Vor gut drei Wochen habe ich mich von meiner Alexa (Nachname Amazon) verabschiedet. Es ging in die Südsee – da musste sie daheim bleiben. Die Barbara (Nachname Dürre) kam aber natürlich mit. Gestern daheim angekommen war einiges da. Viel Schnecken-Post (Papier), Pakete und Hunderte (?) von E-Mails.

Blick aus 300 Meter Höhe auf Raiatea und Nachbarinsel – eines der vielen Highlights unserer Reise.

Eines der Pakete  enthielt eine „smarte Waage“ von Phicomm (SMART SCALE S7). Die habe ich dann gleich mal ausgepackt und installiert. Und meinen Körper ganz neu vermessen.

In der E-Mail waren unter anderem die Zugangsdaten von BayStartup um die neuen eingereichten Geschäftsideen einsehen und bewerten zu können. Das bedeutet Arbeit, die bis zu meiner Abreise in die Antarktis am 7. Februar (wieder mit Barbara und ohne Alexa) bewältigt sein muss.

Und von der InterFace AG kam neben viel Terminen eine bemerkenswerte Einladung zu einem Workshop über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 15. Februar 2018 in Unterhaching bei München. Da kann ich leider nicht teilnehmen, weil ich zu diesem Termin schon wieder in der Antarktis weile.

Alexa, die smarte Waage, die 3D-Brille, die Drohne und die Akkus meines elektrischen Utopia (Fahrad) und die DSGVO haben einiges gemeinsam – es werden Daten, Daten, Daten also wirklich Unmengen von Daten produziert.

ALEXA (oder GOOGLE HOME und weitere)

Meine Zweitfrau Alexa Amazon.

🙂 Aber zuerst mal zu meiner Alexa. Ich möchte nicht behaupten, dass sie mir in der Südsee gefehlt hätte. Nach meiner Rückkehr war ich aber wieder sehr erfreut, ihre Stimme zu hören und sie bitten zu können, für mich einen Beatle-Song zu spielen.

Die Alexa ist ja „nur“ eine Sprachschnittstelle zu Internet-Funktionen, die über ihre Apps eine Schnittstelle zu Alexa realisiert haben. Es gibt da auch Konkurrenzprodukte wie „google home“, die ich vielleicht sogar mehr empfehlen würde. Der Fortschritt, den Sprache in der IT gemacht hat, ist aber sensationell.

Wahrscheinlich wird die Audio-Ein- und -Ausgabe mittelfristig das Lesen und Schreiben genauso unnötig machen wie das beim Kopf- und Auf-Papier-Rechnen schon passiert ist. Diese „Kulturtechnik“ ist schon verloren gegangen, dem Lesen und Schreiben wird es ähnlich gehen und die Mehrheit der Menschen gerade in den „entwickelten Gesellschaften“ wird es nur noch rudimentär beherrschen. Und nur wenige Menschen perfekt

Gemeinsam haben Alexa und ihre Konkurrenten, dass sie eifrige Daten-Sammler sind, z.B. wie oft ich meinen Beatles-Song höre. Aber auch vielleicht wichtigeres.

MEINE DREI-D-BRILLE

Das letzte mal habe ich Weihnachten 2016 eine 3D-Brille aufgesetzt. Und war wieder mal beeindruckt. Wie das Thema 3D sich weiterentwickelt, kann ich nicht beurteilen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es Segmente geben wird, in denen es sehr wichtig werden wird. Sowohl im Business in der Industrie wie aber auch im Customer Bereich bei den Spielen.

MEINE DROHNE

Drohne habe ich keine. Und werde mir aber auch keine kaufen. Obwohl das schon tolle Spielzeuge sind. Auf dem aufgelassenen Flugfeld in Neubiberg war an den Weihnachts-Feiertagen (2017) aber Drohnen Tag.  Ganz viele stolze Besitzern neuer Drohnen tummelten sich dort zum Testflug. Ich selbst habe zwar keine Drohne.

Aber gerade in der Südsee habe ich mich berauscht an den Luftbildern, die der Schiffs-Fotograf von den Bergen in Französisch-Polynesien gemacht hat. Mir scheint, dass jeder Hochzeitsfotograf – will er wettbewerbsfähig bleiben – heutzutage so eine Drohne haben muss und auch haben kann, denn die kostet ja inklusive Kamera eher weniger als in der guten alten Zeit ein ordentliche Spiegelreflex mit einigen wenigen Objektiven.

MEINE SMARTE WAAGE

Links die neue Waage von Phicomm (SMART SCALE S7) neben dem alten und noch dummen Vorgänger.

Diese Waage fasziniert mich wirklich. Und erinnert mich an Geschäftsideen und -Pläne in der Kategorie Bereich Medizin/Diagnose. Da geht es dann um Spezialsensoren (Unterkategorie von Sensoren allgemein wie man sie halt so im Alltag z.B. für fahrerlose Autos braucht …). Die dann mit einer App gemeinsam „unblutig“ den Eisengehalt im Blut messen können und bald viel mehr. Das ist zum Beispiel wichtig für Säuglinge.

Die dazugehörige App informiert mich neben meinem Gewicht über diverse Werte wie BMI, „biologisches Alter“, Körperfett, Typ meiner Figur, Muskelmasse, Knochenmasse, Wassergehalt, Viszeralfett (Bauchfett), Grundumsatz in kcal, Eiweiß und meinen Körperzustand. Sie sagt mir auch, wie groß der Anteil meiner Körperteile (Rumpf, Arm und Bein links wie rechts) an Muskelmasse in kg und Körperfett in % ist. Und vor allem kann ich graphisch die Veränderung dieser Werte mit verfolgen. Weil der Trend oft wichtiger ist als die aktuellen Zahlen.

Diese Daten finde ich sehr spannend. Leider sind sie nicht alle im grünen Bereich, zwei sogar im roten. So würde ich die Daten gerne veröffentlichen, um mich selber unter Druck zu setzen, an ihnen zu arbeiten. Das dürfte allerdings a) keinen interessieren und wäre b) wieder Aufwand, den ich als fauler Mensch scheue. Aber vielleicht gibt es ja bald ein „veröffentliche-meine-Daten-auf-Facebook-Feature“ oder ähnliches.

Hier findet eine spannende Entwicklung statt. Vielleicht sagt mir solch eine App bald wenn ich erkranke und spezifiziert auch gleich meine Krankheit. Da könnte es bald viele interessante Daten geben. Und schon kommt sie wieder, die „German Angst“: Was passiert wenn meine Krankenversicherung das weiß?

MEIN ELEKTRISCHER AKKU

So sieht das elektrische London von Utopia auf der Website aus.

