Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 16. Oktober 2017

Unternehmertagebuch #124 – INNOVATION – Nur so geht es!

Heute eine wunderschöne Metapher für Unternehmer zum Thema

„wie kreative Innovation gelingen kann“

Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren bei Alain Neumann gehört.  Hier ist sie, nacherzählt und ein wenig verändert von mir.

Als zufriedener Unternehmer, weil es geklappt hat.

Die Schweiz ist berühmt für ihre Schokolade. Als Kind war ich gierig nach ganz einfacher „Schokolade“. Möglichst „Vollmilch“. Aber schon in den Tagen meiner Kindheit war „nur Schokolade“ kein Hit mehr. Denn der Markt des Wirtschaftswunderlandes verlangte nach mehr.

Um zu expandieren mussten die Unternehmen der Schokoladenindustrie verschiedene Sorten von  Schokolade anbieten. So auch Schokolade mit Haselnüssen.

Die Geschichte, von der ich berichte, spielt in der Schweiz. Ein mittelständische Unternehmen, produzierte dort als besondere Spezialität  Schokolade mit Haselnüssen. Das war nicht einfach, denn das Knacken klappte nicht immer. So  zerbröselten die Nüsse oft in viele Teile und schlimmer noch, immer wieder fanden sich Splitter der Nuss-Schalen in der einen oder anderen Tafel wieder.

Dies trübte nicht nur den Genuss, sondern war auch für Unternehmen nicht unkritisch, da die Schale der Haselnuss ja ziemlich hart ist und beim herzhaften Biss in den Genuss dann durchaus der eine oder Zahn beschädigt werden kann. Und Schokolade mit ganzen Haselnüssen ging so schon gar nicht, denn die Nüsse gingen beim Öffnen nur zu oft zu Bruch und die Ausbeute an ganzen Nüssen ziemlich schlecht.

Deshalb hatte ein Team von Ingenieuren den Auftrag, das „Nuss knacken“ zu revolutionieren. Zum einen sollte die Nüsse unbeschädigt bleiben. Mit absoluter Sicherheit sollte auch vermieden werden, dass Schalensplitter in die Schokoladenmasse geraten könnten. Und natürlich sollte das mit unbedienten Maschinen „automatisch“ erfolgen.

Die Ingenieure arbeiteten intensiv, Tag und Nacht, aber auch ergebnislos. Es schien ein aussichtsloses Unterfangen und die Ingenieure wurden von Tag zu Tag frustrierter.

Im Unternehmen gab es einen Pförtner. Dieser war ein Mann eher aus der „bildungsfernen Schicht“, den aber alle mochten. Er hatte Mitleid mit den Ingenieuren, die das Werkgelände später in der Nacht verließen und von Tag zu Tag ein frustrierter wurden.

Die Ingenieure taten dem Pförtner leid. So versprach er ihnen, über dass Problem nachzudenken und ihnen dann die Lösung zu berichten. Natürlich erzeugte dies bei den Ingenieuren keine Hoffnung sondern nur mitleidiges Lächeln.

Eines Morgen nach einer Nachtschicht verkündete der Mann an der Pforte den Ingenieuren, dass er die Lösung gefunden hätte. In schönstem Schwyzer-Deutsch (das ich allerdings hier nicht wiedergeben kann) erklärte er:

„Ihr müsst wie ein Würmli ins Nüssli hineinkriechen und es von innen öffnen“.

Die Ingenieure hörten dies und lachten zuerst. Aber einer hatte plötzlich den richtigen Gedanken. Und die Ingenieure bohrten in die Nuss-Schale ein kleines „Löchli“, um die Nuss mit Druckluft von innen zu sprengen. Das war der Durchbruch.

Der Verwurf an gesplitterten Nüssen war von da an gleich Null. Seitdem gibt es Nussschokolade auch mit ganzen Haselnüssen und garantiert frei von Splittern!

Ich bin natürlich nicht ganz sicher, ob die Geschichte wirklich passiert ist. Es könnte sein, das die Haselnüsse noch heute auf genau diese Art und Weise geknackt werden. Zumindest hat es Alain Neumann das vor zehn Jahren so berichtet.

Alain hat damals einen Platz in meiner privaten „Hall of Fame„, der mir persönlich bekannten großen Redner gefunden. Weil er noch viele solche Geschichten erzählt hat und er so schon vor Jahrzehnten den Menschen auf eine einzigartige Art und Weise klar gemacht hat, was es heißt, Unternehmen zu gründen und gut zu „managen“. Indem man  die Menschen ganz einfach begeistert und machen lässt.

Immer wenn ich in meinem Umwelt kreative Innovation entdecke, gibt es eine ähnliche Geschichte dazu. Erfolgreiche Innovation „aus dem Reagenz-Glas“ habe ich dagegen noch nicht gefunden.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Freitag, der 15. September 2017

Mein USP :-)

 

Was ist mein Wert?

Als ich jung war haben mich manche „Erwachsene“ einen Taugenichts genannt, aus dem niemals etwas werden würde. Eine davon war meine Mutter, die das wörtlich ab und zu mir gesagt hat. Das hat mich schon geärgert und verletzt. War mir aber letztendlich doch nicht so schlimm, wollte ich doch viel lieber ein Taugenichts sein als so werden wie manche erwachsenen Menschen um mich herum, die aus Sicht meiner Mutter bestimmt keine Taugenichtse waren. Und so schlimm ist es dann mit mir als dem schwarzen Schaf in der Herde (wie ich mich öfters gefühlt habe) ja auch nicht gekommen.

Friedlich sein Bier trinken können ist ein großer Wert.

Heute schwätze ich bei vielen Themen mit, halte öfters Vorträge, gebe Impulse und inspiriere junge und ältere, weibliche wie männliche Menschen. So will ich diesen helfen, ein wenig glücklicher und erfolgreicher werden.

Bei einigen jungen „start-ups“ und auch gestandenen Unternehmen bin ich aktiv dabei und helfe dort, die richtigen Fragen zu finden. Denn diese sind die Voraussetzung für Veränderung und Innovation.

Laufend vernetze ich Menschen miteinander (wenn ich meine, dass die zusammen passen) und freue mich, wenn es allen zu Gute kommt.

Da stellt sich mir schon gelegentlich die Frage:
Hast Du eigentlich die Kompetenz dazu?
Die Frage kann ich selber nicht beantworten.

Aber zumindest habe ich beim darüber nachdenken mein „persönliches USP“ gefunden (USP kommt aus dem englischen und ist die Abkürzung für „Unique Selling Proposition“).
🙂 Auf Deutsch könnte man das ganz einfach als
Alleinstellungsmerkmal bezeichnen.
Mein „Alleinstellungsmerkmal“ habe ich der Kombination dreier Besonderheiten meines Lebensweges zu verdanken:

