

Jetzt aber zur Geschichte …


Ich versuche regelmäßig schwimmen zu gehen. In den Sommermonaten gehe ich dazu in das Freibad. Das schaffe ich im Sommer fast täglich, wenn ich in der Gegend bin. Ich kauf mir da immer bei der Gemeinde Unterhaching eine Saisonkarte und genieße das Bad sehr.

In den kalten Monaten von Mitte September bis Mai gehe ich in ein öffentliches Hallenbad, das privatisiert wurde. Als privates Hallenbad muss dort offensichtlich an allen Ecken und Enden gespart werden. Aber ich bin froh, dass es dies noch gibt.

Obwohl ich den Eintritt nicht als so ganz billig empfinde, bin ich ganz zufrieden. Über manche Mängel schau ich einfach hinweg und schaff es so auch im Winter ein paar mal die Woche zum Schwimmen zu gehen. Ich bin ja so froh, dass es in Radfahr-Nähe zu meinem Zuhause noch ein Hallenbad gibt.

In diesem Hallenbad herrschen strenge Regeln. So darf man sich auch am Waschbecken nicht rasieren. Ich habe das mal gemacht – damals noch unwissend – und bin dann freundlich aber konsequent von der Dame, die regelmäßig dort für die Sauberkeit gesorgt hat, auf das Verbot hingewiesen worden. Welches aus „hygenischen Gründen“ da wäre. Obwohl ich das Verbot nicht nachvollziehen kann habe ich mich seither daran gehalten. Weil es in den AGB tatsächlich so drin steht.

Das hat sich geändert. Seit einiger Zeit erlebe ich, dass die Mitarbeiter des Schwimmbades, die für die Sauberkeit sorgen, durch einen Dienstleister ersetzt worden sind. Die das Bad reinigenden Menschen tragen jetzt blaue Polos mit der Aufschrift „WEVA – wir ersetzen viele andere“. Dieser Schriftzug kommt mir immer wie eine Drohung vor.

Einmal ist mir folgendes passiert. Nach dem Frühschwimmen schnaufe ich noch im Foyer aus und schau auf dem Smartphone nach, was in meiner Abwesenheit in der Welt so passiert ist. Das Foyer ist leer, ich sitze am Rand und ein Mann im WEVA-Polo saugt das Foyer. Ganz systematisch auf und ab, von links nach rechts. Ohne Lärm. Bald hat er die Hälfte geschafft. Ich bin dabei, meine Meinung über das Unternehmen, das sich WEVA nennt, ein wenig revidieren, so im Sinne von „Respekt – zumindest setzen sie leise Staubsauger ein“.

Da werde ich abrupt aus meinen Gedanken gerissen. Eine Frau – auch im blauen WEVA-Shirt – erscheint auf der Bühne und redet ziemlich laut in einer mir nicht verständlichen Sprache auf den staubsaugenden Kollegen ein. Anscheinend versteht er sie auch nicht. So beginnt sie zu gestikulieren. Da das auch nicht hilft, nimmt sie den Stecker des Staubsaugers, der an diesem baumelt, rollt das Kabel ab und steckt den Stecker in die nächste Steckdose ein. Und schaltet den Staubsauger ein. Mit einer abfälligen Geste hin zu dem staubsaugenden Mann verlässt sie den Raum.

Jetzt wird es doch laut – nichts mit „leiser Staubsauger“. Der staubsaugende Kollege setzt seine Arbeit ungestört an der Stelle fort, an der er beim Arbeiten unterbrochen wurde. Und ich fliehe aus dem Vorraum zu meinem Fahrrad.

Insgesamt scheint mir die Sauberkeit im Schwimmbad sich in letzter Zeit nicht verbessert zu haben, eher im Gegenteil. Ich nörgel nicht, es ist immer noch erträglich. Und ich will ja auch nicht zu pingelig sein und freue mich, dass die Bademeister*Innen in kritischen Fällen aufpassen und die kleinen Mängel beheben.

Allerdings meine ich, dass wenn ich micht jetzt mal wieder rasieren sollte, ich keine Sorge haben muss, dass ich wieder ermahnt werde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reinigungskräfte von WEVA die AGB’s kennen und/oder mir meinen Verstoß in einer mir verständlichen Sprache rückmelden werden.

🙂 So hat alles seine Vorteil- und Nachteile.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 29. Oktober 2018

Sugar Coating (Unternehmertagebuch #126)

Letzte Woche habe ich ein neues Wort gelernt – sugar coating.

Nach dem Motto „Der Kicker im Büro macht noch kein #newwork“.

Dass in unserem sozialen Leben wie in unserer Arbeitswelt die Transparenz des Unternehmens wie die Partizipation der relevanten Stakeholder (Mitarbeiter) am Unternehmen von hoher Bedeutung sind, ist für mich klar.

„Sugar coating“ als Teil von „culture engineering“?

Für mich sind Unternehmen soziale Systeme, in denen Menschen in verschiedenen Rollen für einen wirtschaftlichen Zweck zusammen wirken – nämlich um der Gesellschaft Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die einen Nutzen bringen. So wie es die bayerische Verfassung fordert.

Unternehmen sind eben keine Maschinen, die vom „Management“ und dessen Systemagenten mechanisch gesteuert werden, die versuchen, den Input zu minimieren und den Output zu maximieren, sondern sie bestehen zuallererst aus Menschen und sind für die Menschen (Mitarbeiter und Kunden) da.

