Roland Dürre
Sonntag, der 10. März 2019

Facebook: Impfgegner erhalten weniger Sichtbarkeit.

Unter obriger Überschrift lese ich bei Heise.de folgenden ersten Satz:


Dem Kampf gegen die wachsende Zahl von Impfgegnern schließt sich nun auch Facebook an. Das US-Portal kündigt erste Maßnahmen an.


Weiter lese ich:


Immer mehr Widerstand

Mit dem Schritt folgt Facebook Pinterest und Google, die in ähnlicher Weise damit begonnen haben, Impfgegnern die Sichtbarkeit auf ihren Plattformen zu beschneiden. Pinterest zeigt bei Suchen nach den englischen Begriffen „vaccination“ (Impfung) oder „vaccine“ (Impfstoff) keine Treffer mehr an, Youtube hat jüngst angekündigt, Videokanälen von Impfgegnern weltweit den Geldhahn abdrehen zu wollen. Facebook will nun auf Basis von Informationen der Weltgesundheitsorganisation und der US-amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention gegen Impftäuschungen („vaccine hoaxes“) vorgehen.


Diese Meldung passt gut in die Zeit, in der wir in Europa „Up-Load-Filter“ einführen wollen. Facebook, Google und Pinterest maßen sich an, zu wissen, was für die Welt besser ist. Und entscheiden, wer seine Menung vertreten darf und wer nicht.

Nicht die Kerze hat mich vor Kinderlähmung geschützt, sondern die Schluckimpfung.

Beim Stichwort „Impfen“ fällt mir sofort Kinderlähmung ein. Ich habe in meiner Kindheit diese grausame Krankheit bei Kindern erlebt. Und natürlich war für mich die Impfung gegen Kinderlähmung ein großer Segen, denn mir war klar, dass so sehr viele Menschen vor den schrecklichen Folgen der Krankheit geschützt wurden. So war für mich die Impfung gegen Kinderlähmung ein großartiger Erfolg – auch der beteiligten Pharma-Konzerne.

Das nächst Schreckliche, was ich in meinen jungen Jahren in meiner Umgebung in Punkte Erkrankung erlebt habe, waren die „Contergan-Kinder“. Am Anfang war das auch eine schreckliche Krankheit, wir wußten ja nicht, dass die Missbildungen von einem sehr fragwürdigen Medikament verursacht worden sind.

So kam bei mir früh ein Misstrauen gegen die Pharmazie-Konzerne und ihre Produkte auf. Hat diese doch mit Contergan bewiesen, dass sie beim Geschäftemachen nicht immer so genau auf den Nutzen schaut. Meine Sorge ist, dass diese Industrie auch mit Impfen gerne ihr Geld verdient, auch wenn Impfen nicht nur nutzt. Obwohl ich also alles andere als ein „Impfgegner“ bin, habe ich schon so meine Zweifel, ob jede Impfung sinnvoll ist. Denke ich an Grippe, fällt mir sofort Tamiflu ein, das ja vor allem die Bilanz der Schweizer Pharmakonzern Roche gesund gemacht hat.

Immer im Herbst stelle ich mir die Frage, ob ich mich zur Grippe-Impfung anmelden soll. Bin ich doch als bald Siebzigjähriger besonders gefährdet. Ich gehe dann aber nicht zum Impfen, weil ich gelesen habe, dass die Immun-Systeme älterer Menschen ein gutes Immun-Gedächtnis haben.

So gibt es Impfungen, die ich für zwingend notwendig und sehr sinnvoll halte (Hepatitis, Kinderlähmung, Gelbfieber und ähnliches) und andere, die ich eher für schädlich halte. Und da wir ja auch aufgrund der DVSGO (Datenschutz) keine vernünftige auf Bigdata basierende Medizin haben, ist das für mich auch schwer zu entscheiden.

Aber ich bin froh, wenn solche Themen kritisch diskutiert werden – und finde es eine Katastrophe, wenn sich da die Mächtigen einschalten. Am liebsten würde ich im Angesicht der upload-Filter ausrufen:

Wehrt den Anfängen!

Irgendetwas ist faul im Internet, wenn mächtige Konzerne die Meinungsbildung beeinflussen wollen und können. Und das zum Ziel der Gesetzbildung wird.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 2. März 2019

Zeitenwende: Das Ende der digitalen Welt?

Was passiert, wenn das digitale Zeitalter zu Ende geht?

Im Jahre 2019 habe ich nach einem Jahr Pause wieder am Biike-Camp in Sylt teilgenommen. Das Biike-Camp findet jährlich zeitgleich mit dem auf Sylt traditionellen Biike-Brennen statt. Es ist ein großartiges Treffen von Unternehmern, Beratern und Führungskräften. Veranstaltet wird es von Tedic, die Brüder Krickel haben es um die Jahrtausendwende erfunden.

Dieses Mal war das Motto Zeitenwende. Die Teilnahme hat sich wieder mehr als gelohnt. Ich war eingeladen, am zweiten Tag der Veranstaltung einen Vortrag zu halten. Als Thema wurde mir vorgeschlagen:

„Unternehmensführung in der post-digitalen Welt“

Den Vortrag gebe ich im folgenden wieder. Gestartet bin ich mit meiner persönlichen Vorstellung, dann habe ich versucht den Titel in zwei Blöcken zu analysieren.


Persönliche Vorstellung

Da mir am ersten Tag des Treffens klar wurde, wie stark die meisten von uns (und so auch ich) vom Auto geprägt sind, habe ich kurz die von mir gefahrenen Autos vorgestellt. Also meine ehemalige Auto- und heutige Fahrrad-Kultur berichtet.
🙂 Und habe auch einiges Neue bei mir selber entdeckt.

Dann habe ich die Rechner (Mac und Chrome – kein Windows) erwähnt, die ich nutze.

Also zweifache Mobilität – MIV (Motorisierter IndiviualVerkehr und im Netz). Beides sagt viel über das Leben eines weißen alten Mannes aus.

Und natürlich musste ich auch noch auf meinen Werdegang eingehen, dies ganz kurz unter Verweis auf duerre.de und if-blog.de, mit der Erwähnung, dass ich mich selber als „Spätgründer“ (late founder – erst im Alter von 34) fühle.

Zu meiner InterFace-Geschichte habe ich auf den Wikipedia-Eintrag zur InterFace AG verwiesen.


Um flexibel auf die Inhalte der anderen Vorträge eingehen zu können, habe ich auf die Zwangsjacke inhaltlicher Folien verzichtet und versucht überwiegend mit Wikipedia-Einträgen zu arbeiten.

Mein Plan war, mich dialektisch mit dem Thema  „Unternehmensführung in der post-digitalen Welt“ auseinander zu setzen. Also konkret mit den Begriffen post, digital und Welt (Block 1) und Unternehmensführung (Block 2).


 

I. Die post-digitale Welt

(Block 1 – was bedeutet post, digital, Welt?)

Bisher kannte ich nur den Begriff post faktisch. Post digital  dagegen war mir neu. Post faktisch heißt für mich, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben – als Teil der neuen Unredlichkeit (Rupert Lay).

Das merkt man sogar bei der Gesetzgebung. Nicht nur in China werden Gesetze so formuliert, dass sie beliebig ausgelegt werden können. Vielleicht Absicht?

Digitalisierung ist selbstverständlich geworden. Jeder spricht darüber. Vor kurzem habe ich gelesen: Die Digitalisierung ist eine Technologie, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Will sagen, dass ohne Digitalisierung und bald auch KI nichts mehr gehen wird.

Wir scheinen total von der Digitalisierung abhängig zu sein, wie z.B. auch von Strom und Elektrik. Genauso wäre ohne Digitalisierung unser Leben nicht so möglich, wie die meisten von uns es mögen. In jedem Stück Technik steckt ein beachtliches Stück Software drin, es gibt keine Technologie ohne Software „inside“.

Diskutiere ich mit den “Bienenschützern” in Bayern die provokative These, dass “es ist zu spät ist” für die Bewahrung des Planeten, dann erzählen die mir, dass man Dank Digitalisierung auch den Planeten retten könnte.
🙂 Die Erwartungen an „digital“ sind hoch.

Um Digitalisierung zu erklären, verweise ich gerne auf Wikipedia. Dort hat Thomas Kofer – damals Mitarbeiter beim ZD.B –  viele Manntage investiert, um den Begriff zu beschreiben.

Dann suche ich im großen Netz nach post digital. In Wikipedia finde ich so einen Unsinn nicht. Dafür werde ich bei  Accenture fündig, hier ein kurzes Zitat zu post digital:

„The advent of technology identities is leading to a new generation of business offerings.“

Ist das ernst gemeint? In dem Link findet man noch mehr von solchem BBB (Berater-Bullshit-Bingo). Für meinen Vortrag hilft mir accenture nicht weiter.

Digital und Digitalisierung sind aktuelle buzzwords. Sehr beliebt – und jeder stellt sich etwas anderes darunter vor.

So untersuche ich das Wort post und finde „kennzeichnet in Bildungen mit Adjektiven – seltener mit Substantiven oder Verben – etwas als zeitlich später liegend, erfolgend“. 

Stimmt – post ist ein Adjektiv für Adjektive. OK, das verstehe ich.

Digitalisierung gilt als unumkehrbar. Weil, wenn es die Digitalisierung nicht mehr gibt, dann gibt es auch keine technische Industrie mehr. Denn in jedem technischen Produkt ist heute Software, also Digitalisierung – und bald auch KI – drin.

Dann kann es doch kein post-digital geben, würde das doch das Ende unserer technologischen Welt bedeuten. Besonders nicht wenn die digitale Welt sich in Form von künstlicher Intelligenz (KI) verselbstständigt. Was ja alle erwarten.

 


Einschub zu KI

Künstliche IntelligenzDeep learningBig Data sind in der aktuellen Buss-Word-Liste ganz oben. Die Welt oder zumindest alle, die mitreden wollen, spricht von Roboter & Bots.

So frage ich in die Runde:

Wer kennt die drei Buchstaben T, A und Y?
Zusammengefügt als Wort und Name Tay

Viele in Deutschland reden über KI, aber die meisten wissen nicht, was das ist. So kennt auch mal wieder keiner, den Tay. Das finde ich symptomatisch für die ganze aktuelle Diskussion.

Tay ist oder besser war der Twitter-Bot von Microsoft. Microsoft hat ihn entwickelt – und wurde dann schnell stillgelegt wegen Fehlverhalten. Die erste wie die zweite Version. Das ist schon wieder ein paar Jahre.

Heute zieht sich Microsoft wohl aus der KI zurück. Sie kapitulieren vor Amazon und Google und geben ihr System/Projekt Cortana auf. Weil KI für den großen, reichen und so mächtigen IT-Konzern Microsoft eine Nummer zu groß scheint.

Gleichzeitig erklärt der Freistaat Bayern, eine KI-Offensive eröffnen zu wollen. Microsoft gibt auf, weil Google und Amazon zu weit vorne sind. Und Bayern will es richten. Wie China. Nur – China wird es schaffen. Bayern selbstredend nicht.

Als Beispiel erzähle ich meinen Zuhöreren von dem chinesischen Nachrichtensprecher-Bot  Keiner aus der Runde der KI-Experten kennt ihn. Da wunder ich mich schon.

Ende des Einschubs zu KI


 

Wie könnte das Ende von Digitalisierung und AI/KI aussehen?

Dazu ein paar Gedankenexperimente:
Beginn der Digitalisierung war die Verschriftung von Sprache.
Also könnte “post digital” bedeuten, dass der größte Teil der Bevölkerung nicht mehr flüssig, sondern nur noch rudimentär lesen und schreiben kann? Könnte nach meiner Meinung gut möglich sein. Wäre das gut oder schlecht? Gibt es da überhaupt ein gut und schlecht – oder sind das alles nur unsere traditionierten Vorurteile?

Denn:
Warum soll man etwas lernen, dass man nicht mehr braucht? Also: warum noch Lesen lernen (und es dauernd üben, weil es sonst beschwerlich wird), wenn es das meiste wissenswerte auch als eBook und podcast gibt und den Rest der sprechende Computer vorlesen kann? Und dabei auch nebenher übersetzt. Der asynchrone und synchron Austausch geht sowieso über Sprache (Sprachnachrichten). Das ist schön, weil Sprache mehr als Schrift  transportiert. Und dann natürlich die Sprache keine Rolle mehr spielt?

Eine moderne Gesellschaft könnte dann sehr wohl ohne Lesen & Schreiben auskommen könnte, aber garantiert nicht ohne Digitalisierung.

Dann denke ich über “post digital” nach. Auf der Ebene

– Was und Wer könnte das Internet zerstören?
(neben der Regelwut der von der BRD-Lobby getriebenen EU)

Zwei Gedanken kommen mir dazu:

Aus Ingenieuren werden Priester.

Das hat Isaac  Asimov in seinen Zukunftsromanen (Beispiel sein Zyklus zu Trantor) schon vorgestellt:
Die Menschen, die die Systeme warten, verstehen die ihnen anvertrauten Maschinen nicht mehr und führen nur noch angelernte (Pflege- und Wartungs-)Rituale durch.

Das könnte ich mir gut vorstellen, denn in der Informatik beim Programmieren erlebe ich das heute schon. Was da alles geklickt wird – und sie wissen nicht, was sie tun. Die Komplexität wächst uns über den Kopf, da ist es leicht möglich, dass die Welt ihr Know-How verlernt.

– Das Ende des Moore’schen Gesetz.

