Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Juli 2015

Ada Lovelace und Unschooling?

Hier meine Hinführung zum Vortrag „Lernen in Innovation“ von Bruno Gantenbein (bei InterFace AG in Unterhaching am 24. Juli 2015, 18:00, zur Einladung), wie ich sie heute Abend halten möchte. Ich versuche, die Person von ADA LOVELACE, den Begriff des „unschooling“ und das Thema „Projekt-Management“ zu verbinden.

Ada Lovelace 1836, Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

Ada Lovelace 1836,
Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

ADA LOVELACE war eine sehr widersprüchliche Frau, die in meiner Wahrnehmung ein sehr bewegtes – ein erfolgreiches wie auch sehr verzweifeltes – Leben geführt hat. Bei der Beschäftigung mit ihrer Person hat schon die Lektüre ihres Artikels in Wikipedia bei mir eine Reihe von Assoziationen ausgelöst.

Wenn wir es in unserem Handwerk zur Meisterschaft bringen wollen, müssen wir uns in der „best practice“ großer Meister üben und die in „design pattern“ kondensierten Erfahrungen der Menschheit nutzen. Bis wir an einem Punkt kommen, wo es nicht weitergeht – und an dem wir uns vom Gelernten verabschieden müssen. Dann heißt es aufzubegehren und „die Dinge“ sowie das „Das macht man so!“ in Frage zu stellen.

Lernen heißt Muster zu verstehen und zu erfahren, an denen wir uns festhalten können. Lernen in Innovation aber verlangt das Brechen von Mustern. Das Brechen von Mustern und das Entwickeln neuer Muster führt zu kreativer Zerstörung. So zwingt uns das Leben in sozialer Gemeinschaft dazu, den anhaltenden Spagat zwischen individuellem Bedürfnis und kollektiver Vorgabe auszuhalten. Schöner wäre es natürlich wenn wir diese Spannkraft  zur Entfaltung unseres eigenen Lebens nutzen könnten.

Wir alle lieben das formatierte Leben, weil es sicher und bequem ist. Wir sind bereit, uns der Moral zu unterwerfen, weil wir gut sein wollen. Andererseits sehnen wir uns nach Freiheit und Neuem. Weil wir wissen und fühlen, dass eine moralisierte Gesellschaft uns genau die Freiheit nimmt und uns einengt und klein macht.

Das scheint mir in unserer Konsumgesellschaft noch schwieriger zu werden, versucht doch die Welt (Gesellschaft und Wirtschaft) mit Marketing uns  klar zu machen, wie wir uns individualisieren sollen. Das heißt, dass kollektive Manipulation versucht unsere individuellen Bedürfnisse vorzugeben.

So ist es im privaten Leben wie im beruflichen (wenn diese Unterscheidung in einer entwickelten Gesellschaft überhaupt noch zulässig ist). In den sozialen Gemeinschaften unsere privaten Lebens „lavieren“ wir permanent zwischen diesen oft paradoxen Positionen. Und genauso in unserem Berufsleben. Denn auch das Unternehmen, in dem wir „arbeiten“ ist ein soziales System, das halt einen ökonomischen Zweck hat und uns natürlich manipulieren will. Durch Führung. Aber Führung baut auf Kommunikation auf und Kommunikation ist auch wieder nur ein Kombination von Zuhören und Reden.

Selten habe ich den Konflikt zwischen autonomer Selbstbestimmung und Fremdsteuerung so intensiv erlebt wie bei der Lektüre der Biographie der großen Mathematikern. Mir fällt da im Moment nur noch Nietzsche ein, der knapp 30 Jahre nach ADA LOVELACE geboren wurde!

Ich meine:
Wir können nur „gute“ Projektleiter, Manager, Führungskräfte – und Menschen sein, wenn uns die wichtigen Projekte gelingen. Das wichtigste Projekt eines jeden Menschen ist sein eigenes Leben. Das muss als erstes Gelingen, erst dann macht es Sinn, sich in fremdes Leben einmischen.

Das eigene Leben kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind, uns auf die wichtigen Dinge zu besinnen und unsere dem Leben abträgliche Gewohnheiten zu ändern. So muss ich willens und fähig sein, mein eigenes Leben autonom zu entfalten und dort in Ordnung zu bringen, wo es nicht passt.

Ich habe mir da zum Beispiel auch meine Mobilität herausgesucht. Und versuche schädliche Art von Mobilität zu meiden, soweit dies nur möglich ist.

Weil ich mir ganz einfach die Frage stelle: Wie will ich in der Lage sein, mein Leben verantwortet zu führen, wenn ich das bei der Mobilität, für die ich so viel Zeit ausgebe, nicht schaffe? Also muss ich mich und mein Verhalten ändern. Verhalten beruht auf Gewohnheit, die eingeübt sit und die zu verändern so nur durch üben geht. Und beim üben muss ich vor allem lernen, störende Fremdsteuerung ausschalten.

Soweit meine Assoziationen zum zerrissenen Leben der ADA LOVELACE.

Beim folgenden Vortrag von Bruno Gantenbein empfehle ich, auf Parallelen zum eigenen Leben zu achten.

RMD

P.S.
Noch sind Plätze frei. Und das Bild von Lady Lovelace ist aus Wikipedia.

Roland Dürre
Mittwoch, der 1. Juli 2015

Bruno Gantenbein vom PM-Camp Zürich bei InterFace AG!

Mit leichter Verspätung, jedoch umso motivierter, eröffnet die InterFace AG das Jahr 2015 im Zeichen von Ada Lovelace und startet seine beliebte Vortragsreihe „IF-Forum“ direkt mit einem hochkarätigen Referenten und einer brisanten wie hochspannenden Thematik.

