Roland Dürre
Freitag, der 8. Juli 2016

Kann man Komplexität reduzieren?!

Vor kurzem habe ich ein Wissensangebot von Thomas Kleiner in IF-AGORA integriert. Die Botschaft war

„Komplexität
sinnvoll reduzieren
ohne sie zu trivialisieren!“

Thomas bietet Managern Seminare an, mit denen er ihnen helfen möchte, in komplexer Welt besser zurecht zu kommen. Und ist eigentlich immer ausverkauft.

Dieses neue Angebot habe ich dann auch getwittert. Mit dem Kurztitel „Komplexität sinnvoll reduzieren!“ Sofort bekam ich negative Rückmeldungen wie „diese Aussage wäre komplett #fail“ oder „da bin ich aber gespannt, wie das funktionieren soll“.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi.Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen.

Unser Kater Lenin, genannt Wladi. Sein Bruder Stalin, genannt Joschi, ist ausgezogen. Ein nicht nur biologisch komplexes Lebewesen.
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Barbara Dürre (cat)
Maresa Dürre (photo)

Jetzt muss man wissen, dass die Unterscheidung zwischen „kompliziert“ und „komplex“ im Internet stark diskutiert wird. In Berlin gab es sogar mal ein PM-Camp zu diesen Begriffen im Umfeld von Projekt-Management.

Projekt-Manager haben da kräftig debattiert, wie man komplexe Projekte von komplizierten differenzieren und bewältigen könne.

Ich selbst ahne nur, dass in komplexer Welt die dominante Logik auch nicht weiter hilft. Aber wenn wundert es. Versagt sie doch oft schon in ganz einfachen Welten?

Ein von mir sehr geschätzter Protagonist des Themas „komplex versus kompliziert“ ist übrigens Niels Pflaeging. Bei ihm bin ich zwar nie sicher, ob seine Analyse richtig ist, aber seine Schlüsse sprechen mir voll aus dem Herzen.

Zurück zum Wissensangebot. Man muss wissen, dass Thomas Kleiner ein kluger Philosoph ist. Seine Magisterarbeit behandelt „Das Menschenbild im Werk von Rupert Lay“. Nicht nur deswegen hat er den „Konstruktivismus“ studiert und wie ich meine auch verstanden.

Die Theorie des „Konstruktivismus“ hat mich in meinem Weltbild bestärkt, dass die Bestimmung, ob ein System oder Projekt komplex oder kompliziert ist, ausschließlich in der kognitiven Erkenntnis des Beobachters liegt.

Ich meine auch, dass Kompliziertheit und Komplexheit mit wissenschaftlichen Methoden und Metriken nicht erfasst oder gemessen werden können. Das ist ein philosophisches Thema oder wie man früher gesagt hätte, eines der „Metaphysik“.

„Komplex“ ist für uns genauso schwierig zu verstehen wie „unendlich“. Komplex steht für etwas, das man nicht rational definieren kann. Ich kenne nur Metaphern, die Komplexität vermitteln sollen, aber keine einzige von mir als valide nachvollziehbare objektive Definition.

So finde ich die „sinnvolle Reduktion“ von „Komplexität“ durchaus „zielführend“ möglich, betrifft sie doch die subjektive  Wahrnehmung von scheinbarer Realität und den Umgang mit dieser. Und natürlich meine ich auch, dass man sich davor hüten sollte, Komplexität zu trivialisieren.

🙂 Nein, an Komplexität sollte man sich erfreuen und sie genießen!

Ich bringe ein Beispiel:
Da muss jetzt unser Hauskater herhalten. Offiziell heißt er übrigens Lenin, die (Rest-)Familie nennt ihn Wladi, weil sie Lenin als Namen nicht mögen. Sein Bruder Stalin (von der Familie Joschi genannt) ist leider ausgezogen. Er hat sich mit Lenin nicht mehr verstanden.

Kater „Wladi“ Lenin ist sicher ein höchst komplexes System, so wie alle Säugetiere. Die Komplexheit von Lenin reduziere ich, in dem ich den Kater einfach als Katze und Haustier betrachte. Dadurch kann ich einen großen Erfahrungsschatz der Menschheit aus dem Umgang mit Katzen nutzen, ohne dass ich das Tier deswegen trivialisiere. Ich kann ihn sogar mögen und sein Handeln nachvollziehen. Obwohl ich die Komplexheit einer Katze nie verstehen werde.

Angst machen wir alle die Menschen, die meinen, man (MENSCH) könnte alles wissen und alles machen – und die versuchen „komplexe“ Systeme schnell und mit harten Eingriffen zu verändern. Besonders groß wird meine Besorgnis dann, wenn es um die Umwelt (die Natur) oder unsere Gesundheit (auch die Natur) geht.