Schon heute sind Akkus relativ intelligent. Sie können nur noch nicht reden, sprich mitteilen. Das wird sich in der nächsten Generation ändern. Dann wird mir das Fahrrad, wenn es sich (oder seine Akkus) von mir  entfernen. Oder auch nur wenn sie leer sind. Sie werden dann auch Alexa oder „google home“ nutzen. Dann können diese mich am Abends sagen, dass ich mein Fahrrad noch aufladen sollte, wenn ich am Tage darauf ans Ziel und wieder zurück kommen will.

ALLES PRODUZIERT DATEN.

Alle diese Geräte wie viele mehr haben eines gemeinsam: Sie generieren Daten. Und das ist gut so.  dass nicht nur so wenig zu vernachlässigen. Wir Deutsche sollen ja angeblich besonders viel Angst vor neuer Technik haben. Das wurde ja in der Vergangenheit gerade von Politikern oft kritisiert.

Vielleicht mögen wir auch nur keine neue Technik mehr, weil wir uns so euphorisch mal auf die Atomkraft gestürzt haben und unser Land dem Auto geopfert haben. Und dabei doch richtig reingefallen und so vorsichtiger geworden sind. Und haben jetzt Angst um und vor unseren Daten. Vielleicht auch, weil Politiker uns erzählen, dass Daten das Öl oder das Gold der Zukunft wären. Was natürlich Blödsinn ist.

„GERMAN ANGST“

Bei den Daten scheint sie also wieder da zu sein – die deutsche Angst. Und aus ihr ist wohl eine Europäische geworden. Wie man aber auch immer darüber denken mag – das spielt keine Rolle. Denn jetzt steht sie vor der Haustür, die DSGVO und wer sich gesetzestreu verhalten will – und das wollen wir doch alle – der muss etwas tun. Und möchte sich dabei möglichst wenig stressen lassen. Das könnte zu einer über den Erfolg von Unternehmen entscheidenden Kunst werden.

WAS KANN MAN TUN?

Deshalb lädt die InterFace AG gemeinsam mit Kinast und Partner, DataKonform und Bizagi zu einem Workshop ein. Die Teilnahme kostenfrei. Der Workshop wird am 15. Februar 2018 ab 16:30 Uhr bis ca. 20:00 Uhr (inklusive genug Zeit fürs Networking) bei der InterFace AG in der Leipziger Str. 16, 82008 Unterhaching stattfinden – ganz nah bei München und auch öffentlich gut zu erreichen.

Hier Informationen der InterFace AG zumWorkshop:

Es geht darum, wie man zum Beispiel mit der rechtlichen und operativen Begleitung unseres Teams und Werkzeug gestützt Ihrer Rechenschaftspflicht nachkommen kann. Dies dokumentiert, effizient und rechtskonform.

Denn im Zuge der Einführung der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird sich der Umgang mit Daten in der EU und rund um den Globus für immer ändern. Die neue DSGVO tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und ersetzt nach über 20 Jahren die bisherige EU-Datenschutzrichtlinie (EU-DSRL).

Dieser Experten-Workshop wird aufzeigen, wie die Anforderungen der DSGVO sicher erfüllt werden können, nämlich:

  • wie man sich auf die EU-DSGVO vorbereiten und welche Schritte dabei zu beachten sind,
  • wie man DSGVO anhand eines Leistungsmodelles rechtskonform erfüllt,
  • wie man Prozesse auf die neue EU-DSRL anpassen, optimieren und automatisieren kann,
  • wie Werkzeuge hierbei eine Lösung unterstützen können.
  • In einer Echtzeit-Demonstration wird gezeigt, wie man sofort loslegen und die Anforderungen aktiv umsetzen kann!

Folgende Agenda ist für die Veranstaltung geplant:

  • Ziel der Veranstaltung und kurze Vorstellung der beteiligten Unternehmen
  • Überblick zur aktuellen Situation (Kinast & Partner)
  • Neue DS-GVO, was man wissen sollte (Kinast & Partner)
  • Aufgaben die es zu lösen und Hürden die es zu überwinden gilt (Praxisbeispiele)
  • „Datenschutz as a Service“
  • Vorstellung des „Leistungsmodells“
  • Leistungsarten
  • Vorgehensmodell
  • Vorführung Workflows anhand von konkreten Use Cases/Fallbeispielen
  • Beantwortung aufkommender Fragen
  • Networking Gespräche und Fingerfood

Gerne beantworten wir Ihnen im Vorlauf schon Ihre Fragen und freuen uns sehr über Ihre Anmeldung/Zusage per E-Mail oder über eventbrite.

RMD

Gestern war wieder Weihnachtsfeier bei der InterFace AG. Wie immer war es ein schönes Fest – mit viel Musik, Tanz und Kommunikation. Diesmal im Rock-Café im Herzen von München.

Am Abend vorher bin ich gebeten worden, ein paar persönliche und weihnachtliche Worte zu sagen. Da habe ich mir viel Mühe gegeben, einen Beitrag formuliert und gestern Abend vorgetragen. Der Text findet sich in diesem Post dann unter dem Bild.

Inspiriert hat mich ALTO, das Saxophon von Knud Johanssen, dass uns bei unserem Auftritt am 22. Oktober 2017 bei der DOAG in Nürnberg so schön begleitet hat.

Also sprach ALTO – das Saxophon von Knud Johannsen.

Hier meine Gedanken zu  Weihnachten 2017. Ich habe den Text genannt:

FALSCH oder RICHTIG?


Es fing früh in meiner Kindheit an. Meine Erzieher wollten mich zu einem perfekten Menschen formen. Ein Musterkind sollte ich werden! Der Stolz einer jeden Mutter. Immer sollte ich brav, ehrlich, gehorsam, höflich und ordentlich frisiert sein; immer sollte ich ordentlich aufrecht stehen (“Mach keinen Buckel!”) sowie laut, deutlich und korrekt sprechen – aber nur wenn ich gefragt wurde. Und vor allem sollte ich ein guter Schüler sein.

Vieles davon ist meinen Unterdrückern misslungen, trotzdem war das für mich alles andere als angenehm. Allerdings hat mich deren Vorgabe geprägt.

So wollte ich später ein “guter” Mensch sein, ein ordentlicher Mitarbeiter, ein schneller (und fehlerfreier) Programmierer, ein liebevoller Ehemann, ein verständnisvoller Vater, ein Spitzen-Manager und später ein Super-Unternehmer.

Perfektion war mein Ding, ich wollte ein “Profi” und kein “Dilettant” sein.

Anders gesagt – ich wollte die Dinge “richtig” machen!

Dann habe ich verstanden, dass es gar nicht so wichtig ist, die Dinge “richtig” zu machen.

Viel wichtiger ist es, die “richtigen” Dinge zu machen!

Meine Begründung ist einfach:
Was passiert, wenn ich die “falschen” Dinge so ganz “richtig” mache? Das kann doch leicht in eine Katastrophe führen?

