Roland Dürre
Mittwoch, der 12. April 2017

Noch eine Logelei!

Da meine letzte Logelei ein paar Menschen viel Freude gemacht (und andere zur Verzweiflung gebracht) hat, hier noch eine. Die ist allerdings

Eigentlich ganz einfach!

Ein Hausbesitzer hat eine quadratische Terrasse, die mit 64 einfachen quadratischen „Kacheln“ (jede 30 cm x 30 cm groß) gepflastert ist. Er möchte diese mit 31 (schon besorgten) Dominosteinen auslegen (doppelt so groß wie die Kacheln – also zwei mal so lang wie breit, das heißt 60 cm x 30 cm groß) auslegen.

Sein besonderer Wunsch ist, dass die zwei gegenüberliegenden Ecken frei bleiben. Da soll jeweils eine quadratische Kachel mit einem besonderen Symbol hinkommen, von denen er sich auch schon zwei besorgt hat (genauso so groß wie die ursprünglichen, also auch mit den Maßen 30 cm x 30 cm). Natürlich dürfen die Dominosteine aus ästhetischen Gründen nicht halbiert werden.

Diesen Auftrag übergibt er einem Handwerker. Der freut sich über den Auftrag und macht sich an die Arbeit. Er lässt ein Eckfeld frei und beginnt mit dem Verlegen der Dominosteine.

Nun die Aufgabe:

  1. Bekommt der Handwerker das hin?
  2. Wenn ja, wie?
    oder
    Wenn nein, warum nicht?

In zwei Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der Lösung!

Tipp: Ich habe auch eine quadratische Terrasse 🙂

Diese Aufgabe hat mir 1968 der Werner während eines langweiligen Fußball-Spiels im Rosenau-Stadion gestellt. Er war fünf Jahre älter als ich und hat schon an der TUM Mathematik studiert. Ich war da noch im Jakob-Fugger-Gymnasium. Leider weiß ich auch für diese Logelei keine Quelle.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 3. April 2017

Eine ganz besondere Aufgabe!

Die Lösung kommt dann in zwei Wochen!

Ein guter Freund hat uns vor kurzem eine Denkaufgabe gestellt. Die Quelle wusste er nicht, sonst hätte ich sie gerne zitiert. Mein Freund konnte die Aufgabe nicht lösen und ich auch nicht. Aber es ist eine wirklich spannende und hoch interessante Aufgabe. Mit einer verblüffend einfachen Lösung inklusive einer mathematisch schönen Begründung. Sie schenkt uns auch ein paar Metaphern für’s Leben.
🙂 Unter anderem, dass die Mathematik auch mal zu etwas nutze sein kann.
Hier kommt die Geschichte:

Hier ein weiblicher Ganove. Auf ihrer Karte steht die Ziffer 1. Aber das weiß sie nicht. Sie kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Eine – nicht unsympathische – Gang bestehend aus 10 Personen verstößt laufend auf das Äußerste gegen die herrschende Moral. Die Mitglieder der Gang sind kreativ und klug – so betreiben sie ihre verachtenswerte Handlungen mit großer Geschicklichkeit und entgehen immer wieder dem Arm des Gesetzes. Das ist ihr Glück, denn die vorgeschriebenen Strafe für ihr Verbrechen ist der Tod durch den Strang.

Die Gang bekommt in der öffentlichen Welt einen legendären Ruf und wird für so manchen einfachen Menschen zum Idol. Für die Staats-Autorität ist diese Entwicklung völlig inakzeptabel. So führen die erhöhten Fahndungs-Bemühungen der Behörden gepaart mit dem zunehmendem Übermut und Leichtsinn der Bandenmitglieder zur Ergreifung der Gruppe.

Alle 10 Bandenmitglieder werden aufgrund ihres schändliches Treiben in einem Schauprozess ganz schnell zum Tode verurteilt. Es gibt aber noch eine mögliche Rettung für die 10 Komplizen – ein gestelltes Gnadengesuch. Das Staatsoberhaupt ist eine sehr kluge und gutmütige Frau, die dies entscheiden muss. Sie gilt als sehr erfahren und weise; es gibt Gerüchte, dass sie sogar ein wenig mit der Gang sympathisiert habe.

In der Tat macht sie es sich nicht einfach. Sie erlässt einen bedingten Gnadenerlass (so ein wenig im Sinne eines „Gottesurteils“):

Vor der Hinrichtung dürfen sich die 10 Mitglieder noch ein letztes Mal sehen. Es findet ein Abschieds-Treffen statt, die 10 Ganoven dürfen den Nachmittag vor der Hinrichtung gemeinsam und ohne Überwachung verbringen.

Hier ein männlicher Ganove. Auf seiner Karte steht die Ziffer 2. Aber das weiß er nicht. Er kennt ja nur die anderen neun Bilder mit deren Ziffern.

Zu Beginn dieses Treffens wird den Ganoven erklärt, wie der Gnaden-Erlass funktionieren wird. Von jedem Bandenmitglied wurde ein Foto gemacht (zwei davon sieht man links). Jedes dieser Fotos wird mit einer Ziffer aus der Menge 0 – 9 {0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9} versehen, wobei jede Ziffer beliebig oft verwendet werden kann. Es könnte also sein, dass auf allen Bildern dieselbe Ziffer steht. Oder nur eine Teilmenge genutzt wird wie z.B. {1,2, 3)}. Oder nur gerade oder ungerade Ziffern auf den Fotos stehen. Wie auch immer. Aber auch alle Ziffern könnten genutzt werden. Es ist alles möglich.

Nach dieser Belehrung dürfen sie die vielleicht letzten Stunden ihres Leben gemeinsam verbringen. Wie das Treffen vorbei ist werden sie in Einzelhaft genommen. Dort wird jedem der 10 Bandenmitglieder die 9 Fotos der anderen 9 Mitglieder gezeigt – aber nicht das eigene. Und dann wird er nach der Nummer auf dem eigenen Foto befragt. Und wenn auch nur einer der Ganoven die Ziffer auf seiner Karte richtig errät – dann werden alle begnadigt.

