Roland Dürre
Freitag, der 10. Januar 2020

Mein digitaler Alltag.

Alle reden von Digitalisierung. Ich auch.

Ich war schon immer an moderner Technologie interessiert.

Denn ich habe über 50 Jahre dafür gearbeitet. Im Studium als Werkstudent, dann fest angestellt im Werk für Systeme der Siemens AG, später dort beim Vertrieb Sonderprojekte, dann für verschiedene Kunden von Softlab, später als selbstständiger Unternehmer und Unterstützer zahlreicher Startups.

Heute will ich mal prüfen, wie es eigentlich privat bei mir so mit Digitalisierung ausschaut. Dabei lasse ich das Phänomen „smart phone“ und meine diversen Rechner mal außen vor und schau so mehr in den Haushalt und betrachte mein alltägliches Leben.

Der Morgen beginnt mit einer Tasse Kaffee und an einem guten Tag mit einem Frühstücksei. Die Zubereitung von beidem ist mein Job. Die Milch zum Kaffee kommt aus der braunen Glasflasche. Denn die Qualität der Zutaten ist wichtig für einen guten Frühstückskaffee.

So auch die Kaffeemaschine. Ich nutze eine ECM SYNCHRONIKA DUAL BOILER PID. Angeblich so eine Art Mercedes unter den „Zweikreis Siebträgern“. Sie ist kein Vollautomat, an ihr findet sich auch nichts digitales. Sie ist so analog wie die Kaffeetasse.

Gelegentlich gibt es ein Ei zum Frühstück. Dann darf der alte elektrische Eierkocher von Siemens aus dem Schrank raus. Der seit bald 50 Jahren seinen Dienst brav verrichtet. Auch null digital.

Nach dem Morgen-Kaffee radele ich im Sommer zum Schwimmen nach Unterhaching. Da der Weg dorthin kurz ist, nehme ich nicht das elektrische Fahrrad, sondern ein ganz normales mechanisches. An dem ist auch nichts digital.

Beim Eingang ins Freibad habe ich meinen ersten Tageskontakt mit der digitalen Welt. Da muss ich meinen SAISONBADEKARTE im Scheckkartenformat an einen Leser halten (immerhin kontaktlos). Früher hatte ich eine Saisonkarte mit Foto, die ich der freundlichen Dame am Eingang herzeigen musste und die mir einen freundlichen Gruß bescherte.

Leider wurde diese Funktion nicht durch eine moderne Anwendung im Sinne von eGovernment fürs Smartphone erzeugt, so brauche ich weiter eine eigene Karte. Und muss diese jedes Jahr beim Amt persönlich verlängern lassen.

Zumindest gibt es  jetzt einen eigenen Eingang für Dauerkartennutzer, der (fast) immer staufrei ist. Der ist gleich neben der Kasse, so dass die persönliche Begrüßung weiter stattfindet.

Im Winter gehe ich ins Hallenbad in Ottobrunn, ins Phoenix. Da gibt es Coins. Die heißen wirklich so. Eine Coin enthält am Anfang 11 Zugänge (zum Preis für 10), zum Beispiel zum Frühschwimmen. Die „Coin“ macht den Eingang automatisiert möglich und dient auch zum Verriegeln des genutzten Kleiderschrank. Leider funktioniert das System nicht ganz so zuverlässig wie früher die Münzschränke.

Nach dem Schwimmen in Unterhaching besuche ich ab und zu die Kollegen bei der InterFace. Meine Schlüssel geht nicht mehr, denn die haben jetzt Dongles. Das sind Plastikteile mit Elektronik drin und einem Druckknopf. Hinhalten und zweimal draufdrücken, so geht das „Sesam Öffne Dich“. Noch ein Teil wollte ich dann doch nicht mehr haben. Also muss ich dort klingeln

Wenn ich mit der S-Bahn fahre, dann nutze ich Streifenkarten. Die stempel ich ganz mechanisch ab. Nur die Reisen mit der Bahn lade ich mir aufs Handy. Weil ich meine Reisen zu Hause in Ruhe planen und im Preis-Dschungel der DB die besten Preise finden will. Wobei beides für manche Bahnnutzung nicht möglich ist. Zum Beispiel muss ich bei der Fahrradreservierung für den EC (Eurocity) doch wieder an den Fahrkarten-Schalter.

Wenn der Schaffner im Zug mein „Handyticket“ lesen will, dann nutzt er ein digitales Instrument, das aus dem Museum zu kommen scheint. Mit zittriger Hand versucht er dann mit einem Infrarot-Leser den QR-Code auf der Anzeige meines Handys zu lesen. Meistens gelingt ihm das auch nach einiger Zeit.

Also, insgesamt verwöhnt mich das Leben noch nicht so sehr mit digitalen Möglichkeiten. Wobei ich durchaus möchte. Bei einem effizienten Micro-Payment wäre ich sofort dabei. Wobei die Betonung auf effizient liegt.

Unser Heim hat aber schon zwei IoT-Anwendungen!

Für die Solaranlage gibt es eine App, mit der man von überall (wenn man im Internet ist) die Betriebsdaten ablesen kann. Wenn die Anlage also viel Strom produziert, dann weiß ich im Urlaub, dass daheim die Sonne scheint. Das ist dann sehr tröstlich, gerade wenn es am Urlaubsort regnet.

Das geht aber auch anders mit meiner Haus 4.0-Technik. Denn ich habe eine Videoüberwachung installiert. Im alten Haus hatte ich nur eine Attrappe. Da war die recht alte Alarmanlagen sehr störanfällig, deshalb hatte ich sie außer Betrieb genommen. Aber die Lichter weiter blinken lassen.

Beim Umzug ins neue Haus habe ich dann nach einer Atrappe gesucht. Und gelernt, dass sogar schlechte Attrappen teuer sind als ein kleines Stück „digitale Technologie“, das nicht nur bei Tag und Nacht gute Bilder macht, sondern diese für einen längeren Zeitraum speichert und beliebig hin übertragen kann.

Das ist meine zweite IoT-Anwendung im Haushalt. Und die Bilder der Kamera kann ich auch von überall in der Welt sehen. So sehe ich auch, wie das Wetter ist und wenn das Gartentor offensteht. Dann muss ich allerdings zu Hause anrufen und die aktuellen Bewohner bitten, den Knopf zu drücken um das Tor elektrisch zu schließen. Also auch eine noch sehr eingeschränkte IoT-Anwendung.

Viel mehr habe ich nicht zu bieten. Erwähnenswert ist vielleicht meine neueste Errungenschaft – einer dieser genialen Kopfhörer, die den externen Lärm vernichten können. So dass man z.B. auch im Flieger seine Ruhe hat. Der nutzt allerdings Bluetooth, zu Hause an der Stereo-Anlage wie unterwegs am Smart-Phone. Das ist natürlich keine IoT-Vernetzung sondern eine ganz primitive Peer2peer-Verbindung. Aber das Ding hat schon tolle Features.

Vor kurzem war ich im Urlaub. Auf der Hanseatic Inspiration, einem Schiff, das zum Zeitpunkt meiner Reise gerade ein paar Wochen im Einsatz war. Ich habe mich mit dem sehr kompetenten IT-Officer ausgetauscht. Und der har mi erzählt, dass sie praktisch keine IoT-Technologie an Bord hätten. Das hat mich ein wenig getröstet – und überrascht.

Für zu Hause könnte ich mir noch einen Thermo-Mix kaufen. Der kann IoT. Aber so ein Gerät brauche ich halt wirklich nicht. So frage ich mich schon: Wie soll es bei uns mit Haushalt 4.0  nur vorwärts gehen?

Und meine geliebte Alexa hat die Barbara auch außer Betrieb genommen. So wird das nie was!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 25. Dezember 2019

Frohe Weihnacht!

Prolog:
Weil Weihnachten gleich wieder vorbei ist, veröffentliche ich diesen mir wichtigen Artikel, obwohl er noch unfertig ist. Ich werde die Weihnachtsfeiertage nutzen, ihn perfekter zu machen.


Gestern war Heiligabend. Ich habe vergessen, Weihnachtsgrüsse zu schreiben, weil meine Gedanken im neuen Jahr waren.

Frohe Weihnacht!

Über Zahlen, Ziffern, Unendlichkeit und Null zum Programmieren!

Die beiden sehen doch aus wie zwei Nerds. Nerds mag ich.

Ich bereite sein Tagen (gedanklich seit Wochen und Monaten einen Vortrag zur Digitalisierung vor. Da habe ich festgestellt, wie das Unwissen – nicht nur – über Digitalisierung in den Köpfen der Verantwortlichen ist, die die Gesellschaft organisieren sollen/wollen (genannt Politiker). Das Ignorieren von Fakten scheint auch bei der Digitalisierung vorsätzlich zu sein. Das hat mich erschüttert, weil Digitalisierung wichtig ist.

So unternehme ich zur Jahreswende einen kleinen digitalen Spaziergang und beginne mit den Zahlen.

Ich freue mich auf das Jahr MMXX. Hier  in römischer Notation aufgeschrieben. Einer zwar pfiffigen aber letztendlich sehr unpraktischen Methode, Zahlen zu notieren. Allerdings hat sie zwei Vorteile: Zahlen sind ihr folgend für das menschliche Gehirn einfach zu bauen. Und es ist schwierig, große Zahlen zu notieren. Das ist gut, weil der Mensch große Zahlen eh nicht begreifen kann. Ansonsten hat die gute alte römische Methode nur Nachteile; eine effiziente algorithmische Verarbeitung von Zahlen dürfte mit ihr nicht möglich sein.

À propos große Zahlen – da kommen wir schnell ins UNENDLICHe. Und sind dann auch sofort bei der NULL. Null und endlich habe ich schon als Kind nicht verstanden. Kein Wunder, sie sind ja auch schwer zu begreifen. Vielleicht gibt es beides gar nicht! Ich beschreibe NULL und UNENDLICH, wie ich sie mir vorstelle. Dazu nutze ich in das Dezimalsystem,  das in unserer Kultur herrscht.

UNENDLICH
Ich wähle ein Hilfskonstrukt und starte mit der EINS. Die schreibe ich im dezimalen System als 1,0 auf. Und schiebe jetzt Nullen von rechts über das Komma (oder den Punkt). So dass eine Folge von 1.0 10,0 100,0 1000,0 … entsteht. Damit mache ich EWIG weiter. Und komme so dem UNENDLICH immer ein wenig näher, aber erreiche es nie. Falls das EWIG nicht funktioniert, dann gibt es das UNENDLICH nicht. Die klugen Mathematiker haben deshalb den Begriff des Grenzwerts (limes) genutzt. Unendlich wird als lim ∞ notiert.

