Roland Dürre
Dienstag, der 16. April 2013

Video von “Bewegt Euch!” ist da (Bier&Informatik)

In unserer Vortragsreihe

“IF-Technologie – von InformatikerInnen für InformatikerInnen”
(auch als Bier&Informatik bekannt)

hat Johannes Schmidt am 21. März 2013 einen Vortrag gehalten:
Bewegt euch!

Wie Videospiele und Bewegungssteuerungen uns wieder vom Sofa locken?

Diesen sehr schönen und interessanten Vortrag haben wir aufgenommen und zwei Videos daraus gemacht. Hier sind sie – sehr sehenswert!

Im ersten Teil des Vortrags berichtet uns Johannes Schmidt die geschichtliche Entwicklung der Bewegungssteuerung.

Was unterscheidet Sony EyeToy und Nitendo Wii von Microsoft Kinect?

Der zweite Teil zeigt, wie einfach mittlerweile die Programmierung dieses technisch so anspruchsvollen Themas ist.

Mit Live-Programierung!

Der nächste Vortrag in Bier&Informatik findet am 16. Mai 2013 wieder bei uns in Unterhaching statt.

Es geht um:

“Ubuntu & Android im Business Einsatz
Der Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich? Features, Probleme und Lösungen im Überblick.

Alexander Jachmann (IF-Tech AG) wird uns an diesem Donnerstag über den aktuellen Stand berichten. Und natürlich gibt es im Anschluss wieder Bier&Leberkäs.

Hans-Peter Kühn
Donnerstag, der 11. April 2013

Sein und Zeit

Hatte gestern eine interessante Diskussion mit Detlev, über Kommunikation im Internet.

Es scheint, dass etwa 1% der Leute schreiben, 9% kommentieren und 90% entweder nur lesen oder überhaupt nicht lesen. Fast alle dieser überwältigenden Mehrheit „haben keine Zeit“.

Damit sind wir beim Thema!

„Habe keine Zeit“, suggeriert, dass man Zeit „Haben“ kann, offenbar das Privileg einer Minderheit der Besitzenden. „Zeit haben“ impliziert nun die Möglichkeit Zeit einzulagern, um im Bedarfsfall auf sie zurückzugreifen.

Damit eröffnet sich die verführerische Perspektive eines Zeitkellers, mit Flaschen und Fässern unterschiedlicher Jahrgänge. Je älter desto besser, denn allgemein gilt ja, dass die Zeit früher langsamer verging als heute oder dass die Zeiten damals besser waren. In der Flasche des Jahrgangs 1985 ist damit bedeutend mehr an Menge und Qualität des begehrten Stoffes, als in einer Flasche des noch jungen 2011.

Leider ist es nun unmöglich, wie in Afrika beim Wasserholen durchaus üblich, unsere Frauen morgens zum Zeitbrunnen, an den Zeithahn oder an die angezapfte Zeitpipeline zu schicken, um einen Behälter der kostbaren Substanz abzufüllen und mit stolzer Haltung, auf dem Kopf, nach Hause zu balancieren. Damit wird klar, man kann Zeit nicht „Haben“. Die Argumentation der schweigenden Mehrheit wird damit hinfällig.

Folglich kann man Zeit auch nicht bekommen, gewinnen (Gibt es Zeitlotterien?), verlieren, abbauen, ernten…

Stellt sich die letzte Frage: Brauchen wir Zeit??? Im Nichts gibt es keine Zeit, das wiederum bedeutet: Die Zeit braucht uns!!!

HPK

Roland Dürre
Montag, der 25. März 2013

Bewegt Euch! – IF-Akademie – 21. März 2013

Bewegt Euch! in der IF-Akademie war 21. März 2013 ist vorbei. Es war ein sehr schöner Vortrag von Johannes Schmidt. Sobald das Video fertig ist, veröffentlichen wir es.

Nach “Bewegt Euch!” kommt
“Ubuntu & Android im Business Einsatz
Der Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich? Features, Probleme und Lösungen im Überblick.

Am 16. Mai 2013 wird uns Alexander Jachmann von der IF-Tech AG über den aktuellen Stand dazu berichten. Es wird sich wieder lohnen, also den Termin vormerken! Und die weiteren Termine stehen dann auch schon auf dem Plakat.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. März 2013

“I like” & Facebook oder “WiTuN”

I like Facebook, Google+, Twitter und manches mehr …

Immer wieder höre ich Sätze wie

“… das ganze Zeug wie Facebook und Twitter wäre schlimm … Persönlich würde man das social media ja absolut boykottieren … Virtuelle Freundschaft wäre doch Quatsch, denn man müsse sich doch auch noch persönlich sehen … Und das allerschlimmste wäre doch dieses I like!”

von ansonsten durchaus ernst zu nehmenden Menschen. Die dann in ihr Auto steigen und davon brausen oder sich wieder hinter den Fernseher zurück ziehen, also durchaus Technik nutzen, die mal modern und relevant war.

Zu ihren Aussagen sage ich dann besser nichts mehr. Weiß ich doch, dass jeder Versuch die Dinge (social media) ein wenig zu erklären, völlig sinnlos ist. Gegen dogmatische Besserwisserei kann man nichts ausrichten, besonders wenn die Besserwisser das Subjekt ihrer Besserwisserei gar nicht kennen und so nicht verstanden haben können. Das gilt ganz allgemein.

Im ifcamp (barcamp der InterFace) am letzten BlueFriday (22. März 2013) habe ich eine Session “Wissensmanagement” gemacht. Es ging darum, wie wir Wissen frei machen und teilen können. Um es dann gemeinsam zu bewerten und das Relevante zu identifizieren. Mit dem Ziel in und aus der “crowd” die richtigen oder vielleicht besseren Entscheidungen für die Zukunft zu finden.