Zuerst denkt man sich, dass die Ganoven so eine gute Chance haben, noch mal Gnade vor Recht zu bekommen und ihrer verdienten Strafe zu entkommen. Und zweifelsfrei hat sich ihre Situation schon mal verbessert. So schlecht ist die Chance ja nicht, dass einer der Zehn die Ziffer auf seinem Bild errät und so sie alle der Hinrichtung entkommen.

Aber so einfach ist es nicht. Es kann auch schief gehen. Und was die weise Regentin vergessen hat (oder vielleicht auch nicht):
Die 10 Ganoven können mit einer einfachen Verabredung sicher stellen, dass ein Ganove zwingend die richtige Zahl sagt, die auf seinem Bild steht.
Und damit garantiert, dass er und seine Kameraden begnadigt werden.

Das ist die kleine Aufgabe: Mit welcher Verabredung schafft es die Gang, das zur Verabschiedung gedachte Treffen für eine Verabredung zu nutzen, mit der sie „ihre Köpfe“ zu 100 % aus der Schlinge ziehen?

In ein paar Wochen werde ich die Lösung veröffentlichen – und bis dahin freue ich mich auf viele E-Mails mit der richtigen Lösung!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. April 2016

Die Meister der Reformen.

Die Vorgeschichte zum Artikel:
Zurzeit habe ich lieben Besuch aus China. Gestern am Sonntag (24. April) will unser Besuch die Bundes-Talkshow mit „Anne Will“ sehen.

Was tut man nicht alles für seine Gäste. Also schauen wir gemeinsam „Anne Will“. Das Thema der Sendung ist die Politik der EU und das Verhältnis zu ihrem Partner Türkei, mit besonderer Aufmerksamkeit auf Erdoğan, den zwölften Präsident der türkischen Republik (den ich eher als Diktator wahrnehme). Die Gäste sind überwiegend die bekannten Gesichter … (zur Sendung).

Recep Tayyip Erdoğan 2015

Recep Tayyip Erdoğan 2015
ein großer Reformer?

Zuerst ist es langweilig wie immer. Dann wird Recep Tayyip Erdoğan von einem Teilnehmer als großer Reformer gelobt.

Mich irritiert, dass diese Aussage von den Gesprächspartnern nicht nur sofort bestätigt wird, sondern dies den Diktator in der Runde aufwertet und als Gegenargument die Frage kommt, warum er denn jetzt „seine eigenen (guten) Reformen“ alle wieder abschaffen würde?

Bevor man über und von Reformen quatscht, sollte man sich zuerst mal überlegen, was denn unter „Reformieren“ zu verstehen ist. Ich schaue zuerst mal die Begriffserklärung für Reform in Wikipedia nach.

Gleich als ersten Punkt in der Aufzählung finde ich, dass der Begriff Reform nichts anderes beschreibt als
„Die planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse“.

Das erscheint mir doch schon als eine halbwegs valide Definition. Und siehe da – sie ist völlig wertfrei. Nirgends steht hier, dass eine Reform etwas „Positives“ oder Gutes“ sein müsse.

Die Definition fragt auch nicht nach dem Zweck. So bleibt eine Reform eine Reform, auch wenn sie zum Beispiel der Einführung einer (guten oder schlechten) Diktatur oder einer (vielleicht genauso guten oder schlechten) Demokratie dient.

Den eigentlichen Artikel zu Reform in Wikipedia finde ich schwach. Er beschränkt sich auf Beispiele für Reformen in der Geschichte; Politische Reformen im Deutschland der Gegenwart und Kirchliche Reformen. Er suggeriert auch, dass eine Reform nur dann eine Reform ist, wenn es um eine Umgestaltung geht, die zu einer wesentlichen Veränderung führt. 

Das gängige und einzige Mittel zur Umsetzung von Reformen in Demokratien scheint die Gesetzgebung zu sein. Reformieren heißt, ein neues Gesetz zu machen. Woher kommt dann eigentlich der dauernde Ruf „nach neuen Reformen“? Da wir ja nicht die Kraft haben, Gesetze zu streichen, verkommt er zur Forderung nach mehr Gesetzen. Und genau die werden auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene eh schon in inflationärer Art und Weise produziert!

Ein gutes Objekt für eine geschichtliche Betrachtung von Reformen und ihre Folgen ist für mich die Geschichte der deutschen Eisenbahn. Zuerst wurden die Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn (DR) zusammengefasst. Dadurch entstand eines der größten Unternehmen der Welt und der weltweit größte Arbeitgeber. Die Vorteile waren simpel, es war jetzt möglich „Einheitsbaureihen“ in großer Stückzahl zu bauen. Diese „Reform“ hat wohl auch zu einer sehr leistungsfähigen Organisation geführt. Angeblich fuhr die deutsche Reichsbahn sogar in den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs pünktlicher als die DB AG und ihre Wettbewerber heute.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bundesbahn (DB) in Westdeutschland die Nachfolgerin der DR. Zur Übernahme der Deutschen Reichsbahn der DDR kam dann die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn und die Überführung in die DB AG inklusive einer Zerlegung in viele Eisenbahn-Betriebsgesellschaften und Erweiterung des Betriebes durch „private“ Konkurrenten.

Da kann man jetzt sicher trefflich über den Sinn und Zweck dieser Reformen diskutieren.

Aber zurück zur Talkshow von Anne Will.
Zuerst musste ich bei der Erwähnung der Reformen von Erdoğan an Adolf Hitler denken. War der doch nicht nur der größte Feldherr (GröFaZ) sondern auch der größte Reformer aller Zeiten (GröRaZ)? Sind doch viele Reformen und die daraus resultierende Gesetze, die überwiegend heute noch gelten, im dritten Reich angelegt worden (Arbeit, Mutterschutz, Verhältnis Kirche/Staat inklusive Kirchensteuer, Kulturgutschutz und vieles mehr).

