Roland Dürre
Donnerstag, der 10. August 2017

Digitalisierung – Expertengespräch bei InterFace.

Oft hilft der Zufall. Man muss nur die Voraussetzungen schaffen. So geht es immer wieder im Leben. Hier die Geschichte, wie der „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ bei der InterFace AG am 14. Juli 2017 zustande kam.

Dazu muss man wissen, dass mein lieber  IT-Kollege und „Schafkopf-Freund“ Lothar ein langjähriges Mitglied der SPD ist und über viele Jahre der Vorsitzende des Vorstands des SPD-Ortsverein Neubiberg war. In dieser Funktion hatte er mich vor ein paar Jahren eingeladen, einen Vortrag über „Neue Wirtschaft“ (oder so ähnlich) für seine Genossen bei einer SPD-Veranstaltung zu halten.

Das habe ich gerne gemacht, bin ich doch viel unterwegs und versuche die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Fortschritt zwar wichtig ist, aber man sehr verantwortlich mit diesem umgehen müsse. Um das zu belegen zitiere ich häufig den großen Bertrand Russell:

Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.

Ein Zitat, dass uns alle ein wenig achtsamer und kritisch nachdenklicher machen sollte.


So berichtete mir Lothar beim Karten spielen, dass Thorsten Schäfer-Gümbel (der stellvertretende SPD-Vorsitzende) am Freitag den 14. Juli im Landkreis wäre und zwischen 16:00 und 17:45 der Gast der Landkreis-SPD wäre. Der Gast würde sich „eine Veranstaltung in oder in der Nähe von Unterhaching“ wünschen, dies mit wenig organisatorischen Aufwand.

Und der neue SPD-Vorstand des Ortsvereins wolle für Thorsten Schäfer-Gümbel gerne die Besichtigung eines modernen Betriebes in Unterhaching organisieren, gerne mit einem Bezug zur „Digitalisierung“. Dabei würde er (wegen meines Vortrages vor Jahren bei der SPD) an mich und die Interface AG denken.

Ich habe mich ja aus dem operativen Geschäft der InterFace AG zurückgezogen und versuche als „freundlicher Aufsichtsrat“ das Unternehmen weiter zu begleiten und zu unterstützen. So habe ich den Besuch einer Delegation der SPD im „Headquarter der InterFace AG in Unterhaching natürlich sehr gerne ermöglicht. Auch weil so etwas ein Teil der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens ist.

Und wie es der Zufall so wollte war genau an diesem 14. Juli von 15:00 und 18:00 die quartalsmäßige Sitzung des Aufsichtsrates der InterFace AG geplant. Das heißt an diesem Tage waren meine beiden geschätzten Kolleg*Innen im Aufsichtsrat Dr. Professor Kathrin Möslein (stellvertretende Vorsitzende) und Manfred Broy (Vorsitzender) im Hause.

Und wer könnte besser etwas zur Digitalisierung in Bayern und Deutschland sagen als Manfred Broy, nicht nur weil er der Gründer des Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) ist. So war es naheliegend, den Vorsitzenden unseres Aufsichtsrates zu bitten, die Aufsichtsratssitzung für die Dauer des Besuchs der SPD-Delegation zu unterbrechen und an einem Expertentalk „Digitalisierung“ mit Bela Bach und Herrn Schäfer-Gümbel teil zunehmen.

Nach dem Expertentalk haben wir dann die Aufsichtsratssitzung wieder aufgenommen und unsere Besucher haben das IF-Lab besucht. Das Video, in dem diese ihren Eindruck vom Besuch wiedergeben, hat mich dann auch sehr beeindruckt.

Hier aber schon mal das Video zum „IF-Expertentalk” zum Thema „Digitale Transformation“ in voller Länge, der am 14. Juli 2017 in Unterhaching bei der InterFace AG statt fand. Dabei waren die Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis München Land, Bela Bach, der SPD Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel, Prof. Dr. Dr. hc Manfred Broy (Gründungspräsident des Zentrums Digitalisierung.Bayern) und Paul Schuster, Vorstandssprecher der InterFace AG. Der Experten-Talk wurde übrigen ganz großartig moderiert von Bela Bach, die mir gesagt hat, dass sie so etwas noch nie gemacht hätte!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. April 2017

IT-Treff – Nostalgie 1999 – Es war der Wahnsinn!

Im IF-Blog in den Dokumenten findet sich ein ganz besonderes Schmankerl. Das war dort lange Zeit ganz unten tief versteckt.

Es ist eine Satire auf die New Economy – ein Theaterstück mit dem Titel

Sind wir noch zu retten?

Norbert Weinberger und ich haben es geschrieben. Die Idee kam uns auf einem gemeinsamen Flug von München via Zürich nach Neu-Dehli mit Swiss Air.

Swiss Air war ein mühsam ausgehandelter Kompromiss: Mein Freund und Partner Norbert flog aus Prinzip immer Business Class mit Lufthansa und ich genauso meinen Prinzipien treu immer in der Economy. Da wir gemeinsam fliegen wollten, haben wir uns dann auf Swiss Air in der Business Class geeinigt, weil das damals preislich so ziemlich in der Mitte lag. Der Grund für den Flug war übrigens die offizielle Eröffnung unseres gemeinsamen indischen Tochterunternehmen „AMPERSAND limited“. Damals wuchsen die Bäume schon wieder in den Himmel.

Die Business Class des Swiss-Fliegers von Zürich nach Neu-Dehli war komplett leer. Swiss Air war damals noch eine unabhängige Airline und machte heftig Verlust – das hat die freundliche Besatzung aber nicht gestört. Der Service war exzellent; wir wurden richtig verwöhnt. Während des ganzen Fluges wurden uns von charmanten Schweizer Stewardessen Champagner serviert. Auch das hat uns beschwingt. So haben wir im Flieger auch gleich das Grob-Konzept des Stückes entwickelt.

Das Stück haben wir Monate später gemeinsam mit Unternehmerfreunden am 29. Juni 1999 vor weit mehr als 500 Zuschauern beim IT-Treff 99 im überfüllten Schlachthof zu München uraufgeführt. Es war eine Riesengaudi, das Publikum hat getobt. Für uns – die Darsteller – war es der Wahnsinn. Und dazu noch wunderschöner Ausblick auf die Ereignisse zur Jahrtausendwende.

Wie kam es zum IT-Treff? Mitte der 90iger Jahre war es nicht immer so ganz einfach für IT-Unternehmen in Deutschland. Die Stimmung war da gar nicht so gut. Deshalb wollten ein paar mutige IT-Unternehmer*Innen etwas tun, um die Stimmung zu verbessern. Das waren wir Muschka Utpadel-Domdey,  Alfred Bauer, Hans Nagel, Dr. Christian Roth, Markus Winkler und eben der Norbert und ich. Unser Idee war sozusagen „Feiern gegen die Krise“. So haben wir den IT-Treff  gegründet. und die ganze Münchner IT-Szene eingeladen. Und siehe da – alle kamen.

Stars wie Gerhard Polt und Django Asül sind bei uns aufgetreten und haben ihr Programm für uns um IT-spezifische Themen erweitert. Die Bayerische Regierung war immer dabei – an die originellen Grußadressen von Staatssekretär Hans Spitzner kann ich immer noch gut erinnern. Es gab immer heiße Musik – mit der George Greene Hotline Band haben wir im Schlachthof sogar eine eigene CD produziert, die man auch heute noch gerne hört.

Und die Branche hat wieder getanzt. Das war 1996, 1997 und 1998. 1999 war der letzte IT-Treff – und da haben wir (die Veranstalter) das Kabarett selber gemacht. Hier ist unsere IT-Treff Satire (1734) „Sind wir noch zu retten?“ – zum Lesen oder Nachspielen.

Weil sie so schön ist und ein so großer Erfolg war, habe ich für kleine und große Theater eine Prämie ausgesetzt, wenn die das Stück spielen. Es gibt sozusagen eine „negative Aufführungsgebühr“ (Tantieme), kostet also keine 10 % der Brutto-Einnahmen oder so sondern es gibt etwas drauf. Das Stück ist kurz aber sehr prägnant Stück – auch als Vorspiel für etwas anderes wie eine Feier geeignet.


