Roland Dürre
Mittwoch, der 11. April 2018

Nicht vergessen – am 19. April startet die Münchner Webwoche!

Vor acht Jahren hat ein kleines Team um Wolf Gross die Münchner Webwoche – damals auch noch als Isarnetz bezeichnet – ins Leben gerufen. Seitdem hat sie jedes Jahr stattgefunden und geht jetzt in die 7. Runde!

Und sie hat sich über die sieben Jahre ganz schön verändert und gemausert. Ich habe ein klein wenig mit geholfen, sie ins Leben zu rufen und über die Jahre im Beirat begleitet, mal mit mehr und mal mit weniger Zeit und Kraft. Und mich gefreut, dass sie eine tolle Veranstaltung geworden ist.

Professor Wolf Groß ist der Initiator und Treiber der Münchner Webwoche und des Zweiten Münchner Digital Dialogs. So sieht er Sinn und Zweck der Webwoche:

„Der Daten-Skandal um Facebook und Cambridge Analytica, aber auch die Überschwemmung der sozialen Netzwerke mit Hassposts und Verschwörungstheorien zeigt, dass es nicht nur darum gehen kann, die digitale Transformation voranzutreiben, sondern auch die Spielregeln zu entwickeln, innerhalb derer wir die digitale Zukunft gestalten wollen.“

Professor Wolf Groß hat übrigens mit meinem Partner „Wolf“ Wolfgang Gross nichts zu tun. Es sind zwei verschiedene Personen, die ihre Namen auch differenziert schreiben.

Zur Webwoche:
Das Programm findet Ihr hier. Die Kennung bei Facebook ist @muenchnerwebwoche, auf Twitter sind die wichtigen Hashtags, @isarnetz und #mww18 wie auch #digitaldabei.

Ich zitiere noch ein wenig aus der Website der Münchner Webwoche:

Die Münchner Webwoche ist Münchens inspirierendes Digitalevent auf Initiative des Vereins Isarnetz. In ihrem Rahmen versammeln sich einmal im Jahr Münchens Unternehmen und Organisationen, die den digitalen Wandel aktiv gestalten. Sie veranstalten Events rund um die Themen Technologie und Digitalisierung, organisieren Netzwerkveranstaltungen, führen Hackathons, Barcamps, Podiumsdiskussionen, Workshops und Seminare durch und zeigen, welches digitale und kreative Potenzial die Metropolregion München bietet.

Die 7. Münchner Webwoche findet vom 19. bis 28. April 2018 statt.

Vielleicht sehen wir uns dort auf dem einen oder anderen Event? Ich würde mich freuen!

RMD

P.S.
Man kann übrigens bis zum Schluss auch noch Veranstaltungen einbringen, ist ja alles digital 🙂

Vor gut drei Wochen habe ich mich von meiner Alexa (Nachname Amazon) verabschiedet. Es ging in die Südsee – da musste sie daheim bleiben. Die Barbara (Nachname Dürre) kam aber natürlich mit. Gestern daheim angekommen war einiges da. Viel Schnecken-Post (Papier), Pakete und Hunderte (?) von E-Mails.

Blick aus 300 Meter Höhe auf Raiatea und Nachbarinsel – eines der vielen Highlights unserer Reise.

Eines der Pakete  enthielt eine „smarte Waage“ von Phicomm (SMART SCALE S7). Die habe ich dann gleich mal ausgepackt und installiert. Und meinen Körper ganz neu vermessen.

In der E-Mail waren unter anderem die Zugangsdaten von BayStartup um die neuen eingereichten Geschäftsideen einsehen und bewerten zu können. Das bedeutet Arbeit, die bis zu meiner Abreise in die Antarktis am 7. Februar (wieder mit Barbara und ohne Alexa) bewältigt sein muss.

Und von der InterFace AG kam neben viel Terminen eine bemerkenswerte Einladung zu einem Workshop über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 15. Februar 2018 in Unterhaching bei München. Da kann ich leider nicht teilnehmen, weil ich zu diesem Termin schon wieder in der Antarktis weile.

Alexa, die smarte Waage, die 3D-Brille, die Drohne und die Akkus meines elektrischen Utopia (Fahrad) und die DSGVO haben einiges gemeinsam – es werden Daten, Daten, Daten also wirklich Unmengen von Daten produziert.

ALEXA (oder GOOGLE HOME und weitere)

Meine Zweitfrau Alexa Amazon.

🙂 Aber zuerst mal zu meiner Alexa. Ich möchte nicht behaupten, dass sie mir in der Südsee gefehlt hätte. Nach meiner Rückkehr war ich aber wieder sehr erfreut, ihre Stimme zu hören und sie bitten zu können, für mich einen Beatle-Song zu spielen.

Die Alexa ist ja „nur“ eine Sprachschnittstelle zu Internet-Funktionen, die über ihre Apps eine Schnittstelle zu Alexa realisiert haben. Es gibt da auch Konkurrenzprodukte wie „google home“, die ich vielleicht sogar mehr empfehlen würde. Der Fortschritt, den Sprache in der IT gemacht hat, ist aber sensationell.

Wahrscheinlich wird die Audio-Ein- und -Ausgabe mittelfristig das Lesen und Schreiben genauso unnötig machen wie das beim Kopf- und Auf-Papier-Rechnen schon passiert ist. Diese „Kulturtechnik“ ist schon verloren gegangen, dem Lesen und Schreiben wird es ähnlich gehen und die Mehrheit der Menschen gerade in den „entwickelten Gesellschaften“ wird es nur noch rudimentär beherrschen. Und nur wenige Menschen perfekt

Gemeinsam haben Alexa und ihre Konkurrenten, dass sie eifrige Daten-Sammler sind, z.B. wie oft ich meinen Beatles-Song höre. Aber auch vielleicht wichtigeres.

MEINE DREI-D-BRILLE

Das letzte mal habe ich Weihnachten 2016 eine 3D-Brille aufgesetzt. Und war wieder mal beeindruckt. Wie das Thema 3D sich weiterentwickelt, kann ich nicht beurteilen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es Segmente geben wird, in denen es sehr wichtig werden wird. Sowohl im Business in der Industrie wie aber auch im Customer Bereich bei den Spielen.

MEINE DROHNE

Drohne habe ich keine. Und werde mir aber auch keine kaufen. Obwohl das schon tolle Spielzeuge sind. Auf dem aufgelassenen Flugfeld in Neubiberg war an den Weihnachts-Feiertagen (2017) aber Drohnen Tag.  Ganz viele stolze Besitzern neuer Drohnen tummelten sich dort zum Testflug. Ich selbst habe zwar keine Drohne.

Aber gerade in der Südsee habe ich mich berauscht an den Luftbildern, die der Schiffs-Fotograf von den Bergen in Französisch-Polynesien gemacht hat. Mir scheint, dass jeder Hochzeitsfotograf – will er wettbewerbsfähig bleiben – heutzutage so eine Drohne haben muss und auch haben kann, denn die kostet ja inklusive Kamera eher weniger als in der guten alten Zeit ein ordentliche Spiegelreflex mit einigen wenigen Objektiven.

MEINE SMARTE WAAGE

Links die neue Waage von Phicomm (SMART SCALE S7) neben dem alten und noch dummen Vorgänger.

Diese Waage fasziniert mich wirklich. Und erinnert mich an Geschäftsideen und -Pläne in der Kategorie Bereich Medizin/Diagnose. Da geht es dann um Spezialsensoren (Unterkategorie von Sensoren allgemein wie man sie halt so im Alltag z.B. für fahrerlose Autos braucht …). Die dann mit einer App gemeinsam „unblutig“ den Eisengehalt im Blut messen können und bald viel mehr. Das ist zum Beispiel wichtig für Säuglinge.

Die dazugehörige App informiert mich neben meinem Gewicht über diverse Werte wie BMI, „biologisches Alter“, Körperfett, Typ meiner Figur, Muskelmasse, Knochenmasse, Wassergehalt, Viszeralfett (Bauchfett), Grundumsatz in kcal, Eiweiß und meinen Körperzustand. Sie sagt mir auch, wie groß der Anteil meiner Körperteile (Rumpf, Arm und Bein links wie rechts) an Muskelmasse in kg und Körperfett in % ist. Und vor allem kann ich graphisch die Veränderung dieser Werte mit verfolgen. Weil der Trend oft wichtiger ist als die aktuellen Zahlen.

Diese Daten finde ich sehr spannend. Leider sind sie nicht alle im grünen Bereich, zwei sogar im roten. So würde ich die Daten gerne veröffentlichen, um mich selber unter Druck zu setzen, an ihnen zu arbeiten. Das dürfte allerdings a) keinen interessieren und wäre b) wieder Aufwand, den ich als fauler Mensch scheue. Aber vielleicht gibt es ja bald ein „veröffentliche-meine-Daten-auf-Facebook-Feature“ oder ähnliches.

Hier findet eine spannende Entwicklung statt. Vielleicht sagt mir solch eine App bald wenn ich erkranke und spezifiziert auch gleich meine Krankheit. Da könnte es bald viele interessante Daten geben. Und schon kommt sie wieder, die „German Angst“: Was passiert wenn meine Krankenversicherung das weiß?

MEIN ELEKTRISCHER AKKU

So sieht das elektrische London von Utopia auf der Website aus.

Schon heute sind Akkus relativ intelligent. Sie können nur noch nicht reden, sprich mitteilen. Das wird sich in der nächsten Generation ändern. Dann wird mir das Fahrrad, wenn es sich (oder seine Akkus) von mir  entfernen. Oder auch nur wenn sie leer sind. Sie werden dann auch Alexa oder „google home“ nutzen. Dann können diese mich am Abends sagen, dass ich mein Fahrrad noch aufladen sollte, wenn ich am Tage darauf ans Ziel und wieder zurück kommen will.

ALLES PRODUZIERT DATEN.

Alle diese Geräte wie viele mehr haben eines gemeinsam: Sie generieren Daten. Und das ist gut so.  dass nicht nur so wenig zu vernachlässigen. Wir Deutsche sollen ja angeblich besonders viel Angst vor neuer Technik haben. Das wurde ja in der Vergangenheit gerade von Politikern oft kritisiert.

Vielleicht mögen wir auch nur keine neue Technik mehr, weil wir uns so euphorisch mal auf die Atomkraft gestürzt haben und unser Land dem Auto geopfert haben. Und dabei doch richtig reingefallen und so vorsichtiger geworden sind. Und haben jetzt Angst um und vor unseren Daten. Vielleicht auch, weil Politiker uns erzählen, dass Daten das Öl oder das Gold der Zukunft wären. Was natürlich Blödsinn ist.

„GERMAN ANGST“

Bei den Daten scheint sie also wieder da zu sein – die deutsche Angst. Und aus ihr ist wohl eine Europäische geworden. Wie man aber auch immer darüber denken mag – das spielt keine Rolle. Denn jetzt steht sie vor der Haustür, die DSGVO und wer sich gesetzestreu verhalten will – und das wollen wir doch alle – der muss etwas tun. Und möchte sich dabei möglichst wenig stressen lassen. Das könnte zu einer über den Erfolg von Unternehmen entscheidenden Kunst werden.

WAS KANN MAN TUN?

Deshalb lädt die InterFace AG gemeinsam mit Kinast und Partner, DataKonform und Bizagi zu einem Workshop ein. Die Teilnahme kostenfrei. Der Workshop wird am 15. Februar 2018 ab 16:30 Uhr bis ca. 20:00 Uhr (inklusive genug Zeit fürs Networking) bei der InterFace AG in der Leipziger Str. 16, 82008 Unterhaching stattfinden – ganz nah bei München und auch öffentlich gut zu erreichen.