Die türkische Geschichte, wie ich sie gelernt habe:
Als Kinder haben wir in der Schule und im Rahmen der BRD-Sozialisierung gelernt, dass die Türkei und die Türken den Deutschen sehr freundlich gesinnt seien. Militärisch wäre die Türkei immer ein guter Partner gewesen. Die aus dem Mittelalter stammende Angst vor den Türken wäre nicht mehr angebracht. Innenpolitisch wäre die Türkei sicher ein wenig kritisch zu bewerten, da die Trennung von Kirche und Staat naturgemäß in islamischen Staaten nicht so einfach wäre. Das säkulare Erbe von Atatürk (Mustafa Kemal Atatürk), dem Vater aller Türken, würde aber glücklicherweise von den Generälen des starken Militär beschützt, das so auch die Demokratie in der Türkei sicher stellen würde. Und natürlich hat man uns gelehrt, dass die türkischen Gastarbeiter ein wichtiges Moment für die deutsche Wirtschaft wären. Das war es dann schon, was man uns über den Nato-Staat und damals noch baldiges Mitglied der europäischen Gemeinschaft erzählt hat.

Naja, vielleicht hat Erdoğan ja da mit seinen Reformen durchaus etwas verändert.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia Kremlin.ru
Встреча Президента России Владимира Путина с Президентом Турции Реджепом Тайипом Эрдоганом в Баку

Gastautor(en)
Dienstag, der 6. Oktober 2015

Mein Freund, der Softwarebetrüger …

Gestern bekam ich Post von Hans Bonfigt. Hans schätze ich als exzellenten SW- und IT-Mann. Er ist ein Provokateur, bekannt für seine Unbeugsamkeit und drastische Sprache. Er hat mir heute Morgen geschrieben:

Lieber Roland, ich hoffe, es geht Ihnen gut!

Ihren Kommentar zur VW-Affäre und Ihre Vermutung, daß es ein Novum sei, daß Software zur Manipulation verwendet wird, habe ich neulich im Forum beantworten wollen. Auf einer längeren Zugreise habe ich, unsortiert, einige Beobachtungen in mein Blackberry gekippt. Was insgesamt dabei herausgekommen ist, hat mich selber entsetzt.

Auch wenn ich mir damit schade und es mit 55 Jahren für eine Lebensbeichte noch zu früh ist: Hier ein Gastbeitrag für IF-Blog.

Ihr Hans Bonfigt

Ich, der Softwarebetrüger.

betrugDer relevante Teil meines ganzen Lebens ist in einem Satz geschildert: Ich habe, oft erfolgreich, grundlegende Erkenntnisse von Wissenschaftlern wie Newton, Gauß, Boltzmann, Steiner, Euler und Shannon kombiniert mit dem Fachwissen meiner Kunden, um daraus Programme zu gestalten, die dem Fachmann helfen sollten, ihre Arbeit effizienter zu erledigen.

So, mit genau diesem Paradigma ganz bewußt im Kopf, habe ich 1980 angefangen, Software zu entwickeln – zum Berechnen von Elektromotoren, Parabelfedern oder Hebebühnen, zum Regeln von Temperatur, Durchlaß, Druck und Lage.

Es hätte gerne ewig so weitergehen können …

Schon in den 70er Jahren amüsierte sich mein alter Herr über das „akademische Proletariat“ und verwies auf eine Karikatur in der FAZ, Verlierertyp mit Doktorhut hält dekadentem Opernpublikum die Türe auf und untendrunter stand, „Dr. rer. pol. Rolf Wüllweber, Doktorarbeit bei Professor Steiner, ‚Die soziokulturelle Bedeutung des Lodenmantels unter besonderer Berücksichtigung der späten Weimarer Republik im Lichte der heutigen Erkenntnisse zur Sozioanisotrophie und Abstraktionsanalyse‘. Er hätte doch besser auf Professor Steiner gehört, als dieser ihm eröffnete, „Wüllweber, mit dieser Doktorarbeit können Sie bestenfalls Türsteher werden“.

Jeder studierte plötzlich irgendetwas und keiner konnte die affektierten Pseudo-Theoretiker zu irgendetwas gebrauchen. Zu anständiger Arbeit waren die hohlen Nüsse nicht zu gebrauchen, also schlichen sie sich in den Betrieben durch die Instanzen: Dokumentation, „Kommunikationsabteilung“, interne Regularien (Anmerkung des Lektographen: oder Produktplanung) …

Bei Siemens soll diese Spezies sogar eine „Grußordnung“ hervorgebracht haben, wer, in Abhängigkeit von Ort, Tageszeit und „Dienstgrad“ wen zuerst zu grüßen hätte (Noch eine Anmerkung des Lektographen: Mir war zumindest die Regulierung bekannt, welcher Dienstrang einen Anspruch auf Vorhänge im Büro hat …).

Dann aber brach etwas über uns herein, was man „QM“ nannte, „Qualitäts-Management“.

Keiner wollte es und jedes Unternehmen, das ich gut kenne, resümiert freimütig, daß sich die Qualität seiner Produkte mit der Einführung von Qualitäts-Management nachhaltig verschlechtert habe. Nun gibt es mindestens zwei Methoden, mit so etwas umzugehen:

Die Russen und die Italiener beispielsweise pappten einfach ihre DIN/ISO-Plaketten auf ihre Produkte und gut war es – genau wie die UL- und CE-Zeichen. In Deutschland geht so etwas nicht. Da wurden Hunderttausende Flachpfeifen, die nie im Leben gearbeitet hatten, zu ‚Qualitätsbeauftragten‘ „ausgebildet“, die in der Folge die abstrusesten Regularien verfaßten, die mit dem Verwendungszweck des Endproduktes nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hatten, aber die Produktion weiter verteuerten und so den Standortnachteil Deutschlands weiter verschlechterten.

Kein Unternehmen hält einen phantasielosen Technokraten länger als 5 Jahre aus (VW und Carl H. Hahn lassen wir zunächst einmal außen vor), und so wanderten die Schaumschläger nach dem Prinzip ‚promoveatur ut amoveatur‘ in die Vorstände und, schlimmer noch, als lobby-affine Lakaien in alle möglichen Normungsausschüsse. Und so entstanden Werke wie die „DIN EN 1570“, mit der ich mich beruflich einige Zeit herumschlagen mußte: Viel zu spezifisch in Details, viel zu schwammig bei wichtigen Kriterien.