Da kam das Gespräch auch auf das “I like” von Facebook. Und wir waren der Meinung, dass dies wohl ein erstes und allereinfachstes Werkzeug für soziale Rückmeldung ist. Um Menschen zu zeigen, dass man etwas gut findet. Oder sie wertschätzt. Oder um einfach nur Sympathie zu zeigen  …

In der Session entstand die gemeinsame Bewertung, dass es für Anwendungen, die die “crowd” nutzen wollen” und “gute” social web-Lösungen eine ausgefeilte und neutrale “Rückmeldungstechnologie” braucht. Für solche Systeme ist das eine zwingend notwendige Funktionalität. Ohne eine solche Technologie werden solche Projekte nicht gelingen.

Spontan sind dann auch gleich Verbesserungsvorschläge für “I like” entstanden. Hier ein paar Beispiele.

  • Man gebe jedem Teilnehmer nur eine begrenzte Menge von zu vergebenden “I like”.
  • Man könnte jeden Monat wieder eine gewisse Anzahl verteilen.
  • Die Mitspieler bekommen dynamisch mehr oder weniger ”Rückmeldeeinheiten” entsprechend ihrer sozialen Relevanz, vielleicht wie bei Klout.
  • Oder es gibt so etwas wie einen “Page-Rank” für die Mitglieder eines sozialen Systems.
  • Man könnte auch die ”Rückmeldeeinheiten” verschiedenen Gewichts einführen …

Kurzum, ich glaube, dass die “Rückmeldungstechnologie” eine ganz wichtige und zentrale Komponente für crowd- und social web-Anwendungen verschiedenster Art ist. Allerdings ist das alles andere als ein triviales Thema; es lohn sich, sich damit zu beschäftigen. Mit Sicherheit gibt es eine Reihe auch von wissenschaftlichen Arbeiten, die hier gute Ideen beinhalten und die wir uns dringend mal anschauen sollten.

Dazu ein Beispiel aus einem anderen Segment, das mich verblüfft hat.
Ich schreibe gerne Stenografie. Mir kam der Gedanke, dass man diese über Hunderte von Jahren ausgereifte Technologie des “schnellen und ergonomischen (nicht verkrampfenden) Schreibens mit der Hand” für die Texteingabe bei Tablets oder durch Gesten gesteuerte Systeme nutzen könnte. Und siehe da, ein Freund aus der Academica hat dann ganz schnell eine wunderbare Bachelorarbeit gefunden, die dieses Thema sehr gut analysiert hat.

Also – tun wirs;
Wissen Teilen – und Nutzen!
(WiTuN)

RMD

Anmerkung:
Dieser Artikel soll keinesfalls suggerieren, dass ich mit dem, was Facebook oder Twitter alles so treiben, einverstanden bin. Wenn ich z.B. bei Facebook gewisse Tendenzen des Eingriffs in die “sozialen Metriken” beobachte, kann es gut sein, dass ich da schneller weg bin als mancher denkt.
Ein Umkippen von FB ändert aber nichts an meiner Annahme, dass soziale Netzwerke und gemeinsame Wissensanwendungen einen gesellschaftlichen Fortschritt bedeuten. Wäre nur wieder ein Anlass mehr, die alte philosophische und ethische Diskussion aufleben zu lassen: Wie kann man es erreichen, dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen auf anständige Art erfolgt. Was letzten Endes zu einer Diskussion führt über Privatisierung bzw. die soziale Verantwortung von Inhabern der Produktionsgüter.

Roland Dürre
Mittwoch, der 13. März 2013

Hotspot & WLAN und die Zukunft

Ich bin oft unterwegs und treffe viele Menschen. Dabei fliege ich kaum mehr durch die Luft, kommuniziere aber um so lieber kabellos via “air” mit der Welt. Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln und Räumen, bei Universitäten oder Unternehmen, in Kaffees und Restaurant, Institutionen oder Verbänden und wo auch immer.

Wie meine Reisen und Treffen dem “Vernetzen” dienen, so möchte ich unterwegs mit dem Rest der Welt vernetzt sein. So ist es immer wieder sehr praktisch, wenn ich ein WLAN finde, in das ich rein darf. Da ich ein aufwändiger Netznutzer zu sein scheine, bin ich mit UTMS & CO nicht zufrieden. Mit LTE (Long Term Evolution) habe ich selber noch keine Erfahrungen, da ich kein LTE-fähiges Gerät habe.

Habe aber Leuten mit LTE-fähigen Geräten über die Schulter geguckt. Das Tempo war wirklich sehr eindrucksvoll. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass das LTE wieder mal eine kleine Revolution bringen wird – und es dann mit der mobilen Welt noch mehr ab gehen könnte als heute schon.

Vielleicht gibt es bald ja nur noch LTE und die vielen WLAN-Netze werden überall abgebaut. Wäre auch wieder ein Fortschritt hin zu “weniger Verschwendung” durch diese ausufernd zahlreichen parallelen WLANs an vielen Orten.

So weit sind wir aber noch nicht. Die Nutzung von LTE würde für mich bedeuten, dass ich mir schon wieder neue Technologie kaufen müsste. Damit will ich noch ein wenig warten. Unterwegs nutze ich verschiedene Geräte (Smartphone, Pad, Notebookes mit Stick). Die können alle kein LTE und bin mit trotzdem mit all diesen ganz zufrieden. Da ich aber nicht schon wieder alles neu kaufen will, warte ich auf eine wirklich neue Generation von Hardware – die dann selbstverständlich LTE können wird.