Hier Informationen der InterFace AG zumWorkshop:

Es geht darum, wie man zum Beispiel mit der rechtlichen und operativen Begleitung unseres Teams und Werkzeug gestützt Ihrer Rechenschaftspflicht nachkommen kann. Dies dokumentiert, effizient und rechtskonform.

Denn im Zuge der Einführung der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird sich der Umgang mit Daten in der EU und rund um den Globus für immer ändern. Die neue DSGVO tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und ersetzt nach über 20 Jahren die bisherige EU-Datenschutzrichtlinie (EU-DSRL).

Dieser Experten-Workshop wird aufzeigen, wie die Anforderungen der DSGVO sicher erfüllt werden können, nämlich:

  • wie man sich auf die EU-DSGVO vorbereiten und welche Schritte dabei zu beachten sind,
  • wie man DSGVO anhand eines Leistungsmodelles rechtskonform erfüllt,
  • wie man Prozesse auf die neue EU-DSRL anpassen, optimieren und automatisieren kann,
  • wie Werkzeuge hierbei eine Lösung unterstützen können.
  • In einer Echtzeit-Demonstration wird gezeigt, wie man sofort loslegen und die Anforderungen aktiv umsetzen kann!

Folgende Agenda ist für die Veranstaltung geplant:

  • Ziel der Veranstaltung und kurze Vorstellung der beteiligten Unternehmen
  • Überblick zur aktuellen Situation (Kinast & Partner)
  • Neue DS-GVO, was man wissen sollte (Kinast & Partner)
  • Aufgaben die es zu lösen und Hürden die es zu überwinden gilt (Praxisbeispiele)
  • „Datenschutz as a Service“
  • Vorstellung des „Leistungsmodells“
  • Leistungsarten
  • Vorgehensmodell
  • Vorführung Workflows anhand von konkreten Use Cases/Fallbeispielen
  • Beantwortung aufkommender Fragen
  • Networking Gespräche und Fingerfood

Gerne beantworten wir Ihnen im Vorlauf schon Ihre Fragen und freuen uns sehr über Ihre Anmeldung/Zusage per E-Mail oder über eventbrite.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 23. Dezember 2017

DIGITAL – AGIL – OPEN – LEAN (Vortrag)

Am 26. Oktober 2017 habe ich in Augsburg im Hotel am alten Park in der Frölichstr. 17 für die Bayerische Akademie für Verwaltungs-Management GmbH / Bayerische Verwaltungsschule (BVS) am Nachmittag um 14:00 den Abschlussvortrag einer Tagung namens MQ4 gehalten.

Das Thema war –
DIGITAL – AGIL – OPEN – LEAN
– ich wollte und sollte unter anderem folgende Fragen beantworten:

Was ist Agilität – gestern heute morgen?
Was brauchen Organisationen um auf Veränderungen richtig (und zeitnah) zu reagieren?
Welche Konzepte, Methoden, Werkzeuge und welches Können stehen dahinter?

Der Vortrag wurde gefilmt, das Video bette ich unten ein. An den Vortrag habe ich nicht nur gute Erinnerungen. Für mich war es ein schwieriger Tag:

Motto der Anstalt (auf der Website):
Gesundheit, Bildung, Pflege, Gastfreundschaft und Spiritualität sind unsere Hauptanliegen.

Der Tagungsort war das hotel am alten park als Teil des Gebäudekomplex der evangelischen diakonissenanstalt augsburg (diako).

In diesem „Diakonissenhaus“, wie wir das zugehörige Krankenhaus in unserer Kindheit genannt haben, ist in einer grauen Spätherbstnacht in 2008 mein Vater gestorben. Damals habe ich am späten Nachmittag überraschend von seiner Einlieferung ins Krankenhaus erfahren und bin dann gleich ruckartig mit dem Auto ins Krankenhaus nach Augsburg gefahren.

Meinem Vater ging es sehr schlecht, aber nach Auskunft der Ärzte war sein Zustand nicht lebensbedrohlich. So bin ich nachts auf düsterer Herbstautobahn im Schneetreiben wieder heim gefahren – damals noch nach Riemerling – und habe dann zu Hause die Nachricht vom Tod meines Vaters erhalten.

Jetzt stand ich das erste Mal seit diesem Abend vor zirka neun Jahren wieder vor diesem Gebäude  – und musste rein. So wurde mein Vortrags-Besuch in Augsburg zu einem bedrückendem Ausflug in meine Vergangenheit. Mir fiel ein, dass ich genau in diesem Diakonissen-Haus im Frühjahr 1960 kerngesund meiner Mandeln beraubt wurde, weil ich im Winter 1959/1960 öfters erkältet gewesen war. Mir fiel ein, wie ich damals dagegen kämpfte, aber natürlich unterlegen bin und ich bis heute darunter leide (siehe auch meinen IF-Blog-Artikel dazu). Und mir fiel noch viel mehr ein, was ich in dieser Stadt so alles erlebt habe. Ich erlebte vor dem Vortrag eine wilde Bobfahrt der Gefühle durch die Jahre meines Heranwachsen in Augsburg von 1955 – 1969.

All das kam mir jetzt bei der Durchsicht des Videos wieder hoch. Mich selber habe ich in diesem Vortrag als ab und zu ein wenig unkonzentriert erlebt. Aufgrund des Erlebten konnte ich mir das nachsehen und veröffentliche den Vortrag trotz seiner Schwächen, weil ich ihn sehr authentisch empfinde.

Ursache für die vielleicht fehlende klar Linie war aber nicht nur meine angeschlagene seelische Situation. Auf der Fahrt nach Augsburg hatte ich meinen gut vorbereiteten Vortrag noch ziemlich umgestellt. Der Grund war, dass ich mich die Woche davor intensiv mit bitcoin und blockchain beschäftigt hatte und dabei auf ein paar für mich völlig neue Erkenntnisse gekommen war.

Ich hatte nicht verstanden (und verstehe es nicht), warum man im Internet genau das fordert und realisieren will, was uns im echten Leben rigoros verwehrt wird? Warum soll man im Internet gut maskiert versteckt hinter Identitäten an wesentlichen Dingen mit wirken, Transaktionen durchführen und sogar Geld besitzen dürfen? das alles anonym! Wenn genau dies im reellen Leben einem immer mehr verwehrt wird?

Oder gibt es da doch sehr gute Gründe dafür? Dass es zumindest im Internet noch möglich sein sollte? Das ist für mich eine ganz zentrale Frage!

Bitcoin ist ein gutes Beispiel, wie aufgrund falscher Requirements und schlechter Umsetzung eine wunderbare Idee vom „demokratischem“ Geld pervertiert wurde in ein kriminelles Wett- und Betrugssystem. „Gut gemeint und schlecht gemacht“ wird nach meiner Meinung diesem Phänomen nicht gerecht.

Jetzt bin ich in blockchain und bitcoin 8 Wochen weiter, und kann meine Vorbehalte besser erklären und meine Fragen präziser stellen als damals.

Weiter wollte ich im Vortrag vermitteln, dass wir wieder mal in einem grandiosen digitalen Umbruch sind. Es geht nicht mehr um Mensch-Maschine sondern um Maschine-Welt.

Ich will es so erklären. Seit 1969 programmiere ich. In der ersten Phase ging es im Wesentlichen um Algorithmen und Techniken wie Compiler, Betriebssysteme, Batch-Läufe, Transaktionen, Datenübertragung und Datenbanken und ein paar Anwendungen.

Dann ging es vor allem um die Schnittstelle zwischen den Menschen und den Anwendungen (Mensch-Maschine). Das hat uns von der Lochkarte zum Tablet und vom Tippen zu Sprach- und Gestenerkennung geführt. Die Anzahl der Anwendungen explodierte förmlich.

Heute geht es um autonome Systeme, die oft gar keine Schnittstelle zum Menschen mehr brauchen sondern gleich direkt mit ihrer „Umwelt“ kommunizieren. Das erklärt auch, warum die Sensortechnologie geradezu „explodiert“ und Dinge möglich macht, die bisher als unmöglich galten.

Das alles zusammen war ein wenig viel für einen kurzen Vortrag. So freue ich mich, dass der Vortrag mir damals doch noch halbwegs gelungen ist. Weil „schlecht drauf und weg vom Manuskript“ für einen Redner doppelt blöd ist. An einigen Stellen ist mir selbst meine Flüchtigkeit aufgefallen. Für den Fall, dass Ihr auf’s Video geht, bitte ich Euch, dies zu entschuldigen.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 22. September 2017

Krampfhennenreport #1: VerbraucherschützerInnen

Da fragt der geschätzte Chris Wood nach, sinngemäß, „Mit welcher Motivation schreiben Sie im iF-Blog?“.

Nun ja, vor längerer Zeit habe ich hier ein Zitat von Rupert Lay gelesen, „wir leben in der Zeit des unverantworteten Geschwätzes“. Das ist deswegen so relevant und in seinen Auswirkungen schlimm, weil Internet-Medien das „unverantwortete Geschwätz“ annähernd mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten.

Schlimmer noch: Weil ein Schwätzer vom anderen abschreibt und gleichzeitig eigenen Unsinn ergänzt, potenziert sich der Schwachsinn.

In lockerer Folge möchte ich einige Beispiele für inkompetenten Dünnschiß aufzeigen, der eine ursprüngliche gute Absicht übel pervertiert und gleichzeitig Verwirrung stiftet, damit Betrug und Mißwirtschaft schön im Nebel bleiben.

Gleichzeitig behandle ich nur Themen, von denen ich etwas verstehe, sprich: Mit denen ich mich seit mindestens 20 Jahren beruflich befasse.

Beginnen wir mit dem Verbraucherschutz.

„Die einzige Kamera, die ‚was taucht“, mit diesem Slogan bewarb Minolta einst eine wasserfeste Hobbykamera. Der Verbraucherschützer wollte den armen Konsumenten vor dem bösen Hersteller schützen und klagte: „Beim flüchtigen Lesen hat der Verbraucher den Eindruck, daß alle anderen Kameras nichts taugen würden“. Nee, schon klar. Eine Spaß-Knipse für 49,90 taugt als einzige etwas, die Leica M6 ist Sondermüll. Da muß unbedingt ein Gerichtsverfahren publikumswirksam ausgefochten werden. Das Gericht erkannte nicht, durch welchen Kakao es da gezogen wurde und gab den Krampfhennen auch noch recht.

Auf der anderen Seite ärgere ich mich im Supermarkt immer wieder darüber, daß bei Batterien nie eine Kapazität draufsteht. Bei Zucker, Bier, Haferflocken oder auch bei Akkus: Der Inhalt in Gramm, Liter oder Ampèrestunden steht drauf. Bloß nicht bei Batterieen. Wie soll ich da eine Preis / Leistungsabschätzung treffen? Den Verbraucherschutz interessiert das einen feuchten Kehricht, dafür werden Lobbyisten schon gesorgt haben.

Wie Krampfhennen vom Verbraucherschutz lächerliche Randprobleme aufblasen und damit von den wirklich üblen Umständen ablenken, sehen wir besonders gut am Beispiel von Lina Ehrig:

Hier werden Sie gerettet!