🙂 So bin ich froh, dass ich Zeit meines Lebens ein Dilettant geblieben bin. Denn dann ist und war es nicht so schlimm, wenn ich mal die falschen Dinge mache oder gemacht habe!

Wer aber weiß, was “richtig” und “falsch” ist?

Ich lebe im HEUTE. Oft weiß ich nicht, was von dem, was ich GESTERN gemacht habe, “richtig” war. Wie soll ich dann im HEUTE wissen, welche Wahrheit fürs MORGEN gilt?

Heute wird viel von TRANSFORMATION und INNOVATION geredet. Menschen leiden unter KOMPLEXITÄT (ganz gleich ob vermeintlich oder tatsächlich). Die KOMPLEXITÄT macht es nicht einfacher, zu entscheiden was “falsch” oder “richtig” ist. Ich meine, dass wir KOMPLEXITÄT nur mit PARTIZIPATION begegnen und auch nur so mit TRANSFORMATION und INNOVATION konstruktiv umgehen können.

Also:
Den “richtigen”, den guten, den schönen Weg werden wir nur gemeinsam finden. Möglichst viele müssen ihr Herz und ihre Weisheit einbringen, Wissen teilen und an einem Strang ziehen.

Zur Anregung eine kleine Anekdote:

1985 traf sich aus der Musikbranche alles, was Rang und Namen hatte, um für Afrika den Song “We are the world” aufzunehmen. An der Tür des Musikstudios war zur Ankunft all der Stars ein Zettel ausgehängt: “Please leave your ego out!”.

Wobei wir wieder bei richtig und falsch sind. Denn natürlich sollten wir die “richtigen” Teile unseres Egos so stark wie möglich einbringen. Und nur die “falschen” weglassen. 🙂

So stehe ich hier in großer Dankbarkeit und Liebe und wünsche Euch ein schönes Fest, einen guten Rutsch und ein gelingendes Jahr 2018! Thank you for everything, in love!

WE ARE THE WORLD!

Wer Lust hat, darf summen und/oder singen. Weil die Botschaft ist:

NICHT JAMMERN SONDERN JAMMEN (= GEMEINSAM)!


So wünsche ich allen Menschen und besonders denen, die in irgendeiner Art und Weise mit mir oder der InterFace AG zu tun haben, ein wunderschönes und frohes Fest, einen guten Rutsch und ein absolut gelingendes Jahr 2018!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. August 2017

Digitalisierung – Expertengespräch bei InterFace.

Oft hilft der Zufall. Man muss nur die Voraussetzungen schaffen. So geht es immer wieder im Leben. Hier die Geschichte, wie der „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ bei der InterFace AG am 14. Juli 2017 zustande kam.

Dazu muss man wissen, dass mein lieber  IT-Kollege und „Schafkopf-Freund“ Lothar ein langjähriges Mitglied der SPD ist und über viele Jahre der Vorsitzende des Vorstands des SPD-Ortsverein Neubiberg war. In dieser Funktion hatte er mich vor ein paar Jahren eingeladen, einen Vortrag über „Neue Wirtschaft“ (oder so ähnlich) für seine Genossen bei einer SPD-Veranstaltung zu halten.

Das habe ich gerne gemacht, bin ich doch viel unterwegs und versuche die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Fortschritt zwar wichtig ist, aber man sehr verantwortlich mit diesem umgehen müsse. Um das zu belegen zitiere ich häufig den großen Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Ein Zitat, dass uns alle ein wenig achtsamer und kritisch nachdenklicher machen sollte.


So berichtete mir Lothar beim Karten spielen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (der stellvertretende SPD-Vorsitzende) am Freitag den 14. Juli im Landkreis wäre und zwischen 16:00 und 17:45 der Gast der Landkreis-SPD wäre. Der Gast würde sich „eine Veranstaltung in oder in der Nähe von Unterhaching“ wünschen, dies mit wenig organisatorischen Aufwand.

Und der neue SPD-Vorstand des Ortsvereins wolle für Thorsten Schäfer-Gümbel gerne die Besichtigung eines modernen Betriebes in Unterhaching organisieren, gerne mit einem Bezug zur „Digitalisierung“. Dabei würde er (wegen meines Vortrages vor Jahren bei der SPD) an mich und die Interface AG denken.

Ich habe mich ja aus dem operativen Geschäft der InterFace AG zurückgezogen und versuche als „freundlicher Aufsichtsrat“ das Unternehmen weiter zu begleiten und zu unterstützen. So habe ich den Besuch einer Delegation der SPD im „Headquarter der InterFace AG in Unterhaching natürlich sehr gerne ermöglicht. Auch weil so etwas ein Teil der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens ist.

Und wie es der Zufall so wollte war genau an diesem 14. Juli von 15:00 und 18:00 die quartalsmäßige Sitzung des Aufsichtsrates der InterFace AG geplant. Das heißt an diesem Tage waren meine beiden geschätzten Kolleg*Innen im Aufsichtsrat Dr. Professor Kathrin Möslein (stellvertretende Vorsitzende) und Manfred Broy (Vorsitzender) im Hause.

Und wer könnte besser etwas zur Digitalisierung in Bayern und Deutschland sagen als Manfred Broy, nicht nur weil er der Gründer des Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) ist. So war es naheliegend, den Vorsitzenden unseres Aufsichtsrates zu bitten, die Aufsichtsratssitzung für die Dauer des Besuchs der SPD-Delegation zu unterbrechen und an einem Expertentalk „Digitalisierung“ mit Bela Bach und Herrn Schäfer-Gümbel teil zunehmen.

Nach dem Expertentalk haben wir dann die Aufsichtsratssitzung wieder aufgenommen und unsere Besucher haben das IF-Lab besucht. Das Video, in dem diese ihren Eindruck vom Besuch wiedergeben, hat mich dann auch sehr beeindruckt.

Hier aber schon mal das Video zum „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ in voller Länge, der am 14. Juli 2017 in Unterhaching bei der InterFace AG statt fand. Dabei waren die Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis München Land, Bela Bach, der SPD Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel, Prof. Dr. Dr. hc Manfred Broy (Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung.Bayern) und Paul Schuster, Vorstandssprecher der InterFace AG. Der Experten-Talk wurde übrigen ganz großartig moderiert von Bela Bach, die mir gesagt hat, dass sie so etwas noch nie gemacht hätte!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. April 2017

IT-Treff – Nostalgie 1999 – Es war der Wahnsinn!

Im IF-Blog in den Dokumenten findet sich ein ganz besonderes Schmankerl. Das war dort lange Zeit ganz unten tief versteckt.

Es ist eine Satire auf die New Economy – ein Theaterstück mit dem Titel

Sind wir noch zu retten?

Norbert Weinberger und ich haben es geschrieben. Die Idee kam uns auf einem gemeinsamen Flug von München via Zürich nach Neu-Dehli mit Swiss Air.