Null
Mit der Null machen wir es ähnlich. Wir drehen das 1.0 um und machen 0,1 draus. Und  schieben jetzt die Nullen von links über das Komma (oder den Punkt). So dass eine Folge von 0,1 10,0 100,0 1000,0 … entsteht. Damit mache ich EWIG weiter. Und komme so der NULL immer ein wenig näher, aber erreiche sie nie. Auch hier gilt: Falls das EWIG nicht funktioniert, dann gibt es die NULL nicht. Die Mathematiker nutzen auch hier den Begriff Grenzwert (limes) . Unendlich wird als lim 0 notiert.

Gibt es die NULL und UNENDLICH eigentlich in der Natur? Wie GERADEN,  QUADRATE, KREIS und KUGELN. Alles natürlich in perfekt? Diese Frage, hat mich schon als Kind beschäftigt. Aber wie ich Mathematik studiert habe, habe ich aufgehört drüber nachzudenken.

Wenn wir meine beiden Null-Schiebereien jetzt einem Kreis schalten könnten, kommen wir dann vielleicht sogar bei gekrümmten Raum an. Null und endlich in einem Zahlenband angesiedelt mit sich in verschiedenen Richtungen drehenden Nullen?

Vielleicht hilft ein philosophische Scherzfrage beim erörtern von NULL und UNENDLICH:  Die soll ein Witz sein, an dem Witz  schon Freundschaften zerbrochen sind. Der geht so:

Wie groß ist der Umfang der Insel England.
Die Antwort ist dann

UNENDLICH!
Mit der Begründung:
Man müsse bei jedem weiterem Vermessen des Umfanges nur den Maßstab verkleinern (also immer eine Null von links reinschieben) und der Umfang würde immer länger werden.

Dankt mal drüber nach. Aber denkt an mine Warnung, wenn Ihr den Witz Eurer oder Eurem Liebsten erzählt:

Aber zurück zum Dezimalsystem. Das mag für den Menschen geeignet sein; vermutlich weil er 10 Finger hat. Aber für elektrische Maschinen taugt er nicht! So rechnen wir mit zehn Ziffern
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun}
Wobei die Null vielleicht besser als „Keins“ oder „Nichts“ bezeichnet worden wäre.

Man schreibt Konrad Zuse die bahnbrechende Erkenntnis zu, dass „elektrische Rechenmaschinen nur auf der Basis von binären Zuständen arbeiten können“. Sie verwenden binäre Zahlensystem mit nur 2 Ziffern:
{Null, Eins}.
So wurde im 20. Jahrhundert binäre Zahlensystem und das BIT geboren. Man kann jede Zahl in einem binären wie dezimalen und x-beliebigen beschreiben. In der Mathematik nennt man das einen bijektiven Homomorphismus , der zwischen all den verschiedenen Notationen gültig ist.

Ich persönlich musste mich in meinem Programmierleben neben digital und dezimal auch noch mit dem oktalem und sedezimalen (auch hexasedezimal genannten) System auseinandersetzen:

Im oktalen rechnen wir mit 8 Ziffern:
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun}

Im sedezimalen rechnen wir mit 16 Ziffern und ergänzen die 10 Ziffern und 5 Buchstaben:
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun, A, B, C, D, E, F}

Das lag daran, dass Zahlenfolgen wie folgende für uns Menschen schwer zu lösen sind. Man hat also je nach Hardware Worte mit fester Wortlänge gebildet. Die war sechs oder acht. Die Halbworte wurden Bytes (so hatten diese 3 oder 4 Stellen. Hier im Beispiel an einem „Kette“ (String) von 24 Bits :

100010101100011110101111
(24 Bits in unstrukturierter binärer Anwendung)acht

100 010 101 100 011 110 101 111
(Dieselben 24  Bit für bessere Lesbarkeit in Dreierbytes notiert)

1000 1010 1100 0111 1010 1111
(Dieselben 24  Bit in Viererbytes aufgeschrieben)

42 54 36 57
(Dieselben 24 Bit für bessere Lesbarkeit oktal notiert)

8A C7 AF
(Dieselben 24 Bit sedezimal notiert)

Übungsaufgabe:
Jetzt rechnet mal aus, welchen Wert die 24 Bit in dezimale Schreibweise beschreiben.

Tipp:
Es muss immer derselbe Wert herauskommen.

TI Programmer im Hexadezimal-Modus (erkennbar an den beiden Strichen links im Display) und der Zahl ABCDEF in der Anzeige

Ein kleiner Seitenhieb auf meinen ehemaligen Arbeitgeber Siemens sei mir hier erlaubt. Ich habe in meinem Labor bei WS ST DF 131 an Transdata Rechnern mit einem 6-Bit-Wort-Rechenwerk und an Mainframes (BS1000, BS2000) mit einem 8-Bit-Rechenwerk gearbeitet.

D.h. die Speicherabzüge (Dumps) kamen als oktale oder sedezimale Ausgedrucke. Das Umrechnen der Zahlenwerte zwischen binär, oktal, dezimal und sedezimal war mühsam und zeitaufwändig.

Aber da gab es ein kleines elektronisches Helferlein von Texas Instrument für Programmieren, den TI Programmer. Diese Wundermaschine kostete zirka 650 DM und fraß ganz schön viel teuere Batterien (Akkus hatten damals noch nicht die Kraft). Das war ein Drittel meines Gehalts. Da die Siemens AG ihren Programmieren dieses Gerät nicht als Arbeitswerkzeug zur Verfügung stellte und uns dafür mit Druckbleistiften ausstattete, habe ich ihn mir privat gekauft und wurde so gerade beim Dump-Lesen und Fehlersuchen wesentlich produktiver.

Meine damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau, die Barbara, fand das sicher nicht so toll. Und war mir wohl auch deshalb nicht böse, wie ich ein paar Monate meinen sichern Arbeitsplatz bei Siemens inklusive den zum Teil schon erworbenen Anspruch auf Betriebsrente aufgab. So hat doch wieder alles sein Gutes.

Aber noch ein bisschen „Geschichte des Programmierens“. Algorithmen wurden früher von mechanischen Konstruktionen abgearbeitet. Da der „algorithmische“ Hardware war, die sich nicht verändern konnten, waren diese Automaten immer auf spezifizierte Aufgaben beschränkt.

Auch bei den Programmen, die auf“elektrischen Maschinen“ galt lange die strenge Regel, dass der Programm und Daten streng getrennt werden müssen und um alles in der Welt vermieden werden müsse, dass das Programm verändert. Erst als mutige junge Programmierer zum Ende der 1950iger es wagten, bei Bedarf Teile des Programm zu überschreiben, „öffnete sich die Büchse der Pandora und der universelle Rechner wurde möglich“.

So hat es der leider schon verstorbene Professor F.L .Bauer, bei dem ich 1969 die erste Vorlesung Informatik an der TUM gehört habe, bei seinen Führungen für mich und meine Freunde im Deutschen Museum formuliert.

Zusammengefasst muss man wissen, dass ein jedes Programm letzten Endes nur eine großes Bitmuster ist. Theoretisch also nur eine Zahl. Das in einer Programmiersprache kompliziert beschrieben wird. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass viele Zeilen komplizierten Quellcode mit dem dahinter stehenden noch komplizierteren Überlegungen nur einem einzigen Zweck dienen – eine Zahl zu definieren.

In der Zeit, in der wir HIT/CLOU mit einem Aufwand von „Mann/Frau-Jahrhunderten“ entwickelt haben, haben meine Kollegen oft gescherzt. Wie schön wäre es, wenn man einen Zufallsgenerator hätte, der alle Zahlen generieren könnte und ein System, dass ausprobiert, welche Zahl das perfekte und fehlerfreie Textsystem realisieren würde.

Das ist natürlich unmöglich. Wobei die bitcoin-Leute mit ihrer blockchain ähnlich vorgehen. Sie erstellen den „proof of work“ der der „Versiegelung der Blöcke“ dient, in dem sie Schlüssel, die besonderen Kriterien genügen müssen, würfeln (per Zufall generieren) und austesten, ob einer der Schlüssel zufälliger weise passt. Es dauert natürlich oft sehr lange, bis man mit diesem „Algorithmus“ einen passenden Schlüssel findet. Das Ganze nennen sie „mining“ und verbrauchen dafür den vielen Strom.

Unser Programm, dass große Bitmuster, muss leben und sich im Betrieb dynamisch verändern können, um seinen Zweck zu erfüllen. Das ist auch der Grund, warum es eine hundertprozentige Datensicherheit nicht geben kann. Vielleicht ist das sogar gut so, den IT hat den Zweck, Wissen zu teilen und für Transparenz zu sorgen. Und nicht Wissensmauern auf zubauen.

So geht DSGVO in die völlig falsche Richtung. Sie erhöht die Aufwände und bremst technologische Entwicklungen.

Heute ist die IT zum Büttel der Überwacher und „Geheimhalter“ geworden. Die DGSVO macht die Geheimhaltung zum Gesetz und bestraft Verstöße mehrfach strenger als Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz.

Sie schützt uns aber nicht vor der Überwachung durch staatliche Instanzen. Im Gegenteil die sind bei uns mittlerweile verpflichtend. Auf meiner Südamerika-Reise kurz vor Weihnachten habe ich gelernt, wie schnell eine Demokratie abrutschen kann. Und das uns das nicht mehr passieren kann, beruht auf Nichtwissen und dummer Arroganz.

Das Internet ist das wertvollste Werkzeug der Menschheit. Wenn unsere Probleme überhaupt noch lösbar sind – auf Grund meines Erlebten, Erfahrenen und Erlernten bin ich da sehr skeptisch – dann wird uns das nur mit klugem Einsatz aller unserer Möglichkeiten gelingen.

Das zynische Moment beim Datenschutz ist, dass wir halbwegs sichere technische Systeme nur mit konsequenter Transparenz erreichen können, also mit konsequenter Offenlegung aller Quellen, die ja unser Wissen beschreiben (Open Source). Wenn wir aber die Sourcen geheim halten (weil wir den Eigentumsbegriff über persönliche Dinge, Güter der Allmende auf das „geistige“ und Daten ausweiten) dann

Wir aber diskutieren die falschen Themen und implementieren diese in unserer Gesetzen. Und fordern Dinge ein, die gar nicht machbar sind. Dabei behindern wir uns und schwächen uns selber. Es ist wie mit der Schwerkraft. Steine fallen auf unserem Planeten halt von oben nach unten. Das ist halt so. Ein Gesetz zu machen, dass Steine ab jetzt nach oben fallen sollen ist sinnlos.

Wir sollten uns lieber überlegen, wie wir die Demokratie mit Hilfe der Digitalisierung erneuern. Kultur braucht Kommunikation, sozialer Konsens entsteht durch Dialog. Auch die Entwicklung von sozial verantworteten Werten fällt eben nicht vom Himmel.

Werte müssen sich weiterentwickeln. Sie brauchen eine Dynamik. Der Mensch als Krönung der Schöpfung war einmal. Heute könnte es der Respekt vor dem Leben sein – nicht nur des Menschen. Die Welt ist global geworden. Wir können sie – auch aufgrund des technischen Fortschritts – nicht mehr „entglobalisieren“. Und ich glaube, wir wollen das auch gar nicht mehr.