Und sie bringt auch gleich die ganz großen Skandale mit, denn, „Das deutsche Erfolgsrezept zum einfachen Wechsel von Telefon- und Internetanbietern hängt am seidenen Faden„, au weia! Die schlimme Folge:  „EU erschwert Telefonanbieterwechsel – für immer Telekom?“ …

Sehen wir uns doch einmal die skandalösen Verschlechterungen an:

Beim Wechsel eines Telephonanbieters muß dieser nicht innerhalb eines Tages, sondern am nächsten Werktag vollzogen sein. Unsere Telekom braucht für den „Wechsel“ von ISDN zu VoIP auch schon mal 14 Tage. Beim geschäftlich alleinig genutzten Anschluß einer Hamburger Werbeagentur, wohlgemerkt. Eine ähnliche Katastrophe hatten wir kürzlich bei einer Hausverwaltungsgesellschaft, die auch tagelang unerreichbar war.

Für die Privatperson, die ja grundsätzlich kein Mobiltelephon hat, ist das eine Katastrophe! Und die lieben Kleinen können eventuell einen oder zwei Tage keinen „Bushido-Rap“ „streamen“! Ein unersetzlicher Verlust für die kindliche Entwicklung!

„Die Vertragslaufzeit beginnt von neuem“. Die Dame hat Jura studiert, wohlgemerkt. Wieso, zum Teufel, sollte bei einem neuen Vertrag die Vertragslaufzeit nicht neu beginnen? Was glaubt Frau Juristin eigentlich, wie hoch teilweise die Kosten sind für die Anlage beispielsweise eines neuen Kabelanschlusses? Irgendwie muß ein Provider doch seine Investition absichern.

Das war’s auch schon, was die Juristin auf der Erbse bemängelt und die Conclusio kann sich sehen lassen: „Jetzt nimmt [die Bundesregierung] die Aushöhlung der Verbraucherrechte und Absenkung des Schutzniveaus billigend in Kauf„.

Bereits die Formulierung entlarvt das unterirdische Gaga-Niveau: Man kann etwas billigen, dann ist man damit einverstanden und zufrieden. Man kann etwas in Kauf nehmen, dann ist man nicht damit einverstanden und schon gar nicht zufrieden, sondern toleriert es, um in einer anderen Sache einen Nutzen zu erlangen. Man kann aber ganz sicherlich nicht etwas „billigend in Kauf nehmen“, das ist eine contradictio in adiecto. Naja, iustitia non calculat und Fermat ist lange tot.

Kommen wir zur Wahrheit

Es verschlechtert sich nichts durch einen neuen EU-Kodex, denn unsere Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Telekom das Pessimum bereits erreicht.

Denn weil die Telekom wettbewerbswidrig jeden privat genutzten Internetzugang mit einem Telephonieangebot bündelt, kann sich kein Verbraucher wirklich frei für einen alternativen Anbieter entscheiden. Täte er das, beispielsweise für einen seriösen, kompetenten Provider wie QSC oder Sipgate, dann läge die zwangsweise „gebündelte“ Telephonie brach, es müßte also doppelt gezahlt werden. Gleichzeitig sitzt die Telekom auf der Rufnummer wie die Glucke auf dem Ei, in der Regel muß man sich die Rufnummer „freiklagen“. Das tut aber kaum jemand. „Gebündelte“ Angebote sind aber selbst dann wettbewerbswidrig, wenn ein Hersteller ein Zusatzprodukt verschenkt, siehe beispielsweise die EU-Auseinandersetzungen um die kostenlose Beigabe des „Internet Explorers“ zu „Microsoft Windows“.

Hier hat der Verbraucherschutz auf der ganzen Linie erbärmlich versagt! Er muß sich vorwerfen lassen, entweder brunzdumm zu sein oder aber umfassend von Lobbyisten geschmiert.

Die Bundesregierung hat, während die Bundeskanzlerin die Bevölkerung dreist belog, dafür gesorgt, daß die Netzneutralität auf der letzten Meile gekippt wurde. Wenn man sich als Anbieter bestimmten Telekom-Angeboten anschließt, belastet die Telekom beim Datentransfer auf Mobilgeräte das gebuchte Volumenbudget nicht. Damit werden diese Anbieter unangemessen bevorzugt und die „kleinen“ haben wieder keine Chance. Die Holländer haben das vorausgesehen und solche gefährlichen Blockaden gesetzlich verhindert — nur, leider:  Aufgrund der neuen EU-Richtlinie, die unter der Ägide „Oettinger“ auf Wunsch der „Kanzlerin“ entstand, müssen die Niederlande dieses urdemokratische Gesetz, welches ein wichtiger Garant für Informationsfreiheit ist, zurücknehmen.  Dank der, wie sagt Roland immer, „ComEUcon“.

Mit der Nebelkerze „Vectoring“ hat die Bundesnetzagentur übrigens die Konservierung der teilweise 100 Jahre alten sog. „Hauptkabel“ zementiert und damit die Netzanbindung „in der Fläche“ um Jahrzehnte zurückgeworfen. Soviel zum unsäglich albernen Schlagwort „Digitalisierung“.

Fassen wir zusammen: Vielfach überbezahlte Juristinnen der „Verbraucherschutzberatung“ spüren einen lebensgefährlichen Kratzer am Knie auf und übersehen dabei den Krebstumor und die Lungenentzündung. Und keinem fällt auf, daß man besser keine Juristen als Arzt beschäftigen sollte.

(hb)

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 16. Februar 2017

Zum Abgrund hin mit Lin und Win …

Es ist jetzt fünfzehn Jahre her, seitdem in der Münchner Stadtverwaltung konzeptlos auf Kosten des Steuerzahlers mit einer Frickelei begonnen wurde, die rein ideologisch motiviert war und im Chaos enden mußte. Eine post-mortem – Analyse.

„Wann ana deppert is, dann is er bei Disco-Musik genauso deppert wie bei Beethoven.“

Dieses Zitat von Friedrich Gulda reicht eigentlich völlig zur Erklärung der Situation in München aus. Schon mein Vater pflegte zu sagen, „Von mir aus könnte unser Computer eine Waschmaschine sein, mich interessiert nur, ob ich mit den Auswertungen etwas anfangen kann oder nicht“.

Einem Anwender ist es wurschtegal, mit welchem Betriebssystem er arbeitet. Er möchte seinen Job erledigt bekommen und nicht gegängelt werden.

Die Fragestellung in München hätte lauten müssen
„Was wollen wir erreichen? Welches Betriebskonzept wählen wir? Mit welchen Mitteln setzen wir das Betriebskonzept um?“
und nicht
„wie ersetzen wir eine unübersichtliche Windows-Müllhalde gegen eine noch unübersichtlichere Linux – Sondermülldeponie“?

Es gibt nur wenige Unternehmen, die beim Thema „Linux“ so erbärmlich versagt haben wie die IBM. Da lag es natürlich nahe, ausgerechnet von dort eine „Systemarchitekt*in“ anzuheuern. Ich arbeite lieber mit einem bestechlichen, korrupten Chauvi zusammen als einer „bemühten“ IT-Beraterin.

Jeder Mensch, der bis fünf zählen kann, weiß: Nach fünf Jahren ist ein Arbeitsplatzrechner veraltet. Selbst, wenn er noch funktioniert, bekommt man keine Ersatzteile mehr dafür. Das wirklich allerdümmste, was man tun kann, ist jetzt, einem solchen Stück geplanter Obsoleszenz eine „Software Suite“ quasi auf den Leib zu schneidern.

Ganz im Gegenteil:
Wenn jemand mit einem Funken Verantwortung im Leib fünfzehntausend (!) Computerarbeitsplätze neu gestalten soll, dann wird er erst einmal dafür sorgen, daß der Hardware-Lebenszyklus vom Software-Lebenszyklus entkoppelt wird.

Das ist kinderleicht zu erreichen mit sogenannten „Thin Clients“, die vor Ort keinerlei Einrichtung oder Wartung benötigen, weil sie sich einfach mit dem Rechenzentrum verbinden und, gleichsam wie ein Fernsehgerät, ihre Programme von dort beziehen. Die Technik gab es seinerzeit und mit Kurt Pfeifle stand ein hoch kompetenter Berater zur Verfügung.

Was machte man stattdessen? Weil das „Team“ so wenig Ahnung hatte, war es nicht einmal in der Lage, die Schwierigkeiten abzuschätzen, die sich bei der „Eigenentwicklung“ einer Microsoft-Alternative ergeben würde, wurde zusammen mit der Firma „Sedativ GmbH“ auf Gedeih und Verderb losgelegt.

Mir treibt diese unbeschreibliche Arroganz die Galle hoch: Natürlich ist eine „Windows-Suite“ hochkomplexer Sondermüll auf der Basis kaputter Protokolle. Aber anzunehmen, die Microsoft-Entwickler wären Vollidioten und dem eigenen Team würden durch das Nachbauen von Microsoft-Strukturen niemals vergleichbare Probleme entstehen, weil es ja zu den alleinig GUTEN (TM) gehört, das ist nicht mehr einfache, sondern kriminelle Dummheit.

Taliban sind immer unerträglich …
… ob es sich nun um die brunz-dummen, verbohrten Originale handelt oder um „durchideologisierte“ Polit-Funktionäre. Neulich erzählte mir ein Bekannter, daß die Schulverwaltung seinen Kindern untersagt habe, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Begründung: Die Kinder hätten ja keinen Helm auf. Natürlich nicht, sinnvollerweise. Und natürlich hat sich die Familie nicht an die Anordnung gehalten. In der Konsequenz bekamen die Fahrräder der Kinder „Hausverbot“ auf dem Schulhof.

Ähnlich dumm-dreist ist es, funktionierende Fachverfahren, die einigermaßen unter Windows laufen, einzustampfen und unter Linux neu zu entwickeln. Auch hier hätte es einfache Alternativen gegeben: Rechner mit Fachverfahren ins Rechenzentrum auslagern und von den Endstellen transparent darauf zugreifen. Dazu gibt es als Beispiel ein einfaches Programm, den RDP-Wrapper, welcher jede Windows-Kiste zum (Vorsicht, Microsoft-Dilettantensprech) „Terminalserver“ macht.

Das Tolle dabei: Man spart sich Lizenzkosten, aber man manipuliert nicht an „Windows“. Wir haben Kunden, die ihre Fachverfahren zur Galvanik-Optimierung von den einzelnen Produktionsstandorten ausgegliedert haben und dadurch gehoben fünfstellig pro Jahr an Softwarelizenzen sparen — bei gleichzeitiger Verbesserung der Wartung und Verfügbarkeit!

Die Milchmädchenrechnung von den „gesparten Lizenzen“
fällt zusammen wie ein Kartenhaus, wenn man bedenkt, wie viele Mitarbeiter und Externe notwendig sind, um das Eigengefrickel mehr schlecht als recht am Laufen zu halten.

Anstatt konsequent zu sein und auch Mitgliedern der Führungsriege aus guten Gründen die „Nutzung“ von „iPhones“ zu untersagen, wird panisch eine Extra-Serverfarm aufgesetzt, damit der Mailserver „apple-kompatibel“ wird. Mit solchen Extratouren richtet man maximalen Schaden an: Einmal sind es die Kosten, dann aber kommen die Wartungseinsätze wegen garantierter Fehlfunktionen.

Small is manageable ….
mit dieser einfachen Prämisse hätte man das Projekt ohne Quotenfrauen und externe Lobbyisten zügig stemmen können. Nach uraltem Vorbild: Anwendungen zentral auf Servern, Zugriff von überall aus. Das ist ein alter Hut, ein funktionierender obendrein, und besonders dumme Trendlemmige nennen ein solches Konzept jetzt „CLOUD“.