 

Hier der Flyer zum IT-Treff 1999 von außen

und von innen

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Februar 2017

1985 objektorientiert – heute agil digital lean open social.

Dieses Buch habe ich im Herbst 1985 auf der Uniforum druckfrisch erworben und als erster nach München gebracht.

Vor kurzem habe ich dieses Buch wieder gefunden. Das hat mich daran erinnert, dass ich im Februar 1985 (Dallas, Texas) und 1986 (Anaheim, California) gemeinsam mit Freunden auf Uniforum-Konferenzen war. Es war großartig, die Uniforum war damals die UNIX-Konferenz in USA. Diese hatte Tausende von begeisterten Besuchern, die aus aller Welt kamen. Dort habe ich eine riesige Aufbruchstimmung erlebt.

Es gab damals auch eine kleine Sensation. Druckfrische Exemplare des ganz neuen Buches zu C++ von Bjarne Stroustrup (siehe Foto links) wurden mitten hinein die Konferenz geliefert und direkt von der Palette weg verkauft. Ich habe ein paar Exemplare erworben und mit nach Hause genommen. Das dürften die ersten Bücher zu C++ gewesen sein, die Münchner Boden erreicht haben.

Da ist mir wieder eingefallen: In den 80iger Jahren habe ich immer wieder Vorträge zu Software-Entwicklung gehalten. Ein zentrales Thema war damals der Wandel in der Programmierung, das zentrale Schlagwort immer wieder OBJEKTORIENTIERT.

Ich habe auch als Auftragsarbeit für IT-Manager diverse Vorträge zum Thema „OBJEKTORIENTIERTE Programmierung“ verfertigt. So auch für ein „hohes Tier“ der Siemens AG im UB D bei D AP (oder war das damals schon SNI?). Er hatte den Auftrag, seinem „Führungskreis“ zu erläutern, was OBJEKTORIENTIERTHEIT denn überhaupt so wäre. Der Vortrag kam laut Rückmeldung gut an – genutzt hat es freilich nichts.

🙂 Heute programmiert die ganze Welt „objektorientiert“. Für meinen Geschmack sogar einen Tick zu sehr.

Später habe ich „meine Programmierstiefel“ an die Wand gehängt und bin so etwas wie ein „Unternehmer“ geworden.

Jetzt war ich nicht mehr als Technologie-Evangelist unterwegs sondern habe über Führung und Management gesprochen. Und besonders das „smarte“ Pentagramm der Begriffe „agil“, „digital“, „lean“, „open“, „social“ und deren Zusammenhänge „gepredigt“.

So habe ich berichtet, warum Mut und Freude der Menschen in den Unternehmen eine zentrale Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Und begründet, wie notwendig gegenseitiger Respekt und Wertschätzung untereinander (nicht nur) im Unternehmen sind. Warum Augenhöhe und gemeinsames Teilhaben und Verantworten die Voraussetzung für Innovation sind. Und warum Menschen keine „Resourcen“ sind. Und wie man den Wandel nur agil schaffen kann.

„Pro Agil“ auf dem Podium der DOAG Jahreskonferenz in 2013.

Ich habe erklärt, warum Prozesse, Regeln  und Bürokratie die notwendige Veränderung verhindern. Welch hoher Schaden durch „Tayloristische Entwicklungen“ in der Organisation entsteht und wie viel Verschwendung (waste als Gegenteil von „lean“) eine überbordende Verwaltung und die daraus folgende Verbürokratisierung des Unternehmens verursachen. Und dass es keinen Sinn macht, sich in endlosen Besprechungen zu tummeln.

Und dass Abteilungen wie „human resource“, „customer relation ship management“, „marketing“, „legal service“ etc. den Erfolg des Unternehmens eben nicht absichern sondern eher gefährden.

Und dass die jungen und guten Leute lieber für Unternehmen arbeiten, bei denen Vertrauen das zentrale Element ihrer Kultur ist.

Das kann ich alles gut begründen. Habe ich doch selber miterlebt, wie wir Software-Entwickler einen (nach meiner Meinung wesentlichen Beitrag) zu einem neuen Verständnis von Arbeit geleistet haben, der jetzt immer mehr auch in ganz anderen Branchen um sich greift (#newwork). Und so die Welt mit verändert hat.

Ob mein Trommeln für „agil, digital, lean, open, social“ als „smartes“ Pentagramm etwas nutzt? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe auch den Eindruck, dass meine Zuhörer das überwiegend genauso sehen. So würde ich mich freuen, wenn wir in der Deutschen Wirtschaft nicht so viel von Industrie 4.0 sondern mehr von Unternehmenskultur sprechen würden. Ganz gleich ob 2.0 oder 5.0.

Auch die großen Bosse müssen verstehen, dass unsere Unternehmen und wir nur dann gut überleben werden, wenn wir bereit sind unsere Gewissheiten in Frage zu stellen und unsere Gewohnheiten zu ändern.

Ich verstehe ja, dass es weh tut, Hierarchien wie lieb gewonnene Pfründe und gewohnte Strukturen in Frage zu stellen. Besonders wenn man Boss ist. Aber ich bitte zu bedenken: Wir leben nicht mehr in der Welt der Fließbänder von Henry Ford und auch die hohe Zeit der Schlachthöfe von Chicago geht zu Ende.

RMD

P.S.
Den Stern habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Roland Dürre
Freitag, der 23. September 2016

IF-Forum am 19. Oktober um 18:00 – diesmal in Stuttgart!

if-logoGerne weise ich auf das nächste IF-Forum hin. Diesmal findet es in Stuttgart statt, das Thema wird sein:

DIE DIGITALE TRANSFORMATION IN IT-BRANCHE UND GESELLSCHAFT – WO BLEIBT DER GROSSE DURCHBRUCH?

Veranstaltungstermin:
19. Oktober, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort:
InterFace AG, Zettachring 8, 70567 Stuttgart

Referent:
Dr. Georg Panagos, Hochschuldozent (Wirtschaft/Medien) HS Fresenius, Management Berater für Technologie Unternehmen (Telekommunikation, IT, Medien) N-Pusle GmbH

Abstract:
Heute ist die Digitalisierung im Alltag und in vielen Unternehmen angekommen.  Vielfach wurde die „Digital Transformation“ falsch verstanden, unterschätzt oder gar ignoriert.

Bei vielen Unternehmen wird schnell die Online-Möglichkeit geschaffen eigene Produkte/Dienstleistungen übers Internet zu verkaufen; damit wird angeblich die Digitalisierung vollzogen.

Leider ist dies die falsche Vorgehensweise, und ist oft zum Scheitern verurteilt, wie es z. B. schmerzhaft verschiedene Printmedien erleben mussten; man spricht hier auch vom Zeitungssterben. Aber auch andere Branchen bekommen den Druck aus der neuen Online-Welt zu spüren, z. B. das Banken- und Versicherungsgewerbe.

Im Vortrag von Dr. Panagos werden Vorgehen diskutiert, die nachhaltiger und zukunftsweisender sind, z. B. dass Digitalisierung die gesamte Unternehmung, ja, die ganze Gesellschaft erfassen muss, damit wir nicht nur die entsprechende Technologie erhalten, sondern auch tragfähige und nachhaltige digitale Geschäftsmodelle. Das Referat zeigt Beispiele und Trends aus der Medien- und  Kommunikationsindustrie auf, die zu Denkanstößen und Diskussionen anregen sollen.

Ich selber werde auch versuchen, anwesend zu sein. Der Vortrag und das Thema sollten die Reise nach Stuttgart wert sein.

Hier geht es zur Agenda und Anmeldung.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. Januar 2016

UPDATE: Kreative Zeiten

Leider sind mir im Artikel Kreative Zeiten historische Fehler unterlaufen.

(Mit Dank für die Korrekturen an Barbara Dürre, Dr. Cosima Schmauch, Claus M. Müller – damals Geschäftsführer und Anteilseigner von InterFace Computer GmbH – und Hartmut Streppel).