Swiss Air war ein mühsam ausgehandelter Kompromiss: Mein Freund und Partner Norbert flog aus Prinzip immer Business Class mit Lufthansa und ich genauso meinen Prinzipien treu immer in der Economy. Da wir gemeinsam fliegen wollten, haben wir uns dann auf Swiss Air in der Business Class geeinigt, weil das damals preislich so ziemlich in der Mitte lag. Der Grund für den Flug war übrigens die offizielle Eröffnung unseres gemeinsamen indischen Tochterunternehmen „AMPERSAND limited“. Damals wuchsen die Bäume schon wieder in den Himmel.

Die Business Class des Swiss-Fliegers von Zürich nach Neu-Dehli war komplett leer. Swiss Air war damals noch eine unabhängige Airline und machte heftig Verlust – das hat die freundliche Besatzung aber nicht gestört. Der Service war exzellent; wir wurden richtig verwöhnt. Während des ganzen Fluges wurden uns von charmanten Schweizer Stewardessen Champagner serviert. Auch das hat uns beschwingt. So haben wir im Flieger auch gleich das Grob-Konzept des Stückes entwickelt.

Das Stück haben wir Monate später gemeinsam mit Unternehmerfreunden am 29. Juni 1999 vor weit mehr als 500 Zuschauern beim IT-Treff 99 im überfüllten Schlachthof zu München uraufgeführt. Es war eine Riesengaudi, das Publikum hat getobt. Für uns – die Darsteller – war es der Wahnsinn. Und dazu noch wunderschöner Ausblick auf die Ereignisse zur Jahrtausendwende.

Wie kam es zum IT-Treff? Mitte der 90iger Jahre war es nicht immer so ganz einfach für IT-Unternehmen in Deutschland. Die Stimmung war da gar nicht so gut. Deshalb wollten ein paar mutige IT-Unternehmer*Innen etwas tun, um die Stimmung zu verbessern. Das waren wir Muschka Utpadel-Domdey,  Alfred Bauer, Hans Nagel, Dr. Christian Roth, Markus Winkler und eben der Norbert und ich. Unser Idee war sozusagen „Feiern gegen die Krise“. So haben wir den IT-Treff  gegründet. und die ganze Münchner IT-Szene eingeladen. Und siehe da – alle kamen.

Stars wie Gerhard Polt und Django Asül sind bei uns aufgetreten und haben ihr Programm für uns um IT-spezifische Themen erweitert. Die Bayerische Regierung war immer dabei – an die originellen Grußadressen von Staatssekretär Hans Spitzner kann ich immer noch gut erinnern. Es gab immer heiße Musik – mit der George Greene Hotline Band haben wir im Schlachthof sogar eine eigene CD produziert, die man auch heute noch gerne hört.

Und die Branche hat wieder getanzt. Das war 1996, 1997 und 1998. 1999 war der letzte IT-Treff – und da haben wir (die Veranstalter) das Kabarett selber gemacht. Hier ist unsere IT-Treff Satire (1734) „Sind wir noch zu retten?“ – zum Lesen oder Nachspielen.

Weil sie so schön ist und ein so großer Erfolg war, habe ich für kleine und große Theater eine Prämie ausgesetzt, wenn die das Stück spielen. Es gibt sozusagen eine „negative Aufführungsgebühr“ (Tantieme), kostet also keine 10 % der Brutto-Einnahmen oder so sondern es gibt etwas drauf. Das Stück ist kurz aber sehr prägnant Stück – auch als Vorspiel für etwas anderes wie eine Feier geeignet.


 

Hier der Flyer zum IT-Treff 1999 von außen

und von innen

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Februar 2017

1985 objektorientiert – heute agil digital lean open social.

Dieses Buch habe ich im Herbst 1985 auf der Uniforum druckfrisch erworben und als erster nach München gebracht.

Vor kurzem habe ich dieses Buch wieder gefunden. Das hat mich daran erinnert, dass ich im Februar 1985 (Dallas, Texas) und 1986 (Anaheim, California) gemeinsam mit Freunden auf Uniforum-Konferenzen war. Es war großartig, die Uniforum war damals die UNIX-Konferenz in USA. Diese hatte Tausende von begeisterten Besuchern, die aus aller Welt kamen. Dort habe ich eine riesige Aufbruchstimmung erlebt.

Es gab damals auch eine kleine Sensation. Druckfrische Exemplare des ganz neuen Buches zu C++ von Bjarne Stroustrup (siehe Foto links) wurden mitten hinein die Konferenz geliefert und direkt von der Palette weg verkauft. Ich habe ein paar Exemplare erworben und mit nach Hause genommen. Das dürften die ersten Bücher zu C++ gewesen sein, die Münchner Boden erreicht haben.

Da ist mir wieder eingefallen: In den 80iger Jahren habe ich immer wieder Vorträge zu Software-Entwicklung gehalten. Ein zentrales Thema war damals der Wandel in der Programmierung, das zentrale Schlagwort immer wieder OBJEKTORIENTIERT.

Ich habe auch als Auftragsarbeit für IT-Manager diverse Vorträge zum Thema „OBJEKTORIENTIERTE Programmierung“ verfertigt. So auch für ein „hohes Tier“ der Siemens AG im UB D bei D AP (oder war das damals schon SNI?). Er hatte den Auftrag, seinem „Führungskreis“ zu erläutern, was OBJEKTORIENTIERTHEIT denn überhaupt so wäre. Der Vortrag kam laut Rückmeldung gut an – genutzt hat es freilich nichts.

🙂 Heute programmiert die ganze Welt „objektorientiert“. Für meinen Geschmack sogar einen Tick zu sehr.

Später habe ich „meine Programmierstiefel“ an die Wand gehängt und bin so etwas wie ein „Unternehmer“ geworden.

Jetzt war ich nicht mehr als Technologie-Evangelist unterwegs sondern habe über Führung und Management gesprochen. Und besonders das „smarte“ Pentagramm der Begriffe „agil“, „digital“, „lean“, „open“, „social“ und deren Zusammenhänge „gepredigt“.

So habe ich berichtet, warum Mut und Freude der Menschen in den Unternehmen eine zentrale Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Und begründet, wie notwendig gegenseitiger Respekt und Wertschätzung untereinander (nicht nur) im Unternehmen sind. Warum Augenhöhe und gemeinsames Teilhaben und Verantworten die Voraussetzung für Innovation sind. Und warum Menschen keine „Resourcen“ sind. Und wie man den Wandel nur agil schaffen kann.

„Pro Agil“ auf dem Podium der DOAG Jahreskonferenz in 2013.

Ich habe erklärt, warum Prozesse, Regeln  und Bürokratie die notwendige Veränderung verhindern. Welch hoher Schaden durch „Tayloristische Entwicklungen“ in der Organisation entsteht und wie viel Verschwendung (waste als Gegenteil von „lean“) eine überbordende Verwaltung und die daraus folgende Verbürokratisierung des Unternehmens verursachen. Und dass es keinen Sinn macht, sich in endlosen Besprechungen zu tummeln.