Ein tolles Team – InterFace Connection GmbH 1986 beim Feiern.

Das ist absolut wichtig. So wie ich auch Werte wie Wertschätzung, Respekt und allgemein Achtsamkeit im Umgang miteinander für jede Unternehmenskultur für absolut relevant halte. #newwork braucht gewaltlose Kommunikation genauso wie Zivilcourage und konstruktiver Ungehorsam. Die Elite des Unternehmens darf nicht als Systemagenten wirken sondern müssen vor allem als Coaches inspirieren und Impulse geben. Und die große Mehrheit eines Unternehmens muss die formulierten Werte auch versuchen (und möglichst in der Lage sein) zu leben.

Das alles sind für mich Voraussetzungen und die Basis von #newwork.

Gerade in meiner Branche entdecke ich aber immer mehr Unternehmen, die sich selber „puderzuckern“. Die sich trotzdem mit ihren Regeln eher am Rande der in Deutschland arbeits-rechtlichen Gesetze bewegen. Und ihre Abläufe und Prozesse wie das gesamte System mit absoluter Priorität auf Profit trimmen. Für die „Betriebsgesundheits Management“ (BGM) eigentlich nur eine Investition ist, die den Krankheitsstand senken soll. Für die moderne Arbeitswelten vor allem geschaffen werden, um an der Büromiete zu sparen. Und die sich selbst mit einem Zuckerguss von tollem design und life style dekorieren, um ihre Mitarbeiter zu begeistern.

Wenn #newwork wirksam werden soll, dann darf es nicht Teil eines strategisch geplanten und von Human Resource gesteuerten „enterprise culture engineering“ sein sondern muss von allen Mitarbeitern gelebt werden – aus intrinsischer Motivation.

Das meine ich aus eigener Erfahrung wie aus der Beobachtung vieler Unternehmen seit Jahrzehnten.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Mittwoch, der 3. Oktober 2018

BUSINESS Visualisierung

DAS Buch von
Botta/Reinold/Schloss

Unter diesem harmlosen Titel verbirgt sich ein wirklich aufregendes Sachbuch. Ich würde sagen für Menschen im Alter von 6 bis 90 Jahre, die im Leben mehr Freude und Erfolg haben wollen.

Der Untertitel
Ein Reiseführer für Neugierige und Visionäre
weist dann schon ein wenig darauf hin, dass es ein besonderes Buch ist.

Besonders? Ich habe es gelesen und würde es als revolutionär bezeichnen. Es handelt von einer Reise in eine neue Welt, die ich sehr liebe und schätze. Das ist eine Welt der kreativen und wertschätzenden Kommunikation und des „Zusammens“! Und führt in eine Welt, die sich auch weiter immer noch verändert und erweitert.

Das Buch liest man eigentlich nicht sondern man erfühlt es sich. Spannend und humorvoll wird die Reise einer jungen Dame namens Barbara (Babs) ins agile Abenteuer beschrieben. Diese führt sie durch die Welt moderner Kommunikation, die beim Zuhören und Verstehen anfängt und den Kreis über das Kreative bis hin zum Dokumentieren der Ergebnisse schließt.

Für mich ist ganz klar – die Kommunikation ist die Basis von „sozialen Systems“ jeder Art. Und Kommunikation gelingt besser, wenn wir neue Formate nutzen (die zum Teil ja uralt sind). Dazu gehören auch die Nutzung von Bildern und Haptik – als Teil einer neuen, mir sehr sympathischen Geisteshaltung.

In meinem Wirken werde ich immer wieder überrascht, wie viele Menschen von den stattfindenden „agilem Wandel“ einfach ignorieren oder von ihm fast überrollt werden. Das Buch als gemeinsames Werk Botta, Reinold und Schloß könnte für Nichtkenner oder Verweigerer dieses „Neulands“ ein solider Einstieg sein. Aber auch der „erfahrene Agilist“ findet einiges an Neuem darin.

Ich kann Euch versichern, dass dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt. Es gehört nicht zu den Schinken, bei denen nach den ersten 50 Seiten die Botschaft klar ist und diese dann noch auf ein paar 100 Seiten verkünstelt und langweilig wiederholt begründet wird. Nein – hier kommt auf jeder Seite etwas Neues. Es bleibt immer humorvoll, der Lesespaß hört nicht auf.

Von den Autoren würde ich mir nur wünschen, dass sie weitere Büchern zu weiteren Reise schreiben, denn die wundervolle Welt moderner Kommunikation ist groß. Im Buch ist wirklich sehr viel davon drin – aber natürlich nicht alles. So könnte die Barbara (Heldin im Buch und im Leben Inspiratorin der Autoren) uns noch auf weitere tolle Reisen mitnehmen.

Das wäre schön. Aber die erste Reise empfehle ich schon mal ganz sehr! Für Unternehmer und (Projekt) Manager ist das Buch eine Pflichtlektüre.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 24. September 2018

Disruptive Technologien & Zukunftsangst

Angst vor IT?

Haben Sie Angst vor sich beschleunigender Veränderung und wachsender Komplexität? Und Sehnsucht nach Buzzwords wie agil, resilient, antifragil?

Beides war mir fremd. Den Wandel empfand ich nicht so aufregend und die vielen Buzzwords habe ich als normales Ergebnis der Zunahme von unverantwortetem Geschwätz in unserer Zeit gesehen.