Ich möchte alle meine Freunde, gerade auch aus dem Umfeld PM-Camp ganz persönlich einladen, zu diesem Vortrag zu uns zu kommen. Es wird sich lohnen. Der Referent – Bruno Gantenberg – hat auf dem PM-Camp in Zürich im wahrsten Sinne des Wortes die Zuhörer tief berührt. Ich selber freue mich schon auf die Hinführung zum Vortrag, die ich halten darf.

Hier der Originaltext vom Coporate-Blog der InterFace AG.

Bruno GantenbeinAm 23. Juli referiert Bruno Gantenbein, seines Zeichens Senior Berater und Projektleiter bei der CSP AG, zum Thema „Auch Lernen ist Evolution“. Hierbei gibt uns der Schweizer Unschooling-Pionier einen Einblick in die Praxis dieser neuen Art von Lernen und schlägt dabei eine philosophische Brücke zum Projektmanagement. Am Beispiel seiner eigenen Familie und den dort herrschenden Umständen, erläutert Bruno Gantenbein den Unschooling-Ansatz und gibt Einblicke in das eigens entwickelte „Spirit-Hand-Herz-Kopf“-Modell, welches die Gantenbeins seit nunmehr 10 Jahren erfolgreich praktizieren. Ein Übertrag der in diesem Kontext gewonnen Erkenntnisse zum Projektmanagement, stellt einen relevanten Fachbezug zur IT und der InterFace AG her.

Was ist Unschooling?
Unschooling ist ein vom Kind geleitetes Lernen im normalen Wohn- und Lebensumfeld der Kinder, zusammen mit ihren Eltern oder nächsten Bezugspersonen, ohne jeglichen Versuch die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne nachzuahmen. Es gibt daher keinen geplanten Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben sind. Themen werden behandelt, wenn das Interesse des Kindes es verlangt. Die Eltern – oder die Personen, mit denen das Kind zusammenlebt – sind weniger Lehrer als vielmehr Unterstützer und Begleiter der Lebens- und Lernprozesse.

Der Bestseller-Autor Daniel H. Pink schreibt in seinem provokanten Buch „Drive: Was Sie wirklich motiviert“ über intrinsische Motivation und gibt darin einen interessanten Tipp: „Lassen Sie sich von den Unschoolern eine Lehrstunde geben!“

Das werden wir mit großem Vergnügen tun, Herr Gantenbein 🙂

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 23. Juli 2015, um 18:30 in den Seminarräumen der InterFace AG in Unterhaching (Leipzigerstrasse 16). Gästeempfang ab 18:00 Uhr.

Die Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer ganz einfach per E-Mail. Wir freuen uns schon auf spannende Diskussionen und anregende Gespräche mit Ihnen!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 16. Mai 2015

Torturmtheater Sommerhausen & InterFace Teil 3

probenfoto_IIDas dritte mal hat das Torturmtheater ein neues Stück in den Räumen der InterFace AG in Unterhaching geprobt.

Nach “Fast Perfekt” von Nicole Moeller und „Sag nix! – den Liebesdialogen von Fitzgerald Kusz – war es diesmal der „Norman“ von Mike Stott. „Norman“ ist ein 1-Rollen Stück, das von Gerda Poschmann-Reichenau ins Deutsche übersetzt wurde.

Der Norman wird gespielt von Christian Buse, Regie hat Eos Schopohl geführt. Die beiden haben dann doch einige Wochen in unserem KreatIF hart gearbeitet.

Ich hatte das Glück, ein paar Minuten bei den Proben dabei zu sein und war tief beeindruckt. Und werde mir das Stück auf jeden Fall auch wieder anschauen.

probenfoto_VDie Premiere im Torturmtheater in Sommerhausen wird am Mittwoch, den 3. Junl 2015 um 20 Uhr sein. Und dann wird es wieder um die zwei Monate gespielt.

Angelika Relin ist die Chefin und kreative Muse des kleinsten aber vielleicht feinsten Theaters Deutschlands und schafft es immer wieder, großes Theater auf die Bühne unter dem Dach des Turms zu bringen.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Aber: Angelika hat im Probenraum Szenenfotos gemacht und mir ein paar davon gesendet. Ich finde diese großartig und darf sie hier veröffentlichen.

probenfoto_VIDer Ausflug nach Sommerhausen lohnt sich übrigens. Es ist zwar auch nur ein ganz kleines aber sehr hübsches Dorf. Es gibt ein paar schöne Hotels und man kann dort ausgezeichnet essen.

Die Anreise betreffend:

Da nimmt man am besten den Regional-Express nach Winterhausen (von Ansbach oder Würzburg). Vom Bahnhof Winterhausen kann man dann gemütlich über die Mainbrücke nach Sommerhausen zum Theater spazieren. Es ist gerade ein Kilometer.

Um zu vermeiden, dass Ihr jetzt beim Foto links recht lange herumrätselt – ja Christian Buse steht hier Kopf.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. März 2015

Uraufführung in Sommerhausen – eingeübt in Unterhaching!

Theater & InterFace AG

torturmtheaterBis Dienstag, den 17. März, war das Team des TORTURMTHEATER SOMMERHAUSEN wieder einige Wochen bei der InterFace AG in Unterhaching zu Gast, um im „KreatIF“ (dem Brainstorming-Raum im UG) ein neues Stück zu proben.

Am Mittwoch sind sie dann nach Sommerhausen umgezogen. Dort werden sie bis zur Premiere am Mittwoch, 25. März um 20.00 Uhr an den letzten Feinheiten feilen. Denn an diesem Tag kommt es zur Uraufführung des von Fitzgerald Kusz für das Torturmtheater geschriebenen Stückes.

