Roland Dürre
Donnerstag, der 13. April 2017

IT-Treff – Nostalgie 1999 – Es war der Wahnsinn!

Im IF-Blog in den Dokumenten findet sich ein ganz besonderes Schmankerl. Das war dort lange Zeit ganz unten tief versteckt.

Es ist eine Satire auf die New Economy – ein Theaterstück mit dem Titel

Sind wir noch zu retten?

Norbert Weinberger und ich haben es geschrieben. Die Idee kam uns auf einem gemeinsamen Flug von München via Zürich nach Neu-Dehli mit Swiss Air.

Swiss Air war ein mühsam ausgehandelter Kompromiss: Mein Freund und Partner Norbert flog aus Prinzip immer Business Class mit Lufthansa und ich genauso meinen Prinzipien treu immer in der Economy. Da wir gemeinsam fliegen wollten, haben wir uns dann auf Swiss Air in der Business Class geeinigt, weil das damals preislich so ziemlich in der Mitte lag. Der Grund für den Flug war übrigens die offizielle Eröffnung unseres gemeinsamen indischen Tochterunternehmen „AMPERSAND limited“. Damals wuchsen die Bäume schon wieder in den Himmel.

Die Business Class des Swiss-Fliegers von Zürich nach Neu-Dehli war komplett leer. Swiss Air war damals noch eine unabhängige Airline und machte heftig Verlust – das hat die freundliche Besatzung aber nicht gestört. Der Service war exzellent; wir wurden richtig verwöhnt. Während des ganzen Fluges wurden uns von charmanten Schweizer Stewardessen Champagner serviert. Auch das hat uns beschwingt. So haben wir im Flieger auch gleich das Grob-Konzept des Stückes entwickelt.

Das Stück haben wir Monate später gemeinsam mit Unternehmerfreunden am 29. Juni 1999 vor weit mehr als 500 Zuschauern beim IT-Treff 99 im überfüllten Schlachthof zu München uraufgeführt. Es war eine Riesengaudi, das Publikum hat getobt. Für uns – die Darsteller – war es der Wahnsinn. Und dazu noch wunderschöner Ausblick auf die Ereignisse zur Jahrtausendwende.

Wie kam es zum IT-Treff? Mitte der 90iger Jahre war es nicht immer so ganz einfach für IT-Unternehmen in Deutschland. Die Stimmung war da gar nicht so gut. Deshalb wollten ein paar mutige IT-Unternehmer*Innen etwas tun, um die Stimmung zu verbessern. Das waren wir Muschka Utpadel-Domdey,  Alfred Bauer, Hans Nagel, Dr. Christian Roth, Markus Winkler und eben der Norbert und ich. Unser Idee war sozusagen „Feiern gegen die Krise“. So haben wir den IT-Treff  gegründet. und die ganze Münchner IT-Szene eingeladen. Und siehe da – alle kamen.

Stars wie Gerhard Polt und Django Asül sind bei uns aufgetreten und haben ihr Programm für uns um IT-spezifische Themen erweitert. Die Bayerische Regierung war immer dabei – an die originellen Grußadressen von Staatssekretär Hans Spitzner kann ich immer noch gut erinnern. Es gab immer heiße Musik – mit der George Greene Hotline Band haben wir im Schlachthof sogar eine eigene CD produziert, die man auch heute noch gerne hört.

Und die Branche hat wieder getanzt. Das war 1996, 1997 und 1998. 1999 war der letzte IT-Treff – und da haben wir (die Veranstalter) das Kabarett selber gemacht. Hier ist unsere IT-Treff Satire (1734) „Sind wir noch zu retten?“ – zum Lesen oder Nachspielen.

Weil sie so schön ist und ein so großer Erfolg war, habe ich für kleine und große Theater eine Prämie ausgesetzt, wenn die das Stück spielen. Es gibt sozusagen eine „negative Aufführungsgebühr“ (Tantieme), kostet also keine 10 % der Brutto-Einnahmen oder so sondern es gibt etwas drauf. Das Stück ist kurz aber sehr prägnant Stück – auch als Vorspiel für etwas anderes wie eine Feier geeignet.


 

Hier der Flyer zum IT-Treff 1999 von außen

und von innen

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. Januar 2016

UPDATE: Kreative Zeiten

Leider sind mir im Artikel Kreative Zeiten historische Fehler unterlaufen.

(Mit Dank für die Korrekturen an Barbara Dürre, Dr. Cosima Schmauch, Claus M. Müller – damals Geschäftsführer und Anteilseigner von InterFace Computer GmbH – und Hartmut Streppel).

Hier der aktuelle Erkenntnisstand:

Die von InterFace veranstaltete Konrad-Zuse-Tour ging über vier Etappen. Jeweils im Herbst der Jahre 1982 bis 1985 waren Informatiker aus München drei Tage auf den Rädern unterwegs. Das Ziel war, Konrad Zuse, den Erfinder der elektronischen Rechenmaschine, in Hünfeld an seinem 75. Geburtstag zu besuchen und zu ehren.

TAL_3863Das Plakat ist so wohl von 1982 und nicht von 1986! Auch da waren in Bayern Landtagswahlen, damals war die Legislaturperiode noch 4 Jahre (seit 1998 sind es 5 Jahre).

1982 auf der ersten Etappe von München nach Regensburg war ich nicht dabei. Ich kannte damals zwar die InterFace-Gruppe um Peter Schnupp, den ich bei Softlab sehr zu schätzen und mögen gelernt hatte. Ansonsten gab es noch keine Beziehung von mir zur InterFace GmbH und InterFace Computer GmbH (außer dass ich das Logo sehr schön fand).

1983 war die 2. Etappe von Kelheim (Befreiungshalle) nach Nürnberg. Da durfte ich als Ehemann der Barbara dabei sein. Die hat damals bei der InterFace Computer GmbH an der Entwicklung eines Syntax-basierten Editors gearbeitet. Sie durfte damals schon Programme in der später von mir geliebten Sprache C schreiben.

1984 wurde die Tour fortgesetzt. Da war dann schon die InterFace Connection gut dabei (als Unternehmen ja erst gestartet zum 1. April 1984).

1985 war das große Finale mit Ankunft bei Konrad Zuse in Hünfeld zu seinem 75. Geburtstag. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Empfang in einem Gemeinderaum von Hünfeld und die schöne Rede, die Konrad Zuse für uns gehalten hat. Konrad Zuse hatte uns auch zu sich privat eingeladen und uns bei diesem Anlass eines seiner Bilder geschenkt, das sich heute im Büro der InterFace AG befindet. Das Fahrerfeld war damals schon ganz schön groß und bestand überwiegend aus Mitarbeitern der Unternehmen InterFace Computer GmbH und InterFace Connection GmbH.

Die Rekonstruktion der Geschichte war uns anhand unserer Kinder möglich. Denn 1983 waren wir mit der Sabine (geboren im September 1980) und dem Maximilian (geboren April 1982) unterwegs. 1984 war dann auch noch der kleine Martin dabei (geboren Januar 1984). Wie auch alle drei in 1985 mit auf den Rädern waren.

Man sieht, es gibt noch ein paar Fragezeichen im Artikel – so bin ich für weitere Hinweise und Infos zur Konrad-Zuse-Tour dankbar.

Aber eines bleibt lebendig – die Tour war ein wunderschönes Erlebnis. Sie hat allen Beteiligten viel Freude beschert und so Mut gemacht für weitere Unternehmungen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. Januar 2016

Kreative Zeiten

TAL_38631986.
Landtagswahl in Bayern.

Die InterFace Connection war schon so richtig auf Erfolgskurs. Das haben wir intensiv gefeiert und deshalb einen richtigen Betriebsausflug gemacht. Drei Tage sind wir quer durch Bayern geradelt. Es war die zweite Etappe unserer Konrad-Zuse-Radtour, die uns nach Hünfeld, dem Wohnort des Konrad Zuse führen sollte.

Die Tour fand in der ersten Oktoberwoche statt. Am darauf folgenden Wochenende (12. Oktober 1986) fanden Wahlen zum 11. Bayerischen Landtag statt. In Stadt und Land, in jedem Dorf, überall hingen wahnsinnig viele Wahlplakate, mit Botschaften, die meistens das Gegenteil von intelligent waren. Das war so schlimm, dass es ab und zu weh getan hat.

Am zweiten Tag der Tour fuhren wir mit den Radeln um eine Ecke und bogen in eine wunderschöne Allee ein. Und an allen Alleebäumen hingen die abgebildeten Plakate: wählt InterFace. Die Aktion hat die eh schon gute Stimmung in unserer Truppe noch weiter verbessert.

Hartmut Streppel, ein lieber Freund, der damals für InterFace Computer gearbeitet hat,  fand das so beeindruckend, dass er zwei von den Plakaten mitgenommen – oder hinterher im Büro von MSV abgestaubt hat. Und die hat der Hartmut jetzt nach fast 30 Jahren wieder gefunden und will sie uns schenken. Da der MSV diese Plakate in Auftrag gegeben hat, bin ich mir sicher, dass sie von einem ganz berühmten Graphiker waren. So war das damals bei InterFace.

MSV – das war Maximilian Schulze-Vorberg. Gemeinsam mit Dr. Peter Schnupp war er Begründer der InterFace-Idee. MSV war unser kreativer Kopf und hatte laufend solche Ideen, von denen wir viele dann auch umgesetzt haben …

😉 Ja die guten alten Zeiten …

RMD

Leider enthält der Artikel historische Fehler. Hier geht es zum UPDATE: Kreative Zeiten

 

CLOU/HIT in der InterFace Connection

Oder:

Wie Wolf und ich es dann selber machten.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

if-logoProjekt 4

Jetzt kommt die Geschichte zum vierten Projekt:

Schon vor 1983 hatte ich keine Lust mehr, für andere zu arbeiten. Ich war damals noch bei Softlab. Dort konnte ich mein einseitiges Wissen – es bestand bis auf ein wenig SNA (IBM) überwiegend aus Siemens-Technologie – erweitern und lernte weitere IBM-Technologien aber vor allem auch die Technik von verschiedenen Systemen der „Mittleren Datentechnik“ kennen.