Und hier begann mein persönlicher Sündenfall:

Weil mich die Norm maßlos ärgerte, begann ich, sie bewußt fehl zu interpretieren und die zahlreichen Lücken auszunutzen. Denn der inner- und außer-europäische Wettbewerb schiß einen dicken Haufen auf die tolle neue Euronorm – die Produkte meines Kunden aber wurden danach geprüft. Früher war ich stolz darauf, daß meine Algorithmen ein Modell der Wirklichkeit waren – jetzt ‚frisierte‘ ich dieses Modell, indem ich Definitionslücken ausnutze.

Und während ich dies schreibe, wird mir auf einmal klar, daß ich schon viel früher angefangen habe, anstatt eines Abbildes der Wirklichkeit ein Wunschbild zu schaffen.

Da war zum Beispiel der Spediteur, den Polizei und Ordnungsbehörden notorisch „auf dem Kieker“ hatten: Regelmäßig schickten sie ihm Prüfer ins Haus, die sich die der Archivierungspflicht unterliegenden Fahrtenschreiber-Scheiben einmal ganz genau anguckten. Bei einem Verstoß kamen sowohl der Fahrer als auch der Spediteur „dran“, und es sprach sich herum, „Bei W. solltest Du nicht arbeiten, wenn Du deinen Führerschein behalten willst“.

Was soll ich sagen, ich pflegte gute Beziehungen zu KIENZLE, besorgte mir einen Tachographen, modifizierte ihn so, daß er eine V.24 – Schnittstelle erhielt und entwarf ein Computerprogramm, welches Datum, Km-Stände, Start- und Zielort erwartete und dann eine StVo-konforme Scheibe „nachkartete“.

Für das gleiche Gewerbe entwickelten wir andere Geräte, die die Verkehrssicherheit signifikant erhöhten: Wer wäre nicht einmal beinahe oder tatsächlich auf seinen Vordermann aufgefahren, weil dieser in Panik beim Anblick einer Radarfalle eine Vollbremsung hingelegt hatte? Mit unserem aktiven RadarJammer konnte man mit unverminderter Geschwindgkeit durch rauschen, denn der störte die damaligen „Multanova 6F“ und „Traffipax“ durch Interferenz.

Als die unsäglichen „Intrastat“ – Meldungen für viele Unternehmen zur Pflicht wurden, waren wir es, die ein Modul für die damalige Auswertungssoftware „CBS/IRIS“ schrieben, welches die Statistiker mit reinen Zufallszahlen bediente. Besonders stolz waren wir darauf, daß wir optional per Laserdrucker auf Formularen drucken konnten, welche von Saarlouis angefordert werden mußten, wenn ich mich recht erinnere. Eigentlich sollte nach Warengruppen verdichtet werden, mußte aber nicht. Und so schickten viele unserer Kunden kistenweise Formblätter an die Statistikbehörde, die allerdings mit unterschiedlichsten Fonts und natürlich dunkelgerastertem Hintergrund von keinem OCR-System der Welt hätten gelesen werden können.

Wir bieten auch Lösungen für den „Elektronischen Gelangensnachweis“ und das „reverse charging“ – Umsatzsteuerverfahren an, aber darüber kann ich aus Aktualitätsgründen nicht berichten. Und so muß ich, im letzten Drittel meiner beruflichen Laufbahn angekommen, zu meinem eigenen Entsetzen feststellen, daß ein Drittel meiner „Werke“ die Umgehung von Bürokratismen zum Ziel hatten – vornehm ausgedrückt.

Natürlich habe ich für die Betrügerei eine Motivation: Wenn zum Beispiel die EU-Finanzminister über „kriminelle Umsatzsteuer-Karusselle“ schwadronieren, dann, bitte sehr – schafft die alberne Umsatzsteuer doch einfach ab, entlastet die Unternehmen erheblich und erhebt die Steuer dort, wo sie faktisch und ausschließlich erhoben wird: Beim berühmten „Mann auf der Straße“. Was passiert stattdessen: Die ohnehin komplizierte und komplexe Umsatzsteuerregelung wird, nebenbei ohne Rechtsgrundlage, um weitere Schikanen ergänzt, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen weiter einschränken.

Hier ist ziviler Ungehorsam erste Bürgerpflicht!

Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, die ich an einem realen Beispiel darstellen möchte: Es ist so gut wie unmöglich, einen bestimmten Federtyp mit einer Toleranz von weniger als 15% zu bauen – die innere Reibung ist zu hoch und schon beim Einbau verändert sich der Durchmesser und damit die Federrate. Ich kann den Typ der Feder nicht nennen, denn damit könnte man Rückschlüsse auf den Abnehmer ziehen. Jeder weiß, daß die Norm idiotisch, die geforderte Genauigkeit unnötig und der Lastfall völlig unrealistisch ist – und so kommt regelmäßig ein Qualitätskontrolleur des Endkunden zur Abnahme, moniert den Teil der Federn, die außerhalb der Toleranz liegen, kassiert sein Schmiergeld und verschwindet.

Das Schlimme ist, finde ich, die lächerliche Höhe des Schmiergeldes, die typischerweise aus einer Kiste billigsten Fusels besteht. Ich habe die Kiste selbst gesehen, mir aber das Probieren geschenkt. Denn: Dieser Abnahmelakai verrät sich und seinen Job auch für wirklich sicherheitsrelevante Fahrwerkskomponenten, deren Eigenschaften tunlichst im Toleranzbereich liegen sollten, um folgenschwere Unfälle zu vermeiden.

Mundus vult decipi, ergo decipiatur — anders ist der VW – „Skandal“ nun wirklich nicht mehr erklärbar. VW hat immer schon betrogen, und zwar auf besonders plumpe Weise. Ich habe meine Hände nie mit Produkten von VW beschmutzt, denn VW beleidigt die Intelligenz eines jeden mündigen Menschen.