Um eine globale Kultur zu schaffen, braucht es Kommunikation. In einer globalen Welt müssen wir dazu die Zeit-/Raumschwelle überwinden und damit umgehen können, dass wir viel mehr geworden sind.

Eine mittelalterliche Stadt hatte ein paar Tausend Menschen. In der globalen Welt leben Milliarden, allein im kleinen Deutschland zig Millionen und in der im globalen Maßstab eher überschaubaren  Metropolregion München Millionen Menschen.

Das Internet war der Beginn einer Implementierung eines Systems, das lokale und globale Kommunikation ermöglichte. Es kann die gemeinsame Wertebildung, den Finden eines sozialen Konsens und die demokratische Willensbildung reformieren. Dazu bräuchten wir Systeme, die eine sittlich und kollektiv verantwortete Güterabwägung auf Basis crowd-basierter gesellschaftlicher Emergenz unterstützen. So müssen wir es in Freiheit entwickeln und dürfen es nicht kaputt machen.

Vielleicht könnten wir so die Politik endlich „entlobbisieren“, damit die Kriege reduzieren und die Voraussetzungen für eine gemeinsame vernünftige Entscheidungsfindung schaffen!

Am Tag vor Heiligabend war ich auf einem gemeinsamen Werbestand von Den Piraten und Die Partei. Da bin ich fast zwei Stunden hängen geblieben. Die haben meine Vision verstanden. Waren aber alles Typen die auch gemeinsam im neuen Jahr zum CCC fahren. Wie schaffe ich es, dass mich andere Gruppen auch verstehen.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 8. Juni 2019

Once again, with feeling ?

An und für sich ist der Verlag Heinz Heise ein sympathisches Haus mit kompetenten Autoren.

Früher war mir das Haus sympathischer, als es noch „elrad“ verlegte, eine wirklich tolle Elektronikzeitschrift, die den Spagat schaffte, sowohl für (im postitiven Sinne als ‚Liebhaber‘ gemeint) Amateure als auch für professionelle Entwickler etwas zu bieten.  Abgerundet wurde dies durch wiederkehrende Grundlagenthemen, beispielsweise über das CD – System.

Dabei verstand sich Heise gerne auch als Kritiker der Industrie und war wohl auch der Todesstoß für manche „High End“ – Audio – Neppbude.

Mittlerweile hat man sich der „normativen Kraft des Faktischen“ gebeugt.   Trotzdem staunt man nicht schlecht, wenn man liest:

Trojaner-Befall: Emotet bei Heise :

Was war passiert ?

Eine Mitarbeiterin hatte auf einen „Link“ geklickt, der verdächtig aussah wie eine Geschäftsmail.  Sie hatte das offenbar grob fahrlässig mit „Microsoft Outlook“ getan.  Tatsächlich sprangen sogar zwei „Virenscanner“ an, aber die IT-Administration machte den nächsten grob fahrlässigen Fehler:  Sie vertraute auf die vielfach beworbene „Reinigungskraft“ der „Antivirensoftware“.  In der Folge passierte das, was seriöse IT-Sicherheitsexperten seit Jahren ebenso gebetsmühlenartig wie vergeblich predigen :

  • „Antivirensoftware“ ist so zuverlässig wie Homöopathie.
  • Es hilft auch nicht, Mitarbeiterinnen zu schulen.

Man muß das auch nicht mehr begründen.   Da kann ich ja gleich mit eine/r Grün*IN diskutieren.

Wohl, weil Felix von Leitner diese Meldung als langweilig empfindet, legt er sich m.E. diesmal nicht so ins Zeug wie sonst:

  • Ein Browser, bei dem man nicht auf alle Links draufklicken darf, weil einem sonst das System von Ransomware übernommen wird, ist nicht akzeptabel.
  • Eine Arbeitsumgebung, bei dem man keine Dokumente öffnen darf, die einem zugeschickt werden, ist nicht akzeptabel.

So ist es.   Aber man sollte die Konsequenz daraus laut aussprechen dürfen:   Keine unübersichtliche Software – Monokultur verwenden, nur weil die Nutzer „Komfort“ genießen wollen.   Auf gar, gar keinen Fall „Microsoft Office“.

Aber es kommt ja deutlich schlimmer:

Wer nicht ernsthaft die Möglichkeit in Betracht zieht, daß eine Komponente eines Systems kompromittiert wird und diesem Umstand im Rahmen eines soliden IT-Konzeptes Rechnung trägt, den kann man nur als erbärmlichen Idioten bezeichnen.  Oder als BSI-Jünger, was freilich auf das gleiche hinausläuft (das „BSI“ erklärte quasi ex cathedra den Betrieb von „Windows“ für sicher, versagte aber schon beim simplen „Bundestags-Hack“).   Jeder billige Kleinkompressor hat ein Betriebs- und ein Sicherheitsventil.   Jede Dampflok, und sei sie noch so alt, hat Sicherheitsventile, Schmelzpfropfen, Schaugläser und, verpflichtend, zwei unabhängige Kesseleinspritzpumpen.  Vor hundert Jahren war den Ingenieuren klar:  „Fehler werden passieren, deswegen müssen wir Mittel bereitstellen und Maßnahmen erdenken, um auf den Fall eines Falles vorbereitet zu sein“.   Lokomotiven ohne diese und viele andere Sicherheitsvorrichtungen dürfen schlicht und ergreifend nicht aufs Gleis.   Und im Gegensatz zum albernen „BSI“ verfügt das „EBA“, das Eisenbahn-Bundesamt, über hochkompetente Fachleute.

Wenn ein Unternehmen sich eine komplexe Umgebung gebaut hat, die es nicht mehr beherrschen kann und die erwiesenermaßen im Fehlerfall unkrontrollierbar ist, dann ist es unwiderruflich an der Zeit, daß diese Umgebung radikal erneuert werden muß.

Aber sehen wir uns doch einmal an, wie es beim Verlag Heinz Heise weitgerging:

Zumindest ein Teil dieser Infektionen erfolgte über Credentials eines Domänen-Administrators. Über diese richtete Emotet auf dem Zielrechner einen neuen Dienst ein. Wie Emotet an diese Credentials kam, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Log-Dateien dokumentieren zwar übermäßig viele fehlgeschlagene Anmeldeversuche durch eine Brute-Force-Attacke auf das Passwort. Angesichts dessen Stärke erscheint es jedoch wahrscheinlicher, dass Emotet die Domain-Admin-Credentials etwa aus dem RAM eines infizierten Systems abgezogen hat.

[…]

Die Admins haben sich entschieden, ein komplett neues Netz mit neu aufgesetzten Rechnern und einem neuen Active Directory hochzuziehen. Dabei werden auch gleich neue, verschärfte Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, die eine vergleichbare Eskalation zukünftig unterbinden oder doch deutlich erschweren sollen.

Heißt übersetzt:   „Völlig überraschend haben wir festgestellt, daß die Gruppe von Trickdieben und Päderasten, die im Rahmen des offenen Strafvollzugs im Kindergarten arbeiteten, dort Gelder veruntreut und Kinder unsittlich berührt haben !   Aber unser Team hat alles im Griff und wendet drastische Maßnahmen an:   Die Gruppe betreut jetzt einen anderen Kindergarten, und mit speziellen Sicherheitsmaßnahmen, noch härter als die alten, werden die Mitarbeiterinnen geschult, die gesammelten Gelder für die Ausflugskasse jetzt nicht mehr in einer Kaffeetasse, sondern im Schrank aufzubewahren.

 

Wie heißt es so schön ?

Kluge Menschen können Fehler vorhersehen,

normale Menschen lernen aus den Fehlern anderer,

aber die ganz großen Idioten lernen nicht einmal aus den eigenen Fehlern.

 

-hb

Roland Dürre
Samstag, der 2. März 2019

Zeitenwende: Das Ende der digitalen Welt?

Was passiert, wenn das digitale Zeitalter zu Ende geht?

Im Jahre 2019 habe ich nach einem Jahr Pause wieder am Biike-Camp in Sylt teilgenommen. Das Biike-Camp findet jährlich zeitgleich mit dem auf Sylt traditionellen Biike-Brennen statt. Es ist ein großartiges Treffen von Unternehmern, Beratern und Führungskräften. Veranstaltet wird es von Tedic, die Brüder Krickel haben es um die Jahrtausendwende erfunden.

Dieses Mal war das Motto Zeitenwende. Die Teilnahme hat sich wieder mehr als gelohnt. Ich war eingeladen, am zweiten Tag der Veranstaltung einen Vortrag zu halten. Als Thema wurde mir vorgeschlagen:

„Unternehmensführung in der post-digitalen Welt“

Den Vortrag gebe ich im folgenden wieder. Gestartet bin ich mit meiner persönlichen Vorstellung, dann habe ich versucht den Titel in zwei Blöcken zu analysieren.


Persönliche Vorstellung

Da mir am ersten Tag des Treffens klar wurde, wie stark die meisten von uns (und so auch ich) vom Auto geprägt sind, habe ich kurz die von mir gefahrenen Autos vorgestellt. Also meine ehemalige Auto- und heutige Fahrrad-Kultur berichtet.
🙂 Und habe auch einiges Neue bei mir selber entdeckt.

Dann habe ich die Rechner (Mac und Chrome – kein Windows) erwähnt, die ich nutze.

Also zweifache Mobilität – MIV (Motorisierter IndiviualVerkehr und im Netz). Beides sagt viel über das Leben eines weißen alten Mannes aus.

Und natürlich musste ich auch noch auf meinen Werdegang eingehen, dies ganz kurz unter Verweis auf duerre.de und if-blog.de, mit der Erwähnung, dass ich mich selber als „Spätgründer“ (late founder – erst im Alter von 34) fühle.

Zu meiner InterFace-Geschichte habe ich auf den Wikipedia-Eintrag zur InterFace AG verwiesen.


Um flexibel auf die Inhalte der anderen Vorträge eingehen zu können, habe ich auf die Zwangsjacke inhaltlicher Folien verzichtet und versucht überwiegend mit Wikipedia-Einträgen zu arbeiten.

Mein Plan war, mich dialektisch mit dem Thema  „Unternehmensführung in der post-digitalen Welt“ auseinander zu setzen. Also konkret mit den Begriffen post, digital und Welt (Block 1) und Unternehmensführung (Block 2).


 

I. Die post-digitale Welt

(Block 1 – was bedeutet post, digital, Welt?)

Bisher kannte ich nur den Begriff post faktisch. Post digital  dagegen war mir neu. Post faktisch heißt für mich, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben – als Teil der neuen Unredlichkeit (Rupert Lay).

Das merkt man sogar bei der Gesetzgebung. Nicht nur in China werden Gesetze so formuliert, dass sie beliebig ausgelegt werden können. Vielleicht Absicht?

Digitalisierung ist selbstverständlich geworden. Jeder spricht darüber. Vor kurzem habe ich gelesen: Die Digitalisierung ist eine Technologie, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Will sagen, dass ohne Digitalisierung und bald auch KI nichts mehr gehen wird.

