Roland DürreMontag, der 18. Februar 2013
Wer Bilanz macht, der entdeckt Absurdes.
Ist ja eigentlich klar. Aber diesmal spreche ich nicht von meiner Lebensbilanz. Nein, letzte Woche haben wir gemeinsam mit unserem Partner aus der Gilde der Wirtschaftsprüfer die Bilanz der InterFace AG fertig gestellt. Und da habe ich wieder ein paar sehr absurde Regelungen unserer mittlerweile schon sehr verarmten und von Interessen getriebenen Gesetzgebung entdeckt.
Hier ein Beispiel:
In der Abschlussbesprechung zum Geschäftsjahr 2012 am letzten Freitag entdecke ich in der G&V einen Verlust mit dem Titel “Abschreibungen auf Wertpapiere”.
Das wundert mich. Die InterFace AG hat Wertpapiere? Wusste ich gar nicht. Doch dann fällt mir ein:
Aber klar haben wir Wertpapiere! Bei uns können ja Mitarbeiter einen Teil ihres Überstundenguthabens (wenn sie denn eines haben und dies wollen) in Altersversorgung umwandeln. Der “terminus technicus” heißt “Langzeitarbeitszeitkonto” (nomen est omen).
Das heißt die Überstunden eines Kollegen, der bei diesem Programm mitmacht, werden nicht ausgezahlt, sondern seinem persönlichem Guthaben fürs Alter zugeführt. Da dieses Geld ja nicht dem Unternehmen sondern dem Mitarbeiter gehört, muss das Unternehmen verantwortlich damit umgehen und die akkumulierten Gelder auch vor einer Insolvenz sichern. Deshalb haben wir diese Beträge in sogenannte “mündelsichere Papiere” angelegt und diese an den Mitarbeiter verpfändet. So war auch die Regel.
Bürokratisch ist dieses System wie vieles im Staat recht aufwendig. Es mag aber vielleicht ein sinnvoller Beitrag für die persönliche Altersvorsorge sein. Wenn man davon absieht, dass das Geld bei der Auszahlung wahrscheinlich erstaunlich wenig wert sein wird. Aber das wird ja jeder “Riesterer” auch so erleben.
Vor ein paar Jahren hat dann der Gesetzgeber mal wieder zugeschlagen. In seiner unendlichen Regulierungswut hat er noch ein paar Gesetze mehr zum Thema”Langzeitarbeitszeitskonto” erlassen. Angeblich um die ach so schlechte Situation zu verbessern, in Wirklichkeit – so vermute ich – eher von den Lobbyisten getrieben.
Den Arbeitgebern wurde damals vorgeschrieben, dass die Anlage solcher Gelder nur noch in sogenannte “Zertifizierte Wertpapiere” erfolgen darf. Sparbuch oder Festgeld zum Beispiel sind da nicht dabei, obwohl man bei diesen Anlageformaten zumindest ja nominell keinen Verlust haben dürfte.
So mussten wir pünktlich zur Gesetzesänderung unsere “mündelsicheren Anlagen” in “zertifizierte Wertpapiere” umwandeln. Und haben da wie immer die Anlagen nach dem prioren Kriterium der Sicherheit ausgewählt.
Und siehe da – genau im Jahre 2012, in dem sich nicht nur der DAX bombastisch entwickelt hat, machen unsere “zertifizierten” Wertpapiere einen doch erwähnenswerten Verlust.
Was schließe ich daraus?
Dass bei besagtem Gesetz die wesentlichen Anteile von Lobbyisten geschrieben und dann von unserem Gesetzgeber einfach mal ins Gesetz kopiert wurden. So wie wohl mancher unserer Politik- und Nicht-Politik-Doktoren das so gemacht hat. Und solches Kopieren finde ich bei Doktorarbeiten fast weniger schlimm als bei Gesetzen. Und würde mir auch bei der Entstehung von Gesetze noch mehr Transparenz wünschen.
Und mein Vorurteil hat sich weiter verfestigt, dass alles, was sich “zertifiziert” nennt, doch sehr häufig schon von Haus aus stinkt.
RMD
Klaus-Jürgen GrünSamstag, der 16. Februar 2013
Es trifft uns wie ein Schlag!
Ein Papst kündigt, ein Blitz schlägt ein im Petersdom, und ein Meteorit sprengt Zentralrussland – das kann kein Zufall sein! Zoodirektoren gleichermaßen wie Staatsführer und ihre Stützen weit und breit sollten sich jetzt wirklich einmal um ihre Kernkompetenz kümmern: Das unbekümmerte Glück der ihnen anvertrauten Tiere.
