Roland Dürre
Sonntag, der 15. Oktober 2017

Große Redner und ihre Geschichten – #7 Jolly Kunjappu

Mit dem „Tagelöhner“ Alain Neumann bin ich gestartet. Dann habe ich von Hans-Jörg Bullinger und Hans Strack Zimmermann berichtet und bin schließlich bei Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay gelandet.

Heute ist es mir eine Ehre, meinen Freund Jolly Kunjappu in meine persönliche „Ruhmeshalle“ auf zu nehmen.

Das Motto von Jolly ist „INSPIRING PEOPLE. Er sieht sich selbst heute als Performance Artist, Keynote Speaker und Philosopher. Jolly Kunjappu hat in seinem Leben schon sehr viel verschiedene Rollen gelebt. Unter anderem war er als Musiker mit vielen bekannten Musikern wie Mick Jagger zusammengespielt und hat Seminare „Trommel“ für viele Spitzenmanager.

Ich habe mit ihm unter anderem eine Vortragskombination zum Thema Frieden gemacht. Lassen wir ihn hierzu selber zu Worte kommen.

In IF-Blog findet man eine Reihe von Artikeln zu seinem Wirken.

Ich verneige mich von Jolly und seinem Lebenswerk.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Oktober 2017

Die misslungene Emanzipation

Carl und Gerlinde (Folge 54)

„Herr Ober – bringen Sie mir doch bitte schnellstens einen doppelten Cognac…!“,  rief Carl erregt und schnappte förmlich nach Luft…

„Kommt sofort“, ächzte der vorbei huschende Ober mit dicken Schweißperlen auf seiner weitläufigen Stirn.

„Was ist denn mit dir los, Carl? Musst du dich wirklich schon im Morgengrauen mit Cognac zudröhnen?“ fragte Gerlinde irritiert und nippte mit besorgter Miene an ihrem frisch gepressten Orangensaft.

„Keine Angst, Gerlinde, ich brauche nur was Härteres, um diese Meldung aus der Zeitung verkraften zu können!“

„Und – was ist das für eine Meldung?“ fragte Gerlinde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Stell dir vor, der König von Saudi-Arabien und sein ambitionierter Sohn Mohamed bin Salam wollen tatsächlich noch im 21. Jahrhundert den Frauen das Autofahren erlauben!“

„Wie das denn?“

„Ja – ab Juni 2018 – dürfen Frauen in Saudi-Arabien auch ohne Zustimmung ihres Mannes selbst ein Auto lenken. Ist das nicht der absolute Wahnsinn?“.

„Toll! Aber da steckt doch sicher irgendein mieser Ausbeutungsgedanke dahinter, wie ich diese Brüder kenne…“

„Vielleicht – aber bevor du vorschnell verurteilst, meine Liebe, sollten wir uns erinnern, dass auch in Deutschland noch bis 1958 der Ehemann das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder hatte.“

„Na – toll! Aber verschleiern mussten sich die Frauen damals nicht mehr, oder“?

„Nein das nicht – aber selbst wenn Männer ihren Frauen erlaubten zu arbeiten, verwalteten sie ihre Löhne!“

„Super – Zuhälter tun das ja heute noch für ihre Bordsteinschwälbchen“.

„Richtig, da ist eben die Welt noch in Ordnung in diesem patriachalen Milieu!“

„Mir scheint dir fehlt echt der Cognac, Carl! Alkoholisiert redest du nämlich weniger dummes Zeug…“

„Ja aber nur weil ich da meistens gleich einschlafe! Aber wo bleibt denn der unfähige Ober wirklich mit meiner Medizin?“

„Vielleicht ist die Kellnerin da flinker“, sagte Gerlinde, sprang auf und hetzte eine nicht unhübsche junge Kellnerin auf den schlafmützigen Ober.

„Und ohne Zustimmung des Mannes“, fuhr Carl, der offensichtlich nicht mehr zu bremsen war, fort „ durften Frauen noch bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen. Was sagst du dazu?“

„Siehste, lieber Carl, genau deshalb will ich vom Heiraten nichts wissen, damit mir das nicht passiert!“

„Diese Vorsichtsmaßnahme, wäre allerdings nicht mehr notwendig, liebste Gerlinde, da schon seit 1969 jede verheiratete Frau in Deutschland voll geschäftsfähig ist.“

„Mensch – das ging ja dann wohl in atemberaubendem Tempo damals voran mit der Emanzipation der Frau – bestimmt war da vor allem die CSU der gnadenlose Schrittmacher…“

„Spötterin“, feixte Carl und wartete immer ungeduldiger auf seinen Cognac…

„Du bist wirklich arm mit deinem Cognac, Carl! Wenn du willst kannst du gern zwischenzeitlich ein bisschen an meinem Orangensaft nuckeln…“

„Soweit wird’s noch kommen, dass wir Männer nicht einmal mehr unseren Cognac süffeln dürfen…“

„Ich fang gleich zu heulen an, Carl“!

„Ja – tu’s nur, sonst heul nämlich ich!“, stöhnte Carl.

„Dazu gibt’s aber wirklich keinen Grund, lieber Carl – außer der Tatsache, dass dein Cognac nicht bei kommt seid ihr Männer nämlich wirklich in keinster Weise zu bedauern, oder?“

„Oh – oh – und was ist mit der ‚ewigen Kanzlerin’ bitte, die ist doch nicht nur Honeckers späte Rache sondern auch die Rache aller Frauen an den Männern für erlittenes Unrecht, oder?“

„Du übertreibst wie immer, Carl!“

„Ich übertreib nicht, denn die ‚ewige Kanzlerin’ würde ja selbst ‚ausgestopft’ noch von allen Frauen und Alten gewählt werden …“

„Statt so dummes Zeug daherzureden, solltest du dich lieber selbst an deine dicke Nase fassen“!

„Wieso das..?“

„Schau dir doch deine ‚männlichen Prachtexemplare’ an – zum Beispiel diesen wunderbaren Herrn Schulz – oder den küssenden Herrn Junker – oder diesen göttlichen Herrn Trump – samt dem grinsenden Kim Jong Un – oder den ewig bayrisch dahersabbernden Herrn Seehofer… oder – oder – oder … im Vergleich zu diesen ehrenwerten Herren ist mir doch selbst eine ausgestopfte Kanzlerin’ immer noch hundert Mal lieber…“

„Leider muss ich dir da ausnahmsweise – höchst widerwillig – zustimmen, liebe Gerlinde: die derzeit agierende Männergilde ist wirklich ein selten erbärmlicher Haufen!“

„Siehste, Carl…“! sagte Gerlinde und unterdrückte taktvoll jegliches Triumphgefühl!

