Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Januar 2019

Emphatie, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung … Liebe!?

Geschafft?! Der schönste Pass, den ich jemals gefahren bin.

Ich lese (denke und schreibe) viel zu Führungsthemen. Und meine, dass wir schon weit gekommen sind. Und stelle – selbst überrascht – fest:

Von der Leibeigenschaft zu dem heutigen Anspruch an #newwork ist es ein phantastisch weiter Weg gewesen. Den haben wir in nur wenig mehr als 100 Jahren geschafft. Das ist herausragend, auch wenn der Weg sehr blutig war!

Das ist ein gutes Beispiel, dass eine Utopie zur Wirklichkeit werden kann.

All das, von dem wir träumen und das in den bekannten tollen Blogs zu #newwork steht, beschränkt sich aber nicht auf Führung. Nein, es hat eine allgemeine Gültigkeit für unseren gesamten Umgang mit anderen Menschen.

Ganz gleich ob wir uns in einer Beziehung, einer Familie oder in einem irgendwie sonst gearteteten sozialen System wieder finden, das für einen gewissen Zeitraum Menschen vereint. Es ist unser Leben!

Damit will ich sagen, dass die Philosophie, die als Basis fürs Leben gelten sollte genau dieselbe ist, die man Führungsphilosophie nennt! Es gibt da keinen Unterschied. Ob in der Familie wie im Unternehmen – es sind immer Menschen, mit denen ich es zu tun habe.

So sind wir uns mittlerweile einig, dass wichtige Leitlinien fürs Leben Empathie, Freude, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung, Mut, Zuversicht und Liebe sind. Und eben nicht Kälte, Frust, Arroganz, Ver- und Missachtung,  Abneigung, Angst, Bedenken und Hass.

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass diese Lebens- wie Führungsphilosophie nicht nur für den Umgang mit Menschen gelten darf. Nein, wir müssen auch sozialen System gegenüber mit Empathie, Respekt, Wertschätzung begegnen und uns in diesen in Mut und Liebe bewegen. Und dies gilt genauso für unseren Umgang mit unserer Umwelt und der ganzen Natur mit all Ihren Lebewesen!

Wenn ich nachhaltig lieben will, dann muss ich genauso fähig sein, mich selber zu lieben wie ich in der Lage bin, ALLES zu lieben. Dazu gehören alle anderen Menschen, die Natur und die ganze Welt.

Sonst bleibt es bei „Verliebtheit“. Auch ein schönes Gefühl, dass sich aber auch schnell verflüchtigt!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 14. Januar 2019

Kranksein ist schön!

Ab und zu lese ich in IF-Blog.de meine eigenen Geschichten wieder. Das ist ja auch mein Sinn vom IF-Blog – das Schreiben für mich. So habe ich mir vor kurzem mal wieder die Geschichte aus meiner Kindheit durchgelesen:
Wie ich meine Mandeln verloren habe
.

Und dann stelle ich fest, dass ich im Kern alles so berichtet habe, wie ich es in Erinnerung habe. Aber in einem wichtigen Punkt habe ich gemogelt und wesentliche Teile der „Wahrheit“ verschwiegen. Heute schreibe ich die ganze Wahrheit dazu.


 

Der Start zu vier schlimmen Jahren in der „Volksschule“.

Meine Eltern hatten ja beschlossen, dass zum Wechsel ins Gymnasium meine schlechte Gesundheit durch eine medizinische Maßnahme – eben durch die Entfernung meiner Mandeln – stabilisiert werden sollte. Denn in der Volksschule war ich wirklich oft krank.

Und ich war gerne krank. Und habe die Krankheit – sprich die Erkältung und den Schnupfen – förmlich gesucht. Die Gründe waren einfach.

Ich habe die Schule am Wittelsbacher Park gehasst. Das hatte eine Reihe von Ursachen.

In den normalen Fächern wie Deutsch und Rechnen habe ich mich gelangweilt. Langweilen ist grausam.

Weiter hat unser Lehrer seine Schüler auch gerne mal körperlich (und vorbeugend!) gezüchtigt. Da gab es schon mal Schläge für alle mit dem schwarzem Kantholz auf die Finger. Ohne Grund. Der Lehrer wollte uns einfach klar machen, was wir bei schlechtem Benehmen zu erwarten hätten. Das war zumindest seine Erklärung – auf eine andere Art und Weise grausamer als die Langweile.

Heute würde ich sagen, dass unser Lehrer einfach ein kranker Sadist war. In Musik hat er mir meine Unfähigkeit bewusst gemacht und im Turnunterricht wurde ich von ihm kommandiert wie ein Hund. Da war totale Unterwerfung angesagt – wie beim Militär.

Der Weg dorthin war eine Qual.

Das schlimmste Fach von allen war für mich der Religionsunterricht. Da präsentierte der Pfarrer auf sadistische Art und Weise einen Gott, den ich als bösartige Kreatur erlebte und der seinen Sohn auf unvorstellbare Art und Weise quälte. Dazu mussten wir Schwarzweiß-Bilder  vom Leidensweg zum Kreuz in ein Heft einkleben. Ich hatte immer Lust, das viele Blut auf den Bildern mit einem roten Stift einzufärben, das habe ich mich aber nicht getraut.

Aber auch der Schulweg war im Winter unerfreulich. Im Sommer hatte ich die Freude des Schulwegs durch den grünen Wittelsbacher Park in Augsburg. Die Vögel zwitscherten und die Sonne leuchtete mir ins Herz.

Im Winter dagegen war alles tot und düster. Das beste war noch, wenn sich das Winter-Elend unter dem weißen Leichentuch des Schnees versteckte.

Dann aber waren schon zur Hälfte des Weges die Schuhe patschnass vom Schnee und die Füsse – wie die Hände – eiskalt. Am Mittag zum Nachhauseweg waren die Schuhe immer noch nass – wie auch meistens noch am nächsten Morgen. Da es aber die einzigen wintertauglichen Schuhe waren, die ich hatte, musste ich sie halt immer wieder morgens für den Weg zur Schule schnüren. Jeden Tag ein wenig nässer.

Im Winter hatte ich keinen Anreiz, gesund zu bleiben. Denn die Fussballwiese, auf der wir uns im Sommer täglich und stundenlang zum Fußball trafen, war zugeschneit oder matschig – und immer leer. Auf dem Hof wurde auch nicht Völkerball gespielt. Irgendwie gab es nicht viele Gründe, heraus aus dem Haus zu gehen.