Hier der aktuelle Erkenntnisstand:

Die von InterFace veranstaltete Konrad-Zuse-Tour ging über vier Etappen. Jeweils im Herbst der Jahre 1982 bis 1985 waren Informatiker aus München drei Tage auf den Rädern unterwegs. Das Ziel war, Konrad Zuse, den Erfinder der elektronischen Rechenmaschine, in Hünfeld an seinem 75. Geburtstag zu besuchen und zu ehren.

TAL_3863Das Plakat ist so wohl von 1982 und nicht von 1986! Auch da waren in Bayern Landtagswahlen, damals war die Legislaturperiode noch 4 Jahre (seit 1998 sind es 5 Jahre).

1982 auf der ersten Etappe von München nach Regensburg war ich nicht dabei. Ich kannte damals zwar die InterFace-Gruppe um Peter Schnupp, den ich bei Softlab sehr zu schätzen und mögen gelernt hatte. Ansonsten gab es noch keine Beziehung von mir zur InterFace GmbH und InterFace Computer GmbH (außer dass ich das Logo sehr schön fand).

1983 war die 2. Etappe von Kelheim (Befreiungshalle) nach Nürnberg. Da durfte ich als Ehemann der Barbara dabei sein. Die hat damals bei der InterFace Computer GmbH an der Entwicklung eines Syntax-basierten Editors gearbeitet. Sie durfte damals schon Programme in der später von mir geliebten Sprache C schreiben.

1984 wurde die Tour fortgesetzt. Da war dann schon die InterFace Connection gut dabei (als Unternehmen ja erst gestartet zum 1. April 1984).

1985 war das große Finale mit Ankunft bei Konrad Zuse in Hünfeld zu seinem 75. Geburtstag. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Empfang in einem Gemeinderaum von Hünfeld und die schöne Rede, die Konrad Zuse für uns gehalten hat. Konrad Zuse hatte uns auch zu sich privat eingeladen und uns bei diesem Anlass eines seiner Bilder geschenkt, das sich heute im Büro der InterFace AG befindet. Das Fahrerfeld war damals schon ganz schön groß und bestand überwiegend aus Mitarbeitern der Unternehmen InterFace Computer GmbH und InterFace Connection GmbH.

Die Rekonstruktion der Geschichte war uns anhand unserer Kinder möglich. Denn 1983 waren wir mit der Sabine (geboren im September 1980) und dem Maximilian (geboren April 1982) unterwegs. 1984 war dann auch noch der kleine Martin dabei (geboren Januar 1984). Wie auch alle drei in 1985 mit auf den Rädern waren.

Man sieht, es gibt noch ein paar Fragezeichen im Artikel – so bin ich für weitere Hinweise und Infos zur Konrad-Zuse-Tour dankbar.

Aber eines bleibt lebendig – die Tour war ein wunderschönes Erlebnis. Sie hat allen Beteiligten viel Freude beschert und so Mut gemacht für weitere Unternehmungen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. Januar 2016

Kreative Zeiten

TAL_38631986.
Landtagswahl in Bayern.

Die InterFace Connection war schon so richtig auf Erfolgskurs. Das haben wir intensiv gefeiert und deshalb einen richtigen Betriebsausflug gemacht. Drei Tage sind wir quer durch Bayern geradelt. Es war die zweite Etappe unserer Konrad-Zuse-Radtour, die uns nach Hünfeld, dem Wohnort des Konrad Zuse führen sollte.

Die Tour fand in der ersten Oktoberwoche statt. Am darauf folgenden Wochenende (12. Oktober 1986) fanden Wahlen zum 11. Bayerischen Landtag statt. In Stadt und Land, in jedem Dorf, überall hingen wahnsinnig viele Wahlplakate, mit Botschaften, die meistens das Gegenteil von intelligent waren. Das war so schlimm, dass es ab und zu weh getan hat.

Am zweiten Tag der Tour fuhren wir mit den Radeln um eine Ecke und bogen in eine wunderschöne Allee ein. Und an allen Alleebäumen hingen die abgebildeten Plakate: wählt InterFace. Die Aktion hat die eh schon gute Stimmung in unserer Truppe noch weiter verbessert.

Hartmut Streppel, ein lieber Freund, der damals für InterFace Computer gearbeitet hat,  fand das so beeindruckend, dass er zwei von den Plakaten mitgenommen – oder hinterher im Büro von MSV abgestaubt hat. Und die hat der Hartmut jetzt nach fast 30 Jahren wieder gefunden und will sie uns schenken. Da der MSV diese Plakate in Auftrag gegeben hat, bin ich mir sicher, dass sie von einem ganz berühmten Graphiker waren. So war das damals bei InterFace.

MSV – das war Maximilian Schulze-Vorberg. Gemeinsam mit Dr. Peter Schnupp war er Begründer der InterFace-Idee. MSV war unser kreativer Kopf und hatte laufend solche Ideen, von denen wir viele dann auch umgesetzt haben …

😉 Ja die guten alten Zeiten …

RMD

Leider enthält der Artikel historische Fehler. Hier geht es zum UPDATE: Kreative Zeiten

 

Roland Dürre
Dienstag, der 10. November 2015

Der Vortrag von Dr. Andreas Zeuch ist jetzt als Video verfügbar.

Dr. Andreas Zeuch war bei uns. Im IF-Forum am 29. Oktober. Mit

ALLE MACHT FÜR NIEMAND

Wir durften ihn

LIVE ERLEBEN!

Für die, die nicht dabei sein konnten, gibt es hier seinen Vortrag übers „DEMOKRATISCHE UNTERNEHMEN“ als Video:

Viel Spaß beim Anschauen!

ZeuchAlleMachtRMD

P.S.
Andreas Zeuch ist auch Autor verschiedener Buches so auch von
Alle Macht für Niemand – Aufbruch der Unternehmensdemokraten

 

CLOU/HIT in der InterFace Connection

Oder:

Wie Wolf und ich es dann selber machten.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

if-logoProjekt 4

Jetzt kommt die Geschichte zum vierten Projekt:

Schon vor 1983 hatte ich keine Lust mehr, für andere zu arbeiten. Ich war damals noch bei Softlab. Dort konnte ich mein einseitiges Wissen – es bestand bis auf ein wenig SNA (IBM) überwiegend aus Siemens-Technologie – erweitern und lernte weitere IBM-Technologien aber vor allem auch die Technik von verschiedenen Systemen der „Mittleren Datentechnik“ kennen.

Das waren Maschinen, die je nach Speicherausbau aus zwei bis drei Teilen groß wie Bosch-Kühlschränke bestanden. Also viel kleiner und auch einfacher als Mainframe. Die waren damals groß in Mode und so gab es zuhauf europäische und nicht-europäische Wettbewerber mit mit unterschiedlicher und oft sehr proprietärer Technik. Kienzle und Nixdorf waren bei diesen aufstrebenden MDT-Unternehmen auch dabei und damals wurde allein in einer Stadt wie München ein und dieselbe Branchen-Software von verschiedenen Unternehmen parallel für verschiedene Technologien entwickelt.

Softlab war mit Sicherheit damals eines der innovativsten deutschen „Software-Häuser“. Sie hatten auch ein proprietäres System, das berühmte PET-Maestro. Für mich war das das erste System ohne den Frust des permanenten Datenverlusts, den das Pet-Maestro arbeitete auch schon zeichenweise – und jedes Zeichen wurde sofort auf die Platte geschrieben. Bei Reset erfolgte so immer ein aktueller Warmstart – und nichts war futsch! Es war eine Erlösung, das Zittern vor Datenverlust beim Arbeiten zum Beispiel mit EDT oder EDOR war vorbei.

Auch sonst lernte ich bei Softlab viel Neues. Aber auch im kaufmännischen Bereich: Wie man Angebote möglichst risikofrei formuliert, wie man mit den VB’s der großen Unternehmen (Bull, ICL, IBM, Nixdorf, Siemens) klüngelt (ohne die großen ging es damals schon nicht) oder – und wie man Studien schreibt. So wurde ich zum Papiertiger (das hat nichts mit paper tiger, der namhaften freien chinesischen Theaterbewegung zu tun). Und damals war es schon so, dass man als Papiertiger (noch) bessere Stundensätze bekam denn als Programmierer. So weiter gestärkt, wollte ich es selber machen. Alleine traute ich mich nicht. Also ging ich auf Partnersuche. In meinen Kreisen suchte und identifizierte ich Menschen, die mir sympathisch und fähig vorkamen. Und die vielleicht auch gründen wollten. Da gab es einige. Aber immer wieder klappte es nicht.