SagNixIIISag nix! – Liebesdialoge

Fitzgerald Kusz muss man nicht vorstellen, wird er doch der „Dichter der Franken“ genannt. Er ist bekannt geworden durch sein „Schweig Bub!“.

Ich zitiere aus der Ankündigung:

„Die Liebesdialoge beginnen – wie könnte es auch anders sein – mit reinen Zärtlichkeiten, die Phantasie der Liebkosungen sprudelt quasi alphabetisch von Arschtörtchen, Augensternchen über Liebesknochen, Schweinebacke bis hin zum Zuckerärschchen. Später gibt es andere Dialoge wie:

Frau: Manchmal hab ich das Gefühl, ich bin Luft für Dich.
Mann: Ohne Luft kann man nicht leben.

Dazwischen liegen anrührende Liebesbekundungen und gut gemeinte Lügen, hemmungslose Aussprachen und ungebremste Hasstiraden, böswilliges Verschweigen und wehmütiges Erinnern.

Mit Sag nix beschreibt Fitzgerald Kusz zwar nicht in Mundart, dennoch aber mit einer wunderbaren, unverwechselbaren Sprachmelodie, mit maulfauler, fränkischer Knappheit und beißender Komik einen Ehealltag von A bis Z – vom Anschmachten bis zum Schluss machen. So wie man ihn wohl hinter vielen Türen findet. Eine witzige Persiflage, umwerfend komisch und denoch feinsinnig und melancholisch!“

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Es spielen Dorina Pascu und Konrad Adams, Regie führt Oliver Zimmer.
Gespielt wird Sag nix vom 25. März bis zum 30. Mai 2015 im Torturm-Theater, jeweils Dienstag bis Freitag 20.00 Uhr, Samstag um 16.30 Uhr und 19.00 Uhr.
Kartenvorbestellung und Info an den Spieltagen ist ab 16.00 Uhr unter 09333-268 möglich oder auf kartenbestellung@torturmtheater.de

Barbara und ich werden uns das Stück am 1. April anschauen. Das ist der Mittwoch vor dem Gründonnerstag. Ich freue mich schon auf den schönen Ausflug nach Sommerhausen – mit einem leckeren Abendessen beim „Ritter“ und schöner Übernachtung zum Beispiel im „Sonnenhöfle“.

Und besonders würde ich mich freuen, wenn ich dann im Theater ein paar bekannte Gesichter antreffen würde. Sommerhausen ist ein schöner Ort, ideal um ein wenig „honey moon“ zu genießen! Und auch der Wein lohnt die Reise. Also auf geht’s!

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Und vielleicht noch einen Tipp zur Anreise:

Am besten fährt man mit DB Regio nach Winterhausen – und spaziert dann einen knappen Kilometer über den Main ans andere Ufer nach Sommerhausen!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 3. Februar 2015

agile.ruhr Camp 2015

Vor kurzem habe ich mit Dominik Rose telefoniert. Da hat er mir berichtet, dass der Termin des von ihm gemeinsam mit Berthold Barth organisierten agile.ruhr Camp 2015 jetzt langsam näher rückt. Schon in weniger als drei Wochen ist es soweit!

„Agile“, das passt mir gut, denn meine Überzeugung ist ja, dass man alles wichtige immer „ALO“ angehen sollte. Wobei ALO als Abkürzung steht für Agile, Lean und Open.

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So freue ich mich, dass das Organisationsteam des agile.ruhr Camp in diesem Jahr erstmals zu einer „Unkonferenz“ für agiles Vorgehen im Projektumfeld und bei der Entwicklung von Software einlädt. Am 21. + 22. Februar 2015 ist es so weit, da findet das barcamp im Unperfekthaus in Essen statt.

Dass die InterFace AG mit von der Partie ist und das Orgateam als Sponsor unterstützt finde ich natürlich ganz besonders toll.

Das agile.ruhr Camp steht für Veränderung und Überzeugung. Ziel der Veranstaltung ist Menschen, Organisationen und Unternehmen eine moderne Plattform anzubieten, zum Teilen von Erfahrung und Wissen. Denn Wissen ist der einzige Rohstoff, der durch teilen mehr wird.

Wie kann man erfolgreich agile Methoden und Werkzeuge nutzen? Was wird durch agiles Bewusstsein und Handeln alles möglich? Wie schaffen wir die notwendige Veränderung? Und dies eben nicht nur bei der Entwicklung von Software!

Und natürlich bietet sich als der klassische Rahmen für eine freie Unkonferenz zu Agilität das Format „barcamp“ an, bei dem ganz bewusst im Gegensatz zur klassischen Konferenz auf eine einengende Agenda verzichtet wird und der redliche Diskurs im offenen Dialog überdurchschnittlichen Erkenntnisgewinn generiert.

Die Tagesordnung wird von den Besuchern festgelegt. Man duzt sich, Augenhöhe ist angesagt und Zuhören ist wichtiger als sprechen. Nur so werden können Teilhabe „ihre“ Sessions (zu einem Themenkomplex ihrer Wahl) anbieten und werden zu „Teilhabern“.

Leider kann ich persönlich am 13./14. Februar nicht dabei sein, da ich genau an den beiden Tagen bei einer ganz anderen „Unkonferenz“ sein möchte, bei der ich schon seit ein paar Jahren Stammgast bin – der „Biike“ in Westerland auf Sylt. Die „Biike“ ist nur ein Brauchtum, den Termin habe gute Freunde für ihre Nicht-Konferenz genutzt.
🙂 Das Leben ist eine Aneinanderreihung von verpassten Gelegenheiten.

Aber vielleicht kann ja der eine oder andere IF-Blog-Leser an meiner Stelle an diesem einzigartigen agile.ruhr Camp teilnehmen. Und dann in seinem Blog oder über Twitter darüber berichten.