Weil ich meinte, dass wir auch heute nichts anderes erleben, als den ganz normalen technologischen Fortschritt. Der natürlich schon immer Welt und Gesellschaft rasant und massiv verändert hat. Man denke nur an die Zeit von 1918 bis 1938! 20 Jahre, in den es so richtig abging.

Und auch auf die damalige Zeit kann man treffend die Überlegung von Bertrand Russell anwenden:


» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «


Denn das hat wohl auch damals nicht funktioniert.

Mindestens drei technologische Dimensionen sind herausragend und besonders aufregend.

  • Nicht mehr Mensch-Maschine sondern Welt-Maschine (Sensoren).
  • Totale Vernetzung der Maschinen (IoT).
  • Lernende System auf der Basis (künstliche Intelligenz).

Das könnte einiges an Veränderung toppen! Denn die Maschinen werden exponentiell intelligenter, weltweit vernetzt und brauchen den Menschen als Mittler zur Welt nicht mehr.

Zusammen dürfte das unsere Welt und Gesellschaft vielleicht genauso heftig (oder noch heftiger) verändern wie es der Siegeszug der „individuellem Mobilität basierend auf Verbrennungsmotoren“ getan hat. Und wenn ich daran denke, dann bin auch ich kurz davor, Angst zu bekommen. Weil der „Siegeszug des Autos wirklich heftige Folgen hatte und das Glück der Menschen wohl wesentlich geschmälert hat.

Da bleibt mir nur die Hoffnung, dass die Menschen genauso schnell weiser werden wird wie siche der „technische Fortschritt“ beschleunigt.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 15. September 2018

Manifest des Lebens

Manifeste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, zum Beispiel das Manifest zur neuen Arbeit als Bekenntnis von Microsoft (!) zu #newwork.

Inspiriert von #PMCampBER und schönen Gesprächen der letzen Tage habe ich ein Manifest des Lebens entworfen. Natürlich stand bei mir das agile manifesto (diesmal der Link zur englischen Version) Pate.

Mein Vorschlag für ein Manifest des Lebens würde so aussehen:


 

Manifest für Leben

Wir suchen nach Werten, die uns ermöglichen, in Freude und mutig leben zu können
und versuchen diese für uns selbst und im Zusammensein mit Anderen zu leben.
Auf dieser Suche haben wir diese Geisteshaltung schätzen gelernt:

  • Eigenverantwortung und Selbstorganisation vor Fremdsteuerung und Unmündigkeit!
  • Werte und Haltung vor Moral und Dogmen!
  • Liebe und Friede vor Hass und Krieg!
  • Freiheit und Verzicht vor Unterdrückung und Verschwendung!
  • Vertrauen und Transparenz vor Misstrauen und Geheimhaltung!

Unterzeichner


 

Jetzt fehlen mir nur noch ein paar Mitdenker und Unterzeichner!?
(Verbesserungsvorschläge sind willkommen)

RMD

P.S.
Dr. Marcus Raitner hat vor kurzem von den 10 Thesen von Google für „Gute Führung“ berichtet. Könnte eine gute Basis für ein „Manifest zu Führung“ sein.

Hans Bonfigt
Samstag, der 26. Mai 2018

Moderne Zeiten

Bekenntnisse eines ewiggestrigen Rassisten

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir gehen schale Witzchen über den BER auf die Nerven.
Ein schwuler Bürgermeister, eine peinliche Truppe SED-Aktivisten und ein heruntergekommener Restbestand „Sozialdemokraten“ haben sich an einem Flughafenrojekt versucht.  Das MUSSTE schiefgehen.

Nun könnte man sagen, „Berlin ist halt nun einmal Berlin, hier haben kriminelle Veruntreuung von Steuergeldern und schwachsinnige Verordnugen, die stets das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist, eine jahrzehntealte Tradition“.

Doch aus der Sicht eines Experten für Datenverarbeitung muß ich leider immer wieder feststellen:

BER ist überall. Sogar im schönen Bayern.

Denn junge, unerfahrene Menschen basteln sich Umgebungen zusammen, die immer komplexer werden und selbst von guten Administratoren nicht mehr beherrscht werden können. Gleichzeitig wird der verspielte Klapperatismus immer schwerfälliger und undeterministischer in seiner Antwortszeit — gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit gegen Angriffe erheblich.
Was ist da eigentlich passiert ?