Und dass Abteilungen wie „human resource“, „customer relation ship management“, „marketing“, „legal service“ etc. den Erfolg des Unternehmens eben nicht absichern sondern eher gefährden.

Und dass die jungen und guten Leute lieber für Unternehmen arbeiten, bei denen Vertrauen das zentrale Element ihrer Kultur ist.

Das kann ich alles gut begründen. Habe ich doch selber miterlebt, wie wir Software-Entwickler einen (nach meiner Meinung wesentlichen Beitrag) zu einem neuen Verständnis von Arbeit geleistet haben, der jetzt immer mehr auch in ganz anderen Branchen um sich greift (#newwork). Und so die Welt mit verändert hat.

Ob mein Trommeln für „agil, digital, lean, open, social“ als „smartes“ Pentagramm etwas nutzt? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe auch den Eindruck, dass meine Zuhörer das überwiegend genauso sehen. So würde ich mich freuen, wenn wir in der Deutschen Wirtschaft nicht so viel von Industrie 4.0 sondern mehr von Unternehmenskultur sprechen würden. Ganz gleich ob 2.0 oder 5.0.

Auch die großen Bosse müssen verstehen, dass unsere Unternehmen und wir nur dann gut überleben werden, wenn wir bereit sind unsere Gewissheiten in Frage zu stellen und unsere Gewohnheiten zu ändern.

Ich verstehe ja, dass es weh tut, Hierarchien wie lieb gewonnene Pfründe und gewohnte Strukturen in Frage zu stellen. Besonders wenn man Boss ist. Aber ich bitte zu bedenken: Wir leben nicht mehr in der Welt der Fließbänder von Henry Ford und auch die hohe Zeit der Schlachthöfe von Chicago geht zu Ende.

RMD

P.S.
Den Stern habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Roland Dürre
Freitag, der 23. September 2016

IF-Forum am 19. Oktober um 18:00 – diesmal in Stuttgart!

if-logoGerne weise ich auf das nächste IF-Forum hin. Diesmal findet es in Stuttgart statt, das Thema wird sein:

DIE DIGITALE TRANSFORMATION IN IT-BRANCHE UND GESELLSCHAFT – WO BLEIBT DER GROSSE DURCHBRUCH?

Veranstaltungstermin:
19. Oktober, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort:
InterFace AG, Zettachring 8, 70567 Stuttgart

Referent:
Dr. Georg Panagos, Hochschuldozent (Wirtschaft/Medien) HS Fresenius, Management Berater für Technologie Unternehmen (Telekommunikation, IT, Medien) N-Pusle GmbH

Abstract:
Heute ist die Digitalisierung im Alltag und in vielen Unternehmen angekommen.  Vielfach wurde die „Digital Transformation“ falsch verstanden, unterschätzt oder gar ignoriert.

Bei vielen Unternehmen wird schnell die Online-Möglichkeit geschaffen eigene Produkte/Dienstleistungen übers Internet zu verkaufen; damit wird angeblich die Digitalisierung vollzogen.

Leider ist dies die falsche Vorgehensweise, und ist oft zum Scheitern verurteilt, wie es z. B. schmerzhaft verschiedene Printmedien erleben mussten; man spricht hier auch vom Zeitungssterben. Aber auch andere Branchen bekommen den Druck aus der neuen Online-Welt zu spüren, z. B. das Banken- und Versicherungsgewerbe.

Im Vortrag von Dr. Panagos werden Vorgehen diskutiert, die nachhaltiger und zukunftsweisender sind, z. B. dass Digitalisierung die gesamte Unternehmung, ja, die ganze Gesellschaft erfassen muss, damit wir nicht nur die entsprechende Technologie erhalten, sondern auch tragfähige und nachhaltige digitale Geschäftsmodelle. Das Referat zeigt Beispiele und Trends aus der Medien- und  Kommunikationsindustrie auf, die zu Denkanstößen und Diskussionen anregen sollen.

Ich selber werde auch versuchen, anwesend zu sein. Der Vortrag und das Thema sollten die Reise nach Stuttgart wert sein.

Hier geht es zur Agenda und Anmeldung.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. Januar 2016

UPDATE: Kreative Zeiten

Leider sind mir im Artikel Kreative Zeiten historische Fehler unterlaufen.

(Mit Dank für die Korrekturen an Barbara Dürre, Dr. Cosima Schmauch, Claus M. Müller – damals Geschäftsführer und Anteilseigner von InterFace Computer GmbH – und Hartmut Streppel).

Hier der aktuelle Erkenntnisstand:

Die von InterFace veranstaltete Konrad-Zuse-Tour ging über vier Etappen. Jeweils im Herbst der Jahre 1982 bis 1985 waren Informatiker aus München drei Tage auf den Rädern unterwegs. Das Ziel war, Konrad Zuse, den Erfinder der elektronischen Rechenmaschine, in Hünfeld an seinem 75. Geburtstag zu besuchen und zu ehren.

TAL_3863Das Plakat ist so wohl von 1982 und nicht von 1986! Auch da waren in Bayern Landtagswahlen, damals war die Legislaturperiode noch 4 Jahre (seit 1998 sind es 5 Jahre).

1982 auf der ersten Etappe von München nach Regensburg war ich nicht dabei. Ich kannte damals zwar die InterFace-Gruppe um Peter Schnupp, den ich bei Softlab sehr zu schätzen und mögen gelernt hatte. Ansonsten gab es noch keine Beziehung von mir zur InterFace GmbH und InterFace Computer GmbH (außer dass ich das Logo sehr schön fand).

1983 war die 2. Etappe von Kelheim (Befreiungshalle) nach Nürnberg. Da durfte ich als Ehemann der Barbara dabei sein. Die hat damals bei der InterFace Computer GmbH an der Entwicklung eines Syntax-basierten Editors gearbeitet. Sie durfte damals schon Programme in der später von mir geliebten Sprache C schreiben.

1984 wurde die Tour fortgesetzt. Da war dann schon die InterFace Connection gut dabei (als Unternehmen ja erst gestartet zum 1. April 1984).

1985 war das große Finale mit Ankunft bei Konrad Zuse in Hünfeld zu seinem 75. Geburtstag. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Empfang in einem Gemeinderaum von Hünfeld und die schöne Rede, die Konrad Zuse für uns gehalten hat. Konrad Zuse hatte uns auch zu sich privat eingeladen und uns bei diesem Anlass eines seiner Bilder geschenkt, das sich heute im Büro der InterFace AG befindet. Das Fahrerfeld war damals schon ganz schön groß und bestand überwiegend aus Mitarbeitern der Unternehmen InterFace Computer GmbH und InterFace Connection GmbH.