RMD

P.S.
Wenn ich den Hashtag vom agile.ruhr Camp 2015 weiß, dann trage ich ihn hier nach.
Mein Vorschlag: #AgileRuhrCmp

P.S.1
In diesem Kontext etwas Lesenswertes zur InterFace AG.

Gestern war unsere Weihnachtsfeier. Wir hatten ein volles Haus und tolle Musik. Im Trubel wollte ich die vorbereitete Weihnachtsrede nicht komplett halten und habe nur vom Start der InterFace in 1984 berichtet. Hier die nicht gehaltene Rede in vollem Umfang:

"Mein Leben nach InterFace ?"

„?? Mein Leben nach InterFace ??“

2014 ist/war für mich das letzte Jahr als Vorstand der InterFace AG. So ist dies heute meine letzte Ansprache.

Auf all die Jahre bei InterFace blicke ich gerne zurück, auch auf das Letzte. Obwohl dies sicher nicht das einfachste unserer Geschichte war.

Begonnen hat es Anfang der 80iger Jahre. Wolf Geldmacher und ich hatten uns gefunden und planten 1983 ein Unternehmen zu gründen. Im April 1984 gingen wir nach intensiver Vorbereitung an den Start.

Es war die “InterFace Connection Gesellschaft für Kommunikationssoftware und Datenverarbeitung mbH”.

Wir wussten, dass der Erfolg eines Unternehmens auf drei Voraussetzungen basiert:
“Nutzen stiften”
Unsere Dienstleistungen und Produkte soll der Markt brauchen.
“Bedürfnisse befriedigen”
Die Menschen im Unternehmen müssen mit Mut und Freude arbeiten können.
“Sinn ermöglichen”
Wir alle müssen unserer Arbeit einen Sinn geben können.

Vor mehr als 30 Jahren sind wir im Umfeld UNIX mit der Entwicklung unseres Textsystemes HIT-CLOU gestartet! Und das war ein Volltreffer, alle Menschen im Unternehmen folgten unserem Stern! Nur so konnten wir mit unserem kleinen Team ein großes Wunder vollbringen. Schnell ging es steil bergauf. Ich möchte ich an dieser Stelle ganz besonders die Kollegen der ersten Stunde begrüßen.

Auch nach dem Ausscheiden von Wolf sind wir unserem Leitstern gefolgt. Das war nicht einfach. So ein Stern verschwindet mal hinter den Wolken oder hinter einem Berg. Ab und zu kommt man in den Wald und muss weitergehen, ohne den Himmel zu sehen. Oder der gerade Weg ist versperrt und ein Umwege muss gegangen werden.

Im Lauf der Jahrzehnte ist die InterFace gewachsen. Menschen kamen und gingen. Aufgaben und Geschäftsmodelle haben sich verändert. Die Umwelt wirkte auf das Unternehmen kräftig ein. Die InterFace als (öko-)soziales System wird von Menschen gestaltet. Über all wo Menschen zusammen kommen, “menschelt” es. Systeme verselbständigen sich auch gerne. Auch wenn es nicht immer einfach war, aber wir haben das „System InterFace“ immer wieder auf Kurs gebracht.

Ziemlich genau 15 Jahre nach der Gründung hatten wir bei InterFace schon mal eine vergleichbare Situation. Das war vor 15 Jahren. Es scheint zu sein, das wir alle 15 Jahre in eine Krise geraten und diese überwinden müssen. So wünsche ich mir, dass die nächste Krise erst wieder in 15 Jahren eintreten möge :-). Ganz ohne Krisen geht es im Leben von Menschen wie von Unternehmen wohl nicht.

Vor ein paar Jahren kam die InterFace vom Kurs ab. Nur ein klein wenig und kaum merkbar. Dann ein wenig mehr. Gegen den Willen der Vorstände. Uns ging es wie dem konzentrierten Arbeiter im Zimmer, der nicht merkt, wie es dunkel wird. Und dann überrascht ist, dass die Dämmerung plötzlich da ist und er das Licht einschalten muss.

So fuhr das Schiff immer ein wenig mehr in eine ungewünschte Richtung. Die Ursachen waren nicht so recht erkennbar. In der Retrospektive hierzu gibt es viele verschiedene Erklärungen, die ich hier nicht strapazieren möchte.

Die Fähigkeit zum Handeln ging verloren, Unzufriedenheit machte sich im und um den Vorstand herum breit, Uneinigkeit führte zur Handlungsunfähigkeit, die für das Unternehmen gefährlich hätte werden können. Daran zerbrach der Vorstand in diesem Sommer, der Aufsichtsrat musste sich einschalten und die Folgen kennen wir.

Jetzt gehen wir wieder auf Kurs! Das ist für all die Menschen, die fürs Unternehmen arbeiten wichtig und natürlich auch fürs Unternehmen. Ich mag die InterFace genau dann wenn es ein Unternehmen ist, das folgende Bedingungen so in etwa erfüllt.

  • Alle Menschen können dort ihre verschiedenen Rollen mit Mut und Freude erfüllen.
  • Einen angstfreien Raum anbietet und die Entfaltung von Leben fördert.
  • In seinen Strukturen einfach bleibt und Überregulierung vermeidet.
  • In dem eine Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe gepflegt wird.
  • Die Teams im gemeinsamen Verständnis von Erfolg zusammenarbeiten.
  • In dem jeder seiner Arbeit einen Sinn geben kann.
  • In dem Selbstorganisation gelebt wird.
  • In dem kein hierarchischer Tannenbaum die eigentliche Organisation überdeckt.
  • Das sich vor allem um seine Kunden und Mitarbeiter kümmert und nicht mit sich selbst beschäftigt.
  • Das den richtigen Kompromiss zwischen “Büro-Cracy” und “Holo-Crazy” lebt (und da ist mir persönlich ein wenig mehr “Holy-Cracy” lieber als zu viel “Büro-Cracy”).
  • In dem der gesunde Menschenverstand das Sagen hat.
  • In dem Führung als Dienst gesehen wird und die Führenden sich nicht wie Sonnen-Könige und Fürsten gebärden.
  • In dem Geist und Haltung (Geisteshaltung) stimmen.
  • Das im Sinne von Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet (wie in der Bayerischen Verfassung gefordert).
  • In dem die Gremien des Unternehmens fürs Unternehmen arbeiten (und nicht für persönliche Zwecke benutzt werden).
  • Das den Menschen dient und nicht zum Selbstzweck wird.