1. Was der Bauer nicht kennt…

Von Larry Ellison stammt das schöne Bonmot, „Ich würde meinen Kindern eher Drogen geben als DOS“.
Wohl wahr. Aber auch an unseren höheren Schulen werden unsere Kinder ausschließlich mit der kranken, kaputten PC-Architektur konfrontiert – privat sowieso.
Die Folge: Später, im Beruf, setzen unsere „alternativlosen“ Jungspunde das einzige System ein, was sie kennen. Und das ist ein Kretin aus kaputter Hardware und vermurkster Software.
– Das führt zwangsweise zu einer „Monokultur“ mit allen damit verbundenen Nachteilen,
– insbesondere einer fatalen Störanfälligkeit.
– Sinnvolle Alternativen verschwinden vom Markt,
– fatale Abhängigleiten entstehen.
Spätestens seit „Spectre“ und „Meltdown“ muß eigentlich jedermann klar sein: INTEL-basierte Systeme sind außer für Daddelspiele zu nichts zu gebrauchen. Ihr Einsatz ist grob fahrlässig.
„Windows“ und „Office“ telephonieren etwa 20 Mal „nach Hause“, wenn man nur ein einziges „Word“-Dokument öffnet. Über die fatalen Lücken in „Microsoft Outlook“ zu berichten, wäre müßig.
Solche Systeme professionell zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu nutzen, ist schlichtweg illegal – das weiß auch die Bundesregierung.  Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Transportwesen haben wir die unterschiedlichsten Systeme zur Wahl, aus gutem Grund: Denn ob Kreuzfahrtschiff, Motorrad, A380, Traktor, Schnellzug oder Tieflader: Sie haben alle ihre spezielle Eignung. Bloß in der „IT“ – da arbeitet alles mit den über die Jahre immer wieder marginal aufgerüsteten DOS-Kisten. Ja, selbst die modernsten „Server“, in Wirklichkeit aufgebohrte PCs, booten noch mit „DOS“ – Bordmitteln.
Das war füher anders: Man hatte die „Mainframes“ für hochverfügbare, hochsichere und hochzuverlässige Massendatenverarbeitung, typischerweise im Verbund mit einer Datenbank. Programmiert wurden diese in Sprachen, die einen Programmierer nicht überfordern und es vor allen Dingen ermöglichen, daß mehrere Programmierer konfliktfrei an einem Programm oder Projekt arbeiten können.
Die Bedienung und Dateneingabe erfolgt ergonomisch OHNE Maus, man benötigt unterdessen eine gewisse Einarbeitungszeit. Allerdings ist man nach dieser um Größenordnungen schneller als ein Mausschubser.

Es gab integrierte „Mini-Computer“ für kleinere bis mittelgroße Unternehmen.

Es gab leistungsfähige technische Rechner für Prozeßsimulation, Konstruktion, Bild- und Tonbearbeitung. Diese Systeme verfügten, weitaus früher als beispielsweise Apple oder Microsoft, über eine professionelle Graphik, die bis heute unerreicht ist: Denn das X-Window – System unter UNIX verteilt Programmhaltung, Programmausführung und graphische Benutzerschnittstellen auf unterschiedliche Systeme. So können hunderte Anwender einen Hochleistungsrechner gemeinsam und gleichzeitig nutzen!
Nur zum Vergleich: Unter „Windows“ gibt es so etwas nicht und deshalb will die Münchner Stadtverwaltung wieder einen Intensiv-Oatienten „nach gängigen Standards“ unter jeden Sachbearbeiterschreibtisch stellen.

Es gab spezielle Rechner zum Steuern von Maschinen und Anlagen, die neben erweiterten physikalischen Bedingungen nuch dem Umstand Rechnung trugen, daß spezielle Hardwarefunktionen benötigt wurden, beispielsweise hochauflösende Timer, Pulsweitenmodulatoren, D/A – Wandler etc..

Tja, und es gibt den „PC“ zur Bespaßung „moderner“ Konsumenten: Papi guckt sich Pornos an, der Sohnemann erfreut sich mit dem neuesten „EGO-Shooter“ und knallt Feinde ab, die Tochter postet kompromittierende Bilder ihrer aktuellen Todfeindin auf „Facebook“ und Mami kann jetzt endlich im „Wiki“ nachgucken, was ein „Narrativ“ ist, man will ja schließlich mitreden können.
Der PC bietet also für jeden etwas — und ist damit genau so effektiv und hilfreich wie ein „Schweizer Taschenmesser“: Kann alles, aber nix ansatzweise richtig.
Der PC aber hat uns dominiert. Das blanke Mittelmaß hat uns dominiert.

2. Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß

Der Manager Hans-Jürgen Esser, für mich über Jahrzehnte ein väterlicher Ratgeber, fuhr einmal vor etwa 25 Jahren mit mir als Beifahrer zufällig hinter seinem Chef her.  Hier trafen zwei Fahrstile aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, und so entspann sich folgender Monolog:
„Ah, sehen Sie: Das ist unser Hansi. Also, un-glaublich! Sehen Sie bloß, wie er um die Kurve schlabbert … und hier: Er ordnet sich gar nicht ein, fährt einfach in der Mitte, und so entscheidungsschwach wie auf der Straße ist er auch in seinem Job: Bloß niemendem wehtun, immer schön die goldene Mitte … Hansi ist kein Unternehmer, er ist ein UNTERLASSER !
Der könnte nie mein Freund sein. Und das sage ich Ihnen, mit schlechten Menschen kann ich gut umgehen, verdammtnochmal, ich bin ja selber schlecht, mit guten Menschen ja sowieso, ABER JENEN, DIE GANZ LEISE SCHLEICHEN, DEN MUSST DU AUS DEM WEGE WEICHEN.
Warten Sie, [fährt auf gefühlt 25 cm auf], GLEICH SCHIEBE ICH IHN AN !“
Ich muß dazu sagen, der Chef war immer frendlich zu mir, fand nie ein böses oder ein gutes Wort für mich oder irgendeinen anderen, war stets indifferent. Man muß ihm allerdings zugutehalten, daß er seinem schärfsten Kritiker die operative Leitung seines Unternehmens überließ. Und das gelang jenem mit Glanzbravour. Denn H.J. Esser war das Gegenteil der Mittelmäßigkeit.