Es grenzt an Unverantwortlichkeit, dass wir vor allem die Menschen vollkommen alleine lassen mit der Erfindung kausaler Zusammenhänge. Was uns fehlt, ist eine verbindliche, eine amtliche Erklärung. Warum haben wir keine Staatsreligion, die uns die unberechenbare Zufälle und Unfälle im Universum als die weise geplante Vorsehung eines allumfassenden Verstandes erklärt? Statt dessen bleibt jeder mit seinem kleinen und fehlbaren Verstand sich selbst überlassen.
Der Bürger ist überfordert, und das macht ihn unglücklich. Wie soll er – ausgestattet vielleicht nur mit einem G8-Abitur – das alles in Einklang bringen mit der 13, die die letzten beiden Ziffern des Jahres 2013 bilden? Kaum einer macht sich die Mühe, die Ziffer 2 dabei genauer ins Auge zu fassen. Denn auch sie ist, wie die 13, eine Primzahl. Mit der Null zwischen zwei Primzahlen dürfte die Nullität angedeutet sein, in die die Welt, aufgespannt zwischen zwei Primzahlen, von deren eine sogar die 13 ist, demnächst stürzen muss.
Die kosmischen Ereignisse der vergangenen Tage dürfen wir daher keineswegs ignorieren, denn sie sind bloß die Vorboten für die bevorstehende Apokalypse. Manche haben das schon lange vorhergesehen.
Es ist das Mindeste, was wir von unserer Regierung erwarten dürfen, dass sie Schaden von uns abwendet. Aber genau das tut sie nicht. Der Meteorit hätte genauso gut das Atomkraftwerk Biblis oder Schweinfurt treffen können. Die paar Tausend Kilometer zwischen Russland und Mitteldeutschland sind nicht einmal ein Katzensprung im kosmischen Maßstab. Darauf ist keiner vorbereitet. Unsere Regierungen haben versagt.
Nun ist es beinah passiert und die Medien lenken ab vom Problem. Da kommen Leute wie der Astronaut und Physikprofessor Ulrich Walter aus München zu Wort, die unverschämt verkünden: “Das war reiner Zufall.” Aber jeder Mensch, der sich nicht engstirnig mit Physik und anderen exakten Wissenschaften den Verstand trübt, weiß, dass dies alles kein Zufall sein kann.
Das ist Vorsehung. Und sie hat moralische Qualität, denn sie ist die Strafe der Gerechtigkeit, die es niemals erlaubt, dass die Menschen auf Dauer und in der Mehrheit einfach nur in der Gegenwart leben und sich um die Aufgaben ihrer täglichen Arbeit kümmern. Jeder denkt nämlich nur an sich und lebt in seiner kleinen Welt. Das musste irgendwann bestraft werden.
Wo sind nämlich, die Zoodirektoren, die uns angesichts der kosmischen Kräfte klarmachen, dass es sich geradezu kleinkrämerhaft nuttig anfühlt, wenn da noch einer für mehr Lohn am Hamburger Flughafen streikt; wenn da noch Sorgen aufkommen, wie wir Griechenland und den Euro gleichzeitig retten können – ja und überhaupt: wie verantwortungslos ist es von unseren Politikern, dass sie jetzt noch an Sieg oder Niederlage in der kommenden Bundestagswahl denken?
In der Stunde der Not offenbart sich die Wahrheit: Auch die Politiker denken nur an ihr eigenes Wohl. Und so muss jeder mit der Unberechenbarkeit kosmischer Ereignisse selbst fertig werden und das Wenige an Trost annehmen, was ihm die Tierpfleger angedeihen lassen.
kjg
Roland DürreSonntag, der 10. Februar 2013
Zukunft – volatil, disruptiv, unvorhersehbar!
Zu Weihnachten singen wir:
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Und heute am Sonntag singe ich das Zukunftslied:
O du volatile, o du disruptive, unvorhersehbare Zukunftszeit!
Volatil – was für ein schönes neues Modewort. Volatilität als Krankheit der Endzeit. Vor fünf Jahren musste ich nachschlagen. Und heute höre ich es viel zu häufig in Kombination mit viel zu vielen und meistens sehr leeren Substantiven. Alles ist plötzlich volatil geworden.
Und dann erst disruptiv! Dieses Attribut ist bei mir erst vor zwei Jahren angekommen. Aber ich habe schnell gelernt, es immer häufiger anzuwenden. Ist auch bestens als Adjektiv in Killerphrasen geeignet. Um zum Beispiel Überlegungen, die zwar vernünftig scheinen, mir aber nicht schmecken, abzuweisen. Nach dem Motto: “Und was machen wir, wenn ein disruptives Ereignis passiert?” Schon erschrecken alle und das Thema hat sich Gott sei Dank erledigt.
Ganz neu höre ich von ganz unterschiedlichen Menschen von der “unvorhersagbaren Zukunft“.