Ganz einfach:

IT besteht aus der „Dreifaltigkeit“ von Rechenwerk, Leitung und Speicher.

Das sind die drei relevanten Bauteile von IT. Beim Speicher sind wir im Nano-Bereich, kleiner geht es wegen der Größe der Atome nicht. Auf der Leitung arbeiten wir mit Lichtgeschwindigkeit, schneller geht es nicht. Den Begriff Rechenwerk verwende ich absichtlich. Denn ein moderner „Prozessor“ (z.B. von Intel) enthält so vieles, dass ich gerne mit der Metapher der Großstadt New York vergleiche.

Das Rechenwerk wollen wir mit dem „Quanten Computer“ schneller machen. Nur so richtig gibt es den ja noch gar nicht, und vielmehr als Entschlüsseln wird er auch nicht könnten. Aber das genügt den Staaten dieser Erde, denn sie haben ja vor allem ein im Sinne, nämlich uns zu überwachen.

So könnte das Ende des Moor’sche Gesetzes unsere KI-Träume beenden. Die beliebige Ressourcen-Vermehrung in kurzen Zeiträumen in Zweier-Potenz hat uns in den letzten Jahren ziemlich verwöhnt, damit könnte in absehbarer Zukunft definitiv Schluss sein.

Was ist denn wichtig in der digitalen Welt?

Für mich kommt da ganz zuerst Wikipedia – das aus vielen Gründen:

– Wikipedia – Das Lexikon des Welt-Wissens.

Wikipedia ist toll. Derzeit frei von Werbung (außer ein paar eingeschmuggelte Artikel über Frauen von Bayern-Spielern), komplett ehrenamtlich betrieben und finanziert durch Spenden, kein Konzerneinfluss etc.

Traumhaft, eine der letzten freien Bastionen. Wir brauchen es täglich, weil es ja keine Lexika mehr gibt. Trotz vieler Schwächen z.B. bei Artikeln zum Thema Digitalisierung/IT ist Wikipedia klasse.

Jetzt kommt aber das ABER:

Es wird gemacht von alten weißen Männer, d.h. es gibt kaum jungen Nachwuchs und nur ganz wenig Frauen. Wikipedia ist wie eine Wissens-Infrastruktur. Wie bei vielen Infrastrukturen in unserer Welt (Straßen, Brücken, Schienen) steigt der Bedarf an Pflege und Sanierung, aber die Ressourcen werden weniger.

Wikipedia ist bedroht durch Überalterung und zusätzlich durch Urheberrecht (Update-Filter) und Lobbyisten-Druck.

Was passiert, wenn Wikipedia zerfällt? Wer übernimmt dann Wikipedia?

Einer der drei Deutschland beherrschenden Medienkonzerne? Oder die Bundesregierung? EU und UNO wären auch noch Kandidaten. Oder die Internetgiganten wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft …

Stell Dir mal vor, man könnte in Wikipedia Werbung schalten! Ich könnte mir weitere tolle Geschäftsmodelle vorstellen, wenn mir Wikipedia gehören würde.

– Dienste wie Youtube, Vimeo, Facebook++, wechat …?
(E-Mal als Dienst habe ich hier bewusst nicht erwähnt, weil man sie nach meiner Meinung keiner mehr braucht).

Alos: Was passiert, wenn es das alles nicht mehr gibt? Vor kurzem las ich von Morddrohungen gegen die Youtube-Chefin wegen Ihrer Aussage, notfalls als eine Folge neuer Urheberrechtsgesetze (Update-Filter) den Dienst in den betroffenen Ländern abzuschalten!

Es gilt: 

Regelwut schadet.

Uns allen!

Besser:
Die Ursachen angehen. Also die Fehler suchen. Und dann Reformen machen. Zum Beispiel beim Urheberrecht.

Und  bitte weniger DGSVO …

À propos Welt:

Zur Erinnerung: Nur zirka eine Hälfte der Menschheit „ist im Internet“. Es gibt so zwei Welten, die eine mit und eine ohne Internet. In etwa gleich groß.

Es gibt aber auch im Internet zwei Internets (so eher als „vertikale Trennung“). Das „chinesische“ und das “unsere”.

Das merkt mancher Tourist plötzlich am Flughafen in Peking, wenn er mit gmail einen Gruß nach Hause senden oder ein wenig chatten will. Und es halt nicht geht.

Also versucht er VPN. Nur VPN-Dienstleister sind schlecht oder teuer. Meistens beides. Wenn man also nicht ein VPN eines noch in China tätigen deutschen Konzerns hat, geht es schlecht. Google-Maps geht auch nicht. Es kann schwierig werden. Lost in China. Aber keine Angst, die praktische chinesische AI hilft Dir dann.

À propos China:

Die machen jetzt ganz viel mit KI. Unter anderem stecken sie alle Menschen in ein Social Media – System rein, das alles kann (wechat). Und dann vergeben sie „Credits“ für soziales Verhalten, positive und negative. Führt das zu einer digitalisierten Diktatur – oder geht damit der Traum der Menschheit von einer angemessenen Gerechtigkeit wahr? Schon Aristoteles erkannte ja, dass eine arithmetische Gerechtigkeit im sozialen Leben eher keinen Sinn macht.

Ich denke mir mal, dass mit der chinesischen Technik auch die chinesische Kultur zu uns kommen wird und bin gespannt, ob so etwas bei uns dann auch nicht mehr weit weg ist.

Außerdem:
Die Nutzung des Internets ist kollektiv wie individuell völlig unterschiedlich! Ich würde sagen, wir haben also noch horizontale Trennungen.

In einer “entwickelten, wohlhabenden und intellektuellen” Welt wird das Internet wesentlich anders genutzt als in einer „armen” und „bildungsfernen“. So spaltet sich das Internet noch ein paar mal auf. Es gibt: Home-Office-Nutzer, Porno-Gucker und Netz-Spieler. Verrückte und Fanatiker. Undsoweiter. Alles wie im richtigen Leben. Damit will ich nicht sagen, dass die „intellektuellen“ keine Pornos anschauen.

Und weiter soll und wird sich sich im Netz eine schier unvorstellbare Anzahl von smarten Geräten tummeln (alles, was WLAN kann, ist smart und braucht das Netz, vom Auto übers Licht und dem Kühlschrank bis zur Waage). Das auf einem System mit veralteten Protokollen, die für ganz andere Zwecke geplant waren. Und wo keiner so recht weiß, wer denn überhaupt für die Veränderung von Schnittstellen zuständig ist.

Wie soll das Funktionieren?

Sicher eine gute Frage.

 


Aber jetzt mach ich Schluss mit digital und post-digital und wende mich hin zum Unternehmens-Management, sprich zu Führung und sozialem Zusammenleben.


 

II Unternehmensführung

(Block 2 – was ist das, ein Unternehmen und was ist Führung?)

Unternehmen
Ein junger Mensch hat mal zu mir gesagt, ein Unternehmen ist für ihn ein organisierter Menschenhaufen mit einem Zweck oder Ziel.

Keine schlechte Definition. Wir nennen Unternehmen wie Behörden soziale Systeme mit einem ökonomischem bzw. administrativem Zweck.

Bei Unternehmen ist Größe ein wichtiges Kriterium. Es gibt Konzerne und Klitschen. Beide sind und funktionieren völlig verschieden.

Wir gehen in unserer Denke wie selbstverständlich davon aus, dass ein Unternehmen Mitarbeiter hat. Nicht nur eine Satzung und Kapital. Und dass die Mitarbeiter wie Kunden eines Unternehmen Menschen sind. Dass Unternehmen also Mitarbeiter haben. Bei den Kunden stimmt das nicht mehr. Meistens machen die kleinen ihr Geschäft mit anderen Unternehmern, man nennt das B2B.

Unternehmen ohne Menschen, ist das denkbar? Nur mit Robotern oder Bots? Alles, was Menschen braucht, wird „outgesourct“, sprich von Providern eingekauft. Und die Kunden sind auch keine Menschen mehr, sondern z.B. selbstfahrende Autos und deren Betreiber? Ist das vorstellbar? Dann braucht man keinen Betriebsrat und die Arbeitsgesetze (Arbeitszeit, Betriebsverfassung, Arbeitsverträge …) spielen keine Rolle mehr?

Ich kenne Gründer(-teams), die wollen ein Unternehmen aufbauen, bei dem alles automatisiert ist. Im Prinzip besteht das Unternehmen dann nur aus einem Stück Software!

Keine Mitarbeiter, nur Roboter (und Lieferanten und Partner). Alles andere wird “out gesourct“ – ob die Programmierung des Produktes oder Marketing / Vertrieb. Es bleibt ein kleines Back Office einen Assistenten oder Assistentin – die Führung beschränkt sich auf diesen.

Dann braucht es keine Führung im Sinne von ”Human Ressource! Ein gelungenes Jammen innerhalb des Gründerteams genügt völlig. Wie beim Jazz. Gründung und Unternehmen werden zum  Spiel mit Lieferanten, Kunden und Geldgebern.

Von BayStartUp kenne ich solche Business-Pläne. Ich würde sagen, die liegen im Trend. Wie es mal Trend war, Portale oder Apps zu bauen. Oder 3-D-Drucker zu nutzen …

In jedem Geschäftsplan, den ich kenne, war die benötigte und zu schreibende Software von herausragender Bedeutung- ich erinnere mich an keinen Business-Plan, in dem diese nicht eine wesentlich Begründung oder Ursache fürs USP war.

Führung kann es per se nur geben wenn es Menschen (Arbeiter oder Angestellte) gibt. Vielleicht aber braucht es diese in Zukunft gar nicht mehr.

Für diesen Vortrag gehen wir mal von der Hypothese aus, dass Unternehmen auch in Zukunft mehrheitlich Mitarbeiter haben werden. Dann macht es Sinn über Führung zu reden.

Die Bandbreite von Führung.

Hierarchie versus Netzwerk.
(von Teams, die im Netzwerk zusammenarbeiten)

Gruppen-basiert (Modell der Reichswehr – Siemens) versus Team-basiert (Micro-Organisation mit Selbstorganisation)

Geheimhaltung versus Transparenz

Taylorismus
(die detaillierte Vorgabe der Arbeitsmethode „one best way“, exakte Fixierung des Leistungsortes und des Leistungszeitpunktes, extrem detaillierte und zerlegte Arbeitsaufgaben, Einwegkommunikation mit festgelegten und engen Inhalten, detaillierte Zielvorgaben für den Einzelnen nicht erkennbarem Zusammenhang zum Unternehmensziel sowie Qualitäts-Kontrolle)
versus
Involviertheit 
(als Summe von Einbezogensein, Eingebundensein, Aufgabenintegration …)

Prozesse versus Selbstorganisation
(Henry Ford – Die Kaste der Ingenieure als Vorläufer der Kaste des Management)

Feudalismus versus Selbstbestimmung.

Fremdgehörigkeit versus Eigengehörigkeit.

Wichtige Ebenen könnten auch sein:

Ratio versus Gefühl
(Immer mehr verstehen wir, dass die Vernunft nicht mehr aussreicht).

und

Gewalt versus Gewaltlosigkeit
(Gewalt dürfte die Strukturen von sozialen System am meisten beeinflussen)

Das ist die Theorie der Macht. Es gibt zwei Klassen, die Klugen und die Dummen. Bei Henry Ford waren es die dummen Bauern, die durch den Einsatz von mächtigen Maschinen in der Landwirtschaft arbeitslos geworden sind und so für ihn arbeiten mussten. Die waren nicht einmal mit der Uhr waren sie vertraut. Die Ingenieure mussten ihnen alles beibringen, von der Pünktlichkeit bis zur Handhabung der Werkzeug. Jeder Griff am Fließband musste Ihnen vorgegeben werden. Und der Kaste der Ingenieure ist die Kaste der Manager entsprungen.

Bewertung:

Es ist bekannt, dass mir mein Leben lang die rote Variante lieber war. Die Praxis ist aber nie schwarz-weiß (in diesem Fall rotblau, so dass es meistens mehr um die Frage geht, ob eine Organisation mehr rot oder mehr blau ist. Ich meine auch nicht, dass rot nur für die „kreativen“ Tätigkeiten oder blau nur für die „einfachen“ Tätigkeiten funktioniert. Da kenne ich viele Gegenbeispiele, wie z.B. Buurtzorg für Pflegeleistung. Über 10.000 Mitarbeiter in den Niederlanden und eine scheinbar einfache Arbeit.

Digitalisierung unterstützt rot und blau !!! Sie ermöglicht Kommunikation auf Augenhöhe und wird auch in der Hierarchie „Chef-Rollen“ manifestieren und übernehmen. Daher auch die Angst, dass Roboter die Menschheit beherrschen werden.

Ich bin überzeugt, dass sowohl effiziente Strukturen, gleich ob eine blaue oder rote durch eine digitale Infrastruktur mächtig unterstützt werden können.

In der blauen Welt für die Umsetzung und Einhaltung der Prozesse und Kommandostrukturen, in der roten zur Realisierung einer Infrastruktur, die ein Erfahrungs- und Erkenntnis-Management für alle ermöglicht.

Bewußt gebrauche ich nicht den Begriff Wissens-Management. Weil es um Erkenntnis und Erfahrung geht.

Und in beiden Welten sehe ich große Möglichkeiten, KI/AI einzusetzen. Aber auch ganz ohne KI/AI kann und wird die digitale Infrastruktur zur „digitalen Zwangsjacke“ werden. Stellen wir uns ein Unternehmen vor, dessen „Betriebssystem“ komplett in Office365 von MS und SAP implementiert ist. Wenn so ein System ein gewisses Maß an Komplexität erreicht hat, dann kann man es kaum mehr sinnvoll ändern.