Damit der Roland nicht der einzige hier bleibt, der Rupert Lay zitiert:

 Nicht der Bösewacht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn 
 man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen
 unserer Zeit betrachtet oder gar aufzuzeichnen versucht. Schon 
 Platons Vermutung, daß die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaßes
 bedeute, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme 
 in Europa nach 1948 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform 
 umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir verabsäumt - und so 
 beherrschen uns in Politik und Wirtschaft, im Sozialen (etwa den
 Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa den Kirchen) das Mittelmaß.
 Wie aber mag es dazu kommen, daß in demokratisch organisierten Sy-
 stemen die Herrschaft des Mittelmaßes tendenziell wenigstens unaus-
 weichlich ist ? Es handelt sich hier wieder einmal um die normative
 Kraft des Faktischen. Und das Faktische demokratischer Systeme ist
 der Kompromiß. Kompromißbildungen sind aber nun einmal die Konflikt-
 lösungsstrategien des Mittelmaßes. 

Quelle: Rupert Lay, Weisheit für Unweise (Hervorhebung von mir)

Lay indes ist ganz und gar kein Antidemokrat, aber Lay verachtet Demokratismus.

Warum ?

Demokratie – Demokratismus – Demokratur – Diktatur.

Die Diktatur des Mittelmaßes nennt sich übrigens heute „Shitstorm“.

Im Rahmen eines Fernsehinterviews wurde der geniale österreichische Verbrecher Udo Proksch einmal gefragt, „Herr Proksch, wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten – was würden Sie bei einer Fee bestellen ?“ — und jener antwortete, ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken:
Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals !

Heiko Mittelmaaß diene als Warnung, wie fatal sich Mittelmäßigkeit in der Politik auswirken kann – bei der Konzeption technischer Systeme unterdessen sind faule Kompromisse, und nichts anderes ist das Ergebnis des Mittelmaßes, fatal und führen schnurstracks zu BER.

3. „Best Practice“

Früher hat man sich Gedanken gemacht, „optimiere ich hinsichlich Leistung, Stabilität, Ressourcenverbrauch, Modularität, Salierbarkeit“, um wichtige Entwicklugsziele zu benennen.  Und in der Tat ergaben sich höchst unterschiedliche Entwürfe. Die Kunst war, mögliche Zielkonflikte zu vermeiden oder — na, wie heißt das heute im Idiotensprech? „mitigieren“.

Heute interessiert das niemanden mehr. Es wird das gemacht, was alle anderen Idioten auch machen.  Statt „Best Effort“ ist heute die „Best Practice“ das Gebot der Stunde.

4. Wirrtualisierung

Die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib dauert bekanntlich neun Monate. Wenn man diese Zeit verkürzen will, ist es evident sinnlos, gleich 9 Frauen zu schwängern. Man erhält zwar „statistisch“ pro Monat ein Kind, aber jedes Kind benötigt minimal neun Monate.

Um einen schwachbrüstigen „PC“ im Servergewand also zu beschleunigen, ist das „Clustering“ vieler Einzelserver womöglich nicht dazu geeignet, einen Prozeß zu verbessern. Klar, wird man entgegnen können, „viele Teilprozesse können heutzutage parallelisiert werden“, aber dummerweise gibt es immer wieder Punkte, an denen Teilprozesse aufeinander warten müssen – allerspätstens dann, wenn auf eine gemeinsam genutzte Ressource schreibend zugegriffen wird.

Die Wirklichkeit unterdessen ist grausamer und schlimmer:

„Clustering“ geht aus administrativen Gründen fast immer einher mit „Virtualisierung“.

Heutzutage entfällt der Hauptteil der Ein- und Ausgabelast eines Servers so gut wie immer auf die Netzwerkschnittstellen. Eine „virtuelle“ Netzwerkschnittstelle kann man jedoch nicht in einen „echten“ Switch stecken. Es muß also mindestens ein „virtueller Switch“her. Der „virtuelle Switch“ simuliert einen „echten“ Switch unter Zuhilfenahme einer Wald- und Wiesen – Universal-CPU. Und so kommt es, daß die „virtuellen Switches“ in Superclustern eines Servicerechenzentrums deutlich langsamer sind als absolut billige Amateurgeräte aus dem Aldi !  Denn schon die billigsten Konsumentengeräte verfügen über Hardwareunterstützung und können alle Ports simultan bedienen !