  • Erstens: Seit 1969 arbeite ich mit, an und für Computer. Die Deutschen nennen das Informatik. Die ersten zehn Jahre (die siebziger) habe ich vor allem „Industrie-Informatik“ gemacht – so habe ich die „Spielzeug-Computer“ wie Commodore und Atari ein wenig verpasst. Wie dann UNIX zu mir (oder ich zu UNIX) kam, habe ich im PC-Bereich aufgeholt. Das war in den 80igern. In diesen Jahren habe ich viele Verschiedenes gemacht. So war ich bei einigen Betriebssystemen intensiv dabei wie Prozessrechner, Kommunikationsrechner, Mainframes und der Mittleren Datentechnik. Die hieß damals MDT und kam von Firmen wie Kienzle, Nixdorf,  Olivetti und natürlich auch Siemens. Weiter habe ich Software für Datenfernverarbeitung, -speicherung, -banken, Transaktionsmonitoren und vielen Anwendungen mitgewirkt. Und dabei einige Reihe von verschiedenen Assemblern und höheren Sprachen genutzt und zum Teil auch mitentwickelt.
    Für mich der Höhepunkt war die Entwicklung eines Window-Manager, bei der dabei sein durfte. Der lief sowohl auf graphischen wie zeichenbasierten Endgeräten und hieß Collage. Collage war auch ein Produkt der Siemens AG, das aber im Markt keine Chance hatte. Wie das so oft in der Phase des allmählichen Untergangs des Unternehmensbereich Datenverarbeitung der Siemens AG leider der Fall war.
    So ging das weiter und so habe ich eigentlich alles hautnah mit erlebt, was im digitalen Leben wichtig ist. Deshalb nenne ich mich – nicht nur scherzhaft – einen IT-Pionier der zweiten Generation. Die Ehre, bei der ersten Generation dabei gewesen zu sein, überlasse ich den Urvätern der elektrischen Rechensysteme wie Konrad Zuse und meinem ersten Informatik-Lehrer in 1969, Professor F. L. Bauer von der TH München (die sich heute TUM nennt).
    In den 90igern habe ich meine Programmierschuhe nicht nur symbolisch ausgezogen und an den Haken gehängt. Der IT bin ich treu geblieben – das ging ja auch gar nicht anders – und habe versucht, soweit wie möglich bei der Digitalisierung immer auf Augenhöhe dabei zu sein.
  • Zweitens: Ich hatte mein Leben lang großes Glück und habe immer viel gelernt,
    🙂 besonders in den Lebensphasen nach Schule und Studium (aber eben nicht an der Uni)! Die Mathematik hat mir sicher geholfen, ein kritischer Geist zu bleiben. Jedoch habe ich in vielen Disziplinen das wertvollste Wissen von am Anfang älteren und später auch gleich alten und jüngeren Meistern beigebracht bekommen.
    Mancher Lehrer auch außerhalb der fachlichen Arbeit ist mir zum Freund geworden. Beispielsweise möchte ich hier Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay nennen. Es gab noch mehr tolle Menschen, die mich als Lehrer begleitet haben. Das ging los in meiner Zeit bei Softlab – da hatte ich einen sehr klugen Chef. Und musste „persönlichkeits-fördernde“ Seminare besuchen, weil das dort eine Voraussetzung für eine Management-Karriere war (und ich wollte damals noch Karriere machen). Ich erinnere mich aus dieser Zeit an ein Unternehmen namens TPM (Training psychologische Management) aus Frankfurt und seinem Gründer namens Uhlenbrock (oder ähnlich). Bei ihm hatte ich mein erstes Seminar am schönen Starnberger See, in dem ich so richtig viel persönlich profitiert habe. Gelernt habe ich da in solchen Seminaren nicht nur von den Trainern sondern besonders auch von den Teilnehmern, die ich dort getroffen habe.
    Auch bei den vielen Kollegen, zu denen ich fachlich empor geschaut habe und von denen ich unendlich viel fürs Handwerk gelernt habe, will ich mich bedanken.
    Später (in den 90igern) war ich 10 Jahre regelmäßig bei Workshops mit Simon Grand von RISE, einem Institut an der Hochschule St. Gallen. Da habe ich wieder viele großartige Menschen und tolle Unternehmen kennen gelernt und einen wunderbaren Austausch mit diesen gehabt.
    Die letzten zehn Jahre habe ich mich vor allem auf Barcamps herum getrieben und ja selber auch am Entstehen und Verbreiten des PM-Camps mitgewirkt. Das war eine wunderbare Zeit und ich habe noch mehr großartige Menschen kennengelernt als in den Jahren davor.
    Nicht zuletzt muss ich mich bei meinen Kindern bedanken. Es war ein ganz großes Glück, dass ich sieben haben durfte. Oft meine ich, dass ich von und durch meine Kindern noch mehr gelernt habe als vom ganzen Rest.
    So weiß ich, dass Leben und Lernen ein Synonym sind.
    Solange Du lebst, lernst Du.
    Und so lange Du lernst bist Du am Leben!
  • Drittens: Ich war immer ein „Revolutionär“, der für seine „komischen“ Meinungen deutlich mehr gerügt als gelobt wurde. Heute erkläre ich mir das positiv und meine, dass bei mir die Total-Dressur, die man auf Kinder auch schon in den 50iger Jahren anwendet hat, doch nicht alles ausradiert hat und mir so ein Rest von Autonomie, Lebensfreude und Urvertrauen verblieben ist. Und manche Indoktrination abgeprallt ist.
    So habe ich als Angestellter bei Siemens wie bei Softlab schnell gemerkt, dass dies nicht meine Welt ist. Und hatte den Willen  Unternehmer zu werden und das Glück, dass es funktioniert hat.  So konnte ich meine eigene Welt gründen, die InterFace Connection GmbH.
    Die ersten 10 Jahre waren wie ein Traum. Wir waren spielerisch erfolgreich und haben alle Grenzen gesprengt. Leider habe ich später eine Reihe von unternehmerischen und menschlichen Fehler gemacht. Und auch ein paar mal ein wenig Pech gehabt. Das Unternehmen hat es ganz gut überstanden – und ich habe jetzt ein paar Erfahrungen mehr von der Art „wie man es nicht machen soll“, die ich gerne weitergebe.

So mache ich noch ein paar Jahre weiter und fühle mich gut dabei. Und freue mich immer, wenn ich Rückmeldungen bekomme.
🙂 Besonders natürlich über positive.

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 11. Mai 2017

Entartete Kunst

Vor ein paar Wochen hatte ich einen unschönen Disput mit einem unserer Programmierer.  „Einen riesigen Haufen Sondermüll hast Du da zusammengestoppelt“, habe ich ihn angebrüllt.   „Damit kann kein normaler Mensch etwas anfangen“.

Und jetzt muß ich Abbitte leisten.  Denn „schuld“ war wieder einmal „das System“.

Schleichwerbung in Foren zu vermeiden ist Ehrensache, daher nur kurz:  Wir entwickeln unter anderem zumeist größere Telephonanlagen.  Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Einfachheit, Durchschaubarkeit und Zuverlässigkeit.

Und deswegen werden unsere Anlagen seit Jahr und Tag mit einer einfachen Konfigurationsdatei eingerichtet, in der Form,

4711, Meier, Horst Meier, <Standort>, <Rechte>,  <Telephontyp>, <ID>

Ein Teilnehmer — eine Zeile.   Selbstverständlich banal maschinell erstellbar.  Und naturgemäß auch versionierbar !  Ach ja:  „Variablen“ gibt es natürlich auch und mit einem Wald- und Wieseneditor kann man auch die komplexesten Änderungen automatisieren.

Mit einem solchen Konzept aber hatte ich die Rechnung ohne die geschätzte Kundschaft gemacht.  Ausgerechnet diejenigen, die vom technisch-wissenschaftlichen Verständnis im 18. Jahrhundert verhaftet sind, belehrten mich, „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen.  Wir möchten unsere Telephonanlage einfach mit dem ‚Webbrauser‘ bedienen können“.

Nachdem dieses Malmot und ähnlich dümmliche Sentenzen fast wöchentlich an uns herangetragen wurden, mußten wir das tun, von dem jeder normal intelligente Mensch weiß, daß nur Schwachsinn herauskommen kann:  „modernisieren“.

Aber wir haben es wenigstens richtig gemacht:  Ein anspruchsvolles „Graphical User Interface“ erzeugt eine gewohnte „klick-und-warte“ – Umgebung für den degenerierten Mausschubser und erzeugt genau die Konfigurationsdatei, die diesem so verhaßt ist.  Und damit man nach wie vor auch effizient mit der Anlage umgehen kann, reflektiert unser graphisches Luserland auch manuelle Änderungen in dieser Konfigurationsdatei.