Das waren Maschinen, die je nach Speicherausbau aus zwei bis drei Teilen groß wie Bosch-Kühlschränke bestanden. Also viel kleiner und auch einfacher als Mainframe. Die waren damals groß in Mode und so gab es zuhauf europäische und nicht-europäische Wettbewerber mit mit unterschiedlicher und oft sehr proprietärer Technik. Kienzle und Nixdorf waren bei diesen aufstrebenden MDT-Unternehmen auch dabei und damals wurde allein in einer Stadt wie München ein und dieselbe Branchen-Software von verschiedenen Unternehmen parallel für verschiedene Technologien entwickelt.

Softlab war mit Sicherheit damals eines der innovativsten deutschen „Software-Häuser“. Sie hatten auch ein proprietäres System, das berühmte PET-Maestro. Für mich war das das erste System ohne den Frust des permanenten Datenverlusts, den das Pet-Maestro arbeitete auch schon zeichenweise – und jedes Zeichen wurde sofort auf die Platte geschrieben. Bei Reset erfolgte so immer ein aktueller Warmstart – und nichts war futsch! Es war eine Erlösung, das Zittern vor Datenverlust beim Arbeiten zum Beispiel mit EDT oder EDOR war vorbei.

Auch sonst lernte ich bei Softlab viel Neues. Aber auch im kaufmännischen Bereich: Wie man Angebote möglichst risikofrei formuliert, wie man mit den VB’s der großen Unternehmen (Bull, ICL, IBM, Nixdorf, Siemens) klüngelt (ohne die großen ging es damals schon nicht) oder – und wie man Studien schreibt. So wurde ich zum Papiertiger (das hat nichts mit paper tiger, der namhaften freien chinesischen Theaterbewegung zu tun). Und damals war es schon so, dass man als Papiertiger (noch) bessere Stundensätze bekam denn als Programmierer. So weiter gestärkt, wollte ich es selber machen. Alleine traute ich mich nicht. Also ging ich auf Partnersuche. In meinen Kreisen suchte und identifizierte ich Menschen, die mir sympathisch und fähig vorkamen. Und die vielleicht auch gründen wollten. Da gab es einige. Aber immer wieder klappte es nicht.

Bis der Wolf (Geldmacher) kam. Wolf war deutlich jünger als ich. Er war fachlich Spitze. Und wir sahen die Dinge ähnlich. Das soll heißen, dass sich unsere Werte, Erwartung, Interessen und Bedürfnisse gegenseitig sehr gut ergänzt haben. Ich war so mehr der Old-Style-Programmierer – und der Wolf hatte die Ahnung, von allem was in der IT modern und neu war. Und Wolf war absolut der Qualität verpflichtet. Und wenn einer Menschenverstand hatte, dann war es der Wolf. Und das sind wohl die wichtigsten Dinge: Fachliche Ahnung, Menschenverstand und Qualitätsbewusstsein. Dann muss man nur noch ein netter Kerl sein …

So gründeten wir in Kurzform die InterFace Connection. Die InterFace hat Peter Schnupp auf uns vererbt, die „Connection“ war unser Begriff. Das wollten wir gemeinsam mit unseren zukünftigen Mitarbeitern sein, eine „Connection“, die zusammen hält und gemeinsam erfolgreich wird. So gründeten wir 1983 das Unternehmen und starteten am 1. April 1984 das Geschäft.

Das Projekt von dem ich berichte, ist aber nicht das Unternehmen, sondern die Entwicklung unseres Produkts. Und ein Produkt wollten Wolf und ich aus zwei Gründen haben: Zum einen waren wir überzeugt, dass ein Produkt etwas ist, auf das man stolz sein kann. Dass ein Produkt eine Identität schafft. Und dass ein Produkt besser skalierbar ist, als Dienstleistung.

Außerdem gaben wir dem damals sehr gut funktionierenden „Body Leasing“ keine Zukunft. Wir glaubten nämlich noch an die Gesetze, und uns war als Gründer ziemlich klar, dass die übliche Form von Body Leasing genau das schon damals war, das dem AÜG folgend ganz einfach ungesetzlich war.

Schnell war uns klar, dass damals Unix die richtige Basis für zukünftige Produkte wäre. Wir waren uns auch rasch einig, dass ein auf Unix so ziemlich alles fehlte, was man für die Nutzung von Rechnern bei Unternehmen bräuchte. Und dass da ganz besonders ein Textsystem fehlen würde. Und dass man auf Unix mit seinen neuen Datensichtgeräten (im raw oder cooked mode) und gerade mit der Sprache c zuerst mal eine komfortable Schreibmaschine relativ zügig entwickeln können müsse.

Weil wir vor der Herstellung und dem erfolgreichen Vermarkten eines Produktes großen Respekt hatten, begannen wir die Entwicklung des Produktes in Kooporation mit InterFace Computer. Wir hatten sehr schnell einen kleinen Erfolg im Umfeld von SINIX (dem Unix von Siemens) und so verlagerte sich die Entwicklung zu uns und InterFace Computer übernahm die Portierungen wie auch den Vertrieb im „Restmarkt“.

Und wir hatten ganz schnell ein zweistelliges Team von ganz jungen Leuten. Das waren in der Regel Studenten. Sie mussten programmieren können und sympathisch sein. Und trotz der Doppelbelastung Arbeit und Studium zweiteres durchziehen. Alles andere war uns egal.

Da Wolf und ich (gemeinsam mit ein paar jungen fest angestellten Informatikern mit akademischen Abschluss durch besagtes Bodyleasing (mit Stundensätzen zwischen 150 – 120 DM) die Entwicklung finanzierten, waren die jungen Menschen ziemlich frei. Gesteuert wurden sie von unserer „Assistentin“ Heidi (Kaindl). Die Heidi hatte die Jungs gut im Griff und passte gut auf, dass die auch arbeiteten. Wolf und ich waren nur in kurzen Meetings mit den Jungens zusammen (bald nach der Gründung kamen dann auch Frauen dazu).

Der Wolf hatte damals die Rolle eines SCRUM-Masters und mehr (obwohl es damals SCRUN noch lange nicht gab. Er erklärte dem Team, was Qualität wäre. Und dass sie die Qualität eben nicht für unsere Endkunden, nicht für unsere Vertriebspartner für Siemens und auch nicht für die InterFace Connection machen würden, sondern zuerst mal als ehrliche Programmierer für sich. Und Wolf hatte hohe Ansprüche und war streng. Wenn jemand nicht fähig oder willens war, die Qualität zu bringen, gab es keine Zukunft bei der „Connection“. Wolf beschützte aber auch das Team, wenn z.B. ich auf Ressourcen spechtete. Und setzte auch die notwendigen Investitionen durch.

Meine Aufgabe war vielleicht die des Product Owners. Zumindest am Anfang. Ich musste als Jugendlicher Stenographie und Schreibmaschine schreiben lernen. Stenographie habe ich geliebt, es ist eine wunderschöne Art zu schreiben. Weil es nicht gegen die Hand geht, wie die normale Schreibschrift. Aber die Schreibmaschine haßte ich. Und ich wusste genau, wie eine gute Editier-Maschine aussehen musste. Das hatte ich dann auch in Gründerzeiten aufgeschrieben.

Wie es komplizierter wurde und z.B. CLOU mit seiner „embedded sql“ dazu kam, gab ich die Rolle des Product-Owners an unsere Kunden ab. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn die Kunden konnten uns tatsächlich sagen, wie sic sich eine automatisierte Bausteinverarbeitung vorstellten. Und haben uns den weiteren Weg gewiesen.

Eine Regel war, dass alle Mitarbeiter – bis auf Heidi – programmieren konnten. Die Heidi war unsere erste und wichtigste Kundin. Sobald die erste Version von HIT verfügbar waren, haben wir ihr den „vi“ und die für Bürobetrieb geschriebenen „nroff-makros“ weggenommen, und sie musste mit HIT arbeiten – sehr übrigens zu ihrem Unwillen. Den so schlecht war die vi-Lösung nicht. Später hat sie dann aber trotzdem ihren HIT lieben gelernt. Wen wundert es, sie hat ihn ja auch mit gebaut!

Alle anderen Kollegen im HIT-Team mussten „hands-on“ legen können. D.h. jeder musste programmieren, Fehler suchen und vor allem „co-working“ (Team-Arbeit) können.

Wir benutzen ganz früh Werkzeuge, lange bevor diese in den breiten Einsatz kamen. Aber nur sinnvolle wie „lint“ zur Kontrolle der Qualtitiät unseres Codes oder „sccs“ für die Source-Code-Verwaltung. Ich bin mir sicher, das wir immer wieder die ersten in München waren. Auch einen „tracker“ und automatischen „built“ hatten wir früher als fast alle anderen. Aber nie gab es eine Planungssoftware. Wie wir auch „bürocrazy“ nach Kräften mieden.

So waren alle im Projekt Programmierer. Die tatsächlich unter sich absprachen, wer was entwickelte. Es waren sehr verschiedene Typen dabei. Es gab auch den Wunderprogrammierer, nicht nur scherzhaft „Gott“ genannt. Die erste Regel war aber, dass es ein Team ist. Dass jeder für jeden da ist. Es galt immer, „einer für alle, alle für einen“. Nie wurde jemand im Stich gelassen. Und wenn man nicht mehr weiter wusste, hat man sich an seinen Kollegen gewendet. Es gab so kein explizites pair-programming, weil dies selbstverständlich war und quasi automatisch funktionierte. So gab es immer mehrere, die sich auch in den Sourcen der Kollegen aus kannten. Das war wie ein überlappendes System, das irgendwie ganz von selbst ohne viel Worte funktionierte.

Natürlich hatten wir ein komplizierte System in Entwicklung mit unheimlich vielen Modulen, Schnittstellen, Werkzeugen, APIs …. In der Summe entstand eine riesige Anzahl von lines of code. Es gab Module wie für die Virtualisierung von Keyboards, Teminals oder Drucker. Wir hatten den ersten National Language Support entwickelt, der dann in die UNIX-Implementierung von X-Open einging. Wir hatten komplizierte und gefürchtete Module und langweilige. Ab und zu mussten wir Fehler den von uns genutzten Compilern finden.