Vielleicht haben Menschen irgendwann mal keine Lust mehr auf solche digitalen Zwangsjacken.

Aus- und Rückblick in die Geschichte
Denn gerade bei sozialen Themen muss das Gestern, Heute und Morgen zusammen betrachtet werden.

Gestern:
(vor 1900)
Im Europäischen-Kulturkreis gab es Leibeigenschaft, in der neuen Welt Sklaverei (auch in God’s own country).

Auf einer Karibik-Reise kam ich nach Curaçao. Dort habe ich im Kura Hulanda Museum viel über die Sklaverei gelernt.  Die Sklaverei existierte offiziell bis zum Beginn des 20 Jahrhundert. In vielen Ländern gibt es sie heute noch.

Aber auch in Europa und Deutschland gab es viele Jahrhunderte Leib- und Grundeigenschaft. Was im Prinzip dasselbe ist wie Sklaverei. Nur wenige Menschen hatten den Status der Eigengehörigkeit, die Fremdgehörigkeit die Regel. Die Mehrheit der Menschen lebte auf dem Land und produzierte Nahrungsmittel (90 %). Nicht in der Stadt – “Stadtluft macht frei” (10%).

In der Stadt ist der Fortschritt entstanden. Weil da die freien Handwerker – Holz und Eisen, Hebel und Rad (Schubkarre) vernetzt zusammenarbeiteten. Auf dem Land waren die meisten Menschen Leibeigene, also Eigentum von dritten. Überwiegend waren sie Bauern und bearbeiteten das Land. Deshalb waren sie Bodeneigene. So war es ganz einfach – die Menschen gehörten dem, dem das Land gehörte.

Land und Menschen gehörten der feudalen Schicht – dem Adel und der Kirche. Dies bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Auch das ist ein Teil unserer glorreichen christliche Tradition. Der leider gerne vergessen wird.

Jetzt aber kommt der Hammer:

Sklaverei und Leibeigenschaft wurden nicht aus humanitären Gründen abgeschafft sondern weil es zu teuer, unbequem und aufwändig war. Das erklärt auch den Krieg zwischen Nordstaaten und Südstaaten in den USA. Natürlich wurde die Ende der Sklaverei durch den Widerstand der Betroffenen begünstigt. Dieser Widerstand fand individuell und kollektiv statt. Aber Religion und Moral oder die Philosophie haben die Sklaverei nicht abgeschafft. Sondern wirtschaftliche Gründe.

Spätestens da war mein idealistischen Weltbild zerstört.

Heute:

Konsumismus wird Welt weit zur mächtigsten Religion. Ohne Arbeit ist der Mensch wertlos und steht außerhalb der Gesellschaft. Arbeit wird weniger werden. Da denke ich vorallem auch an gut verdienenden Sachbearbeiter in Behörden und Finanz-Industrie und vergleichbare Aufgaben. Schon heute hat RPA (Robotic process automation) eine große Relevanz.

In den entwickelten Gesellschaften geht es den Menschen, die einen Job (oder/und Kapital) haben noch richtig gut. Aber die Reichen, denen es gut geht, werden immer weniger und die Armen immer mehr.

Morgen:

Ob Unternehmen und ihre “Führung” blau oder rot sein werden, hängt davon ab, was besser funktioniert. Da geht es nicht um Ethik, Moral oder #newwork.

Und die Entwicklugn wird natürlich auch von der wirtschaftlichen und sozialen gesellschaftlichen Situation ab. Es könnte aber auch gut ganz schlicht ums Überleben gehen!

Zukunft

Ich möchte keinen Versuch wagen, die Zukunft vorherzusagen
Andere können das sicher besser. Mein Favorit ist und bleibt die Brave new World vonAldous Huxley.

Dieses Buch noch nicht kennt, der hat drei Möglichen.

  • Er kann das Buch lesen (oder das Hörbuch) anhören,
    Also ganz klassisch. Das dauert eine gewisse Zeit.
  • Er kann ins Theater gehen (im Volkstheater München gibt es eine herausragende Inszenierung)
    Dazu muss man erstmal eine Karte kriegen – das Stück wird selten gespielt un
  • Oder bei Wikipedia nach lesen 😉
    Das ist die einfache, schnellste und kostenlose Variante.

Wie könnte es weiter gehen?

In der kleiner werdenden Oberschicht:

  • Geld wird zur elektronischen Zahl (eine Ziffer auf dem SmartPhone)
  • Macht und Feudalismus werden bleiben.
  • Die Oberschicht arbeitet in den “entwickelten Gesellschaften” mit Mut und Freude.
  • Arbeit wird für diese  zur Selbstverwirklichung. Dort könnte  “newwork” passiern? Alle Anstrengungen dienen der
    Mehrung des Vermögens und der Abwehr von Verarmung.
    Die Zeit wird zum persönlichen Wert

In der Masse wird es anders aussehen!

  • Keine Arbeit oder prekäre Arbeitsverhältnis.
  • Arbeit auf Abruf. Wenn der Roboter mal nicht funktioniert. Oder gerade Bedarf ist. Wie am Hafen in Mombasa oder in der Kali-Mine in Tunesien, wo die Menschen in Massen vor den Toren stehen, um für Kleinstbeträge ihre Arbeit anzubieten. Oder:
  • Dank BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) Zeitvertreib durch Spiele. Oder einfach Herum-Chillen.

Die Polarisierung in arm und reich nimmt zu – die – weltweite Tendenz ist klar: Die Reichen werden reicher und weniger und es gibt immer mehr Arme. Und das drastisch.

Zeitenwende:
Die gesellschaftlichen Treiber der kommenden Zeitenwende dürfte Geldfeudalismus, Roboter und Arme sein. Es wird ein BGE geben müssen, das nicht reicht, so dass die Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen ihr Einkommen aufgebessern müssen.

Neue Kombination von Feudalismus und Sklaverei?

Die mit “Kohle” können sich in Mut und Freude verwirklichen, gegebenenfalls “ehrenamtlich”. Ansonsten ist ihre Hauptaufgabe, ihr Vermögen zu mehren. Und müssen nur aufpassen, nicht zu verarmen.

Der Rest hat ein BGE oder keins und verdient dazu oder kämpft um seine Existenz?

Themen
(die mich bewegen)

  • Erziehung
    Sollen Kinder möglichst früh ein Smartphone nutzen?
  • Ausbildung
    Schule taugt nichts mehr. Was muss hier passieren?
  • Wissenschaft und Lehre
    Die Strukturen und das Leben in Akademis ist immer noch feudalistisch. Wird das für die Zukunft genügen? Meine Antwort: Nein!
  • Gesellschaft:
    #Newwork ist in weiter Ferne, weil unsere Gene immer noch feudalistisch geprägt sind. Die Männer geben weiter den Ton an.

Vor Westerland (Sylt) beim Strandspaziergang.
Nur, wohin führt der Weg?

RMD

P.S.
Diesen Artikel widme ich dem Biike-Team um Kai Krickel.

P.S.1
Zum Ende der beiden Tage sind die Referenten gebeten wollen, noch kurzfristig und prägnant den Zuhöreren eine Botschaft mit zu geben. Auf die Schnelle fiel mir nichts besseres ein als
„Love it, change it or leave it“!

Roland Dürre
Sonntag, der 23. Dezember 2018

TWITTER.

Der Artikel von Hans Bonfigt zu meinen Gedanken über alte weiße Männer enthält so eine Art von „Hasstirade“ gegen die Grünen wie auf den „Kurznachrichten-Dienst“ Twitter.

😉 Ich weiß gar nicht, was Twitter mit „alten weißen Männern“ zu tun hat? Dass der aktuelle US-Präsident dort sehr aktiv ist und ein CSU-Innenminister da jetzt wohl auch mitmachen lässt? Beides ist ja eher eine Ausnahme bei den „alten weißen Männern“.

So will ich Twitter ein wenig rehabilitieren. Vielleicht werde ich auch  späteren in einem Artikel zu der Gefahr einer faschistischen Öko-Diktatur ausgelöst durch grüne Bewegungen und Parteien Stellung nehmen.

Für Hans ist Twitter ein rotes Tuch. Damit kann ich gut leben, meine ich doch, den Hans gut zu kennen. Was übrigens auch schon wieder ein absurder Satz ist, denn wie kann man sich anmaßen, einen anderen Menschen „gut zu kennen“. Kennt man sich doch in der Regel selbst nicht.

Ich habe die Vermutung, dass Hans bei Twitter gar nicht dabei ist und den „Dienst“ so gar nicht kennt. Zumindest habe ich keine Kennung von ihm in Twitter gefunden.

Zurück zum „Kurz-Nachrichten-Dienst“, laut Hans Bonfigt „der Klowand des Internet“.

Und ich versuch das jetzt mal ganz sachlich zu beschreiben:
In Twitter sieht man nur die eigene „timeline“, also dass was von den Menschen ins Netz gestellt wurde, denen man folgt. D.h. das was man in Twitter sieht ist abhängig von dem, was man sich selber aussucht.

Gelegentlich verfolge ich auch Menschen, die Unsinn oder gar Hass verbreiten. Einfach weil ich neugierig bin. Das mache ich aber meistens nur kurz, weil es mich sehr schnell nervt.

So könnte man sagen, dass ich in einer Twitterblase von überwiegend Gleichgesinnten lebe – also mich einschränke auf Menschen, die über ein Wertsystem und Gedanken verfügen, die gut mit mir kompatibel sind. Aber ist das nicht überwiegend im ganzen Leben so? Wie es doch heißt: Gleich und gleich gesellt sich gerne. Wir suchen doch alle gerne „Gleichgesinnte“. Auch am Stammtisch.

Die Menschen, denen ich gerne in Twitter folge,nehme ich als sehr konstruktiv und kritisch wahr. Und von ihnen bekomme ich eine große Menge von Hinweisen auf klasse Artikel und Blog-Beiträge. Wenn ich das von Assistenten oder Referenten in gleicher Qualität machen lassen würde, bräuchte ich ganz schön viel und qualifiziertes Personal.

Screenshot meiner Twitter-Kennung am Vormittag des 23. Dezember 2019.

In meiner Timeline sind Medien, internationale Presse, Verlage, Politiker, die Polizei, Unternehmen wie auch die Bahn und viele Menschen, die wie ich das Internet als Mitmach-Netz betrachten. Da gab es dochmal die Definition von WEB 2.0, dass aus Teilnehmern Teilgeber werden. Ein Wandel, der ja auch im „echten“ Leben stattfindet – siehe die Entwicklung von klassischen Konferenen hin zu Barcamps.

Vor allem folge ich Menschen, die es so machen wie ich: Wenn sie etwas überzeugt oder ihnen gefällt, dann teilen sie dies mit ihrer „Timeline“. So bekomme ich unendlich viele Hinweies und Tipps: Auf gute Artikel oder Blogbeiträge, interessante Statistiken und Fakten. Und ich komme mir vor wie ein Ministerpräsident oder Politiker, dessen Assistenten auswählen, was es für ihn interessantes in der Welt so gibt.

Bei vielen Kongressen sind Twitter-Partner von mir dabei und teilen (twittern) die herausragenden Aussagen der Vorträge unter einem Hashtag. Dann verlasse ich meine „timeline“ und wechsel sozusagen in einen thematischen Modus. So konnte ich zum Beispiel auch in der Karibik im November/Dezember den IT-Gipfeln in München ausgezeichnet verfolgen. So auch den CDU-Parteitag. Und viele Menschen waren da „live“ dabei (vor Ort oder dem Fernseher) und berichteten eifrig. Das war sehr spannend und effizienter als die Zeit vor dem Fernseher zu verbringen (was in der Karibik auch nur schwerlich möglich ist).

Wenn ich die Qualität der Beiträge lese, dann stelle ich fest, dass da schon ziemlich viel gute Leute mitmachen. So würde ich sagen, dass gerade bei Twitter eher die Elite und nicht der Abschaum unterwegs ist.

Und noch einen Vorteil habe ich von Twitter, den ich sehr wert schätze. Immer wenn mir etwas als wichtig erscheint, dann „retweete“ ich (das heisst ich übernehme den Tweet in meine „timeline“) oder antworte darauf. All das wird protokolliert. Wenn ich mich also erinnere, dass da doch zu einem Thema ein spannender Artikel dabei war, muss ich nur ein wenig in meinem Tweet-Protokoll zurück gehen und schon finde ich das Dokument wieder.

Und nebenher kann man mit Twitter Aufmerksamkeit auf Veröffentlichungen lenken. Auf fremde wie seine eigenen. Immer wenn ich einen IF-Blog-Artikel in Twitter erwähne, habe ich gleich ein paar Leser mehr.

Das alles finde ich große Klasse. Und jeder der mir das nicht glaubt, der muss mir nur folgen. Und kann mir dann rückmelden, ob ich interessantes „tweete“ und „retweete“, oder ob das Ganze doch ein wenig Sinn macht. Gerne gebe ich auch eine Liste von „Twitter“-Accounts als“follow-Empfehlungen“ weiter, von denen ich begeistert bin.

Und Twitter hat noch einen zweiten großen Nutzen. Zum Beispiel gehört Twitter zu Barcamps und erlaubt das Geschehen auf einem Barcamp auch aus der Ferne mitzuerleben, auch wenn man selber pyhsisch gar nicht teilnehmen kann.