Bis der Wolf (Geldmacher) kam. Wolf war deutlich jünger als ich. Er war fachlich Spitze. Und wir sahen die Dinge ähnlich. Das soll heißen, dass sich unsere Werte, Erwartung, Interessen und Bedürfnisse gegenseitig sehr gut ergänzt haben. Ich war so mehr der Old-Style-Programmierer – und der Wolf hatte die Ahnung, von allem was in der IT modern und neu war. Und Wolf war absolut der Qualität verpflichtet. Und wenn einer Menschenverstand hatte, dann war es der Wolf. Und das sind wohl die wichtigsten Dinge: Fachliche Ahnung, Menschenverstand und Qualitätsbewusstsein. Dann muss man nur noch ein netter Kerl sein …

So gründeten wir in Kurzform die InterFace Connection. Die InterFace hat Peter Schnupp auf uns vererbt, die „Connection“ war unser Begriff. Das wollten wir gemeinsam mit unseren zukünftigen Mitarbeitern sein, eine „Connection“, die zusammen hält und gemeinsam erfolgreich wird. So gründeten wir 1983 das Unternehmen und starteten am 1. April 1984 das Geschäft.

Das Projekt von dem ich berichte, ist aber nicht das Unternehmen, sondern die Entwicklung unseres Produkts. Und ein Produkt wollten Wolf und ich aus zwei Gründen haben: Zum einen waren wir überzeugt, dass ein Produkt etwas ist, auf das man stolz sein kann. Dass ein Produkt eine Identität schafft. Und dass ein Produkt besser skalierbar ist, als Dienstleistung.

Außerdem gaben wir dem damals sehr gut funktionierenden „Body Leasing“ keine Zukunft. Wir glaubten nämlich noch an die Gesetze, und uns war als Gründer ziemlich klar, dass die übliche Form von Body Leasing genau das schon damals war, das dem AÜG folgend ganz einfach ungesetzlich war.

Schnell war uns klar, dass damals Unix die richtige Basis für zukünftige Produkte wäre. Wir waren uns auch rasch einig, dass ein auf Unix so ziemlich alles fehlte, was man für die Nutzung von Rechnern bei Unternehmen bräuchte. Und dass da ganz besonders ein Textsystem fehlen würde. Und dass man auf Unix mit seinen neuen Datensichtgeräten (im raw oder cooked mode) und gerade mit der Sprache c zuerst mal eine komfortable Schreibmaschine relativ zügig entwickeln können müsse.

Weil wir vor der Herstellung und dem erfolgreichen Vermarkten eines Produktes großen Respekt hatten, begannen wir die Entwicklung des Produktes in Kooporation mit InterFace Computer. Wir hatten sehr schnell einen kleinen Erfolg im Umfeld von SINIX (dem Unix von Siemens) und so verlagerte sich die Entwicklung zu uns und InterFace Computer übernahm die Portierungen wie auch den Vertrieb im „Restmarkt“.

Und wir hatten ganz schnell ein zweistelliges Team von ganz jungen Leuten. Das waren in der Regel Studenten. Sie mussten programmieren können und sympathisch sein. Und trotz der Doppelbelastung Arbeit und Studium zweiteres durchziehen. Alles andere war uns egal.

Da Wolf und ich (gemeinsam mit ein paar jungen fest angestellten Informatikern mit akademischen Abschluss durch besagtes Bodyleasing (mit Stundensätzen zwischen 150 – 120 DM) die Entwicklung finanzierten, waren die jungen Menschen ziemlich frei. Gesteuert wurden sie von unserer „Assistentin“ Heidi (Kaindl). Die Heidi hatte die Jungs gut im Griff und passte gut auf, dass die auch arbeiteten. Wolf und ich waren nur in kurzen Meetings mit den Jungens zusammen (bald nach der Gründung kamen dann auch Frauen dazu).

Der Wolf hatte damals die Rolle eines SCRUM-Masters und mehr (obwohl es damals SCRUN noch lange nicht gab. Er erklärte dem Team, was Qualität wäre. Und dass sie die Qualität eben nicht für unsere Endkunden, nicht für unsere Vertriebspartner für Siemens und auch nicht für die InterFace Connection machen würden, sondern zuerst mal als ehrliche Programmierer für sich. Und Wolf hatte hohe Ansprüche und war streng. Wenn jemand nicht fähig oder willens war, die Qualität zu bringen, gab es keine Zukunft bei der „Connection“. Wolf beschützte aber auch das Team, wenn z.B. ich auf Ressourcen spechtete. Und setzte auch die notwendigen Investitionen durch.

Meine Aufgabe war vielleicht die des Product Owners. Zumindest am Anfang. Ich musste als Jugendlicher Stenographie und Schreibmaschine schreiben lernen. Stenographie habe ich geliebt, es ist eine wunderschöne Art zu schreiben. Weil es nicht gegen die Hand geht, wie die normale Schreibschrift. Aber die Schreibmaschine haßte ich. Und ich wusste genau, wie eine gute Editier-Maschine aussehen musste. Das hatte ich dann auch in Gründerzeiten aufgeschrieben.

Wie es komplizierter wurde und z.B. CLOU mit seiner „embedded sql“ dazu kam, gab ich die Rolle des Product-Owners an unsere Kunden ab. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn die Kunden konnten uns tatsächlich sagen, wie sic sich eine automatisierte Bausteinverarbeitung vorstellten. Und haben uns den weiteren Weg gewiesen.

Eine Regel war, dass alle Mitarbeiter – bis auf Heidi – programmieren konnten. Die Heidi war unsere erste und wichtigste Kundin. Sobald die erste Version von HIT verfügbar waren, haben wir ihr den „vi“ und die für Bürobetrieb geschriebenen „nroff-makros“ weggenommen, und sie musste mit HIT arbeiten – sehr übrigens zu ihrem Unwillen. Den so schlecht war die vi-Lösung nicht. Später hat sie dann aber trotzdem ihren HIT lieben gelernt. Wen wundert es, sie hat ihn ja auch mit gebaut!

Alle anderen Kollegen im HIT-Team mussten „hands-on“ legen können. D.h. jeder musste programmieren, Fehler suchen und vor allem „co-working“ (Team-Arbeit) können.

Wir benutzen ganz früh Werkzeuge, lange bevor diese in den breiten Einsatz kamen. Aber nur sinnvolle wie „lint“ zur Kontrolle der Qualtitiät unseres Codes oder „sccs“ für die Source-Code-Verwaltung. Ich bin mir sicher, das wir immer wieder die ersten in München waren. Auch einen „tracker“ und automatischen „built“ hatten wir früher als fast alle anderen. Aber nie gab es eine Planungssoftware. Wie wir auch „bürocrazy“ nach Kräften mieden.

So waren alle im Projekt Programmierer. Die tatsächlich unter sich absprachen, wer was entwickelte. Es waren sehr verschiedene Typen dabei. Es gab auch den Wunderprogrammierer, nicht nur scherzhaft „Gott“ genannt. Die erste Regel war aber, dass es ein Team ist. Dass jeder für jeden da ist. Es galt immer, „einer für alle, alle für einen“. Nie wurde jemand im Stich gelassen. Und wenn man nicht mehr weiter wusste, hat man sich an seinen Kollegen gewendet. Es gab so kein explizites pair-programming, weil dies selbstverständlich war und quasi automatisch funktionierte. So gab es immer mehrere, die sich auch in den Sourcen der Kollegen aus kannten. Das war wie ein überlappendes System, das irgendwie ganz von selbst ohne viel Worte funktionierte.