Apropos Hardwareunterstützung: „Virtuelle“ Netzwerkkarten entlasten den TCP/IP – Stack nicht von zeitaufwendigen Operationen.
Jedes Datenpaket muß, wieder von einer Wald- und Wiesen-CPU, aufwendig mehrfach ineinander verschachtelt, verpackt werden. Nun werden Sie sagen, „dann opfere ich halt zwei CPUs dafür“. Die CPUs aber arbeiten im Hauptspeicher und invalidieren („trashen“) den Cache, wodurch ALLE anderen Prozesse ausgebremst werden. Hinzu kommen, für den Profi, pro Paket in jede Richtung DREI Kernel/Userspace – Übergänge. Und jeder kostet nicht nur CPU-Zeit, sodern verlangsamt ein System durch (bei Taskwechsel notwendige) Locking-Mechanismen.
Aus technischen Gründen mußte ich am letzten Wochenende einen „virtuellen“ Server mit viel Netzlast durch einen „realen“ Server ersetzen. Es war ein Notfall; wir mußten das nehmen, was wir kriegen konnten — und das war ein schedderiger, alter „Windows 95“- PC mit Originalhardware. Eine zweite Netzwerkkarte mit stolzen 100 MBit/s war auch schnell gefunden und der Transfer auf eine gammelige IDE-Platte klappte ebenfalls prima.
Ich hatte die größte Befürchtung, eine erbärmliche Performance abzuliefern, aber am Montagmorgen kam eine Dame zu mir: „Was haben Sie gemacht ? SO SCHNELL lief unser Frontoffice-System noch nie !
Der zuvor eingesetzte Server war ein HP DL380 Gen.6, mithin also ein veritables Schwergewicht in der PC-Welt, mit allem, was die „Entwicklung“ zu bieten hatte.  Die Virtualisierung aber degradierte das System zu einer peinlich-lahmen Ente, die von einem „Pentium 5“ mit 512 MB Hauptspeicher gnadenlos deklassiert wurde.   Wohlgemerkt: Mit der gleichen Software, dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Einsatzbedingungen.
Eigentlich wußte ich immer schon, daß Wirrtualisierung im allgemeinen und „VMWare“, die Küchenschabe unter den Virtualisierungs-lösungen im speziellen, ausgemachte Performancebremsen sind — daß es aber so schlimm steht, das hätte ich nicht geahnt.
Aber auch ich habe mich in Sachen Performance zusehr an Mittelmäßigkeit gewöhnt.

5. Besen, Besen, sei’s gewesen …

Miese Leistung ist ja heutzutage „Standard“. Aber mit der „Virtualisierung“ kauft man sich einen Verwaltungsaufwand ein, der einem buchstäblich den Atem raubt:

Jeder normal denkende Mensch würde ja erwarten, daß man ein System von außen direkt administrieren kann — aber weit gefehlt bei Platzhirschen wie „VMWare“ und IBM.

Ich gehe einmal auf die abstruseste, hirnverbrannteste Variante ein, die IBM sich nicht schämt, seinen Benutzern zuzumuten:

– Zur Steuerung eines aktuellen IBM POWER – Servers ist jetzt eine alberne „Hardware Management Console“ notwendig, ein unzuverlässiger Havarist auf der Basis von „Nürnberger Windows“ („SuSE“). Diese besticht vor allem dadurch, daß sie gerne einmal ungefragt und unerwartet die NUMA-Konfiguration des verwalteten Rechners durcheinanderwürfelt, was allerdings nicht weiter schlimm ist, denn die Idioten, die eine „HMC“ benutzen, sind generell merkbefreit.

– Aber: Neuerdings braucht man ZWEI DAVON, und, dreimal dürfen Sie raten, die installiert man dann: RICHTIG, auf einer „VMWare“ – Wirrtualisierungsumgebung.

– Nur: Auf diese Verwaltungsumgebung kann man nicht zugreifen, es braucht noch ein „Windows 10“ mit „Flash“ und allen Multimedia – Uappetitlichkeiten an Bord, um via „Vschmier“ – Konsole auf den Server zuzugreifen, der wiederum das Verwaltungsprogramm beherbergt, das den eigentlichen Serer verwalten soll, der die einzelnen Serverinstanzen verwaltet.

Wir reden also von einer Verwaltung der Verwaltungsinstanz der Verwaltung einer Verwaltung. Ein größerer Schwachsinn ist für mich bislang nicht denkbar gewesen.
Es sind mindestens fünf(!) unterschiedliche Betriebssysteme beteiligt, mindestens zwei unterschiedliche Rechnerarchitekturen und unzählige Netzwerkschnittstellen.

Wer so etwas bei einem Kunden produktiv installiert, ist für mich ein krimineller Idiot.

6. Des Kaisers neue Kleider …

Der typische „IT-Admin“ ist in seiner Mittelmäßigkeit gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Er läßt sich jeden, aber auch wirklich JEDEN Schwachsinn als „innovatives Feature“ andrehen. Und traut sich nicht, STOP! zu sagen, um nicht vor seinen Kollegen als unwissend dazustehen. So kommt es, daß alle mit ihrer primären Arbeitsumgebung hoffnungslos überfordert sind und die Kernaufgabe der Abteilung darin besteht, sich Begründungen für das jeweils aktuelle Versagen im eigenen Projekt auszudenken – zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, das.

Man soll ja eine Betrachtung immer mit einem positiven Aspekt abschließen — kein Problem für mich, bitteseher:  Die modernen IT-Lakaien, durch faule Kompromisse kompromittiert,  durch „soziale Medien“ in Watte gepackt, ohne Ziel, ohne Verantwortung, ohne Achtung vor den Leistungen anderer und schon gar nicht vor der eigenen —

erst im Formulieren ihres eigenen Unvermögens sind sie dann ganz große Klasse !

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Mai 2018

Warum die DSGVO absolut in die falsche Richtung geht.

Roland als Insel-Philosoph mit (sauberer) Wäsche in Sifnos (Kykladen, Griechenland).

Eine philosophische Betrachtung.

Weil die #DSGVO morgen (am 25. Mai 2018) wirksam wird. Wie ich meine, kein guter Tag.

Meine These:

Wir denken zu viel an Eigentum und zu wenig in Allmende.

Wir streben ausschließlich nach Besitz.

Obwohl gemeinsames soziales Leben, Erleben und Überleben auf der Agenda stehen müsste.