Erinnern wir uns an die Mitte der 80er Jahre: Während BMW und Mercedes ordentliche Abgasreingungssysteme in ihre Fahrzeuge einbauten, beispielsweise eine luftmassengesteuerte BOSCH – Motronik mit Lambda-Regelung, welche unter allen Betriebszuständen ein stöchiometrisches Gemisch lieferte, hielt VW an der mechanischen Primitiveinspritzug mit Stauscheibe und Mengenteiler fest. Der Konzern verkündete stolz, „Wir fahren aus Überzeugung ohne Katalysator“ und für die unbeugsame Klientel, die trotzdem einen haben wollte, gab es, für jedermann an der Steuerkulisse der Drosselklappe sichtbar, einen Vollast-Anreicherungsschalter.

Wenn der Führer nun seinem „Kraft-durch-Freude-Wagen“ einmal ordentlich die Hacken gab, dann wurde, per Vollastanreicherung, das Kraftstoff/Luft – Gemisch überfettet, damit die primitiven, an der untersten Schamgrenze kosten-„optimierten“ Proletentreiblinge nicht wegen Überhitzung kollabierten. Nun landete unverbrannter Kraftstoff im Katalysator, welcher die Wirkoberfläche eines Fußballfeldes hat. Ging der VW-Fahrer nun wieder in den Teillastbetrieb zurück, konnte Sauerstoff in den mit Kraftstoff gesättigten Katalysator gelangen. Der Keramikträger war wegen seiner geringen spezifischen Wärme nicht in der Lage, die Energie der stark exothermen Reaktion abzuführen und so verdampfte die Platinschicht.

Nach wenigen tausend Kilometern war ein VW-Katalysator komplett im Eimer – und jeder wußte das! Aber damit nicht genug: Durch gezielte Lobbyarbeit, nicht nur von VW, wurde erreicht, daß es keine Abgasuntersuchung für Katalysator-Fahrzeuge gab – eine unglaubliche Farce, die aber niemand bemerkte.

Mit fassungslosem Erstaunen sah ich 1988 in Kalifornien einen Volkswagen mit einer ordentlichen Einspritzanlage. Auf Rückfrage erfuhr ich von einem VW-Mitarbeiter: „Ja, natürlich wissen wir, daß unsere Einspritzung Schrott ist. Deshalb reduzieren wir bei den amerikanischen Modellen die Leistung und bauen eine Einspritzanlage ein, die auch etwas taugt: Denn in Kalifornien werden die Autos geprüft und wenn der Katalysator kaputtgeht, müssen wir kostenfrei nachrüsten“.

Und nun sage mir keiner, er könnte das nicht wissen, denn fast alles, was ich schrieb, ging durch die Tagespresse. Lutz „Luigi“ Colani ließ sich seinerzeit zu dem Bonmot hinreißen, „VW ist ein Misthaufen, auf dem der [Carl H.] Hahn sitzt“. Jeder intelligente Mensch, der es wissen wollte, wußte: VW ist das automobile Pendant zu Microsoft, für Menschen ohne Kultur, Verstand, Geschmack und eigenes Urteilsvermögen.

Gemessen an dem geschilderten Betrug ist die aktuelle Affäre doch eigentlich lächerlich: Es wird eine praxisfremde Vorschrift erlassen und VW genügt dieser Vorschrift mit einem praxisfremden Verhalten im Test. Der Test ist doch bestanden — so what?

Wie weit wir heruntergekommen sind, mag man daran ersehen, daß „Audi“ mittlerweile „Sounddesign“ – Geräuscherzeuger in Auspuffnähe einbaut, die, außer Platz und Gewicht zu verbrauchen, zu nix anderes gut sind als einen „vollen Sound“ zu produzieren. Weil sich der typische AUDIot mit Attrappen zufrieden gibt.

Solche Idioten zu bescheißen – da hätte ich keinerlei Skrupel — mundus vult decipi. Wobei ich insgeheim hoffe, daß meine Manipulation nicht entdeckt worden wäre.

Im Auftrag von Hans Bonfigt im Wortlaut veröffentlicht. Und Dank an Hans für seinen Beitrag!

Elwood P. Dowd
Montag, der 18. November 2013

Blasen

harvey&friendWir wachsen in einer Fruchtblase auf.

Unsere ganze Verbindung zur Welt ist die Nabelschnur.

Heute läuft die ganze Welt mit einem Smartphone vor der Nase herum.

Wieder in einer eigenen Blase.

Die neue Nabelschnur ist das Funksignal.

Die neue Blase ist die Suchmaschine von Mamma google.

Mamma google nährt uns mit dem, von dem sie glaubt, dass es gut für uns ist und verschont uns mit dem, von dem sie das nicht glaubt.

Wenn jemand aus der Welt außerhalb der Blase in unsere Blase dringt und nach einer Strasse zwei Strassen weiter fragt, dann geben wir die Frage an Mamma google weiter, denn sie weiß es, wir nicht mehr.

Wir müssen auch nichts mehr wissen. Don’t think, link.

google ist kein Unternehmen, google ist eine große Mamma.

Wir sind die kleinen Kinder.


Mein Freund Harvey sagt:

Einspruch, Dowd, das Leben in der Blase ist keine Internet-Erfindung, google hat nur aus dem wahren Leben abgekupfert.

Wenn zum Beispiel einer aus einem überschuldeten Bretterbuden-Verein einen Welt-Club macht, aus einer Metzgerei eine Wurstfabrik, sich sogar um die Integration von Einwanderern kümmert,dann ist die Gefahr, dass er sich so stark dünkt, sich zum
1-Mann-Staat erheben zu dürfen, der seine eigenen Regeln schreibt, sehr groß.

Aber L’etat c’est moi funktioniert erst, wenn er systematisch die richtigen falschen Freunde hat: die Speichellecker, die zu allem ja und zu nix nein sagen.

Hoeneß hat diese Freunde, die ihn hermetisch in einer Blase einschließen, außerhalb der eine Welt mit anderen Regeln nicht existiert.