Ich kenne viele Unternehmen im IT-Markt und meine, dass wir im Schnitt gut abschneiden – sogar wenn wir mal schwächeln. Dies wird durch Vertrauen ermöglicht. Vertrauen entsteht aber nicht durch Beauftragung von Rechtsanwälten und Schreiben von Verträgen, sondern durch “Ehrliches Handeln”, “vertrauensvolle Zusammenarbeit” und “Offene Kommunikation”. Vertrauen hilft gegen naive Feindbilder und dumme Unterstellungen.

Die Feinde auch der InterFace sind “interne Politik machen”, “Bürokratie mehren” und “Dogmatik anwenden”. Schlimm wird es, wenn das Gemeinsame aus Eigennutz beschädigt wird, gleich ob vorsätzlich oder leichtfertig. Zu all diesen Auswüchsen sage ich mal NO!

Ich verabschiede mich jetzt aus dem Vorstand der InterFace. IHR bleibt dabei und Ihr seid das Unternehmen! Ihr habt es in der Hand. Sorgt dafür dafür, dass wir die erfolgreichen “Champions im Verbund” bleiben! Dann bleibe ich gerne beim Unternehmen und unterstütze Euch aus der Distanz des Aufsichtsrats mit voller Kraft.

Und bitte die (wenigen) von Euch, die es noch nicht verstanden haben, auch daran zu denken, dass man „den Ast, auf dem man sitzt, nicht absägen sollte“.

Meine Themen im AR werden sein:

  • Eine konstruktive Geisteshaltung zu untersützen.
  • Dafür zu sorgen, dass der “Kunde” im Mittelpunkt unseres Denkens bleibt.
  • Sinnkopplung von Leben und Arbeit für alle Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen.
  • Mein Netzwerk für die Zukunft der InterFace AG einzusetzen.
  • Als Aktionär werde ich nachhaltiges Wirtschaften einfordern.

Die IF braucht in Zukunft weniger “institution&constitution”. Vielmehr brauchen wir mehr Intuition, gesunden Menschenverstand und ein klares Commitment aller zu einem modernen, agilen, schlanken und transparenten Unternehmen. Hierzu ein klares GO!

Der Vorstand besteht jetzt aus Dr. Christof Stierlen, Maximilian Buchberger und Paul Schuster. Die drei Kollegen haben mein volles Vertrauen. Ihnen wünsche ich möglichst oft das richtige Händchen und uns allen das gewisse Quentchen Glück, das man im Leben immer so gut brauchen kann.

Vor allem wünsche ich jetzt aber Euch allen – liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Familien, liebe Freunde und liebe Gäste – und der InterFace nur das Beste. Und uns allen heute ein schönes Fest, ein frohes Weihnachten und ein gelingendes neues Jahr 2015.

🙂 Ja – so ist das Leben. 31 Weihnachtsfeiern habe ich für die IF gemacht, 31 Ansprachen gehalten – und jetzt ist das alles vorbei!

RMD

Das Video zum letzten Vortag im IF-Forum in 2014 aus unserer Reihe „Galileo Galilei – Ein Besuch in der Gegenwart“ von Thomas de Padova mit dem Thema “Das Weltgeheimnis”  steht jetzt in meinem YouTube-Channel RolandDuerre zum Download bereit.

Jetzt können auch die, die nicht dabei sein konnten, dem interessanten Vortrag über Galileo Galilei und seinen Zeitgenossen Johannes Kepler folgen:

:

Ich wünsche viel Freude beim Anschauen!

RMD

InterFace_Icon_30Jahre_01-942014 ist bei der InterFace AG das Jahr des Galileo Galilei.

Die drei Vorträge im IF-Forum stehen in diesem Jahr unter dem Motto
„Kosmos, Mensch und Zeitenwende“.

Wir lassen Galilei Galileo bei uns „einen Besuch in der Gegenwart“ machen.

Im ersten IF-Forum am 27. Februar hat uns Jörg Schindler von der „dritten Zeitenwende“ berichtet. Am 17. Juli hatten wir Dr. Stefan Gillessen zu Gast. Er hat uns mit „Groß, größer, am schärfsten“ über den Kosmos gesprochen und uns erläutert, wie er mit seinen Kollegen diesen erforscht. Beide Vorträge können übrigens im Youtube-Channel der InterFace AG angeschaut werden.

Am 23. Oktober haben wir Thomas De Padova zu Gast. Sein Thema ist

ThomasdePadova„Das Weltgeheimnis“

Vor 400 Jahren durchbrechen zwei grundverschiedene Forscher die Grenzen der bekannten Welt. Galileo Galilei blickt in Venedig durch sein Fernrohr und entdeckt die Jupitermonde.

Seine aufsehenerregenden Erkenntnisse veröffentlicht er in »Der Sternenbote«. In Prag verschlingt Johannes Kepler das Büchlein, denn Galileis Beobachtungen passen zu seiner Theorie der Planetengesetze. Zwischen Kepler und Galilei entwickelt sich ein Briefwechsel über den neuen Kosmos. Eine spannende Expedition menschlichen Denkens beginnt – und mit ihr die Wende zur Moderne.