Natürlich hatten wir ein komplizierte System in Entwicklung mit unheimlich vielen Modulen, Schnittstellen, Werkzeugen, APIs …. In der Summe entstand eine riesige Anzahl von lines of code. Es gab Module wie für die Virtualisierung von Keyboards, Teminals oder Drucker. Wir hatten den ersten National Language Support entwickelt, der dann in die UNIX-Implementierung von X-Open einging. Wir hatten komplizierte und gefürchtete Module und langweilige. Ab und zu mussten wir Fehler den von uns genutzten Compilern finden.

Das Team hat immer unter sich ausgemacht, wer welche Aufgabe anpackt. Unsere Werkbank – meistens aufgebaut auf OpenSource-Komponenten zur Source-Code-Verwaltung, für den Built und den teilweise automatisierten Test, für die Portierung auf die vielen Zielsysteme, die die Unix-Welt damals anbot, alles war Teil des Projekts. Das ging hin zur Produktion der im Quartals-Rhytmus erscheinenden Kundenzeitung, HITNews, von Fachliteratur, der Konzeption der Kurse. Alles wurde im Team gemacht, jeder brachte sein bestes ein.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal Situationen, wo vielleicht der eine oder andere überfordert war. Weil er noch nicht die Erfahrung hatte oder er die Aufgabe einfach unterschätzt hatte. Aber dann hat ihm ein Kollege ihm geholfen. Immer gab es den richtigen. Und wenn es notwendig war, dann kam eben „Gott“.

Natürlich hatten wir verschiedene Rollen in den Teams. Jeder war ein Projekt Manager und für die zugesagten Termine verantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger. Jeder war Quality Manager, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich gab es so etwas, wie einen ersten Ansprechpartner für unsere Kunden und unsere Partner. Der wurde gemeinsam bestimmt („wer kann es am besten machen“), er ist aber als Programmierer im Team geblieben. Aber im Prinzip hat jeder Entwickler die Fragen der Kunden beantwortet. Da die einfach bei uns ins Büro rein kamen. Die zentrale Klingel erklang, Und wer zuerst ans Telefon ging, hatte den Kunden in der Leitung.

Natürlich gab es Kollegen, die sich mehr um die Integration, die Planung, die Konfiguration und Built-Thematik, das Manual … gekümmert haben. Aber alle waren immer voll fachlich im Team drin.

Aber alle haben immer weiter programmiert. Und immer für Qualität gesorgt. Zum Beispiel weil sie automatische Testumgebungen einfach als Teil des Projektes gebaut haben. Es war eine total geteilte Verantwortung.

Mit dem Erfolg haben wir Lehrer für unser Produkt HIT/CLOU gebraucht. Die ersten Jahre haben alle Entwickler unsere sämtlichen Schulungen gehalten. Sie haben genauso die Kurse für Endnutzer wie Fachanwender, Systemleute und Programmierer. Selbst die zentralen Leute wie Friedrich Lehn, der „Vater“ des CLOU, hat Kurse gehalten und Anfängern das Programmieren mit CLOU beigebracht.

Gelegentlich hat das den Entwicklern nicht gefallen. Das Entwickeln wäre doch viel wichtiger. Aber die Kurse liefen gut (weil die Kollegen eben wussten, von was sie redeten und das manche „didaktische“ Schwäche mehr als ausgeglichen hat). Das tolle war aber, dass unsere Kollegen so immer erlebt haben, was der Kunde eigentlich will und braucht! So wurde der Kunde im Gesamt zum „Product Owner“.

Die Kollegen sind aufgrund dieser interdisziplinären Aufgaben fachlich und menschlich in einem enormen Tempo gewachsen – menschlich wie fachlich aber auch vertrieblich. Es war oft unglaublich, wie junge Studenten schon innerhalb wenigen Monaten zu selbstbewussten Experten wurden.

Ohne es zu formulieren, hatten wir schon damals im Team verstanden, dass es darum geht, alle Menschen im Team und im Unternehmen größer und nicht kleiner zu machen. Und an allen Dingen zu beteiligen und partizipieren. Wir haben gewusst, dass wir uns sehr hohe Ziele, oft kühne Ziele setzen mussten, sonst hätten wir das Produkt nie gestemmt. Aber uns war auch klar, wie wichtig es gerade dann ist, eine starke Fehlertoleranz zu leben. Dass nie der Kollege im Team oder der Kunde der Feind oder Gegner sein darf, sondern nur die zu lösende Herausforderung oder die Widrigkeit der Umstände.

Wolf und ich waren das „Management“. Wir waren aber mehr wie Besucher in unserem Unternehmen. Nach 8 – 10 Stunden am Tag Beratungszeit beim Kunden haben wir uns bei unseren „Mitarbeitern“ zu Hause im Büro ausgeruht. Die waren alle unsere Freunde, da haben wir uns wohl gefühlt. Und die Kollegen haben uns gezeigt, was sie wieder alles tolles geschaffen hatten. Wir haben unsere Rückmeldungen gegeben und sind dann wieder in den nächsten Beratungstag verschwunden.

Und immer wenn wieder ein schönes Ergebnis erreicht wurde, haben wir alle gemeinsam gefeiert. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben damals soviel gelernt. Auch wie oft das normale und konservative Denken Blödsinn ist. Zum Beispiel wollte ich unseren Kunden immer Termintreue bieten. Und musste Lernen, dass das Unsinn war.

Denn wenn Du wirklich Innovatives schaffen willst, lernst Du immer wieder, dass Termine keinen Sinn machen. Es funktioniert einfach nicht. Wenn der Termin einfach nicht gehalten werden kann, dann geht es nur darum, dass die Kommunikation klappt und man Lösungen findet, wie man den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird. Denn wenn alle an einem Strick ziehen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, gibt es immer eine Lösung – und siehe da, es geht immer.

Ich höre schon die Einrede:
Na ja das mag ja bei einem kleinen Projekt gehen? Aber bei einem großen?

Klar waren wir eher weniger als 50 Menschen. Aber genau die gleichen Projekt sind nicht nur bei einem Großkonzern gescheitert. Dort wurden dann oft fünf mal so viele oder noch mehr Menschen eingesetzt. Teure, erfahrene, hochqualifizierte. Und es hat nicht funktioniert.

Ich meine, es geht so auch in großen und sehr großen Projekten, wenn viele solche tollen Teams vernetzt und im good will vereint zusammenarbeiten.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 7. November 2015

Retrospektive der eigenen Gründung von 1983

logo-HITAuf der Suche nach dem HIT-Logo bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Er beruht auf einem Interview, dass ich im August 2014 gegeben habe. War wohl im Rahmen irgend eines der (unübersichtlich) vielen öffentlich geförderten Mittelstands- und Gründungswettbewerbe. Eben so eine der vielen Förderungskisten. Den Namen des Redakteurs / Ansprechpartners weiß ich auch nicht mehr.

Der Artikel ist erschienen im:

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Die Kernaussage des Artikel ist:

Meine eigene Gründung ging gut, weil viele notwendige Voraussetzungen erfüllt waren. Die wir aber nicht à priori rational geplant sondern erst à posterio erkannt haben.

Es ist ein persönlicher Bericht zur Gründung der InterFace AG. Ich veröffentliche ihn leicht modifiziert in IF-Blog.de, weil er ein Teil meiner persönlichen Geschichte ist. Ich möchte jungen Gründern Mut machen und schon mal auf meinen fast fertigen „vierten Beitrag in meiner Serie „Vintage Projekt Management“ einstimmen, der bald erscheinen wird. Hier der Text:

Seit Beginn der 80iger hat mich die Selbstständigkeit gelockt. Zum einen, weil ich (wie auch bei vielen mir bekannten Gründer von heute) ein Unternehmen eigenverantwortlich mitbestimmen und so auch mehr Freude an der Arbeit haben wollte, zum anderen, weil ich mehr Geld verdienen wollte. Ein Argument, dass erstaunlicherweise für viele der mir bekannten heutigen Gründer gar nicht mehr so wichtig ist – vielleicht weil die Einengung an vielen Arbeitsplätzen erdrückender wie früher geworden ist und viele Menschen nicht mehr bereit sind, für die Karriere ihr Privatleben zu opfern.