Hier ein paar Begründungen:

  • 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt.
  • Wieso ist es selbstverständlich, dass Menschen („natürliche Personen“) beliebig Grund und Boden in Besitz nehmen (kaufen) und als Eigentum haben und vererben können?
  • Wieso darf jeder ein Auto besitzen (das selbstredend beträchtlichen Schaden am Gemeinwohl verursacht)? Oder eine Yacht? Oder ein Schloß? Oder Ländereien? Oder eine Insel im Meer?
  • Wieso können große soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel (Unternehmen genannt) komplett einem (oder wenigen) Menschen oder wiederum anderen Unternehmen „gehören“? Dies vernetzt bis zur totalen Intransparenz?>

Diese und ähnliche Fragen kann ich beliebig fortsetzen. Irgend etwas ist faul mit dem Recht an Eigentum. Wir brauchen eine neue Geisteshaltung zu EIGENTUM!

Heute wird in den zivilisierten Ländern eine „Tugend“ gelebt – die  sich „Besitzstandwahrung“ nennt.

Unser Grundrecht Nummer Eins: Das Wahren von Besitzstand!

Dass Menschen, die laut Gesetz „natürliche Personen“ sind, über ein Eigentumsrecht verfügen wollen und auch sollen, das verstehe ich – und wünsche ich mir für mich persönlich ja auch.

Aber das muss doch sinnvoll begrenzt sein, wenn die Welt funktionieren soll. Nur so werden wir in Frieden, ohne Krieg und Unterdrückung, mit Menschenwürde für alle, in gegenseitigem Respekt und in Liebe leben können!

Und jetzt institutionalisieren wir neben dem Eigentum an Dingen, Ideen und Gedanken auch noch ein „Eigentum an unseren Daten“. Also: Spinnen wir oder sind wir noch bei Trost? Wir wissen nicht einmal, was immer das sein mag (unsere Daten), aber wird sind mal wieder mal motiviert, weil wir Angst haben. So manifestieren wir unseren Eigentums- und Besitz-Wahn weiter. Dabei sollten wir versuchen, ihn Schritt für Schritt zu therapieren.

Und es stellen sich weitere Fragen:
Warum haben „natürliche und juristische Personen“ die selben Eigentums-Rechte?

„Juristische Personen“ wie Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, limited company usw. – im französischen übrigens treffend als „société anonyme“ bezeichnet – haben mehr oder weniger die selben Rechte an Eigentum wie die „natürlichen Personen“. Das habe ich noch nie verstanden.

Stirbt eine „natürlichen Person“ kommt als Problem das „Vererben“ dazu. Es verstärkt die Polarisierung von „arm und reich“. Dieses zu lösen, gelingt unserer Gesellschaft nicht, obwohl ich hier schon eine Reihe guter Vorschläge gehört habe (den wesentlichen Teil des Erbes an „ALLE“ verteilen oder für die Finanzierung eines BGEs zu verwenden).

„Juristische Personen“ können ein langes Leben haben und ihr Eigentum beliebig mehren. Erschwerend kommt dazu, dass Eigentum sich in der Regel von selbst vermehrt. Ihr Eigentum macht sie immer mächtiger und ihre Macht immer reicher. Sie sterben keines natürlichen Todes, können allerdings Insolvenz gehen (if not to big to fail ?). Was passiert bei Insolvenz? Auch im modernisierten Insolvenz-Recht steht der Gläubigerschutz  (Schutz des Eigentums der Gläubiger) immer noch vor dem Erhalt des Unternehmens. Was gerade kleinen Unternehmen oft zum Verhängnis wird und den großen dann nutzt.

Welche Arten von Eigentum gibt es denn überhaupt?

Zuerst mal haben wir ein Eigentum an Dingen. Das ist nach meiner Meinung nur dann in Ordnung, wenn die Dinge nicht aus dem (Be-)Reich der Allmende sind und die konkrete Eigentumssituation das Gemeinwohl nicht schädigt.

Schwieriger wird es schon beim geistigem Eigentum und beim Eigentum an Rechten.

Wieso können die genauso so vererbt werden wie dingliches Eigentum?

Und vor allem:

Kann es wirklich sein, dass jemand, der in einer glücklichen Situation (das richtige Team, die richtige Umgebung, die richtige Inspiration, die richtige Kommunikation, das richtige Talent, die richtige Idee, die glückliche Umsetzung) ein Patent erfunden und erarbeitet hat, dann Jahrzehnte über ein Einkommen verfügt, das es ermöglicht sich jedes Jahr eine oder mehrere Immobilien in Munich City zu kaufen? Das er an seine Erben weitergibt?Macht es Sinn, dass die arme Bestseller-Autorin nach ein paar Jahren zur Milliardärin wird?

Die überhöhten Einkommen und „Werte“ von Fußball-Stars werden oft angeprangert. Auch sie sind nur möglich aufgrund von „Urheber-Rechten“, die massen-medial ausgenutzt werden.

Die irrationalen Vorstandsgehälter begründen sich wohl auch nur auf die mediale Überhöhung der Bosse. Das viele Geld jedoch, dass sie erhalten, wird durch die kollektive Klasse des Unternehmens erarbeitet, also den Menschen, die den Namen des Konzerns vergolden.

Die Leistung eines Künstlers soll natürlich vernünftig entlohnt werden. Und wenn ein großer Künstler arm lebt und stirbt und posthum seine Werke wertvoll werden, ist das natürlich dumm gelaufen.