Deshalb bin ich oft auf der Suche nach freien WLANs. Und WLANs gibt es ja auch fast überall. Allerdings sind sie für mich nicht erreichbar. Oft habe ich eine zweistellige Anzahl von Netzen mit voller Stärke in der Anzeige, aber alle sind passwort geschützt. Nur wenn ich als Gast in modernen Unternehmen, Institutionen, Hotels oder sonstigen Lokationen bin, habe ich in der Regel kein Problem. Denn gerade “gute” Firmen mit einer vernünftigen und modernen (Unternehmens-)Kultur verfügen auch über ein WLAN, über welches sie ihren Gästen einen einfachen Zugang ins Internet bieten. Quasi als Teil ihrer Gastfreundschaft.

Auch die Telekom und alte Unternehmen wie zum Beispiel die Bahn in ihren Lounges und in manchen Zügen auf leider nur wenigen Strecken machen das mit ihren Internet-Angebot ganz gut. Es gibt aber auch immer noch zahlreiche Institutionen und Unternehmen, bei denen es immer schwierig bis unmöglich ist, ins WLAN zu kommen. Dies sind oft größere und ein wenig komplizierte Unternehmen. Da wundere ich immer und hoffe, dass doch bald flächendeckend LTE kommen möge.

Wenn ich als Gast ins WLAN gehe, freue ich mich, wenn das Passwort noch vom letzten Besuch gültig ist. Dann bin ich sofort im Netz. Ich finde es als Gast auch gut, wenn in den Räumen des Gastgebers das WLAN-Passwort für uns Gäste gut sichtbar ausgehängt wird.

Genauso recht ist es mir, wenn das WLAN kein Passwort hat und ich in einer Startmaske ein Häkchen machen muss, mit dem ich kund tue, dass ich mich an die Geschäftsbedingungen halten werde. Was ich beides sehr gerne mache – das Häkchen und mich “an die Bedingungen halten”. Eigentlich finde ich letzteres die vernünftigste Variante, auch weil offene Netze helfen, die gigantische Form der Verschwendung durch die vielen parallelen WLANs überall auf der Welt zu reduzieren. Die Zeit wäre doch eigentlich auch hier reif für “shared economics”.

Deshalb bedanke ich mich bei solchen guten Gastgeber an dieser Stelle ganz explizit.

Aber jetzt wechsle ich mal die Rolle und bin nicht mehr Gast sondern werde zum Gastgeber.

Zu Hause habe ich mich den Ängsten meiner Familienmitglieder gebeugt und unser WLAN verschlüsselt. Zwar sind so ziemlich alle Wahrscheinlichkeiten bei realen Risikoszenarien für unsere körperliche Unversehrtheit und unsere Güter zig-fach höher als für das Risiko, dass uns ein Angreifer über ein offenes WLAN schädigt.

Weil aber alles möglich ist und man sich vor allem schützen will, haben wir uns auch dem öffentlichen Überich gebeugt und ein Passwort vor unser WLAN gesetzt. Das ist aber gleich geblieben, seit dem wir dieses WLAN aufgebaut haben. Und der “moderne Teil” unserer vielen Gäste freut sich auch darüber. Zwar haben sie unser Passwort längst vergessen. Ihr Geräte aber haben es sich gemerkt, so sind sie gleich wieder bei mir im Netz und fühlen sich dann hoffentlich wie zu Hause.

Im Unternehmen scheint das schwieriger zu sein. Da haben wir den expliziten Vorsatz, dass wir uns gesetzestreu verhalten. Und nehmen die Themen Sicherheit und Datenschutz genauso ernst, wie manch anderes, das der Gesetzgeber so erfunden hat. Auch wenn er uns das Leben nicht immer unbedingt leichter macht.

Also  stellen wir bei der InterFace AG sowohl im Headquarter in Unterhaching wie auch in unseren Geschäftsstellen unseren Gästen ein eigenes offenes WLAN mit dem Namen IF-OPEN zur Verfügung. Das ist zwar auch passwortgeschützt. Für unsere Gäste haben wir ein “werbewirksames” Passwort gewählt. Es macht auf das große “F” in “InterFace” aufmerksam und weist darauf hin, dass es uns schon bald 30 Jahre gibt.

Das Passwort geben wir unseren Gästen, damit sie sich auch bei uns wie zu Hause fühlen. In den zentralen Gemeinschaftsräumen wie Seminarzone oder Besprechungszimmer hängen wir es aus. Unser IF-Open wird auch von mir und manchen Mitarbeitern gerne genutzt, da es direkt und proxyfrei ins Internet führt.

Vor kurzem wurde die Frage aufgeworfen: Sollen wir das Passwort unseres Gästenetzes ändern? Und wenn, wie häufig sollen wir es ändern?

Nach meinem Geschmack würde einmal in 50 Jahren genügen. (Zwinkern)

Ich versuche, das mal zu begründen: Ein stabiles, verlässliches und vor allem leicht zu merkendes Passwort für ein als offen gedachtes und auch so bezeichnetes aber trotzdem Passwort-geschütztes WLAN ist ein Segen. Wenn man dieses häufig ändert, dann macht man vielen Leuten eine vielleicht nur geringe aber doch immer wiederkehrende Mühe. Nur weil es (wahrscheinlich auch nur theoretisch) jemanden in oder in der Nähe des Gebäudes geben könnte, der bei uns den Internetzugang “klaut” und auch noch “missbraucht”.

Wie realistisch eine solche Angst ist, weiß ich nicht. Ich schätze sie aber eher gering ein, wenn ich daran denke, was für “reale” Risiken wir haben könnten (Einbruch, Diebstahl).