Ganz allgemein gehe ich übrigens in meine „timeline“ nur sporadisch. Wenn ich z.B. auf Reisen bin oder ein wenig Musse habe. So ist das, was ich mitkriege auch vom Zufall abhängig. Auch das ist sehr spannend.

Euer

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 6. Juni 2018

Digital, bekloppt, banal

Wenn das Herz stockt, Folge # 1337 :

Hallo, ich bin John

Ich bin WiFi-Architect in einer Behörde, mit Fokus auf Schulen und kommunale Einrichtungen in Nordrhein-Westfahlen, Deutschland. Zuvor habe ich als Integrator für Software-Lösungen von Spielberg und als Netzwerk-Architekt für Kunden im Mittelstand gearbeitet. Anfangs war ich Active-Directory und Firewall-Administrator in einer der größten, europäischen Bankunternehmen.

[…]

Für mich ist WiFi für unsere Schulen eine Möglichkeit, unsere Zukunft ein wenig besser zu gestalten. Ich möchte Kindern und Lehrern die Möglichkeit geben, diesen wunderbaren Planeten zu entdecken. Es steckt also auch ein bisschen Idealismus in meiner Arbeit. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass ich diesen Job machen darf.

 

 

Ich bin in Düsseldorf auf die Welt gekommen, habe die erste Hälfte meines Lebens in Meerbusch Osterath verbracht und die zweite Hälfte in Krefeld Königshof.

Na gut, er kommt aus Düsseldorf.  Das gibt mildernde Umstände.

Unser John möchte unseren Schülern und Lehrern ein Mittel an die Hand geben, das diese erstmals in die Lage versetzt, die Welt zu entdecken.  Mir bleibt bei einer solcherart unbeabsichtigt zu Schau gestellten Borniertheit glatt die Spucke weg.

(p * V) / (T * m) = R

Das wäre ein Ansatz, die Welt zu entdecken.

Und die Aufgabe einer Schule wäre es, Menschen zu zeigen, was hinter dieser Gleichung steht und was man damit alles anstellen kann.  Man kann die Gleichung auffassen als Definition der spezifischen Wärmekapazität in J/(Kg*K) (Druck * Volumen ergibt ja Energie).  Sie ist aber auch die Verknüpfung entscheidender Teile der Lebenswerke von Boyle-Mariotte, Gay-Lussac und Ludwig Boltzmann.

Alle drei haben die Grundidee des Arztes Robert Mayer zum ersten Hauptsatz der Thermodynamik weiterentwickelt:  „Energie geht nicht verloren“.  Der hört sich trivial an, aber er hat unser Verständnis unserer Welt erst ermöglicht.  Und über den zweiten Hauptsatz und dessen universelle Relevanz streiten sich bis heute die Gelehrten:  „In einem geschlossenen adiabaten System kann die Entropie nicht geringer werden“.

Die Schule ist nicht dazu da, den Menschen die Welt möglichst einfach und mundgerecht vorzukauen und zu „präsentieren“, sondern dazu, ihnen das Rüstzeug an die Hand zu geben, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.

Und dazu braucht man ganz bestimmt kein „WLAN“ oder einen „Computer“.  Ganz im Gegenteil, die Initative „Schulen ans Netz“ kann neben dem Islam als größter Bildungsfeind betrachtet werden.

Hierzu:  Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer

Natürlich gab es haufenweise Verrisse hierzu, allen voran der Sueddeutsche Beobachter und, subtiler, eine Replik von Dieter Kempf, dem Mann also, der die DATEV in eine digitale Sackgasse gefahren hat.

Es gibt nichts peinlicheres als den deutschen Bildungsbürger.  Ich kann mich erinnern, als ich etwa 1976 während des stinklangweiligen, nervtötenden Geographieunterrichts ein Assemblerprogramm schrieb; man tat das früher auf Formularen in A4 quer, und obendrauf stand fett „KIENZLE  Assembler 2200“ — es fiel also durchaus auf, daß ich mich nicht mit einer Landkarte beschäftigte.   „Sag‘ ‚mal Bonfigt“, so störte mich unvermittelt der zweitlangweiligste Pauker des Gymnasiums, „wie willst Du eigentlich später Dein Geld verdienen ?  Doch nicht mit dieser brotlosen Kunst ?“.   Naja, ich war nicht nett damals und entgegnete, „Naja, wie man es nimmt.  Mehr als ein Geographielehrer verdiene ich jetzt schon, aber ich wüßte nicht, wie ich mit den paar Kröten einen angenehmen Lebensunterhalt bestreiten sollte“.  Das war dumm und arrogant, aber genau so dumm war es, Menschen, die sich mit so etwas „exotischem“ wie Computer beschäftigten, als unnütze Spinner zu bezeichnen.  Auch die „Klassenkameraden“ hatten keine Ahnung, was man mit so einem Ding alles anstellen könnte — was daran lag, daß es gottseidank noch keine Hobbycomputer gab.  Dieser widerliche Commodore-Brotkasten befiel die Welt erst in den Achtzigern.

Hätte ich damals meinen Mitschülern empfohlen, sich einen Computer anzuschaffen — alle hätten mir einen Vogel gezeigt (taten die getauften Heiden sowieso, ich war der notorische Klassenspinner).  Wenn ich heute sage, „kein Kind braucht einen Computer für seine persönliche Entwicklung“, dann bin ich wieder der Idiot.  Früher war ich ein perverses Schwein, wenn ich sagte, man solle die Schwulen doch in Ruhe lassen, solange sie nicht andere belästigen, heute bin ich ein Rassist/Faschist, wenn ich sage, daß mich öffentlich zur Schau gestellte Homosexualität anekelt.

Zeitgeist ist Kleingeist !

Und je dümmer ein Mensch, desto mehr orientiert er sich an diesem.  Ob das 13jährige Girlie, der widerwärtige Sexualstraftäter oder der peinlichste Schwätzer der Republik  —  alle tragen ein „IPhone“ mit sich herum — wohl wissend, daß sie sich damit freiwillig ihrer informationellen Selbstbestimmung begeben.  Und keinem fällt das auf !

Aber wehe, wehe, jemand vertritt eine Meinung, die dem Mahlstrom der „Allianz der Anständigen“ zuwiderläuft !

Nun ist der oben zitierte „John Lose“ ein ganz netter, hilfsbereiter Kerl.  Und er gehört zu der verlesenen Handvoll von Menschen, die sich wirklich mit Microsoft-Produkten auskennen.

Schlimmer schon steht es mit Digitalproll „Sascha Lobo“, dessen albernen roten Haarschopf eine hochintelligente Informatikerin mit einem einzigen Satz erklärte:  „Stell‘ Dir vor, der hätte ganz normale Haare, dann träte seine Visage anstatt seiner Frisur in den Vordergrund“.  Und genau so albern wie die Frisur des dauerjünglierenden Digitaldebattanten ist dessen schwachsinniges Geseiere vom digitalen Entwicklungsland Deutschland.

Es hat sich viel getan im sogenannten „Breitbandausbau“ und ein „DSL 6000“ mit 6 MBit/s im Down- und 1,2 MBit/s im Upstream sollte für jeden Privatanwender dicke ausreichen.  Hier jetzt herumzuheulen von wegen „gebrochener Versprechungen“ ist Klagen auf allerhöchstem Niveau.  Wenn der Arsch einen Film anschauen will, dann soll er den Fernseher anschalten, dazu ist der nämlich da.  Besondere Ansprüche hat er nicht, es reicht „Eine schrecklich nette Familie“.   Den Dreck muß man nicht qua Unicast über das teure Netz prügeln, dafür gibt es direktabstrahlende Satelliten.

„Es kommt“, so sekundiert mir meine Schwester gern, „nicht darauf an, wie stark oder woher der Wind bläst, sondern wie man die Segel setzt.  Und wenn ich nicht weiß, wo ich hinwill, ist jeder Weg der richtige.  Erst die Standort- und Zieldefinition ermöglichen es mir, einen Kurs zu bestimmen.  Und dann erst beschäftige ich mich mit Wind und Strömung“.  Das weiß nicht nur jeder erfahrene Segler.  Der einzig merkbefreite ist der Möchtegern-Informatiker, der feststellt, daß der von ihm fabrizierte Multimediaschrott immer langsamer läuft und meint, er könnte sein Problem mit immer unmäßigerem Ressourcenverbrauch lösen.

Diese krampfhaften Versuche zeigen die Idiotie der sogenannten „Digitalisierung“.   Und hier habe ich, mehr zufällig, einen interessanten Artikel eines Jugoslaven gefunden und ihn unkommentiert eingestellt.  Das fand Roland unpassend, insbesondere dehalb, weil er argwöhnte, es handele sich um einen recht einfältigen Menschen mit gefährlichem Halbwissen.   Dazu muß man wissen:  Hier schreibt ein Jugoslave.  Die gibt es, soweit mir bekannt, in zwei Ausfertigungen:  Die dummen glauben an Allah, die gerissenen glauben an sich, ihr dickes Auto und ihre dicken Eier.   Der „Kollege“ Jerko ist klar der Gruppe 2 zugehörig und hält sich für einen „hochqualifizierten Spezialisten“, weil er DATEV-Programme auf Windows-PCs installieren kann und auch schon einmal eine „LAN-LAN-Kopplung“ gemacht hat, etwas, das ein Fachmann in der Regel meidet wie der Teufel das Weihwasser.  Er definiert sich nur über Marken, die er trägt oder fährt und läßt keine Gelegenheit aus, mit seinem Reichtum zu prahlen.  Machen Sie sich selbst ein Bild.

Aber diesem Mann fehlen auch die deutschen Scheuklappen und aufgrund seines schlichten Gemütes denkt er erfrischend geradeaus und kommt zu erschreckend richtigen Schlußfolgerungen, etwa zu vergleichen mit denen des kleinen Oskar Matzerath.

So stellt er ganz offen die „Digitalisierung“ als Allheilmittel infrage, indem er feststellt, daß eine „vollanaloge“ MP 5 von Heckler & Koch bis zu 300 Asylanträge pro Minute bearbeiten kann.   Ohne Zweit- und Drittinstanz beim Bundesverfassungs- oder -verwaltungsgericht.  Bevor hier wieder das Theater losgeht:  Man muß soetwas als Fingerzeig verstehen und nicht 1:1 umsetzen.  Aber zum Beispiel die Verbringung aller kriminellen Asylbetrüger auf die Kerguelen-Inseln wäre eine praktische Option.

Nun schreibt mir dieser Mann im bereits zitierten Artikel,

http://www.jerkos-welt.com/schluss-mit-dem-digitalisierungsgeschwaetz-hoert-endlich-auf-uns-zu-verarschen/,

wirklich aus der schwarzen Seele.  Das liegt zum einen daran, daß auch ich ein einfältiger Mensch bin.  Meine Frau und meine „Ex“ kennen sich gut und rätseln noch bis heute, „ist er ein ‚vielschichtiger‘ Mensch oder nicht ?“, aber je mehr ich ihr versichere, ich sei einfach und ehrlich gestrickt, desto mehr zweifeln sie.  Ich bezeichne meinen Intellekt als „schlicht“ und sehe in Schlichtheit seit jeher auch eine gewisse Schönheit.

Unter diesem Aspekt:  Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, wenn Sie meinen,

  • daß man mit Geld nicht unsere Bildungsmisere lösen kann
  • daß vermeintliches „Expertenwissen“ oft nichts anderes ist als „Mausklick nach Anleitung“
  • daß nicht die mangelnde „Bandbreite“, sondern die Dummheit der Internetnutzer das Problem darstellen

Und lasen Sie es sich von einem wirklichen „Digital Native“ sagen:  Der Mann hat recht.

-hb

Hans Bonfigt
Samstag, der 26. Mai 2018

Moderne Zeiten

Bekenntnisse eines ewiggestrigen Rassisten

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir gehen schale Witzchen über den BER auf die Nerven.
Ein schwuler Bürgermeister, eine peinliche Truppe SED-Aktivisten und ein heruntergekommener Restbestand „Sozialdemokraten“ haben sich an einem Flughafenrojekt versucht.  Das MUSSTE schiefgehen.

Nun könnte man sagen, „Berlin ist halt nun einmal Berlin, hier haben kriminelle Veruntreuung von Steuergeldern und schwachsinnige Verordnugen, die stets das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist, eine jahrzehntealte Tradition“.

Doch aus der Sicht eines Experten für Datenverarbeitung muß ich leider immer wieder feststellen:

BER ist überall. Sogar im schönen Bayern.

Denn junge, unerfahrene Menschen basteln sich Umgebungen zusammen, die immer komplexer werden und selbst von guten Administratoren nicht mehr beherrscht werden können. Gleichzeitig wird der verspielte Klapperatismus immer schwerfälliger und undeterministischer in seiner Antwortszeit — gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit gegen Angriffe erheblich.
Was ist da eigentlich passiert ?