„Aber Gott hat dennoch ein Erbarmen mit uns Männern, Gerlinde:  denn endlich kommt mein sehnlichst erwarteter Cognac!“

Tatsächlich kam wie aus dem Nichts plötzlich die freundliche Kellnerin angetrippelt und platzierte, begleitet von tausendfachen Entschuldigungen und Verrenkungen für die unendlich lange Wartezeit, direkt vor Carl einen riesigen Cognac-Schwenker in den er praktisch hineinspringen hätte können. Und ehe  Gerlinde sich versah hing auch tatsächlich schon sein Kopf bis zum Hals drinnen…

Nur so war auch zu erklären, dass Carl nämlich, gleich nachdem die niedliche Kellnerin höchst ansehnlich wie ein Gazellchen entfleucht war, ganz nüchtern feststellen konnte, dass trotz aller derzeitiger gefühlter Überlegenheit des weiblichen Geschlechts, doch niemand ernsthaft bestreiten könne, dass selbst diese reizende Kellnerin sich immer noch auf ‚Ober’Schenkeln fortbewegt…also was sollte dieses ganze Überlegenheitsgetue? Letztlich waren die Frauen, wie eh und je, doch nur ein ‚Stück vom Mann’, oder?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluß haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessensgruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten Zwischenebene wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.

Roland Dürre
Montag, der 2. Oktober 2017

FRAGEN (NICHT NUR) FÜR UNTERNEHMER.

Als nicht mehr ganz taufrischer aber noch junger Unternehmer im Büro in Unterhaching (1993 ?).

Am 7. Juni habe ich hier viele eher menschliche und allgemeine Fragen gestellt.

Und diese am 1. Oktober durch ein paar Thesen ergänzt, was denn „Mensch sein“ ausmacht.

Der aktuelle gesellschaftliche Konsens, wenn es denn noch einen gibt, wird mir immer unverständlicher.

Heute hier ein paar Fragen, die unsere „soziale Markt-Wirtschaft“ betreffen. Soweit es diese bei uns überhaupt noch erwünscht ist – denn schon länger existiert sie nur noch sehr eingeschränkt.

Die Wirtschaft ist für die Menschen da. Und nicht die Menschen für die Wirtschaft. Das gleiche muss auch für Unternehmen gelten. Diese sind auch für die Menschen da – und nicht die Menschen für die Unternehmen.

Die Definition:
Unternehmen sind soziale Systeme mit einem ökonomischen Zweck.

Der Zweck eines Unternehmens ist die Herstellung von Produkten und/oder das Generieren von Dienstleistung. Sie entwickeln Strukturen und organisieren sich. Unternehmen haben ihre Ordnung, die auch für die Menschen und nicht gegen die Menschen sein sollte.

Die Regel:
Gemeinwohl geht vor Maximierung des Profits!
In einer sozialen Markt-Wirtschaft müssen Unternehmen gemeinsam eine Gemeinwohl-Ökonomie realisieren. Einfluss über Lobbyismus zum eigenen Vorteil geht genauso nicht wie Externalität (die Externalisierung von Kosten). Das Prinzip „Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert“ darf nicht gelten!

Und es stellen sich wieder Fragen:

  • Warum dürfen Unternehmen Dinge anbieten, die keiner braucht? Und die Nachfrage danach künstlich herstellen?
  • Warum haben Unternehmen aus Branchen wie Rüstung oder Genussmittel (Tabak) die mit Abstand besten Margen?
  • Warum agieren Konzerne so oft kriminell?
  • Warum werden kriminelle Unternehmen auch noch subventioniert und gesellschaftlich akzeptiert?
  • Wie kann es sein, dass bei Unternehmen der „Gesundheitsbranche“ (Medizin, Pharmazie …) der Shareholder Value wichtiger ist als der Auftrag, Menschen gesund zu machen?
  • Warum haben sich so viele Unternehmen (soziale Systeme mit ökonomischen Zweck) entpersonalisiert und systemisch verselbstständigt?
  • Warum gibt es immer noch “disziplinarische” Vorgesetzte?
  • Warum ist die Zeit nach wie vor das Maß für Arbeit.
  • Warum stehen sogar bei High-Tech-Unternehmen “Stechuhren”?
  • Warum sind Einkommen nicht transparent?
  • Wieso braucht es „Human Resource Departments“?
  • Warum verdienen Top-Manager oft das Zigfache ihrer Mitarbeitern?
  • Für was braucht man Vertrieb, wenn man gute Produkte hat?
  • Welche Aufgaben hat denn das Marketing außer zum Konsum zu manipulieren?
  • Was sind das für Unternehmen, die mit Lobbyismus die Regeln zu ihren Gunsten verändern und so beliebig Schaden am Gemeinwohl verursachen?
  • Warum ist die (unreflektierte) „Sorge um die Arbeitsplätze“ der Freibrief für den Erhalt sinnloser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen und Umweltzerstörung?
  • Warum gehen „Veränderung und Wandel“ genau dann schon gar nicht, wenn das wirtschaftliche Interessen bedroht?
  • Warum werden bei solchen Dingen immer die wirtschaftlichen Risiken bedroht, die Chancen aber einfach ignoriert und weg diskutiert?
  • Warum hat das Interesse der Shareholder immer Priorität vor den Bedürfnissen der anderen Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten …)?
  • Warum glauben so viele Menschen, dass Privatisierung das Allheilmittel für alle Probleme ist?
  • Warum werden kommunale und/oder staatliche Unternehmen immer noch als Unternehmen zweiter Klasse belächelt, obwohl doch zum Beispiele viele Stadtwerke zeigen, dass sie ihr Geschäft sehr gut beherrschen.
  • Was bringen „ethische“ Feigenblätter wie „CSR“ (Corporate Social Responsibilty) oder „BGM“ (Betriebsgesundheits-Management) für die Praxis?
  • Warum versteht man nicht, dass Unternehmen als soziale Systeme eher biologischen Lebewesen ähnlich und keine Maschinen sind, bei denen durch Drehen an den richtigen Schrauben Umsatz und Gewinn beliebig gesteuert und gemehrt werden kann?
  • Warum ist der Verbraucher zwar in der Theorie die „geschützte heilige Kuh“ nur in der Praxis das immer mehr „missachtete und gejagte Konsum-Vieh“?
  • Wie kann es sein, dass der Shareholder Value immer noch das Maß aller Dinge ist?
  • Warum geht es immer ausschließlich um Wachstum und Größe?
  • Und viele Fragen mehr …

Eigentlich ist es klar, wie es sein sollte. Umso schlimmer, dass dies jeder weiß und es keinen interessiert. Vielleicht weil Geld die einzige Metrik ist, die etwas gilt und an die alle glauben.

Das oberste Grundrecht in der alternden BRD (Bundesrepublik Deutschland) ist nicht mehr die „Würde des Menschen“ sondern die „Wahrung des Besitzstandes“.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 10. September 2017

Noch ein „Coming Out“ – #BTW2017

Eine zynische aber leider ernst-traurige Parteien-Parodie.