:-) Aber in ein paar Jahren haben wir ja flächendeckend LTE. Dann braucht man keine WLANs mehr und all diese Überlegungen sind hinfällig.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 23. Februar 2013

Privatheit 3 – die Cloud

Immer wieder wird in der IuK-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie) eine “neue Sau durchs Dorf getrieben”. Das ist seit einiger Zeit die Cloud. Und obwohl keiner mehr von ihr hören will, macht sie vielen immer noch so richtig Angst. Und natürlich geht es dabei wie so oft um den Schutz und die Sicherheit unserer Daten.

Der offizielle Ratschlag der Fachleute und Datenschützer ist, sich immer eine “inländische” Cloud zu suchen. Mit “inländisch” ist in diesem Fall allerdings nicht unbedingt eine “deutsche Cloud” gemeint, sondern eine “Europäische”. Ich persönlich halte das nicht für so wichtig.

Wenn ich mich selber nicht zu wichtig nehme, dann ist es doch völlig gleichgültig, wo meine Daten liegen und wer sie sieht. Und wahrscheinlich entsteht auch kein großer Schaden, wenn sie weg sind. Und so ganz weg sein können sie ja eh nicht mehr.

In einer idealen und transparente Welt wäre es ja sowieso unwichtig, “Daten zu schützen”. Jetzt ist die Welt aber immer noch nicht so ganz so ideal. Und kritische Geister müssen sich immer wieder vor der Obrigkeit fürchten. Mit Obrigkeit meine ich auch staatliche Systeme, die es vielleicht mit den Menschenrechten nicht so ernst nehmen. Geheime Staatsorganisationen, die Gesinnung überwachen und Menschen systematisch ausspionieren. Die sich als Schutz oder Dienst bezeichnen oder sich Abkürzungen gegeben haben, die meistens aus drei Buchstaben bestehen.

Wenn man sich von diesen schützen will, dann sollte man die Daten ganz weit von der Obrigkeit halten. Und die Daten dann auch in eine Cloud stecken, die ganz weit weg ist. Das könnte nur eine äußerst “ausländische” Cloud sein. Die wird aber auch nichts helfen. Weil genannte Organisationen gestützt von ihren Regierungen immer Wege finden, die Daten aus ihren Schutzgefängnissen herauszuholen. Oder die Obrigkeit ganz einfach globale Kriminelle für diesen Zweck nutzt. Man denke nur an die “Steuer-CDs” der in Finanzdingen doch ehemals so ausländischen Schweiz.

Nein – wie immer und wahrscheinlich mehr denn je gilt: Unrecht Gut gedeiht nicht gut. Lieber weniger Vorteile nutzen, transparent bleiben und keine Geheimnisse zu lassen. Und wenn es Geheimnisse gibt, die der eigenen Person schaden können, die auf keinen Fall aufschreiben. Nicht auf Papier und nicht elektronisch.

Und so sollten wir uns nicht so sehr um persönlichen Datenschutz, Datensicherheit und die Cloud sorgen. Vielmehr müssen wir uns mit Zivilcourage, konstruktivem Ungehorsam und Verantwortung gegen alle Bestrebungen wehren, die unseren Rechtsstaat und unsere Grundrechte beschädigen können.

Und ein Verhalten praktizieren und einfordern, das die Welt wieder auf einen im biologischen Sinne nachhaltigen Kurs bringt. Und uns dann weiter um viele gesellschaftliche Defizite und Missstände Gedanken machen und uns darum kümmern. Und dazu brauchen wir das Internet – inklusive der Cloud. Das ist nämlich das Nervensystem unseres Planeten mit seiner globalen Welt geworden, und ohne dieses werden wir die komplexen Herausforderungen nicht lösen können.

Das alles dürfte für unsere Zukunft und die unserer Kinder sehr viel wichtiger sein als die Sorge um die Daten …

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Januar 2013

Tweets zum Twittern und Bloggen #152

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

130124 Unversehen ist bald geschehen – hört Ihr, Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130125 Unversucht, unerfahren – gute Strategie für Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130126 Unverworren gibt gut Garn – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130127 Unverworren ist das beste – gilt auch für Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130128 Unverzagt hat’s oft gewagt – macht auch der Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130129 Unwilliger Bote, guter Prophet – gilt das auch fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130130 Unwissenheit ist kühn – gerade beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Angst vor der Cloud habe ich nicht – auch nicht, dass mir dort jemand meine Daten klaut!

Wir fanden die Idee mit der Cloud sogar ganz gut – so gut, dass wir nach vielem Ärger mit unseren lokalen Exchange-Servern überlegten, unsere E-mail in die Cloud umzuziehen. Hätten wir es nur beim Überlegen belassen! Da ja Exchange ein Microsoft-Produkt ist und Office 365 von Microsoft als “Die ideale Cloud-Lösung für Ihr Unternehmen” beworben wird, haben wir beschlossen, die Migration in die neue Welt der cloud zu wagen.Wir benötigen ja nicht viel: E-mail und Kalender – “Zugriff auf Ihre E-Mails und Kalender über Ihren Computer, das Internet und Ihr intelligentes Gerät” verspricht Microsoft; all die anderen schönen Dinge (wie Lynx, Sharepoint, ..) die damit mit einhergehen waren uns nicht wichtig.