Thomas de Padova
(* 1965 in Neuwied am Rhein) ist ein deutscher Wissenschaftspublizist.

De Padova studierte Physik und Astronomie in Bonn und Bologna. Von 1997 bis 2005 war er als Wissenschaftsredakteur beim Tagesspiegel tätig. Seit 2005 arbeitet er als freier Wissenschaftspublizist. De Padova lebt in Berlin und ist dort seit 2006 Mitglied im Kuratorium des Magnus-Hauses der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Mitglied im Programmbeirat der Urania. Im Januar und Februar 2014 war er „Journalist in Residence“ am Berlin Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. [Text aus Wikipedia]

Thomas De Padova ist auch der Autor des Wissenschaftsbuchs des Jahres „Weltgeheimnis – Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels“, das in 2010 unter 20.000 Lesern zum besten Wissenschaftsbuch in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik gewählt wurde.

Vortrag findet statt am Donnerstag, den 23. Oktober 2014 um 18:30, der Empfang ist ab 18 Uhr in der Seminarzone der InterFace AG in Unterhaching.

Die Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer ganz einfach per E-Mail. Wir freuen uns schon auf wie immer spannende Diskussionen und schöne Gespräche!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 18. August 2014

Start-up (2) – Die eigene Gründung (1983)

Seit Beginn der 80iger hat mich die Selbstständigkeit gelockt. Zum einen, weil (wie auch bei vielen mir bekannten Gründer von heute) ich ein Unternehmen eigenverantwortlich mitbestimmen und so auch mehr Freude an der Arbeit haben wollte, zum anderen, weil (wie erstaunlicherweise nicht so viele der mir bekannten heutigen Gründer) ich mehr Geld verdienen wollte.

So habe ich den „idealen Partner“ gesucht (nicht die „ideale Geschäftsidee“, weil ich damals schon der Meinung war, dass es diese nicht gibt). Auch den „idealen Partner“ zu finden war nicht leicht, aber glücklicherweise habe ich nach einem guten Jahr Wolf Geldmacher gefunden. Er brachte große unternehmerische Kraft mit und war genauso für Bodenständigkeit ich.

Mit Wolf ging die Gründung der „InterFace Connection Gesellschaft für Datenfernverarbeitung und Entwicklung von Software mbH“, dem Vorgänger der InterFace AG, schnell. Unser Thema war IT und Unix. Auf dem „neuen“ Unix wollten wir ein erfolgreiches Produkt bauen. Wir gingen davon aus, dass Dienstleistung nur schwer zu skalieren ist. Schon 1983 (vor der Gründung in 1984) waren wir in Sorge, ob Body-Leasing ein Geschäft von Dauer sein würde. Bei strenger Auslegung schien uns schon damals, dass das Geschäft mit Body Leasing („Arbeitskräfte-Überlassung“ AÜG) sich in einer gesetzlichen Grauzone zu befinden. Das war auch ein Grund, warum wir ein Produkt machen wollten.

Als solches hatten wir uns ein bürotaugliches Schreibsystem auf Unix ausgedacht, den HIT. Aus heutiger Sicht war das ein wahnwitziges Unterfangen, das uns überraschender Weise gelungen ist. Ganz verstehe ich es bis heute nicht.

Schon nach wenigen Jahren waren wir das mit Abstand erfolgreichste Textsystem auf Unix in Europa. Es war wie ein Traum!

In der Retrospektive habe ich Menschen und wesentliche Voraussetzungen oder Ereignisse gefunden, ohne die es nie geklappt hätte. Wir waren einfach zum richtigen Zeitpunkt unterwegs und hatten unheimlich viel Glück, dass vieles gepasst hat.

Das Gespann „Wolf & Roland“

Wir haben schon Anfang der 80iger Jahre beide an „agil, lean und open“ geglaubt. Wir waren für Selbstorganisation und Selbstbestimmung, haben unsere Ideen und unseren Anspruch formuliert und unsere Teams machen lassen. Das alles in großer Gemeinsamkeit.

Für die SW-Entwicklung hatten wir eine private Methode erfunden und gelebt, die man heute SCRUM nennen würde. Wolf war der „SCRUM-Master“ (und mehr). Er war für die Technologie und die Menschen zuständig. Er hat die Kollegen zur Qualität gebracht und ihnen klar gemacht, dass sie Qualität leben müssen, dies zu allererst für sich selbst. Und ich war so etwas wie der „Product Owner“ und kaufmännische Leiter.

Anton Böck

Meine Eltern hatten es geschafft, mich in Augsburg 1960 auf die wirtschaftswissenschaftliche Oberrealschule Jakob Fugger zu bringen. Später wurde das dann auch zum Gymnasium umbenannt, bis 1960 war es eine Handelsschule. Stenografie und Schreibmaschine schreiben waren dort bis 1960 sogar Pflichtfach, dann Wahlfach. Mein Vater zwang mich beides zu Lernen, weil er die beiden Techniken als unerlässlichen Vorteil im Kampf des beruflichen Lebens erachtet hat.

Anton Böck war mein Lehrer. In Steno war ich klasse. Wenn ich zu Hause zum Lernen verurteilt war, habe ich stunden lang Steno gemalt. Für mich war das wie Kaligraphie, wunderschön. Herr Böck war ein strenger Lehrer und, wegen Steno hat er mich gemocht und mich auf die Schreibmaschine gezwungen. Die Schreibmaschine habe ich gehasst und ich habe deshalb schon mit 16 davon geträumt, wie eine „schöne“ und „liebe“ Schreibmaschine funktionieren müsste.

Es klingt vielleicht ein wenig lächerlich, aber ich bin mir sicher, ohne diese frühe Erfahrung mit dem Generieren von Text wäre die InterFace Connection nie zu einem Produktunternehmen geworden.