Die Rekonstruktion der Geschichte war uns anhand unserer Kinder möglich. Denn 1983 waren wir mit der Sabine (geboren im September 1980) und dem Maximilian (geboren April 1982) unterwegs. 1984 war dann auch noch der kleine Martin dabei (geboren Januar 1984). Wie auch alle drei in 1985 mit auf den Rädern waren.

Man sieht, es gibt noch ein paar Fragezeichen im Artikel – so bin ich für weitere Hinweise und Infos zur Konrad-Zuse-Tour dankbar.

Aber eines bleibt lebendig – die Tour war ein wunderschönes Erlebnis. Sie hat allen Beteiligten viel Freude beschert und so Mut gemacht für weitere Unternehmungen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. Januar 2016

Kreative Zeiten

TAL_38631986.
Landtagswahl in Bayern.

Die InterFace Connection war schon so richtig auf Erfolgskurs. Das haben wir intensiv gefeiert und deshalb einen richtigen Betriebsausflug gemacht. Drei Tage sind wir quer durch Bayern geradelt. Es war die zweite Etappe unserer Konrad-Zuse-Radtour, die uns nach Hünfeld, dem Wohnort des Konrad Zuse führen sollte.

Die Tour fand in der ersten Oktoberwoche statt. Am darauf folgenden Wochenende (12. Oktober 1986) fanden Wahlen zum 11. Bayerischen Landtag statt. In Stadt und Land, in jedem Dorf, überall hingen wahnsinnig viele Wahlplakate, mit Botschaften, die meistens das Gegenteil von intelligent waren. Das war so schlimm, dass es ab und zu weh getan hat.

Am zweiten Tag der Tour fuhren wir mit den Radeln um eine Ecke und bogen in eine wunderschöne Allee ein. Und an allen Alleebäumen hingen die abgebildeten Plakate: wählt InterFace. Die Aktion hat die eh schon gute Stimmung in unserer Truppe noch weiter verbessert.

Hartmut Streppel, ein lieber Freund, der damals für InterFace Computer gearbeitet hat,  fand das so beeindruckend, dass er zwei von den Plakaten mitgenommen – oder hinterher im Büro von MSV abgestaubt hat. Und die hat der Hartmut jetzt nach fast 30 Jahren wieder gefunden und will sie uns schenken. Da der MSV diese Plakate in Auftrag gegeben hat, bin ich mir sicher, dass sie von einem ganz berühmten Graphiker waren. So war das damals bei InterFace.

MSV – das war Maximilian Schulze-Vorberg. Gemeinsam mit Dr. Peter Schnupp war er Begründer der InterFace-Idee. MSV war unser kreativer Kopf und hatte laufend solche Ideen, von denen wir viele dann auch umgesetzt haben …

😉 Ja die guten alten Zeiten …

RMD

Leider enthält der Artikel historische Fehler. Hier geht es zum UPDATE: Kreative Zeiten

 

Roland Dürre
Dienstag, der 10. November 2015

Der Vortrag von Dr. Andreas Zeuch ist jetzt als Video verfügbar.

Dr. Andreas Zeuch war bei uns. Im IF-Forum am 29. Oktober. Mit

ALLE MACHT FÜR NIEMAND

Wir durften ihn

LIVE ERLEBEN!

Für die, die nicht dabei sein konnten, gibt es hier seinen Vortrag übers „DEMOKRATISCHE UNTERNEHMEN“ als Video:

Viel Spaß beim Anschauen!

ZeuchAlleMachtRMD

P.S.
Andreas Zeuch ist auch Autor verschiedener Buches so auch von
Alle Macht für Niemand – Aufbruch der Unternehmensdemokraten

 

CLOU/HIT in der InterFace Connection

Oder:

Wie Wolf und ich es dann selber machten.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

if-logoProjekt 4

Jetzt kommt die Geschichte zum vierten Projekt:

Schon vor 1983 hatte ich keine Lust mehr, für andere zu arbeiten. Ich war damals noch bei Softlab. Dort konnte ich mein einseitiges Wissen – es bestand bis auf ein wenig SNA (IBM) überwiegend aus Siemens-Technologie – erweitern und lernte weitere IBM-Technologien aber vor allem auch die Technik von verschiedenen Systemen der „Mittleren Datentechnik“ kennen.

Das waren Maschinen, die je nach Speicherausbau aus zwei bis drei Teilen groß wie Bosch-Kühlschränke bestanden. Also viel kleiner und auch einfacher als Mainframe. Die waren damals groß in Mode und so gab es zuhauf europäische und nicht-europäische Wettbewerber mit mit unterschiedlicher und oft sehr proprietärer Technik. Kienzle und Nixdorf waren bei diesen aufstrebenden MDT-Unternehmen auch dabei und damals wurde allein in einer Stadt wie München ein und dieselbe Branchen-Software von verschiedenen Unternehmen parallel für verschiedene Technologien entwickelt.

Softlab war mit Sicherheit damals eines der innovativsten deutschen „Software-Häuser“. Sie hatten auch ein proprietäres System, das berühmte PET-Maestro. Für mich war das das erste System ohne den Frust des permanenten Datenverlusts, den das Pet-Maestro arbeitete auch schon zeichenweise – und jedes Zeichen wurde sofort auf die Platte geschrieben. Bei Reset erfolgte so immer ein aktueller Warmstart – und nichts war futsch! Es war eine Erlösung, das Zittern vor Datenverlust beim Arbeiten zum Beispiel mit EDT oder EDOR war vorbei.

Auch sonst lernte ich bei Softlab viel Neues. Aber auch im kaufmännischen Bereich: Wie man Angebote möglichst risikofrei formuliert, wie man mit den VB’s der großen Unternehmen (Bull, ICL, IBM, Nixdorf, Siemens) klüngelt (ohne die großen ging es damals schon nicht) oder – und wie man Studien schreibt. So wurde ich zum Papiertiger (das hat nichts mit paper tiger, der namhaften freien chinesischen Theaterbewegung zu tun). Und damals war es schon so, dass man als Papiertiger (noch) bessere Stundensätze bekam denn als Programmierer. So weiter gestärkt, wollte ich es selber machen. Alleine traute ich mich nicht. Also ging ich auf Partnersuche. In meinen Kreisen suchte und identifizierte ich Menschen, die mir sympathisch und fähig vorkamen. Und die vielleicht auch gründen wollten. Da gab es einige. Aber immer wieder klappte es nicht.