Der Berg beim Rosenaustadion dagegen war bei Schnee belebt. Nur erschien mir Schlitten- wie Schifahren so etwas von sinnlos. Man rutschte den Berg runter, nur um dann den Schlitten wieder hochzuziehen. Für Sisyphos-Arbeit war ich noch nie zu haben.

Insofern hatte ich im Winter so gar keine Motivation, gesund zu bleiben. Krank sein dagegen war sehr schön.

Denn wenn ich krank war, musste ich nicht zur Schule. Ich durfte im Bett bleiben und mich in meine Bücher versenken. Meine Mutter hat mich verwöhnt. So durfte ich auswählen, was ich zu Mittag essen wollte. Und bekam Schmankerl wie z.B. Wiener Würste, ein bei uns seltener Luxus.

Und am Nachmittag wurde ich mit einer wunderbaren Marzipan-Kartoffel vom Konditor Dichtl verwöhnt. Das war damals noch eine kleine Konditorei in der Rosenaustr. Mittlerweile ist „der Dichtl“ eine Art von Konditorei-Konzern, der in Augsburg eine Reihe von Filialen hat. In denen die Marzipan-Kartoffel immer noch einzigartig schmeckt.

Auch sonst war es schön, krank zu sein. Sogar meine fünf Jahre jüngere Schwester war sehr lieb zu mir, weil sie mit dem kranken großen Bruder Mitleid hatte.

Meine kleine Schwester und ich bei der Brotzeit vor der Waschküche des Wohnhauses in der Rosenaustr. 18 (im Sommer). Da war ich selten krank.

Abends hat mein Vater – wenn er vom Eisenbahneralltag zurück kam – mich am „Krankenbett“ sehr freundlich aufgesucht. Und mich gefragt wie es mir denn ginge – und dann getröstet.

Krank sein war also sehr schön, denn alle waren nett zu mir – ich habe es genossen und im tristen Winter gefördert. Und das hat ganz gut geklappt.

Im Frühsommer 1960 kam dann der Tag der Abrechnung. Der Operationstermin rutschte im Kalender immer näher. Da habe ich mir überlegt, ob ich mich „oute“. Also ob ich gestehen sollte, dass meine Kränklichkeit von mir unterstützt und gespielt wurde. Um die Operation zu vermeiden.

Ich habe darauf verzichtet. Vor allem, weil mir klar war, dass es nichts helfen würde. Denn schon damals war es so, dass Pläne, wenn sie mal gefasst wurden, in aller Grausamkeit umgesetzt worden sind. Auch wenn sie noch so sinnlos waren. So wie heute. Auch wollte ich nicht im Nachhinein als Betrüger dastehen. So habe ich mich tapfer geopfert.


Die Folgen der Operation waren für mich alles andere als erfreulich. Seit 1960 habe ich jeden Winter permanent Halsschmerzen. Trotzdem war ich später nur noch selten krank. Weil ich nicht mehr krank sein wollte. Das Kranksein brachte mir keine Vorteile mehr. Im Gymnasium war die Schule nicht mehr so grausam, im Gegenteil – es war ein wenig ein Hort der Freiheit.

Und spätestens wie ich „werktätig“ wurde, bin ich dann auch im Winter mit den „normal gewordenen“ Halsschmerzen und üblen Erkältungsbeschwerden immer in die Arbeit gegangen. Sei es zu Siemens, Softlab oder in die InterFace. Auch wenn es mir schlechter ging als in meiner Kindheit. Haben doch Aufgaben und Menschen auf mich gewartet. Und das war wichtiger.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 5. Januar 2019

Die kleinen Freuden …

… machen den Mensch zum Menschen.

Denke ich manchmal.  Und als Nicht-Philosoph eröffnen sich mir  ja auch ganz ganz unzulässige Vergleiche.  Unsere drei Katzen kommen prima miteinander aus.  Sie spielen zusammen, wenn es einer nicht gutgeht, weil sie mit den messerscharfen Krallen einen Weihnachtskalender aufgeschlitzt und geplündert hat (Schokolade ist Gift für Katzen), dann kommen die beiden anderen und „waschen“ und betütteln sie.  Aber wehe, es ist Fütterung!   Da gönnt jeder dem anderen:  Genau NICHTS !

 

Am ersten Arbeitstag dieses Jahres besteige ich in Osnabrück einen Zug.  Es ist noch vor acht, gefrühstückt habe ich noch nicht.  Eine Dame kommt mit einem Tablett Kaffee durch den Gang.  Meine mir am Zweiertisch gegenübersitzende Nachbarin bestellt einen Kaffee, ich will desgleichen tun, gucke aber vorsichtshalber ins Portemonnaie.

Mist – nur noch ein Hunderteuroschein.   Die Dame kann nicht wechseln.

EC/Karte ?  Gern.  Aber:  Oh Mist:  Gültig bis 12/2018.  Frohes neues Jahr ?

Aber ich habe doch Hartgeld ?  Ja, reichlich Sibermünzen.  Leider ging die letzte Dienstfahrt nach Märstetten im Thurgau.  Es sind Schweizer Franken.

„Wissen Sie ‚was ?“, greift die mir gegenübersitzende Dame, die ich heute zum erstenmal sehe, in die Verhandlungen ein, „Ich lade Sie ‚mal ein.  Ohne Kaffee in den Tag  –  das geht doch nicht“.

 

Obwohl ich einen eher unerfreulichen Termin vor mir hatte, habe ich mich den ganzen Tag lang über diese Freundlichkeit gefreut.  Richtig gefreut.

 

Denn manchmal unterscheiden wir Menschen uns doch von den Tieren.

 

–hb

Roland Dürre
Dienstag, der 27. November 2018

Der CIO

Diesmal Unterstützung nur beim Reifen flicken.

Ich helfe immer gerne Menschen, die einen Job suchen. Dazu habe ich sogar eine kleine „Methode“ entwickelt, ich nenne sie „alternative Bewerbung“:

Gemeinsam entwickeln wir zusammen eine „alternative Bewernbung“. Das ist ein Text, in dem der Jobsuchende offensiv seine Stärken beschreibt und eine kleine Vision aufbereitet, welchen Mehrwert er mit seiner Arbeit fürs Ziel-Unternehmen mit Freude und Mut gerne bringen möchte und könnte. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Nach- und Neudenken und dazu eine kreative Öffnung des Bewerbers.