Die Fächer Buchführung und BWL, die auch am „wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ gelernt habe, waren für die Gründung durchaus nützlich, aber nicht so zwingend notwendig.

Hans Strack-Zimmermann

Hans war mein Mentor und der Mann, der UNIX in Europa und bei Siemens (hier unter dem Markennamen Sinix) groß gemacht hat. Ich war von ihm und seiner Vision überzeugt und er hat an unser Team geglaubt. Das hat natürlich vieles vereinfacht.

Der Erfolg hat uns aber Recht gegeben.

Dr. Peter Schnupp

Peter war IT-Pionier der zweiten Generation (ich sehe die Generation Zuse als die erste und mich als Teil der dritten). Als Unternehmer (der Gründer von Softlab), IT-Experte, Kolumnen-Schreiber in der Computer-Woche und aufgrund weiterer Aktivitäten war er bekannt und hatte als Experte einen sehr guten Ruf.

Peter gelang es, für uns die strategische Entscheiderin einer Großbehörde zu überzeugen, dass die Zukunft der IT auf UNIX basieren würde und es da ein tolles lokales Produkt für Text gäbe.

Ohne diesen Glücksfall wäre das Projekt CLOU/HIT nie erfolgreich geworden.

Meine Projekte

Schon als junger SW-Entwickler bei der Siemens AG hatte ich in der Mitte der siebziger Jahre eine tolle Aufgabe. Im Rahmen der Entwicklung von Transdata habe ich das „Connection Handling“ entwickelt und an der Entwicklung von „APS“ (Anwender-Programmier-Sprache) mitgearbeitet. Connection Handling ist von zentraler Bedeutung bei „Datenfernübertragung“, wie es damals hieß. Mit APS war es möglich, Verarbeitungsleistung schon in lokalen „Datenstationsrechner“ (Betriebssystem PDN) auszulagern und so erstmals das zentrische Prinzip der Main Frames zu durchbrechen.

Mit diesem „Herrschaftswissen“ konnte ich mich sehr schnell bei Großprojekten profilieren und wechselte dann ganz logisch zu der Abteilung „Sonderprojekte Vertrieb“ bei der Siemens AG. Dort war mein wichtigstes Projekt DISPOL, ein zentrales Projekt der bayerischen Polizei, da sich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre die Aufgabe gestellt hatte den Aktenschrank (Daten), die Schreibmaschine (Dokumente) und den Fernschreiber (Kommunikation !) durch die Einführung von EDV abzulösen.

Dieses Projekt habe ich bis zur Gründung begleitet und dabei die Anforderung der Kunden und den Markt der Behörden erlernt.

Ohne diese Vorgeschichte wäre HIT/CLOU niemals ein erfolgreiches Produkt geworden.

Die Menschen bei InterFace

Wir haben für die Produktentwicklung ganz jungen Menschen eingestellt, die oft noch als Studenten zu uns kamen. Und es waren (fast) immer die richtigen. In rasanten Tempo haben diese Menschen sich zu zentralen Leistungsträgern entwickelt und eine hohe Verantwortung übernommen.

Richtige Prinzipien

Ergänzend zur Produktentwicklung hat sich wie zufällig eine qualifizierte Beratung und Zusammenarbeit mit Siemens im Bereich „Unix-Betriebsystem“ entwickelt. Wir saßen fachlich an der Quelle und haben bei unserem Betriebssystem-Partner vieles gelernt, das uns sehr geholfen hat. So haben wir früh Werkzeuge genutzt, die in Europa noch gar nicht verbreitet waren. Und vieles beigetragen, wie den „National Language Support (NSL), der dann sogar in XOPEN aufgenommen und Basis aller Unix-Systeme wurde.

Wir haben Methoden angewendet (oder besser intuitiv erfunden) wie 4-Augenprinzip beim Programmieren, peer2peer-Reviews, „extrem programming“, Entwickler-Rotation und manches mehr. Das waren Methoden, die es damals noch gar nicht gab, die uns aber mehr als wesentliche Vorteile betreffend Entwicklungsgeschwindigkeit, Anwenderorientierung und Qualität brachten (und die bis heute noch Immer nicht überall genutzt werden).

Unsere Entwickler hatten immer direkten Kundenkontakt. So haben unsere Entwickler die HIT-Schulungen für die Endkunden selbst gehalten und so die Kundenwünsche verstanden.

All das hat wesentlich zur Güte des Produktes beigetragen.

Finanzierung

Die Schwierigkeit unseres Vorhabens war uns bewusst. So haben wir in der ersten Phase der Grundentwicklung uns den Aufwand mit IF-Computer geteilt. Für die zweite Phase der Vermarktung hatten wir eine Aufgabenteilung vorgesehen. Wir wollten das Basis-System weiter entwickeln und den erwarteten Groß-Kunden Siemens betreuen. InterFace Computer war geplant für die Portierungen auf die vielen anderen Unix-Systeme und sollte den Vertrieb für weitere Hardware-Hersteller und Partner übernehmen.

Aber auch nur die Entwicklung des Produktes brauchte eine kräftige „man power“. In 1984 und dem folgenden Jahr lösten wir das auf eine einfache Art und Weise. Wolf Geldmacher und ich verdingten uns als Berater. Um Produkt und Team kümmerten wir uns an den Abenden und bei Bedarf Samstagen.

Als Berater hatten wir einen Stundensatz von 150,- DM. Das war herausragend und nur durchzusetzen, weil amerikanische Consultant mit vergleichbarem Know-how deutlich teurer waren.