In zwei Wochen muss ich wieder zur Wahl gehen.

Vielleicht vor 50 Jahren.

Mein bürgerliches „Überich“ zwingt mich dazu. Meine ich doch, dass die Demokratie eindeutig eines der besseren politischen Systeme ist, auch wenn die unsere durch „Wahl-Marketing“, der Dominanz der Lobbys bei Gesetzgebung und Regierungsarbeit und einer Oligarchie der Parteien ganz schön pervertiert wurde und großen Schaden genommen hat.

😉 Außerdem bekommt ja die Partei, die ich wähle nicht nur meine Stimme sondern auch noch einen Euro vom Staat (wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind).

So bereite ich mich seit längerem auf den nächsten Wahlsonntag vor. Hier der aktuelle Stand meiner Bewertung, bei der ich nach dem Ausschluss-Verfahren vorgegangen bin:

Die große „Volks-Parteien“ CDU und CSU kann ich aus geschichtlichen Gründen nicht wählen. Beide haben die Wiederbewaffnung Deutschlands gegen den damaligen Willen des deutschen Volkes zu verantworten. Diese wurde durch ihren Protagonisten Adenauer gleich nach Ende des 2. Weltkriegs gezielt vorbereitet und so früh wie nur irgendwie möglich – ich würde sagen – kriminell durchgesetzt.
Damit wurde eine einmalige historische Chance vergeben, die Deutschland vielleicht als einziges Land hatte – aufgrund seiner erbärmlichen Geschichte im 20. Jahrhundert. Eine Folge der Gründung der „Bundeswehr“ war dann auch die drei Jahre später erfolgte Wiederaufrüstung der DDR durch den Aufbau der „Volksarmee“ – und schon standen sich zwei Deutsche Staaten bis an die Zähne bewaffnet an einer brutalen Grenze gegenüber.
Ohne die Wiederbewaffnung wäre auch das Wiederaufblühen der deutschen Waffen-Industrie nicht möglich gewesen. Ein weiteres Nebenergebnis war ein „Wehrpflicht“ genannter Zwangsdienst, der 18 Monate meines Lebens eingefordert hat.
Darüber hinaus haben die beiden „C-Parteien“ die politische und gesellschaftliche Prägung der Bundesrepublik bis heute zu einem opportunistischem und egoistischem Wohlstandssystem unterstützt. Der Schutz von Besitzstand wurde zum obersten gesellschaftlichem Wert. Darüber kann auch das „C“ im Namen nicht hinweg täuschen.
Der Staat wurde unter CDU geführten Regierungen zur Marionette der Industrie, Umweltzerstörung (Luft, Wasser, Boden, Natur) wurde gebilligt und sogar gefördert (!) wie der Krieg auf den Straßen. Das Bildungssystem bekam als oberste Aufgabe, Menschen zu Konsumenten zu machen und vorbereitend als Arbeitskräfte für die Industrie zu dressieren. Dir gesellschaftliche Solidarität wurde falsch verstandenen Freiheiten geopfert.
Parteien, die bis heute glauben, dass das alles richtig war, werde ich nicht wählen.

Die SPD wie die Grünen kann ich auch nicht mehr wählen, da sie nicht nur dies alles unterstützt haben sondern sogar den Einsatz der Bundeswehr im Ausland erst ermöglicht haben. Die Rot-Grüne Koalition hat damals ein Tabu gebrochen:
Die Bundeswehr wurde nicht mehr ausschließlich zur Verteidigung eingesetzt sondern „um Verantwortung in der Welt zu übernehmen“. So werden seither von der BRD nicht nur Waffen sondern auch Krieg exportiert.
Der polemische Reim „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten“ trifft leider bei geschichtlicher Betrachtung für die SPD nur zu schlimm zu. Da hilft mir mein sympathisches Ideal einer sozialen Demokratie auch nicht mehr.
Die Grünen habe sich in meiner Bewertung von einer idealistisch-moralischen Partei zu einer indoktrinierten Veranstaltung entwickelt – außerdem nehme ich wahr, dass die Veränderung von einer Partei in Opposition zur Regierungspartei dort in ganz schlechter Weise stattgefunden hat – Ideale wurden zu Hauf für Posten und Macht geopfert.

Die FDP mag ich nicht wählen. Die negativen historischen Verdienste kenne ich nicht so detailliert, weil die Partei mir nie besonders aufgefallen ist. In meiner Wahrnehmung war und ist die FDP aber eine Partei, die – abgesehen von wenigen Protagonisten – immer sehr opportunistisch agiert hat und vor allem als Klientel-Partei funktioniert hat. Und noch mehr Großspenden aus der Industrie bekommen hat als die anderen genannten Parteien. Außerdem: Menschen, die FREIHEIT fordern und propagieren aber nicht wissen, was Freiheit ist, die mag ich nicht unterstützen.

Dann schauen wir mal, welche Parteien es noch so gibt?

Erfolgreich ist zurzeit die AfD. Dass ich die nicht wählen mag und kann, das muss ich hier nicht begründen. Wie auch dass die NPD für mich nicht wählbar ist. Die NPD scheint ja glücklicher Weise nicht mehr relevant zu sein. Obwohl die oben genannten Parteien aus mir nicht einsichtigen Gründen immer wieder die NPD verbieten wollen und nicht die AfD.

Dann gucke ich mir die „Freien Wähler“ und die Freie Bürger Union (FBU) an. Laut Wikipedia bezeichnen sich mehrere Wählergruppen und eine Kleinpartei als „Freie Bürger Union“, die in verschiedenen deutschen Städten und Landkreisen vertreten sind. Regionaler Schwerpunkt der Gruppierungen ist Bayern. Und weiter: Die besteht aus bürgerlich-konservativ oder rechtsliberal orientierten örtlichen Kommunalpolitikern und -aktivisten, zum Teil ehemaligen Abgeordneten der CDU/CSU, die nicht mehr Mitglied ihrer Partei sind. Kann ich nicht wählen.
Die Freien Wähler möchten u.a. die kommunale Selbstverwaltung stärken. Als Grund für den Antritt zu Wahlen auf Landes- und Bundesebene wird unter anderem ausgeführt, dass die Landes- bzw. Bundespolitik die Eigenständigkeit der Kommunen „aushöhlt“. Die Partei tritt dagegen für eine eigene Finanzhoheit der Kommunen ein. Auf europäischer Ebene fordert die Partei, dass der Ausschuss der Regionen einen festen Platz im Parlament erhalten sollte. Kann ich auch nicht wählen.