Das Team hat immer unter sich ausgemacht, wer welche Aufgabe anpackt. Unsere Werkbank – meistens aufgebaut auf OpenSource-Komponenten zur Source-Code-Verwaltung, für den Built und den teilweise automatisierten Test, für die Portierung auf die vielen Zielsysteme, die die Unix-Welt damals anbot, alles war Teil des Projekts. Das ging hin zur Produktion der im Quartals-Rhytmus erscheinenden Kundenzeitung, HITNews, von Fachliteratur, der Konzeption der Kurse. Alles wurde im Team gemacht, jeder brachte sein bestes ein.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal Situationen, wo vielleicht der eine oder andere überfordert war. Weil er noch nicht die Erfahrung hatte oder er die Aufgabe einfach unterschätzt hatte. Aber dann hat ihm ein Kollege ihm geholfen. Immer gab es den richtigen. Und wenn es notwendig war, dann kam eben „Gott“.

Natürlich hatten wir verschiedene Rollen in den Teams. Jeder war ein Projekt Manager und für die zugesagten Termine verantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger. Jeder war Quality Manager, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich gab es so etwas, wie einen ersten Ansprechpartner für unsere Kunden und unsere Partner. Der wurde gemeinsam bestimmt („wer kann es am besten machen“), er ist aber als Programmierer im Team geblieben. Aber im Prinzip hat jeder Entwickler die Fragen der Kunden beantwortet. Da die einfach bei uns ins Büro rein kamen. Die zentrale Klingel erklang, Und wer zuerst ans Telefon ging, hatte den Kunden in der Leitung.

Natürlich gab es Kollegen, die sich mehr um die Integration, die Planung, die Konfiguration und Built-Thematik, das Manual … gekümmert haben. Aber alle waren immer voll fachlich im Team drin.

Aber alle haben immer weiter programmiert. Und immer für Qualität gesorgt. Zum Beispiel weil sie automatische Testumgebungen einfach als Teil des Projektes gebaut haben. Es war eine total geteilte Verantwortung.

Mit dem Erfolg haben wir Lehrer für unser Produkt HIT/CLOU gebraucht. Die ersten Jahre haben alle Entwickler unsere sämtlichen Schulungen gehalten. Sie haben genauso die Kurse für Endnutzer wie Fachanwender, Systemleute und Programmierer. Selbst die zentralen Leute wie Friedrich Lehn, der „Vater“ des CLOU, hat Kurse gehalten und Anfängern das Programmieren mit CLOU beigebracht.

Gelegentlich hat das den Entwicklern nicht gefallen. Das Entwickeln wäre doch viel wichtiger. Aber die Kurse liefen gut (weil die Kollegen eben wussten, von was sie redeten und das manche „didaktische“ Schwäche mehr als ausgeglichen hat). Das tolle war aber, dass unsere Kollegen so immer erlebt haben, was der Kunde eigentlich will und braucht! So wurde der Kunde im Gesamt zum „Product Owner“.

Die Kollegen sind aufgrund dieser interdisziplinären Aufgaben fachlich und menschlich in einem enormen Tempo gewachsen – menschlich wie fachlich aber auch vertrieblich. Es war oft unglaublich, wie junge Studenten schon innerhalb wenigen Monaten zu selbstbewussten Experten wurden.

Ohne es zu formulieren, hatten wir schon damals im Team verstanden, dass es darum geht, alle Menschen im Team und im Unternehmen größer und nicht kleiner zu machen. Und an allen Dingen zu beteiligen und partizipieren. Wir haben gewusst, dass wir uns sehr hohe Ziele, oft kühne Ziele setzen mussten, sonst hätten wir das Produkt nie gestemmt. Aber uns war auch klar, wie wichtig es gerade dann ist, eine starke Fehlertoleranz zu leben. Dass nie der Kollege im Team oder der Kunde der Feind oder Gegner sein darf, sondern nur die zu lösende Herausforderung oder die Widrigkeit der Umstände.

Wolf und ich waren das „Management“. Wir waren aber mehr wie Besucher in unserem Unternehmen. Nach 8 – 10 Stunden am Tag Beratungszeit beim Kunden haben wir uns bei unseren „Mitarbeitern“ zu Hause im Büro ausgeruht. Die waren alle unsere Freunde, da haben wir uns wohl gefühlt. Und die Kollegen haben uns gezeigt, was sie wieder alles tolles geschaffen hatten. Wir haben unsere Rückmeldungen gegeben und sind dann wieder in den nächsten Beratungstag verschwunden.

Und immer wenn wieder ein schönes Ergebnis erreicht wurde, haben wir alle gemeinsam gefeiert. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben damals soviel gelernt. Auch wie oft das normale und konservative Denken Blödsinn ist. Zum Beispiel wollte ich unseren Kunden immer Termintreue bieten. Und musste Lernen, dass das Unsinn war.

Denn wenn Du wirklich Innovatives schaffen willst, lernst Du immer wieder, dass Termine keinen Sinn machen. Es funktioniert einfach nicht. Wenn der Termin einfach nicht gehalten werden kann, dann geht es nur darum, dass die Kommunikation klappt und man Lösungen findet, wie man den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird. Denn wenn alle an einem Strick ziehen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, gibt es immer eine Lösung – und siehe da, es geht immer.

Ich höre schon die Einrede:
Na ja das mag ja bei einem kleinen Projekt gehen? Aber bei einem großen?

Klar waren wir eher weniger als 50 Menschen. Aber genau die gleichen Projekt sind nicht nur bei einem Großkonzern gescheitert. Dort wurden dann oft fünf mal so viele oder noch mehr Menschen eingesetzt. Teure, erfahrene, hochqualifizierte. Und es hat nicht funktioniert.

Ich meine, es geht so auch in großen und sehr großen Projekten, wenn viele solche tollen Teams vernetzt und im good will vereint zusammenarbeiten.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 7. November 2015

Retrospektive der eigenen Gründung von 1983

logo-HITAuf der Suche nach dem HIT-Logo bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Er beruht auf einem Interview, dass ich im August 2014 gegeben habe. War wohl im Rahmen irgend eines der (unübersichtlich) vielen öffentlich geförderten Mittelstands- und Gründungswettbewerbe. Eben so eine der vielen Förderungskisten. Den Namen des Redakteurs / Ansprechpartners weiß ich auch nicht mehr.

Der Artikel ist erschienen im:

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Die Kernaussage des Artikel ist:

Meine eigene Gründung ging gut, weil viele notwendige Voraussetzungen erfüllt waren. Die wir aber nicht à priori rational geplant sondern erst à posterio erkannt haben.

Es ist ein persönlicher Bericht zur Gründung der InterFace AG. Ich veröffentliche ihn leicht modifiziert in IF-Blog.de, weil er ein Teil meiner persönlichen Geschichte ist. Ich möchte jungen Gründern Mut machen und schon mal auf meinen fast fertigen „vierten Beitrag in meiner Serie „Vintage Projekt Management“ einstimmen, der bald erscheinen wird. Hier der Text:

Seit Beginn der 80iger hat mich die Selbstständigkeit gelockt. Zum einen, weil ich (wie auch bei vielen mir bekannten Gründer von heute) ein Unternehmen eigenverantwortlich mitbestimmen und so auch mehr Freude an der Arbeit haben wollte, zum anderen, weil ich mehr Geld verdienen wollte. Ein Argument, dass erstaunlicherweise für viele der mir bekannten heutigen Gründer gar nicht mehr so wichtig ist – vielleicht weil die Einengung an vielen Arbeitsplätzen erdrückender wie früher geworden ist und viele Menschen nicht mehr bereit sind, für die Karriere ihr Privatleben zu opfern.

Für den Start habe ich schon Ende 1982 den „idealen Partner“ gesucht (nicht die „ideale Geschäftsidee“, weil ich damals schon der Meinung war, dass es diese nicht gibt). Auch den „idealen Partner“ zu finden war nicht leicht, aber glücklicherweise habe ich nach einem guten Jahr Wolf Geldmacher getroffen.

Er brachte große unternehmerische Kraft mit und war genauso wie ich bodenständig verortet. Mit Wolf ging die Gründung der „InterFace Connection Gesellschaft für Datenfernverarbeitung und Entwicklung von Software mbH“, dem Vorgänger der InterFace AG, schnell. Unser Thema war IT und Unix. Auf dem damals „neuen“ Unix wollten wir ein erfolgreiches Produkt bauen. Ein Produkt war uns wichtig, gingen wir doch davon aus, dass Dienstleistung nicht zu skalieren ist. Auch waren wir schon 1983 (vor der Gründung in 1984) in Sorge, ob Body-Leasing ein Geschäft von Dauer sein würde. Bei strenger Auslegung schien uns schon damals, dass das Geschäft mit Body Leasing („Arbeitskräfte-Überlassung“ AÜG) sich zumindest in einer gesetzlichen Grauzone befand.

So war klar, dass wir ein Produkt bauen wollten. Nach verschiedenen Ideen (Datenbank, Vernetzung …) hatten wir uns ein bürotaugliches Schreibsystem auf Unix entschieden. Als Namen haben wir ihm das gegeben, was es werden sollte, nämlich ein HIT. Aus heutiger Sicht ist uns da ein kühnes Unterfangen gelungen. Schon nach wenigen Jahren waren wir das mit Abstand erfolgreichste Textsystem auf Unix in Europa. Es war wie ein Traum!

In der Retrospektive habe ich Menschen und wesentliche Voraussetzungen oder Ereignisse gefunden, ohne die es nie geklappt hätte. Wir waren einfach zum richtigen Zeitpunkt unterwegs und hatten unheimlich viel Glück, dass vieles gepasst hat.

Das Gespann „Wolf & Roland“
Wir haben schon Anfang der 80iger Jahre beide an „agil, lean und open“ geglaubt. Wir waren für Selbstorganisation und Selbstbestimmung, haben unsere Ideen und unseren Anspruch formuliert und unsere Teams machen lassen. Das alles in großer Gemeinsamkeit.