Und es gibt einen “Exchange Server Deployment Assistant”, der einen bei der Migration unterstützt: Es dauerte 2 Wochen, bis all unsere Postfächer automatisch in die Cloud repliziert waren (okay – es kommen dabei viele Fehlermeldungen, die einem nichts sagen, aber man muss die Migration nur immer wieder starten. Da die Fehler anscheinend zufällig sind, hat man irgendwann Kopien aller Postfächer in der Cloud). Na ja – dann schaltet man um und es funktioniert erst einmal gar nichts. Ich muß ehrlich sein – wir konnten mails verschicken, aber keine empfangen. Unser Fehler, denn nach 8 Stunden (!!!) Telefonat mit dem Support (wo ein Techniker mit einem alle Permutationen von möglichen Konfigurationseinstellungen durchgeht) hat auch das funktioniert.

Wir waren in der Cloud! Und stellten fest, dass unsere Basisanforderung “Senden und Empfangen von mails mit Anhängen” durch dieses neue ach so tolle Produkt nicht erfüllt wird.

Wenn man mails verschickt, kommt bei manchen Empfängern manchmal statt des Anhangs eine Datei Winmail.dat an. Anscheinend kann man hosted exchange so konfigurieren, dass das nicht mehr der Fall ist, doch wie weiß keiner: Wir haben viele Anleitungen aus dem Internet probiert und viele Stunden mit dem Microsoft Support am Telefon verbracht – weg ist dieses Problem nicht.

Na ja und wenn man Mails mit bestimmten Anhängen (z.B. MDB-Dateien: Microsoft Access Datenbanken) bekommt, dann wird dieser Anhang entfernt und durch ein Textfile ersetzt, in dem steht, dass der Anhang entfernt wurde. Dies ist ein Verhalten, das man anscheinend nicht abstellen kann. Dummerweise erstellen wir viel Anwendungen mit Microsoft Access – Microsoft empfiehlt hier, die Dateien vorher mit ZIP zu packen (Stimmt: Dann gehen sie durch – wenn man aber RAR benutzt, werden sie ausgefiltert) – wie ich all meinen potentiellen Kunden vorher sagen kann, dass ich jetzt Microsoft hosted exchange benutze und sie mir deshalb keine Microsoft Datenbanken mehr schicken können, kann man mir genauso wenig erklären wie den “Sinn” dieser Aktion.

Na ja – und wie man von der Cloud wieder wegmigriert erklärt einem auch keiner – ich verstehe ja, dass hier Microsoft keine Tools bereitstellt.

Wir bereuen diesen Schritt bitter – nicht weil ich die Cloud nicht eine gute Idee fände, sondern weil man auf Gedeih und Verderben jemanden ausgeliefert ist, dem Kundenbedürfnisse ziemlich egal sind.

E2E

Roland Dürre
Sonntag, der 18. November 2012

Vorbereitung auf meinen Vortrag “Der Wandel im Management”

Im November werde ich vor verschiedenen Gruppen über den “Wandel im Management“ sprechen. Der folgende Text ist im Rahmen meiner Vortrags-Erarbeitung entstanden. Er beschreibt das Umfeld und soll den Zuhörern bei der Vorbereitung auf den Vortrag helfen – quasi als begleitender “Reader”.

In der letzten Zeit hat sich das Tempo der Veränderung, auf neudeutsch “change” genannt, geometrisch beschleunigt. Das Internet verändert die Welt in einem Maße, wie dies seit der “Industrialisierung” nicht mehr der Fall war. Die Postmoderne geht zu Ende, mit großen Schritten betreten wir das “Informationszeitalter” (wenn man es denn in 100 Jahren so benennen wird).

Die Veränderung betrifft wesentlich auch den wirtschaftlichen Bereich. Die Art zu Arbeiten ändert sich. Junge Unternehmen – mit ganz neuen Geschäftsmodellen, Unternehmenskulturen und nie da gewesenen Produkt- und Dienstleistungsangeboten – entstehen und erobern in kurzer Zeit die Welt. Man denke an Apple, Dell, Facebook,  Google, HP, Microsoft, Oracle, SAP und viele, viele andere. Und Siemens & Co schauen voller Neid zu.

Und es geht weiter. Hochqualifizierte Menschen wollen nicht mehr als Festangestellte arbeiten. Einige schließen sich zusammen und arbeiten mit ihrem Spezialwissen und Können ehrenamtlich für gemeinsame Ziele. So haben sich Menschen aus einer ganz neuen Branche, der Software-Industrie, in der GNU-Zeit zuerst in den USA zu kleinen Gemeinschaften zusammen geschlossen und “freie” und “offene” Produkte entwickelt. Und so sind große Bewegungen entstanden, die heute nicht mehr wegzudenken sind.

Zuerst waren das typischerweise “einfache SW-Werkzeuge wie die (GNU-)Compiler der 80iger Jahre. Aber schon bald ging es richtig los und die berühmte “lamp”-Software entstand: Linux, Apache, MySql und Php. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges. Heute gibt es eine breite “Open Source”-Bewegung, die aus vielen kleinen großen Communities besteht. Und da entstehen die tollsten Dinge in unglaublicher Vielfalt. Und plötzlich verdrängen Produkte, die durch freiwillig und ehrenamtlich geleistete Arbeit entstehen, arrivierte kommerzielle und haben Weltgeltung.

Natürlich können auch weniger komplizierte technische Teile als großes Software-Systeme wie zum Beispiele Automobile vernetzt und offen “ingenieursmässig” entwickelt und lokal “assembliert” werden. Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis das erste Open-E-Mobil in großer Serie auf den Straßen rollen wird.

Ergänzt wird diese Entwicklung durch IT-fremde OpenSource-Bewegungen. Die bekannteste davon dürfte Wikipedia sein. Aber auch Wikipedia stellt nur die Spitze des Eisberges da. Überall hören wir den Schlachtruf:

“Wissen ist das einzige Gut, dass durch Teilen mehr wird!”