Dann komme ich zu den Piraten. Laut Wikipedia sieht diese Partei sich als als Partei der Informationsgesellschaft und als Teil einer internationalen Bewegung zur Mitgestaltung des von ihr mit dem Terminus der „digitalen Revolution“ umschriebenen Wandels zur Informationsgesellschaft. Das hat mir gefallen, ich habe die Piraten auch schon mal gewählt. Ich empfand sie als Werte-Partei, die glücklicher Weise keine Programmatik hatte, sondern vor allem ihr Know-How zur Digitalisierung als Schwerpunkt einbringen will. Ich kannte auch ein paar Piraten-Mitglieder, die Freiberufler und Klein-Unternehmer waren. Da waren gute Typen dabei.
Dann haben die Piraten aber gemeint, ein Programm schreiben zu müssen und das agile Prinzip des freien Handelns nach bestem Erkenntnisstand aufzugeben. Für mich haben sie so ihre „agile Seele“ gegen erhofften Erfolg eingetauscht. Seitdem ging es (logischerweise) mit den Piraten abwärts – und für mich waren sie nicht mehr wählbar. Eigentlich schade.

Jetzt habe ich schon 10 (in Worten zehn) Parteien analysiert und kann keine davon wählen! Droht mir der Nichtwähler? Lasse ich meinen Wahl-Euro verfallen?
Noch ist es nicht so weit, denn es gibt ja noch ein paar Parteien mehr.

So finde ich Die Linke. Laut Wikipedia entstand die Linke (auch Linkspartei genannt)  durch Verschmelzung der SPD-Abspaltung WASG und der Linkspartei.PDS. Letztere ging im Juni 2005 durch Umbenennung aus der SED-Nachfolgepartei PDS hervor.
So leidet die Linke an einem Stigma, das sie bis heute nicht salonfähig macht. Es sollen auch noch überwiegend SED- und Stasi-Leute an Bord haben, was mir aber auch schon aus demographischen Gründen aber eher unwahrscheinlich erscheint. Wenn ich der Wahlomat-Typ wäre würde ich wahrscheinlich „die Linke“ wählen, denn lese ich das Programm der Linken, dann finde ich da schon viele Punkte, denen ich absolut zustimme.
Andererseits habe ich ein kleines und mühsam erworbenes Vermögen – und es gibt so eine historische Angst in mir, dass die Kommunisten an meine Milliönchen wollen. Wie sagt man? „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“
Zu den Kälbern: Da gibt es übrigens einen Song, der allerdings gegen die AfD gerichtet ist – und nicht gegen die Linke. Ich möchte aber kein dummes Kalb sein. Andererseits – vielleicht doch ich doch die Linke wählen? Im Sinne von heutiger „demokratischer Redlichkeit“ – will heißen: Wähle die Partei, deren Programm dir am besten gefällt! So kann ich es nicht ausschließen, meine Stimme den Linken zu geben. Zwar ohne Begeisterung. Aber die ist mir schon lange abhanden gekommen.

Aber so weit bin ich noch nicht. Ich suche weiter. Auf dem Radweg nach Unterhaching entdecke ich ein Werbeplakat für „Die Grauen„. Ich denke an meine bescheidene Rente. Wenn ich nur die hätte, dann ging es mir ganz schön dreckig. Obwohl ich Jahrzehnte den Höchstbetrag eingezahlt habe.
Jedoch: Die Grauen haben den Slogan „Für alle Generationen“. Enttäuschung, die sind also gar nicht für uns Rentner. Das finde ich trotzdem schon mal gut, den ich habe Kinder und Enkel. Und denen soll es ja auch gut gehen.
Laut Wikipedia sehen sich „Die Grauen“ in der Tradition der in den 1970er von Trude Unruh gegründeten Bewegung Graue Panther. Im Gegensatz zu dieser sieht sich die Partei nicht als Seniorenpartei, sondern verfolgt einen Generationen übergreifenden politischen Ansatz, der auch im Namenszusatz zum Ausdruck kommen soll. In der Präambel ihres Partei-Programmes formuliert die Partei ihre Philosophie: „In einer sich immer schneller bewegenden, globalisierten Welt wollen die Grauen die Tatkraft der Jugend mit der Erfahrung der Älteren verbinden, um gemeinsam eine lebenswerte Gesellschaft zu formen.“ Das mag gut klingen. Mir sind das aber zu viele Buzzwords. Buzzwords mag ich nicht. So vergesse ich „Die Grauen“ auch gleich wieder.

Langsam verzweifle ich. Ein Dutzend Parteien habe ich gefunden – und nur eine davon erscheint mir eingeschränkt wählbar. Aber – wie sagt man: Man darf nicht aufgeben. Wenn man stürzt, dann muss man wieder aufstehen. Mund abwischen und weitermachen.

So radel ich weiter. Und siehe da, es strahlt mich ein Plakat mit einer besonderen Botschaft an:

Sei kein Horst!

Das verstehe ich sofort. So möchte ich auch nicht sein. Was der Herr Gesundheitsminister vormals allein in Berlin verbrochen und gezeugt hat, ist schon schlimm genug. Und jetzt ist er der König von Bayern.
Nur: Das Plakat ist von „Der Partei“. Laut Wikipedia ist DIE PARTEI „die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Apronym: Die PARTEI). Das ist eine 2004 von Redakteuren des Satiremagazins Titanic gegründete deutsche Kleinpartei mit parodistischem Charakter.“
Weiter können wir dort lesen: Die PARTEI erfüllt die juristischen Anforderungen des Parteiengesetzes, ihre Ernsthaftigkeit wird jedoch gelegentlich in Frage gestellt. Sie ahmt unter anderem Merkmale und Wahlkampfmethoden anderer Parteien nach und nimmt vereinzelt auch an deren Veranstaltungen teil.

Jetzt bin ich ja mehr der Leser vom POSTILLON, aber man sollte ja nie so engstirnig sein. „Die Partei“ wird auch als Satire-Partei bezeichnet. Bei Satire denke ich ans Kabarett. Und mir fallen sofort Menschen wie Bruno Jonas, Claus Wagner, Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt, Jörg Hube, Josef Hader, Georg Schramm, Maximilian „Max“ Uthoff, Sigi Zimmerschied, Urban Priol (Pelzig) und Werner Schneyder ein. Nicht zu vergessen den von mir geliebten Hanns Dieter Hüsch. Alles Menschen, die ich häufig erlebt und zum Teil auch persönlich gekannt habe. Die mich alle überzeugt haben. Mit ihrer Empfindlichkeit, ihrem Scharfsinn und ihrer präzisen Logik. Ich bewundere, dass sie trotz allem ihren Humor bewahren konnten. Mit denen ich sehr schnell im redlichen Diskurs zusammen gekommen bin.
Auch die meisten der Kabarettisten, die ich nur vom Fernsehen oder einem Besuch ihrer Veranstaltungen kenne, haben mir gefallen. Insofern macht es vielleicht doch Sinn, eine „Satire-Partei“ zu wählen. Besonders wenn sich diese Partei als Partei für frustrierte Nicht-Wähler anbietet, die auch die Nichtwähler an die Wahl-Urne holen will?
Leider liegt aber auch über dieser Partei ein Schatten. So habe ich vor kurzem in Facebook einen sehr konstruktiven Diskurs verfolgt, der sich damit beschäftigt hat, ob man in Zeiten, in denen es gesellschaftlich abwärts geht und sich große Probleme am Horizont der Zukunft zeigen, also ob man es da verantworten kann, eine Satire-Partei zu wählen? Weil die Zeiten eben alles andere als lustig wären?
Ein ernst zu nehmendes Argument, wie ich finde. Aber vielleicht sollte man die Probleme mit ernstem Humor lösen? So habe ich neben „Der Linken“ endlich eine zweite Partei gefunden, der ich mein Kreuz und einen Euro schenken könnte.