Aber beruht nicht jedes Werk auf der sozialen Teilhabe vieler Menschen und wird es nicht aus vielen Quellen gespeist. Lebt der Künstler nicht immer von Vorbildern und erlebten Mustern anderer Menschen, die es so mit geschaffen haben? Gilt dies nicht auch für den erfolgreichen Patentinhaber?

Und noch eine Frage:

Wie kann es sein, dass „natürliche“ und „juristische“ Personen die selben Rechte an Eigentum haben?

Ein wesentlicher „Strickfehler“ unserer gesellschaftlichen Ideologie scheint mir zu sein, dass das Recht an geistigem Eigentum im selben Maß „juristischen Personen“ zugebilligt wird wie „natürlichen“? Sollte die Musik eines Bob Marley oder der Beatles nicht den Menschen dieser Welt gehören und nicht Konzernen, die diese Rechte „erworben haben“ und maximal ausbeuten.

Gilt dies nicht auch für die Theaterstücke von Bert Brecht? Sind die Verjährungs-Zeiten der Walt-Disney-Gesetze, (die so heißen, weil sie auf Betreiben des gleichnamigen Konzerns mehrfach verlängert wurden), nicht viel zu lang?

Und jetzt gibt es auch noch ein Eigentum an den Daten? Wie pervers ist denn das?

Ich bin der Meinung, dass wir
Keinen Datenschutz brauchen sondern eine Pflicht zur Transparenz!

Ich würde mir wünschen, dass „juristische Personen“ alle ihre Daten veröffentlichen müssen. Diese sollten absolut transparent sein!

Und die Instanzen, die Geheimhaltung brauchen, um uns zu unterdrücken und zu manipulieren, sollten wir abschaffen. So sollte der „whistelblower“ ausgezeichnet und der Geheimniskrämer zu Rechenschaft gezogen werden (wie in meiner Denke auch der Deserteur der Held ist aber nicht der „loyale Soldat, der für die „gute Sache“ bereit ist zu töten)!

Wenn ich die Menschen frage, warum sie für Datenschutz sind, höre ich überwiegend drei Arten von Begründungen:

  • Die Menschen fürchten die staatliche Überwachung und Kontrolle
  • Sie haben Angst vor noch schlimmerer Manipulation durch Marketing zum Beispiel der großen Konzerne.
  • Sie fürchten gesellschaftliche Diffamierung und soziale Ausgrenzung.

Überwachung und Kontrolle finden eh statt, weil für Geheimdienste und Verfassungsschutz die DSGVO nicht gilt (auch nicht gelten kann). Durch die aktuelle Beschneidung der Grundrechte wird dies auch zugunsten anderer Institutionen immer weiter ausgehebelt.

Die Manipulation findet im Marketing jetzt schon statt. Wäre es da nicht sinnvoller die grenzenlose Zügellosigkeit im Marketing radikal einzuschränken als ein für diesen Zweck mehr oder weniger wirkungsloses Datenschutzgesetz zu machen?

Und wäre es nicht besser, die großen Konzerne, die mittlerweile ja Basis-Bedürfnisse befriedigen zu zerlegen und als dezentrale Unternehmen nach den Regeln der Gemeinwohl-Ökonomie neu aufzusetzen. Bei globalen Aufgaben gerne in einem globalen Verbund, aber bitte ohne Wachstumswahn und „share-holder-value“-Anspruch“.

Die Angst vor Diffamierung nehme ich persönlich sehr ernst. Zu sehr habe ich kann ich das Unglück eines Menschen nach empfinden, der von einer kranken Gesellschaft stigmatisiert wird. Da gibt es viele Beispiele wie Homosexualität, sexuelle Fehltritte wie Verlust der Jungfernschaft vor der Ehe, einer Abtreibung oder Vorstrafe, die  Zugehörigkeit zu einer „falschen Religion“,körperlichen Gebrechens (wie z.B. Beschneidung) oder Krankheiten (Aids …).

Aber ist es auch dann nicht besser, an Stelle von Datenschutz-Gesetzen lieber dafür zu sorgen, dass die gesellschaftliche Diffamierung zu Ende geht. Wie es ja in Deutschland zumindest formal bei homosexuellen Paaren gelungen zu sein scheint?

Denn eins dürfen wir nicht vergessen:

Es war schon schwer genug in der Papier-Welt Dinge geheim zu halten. Eigentlich ist das nur in „faschistoiden“ Systemen (und auch dort auch nur begrenzt) möglich. In der „Digitalisierten Welt“ ist Geheimhaltung aufgrund der technischen Grundanlage ganz einfach unmöglich. Und das finde ich gut so!

Wenn Ihr mir jetzt sagt, mein Artikel wäre utopisch, dann antworte ich, dass wir nur mit Utopien unsere Welt ein klein wenig besser machen können.

RMD

Anmerkung zum Thema Eigentum und Einkommen:
Sina Trinkwalder (@manomama) hat mal getwittert, dass sie der Meinung wäre, man sollte beim Jahreseinkommen den Teil über 200.000 € besteuern sollte und die Summe darunter nur so weit wie wirklich notwendig. Weil man von 200.000 € im Jahr sehr gut leben könne. Eine Meinung, die ich teile. Die aber einen kleinen Shit-Storm hervor gerufen hat. In meiner Einschätzung besonders von Menschen, für die ein Jahreseinkommen von 200 000 € lebenslang eine Illusion bleiben dürfte,