Im gleichen Zeitraum entstehen NGOs (Non Government Organization), die mittlerweile bei vielen Völkern ein höheres Ansehen haben als deren Regierungen. Die neuen Schlagworte sind Community, Zugehörigkeit, Kollaboration. Besonders das “co” von cooperation wird zur beliebten Vorsilbe. Begriffe wie co-creation, co-working, co-programming beginnen zu leben.

Neue Strategien wie “crowd sourcing” entstehen und versuchen die “Intelligenz der Masse” zu nutzen. Und schaffen so einen wirklichen Megatrend. Das Internet dominiert die Welt. Pad, Smartphone und Laptop sind “in”. Der Markt für Apps explodiert.

Vor kurzem habe ich gelesen, dass sich schon mehr Deutsche ein Leben ohne Auto vorstellen können denn ein Leben ohne Facebook. Sogar das “Goldene Kalb” des letzten Jahrhunderts, das Auto, scheint auf dem Wege zum “out” zu sein.

So ist es auch in der Wirtschaft. Unternehmen, die plötzlich ganz anders ticken, verdrängen die traditionellen. Im Privatleben verlieren Ämter, Karriere, Krawatten, Status und Titel an Bedeutung und Wichtigkeit. Dagegen steigt das Bedürfnis, das eigene Leben auch eigenbestimmt zu führen. Mit den Worten des alten Fritz gesagt: Die Menschen wollen “nach ihrer Façon glücklich werden” und kündigen Spätkapitalismus und Marketingwirtschaft ihr Gefolge auf. Wie ich finde ein sehr schönes Verständnis von Freiheit.

Aber wie war das möglich?

Ganz einfach – wir erleben die Evolution. Und die macht natürlich auch vor Menschen und ihren Lebensformen und -gruppen nicht halt. Es gibt Menschen, die über besondere Antennen verfügen und so viel von der gesellschaftlichen Entwicklung mitkriegen. Mit besonderer Ausbildung und Wissen machen sie sich Gedanken und verbalisieren, wie sich das “Gestern, Heute und Morgen” so entwickelt. In der Regel sind das die Philosophen und Menschen verwandter Wissenschaften in ihrer Aufgabe als “Evolutionsbeobachter”.

Die Philosophen formulieren auch das zeitgenössische Denken und beschreiben, welche Werte im letzten Jahrtausend die handlungsleitenden waren. Und die haben sich im Laufe der Jahrhunderte gewaltig geändert.

Im Mittelalter klang das so:

“Alles, was Gott gefällig ist, ist gut!”

Eine eigentlich recht einfache Regel, man muss nur wissen, was denn “Gott gefällig” ist. Dann kam der Utilarismus mit Thomas Hobbes (Leviathan) mit

“Alles, was dem Menschen nutzt, ist gut!”

Klingt ja nicht schlecht, besonders wenn man Mensch ist. Das hat dem Kant aber nicht gefallen. Der meinte, dass das nicht so einfach wäre. Man bräuchte noch so etwas wie Moral und formulierte sehr kategorisch den

Kategorischen Imperativ:

“Alle endlichen vernunftbegabten Wesen und damit alle Menschen sollen ihre Handlungen darauf prüfen, ob sie einer für alle, jederzeit und ohne Ausnahme geltenden Maxime folgen und dabei das Recht aller betroffenen Menschen, auch als Selbstzweck, also nicht als bloßes Mittel zu einem anderen Zweck behandeln!”

Darwin provozierte mit seiner Evolutionstheorie die feinen viktorianischen Daten und Nietzsche hatte es eilig mit der Aufklärung. Und wir wussten nun, dass der Mensch ein ganz normales Lebewesen ist, welches sich aus den Affenartigen entwickelt hat und dieser am besten danach streben sollte, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten und Irrtümer zu beheben.

In der Postmoderne wurde die Aufklärung dann zum radikalen Gedankengut und ist wohl nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Die Entwicklung ging aber weiter.

Da kam zum Beispiel nach dem Krieg Habermas. Der sprach vom herrschaftsfreien (redlichen) Diskurs als Basis von Kommunikation und Erkenntnisgewinn und formulierte folgende fantastische Regeln:

  1. Kein äußerer Zwang darf das Gespräch behindern.
  2. Geltung hat das beste Argument.
  3. Jeder hat die gleiche Chance zur Beteiligung am Gespräch.
  4. Jeder muss zur “ungekränkten Selbstdarstellung” fähig sein und sich den anderen transparent machen.
  5. Jeder muss die Grundentscheidungen seines Lebens thematisieren und kritisieren lassen. (Hierzu dient ein ausgeklügeltes System von Rede und Gegenrede, Begründungspflicht für alle Aussagen und Behauptungen usw.).
  6. Keiner hat Vorrechte aufgrund von Alter, Erfahrung, Autorität usw.
  7. Jeder muss bereit sein, mit jedem die Verhaltenserwartungen zu tauschen. Jeder soll jederzeit mit jedem zum Rollentausch bereit sein.
  8. Diskutiert wird so lange, bis ein Konsens erreicht ist. Ist die neue Wahrheit angenommen, bestimmt sie von da an das Leben und Verhalten der Teilnehmer.