Ich will aber mehr. So komme ich nicht weiter. Also drehe ich mein Denken um und frage mich, welche letzte relevante gesellschaftliche und von mir als positiv wahrgenommene Veränderung in Bayern von einer Partei eingeleitet wurde?

Die Antwort ist einfach – es war der Nichtraucherschutz. Der wurde in Bayern sogar auf der Wiesn eingeführt, was ja lange als absolut undenkbar schien. So kann ich mich dieses Jahr aufs gleichzeitig zur Wahl stattfindende Oktoberfest schon wieder so richtig freuen und werde am Abend des Wahltages dort mit Freunden in rauchfreier Luft zechen. Der Nichtraucherschutz wurde durch einen Volksentscheid „Nichtraucherschutz“ in Bayern am 4. Juli 2010 aufgrund des zuvor erfolgreichen Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“ abgehalten. Ziel des Volksbegehrens war die Änderung des bayerischen Gesetzes zum Schutz der Gesundheit (Gesundheitsschutzgesetz, GSG), durch welches schließlich ein Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahmen eingeführt wurde. Gegen das die C-Partei war, weil es die ganze bayerische Gastronomie ruinieren würde.
Initiiert wurde es von Sebastian Frankenberger und der ÖDP.
Oh, die ÖDP hatten wir in unserer Parteibesprechung ja noch gar nicht. Die haben ein Programm, das mir eigentlich auch sehr entspricht. Allerdings habe ich ein wenig den klammheimlichen Verdacht, dass in dieser Partei doch viel protestantische Genügsamkeit und katholisches Gefrömmel drin sein könnte. Wenn jedoch die Ziele stimmen und ich nicht katholisch gemacht werden soll …

So habe ich jetzt drei Parteien gefunden, die für mich für wählbar halte: Die Linke, die Partei und die ÖDP. In den nächsten drei Wochen werde ich mich da noch ein wenig informieren und Gedanken machen – und mich entscheiden. Weiß ich ja, dass Entscheidung immer unter Unsicherheit erfolgt.

Und jetzt hat es sich fürs erste mal wieder „aus-geouted“.

RMD

P.S.
Heute beim Heimradeln habe ich am S-Bahnhof in Ottobrunn ein Plakat der DKP gesehen. Da stand drauf „Löhne rauf, Rüstung runter“. Klingt ja auch zuerst mal vernünftig und naheliegend. Aber DKP wählen? Wäre auch irgendwie „strange“?

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. August 2017

Warum wir Christophine brauchen! (II)

Das habe ich am 12. Juli geschrieben. Ein paar Tage nach dem ich als mittlerweile 67-jähriger wieder mal zur Grundschule gehen durfte. Und zwar in der Christophine. Und ich bin so froh, dass ich zu diesem Artikel so viel Zuspruch bekommen habe.

So erlebe ich, dass ich mit meiner Kritik an der Art und Weise, wie Kinder weltweit „erzogen“ und „gebildet“ werden nicht alleine stehe. Denn bei Schule geht meistens ums „dressieren“ und „formatieren“ eine jungen Menschen – und dabei bleibt der Respekt vor dem Kinde auf der Strecke.

Wie man mit Kindern respektvoll umgeht und ihnen den Raum gibt, selbst gesteuert und motiviert zu lernen und zu erleben, das ist genau das, was ich am 23. Juni in Marbach am Neckar erleben durfte. Hier mein Bericht:

Ich war an diesem Freitag einen halben Tag Teil der Klasse. Als nervöser neuer Schüler war ich natürlich ganz früh da. Und konnte mich freuen, wie die Schüler und Schülerinnen der Reihe nach eintrudelten. Es waren lauter gut gelaunte und fröhliche Kinder – die sich offensichtlich freuten, in der Schule angekommen zu sein.

Sobald die Klasse komplett war, wurde gemeinsam ein Lied gesungen. Das Lied bestand aus einer Begrüßung in vielen Sprachen – gemeinsam haben wir uns beim Singen auf den Tag gefreut.

Nach dem Lied gehörte an diesem Freitag die erste Runde den Kindern. Sie berichteten von einem Erlebnis, das ihnen wichtig war. Eines der Kinder war der Moderator der Runde – jeden Tag übernimmt diese Aufgabe ein anderes Kind.

Erzähler zu Erzähler ging eine gebastelte Pappkiste – die auf der einen Seite eine grüne und auf der anderen eine rote Scheibe hatte. Solange ein Kind sprach, dann zeigte den Zuhörern die rote Seite (Bitte seid still und hört mir zu!). Wenn es dann fertig war und Fragen erlaubte, drehte es die Schachtel um zeigte die grüne Seite (Jetzt dürft Ihr fragen und kommentieren!).

Es war toll, wie wohltuend kurz sowohl die Berichte wie dann auch die Fragen und Antworten waren. Wie die Kinder sich gegenseitig konzentriert zuhörten und ausreden ließen. Ich musste an das brutale Chaos denken, dass ich so oft bei so vielen Erwachsenen-Besprechungen (Meetings mit ganz wichtigen Leuten) erlebt habe …

Die zweite Runde gehörte der Arbeitsplanung. Die Kinder überlegten sich, mit welchen Tätigkeiten sie den weiteren Vormittag verbringen wollten. Ich war verblüfft, welch hohes Maß an Motivation die Kinder einbrachten und wie realistisch sie ihr eigenes Können bewertet und danach ihr Tätigkeiten ausgerichtet haben.

An der Christophine gibt keinen Sitz-Zwang. Deswegen tragen die Kinder leises Schuhwerk, damit sie die anderen Kinder nicht bei der Arbeit stören. Denn das ist ein wichtiges Recht, dass man auch einfordern darf (Bitte störe mich nicht bei meiner Arbeit!). Man arbeitet in Gruppen oder alleine – so wie es Sinn macht. Und wenn das Wetter passt geht es auch im Freien.