Die ganze Wissenschaft des Wirtschaftens wollte uns Unternehmern immer einreden, dass man “Zukunft machen” könne. Dass man ein Unternehmen so präzise planen und steuern könne, wie man eine Maschine lenkt oder eine Autofahrt plant. Dass man für gute Entscheidungen nur Informationen sammeln und richtig bewerten müsse. Das war die Botschaft in Kurzform. Die selbe “Management Weisheit” gibt es auch ein wenig ausführlicher und scheinbar noch überzeugender in fünf und sieben Sätzen. Bin ich auch mal darauf reingefallen.
Mitarbeiter müssten nur richtig “profiled” werden, dann könne man sie optimal und ganz mechanistisch in deterministische Prozesse und Rollen richtige einordnen. Dies alles zum Wohle der ausschließlichen Erfolgskriterien Wachstum bei Umsatz und Marge. “Shareholder value” als ausschließliches Unternehmensziel.
Und jetzt wird das Geschäft volatil und von disruptiven Ereignissen bedroht. Und ganz schlimm, die Zukunft ist nicht mehr vorhersagbar. Obwohl Hans Ulrich (der “Erfinder” des St. Gallener Management Modells, St. Gallen) schon Anfang der Achtziger genau dies als eine seiner Thesen zum “Wandel im Management” formuliert hat.
Jetzt beginnt auch die Akademica an ihren Grundfesten zu zweifeln. Macht nichts, es ist ja nie zu spät. Und Unsicherheit kehrt in die Köpfe ein. “Früher war ja eh alles besser”.
Andererseits – ist es nicht vernünftig und schön, wenn wir ein wenig bescheidener werden? Und ist die häufige Nutzung solcher Unworte und -sätze nur ein (für mich sehr positives) Zeichen, dass immer mehr Menschen verstehen, dass sie eben keine Götter und auch keine “Krönung der Schöpfung” sondern nur sehr komplexe (und mir sehr sympathische) Säugetiere sind?
Leben an sich war doch schon immer volatil, disruptiv und nicht vorhersagbar. Alles andere findet doch nur in den Köpfen statt. Wie Ängste, Religion und die Wahrheit …
RMD
Roland DürreMontag, der 28. Januar 2013
Die Differenzierung unserer Mütter …
Die Geschichte von den Müttern und ihren Arbeitsplätzen vor ein paar Tagen geht mir immer noch durch den Kopf. Besonders weil ich den Begriff mit den “ausländischen Wurzeln” jetzt noch öfters gelesen und gehört habe.
In offizieller Statistik wurde da von Müttern “mit ausländischen Wurzeln” berichtet. Das Gegenteil von “ausländischen Wurzeln” sind doch die “inländischen Wurzeln”? Oder sind es die “deutschem Wurzeln”? Dann müsste das Gegenteil aber “Mütter mit nichtdeutschen Wurzeln” heißen?
Und haben Mütter wirklich Wurzeln? Und was sind “deutsche Wurzeln”?
Was für ein Blödsinn. Da schlage ich jetzt zurück und differenziere die Mütter mal ganz anders.
Nach “streng katholischen”, “aufgeklärt evangelischen”, “jüdischen”, “islamischen”, “buddhistischen”, “atheistischen” und sonstigen Müttern.
Nach “Barbie-Puppen-Müttern – und nach “Total-besorgt-Müttern”
Nach “Sagrotan-Müttern”, die ihre Buben für die Sauberkeit beschneiden lassen und “Gammel-Müttern”.
Nach “Bonzenmüttern” und “Armutsmüttern”.
Nach “Arbeitermüttern“und “Akademikermüttern”.
Nach “3K-Müttern” (Kirche, Küche, Kinder) und nach “1K-Müttern” (Karriere).
Nach “sittlich anständigen Müttern” und “Müttern mit einem unmoralischen Lebenswandel”.
Nach “allein-erziehenden Müttern” und “gemeinsam-erziehenden Müttern”.
Nach “Null-Kind-Müttern” und “n-Kind-Müttern”.
Dann könnte man Statistiken machen, wie viel Arbeitsplätze für diese Kategorien da sind. Oder sich mal die Wurzeln der Väter anschauen. Danke, mir reicht es!
RMD
Roland DürreMittwoch, der 23. Januar 2013
Die Wurzeln unserer Mütter …
… und ihre Arbeitsplätze.
Heute morgen im Tagesgespräch in Bayern 2 kurz vor sieben höre ich, dass nur jede zweite Mutter mit “ausländischen Wurzeln” einen Arbeitsplatz hätte. Und wundere mich mal wieder. Doppelt.