Ich habe das Schicksal einer Reihe von alten Menschen erlebt. Wie die Medizin ihre letzten Jahre zerstört hat, weil sie mit wissenschaftlicher Rationalität diese Menschen heilen wollte. Wie hilfreich wäre es da gewesen, wenn man durch Reduktion und Vereinfachung sich an die einfachen Regeln der Vernunft gehalten hätte.

Ähnliches erscheint mir unserem Planeten gerade zu widerfahren.

Viel zu viele Menschen glauben, man könnte die Welt in komplex und kompliziert einordnen und sie mit Rationalität zum Besseren verändern. Ich halte das für eine Art von „Omnipotenter Geisteskrankheit“ und habe die Sorge, das da sehr oft die „Rechnung ohne den Wirt gemacht wird“ – nur merken wir das oft erst viel später.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. Dezember 2014

Start mit IF-AGORA

logo-agoraZurzeit denke ich konkret darüber nach, wie ich meine Zeit nach InterFace Sinn gebend gestalten kann. Zu diesem Zwecke habe ich kurz vor Weihnachten die IF-AGORA.de erworben. Das Unternehmen war bis dahin eine 100 %ige InterFace-Tochter, jetzt gehört sie zu 100 % meiner Familie (bei der InterFace verfügt meine Familie nur die einfache Mehrheit).

Bisher war die IF-AGORA als Marktplatz für Erfahrung und Wissen aufgebaut. In Zukunft möchte ich sie zu einer „Agentur für Veränderung #AfV“ erweitern, die Menschen vernetzt und Erfahrung und Wissen zusammen zubringt. Für eine erfolgreiche, bessere und menschliche Welt.

Soziale Systeme aller Art, besonders oft Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich einer verändernden Umwelt und dem „gesellschaftlichen“ Wandel zu stellen. Oft nehmen sie die Veränderung gar nicht wahr – und werden so an ihrer Ignoranz scheitern.

Meine Vision ist, die stattfindende Evolution wenn irgendwie möglich ein klein wenig zu beeinflussen, um so ein paar Weichen für eine menschenfreundliche Zukunft im Einklang mit unserem Lebensraum zu stellen. Oder auch ganz einfach Projekte vor dem Scheitern zu retten und Menschen und Teams erfolgreicher zu machen. Wir brauchen mutige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Ratio und Intuition/Heuristik, die frei von Einflüssen dogmatischer Moral sein müssen.

Dies ist notwendig, denn ich meine, dass nicht nur viele Unternehmen sondern auch Gemeinden, Gebietskörperschaften und Verbände zum einen mit der heutigen Art ihres Handelns und Wirtschaften zum Nachteil des Gemeinwohls agieren und sich selbst schädigen. Einfach weil sie meinen, sie müssten es so machen, weil es immer schon so gemacht wurde. Gerade ehemals mächtige Institutionen werden immer unwichtiger. Man denke nur, wie lebendig einst z.B. VDE, VDI, Bayme, BDA und viele mehr waren. Und wie tot sie heute oftmals sind.

Viele Regionen sogar des reichen Bayerns befinden sich in tendenziell verschlechternden Situationen. Die klassische Maßnahmen wie Förderungsprogramme und ein Wettlauf beim Aufbau von Infrastruktur sollen da gegen an wirken. Das funktioniert aber nur sehr beschränkt, oft werden die Mittel mit der Gießkanne verschwendet.

Wir brauchen regionales Denken, die Menschen einer Region müssen miteinander reden und sich auf ihre „Assets“ und Stärken besinnen. Dann kann man ein ganzheitlichem Konzept entwickeln und dem folgend mutig handeln.

Die Weisheit der Vielen wird in und für Zukunft gefragt sein, die Einfalt eines Einzelnen wird mehr schaden als nutzen. Auch die Parteien befinden sich im Abstieg. Sie und ihre „Institutionen zur politischen Bildung“ haben sich mehr oder weniger ins Abseits rangiert. Die Bindung zu den Menschen ist verlorengegangen wie der Dialog mit den Menschen. So haben sich die Parteien auf Interessenvertretung reduziert, Lobbyismus diktiert die Politik.