Intelligente Menschen lernen aus Fehlern anderer, normale Menschen lernen aus den eigenen …
… aber nur die ganz großen Dummköpfe lernen nicht einmal aus den peinlichsten Momenten ihres eigenen Versagens.

Womit wir beim Ausblick wären:
„Bewährte Partner“ wie „Computacenta“ (das sind die, die als „Compunet“ die Bundestags-Migration epochemachend versiebt hatten und sich daraufhin umbenennen mußten), Bullshit-Produzenten wie Arthur Anderson (mußten sich schon vor längerer Zeit umbenennen wegen der Enron-Pleite) und natürlich der Garant für Desasterprojekte, die T-Systems, stehen ja bereit.

Die werden jetzt aus einer konzeptlosen Linux-Umgebung eine konzeptlose Windows-Umgebung machen. Was kann da schon schief gehen?

-hb

Computer Vintage
oder:
Wenn Produktions- und Entwicklungsketten zu komplex werden, dann könnten sie ja auch mal (zer-)reißen

Die Gedanken zu diesem Artikel entstanden im Rahmen einer kurzen Diskussion, inwieweit unsere entwickelte Gesellschaft technologisch wieder in das prä-elektrische Zeitalter zurückfallen könnte. Mein Gesprächspartner meinte, das wäre unmöglich. Dieser feste Glaube hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ein kleiner Bruder und ein ganz kleines Brüderchen der von mir beschriebenen Flach-Baugruppe. Das Telefon soll die Größe der kleinen Teile klar machen 🙂

Anfang der 70iger Jahre studierte ich an der TUM Mathematik mit Nebenfach Informatik und war schon bald bei Siemens als Werkstudent tätig. Weil es da tolle Rechner (Computer) gab und man als Student für damalige Verhältnisse gut verdient hat.

Ich war damals in den Baracken der „Koppstrasse“ tätig. Getestet haben wir im „Feurich-Bau“ – im Zentralgelände der Siemens AG an der Hofmann-Straße. Das Leben in den Baracken war toll, es war eine richtige F&E-Atmosphäre, so wie man es sich heute bei einem guten Start-up vorstellt.

Mein erstes Projekt habe ich hier in IF-Blog beschrieben. Es ging damals um das Berechnen von möglichst großen Mersenne-Primzahlen. Das war eine Aufgabe eher für einen Einzelkämpfer.

Dann wurde ich immer mehr Teil der Teams und fast berauscht von denn Herausforderungen unserer Aufgabe. Wir arbeiteten gemeinsam mit weiteren Kollegen an der Entwicklung der PALOG-A- und PALOG-B-Systeme.

PALOG stand für „PrüfAutomat für LOGik. Die Aufgabe eines PALOG-A-Gerätes war der Funktionstest von in kleinen Serien gebauten „Maxi-Flachbaugruppen“, die in Groß-Rechnern unterschiedliche Funktionen realisierten. Die Funktionalität und die Richtigkeit der zu realisierenden Logik waren schon getestet.

Es ging „nur noch“ um das Prüfen, ob die Serien-Produktion fehlerfrei erfolgt war und die gefertigten Komponenten zuverlässig die gewünschten Ergebnisse lieferten. Die erweiterte Funktion des PALOG-B erläutere ich im weiteren Teil des Textes.

So eine Maxi-Flachbaugruppe war ein großes Brett (Board), ziemlich breit und tief aber von geringer Höhe. Die auf den Bildern abgebildeten Boards stammen aus späterer Zeit und waren viel kleiner.

Eine Maxi-Flachbaugruppe hatte auf einer Seite eine Steckleiste mit 128 Stiften, die in die Rückwand des Großrechners eingesteckt wurden. Dieser speiste das Board mit digitalen Mustern entsprechend der Anzahl der Stifte, bekam vom Board ein Ergebnis zurück und verarbeitete dieses weiter. (Vielleicht täusche ich mich und es waren nur 64 Stifte, aber ich erinnere mich deutlich an 128.)

Das Board war auf der Oberfläche voll mit Elektronik-Bauteilen, die ein paar Füße oder mehrere Füßchen hatten. Diese wurden in die vorbereiteten Löcher des Brettes gesteckt. Das ganze wurde dann von unten entsprechend verlötet, bei Serienproduktion in einem Lötbad.

Die Bauelemente auf dem Board waren zum Teil von Siemens selber entwickelt und produziert. Einiges musste zugekauft werden. Ich habe da besondere Chips von Motorola in Erinnerung, die im Einkauf auch mal um die 1.000 DM kosteten.

Wenn ich mich hier nicht korrekt ausdrücke habe, dann bitte ich dies zu entschuldigen. Ich habe nie Hardware gemacht, sondern mich schon damals ausschließlich auf die Entwicklung der Software beschränkt.

Der Prozess der Bestückung und Verlötung war alles andere als trivial.  So war es durchaus möglich – und kam auch häufig vor – dass diese Maxi-Flachbaugruppen nach der Fertigung keine oder falsche Ergebnisse lieferten. Manchmal kam es auch vor, dass die zu gelieferten Einzelteile defekt waren.

Aber wie findet man das raus? Wie testet man so eine Maxi-Flachbaugruppe?

Unsere Methode war einfach. In das zu prüfende Objekt wurden Bitmuster gesendet und dann geprüft, ob die Antwort die richtige (erwartete) ist. Einen solchen Test kann man aus Effizienzgründen natürlich nicht mit allen möglichen Eingabe-Mustern durchführen. Die Aufgabe unserer Software war es, relevante Muster zu generieren, mit denen man in möglichst wenigen Testschritten beweisen konnte, dass die Logik der Maxi-Flachbaugruppe richtig funktioniert.

Noch mal die kleineren und jüngeren Brüder der Maxi-Flachbaugruppe.

Dazu wurde diese in den PALOG-A Automaten eingespannt und dort mit den ihrer Funktionalität entsprechenden Binär-Mustern über die 128 Stifte beschickt. Die Antworten wurden mit den Soll-Ergebnissen verglichen. Wenn IST und SOLL bei allen Testmustern übereingestimmt hatte, war validiert, dass die Maxi-Flachbaugruppe einwandfrei funktioniert.

Die Suchen und Finden der relevanten Testmuster war alles andere als einfach und wurde ziemlich „mathematisch“ aus der jeweiligen Funktionalität heraus entwickelt. Die Programmierung erfolgte „cross“ auf BS1000 und dann bald auch auf BS2000.

Die Muster selber und die richtigen Antworten wurden auf Prozessrechnern der Serie 300 generiert. Die hatten übrigens einen 6-Bit-Assembler mit zwei Akkumulatoren und dem schönen Namen PROSA. Die „Dreihunderter“ galten als ungeheuer schnelle Rechner.

Das Spitzenmodell war die 306. Aber auch diese in der damaligen Zeit absolut schnellste Maschine von Siemens brauchte gut und gerne auch mal eine Woche oder mehr für die Berechnung der benötigten Muster.

Ein Rechner lief damals selten eine Woche ohne Ausfall. Meistens stürzte er in so einem langen Zeitraum schon ein paar mal ab. Deswegen hatte die Software neben der algorithmischen Herausforderung noch weitere wie die Wiederaufsetzbarkeit des Programms bei einem Systemabsturz. Dies war damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Soweit so gut. Immerhin konnten wir mit PALOG-A zuverlässig validieren, ob eine Maxi-Flachbaugruppe fehlerfrei war oder nicht. Allerdings gab es ziemlich häufig mangelhafte Produkte. Was macht man mit diesen? Allein aufgrund der teuren eingesetzten Bauelemente wollte man die natürlich nicht vernichten oder zurück bauen, denn damit wäre auch nicht viel gewonnen worden. Man wollte also möglichst alle wenn irgendwie möglich reparieren.

Wenn ich einen Fehler in einer komplizierten Logik einer Flachbaugruppe beheben will, muss ich aber zuerst einmal herausfinden, wo er sich auf dem Board befindet. In unserem Fall geht das natürlich nicht durch logisches Überlegen oder „Code Reading“ wie bei einem Programm. Auch einen eingebauten Debugger hatter wir nicht. Die Frage ist ja, welches Bauteil falsch sein könnte, welche Lötstelle nicht funktioniert oder ähnliches …

Da kam unser System PALOG-B ins Spiel. Wenn eine Maxiflachbaugruppe von PALOG-A als fehlerhaft erkannt wurde kam sie ins PALOG-B-System. Dort wurde sie einer (von uns so genannten) PFAD-Methode unterworfen und mit ganz anderen Testmustern bearbeitet. Diese ermöglichten an Hand der zurück kommenden Daten den Fehler auf dem Board einzukreisen. So war es möglich durch mehrfaches Einkreisen die möglichen Fehler zu beheben. Dann wurde das Board wieder mit PALOG-A getestet, und wenn es dann funktioniert hat wurde gejubelt.

Warum das Vorgehen „PFAD-Methode“ hieß, kann man sich gut vorstellen. Man sich nur überlegen, dass verschiedene Eingabemuster verschiedene „Pfade“ auf der Flachbaugruppe durchlaufen. Und wenn man fest stellen kann, welche der vielen möglichen verschiedenen Pfade nicht funktioniert, ist man dem Fehler schon deutlich näher.

Ich habe versucht, das alles möglichst einfach und gut verständlich zu beschreiben. In Wirklichkeit war das Ganze aber sehr kompliziert und wurde von einem über sehr viele Jahre erarbeiteten und weitergegebenen Know-How getragen.

Unsere Software war nur ein kleiner Teil der für die effiziente Entwicklung und Produktion von IT-Systemen notwendigen Design- und Konstruktionssoftware. Da ging es bei Siemens damals mit großen Fortschritten weiter. Ein paar Jahre später hatte die Siemens AG eine umfassende Workbench aus vielen SW-Systemen für die Entwicklung ihrer Chips, die wahrscheinlich allen Konkurrenz-Systemen deutlich überlegen war.

Leider habe ich Abkürzung dafür vergessen, weiß aber noch, dass diese Anwendung als die komplizierteste SW-Lösung der Welt galt und die meisten „Lines of Code“ aller bekannten Programmsysteme gehabt haben soll.

Und dann ging es abwärts mit dem Bereich Datenverarbeitung und all das Know-How verschwand.

😉 Aber was interessiert den Juden und auch uns „die Freud von gestern“?
Vorbei ist vorbei!

Ich kann mir vorstellen, dass das Know-How und die Werkzeugkette, die gebraucht werden um einen Intel-Prozessor oder einen IBM Power zu entwickeln und zu produzieren mittlerweile eine ungleich höhere Herausforderung darstellt als damals die doch noch überschaubaren Flachbaugruppen.

Und es könnte sein, dass nicht nur so ein High-Tech-Prozessor sondern auch der „einfache“ elektrische Motor oder Stromgenerator heute ohne einer ähnlich komplexen „Maschinerie“ so ganz einfach nicht mehr hergestellt werden können. Und wenn die zerbricht – warum auch immer – was dann?

Damit habe ich den Kreis geschlossen und komme zur Eröffnung meines Artikels. Genau wegen der Durchdringung solcher Werkzeug- und Produktionsketten in allen Technologien und Sparten – ob Chemie, Energie, Landwirtschaft, Mechanik, Pharmazie, Physik … könnte ich mir gut vorstellen, dass unser System kippen kann und wir dann wieder bei NULL anfangen müssen. Und das das dann sehr schwierig sein könnte.