Sind wir damit fertig, dann nutzen wir die entwickelte Geschichte als Text für die „alternative Bewerbung“. Zusätzlich machen wir vielleicht noch ein kleines Video, in dem Bewerber seine persönliche Ausstrahlung rüberbringt – mit Link im Anschreiben – sozusagen an Stelle des üblichen Fahndungs-Fotos.

🙂 Das alles richten wir individuell auf den Ziel-Job und das anvisierte Unternehmen aus. Mein Gedanke ist, dass es einen Unternehmer am meisten interessiert, was der Bewerber seinem Unternehmen „Gutes tun“ könnte und ob und wie dieser mitdenkt.

Und tatsächlich, in der Regel führt der „alternative Lebenslauf“ dann zeitnah zu Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Die dann natürlich auch wieder gründlich vorbereitet werden müssen. Denn Erfolg kommt halt meistens nicht von nichts.

Oft haben die von mir betreuten Menschen einen wunderbaren klassischen Lebenslauf und in diesem sind dann viele Details auf die übliche klassische Art tabellarisch beschrieben. Da sind die Tätigkeiten und Rollen der letzten Jahre (20 !?) aufgelistet, gespickt mit Lehrgängen, Schulungsmaßnahmen und Zertifikaten. Gut und gewissenhaft gemacht.

Nur sind diese Bewerbungen nicht so erfolgreich. Es hagelt dann absagen, dies wiederum frustiert den armen Bewerber. Das leuchtet mir auch ein, denn wie will man so die eigenen Kompetenz (Wissen + Können) klar machen?

Der „klassische“ Lebenslauf interessiert halt oft niemanden. Deshalb kürzen wir ihn und nehmen in dann nur als Anlage, die belegt, dass es gute Gründe für das zuversichtliche Auftreten in der „alternativen Bewerbung“ gibt.

Oft muss ich den von seiner Erfolglosigkeit am Boden zerstörten Bewerber erst mal wieder aufrichten.

Unter meinen „Schützlingen“ waren auch Frauen, die – nachdem sie sich einige Jahre um die Kinder gekümmert hatten – wieder einsteigen wollten. Und ich muss sagen, wenn wir dann gemeinsam Erfolg haben, ist das Glück oft sehr groß. Und ich freue mich wahnsinnig mit.

Vor kurzem hat mich der Zufall mit einem „echten Hochkaräter“ zusammen gebracht. Der war Geschäftsführer bei einem guten mittelständischem IT-Unternehmen. Dort hatte er dort gekündigt. Der für mich absolut nachvollziehbare Grund war, dass die Eigentümer des Unternehmens dieses verkauft hatten und ihm die Politik und Ziele der neuen Herren aber auch so gar nicht zusagten.

Mutig wie er war hat er gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Jetzt sucht er einen Job als CIO (Chief Information Officer) bei einem guten Mittelständler. Und wurde in meiner Wahrnehmung überrascht, dass das trotz bester formaler Qualifikation gar nicht so einfach war.

Mein Gesprächspartner war ein hochsympathischer Mensch im besten Mannesalter, der auch lauter vernünftige Dinge sagte. In vielen Dingen war er nahezu perfekt. Auch seine Lebensbilanz erschien mir als durchaus erfolgreich. Er hatte auch einen großartigen klassischen Lebenslauf.

Irgendwie gewann ich aber den Eindruck, dass er nicht nur bedruckt sondern auch nicht mehr so ganz auf dem Laufenden war. Besonders wenn es um das Internet ging und die vielleicht durch die Digitalisierung mit verursachte Zeitenwende. Sein eher negative und ziemlich einseitige Beurteilung zu Twitter, das er selber (natürlich) nicht nutzte, war für mich irgendwie bezeichnend.

Nach dem Gespräch habe ich ihn zu seinem Auto gebracht. Und innerlich darauf gewettet, was da für ein Auto stehen würde. Ich habe die Wette gewonnen – es war der größte SUV von Audi, den es wohl so in Europa gibt.

Ich hatte ihm angeboten, dass ich ihn bei seiner Bewerbung unterstützen und mich auch in meinem Netzwerk umsehen würde. Er müsse sich nur bei mir melden.

Das hat er nicht gemacht. Wahrscheinlich hat er es nicht für möglich gehalten, dass ein Radfahrer ihm helfen könnte.

Mir soll’s Recht sein, dann bleibt mir mehr Zeit für andere, die es vielleicht nötiger haben. Und vielleicht hatte ich dem „CIO“ das Buch von Otto Scharmer zur „Methode U“ schenken sollen?

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 15. September 2018

Manifest des Lebens

Manifeste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, zum Beispiel das Manifest zur neuen Arbeit als Bekenntnis von Microsoft (!) zu #newwork.

Inspiriert von #PMCampBER und schönen Gesprächen der letzen Tage habe ich ein Manifest des Lebens entworfen. Natürlich stand bei mir das agile manifesto (diesmal der Link zur englischen Version) Pate.

Mein Vorschlag für ein Manifest des Lebens würde so aussehen:


 

Manifest für Leben

Wir suchen nach Werten, die uns ermöglichen, in Freude und mutig leben zu können
und versuchen diese für uns selbst und im Zusammensein mit Anderen zu leben.
Auf dieser Suche haben wir diese Geisteshaltung schätzen gelernt:

  • Eigenverantwortung und Selbstorganisation vor Fremdsteuerung und Unmündigkeit!
  • Werte und Haltung vor Moral und Dogmen!
  • Liebe und Friede vor Hass und Krieg!
  • Freiheit und Verzicht vor Unterdrückung und Verschwendung!
  • Vertrauen und Transparenz vor Misstrauen und Geheimhaltung!

Unterzeichner


 

Jetzt fehlen mir nur noch ein paar Mitdenker und Unterzeichner!?
(Verbesserungsvorschläge sind willkommen)

RMD

P.S.
Dr. Marcus Raitner hat vor kurzem von den 10 Thesen von Google für „Gute Führung“ berichtet. Könnte eine gute Basis für ein „Manifest zu Führung“ sein.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 20. April 2017

Lanzarote oder die gestörte Urlaubswelt des Carl S.