Bis der Wolf (Geldmacher) kam. Wolf war deutlich jünger als ich. Er war fachlich Spitze. Und wir sahen die Dinge ähnlich. Das soll heißen, dass sich unsere Werte, Erwartung, Interessen und Bedürfnisse gegenseitig sehr gut ergänzt haben. Ich war so mehr der Old-Style-Programmierer – und der Wolf hatte die Ahnung, von allem was in der IT modern und neu war. Und Wolf war absolut der Qualität verpflichtet. Und wenn einer Menschenverstand hatte, dann war es der Wolf. Und das sind wohl die wichtigsten Dinge: Fachliche Ahnung, Menschenverstand und Qualitätsbewusstsein. Dann muss man nur noch ein netter Kerl sein …

So gründeten wir in Kurzform die InterFace Connection. Die InterFace hat Peter Schnupp auf uns vererbt, die „Connection“ war unser Begriff. Das wollten wir gemeinsam mit unseren zukünftigen Mitarbeitern sein, eine „Connection“, die zusammen hält und gemeinsam erfolgreich wird. So gründeten wir 1983 das Unternehmen und starteten am 1. April 1984 das Geschäft.

Das Projekt von dem ich berichte, ist aber nicht das Unternehmen, sondern die Entwicklung unseres Produkts. Und ein Produkt wollten Wolf und ich aus zwei Gründen haben: Zum einen waren wir überzeugt, dass ein Produkt etwas ist, auf das man stolz sein kann. Dass ein Produkt eine Identität schafft. Und dass ein Produkt besser skalierbar ist, als Dienstleistung.

Außerdem gaben wir dem damals sehr gut funktionierenden „Body Leasing“ keine Zukunft. Wir glaubten nämlich noch an die Gesetze, und uns war als Gründer ziemlich klar, dass die übliche Form von Body Leasing genau das schon damals war, das dem AÜG folgend ganz einfach ungesetzlich war.

Schnell war uns klar, dass damals Unix die richtige Basis für zukünftige Produkte wäre. Wir waren uns auch rasch einig, dass ein auf Unix so ziemlich alles fehlte, was man für die Nutzung von Rechnern bei Unternehmen bräuchte. Und dass da ganz besonders ein Textsystem fehlen würde. Und dass man auf Unix mit seinen neuen Datensichtgeräten (im raw oder cooked mode) und gerade mit der Sprache c zuerst mal eine komfortable Schreibmaschine relativ zügig entwickeln können müsse.

Weil wir vor der Herstellung und dem erfolgreichen Vermarkten eines Produktes großen Respekt hatten, begannen wir die Entwicklung des Produktes in Kooporation mit InterFace Computer. Wir hatten sehr schnell einen kleinen Erfolg im Umfeld von SINIX (dem Unix von Siemens) und so verlagerte sich die Entwicklung zu uns und InterFace Computer übernahm die Portierungen wie auch den Vertrieb im „Restmarkt“.

Und wir hatten ganz schnell ein zweistelliges Team von ganz jungen Leuten. Das waren in der Regel Studenten. Sie mussten programmieren können und sympathisch sein. Und trotz der Doppelbelastung Arbeit und Studium zweiteres durchziehen. Alles andere war uns egal.

Da Wolf und ich (gemeinsam mit ein paar jungen fest angestellten Informatikern mit akademischen Abschluss durch besagtes Bodyleasing (mit Stundensätzen zwischen 150 – 120 DM) die Entwicklung finanzierten, waren die jungen Menschen ziemlich frei. Gesteuert wurden sie von unserer „Assistentin“ Heidi (Kaindl). Die Heidi hatte die Jungs gut im Griff und passte gut auf, dass die auch arbeiteten. Wolf und ich waren nur in kurzen Meetings mit den Jungens zusammen (bald nach der Gründung kamen dann auch Frauen dazu).

Der Wolf hatte damals die Rolle eines SCRUM-Masters und mehr (obwohl es damals SCRUN noch lange nicht gab. Er erklärte dem Team, was Qualität wäre. Und dass sie die Qualität eben nicht für unsere Endkunden, nicht für unsere Vertriebspartner für Siemens und auch nicht für die InterFace Connection machen würden, sondern zuerst mal als ehrliche Programmierer für sich. Und Wolf hatte hohe Ansprüche und war streng. Wenn jemand nicht fähig oder willens war, die Qualität zu bringen, gab es keine Zukunft bei der „Connection“. Wolf beschützte aber auch das Team, wenn z.B. ich auf Ressourcen spechtete. Und setzte auch die notwendigen Investitionen durch.

Meine Aufgabe war vielleicht die des Product Owners. Zumindest am Anfang. Ich musste als Jugendlicher Stenographie und Schreibmaschine schreiben lernen. Stenographie habe ich geliebt, es ist eine wunderschöne Art zu schreiben. Weil es nicht gegen die Hand geht, wie die normale Schreibschrift. Aber die Schreibmaschine haßte ich. Und ich wusste genau, wie eine gute Editier-Maschine aussehen musste. Das hatte ich dann auch in Gründerzeiten aufgeschrieben.

Wie es komplizierter wurde und z.B. CLOU mit seiner „embedded sql“ dazu kam, gab ich die Rolle des Product-Owners an unsere Kunden ab. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn die Kunden konnten uns tatsächlich sagen, wie sic sich eine automatisierte Bausteinverarbeitung vorstellten. Und haben uns den weiteren Weg gewiesen.

Eine Regel war, dass alle Mitarbeiter – bis auf Heidi – programmieren konnten. Die Heidi war unsere erste und wichtigste Kundin. Sobald die erste Version von HIT verfügbar waren, haben wir ihr den „vi“ und die für Bürobetrieb geschriebenen „nroff-makros“ weggenommen, und sie musste mit HIT arbeiten – sehr übrigens zu ihrem Unwillen. Den so schlecht war die vi-Lösung nicht. Später hat sie dann aber trotzdem ihren HIT lieben gelernt. Wen wundert es, sie hat ihn ja auch mit gebaut!

Alle anderen Kollegen im HIT-Team mussten „hands-on“ legen können. D.h. jeder musste programmieren, Fehler suchen und vor allem „co-working“ (Team-Arbeit) können.

Wir benutzen ganz früh Werkzeuge, lange bevor diese in den breiten Einsatz kamen. Aber nur sinnvolle wie „lint“ zur Kontrolle der Qualtitiät unseres Codes oder „sccs“ für die Source-Code-Verwaltung. Ich bin mir sicher, das wir immer wieder die ersten in München waren. Auch einen „tracker“ und automatischen „built“ hatten wir früher als fast alle anderen. Aber nie gab es eine Planungssoftware. Wie wir auch „bürocrazy“ nach Kräften mieden.

So waren alle im Projekt Programmierer. Die tatsächlich unter sich absprachen, wer was entwickelte. Es waren sehr verschiedene Typen dabei. Es gab auch den Wunderprogrammierer, nicht nur scherzhaft „Gott“ genannt. Die erste Regel war aber, dass es ein Team ist. Dass jeder für jeden da ist. Es galt immer, „einer für alle, alle für einen“. Nie wurde jemand im Stich gelassen. Und wenn man nicht mehr weiter wusste, hat man sich an seinen Kollegen gewendet. Es gab so kein explizites pair-programming, weil dies selbstverständlich war und quasi automatisch funktionierte. So gab es immer mehrere, die sich auch in den Sourcen der Kollegen aus kannten. Das war wie ein überlappendes System, das irgendwie ganz von selbst ohne viel Worte funktionierte.