Inhaltlich, weil dieser Satz doch irgendwie unterstellt, dass es gut und richtig wäre, wenn jede Mutter einen Arbeitsplatz hätte. Und auch, dass die Mütter mit “deutschen Wurzeln” alle einen Arbeitsplatz haben. Die Mütter mit “ausländischen Wurzeln” wären wieder mal benachteiligt – schließe ich mal. Weiß ich ja nicht …
Obwohl es bei Müttern vielleicht kulturelle Unterschiede geben könnte, die auch die Begleitung der Kinder durch die Mutter betreffen.
Frech finde ich auch die Substitution des Begriffs vom Menschen “mit Migrantenhintergrund” durch den des Menschen “mit ausländischen Wurzeln”. Dieser sprachliche Blödsinn heißt doch wirklich “vom Regen in die Traufe kommen”.
Kann man diesen Mist nicht einfach mal beenden? Wir sind doch alle Menschen. Muss und kann man unsere kulturelle Unterschiedlichkeit wirklich differenzieren und dann noch auf Arbeitsplätze abbilden? Und dann noch irgendwelche Schlüsse daraus ziehen, die wahrscheinlich mehr oder weniger falsch sind?
Oder ist das ganze nur ein versteckter Vorwurf an die Mütter “mit ausländischen Wurzeln”. Dass nämlich diese dem in diesem Lande vorhandenen gesellschaftlichem Druck zur “arbeitenden Mutter” nicht folgen und nicht bereit wären zu arbeiten. Denn nicht zu besetzende Putzfrauen-Stellen gibt es ja in Deutschland genug.
RMD
P.S.
Im Web habe ich diesen Artikel zur Sache gefunden.
Roland DürreSonntag, der 13. Januar 2013
Unternehmertagebuch #86 – Der Buchstabe “R”
Heute eine Empfehlung fürs Marketing. Es gilt die drei “R”s zu schaffen:
Ohne Renommee geht nichts. Die Menschen müssen “AHA!” sagen, wenn sie den Namen des Unternehmens hören.
Und das Gefühl haben, das dieses Unternehmen eine hohe Relevanz hat.
Renommee und Relevanz sind schon ganz gut. Jetzt braucht das Unternehmen nur noch eine gute Reputation!
Ein Unternehmen muss also von innen und außen als renommiert, relevant und mit guter Reputation wahrgenommen werden. Wenn das authentisch gelingt, hat es eine sehr gute Ausgangsposition bei Kunden und potentiellen Mitarbeitern.
Wenn dann auch noch der Rest stimmt …
Man sieht, auch Marketing ist ganz einfach.
RMD
P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!
Roland DürreFreitag, der 4. Januar 2013
Gefahren und Schrecken der neuen Welt.
Früher habe ich die Gruppenfunktionen von Yahoo gerne genutzt. Heute bin ich ein begeisterter Google-Nutzer. Die Vielfalt der Werkzeuge von Google+ wie Drive, Hangout und manches mehr ergänzt durch weitere Tools für verschiedene Zwecke bilden ein geniales System für gemeinsames Arbeitens, das sogenannte coworking, auch über große räumliche Distanzen hinweg.
Auch liebe ich Facebook. Viele Dialoge mit mir nahestehenden Menschen führe ich fast ausschließlich über Facebook. Beziehungen zu lieben Freunden auch in anderen Erdteilen leben so sehr einfach weiter. Auch Twitter nutze ich intensiv, nicht nur zu Großereignissen wie #pmcamp.
Meine Kommunikation übers Handy realisiere ich am liebsten mit WhatsApp oder FB Messenger. Ohne diese tollen Hilfsmittel würde ich wahrscheinlich wirklich in “Kommunikationsstress” kommen. Aber so geht das ganz locker vom Hocker – obwohl ich mich mit sehr vielen Menschen verbunden fühle und kommuniziere.
Aber jetzt kommt das Schlimmste – meinen Zahlungsverkehr realisiere ich am liebsten mit Paypal!
Viele meiner Zeitgenossen sind ob dies allem entsetzt. Ich wäre doch arg leichtsinnig, meinen sie. Menschen mit Zivilcourage warnen mich ernsthaft. Meine ganzen persönlichen Daten würde ich anonymen Kräfte wie Google anvertrauen. FaceBook würde mich für Werbezwecke ausspionieren. WhatsApp alle meine Telefonnummer stehlen und missbrauchen. Und ein absolutes NOGO wäre die Nutzung von Paypal. Das wäre doch ein ganz großes Risiko. Nicht nur für meine Daten, auch für mein Vermögen (Als ob die Banken ein geringeres Risiko für mein Vermögen wären).
Und ich denke mir dann:
Wovor habt Ihr eigentlich Angst? Es gab da mal eine Innovation, die nannte man Automobil oder Kraftfahrzeug. Und da sind wir auch alle aufgesprungen. Dabei war das wirklich gefährlich. Es gab Jahre, da hatten wir nur in der BRD 20.000 Verkehrstote! Damals bin ich Auto gefahren. Und wäre ein paar mal beinahe umgekommen.