1. Was der Bauer nicht kennt…

Von Larry Ellison stammt das schöne Bonmot, „Ich würde meinen Kindern eher Drogen geben als DOS“.
Wohl wahr. Aber auch an unseren höheren Schulen werden unsere Kinder ausschließlich mit der kranken, kaputten PC-Architektur konfrontiert – privat sowieso.
Die Folge: Später, im Beruf, setzen unsere „alternativlosen“ Jungspunde das einzige System ein, was sie kennen. Und das ist ein Kretin aus kaputter Hardware und vermurkster Software.
– Das führt zwangsweise zu einer „Monokultur“ mit allen damit verbundenen Nachteilen,
– insbesondere einer fatalen Störanfälligkeit.
– Sinnvolle Alternativen verschwinden vom Markt,
– fatale Abhängigleiten entstehen.
Spätestens seit „Spectre“ und „Meltdown“ muß eigentlich jedermann klar sein: INTEL-basierte Systeme sind außer für Daddelspiele zu nichts zu gebrauchen. Ihr Einsatz ist grob fahrlässig.
„Windows“ und „Office“ telephonieren etwa 20 Mal „nach Hause“, wenn man nur ein einziges „Word“-Dokument öffnet. Über die fatalen Lücken in „Microsoft Outlook“ zu berichten, wäre müßig.
Solche Systeme professionell zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu nutzen, ist schlichtweg illegal – das weiß auch die Bundesregierung.  Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Transportwesen haben wir die unterschiedlichsten Systeme zur Wahl, aus gutem Grund: Denn ob Kreuzfahrtschiff, Motorrad, A380, Traktor, Schnellzug oder Tieflader: Sie haben alle ihre spezielle Eignung. Bloß in der „IT“ – da arbeitet alles mit den über die Jahre immer wieder marginal aufgerüsteten DOS-Kisten. Ja, selbst die modernsten „Server“, in Wirklichkeit aufgebohrte PCs, booten noch mit „DOS“ – Bordmitteln.
Das war füher anders: Man hatte die „Mainframes“ für hochverfügbare, hochsichere und hochzuverlässige Massendatenverarbeitung, typischerweise im Verbund mit einer Datenbank. Programmiert wurden diese in Sprachen, die einen Programmierer nicht überfordern und es vor allen Dingen ermöglichen, daß mehrere Programmierer konfliktfrei an einem Programm oder Projekt arbeiten können.
Die Bedienung und Dateneingabe erfolgt ergonomisch OHNE Maus, man benötigt unterdessen eine gewisse Einarbeitungszeit. Allerdings ist man nach dieser um Größenordnungen schneller als ein Mausschubser.

Es gab integrierte „Mini-Computer“ für kleinere bis mittelgroße Unternehmen.

Es gab leistungsfähige technische Rechner für Prozeßsimulation, Konstruktion, Bild- und Tonbearbeitung. Diese Systeme verfügten, weitaus früher als beispielsweise Apple oder Microsoft, über eine professionelle Graphik, die bis heute unerreicht ist: Denn das X-Window – System unter UNIX verteilt Programmhaltung, Programmausführung und graphische Benutzerschnittstellen auf unterschiedliche Systeme. So können hunderte Anwender einen Hochleistungsrechner gemeinsam und gleichzeitig nutzen!
Nur zum Vergleich: Unter „Windows“ gibt es so etwas nicht und deshalb will die Münchner Stadtverwaltung wieder einen Intensiv-Oatienten „nach gängigen Standards“ unter jeden Sachbearbeiterschreibtisch stellen.

Es gab spezielle Rechner zum Steuern von Maschinen und Anlagen, die neben erweiterten physikalischen Bedingungen nuch dem Umstand Rechnung trugen, daß spezielle Hardwarefunktionen benötigt wurden, beispielsweise hochauflösende Timer, Pulsweitenmodulatoren, D/A – Wandler etc..

Tja, und es gibt den „PC“ zur Bespaßung „moderner“ Konsumenten: Papi guckt sich Pornos an, der Sohnemann erfreut sich mit dem neuesten „EGO-Shooter“ und knallt Feinde ab, die Tochter postet kompromittierende Bilder ihrer aktuellen Todfeindin auf „Facebook“ und Mami kann jetzt endlich im „Wiki“ nachgucken, was ein „Narrativ“ ist, man will ja schließlich mitreden können.
Der PC bietet also für jeden etwas — und ist damit genau so effektiv und hilfreich wie ein „Schweizer Taschenmesser“: Kann alles, aber nix ansatzweise richtig.
Der PC aber hat uns dominiert. Das blanke Mittelmaß hat uns dominiert.

2. Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß

Der Manager Hans-Jürgen Esser, für mich über Jahrzehnte ein väterlicher Ratgeber, fuhr einmal vor etwa 25 Jahren mit mir als Beifahrer zufällig hinter seinem Chef her.  Hier trafen zwei Fahrstile aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, und so entspann sich folgender Monolog:
„Ah, sehen Sie: Das ist unser Hansi. Also, un-glaublich! Sehen Sie bloß, wie er um die Kurve schlabbert … und hier: Er ordnet sich gar nicht ein, fährt einfach in der Mitte, und so entscheidungsschwach wie auf der Straße ist er auch in seinem Job: Bloß niemendem wehtun, immer schön die goldene Mitte … Hansi ist kein Unternehmer, er ist ein UNTERLASSER !
Der könnte nie mein Freund sein. Und das sage ich Ihnen, mit schlechten Menschen kann ich gut umgehen, verdammtnochmal, ich bin ja selber schlecht, mit guten Menschen ja sowieso, ABER JENEN, DIE GANZ LEISE SCHLEICHEN, DEN MUSST DU AUS DEM WEGE WEICHEN.
Warten Sie, [fährt auf gefühlt 25 cm auf], GLEICH SCHIEBE ICH IHN AN !“
Ich muß dazu sagen, der Chef war immer frendlich zu mir, fand nie ein böses oder ein gutes Wort für mich oder irgendeinen anderen, war stets indifferent. Man muß ihm allerdings zugutehalten, daß er seinem schärfsten Kritiker die operative Leitung seines Unternehmens überließ. Und das gelang jenem mit Glanzbravour. Denn H.J. Esser war das Gegenteil der Mittelmäßigkeit.

Damit der Roland nicht der einzige hier bleibt, der Rupert Lay zitiert:

 Nicht der Bösewacht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn 
 man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen
 unserer Zeit betrachtet oder gar aufzuzeichnen versucht. Schon 
 Platons Vermutung, daß die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaßes
 bedeute, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme 
 in Europa nach 1948 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform 
 umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir verabsäumt - und so 
 beherrschen uns in Politik und Wirtschaft, im Sozialen (etwa den
 Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa den Kirchen) das Mittelmaß.
 Wie aber mag es dazu kommen, daß in demokratisch organisierten Sy-
 stemen die Herrschaft des Mittelmaßes tendenziell wenigstens unaus-
 weichlich ist ? Es handelt sich hier wieder einmal um die normative
 Kraft des Faktischen. Und das Faktische demokratischer Systeme ist
 der Kompromiß. Kompromißbildungen sind aber nun einmal die Konflikt-
 lösungsstrategien des Mittelmaßes. 

Quelle: Rupert Lay, Weisheit für Unweise (Hervorhebung von mir)

Lay indes ist ganz und gar kein Antidemokrat, aber Lay verachtet Demokratismus.

Warum ?

Demokratie – Demokratismus – Demokratur – Diktatur.

Die Diktatur des Mittelmaßes nennt sich übrigens heute „Shitstorm“.

Im Rahmen eines Fernsehinterviews wurde der geniale österreichische Verbrecher Udo Proksch einmal gefragt, „Herr Proksch, wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten – was würden Sie bei einer Fee bestellen ?“ — und jener antwortete, ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken:
Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals !

Heiko Mittelmaaß diene als Warnung, wie fatal sich Mittelmäßigkeit in der Politik auswirken kann – bei der Konzeption technischer Systeme unterdessen sind faule Kompromisse, und nichts anderes ist das Ergebnis des Mittelmaßes, fatal und führen schnurstracks zu BER.

3. „Best Practice“

Früher hat man sich Gedanken gemacht, „optimiere ich hinsichlich Leistung, Stabilität, Ressourcenverbrauch, Modularität, Salierbarkeit“, um wichtige Entwicklugsziele zu benennen.  Und in der Tat ergaben sich höchst unterschiedliche Entwürfe. Die Kunst war, mögliche Zielkonflikte zu vermeiden oder — na, wie heißt das heute im Idiotensprech? „mitigieren“.

Heute interessiert das niemanden mehr. Es wird das gemacht, was alle anderen Idioten auch machen.  Statt „Best Effort“ ist heute die „Best Practice“ das Gebot der Stunde.

4. Wirrtualisierung

Die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib dauert bekanntlich neun Monate. Wenn man diese Zeit verkürzen will, ist es evident sinnlos, gleich 9 Frauen zu schwängern. Man erhält zwar „statistisch“ pro Monat ein Kind, aber jedes Kind benötigt minimal neun Monate.

Um einen schwachbrüstigen „PC“ im Servergewand also zu beschleunigen, ist das „Clustering“ vieler Einzelserver womöglich nicht dazu geeignet, einen Prozeß zu verbessern. Klar, wird man entgegnen können, „viele Teilprozesse können heutzutage parallelisiert werden“, aber dummerweise gibt es immer wieder Punkte, an denen Teilprozesse aufeinander warten müssen – allerspätstens dann, wenn auf eine gemeinsam genutzte Ressource schreibend zugegriffen wird.

Die Wirklichkeit unterdessen ist grausamer und schlimmer:

„Clustering“ geht aus administrativen Gründen fast immer einher mit „Virtualisierung“.

Heutzutage entfällt der Hauptteil der Ein- und Ausgabelast eines Servers so gut wie immer auf die Netzwerkschnittstellen. Eine „virtuelle“ Netzwerkschnittstelle kann man jedoch nicht in einen „echten“ Switch stecken. Es muß also mindestens ein „virtueller Switch“her. Der „virtuelle Switch“ simuliert einen „echten“ Switch unter Zuhilfenahme einer Wald- und Wiesen – Universal-CPU. Und so kommt es, daß die „virtuellen Switches“ in Superclustern eines Servicerechenzentrums deutlich langsamer sind als absolut billige Amateurgeräte aus dem Aldi !  Denn schon die billigsten Konsumentengeräte verfügen über Hardwareunterstützung und können alle Ports simultan bedienen !

Apropos Hardwareunterstützung: „Virtuelle“ Netzwerkkarten entlasten den TCP/IP – Stack nicht von zeitaufwendigen Operationen.
Jedes Datenpaket muß, wieder von einer Wald- und Wiesen-CPU, aufwendig mehrfach ineinander verschachtelt, verpackt werden. Nun werden Sie sagen, „dann opfere ich halt zwei CPUs dafür“. Die CPUs aber arbeiten im Hauptspeicher und invalidieren („trashen“) den Cache, wodurch ALLE anderen Prozesse ausgebremst werden. Hinzu kommen, für den Profi, pro Paket in jede Richtung DREI Kernel/Userspace – Übergänge. Und jeder kostet nicht nur CPU-Zeit, sodern verlangsamt ein System durch (bei Taskwechsel notwendige) Locking-Mechanismen.
Aus technischen Gründen mußte ich am letzten Wochenende einen „virtuellen“ Server mit viel Netzlast durch einen „realen“ Server ersetzen. Es war ein Notfall; wir mußten das nehmen, was wir kriegen konnten — und das war ein schedderiger, alter „Windows 95“- PC mit Originalhardware. Eine zweite Netzwerkkarte mit stolzen 100 MBit/s war auch schnell gefunden und der Transfer auf eine gammelige IDE-Platte klappte ebenfalls prima.
Ich hatte die größte Befürchtung, eine erbärmliche Performance abzuliefern, aber am Montagmorgen kam eine Dame zu mir: „Was haben Sie gemacht ? SO SCHNELL lief unser Frontoffice-System noch nie !
Der zuvor eingesetzte Server war ein HP DL380 Gen.6, mithin also ein veritables Schwergewicht in der PC-Welt, mit allem, was die „Entwicklung“ zu bieten hatte.  Die Virtualisierung aber degradierte das System zu einer peinlich-lahmen Ente, die von einem „Pentium 5“ mit 512 MB Hauptspeicher gnadenlos deklassiert wurde.   Wohlgemerkt: Mit der gleichen Software, dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Einsatzbedingungen.
Eigentlich wußte ich immer schon, daß Wirrtualisierung im allgemeinen und „VMWare“, die Küchenschabe unter den Virtualisierungs-lösungen im speziellen, ausgemachte Performancebremsen sind — daß es aber so schlimm steht, das hätte ich nicht geahnt.
Aber auch ich habe mich in Sachen Performance zusehr an Mittelmäßigkeit gewöhnt.

5. Besen, Besen, sei’s gewesen …

Miese Leistung ist ja heutzutage „Standard“. Aber mit der „Virtualisierung“ kauft man sich einen Verwaltungsaufwand ein, der einem buchstäblich den Atem raubt:

Jeder normal denkende Mensch würde ja erwarten, daß man ein System von außen direkt administrieren kann — aber weit gefehlt bei Platzhirschen wie „VMWare“ und IBM.

Ich gehe einmal auf die abstruseste, hirnverbrannteste Variante ein, die IBM sich nicht schämt, seinen Benutzern zuzumuten:

– Zur Steuerung eines aktuellen IBM POWER – Servers ist jetzt eine alberne „Hardware Management Console“ notwendig, ein unzuverlässiger Havarist auf der Basis von „Nürnberger Windows“ („SuSE“). Diese besticht vor allem dadurch, daß sie gerne einmal ungefragt und unerwartet die NUMA-Konfiguration des verwalteten Rechners durcheinanderwürfelt, was allerdings nicht weiter schlimm ist, denn die Idioten, die eine „HMC“ benutzen, sind generell merkbefreit.

– Aber: Neuerdings braucht man ZWEI DAVON, und, dreimal dürfen Sie raten, die installiert man dann: RICHTIG, auf einer „VMWare“ – Wirrtualisierungsumgebung.