Die Ernüchterung bei der Präsentation war groß:  Ein EDV-Leiter forderte mich auf, doch einmal einen Telephonapparat anzulegen.  Ich war schon dabei, die Zeile zu tippen, aber da meinte die Mannschaft, „Nein, mit dem WEBINTERFACE und dem WIZARD !!!“.

Um es kurz zu machen:  Es poppten tausenderlei Fenster auf, in denen Informationen abgefragt wurden, die gar nicht benötigt wurden, es mußte erst ein Standort ausgewählt, dann ein Benutzer angelegt, dann zu einer bestimmten Gruppe hinzugefügt werden, danach mußte man eine „Einheit“ anlegen (wie ich dieses Wort HASSE seit der unglückseligen „Wiedervereinigung“) und final, wo wir schon die „Vereinigung“ gestreift haben, den Benutzer mit der „Einheit“ Telephon logisch verbinden.   Naja, für geeignete Werte von ‚logisch‘.  LOGISCH war vor allem, daß mein Unterfangen komplett in die Hose ging und ich mich und die Firma bis ins Pleistozän blamierte.

Das anschließende firmeninterne Debriefing (wir wollen ja schließlich im 21. Jahrhundert bleiben) fand in einer entsprechend aufgeheizten Stimmung statt und es kam nichts gutes  dabei heraus.  Und das war gut so!  Denn warum soll man einen stinkenden Haufen bürokratischen Sondermüll schönreden ?   Lediglich die Frage, was die Ursache und was das Problem war, konnte nicht geklärt werden.

Bis heute.   Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Denn da mußte ich aus der Ferne den Router eines Kunden konfigurieren.  Eigentlich baut die Firma LANCOM ganz ordentliche Geräte.  Und man gibt sich viel Mühe, die Konfiguration zu vereinfachen.

Dummerweise hat man ein paar wegen Talentlosigkeit relegierte Designerstudenten an die Bedieneroberflächlichkeit herangelassen und hier nun mein ungeschminkter Bericht:

Der EDV-Leiter des Kunden öffnet das „LANconfig“ – Programm, und während sich dieses stöhnend hochquält, erfahre ich zu meinem Entsetzen, daß dieses Juwel nur für Microsoft Windows erhältlich ist.  Ja, spinnen denn die?  Ich kenne Unternehmen, in denen es aus gutem Grund verboten ist, „Windows“ auch nur zu betreiben — und schon gar nicht in einer kritischen Umgebung, in der Router normalerweise vorzufinden sind.

Nach dem Start wollen wir einen Firmwareupgrade vornehmen.  Klar, daß damit das „Konfigurationstool“ selbst obsoleter Schnee von gestern sein wird.  Wir aktualisieren also erstmal das „Tool“:   160 MB werden heruntergeladen.  160 MB!   Danach laden wir das Router-Image: 16 MB.

Sage ich zum Kunden, „also ist der Anlasser zehnmal so groß wie der Motor“.  Das sieht der Kunde anders:  „Das ist doch bloß eine Firmware, aber das Konfig-Interface beinhaltet doch die gesamte Funktion!“.  Wie bitte?   Die „Firmware“ beinhaltet ein komplettes Betriebssystem, einen Webserver, SSL-Bibliotheken UND den gesamten Funktionsumfang.   Die Bedienungsoberflächlichkeit ruft doch nur ein paar Windows-Bibliotheken auf — und ist trotzdem zehnmal so fett wie das Gesamtsystem.  Helmut Kohl hat sich zum Krüppel gefressen und wog zu seinen schlechtesten Zeiten „nur“ etwa 150 Kg.  Man stelle sich jetzt einmal nur die feiste „Birne“ des aufgequollenen Oggerheimers einmal als 1.500 Kg – Geschwulst vor, um das ganze Ausmaß der Degeneration zu verstehen.

Nach dem Firmware-Upgrade, der erstaunlicherweise funktioniert hatte, wollten wir jetzt zwei simple Firewall-Regeln einrichten.  Und jeder, der über rudimentäre Netzwerkkenntnisse verfügt, weiß:  Eine Firewallregel besteht im wesentlichen aus Quelle, Protokoll, Ziel und Aktion.  Einfach und übersichtlich in einer Zeile.   So kann man das erfassen.  Und jeder weiß auch:  Ein IP(v4) – Adreßobjekt schreibt sich zum Beispiel 1.2.3.4/32, seit über 15 Jahren.  Und damit kann man einzelne Netze ebenso beschreiben wie einen einzelnen Rechner.  So gesehen kann also jeder mit grundlegenden Kenntnissen eine Firewall-Regel verstehend schreiben.

Nun wollten wir eine einfache Regel mit dem „Assistenten“ erfassen.  Und da hatte ich dann das déjà vu.  Denn es poppten auf einmal wieder verschachtelt Fenster auf.  Anstatt daß wir schreiben durften, „10.20.0.0/16“, mußten wir aus einer Fülle von ‚Situationsfenstern‘ wählen, und innerhalb dieser Fenster gab es neue Fenster mit Zusatzreitern.  Für jedes Feld der Firewallregel wiederholte sich das üble Spiel mit den Fenstern, natürlich mit unterschiedlichen Schikanen:  Bei „Aktion“ war „REJECT“ schon vorbelegt, wir wollten unterdessen „DROP“ und mußten den gutgemeinten Default erst einmal aus einer „COMBO-Box“ löschen.

Fatal dabei:  Es hat sich die peinliche Unsitte eingebürgert, statt vernünftiger Erklärungen sogenannte „Screenshots“ als Bedienungsleitung zu veröffentlichen, damit auch Gesamtschüler den Inhalt abtippen können.  Mit dieser „explosiven“ Vermehrung der Fenster (anstatt einem einzigen zur Eingabe der Regel poppten in etwa zwanzig davon auf) bläht sich auch die Dokumentation auf wie ein Hefekuchen.

Leider aber war das Ergebnis unserer Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt:  Irgendein Häkchen, irgendeinen „Reiter“ in einem Subfenster hatten wir wohl vergessen.  Wohlgemerkt:  Es handelt sich um einen Router, den ich kenne wie meine Westentasche.  Mit den üblichen Werkzeugen wären die Regeln in unter einer Minute angelegt und hätten funktioniert.

Aber der Kunde möchte auf sein geliebtes „Windows“ nicht verzichten und bucht jetzt einen „Lehrgang“.  Da will ich dann nicht weiter stören.

 

Statt Vereinfachung findet also eine gigantische Komplikation statt:

  • Die gängigen „Werkzeuge“ sind alle kaputt,
  • ob es Webserver und JAVA/PHP/Perl sind
  • oder ihre maroden Gegenstücke, die „Webbrowser“.
  • Essentielle Informationen gehen in der Informationsflut unter,
  • der logische Bezug wird auseinandergerissen.
  • Peinliche Übersetzungen erschweren das Verständnis.
  • Die resultierenden Systeme sind inhärent unsicher, undeterministisch und instabil
  • Urplötzlich ist man versionsabhängig
  • und schlußendlich vergeudet man die einzige Ressource, die wir nicht nachbestellen können:  seine eigene Lebenszeit.

Das Attribut „Entartete Kunst“ wurde in der „nationalsozialistischen“ Ideologie für Darstellungen verwendet, die den ihr innewohnenden Vorstellungen von „geistiger Gesundheit“ zuwiderliefen.