War das nicht sehr leichtsinnig? Wenn man die Zahl auf Europa oder gar auf die Welt hochrechnet, hat diese Technologie Millionen von Menschen auf dem Gewissen. Und wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Verletzte und sonst irgendwie massiv Geschädigte verursacht. Von der Zerstörung von Natur und Lebensraum und der Reduktion der Lebensqualität gar nicht zu sprechen.
Und so entgegne ich meinen besorgten Mitmenschen: Ihr habt Angst vor FaceBook, Google, Paypal, Twitter und WhatsApp! Aber Autofahren tut Ihr noch? Mit Euren Sorgen hättet Ihr nie Autofahren und bei den bösen Konzernen wie BP, Esso oder Shell auch nicht tanken dürfen.
Denn diese Innovation hat absehbar massiven Schaden an Menschen- und Vermögen bewirkt. Und tut dies immer noch. Eure Ausrede ist dann, dass das Auto alternativlos wäre. Ist es aber nicht. Seitdem ich nicht mehr Auto fahre, geht es mir sogar besser.
RMD
Roland DürreFreitag, der 12. Oktober 2012
Datenklau
Heute morgen war in den Nachrichten (wie immer Bayern 2 – Radio) eine ganz beunruhigende Nachricht:
In wahrscheinlich zwei Krankenhäuser sind Daten gestohlen worden. Betroffen sind die baden-württembergischen Krankenhäuser Rastatt und Mittelbaden. Es geht um Patientendaten, Befunde, ärztliche Briefwechsel und Klinik internen Schriftwechsel. Die Daten wurden wohl am 19. September gestohlen. Das Krankenhaus hat nach eigener Auskunft Anzeige gegen unbekannt erstattet. Dem Kreiskrankenhaus Rastatt sei der Vorfall am 27. September bekannt geworden – acht Tage nach dem mutmaßlichen Diebstahl.
Diese Nachricht kommt heute (12. 10.) in den aktuellen Nachrichten!
Jetzt gehe ich aber davon aus, dass selbstverständlich jeden Tag in deutschen Krankenhäusern einiges an “vertraulichen” Daten in unbefugte Hände gerät. Das ist wahrscheinlich unvermeidbar. Aber dieser Fall scheint ja ganz besonders wichtig zu sein, denn er ist bei den drei wichtigen Nachrichten des 12. Oktobers dabei!
Aber lassen wir uns das Thema mal auf der Zunge zergehen. Ein Datendiebstahl ist erfolgt. Diebstahl, das heißt, ein Gut ist gestohlen worden. Dann müsste das Gut – sprich die Daten – nach der Durchführung des Deliktes ja weg sein. Der Dieb hätte die Daten also kopieren und dann am Tatort löschen müssen. Sonst wäre es ja nur ein “halber Diebstahl”.
Das wird aber wohl nicht der Fall sein – und wahrscheinlich ist das ja auch gar nicht möglich. Die vielen bewussten Kopien (Sicherungen) und unbewussten (“data in work”), machen eine komplette Löschung eh unmöglich. Das meiste wird man immer rekonstruieren können. Außer, der Täter hätte den totalen Vandalismus ausgeübt und alles zerstört. Oder er wäre ein Perfektionist, der auch die Backups zerstört hat. Aber das Schaffen nur Genies, und die auch nur, wenn sie über internes Wissen verfügen.
Aber wenden wir uns dem vermutlichen Täter zu. “Vermutlich” schreibe ich, weil der “Diebstahl” ja de facto nur aus einer Vermutung besteht. Man geht davon aus, dass ein unbekannter Unbefugter Daten aus den Systemen kopiert hat. Was hat der Täter jetzt damit vor?
Hat er ein persönliches Interesse, weil er über einen Vorgang, der ihn betrifft, mehr wissen will? Ist es schlichtweg nur Rache? Will er sich nur wichtig machen? Ist es ein Spion, womöglich von der Presse, der Unregelmäßigkeiten in den Kliniken auf der Spur ist (gehe mal davon aus, dass es die überall gibt)? Oder war es gar eine staatliche Ermittlungsbehörde, die verdeckt (und ungeschickt) ermittelt hat?
Oder ist der Täter ein (Klein-)Krimineller, der sich an den Daten bereichern will, zum Beispiel durch ein Erpressungsdelikt? Und in diesem Fall, wer soll erpresst werden? Wer ist denn überhaupt der Eigentümer der Daten? Beim Befund die Klinik oder der Patient? Beim ärztlichen Briefwechsel die Klinik oder die Ärzte? Der Absender oder der Empfänger des Briefes?