– Nur: Auf diese Verwaltungsumgebung kann man nicht zugreifen, es braucht noch ein „Windows 10“ mit „Flash“ und allen Multimedia – Uappetitlichkeiten an Bord, um via „Vschmier“ – Konsole auf den Server zuzugreifen, der wiederum das Verwaltungsprogramm beherbergt, das den eigentlichen Serer verwalten soll, der die einzelnen Serverinstanzen verwaltet.

Wir reden also von einer Verwaltung der Verwaltungsinstanz der Verwaltung einer Verwaltung. Ein größerer Schwachsinn ist für mich bislang nicht denkbar gewesen.
Es sind mindestens fünf(!) unterschiedliche Betriebssysteme beteiligt, mindestens zwei unterschiedliche Rechnerarchitekturen und unzählige Netzwerkschnittstellen.

Wer so etwas bei einem Kunden produktiv installiert, ist für mich ein krimineller Idiot.

6. Des Kaisers neue Kleider …

Der typische „IT-Admin“ ist in seiner Mittelmäßigkeit gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Er läßt sich jeden, aber auch wirklich JEDEN Schwachsinn als „innovatives Feature“ andrehen. Und traut sich nicht, STOP! zu sagen, um nicht vor seinen Kollegen als unwissend dazustehen. So kommt es, daß alle mit ihrer primären Arbeitsumgebung hoffnungslos überfordert sind und die Kernaufgabe der Abteilung darin besteht, sich Begründungen für das jeweils aktuelle Versagen im eigenen Projekt auszudenken – zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, das.

Man soll ja eine Betrachtung immer mit einem positiven Aspekt abschließen — kein Problem für mich, bitteseher:  Die modernen IT-Lakaien, durch faule Kompromisse kompromittiert,  durch „soziale Medien“ in Watte gepackt, ohne Ziel, ohne Verantwortung, ohne Achtung vor den Leistungen anderer und schon gar nicht vor der eigenen —

erst im Formulieren ihres eigenen Unvermögens sind sie dann ganz große Klasse !

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. April 2017

IT Oberland BarCamp am 12. Mai 2017 in Holzkirchen!

Das BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen

Damals dachte der Autor noch in Hardware 🙂

Momentan schlägt das „buzzword“ DIGITALISIERUNG hohe Wellen. Es gibt ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B) und in den bayrischen Ländern entstehen geförderte Digitalisierungs-Zentren.

Nur Digitalisierung war doch gestern. Das war damals, als die Uhren, Tachometer und Thermometer plötzlich eine digitale Anzeige bekamen. Das war vielleicht 1985, als Apple 2 und MacIntosh fröhlich Urstand feierten und die deutschen Informatiker in ihrer Industrie-Nostalgie mit BS2000 und ähnlichem noch viel Geld verdienten.

Internet und Google sind mittlerweile ein alter Hut. Von selbst lernenden Systemen haben wir schon vor ein paar Jahrzehnten geträumt – in unserer Euphorie zu KI (künstliche Intelligenz). Die modernen unter uns haben schon 1980 die KI dann AI (artificial intelligence) genannt, weil wir wussten, dass es damit in Deutschland nichts wird. Damals haben wir von Lisp und Prolog geträumt. Jetzt kommen die denkenden Systeme und lernen schnell von selbst – in Bereichen wie Übersetzung oder Verkehr – weil die Hardware halt so leistungsfähig ist, dass es zu funktionieren beginnt. Auch ohne Lisp und Prolog.

Immer noch passiert viel Neues. Dies in einem oft nicht mehr nachvollziehbarem Tempo. Und es scheint erst jetzt so richtig los zu gehen. Eine unvorstellbare Welle von Produkten rollt auf uns zu, die die Welt nochmals radikal verändern werden. Viele Gesetze und Regeln werden in Zukunft nicht mehr funktionieren. Da stellen sich viele Fragen:

  • Heute wird viel über „das selbst fahrende Auto“ diskutiert. Aber ist das nicht nur die Spitze des Eisbergs einer Veränderung des Lebens? Und wird schon viel früher viel mehr sich merklich und unmerklich verändern?
  • Leben wir nicht im Zeitalter der Sensorik, die eine völlig neue Verbindung und Interaktion von „Informatik“ zur Welt schafft? Und es bald nicht mehr um die Mensch-Maschine-Schnittstelle gehen wird sondern um die „Welt-Maschine-Schnittstelle“.
  • Ist Datenschutz wirklich sinnvoll machbar? Oder nur so eine Chimäre der ewig gestrigen? Was bedeutet das für unsere Gesellschaft?
  • Welche technischen Elemente brauchen „Smart Solutions“ in einer modernen IoT-Architektur? Was heißt „smart“ überhaupt – und was verstehen wir tatsächlich unter IoT?
  • Wie ist denn das mit den Regeln für Roboter (selbst fahrende Autos)? Was sagt die „Ethik-Kommission“ der Bundesregierung dazu?
  • Wie gehen wir mit Kampfrobotern und Drohnen um? Was bedeutet das für Krieg und Frieden?
  • Müssen wir nicht viele Elemente unserer gesellschaftlichen Ordnung als Folge der technischen Entwicklung umdenken oder gar neu definieren?
  • Was bedeutet das für unseren gesellschaftlichen Rahmen? Wird Politik Gestalterin des Selbigen bleiben oder haben das schon Maschinen übernommen?

Solche und weitere Fragen werden auf dem Oberland BarCamp in Holzkirchen offen, redlich und achtsam diskutiert werden – wie das auf Barcamps meistens so üblich ist.

Deshalb habe ich mich zum BarCamp zur digitalen Transformation und ihren gesellschaftlichen AuswirkungenOberland BarCamp genannt – angemeldet. Es wird am 12. Mai in der RSC Factory – Trainings- und Coachingzentrum für Digital Business & Innovation in Holzkirchen stattfinden.

Und ich freue mich schon darauf, dort viele Freunde wieder zu sehen!

RMD

P.S.
Das Oberland barcamp wird über Meetup organisiert. Wenn Ihr Euch da anmeldet und mit diskutiert, macht das dem Veranstalter das Leben ein wenig einfacher!

 

Roland Dürre
Dienstag, der 7. Februar 2017

Hacked By XwoLfTn …

Logo des Chaos Computer Clubs, der einflussreichsten Vereinigung von Hackern im deutschen Raum, bei dem Sicherheitsfragen sein wesentliches Beschäftigungsfeld sind.

Jetzt ist es passiert:
IF-Blog ist gehackt worden. Schon das zweite mal. Jedes Mal ist Folgendes passiert:
Die Überschrift wird überschrieben – und der Text auch. Beim letzten Mal war es mein Artikel America First, der attackiert wurde.

Da wurde die  Überschrift ersetzt durch
Hacked By XwoLfTn
und der gesamte Inhalt überschrieben mit
Hacked By XwoLfTn – Tunisian Hacker

Beim vorletzten Mal hat es meine EURO-Geschichte getroffen. Mit demselben Effekt. Dieselbe Überschrift und derselbe Inhalt.

Die beiden Artikel konnte ich rekonstruieren. So bin ich froh, dass nicht mehr passiert ist. Aber man sieht, es gibt sie wirklich, die Bösewichte im Internet. Der von mir sehr geschätzte Chaos Computer Club (CCC) hat mal wieder recht. Und auch mein Freund Hans Bonfigt.

Leider weiß ich noch nicht, ob es ein Einzeltäter ist, der mich ärgern will oder ein Bot, der da sein Unwesen treibt. Ich vermute eher das Zweite, besonders wenn ich in Google sehe, wie viel Blogs von genau diesem Effekt betroffen sind.

Jetzt werde ich auf jeden Fall zeitnah die neueste Version von wordpress installieren. Und hoffe dass das hilft. Und wenn Ihr Euch mit wordpress auskennt – oder noch besser – wisst, was da passiert ist und was ich dagegen machen kann, dann freue ich mich auf Hinweise!

Lieben Dank im Voraus!

RMD

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

„Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. Auch Vintage.“

Obwohl ich E-Mail für Technik von vorgestern halte, habe ich natürlich noch ein paar E-Mail-Adressen. Da kommt viel Belangloses und Mist an.

Meine Aufgabe besteht dann vor allem darin, diese E-Mails zu löschen und meine „Kommunikations-Partner“ zu bitten, doch modernere Kommunikationsformen zu nutzen.

Heute musste ich aber mal wieder so richtig Schmunzeln. Da kam eine E-Mail von einem lieben und langjährigen Freund, den ich auch fachlich für sehr kompetent halte.

Der hat – an ganz viele Menschen (all@XYZ.de) – geschrieben:


Hi,

könnt ihr uns alle bitte mit dieser für mich vollkommen sinnfreien Diskussion in Ruhe lassen!!!!!

Ich habe meine Meinung zu Mail-Verteilern und interner Mail auch in der Umfrage zu den neuen Kommunikationsformen von mir gegeben.

Das ist ein typisches Beispiel dafür, warum E-Mail unternehmens-intern Blödsinn ist und die E-Mail-Verteiler insbesondere sofort abgeschafft werden sollten.

Mit Absicht an all!


🙂 Bei der „sinnfreien Diskussion“ ging es übrigens um das Problem mit „Akkus von I-Phones“ und deren Umtausch.

Ich habe dann geantwortet:


Deine E-Mail lässt mich schmunzeln. ?

Bin ich doch genau Deiner Meinung – nur noch radikaler. E-Mail ist kein generelles Kommunikationsmittel mehr sondern ein völlig veraltetes, das man selbstverständlich in modernen Unternehmen nicht mehr nutzen sollte.

E-Mails an Dritte sollte man nur noch senden, wenn es einen Anlass gibt, für den man in vergangenen Zeiten tatsächlich einen Brief geschrieben, ein Telegramm aufgegeben (!) oder eine Telefonzelle aufgesucht hätte.

Alles andere sollte man mit Werkzeugen erledigen, die dem Zweck adäquat sind.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!


Ja – ich mag E-Mails auch nicht. Oft sind sie mit einem Riesen-Footer ausgestattet, der dann noch künstlich mit viel Quatsch und völlig uninteressanten Hinweisen werblicher Art oder blödsinnigen juristischen Belehrungen verlängert ist.

Ich hasse die E-Mail-Dialoge, die mit jedem Dialogschritt eine immer länger werdende neue Inkarnation der Mail verursachen. Denn mit jeder Antwort entsteht eine E-Mail, wo dasselbe alles noch mal drinsteht ergänzt um die letzte Antwort. In der Ur-Zeit des Internets gab es Versuche, die E-Mail-Kommunikation ein wenig erfreulicher zu gestalten. Da gab es z.B. eine gute Regel, die man tofu nannte. Leider wurde „tofu“ aber nur von wenigen angewendet und ist so gescheitert.

Da Kommunikation erfolgt in der Regel als „Thread“ (Faden).  Spätestens seit dies im Chat perfekt möglich ist, ist E-Mail in vielen Fällen verzichtbar. Im „peer2peer“-Thread sehe ich immer sofort was in der letzten Zeit so alles ausgetauscht wurde. Das gilt auch für Menschen, mit denen ich ganz selten kommuniziere und ist da besonders wertvoll. Threads sind auch gut geeignet, wenn mehr als zwei Menschen gemeinsam kommunizieren wollen. Bei E-Mail führt es dann sofort zur katastrophalen Fluten bedingt durch „cc“ und „bcc“.

Dazu kommt, dass ich alltäglich gerne mit Bildern, Sprachnotizen (Audios) oder kleinen Filmen (Videos) kommuniziere. Wie umständlich ist das bei E-Mail für Sender und Absender? Man schaue sich einfach an, wie bbm, wechat, whatsapp, der „messenger“ von FB oder Skype, die „dm“ (direct message) von Twitter usw.  funktionieren. Von Snapchat, dem System mit der modernsten und einfachsten „Benutzer-Oberfläche“ möchte ich hier gar nicht reden.

Noch besser als chat-Systeme eignen sich „communities“ für die geordnete Kommunikation auch in größeren Teams/Gruppen. Im Internet gibt es viele „communities“ z.B. in Google+, die zeigen, wie es geht. Und wie man mit ganz einfachen Maßnahmen innerhalb einer „Organisation“ vortrefflich und trotzdem sehr strukturiert und hocheffizient kommunizieren kann. Und so auf den E-Mail-Blödsinn verzichtet und nicht dauernd die Nicht-Interessierten oder -Beteiligten voll mit Spam voll schüttet!

Im übrigen:

Auch Telefonieren ist OUT. Ich nutze das Telefon nur noch nach terminlicher Absprache, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt und ich mit einem Mitmenschen mit voller Aufmerksamkeit darüber sprechen will. So setze ich das Telefon im Auto oder in öffentlichen Räumen wie Zügen nicht mehr ein. Und auch für Wichtiges nutze ich Telefonie nur dann, wenn Bildtelephonie (Hangout, Facetime, Skype, Cisco, Citrix …) nicht möglich ist, weil mein Gesprächspartner das gute alte Telefon bevorzugt.

🙁 Nur zur Erinnerung. Die Funktion „Telefonieren“ ist auf dem Smartphone auch nur eine App für synchrone Sprach-Kommunikation, die es möglich macht, Verbindung mit Adressen aufzunehmen, die aus „Telefon-Nummern“ (Ziffern) bestehen und mit „voice-over-IP“ ein Telefonat emuliert.

Also:
Wenn mich jemand anruft und ich mich melde mit
„Wer stört denn jetzt schon wieder?“,
dann bitte ich, dies mir nicht übel zunehmen.