Wenn aber ein „Bedienungshilfesystem“, welches ursprünglich dazu gemacht war, einen Anwender zu unterstützen, diesen behindert, beschneidet, gefährdet und verwirrt, dann möchte ich dieses sehr gerne als „entartet“ oder „pervertiert“ bezeichnen.  Und die „Schöpfer“ würde ich nicht mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen, aber ‚mal ganz ehrlich:  Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Zum Schluß meine Abbitte an den Peter, der bei uns die graphische Programmierung übernimmt:   Nimm‘ meine Entschuldigung an.  Denn ich habe gesehen, wie grotteschlecht andere auch einfachste Anforderungen umsetzen.   Und nachdem ich Art und Qualität der verwendeten „Werkzeuge“ gesehen habe, weiß ich:    Damit wird es niemals ein sauberes graphisches Bedienungssystem geben.

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Februar 2017

1985 objektorientiert – heute agil digital lean open social.

Dieses Buch habe ich im Herbst 1985 auf der Uniforum druckfrisch erworben und als erster nach München gebracht.

Vor kurzem habe ich dieses Buch wieder gefunden. Das hat mich daran erinnert, dass ich im Februar 1985 (Dallas, Texas) und 1986 (Anaheim, California) gemeinsam mit Freunden auf Uniforum-Konferenzen war. Es war großartig, die Uniforum war damals die UNIX-Konferenz in USA. Diese hatte Tausende von begeisterten Besuchern, die aus aller Welt kamen. Dort habe ich eine riesige Aufbruchstimmung erlebt.

Es gab damals auch eine kleine Sensation. Druckfrische Exemplare des ganz neuen Buches zu C++ von Bjarne Stroustrup (siehe Foto links) wurden mitten hinein die Konferenz geliefert und direkt von der Palette weg verkauft. Ich habe ein paar Exemplare erworben und mit nach Hause genommen. Das dürften die ersten Bücher zu C++ gewesen sein, die Münchner Boden erreicht haben.

Da ist mir wieder eingefallen: In den 80iger Jahren habe ich immer wieder Vorträge zu Software-Entwicklung gehalten. Ein zentrales Thema war damals der Wandel in der Programmierung, das zentrale Schlagwort immer wieder OBJEKTORIENTIERT.

Ich habe auch als Auftragsarbeit für IT-Manager diverse Vorträge zum Thema „OBJEKTORIENTIERTE Programmierung“ verfertigt. So auch für ein „hohes Tier“ der Siemens AG im UB D bei D AP (oder war das damals schon SNI?). Er hatte den Auftrag, seinem „Führungskreis“ zu erläutern, was OBJEKTORIENTIERTHEIT denn überhaupt so wäre. Der Vortrag kam laut Rückmeldung gut an – genutzt hat es freilich nichts.

🙂 Heute programmiert die ganze Welt „objektorientiert“. Für meinen Geschmack sogar einen Tick zu sehr.

Später habe ich „meine Programmierstiefel“ an die Wand gehängt und bin so etwas wie ein „Unternehmer“ geworden.

Jetzt war ich nicht mehr als Technologie-Evangelist unterwegs sondern habe über Führung und Management gesprochen. Und besonders das „smarte“ Pentagramm der Begriffe „agil“, „digital“, „lean“, „open“, „social“ und deren Zusammenhänge „gepredigt“.

So habe ich berichtet, warum Mut und Freude der Menschen in den Unternehmen eine zentrale Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Und begründet, wie notwendig gegenseitiger Respekt und Wertschätzung untereinander (nicht nur) im Unternehmen sind. Warum Augenhöhe und gemeinsames Teilhaben und Verantworten die Voraussetzung für Innovation sind. Und warum Menschen keine „Resourcen“ sind. Und wie man den Wandel nur agil schaffen kann.

„Pro Agil“ auf dem Podium der DOAG Jahreskonferenz in 2013.

Ich habe erklärt, warum Prozesse, Regeln  und Bürokratie die notwendige Veränderung verhindern. Welch hoher Schaden durch „Tayloristische Entwicklungen“ in der Organisation entsteht und wie viel Verschwendung (waste als Gegenteil von „lean“) eine überbordende Verwaltung und die daraus folgende Verbürokratisierung des Unternehmens verursachen. Und dass es keinen Sinn macht, sich in endlosen Besprechungen zu tummeln.

Und dass Abteilungen wie „human resource“, „customer relation ship management“, „marketing“, „legal service“ etc. den Erfolg des Unternehmens eben nicht absichern sondern eher gefährden.

Und dass die jungen und guten Leute lieber für Unternehmen arbeiten, bei denen Vertrauen das zentrale Element ihrer Kultur ist.

Das kann ich alles gut begründen. Habe ich doch selber miterlebt, wie wir Software-Entwickler einen (nach meiner Meinung wesentlichen Beitrag) zu einem neuen Verständnis von Arbeit geleistet haben, der jetzt immer mehr auch in ganz anderen Branchen um sich greift (#newwork). Und so die Welt mit verändert hat.

Ob mein Trommeln für „agil, digital, lean, open, social“ als „smartes“ Pentagramm etwas nutzt? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe auch den Eindruck, dass meine Zuhörer das überwiegend genauso sehen. So würde ich mich freuen, wenn wir in der Deutschen Wirtschaft nicht so viel von Industrie 4.0 sondern mehr von Unternehmenskultur sprechen würden. Ganz gleich ob 2.0 oder 5.0.

Auch die großen Bosse müssen verstehen, dass unsere Unternehmen und wir nur dann gut überleben werden, wenn wir bereit sind unsere Gewissheiten in Frage zu stellen und unsere Gewohnheiten zu ändern.

Ich verstehe ja, dass es weh tut, Hierarchien wie lieb gewonnene Pfründe und gewohnte Strukturen in Frage zu stellen. Besonders wenn man Boss ist. Aber ich bitte zu bedenken: Wir leben nicht mehr in der Welt der Fließbänder von Henry Ford und auch die hohe Zeit der Schlachthöfe von Chicago geht zu Ende.

RMD

P.S.
Den Stern habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Digitale Transformation und Neue Mobilität – Paradies oder Hölle?

Oder:
Die schöne neue Welt aus Sicht eines Unternehmers, IT-Pioniers, Bloggers, Familienvaters und Radfahrers Roland Dürre

Wie er noch bei der GLS-Bank war, hat mich Carsten Schmitz öfters zu schönen Veranstaltungen eingeladen. Da durfte ich urgewald kennen lernen, die Katrin Frische beim „Story Telling“ und einiges mehr erleben. Jetzt sorgt Carsten im Vorstandsstab des HOHENFRIED e.V. unter anderem fürs Netzwerken, Fundraising und die Finanzierung.

Unter anderem hat er in Berchtesgaden eine zwanglose Vortragsrunde ins Leben gerufen:
„Zivilgesellschaftliche Themenabende in der Lederstubn“
Und da auch bei mir angefragt, ob ich sein Projekt mit einem Vortrag unterstützen würde. Das mache ich doch sehr gerne. Es ist ja eine schöne Gelegenheit, mich für seine häufige Gastfreundschaft zu bedanken und für etwas Gutes zu wirken.

Plakat13Juli-Lederstubn

Da ich mal davon ausgehe, dass der Kreis der Besucher sehr gemischt sein wird, werde ich zu Beginn die Interessen meiner Zuhörer abfragen und sortieren. Und dann diese der Reihe nach abarbeiten, sozusagen einen OpenSpeech halten. So wird es auf jeden Fall ein sehr offene und interaktive Veranstaltung werden, die auch bestimmt allen Teilnehmer viel Spaß macht – und aber auch zum Nach-Denken anregen wird.

Anreisen werde ich im Zug mit dem Bayern-Ticket. Zurzeit plane ich die Verbindung zu nehmen, die in Neubiberg am 13. Juli um 14:31 mit der S-Bahn S7 startet und mit Umsteigen am Ostbahnhof und in Freilassing dann in Berchtesgaden Hbf um 17:30 ankommt. Die Rückfahrt plane ich am selben Tag von Berchtesgaden Hbf um 20:31, so dass ich wieder vor Mitternacht in meinem Bett liegen kann.