Entscheidend für die heutige Entwicklung ist aus meiner Sicht dieser Begriff vom “Herrschaftsfreien Diskurs”, der wohl bei Habermas zu verorten ist. Zwar ist die Primärliteratur sperrig, wenngleich auch schön zu lesen. Zum Lesen empfehle ich diese kleine Rede, die die eine oder andere Anregung enthält:

Und einen Adorno gab es damals auch. Hier ein nettes Zitat von ihm:

„Gibt der Kontrahent nicht nach, so wird er disqualifiziert und des Mangels eben der Eigenschaften bezichtigt, welche von der Diskussion vorausgesetzt würden. Deren Begriff wird ungemein geschickt so zurechtgebogen, dass der andere sich überzeugen lassen müsse; das erniedrigt die Diskussion zur Farce. Hinter der Technik waltet ein autoritäres Prinzip: der Dissentierende müsse die Gruppenmeinung annehmen. Unansprechbare projizieren die eigene Unansprechbarkeit auf den, welcher sich nicht will terrorisieren lassen. Mit all dem fügt der Aktionismus in den Trend sich ein, dem sich entgegenzustemmen er meint oder vorgibt: dem bürgerlichen Instrumentalismus, welcher die Mittel fetischisiert, weil seiner Art Praxis die Reflexion auf die Zwecke unerträglich ist.“ (Seite 180-181)

Das Zitat entstammt dem Aufsatz „Marginalien zu Theorie und Praxis“ (1969) und ist dem Suhrkamp Bändchen “Kritische Modell 2″ von Adorno entnommen. Ansonsten findet sich einiges Material in “Strukturwandel der Öffentlichkeit” von Habermas, das er 62 geschrieben hat.

Für mich sind Adorno und Habermas zwei Menschen, die ganz gut beschrieben haben, was heute passiert. Und da hilft heute das Web 2.0 ganz schön mit. Und eine logische Konsequenz sind die interaktive Blogger und Twitter wie die Social Media wie Facebook vernetzten Menschen. Aber es geht erst richtig los.

In der Wirtschaftswissenschaft hat Hans Ulrich, der “Erfinder des St. Gallener Management Modells” besonders schön die anstehende Veränderung beschrieben. Sehr lesenswert dazu finde ich seine 8 Thesen  zum “Umdenken im Management” (zu finden in: Hans Ulrich “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998″) :

  • Ungewissheit und die Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
  • Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
  • Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
  • Mehrdimensional denken!
  • Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
  • Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen!
  • Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
  • Gruppendynamik ausnutzen!

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisgewinn zu produzieren, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. So brauchen und haben wir, um die richtigen Fragen zu finden neue Kommunikationsformate. Das ist die erste kreative Pflicht, denn erst dann wenn wir unsere Probleme wirklich wissen können uns auf die Suche nach Lösungen aufmachen.

Forderungen wie der “Herrschaftsfreie Diskurs” galten mal als utopisch und unerfüllbar. Heute ist das Realität geworden und wird im Internet wie auch in der Nicht-Interwelt gelebt. Neue Formate wie jam session, barcamp, open space, fish bowl, Pecha Kucha, Ignite und manches mehr verbreiten sich rasant. Die lösen so manche Tagung, Konferenz und letzten Endes Institutionen ab und führen zu einer hybriden Kultur, die reales und virtuelles Leben verbindet.

Soweit ein paar Gedanken als Vorschau für meinen Vortrag zum Beispiel am Donnerstag an der Universität der Bundeswehr.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 27. Oktober 2012

Unsere lieben persönlichen Daten – Der Brief und das Eigentum?

Ergänzend zu den Überlegungen in meinem letzten Artikel zum Datenschutz ein Exkurs zu ähnlichen Problemen am Beispiel des so ganz harmlosen Briefs?

Die Sprache ist Voraussetzung für komplexere Kommunikation zwischen intelligenten Lebewesen. Mit der Sprache kam die Schrift. Die Schrift hat den Brief ermöglicht. Der Brief war für viele Jahrhunderte der Inbegriff von bilateraler Kommunikation über Raum und Zeit.

Aber wer schreibt heute noch Briefe? Wer überhaupt hat das wunderbare Geheimnis des Briefe-Schreiben und Empfangen noch selbst erlebt? Ich habe aus den ersten beiden Jahrzehnten meines Lebens noch ganz schwache Erinnerungen daran:

Für einen Brief braucht man Papier. Auf das schreibt man, früher gerne mit Tinte – und ganz ordentlich mit der schönst möglichen Schrift, die man so drauf hat. In der Regel gibt es eine ausgesuchte und höfliche Anrede. Der Text geht dann über eine oder mehrere Seiten, die entsprechend nummeriert werden. Das Werk wird mit einer Grußformel sowie Ort und Datum abgeschlossen und schließlich unterschrieben. Früher sogar gesiegelt.

Dann nimmt einen Umschlag, faltet das Papier und stecke es in den Umschlag. Der  wird zugeklebt, auf die Vorderseite der Empfänger und auf die Rückseite der Absender geschrieben. Das musste so sein, denn es gab eine – wie ich meine vernünftige – Postregel: Briefe ohne korrekten Absender wurden vor grauer Vorzeit nicht befördert. Klingt auch im Zeitalter von Spam ganz vernünftig.

Dann wird der Brief korrekt mit einer oder mehreren Briefmarken frankiert - oft unter Nutzung der Zunge. Die korrekte Frankierung ist ganz wichtig, sonst kommt der Brief nach einigen Tagen wieder zurück.

Schließlich wird der Brief in einen öffentichen Briefkasten geworfen. Früher waren das gelbe Kästen mit einem Horn. Der Schlitz in diesem gelben Kasten ist der Eingang zu einer Cloud, genannt Post. Aufgabe der hinter der Cloud liegenden Organisation war es, Briefe und damit die in diesem enthaltenen Informationen zuverlässig und schnell an Adressen in der ganzen Welt zu transferieren.