Jetzt kann man mal einfach rechnen: Ein guter Monat bringt 200 Mannstunden (wir waren sehr fleißig). Mit 150,- DM multipliziert waren das schlappe 30.000 DM in guten Monaten. Bei unserem Gehalt damals von 5.000 DM, brutto als so um die 6.000 blieben 18.000 für Hardware, die Heidi (unsere Assistentin, die von Anfang an dabei war) und unsere Studenten, die Produktentwickler.

Schon wenige Monate nach der Gründung am 1. April 1984 konnten wir noch zwei junge Informatiker für uns gewinnen und die sofort als Consultant einsetzen. Die beiden erbrachten einen Deckungsbeitrag in ähnlicher Höhe. Und ab Ende 1995 hat dann das Produkt für schnell steigende Deckungsbeiträge gesorgt.

Die Situation

Es gab weiter eine Reihe von glücklichen Umständen, die uns sehr geholfen haben.

So hatte Siemens ein sehr großes Projekt gestartet mit dem Ziel der Entwicklung eines eigenen Textsystems für BS 2000 und Unix. Obwohl diese Projekte mit einer Personalstärke besetzt waren, die eine mehrfacher Kopfstärke hatte als unser Entwicklungsteam und auch die Entwickler in den Siemens-Projekten alle gestandene SW-Entwickler (im Gegensatz zu unseren jungen Leuten) waren, kamen diese Projekte nie auf einen grünen Zweig und sind dann mehr oder weniger komplett gescheitert.

Der Konzern Siemens brauchte aber solche Software für seine Ziele und musste bei zwei Lieferanten in Lizenz zu kaufen – einer davon waren wir. So wurden wir auf Unix der Lieferant und Lizenzgeber des damaligen Marktführers in Deutschland.

Das technische Zeitfenster war auch auf unserer Seite: Zum einen löste Unix damals die zahlreichen verschiedenen Rechnersysteme der „mittleren Datentechnik“ MDT ab. Wir kamen also wieder zufälliger Weise mit unserem Produkt HIT genau zum richtigen Zeitpunkt .

Es war auch die Zeit, in der sich der Einsatz von Datenbanken stark verbreiterte. Brandneu wurde SQL als „query language“ auf natürlicher Sprachbasis definiert. Es gab sogar eine deutsche Fassung von SQL!

Was lag näher als die HIT ergänzende 4GL CLOU (zur Programmierung von Textbausteinen) um eine „embedded SQL“ zu erweitern, die es plötzlich möglich machte während des Ablaufs des Baustein-Programms dynamisch generierte Abfragen an eine Datenbank zu senden und die gefunden Daten dann automatisch bei der Dokument-Erstellung zu nutzen. Das war eine richtige Sensation, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam.

Viel Glück und nur ein wenig Pech

Der Mut einer großen Bundesbehörde, auf eine völlig neue Technologie eines ganz kleinen Herstellers zu setzen, war sicher etwas besonderes. Eine wunderbare Marktentwicklung zu Gunsten von UNIX. Zahlreiche weitere mutige und für uns glückliche Kundenentscheidungen. Ein Super-Team …

Es gab auch Probleme

Die Hardware für die Entwicklung war sündteuer. Schon 1985 mussten wir eine MX500 erwerben – die damals einen Listenpreis von mehreren 100.000 DM hatte. Das war für uns unvorstellbar viel Geld. Es war aber klar, dass wir ohne dieses System die notwendige Entwicklungsgeschwindigkeit nicht schaffen würden. Und schon zwei Jahre später gehörte diese Maschine zum alten Eisen, wir entwickelten über Nacht auf SUN und den neuen schnellen PC’s mit diversen Unix-Varianten.

Auch InterFace Computer war auf lange Sicht der falsche Partner, die strategische Kooperation funktionierte nicht mehr. So waren wir gezwungen, die Rechte am Produkt zu kaufen. Das war eine schwere Investitions-Entscheidung, die sich aber im Nachhinein bezahlt gemacht hat.

Weitere notwendige Voraussetzungen

Es gibt da sicher noch mehr Ursachen, Zufälligkeiten, ohne die das Unternehmen HIT/CLOU gescheitert wäre. Zum Teil Dinge, die ich gar nicht mehr weiß oder mir so nicht bewusst sind. Aber ohne all das Beschriebene hätte es zumindest die InterFace Connection als Hersteller von HIT/CLOU nicht gegeben. So habe ich auch bei jedem beschriebenen Punkt die Aussage wieder holt, dass ohne diesen Umstand / Zufall es nicht geklappt hätte. All das war notwendig für den Erfolg. Und ich wundere mich im Nachhinein, wie diese kühne Unternehmung überhaupt gelingen konnte.

Mit diesem Artikel möchte ich am eigenen Beispiel zeigen, wie unvorstellbar viele Bedingungen erfüllt sein müssen, um Erfolg zu haben. Das soll auf keinen Fall entmutigen, aber auch zeigen, dass gründen nicht so ganz einfach ist und ein pragmatischer Ansatz nicht schadet. Zumindest meine ich, dass Gründer aus dieser Geschichte viel lernen können und bin gerne bereit diesen Use Case mit Euch auch interaktiv und persönlich zu diskutieren.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 10. August 2014

Zwei kurze Rückblicke aufs 30 Jahre Fest der InterFace AG

Ende Juni haben wir 30 Jahre InterFace gefeiert. Es war ein buntes und lebensfrohes Fest, über 400 Menschen haben den Weg in den Sportpark Unterhaching zu uns gefunden.

Friedrich Lehn mit seinem Team hat gefilmt. Und neben viel tollem Bonus-Material hat er uns zwei schöne Potpourris geliefert.

Impressionen zum Fest

Stimmen zum Fest

Vielen Dank an alle, die so lieb waren, ein Interview zu geben.

Ich freue mich, wenn es Euch allen gefällt.

RMD