Notwendige „Skills“
Meine Eltern hatten es 1960 geschafft, mich in Augsburg von der Wittelsbacher Volksschule auf die wirtschaftswissenschaftliche Oberrealschule Jakob Fugger zu bringen. Das war kein leichtes Unterfangen. Später wurde diese Erziehungsanstalt dann zum „wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ umbenannt (bis 1960 war es noch eine Handelsschule). Die Fächer Buchführung und BWL, die ich am “wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium” gelernt habe, waren für die Gründung durchaus nützlich, aber nicht zwingend notwendig. Was ich an der TUM in Informatik gelernt habe, war praktisch auch nicht verwertbar. Programmieren habe ich als Werkstudent bei Siemens gelernt. Im Labor bei Siemens habe ich Teamarbeit gelernt, im Vertrieb bei Siemens Kommunikation und bei Softlab das Geschäft.

“Die Methode“
Für die SW-Entwicklung hatten wir eine private Methode erfunden und gelebt, die ähnlich dem ist, was man heute SCRUM nennt. Wolf war der „SCRUM-Master“ (und mehr). Er war für die Technologie und die Menschen zuständig. Er hat die Kollegen zur Qualität gebracht und ihnen klar gemacht, dass sie Qualität leben und geben müssen, dies zu aller erst für sich selbst. Und ich war so etwas wie der „Product Owner“ und kaufmännische Leiter.

An unserem Erfolg haben ein paar Menschen beigetragen, bei denen ich mich ganz ganz sehr bedanken möchte:

Anton Böck
Stenografie und Schreibmaschine waren am Jacob Fugger bis 1960 Pflichtfach, zu meiner Zeit dann Wahlfach. Mein Vater zwang mich beides zu lernen, weil er die beiden Techniken als wichtigen Vorteil im Kampf des beruflichen Lebens bewertet hat.

Anton Böck war mein Lehrer in diesen Wahlfächern. In Steno war ich recht gut. Wenn ich zu Hause zum Lernen verurteilt war, habe ich an meinem Schreibtisch stundenlang Steno gemalt. Für mich war das wie Kaligraphie, wunderschön. Und meine Eltern haben geglaubt, ich würde lernen. In Wahrheit habe ich mich aber in so eine Art „meditatives Malen“ undso in meine Träume geflüchtet.

Herr Böck war ein strenger Lehrer und hat mich gemocht, auch weil ich ein Spitzenstenograf wurde. Er hat mich aber auch auf die Schreibmaschine gezwungen. Die Schreibmaschine habe ich gehasst und ich habe deshalb schon mit 16 davon geträumt, wie eine „schöne“ und „liebe“ Schreibmaschine funktionieren müsste. Es klingt vielleicht ein wenig lächerlich, aber ich bin mir sicher, ohne diese meine frühe negative Erfahrung mit dem Generieren von Text hätte die InterFace Connection nie  ein Textsystem entwickelt und wäre so nie zu einem doch relativ erfolgreichen Produktunternehmen geworden.

Hans Strack-Zimmermann
Hans war mein Mentor und der Mann, der UNIX in Europa und bei Siemens (hier unter dem Markennamen Sinix) groß gemacht hat. Ich hat mich mit seiner Vision begeistert und er hat an unser Team geglaubt. Und er hat uns kräftig geholfen. So hat der Erfolg uns Recht gegeben.

Dr. Peter Schnupp

Peter war IT-Pionier der zweiten Generation (ich sehe die Generation Zuse als die erste und mich als Teil der dritten). Als Unternehmer (der Gründer von Softlab), IT-Experte, Kolumnen-Schreiber in der Computer-Woche und aufgrund weiterer Aktivitäten war er bekannt und hatte als Experte einen sehr guten Ruf.

Peter gelang es, für uns die strategische Entscheiderin einer Großbehörde zu überzeugen, dass die Zukunft der IT auf UNIX basieren würde und es da ein tolles lokales Produkt für Text gäbe.

Ohne diesen Glücksfall wäre das Projekt CLOU/HIT nie erfolgreich geworden.

Meine Projekte
Schon als junger SW-Entwickler bei der Siemens AG hatte ich in der Mitte der siebziger Jahre eine tolle Aufgabe. Im Rahmen der Entwicklung von Transdata habe ich das „Connection Handling“ entwickelt und an der Entwicklung von „APS“ (Anwender-Programmier-Sprache) mitgearbeitet. „Connection Handling“ ist von zentraler Bedeutung bei „Datenfernübertragung“, wie es damals hieß. Mit APS war es möglich, Verarbeitungsleistung schon in lokalen „Datenstationsrechner“ (Betriebssystem PDN) auszulagern und so erstmals das zentrische Prinzip der Main Frames zu durchbrechen.

Mit diesem „Herrschaftswissen“ konnte ich mich sehr schnell bei Großprojekten profilieren und wechselte dann ganz logisch zu einer Abteilung „Sonderprojekte Vertrieb“ bei der Siemens AG. Dort war mein wichtigstes Projekt DISPOL, ein zentrales Projekt der bayerischen Polizei, da sich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre die Aufgabe gestellt hatte den Aktenschrank (Daten), die Schreibmaschine (Dokumente) und den Fernschreiber (Kommunikation !) durch die Einführung von EDV abzulösen.

Dieses Projekt habe ich bis zur Gründung begleitet und verstanden, wie Markt und Kunden, besonders bei Behörden ticken.

Ohne diese Vorgeschichte wäre HIT/CLOU niemals ein erfolgreiches Produkt geworden.

Die Menschen bei InterFace
Wir haben für die Produktentwicklung ganz jungen Menschen eingestellt, die oft noch als Studenten zu uns kamen. Und es waren (fast) immer die richtigen. In rasanten Tempo haben diese Menschen sich zu zentralen Leistungsträgern entwickelt und eine hohe Verantwortung übernommen.

Richtige Prinzipien
Ergänzend zur Produktentwicklung hat sich wie zufällig eine qualifizierte Beratung und Zusammenarbeit mit Siemens im Bereich „Unix-Betriebsystem“ entwickelt. Wir saßen fachlich an der Quelle und haben bei unserem Betriebssystem-Partner vieles gelernt, das uns sehr geholfen hat. So haben wir früh Werkzeuge genutzt, die in Europa noch gar nicht verbreitet waren. Und viel Neues geschaffen, wie den “National Language Support (NSL), der dann sogar in XOPEN aufgenommen und Basis aller Unix-Systeme wurde.

Wir haben Methoden angewendet (oder besser intuitiv erfunden) wie das 4-Augenprinzip beim Programmieren, peer2peer-Reviews, „extreme programming“, Entwickler-Rotation und manches mehr. Das waren Methoden, die es damals noch gar nicht gab bzw. uns nicht bekannt waren. Aber es war einfach sinnfällig, es so zu machen. Das brachte uns aber mehr als wesentliche Vorteile betreffend Entwicklungsgeschwindigkeit, Anwenderorientierung und Qualität.

Unsere Entwickler hatten immer direkten Kundenkontakt. So haben unsere Entwickler die HIT-Schulungen für die Endkunden selbst gehalten und so die Kundenwünsche verstanden. All das hat wesentlich zur Güte des Produktes beigetragen.

Finanzierung
Die Schwierigkeit unseres Vorhabens war uns bewusst. So haben wir in der ersten Phase der Grundentwicklung uns den Aufwand mit IF-Computer geteilt. Für die zweite Phase der Vermarktung hatten wir eine Aufgabenteilung vorgesehen. Die InterFace Connection hat das Produkt weiterentwickelt und den Groß-Kunden Siemens betreut. InterFace Computer hat die Portierungen auf die vielen anderen Unix-Systeme und den Vertrieb für weitere Hardware-Hersteller und Partner übernommen bis dann die InterFace Connection das Gesamtthema übernommen hat.

Die Entwicklung eines Produktes brauchte eine kräftige „man power“. Und Menschen kosten Geld. In 1984 und dem folgenden Jahr lösten wir das auf eine einfache Art und Weise. Wolf Geldmacher und ich verdingten uns als Berater. Um Produkt und Team kümmerten wir uns an den Abenden und bei Bedarf Samstagen.

Als Berater hatten wir einen Stundensatz von 150,- DM. Das war herausragend und nur durchzusetzen, weil amerikanische Consultant mit vergleichbarem Know-how deutlich teurer waren.

Jetzt kann man mal einfach rechnen: Ein guter Monat bringt 200 Mannstunden (wir waren sehr fleißig). Mit 150,- DM multipliziert waren das schlappe 30.000 DM in guten Monaten. Bei unserem Gehalt damals von 5.000 DM, brutto als so um die 6.000 blieben 18.000 für Hardware, die Heidi (unsere Assistentin, die von Anfang an dabei war) und unsere Studenten, die Produktentwickler.

Schon wenige Monate nach der Gründung am 1. April 1984 konnten wir noch ein paar junge Informatiker für uns gewinnen und die sofort als Consultant einsetzen. Diese erbrachten Überschüsse in ähnlicher Höhe, die wir auch komplett für die Produktentwicklung eingesetzt haben. Und ab Ende 1985 hat dann das Produkt für schnell steigende Deckungsbeiträge gesorgt.

Die Ereignisse
Es gab weiter eine Reihe von glücklichen Umständen, die uns sehr geholfen haben.

So hatte Siemens ein sehr großes Projekt gestartet mit dem Ziel der Entwicklung eines eigenen Textsystems für BS 2000 und Unix. Obwohl diese Projekte mit einer Personalstärke besetzt waren, die eine mehrfacher Kopfstärke hatte als unser Entwicklungsteam und auch die Entwickler in den Siemens-Projekten alle gestandene SW-Entwickler waren, kamen diese Projekte nie auf einen grünen Zweig und sind dann mehr oder weniger komplett gescheitert.

Der Konzern Siemens brauchte aber solche Software für seine Ziele und musste bei zwei Lieferanten in Lizenz zu kaufen – einer davon waren wir. So wurden wir auf Unix der Lieferant und Lizenzgeber des damaligen Marktführers in Deutschland.
Das „technische“ Zeitfenster war auf unserer Seite: Unix löste damals die zahlreichen verschiedenen Rechnersysteme der „mittleren Datentechnik“ MDT ab. Wir kamen mit unserem Produkt HIT genau zum richtigen Zeitpunkt .