Für den Start habe ich schon Ende 1982 den „idealen Partner“ gesucht (nicht die „ideale Geschäftsidee“, weil ich damals schon der Meinung war, dass es diese nicht gibt). Auch den „idealen Partner“ zu finden war nicht leicht, aber glücklicherweise habe ich nach einem guten Jahr Wolf Geldmacher getroffen.

Er brachte große unternehmerische Kraft mit und war genauso wie ich bodenständig verortet. Mit Wolf ging die Gründung der „InterFace Connection Gesellschaft für Datenfernverarbeitung und Entwicklung von Software mbH“, dem Vorgänger der InterFace AG, schnell. Unser Thema war IT und Unix. Auf dem damals „neuen“ Unix wollten wir ein erfolgreiches Produkt bauen. Ein Produkt war uns wichtig, gingen wir doch davon aus, dass Dienstleistung nicht zu skalieren ist. Auch waren wir schon 1983 (vor der Gründung in 1984) in Sorge, ob Body-Leasing ein Geschäft von Dauer sein würde. Bei strenger Auslegung schien uns schon damals, dass das Geschäft mit Body Leasing („Arbeitskräfte-Überlassung“ AÜG) sich zumindest in einer gesetzlichen Grauzone befand.

So war klar, dass wir ein Produkt bauen wollten. Nach verschiedenen Ideen (Datenbank, Vernetzung …) hatten wir uns ein bürotaugliches Schreibsystem auf Unix entschieden. Als Namen haben wir ihm das gegeben, was es werden sollte, nämlich ein HIT. Aus heutiger Sicht ist uns da ein kühnes Unterfangen gelungen. Schon nach wenigen Jahren waren wir das mit Abstand erfolgreichste Textsystem auf Unix in Europa. Es war wie ein Traum!

In der Retrospektive habe ich Menschen und wesentliche Voraussetzungen oder Ereignisse gefunden, ohne die es nie geklappt hätte. Wir waren einfach zum richtigen Zeitpunkt unterwegs und hatten unheimlich viel Glück, dass vieles gepasst hat.

Das Gespann „Wolf & Roland“
Wir haben schon Anfang der 80iger Jahre beide an „agil, lean und open“ geglaubt. Wir waren für Selbstorganisation und Selbstbestimmung, haben unsere Ideen und unseren Anspruch formuliert und unsere Teams machen lassen. Das alles in großer Gemeinsamkeit.

Notwendige „Skills“
Meine Eltern hatten es 1960 geschafft, mich in Augsburg von der Wittelsbacher Volksschule auf die wirtschaftswissenschaftliche Oberrealschule Jakob Fugger zu bringen. Das war kein leichtes Unterfangen. Später wurde diese Erziehungsanstalt dann zum „wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ umbenannt (bis 1960 war es noch eine Handelsschule). Die Fächer Buchführung und BWL, die ich am “wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium” gelernt habe, waren für die Gründung durchaus nützlich, aber nicht zwingend notwendig. Was ich an der TUM in Informatik gelernt habe, war praktisch auch nicht verwertbar. Programmieren habe ich als Werkstudent bei Siemens gelernt. Im Labor bei Siemens habe ich Teamarbeit gelernt, im Vertrieb bei Siemens Kommunikation und bei Softlab das Geschäft.

“Die Methode“
Für die SW-Entwicklung hatten wir eine private Methode erfunden und gelebt, die ähnlich dem ist, was man heute SCRUM nennt. Wolf war der „SCRUM-Master“ (und mehr). Er war für die Technologie und die Menschen zuständig. Er hat die Kollegen zur Qualität gebracht und ihnen klar gemacht, dass sie Qualität leben und geben müssen, dies zu aller erst für sich selbst. Und ich war so etwas wie der „Product Owner“ und kaufmännische Leiter.

An unserem Erfolg haben ein paar Menschen beigetragen, bei denen ich mich ganz ganz sehr bedanken möchte:

Anton Böck
Stenografie und Schreibmaschine waren am Jacob Fugger bis 1960 Pflichtfach, zu meiner Zeit dann Wahlfach. Mein Vater zwang mich beides zu lernen, weil er die beiden Techniken als wichtigen Vorteil im Kampf des beruflichen Lebens bewertet hat.

Anton Böck war mein Lehrer in diesen Wahlfächern. In Steno war ich recht gut. Wenn ich zu Hause zum Lernen verurteilt war, habe ich an meinem Schreibtisch stundenlang Steno gemalt. Für mich war das wie Kaligraphie, wunderschön. Und meine Eltern haben geglaubt, ich würde lernen. In Wahrheit habe ich mich aber in so eine Art „meditatives Malen“ undso in meine Träume geflüchtet.

Herr Böck war ein strenger Lehrer und hat mich gemocht, auch weil ich ein Spitzenstenograf wurde. Er hat mich aber auch auf die Schreibmaschine gezwungen. Die Schreibmaschine habe ich gehasst und ich habe deshalb schon mit 16 davon geträumt, wie eine „schöne“ und „liebe“ Schreibmaschine funktionieren müsste. Es klingt vielleicht ein wenig lächerlich, aber ich bin mir sicher, ohne diese meine frühe negative Erfahrung mit dem Generieren von Text hätte die InterFace Connection nie  ein Textsystem entwickelt und wäre so nie zu einem doch relativ erfolgreichen Produktunternehmen geworden.

Hans Strack-Zimmermann
Hans war mein Mentor und der Mann, der UNIX in Europa und bei Siemens (hier unter dem Markennamen Sinix) groß gemacht hat. Ich hat mich mit seiner Vision begeistert und er hat an unser Team geglaubt. Und er hat uns kräftig geholfen. So hat der Erfolg uns Recht gegeben.

Dr. Peter Schnupp

Peter war IT-Pionier der zweiten Generation (ich sehe die Generation Zuse als die erste und mich als Teil der dritten). Als Unternehmer (der Gründer von Softlab), IT-Experte, Kolumnen-Schreiber in der Computer-Woche und aufgrund weiterer Aktivitäten war er bekannt und hatte als Experte einen sehr guten Ruf.

Peter gelang es, für uns die strategische Entscheiderin einer Großbehörde zu überzeugen, dass die Zukunft der IT auf UNIX basieren würde und es da ein tolles lokales Produkt für Text gäbe.

Ohne diesen Glücksfall wäre das Projekt CLOU/HIT nie erfolgreich geworden.

Meine Projekte
Schon als junger SW-Entwickler bei der Siemens AG hatte ich in der Mitte der siebziger Jahre eine tolle Aufgabe. Im Rahmen der Entwicklung von Transdata habe ich das „Connection Handling“ entwickelt und an der Entwicklung von „APS“ (Anwender-Programmier-Sprache) mitgearbeitet. „Connection Handling“ ist von zentraler Bedeutung bei „Datenfernübertragung“, wie es damals hieß. Mit APS war es möglich, Verarbeitungsleistung schon in lokalen „Datenstationsrechner“ (Betriebssystem PDN) auszulagern und so erstmals das zentrische Prinzip der Main Frames zu durchbrechen.

Mit diesem „Herrschaftswissen“ konnte ich mich sehr schnell bei Großprojekten profilieren und wechselte dann ganz logisch zu einer Abteilung „Sonderprojekte Vertrieb“ bei der Siemens AG. Dort war mein wichtigstes Projekt DISPOL, ein zentrales Projekt der bayerischen Polizei, da sich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre die Aufgabe gestellt hatte den Aktenschrank (Daten), die Schreibmaschine (Dokumente) und den Fernschreiber (Kommunikation !) durch die Einführung von EDV abzulösen.

Dieses Projekt habe ich bis zur Gründung begleitet und verstanden, wie Markt und Kunden, besonders bei Behörden ticken.

Ohne diese Vorgeschichte wäre HIT/CLOU niemals ein erfolgreiches Produkt geworden.

Die Menschen bei InterFace
Wir haben für die Produktentwicklung ganz jungen Menschen eingestellt, die oft noch als Studenten zu uns kamen. Und es waren (fast) immer die richtigen. In rasanten Tempo haben diese Menschen sich zu zentralen Leistungsträgern entwickelt und eine hohe Verantwortung übernommen.