Ich bin weiter für jeden erreichbar, der mich braucht: Hier meine physikalische Telefonadresse 0049 171 4850115 (leider sind die symbolischen schon lange aus der Mode gekommen). Aber bitte wirklich nur anrufen, wenn es wirklich wichtig und ganz dringend ist!

Sonst bitte ich zu überlegen, ob es nicht genügt, mir eine asynchrone „(Sprach-)Botschaft“ über einen der Chatter die ich benutze zu senden oder falls es auf ein bestimmtes Thema bezogen ist, diese Nachricht in der entsprechenden Community zu hinterlegen.

RMD

P1070216Wir leben ja im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes. Das erlebe ich besonders intensiv, wenn ich höre, was selbst ernannte Propheten zum Thema Digitalisierung so alles herum spekulieren. Wie viel Unsinn da dabei ist. Dann muss ich auch noch feststellen, wie viele auf den Zug aufspringen und das Gehörte oder Gelesene unkritisch nach plärren. Und so Ängste an falschen Stellen schüren, die von den wahren Bedrohungen nur ablenken. Und erstaunlich wer da alles immer so dabei ist.

Ich persönlich betrachte den „digitalen Wandel“ nur als schlichte Fortsetzung der durch Technik bedingten Veränderung im Zeitalter der kompletten Elektrifizierung des Planeten (oder so). Da ich ihn erlebt und selber mit gemacht habe, versuche ich dem oft von einzelnen geäußerten und von vielen nachgeplapperten Blödsinn entgegen zu treten.

Zum Beispiel ist für mich ein „fahrerloses“ Fahrzeug, sei es ein LKW, Bus oder Auto z.B. nichts anderes als technologischer Fortschritt, bei dem Eisen durch IT ersetzt wird. Die neuen Fahrzeuge brauchen halt keine Schienen mehr, sondern nutzen IT um auch ohne Fahrer an ihr jetzt variables Ziel zu finden. Das ist kein Hexenwerk sondern nur schlichte Ingenieursarbeit.

Ein harmloses Beispiel für Panikmache ist in meiner Bewertung auch die so viel zitierte „Filterblase“. Immer mehr Leute behaupten in Sonntagsreden, dass hier eine große Gefahr droht und wir „von Algorithmen“ manipuliert werden. Ich mache es mir einfach und kopiere einen Text aus dem dazugehörigen <a href=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216.jpg“><img class=“alignleft size-medium wp-image-52015″ src=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216-300×208.jpg“ alt=“P1070216″ width=“300″ height=“208″ /></a> in Wikipedia (Stand heute – 27. Oktober 2016).


Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase (englisch informational bubble) ist ein Begriff, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch[1] verwendet wird. Laut Pariser entstehe die Filterblase, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte – dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten). Daraus resultiere eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen.


Nur – das ist doch nichts Neues!

So habe ich von Kindes an in meiner „Filterblase“ gelebt. Kaum konnte ich lesen, habe ich (zuerst in der katholischen Pfarr- und später in der öffentlichen) Bücherei mir genau die Bücher ausgewählt, die nach kurzer Leseprobe meinem WEIB (Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse) entsprochen haben.

Als Zeitungsleser habe ich schnell die SZ dem Münchner Merkur bevorzugt. Später habe ich gelernt, dass die Zeitungen versuchen genau das zu schreiben, was ihre Leser lesen wollen …

Als Jugendlicher ging ich zu den Treffen der „republikanischen Clubs“ und nicht zur jungen Union und zu den Burschenschaften.

Aufgrund meiner Beschränktheit habe ich mich so selber in meine „Blase“ rein gebracht. Damals hat mich das Radio aus dieser raus geholt. Da kam zum Beispiel an Silvester die Lach&Schieß und hat mich auf völlig neue Gedanken und Meinungen gebracht.

Aus dem Radio als „öffentlichem Rundfunk“ ist das Internet geworden. Ich kommuniziere mit anderen Menschen, lese deren Blogs und höre ab und zu sogar deren PodCasts. Ich bin da ein wenig altmodisch und lese noch, weil  ich nicht immer nur mit Kopfhörern herumlaufen mag. Aber auch mein Verhalten wird die Zukunft nicht beeinflussen. So wird „Audio“ im Wissenstransfer und Meinungsaustauch sicher gegen die „Verschriftung von Information“ gewinnen.

So erlebe ich viel Neues und Neuartiges im Netz. Denn das Internet besteht eben nicht nur aus Google und Facebook sondern vor allem aus den Menschen, die ihre Bewertungen und ihr Leben bloggen und podcasten und mich mit vielen Gedanken versorgen, die in der Tat häufig meine Vorurteile widerlegen und mich zu Toleranz ermahnen. Und so lerne ich, Respekt und Wertschätzung für Meinungen und Menschen zu gewinnen, die ich früher einfach so abgelehnt hätte.

Meine Freunde machen es genauso. In dieser „Bubble“ fühle ich ich sehr wohl. Auf die Algorithmen scheiße ich. Und sehe da auch nicht die große Gefahr. Oft habe ich den Eindruck, dass das Internet als neuer „Buhmann“ von der massiven Manipulation durch Werbung und Lobbyismus ablenken soll. Weil es tatsächlich freier und autonomer macht und so den herrschenden Strukturen und Systemen gefährlich wird. Deshalb wird auch von diesen die Freiheit des Internets nicht so gerne gesehen und so die Einschränkung von Freiheit im Netz mit allen Argumenten begründet – und mögen sie auch noch so dümmlich sein.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 7. Oktober 2016

DAMIT ICH MICH BESSER FRESSEN KANN

Ein Computergigant kannibalisiert sich selbst und wirft dabei so ganz nebenher die führende Rechnerarchitektur auf den Komposthaufen der „Community“.

Das ist das, was sich als Zusammenfassung vom „Linux on Power Anwendertag 2016“ aus dem IBM – Labor in Böblingen mitgenommen habe.

Ach ja, und Menschen „50+“ sind in der „IT“ deplaziert.
Wurde mir mehrfach klar gesagt.
Vielleicht, weil sie wissen, was sie tun?   Und vor allem: Was sie besser seinlassen?

Dies ist jetzt wieder einmal ein unsachlicher, fachlich sehr spezieller Bericht, er wird bestimmt lang und von geringem allgemeinen Interesse sein. Wer nicht weiß, für was AIX, AS/400 oder MVS stehen: Jetzt wäre es Zeit, hier mit dem Lesen aufzuhören.

Seit 1996 stagniert die INTEL – Welt, nicht, weil die Prozessoren schlecht wären, sondern weil die Architektur buchstäblich an ihrer eigenen Kleingeistigkeit erstickt.

Denn – wie hat das eigentlich angefangen?

Begeben wir uns einmal in die Zeit, als es in der Informationstechnik nur IBM gab und den „BUNCH“, Borroughs, Univac, NCR, Control Data und Honeywell. Der glücklose IBM – CEO sah verschnupft den Erfolg der „Äppel-Computer“, die sich den Anschein gaben, als könnten auch ganz normale Menschen damit umgehen. „Wo ist mein Äppel????“. Sehr eilig baute man im eigenen Hause etwas zusammen, den „Datamaster“.

Dazu vielleicht ein autobiographischer Einschub: Eine Laune des Schicksals hat dazu geführt, daß ich einige Zeit mit der Konstruktion von Scherenhebebühnen befaßt war. Im Zuge dieser Arbeiten wurde ich zu einem Konstruktionsseminar verdonnert. Es wurden dort Teams gebildet, die sich nach Sympathie ergeben hatten. Meines bestand aus Hubtisch- und Kranbauern. Ärgerlicherweise lautete die Aufgabe an uns nicht, „Baut ein Schwerlasthebezeug für einen Güterwaggon“, ein Job, den wir mit Bravour gelöst hätten, sondern, Gipfel der Infamie:
„Baut einen Kinderwagen“.

Was soll ich sagen, wir haben den teuersten, schwersten und unbrauchbarsten Entwurf abgeliefert. Und den scheußlichsten, denn er sah aus wie eine Hebebühne.

So wie diesen mißratenen Kinderwagen muß man sich den IBM „Datamaster“ vorstellen. Wenn Mainframe-Bauer PCs bauen sollen, dann kommt ein kleiner Mainframe dabei heraus, aber kein PC.

So kam es, daß der „Datamaster“ desaströs floppte und Akers tobte.

IBM – Mitarbeiter Don Estridge erklärte Akers:
Wenn Sie einen Computer für die Ahnungslosen bauen wollen, dann müssen Sie ihn von Leuten bauen lassen, die garantiert keine Ahnung von Computern haben„.

Das war sein Verhängnis: Mit 11 weiteren Flaschen, die in der Entwicklung entbehrlich waren, wurde er buchstäblich in die Wüste geschickt, wo er den „Personal Computer“ bauen sollte.

Der IBM – PC. Er war so erbärmlich, wie er aussah.

Dieses jenseits jeder Schamgrenze zusammengefrickelte Stück Sondermüll fackelte schon bei der internen Präsentation ab – nicht umsonst nannte man dessen Macher IBM – intern „Das dreckige Dutzend“. Aber warum auch immer:

IBM brachte das Mistding auf den Markt und weil alles, was IBM vorgab, zu jener Zeit sofort zum „Industriestandard“ avancierte, war eine Seuche geboren, die schlimmer war als AIDS, Ebola und Islamismus zusammen.

Aber auch Akers hatte sich selbst keinen Gefallen damit getan, denn die unbeabsichtigte Etablierung eines „Standards“ etablierte vor allem eines: Konkurrenz. Infolge einer fatalen Verkettung unglücklichster Umstände (ein IBM – Berater wollte am Wochenende in Ruhe angeln gehen, anstatt in Armonk eine wüste Folienschlacht über sich ergehen zu lassen) wurden Paul Allen und William H. Gates mit der Aufgabe betraut, ein Betriebssystem für diese Krätze zu bauen.

Das hatten sie nicht — aber warum auch, wenn man eines klauen konnte?

So wurde aus CP/M im Magenumdrehen „MS-DOS“, welches in seiner unausgegorenen Primitivität und desaströser Konzeptlosigkeit perfekt zur elenden Hardware paßte.

Die Folgen sind bekannt:

Bei Landfahrzeugen besteht aus gutem Grund eine starke Diversifizierung: Wir sehen täglich Bagger, Tieflader, Sattelschlepper, Motorräder, Cabriolets, Reisebusse, Fahrräder, Lokomotiven und Rennwagen. Kein Mensch käme auf die Idee, mit dem Möbelwagen in die Stadt zum Eisessen zu fahren oder mit dem Motorrad einen Umzug zu unternehmen.

Wirklich kein Mensch?

Der gemeine PC-Trendlemming war so dämlich. Und ist es heute noch. Selbst aktuelle Intel-„Server“ booten noch mit „DOS“. Und wer das nicht glaubt, der werfe eine Suchmaschine seiner Wahl an und finde heraus, wie PXE funktioniert, was ein „C/H/S-Interface“ ist und ein „A20-Gate“.

Jedermann kann nachvollziehen: Aus einem „Trabant“ macht man keinen Sportwagen und keinen LKW.

In der Informationstechnologie jedoch ist dies „Best Practice“.

Es gibt heute nur noch den vielfältig aufgebohrten „IBM PC“ in unterschiedlichen Metastasierungen.

DEC, SUN, HP und IBM hoben sich lange Zeit ab von dem billigen Tand und bauten tolle Prozessoren, SUN die „SPARC“, HP sein PA-RISC, DEC seinen legendären „Alpha“ und IBM unter anderem POWER.

Und diese Firmen hatten für ihre Kunden auch ernstzunehmende Betriebssysteme entwickelt, MVS, Solaris, VMS, AIX, OS/400…

Betriebssysteme, Prozessoren, Hauptspeicher und externer Speicher wurden individuell und nach Anforderung im Rahmen einer qualifizierten Ingenieursarbeit zu einem System zusammengestellt.

PCs und leider auch sogenannte „Intel-Server“ dagegen wurden und werden völlig sinnfrei von gegelten Trieftollen-Salesguys zusammengestellt. Einzige, dafür aber zwingende Anforderung an das Flachpersonal: Garantierte Ungetrübtheit von jeder Art Bildung oder gar technischem Sachverstand.

Mir war diese Entwicklung zunächst gar nicht so unrecht:

Ich fand es gut, daß sich „meine“ Server von den Billigbüchsen unterschieden, die Stabilität und die durchdachten Details der Betriebssysteme gefielen mir, mein Beruf war angesehen.

Bezahlt wurde auch recht gut.
Der Name IBM stand für Zuverlässigkeit, Qualität und Leistungsfähigkeit.

Irgendwann wollte oder mußte IBM Kosten senken.
Und da hatte man tolle Ideen:

  • Die für etwa 20 Milliarden entwickelte „Next Generation Platform“ wickelte man über eine Beerdigungsfirma ab, denn „eigene Hardware ist zu teuer“.
  • Die eigene Chipfertigung wurde verkauft.
  • Das für die eigenen, professionellen Systeme optimierte AIX, seit gut 25 Jahren stabil, robust, sicher, skalierbar und leistungsfähig, soll durch „Linux“ ersetzt werden, einen billigen Unix-Abklatsch: Technologie von gestern mit den Konzepten von vorgestern. Aber alle finden es ja soooooo toll.
  • Und auch die kommerziellen Systeme sollen durch Linux ersetzt werden: „One Size Fits All“.