Es war auch die Zeit, in der sich der Einsatz von Datenbanken stark verbreiterte. Brandneu wurde SQL als „query language“ auf natürlicher Sprachbasis definiert. Es gab sogar eine deutsche Fassung von SQL! Was lag näher als die HIT ergänzende 4GL (Programmiersprache der 4. Generation) CLOU zur Programmierung von Textbausteinen um eine „embedded SQL“ zu erweitern, die es plötzlich möglich machte während des Ablaufs des Baustein-Programms dynamisch generierte Abfragen an eine Datenbank zu senden und die gefunden Daten dann automatisch bei der Dokument-Erstellung zu nutzen. Das war eine richtige Sensation, die auch genau zum richtigen Zeitpunkt kam.

Viel Glück und nur ein wenig Pech
Der Mut einer großen Bundesbehörde, auf eine völlig neue Technologie eines ganz kleinen Herstellers zu setzen, war sicher etwas besonderes. Eine wunderbare Marktentwicklung zu Gunsten von UNIX. Zahlreiche weitere mutige und für uns glückliche Kundenentscheidungen. Ein Super-Team …

Es gab auch Probleme
Die Beschaffung von Hardware für die Entwicklung war sündteuer. Schon 1985 mussten wir eine MX500 erwerben – die damals einen Listenpreis von über 300.000 DM hatte. Das war für uns unvorstellbar viel Geld. Es war aber klar, dass wir ohne dieses System die notwendige Entwicklungsgeschwindigkeit nicht schaffen würden. Schon zwei Jahre später gehörte diese Maschine zum alten Eisen, wir entwickelten auf SUNs, und über Nacht kamen neue schnelle PC’s mit diversen Unix-Varianten, die dann auch deutlich billiger waren.

InterFace Computer fiel aus, die strategische Kooperation funktionierte nicht mehr. So waren wir gezwungen, die Rechte am Produkt zu kaufen. Das war eine hohe Investitions und schwere Entscheidung, die sich aber im Nachhinein bezahlt gemacht hat.

Weitere notwendige Voraussetzungen

Es gibt da sicher noch mehr Ursachen, Zufälligkeiten, ohne die das Unternehmen HIT/CLOU gescheitert wäre. Zum Teil Dinge, die ich gar nicht mehr weiß oder mir so nicht bewusst sind. Aber ohne all das Beschriebene hätte es zumindest die InterFace Connection als Hersteller von HIT/CLOU nicht gegeben. Viele besondere Umstand und Zufälle haben zusammen bewirkt, dass es so gut geklappt hat.

Mit diesem Artikel möchte ich am eigenen Beispiel zeigen, dass viele Bedingungen erfüllt sein müssen, um Erfolg zu haben. Und das diese Dinge nicht geplant werden können. Das soll auch den (vernünftigen) Mut zu Lücke fördern, aber auch zeigen, dass gründen nicht so ganz einfach ist und ein pragmatischer Ansatz von herausragender Bedeutung ist.

RMD

Gestern war unsere Weihnachtsfeier. Wir hatten ein volles Haus und tolle Musik. Im Trubel wollte ich die vorbereitete Weihnachtsrede nicht komplett halten und habe nur vom Start der InterFace in 1984 berichtet. Hier die nicht gehaltene Rede in vollem Umfang:

"Mein Leben nach InterFace ?"

„?? Mein Leben nach InterFace ??“

2014 ist/war für mich das letzte Jahr als Vorstand der InterFace AG. So ist dies heute meine letzte Ansprache.

Auf all die Jahre bei InterFace blicke ich gerne zurück, auch auf das Letzte. Obwohl dies sicher nicht das einfachste unserer Geschichte war.

Begonnen hat es Anfang der 80iger Jahre. Wolf Geldmacher und ich hatten uns gefunden und planten 1983 ein Unternehmen zu gründen. Im April 1984 gingen wir nach intensiver Vorbereitung an den Start.

Es war die “InterFace Connection Gesellschaft für Kommunikationssoftware und Datenverarbeitung mbH”.

Wir wussten, dass der Erfolg eines Unternehmens auf drei Voraussetzungen basiert:
“Nutzen stiften”
Unsere Dienstleistungen und Produkte soll der Markt brauchen.
“Bedürfnisse befriedigen”
Die Menschen im Unternehmen müssen mit Mut und Freude arbeiten können.
“Sinn ermöglichen”
Wir alle müssen unserer Arbeit einen Sinn geben können.

Vor mehr als 30 Jahren sind wir im Umfeld UNIX mit der Entwicklung unseres Textsystemes HIT-CLOU gestartet! Und das war ein Volltreffer, alle Menschen im Unternehmen folgten unserem Stern! Nur so konnten wir mit unserem kleinen Team ein großes Wunder vollbringen. Schnell ging es steil bergauf. Ich möchte ich an dieser Stelle ganz besonders die Kollegen der ersten Stunde begrüßen.

Auch nach dem Ausscheiden von Wolf sind wir unserem Leitstern gefolgt. Das war nicht einfach. So ein Stern verschwindet mal hinter den Wolken oder hinter einem Berg. Ab und zu kommt man in den Wald und muss weitergehen, ohne den Himmel zu sehen. Oder der gerade Weg ist versperrt und ein Umwege muss gegangen werden.

Im Lauf der Jahrzehnte ist die InterFace gewachsen. Menschen kamen und gingen. Aufgaben und Geschäftsmodelle haben sich verändert. Die Umwelt wirkte auf das Unternehmen kräftig ein. Die InterFace als (öko-)soziales System wird von Menschen gestaltet. Über all wo Menschen zusammen kommen, “menschelt” es. Systeme verselbständigen sich auch gerne. Auch wenn es nicht immer einfach war, aber wir haben das „System InterFace“ immer wieder auf Kurs gebracht.

Ziemlich genau 15 Jahre nach der Gründung hatten wir bei InterFace schon mal eine vergleichbare Situation. Das war vor 15 Jahren. Es scheint zu sein, das wir alle 15 Jahre in eine Krise geraten und diese überwinden müssen. So wünsche ich mir, dass die nächste Krise erst wieder in 15 Jahren eintreten möge :-). Ganz ohne Krisen geht es im Leben von Menschen wie von Unternehmen wohl nicht.

Vor ein paar Jahren kam die InterFace vom Kurs ab. Nur ein klein wenig und kaum merkbar. Dann ein wenig mehr. Gegen den Willen der Vorstände. Uns ging es wie dem konzentrierten Arbeiter im Zimmer, der nicht merkt, wie es dunkel wird. Und dann überrascht ist, dass die Dämmerung plötzlich da ist und er das Licht einschalten muss.

So fuhr das Schiff immer ein wenig mehr in eine ungewünschte Richtung. Die Ursachen waren nicht so recht erkennbar. In der Retrospektive hierzu gibt es viele verschiedene Erklärungen, die ich hier nicht strapazieren möchte.

Die Fähigkeit zum Handeln ging verloren, Unzufriedenheit machte sich im und um den Vorstand herum breit, Uneinigkeit führte zur Handlungsunfähigkeit, die für das Unternehmen gefährlich hätte werden können. Daran zerbrach der Vorstand in diesem Sommer, der Aufsichtsrat musste sich einschalten und die Folgen kennen wir.

Jetzt gehen wir wieder auf Kurs! Das ist für all die Menschen, die fürs Unternehmen arbeiten wichtig und natürlich auch fürs Unternehmen. Ich mag die InterFace genau dann wenn es ein Unternehmen ist, das folgende Bedingungen so in etwa erfüllt.

  • Alle Menschen können dort ihre verschiedenen Rollen mit Mut und Freude erfüllen.
  • Einen angstfreien Raum anbietet und die Entfaltung von Leben fördert.
  • In seinen Strukturen einfach bleibt und Überregulierung vermeidet.
  • In dem eine Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe gepflegt wird.
  • Die Teams im gemeinsamen Verständnis von Erfolg zusammenarbeiten.
  • In dem jeder seiner Arbeit einen Sinn geben kann.
  • In dem Selbstorganisation gelebt wird.
  • In dem kein hierarchischer Tannenbaum die eigentliche Organisation überdeckt.
  • Das sich vor allem um seine Kunden und Mitarbeiter kümmert und nicht mit sich selbst beschäftigt.
  • Das den richtigen Kompromiss zwischen “Büro-Cracy” und “Holo-Crazy” lebt (und da ist mir persönlich ein wenig mehr “Holy-Cracy” lieber als zu viel “Büro-Cracy”).
  • In dem der gesunde Menschenverstand das Sagen hat.
  • In dem Führung als Dienst gesehen wird und die Führenden sich nicht wie Sonnen-Könige und Fürsten gebärden.
  • In dem Geist und Haltung (Geisteshaltung) stimmen.
  • Das im Sinne von Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet (wie in der Bayerischen Verfassung gefordert).
  • In dem die Gremien des Unternehmens fürs Unternehmen arbeiten (und nicht für persönliche Zwecke benutzt werden).
  • Das den Menschen dient und nicht zum Selbstzweck wird.

Ich kenne viele Unternehmen im IT-Markt und meine, dass wir im Schnitt gut abschneiden – sogar wenn wir mal schwächeln. Dies wird durch Vertrauen ermöglicht. Vertrauen entsteht aber nicht durch Beauftragung von Rechtsanwälten und Schreiben von Verträgen, sondern durch “Ehrliches Handeln”, “vertrauensvolle Zusammenarbeit” und “Offene Kommunikation”. Vertrauen hilft gegen naive Feindbilder und dumme Unterstellungen.

Die Feinde auch der InterFace sind “interne Politik machen”, “Bürokratie mehren” und “Dogmatik anwenden”. Schlimm wird es, wenn das Gemeinsame aus Eigennutz beschädigt wird, gleich ob vorsätzlich oder leichtfertig. Zu all diesen Auswüchsen sage ich mal NO!

Ich verabschiede mich jetzt aus dem Vorstand der InterFace. IHR bleibt dabei und Ihr seid das Unternehmen! Ihr habt es in der Hand. Sorgt dafür dafür, dass wir die erfolgreichen “Champions im Verbund” bleiben! Dann bleibe ich gerne beim Unternehmen und unterstütze Euch aus der Distanz des Aufsichtsrats mit voller Kraft.