Natürlich freue ich mich auf Zuhörer aus meinem Bekanntenkreis und nehme sie gerne auf meinem Bayern-Ticket mit.

RMD

Vor drei Jahren (2013) war einer meiner Söhne auf einem Lehrgang („bootcamp“) in den USA. Er und seine Kollegen (wohl lauter „Techies“) haben schon damals Snapchat entdeckt. Und es spielerisch genutzt. Auf eigenartige Weise: Sie haben sich gegenseitig fragwürdige „Selfies“ – zum Teil auch nackt –  zu gesendet. Einfach so aus Gaudi. Und weil bei diesem „Instant-MessagingDienst“ die Botschaften ja nur einmal (mit einer Wiederholung) gesehen werden können und dann gelöscht werden.
Und natürlich gab es einen Spielverderber, der dann halt mal einen screenshot gemacht hat (das nur à propos Datensicherheit in der IT).

 Snapchat, Inc. Gemeinfrei - https://twitter.com/Snapchat

Snapchat, Inc. gemeinfrei https://twitter.com/Snapchat

Mittlerweile ist Snapchat auch bei mir angekommen. Ich bin sehr angetan und nutze es immer häufiger. Überwiegend in einem Kreis von Menschen, mit denen ich mich besonders gut verstehe.

Und habe so richtig Spaß und Freude dabei. So mein Urteil:
Snapchat ist ein revolutionärer Stein im großen und bunten Mosaik der Evolution von social-media.
Ich begründe es mal mit einer Reihe von Überlegungen zu verschiedenen Dimensionen des Produkts:

Das Logo:

Schon beim Logo zeichnet sich Snapchat aus. Ganz einfach und leuchtend gelb. Fällt angenehm auf und suggeriert schon die Anonymität.

Benutzeroberfläche:
Snapchat ist so verblüffend einfach, dass der von komplexer IT verbildete und verdorbene Nutzer (so wie ich einer bin) am Anfang überhaupt nicht damit zurecht kommt. Erst nach einiger Zeit macht es dann richtig Spaß mit Snapchat zu spielen – und plötzlich erkennt man, wie schlecht die Oberfläche fast aller sonstiger Apps ist.

Nutzerkommunikation:
So wohltuend habe ich selten den Dialog beim Erstkontakt mit so einer Internet-Instanz erlebt:
Allein die Versicherung bei der Bestätigung der Identitäts-E-Mail, dass ich bestimmt keine weitere E-Mail von snapshot bekommen werde, hat mich gefreut. Und die Hilfe (die es aufgrund der Einfachheit des Werkzeuge nur die verbildeten Nutzer brauchen) ist situativ wie es auch das einfach Einführungsvideo genial ist. Das sollte man sich wirklich anschauen, bevor man startet. Habe ich natürlich nicht gemacht, denn im Erraten von komplizierten Benutzer-Paradigmen bin ich wirklich gut … Nur beim Einfachen hat es dann ausgehakt.

Ausrichtung:
Hier ist die Botschaft ganz klar – dem Video gehört die Zukunft. So ist das zentrale Medium in Snapchat das Video. Und Snapchat so eine Art von asynchroner Bild-Telephonie. Natürlich mit bewegten Bildern. Das erscheint mir wichtig.


Einschub
Die jungen Leute (13 – 18 Jahre), die über Smartphones und Tablets verfügen, telefonieren nicht mehr. Sie machen in Bildtelephonie. Weil das viel schöner ist, denn man sieht den Partner mit seiner Mimik und Gestik. Deshalb müssen die Kids auch immer im Internet sein.  Die Welt ändert sich.

Wenn ich meinen älteren Partnern (von 20 – 50) vorschlage, lieber FaceTime, Hangout, Skype oder notfalls auch die Tools von Citrix oder Cisco und nicht das Telefon für eine Besprechung mit mir über eine größere Distanz (sei es von Haidhausen nach Neubiberg oder auch von Tokyo nach München) zu nutzen, dann ernte ich oft Verwunderung. Und ich bekomme häufig die Antwort:
Lass uns lieber telefonieren, das andere bin ich nicht so gewöhnt.

Die Manager des Wirtschaftswunders haben nie geschrieben. Sie hatten immer mindestens eine Assistentin, der sie ihre Korrespondenz diktiert haben. Die konnten dank Stenografie dem gesprochenen Wort gut folgen (mit einer dreistelligen Anzahl von Silben pro Minute bei der Aufnahme der Texte) und auf der Schreibmaschine ganz schnell schreiben (dreistellige Anzahl von Anschlägen pro Minute bei der Wiedergabe dann auf Papier).

Vor allem aber kannten sie ihren Chef – und sie haben ihn beim Diktat „live“ erlebt. So wussten sie, was er wollte und haben dann die Briefe immer in seinem Sinn „verbessert“. Erst unsere Generation hat dann alles gleich selber geschrieben – und unheimlich viel Zeit damit kaputt gemacht. Und wahrscheinlich vieles unteroptimal formuliert, zumindest schlechter als früher ihre Schreibdamen. Dann kamen die Diktiergeräte und schließlich die Computer, auf denen der Manager selbst schreiben musste.

Früher habe ich mich gehemmt gefühlt beim Sprechen aufs Bildtelefon. Aber das ist alles nur eine Frage der Übung. Telefonieren habe ich schon früh gut ein geübt. Aber bevor es die Handies gab, hatte ich auch ein Problem auf den Anruf-Beantworter zu sprechen. Mittlerweile spreche ich lieber ins Bildtelefon als dass ich schreibe. Weil Zweiteres eben viel schwieriger ist. Und auch noch länger dauert. Obwohl ich auch „blind“ und mit zehn Fingern schreiben kann.

So scheint mir, dass das im Internet immer mehr die Schrift durch das Video ablöst wird. So wie Kopfrechnen vom Taschenrechner ausradiert wurde. Ob wir das wollen oder nicht spielt keine Rolle. Wir müssen solche evolutionäre Prozesse einfach hinnehmen. Die Dinge kommen und gehen – so wie Menschen geboren werden um zu  leben und dann zu sterben.


Die Vergänglichkeit der Infos:
Die Datenschützer müssten spätestens seit Snapchat Angst kriegen, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Dafür muss der Nutzer weniger Angst haben vor Copyright-Verletzungen, wenn z.B. im Hintergrund ein Beatles-Lied läuft. Und wenn man mal ein wenig mehr den eigenen Emotionen freien Lauf lässt oder mal ein paar fremde Personen im Bild hat, braucht es auch keine schlaflosen Nächte.

Auch damit, dass Facebook & Co ihr Geschäft mit Daten und Algorithmen verdienen, wäre Schluss. Wenn dem überhaupt so ist. Denn Aussprüche, wie dass „Daten der Rohstoff der Zukunft sind“ sind eh Blödsinn. Man tausche in diesem Satz nur mal das Wort „Rohstoff“ gegen „Erdöl“ oder „Nahrungsmittel“ aus! Daten kann man eben so wenig fressen wie Geld, und im Tank des Porsches helfen sie auch nichts.

Ich kenne auch mehrere Cracks (richtig gute Leute) im „Big Data-Geschäfts“- die gelernt und mir klar gemacht haben, dass BigData eben keine Maschine ist, in der man „vorne Daten rein schüttet und hinten die Dollars raus kommen“. Im Gegenteil – in der Regel waren in der Praxis die verwertbaren Ergebnisse von BigData bisher immer sehr enttäuschend.