Mir ist aufgefallen, dass es in der Christophine eine Ordnung gibt, die für alle da ist. Die nicht als Zwang empfunden wurde, sondern eine gelingende Sozialität ermöglicht. Und die nicht Selbstzweck ist, sondern nur einen Rahmen gibt für einen vernünftigen Umgang mit sich selber und in der Gemeinschaft mit den anderen.

Die Sprache in der Schule war voller gegenseitigem Respekt – und wie ich sagen würde „alterozentriert“. Die Kinder können zu hören, waren in der Lage andere ausreden zu lassen und auf die Anliegen des Anderen einzugehen. Das ist so selten bei den Erwachsenen. So habe in dieser Schule ein erstaunliches Maß von redlicher und gewaltfreier Kommunikation zwischen Kindern erlebt! Ein „Aufeinander-Eingehen“, wie ich es im Erwachsenen-Leben nur selten wahr nehme.

Natürlich gab es auch einen Konflikt. Die wurde aber nicht von den Lehrern platt gemacht und herunter gebügelt. Die Streihähne (eins davon war ein Huhn) wurden angeleitet, vernünftig mit dieser Konfliktsituation umzugehen. Und wie es schwierig wurde, durften sich die jungen Kontrahenten zurück ziehen und ihr Problem unter vier Augen besprechen. Und spätestens als sie zum nahe gelegenen Dorfbrunnen gingen und ihre Hände ins Wasser gehalten haben, war der Konflikt bewältigt.

Und immer, wenn ich an die oft erlebte Erwachsenen-Welt denken musste, dann kamen mir die Tränen. Ja, der Rupert Lay hatte schon Recht, wenn er sagte, dass Kinder weise Wesen wären. Und wir, die Eltern und Lehrer, ihre Weisheit auf dem Altar der Erziehung opfern würden.

Und ich glaube auch, dass es durchaus Fortschritte gibt, wie z.B. in der Montessori Schule. Aber das ist mir zu wenig. Was wir brauchen sind doch viele freie und selbst organisierte Schulen mit einem zeitgemäßen Konzept. Ohne Indoktrination und zentrale Vorgaben.

Jetzt genieße ich die Sonne Griechenlands. Und überlege, was ich für die Christophine tun kann.

In meinem aktuellem Leben versuche ich meinen eigenen Frieden zu finden und meine Liebe zu mehren. Weil das die Voraussetzung für alles andere ist. Ich verbringe viel Zeit damit, Mentés (im Studium und beim Berufsstart) und jungen Unternehmern (geschäftlich beim Start-Up) zu helfen. Damit sie in ihrem Leben erfolgreicher und glücklicher werden.

Junge Müttern unterstütze ich bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg, in dem ich Ihnen helfe einen „alternativen CV“ zu schreiben (Das was sie können und tun möchten beschreiben an Stelle das, was sie getan haben).

Mit Freunden habe ich Barcamps wie PM-Camp und ähnliche Veranstaltungen ins Leben gerufen, um „Neues Denken“ und „Muster Brechen“ populär zu machen. Ich vernetze laufend Menschen ganz allgemein, damit sie gemeinsam stärker und größer werden. Und versuche eine sinnlose Mobilität vorzuleben und meinen Wunsch nach Frieden Ausdruck zu verleihen.

Und manches davon scheint sogar ganz gut zu klappen. Das macht mich durchaus selber ein wenig glücklicher.

Aber wäre es nicht sinnvoller, meine Zeit und Kraft vor allem für die ganz Kleinen und Schwachen zu investieren? Unseren Kindern und Enkeln. Denen es nach meiner Meinung jedes Jahr ein wenig dreckiger geht, weil sie immer mehr wegen vermeintlicher Sachzwängen ihrer Freiheit beraubt und indoktriniert und werden. Damit sie brave Bürger und Konsumenten werden.

Unsere Gesellschaft meint es ja immer so gut, macht es aber dann gnadenlos schlecht. Leider sind unsere Kinder das beste Beispiel dafür. Sollte deswegen es nicht mein Hauptziel werden, für die Kinder zu wirken? Dass diese nicht klein sondern groß gemacht werden? Und sie als freie und autonome Menschen die bestmöglichen Voraussetzungen haben ein gelingendes Leben zu führen?

Also ganz typische Gedanken, wie ich man sie halt in einer wunderschönen Auszeit so hat.

RMD

P.S.
Die „Marbacher Pädagogik“ von Lorenz Obleser halte ich für so etwas wie das von mir geforderte zeitgemäße Konzept. Ich werde versuchen, im Artikel „Christophine III“ auch hier im IF-Blog dann gemeinsam mit ihm und weitern Protagonisten der Christophine dazu etwas zu formulieren.

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. August 2017

Digitalisierung – Expertengespräch bei InterFace.

Oft hilft der Zufall. Man muss nur die Voraussetzungen schaffen. So geht es immer wieder im Leben. Hier die Geschichte, wie der „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ bei der InterFace AG am 14. Juli 2017 zustande kam.

Dazu muss man wissen, dass mein lieber  IT-Kollege und „Schafkopf-Freund“ Lothar ein langjähriges Mitglied der SPD ist und über viele Jahre der Vorsitzende des Vorstands des SPD-Ortsverein Neubiberg war. In dieser Funktion hatte er mich vor ein paar Jahren eingeladen, einen Vortrag über „Neue Wirtschaft“ (oder so ähnlich) für seine Genossen bei einer SPD-Veranstaltung zu halten.

Das habe ich gerne gemacht, bin ich doch viel unterwegs und versuche die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Fortschritt zwar wichtig ist, aber man sehr verantwortlich mit diesem umgehen müsse. Um das zu belegen zitiere ich häufig den großen Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Ein Zitat, dass uns alle ein wenig achtsamer und kritisch nachdenklicher machen sollte.


So berichtete mir Lothar beim Karten spielen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (der stellvertretende SPD-Vorsitzende) am Freitag den 14. Juli im Landkreis wäre und zwischen 16:00 und 17:45 der Gast der Landkreis-SPD wäre. Der Gast würde sich „eine Veranstaltung in oder in der Nähe von Unterhaching“ wünschen, dies mit wenig organisatorischen Aufwand.

Und der neue SPD-Vorstand des Ortsvereins wolle für Thorsten Schäfer-Gümbel gerne die Besichtigung eines modernen Betriebes in Unterhaching organisieren, gerne mit einem Bezug zur „Digitalisierung“. Dabei würde er (wegen meines Vortrages vor Jahren bei der SPD) an mich und die Interface AG denken.

Ich habe mich ja aus dem operativen Geschäft der InterFace AG zurückgezogen und versuche als „freundlicher Aufsichtsrat“ das Unternehmen weiter zu begleiten und zu unterstützen. So habe ich den Besuch einer Delegation der SPD im „Headquarter der InterFace AG in Unterhaching natürlich sehr gerne ermöglicht. Auch weil so etwas ein Teil der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens ist.