Und bitte die (wenigen) von Euch, die es noch nicht verstanden haben, auch daran zu denken, dass man „den Ast, auf dem man sitzt, nicht absägen sollte“.

Meine Themen im AR werden sein:

  • Eine konstruktive Geisteshaltung zu untersützen.
  • Dafür zu sorgen, dass der “Kunde” im Mittelpunkt unseres Denkens bleibt.
  • Sinnkopplung von Leben und Arbeit für alle Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen.
  • Mein Netzwerk für die Zukunft der InterFace AG einzusetzen.
  • Als Aktionär werde ich nachhaltiges Wirtschaften einfordern.

Die IF braucht in Zukunft weniger “institution&constitution”. Vielmehr brauchen wir mehr Intuition, gesunden Menschenverstand und ein klares Commitment aller zu einem modernen, agilen, schlanken und transparenten Unternehmen. Hierzu ein klares GO!

Der Vorstand besteht jetzt aus Dr. Christof Stierlen, Maximilian Buchberger und Paul Schuster. Die drei Kollegen haben mein volles Vertrauen. Ihnen wünsche ich möglichst oft das richtige Händchen und uns allen das gewisse Quentchen Glück, das man im Leben immer so gut brauchen kann.

Vor allem wünsche ich jetzt aber Euch allen – liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Familien, liebe Freunde und liebe Gäste – und der InterFace nur das Beste. Und uns allen heute ein schönes Fest, ein frohes Weihnachten und ein gelingendes neues Jahr 2015.

🙂 Ja – so ist das Leben. 31 Weihnachtsfeiern habe ich für die IF gemacht, 31 Ansprachen gehalten – und jetzt ist das alles vorbei!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. August 2014

Start-up (2) – Die eigene Gründung (1983)

Seit Beginn der 80iger hat mich die Selbstständigkeit gelockt. Zum einen, weil (wie auch bei vielen mir bekannten Gründer von heute) ich ein Unternehmen eigenverantwortlich mitbestimmen und so auch mehr Freude an der Arbeit haben wollte, zum anderen, weil (wie erstaunlicherweise nicht so viele der mir bekannten heutigen Gründer) ich mehr Geld verdienen wollte.

So habe ich den „idealen Partner“ gesucht (nicht die „ideale Geschäftsidee“, weil ich damals schon der Meinung war, dass es diese nicht gibt). Auch den „idealen Partner“ zu finden war nicht leicht, aber glücklicherweise habe ich nach einem guten Jahr Wolf Geldmacher gefunden. Er brachte große unternehmerische Kraft mit und war genauso für Bodenständigkeit ich.

Mit Wolf ging die Gründung der „InterFace Connection Gesellschaft für Datenfernverarbeitung und Entwicklung von Software mbH“, dem Vorgänger der InterFace AG, schnell. Unser Thema war IT und Unix. Auf dem „neuen“ Unix wollten wir ein erfolgreiches Produkt bauen. Wir gingen davon aus, dass Dienstleistung nur schwer zu skalieren ist. Schon 1983 (vor der Gründung in 1984) waren wir in Sorge, ob Body-Leasing ein Geschäft von Dauer sein würde. Bei strenger Auslegung schien uns schon damals, dass das Geschäft mit Body Leasing („Arbeitskräfte-Überlassung“ AÜG) sich in einer gesetzlichen Grauzone zu befinden. Das war auch ein Grund, warum wir ein Produkt machen wollten.

Als solches hatten wir uns ein bürotaugliches Schreibsystem auf Unix ausgedacht, den HIT. Aus heutiger Sicht war das ein wahnwitziges Unterfangen, das uns überraschender Weise gelungen ist. Ganz verstehe ich es bis heute nicht.

Schon nach wenigen Jahren waren wir das mit Abstand erfolgreichste Textsystem auf Unix in Europa. Es war wie ein Traum!

In der Retrospektive habe ich Menschen und wesentliche Voraussetzungen oder Ereignisse gefunden, ohne die es nie geklappt hätte. Wir waren einfach zum richtigen Zeitpunkt unterwegs und hatten unheimlich viel Glück, dass vieles gepasst hat.

Das Gespann „Wolf & Roland“

Wir haben schon Anfang der 80iger Jahre beide an „agil, lean und open“ geglaubt. Wir waren für Selbstorganisation und Selbstbestimmung, haben unsere Ideen und unseren Anspruch formuliert und unsere Teams machen lassen. Das alles in großer Gemeinsamkeit.

Für die SW-Entwicklung hatten wir eine private Methode erfunden und gelebt, die man heute SCRUM nennen würde. Wolf war der „SCRUM-Master“ (und mehr). Er war für die Technologie und die Menschen zuständig. Er hat die Kollegen zur Qualität gebracht und ihnen klar gemacht, dass sie Qualität leben müssen, dies zu allererst für sich selbst. Und ich war so etwas wie der „Product Owner“ und kaufmännische Leiter.

Anton Böck

Meine Eltern hatten es geschafft, mich in Augsburg 1960 auf die wirtschaftswissenschaftliche Oberrealschule Jakob Fugger zu bringen. Später wurde das dann auch zum Gymnasium umbenannt, bis 1960 war es eine Handelsschule. Stenografie und Schreibmaschine schreiben waren dort bis 1960 sogar Pflichtfach, dann Wahlfach. Mein Vater zwang mich beides zu Lernen, weil er die beiden Techniken als unerlässlichen Vorteil im Kampf des beruflichen Lebens erachtet hat.

Anton Böck war mein Lehrer. In Steno war ich klasse. Wenn ich zu Hause zum Lernen verurteilt war, habe ich stunden lang Steno gemalt. Für mich war das wie Kaligraphie, wunderschön. Herr Böck war ein strenger Lehrer und, wegen Steno hat er mich gemocht und mich auf die Schreibmaschine gezwungen. Die Schreibmaschine habe ich gehasst und ich habe deshalb schon mit 16 davon geträumt, wie eine „schöne“ und „liebe“ Schreibmaschine funktionieren müsste.

Es klingt vielleicht ein wenig lächerlich, aber ich bin mir sicher, ohne diese frühe Erfahrung mit dem Generieren von Text wäre die InterFace Connection nie zu einem Produktunternehmen geworden.

Die Fächer Buchführung und BWL, die auch am „wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ gelernt habe, waren für die Gründung durchaus nützlich, aber nicht so zwingend notwendig.

Hans Strack-Zimmermann

Hans war mein Mentor und der Mann, der UNIX in Europa und bei Siemens (hier unter dem Markennamen Sinix) groß gemacht hat. Ich war von ihm und seiner Vision überzeugt und er hat an unser Team geglaubt. Das hat natürlich vieles vereinfacht.

Der Erfolg hat uns aber Recht gegeben.

Dr. Peter Schnupp

Peter war IT-Pionier der zweiten Generation (ich sehe die Generation Zuse als die erste und mich als Teil der dritten). Als Unternehmer (der Gründer von Softlab), IT-Experte, Kolumnen-Schreiber in der Computer-Woche und aufgrund weiterer Aktivitäten war er bekannt und hatte als Experte einen sehr guten Ruf.

Peter gelang es, für uns die strategische Entscheiderin einer Großbehörde zu überzeugen, dass die Zukunft der IT auf UNIX basieren würde und es da ein tolles lokales Produkt für Text gäbe.

Ohne diesen Glücksfall wäre das Projekt CLOU/HIT nie erfolgreich geworden.

Meine Projekte

Schon als junger SW-Entwickler bei der Siemens AG hatte ich in der Mitte der siebziger Jahre eine tolle Aufgabe. Im Rahmen der Entwicklung von Transdata habe ich das „Connection Handling“ entwickelt und an der Entwicklung von „APS“ (Anwender-Programmier-Sprache) mitgearbeitet. Connection Handling ist von zentraler Bedeutung bei „Datenfernübertragung“, wie es damals hieß. Mit APS war es möglich, Verarbeitungsleistung schon in lokalen „Datenstationsrechner“ (Betriebssystem PDN) auszulagern und so erstmals das zentrische Prinzip der Main Frames zu durchbrechen.

Mit diesem „Herrschaftswissen“ konnte ich mich sehr schnell bei Großprojekten profilieren und wechselte dann ganz logisch zu der Abteilung „Sonderprojekte Vertrieb“ bei der Siemens AG. Dort war mein wichtigstes Projekt DISPOL, ein zentrales Projekt der bayerischen Polizei, da sich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre die Aufgabe gestellt hatte den Aktenschrank (Daten), die Schreibmaschine (Dokumente) und den Fernschreiber (Kommunikation !) durch die Einführung von EDV abzulösen.

Dieses Projekt habe ich bis zur Gründung begleitet und dabei die Anforderung der Kunden und den Markt der Behörden erlernt.

Ohne diese Vorgeschichte wäre HIT/CLOU niemals ein erfolgreiches Produkt geworden.

Die Menschen bei InterFace

Wir haben für die Produktentwicklung ganz jungen Menschen eingestellt, die oft noch als Studenten zu uns kamen. Und es waren (fast) immer die richtigen. In rasanten Tempo haben diese Menschen sich zu zentralen Leistungsträgern entwickelt und eine hohe Verantwortung übernommen.

Richtige Prinzipien

Ergänzend zur Produktentwicklung hat sich wie zufällig eine qualifizierte Beratung und Zusammenarbeit mit Siemens im Bereich „Unix-Betriebsystem“ entwickelt. Wir saßen fachlich an der Quelle und haben bei unserem Betriebssystem-Partner vieles gelernt, das uns sehr geholfen hat. So haben wir früh Werkzeuge genutzt, die in Europa noch gar nicht verbreitet waren. Und vieles beigetragen, wie den „National Language Support (NSL), der dann sogar in XOPEN aufgenommen und Basis aller Unix-Systeme wurde.