Veränderung:
Geo-Filter werden in Zukunft vor Hashtags gehen! Auch das ist ein Prinzip von snapchat, das richtungsweisend sein könnte. Geht doch die Entwicklung allgemein immer mehr in Richtung Regionalisierung und weg von zentralem oder gar zentralistischem Denken. Wir wollen doch eine Welt von Regionen auf Augenhöhe. Und wollen unsere Räume selber gestalten.
In social media haben wir immer prior in Hastags gedacht. Wie #pmcamp, #AktMobCmp, #tatort und die vielen Abkürzungen für Veranstaltungen aller Art wie #FCBBVB oder #32c3 … Nur – ich will doch wissen wer davon gerade in meinem Stadtviertel ist. Und erst dann kommt der #hashtag.

Geschäftsmodell:
Das Geschäftsmodell von Snapchat verstehe ich (noch?) nicht. Das mit der Werbung ist ja endlich. Und spätestens wenn eine Generation kommt, die immun gegen Werbung geworden ist, dann sieht es ganz schlecht aus. Snapchat soll angeblich mit Geo-Filtern sein Geld verdienen. Eine Lösung?

Ich könnte mir auch vorstellen, dass wenn mal ein Dienst so richtig gut ist und er seine Kunden süchtig gemacht hat, dass dann doch wieder Gebühren kommen. Vielleicht ist nur eine Frage der Zeit, dass die „alles ist umsonst“-Gesellschaft zu Ende geht. Und das Gute es dann wirklich wieder nur für echtes Geld gibt. Wenn es dann noch „echtes Geld“ gibt.

Gesellschaftliche Folgen:
Wir wollen doch im Jetzt und Heute leben. Den Moment erleben und wenn möglich genießen. Das ist auch einer der 5 Dinge, die man wissen sollte, bevor man stirbt. Siehe dazu meinem Artikel zum tollen Buch von John Izzo.

Snapchat ist immer noch ein wenig „besser“ als das wahre Leben. Ich kann mir die Botschaft meiner Partner noch ein zweites Mal anschauen – erst dann ist sie weg. Wie oft hätte ich im Leben einen gesprochenen Satz von mir wichtigen Menschen gerne nochmal gehört …

Aber ansonsten ist Snapchat social media so wie das echte Leben. Und kein Archiv für die Ewigkeit. Das vielleicht bald keiner mehr will.

Einsatzmöglichkeiten:
Mir sind da auf Anhieb da eine Reihe von Möglichkeiten eingefallen, wie ich Snapchat nutzbringend einsetzen könnte.

* Zum engen Dialog mit lieben Freunden.
Mit Freunden kann man sich wirklich optimal auf Snapchat austauschen:

  • Einfacher geht es nicht.
  • Empathie, Anteil nehmen und geben.
  • Ein Video sagt mehr als 1.000 Worte

* Für subtiles aber mächtiges Marketing
Ein gute Beispiel liefern wieder die Amis und die Sport-Millionäre der Moderne:

  • Nasa
    Ein Beispiel einer Institution, die über Snapchat exzellentes Marketing für ihre Produkte und Visionen macht.
  • Fußballstars äußern nach dem Pokalfinale ihre Emotionen noch in der Kabine auf Snapchat.
    Wenn jemand viele Millionen im Jahr verdienen will, dann muss er natürlich nicht nur gut Fußball spielen können, sondern auch weitere Fähigkeiten haben, wie z.B. Meister im sich selbst vermarkten sein. Wahrscheinlich machen die Kollegen da auf dem Rasen da etwas besser als wir …

* Als unterstützendes Internetwerkzeug für Barcamps
Könnte gut sein, dass hier Twitter von Snatchap abgelöst wird.

  • Wir haben früher Twitter genutzt.
  • Snatchap könnte da noch eins darauf geben.

* Um wichtige Botschaften zu senden.
Da sehe ich ganz viele gute Gründe für Snapchat.

  • Snapchat könnte die Plattform für unser Projekt „FRIEDEN“ werden! Weil:
  • Wir wollen die jungen Menschen erreichen und
  • Wir müssen „vernünftige Argumente“ und Emotionen transportieren!

Soweit meine Reflektionen zu Snapchat und social media.

Aber Snapchat ist nicht das Ende der Evolution von social media. Es wird auch hier immer wieder etwas Neues mit neuen Qualitäten und Möglichkeiten geben. Ich bin schon gespannt, was als Nächstes kommt.

RMD

Am 18.08.2015 gab es in der SZ – Landkreis München – zum Thema Straßenbau einen Artikel von Christian Sebald zu lesen:

B 15 neu wird mehr als doppelt so teuer

Dort wurde berichtet:
„dass der Weiterbau der umstrittenen B 15 neu mehr als doppelt so teuer wie erwartet wird. Das ginge aus einer Antwort von Bundesverkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) auf eine Anfrage des Landshuter Bundestagsabgeordneten Thomas Gambke (Grüne) hervor. Danach würde der neun Kilometer lange Abschnitt zwischen dem niederbayerischen Ergoldsbach und der Autobahn A 92 etwa 182 Millionen Euro kosten. 
Bisher wären dafür 88 Millionen Euro veranschlagt gewesen.“

Also eine Steigerung mehr als 100 Prozent.

Laut SZ zählt
„die B 15 neu zwischen Regensburg und Rosenheim zu den umstrittensten Straßenprojekten Bayerns. Die ersten Pläne datieren aus den Sechzigerjahren. Damals sollte eine 130 Kilometer lange Autobahn Regensburg, Landshut und Rosenheim verbinden. Später wurde das Projekt zur Bundesstrasse herabgestuft.

Allerdings zu einer, die sich mit vier Fahrspuren und zwei Standstreifen wie eine Autobahn durchs Land zieht, wie man an dem fertigen, 30 Kilometer langen Abschnitt nördlich von Landshut sieht. 

Ich verstehe nicht, warum man solche Projekte immer noch durchführt. Wenn wir schon in Straßen investieren, dann sollte man doch vor allem Wert darauf legen, dass die schon vorhandene Infrastruktur erhalten bleibt.

Unsere Zukunft wird nicht durch noch mehr Straßen besser werden. Das Auto als Basisverkehrsmittel hat sich doch überholt, die Strukturen unsere Zusammenlebens ändern sich. Und das Geld, um weiter Rennstrecken für ewig gestrige zu bauen haben wir doch angesichts der Herausforderungen in der Bildungs- und Sozialpolitik gar nicht mehr.  Auch nicht angesichts der demographischen Situation – auch wenn heute es vor allem die Senioren sind, die mit ihren Status-Sympbolen die Straßen bevölkern. Denn diese Generation stirbt aus – und die Neue wird manches doch ganz anders machen (Zumindest hoffe ich das). Von der Klimakatastrophe, die auch einiges an Wandel für uns bringen wird, will ich hier gar nicht reden.

Und dass Anwohner unter dem Verkehr leiden, ist auch kein Argument für neue Straßen. Für was müsste man dann alles Umgehungsstrassen bauen!? Die Kommunen sollten zuerst mal den „hausgemachten Verkehr“ – der immer einen wesentlichen Anteil – hat reduzieren und dann die Voraussetzungen schaffen, die eine Reduktion des Durchgangsverkehr zu ermöglichen.

Aber lesen wir in der SZ weiter.

Die Kostenexplosion hat mehrere Gründe. Zum einen ist die bisherige Schätzung annähernd zehn Jahre alt und deshalb überholt. „Pro Jahr muss man mit zwei bis drei Prozent Steigerung rechnen“, sagt ein Sprecher der Autobahndirektion Süd, die die Planung verantwortet. „Das liegt an der allgemeinen Teuerung.“

Das ärgert mich auch immer. Angeblich haben wir kaum eine Inflation, aber Kostenexplosionen werden dann genau mit dieser gerechtfertigt.

Insgesamt ist der Artikel wirklich sehr lesenswert, wie ich auch ein Fan der digitalen Süddeutschen Zeitung bin. Mit einem Zugang kann man sich von überall einloggen (Android, iPhone, iPad, Windows 8). Man hat kein Altpapier mehr und muss auch nicht vor der Lektüre der SZ die Unmengen Werbebeilagen heraus schütteln.