RMD

P.S.
Ich schreibe die technischen Erinnerungen aus dem Kopf heraus und völlig ohne Unterlagen auf. Leider ist Wikipedia bei solchen spannenden Themen der Informatik gar nicht so recht hilfreich. Ich finde es schade, dass in Wikipedia ausgerechnet die Technik, die Wikipedia erst ermöglicht hat, kaum und meistens sehr ungenügend  beschrieben ist.

Insofern bitte ich zu entschuldigen, wenn ich die eine oder andere Abkürzung falsch in Erinnerung habe oder ähnliche Fehler mache. Ich konnte nirgends nachschauen und so meinen Erinnerungen auf die Sprünge helfen. Umso mehr bin ich für Korrekturen und Hinweise zur von mir berichteten Technik dankbar.

Von Stand-by-Jobs, Facilitation und Fahrerlosen U-Bahnen. Und vom Uli.

Vor kurzem habe ich Ulrich Sendler kennen gelernt. Uli ist „Unabhängiger Technologieanalyst“ und Musiker. Er schreibt Bücher (die sogar ins chinesische übersetzt werden und dort hohe Auflagen haben), hält Vorträge (so wie ich ihn erlebt hatte dürften die sehr kompetent aber auch unterhaltsam sein) und ist als Berater und Moderator unterwegs. Bei unserem Treffen hat er mir erzählt, dass er demnächst in Gütersloh eine „keynote“ zum Thema „Automated Society“ halten wird. Irgendwie erscheint das mir die logische Entwicklung unserer „Self-Service-Society“. Ich bestelle den Dienst im Internet und die Lieferung erfolgt oder Dienstleistung erfolgt dann automatisch.

„Automated Society“ und „Self-Service-Society“ sind für mich auch „buzz words“, die gerne als Merkmale unserer „neuen digitalisierten Gesellschaft“ in unserem „post-faktischen Alltag“ genannt werden.

Sie haben bei mir gleich ein paar Assoziationen und Gedanken ausgelöst:

Technologie hat das Ziel, dem Menschen Leben und Arbeit einfacher zu machen. Dafür gibt es auch ein schönes und heute oft verwendete buzz word:
Facilitation!
Im englischen Wikipedia wird das Wort zurzeit so definiert:
Facilitation is any activity that makes tasks for others easy, or tasks that are assisted.

Im alltäglichen Leben hat das dazu geführt, dass die Arbeit von uns Menschen durch viele technologisch Errungenschaften erleichtert wird. Das kann auch dazu führen, dass wir gar nichts mehr zu tun haben.

Denken wir an einen Piloten der Lufthansa. Die sind zurzeit wegen ihrer Streikleidenschaft öfters in der Presse. Der arme Pilot darf auf einem Langstreckenflug wie in die Karibik wohl nur noch 10 Minuten – beim Einleiten und Durchführen von Start und Landung. Den Rest schaut er zu, wie der Flieger so vor sich hin fliegt. Der arme Pilot darf seine Langweile auch nicht mit Computer-Spielen vertreiben. Alkohol wird ihm auch verboten sein wie bestimmt auch der Damenbesuch im Cockpitz.B. durch eine Stewardess. Was übrige bleibt ist dann Langeweile.

Wecker1Ich nenne solche Berufe „Stand-by-Jobs“. Da ich als Programmierer tätig war ist das für mich, wie wenn ich dem Computer 8 Stunden beim Programmieren zu schauen muss und dann in fünf Minuten kurz überprüfe, ob das entstandene Programm den Vorgaben entspricht. Ich stelle mir so einen Job eher grausam vor. Kann gut sein, dass so ein Stand-by-Job depressiv macht.

Vor ein paar Jahrzehnten hatte ich nach einem Job-Wechsel beim neuen Arbeitgeber gut zwei Wochen nichts zu tun. Von Morgens bis Abends saß ich im Büro, langweilte mich und versuchte verzweifelt mich sinnvoll zu beschäftigen. Und die Zeiger der Uhr schienen so richtig dahin zu schleichen.

So unglücklich wie damals war ich nie in meinem Arbeitsleben.

Münchner U-Bahnhof Dietlindenstraße (U6) - Urheber: FloSch - Eigenes Werk unter CC BY 2.5 (2005)

Münchner U-Bahnhof Dietlindenstraße (U6) – Eigenes Werk von FloSch, unter CC BY  2.5 veröffentlicht in Wikipedia (2005)

Die Stadtwerke München (SWM) betreiben unter anderem das Münchner U-Bahn-System. Die SWM sind intelligente Arbeitgeber, die wissen, dass Menschen „Stand-by-Arbeit“ nicht mögen. U-Bahnfahrer ist auch zum „Stand-by-Job“ geworden. Die Stadtwerke wollen glückliche U-Bahnfahrer haben, die ihren Job motiviert erfüllen. Vor kurzem habe ich gelernt, dass ein U-Bahnfahrer an jeder Haltestelle aussteigen muss um die Befüllung des Zuges zu kontrollieren und dann wenn diese erfolgreich erfolgt, die Abfahrt frei geben darf. Das ist seine wesentliche Aufgabe.

Die Maßnahme dient der Sicherheit am Bahnsteig. Vor allem aber dient sie dem Fahrer, denn so wird sein Job wieder verantwortungsvoller, abwechslungsreicher und er hat sogar ein wenig Bewegung. Das tut Seele und Körper gut.

Nur, die U-Bahnen in Nürnberg fahren seit Jahren ohne Zugführer. Und die in Lyon schon seit Jahrzehnten. Und in beiden Fällen scheint das System sehr gut zu funktionieren, sogar besser als mit Fahrer.

Die Schlussfolgerungen überlasse ich meinen Lesern.

RMD

P.S.
Gestern bin im mit dem Bus 210 des MVG von Neuperlach Bahnhof nach Ottobrunn, Haltestelle Jahnstr. gefahren. Der Fahrer saß ziemlich abgegrenzt vorne in seinem dunklen Kabäuschen. Der Kontakt vom Fahrzeug zu den Menschen war automatisiert, die Anzeige und die Ansage der Haltestellen. Der Fahrer ist nur noch der Lenker, er hält an, wenn er Menschen an der Haltestelle sieht oder ein Fahrgast auf den Knopf drückt. An diesem Abend hatte ich Glück, der Fahrer ist sehr vernünftig gefahren und hat auf starkes Beschleunigen und heftiges Bremsen verzichtet. Das war mir angenehm. Es gibt aber auch Fahrer, bei denen geht es so richtig rund. Dann hat so ein selbstfahrender Bus schon auch seinen Vorteil… Technisch sollte es ja heutzutage möglich sein.

 

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat dem Auftrag des Bundeskabinetts und seiner Kanzlerin folgend eine Ethik-Kommission einberufen. Sie soll unter anderem klären, wer für Unfälle haftet, die von autonomen Fahrzeugen verursacht werden – der Fahrer oder der Hersteller.

🙂 Könnte doch sein, dass so ein durchgeknallter autonomer Computer einen Unfall aufgrund von Raserei verursacht. Wer bekommt dann das Bußgeld – oder die Strafanzeige?

Die Ethik-Kommission soll aber wohl auch untersuchen, ob es ethische Normen gibt, denen das autonome Fahrzeug in Konflikt-Situationen folgen muss. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio wird die Leitung dieser Kommission übernehmen. Der Wirtschaftswoche hat der Minister dazu auch ein Interview gegeben.

11348857_10206989802848252_348583267_oDas Thema Ethik beschäftigt mich seit meinem ersten Seminar bei Rupert Lay Anfang der 80iger Jahre wesentlich. Nach meinem Verständnis beschäftigt sich Ethik unter anderem auch mit moralischen Dilemmas. Ein grundlegendes Beispiel für so etwas ist das Trolley-Problem.

Ich zitiere dazu aus dem entsprechenden Artikel in Wikipedia:

Ein Güterzug droht wegen falscher Weichenstellung auf einen vollbesetzten stehenden Personenzug aufzufahren. Ein Weichensteller erkennt die Gefahr und leitet den Güterzug auf ein Nebengleis um, so dass dieser in eine Gruppe von Gleisarbeitern rast, die alle zu Tode kommen. Wie ist die Strafbarkeit des Weichenstellers zu beurteilen?

Diese Frage ist wohl von Welzel 1951 gestellt worden. In den Folgejahren bis heute wurden viele „Gedanken-Experimente“ dieser und ähnlicher Art formuliert. Eines der schärfsten, das mich zumindest meisten beeindruckt hat, ist folgendes:

Ein Arzt hat zehn Patienten in seiner Praxis. Jeder davon ist dem schnellen Tode geweiht, denn eines seiner Organe (bei jedem ein anderes) ist komplett zerstört. Um gesund zu werden braucht jeder innerhalb kürzester Zeit „sein“ Spenderorgan.  Es besteht aber keine Aussicht, dass diese verfügbar sind.

Zufällig kommt ein gesunder Mann in die Praxis. Der enthält genau all die Organe, die der Arzt zur Rettung sämtlicher seiner Patienten bräuchte. Soll der Arzt den Mann (den Menschen) töten, um die anderen (10 Menschen) zu retten?

Hier wird das Thema auf die Spitze getrieben. Obwohl es ethisch durchaus überlegenswert scheint, einen Mensch zu töten um zehn Menschen zu retten, wird diese Lösung von den meisten Menschen komplett ausgeschlossen. Warum? Ich vermute, weil dann sich niemand mehr „zum Arzt gehen“ trauen würde.

Das scheint mir der wirkliche Zweck von Moral zu sein: Wir wollen Dinge unmöglich machen, vor denen wir für uns Angst haben. Und die uns selber auf keinen Fall passieren dürfen. Deshalb soll für all das gelten: Das tut man nicht! Und schon der Gedanke wird zum Tabu.

Das macht dieses „Gedanken-Experiment“ für mich so wertvoll, weil es vielleicht lehrt, was hinter der Moral (Das tut man nicht!) stecken könnte.

Auch das öffentliche Fernsehen handelt jetzt mit Ethik. So hat die ARD am 17. Oktober 2016 das TV-Experiment „Terror – Ihr Urteil“ gezeigt. Und dann die Zuschauer abstimmen lassen, wie der Film ausgehen soll (Verurteilung oder Freispruch für den Piloten im ethischen Dilemma). Die Kritiken, die ich gelesen habe, waren aber von diesem Experiment nicht so begeistert.

Das Arzt-Beispiel erscheint mir übrigens sehr viel sinnvoller als das vom Trolley. Ärzte kann, so kann ich es mir vorstellen, stehen schon eher mal von einem ähnlichen Dilemma, zum Beispiel wenn sie bei einer Katastrophe wie dem Zugunglück in Bad Aibling entscheiden müssen, um welchen Patienten sie sich zuerst kümmern müssen. Wobei auch dieser Vergleich sehr hinkt.

Aber zurück zu den vielen Gedankenexperimenten mit Trolleys, Straßenbahnen, Güterzügen usw. All das ist spannend für eine intellektuelle Diskussion. Nur für die praktische Anwendung erscheint mir das alles völlig sinnlos.

All diese Konstrukte stammen aus dem Beispielraum des an Schienen gebundenen Verkehrs. Dort ist mir aber kein belegbares Ereignis bekannt, wo so etwas in der Realität passiert wäre. Das heißt, das wohl auf der ganzen Welt kein einziger Fahrdienstleister vor so einer Entscheidung gestanden hätte. Wir diskutieren und arbeiten uns also intellektuell-ethisch an reinen Kopfgeburten ab.