Wir scheinen total von der Digitalisierung abhängig zu sein, wie z.B. auch von Strom und Elektrik. Genauso wäre ohne Digitalisierung unser Leben nicht so möglich, wie die meisten von uns es mögen. In jedem Stück Technik steckt ein beachtliches Stück Software drin, es gibt keine Technologie ohne Software „inside“.

Diskutiere ich mit den “Bienenschützern” in Bayern die provokative These, dass “es ist zu spät ist” für die Bewahrung des Planeten, dann erzählen die mir, dass man Dank Digitalisierung auch den Planeten retten könnte.
🙂 Die Erwartungen an „digital“ sind hoch.

Um Digitalisierung zu erklären, verweise ich gerne auf Wikipedia. Dort hat Thomas Kofer – damals Mitarbeiter beim ZD.B –  viele Manntage investiert, um den Begriff zu beschreiben.

Dann suche ich im großen Netz nach post digital. In Wikipedia finde ich so einen Unsinn nicht. Dafür werde ich bei  Accenture fündig, hier ein kurzes Zitat zu post digital:

„The advent of technology identities is leading to a new generation of business offerings.“

Ist das ernst gemeint? In dem Link findet man noch mehr von solchem BBB (Berater-Bullshit-Bingo). Für meinen Vortrag hilft mir accenture nicht weiter.

Digital und Digitalisierung sind aktuelle buzzwords. Sehr beliebt – und jeder stellt sich etwas anderes darunter vor.

So untersuche ich das Wort post und finde „kennzeichnet in Bildungen mit Adjektiven – seltener mit Substantiven oder Verben – etwas als zeitlich später liegend, erfolgend“. 

Stimmt – post ist ein Adjektiv für Adjektive. OK, das verstehe ich.

Digitalisierung gilt als unumkehrbar. Weil, wenn es die Digitalisierung nicht mehr gibt, dann gibt es auch keine technische Industrie mehr. Denn in jedem technischen Produkt ist heute Software, also Digitalisierung – und bald auch KI – drin.

Dann kann es doch kein post-digital geben, würde das doch das Ende unserer technologischen Welt bedeuten. Besonders nicht wenn die digitale Welt sich in Form von künstlicher Intelligenz (KI) verselbstständigt. Was ja alle erwarten.

 


Einschub zu KI

Künstliche IntelligenzDeep learningBig Data sind in der aktuellen Buss-Word-Liste ganz oben. Die Welt oder zumindest alle, die mitreden wollen, spricht von Roboter & Bots.

So frage ich in die Runde:

Wer kennt die drei Buchstaben T, A und Y?
Zusammengefügt als Wort und Name Tay

Viele in Deutschland reden über KI, aber die meisten wissen nicht, was das ist. So kennt auch mal wieder keiner, den Tay. Das finde ich symptomatisch für die ganze aktuelle Diskussion.

Tay ist oder besser war der Twitter-Bot von Microsoft. Microsoft hat ihn entwickelt – und wurde dann schnell stillgelegt wegen Fehlverhalten. Die erste wie die zweite Version. Das ist schon wieder ein paar Jahre.

Heute zieht sich Microsoft wohl aus der KI zurück. Sie kapitulieren vor Amazon und Google und geben ihr System/Projekt Cortana auf. Weil KI für den großen, reichen und so mächtigen IT-Konzern Microsoft eine Nummer zu groß scheint.

Gleichzeitig erklärt der Freistaat Bayern, eine KI-Offensive eröffnen zu wollen. Microsoft gibt auf, weil Google und Amazon zu weit vorne sind. Und Bayern will es richten. Wie China. Nur – China wird es schaffen. Bayern selbstredend nicht.

Als Beispiel erzähle ich meinen Zuhöreren von dem chinesischen Nachrichtensprecher-Bot  Keiner aus der Runde der KI-Experten kennt ihn. Da wunder ich mich schon.

Ende des Einschubs zu KI


 

Wie könnte das Ende von Digitalisierung und AI/KI aussehen?

Dazu ein paar Gedankenexperimente:
Beginn der Digitalisierung war die Verschriftung von Sprache.
Also könnte “post digital” bedeuten, dass der größte Teil der Bevölkerung nicht mehr flüssig, sondern nur noch rudimentär lesen und schreiben kann? Könnte nach meiner Meinung gut möglich sein. Wäre das gut oder schlecht? Gibt es da überhaupt ein gut und schlecht – oder sind das alles nur unsere traditionierten Vorurteile?

Denn:
Warum soll man etwas lernen, dass man nicht mehr braucht? Also: warum noch Lesen lernen (und es dauernd üben, weil es sonst beschwerlich wird), wenn es das meiste wissenswerte auch als eBook und podcast gibt und den Rest der sprechende Computer vorlesen kann? Und dabei auch nebenher übersetzt. Der asynchrone und synchron Austausch geht sowieso über Sprache (Sprachnachrichten). Das ist schön, weil Sprache mehr als Schrift  transportiert. Und dann natürlich die Sprache keine Rolle mehr spielt?

Eine moderne Gesellschaft könnte dann sehr wohl ohne Lesen & Schreiben auskommen könnte, aber garantiert nicht ohne Digitalisierung.

Dann denke ich über “post digital” nach. Auf der Ebene

– Was und Wer könnte das Internet zerstören?
(neben der Regelwut der von der BRD-Lobby getriebenen EU)

Zwei Gedanken kommen mir dazu:

Aus Ingenieuren werden Priester.

Das hat Isaac  Asimov in seinen Zukunftsromanen (Beispiel sein Zyklus zu Trantor) schon vorgestellt:
Die Menschen, die die Systeme warten, verstehen die ihnen anvertrauten Maschinen nicht mehr und führen nur noch angelernte (Pflege- und Wartungs-)Rituale durch.

Das könnte ich mir gut vorstellen, denn in der Informatik beim Programmieren erlebe ich das heute schon. Was da alles geklickt wird – und sie wissen nicht, was sie tun. Die Komplexität wächst uns über den Kopf, da ist es leicht möglich, dass die Welt ihr Know-How verlernt.

– Das Ende des Moore’schen Gesetz.

Ganz einfach:

IT besteht aus der „Dreifaltigkeit“ von Rechenwerk, Leitung und Speicher.

Das sind die drei relevanten Bauteile von IT. Beim Speicher sind wir im Nano-Bereich, kleiner geht es wegen der Größe der Atome nicht. Auf der Leitung arbeiten wir mit Lichtgeschwindigkeit, schneller geht es nicht. Den Begriff Rechenwerk verwende ich absichtlich. Denn ein moderner „Prozessor“ (z.B. von Intel) enthält so vieles, dass ich gerne mit der Metapher der Großstadt New York vergleiche.

Das Rechenwerk wollen wir mit dem „Quanten Computer“ schneller machen. Nur so richtig gibt es den ja noch gar nicht, und vielmehr als Entschlüsseln wird er auch nicht könnten. Aber das genügt den Staaten dieser Erde, denn sie haben ja vor allem ein im Sinne, nämlich uns zu überwachen.

So könnte das Ende des Moor’sche Gesetzes unsere KI-Träume beenden. Die beliebige Ressourcen-Vermehrung in kurzen Zeiträumen in Zweier-Potenz hat uns in den letzten Jahren ziemlich verwöhnt, damit könnte in absehbarer Zukunft definitiv Schluss sein.

Was ist denn wichtig in der digitalen Welt?

Für mich kommt da ganz zuerst Wikipedia – das aus vielen Gründen:

– Wikipedia – Das Lexikon des Welt-Wissens.

Wikipedia ist toll. Derzeit frei von Werbung (außer ein paar eingeschmuggelte Artikel über Frauen von Bayern-Spielern), komplett ehrenamtlich betrieben und finanziert durch Spenden, kein Konzerneinfluss etc.

Traumhaft, eine der letzten freien Bastionen. Wir brauchen es täglich, weil es ja keine Lexika mehr gibt. Trotz vieler Schwächen z.B. bei Artikeln zum Thema Digitalisierung/IT ist Wikipedia klasse.

Jetzt kommt aber das ABER:

Es wird gemacht von alten weißen Männer, d.h. es gibt kaum jungen Nachwuchs und nur ganz wenig Frauen. Wikipedia ist wie eine Wissens-Infrastruktur. Wie bei vielen Infrastrukturen in unserer Welt (Straßen, Brücken, Schienen) steigt der Bedarf an Pflege und Sanierung, aber die Ressourcen werden weniger.

Wikipedia ist bedroht durch Überalterung und zusätzlich durch Urheberrecht (Update-Filter) und Lobbyisten-Druck.

Was passiert, wenn Wikipedia zerfällt? Wer übernimmt dann Wikipedia?

Einer der drei Deutschland beherrschenden Medienkonzerne? Oder die Bundesregierung? EU und UNO wären auch noch Kandidaten. Oder die Internetgiganten wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft …

Stell Dir mal vor, man könnte in Wikipedia Werbung schalten! Ich könnte mir weitere tolle Geschäftsmodelle vorstellen, wenn mir Wikipedia gehören würde.

– Dienste wie Youtube, Vimeo, Facebook++, wechat …?
(E-Mal als Dienst habe ich hier bewusst nicht erwähnt, weil man sie nach meiner Meinung keiner mehr braucht).

Alos: Was passiert, wenn es das alles nicht mehr gibt? Vor kurzem las ich von Morddrohungen gegen die Youtube-Chefin wegen Ihrer Aussage, notfalls als eine Folge neuer Urheberrechtsgesetze (Update-Filter) den Dienst in den betroffenen Ländern abzuschalten!

Es gilt: 

Regelwut schadet.

Uns allen!

Besser:
Die Ursachen angehen. Also die Fehler suchen. Und dann Reformen machen. Zum Beispiel beim Urheberrecht.

Und  bitte weniger DGSVO …

À propos Welt:

Zur Erinnerung: Nur zirka eine Hälfte der Menschheit „ist im Internet“. Es gibt so zwei Welten, die eine mit und eine ohne Internet. In etwa gleich groß.

Es gibt aber auch im Internet zwei Internets (so eher als „vertikale Trennung“). Das „chinesische“ und das “unsere”.

Das merkt mancher Tourist plötzlich am Flughafen in Peking, wenn er mit gmail einen Gruß nach Hause senden oder ein wenig chatten will. Und es halt nicht geht.

Also versucht er VPN. Nur VPN-Dienstleister sind schlecht oder teuer. Meistens beides. Wenn man also nicht ein VPN eines noch in China tätigen deutschen Konzerns hat, geht es schlecht. Google-Maps geht auch nicht. Es kann schwierig werden. Lost in China. Aber keine Angst, die praktische chinesische AI hilft Dir dann.