Und wie es der Zufall so wollte war genau an diesem 14. Juli von 15:00 und 18:00 die quartalsmäßige Sitzung des Aufsichtsrates der InterFace AG geplant. Das heißt an diesem Tage waren meine beiden geschätzten Kolleg*Innen im Aufsichtsrat Dr. Professor Kathrin Möslein (stellvertretende Vorsitzende) und Manfred Broy (Vorsitzender) im Hause.

Und wer könnte besser etwas zur Digitalisierung in Bayern und Deutschland sagen als Manfred Broy, nicht nur weil er der Gründer des Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) ist. So war es naheliegend, den Vorsitzenden unseres Aufsichtsrates zu bitten, die Aufsichtsratssitzung für die Dauer des Besuchs der SPD-Delegation zu unterbrechen und an einem Expertentalk „Digitalisierung“ mit Bela Bach und Herrn Schäfer-Gümbel teil zunehmen.

Nach dem Expertentalk haben wir dann die Aufsichtsratssitzung wieder aufgenommen und unsere Besucher haben das IF-Lab besucht. Das Video, in dem diese ihren Eindruck vom Besuch wiedergeben, hat mich dann auch sehr beeindruckt.

Hier aber schon mal das Video zum „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ in voller Länge, der am 14. Juli 2017 in Unterhaching bei der InterFace AG statt fand. Dabei waren die Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis München Land, Bela Bach, der SPD Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel, Prof. Dr. Dr. hc Manfred Broy (Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung.Bayern) und Paul Schuster, Vorstandssprecher der InterFace AG. Der Experten-Talk wurde übrigen ganz großartig moderiert von Bela Bach, die mir gesagt hat, dass sie so etwas noch nie gemacht hätte!

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 22. Juni 2017

ex post

Marc Haber zeigt eine mir bislang unbekannte Seite des Dr. Helmut Kohl auf:

http://blog.zugschlus.de/archives/1009-Helmut-Kohl-ist-gestorben.html

Hier wird Kohl zitiert,

„Eine unverzichtbare Voraussetzung für den erfolgreichen Weg in die Informationsgesellschaft ist das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der Kommunikationsnetze. Persönliche Daten müssen vor Missbrauch, vor jeder Form erbärmlicher Indiskretion, geschützt sein.“

Normalerweise hätte ich jetzt gedacht, „das hat er von Geißler“, aber jenen hatte der Prototyp des Antiintellektuellen bereits vor 1998 verbannt.

 

Helmut Kohl ist unwichtig.  Franz-Josef Strauß hat vor gut 40 Jahren alles über ihn gesagt, was zu sagen war:

„Er ist total unfähig. Ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen.“

Strauß hatte die Dummheit der Deutschen unterschätzt, als er prognostizierte, aus diesem Grunde würden ihn die Deutschen nicht zum Kanzler wählen.

Er war kein Staatsmann wie v. Weizsäcker,  ihm fehlte die moralische Integrität eines Helmut Schmidt, der Intellekt und die Bildung eines Franz-Josef Strauß oder auch nur die taktische Klugheit eines Heiner Geißler.

Stattdessen produzierte er vieeeeeeeeeeel dummes Gesülze von „christlichen Werten“, mit denen er hausieren ging wie zehn Jahre zuvor der nicht minder peinliche „Willy Brandt“ mit seinen abgestandenen Klassenkampfparolen.  Sowas mag der deutsche Michel, er mag ja auch „Louis Trenker“.

 

Erreicht hat Kohl unterdessen nichts.  Die „Wiedervereinigung“ war absolut schädlich, aus der Rückschau betrachtet.  Denn im Rahmen eines zusammengeführten Europa hätte sich die DDR als autonomer Staat demokratisch selbst etablieren können, so wie das zum Beispiel die Tschechen gemacht haben.  Und uns wäre der Zoni erspart geblieben, vor allen Dingen Frau Merkel.

Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft wurde von der „christlichen“ CDU als ganz zentrale, elementare Einrichtung angesehen — die unappetitliche Schmierenkomödie, die Kohls Familie gibt, zeigt unerbittlich:  „Hannelore, Helmut und die Bubbn ..“, das Familienidyll am Wolfgangssee, war genauso gespielt und geheuchelt, wie man es beim Anblick der kitschigen Photographieen vermuten konnte.

Alles kaputt, alles in Scherben.   Keine Erben.  Eine gescheiterte Existenz, die es nicht geschafft hat, seinen Kindern ein Vater zu sein.   Eine gescheiterte Existenz, der sein „Ehrenwort“ wichtiger war als die Erfüllung der von ihm selbst propagierten „geistig – moralischen Wende“.

Marc Haber findet wichtig, was Kohl gesagt hat, ich halte es für viel aufschlußreicher, was er nicht gesagt hat.  Marion Gräfin Dönhoff erinnerte sich an einen Helmut Schmidt, der nach der Öffnung der DDR-Grenze aufgeregt in die „ZEIT“ – Redaktion platzte und ausgeführt habe, „Jetzt muß der Kanzler eine Blut-, Schweiß- und Tränenrede halten, jetzt gilt es, daß wir zusammenstehen und uns gegenseitig helfen“. Was Kohl uns stattdessen an Dummschmus und Lügen servierte, ist sattsam bekannt.

 

Heute beschließt der Bundestag einen neuen „Generalangriff gegen das Grundgesetz“ (Hans-Jürgen Papier), der wieder einmal einerseits Grundrechte abschafft und andererseits durch Mißbrauchsmöglichkeiten riesige Lücken in die Dämme reißt, die die Väter des Grundgesetzes in kluger Voraussicht errichtet hatten. Die staatliche Zusammenarbeit mit der kriminellen Unterwelt wird weiter intensiviert. http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-06/staatstrojaner-gesetz-bundestag-beschluss

Den dummen Deutschen interessiert das wieder einmal nicht.

Denn jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

 

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 19. Februar 2017

POSTFAKTISCH

Ein Freund hat mir vor Kurzem erzählt, dass er

keine Nachrichten des BR mehr hören und auch nicht mehr die offiziellen Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF anschauen würde. Auch die klassischen Zeitungen wie SZ oder FAZ (von BILD sprach er nicht) schätze er nicht mehr und würde auf deren Lektüre genre verzichten. Dafür schätze er die Sendungen wie die Heute-Show und die Anstalt (beide jetzt zufällig im ZDF).


Vorsicht Werbung!
Lese IF-Blog !!!