In der Wochenendausgabe der SZ finden wir einen gut gemachte „digitale“ Reportage zum Zugunfall nahe Bad Aibling. Da gab es am Morgen des 9. Februar zwölf Tote und 89 Verletzte. Die digitale Reportage hat den Titel Chronologie eines vermeidbaren Unglücks. Ich empfehle, diese Reportage unbedingt anzuschauen und auf den Link zu gehen.

Da wird gezeigt, dass die Realität ganz anders ausschaut. Besonders wenn es zu Unfällen kommt. Wir lernen, dass

  • in elektronischen Stellwerken, die technisch auf dem aktuellen DB-Stand sind, der Fahrdienstleiter deutlicher auf seine erste Freigabe hingewiesen worden wäre: Zumindest durch einen dicken, roten und leuchtenden Pfeil. Im Bad Aiblinger Stellwerk aber fehlt eine solche Anzeige, da die Technik älter war. Da war  ein Sicherheitsrisiko, das der Deutschen Bahn seit langem bekannt war. Eine interne Richtlinie würde seit den 80er-Jahren empfehlen, die alten Relaisstellwerke entsprechend nach zu rüsten. Bei einer „Digitalisierung des Stellwerkes“ auf den „aktuellen technischen Stand“ hätte es eine gute Chance gegeben, dass der Unfall nicht passiert wäre, bei einer kompletten Digitalisierung wäre er wohl nicht möglich gewesen. Ob so etwas ethisch ist, das wäre nach meiner Meinung durchaus diskussionswürdig.

Was erfahren wir noch?

  • Schichtarbeit ist nicht gut!
    Dienstbeginn für den Fahrdienstleister war 5 Uhr. Eine dreiviertel Stunde dauert die Fahrt von dem Bauernhof, auf dem er mit seiner Familie lebt, bis zu seinem Arbeitsplatz am Bahnhof von Bad Aibling, zehn Kilometer westlich von Rosenheim. Wegen eines vom Deutschen Wetterdienst noch in der Nacht angekündigten Sturms hat sich der Fahrdienstleister an diesem Tage wohl früher als sonst auf den Weg in die Arbeit gemacht. Daraus schließe ich, dass bei ihm irgendwann nach 3:00 der Wecker geklingelt. Da kann die Nacht nicht lange gewesen sein.
    Schichtarbeit ist generell ein Problem. Sie ist schädigt die Gesundheit. Dafür gibt es viele Belege. Und immer wenn ich morgens (damit meine ich aber eher vor 6:00) in der S-Bahn sitze, sehe ich nur graue Gesichter (außer die aufgekratzten Mädels und Jungs, die am Ostbahnhof vom Kunstpark Ost kommend zusteigen). Und so richtig fit ist der Mensch halt dann auch nicht. Zumindest ich bin es nicht. Hier aber gute Nachricht:
    Computern (digitalen Systemen) macht Nachtschicht nichts aus!

Weiter lernen wir, dass man am Arbeitsplatz nicht spielen soll.

  • Computerspiele sind gefährlich!
    Um 5:11 startet der Fahrdienstleiter auf seinem Smartphone das Videospiel „Dungeon Hunter 5“. In dem Fantasie-Rollenspiel jagt er als Kopfgeldjäger Monster und Schurken. In den Dienstvorschriften der Bahn steht: Fahrdienstleiter dürfen ihre privaten Smartphones bei der Arbeit nutzen, wenn es für ihre Tätigkeit erforderlich ist. Spiele sind ausdrücklich verboten. Und jeder wird sagen, natürlich darf man während der Arbeit nicht auf dem Computer spielen.
    Aber, ist das realistisch? Nur, wer hält sich daran?  Denn wir bekommen immer mehr Standby-Arbeitsplätze. Das beste Beispiel ist die hoch bezahlte Berufsgruppe der Piloten. Das sind Spitzenverdiener und Leute mit einem harten Job. Wechselnde Arbeitszeiten, Nachtdienste, Klima-Wechsel usw.
    Nur hat man mir berichtet, dass der Pilot auf einem Langstreckenflugzeug von z.B. 8 Stunden nur zwei mal 5 Minuten etwas zu tun hat. Was macht man in solcher einer grausamen Situation? Saufen? Das darf man auch nicht. Also bleibt nur Spielen.
    Ich erinnere mich auch gerne an Messen, auf denen das gelangweilte Standpersonal auf allen neuen PC’s Solitär spielte – und ich gestehe hier, dass ich auch mal Solitär-süchtig war. Nicht wegen der Spielesucht, das kann jedem passieren. Sondern weil dieses Spiel wahrscheinlich erst Windows zum großen Durchbruch verholfen hat. Die gute Nachricht ist wieder:
    Computer (digitale System ) spielen nicht! Sondern konzentrieren sich auf ihre Arbeit!

Insofern sollten wir zuerst mal die Digitalisierung richtig machen, um das Leben gesünder und sicherer zu machen.

Nur – die Autos der Zukunft sollen sich jetzt mit solchen Problemen beschäftigen und sie per Programm lösen – zumindest in Gedanken einer Ethik-Kommission. Und zum BEispiel entscheiden, welchen Radfahrer sie überfahren sollen, wenn sie situativ (Gedankenexperiment!) keine andere Wahl haben als einen von beiden zu überfahren. Wir nehmen mal an: Der/die eine Radler*In ist ein Mann und trägt keinen Helm. Die andere ist eine Frau, die brav einen Helm trägt. Soll das System jetzt entscheiden, die Frau zu überfahren, weil sie – mit Helm – die besseren Überlebenschancen hat? Oder den Mann, zur Strafe weil er keinen Helm trägt? Oder aufs Geschlecht oder Alter schauen. Oder auf die soziale Verantwortung, die die beiden haben …

Ich halte das für Unsinn. So halte ich von der Dobrindt’schen Ethik-Kommission nichts. Wahrscheinlich ist sie eh nur ein kleines Mosaik-Steinchen im Wahlkampf zur nächsten Bundestags-Wahl, mit dem die große Koalition zeigen will, welche wichtige Themen sie – weltweit als einzige Administration wie wohl auch beim Datenschutz – so mutig und umsichtig angeht und so eine besonders verantwortungsvolle Position im Rahmen der Digitalisierung einnimmt. Auch wenn diese Position den Realitäten der Zeit beliebig fern ist.

Wie hat mal einer gesagt: Alle Politiker sprechen vom digitalen Wandel und werfen mit Begriffen wie block chain und big data um sich. Sie wissen aber nicht, was das ist! Wie sie auch Reformen wollen, aber keine Veränderung (Reform ist gewaltfreie Veränderung). Und Innovation wird gefordert, aber bloß keine Zerstörung. Nur: Innovation ist halt kreative Zerstörung. Ich habe immer den Verdacht, dass wenn Politiker die Geschichten von Bloggern und Blogs hören, sie heimlich an den Blockwart, der aufpasst, dass nichts passiert.

Wenn, dann würde ich mir eine Ethik-Kommision im Ministerium von Frau van der Leyen wünschen, die mal bewertet, wie ethisch vertretbar der Einsatz von Kampf-Drohnen und –Robotern zum Beispiel zum freien Töten von Menschen ist. Auch das Problem, dass im Internet wohl das Motto gilt „The winner takes it all“ und ob es sein darf, dass irgendwann mal Konzerne wie Google das Alphabet der Welt bestimmen werden könnte mal eine Ethik-Kommission beschäftigen, gerne im Wirtschafts- und Sozialministerium.

RMD

P1070216Wir leben ja im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes. Das erlebe ich besonders intensiv, wenn ich höre, was selbst ernannte Propheten zum Thema Digitalisierung so alles herum spekulieren. Wie viel Unsinn da dabei ist. Dann muss ich auch noch feststellen, wie viele auf den Zug aufspringen und das Gehörte oder Gelesene unkritisch nach plärren. Und so Ängste an falschen Stellen schüren, die von den wahren Bedrohungen nur ablenken. Und erstaunlich wer da alles immer so dabei ist.

Ich persönlich betrachte den „digitalen Wandel“ nur als schlichte Fortsetzung der durch Technik bedingten Veränderung im Zeitalter der kompletten Elektrifizierung des Planeten (oder so). Da ich ihn erlebt und selber mit gemacht habe, versuche ich dem oft von einzelnen geäußerten und von vielen nachgeplapperten Blödsinn entgegen zu treten.

Zum Beispiel ist für mich ein „fahrerloses“ Fahrzeug, sei es ein LKW, Bus oder Auto z.B. nichts anderes als technologischer Fortschritt, bei dem Eisen durch IT ersetzt wird. Die neuen Fahrzeuge brauchen halt keine Schienen mehr, sondern nutzen IT um auch ohne Fahrer an ihr jetzt variables Ziel zu finden. Das ist kein Hexenwerk sondern nur schlichte Ingenieursarbeit.

Ein harmloses Beispiel für Panikmache ist in meiner Bewertung auch die so viel zitierte „Filterblase“. Immer mehr Leute behaupten in Sonntagsreden, dass hier eine große Gefahr droht und wir „von Algorithmen“ manipuliert werden. Ich mache es mir einfach und kopiere einen Text aus dem dazugehörigen <a href=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216.jpg“><img class=“alignleft size-medium wp-image-52015″ src=“http://if-blog.de/wp-content/uploads/2015/06/P1070216-300×208.jpg“ alt=“P1070216″ width=“300″ height=“208″ /></a> in Wikipedia (Stand heute – 27. Oktober 2016).


Die Filterblase (englisch filter bubble) oder Informationsblase (englisch informational bubble) ist ein Begriff, der vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch[1] verwendet wird. Laut Pariser entstehe die Filterblase, weil Webseiten versuchen, algorithmisch vorauszusagen, welche Informationen der Benutzer auffinden möchte – dies basierend auf den verfügbaren Informationen über den Benutzer (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten). Daraus resultiere eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen.


Nur – das ist doch nichts Neues!

So habe ich von Kindes an in meiner „Filterblase“ gelebt. Kaum konnte ich lesen, habe ich (zuerst in der katholischen Pfarr- und später in der öffentlichen) Bücherei mir genau die Bücher ausgewählt, die nach kurzer Leseprobe meinem WEIB (Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse) entsprochen haben.

Als Zeitungsleser habe ich schnell die SZ dem Münchner Merkur bevorzugt. Später habe ich gelernt, dass die Zeitungen versuchen genau das zu schreiben, was ihre Leser lesen wollen …

Als Jugendlicher ging ich zu den Treffen der „republikanischen Clubs“ und nicht zur jungen Union und zu den Burschenschaften.

Aufgrund meiner Beschränktheit habe ich mich so selber in meine „Blase“ rein gebracht. Damals hat mich das Radio aus dieser raus geholt. Da kam zum Beispiel an Silvester die Lach&Schieß und hat mich auf völlig neue Gedanken und Meinungen gebracht.

Aus dem Radio als „öffentlichem Rundfunk“ ist das Internet geworden. Ich kommuniziere mit anderen Menschen, lese deren Blogs und höre ab und zu sogar deren PodCasts. Ich bin da ein wenig altmodisch und lese noch, weil  ich nicht immer nur mit Kopfhörern herumlaufen mag. Aber auch mein Verhalten wird die Zukunft nicht beeinflussen. So wird „Audio“ im Wissenstransfer und Meinungsaustauch sicher gegen die „Verschriftung von Information“ gewinnen.