Man hat den Eindruck, dass die moderne Gesellschaft den Menschen bewusst die Autonomie nehmen und uns zu willigen Konsumenten-Bürgern machen will. Dies, obwohl das Leitbild der Aufklärung ja gerade der autonome Mensch ist, der die Dinge hinterfragt. Mit Manipulation und Marketing werden wir fremdgesteuert. Dies aus verschiedenen Motivationen wie Macht und finanziellen Interesse. Die vermeintlichen Sachzwänge einer Wachstum-Wirtschaft regieren, Umsatz und Ergebnis sind das Dogma, dem die Deutschland AG und ihre Politiker nach rennen.

So geht es mir um das bewusste Entwickeln zumindest eines punktuellen „gesellschaftlichen Konsens“ für eine moderne Form von „Gemeinwohl-Ökonomie“. Zuerst mal in den Mikro-Kosmen unserer Gesellschaft und in schwierigen Projekten, gerne auch mit größerem Impact.

Wie möchte ich das angehen:

Meine Stichworte sind:

  • Erfahrung und Wissen zu teilen und weiter geben.
  • „Agile“, „Lean“ und „Open“ als handlungsleitende Tugenden zu leben.
  • Eine Kultur schaffen, die das „mit einander Reden“ unterstützt und wieder ermöglicht.
  • Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Personen und in Teams realisieren.
  • Wichtige Champions in den verschiedenen Systemen auf demokratische Art und Weise vernetzen.
  • Brücken schaffen zwischen „institutionalisierten Systemen“ (wie Verbänden) und freien „communities“.
  • Es darf nicht mehr heißen „Zwingen & Müssen“ sondern „Wollen & Können“ – in der Bildung wie im Arbeitsleben.

Um erfolgreich Veränderung durchzuführen, brauchen wir Wissen und Können in verschiedenen Dimensionen

  • Geisteshaltung & Philosophie
  • Persönlichkeit
  • Motivation
  • Unternehmertum
  • Organisation
  • Innovation
  • Projekte

Mein persönlicher Vorteil ist, dass ich zu jedem dieser Themen mit Verbündeten befreundet bin, die in diesen Disziplinen im Sinne einer neuen Welt wirklich herausragendes geleistet haben.

🙂 Ich nenne nur ein paar Vornamen, jeder darf raten, wen ich meine:

Franziska, Kathrin, Melanie, Maja, Nadja, Susanne, Andreas, Bernd, Bernhard, Dietmar, Eberhard, Gebhard, Jens, Jolly, Klaus-Jürgen, Nikolaus, Peter, Roger, Rolf, Rupert, Stefan, Thorsten und viele, viele weitere.

Manche findet man schon jetzt als „Wissensanbieter“ in IF-AGORA.de. Alle sind Menschen, die nicht nur Bücher geschrieben und es theoretisch drauf haben, sondern es auch in der Praxis können. Ich habe sie als intrinsisch motivierte Arbeiter kennen gelernt, die es mehr oder weniger geschafft haben, ihr Leben autonom zu führen.

Das ist einer der Gründe meines Optimismus. Denn: Mit solchen „Champions im Verbund“ kann doch gar nichts schief gehen. Besonders wenn man auf Selbstorganisation setzt, „agile“, „lean“ und „open“ vorgeht, niemanden belehren will sondern nur unterstützt, dass der Kunde und Partner seinen Weg fndet. Indem gemeinsam die richtigen Fragen findet. Denn diese sind wichtig für Erkenntnisgewinn, Innovation und Lösungen.

Jedes Geschäft braucht Werte, um eine Sinnkopplung zu ermöglichen. Unsere Werte sollen sein: Ehre, Liebe und Respekt. Gepaart mit Mut, Zivilcourage und Freude am Machen. So soll sich die IF-Agora von einem Marktplatz von Wissen und Erfahrung zu einer „Agentur“ oder einem „Büro“ für Veränderung entwickeln.

🙂 Jetzt brauche ich nur noch Kunden. „Vertriebs-Ziele“ sehe ich jedoch genug und habe da auch schon wunderbare Gespräche geführt.

Von dieser Gemeinschaft unterstützt auf hohem Niveau zu beraten und zu unterstützen, ist für mich ein schönes Ziel. Dabei möchte unseren Kunden und Partnern helfen, dass sie sich selber erfolgreich machen, dies sehr nachhaltig und menschlich. Und damit auch gutes Geld verdienen zu wollen empfinde ich als absolut legitim.

Diese Art von Change Management sehe ich auch als neue Aufgabe der IF-Agora an, die ich jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf wecken möchte. Zurzeit bin ich am testen und ausprobieren, rede mit vielen Menschen und schärfe das Konzept. Und vielleicht finde ich ja bald noch mehr tolle Partner.

So sehe ich mit großem Optimismus der Zukunft entgegen.

RMD