À propos China:

Die machen jetzt ganz viel mit KI. Unter anderem stecken sie alle Menschen in ein Social Media – System rein, das alles kann (wechat). Und dann vergeben sie „Credits“ für soziales Verhalten, positive und negative. Führt das zu einer digitalisierten Diktatur – oder geht damit der Traum der Menschheit von einer angemessenen Gerechtigkeit wahr? Schon Aristoteles erkannte ja, dass eine arithmetische Gerechtigkeit im sozialen Leben eher keinen Sinn macht.

Ich denke mir mal, dass mit der chinesischen Technik auch die chinesische Kultur zu uns kommen wird und bin gespannt, ob so etwas bei uns dann auch nicht mehr weit weg ist.

Außerdem:
Die Nutzung des Internets ist kollektiv wie individuell völlig unterschiedlich! Ich würde sagen, wir haben also noch horizontale Trennungen.

In einer “entwickelten, wohlhabenden und intellektuellen” Welt wird das Internet wesentlich anders genutzt als in einer „armen” und „bildungsfernen“. So spaltet sich das Internet noch ein paar mal auf. Es gibt: Home-Office-Nutzer, Porno-Gucker und Netz-Spieler. Verrückte und Fanatiker. Undsoweiter. Alles wie im richtigen Leben. Damit will ich nicht sagen, dass die „intellektuellen“ keine Pornos anschauen.

Und weiter soll und wird sich sich im Netz eine schier unvorstellbare Anzahl von smarten Geräten tummeln (alles, was WLAN kann, ist smart und braucht das Netz, vom Auto übers Licht und dem Kühlschrank bis zur Waage). Das auf einem System mit veralteten Protokollen, die für ganz andere Zwecke geplant waren. Und wo keiner so recht weiß, wer denn überhaupt für die Veränderung von Schnittstellen zuständig ist.

Wie soll das Funktionieren?

Sicher eine gute Frage.

 


Aber jetzt mach ich Schluss mit digital und post-digital und wende mich hin zum Unternehmens-Management, sprich zu Führung und sozialem Zusammenleben.


 

II Unternehmensführung

(Block 2 – was ist das, ein Unternehmen und was ist Führung?)

Unternehmen
Ein junger Mensch hat mal zu mir gesagt, ein Unternehmen ist für ihn ein organisierter Menschenhaufen mit einem Zweck oder Ziel.

Keine schlechte Definition. Wir nennen Unternehmen wie Behörden soziale Systeme mit einem ökonomischem bzw. administrativem Zweck.

Bei Unternehmen ist Größe ein wichtiges Kriterium. Es gibt Konzerne und Klitschen. Beide sind und funktionieren völlig verschieden.

Wir gehen in unserer Denke wie selbstverständlich davon aus, dass ein Unternehmen Mitarbeiter hat. Nicht nur eine Satzung und Kapital. Und dass die Mitarbeiter wie Kunden eines Unternehmen Menschen sind. Dass Unternehmen also Mitarbeiter haben. Bei den Kunden stimmt das nicht mehr. Meistens machen die kleinen ihr Geschäft mit anderen Unternehmern, man nennt das B2B.

Unternehmen ohne Menschen, ist das denkbar? Nur mit Robotern oder Bots? Alles, was Menschen braucht, wird „outgesourct“, sprich von Providern eingekauft. Und die Kunden sind auch keine Menschen mehr, sondern z.B. selbstfahrende Autos und deren Betreiber? Ist das vorstellbar? Dann braucht man keinen Betriebsrat und die Arbeitsgesetze (Arbeitszeit, Betriebsverfassung, Arbeitsverträge …) spielen keine Rolle mehr?

Ich kenne Gründer(-teams), die wollen ein Unternehmen aufbauen, bei dem alles automatisiert ist. Im Prinzip besteht das Unternehmen dann nur aus einem Stück Software!

Keine Mitarbeiter, nur Roboter (und Lieferanten und Partner). Alles andere wird “out gesourct“ – ob die Programmierung des Produktes oder Marketing / Vertrieb. Es bleibt ein kleines Back Office einen Assistenten oder Assistentin – die Führung beschränkt sich auf diesen.

Dann braucht es keine Führung im Sinne von ”Human Ressource! Ein gelungenes Jammen innerhalb des Gründerteams genügt völlig. Wie beim Jazz. Gründung und Unternehmen werden zum  Spiel mit Lieferanten, Kunden und Geldgebern.

Von BayStartUp kenne ich solche Business-Pläne. Ich würde sagen, die liegen im Trend. Wie es mal Trend war, Portale oder Apps zu bauen. Oder 3-D-Drucker zu nutzen …

In jedem Geschäftsplan, den ich kenne, war die benötigte und zu schreibende Software von herausragender Bedeutung- ich erinnere mich an keinen Business-Plan, in dem diese nicht eine wesentlich Begründung oder Ursache fürs USP war.

Führung kann es per se nur geben wenn es Menschen (Arbeiter oder Angestellte) gibt. Vielleicht aber braucht es diese in Zukunft gar nicht mehr.

Für diesen Vortrag gehen wir mal von der Hypothese aus, dass Unternehmen auch in Zukunft mehrheitlich Mitarbeiter haben werden. Dann macht es Sinn über Führung zu reden.

Die Bandbreite von Führung.

Hierarchie versus Netzwerk.
(von Teams, die im Netzwerk zusammenarbeiten)

Gruppen-basiert (Modell der Reichswehr – Siemens) versus Team-basiert (Micro-Organisation mit Selbstorganisation)

Geheimhaltung versus Transparenz

Taylorismus
(die detaillierte Vorgabe der Arbeitsmethode „one best way“, exakte Fixierung des Leistungsortes und des Leistungszeitpunktes, extrem detaillierte und zerlegte Arbeitsaufgaben, Einwegkommunikation mit festgelegten und engen Inhalten, detaillierte Zielvorgaben für den Einzelnen nicht erkennbarem Zusammenhang zum Unternehmensziel sowie Qualitäts-Kontrolle)
versus
Involviertheit 
(als Summe von Einbezogensein, Eingebundensein, Aufgabenintegration …)

Prozesse versus Selbstorganisation
(Henry Ford – Die Kaste der Ingenieure als Vorläufer der Kaste des Management)

Feudalismus versus Selbstbestimmung.

Fremdgehörigkeit versus Eigengehörigkeit.

Wichtige Ebenen könnten auch sein:

Ratio versus Gefühl
(Immer mehr verstehen wir, dass die Vernunft nicht mehr aussreicht).

und

Gewalt versus Gewaltlosigkeit
(Gewalt dürfte die Strukturen von sozialen System am meisten beeinflussen)

Das ist die Theorie der Macht. Es gibt zwei Klassen, die Klugen und die Dummen. Bei Henry Ford waren es die dummen Bauern, die durch den Einsatz von mächtigen Maschinen in der Landwirtschaft arbeitslos geworden sind und so für ihn arbeiten mussten. Die waren nicht einmal mit der Uhr waren sie vertraut. Die Ingenieure mussten ihnen alles beibringen, von der Pünktlichkeit bis zur Handhabung der Werkzeug. Jeder Griff am Fließband musste Ihnen vorgegeben werden. Und der Kaste der Ingenieure ist die Kaste der Manager entsprungen.

Bewertung:

Es ist bekannt, dass mir mein Leben lang die rote Variante lieber war. Die Praxis ist aber nie schwarz-weiß (in diesem Fall rotblau, so dass es meistens mehr um die Frage geht, ob eine Organisation mehr rot oder mehr blau ist. Ich meine auch nicht, dass rot nur für die „kreativen“ Tätigkeiten oder blau nur für die „einfachen“ Tätigkeiten funktioniert. Da kenne ich viele Gegenbeispiele, wie z.B. Buurtzorg für Pflegeleistung. Über 10.000 Mitarbeiter in den Niederlanden und eine scheinbar einfache Arbeit.

Digitalisierung unterstützt rot und blau !!! Sie ermöglicht Kommunikation auf Augenhöhe und wird auch in der Hierarchie „Chef-Rollen“ manifestieren und übernehmen. Daher auch die Angst, dass Roboter die Menschheit beherrschen werden.

Ich bin überzeugt, dass sowohl effiziente Strukturen, gleich ob eine blaue oder rote durch eine digitale Infrastruktur mächtig unterstützt werden können.

In der blauen Welt für die Umsetzung und Einhaltung der Prozesse und Kommandostrukturen, in der roten zur Realisierung einer Infrastruktur, die ein Erfahrungs- und Erkenntnis-Management für alle ermöglicht.

Bewußt gebrauche ich nicht den Begriff Wissens-Management. Weil es um Erkenntnis und Erfahrung geht.

Und in beiden Welten sehe ich große Möglichkeiten, KI/AI einzusetzen. Aber auch ganz ohne KI/AI kann und wird die digitale Infrastruktur zur „digitalen Zwangsjacke“ werden. Stellen wir uns ein Unternehmen vor, dessen „Betriebssystem“ komplett in Office365 von MS und SAP implementiert ist. Wenn so ein System ein gewisses Maß an Komplexität erreicht hat, dann kann man es kaum mehr sinnvoll ändern.

Vielleicht haben Menschen irgendwann mal keine Lust mehr auf solche digitalen Zwangsjacken.

Aus- und Rückblick in die Geschichte
Denn gerade bei sozialen Themen muss das Gestern, Heute und Morgen zusammen betrachtet werden.

Gestern:
(vor 1900)
Im Europäischen-Kulturkreis gab es Leibeigenschaft, in der neuen Welt Sklaverei (auch in God’s own country).

Auf einer Karibik-Reise kam ich nach Curaçao. Dort habe ich im Kura Hulanda Museum viel über die Sklaverei gelernt.  Die Sklaverei existierte offiziell bis zum Beginn des 20 Jahrhundert. In vielen Ländern gibt es sie heute noch.

Aber auch in Europa und Deutschland gab es viele Jahrhunderte Leib- und Grundeigenschaft. Was im Prinzip dasselbe ist wie Sklaverei. Nur wenige Menschen hatten den Status der Eigengehörigkeit, die Fremdgehörigkeit die Regel. Die Mehrheit der Menschen lebte auf dem Land und produzierte Nahrungsmittel (90 %). Nicht in der Stadt – “Stadtluft macht frei” (10%).

In der Stadt ist der Fortschritt entstanden. Weil da die freien Handwerker – Holz und Eisen, Hebel und Rad (Schubkarre) vernetzt zusammenarbeiteten. Auf dem Land waren die meisten Menschen Leibeigene, also Eigentum von dritten. Überwiegend waren sie Bauern und bearbeiteten das Land. Deshalb waren sie Bodeneigene. So war es ganz einfach – die Menschen gehörten dem, dem das Land gehörte.

Land und Menschen gehörten der feudalen Schicht – dem Adel und der Kirche. Dies bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Auch das ist ein Teil unserer glorreichen christliche Tradition. Der leider gerne vergessen wird.