So erlebe ich viel Neues und Neuartiges im Netz. Denn das Internet besteht eben nicht nur aus Google und Facebook sondern vor allem aus den Menschen, die ihre Bewertungen und ihr Leben bloggen und podcasten und mich mit vielen Gedanken versorgen, die in der Tat häufig meine Vorurteile widerlegen und mich zu Toleranz ermahnen. Und so lerne ich, Respekt und Wertschätzung für Meinungen und Menschen zu gewinnen, die ich früher einfach so abgelehnt hätte.

Meine Freunde machen es genauso. In dieser „Bubble“ fühle ich ich sehr wohl. Auf die Algorithmen scheiße ich. Und sehe da auch nicht die große Gefahr. Oft habe ich den Eindruck, dass das Internet als neuer „Buhmann“ von der massiven Manipulation durch Werbung und Lobbyismus ablenken soll. Weil es tatsächlich freier und autonomer macht und so den herrschenden Strukturen und Systemen gefährlich wird. Deshalb wird auch von diesen die Freiheit des Internets nicht so gerne gesehen und so die Einschränkung von Freiheit im Netz mit allen Argumenten begründet – und mögen sie auch noch so dümmlich sein.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 7. Oktober 2016

DAMIT ICH MICH BESSER FRESSEN KANN

Ein Computergigant kannibalisiert sich selbst und wirft dabei so ganz nebenher die führende Rechnerarchitektur auf den Komposthaufen der „Community“.

Das ist das, was sich als Zusammenfassung vom „Linux on Power Anwendertag 2016“ aus dem IBM – Labor in Böblingen mitgenommen habe.

Ach ja, und Menschen „50+“ sind in der „IT“ deplaziert.
Wurde mir mehrfach klar gesagt.
Vielleicht, weil sie wissen, was sie tun?   Und vor allem: Was sie besser seinlassen?

Dies ist jetzt wieder einmal ein unsachlicher, fachlich sehr spezieller Bericht, er wird bestimmt lang und von geringem allgemeinen Interesse sein. Wer nicht weiß, für was AIX, AS/400 oder MVS stehen: Jetzt wäre es Zeit, hier mit dem Lesen aufzuhören.

Seit 1996 stagniert die INTEL – Welt, nicht, weil die Prozessoren schlecht wären, sondern weil die Architektur buchstäblich an ihrer eigenen Kleingeistigkeit erstickt.

Denn – wie hat das eigentlich angefangen?

Begeben wir uns einmal in die Zeit, als es in der Informationstechnik nur IBM gab und den „BUNCH“, Borroughs, Univac, NCR, Control Data und Honeywell. Der glücklose IBM – CEO sah verschnupft den Erfolg der „Äppel-Computer“, die sich den Anschein gaben, als könnten auch ganz normale Menschen damit umgehen. „Wo ist mein Äppel????“. Sehr eilig baute man im eigenen Hause etwas zusammen, den „Datamaster“.

Dazu vielleicht ein autobiographischer Einschub: Eine Laune des Schicksals hat dazu geführt, daß ich einige Zeit mit der Konstruktion von Scherenhebebühnen befaßt war. Im Zuge dieser Arbeiten wurde ich zu einem Konstruktionsseminar verdonnert. Es wurden dort Teams gebildet, die sich nach Sympathie ergeben hatten. Meines bestand aus Hubtisch- und Kranbauern. Ärgerlicherweise lautete die Aufgabe an uns nicht, „Baut ein Schwerlasthebezeug für einen Güterwaggon“, ein Job, den wir mit Bravour gelöst hätten, sondern, Gipfel der Infamie:
„Baut einen Kinderwagen“.

Was soll ich sagen, wir haben den teuersten, schwersten und unbrauchbarsten Entwurf abgeliefert. Und den scheußlichsten, denn er sah aus wie eine Hebebühne.

So wie diesen mißratenen Kinderwagen muß man sich den IBM „Datamaster“ vorstellen. Wenn Mainframe-Bauer PCs bauen sollen, dann kommt ein kleiner Mainframe dabei heraus, aber kein PC.

So kam es, daß der „Datamaster“ desaströs floppte und Akers tobte.

IBM – Mitarbeiter Don Estridge erklärte Akers:
Wenn Sie einen Computer für die Ahnungslosen bauen wollen, dann müssen Sie ihn von Leuten bauen lassen, die garantiert keine Ahnung von Computern haben„.

Das war sein Verhängnis: Mit 11 weiteren Flaschen, die in der Entwicklung entbehrlich waren, wurde er buchstäblich in die Wüste geschickt, wo er den „Personal Computer“ bauen sollte.

Der IBM – PC. Er war so erbärmlich, wie er aussah.

Dieses jenseits jeder Schamgrenze zusammengefrickelte Stück Sondermüll fackelte schon bei der internen Präsentation ab – nicht umsonst nannte man dessen Macher IBM – intern „Das dreckige Dutzend“. Aber warum auch immer:

IBM brachte das Mistding auf den Markt und weil alles, was IBM vorgab, zu jener Zeit sofort zum „Industriestandard“ avancierte, war eine Seuche geboren, die schlimmer war als AIDS, Ebola und Islamismus zusammen.

Aber auch Akers hatte sich selbst keinen Gefallen damit getan, denn die unbeabsichtigte Etablierung eines „Standards“ etablierte vor allem eines: Konkurrenz. Infolge einer fatalen Verkettung unglücklichster Umstände (ein IBM – Berater wollte am Wochenende in Ruhe angeln gehen, anstatt in Armonk eine wüste Folienschlacht über sich ergehen zu lassen) wurden Paul Allen und William H. Gates mit der Aufgabe betraut, ein Betriebssystem für diese Krätze zu bauen.

Das hatten sie nicht — aber warum auch, wenn man eines klauen konnte?

So wurde aus CP/M im Magenumdrehen „MS-DOS“, welches in seiner unausgegorenen Primitivität und desaströser Konzeptlosigkeit perfekt zur elenden Hardware paßte.

Die Folgen sind bekannt:

Bei Landfahrzeugen besteht aus gutem Grund eine starke Diversifizierung: Wir sehen täglich Bagger, Tieflader, Sattelschlepper, Motorräder, Cabriolets, Reisebusse, Fahrräder, Lokomotiven und Rennwagen. Kein Mensch käme auf die Idee, mit dem Möbelwagen in die Stadt zum Eisessen zu fahren oder mit dem Motorrad einen Umzug zu unternehmen.

Wirklich kein Mensch?

Der gemeine PC-Trendlemming war so dämlich. Und ist es heute noch. Selbst aktuelle Intel-„Server“ booten noch mit „DOS“. Und wer das nicht glaubt, der werfe eine Suchmaschine seiner Wahl an und finde heraus, wie PXE funktioniert, was ein „C/H/S-Interface“ ist und ein „A20-Gate“.

Jedermann kann nachvollziehen: Aus einem „Trabant“ macht man keinen Sportwagen und keinen LKW.

In der Informationstechnologie jedoch ist dies „Best Practice“.

Es gibt heute nur noch den vielfältig aufgebohrten „IBM PC“ in unterschiedlichen Metastasierungen.

DEC, SUN, HP und IBM hoben sich lange Zeit ab von dem billigen Tand und bauten tolle Prozessoren, SUN die „SPARC“, HP sein PA-RISC, DEC seinen legendären „Alpha“ und IBM unter anderem POWER.

Und diese Firmen hatten für ihre Kunden auch ernstzunehmende Betriebssysteme entwickelt, MVS, Solaris, VMS, AIX, OS/400…

Betriebssysteme, Prozessoren, Hauptspeicher und externer Speicher wurden individuell und nach Anforderung im Rahmen einer qualifizierten Ingenieursarbeit zu einem System zusammengestellt.

PCs und leider auch sogenannte „Intel-Server“ dagegen wurden und werden völlig sinnfrei von gegelten Trieftollen-Salesguys zusammengestellt. Einzige, dafür aber zwingende Anforderung an das Flachpersonal: Garantierte Ungetrübtheit von jeder Art Bildung oder gar technischem Sachverstand.

Mir war diese Entwicklung zunächst gar nicht so unrecht:

Ich fand es gut, daß sich „meine“ Server von den Billigbüchsen unterschieden, die Stabilität und die durchdachten Details der Betriebssysteme gefielen mir, mein Beruf war angesehen.

Bezahlt wurde auch recht gut.
Der Name IBM stand für Zuverlässigkeit, Qualität und Leistungsfähigkeit.

Irgendwann wollte oder mußte IBM Kosten senken.
Und da hatte man tolle Ideen:

  • Die für etwa 20 Milliarden entwickelte „Next Generation Platform“ wickelte man über eine Beerdigungsfirma ab, denn „eigene Hardware ist zu teuer“.
  • Die eigene Chipfertigung wurde verkauft.
  • Das für die eigenen, professionellen Systeme optimierte AIX, seit gut 25 Jahren stabil, robust, sicher, skalierbar und leistungsfähig, soll durch „Linux“ ersetzt werden, einen billigen Unix-Abklatsch: Technologie von gestern mit den Konzepten von vorgestern. Aber alle finden es ja soooooo toll.
  • Und auch die kommerziellen Systeme sollen durch Linux ersetzt werden: „One Size Fits All“.

Mir ist es ja egal, was IBM verzapft (wenn’s ‚mal so wäre…), es wird, solange ich lebe, immer Kunden geben, die meine Arbeit zu schätzen wissen – den Massenmarkt habe ich nie bedient.

Aber dennoch packt mich das blanke Entsetzen, wenn ich dann doch einmal an einer IBM – Konferenz teilnehme — und damit sind wir gnadenlos in der Gegenwart.

„Sie wollen eine gute Jazztrompete? Hier, nehmen Sie doch unsere neue Kirmeströte“

SAP läuft seit Jahren stabil und hochverfügbar auf „großen Eisen“.
Nun bietet IBM an:

„SAP hat jetzt seine eigene Datenbank, ‚HANA‘. Die laßt Ihr, in einer Wirrtualisierungsinstanz, auf unseren Servern laufen. Und zwar nicht unter AIX, das könnte ja unter Umständen die Performanceeinbuße durch die Wirrtualisierung kompensieren, sondern nehmt ein LINUX, und zwar nicht irgendeines, sondern das scheußlichste, war wir auftreiben konnten: ‚SuSE‘, von Experten gern und mit guten Gründen als ‚Nürnberger Windows‘ bezeichnet“.

Blöd bloß: Die Wirrtualisierungsinstanz heißt „Power VM“ und ist nichts anderes als ein „erweitertes“ AIX 6.1, und die Applikationsserver selbst laufen ebenfalls unter AIX.