Es gibt leider zu viele, die im Ghetto ihrer eigenen Regeln ständig unser aller Regeln ohne das geringste Unrechtsbewusstsein verletzen.


Blasen sind interessant, Harvey.

Sie kommen jedoch nicht, wie man meinen könnte, mit Pauken und Trompeten.

Anfangs sind es solide Gebilde, mit dicken und flexiblen Wänden. Sobald sie sich füllen, erreichen sie ungeahnte Größen mit immer dünnerer Umhüllung. Schließlich platzen sie und ihre Füllung ist weg.

Ende des letzten Jahrhunderts gab es die Internet-Blase, dann die Immobilien-Blase. “Sic transit gloria mundi” und die Vermögen von kleinen und mittelgroßen Sparern und Spekulanten vergehen mit.

Die “Hoeneß-Blase” gehört zur Familie der Solidaritäts-Blasen. Solidarität ist ja nichts anderes als die Eigenschaft für den Schluderjahn, die Ignoranz, die Fehlleistungen, die Unfähigkeit anderer einzutreten. Solidaritäts-Blasen bilden sich vorzugsweise in Unternehmen und Regierungen. Normalerweise ist ihr Wachstum ein Schrecken ohne Ende und das Platzen ein Ende mit Schrecken, denn sie füllen sich mit Solidarität, auf Kosten von Kompetenz.

Das geht dann in etwa so: Ein Top-Manager oder Regierungschef wird seinen engsten Mitarbeiterstab nur aus denen bilden, die sich mit seinem Projekt, Konzept oder seiner Vision solidarisch erklären. Damit wird Kompetenz zu einem untergeordneten Auswahlkriterium und zwar für alle Ebenen der Organisation. Früher oder später gibt es dann den Troja-Effekt, das heißt, der Ruf von Kassandra wird einfach überhört. Na, von Troja ist ja nicht all zuviel übrig geblieben.

Ich wünsche mir Kassandras in unseren Regierungen und Unternehmen, die brauchen Charakter, weil sie wohl meist als Bremser und lahme Bedenkenträger abqualifiziert werden.

Selbst Solidarität ist eine Frage der Dosierung
(Elwood P. Dowd)

Elwood P. Dowd
Dienstag, der 12. November 2013

Subunternehmer

harvey&friendWinston Churchill hat ungefähr folgendes gesagt: “Die Demokratie ist ein schlechtes System, aber sie ist das beste System, das wir kennen.”

In einer Demokratie übt das Volk (demos) die Herrschaft (kratie) aus. Theoretisch!

Der Schlüssel zur Herrschaft sind die Wahlen. Das Volk wählt Ideen, Konzepte, eine Philosophie. Die Mehrheit siegt. So weit, so gut.

Aber das Volk wählt auch Menschen. Das sind Subunternehmer, die die gewählten Ideen, Konzepte, Philosophien implementieren sollen. Das Volk delegiert die Herrschaft. Jetzt herrschen die Subunternehmer.

Wer die Macht hat, macht was er will. Was zählt das Volk? Stimmvieh? Krötenschlucker?

Was ist der Unterschied zwischen Industrie und Demokratie?

Die Industrie presst Subunternehmer aus. In der Demokratie pressen die Subunternehmer.

Wo machen wir etwas falsch?


Mein Freund Harvey sagt:

Ihr benutzt eine interessante Methode, die Wahrheit für Euch zu reklamieren – die Metaphern-Verschiebung.

Normalerweise arbeiten die Vordenker der Demokratie, etwa die französischen Revolutionäre, mit einer Familien-Metapher: Fraternité, Brüder, Brüder zur Sonne.

Das soll Blutsverwandtschaft signalisieren, enge Beziehung, maximales Vertrauen. 

Sie gaben damit die Antwort auf die Tier-Metapher von Hobbes:

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf – also das Gegenteil von Bruder.

Ihr benutzt eine Unternehmer-Metapher, die zeigen soll, dass Ihr kein gefühlsduseliger Linker seid, sondern ein rationaler Rechter. 

Der Subunternehmer ist die vollkommen konsequente Fortführung der Unternehmer-Metapher.

Alles, was dem Erfolg dient, ist richtig.

Ob das der freie Vertrieb für ein Unternehmen oder der Vollstrecker des Volkswillens in der Demokratie ist.

Von der Tier-Metapher über die Familien-Metapher zur Unternehmens-Metapher.

Nietzsche sagt dazu, die Wahrheit ist ein bewegliches Heer von Metaphern.

Irgendwann können wir mit rationalen Mitteln nichts mehr beweisen. Dann glauben wir an Bilder, die unsere Idee beweisen sollen. Die einen glauben an das Tier in uns, die anderen an den Familienmenschen, Ihr an den Unternehmer.

Wer glaubt an die beste Wahrheit?


Ach Harvey, welche Wege gehst Du? Wahrheit gibt es nur eine, die versteckt sich jedoch in einem Heuhaufen der Unwahrheiten. Menschen sind faul, also greifen sie zum Wahrheits-Surrogat, dem Glauben. Der wirkt wie eine Droge.

Wer den Glauben nicht will, nimmt den Zweifel. Der ist noch stärkeres Rauschgift, denn wird man nicht los. Erst recht nicht mit der Ratio!

Man kann ihn nur verstärken oder abschwächen, mit Bildern.

Das hat Methode und die wirkt nach Adorno “Wie ein Panzer auf der klaffenden Wunde des Zweifels.” (Elwood P. Dowd).

Elwood P. Dowd
Mittwoch, der 9. Oktober 2013

Vertrauen

harvey&friendEs war einmal die alte Zeit…

In der Geld noch etwas galt.

Die Zeit der Golddeckung.  Jeder, der Geld hatte, konnte es bei der Bank in Gold eintauschen. Der Wert allen Geldes entsprach dem Wert allen Goldes in den Tresoren des Staates. So zumindest das Konzept.

Die Geldmenge war begrenzt. Geld war rar.