Jetzt aber kommt der Hammer:

Sklaverei und Leibeigenschaft wurden nicht aus humanitären Gründen abgeschafft sondern weil es zu teuer, unbequem und aufwändig war. Das erklärt auch den Krieg zwischen Nordstaaten und Südstaaten in den USA. Natürlich wurde die Ende der Sklaverei durch den Widerstand der Betroffenen begünstigt. Dieser Widerstand fand individuell und kollektiv statt. Aber Religion und Moral oder die Philosophie haben die Sklaverei nicht abgeschafft. Sondern wirtschaftliche Gründe.

Spätestens da war mein idealistischen Weltbild zerstört.

Heute:

Konsumismus wird Welt weit zur mächtigsten Religion. Ohne Arbeit ist der Mensch wertlos und steht außerhalb der Gesellschaft. Arbeit wird weniger werden. Da denke ich vorallem auch an gut verdienenden Sachbearbeiter in Behörden und Finanz-Industrie und vergleichbare Aufgaben. Schon heute hat RPA (Robotic process automation) eine große Relevanz.

In den entwickelten Gesellschaften geht es den Menschen, die einen Job (oder/und Kapital) haben noch richtig gut. Aber die Reichen, denen es gut geht, werden immer weniger und die Armen immer mehr.

Morgen:

Ob Unternehmen und ihre “Führung” blau oder rot sein werden, hängt davon ab, was besser funktioniert. Da geht es nicht um Ethik, Moral oder #newwork.

Und die Entwicklugn wird natürlich auch von der wirtschaftlichen und sozialen gesellschaftlichen Situation ab. Es könnte aber auch gut ganz schlicht ums Überleben gehen!

Zukunft

Ich möchte keinen Versuch wagen, die Zukunft vorherzusagen
Andere können das sicher besser. Mein Favorit ist und bleibt die Brave new World vonAldous Huxley.

Dieses Buch noch nicht kennt, der hat drei Möglichen.

  • Er kann das Buch lesen (oder das Hörbuch) anhören,
    Also ganz klassisch. Das dauert eine gewisse Zeit.
  • Er kann ins Theater gehen (im Volkstheater München gibt es eine herausragende Inszenierung)
    Dazu muss man erstmal eine Karte kriegen – das Stück wird selten gespielt un
  • Oder bei Wikipedia nach lesen 😉
    Das ist die einfache, schnellste und kostenlose Variante.

Wie könnte es weiter gehen?

In der kleiner werdenden Oberschicht:

  • Geld wird zur elektronischen Zahl (eine Ziffer auf dem SmartPhone)
  • Macht und Feudalismus werden bleiben.
  • Die Oberschicht arbeitet in den “entwickelten Gesellschaften” mit Mut und Freude.
  • Arbeit wird für diese  zur Selbstverwirklichung. Dort könnte  “newwork” passiern? Alle Anstrengungen dienen der
    Mehrung des Vermögens und der Abwehr von Verarmung.
    Die Zeit wird zum persönlichen Wert

In der Masse wird es anders aussehen!

  • Keine Arbeit oder prekäre Arbeitsverhältnis.
  • Arbeit auf Abruf. Wenn der Roboter mal nicht funktioniert. Oder gerade Bedarf ist. Wie am Hafen in Mombasa oder in der Kali-Mine in Tunesien, wo die Menschen in Massen vor den Toren stehen, um für Kleinstbeträge ihre Arbeit anzubieten. Oder:
  • Dank BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) Zeitvertreib durch Spiele. Oder einfach Herum-Chillen.

Die Polarisierung in arm und reich nimmt zu – die – weltweite Tendenz ist klar: Die Reichen werden reicher und weniger und es gibt immer mehr Arme. Und das drastisch.

Zeitenwende:
Die gesellschaftlichen Treiber der kommenden Zeitenwende dürfte Geldfeudalismus, Roboter und Arme sein. Es wird ein BGE geben müssen, das nicht reicht, so dass die Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen ihr Einkommen aufgebessern müssen.

Neue Kombination von Feudalismus und Sklaverei?

Die mit “Kohle” können sich in Mut und Freude verwirklichen, gegebenenfalls “ehrenamtlich”. Ansonsten ist ihre Hauptaufgabe, ihr Vermögen zu mehren. Und müssen nur aufpassen, nicht zu verarmen.

Der Rest hat ein BGE oder keins und verdient dazu oder kämpft um seine Existenz?

Themen
(die mich bewegen)

  • Erziehung
    Sollen Kinder möglichst früh ein Smartphone nutzen?
  • Ausbildung
    Schule taugt nichts mehr. Was muss hier passieren?
  • Wissenschaft und Lehre
    Die Strukturen und das Leben in Akademis ist immer noch feudalistisch. Wird das für die Zukunft genügen? Meine Antwort: Nein!
  • Gesellschaft:
    #Newwork ist in weiter Ferne, weil unsere Gene immer noch feudalistisch geprägt sind. Die Männer geben weiter den Ton an.

Vor Westerland (Sylt) beim Strandspaziergang.
Nur, wohin führt der Weg?

RMD

P.S.
Diesen Artikel widme ich dem Biike-Team um Kai Krickel.

P.S.1
Zum Ende der beiden Tage sind die Referenten gebeten wollen, noch kurzfristig und prägnant den Zuhöreren eine Botschaft mit zu geben. Auf die Schnelle fiel mir nichts besseres ein als
„Love it, change it or leave it“!

Ein positiver Fall: Hype-Zyklus nach Gartner Inc.

Seit 50 Jahren mach ich offiziell in Digitalisierung. Unter anderem habe ich da viele Hypes erlebt.

In diesem Beitrag schreibe ich über die Hypes, an die ich mich erinnere. Aber nicht als wissenschaftliche Arbeit sondern mehr zum Schmunzeln.

Lasst mich berichten. Zuerst, was ist ein Hype?

Ganz einfach:
Es gibt einen Auslöser. Der kann völlig unterschiedlich sein wie ein technischer Durchbruch, ein singuläres Ereignis, eine Massenhysterie …

Dann geht der Goldrausch los. Und gar nicht selten gibt es ein bitteres Ende.
Oft gilt:
Nichts gewesen ausser Spesen.

Als KPI’s für Hypes kann man nehmen:

  • die Anzahl von Neugründungen von Unternehmen zum Hype-Thema,
  • die Höhe des im Umfeld des Hypes investierten Investment-Kapitals
  • die Anzahl der Vorträgen,  die Politiker, Analysten und andere Klugschwätzer über das Thema halten (meistens ohne davon etwas zu verstehen)
  • und weitere (man muss nur ein wenig nachdenken, dann fällt einem vieles ein).

Zurzeit reden alle über Digitalisierung. Die ist so ein Mega-Hype, die viele Unter-Hypes enthält.

Hypes in der Digitalisierung

In den den 70iger Jahren habe ich beim Siemens in „industrieller Informatik“ (so wie ich das nenne) gemacht. Das war eher so richtiges Ingenieurs-Schwarzbrot. Wir haben klassich programmiert. Zum Beispiel Betriebssysteme, Module für Datenfernverarbeitung und Rechnernetze, Datenbanken und Transaktionsmonitore.

Alles nicht so aufregend. Und auch ziemlich „hype-frei“. Parallel kamen Hypes wie kleine bunte Computer, die Spiele konnten. Das war schon aufregender.

KI

Den ersten Hype, den ich zu Beginn sehr bewußt erlebt habe, war der KI-Hype. Jeder, der sich für modern hielt, machte ein wenig auf Künstliche Intelligenz (KI). Und wer ganz modern sein wollte, sprach von „Artificiel Intelligenz“ (AI). Für mich in der Industrie-Informatik war das Thema unerreichbar.

Ein Zauberwort war damals „Expertensystem“. Besonders beliebt war das in Bereichen wie der Medizin. Die Tagungen zu KI/AI waren voll mit digitalen Träumern.

Neben den Expertensystemen gab auch schöne Exoten – so haben Freunde von mir an einem System gebastelt, dass aus dem Geräusch eines Hubschraubers heraushören sollte, ob alles noch stimmen würde. Korrekt müsste ich schreiben, sie haben das versucht – das Projekt ist nie Realität geworden. Auch so ein Hype-Schicksal.

Damals spalteten zwei Programmiersprachen die KI/AI-Community. Für die einen war Lisp die einzig wahre Sprache für KI/AI, für die anderen Prolog.

Bei Prolog war mir schnell klar, dass die Hardware für das aufwändige Back-Tracking noch nicht leistungsfähig genug war. Trotzdem wurde gerade in Japan viel mit Prolog gemacht. Meistens waren das akademische Projekte – und meines Wissens ist da nie viel rausgekommen. Eine Hobby-Variante gab es auch. Die hieß Turbo-Prolog (so wie Turbo-Pascal). Ein Unternehmen der InterFace war damals die „InterFace Computer GmbH“. Die hatten das wahrscheinlich beste Prolog der Welt. Und die Entwicklung von IF-Prolog hat das Unternehmen ruiniert. Von Lisp habe ich bis heute keine Ahnung.

Eine Definition, was künstliche Intelligenz von normaler, auch als algorithmisch bezeichneter Software unterscheidet, gab es nicht. Heute haben wir ja wieder einen KI/AI-Hype. Und wenn ich dann einen der „Speaker“ frage, wie der künstlich Intelligenz definieren würde, kommt selten eine vernünftige Antwort. Weiter unten werde ich meine Definition zu besten geben – aber ob die viel mehr taugt weiss ich auch nicht.

Ich habe in meinem Leben viele Hypes erlebt. Größere wie Kleinere. Soviele, dass ich sie mir gar nicht merken konnte. Ich nenne mal ein paar Hypes, die ich so erlebt hatte (und an die ich mich noch erinnere).

Ganz früh waren es mal die Hybrid-Rechner. Die Synergie von Analog und Digital sollte neue Dimensionen eröffnen. Dieser Hype war vorbei, bevor er los ging. Dann erinnere ich  mich an Ontologie, die gefördert wurden wie kein Informatik-Thema zuvor. Risc-Prozessoren sollten Server schneller machen. Die objektorientierte Programmierung war ein Hype und hatte ein paar kleine Kinder wie „objekt-orientierte“ Datenbanken. Manches davon ist verschwunden, anderes zum Standard geworden.

Irgendwann mal ging alles um die Farbe im Büro. Natürlich ist das heute alles selbstverständlich, aber meine HIT/CLOU-Kunden aus der Finanzindustrie haben sich schon sehr stark endlich mal die Farbe „ROT“ gewünscht (für die roten Zahlen in den Bilanzen …)

Der Wunsch nach Farbe hat auch den Client-Server-Hype befördert, der auf bunten Windows-PCs beruhte und der nach meiner Meinung kräftig vom Wunsch der Menschen profitierte, Solitär zu spielen zu können. Die „Organizer“ waren hype, bis sie das Smart Phone als Kombination von Organizer und Mobil-Telefon ablöste. Und auf all diesen Geräten kann man ja auch Solitär spielen.

Dann hatten wir den Hype der „rich clients“ (eigentlich ist heute ein jedes Smartphone ein „rich client“).