Wir haben Methoden angewendet (oder besser intuitiv erfunden) wie 4-Augenprinzip beim Programmieren, peer2peer-Reviews, „extrem programming“, Entwickler-Rotation und manches mehr. Das waren Methoden, die es damals noch gar nicht gab, die uns aber mehr als wesentliche Vorteile betreffend Entwicklungsgeschwindigkeit, Anwenderorientierung und Qualität brachten (und die bis heute noch Immer nicht überall genutzt werden).

Unsere Entwickler hatten immer direkten Kundenkontakt. So haben unsere Entwickler die HIT-Schulungen für die Endkunden selbst gehalten und so die Kundenwünsche verstanden.

All das hat wesentlich zur Güte des Produktes beigetragen.

Finanzierung

Die Schwierigkeit unseres Vorhabens war uns bewusst. So haben wir in der ersten Phase der Grundentwicklung uns den Aufwand mit IF-Computer geteilt. Für die zweite Phase der Vermarktung hatten wir eine Aufgabenteilung vorgesehen. Wir wollten das Basis-System weiter entwickeln und den erwarteten Groß-Kunden Siemens betreuen. InterFace Computer war geplant für die Portierungen auf die vielen anderen Unix-Systeme und sollte den Vertrieb für weitere Hardware-Hersteller und Partner übernehmen.

Aber auch nur die Entwicklung des Produktes brauchte eine kräftige „man power“. In 1984 und dem folgenden Jahr lösten wir das auf eine einfache Art und Weise. Wolf Geldmacher und ich verdingten uns als Berater. Um Produkt und Team kümmerten wir uns an den Abenden und bei Bedarf Samstagen.

Als Berater hatten wir einen Stundensatz von 150,- DM. Das war herausragend und nur durchzusetzen, weil amerikanische Consultant mit vergleichbarem Know-how deutlich teurer waren.

Jetzt kann man mal einfach rechnen: Ein guter Monat bringt 200 Mannstunden (wir waren sehr fleißig). Mit 150,- DM multipliziert waren das schlappe 30.000 DM in guten Monaten. Bei unserem Gehalt damals von 5.000 DM, brutto als so um die 6.000 blieben 18.000 für Hardware, die Heidi (unsere Assistentin, die von Anfang an dabei war) und unsere Studenten, die Produktentwickler.

Schon wenige Monate nach der Gründung am 1. April 1984 konnten wir noch zwei junge Informatiker für uns gewinnen und die sofort als Consultant einsetzen. Die beiden erbrachten einen Deckungsbeitrag in ähnlicher Höhe. Und ab Ende 1995 hat dann das Produkt für schnell steigende Deckungsbeiträge gesorgt.

Die Situation

Es gab weiter eine Reihe von glücklichen Umständen, die uns sehr geholfen haben.

So hatte Siemens ein sehr großes Projekt gestartet mit dem Ziel der Entwicklung eines eigenen Textsystems für BS 2000 und Unix. Obwohl diese Projekte mit einer Personalstärke besetzt waren, die eine mehrfacher Kopfstärke hatte als unser Entwicklungsteam und auch die Entwickler in den Siemens-Projekten alle gestandene SW-Entwickler (im Gegensatz zu unseren jungen Leuten) waren, kamen diese Projekte nie auf einen grünen Zweig und sind dann mehr oder weniger komplett gescheitert.

Der Konzern Siemens brauchte aber solche Software für seine Ziele und musste bei zwei Lieferanten in Lizenz zu kaufen – einer davon waren wir. So wurden wir auf Unix der Lieferant und Lizenzgeber des damaligen Marktführers in Deutschland.

Das technische Zeitfenster war auch auf unserer Seite: Zum einen löste Unix damals die zahlreichen verschiedenen Rechnersysteme der „mittleren Datentechnik“ MDT ab. Wir kamen also wieder zufälliger Weise mit unserem Produkt HIT genau zum richtigen Zeitpunkt .

Es war auch die Zeit, in der sich der Einsatz von Datenbanken stark verbreiterte. Brandneu wurde SQL als „query language“ auf natürlicher Sprachbasis definiert. Es gab sogar eine deutsche Fassung von SQL!

Was lag näher als die HIT ergänzende 4GL CLOU (zur Programmierung von Textbausteinen) um eine „embedded SQL“ zu erweitern, die es plötzlich möglich machte während des Ablaufs des Baustein-Programms dynamisch generierte Abfragen an eine Datenbank zu senden und die gefunden Daten dann automatisch bei der Dokument-Erstellung zu nutzen. Das war eine richtige Sensation, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam.

Viel Glück und nur ein wenig Pech

Der Mut einer großen Bundesbehörde, auf eine völlig neue Technologie eines ganz kleinen Herstellers zu setzen, war sicher etwas besonderes. Eine wunderbare Marktentwicklung zu Gunsten von UNIX. Zahlreiche weitere mutige und für uns glückliche Kundenentscheidungen. Ein Super-Team …

Es gab auch Probleme

Die Hardware für die Entwicklung war sündteuer. Schon 1985 mussten wir eine MX500 erwerben – die damals einen Listenpreis von mehreren 100.000 DM hatte. Das war für uns unvorstellbar viel Geld. Es war aber klar, dass wir ohne dieses System die notwendige Entwicklungsgeschwindigkeit nicht schaffen würden. Und schon zwei Jahre später gehörte diese Maschine zum alten Eisen, wir entwickelten über Nacht auf SUN und den neuen schnellen PC’s mit diversen Unix-Varianten.

Auch InterFace Computer war auf lange Sicht der falsche Partner, die strategische Kooperation funktionierte nicht mehr. So waren wir gezwungen, die Rechte am Produkt zu kaufen. Das war eine schwere Investitions-Entscheidung, die sich aber im Nachhinein bezahlt gemacht hat.

Weitere notwendige Voraussetzungen

Es gibt da sicher noch mehr Ursachen, Zufälligkeiten, ohne die das Unternehmen HIT/CLOU gescheitert wäre. Zum Teil Dinge, die ich gar nicht mehr weiß oder mir so nicht bewusst sind. Aber ohne all das Beschriebene hätte es zumindest die InterFace Connection als Hersteller von HIT/CLOU nicht gegeben. So habe ich auch bei jedem beschriebenen Punkt die Aussage wieder holt, dass ohne diesen Umstand / Zufall es nicht geklappt hätte. All das war notwendig für den Erfolg. Und ich wundere mich im Nachhinein, wie diese kühne Unternehmung überhaupt gelingen konnte.

Mit diesem Artikel möchte ich am eigenen Beispiel zeigen, wie unvorstellbar viele Bedingungen erfüllt sein müssen, um Erfolg zu haben. Das soll auf keinen Fall entmutigen, aber auch zeigen, dass gründen nicht so ganz einfach ist und ein pragmatischer Ansatz nicht schadet. Zumindest meine ich, dass Gründer aus dieser Geschichte viel lernen können und bin gerne bereit diesen Use Case mit Euch auch interaktiv und persönlich zu diskutieren.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 10. August 2014

Zwei kurze Rückblicke aufs 30 Jahre Fest der InterFace AG

Ende Juni haben wir 30 Jahre InterFace gefeiert. Es war ein buntes und lebensfrohes Fest, über 400 Menschen haben den Weg in den Sportpark Unterhaching zu uns gefunden.

Friedrich Lehn mit seinem Team hat gefilmt. Und neben viel tollem Bonus-Material hat er uns zwei schöne Potpourris geliefert.

Impressionen zum Fest

Stimmen zum Fest

Vielen Dank an alle, die so lieb waren, ein Interview zu geben.

Ich freue mich, wenn es Euch allen gefällt.

RMD

Auf der InterFace 30 Jahre Feier war Gerhard Saeltzer einer unserer Ehrengäste. Als „Überraschungsgast aus Dresden“ hatte er eine wunderbare Rede vorbereitet. Im Trubel und Lärm des Festes fand sich leider keine Gelegenheit, dieser Ansprache den angemessenen Rahmen zu geben. Die Rede beschreibt im ersten Teil ein beeindruckendes Kapitel deutsch/deutscher Geschichte, an dem die InterFace und ich sehr früh teilhaben durfte.

Schön, dass es Euch alle gibt!

Lieber Roland Dürre, liebe InterFace’ler, liebe Gäste!

Heute feiern wir gemeinsam den 30. Geburtstag von InterFace. Für die Einladung danke ich herzlich und bin gleich aus dem fernen Dresden mit meiner Frau hierher geeilt

Schön, dass es Euch alle gibt und dass wir uns alle hier zusammengefunden haben!

Erinnern wir uns an Ereignisse, die 24 Jahre zurückliegen, an das Jahr der Deutschen Wiedervereinigung 1990. Was waren das für spannende und aufregende Zeiten! Und was für frustrierende Zeiten im Osten! Da kamen z.B. zu uns nach Sachsen Deutsche aus Bayern mit einer für unsere sächsischen Ohren so ganz anderen Sprache. Und das zweite Wort, was die Bayern von sich gaben, war eins, was im Osten ausgemerzt worden war: Gott. Überall hörte man „Grüß Gott“ – was die Sachsen nur verlegen und kleinlaut mit einem „Na goodden Taach“ erwidern konnten.

Und wir lernten, dass mit dem göttlichen Gruß auch etwas ganz anderes kam: Die Kirchensteuer übers Finanzamt und häufig schockierend hohe Nachzahlungen für die Ostler. Und dann geschah ganz Erstaunliches: In den Osten strömten scharenweise besondere Ritter – Glücksritter und Raubritter. Dazu überkluge Juristen und Politiker, Berater und Makler, die Funktionäre und Gewerkschaftler, darunter viele, die – sagen wir es deutlich – im Westen überflüssig oder ausgemustert waren. Da rückten im Eiltempo heran die Abzocker: Die Autohändler, die vierrädrigen Schrott als Neuwagen verkauften. Die Textilhändler, die gebrauchte Kleidung als neu verkauften. Die flinken Immobilienjäger, die große marode Ost-VEB‘s für 1 DM kauften, abwickelten und dann die Grundstücke für Millionen verkauften. Und die Vertreter für alles Mögliche und völlig Überflüssige, vor allem Versicherungen. Auch ich habe davon unnötig „genascht“.