In der neuen Zeit herrscht Geldschwemme. Goldrausch für Regierungen, Spekulanten, Finanzhaie und Glücksritter mit silbergrauen Krawatten.

Geld entsteht nicht durch Schaffung von Werten, sondern durch Eröffnung von Kreditlinien. Zurückgezahlt wird später, über neue Kredite.

Schulden schaffen Geld!?!

Geld steht uns bis zum Hals. Die Deckung, der Garant seines Wertes, ist unser Vertrauen.

Geld brauchen alle, doch wer braucht Vertrauen? Madoff, Lehmann Brothers und Konsorten, Betrüger.

Hütet Euch vor Vertrauenspriestern, die predigen nur für sich.


Mein Freund Harvey sagt:

Mein lieber Dowd,

der Slogan der deutschen Bank lautete einst:

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Vertrauen steht vor allem am Anfang einer Gehirnwäsche.

Vertrauen ist, wie der Volksmund sagt, blind.

Wer blindes Vertrauen in jemanden setzt,

sollte sich mehr als verdammt sicher sein.

Oder besser nicht vertrauen.

Wir sollten Vertrauen konsequent durch Zutrauen ersetzen.

Was traue ich jemanden zu?

Was trauen die Griechen ihrem Ministerpräsidenten zu?

Was trauen die Deutschen ihrer Bundeskanzlerin zu?

Genau!

Dowd, streichen Sie Vertrauen aus Ihrem Wortschatz, 

ersetzen Sie es durch Zutrauen.

Dann werden Sie niemals wieder auf Madoff und Konsorten hereinfallen.

Im Übrigen waren in Ihren goldenen Zeiten,

die Sie wohl aus Altersgründen so sehr beschwören,

die Währungen immer nur zu einem Bruchteil durch Gold abgesichert.

Der Gehirnwäsche-Begriff, der dies vernebelte, war Golddeckung.

Es klang so, als würde an jedem Dollarschein ein Nugget im Wert von genau 100 Cent kleben.


Ich bin Dir dankbar Harvey, denn Du führst uns auf den richtigen Weg.

Vertrauen ist die Konsequenz von Gehirnwäsche. Zutrauen ist problematisch. Es basiert auf Informationen, in die wir jedoch Vertrauen haben müssen. Sonst können wir nämlich nicht Zutrauen. Damit sind wir zurück bei der Gehirnwäsche.

Jetzt bleibt nur noch Misstrauen.

Warum habe ich eigentlich so viele Freunde???

(Elwood P. Dowd).

Elwood P. Dowd
Montag, der 19. August 2013

Asoziale

harvey&friend

Arme Leute sollten wir nicht nur bemitleiden, sondern auch bereit sein, ihnen zu helfen. Wer dies verweigert, ist ein asozialer Banause.

Man könnte versucht sein, daraus zu folgern, dass asoziales Banausentum nur in den Mittel- und Oberschichten grassiert. Irrtum, dieser gesellschaftliche Schimmelpilz befällt auch die Unterschichten. In diesem Fall wird Armut zum Privileg, denn sie produziert keine Pflichten, sondern nur Rechte.

Hartz IV Dynastien gedeihen auf dem fruchtbaren Boden von Zuwendungen einer karikativ karitativen öffentlichen Hand. Sie sorgt für Kost und Logis. Einzige Voraussetzung, man muss sich nach allen Regeln der Kunst als arm “qualifizieren” und schon fließen Steuergelder. Von Gegenleistungen ist man freigestellt.

Kinder als “Das Kapital des armen Mannes” sind hier nicht im klassischen Sinn als Arbeitskräfte zu verstehen, sie sind vielmehr Auslöser zusätzlicher Subventionen. Ihre Erziehung wird, kostenlos, an den Zulieferer öffentliches Erziehungswesen delegiert.

Sobald ein Furz quer sitzt, geht alles zum Doktor. Ist ja auch kostenlos.

So entkommt man der peinlichen Tretmühle des täglichen Einerleis der gnadenlosen Leistungsgesellschaft des Gebens und Nehmens. Willkommen im Paradis des Anspruchs.

Hilfsorganisationen mit aufopferungsvoll arbeitenden Freiwilligen bieten zusätzliches.

Klevere Köpfe aus dem Marketing haben das Potential dieser “Armen” längst erkannt. Siehe die Ladenkette Mäc Geiz.

Das musste, von einem der sich sozial engagiert, mal gesagt werden.


Mein Freund Harvey sagt:

Dowd, Ihr seid ein Narr.

Ihr habt die Kontrolle über Euer Perspektivenmanagement verloren.

Ihr unterstellt den Armen Einstellungen, die sie gar nicht haben.

Es sind Eure Einstellungen, die Ihr auf die Armen übertragt.

Ihr seid beleidigt, weil die Fahne, die die Mittelschicht vor sich her trägt, Leistung=Einkommen, nicht auch von den Armen getragen wird.

Übrigens auch nicht von den Reichen, die ihren Reichtum aus Vermögen beziehen.

Die wahren Asozialen sind die Armen und die Reichen.

Beide werden vom Staat versorgt.

Von Euch, dem wackeren Mittelschichtsmalocher, der Ihr jedes Jahr bis Ende Juli nur für ihn arbeitet.

Euer Steuergeld schützt die Gelder der Reichen, wenn es ihre besten Helfer, die Banken, verjuxt haben.

Euer Steuergeld sorgt dafür, dass Caritas und Diakonie mit einer Million Mitarbeitern für die Armen sorgen.

Glaubt Ihr etwa, Ihr könnt mit Eurem Aufruf daran etwas ändern?

Narr, der Ihr seid.

Wer außer Euch sollte daran interessiert sein?

Die Armen bleiben gern arm, weil sie dann nichts für andere tun müssen, statt sich etwas tun zu lassen.

Die Reichen sehen das genau so.

Und die Hilfswirtschaft und die Finanzwirtschaft auch.


Mein lieber Harvey, ich hätte mir ja denken können, dass Du weißt, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Asoziale werden vom Staat versorgt. Das werden auch Rentner und Beamte. Asoziale werden folglich von der Marginalität in die Mehrheit und Normalität katapultiert.