Dann lese er noch ein paar Blogs wie IF-Blog oder den vom FEFE. Das und die Lektüre des Postillon wären absolut ausreichend, damit er – ergänzt durch den gelegentlichen Besuch von Kabarettisten wie Markus Barwasser (Pelzig) – auch im Sinne von demokratischer Verantwortung informiert sei.“

Zuerst musste ich schmunzeln. Dann habe ich aber verstanden, dass da etwas Wahres dran ist. Und sogar eine Erklärung dafür gefunden:

Wenn ein Kabarettist oder Blogger Thesen und Fakten berichtet, tut er gut daran diese ausführlich zu recherchieren und zu belegen. Sonst könnte es ihm im Zeitalter der Fake-News schnell an den Kragen gehen. Dieses Problem scheint die „normale Presse“ aber noch nie gehabt zu haben.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 5. Februar 2017

Demokratie & System

Das Problem ist nicht die Demokratie sondern das System dahinter.

Zu diesem Thema habe ich vor kurzem auf Facebook mit meinem geschätzten Freund Detlev Six diskutiert. Weil ich an Demokratie glaube. Aber meine, dass das System dahinter nicht mehr taugt. So brauchen wir dringend eine strukturelle Reform.

Denn die Zeiten haben sich geändert. Was zur Zeit der industriellen Zeitalters „normal“ war ist es heute nicht mehr. Das gilt für den Arbeitsplatz (#newwork), für Unternehmen und das gilt auch für die Politik.

Wir brauchen keine Gewinner und Sieger mehr. Herrscher, „Big Boss“ und „zentral entscheidende Offiziere“ (CEO) sind „out“. Wie auch eine Partei, die die „Macht übernimmt“ oder ein System, das „an die Macht kommt“! Weil die Macht beim Souverän, den Menschen im Staat, bleiben muss. Und von niemand sonst übernommen werden darf.

Aber zuerst zu unserem Dialog. Detlev ist ein Meister des Wortes, er hatte eine großartige These gepostet:

Detlev:
Die liberale Demokratie ist das empfindlichste Wesen der Welt. Pflegt das Baby!

Roland:
Das Problem ist nicht die Demokratie sondern das System dahinter. Ich möchte nicht mehr Parteien wählen, sondern mich zwischen Varianten zu wichtigen Themen entscheiden, die verantwortet im Sinne eines gesellschaftlichen Konsens vorbereitet worden sind. Ohne jeden Einfluss von Lobbyisten. Und möchte Menschen wählen, die dann  die Reform umsetzen. Als verantwortliche „Koordinatoren“.
Das Ziel in den „demokratischen Systemen“ der Vergangenheit war, einen Menschen zu wählen, der das „Sagen“ hat. Gleich ob das ein Kanzler (BRD) oder ein Präsident (USA) ist.
Wir brauchen aber keine „Führer“mehr! Die Zeit des „Zentral entscheidenden Offiziers“ (CEO) geht in der Wirtschaft zu Ende, so sollten wir uns auch bei der Organisation unseres Staates (Politik) davon verabschieden.

Detlev:
„Frankreich! Mache dich frei von Persönlichkeiten.“
Das waren die Worte von Anarchsis Cloots in seinem „Aufruf an das Menschengeschlecht.“
Jules Michelet gab dann die Anweisung zur Regierungsbildung:
„Die Massen vollbringen alles, die großen Namen wenig, die vermeintlichen Götter, Giganten, Titanen täuschen uns über ihre Größe nur, weil sie arglistig auf die Schultern des gutmütigen Riesen, des Volkes, steigen.“
Das war nach der napoleonischen Katastrophe. Was folgte, war die Regierungsform der Versammlungsregierung. Und heute? Frankreich hat wieder ein präsidiales System.
Roland, wieso glaubst Du, dass es dieses Mal gut geht? Nur, weil wir Internet haben? Oder glaubst Du, der Mensch hat sich geändert? Ich würde es mir wünschen.

Roland:
Ich betreue eine Reihe von jungen Menschen und Start-Ups. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass diese tatsächlich ein Stück weiter sind. Ja, die Menschen ändern sich!

Detlev:
Gut, dann lass uns versuchen, präsidiale Systeme zu verhindern, vor allem die der streng autoritären Richtung. Wie fangen wir an?

Roland:
Ich schreibe erst Mal einen Artikel, in dem ich Deine Aussagen integrieren werde. Allein Deine Formulierung und Forderung „präsidiale Systeme verhindern!“ ist für schon ein bemerkenswerter gedanklicher Fortschritt.

Mein Resümée:

Pflegen heißt auch Reformieren. So könnte ich mir vorstellen, dass die Aufgabe von demokratischen Wahlen nicht mehr darin besteht, einen Herrscher und/oder eine Partei an die Macht zu bringen. Sondern Aufgaben zu verteilen.

So könnte man Menschen wählen, die die Aufgabe bekommen, konsensfähige Varianten zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme auszuarbeiten (Problem definiert als „Zustand der so nicht bleiben kann“). Vielleicht ist dieses Gremium das neue Parlament. Es sollte nach Regeln des „Art of Hosting„, dem „redlichen Diskurs“ (nach Habermas) und ähnlichem arbeiten. Und uns die erarbeiteten Lösungen vorlegen.

Wir – die Menschen im Staate – stimmen ab, welche der vorgelegten Lösung die richtige ist. Und wenn uns keine gefällt, dann müssen dann müssen die Herren im Parlament sich halt etwas besseres überlegen.

Selbstredend muss jede Form von Einflussnahme durch dritte Kräfte jeglicher Art (in vulgo Lobbyisten genannt) ausgeschlossen werden. Dazu zähle ich natürlich auch religiöse und ähnlichen Gruppierungen.

Eine Regierung im herkömmlichen Sinne mit Fürsten und einem Oberfürsten brauche ich dann nichdurch t mehr. Viel wichtiger ist eine gute ausgebildete Administration, die genau das macht, was das Parlament erarbeitet und das Volk beschlossen hat.Und das alle weiteren wichtigen Entscheidungen umsetzt, die von den demokratisch Abstimmung legitimiert worden sind.

Liebe Freunde:

Verhindert präsidiale Systeme!

RMD

P.S.
Ich wünsche mir Volksentscheide im Rahmen einer sehr direkten Demokratie. Die Schweiz ist ein gutes und erfolgreiches Beispiel für eine „bessere Demokratie“. Freilich kann auch diese noch beliebig optimiert werden.

Das oft gehörte Gegenargument zu Volksentscheiden, dass die auch ab und zu mal unverständliche Ergebnisse bringen, ist leicht zu widerlegen. Von zehn Entscheidungen konventioneller Art sind wahrscheinlich regelmäßig mehr als fünf falsch. Bei Volksabstimmungen eher nur ab und zu mal eine.
🙂 Ganz ohne Fehlentscheidungen geht es halt auch in besten System nicht. Das klappt erst dann, wenn allwissende Maschinen uns regieren.