Carl und Gerlinde (Folge 50)

Carl wusste schon immer, dass er nie und nimmer auch nur einen einzigen Tag, ja selbst nur wenige Stunden oder Minuten und Sekunden Urlaub auf den Kanarischen Inseln verbringen würde – und auf Lanzarote schon gar nicht!

Was sollte er auch in dieser pechschwarzen Lavakacke, in der absolut nichts Vernünftiges wuchs, in der aber trotzdem unentwegt neue überfütterte Touristenhorden aus Deutschland und England sich vor Entzücken krümmten, weil sich schon wieder ein zartes grünes Hälmchen nach läppischen zweihundertfünfzig Jahren aus einem erkalteten Magmahaufen vor ihren Augen gen Himmel reckte und bestimmt innerhalb der nächsten Jahrhunderte mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von mindestens Neunzehntelmillimeter pro Jahrzehnt der Sonne entgegenraste…

Was sollte dieses Hälmchen auch anderes tun, wo es doch keinerlei Grundwasser in diesem Urlaubsparadies gab und auch der ach so Leben spendende Regen höchstens an achtzehn Tagen bestenfalls ein klitzekleines Bisschen zu tröpfeln gedachte, so dass es selbst die fünfundzwanzig Millionen Jahre alten Vulkankegel neben den Magmawüsten nur zu einem quasi hingehauchten Grünschleier auf ihren kargen Flanken gebracht hatten, da in keiner Vulkanregion der Welt jemals auf derartige Touristenmassen so wenig Regen gefallen war und weiterhin fallen wird – wie auf Lanzarote!

Nee – da wollte Carl nicht hin – nicht ums Verrecken!

Dass er dann trotzdem mit Gerlinde in einer Condor Maschine Richtung Lanzarote saß, war eher ein Versehen und wohl ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass er nach den letzten quälenden dreiundvierzig Arbeitswochen dringend ein paar Tage Erholung von seiner Firma und von Gerlindes kanarischem Urlaubsgebrabbel benötigte, mehr war dazu nicht zu sagen! Außer, dass das von Gerlinde gebuchte Iberostar Hotel mit Meerblick auf den ersten Blick und mit einigen Abstrichen gar nicht so übel zu sein schien!

Wenngleich diese Fülle an Meer vor der Nase spätestens nach fünf Tagen schon etwas langweilig wurde, trotz dieses wirklich herrlichen Blau, das es gelegentlich zeigte – das Wasser – und dann Grau und Graublau und mit weißen Schaumkronen bestückt und natürlich in der Nacht eine pechschwarze Schwärze, wenn sich nicht gerade die komisch verdrehte Mondsichel drin spiegelte. Aber zu einer grundlegenden Aufhellung von Carls gestresster Gemütssituation trug dieses barocke Farbenspiel dennoch nicht bei, denn in letzter Konsequenz war dies alles ja doch nur Wasser, Wasser und wieder Wasser – und keine Gebirgslandschaft mit Gletschern, Schluchten und Adlerhorsten, selbst wenn Gerlinde das nicht wahr haben wollte und jedem Genörgel in Sachen Meer sofort einen  Flunsch wie eine Riesenwelle entgegenrollen ließ.

Und  was dieses besagte Meer betraf, gab es auf Lanzarote auch kein Entrinnen entlang der endlosen Promenade!

Nein das war nicht möglich!

Denn wenn sich Carl in Gerlindes Gefolge von Südwesten nach Nordosten bewegte, hatte er es auf der rechten Seite, und andersrum,  von Nordosten nach Südwesten, logischer Weise auf der linken Seite, das Meer! Und wenn er in einem der Millionen Lokale entlang dieser Promenade seinen aufwendig servierten herrlich angewärmten Brandy ‚Carlos I’ schlürfte, hatte er es nicht links oder rechts, sondern natürlich vor der Nase, und bei ‚Garnelen mit Knoblauch’ auch. Und bei Pizza mit anschließendem Cortado auch – außer – er huschte schnell einmal auf die Toilette – anders war diesem aufdringlichen Meer nicht zu entkommen…

Und natürlich umwehte dieses penetrante Meer ein immer noch penetranterer Wind, der oft ein Sturm war und vormittags eisigkalt Carls Haare nach Südosten stellte, wenn er sein Käppi vergessen hatte, und nachmittags getarnt als warmer ‚Calima’ aus dem hundertsechsundvierzig Kilometer entfernten Afrika seinen schütteren Haarschopf gen Westen föhnte und quasi als kostenlose Draufgabe noch beide Nasenlöcher mit feinstem Saharasand auffüllte. Und Gerlindes goldige Nasenlöchelchen auch.

Klar, dass das Meer auch beim mittäglichen Essen ein paar kräftig planschende Wörtchen mitzureden hatte: hatten Carl und Gerlinde nämlich nach neunzig Minuten endlich einen Tisch in Meeresnähe erkämpft, der gerade von einem gewissenhaften Kellner gesäubert und von einem anderen eingedeckt und mit Speisekarten bestückt wurde, so dass wieder ein anderer die Bestellung des ‚Cervezas’ übernehmen konnte und der nächste Kellner nach zwanzig Minuten die der Speisen, so war die Schlacht noch lange nicht geschlagen, da nämlich der plötzliche mittägliche Kellnerwechsel selbstverständlich eine vollkommene Neubestellung der gewünschten Knoblauch-Garnelen und Sardinen erforderte.

Aber was machte das schon, Carl war doch mit Gerlindchen im Urlaub und sie hatten doch diesen absolut himmlischen Blick auf ein tief blaues Meer das selbst noch am Horizont mit dem Blausein nicht aufzuhören gedachte…

Doch wenn dann endlich die bestellten Sardinen nach weiteren dreißig Minuten ankamen, deutlich später als Gerlindes brutzelnde ‚Knoblauch-Garnelen im Pfännchen’, sahen sie selbst für Gerlindes kritisches Carlchen überraschend verlockend aus. Leider auch für die gar nicht scheue Möwe auf der gefährlich nahen Promenadenbrüstung, denn schneller noch als Carl mit der Gabel an seiner ersten Sardine war, war die Möwe mit ihrem Schnabel an seiner zweiten.

Verdutzt schaute ihr Carl nach, als sie mit ihrer Beute flink auf dieses verdammte Meer hinausflog. Da Gerlinde lachend dasselbe tat, konnte er allerdings sein Missgeschick wenigstens dadurch lindern, dass er unbemerkt ihr schnell ein paar Knoblauch-Garnelen entwendete und mit ihrem Cerveza runterspülte.