Da müßte ich ja schön blöd sein, einem Kunden ein solches Kuckucksei ins Nest zu setzen. Zumal bekannt ist: IBM ist nicht gerade sattelfest im Thema „Linux“:

„Crisis? What Crisis?“

In einem leider viel zu kurz geratenen Vortrag erläutert ein Universitätsprofessor, welcher am „Hasso Flachmann – Institut“ lehrt, daß IBMs Linux – Implementation noch lange nicht „fertig“ ist:

  • die „Hardware Management Console“ ist nicht nur ein elender Stromfresser und Produktivitätskiller, sondern „optimiert“ auch ungewollt den Prozessor/Storage – Pool kaputt.
  • Gut, das weiß man als IBMer und kennt auch Methoden, dieses Schandmal zu meiden.
  • Gerade bei vielen Nodes ist die NUMA sehr schlecht implementiert.
  • Ab und zu bleibt auch schon mal das Gesamtsystem unmotiviert stehen.
  • Der „gcc“-Compiler mit dem ppc-backend erzeugt alles andere als optimalen Code. Hier hätte IBM die Chance gehabt, einmal richtig zu helfen. Stattdessen pinselten sie in San Francisco überall „Love, Peace & Linux“ auf die Bürgersteige. Die Stadt war ’not amused‘ und IBM mußte die häßlichen Pinguine wieder entfernen.   Wer’s nicht glaubt:

Der Professor unterdessen wollte gnädig sein und hat auf Benchmarks, die beispielsweise einen prolligen „Dell“ und einen teuren „IBM POWER Server“ unter Linux miteinander vergleichen, verzichtet.

Freimütig konstatierte er jedoch, daß unter AIX sowohl NUMA als auch Compiler und überhaupt das Gesamtsystem aus Scheduler, Device Drivern und Libs perfekt aufeinander abgestimmt seien.

Das entspricht auch meiner „Hands-on Experience“ (es wurde durchweg ‚denglisch‘ gesprochen, einer degenerativen Variante des ‚modern Esperanto‘):
Bei gleichem Workload und vergleichbarer Maschinenleistung erzielt man mit „Linux auf Intel“ 100 %, mit „Linux auf Power“ 75 % und mit „AIX auf Power“ 200 %.

Aber: Der Prof führt sinngemäß aus, „Ja, in den Neunzigern konnte AIX seine Überlegenheit voll ausspielen, aber heute kennt es nur die Generation „50+“. Und außerdem hat es nicht diese vielen tollen „Tools“ aus der „Community“.

An der Pforte hatte ich in der Frühe meinen Morgenstern, das Wurfmesserset sowie die Tüte mit faulen Eiern abgeben müssen, wirklich wirksame Argumente standen mir daher nicht zur Verfügung.

Aber einen Zwischenruf mußte ich dann doch loswerden, „mit den Linux-Tools löst man dann die Probleme, die man unter AIX gar nicht hätte – weil es einfach läuft“.

Denn: Ein Betriebssystem ist für mich eine Infrastruktur – und kein Spielzeug. Mein Job ist es, Ideen auf dieser Plattform umzusetzen – und nicht, daran herumzubasteln.

Aber der Prof und die IBMer befinden:
„Die Welt spricht nun einmal Linux“.

Im Gleichschritt marsch …

Die Krönung setzt ein junger Mann von der „Sedativ GmbH“ auf, der, anstatt für einen Neppshop ein AIX mit einer ordentlichen Datenbank einzusetzen, PostgrSQL unter Linux verwendet. Er erzählt, „wir mußten POWER8 nehmen, denn die kann man auf ‚little endian‘ umstellen.

Auf meine Frage, „Warum nicht ‚big endian‘ , so daß die Lösung auch auf den (massiv im Einsatz befindlichen und immer noch verkauften) POWER7 – Modellen zum Einsatz kommen könnte“, meinte er, „wir wollten das Debian (die Linux-Distribution) nicht neu kompilieren“. Auf meinen Einwand, „die gibt es seit Jahren fix und fertig in der aktuellen Version zum Download“, ließ er dann doch die Katze aus dem Sack:

„Das, was Sie vorschlagen, ist halt ‚the road less taken'“.

Da weiß ich dann nicht, ob ich lachen, laut aufschreien oder heulen soll. Esst Scheiße — zehn Millionen Fliegen können sich nicht irren, oder, in Anlehnung an Robert Long:

Die Server krachen überall
und bald kommt es zum großen Knall,
man müßte schleunigst etwas unternehmen,
sonst werden wir erdrückt von den Problemen.
Doch statt daß die Vernunft regiert
wird fleißig weiter missioniert,
man watschelt gern mit Tux und Gott
zum Abgrund hin im Gänsetrott.
Linus führt, Linus führt,
dahin, wo man selig wird,
Linus führt, Linus führt,
den, dem es gebührt …
Es ist nun einmal, wie es ist,
der Mensch glaubt gerne jeden Mist,
Wer vorher blöd genug für Win,
der macht jetzt „profihaft“ in Lin.

Da nimmt es dann nicht wunder, daß die „Sedativ GmbH“ sich auch beim „Design“ der verkorksten Linux-Lösung für die Stadt München vom Prinzip der ‚road more taken‘ offensichtlich hat leiten lassen — mit dem bekannten Ergebnis.

Das Nachbauen von Microsoft – Strukturen zieht halt Microsoft – Probleme nach sich — damit konnte wirklich niemand rechnen!

Und — zum Thema „Welcher Weg ist meiner?“ hatte Robert Frost eine andere Vorstellung, und zwar schon in den 50er Jahren:

„The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood, and I,
I took the one less traveled by,
and that made all the difference.“

Zwischendurch zur Klarstellung:

Niemand will die bahnbrechende Leistung der IBM bei der Entwicklung der POWER – Architektur schmälern, ganz im Gegenteil!
Bloß, um beim Beispiel mit der guten Jazztrompete zu bleiben:
Wenn nur der ‚dumme August‘ hineinbläst, dann kann man auch bei der Kirmeströte aus Plastik bleiben.

Braucht jemand also eine Linux-Serverfarm, dann bestelle er sich ein Rack voller Dell-Pizzaschachteln. Die passen dann auch vom billigen Aussehen her perfekt zu Linux.

In der Welt der Verschwörer

Nun referiert ein Mitarbeiter der Firma Klo Lab.
Was mir gefällt: Die nehmen nicht den bestehenden Systemen die Workloads weg, sondern portieren Anwendungen weg von Windows, und das ist grundsätzlich begrüßenswert.

Aber: Das Produkt ist in Zusammenarbeit mit dem „BSI“ entwickelt worden. Das, was ich von dort mitbekommen mußte, taugte nie etwas.
Dann der Hinweis auf den eingebauten Mailserver der Firma „cyrix“: Den habe ich nicht in stabilster Erinnerung.
Dennoch: Es ist dringend notwendig, die grottenschlechten „Exchange“-„Server“ nachhaltig zu vernichten. Einschließlich des „Office“ – Sondermülls. Da gewinnt ein solches Produkt auf der POWER – Plattform gehörig an Relevanz.

Der Referent ist gut, aber so einige Behauptungen sind lustig:
Bei Intel-Prozessoren gebe es Extra-Instruktionen für „Google“ und die Asozialen-Schlammsuhle „facebook“. Das wäre ja einmal etwas: Wenn, wegen des fehlenden Spezial-Opcodes von INTEL, ich mit einem Power – Rechner nie wieder ein Bild der Visage des Herrn Zuckerberg zu Gesicht bekäme, dann wäre das ein ungeheurer Vorteil.
Auch, wenn der Referent sich alle Mühe gibt, tiefergehende Sachkenntnis zu verbergen: Einen Assembler – Programmierer erkenne ich, wenn ich ihn sehe. Da wäre ganz klar mehr gegangen.
Aber IBM hat für das komplexe Thema gerade einmal 20 (!) Minuten Zeit eingeplant. Ich wollte bei dem gedrängten Programm nicht schon wieder durch Zwischenrufe und Fragen auffällig werden, aber es juckte mir schon in den Fingern, einmal zu fragen, wieso für den Referenten die POWER – Architektur erst jetzt an Relevanz gewinnt. Daß der „x86“ so ziemlich die hinterletzte Küchenschabe ist, wurde von keinem sachkundigen Menschen jemals auch nur diskutiert. Man vergleiche 8080 mit 6502, 80286 mit 68000 und so weiter, und so fort. Im Vergleich zur POWER – Architektur geriert sich Intel wie die elektronische Multimedia-Orgel eines schmierigen Alleinunterhalters neben einem ausgewachsenen Bösendorfer – Flügel. Das muß doch einem denkenden, neugierigen Menschen, der eine schweizerische Hochschule besucht hat, ins Bewußtsein springen?

Im Rahmen des Ultrakurzvortrags habe ich ungefähr 127 Mal die Phrase von der „Freien Software“ gehört, das geht mir seit Jahren auf den Senkel, weil es etwas hat von „Wir sind die Guten“.
„Proprietäre Software“ heißt doch zunächst einmal nichts anderes, daß sich jemand darum kümmert! „Ökosysteme“ sind mir nicht erst seit Claudia Roth verhaßt. Es muß nicht jeder überall dran ‚rumfummeln, ich sage nur „Ralf Seggelmann“, „Telekom“ und „Heartbleed“. Oder darf ich noch auf das desolate Xorg hinweisen?  Früher hatte man gewitzelt, „Ah, it compiles! Let’s ship it!“.
Ein Xorg zerlegt sich schon beim imake.

Trotz aller Meckerei: Mit einer Alternative zur gängigen Kollabierungsware von Microsoft wird man sich auseinandersetzen müssen.

Danach stellen zwei Referenten eine weitere „Lösung“ vor, „Skalix“.

Hier zeigte sich:  Man kann auch noch einen 20-Minuten – Vortrag noch verkürzen, indem man 10 davon mit substanzlosen Unternehmensdarstellungen verplempert.  Da wäre mir ein „gespielter Witz“ lieber gewesen.
Außerdem benutzt das Produkt „JAVA“ und „MySQL“.  Wenn dann noch „PHP“ oder ähnlicher Müll dazukommt, dann muß man aufpassen, daß nicht eine „kritische Masse“ erreicht wird, die dann irgendwann als schmutzige Bombe explodiert.

Der Kracher fehlt …

… und sitzt doch im Plenum. Denn, und da sieht die „Komjunity“ vor lauter „Ökosystem“ die Bäume nicht, ein Computer ist kein Daddelspielzeug, sondern ein Werkzeug, mit dem Menschen ihre Fähigkeiten multiplizieren können.

Anstatt krampfhaft zu versuchen, „Schwerlastverkehr“ mit einem Klapproller zu realisieren, könnte man ja zur Abwechslung ja etwas Produktives tun:
Einen Computer als Anwendungsserver verwenden.
Und dazu bietet „Linux on Power“ ganz hervorragende Möglichkeiten:

Auf einem oder mehreren Servern weden Anwendungen installiert, die dann von hunderten oder tausenden von Anwendern über schlanke, energiesparende „Thin Clients“ genutzt werden können — in atemberaubender Geschwindigkeit.

Gleichzeitig gibt es keinen Streß durch zentrales Updatemanagement und man erreicht hohe Sicherheit — denn der typische Viren-Schadcode ist für die INTEL-Amateurcomputer konzipiert und läuft schlicht nicht auf einer POWER-Architektur.

Tja, und nach dieser Methode hätte man in München die Informationstechnologie auf Vordermann bringen können — anstatt jedem Mitarbeiter so einen lächerlichen PC hinzustellen — der heute buchstäblich zum alten Eisen zählt.

Das alles bekommt man mit „X2go“ hin, aber das Thema schien wohl nicht so interessant zu sein. Am Ende nimmt man dem lieben Wettbewerber HP noch ein paar Großkunden ab. Da richten wir doch lieber unser Kerngeschäft zugrunde und vergraulen unsere Stammkunden mit unausgegorenen Produkten.

Potentiale muß man erkennen …

… insbesondere wenn es um die eigenen geht.

Nachdem die Technologie ja angeblich zur Verfügung steht:

Ersetzt das IBM-Management durch „WATSON“ !

-hb