So mache ich gerne ein wenig Reklame für die SZ:

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RMD

Roland Dürre
Samstag, der 24. Januar 2015

#Unternehmensgründung – Hurra, wir schreiben eine App …

Nur:
Wenn es so einfach wäre, würden nicht fast alle scheitern.

Hier eine kleine Geschichte:

Ein Start-up-Team will ein Unternehmen aufbauen, das basierend auf einer APP ein Gewinn bringendes Geschäft realisieren soll. Dahinter steckt ein tüchtiges Team und eine eifrig diskutierte Idee. Idealismus und Schwung sind im Übermaß vorhanden, alle sind bereit sich richtig einzusetzen und materiell einzuschränken, durch Nächte zu gehen und notfalls eigene Lebensziele zu verschieben oder gar zu opfern.

Durch Zufall komme ich dazu. Gerufen, weil das Projekt gefühlt in einer Sackgasse steckt, aber keiner der Teilnehmer sich das eingestehen will. Nach wenigen Sitzungen merke ich, dass das Projekt auf falschem Kurs ist. Das Team steckt schon mitten in der Implementierung, das tut besonders weh.

In meinem Leben habe ich schon einige Gründer zu Grunde gehen gesehen – dies im wahrsten Sinne des Wortes. Also habe ich jetzt eine große Verantwortung. Der kann ich aber nicht gerecht werden, da die Gründer sich in ihren eigenen Gedanken gefangen haben und nicht mehr bereit oder in der Lage sind zu zu hören. Vielleicht verständlich, dass sie schlechte Botschaften gar nicht mehr hören wollen.

Dann warne ich und gehe wieder. Und ein paar Monate später erfahre ich, dass sie „gegen die Wand gefahren“ sind. Deshalb notiere ich im folgenden ein paar allgemeine Empfehlungen an Gründer.

Erste konkrete Empfehlung:
Ohne Blaupause geht es nicht

Was soll man machen, wenn man in einem Projekt merkt, dass es im Team keinen „gemeinsamen Peil“ gibt? Oder noch schlimmer, wenn jeder eine andere Vorstellung vom zu Erreichenden hat?

Admiralty carriage mount for a British 18-pounder carronade

Admiralty carriage mount for a British 18-pounder carronade

Meine Empfehlung ist, in einer solchen Situation die Implementierung sofort zu stoppen und zurück auf Start zu gehen. Also wieder in die Phase des „Requirement Engineering“ einzusteigen. Das schmerzt, ist aber die einzige Chance das Projekt zu retten. Als Trost bleibt, dass man das Gelernte nutzen kann.

Aber es muss diesmal ein modernes, agiles, empathisches und lernendes Requirement Engineering sein! Bei dem Finden der Anforderungen für neue und innovative Lösungen geht es um das „experimentelle Erlernen einer fachlichen Situation“. Wer in Innovation bestehen will muss die richtigen Fragen stellen. Und bevor man diese stellen kann muss man sie erst mal finden! Und das ist nicht einfach.

Erst dann darf das „Requirement“ starten. Und erst danach darf man über Lösungen nachdenken. Lösungen findet man durch das Zerlegen des Zieles in die „richtigen“ Anwender-Stories (user story). Mit einer davon beginnt man und betrachtet die zu Grunde liegenden Geschäftsfälle (use case). Die kann man analysieren und beschreiben. Aber bitte mit der „Weisheit der Vielen“ und nicht aus der „Einfalt des Einzelnen“. Gerade, wenn es um Zukunft und Innovation geht!

„Markt erlernen“ geht nur mit „technisch-fachlicher Empathie“. Aber den Markt müssen wir kennen, soll er doch das Produkt letztlich kaufen und einsetzen. Gerade der Markt der Zukunft muss durch Ausprobieren und Experimentieren erkundet werden. Gegen die dogmatischen Vorstellungen im Kopf eines Einzelnen. So muss man andauernd dazu lernen. Im redlichen und optimalen Diskurs, offen und agil.

Wenn diese wichtige Vorarbeit unterlassen wird, werden Dinge programmiert (oder gebaut), die keiner haben will. Die Gedanken des Teams kreisen dann um ein zumindest im Markt fragwürdiges Produkt, das mit seinen technischen und sonstigen Problemen vom wesentlichen Ziel ablenkt und die Kräfte des Teams auffrisst.

Der Misserfolg des Produkts wird oft auf fehlende Funktionalität geschoben. Man müsse nur noch mehr Programmieren, dann käme der Erfolg schon. Das ist ein Irrtum. Wenn dann die vermeintlich so wichtigen Funktionen vorhanden sind, wird es nicht besser. So wird der Misserfolg auf fehlenden Vertrieb und Marketing begründet. Man bräuchte doch nur noch ein paar Millionen für Vertrieb und Marketing … Die man aber nicht bekommt, weil man keinen Geldgeber mit dem vorhandenen Ergebnis überzeugen kann.

Das oder Ähnliches passiert immer dann, wenn der „start up“ nicht schon am Start über eine valide und flexible Blaupause verfügt. Man hat keinen gemeinsamen Nenner, den man lebt und kann so nicht überzeugen. Man braucht also eine Blaupause. Früher hat man die Blaupause „Pflichtenheft“ genannt. Aber die Blaupause beschränkt sich im Gegensatz zum Pflichtenheft auf das Essentielle. Und sie bleibt lebendig.

Das Wort „requirement engineering“ führt leicht in die Irre. Wie der Begriff des „Pflichtenhefts“ nicht zeitgemäß ist, besonders wenn er den Gedanken des „V-Modells“ folgend verstanden wird. „Pflichtenhefte“ von heute müssen agil sein und sich inkrementell iterativ verbessern!

Wenn man eine kleine aber feine Blaupause hat, dann kann man sie im Markt testen. Eine gute Blaupause ist einfach. Sie entwickelt Leben und wird so immer belastbarer. Mein Plädoyer für die „Blaupause“ soll nicht missverstanden werden. Keinesfalls will ich dem Vorgehen im überholten Wasserfall-Modell das Wort reden.

Im Gegenteil, auch die Implementierung muss frühzeitig beginnen. Aber nur mit einer einfachen und wichtigen, vielleicht winzigen User Story, die der Blaupause folgt. Mit etwas Glück kann so schnell der erste „quick win“ eingeheimst werden, der in die weitere Zukunft trägt.

Das Gründen eines Unternehmens bedeutet so eine in mehreren Dimensionen vernetzte Gratwanderung.

Weitere Empfehlungen für Start-ups einfach mal in lockerer Reihenfolge:

Die richtigen Zielgruppen suchen

Anwendersoftware (wie viele andere Produkte auch) hat modellhaft immer mindestens zwei Zielgruppen – die „Fachabteilung“ und die Nutzer. Das unterscheidet Anwendersoftware übrigens auch von einer rein technischen Softwareentwicklung wie z.B. den Bau eines Compilers.

Die Fachabteilung will mit dem Produkt eine Vereinfachung und Verbesserung notwendiger Prozesse erreichen. Der Nutzer soll diese Lösung positiv annehmen, das Produkt muss ihm spürbar helfen, dass er auf angenehme Art und Weise seinen Job besser machen kann.

Business Case

Der ist von herausragender Bedeutung. Wir brauchen eine Story. Wenn man die richtigen Zielgruppen gefunden hat und über eine schöne Blaupause verfügt, dann lässt sich der Business-Case entwickeln. Eingepackt in eine gute Story, die faszinieren kann. Um die potentiellen Partner, die möglichen Vertriebs- und Vermarktungswege, die Multiplikatoren und weitere zu begeistern. Und kann dann die vielen Chancen des Marktes angehen.