Ich lernte im Osten tolle Juristen und Beamte aus dem Westen kennen, die z.B. nicht einmal wussten, dass man eine Klage unterschreibt – bevor man sie beim Gericht einreicht. Und es kamen sogar Showmaster und Zauberer. Einer landete sogar direkt aus dem Himmel – mit einem geborgten Hubschrauber – in Dresden, wie ein Glücksgott. Er baute in einem Sumpfgebiet eine neue Vorstadt von Dresden, verkaufte die besten Fußballspieler und verschwand letztlich hinter Gittern. Und es kamen auch tolle IT-Berater, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten und nicht einmal wussten, was Software-Engineering und Softwarequalität ist.

Ja, liebe Bayern, so gab es damals nach der Wende im Osten reichlich Frust und negative Kulturschocks. Wir mussten uns total umprogrammieren. Und dann geschah plötzlich ein Wunder, ich erlebte das Umgekehrte, eine Art positiven Kulturschock. Ich lernte in Dresden den Unternehmer Roland Dürre mit Teilen seiner jungen Mannschaft, seine Frau und sogar seinem jüngsten Sprössling Rupi, näher kennen.

Einen Mann, der so ganz anders war. Ein Unternehmer, der nicht nur groß schwätzte, sondern etwas von seiner Sache verstand, mit dem man reden konnte, von Mensch zu Mensch, ohne Arroganz – sondern partnerschaftlich, der nicht erst den Inhalt meines Portmonees prüfte (indem ich sowieso nichts hatte), bevor er mit mir redete. Und der sogar als Präsident ganz familiär in Filzpantoffeln seine Mitarbeiter aufsuchte. Mit einem sportlich bescheidenen Lebensstil, der zur der täglichen Körperpflege Kernseife aus Armeebeständen gewissen parfümierten Chef-Seifen vorzog. Roland Dürre, der Unternehmer, der so aufmerksam zuhören konnte, ein Mann mit dem das Gespräch, die Zusammenarbeit, Teamarbeit richtig Spaß machte, ein flexibler Teamplayer im besten Sinne.

Ich sage es frei heraus: Roland Dürre und sein Team kamen mir als Wende-frustrierten vor wie Außerirdische von einem anderen, positiven Stern. Und Sie haben erfolgreich die letzten 30 stürmischen Jahre gemeistert! Ich bewundere alle Beteiligten von InterFace.

Ihr seid einfach Klasse! Schön, dass es Euch alle noch gibt!

Herzlichen Dank InterFace und Roland Dürre für diesen erlebten Lichtblick, diesen positiven deutsch-deutschen Nach-Wende-Kulturschock! Lieber Roland Dürre! Wir waren damals beide verwegen und mutig und organisierten die erste deutsch-deutsche Fachtagung für moderne Software und Anwendungssysteme SoftSys 9/90 in Dresden. Wir waren beide – mit unseren bescheidenen Ressourcen – sogar schneller als die großmächtige Politik.

Schon 9 Tage vor der Wiedervereinigung, am 3.10.1990, fand unsere Ost-West-Deutsche Wiedervereinigung als Fachtagung in Dresden statt! Gute Kommunikation zwischen uns zeigte deutlich messbare Wirkung: Es lief alles schneller. Die Verbindung zwischen uns riss leider ab.

ComputerweltUmso wunderbarer war es, dass wir uns nach 24 Jahren plötzlich wieder fanden. Ich fand InterFace im Internet, als ich nach mir selbst suchte und zufällig eine Buchbesprechung über mein Informatikbuch für Kinder und späteres Schulbuch in Sachsen „Erstaunliche Computerwelt“ entdeckte.

Lieber Herr Dürre, liebes InterFace Team!

Wenn ich so zurückblicke, bin ich etwas traurig: In Deutschland und Europa gibt es gegenwärtig zu wenige, leider viel zu wenige Unternehmen mit einer so angenehmen, kommunikativen und fairen Kultur wie InterFace. In diesen Zeiten der Firmen-Insolvenzen und -Übernahmen bewiesen, wo so manches Unternehmen den Bach hinunter ging, konntet Ihr Euch erfolgreich am Markt behaupten. Wunderbar! Viele können von Euch lernen.

Ich bewundere Euch!

Es ist wirklich schade, dass die Wissenschaft heute etwas Wichtiges noch nicht beherrscht. Das perfekte Klonen. Es würde Deutschland und Europa und der Welt besser gehen, wenn man Sie und Ihr Unternehmen klonen würde, sagen wir 5mal oder etwas unbescheidener 20mal! Und weil das leider noch nicht klappt, müsste man wenigstens ganz schnell ein Denkmal oder wenigstens eine Denktafel für InterFace hier in Unterhaching setzen. Auch wenn es noch nicht so schnell klappt: Wenigstens schnell noch meine herzlichen Glückwünsche, etwas angelehnt an Theodor Fontane:

„Kummer sei lahm! Sorge sei blind!
Weiter 30 gute Jahre in bester Gesundheit
wünschen wir dem Geburtstagskind!“

Und lieber Roland Dürre, noch eine kleine Bitte für die Zukunft – weil Zusammenarbeit mit Ihnen so großen Spaß macht, habe ich eine hübsche Idee für ein neues gemeinsames Projekt mit weltweitem Wirkungspotential mitgebracht. Doch darüber möchte ich noch gerne mit Ihnen reden.

Allen wünsche ich beste Gesundheit und viel Glück auf allen Wegen!

Grüß Gott! Godden Taach, und bis bald – vielleicht in der Session mit heiteren Anekdoten aus meinem Leben mit dem Computer im Osten! Herzlich lade ich alle ein!
Dr. Saeltzer, Unterhaching am 27.6.2014

Hochzeit im FlußDie Einladung erging zur Session „Faszinierendes und Anekdotisches rund um Gegenwart und Zukunft der Computeranwendung“ von Dr. Saeltzer auf unserer 30 Jahre Feier. In dieser Session berichtete er lustige Anekdoten vom Start der IT in der DDR in den sechzigern Jahren. Er betätigte sich auch als Mutmacher und zeigte mit kleinen Lesungen aus seinem Buch „Hochzeit im Fluss“ (einer „Anleitung zur Resilienz) wie Menschen selbst in schwierigen Situationen wie bei der Dresdener Hochwasser-Katastrophe Zuversicht bewahren können.

Beim Lesen dieses Textes habe ich rote Ohren bekommen, mich aber umso mehr sehr gefreut.

Einen ganz großen herzlichen und lieben Dank an Dr. Saeltzer.

RMD

P.S.
Ein paar Stichworte zu unserem „Überraschungsgast“ Dr. Gerhard Saeltzer:
Informatiker, Softwaretechnologe und Simulationsexperte, Autor, Dozent, Trainer (über 10 Bücher, auch ein Bestseller, 100 gedruckte Fachbeiträge, 1000 Vorträge und Kurse, Exposees für das Bildungsfernsehen), ganzseitige Auftritte und Interviews in der Tagespresse, Chairman großer Fachtagungen im Osten, Erfinder von Innovationen wie ProgFox, LEMA, zuletzt angestellt in der Position eines Regierungsdirektors beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten in Dresden, jetzt im Unruhezustand, joggt in Dresden seit 45 Jahren täglich 20 Minuten zwischen 6:00 und 9:00 Uhr.

P.S.2
Der Text ist original von Dr. Gerhard Saeltzer. Die Bilder der beiden genannten Bücher habe ich eingefügt.

Betreff: Dreissig Jahre Feier der InterFace AG

InterFace_Icon_30Jahre_01-94Bei der Planung unserer Feier sind mir wie bei jedem Projekt leider auch Fehler unterlaufen. Einer davon ist, dass ich vergessen habe, den „Dresscode“ zu beschreiben und veröffentlichen. Und übermorgen am Freitag findet das Fest schon statt! Oh welch ein Schreck!

🙂 Diese Fehlleistung hat auch schon in der „InterFace-Küche“ zu Gerüchten geführt wie „Kurze Hosen für Männer sind Pflicht“ bis hin zu „sportlich/elegant“ oder gar „festlich/feierlich“. Diese Gerüchte sind aber alle falsch!

In der Hoffnung, dass es nie zu spät ist, hole ich mein Versäumnis ganz schnell nach und veröffentliche den „offiziellen Dresscode“ zur InterFace 30 Jahre Feier:

Es soll eine bunte Feier werden, die uns allen Spaß macht. Da darf keiner unter seiner Kleidung leiden. Und: Eines der Ergebnisse unseres Festes wird ein besonderes photographisches Kunstwerk des erfolgreichen Medien-Künstlers Wolf. N. Helzle sein. So wird es ja auch ein Photo- und Video-Fest werden. Also:

Der Dresscode umfasst zwei Regeln:

1. Jeder soll das anziehen, in dem er sich am wohlsten fühlt!

2. Vielfalt und Originalität ist erwünscht!

Es ist alles erlaubt und es darf durchaus aus dem üblichen Rahmen fallen (abgesehen von Verstößen gegen Sitte und Anstand, aber das macht in unseren Kreisen doch eh keiner).

Will heißen: Wer Lust hat, sich zu maskieren, soll das tun. Menschen mit Smoking, Bussiness-Kostümen oder -Anzügem mit Seidenkrawatten sind genauso herzlich willkommen wie in bayerischer oder sonstiger Tracht. Die Angehörigen beider Geschlechter dürfen Haut (kurze Hosen und Röcke, bauchfrei ist wunderschön) und ihre Tattoos zeigen. Wir freuen uns über schrille Fußball-Maskierungen – auch von schon ausgeschiedenen Mannschaften – genauso wie auf das dezente IF-Logo auf der Wange.

Summary:

Es gibt keinen Dress-Code. Nur die Bitte, sich ganz komfortabel zu fühlen. Wenn aber jemand sich für uns besonders kleiden will, dann freue ich mich darüber und bitte, dies mit Mut und Freude zu tun.

Das Organisations-Team freut sich auf ein wunderschönes Fest mit allen unseren Besuchern.

RMD

P.S.
🙂 Jetzt muss ich mich selbst noch entscheiden, was ich anziehe: Meinen italienischen Seidenanzug, die kurze Hose mit Bier-T-Shirt, das Trikot der Spielvereinigung …?