Dieser Kampf ums Essen setzte sich natürlich am Abend im Speisesaal fort: hier waren es aber nicht die Möwen, die Carl und Gerlinde die noch halbvollen Teller leerten, sondern ein übereifriges Heer von fleißigen Bediensteten, die offensichtlich im Akkord entlohnt wurden, denn was sonst hätte sie veranlassen sollen, derart gewandt ihren Gästen die Teller weg zu ziehen, dass diese nicht selten ihre Gabeln versehentlich in den Tisch rammten, wenn sie nach dem letzten Fitzelchen Geschnetzeltes oder geschmorten Paprika stachen, und nicht selten wurde während eines einzigen Frühstücks dreimal der Tisch abgeräumt und neu eingedeckt und dies alles während Carl und Gerlinde unermüdlich immer neue Frühstückseier, Schälchen mit Marmelade, Butterpäckchen, Croissants, Mohnbrötchen, gebratenen Speck, Teekännchen, Kaffee und Orangensaft anschleppten!

Schlimm war das –  fast genau so schlimm, wie das verdammte Fernsehprogramm, bei dem Carl durch die elende Zeitverschiebung sämtliche Nachrichten über Donald Trump und Recep Erdogan versäumte und oft auch die Bundesliga und den ‚Tatort’, der ja schon seit Jahren praktisch für alle vernünftigen Deutschen – außer Gerlinde – statt durch Kirchgang den Sonntag markierte – was natürlich noch schlimmer war…

Aber am Schlimmsten war dieses fürchterliche Getue um diesen komischen ‚César Manrique’ auf Lanzarote! Der wohl nur in Lavablasen gehaust hatte und sich dazu sogar einen ganzen Konzertsaal für sechshundert Hörer in seine Blase implementieren ließ und eine Disco in sein unterirdisches Verließ einbaute, in der neben der Tanzfläche in einem glasklarem Wassertümpel, weiße fingernagelgroße fast blinde Albinokrebse herumkrabbelten, die sonst nur in tausenden Metern tiefen Meeren existierten, aber  hier und  jetzt in dieser Pfütze ein ganzes Leben lang auf diesen wenigen Quadratmetern Lava die dort wachsenden Algen abgrasten und das Tag um Tag, Woche um Woche, Jahr um Jahr in andauernder Finsternis – was für ein fürchterliches Leben, dachte Carl, wobei ihm bei diesem Gedanken jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken raste. Im Vergleich dazu war doch sein Leben mit Gerlinde – selbst hier auf Lanzarote – das reinste Geschenk des Himmels, oder nicht?

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 12. Februar 2017

Die unumgehbare Unvorhersehbarkeit der Zukunft!

Großen Dank an Jan Fischbach, Meister der Agilität und hier mein Fotograf.

Am 10. Februar habe ich für FAV (Forum agile Verwaltung) in der Hochschule der Medien in Stuttgart einen Vortrag gehalten. Ich hatte eine wunderbare Zuhörerschaft, bei der ich mich an dieser Stelle noch mal ganz besonders bedanken möchte. Der Twitter-Tag war #fav17 – hier kann man auf angenehme Art mehr Informationen zur Tagung finden.

Es ging in meinem Vortrag um die „Unumgehbare Unvorhersehbarkeit der Zukunft“. Der Titel war – wie auch der folgende Untertitel – nicht von mir. Ich habe mich aber bemüht, den vorgegebenen Gedanken zu folgen:
Agile Methoden sind besonders dann von Nutzen, wenn die Unsicherheit in Bezug auf das zu erzielende Ergebnis groß ist. In der Privatwirtschaft nehmen Unsicherheiten zu. Gilt das auch für die Verwaltung? Haben agile Methoden hier wirklich eine Daseinsberechtigung?

Hier als Service für die Zuhörer und für die, dich nicht dabei waren, eine Zusammenfassung meines Vortrages. Ein wenig gerafft und zum Teil in Stichworten.

Ich begann den Vortrag mit einer Vorschau und begann mit Begriffen, die mir wichtig sind. So „pinnte“ ich zuerst ein Kreuz bestehend aus fünf Worten ans White Board. Im Zentrum stand „agil“, umringt von „digital“, „social“, „newwork“ und „network/community“. Ich habe diese Begriffe definiert und erläutert, wie sie in meinem Verständnis zusammen hängen.


Einschub: Am Anfang meines Vortrages bin ich immer ein wenig aufgeregt. So habe ich in Stuttgart die wichtigen Begriffe lean und open vergessen. Wenn ich wieder über „agile“ rede, werde ich mit dem zentralen „smarten“ Quadrat „agile“, „digital“, „lean“  und „open“ starten. Und das mit „social“ zum Pentagramm verknüpfen.


Unter #newwork zum Beispiel fasse ich all die Bestrebungen und Bemühungen zusammen, die Arbeit menschlich machen und uns so helfen, auch in modernen Arbeitswelten “keinen Burnout zu kriegen”. Es geht um Achtsamkeit, Kooperation, Wertschätzung, Teilhabe. Alles Werte, die Bewegungen wie „Augenhöhe“ (der Film), Gemeinwohlökonomie, intrinsify.me, „demokratisches Unternehmen“, „EnjoyWork“ und weitere einfordern. Unter „smart“ verstehe ich zum Beispiel die Kombination von „digital“ und „sozial“, digital ist die Basis von „network/community“ und die „Agilität“ wurde zweifelsfrei erst in der „digitalen Welt“ wieder entdeckt.

Der Digitale Wandel (digital) ist allerdings nur die logische Fortsetzung der Industriellen Revolution und so ganz einfach ein Teil des sich immer mehr beschleunigenden technischen Fortschritts. Die hohe Beschleunigungüberrascht nicht, denn wir haben dank der Digitalisierung immer mächtigere Werkzeuge in der Hand, so ist die Digitalisierung sicher die wesentliche Ursache für die so schnell vor sich gehende drastische Veränderung unserer Gesellschaft.

Ergänzt habe ich dieses Bild durch die zwei Begriffe  „Mut“ und „Freude“ – als Voraussetzung für ein gelingendes (Arbeit-)Leben (oben) – und durch zwei Begriffe „Impuls geben“ und „Inspirieren“ als die beiden zentralen agilen Führungsmittel (unten). Und dies abgerundet mit „Vertrauen“ (links) und „Wandel“ rechts. Und am Schluss mit „Glück“ und „Erfolg“. Denn mein Ziel ist, Mitmenschen – ob Zuhörer oder Mentées – zumindest ein klein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen

Dann ging es mit dem Vortrag in die folgenden sechs Etappen. Die beschreibe ich jetzt nur stichwortartig.