Die Post garantiert auch das Postgeheimnis. Das ist nicht immer verlässlich, denn zu allen Zeiten gab und gibt es Instanzen, die – ungesetzlich oder legitimiert durch eigenartige, aus Angst entstandene Gesetze – so einen Brief öffnen und den Inhalt prüfen. Abhängig vom Inhalt wird der Brief dann von diesen wieder verschlossen und weiter gesendet – oder auch mal behalten. Diese Instanzen arbeiten sehr geschickt. Der Empfänger merkt das oft gar nicht, dass der Briefes geöffnet, gelesen und wieder verschlossen wurde.

Das aber nur zum Verständnis von Briefpost. Mir jedoch geht es um die Frage, wer denn der Eigentümer eines solchen Briefes und dessen Inhalt ist?

So ein Brief wurde vom Absender erstellt (aufwändige Schreibart) und finanziert (Papier, Tinte, Umschlag, Porto). Der Empfänger bekommt ihn dann durch einen Boten aus der Cloud (Briefträger genannt) übergeben.

Wem gehört jetzt der Brief? Bei der “Hardware” scheint mir das einfach zu sein. Papier und Umschlag würde ich als juristischer Laie als Geschenk sehen. Tinte und Porto spielen keine Rolle. Die Tinte ist ja mittlerweile verdorben und die Briefmarke entwertet. Der Absender hat dem Empfänger das Papier und den Umschlag geschenkt. Wie ist es jedoch mit dem Inhalt?

Nehmen wir an, Sender und Empfänger wären ein Ehepaar. Die Inhalte im Brief sind Teile der Kommunikation ihrer ehelichen Beziehung. Wem gehört dann der Inhalt: Dem Schreiber (Absender) oder dem Leser (Empfänger)? Oder beiden zu gleichen Teilen? Was ist, wenn der eine den Brief veröffentlichen will – aber der andere nicht?

Ändert sich das Eigentumsrecht, wenn z.B. die Geschäftsgrundlage – sprich die Ehe durch Scheidung – weg fällt? Geht dann das Eigentum am Text an den Schreiber (Absender) zurück? Wer darf dann mit dem Brief Geld verdienen?

Was ist denn, wenn der Brief fremdes Eigentum enthält, z.B. ein Liebesgedicht eines zeitgenössischen Autors, das aus einem Buch abgeschrieben wurde? Bei “gewerblicher Nutzung” wäre das ja Diebesgut. Darf der Empfänger das weitergeben? Oder geht das nur im “privaten” Fall. Oder muss der Empfänger dann das fremde Eigentum zurück geben, den Urheber fragen, und gegebenenfalls dessen Eigentum an ihn zurückgeben?

Und wenn ja, wie geht das? Wie kann ich etwas zurück geben, dass ich gelesen habe. Was passiert, wenn dritte berechtigt oder unberechtigt den Brief lesen? Was haben sie eigentlich gestohlen? Wen haben sie bestohlen – den Sender  (Empfänger) oder den Empfänger (Leser). Welcher Schaden ist entstanden?

Was ist los, wenn der Empfänger den Brief – vielleicht gar ohne ihn zu lesen – vernichtet. Darf er das – oder hat er dann den Sender geschädigt? Er hat ja Daten (Eigentum) des Senders vernichtet. Und was ist, wenn der Sender vor dem Absenden eine Kopie gemacht hat. Darf er die dann Jahre später so veröffentlichen? Ohne den Empfänger zu fragen?

Was passiert denn, wenn der Brief durch einen dritten gefunden wird. Gehört dann der Inhalt dem Finder? Doch wohl nicht. Darf der Sender einschreiten, wenn Kopien des Briefes z.B. durch einen Verlag dem Empfänger abgekauft und als Teil eines Buches veröffentlicht werden?

Was ist, wenn der Brief im nach hinein sehr wertvoll wird? Ist es überhaupt gerecht, wenn ich jemanden einen vermeintlich wertlosen Inhalt abkaufe und dieser plötzlich im Wert steigt, weil die verkaufende Person berühmt geworden ist. Oder wäre das ein Verstoß gegen die guten Sitten?

Gibt es wirklich den Unterschied von Inhalten zwischen privater und gewerblicher Nutzung? Wenn wir im Internet eine Tauschbörse von Briefen hätten, bei der nie Geld im Spiel ist, wäre das eine gewerbliche Nutzung?

Ist das alles nicht Unsinn?

Und jetzt projektieren ich mal solche Gedanken in die Welt von SMS, E-Mails, Twitter, Facebook, Google und des Internets allgemein. Sind da alle diese Fragen sinnvoll zu diskutieren. Müssen sie unbedingt durch Gesetze geregelt werden? Oder sind die Fragen an sich schon sinnlos? Wäre es nicht endlich an der Zeit, beim Thema persönliche Daten, Copyright etc. radikal umzudenken und auch rechtlich ganz von vorne anzufangen?

Und beim Neuanfang die Ohren vorsorglicher Weise ganz konsequent zuzustöpseln und genauso die Sakko-Taschen zuzunähen, damit die Lobby der Inhaltshändler nicht gleich wieder alles mit ihrem Einfluss kaputt macht.

RMD

P.S.
Briefe zwischen zwischen Heisenberg und Einstein sind mir in guter Erinnerung. 1969 hat der Professor Lammel (Analysis I) an der damaligen TH München (heute TUM) aus diesen Briefen vorgelesen. Das war ein sehr schönes wenn auch wohl altmodisches Studentenerlebnis.

:-) Wer es mehr staatsmännisch mag, der kann die Briefe nachlesen, die Voltaire dem “alten Fritz” geschrieben hat. Oder für die ein wenig revolutionären: Jean Paul feiert im nächsten Jahr Geburtstag. Er wird 250 Jahre alt. Ein guter Anlass, die Briefe nachzulesen, die er geschrieben und bekommen hat!