Natürlich hatten wir ein komplizierte System in Entwicklung mit unheimlich vielen Modulen, Schnittstellen, Werkzeugen, APIs …. In der Summe entstand eine riesige Anzahl von lines of code. Es gab Module wie für die Virtualisierung von Keyboards, Teminals oder Drucker. Wir hatten den ersten National Language Support entwickelt, der dann in die UNIX-Implementierung von X-Open einging. Wir hatten komplizierte und gefürchtete Module und langweilige. Ab und zu mussten wir Fehler den von uns genutzten Compilern finden.

Das Team hat immer unter sich ausgemacht, wer welche Aufgabe anpackt. Unsere Werkbank – meistens aufgebaut auf OpenSource-Komponenten zur Source-Code-Verwaltung, für den Built und den teilweise automatisierten Test, für die Portierung auf die vielen Zielsysteme, die die Unix-Welt damals anbot, alles war Teil des Projekts. Das ging hin zur Produktion der im Quartals-Rhytmus erscheinenden Kundenzeitung, HITNews, von Fachliteratur, der Konzeption der Kurse. Alles wurde im Team gemacht, jeder brachte sein bestes ein.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal Situationen, wo vielleicht der eine oder andere überfordert war. Weil er noch nicht die Erfahrung hatte oder er die Aufgabe einfach unterschätzt hatte. Aber dann hat ihm ein Kollege ihm geholfen. Immer gab es den richtigen. Und wenn es notwendig war, dann kam eben „Gott“.

Natürlich hatten wir verschiedene Rollen in den Teams. Jeder war ein Projekt Manager und für die zugesagten Termine verantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger. Jeder war Quality Manager, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich gab es so etwas, wie einen ersten Ansprechpartner für unsere Kunden und unsere Partner. Der wurde gemeinsam bestimmt („wer kann es am besten machen“), er ist aber als Programmierer im Team geblieben. Aber im Prinzip hat jeder Entwickler die Fragen der Kunden beantwortet. Da die einfach bei uns ins Büro rein kamen. Die zentrale Klingel erklang, Und wer zuerst ans Telefon ging, hatte den Kunden in der Leitung.

Natürlich gab es Kollegen, die sich mehr um die Integration, die Planung, die Konfiguration und Built-Thematik, das Manual … gekümmert haben. Aber alle waren immer voll fachlich im Team drin.

Aber alle haben immer weiter programmiert. Und immer für Qualität gesorgt. Zum Beispiel weil sie automatische Testumgebungen einfach als Teil des Projektes gebaut haben. Es war eine total geteilte Verantwortung.

Mit dem Erfolg haben wir Lehrer für unser Produkt HIT/CLOU gebraucht. Die ersten Jahre haben alle Entwickler unsere sämtlichen Schulungen gehalten. Sie haben genauso die Kurse für Endnutzer wie Fachanwender, Systemleute und Programmierer. Selbst die zentralen Leute wie Friedrich Lehn, der „Vater“ des CLOU, hat Kurse gehalten und Anfängern das Programmieren mit CLOU beigebracht.

Gelegentlich hat das den Entwicklern nicht gefallen. Das Entwickeln wäre doch viel wichtiger. Aber die Kurse liefen gut (weil die Kollegen eben wussten, von was sie redeten und das manche „didaktische“ Schwäche mehr als ausgeglichen hat). Das tolle war aber, dass unsere Kollegen so immer erlebt haben, was der Kunde eigentlich will und braucht! So wurde der Kunde im Gesamt zum „Product Owner“.

Die Kollegen sind aufgrund dieser interdisziplinären Aufgaben fachlich und menschlich in einem enormen Tempo gewachsen – menschlich wie fachlich aber auch vertrieblich. Es war oft unglaublich, wie junge Studenten schon innerhalb wenigen Monaten zu selbstbewussten Experten wurden.

Ohne es zu formulieren, hatten wir schon damals im Team verstanden, dass es darum geht, alle Menschen im Team und im Unternehmen größer und nicht kleiner zu machen. Und an allen Dingen zu beteiligen und partizipieren. Wir haben gewusst, dass wir uns sehr hohe Ziele, oft kühne Ziele setzen mussten, sonst hätten wir das Produkt nie gestemmt. Aber uns war auch klar, wie wichtig es gerade dann ist, eine starke Fehlertoleranz zu leben. Dass nie der Kollege im Team oder der Kunde der Feind oder Gegner sein darf, sondern nur die zu lösende Herausforderung oder die Widrigkeit der Umstände.

Wolf und ich waren das „Management“. Wir waren aber mehr wie Besucher in unserem Unternehmen. Nach 8 – 10 Stunden am Tag Beratungszeit beim Kunden haben wir uns bei unseren „Mitarbeitern“ zu Hause im Büro ausgeruht. Die waren alle unsere Freunde, da haben wir uns wohl gefühlt. Und die Kollegen haben uns gezeigt, was sie wieder alles tolles geschaffen hatten. Wir haben unsere Rückmeldungen gegeben und sind dann wieder in den nächsten Beratungstag verschwunden.

Und immer wenn wieder ein schönes Ergebnis erreicht wurde, haben wir alle gemeinsam gefeiert. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben damals soviel gelernt. Auch wie oft das normale und konservative Denken Blödsinn ist. Zum Beispiel wollte ich unseren Kunden immer Termintreue bieten. Und musste Lernen, dass das Unsinn war.

Denn wenn Du wirklich Innovatives schaffen willst, lernst Du immer wieder, dass Termine keinen Sinn machen. Es funktioniert einfach nicht. Wenn der Termin einfach nicht gehalten werden kann, dann geht es nur darum, dass die Kommunikation klappt und man Lösungen findet, wie man den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird. Denn wenn alle an einem Strick ziehen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, gibt es immer eine Lösung – und siehe da, es geht immer.

Ich höre schon die Einrede:
Na ja das mag ja bei einem kleinen Projekt gehen? Aber bei einem großen?

Klar waren wir eher weniger als 50 Menschen. Aber genau die gleichen Projekt sind nicht nur bei einem Großkonzern gescheitert. Dort wurden dann oft fünf mal so viele oder noch mehr Menschen eingesetzt. Teure, erfahrene, hochqualifizierte. Und es hat nicht funktioniert.

Ich meine, es geht so auch in großen und sehr großen Projekten, wenn viele solche tollen Teams vernetzt und im good will vereint zusammenarbeiten.

RMD