  • AGILITÄT
    Ich habe das ja von Software-Entwicklern erarbeitete “Agile Manifesto” vorgestellt und den Einfluss der IT auf Technologie und Gesellschaft besprochen.
    Wichtig war mir, herauszuarbeiten, dass Agilität keine Methode sondern eine Einstellung ist, die man auch „Philosophie“ oder „Lebensweise“ nennen könnte. Es geht nicht um einen ideologischen Streit darum, ob zum Beispiel „Scrum“ oder „Wasserfall-Methode“ (V-Modell) besser sind.  Agil ist eine natürliche, ursprüngliche und so sehr menschliche Vorgehensweise, in dem beide Methoden abhängig von der Anforderung nutzbringend sein können.

    • Die Kathedralen des Mittelalters und auch das Colloseum in Rom wurden „agil“ gebaut
      Bauherr, Meister und Gesellen kamen zusammen (Vernetzung)
    • Nicht Agil: Daimler Museum
      (Bau erst möglich durch neue Rechnergeschwindigkeiten, um die Statik des Gebäudes zu berechnen. Aber dann kam der Brandschutz dazwischen.)
    • Wie die Agilität verloren ging:
      Die industrielle Revolution hat das Weltbild verändert. Henry Ford kam bei einer Besichtigung des Schlachthofes in Chicago auf die Idee, auch Autos am Fließband herzustellen. Seine mächtigen Fabriken hatten einen großen Bedarf an Arbeitern, die es aber nicht gab. Zeitgleich wurden in der Landwirtschaft auf Grunde des verstärkten Einsatzes von Maschinen viele Bauern arbeitslos. Die waren aber “ dumm”, nicht einmal mit  “Zeit” waren sie vertraut. So musste die Kaste der Ingenieure alles regeln. So entstand die „Kaste der Ingenieure“, die „alles“ für ihre Untergebenen vor denken mussten. Hierarchie gepaart mit extremer Arbeitsteiligkeit (Taylorismus) wurde zur wegweisenden Organisationsform für Unternehmen.
    • Beispiel Werner von Siemens, geboren 1817: Er organisiert sein Unternehmen (Siemens) nach dem Muster der Deutschen Reichswehr.
    • Dazu kommt: Zeit ist ein besonderes Gut. Wenn sie weg ist, dann ist sie weg. Jetzt wird sie auf einmal vermessen. In Einheiten wie Kilogramm!
      Anmerkung: Die Segelschifffahrt kannte keinen Fahrplan. Das gab es nur für Postkutschen. Erst die Dampfschifffahrt und die Eisenbahn ermöglichten Fahrpläne. So entstand die Forderung nach einer „gemeinsamen Zeit“ in zusammenhängenden Räumen.
    • Uhren waren vor der industriellen Revolution vor allem notwendig für die Navigation auf hoher See. Jetzt beginnt die Zeit, das Leben zu dominieren (beherrschen).
    • In den Fabriken gab es eine gemeinsame Zeit. Um den Takt nicht zu gefährden, mussten Uhren am Werkstor abgegeben werden. Das Abschiedsgeschenk zur Pensionierung war dann eine eigene Uhr. “Der Mensch bekam die Zeit zurück”.
    • Vor der industriellen Revolution gab es kein Gefühl für Zeit. Noch um 1900 gab es nur in ganz wenigen Ländern eine gemeinsame Zeit. Für Planung ist der Parameter Zeit von höchster Bedeutung.
    • In einer agilen Welt treten Communities an die Stelle von Organisationen
      Beispiel: Bewegungen wie für #newwork versus Gewerkschaft.
    • In einer agilen Welt gehen die Bedürfnisse der Kunden vor den im Pflichtenheft vertraglich festgelegten Funktionen.
      Beispiel S21 – Volksentscheid war zustimmend, weil die Menschen verstanden hatten, dass schon vollendete Tatsachen allein schon aufgrund der vertraglicher Verpflichtungen geschaffen worden durch Auftragsvergabe.
    • Schein-Agilität
      Ein gutes Beispiel ist das Auto als Träger des individuellen Verkehrs. Ein PKW ohne Fahrer macht nicht frei. Was passiert, wenn alle Automobilisten das bemerken und “agil” werden möchten? Angeblich bricht dann die Wirtschaft zusammen. Das ist aber Blödsinn, weil “Innovation kreative Zerstörung ist.
  • AGIL LEBEN
    Agile Menschen haben in der Regel weniger Angst. Denn Angst findet im Kopf statt. Agile Menschen erkennen in der Regel den Punkt, an dem man aufhören muss, weiter Argumente abzuwägen sondern mit dem Ausprobieren beginnen muss. Agile Menschen wissen, dass sie nur über Gewissheiten aber nicht über Wahrheiten verfügen. Sie sind bereit zuerst mal Vertrauen zu geben (“erst geben dann nehmen”).
    Agile Menschen haben mehr Spaß und Freude an der Arbeit und sind bescheidener und glücklicher. Vielleicht auch demütiger und dankbarer. Faustregeln sind: Je mehr Angst desto weniger Agilität und versus vice. Die Voraussetzung für Agilität ist eine souveräne Gelassenheit. Diese wächst durch agiles Leben. So sind agile Menschen in der Regel glücklicher und erfolgreicher.
  • ZUKUNFT
    In den beiden letzten Jahrhunderten des letzten Jahrhunderts haben Menschen und Manager geglaubt, dass man die Zukunft vorhersehen kann. Man müsse nur über ausreichend Informationen verfügen und diese präzise auswerten. Dann wäre es möglich gültige Szenarios auch für die Zukunft zu entwickeln (mit Hilfe z.B. von Thinktanks) und könne dann ganz rational die richtigen  Lösungen und Entscheidungen fällen
    So würde ein Unternehmen (wie eine Behörde) zu einem determinierten System, das Input bekommt und Output liefert  –  und welches vom Management durch das Drehen an den richtigen Stellschrauben optimal gesteuert werden kann.
    Welch ein überholter Standpunkt!
    Zukunft ist nicht vorhersagbar. Aber wie will man die Zukunft planen und steuern, wenn man in sie nicht hineinschauen kann?