Parallel dazu kam das Internet. Und später dass WWW2. Das waren dann gleich 2 Hypes auf einmal. Der Unterschied war, dass irgendwelche Menschen bemerkt hatten, dass es im Internet nicht nur Konsumenten gibt. Das war aber von Anfang an so, denn ohne Anbieter gibt es nichts zu lesen.

Seit zwanzig Jahren bin ich regelmäßig in der Jury von BayStartUp (das Unternehmen, das in Bayern die Business-Plan-Wettbewerbe organisiert) und mittlerweile weitere Angebote für Menschen hat, die ein Unternehmen gründen wollen. Da sehe ich, welche Hypes gerade „IN“ sind. Hier ein paar Stichproben.

Es gab Zeiten, da wollten die meisten Jung-Unternehmer Geschäftsmodelle rund um APPs und später PORTALE entwickeln.

Zwei Jahre lang ging es vor allem um 3D-Drucker. Zwischendurch waren es dann auch 3D-Brillen und die zugehörige Infrastruktur …
(Wobei der 3D-Drucker ein gutes Beispiel ist, wie Patente Entwicklung behindern und die Technologie sich erst durchsetzt, wenn das Patent abgelaufen ist).
Betreffend 3D-Brille, da bei uns lag schon vor Jahren so eine unter dem Weihnachtsbaum. Ich fand den möglichen Content damals ziemlich schwach – und viel besser ist es wohl nicht geworden.

Irgendwann mal war die Blockchain der Renner. Die dürfte eine Spitzenstellung als Hype einnehmen – besonders wenn man die Höhe des spekulativ verbrannten Geldes mit in die KPI aufnimmt.

Ein gar nicht so sehr wahrgenommener Hype dürfte aktuell der Einsatz von Sensoren sein. Immerhin tragen diese dazu bei, dass wir bald nicht mehr von einer Mensch-Maschine-Schnittstelle sondern von einer Welt-Maschine-Kommunikation reden werden. Der Mensch ist dann nur noch ein Teil der Welt ist (hoffentlich kein störender).

Viele Mit-Hyper warnen schon vor der Diktatur der Maschinen. Die aber auch nicht schädlicher sein dürfte als die aus Menschen bestehenden Regierungen.

Heute ist es klar:
Der Hype heißt wieder KI/AI. Kombiniert mit „big data“. So werden wir vor einer schrecklichen Welt gewarnt – und lähmen die „Digitalisierung“ mit Datenschutz. So rauben wir uns viele gesellschaftliche Chancen. Und vergessen, dass KI/AI und Bigdata  nur technischer Fortschritt sind. Und dieser hat schon immer die Gesellschaft verändert. Meistens zu unserer Erleichterung.

Natürlich war es immer wichtig, mit dem technischen Fortschritt verantwortungsvoll um zugehen. Das ist der Menschheit nicht immer gelungen.

Deshalb zitiere ich auch gerne Bertrand Russell:
» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «

Ich nenne hier gerne den „Motorisierten individuellen Verkehr“ (MIV). Der den Planeten zerstört und pro Jahr 1,3 Millionen Todesopfer und die mehrfache Anzahl an verletzten bewirkt. Hier hat die Weisheit wohl gefehlt.

Aber wer hätte das vor 100 Jahren wissen sollen? Ich meine, dass technologischer Fortschritt immer verändert. Und jede Veränderung trägt Risiko in sich. Über das Risiko darf man aber die Chancen nicht vergessen. Besonders weil man in der Regel die wahren Nachteile erst a posterio erkennt. Insofern sollte man bei Hypes zwar (weise) vorsichtig aber nicht (dumm) ängstlich sein.

Der ganze Hype um Datenschutz und -sicherheit scheint mir ein gutes Beispiel für eine ganz besondere Form von Schwarmdummheit zu sein – ein Begriff den ich von Gunter Dueck übernehme.

Von der Philosophie zur Technik.

Die für Digitalisierung genutzte Hardware selber funktioniert immer noch nach denselben Prinzipien wie in den 70iger Jahre. Der von uns wahrgenommene Riesenfortschritt bei Rechner, Leitung und Speicher (die Dreifaltigkeit der IT) ist eine Folge des Moore’schen Gesetzes (formuliert im Jahre 1965). Diese Leistungsexplosion hat die Mustererkennung als Basis für viele Anwendungen fantastisch ermöglicht.

Das Prinzip dieser Art von KI ist ziemlich alt. Turing hat es schon vor vielen Jahrzehnten beschrieben – ich meine in den 40igern des letzten Jahrhunderts.

Damit erfolgten große Fortschritte bei Spracherkennung und -Ausgabe, die ja auch nur ein Auswerten und Umsetzen von Mustern sind. Das ist die zentrale Voraussetzung für die neue Art von Software, die selber lernt, wie man Sprachen übersetzt oder ein Auto steuert. Und die war halt früher einfach nicht von der Hardware zu bewältigen.

So hat Deepminds Alphazero-KI den besten asiatischen GO-Spieler und nach kurzem Lernen auch Goldfish (das beste Schachprogramm) vernichtend geschlagen. Aber halt, beim Go-Spiel sind die Chinesen aufgewacht und investieren jetzt in ungeahnten Dimensionen Geld und Menschen ins Thema KI. Und werden dann bald auch die Amis mit ihrem ollen Watson und vielleicht auch Googles Deepmind überholen.

🙂 Und wie die Chinesen aufgewacht sind, sind es auch die Bayern … Und die wollen es jetzt den Chinesen zeigen – was den Insider in Digitalisierung doch ein wenig schmunzeln lässt. Im Video wird zwar viel vom Weltraum gesprochen. Am Schluß dann von Robotern. Für beides ist IT und KI die Voraussetzung. Und die kriegt man nicht für ein paar Hundert Millionen. Da braucht es Milliarden.

Die Bayern haben dann natürlich nicht nur eine tolle Schau gemacht, sondern Taten folgen lassen. Und ein Ministerium für Digitalisierung gegründet und am 12. November 2018 eine junge Frau namens Judith Gerlach zur Staatsministerin für Digitales in Bayern gemacht.

Staatsministerin Judith Gerlach ist geboren am 3. November 1985 in Würzburg, verheiratet, zwei Kinder und römisch-katholisch.

Sie ist jung und wurde Ende 2018 erst 33 Jahre alt. Und dass sie zwei Kinder hat, qualifiziert sie auch. Immerhin habe ich vieles in Sachen Digitalisierung von meinen Kindern gelernt.

Ihr Lebenslauf zeigt, dass sie eine hochqualifizierte Juristin ist. Das macht mich nachdenklich, weil das mehr nach Datenschutz klingt als nach Hochtechnologie. Ich frage mich, ob sie sich vorstellen kann, was ein Betriebssystem denn so ist. Aber vielleicht wissen das ja ihre Berater?

Die Frau Staatsministerin hat dann auch auf der oben verlinkten Seite geschrieben:


„Ich sehe sehr große Chancen für den Standort Bayern: Wir haben uns bereits in vielen Bereichen an die Spitze digitaler Entwicklungen gesetzt und werden weiterhin alle Kräfte bündeln, um neue Technologien zu entwickeln und gesellschaftlich verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Hierfür ist das neue Digitalministerium Motor, Koordinator und Denkfabrik.“

Judith Gerlach, MdL
Staatsministerin


Hätte sie eine Ahnung von Digitalisierung, dann hätte sie diesen Satz nie so geschrieben. Oder ihn vorher mal Leuten zu lesen gegeben, wie sie in Bayern im ZD.B sitzen. Die ziemlich viel Ahnung haben und auch eine Gründung des Freistaates sind.

Aber als Juristin hat sie ja eine gute Entschuldigung. Woher soll sie wissen, wo Bayern (oder Deutschland und Europa) digital im Weltvergleich technologisch stehen?

Vielleicht ist das ein neuer (alter) Hype, dass wir für die gesellschaftliche Gestaltung unseres technischen Fortschritts (nichts anderes ist die Digitalisierung) Jurist*innen einsetzen? Damit zumindest die AGBs (und der Datenschutz) stimmen?

Eine Antwort auf die internationale Positionierung der Wertschöpfung Europas gibt übrigens das vor kurzem ausgehandelte und in Kraft getretene Freihandelsabkommen EU-Japan (kurz EPA von englisch Economic Partnership Agreement, umgangssprachlich JEFTA genannt).

In einem Satz beschrieben wurde da ausgehandelt, dass Japan die Zölle für Agrar-Produkte aus Europa senkt, dafür senkt Deutschland die Einfuhrzölle für HighTec-Produkte aus Japan.

Der Trend scheint und ist klar: Bayern und Europa sind auf dem Weg zum Agrar-Land. Vielleicht noch zum Reiseland. Als HighTech-Exporteur sind wir abgehängt. Nicht nur in den internationalen Handelsabkommen, auch in der technischen Realistät.

Siehe unsere 5G-Probleme mit Huawei. Da erinnere ich mich an meinen ersten Job bei Siemens. Da war Kommunikation ein Hype. Und bei der damaligen Kommunikationstechnologie kam an Siemens weltweit keiner vorbei. Heute allerdings geht ohne (rot-)chinesische Technik da nichts mehr. Für die Freude von gestern zahlt heute keiner mehr.

Da klingt der obige Satz unserer Frau Staatsministerin wie Hohn:
Wir (Bayern) haben uns bereits in vielen Bereichen an die Spitze digitaler Entwicklungen gesetzt.
Das Gegenteil ist der Fall.

Was mich wundert, dass der mächtige VDA (Verband der Automobilindustrie e.V., Behrenstraße 35, 10117 Berlin) das Abkommen EPA/JEFTA nicht sabotiert hat. Denn immerhin könnten die Toyotas bei uns jetzt 10 % billiger werden. Wobei die Japaner kaum so dumm sein werden, die Ersparnisse beim Zoll an die deutschen Idiota-Fahrer in Deutschland weiter zu geben (ich bitte um Verzeihung für meinen primitiven Scherz).

Könnte es sein, dass der VDA andere Sorgen hat, weil mittlerweile auch bei unserer heiligen Kuh MIV (Motorisierter Individual Verkehr) andere uns technologisch weit voraus sind?

Deutschland profitiert beim Handels-Abkommen als drittgrößter Fleischexporteur der Welt. Besonders beim Schweine-Fleisch liegen wir weit vorne – und dies bald mit einem Tier-Wohl-Zertifikat vom Bundesministeriums für Ernährung- und Landwirtschaft (BMEL). Wenn das mal nicht zu einem neuen Schweine-Hype führt.

Ist das alles nicht ein Wahnsinn?

RMD

P.S.
Jetzt bin ich noch meine Definition zu KI/AI schuldig:
Ich meine, eine Alg-SW wird dann zur KI-Software,
wenn sie ihre funktionellen Mehrwert durch Lernen und Üben realisiert. Das heißt, viele Muster sammelt und analysiert, die mit Ergebnissen korreliert und bewertet werden können und so ein großes Erfahrungs-Wissen aufzubauen.
Das ist dann wahrscheinlich ein klein wenig ähnlich, wie das menschliche Gehirn funktioniert.