Die Gesellschaft ist asozial.

Wer hätte das gedacht (Elwood P. Dowd).

Elwood P. Dowd
Mittwoch, der 26. Juni 2013

Transparenz

harvey&friendWer hat jemals einem nackten Seemann in die Tasche gefasst?

Hingegen rennen viele offene Tore ein,
wenige knallen jedoch mit dem Kopf gegen geschlossene Glastüren.

Genau darum schreit die Masse nach Transparenz!

Wollt Ihr die totale Transparenz?

Transparenz ist eine optische Eigenschaft, das Gegenteil ist Reflektivität.

Transparenz ist gleich Durchsichtigkeit, wir sehen hindurch, folglich sehen wir nichts.

Fussballkommentatoren haben das längst kapiert.

“…Meyer war auf der linken Aussenbahn total transparent.”
Heisst, Meyer war auf dem Platz nicht zu sehen.

Transparenz ist eine Tarnkappe, es gibt kein besseres Versteck!

Wenn alles transparent ist, sehen wir nichts mehr.

Also Ihr Transparenzler, willkommen im Reich der Blinden,
wo selbst der Einäugige nicht mehr König ist, es gibt ja nichts zu sehen.


Mein Freund Harvey sagt:

Welcher Satz zur Transparenz gilt?
Wer nichts zu verbergen hat, braucht sie nicht zu fürchten.
Wer nichts zu verbergen hat, hat bereits alles verloren.

Ein schwuler Fußballer wird geoutet.
Er wird gemobbt.
Er bringt sich um.
Danach ist es ganz normal, schwuler Fußballer zu sein.
Gute oder schlechte Transparenz?

Zu RAF-Zeiten galt als Terror verdächtig,
wer seine Stromrechnung unter falschen Namen bezahlte.
Tausende wurden observiert, einer erwischt.
Gute oder schlechte Transparenz?

Das Sensor gestützte Notrufsystem ecall benachrichtigt
vollautomatisch die nächste Unfallstation, wenn etwas passiert.
Gleichzeitig die Versicherung, dass der Fahrer ein Raser ist.
Gute oder schlechte Transparenz?

Google stellt sich immer besser auf meine Suchbedürfnisse ein.
Ich bekomme nur noch Ergebnisse, die ich gut gebrauchen kann.
Alles Neue, Abweichende, Störende bleibt außen vor.
Gute oder schlechte Transparenz?

Politiker legen jeden Schritt ihrer Entscheidungen
für jeden im Web offen.
Die Entscheidungen fallen und fallen nicht.
Gute oder schlechte Transparenz?

Ausgefeilte Algorithmen sagen erstaunlich präzise unser Verhalten
im Verkehr voraus. Er läuft überaus glatt, weil das System alle unsere
Wege kennt. Die von heute und die von morgen.
Gute oder schlechte Transparenz?

Unterhaltungsfilme können maßgeschneidert und in Echtzeit auf den
Publikumsgeschmack reagieren. Jeder fühlt sich auf seine Weise
glänzend unterhalten. Keiner erlebt mehr Überraschungen.
Gute oder schlechte Transparenz?

Mit den Methoden der personalisierten Medizin wissen wir ganz genau
wann und an was wir sterben. Allerdings können wir den Tod durch
eine individuell angepasste Therapie um einige Jahre hinauszögern.
Gute oder schlechte Transparenz?


Möchte hier nur zu Bedenken geben, dass Brillen mit Nacktscannern ein effektiveres Speed-Dating ermöglichen würden (Elwood P. Dowd).

Elwood P. Dowd
Mittwoch, der 19. Juni 2013

Natur

harvey&friend

Einige meiner besten Freunde kommen demnächst aus den USA zurück.

Mit glänzenden Augen werden sie von den Wundern der Natur berichten : Grand Canyon, Monument Valley, Yellowstone…

Unbeschreibliche Schönheiten einer geschützten Natur oder potemkinsche Dörfer???

Trügerische Verpackung einer Realität aus Tsunamis, Erdbeben, Tornados, Vulkanausbrüchen, Epidemien???

Darwin hat sie demaskiert.

Hinter schmeichlerischer, verführerischer Schönheit
und großem Glanz, regieren bestenfalls die Irrungen
und Wirrungen des biologischen Zufalls,
wahrscheinlicher ist der gnadenlose Kampf der Evolution. “The Survival Of The Fittest”.

“Mutter Natur” ist kalt wie eine Hundeschnauze, kennt weder Emotionen noch Gedanken, weder Ethik noch Moral.

Solidarität (Schwache durchschleppen) und Kooperation (Rudelbildung) gibt es nicht, es sei den sie bringen Vorteile im Wettbewerb.

Die Natur ist keine humanitäre Veranstaltung und schon gar keine “Linke” Institution.

Wer schützt uns vor der Natur???


Mein Freund Harvey sagt: 

Es gibt keine Natur.

Was hat die Tuberkelbakterie mit dem niedlichen Reh am Waldrand zu tun?

Warum sollte der Vogelflug natürlicher sein als der Flugzeugflug?

Welches Naturerlebnis haben die Leute, die das Higgs-Boson bestaunen

und die, welche vor dem Monument Valley in die Knie gehen?

Ja, es gibt noch nicht einmal eine Naturwissenschaft.

Warum friert Wasser zuverlässig bei Null Grad?

Warum wollen dagegen die Temperaturen zum Klimawandel trotz

naturwissenschaftlicher Vorhersage seit 15 Jahren einfach nicht mehr steigen?

Die Zusammenschau von Einzelteilen und Teilergebnissen zum Wesen Natur ist reine Glaubenssache.

 Sie findet rein im Kopf statt.

 Ersatzreligion für Szientisten.

 Gott ist tot, sagt Nietzsche.

 Die Natur hat nie gelebt.


Gott ist tot, die Natur gab es nie…

Wahrhaft schlechte Neuigkeiten.

Jetzt stehen wir in der Verantwortung (Elwood P. Dowd).