Fragen über Fragen. Und ich könnte da noch ganz lange weitermachen. Will ich aber nicht. Ich gehe davon aus, dass auch in diesem Fall von “Datenmissbrauch” kein Schaden entstehen wird. Und wenn Schaden entsteht, wird er sehr gering und nach kurzer Zeit als vernachlässigbar betrachtet werden. Eine Bagatelle. Aber im Land der Datenschutzhysterie kann man halt mit so einer Meldung wieder die schlimmsten Dämonen an die Wand malen.
Ich lege die Meldung unter “Stürme in Wassergläsern” ab.
RMD
P.S.
Interessanter fände ich aber die Anzahl der Kunstfehler oder die vielen Fällen von Operationen oder anderer therapeutischer Maßnahmen aufgrund betriebswirtschaftlicher Erwägungen und Optimierungen wie Auslastung und strategischer Abrechnungsverfahren.
Klaus HnilicaDonnerstag, der 23. August 2012
Hitze
Johannes setzte sich auf die rot gestrichene Bank.
Von hinten streifte ihn kühle Luft aus dem Wald.
Feucht und harzig.
In der Sonne vor ihm – die brütende Hügelkuppe.
Von Wäldern eingesäumt.
Nur im Süden eine Lücke.
Durch sie konnte Johannes weit ins Land schauen.
Das sich in der flirrenden Hitze auflöste.
Genau in diese Richtung führte ein Weg.
Wenig befahren, wie es schien.
Der Schotterbelag von Gras überwuchert.
Links ein ausgedehntes Weizenfeld.
Bis zum Wald.
Im Süden verlor es sich auch hinter der Kuppe.
Bei günstigem Wind spürte Johannes den süßlichen Geruch in die Nase.
Wie auf dem Getreideboden seiner Tante.
Wo er sich mit seiner Cousine Klara versteckt hatte:
Um sie zu drücken und zu küssen…
Rechts säumte eine Wiese den Weg.
Weiter unten etliche Bäume.
Halbkreisförmig gruppiert.
Dahinter ein Bauernhof.
Vierkantförmig angeordnete Gebäude.
Darüber nur Hitze.
Gelb.
Johannes erhob sich aus dem Schatten, trat wieder in die Hitze.
Auf den heißen Schotter.
Das Gras in der Wiese war viel zu hoch.
Es hätte gemäht werden müssen.
Der Weizen stand auch üppig.
Kniehohe Halme.
Kräftig
Grün.
Johannes näherte sich der Baumgruppe.
Birken und Holunder.
In deren Schatten saß eine Frau.
Rund und verschwitzt.
Ihr rotes Gesicht wirkte freundlich.
Sie verteilte Limonade.
An zwei dicke Kinder.
Johannes grüßte.
Hinter der Frau sah er plötzlich einen Mann.
Zum Teil verdeckt vom verblühten Holunder
Spärlich bekleidet.
An einem kreuzähnlichen Gestell.
Mit großen Nägeln angenagelt.
Es schien ihm nicht gut zu gehen.
Sein Gesicht war ungepflegt.
Der Mund stand weit offen.
Als wolle er eine Limo.
Vielleicht war er tot.
Keine Fliegen auf seiner hellen Haut.
Das sah Johannes.
Er ging hinunter in den Ort, um bei der Polizei Meldung zu erstatten!
KH
PS: Das Foto “Grüner Weizen” ist aus Wikipedia.
Klaus HnilicaDonnerstag, der 9. August 2012
Sauberkeit und Ordnung
Carl und Gerlinde (XXV)
Was nützte Carl seine verdrängte Liebe zu Sauberkeit und Ordnung, wenn er keine Putze fand, die diese längst verschüttete Leidenschaft in ihm zu neuem Leben erweckte?
Wunderdinge verlangte er ohnehin nicht mehr! Schließlich hatte ja auch der sechste Putzfrauenversuch nur zur Folge gehabt, dass sein Haus eher einem aufgelassenen Obdachlosenasyl glich, als dem repräsentativen Wohnsitz eines Spartenvertriebsleiters der Firma TRIGA! Warum nur, fragte Carl sich tagtäglich und in letzter Zeit auch in schlaflosen Nächten, war es in Deutschland so unendlich schwer, eine Frau zu finden, die gegen vernünftige Bezahlung ordentlich putzte und gleichzeitig nicht wie ein Walross ausschaute?
Carl bestand ja nicht auf Heidi Klum! Aber er verspürte andererseits auch keine Lust mehr – wie früher als Kind in der Geisterbahn – jedes Mal zu Tode zu erschrecken, wenn er zufällig nachhause kam und auf eines dieser Putzmonster mit entsichertem Staubsauger stieß, in dessen schweißgeschwängerter Ausdünstung er allergische Hustenanfälle bekam! Es war doch kein unsittliches Verlangen, sich solchem Psychoterror nicht weiter Woche für Woche aussetzen zu müssen? Und schon gar nicht angesichts der stattlichen Honorarforderungen dieser Reinigungsamazonen, oder?