    • Hans Ulrich (der Erfinder des St. Gallener Management Modells stellt 1982 in seinen „Thesen zum Wandel im Management als erste These fest: „Zukunft ist nicht vorhersagbar!“
    • In St. Gallen stellen BWL-Wissenschaftler die Frage, wie es denn sein könne, dass Manager à priori richtige Entscheidungen fällen können, wenn es à posterio oft nicht möglich ist, zu bewerten, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war
      (Definition für Entscheidung: Sie ist betreffend der Folgen wesentlich und findet unter Unsicherheit statt).
    • Vuca (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity)
      Plötzlich tauchen solche Begriffe als Abkürzung für die „reale Welt“ auf. Aber war die Welt nicht immer schon so?
    • Zukunfts-Forschung:
      Ich habe selbst Analysten geglaubt (Diebold, Gardner), besonders wenn sie meine eigenen Annahmen (Vorurteile) bestätigt haben. Die Vorhersagen waren fast immer falsch:
      Zwei Beispiele, die auch mich geschädigt haben:
      Bildschirmtext (BTX) und Print on Demand (PoD). Damals waren die Marktvorhersagen völlig falsch. Die Unternehmer, die diese geglaubt haben, haben falsch investiert.
    • Zwei persönlichen Freunden aus dem Kreis der Zukunftsforscher lohnt es zu folgen:
      Klaus Burmester (@foresight_lab) und Lars Thomsen (future-matters.com/lars-thomsen/). Beide gehören wohl zu den weltweit führenden SZukunftsforschern. Klaus ist eine Twitterempfehlung. (#FF).
      Matthias Horx (www.horx.com/) ist recht bekannt, persönlich kenne ich ihn nicht.
    • Einschub zu Lars und Vorhersagen zur Elektro-Mobilität:
      Vortrag auf Biike-Treffen in Sylt vor mehreren Jahren von Unternehmern, Managern, Beratern. Thema ist Innovation & Wandel, auch E-Mobilität.
      Lars begeistert uns mit seinem Vortrag zu E-Mobilität. Zwei Jahre später sind fast 20 % der Teilnehmer stolzer Besitzer eines Teslas, aber alle Prognosen von Lars waren total daneben.
    • Definition von Zukunftsforschung ist übrigens Lars folgend die Verlängerung von Trendforschung. Aufbauend auf dieser wird Zukunftsforschung zur Suche nach dem Tipping Point (https://de.wikipedia.org/wiki/Tipping-Point) von Technologien definiert.
    • Mein Schluss: Zukunftsforscher helfen uns nicht, in die Zukunft zu schauen.
    • Die von allen so gerne beschworene Innovation kann man am besten als “kreative Zerstörung” beschreiben.
    • Die so oft geforderte Reform bedeutet nur „gewaltfreie Veränderung“.
    • Und immer mehr Buzzwords sind im Umlauf:
      Transition, Transformation, Revolution, disruptive Veränderungen, Anti-Fragilität, VUCA …
      Das ist aber alles nichts neues und „Agilität“ ist das einzige, was helfen kann.
  • UNTERSCHIED von UNTERNEHMEN und VERWALTUNG
    Unternehmen sterben, wenn sie mit Veränderung und Wandel nicht zurecht kommen. Da gibt es gerade in der IT so viele Beispiele. Manche Unternehmen melden „nur“ Insolvenz an, andere hinterlassen – auch wenn sie jahrelang sehr erfolgreich Profite privatisiert haben – gelegentlich hohe Schäden, die sie dann elegant sozialisieren (siehe EVUs – jahrelang waren sie die betreffend Dividendenausschüttung die Helden im DAX. Jetzt versuchen sie die Altlasten wie Kernkraftwerke in den öffentlichen Bereich zu verschieben.
    Behörde und Verwaltung kann sich aber nicht davon stehlen, wenn sie den Wandel verschlafen hat. Denn das Leben in der Kommune geht weiter. So müssen die Behörden – auch aufgrund  des politischen und gesellschaftlichen Auftrags – mit jedem Wandel zurecht kommen.
    Wie soll das Überleben der Verwaltung aber gelingen, wenn nicht mit einer agilen Denke als Grundeinstellung? Die eine agile Philosophie als handlungsleitenden Wert hat und eine agile Kultur entwickelt und lebt …
  • TREIBER von VERÄNDERUNG
    Das Bewusstsein wächst, dass Zukunft und der kommende Wandel nicht vorhersagbar sind. Planung versagt schon heute immer häufiger und zwar in erstaunlichem Ausmaß  (Zahlreiche IT-Großprojekte, S21, BER). Die Annahme, dass in Zukunft Veränderung häufiger und heftiger werden, ist wohl korrekt. Der Trend scheint das zu Bestätigten. Wir nehmen in vielen Bereichen eine ungeheure Beschleunigung wahr, das Tempo nimmt weiter zu.
    Treiber von Veränderung könnten beispielsweise sein:

    • Anforderungen von Politik / Gesetzgeber
      Trump, „Gesetze“ die sofort umgesetzt werden müssen …
    • Wirtschaftliche Veränderungen
      Autoindustrie, Exporteinbruch, Gewerbesteuer …
    • Infrastruktur & Gewohnheiten
      Mobilität, Konsumverhalten …
    • Rahmenbedingungen
      Zins steigt, Verarmung …
    • Disruptive Ereignisse
      Flüchtlinge, Klima (Erwärmung & Kälte, Wasser&Trockenheit …), Epidemien, Krieg (Terror) ???
    • Technologie
      smart solutions, Virtualisierung, Elektrifizierung, Personalausweis als App
    • und manches mehr.
  • DIGITALER und WANDEL
    Die Digitalisierung als rasante Fortsetzung des „technologischen Fortschritts“ hat gerade erst begonnen – wie auch der davon verursachte gesellschaftliche Wandel. Kulturtechnologien wie „Rechnen können“ (ob im Kopf oder auf Papier) verschwinden.
    Maschinen werden „intelligent“. Mit „intelligenten Maschinen“ können wir Maschinen bauen, die anders nicht gebaut werden könnten und die wieder noch „intelligentere Maschinen“ bauen. Die technologische Beschleunigung durch den digitalen Fortschritt nimmt so weiter zu.
    Die „Büchse der Pandora“ ist vielleicht eine schöne Metapher für Digitale Technologie. Die Büchse steht auf eine Tisch. Der Tisch vibriert immer heftiger, die Büchse beginnt zu wackeln. Schon liegt der Deckel schief auf der Büchse und es beginnt heraus zu kriechen. Denn in der Dose rumort es.
    Bald wird der Deckel von der Dose fallen, dann wird die Dose umkippen. Ihr Inhalt wird sich auf dem Tisch ausbreiten. Noch wissen wir nicht, ob das, was da alles raus krabbeln wird, Raupen sind, die zu schönen Schmetterlingen mutieren werden. Oder sind es bösartige Würmer, die uns Medusa gesandt hat?Ich hoffe mal auf viele schöne Schmetterlinge.