Technologie

Erst wenn eine wirklich gute Blaupause vorhanden ist (eventuell unterstützt von Attrappen vulgo „dummies“ genannt), erst wenn man die Oberfläche und die Funktionen „begreifbar“ machen kann, erst wenn Zielgruppen und der Business Case festgelegt sind, erst wenn Prototypen einzelne Funktionen zeigen, dann macht es Sinn den ersten „Erlkönig“ zu bauen. Dieser Erlkönig muss dann zielstrebig und schnell entwickelt werden, direkt zum Ziel ohne viel „Wenn und Aber“.

Und dann kann das agile Rad anfangen sich zu drehen. Der Hauptzweck eines solchen „Erlkönigs“ ist, von und mit ihm zu lernen – und zwar auf allen Ebenen. Und die Idee, das Produkt zu bewerben. Perfektion zählt hier nicht. Entwickler und Ingenieure müssen hier aufpassen, denn sie denken gerne viel zu früh in Technologien. Das kann man später machen, wenn man weiß, was die Evolution denn wirklich annimmt.

Design

Mit dem Logo muss man ganz früh anfangen! Es wird zum Symbol des Teams und strahlt seine Botschaft aus. Als gemeinsames Symbol des Teams. An der Auswahl des Logos sollten so alle beteiligt sein.

Bei der Design-Findung auch für Gebrauchsmuster oder Prototypen orientiert man sich an den modernen Anwendungen. Bilder und Fotos werden bei den Oberflächen der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Schönheit schadet nicht ist aber zweitrangig, die Vermittlung der Botschaft des Produkts steht im Vordergrund. Das hilft auch den Gründern selber ihre Konstrukte abzugleichen.

Finanzierung

Viel zu früh wird oft über die Finanzierung nachgedacht. Wenn ich finanzieren will, muss ich etwas haben. Nicht nur einen Business-Plan, der in der Regel nur ein schlechtes Glaubensbekenntnis darstellt. Ich brauche all das Beschriebene, die Blaupause, den Business Case, das Muster, ein schönes Design, all das muss die Idee vermitteln und die Menschen faszinieren. So kann ich externes Geld eigentlich erst für den Bau des Erlkönigs erwarten. Und das ist auch noch sehr schwierig – in der Regel helfen da nur besondere Verbündete.

Und vor allem: Das Team muss stark sein. VCs, SCs, staatliche Finanzierungen aber auch Partner-Unternehmen oder Privatinvestoren schauen nicht so sehr auf das Produkt. Wichtig ist diesen der „business case“, die Story und vor allem „das Team“. Stark ist ein Team übrigens nur dann, wenn es selber von seinem Produkt so richtig und trotzdem realistisch überzeugt ist.

Allgemeine Anmerkungen

Die „geniale Idee“ gibt es nicht. Sie ist und bleibt „Saga“. Die geniale Idee ist ein Traum der nur zu schnell zum Alptraum wird. Wie Visionen oft zu Halluzinationen führen.

Der Erfolg von start-ups und Innovationsmachern hat viele Väter. Die Entwicklung eines erfolgreichen Produkts ist ein Stück harter Arbeit. Der Weg beinhaltet viele Rückschläge und Irrungen. Den Erfolg kann man nicht herbei zwingen. Man muss versuchen, die Voraussetzungen zu schaffen, damit er sich eines Tages einfindet.

So kann es durchaus Sinn machen – besonders wenn man nicht vom Start weg mit Kosten deckenden Umsätzen operieren kann – durch das Fegefeuer eines Business Plan Wettbewerbs zu gehen. In der Regel bringt das viel. Auch die Erkenntnis, dass das Projekt keinen Sinn macht, ist ein großer Wert. Das spart viel Geld und Zeit. Die Teilnahme an solch einem Wettbewerb kann auch helfen, die „wichtigen“ Netzwerke und die „richtigen“ Mentoren zu finden.

Aber vor allem!

Ein Start-up ist keine schicke Selbstverwirklichung sondern eine sehr riskante und massive Herausforderung. Dazu braucht es ein begeistertes Team, das bereit für die Aufgabe und offen für Veränderung ist. Wenn das nicht gegeben ist, dann Finger weg! Denn wenn Gründen so einfach wäre wie viele denken, würden nicht so viele Gründer auch im Segment der IKT und Welt der schicken APPs scheitern.

RMD

P.S.
Das habe hier meine persönlichen Gedanken aus meinem subjektivem Erleben berichtet. Sie erheben keinen Anspruch auf Wahrheit. Ich glaube, dass jede Gründung anders ist und ihr eigene Geschichte hat.

So gibt es nach meiner Meinung kein allgemeingültiges Kochrezept für „erfolgreiches“ Gründen. Dem folgend was ich beschrieben habe könnte es aber gehen, anders wird es aber nicht gehen!

P.S.1
Die Daten zum Bild: Es ist von 1808 und heißt „Admiralty carriage mount for a British 18-pounder carronade“.
Quelle: Scanned from Chappelle, Howard I., The History of the American Sailing Navy: The Ships and Their Development, New York: W. W. Norton and Company, Inc., 1949, ISBN 1-56852-222-3, Plate VII, facing p. 152.
Unattributed, apparently from U.S. National Archives

Roland Dürre
Donnerstag, der 12. Juni 2014

Innovation ist kreative Zerstörung

Vielerorts wird die Innovation beschworen. Fürs Wachstum unserer Wirtschaft. Als Rettung vor der Klima-Katastrophe. Um Zukunft zu sichern und die Welt zu retten.

Und wie viele start-ups kenne ich mittlerweile, die alles dafür geben, um innovativ zu sein. Und so reich werden wollen. Und wie viele Unternehmen führen Innovationsprogramme durch. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Sie „profilen“ Ihre Mitarbeiter in eine innovative und eine nicht-innovative Klasse. Universitäten, die Politik, Meinungsmacher und Protagonisten aller Disziplinen und natürlich auch die Sonntagsredner, alle gieren nach Innovation.

Und auch ich meine, dass
„Wir haben das immer schon so gemacht!“
ein ganz gefährlicher Satz in unserer Sprache ist. Vor dem man sich hüten sollte. Und lieber immer wieder etwas Neues probieren sollte.

Aber ich weiß immer noch nicht, was Innovation ist. Da fällt mir wieder ein anderer Satz ein:

Innovation ist kreative Zerstörung!

Ein Satz, den ich das erste Mal von Simon Grand in einem seiner grandiosen Vorträge gehört habe. Und ein Satz, der mir einleuchtet.

Denn Innovation ist ein Begriff, der ein wesentliches Geschehen beschreibt. Mit einem relevanten Ergebnis, das Folge eine großen Veränderung ist. Etwas Neues entsteht, Vorhandenes wird zerstört.

Die Zerstörung ist massiv. Wie bei jedem Wandel. Und tatsächlich, wenn ich nach Beispielen für wirkliche Innovation suche, so finde ich immer ein enormes Ausmaß an der Innovation folgenden Zerstörung. Nicht nur in der Technologie.

Veränderung und Zerstörung sind die zwei hinreichenden Bedingungen dafür, dass tatsächlich Innovation stattfindet. Wir können aber nie bewerten, ob der Zustand nach der Veränderung tatsächlich positiver oder negativer als der davor ist. Zu mehrdimensional sind die Komponenten, die ein menschliches Leben gelungen erscheinen lassen können.

Und da fällt mir wieder mein alter Liebling Bertrand Russell ein. Er hat gesagt:

»Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.«

Ich würde den Satz heute so formulieren:

»Innovation bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.«

Und daraus würde ich schließen, dass eine notwendige Dimension der Innovation der Zuwachs an Weisheit ist.

Und dann bin ich mit dem Begriff der Innovation wieder versöhnt.

RMD