Bei dem neuen, siebten Versuch mit einer Frau Ilisevicz hatte Carl nach vier Wochen zwar nicht den Eindruck, dass sich seine bescheidene Wohnanlage weiter in Richtung Obdachlosenasyl entwickelte, dafür aber schien sie auf beunruhigende Weise mehr und mehr zu einer Art ‚Pferdegestüt’ zu mutieren. Denn statt schlicht aufzuräumen und zu putzen schwenkte diese robuste, pferdegesichtige Frau Ilisevicz wiehernd ihr drahtiges Hinterteil mit einer derart ignoranten Ausdauer über sämtliche Berge von zerfledderten Zeitungen, leeren Kunststoffverpackungen, angeschimmelten Essensresten und herumliegenden Getränkedosen, dass Carl bei ihr nicht nur auf die fleischgewordene ‚Reinkarnation eines Pferdes’ tippte, sondern vielmehr eines ‚erblindeten Pferdes’, wie sie früher durch die Bergwerksstollen trabten. Gegen diese Blindheit sprach allerdings die Tatsache, dass es ihr mit der Eleganz eines Lipizzaners gelang, auch alle überquellenden Ascher und schmutzverkrusteten Teller auf den Stühlen und dem ausladenden Teppich vor dem Fernseher so geschickt zu umtänzeln, dass es nicht ein einziges Mal auch nur zu einer Millimeter großen Verrückung dieser Gegenstände kam! Und sie tappte auch niemals blind in die am Boden liegenden Unterhosen- und Sockenhaufen, oder in die zusammengerollten Oberhemdenstapel und verschwitzten T–Shirt – Klumpen, sondern erlebte diese vielmehr als anspornende Hindernisse, die es zu überspringen galt und nicht etwa aufzuheben oder gar zu waschen.
Drei Mal versuchte Carl durch vorsichtige Einwürfe, dieser ‚fortschreitenden Verstallung’ und Entfremdung seines Eigenheims Einhalt zu gebieten, bereute dies aber noch in der gleichen Sekunde, als ihm die ersten unbedachten Worte über die Lippen kullerten, da diese hingehauchten Ermahnungen jedes Mal ein orkanartiges indogermanisch-serbokroatischen Wortgewitter auslösten, dem er sich nur durch Flucht entziehen konnte.
Selbst die von seiner Sekretärin Bettina zu erwartenden Vorhaltungen hinsichtlich seines Versagens, erschienen ihm da im Vergleich zu der ohrenbetäubenden serbokroatischen Dauerbeschallung, geradezu lächerlich ja sogar eher wie eine sanfter, trostreicher Hauch des Himmels!
Und vielleicht bewog ihn ja gerade diese ruhige, anspornende Intervention seiner Sekretärin dazu, dass er nach dem dritten ‚Iliseviczschen Donnerwetter’ endlich einen energischen Schlussstrich unter dieses unsägliche ‚Pferdeabenteuer’ zog, und nicht der seltsame Umstand, dass er in den letzten Wochen bereits jeden Morgen vor Verlassen seines Hauses, erst mit der bereitliegenden Kleiderbürste die Staubflusen, Pferdehaare und Strohreste der vergangenen Nacht aus seinem dunklen Anzug bürsten musste…
Bei der nachfolgenden Frau Moravec hatte erfreulicher Weise Hannelore ihre Finger im Spiel, was bei Carl unvorsichtiger Weise gewisse positive Erwartungen weckte! Eine sehr, sehr gute Freundin habe ihr Frau Moravec dringend für ihn empfohlen, hatte Hannelore zu ihm gesagt und flüchtig hinzugefügt, er sollte vorsorglich den einen oder anderen zerbrechlichen Gegenstand rechtzeitig in Sicherheit bringen…
Natürlich hatte Frau Moravec nicht das drahtige Hinterteil der ‚Stute Ilisevicz’ und auch nicht deren aufreizende Nüstern, sondern wirkte mit ihrem kräftigen, dunklen Flaum um einen verkniffenen, faltigen Mund eher ausgelaugt und vom Leben gebeutelt – aber sie verstand zu putzen! Innerhalb von zwei Wochen hatte sie Carls ‚Quasi – Pferdegestüt’ soweit auf Vordermann gebracht, dass er nicht nur dieses Haus wieder als sein eigenes erkannte, sondern plötzlich sogar abends wieder gerne heimkam. Allerdings um den Preis, dass längst verheilt geglaubte Wunden, gnadenlos aufbrachen und er fast täglich schmerzhaft an den Verlust seiner geliebten Gerlinde erinnert wurde – bei der damals auch alles so blitzeblank und ordentlich gewesen war!