Richtige Prinzipien
Ergänzend zur Produktentwicklung hat sich wie zufällig eine qualifizierte Beratung und Zusammenarbeit mit Siemens im Bereich „Unix-Betriebsystem“ entwickelt. Wir saßen fachlich an der Quelle und haben bei unserem Betriebssystem-Partner vieles gelernt, das uns sehr geholfen hat. So haben wir früh Werkzeuge genutzt, die in Europa noch gar nicht verbreitet waren. Und viel Neues geschaffen, wie den “National Language Support (NSL), der dann sogar in XOPEN aufgenommen und Basis aller Unix-Systeme wurde.

Wir haben Methoden angewendet (oder besser intuitiv erfunden) wie das 4-Augenprinzip beim Programmieren, peer2peer-Reviews, „extreme programming“, Entwickler-Rotation und manches mehr. Das waren Methoden, die es damals noch gar nicht gab bzw. uns nicht bekannt waren. Aber es war einfach sinnfällig, es so zu machen. Das brachte uns aber mehr als wesentliche Vorteile betreffend Entwicklungsgeschwindigkeit, Anwenderorientierung und Qualität.

Unsere Entwickler hatten immer direkten Kundenkontakt. So haben unsere Entwickler die HIT-Schulungen für die Endkunden selbst gehalten und so die Kundenwünsche verstanden. All das hat wesentlich zur Güte des Produktes beigetragen.

Finanzierung
Die Schwierigkeit unseres Vorhabens war uns bewusst. So haben wir in der ersten Phase der Grundentwicklung uns den Aufwand mit IF-Computer geteilt. Für die zweite Phase der Vermarktung hatten wir eine Aufgabenteilung vorgesehen. Die InterFace Connection hat das Produkt weiterentwickelt und den Groß-Kunden Siemens betreut. InterFace Computer hat die Portierungen auf die vielen anderen Unix-Systeme und den Vertrieb für weitere Hardware-Hersteller und Partner übernommen bis dann die InterFace Connection das Gesamtthema übernommen hat.

Die Entwicklung eines Produktes brauchte eine kräftige „man power“. Und Menschen kosten Geld. In 1984 und dem folgenden Jahr lösten wir das auf eine einfache Art und Weise. Wolf Geldmacher und ich verdingten uns als Berater. Um Produkt und Team kümmerten wir uns an den Abenden und bei Bedarf Samstagen.

Als Berater hatten wir einen Stundensatz von 150,- DM. Das war herausragend und nur durchzusetzen, weil amerikanische Consultant mit vergleichbarem Know-how deutlich teurer waren.

Jetzt kann man mal einfach rechnen: Ein guter Monat bringt 200 Mannstunden (wir waren sehr fleißig). Mit 150,- DM multipliziert waren das schlappe 30.000 DM in guten Monaten. Bei unserem Gehalt damals von 5.000 DM, brutto als so um die 6.000 blieben 18.000 für Hardware, die Heidi (unsere Assistentin, die von Anfang an dabei war) und unsere Studenten, die Produktentwickler.

Schon wenige Monate nach der Gründung am 1. April 1984 konnten wir noch ein paar junge Informatiker für uns gewinnen und die sofort als Consultant einsetzen. Diese erbrachten Überschüsse in ähnlicher Höhe, die wir auch komplett für die Produktentwicklung eingesetzt haben. Und ab Ende 1985 hat dann das Produkt für schnell steigende Deckungsbeiträge gesorgt.

Die Ereignisse
Es gab weiter eine Reihe von glücklichen Umständen, die uns sehr geholfen haben.

So hatte Siemens ein sehr großes Projekt gestartet mit dem Ziel der Entwicklung eines eigenen Textsystems für BS 2000 und Unix. Obwohl diese Projekte mit einer Personalstärke besetzt waren, die eine mehrfacher Kopfstärke hatte als unser Entwicklungsteam und auch die Entwickler in den Siemens-Projekten alle gestandene SW-Entwickler waren, kamen diese Projekte nie auf einen grünen Zweig und sind dann mehr oder weniger komplett gescheitert.

Der Konzern Siemens brauchte aber solche Software für seine Ziele und musste bei zwei Lieferanten in Lizenz zu kaufen – einer davon waren wir. So wurden wir auf Unix der Lieferant und Lizenzgeber des damaligen Marktführers in Deutschland.
Das „technische“ Zeitfenster war auf unserer Seite: Unix löste damals die zahlreichen verschiedenen Rechnersysteme der „mittleren Datentechnik“ MDT ab. Wir kamen mit unserem Produkt HIT genau zum richtigen Zeitpunkt .

Es war auch die Zeit, in der sich der Einsatz von Datenbanken stark verbreiterte. Brandneu wurde SQL als „query language“ auf natürlicher Sprachbasis definiert. Es gab sogar eine deutsche Fassung von SQL! Was lag näher als die HIT ergänzende 4GL (Programmiersprache der 4. Generation) CLOU zur Programmierung von Textbausteinen um eine „embedded SQL“ zu erweitern, die es plötzlich möglich machte während des Ablaufs des Baustein-Programms dynamisch generierte Abfragen an eine Datenbank zu senden und die gefunden Daten dann automatisch bei der Dokument-Erstellung zu nutzen. Das war eine richtige Sensation, die auch genau zum richtigen Zeitpunkt kam.

Viel Glück und nur ein wenig Pech
Der Mut einer großen Bundesbehörde, auf eine völlig neue Technologie eines ganz kleinen Herstellers zu setzen, war sicher etwas besonderes. Eine wunderbare Marktentwicklung zu Gunsten von UNIX. Zahlreiche weitere mutige und für uns glückliche Kundenentscheidungen. Ein Super-Team …

Es gab auch Probleme
Die Beschaffung von Hardware für die Entwicklung war sündteuer. Schon 1985 mussten wir eine MX500 erwerben – die damals einen Listenpreis von über 300.000 DM hatte. Das war für uns unvorstellbar viel Geld. Es war aber klar, dass wir ohne dieses System die notwendige Entwicklungsgeschwindigkeit nicht schaffen würden. Schon zwei Jahre später gehörte diese Maschine zum alten Eisen, wir entwickelten auf SUNs, und über Nacht kamen neue schnelle PC’s mit diversen Unix-Varianten, die dann auch deutlich billiger waren.

InterFace Computer fiel aus, die strategische Kooperation funktionierte nicht mehr. So waren wir gezwungen, die Rechte am Produkt zu kaufen. Das war eine hohe Investitions und schwere Entscheidung, die sich aber im Nachhinein bezahlt gemacht hat.

Weitere notwendige Voraussetzungen

Es gibt da sicher noch mehr Ursachen, Zufälligkeiten, ohne die das Unternehmen HIT/CLOU gescheitert wäre. Zum Teil Dinge, die ich gar nicht mehr weiß oder mir so nicht bewusst sind. Aber ohne all das Beschriebene hätte es zumindest die InterFace Connection als Hersteller von HIT/CLOU nicht gegeben. Viele besondere Umstand und Zufälle haben zusammen bewirkt, dass es so gut geklappt hat.

Mit diesem Artikel möchte ich am eigenen Beispiel zeigen, dass viele Bedingungen erfüllt sein müssen, um Erfolg zu haben. Und das diese Dinge nicht geplant werden können. Das soll auch den (vernünftigen) Mut zu Lücke fördern, aber auch zeigen, dass gründen nicht so ganz einfach ist und ein pragmatischer Ansatz von herausragender Bedeutung ist.

RMD

Ich freue mich, dass jetzt das Video vom tollen Vortrag von Bruno Gantenbein aus St. Gallen auf unserem IF-Forum am 23. Juli 2015 auf Youtube veröffentlicht ist und von jedem angeschaut werden kann:

Der Vortrag „Lernen In Innovation“ von Bruno Gantenbein im IF-Forum hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. So ging es auch vielen Zuhörern. Aber manche, die auch von Brunos Thesen sehr beeindruckt waren, haben als wichtigen Einwand gebracht, dass das Berichtete für „normale Menschen“ im „normalen Leben“ und in der „realen Welt“ nicht „lebbar“ wäre. Weil das der Normalbürger sich ja gar nicht leisten könne. Und das ja alles nicht gehen würde. Das klang ab und zu klang richtig resignierend.