Das war der Vortrag. Da er den Zuhörern gut gefallen hat, werde ich ihn sicher ein paar mal wiederholen, wahrscheinlich umgebaut mit den Schwerpunkten „agile Mobilität“ oder „agiles Unternehmen“.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 24. Dezember 2016

Frohe Weihnacht

Happy X-Mas from Jamaica!

Der Christbaum in Montego Bay wird gerade aufgestellt.

Roland Dürre
Freitag, der 24. Juni 2016

Meine nicht gehaltene Geburtstagsrede.

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Ich bin 66 Jahre alt geworden. Über die vielen, vielen Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut und möchte mich auch an dieser Stelle dafür bedanken. Es hat mir gut getan, dass so viele Menschen an mich gedacht haben.

Dieses Jahr haben wir nicht zum großen Fest eingeladen wie schon öfters in meinem Leben. Obwohl 66 Jahre eine sehr schöne Zahl zum Feiern gewesen wäre, hatte ich irgendwie keine Lust dazu.

Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder ein Fest. Eigentlich heißt es ja „Kein Fest – keine Rede“. Eine kurze Ansprache – wie an meinen Geburtstagsfesten üblich – habe ich mir aber auch für dieses Jahr überlegt. Weil ich Spaß daran hatte.

🙂 Hier ist meine „virtuelle Geburtstagsrede“ für alle virtuellen Geburtstagsgäste:

Fast 66 Jahre hat es gebraucht, dass ich mich so richtig freuen kann. Ich habe gelernt, mein Leben zu genießen. Und fühle ich mich schon seit gut einem Jahr so richtig glücklich. Glücklicher als früher, dabei habe ich ein wunderbares Leben führen dürfen und eigentlich war da doch alles immer sehr schön.

Zwar ärgere ich mich immer noch über Kleinigkeiten, über die sich zu ärgern wirklich völlig sinnlos ist. Zum Beispiel wenn das WLAN im Hotel nicht funktioniert. Weiter fühle ich immer noch Aggressivität in mir aufsteigen, wo es absolut fehl angebracht ist. Und ich bin oft verzagt, wegen Dingen, wegen denen man wirklich nicht verzagt sein sollte.

Ansonsten bin ich glücklich. Dies mit zwei Einschränkungen.

Die erste ist, dass ich gar nicht mag, dass mein Leben jetzt doch langsam zu Ende geht. Und ich das Sterben immer noch fürchte und ab und zu grauenvolle Angst davor habe. Tod und Sterben trifft aber jeden und alles, das kann man nicht ändern, darum versuche ich das einfach zu akzeptieren und mir keinen großen Kopf mehr darüber zu machen. Ist zwar schwierig, aber immer öfter gelingt es.

Das zweite ist eher schlimmer. Immer weniger verstehe ich, was um mich herum so passiert. Im Kleinen wie im Großen.

Ein Freund, den ich für mein Projekt Frieden gewinnen wollte, hat mir vor kurzem geschrieben. Wir hatten über „Toleranz“ und „Neutralität“ Gesprochen. Sicher sind das Grundvoraussetzungen für Frieden,. Er hat aber die Frage gestellt, ob die größte Bedrohung für Frieden nicht der Kampf um die Ressourcen ist? Und dazu hat er ein paar  Stichworte geliefert:

  • Den Wassermangel im Nahen Osten.
  • Den USA wurde vorgeworfen, die Irak-Kriege wegen des Öls geführt zu haben (dabei soll kein US-Unternehmen im Irak nach Öl bohren, so der BR. Dies würden Franzosen, Kanadier und Chinesen tun).
  • Die Neue Zürcher Zeitung hat vertriebene Jesiden in ihrem Flüchtlingslager besucht und befragt. Diese sagten, sie könnten so oder so nicht in ihre Heimat zurück, da sie nicht nur von den Terroristen, sondern auch von ihren sunnitischen Nachbarn verjagt worden seien. Diese brauchten als Folge des Kinderreichtums zusätzlichen Platz.
  • Das Thema Gentrifizierung zeigt, dass der Kampf um Ressourcen (Wohnraum) auch in Städten wie München den gemeinschaftlichen Frieden tangiert.

Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. Im kleinen wie im großen.

Mir tut es immer weh, wenn gutes Essen einfach so vernichtet wird und woanders gehungert wird. Wenn ich die toten Igel und Kröten auf den ruhigen Strassen meiner Gemeinde sehe. Und wenn Menschen auf der Autobahn sterben, weil jemand meinte, mit 200 km/h unterwegs sein zu müssen. Und was mit unserem Planeten so allgemein gemacht wird.

Habe gerade gelesen, dass ein Funktionär des Dachverband der IHK der Meinung war, dass Umweltschutz im Widerspruch zur Lebensqualität stände. Und die Frage stelle, ob wir denn wirklich wieder mit 34 PS über den Brenner fahren wollten. Oder dass ein polnischer Minister, dass es er seine Politik so artikulieren würde, wie er es tut, weil es nicht sein dürfe, dass die Polen ein Volk von Vegetariern und Radfahrern werden würden.

Das alles macht mich traurig. Wir leben in einer Gesellschaft, die Verschwendung zur Handlungs-Maxime gemacht hat. Und Kriege und Gewalt die Folge des Kampfes um Ressourcen sind. Darf das wirklich wahr sein? Und ich bin wirklich erschüttert. Würde gerne etwas tun, dass sich dies ändert. Weil es mir dann auch innerlich (noch) besser gehen würde. Aber ich weiß nicht das Wie und das Was.

So oder so ähnlich hätte ich meine Ansprache gehalten, wenn es ein Fest gegeben hätte.

RMD