Irgendwie verwirrte ihn dann aber doch sehr schnell der Umstand, dass er bereits seit zwei Tagen vergeblich nach einem Zahnputzglas Ausschau hielt. Und im Badezimmer und auf der Gästetoilette fehlten plötzlich die gläsernen Halter der Klobürsten. Von den beiden teuren, tönernen Raben auf dem Dielenschrank schien auch einer das Weite gesucht zu haben. Und im Gästezimmer hatte sich offensichtlich das Nachttischlämpchen mit dem bunten Glasschirm, das zwar abgrundtief hässlich war, aber ein Erinnerungsstück seiner Mutter, auch irgendwie in Luft aufgelöst! Allerdings nicht gänzlich, denn als er in seiner Restmülltonne Platz schaffen wollte, um einen Eimer eingetrockneter weißer Dispersionsfarbe darin verschwinden zu lassen, entdeckte er das arme Lämpchen, das sich mit seinem grässlich zerdepperten Schirm ängstlich an den Boden der Tonne schmiegte…
Die Aussprache mit Frau Moravec im Beisein von Hannelore verlief feucht! Bei jedem neuen Tränenschwall beteuerte die gute Frau, wie leid ihr alles täte, sie wüsste auch nicht, was mit ihr los wäre, aber in letzter Zeit wären ihr immer wieder das eine oder andere Mal ausgerechnet die Stücke aus der Hand gepurzelt, die sie gerade reinigen oder abstauben wollte! Ohne ihr Zutun wäre das passiert, das müsse ihr Herr Carl glauben, schluchzte sie. Vor lauter Angst, diese gut bezahlte Stelle zu verlieren, habe sie dann die zerbrochenen Sachen unglücklicher Weise versteckt oder entsorgt, da sie gehofft hatte diese Ungeschicklichkeiten würden nie mehr passieren - und dann waren sie doch wieder passiert!
Natürlich würde sie für jeden einzelnen Schaden aufkommen, soweit ihr das möglich sei, schluchzte Frau Moravec und bearbeitete verzweifelt ihre etwas zu lang geratene Nase, die dunkelrot anlief und wie eine pralle Rosenknospe jeden Moment aufzuspringen drohte.
Diesem Strom an Tränen hatte Carl nichts entgegenzusetzen!
Da half auch Hannelores Beisein nicht. Carl unterband daher den gebirgsbachartigen Tränenfluss von Frau Moravec auf die Weise, dass er sie vorsichtig bat, ab sofort nichts mehr zu verheimlichen, sondern jeden weiteren Schaden gleich zu melden, beziehungsweise zerbrochene Gegenstände auf dem Tisch in der Diele abzulegen. Überglücklich wollte Frau Moravec für diese neue Chance Carl umarmen und ihn dabei vermutlich, ungeschickt wie sie war, gleich in ihrer Tränenflut ertränken. Doch der zog ein weiteres Mal die feige Flucht dem mannhaften Ertrinkungstod vor…
Natürlich hatte Carl in seiner naiven Art nicht damit gerechnet, dass er in den nächsten vier Wochen auf dem Tisch in der Diele den kaputten Tischstaubsauger und die ehemals schöne große Salatschüssel finden würde, sowie zwei gerahmte Drucke aus der Diele, die ihm noch Gerlinde geschenkt hatte, den Radiowecker und die teuere spiralige Lampe vom Beistelltisch im Wohnzimmer! Angesichts dieser neuerlichen Schadensrate war es aber für ihn dann nicht mehr schwer, den ungewollten Vernichtungsfeldzug der sauber putzenden Frau Moravec in seinem Haus zu stoppen: er überwies ihr zwei Monatsentgelte und erteilte ihr bis auf weiters Hausverbot!
Und ausgerechnet als dieses monströse Putzfrauendrama so grandios festgefahren schien, dass auch Hannelore nur mehr mutlos ihre zarten Schultern hochzog und Carl wieder einmal am Beginn einer neuen trostlosen Phase großer Ratlosigkeit stand, ausgelaugt und entnervt vom Büro heim kam und notgedrungener Weise nur mehr auf die entlastende Wirkung der täglichen Rotweininfusion zählen konnte – saß an einem Dienstag im August Gerlinde in seinem Wohnzimmer! Frisch und lecker wie ein reifer Pfirsich lächelte sie Carl derart liebevoll an, dass diesem trotz rotem Kopf und zittriger Knie sofort klar wurde, dass er gerade dabei war für sein vertracktes Putzfrauenproblem doch noch die finale Lösung zu finden…
KH