Die Ursache scheinen mir zu sein, dass
„die meisten Menschen sich nicht mehr vorstellen können, in einer anderen Welt zu leben als in dieser“
und
„wir nicht mehr das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können und so das Unwichtige unser Leben dominiert.“

Das scheint mir das Hauptproblem von uns und das unserer Gesellschaft zur sein. Eine in dieser Art nie dagewesene Fremdsteuerung durch Marketing und Lobbyismus manipuliert uns in völlig neuer Weise, ganz anders aber sicher nicht minder gefährlich wie z.B. die religiöse Indoktrination der Menschen im Mittelalter oder wenn wir Pech haben die Manipulation der Menschen durch die Nazis.

Die Formatierung unseres Lebens durch ein übermächtiges aber nicht fassbares Systems hat unsere Autonomie geschliffen. Jetzt bekommen wir Angst und schwafeln von Wandel und Veränderung. Uns fehlt aber jeder Wille, ein anderes Leben jenseits des unseren anzugehen. Wir sind ja oft gar nicht mehr in der Lage uns ein solches nur vorzustellen. So scheint die Kraft verloren gegangen zu sein um Utopien für die Zukunft mehr entwickeln. Die Suche nach Werten und Visionen spielt in unserer Gesellschaft keine Rolle sondern wird eher belächelt. Auch der Versuch, einen neuen „gesellschaftlichen Konsens“ zu schaffen unterbleibt immer wieder schon im Ansatz. So nehmen wir das Gegebene als wahr und alternativlos an.

Der Mut zur Veränderung ist verloren gegangen. Wir haben unsere Abhängigkeit akzeptiert und fügen uns in unser „Sklaven-Dasein“. Sei es von der Technik oder von sozialen Lebensgefügen (unseren Lebenslügen?) vorgegeben. Wir meinen, dass es ohne Auto, Fernsehen und überall elektrische Versorgung nicht mehr geht. Wir glauben, dass die Medizin alles vermag. Dass der Staat unsere Sicherheit garantieren muss und kann. Und dass der Planet das alles schon aushalten wird.

Dabei ist das vieles so leicht zu widerlegen. Sicherheit gibt es nicht. Das alles erleben wir immer wieder. Der plötzliche Tod eines wichtigen Partners oder die überraschende Krankheit werfen uns aus der Bahn. Ein Unglück kann uns schnell erwischen. Aber es gibt auch harmlose Beispiele. Die vom Großvater geerbte ehemals so wertvolle Briefmarkensammlung zeigt uns, für die nicht mal der Altpapierhändler etwas zahlt, zeigt uns, wie schwierig es mit der Sicherheit ist. Viele Dinge, die mal viel wert waren sind heute wertlos. Dieselbe Überraschung habe ich erlebt bei der Auszahlung meiner Direktversicherung erlebt: Wie weit war doch der Wert des ausgezahlte Betrag von der Erwartungshaltung von dem weg, was ich mir beim Abschluss vor Jahrzehnten da vorgestellt hatte. Aus der vorgestellten Eigentumswohnung wurde ein Mittelklassefahrzeug …

Trotzdem  generieren die (Schein-)Sicherheiten unserer modernen Finanzwelt bei manchen von uns die Überzeugung, wir hätten die Risiken unseres materiellen Leben durch Renten und Ersparnisse im Griff. Nur wo wird der EURO in 10 Jahren stehen. Werden wir damit die Probleme der Zukunft lösen können. Was wird Geld denn dann noch wert sein? Haben wir nicht schon von langem gelernt, dass man Geld nicht „fressen“ kann? Dies besonders dann nicht, wenn es virtuell ist und vielleicht einfach mal um die eine oder andere Null gekürzt werden muss.

Dafür kapitulieren wir vor der Angst vor dem Terrorismus. Und sind bereit wegen solcher Kopfgeburten unsere Freiheit in der Gegenwart drein zu geben. Aufgabe von Freiheit als vermeintliche Investition für mehr Sicherheit in Zukunft! Und sind dafür sogar bereit in den modernen (Kreuzzug-)Krieg zu begeben.

So folgen wir dumm-dreisten Parolen oft nicht mehr zurechnungsfähiger Politiker und Wirtschaftsführer. Wir schlucken sinnlose Gesetze, die uns serviert werden, obwohl wir wissen, dass diese mehr Schaden als Nutzen stiften. Und resignieren vor der Dummheit unserer „Volksvertreter“. Und ich sehe mich förmlich nach einem deutschen oder europäischen Frühling. Aber keinem, der wie in Nordafrika von Hunger und Armut getrieben wurde – und so natürlich scheitern musste.

Warum glauben wir unseren Politikern, dass es „ohne den Euro kein Europa gäbe“ und der sogenannte „Grexit“ uns alle ruinieren würde. Warum erzählen uns das die Politiker. Wir wie auch die Politiker wissen doch, dass der Euro denen nutzt, die im Licht stehen. Denen, die im Schatten steht aber schadet. So wie wir alle wissen, dass diese Ausbeutungsstrukturen global wie innerhalb von Europa und auch in Deutschland früher oder später scheitern bzw. zu neuen Konflikten führen müssen.

Aber wir fühlen uns ohnmächtig und sind es vielleicht auch schon und trauen uns nicht mehr, gegen die Strukturen der uns beherrschenden Systeme aus Administration und Wirtschaft auf zu begehren. Und stehen dagegen nicht auf, obwohl wir wissen, dass die Menschen – und das sind wir – im Mittelpunkt von Sozialität, Politik und Wirtschaft stehen sollten – und nicht die Interessen von Systemen, die sich ent-personalisiert und ent-menschlicht haben. Wirtschaft und Staat muss zuerst mal den Interessen der Menschen dienen. Ganz so wie es auch in der Bayerischen Verfassung steht.

Das System der Oligarchie der Parteien (siehe Jaspers) beherrscht uns und die Moral der kaufmännischen Metrik in der Wirtschaft verschärft die Randbedingungen unseres Handelns. So mahlen die systemischen Mühlen weiter und stricken die Netze der Unfreiheit in feinen Maschen immer enger. Dies in kleinen Scheiben so dass es oft gar nicht bemerkt und fast schon als normal empfunden werden kann.

Deshalb:
Lasst uns auch wieder daran denken, dass wir als „natürliche Wesen“ Teil einer „Naturwelt“ sind. Die „Kulturwelt“, die wir uns geschaffen haben, macht uns zwar manches einfacher, hat uns aber auch vieles genommen. Sie hat uns bequem gemacht. Und wir haben vergessen, dass der Preis, den wir gezahlt haben, ein sehr hoher ist.

Ich meine, wir müssen uns wieder mehr – und dies radikal – Gedanken machen, ob wir nicht auch in anderen Welten leben und dort vielleicht glücklicher sein könnten. Mein Lieblingsbeispiel ist ja das „weg vom Auto“ hin zur Freiheit der „aktiven Mobilität“. Es ist aber genauso wichtig, die Arbeits- und Lebenswelten zu betrachten, denen wir uns unterwerfen, sei es in den sozialen Systemen wie Familien. Alle scheinbaren Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und Folgerungen daraus zu ziehen. Früher hätte man gesagt Macht kaputt, was Euch kaputt macht.

Dazu gehört auch ein „Leben im Einklang mit der Natur“, so wie es Seneca formuliert hat. Und damit mehr gemeint hat, als sich biologisch zu ernähren und die Umwelt zu schützen. Sondern auch auf sich selber zu hören.

Denn Seneca war ein großer Lehrer, der seinen Schülern helfen wollte, erfolgreich und glücklich zu werden. Ich schließe ich diesen Artikel mit einem weiteren Satz von Seneca, der uns den Aufbruch in andere Welten vielleicht ein wenig leichter macht:

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer!“

Und – es gibt auch Hoffnung. Was da im Internet auch zurzeit gerade wieder passiert, das gefällt mir durchaus.

RMD