Mir ist es ja egal, was IBM verzapft (wenn’s ‚mal so wäre…), es wird, solange ich lebe, immer Kunden geben, die meine Arbeit zu schätzen wissen – den Massenmarkt habe ich nie bedient.

Aber dennoch packt mich das blanke Entsetzen, wenn ich dann doch einmal an einer IBM – Konferenz teilnehme — und damit sind wir gnadenlos in der Gegenwart.

„Sie wollen eine gute Jazztrompete? Hier, nehmen Sie doch unsere neue Kirmeströte“

SAP läuft seit Jahren stabil und hochverfügbar auf „großen Eisen“.
Nun bietet IBM an:

„SAP hat jetzt seine eigene Datenbank, ‚HANA‘. Die laßt Ihr, in einer Wirrtualisierungsinstanz, auf unseren Servern laufen. Und zwar nicht unter AIX, das könnte ja unter Umständen die Performanceeinbuße durch die Wirrtualisierung kompensieren, sondern nehmt ein LINUX, und zwar nicht irgendeines, sondern das scheußlichste, war wir auftreiben konnten: ‚SuSE‘, von Experten gern und mit guten Gründen als ‚Nürnberger Windows‘ bezeichnet“.

Blöd bloß: Die Wirrtualisierungsinstanz heißt „Power VM“ und ist nichts anderes als ein „erweitertes“ AIX 6.1, und die Applikationsserver selbst laufen ebenfalls unter AIX.

Da müßte ich ja schön blöd sein, einem Kunden ein solches Kuckucksei ins Nest zu setzen. Zumal bekannt ist: IBM ist nicht gerade sattelfest im Thema „Linux“:

„Crisis? What Crisis?“

In einem leider viel zu kurz geratenen Vortrag erläutert ein Universitätsprofessor, welcher am „Hasso Flachmann – Institut“ lehrt, daß IBMs Linux – Implementation noch lange nicht „fertig“ ist:

  • die „Hardware Management Console“ ist nicht nur ein elender Stromfresser und Produktivitätskiller, sondern „optimiert“ auch ungewollt den Prozessor/Storage – Pool kaputt.
  • Gut, das weiß man als IBMer und kennt auch Methoden, dieses Schandmal zu meiden.
  • Gerade bei vielen Nodes ist die NUMA sehr schlecht implementiert.
  • Ab und zu bleibt auch schon mal das Gesamtsystem unmotiviert stehen.
  • Der „gcc“-Compiler mit dem ppc-backend erzeugt alles andere als optimalen Code. Hier hätte IBM die Chance gehabt, einmal richtig zu helfen. Stattdessen pinselten sie in San Francisco überall „Love, Peace & Linux“ auf die Bürgersteige. Die Stadt war ’not amused‘ und IBM mußte die häßlichen Pinguine wieder entfernen.   Wer’s nicht glaubt:

Der Professor unterdessen wollte gnädig sein und hat auf Benchmarks, die beispielsweise einen prolligen „Dell“ und einen teuren „IBM POWER Server“ unter Linux miteinander vergleichen, verzichtet.

Freimütig konstatierte er jedoch, daß unter AIX sowohl NUMA als auch Compiler und überhaupt das Gesamtsystem aus Scheduler, Device Drivern und Libs perfekt aufeinander abgestimmt seien.

Das entspricht auch meiner „Hands-on Experience“ (es wurde durchweg ‚denglisch‘ gesprochen, einer degenerativen Variante des ‚modern Esperanto‘):
Bei gleichem Workload und vergleichbarer Maschinenleistung erzielt man mit „Linux auf Intel“ 100 %, mit „Linux auf Power“ 75 % und mit „AIX auf Power“ 200 %.

Aber: Der Prof führt sinngemäß aus, „Ja, in den Neunzigern konnte AIX seine Überlegenheit voll ausspielen, aber heute kennt es nur die Generation „50+“. Und außerdem hat es nicht diese vielen tollen „Tools“ aus der „Community“.

An der Pforte hatte ich in der Frühe meinen Morgenstern, das Wurfmesserset sowie die Tüte mit faulen Eiern abgeben müssen, wirklich wirksame Argumente standen mir daher nicht zur Verfügung.

Aber einen Zwischenruf mußte ich dann doch loswerden, „mit den Linux-Tools löst man dann die Probleme, die man unter AIX gar nicht hätte – weil es einfach läuft“.

Denn: Ein Betriebssystem ist für mich eine Infrastruktur – und kein Spielzeug. Mein Job ist es, Ideen auf dieser Plattform umzusetzen – und nicht, daran herumzubasteln.

Aber der Prof und die IBMer befinden:
„Die Welt spricht nun einmal Linux“.

Im Gleichschritt marsch …

Die Krönung setzt ein junger Mann von der „Sedativ GmbH“ auf, der, anstatt für einen Neppshop ein AIX mit einer ordentlichen Datenbank einzusetzen, PostgrSQL unter Linux verwendet. Er erzählt, „wir mußten POWER8 nehmen, denn die kann man auf ‚little endian‘ umstellen.

Auf meine Frage, „Warum nicht ‚big endian‘ , so daß die Lösung auch auf den (massiv im Einsatz befindlichen und immer noch verkauften) POWER7 – Modellen zum Einsatz kommen könnte“, meinte er, „wir wollten das Debian (die Linux-Distribution) nicht neu kompilieren“. Auf meinen Einwand, „die gibt es seit Jahren fix und fertig in der aktuellen Version zum Download“, ließ er dann doch die Katze aus dem Sack:

„Das, was Sie vorschlagen, ist halt ‚the road less taken'“.

Da weiß ich dann nicht, ob ich lachen, laut aufschreien oder heulen soll. Esst Scheiße — zehn Millionen Fliegen können sich nicht irren, oder, in Anlehnung an Robert Long:

Die Server krachen überall
und bald kommt es zum großen Knall,
man müßte schleunigst etwas unternehmen,
sonst werden wir erdrückt von den Problemen.
Doch statt daß die Vernunft regiert
wird fleißig weiter missioniert,
man watschelt gern mit Tux und Gott
zum Abgrund hin im Gänsetrott.
Linus führt, Linus führt,
dahin, wo man selig wird,
Linus führt, Linus führt,
den, dem es gebührt …
Es ist nun einmal, wie es ist,
der Mensch glaubt gerne jeden Mist,
Wer vorher blöd genug für Win,
der macht jetzt „profihaft“ in Lin.

Da nimmt es dann nicht wunder, daß die „Sedativ GmbH“ sich auch beim „Design“ der verkorksten Linux-Lösung für die Stadt München vom Prinzip der ‚road more taken‘ offensichtlich hat leiten lassen — mit dem bekannten Ergebnis.

Das Nachbauen von Microsoft – Strukturen zieht halt Microsoft – Probleme nach sich — damit konnte wirklich niemand rechnen!

Und — zum Thema „Welcher Weg ist meiner?“ hatte Robert Frost eine andere Vorstellung, und zwar schon in den 50er Jahren:

„The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood, and I,
I took the one less traveled by,
and that made all the difference.“

Zwischendurch zur Klarstellung:

Niemand will die bahnbrechende Leistung der IBM bei der Entwicklung der POWER – Architektur schmälern, ganz im Gegenteil!
Bloß, um beim Beispiel mit der guten Jazztrompete zu bleiben:
Wenn nur der ‚dumme August‘ hineinbläst, dann kann man auch bei der Kirmeströte aus Plastik bleiben.

Braucht jemand also eine Linux-Serverfarm, dann bestelle er sich ein Rack voller Dell-Pizzaschachteln. Die passen dann auch vom billigen Aussehen her perfekt zu Linux.

In der Welt der Verschwörer

Nun referiert ein Mitarbeiter der Firma Klo Lab.
Was mir gefällt: Die nehmen nicht den bestehenden Systemen die Workloads weg, sondern portieren Anwendungen weg von Windows, und das ist grundsätzlich begrüßenswert.

Aber: Das Produkt ist in Zusammenarbeit mit dem „BSI“ entwickelt worden. Das, was ich von dort mitbekommen mußte, taugte nie etwas.
Dann der Hinweis auf den eingebauten Mailserver der Firma „cyrix“: Den habe ich nicht in stabilster Erinnerung.
Dennoch: Es ist dringend notwendig, die grottenschlechten „Exchange“-„Server“ nachhaltig zu vernichten. Einschließlich des „Office“ – Sondermülls. Da gewinnt ein solches Produkt auf der POWER – Plattform gehörig an Relevanz.

Der Referent ist gut, aber so einige Behauptungen sind lustig:
Bei Intel-Prozessoren gebe es Extra-Instruktionen für „Google“ und die Asozialen-Schlammsuhle „facebook“. Das wäre ja einmal etwas: Wenn, wegen des fehlenden Spezial-Opcodes von INTEL, ich mit einem Power – Rechner nie wieder ein Bild der Visage des Herrn Zuckerberg zu Gesicht bekäme, dann wäre das ein ungeheurer Vorteil.
Auch, wenn der Referent sich alle Mühe gibt, tiefergehende Sachkenntnis zu verbergen: Einen Assembler – Programmierer erkenne ich, wenn ich ihn sehe. Da wäre ganz klar mehr gegangen.
Aber IBM hat für das komplexe Thema gerade einmal 20 (!) Minuten Zeit eingeplant. Ich wollte bei dem gedrängten Programm nicht schon wieder durch Zwischenrufe und Fragen auffällig werden, aber es juckte mir schon in den Fingern, einmal zu fragen, wieso für den Referenten die POWER – Architektur erst jetzt an Relevanz gewinnt. Daß der „x86“ so ziemlich die hinterletzte Küchenschabe ist, wurde von keinem sachkundigen Menschen jemals auch nur diskutiert. Man vergleiche 8080 mit 6502, 80286 mit 68000 und so weiter, und so fort. Im Vergleich zur POWER – Architektur geriert sich Intel wie die elektronische Multimedia-Orgel eines schmierigen Alleinunterhalters neben einem ausgewachsenen Bösendorfer – Flügel. Das muß doch einem denkenden, neugierigen Menschen, der eine schweizerische Hochschule besucht hat, ins Bewußtsein springen?

Im Rahmen des Ultrakurzvortrags habe ich ungefähr 127 Mal die Phrase von der „Freien Software“ gehört, das geht mir seit Jahren auf den Senkel, weil es etwas hat von „Wir sind die Guten“.
„Proprietäre Software“ heißt doch zunächst einmal nichts anderes, daß sich jemand darum kümmert! „Ökosysteme“ sind mir nicht erst seit Claudia Roth verhaßt. Es muß nicht jeder überall dran ‚rumfummeln, ich sage nur „Ralf Seggelmann“, „Telekom“ und „Heartbleed“. Oder darf ich noch auf das desolate Xorg hinweisen?  Früher hatte man gewitzelt, „Ah, it compiles! Let’s ship it!“.
Ein Xorg zerlegt sich schon beim imake.

Trotz aller Meckerei: Mit einer Alternative zur gängigen Kollabierungsware von Microsoft wird man sich auseinandersetzen müssen.

Danach stellen zwei Referenten eine weitere „Lösung“ vor, „Skalix“.

Hier zeigte sich:  Man kann auch noch einen 20-Minuten – Vortrag noch verkürzen, indem man 10 davon mit substanzlosen Unternehmensdarstellungen verplempert.  Da wäre mir ein „gespielter Witz“ lieber gewesen.
Außerdem benutzt das Produkt „JAVA“ und „MySQL“.  Wenn dann noch „PHP“ oder ähnlicher Müll dazukommt, dann muß man aufpassen, daß nicht eine „kritische Masse“ erreicht wird, die dann irgendwann als schmutzige Bombe explodiert.

Der Kracher fehlt …

… und sitzt doch im Plenum. Denn, und da sieht die „Komjunity“ vor lauter „Ökosystem“ die Bäume nicht, ein Computer ist kein Daddelspielzeug, sondern ein Werkzeug, mit dem Menschen ihre Fähigkeiten multiplizieren können.

Anstatt krampfhaft zu versuchen, „Schwerlastverkehr“ mit einem Klapproller zu realisieren, könnte man ja zur Abwechslung ja etwas Produktives tun:
Einen Computer als Anwendungsserver verwenden.
Und dazu bietet „Linux on Power“ ganz hervorragende Möglichkeiten:

Auf einem oder mehreren Servern weden Anwendungen installiert, die dann von hunderten oder tausenden von Anwendern über schlanke, energiesparende „Thin Clients“ genutzt werden können — in atemberaubender Geschwindigkeit.

Gleichzeitig gibt es keinen Streß durch zentrales Updatemanagement und man erreicht hohe Sicherheit — denn der typische Viren-Schadcode ist für die INTEL-Amateurcomputer konzipiert und läuft schlicht nicht auf einer POWER-Architektur.

Tja, und nach dieser Methode hätte man in München die Informationstechnologie auf Vordermann bringen können — anstatt jedem Mitarbeiter so einen lächerlichen PC hinzustellen — der heute buchstäblich zum alten Eisen zählt.

Das alles bekommt man mit „X2go“ hin, aber das Thema schien wohl nicht so interessant zu sein. Am Ende nimmt man dem lieben Wettbewerber HP noch ein paar Großkunden ab. Da richten wir doch lieber unser Kerngeschäft zugrunde und vergraulen unsere Stammkunden mit unausgegorenen Produkten.

Potentiale muß man erkennen …

… insbesondere wenn es um die eigenen geht.

Nachdem die Technologie ja angeblich zur Verfügung steht:

Ersetzt das IBM-Management durch „WATSON“ !

-hb