P.S.1
Hier geht es zu meinem ersten Jubiläumsartikel 50 Jahre in der IT.

Hans Bonfigt
Montag, der 7. Januar 2019

Crisis ? What Crisis ?

Es ist noch nicht lange her, etwa um die Zeit der Eröffnung der letzten CeBIT, da forderten Spitzenpolitiker, namentlich Sickmar Gabriel und Angela Merkel, Menschen also, denen besonders im Osten gehuldigt wird:

Das mit der Statik überdenken wir aber nochmal …

 

Beide hier angesprochenen Sympathieträger hatten eine klare Botschaft, „Wir brauchen keine Datensparsamkeit, sondern Datenreichtum,  denn Daten sind der zukünftige Rohstoff“.

Nun, mit dem neuen „Cyber-Hack“ wurde geliefert wie bestellt !

Aber das scheint ja dann auch wieder nicht das zu sein, was gewünscht war.  Man spricht hochtrabend vom „Verrat an der Demokratie“.   Genau – das sage ich seit Jahren, Merkel und Gabriel sind Verräter der Demokratie.  Nichts Neues also.

Aber auch das ist wohl nicht gemeint.  Offenbar hatte die selbsternannte „Politische Klasse“ nicht die eigenen Daten im Sinn, als es um den „Datenreichtum“ ging, sondern die Daten des „Packs“.

Nun ist das gemeine Volk völlig beratungsresistent, hat überall „Payback-Karten“, „Kundenkarten“, macht jedes Preisausschreiben mit und meldet sich in beliebigen „sozialen Netzwerken“ an, insbesondere auf „Facebook“ oder „Twitter“.  Allein ein Blick in die Visage dieses „Zuckerbergs“ sollte eigentlich einen kultivierten Mitteleuropäer dazu bewegen, diese fiese Proletenschwemme zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.   „If the service is free, YOU’re the product being sold“, das ist wohl das mindeste, was heute ein Haupt- oder Gesamtschüler, zumal in Bayern, internalisieren sollte.  Ein Gymnasiast sollte darüber hinaus wissen, daß amerikanische Unternehmen qua Gesetz faktisch gezwungen sind, gegen den bei uns gesetzlich vorgeschriebenen Datenschutz zu verstoßen.  Aber weit gefehlt:   Auch meine ehemalige Lehranstalt prostituiert sich „auf Facebook“.

Das gemeine Volk denkt natürlich nicht daran, sichere Paßwörter zu benutzen.  Und schon gar nicht mehrere.  Es reicht also die Kompromittierung eines einzigen Kundenportals, und schwupp sind alle Konten auf einem rumänischen Server.   In absolut krimineller Manier kauft die Bundesrepublick Deutschland zudem illegale Werkzeuge, die „dem Pack“ selbstverständlich strafbewehrt verboten sind.  Dumm nur:  Kein anständiger „echter“ Hacker gäbe sich für die Mitarbeit beim „BSI“ oder beim „Cyber-Abwehrzentrum“ her.  Auch der „BND“ bekommt keine Leute.   Das hat seine Gründe.  Es wäre für mich sozialer Selbstmord, für dieses korrupte System zu arbeiten – nicht einmal meine Frau würde mich noch anschauen wollen.   In aller Regel vegetieren innerhalb der „Dienste“ charakterschwache Verlierer, denen wirkliche Fachkenntnis fehlt.  Und in der Hand dieses „Personals“ verkehrt sich Sicherheit ins Gegenteil.

Aber bleiben wir beim dummen Volk:   Der Umgang mit den eigenen Daten ist derart fahrlässig, daß man Kevin Müller oder Chantal Meier nicht mehr als „Opfer“ sehen muß, sondern als Täter oder zumindest „Begünstiger“.

Mit „Facebook“, „Twitter“ und „Payback“ bekommen Kevin und Schantalle genau das, was sie verdienen.  Mögen sie daran verrecken.

 

Erkläre Chimäre

Aber diesmal hat es ja eine ganz andere Species getroffen, die eingangs erwähnte „Politische Klasse“.

Was sind das für Menschen?  Nun, vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die  San Franzisko – Reise einer fraktionsübergreifenden Bundestagsdelegation.  Es ging um das amerikanische Gesundheitswesen.  Organisiert wurde dies von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft.   Nun, der schrieb einen geharnischten Brief nach Berlin, denn die Damen und Herren waren allesamt vom Stamme Nimm.  Dreist forderten sie, den Kalender nicht mit zu vielen sachbezogenen Themen zu überfrachten, man wolle sich auf eigene Faust informieren, insbesondere über die Schuhindustrie.  Eine der Teilnehmerinnen ist von Beruf Schuhfabrikantentochter.    Den eigentlichen Termin sagte man kurzerhand ab, weil ein Mitglied der amerikanischen Gastgeber überraschend ausfiel.  Es sei schon sehr wichtig, ließ man die amerikanischen Kollegen wissen, daß man sich „auf Augenhöhe auszutauschen“ gewohnt sei.  Peinlich nur:  Die blasierte Mischpoke befand sich bereits in Freizeitkleidung, bevor sie vom Ausfall der Amerikanerin erfuhr.  Aber schlimmer noch:  Wie müssen sich die amerikanischen Gastgeber gefühlt haben ?   Geht es bornierter, geht es undankbarer, geht es widerlicher ?   Um es vorwegzunehmen:   JA, ES GEHT.  Eine der „Damen“ litt unter einer verletzungsbedingten Gehbehinderung und verlangte am Flughafen forsch nach einem Rollstuhl.  Nun entsprach das auf die Schnelle besorgte Modell nicht den Ansprüchen der Dame und die Delegation forderte „einen Neger an, um den Rollstuhl zu schieben“.  Ja, es sei nicht ausgeschlossen, so ein Delegationsmitglied, daß er in der Hitze des Gefechts diesen Begriff gebraucht habe.  Nun ist gegen den Begriff „Neger“ nun einmal nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil, es ist der einzige verwendbare.  „Farbiger“ zielt ja wohl eher auf Punker ab, nicht alle Neger sind „Schwarze“ und „Afrodeutscher“ paßt auch eher selten.  Wenn aber jemand einen „Neger“ anfordert für, aus der Perspektive eines bornierten Möchtegernpolitikers gesehen, „niedere Arbeiten“, dann steckt da eine verräterische, dafür aber umso widerlichere Botschaft dahinter:  „Für niedrige Arbeit ist der Neger vorbestimmt“.   Nun werden Sie fragen:  „Sitzt diese widerliche Mißgeburt immer noch im Bundestag?“.   Aber ja, selbstverständlich.   Aber das beste kommt jetzt:  Die Rollstuhlfahrerin (oder eben Nichtfahrerin) ist jetzt, ganz aktuell, „Die Beauftragte der Bundesregierung für Integration“.    Wer möchte, kann noch mehr Details über diese „Dienstreise“ lesen, aber Vorsicht:  Macht schlechte Laune.

Mit solchen Ersatzmenschen wie hier beschrieben hat man es im Bundestag zuhauf zu tun.  Und wenn sie sich schon in Gastländern so benehmen, daß jedem halbwegs kultiviertem Menschen der Atem stockt, wie sollte man sich dann deren Umgang mit eigenen Mitarbeitern vorstellen ?   Ja, lieber Leser, Sie ahnen es bereits:  Unterirdisch.   Unter IT-Administratoren „kennt man sich“, es gibt da zum Beispiel ein jährliches Treffen auf Schloß Ebersberg, wo man sich in lockerer Atmosphäre austauscht.  Und man bekommt da so einiges zu hören.   Beispielsweise wird IT-Mitarbeitern dreist mit sofortiger Kündigung gedroht, wenn nicht sofort das gewohnte, dreistellige Paßwort für die Frau Abgeordnete wieder eingestellt wird.  Es müssen selbstverständlich auch alle Dinge installiert werden, die sich eigentlich nicht auf den Bundestagssystemen befinden dürfen.  Während die Abgeordneten so technikaffin sind wie ein rosa Pudel, haben sie aber eines begriffen:  Sie lassen sich ein Programm installieren, welches die lokalen Proxyserver des Bundestages umgeht, um so ohne Überwachung Pornographie zu konsumieren oder aber Kanäle zu den Organisationen aufzubauen, von denen sie geschmiert werden.  Wenn Administratoren diesen Nulpen zu erklären versuchen, daß sie damit das gesamte Netz der Bundestagsverwaltung gefährden, gibt es wieder Drohungen und Beschwerden gegen den Mitarbeiter.  Daß ab und zu einmal Politiker-Notebooks als Pfand im Puff landen, ist ja aus der Tagespresse bekannt.

Nun müssen wir festhalten:   Was gibt es Unnützeres als eine Horde gekauftes Stimmvieh, das sich unter gröbster Verletzung unseres Grundgesetzes der Fraktionsdisziplin unterwirft ?  Diese Menschen tun nichts Sinnvolles.  Ergo bräuchten sie auch keinen „Computer“.   Und genau DAS wäre eine effiziente, RADIKALE Lösung eines eklatanten Sicherheitsproblems.  Allen ein „IPad“ zur Bespaßung, das reicht.

Ach, das haben sie schon ?   Na, umso besser !  Dann wäre das ja geklärt:   Genau so, wie man Alkoholikern sinnvollerweise die Fahrerlaubnis entzieht, nehme man den Abgeordneten einfach das restliche elektronische Spielzeug weg.  Man wirft ja auch keine geladene Maschinenpistole in den Schimpansenkäfig.

 

Ein niedliches Frauchen

Es bedarf aber noch anderer Maßnahmen.   Das obige Bild zeigt „Digital – Staatsministerin“ Dorothee Bär.   Bevor ich jetzt wieder lästere:   Ich finde die Dame recht knuffig, mit einem warmen, herzlichen Gemüt, bestimmt ist sie auch fleißig, kann kochen und ist eine gute Mutter.  Und diese leichte Ansatz zur Pummeligkeit steht ihr.  Ich wollte gar keine Frau mit klassischen Model-Maßen haben.   Also, wenn ich mir das Frauchen so angucke, dann komme ich in Versuchung nachzudenken, ob ich vor zwanzig Jahren bei der Frauenauswahl nicht einen gewaltigen Fehler gemacht habe.

Aber diese bayerische Maid, die garantiert wieder so etwas Nutzbringendes gelernt hat wie die Kollegin Sylvana Koch-Mehrin, mit einer wichtigen Aufgabe zu betrauen ?  Wo sie sich, es ist noch keine zwei Wochen her, explizit dafür ausgesprochen hat, bei der „Elektronischen Gesundheitskarte“ den Datenschutz auszuhöhlen ? Was kann da schon schiefgehen ?  Am Arm trägt sie eine „Apple“ – Uhr, das läßt auch auf ein „Apple“ – Mobiltelephon schließen.   Also sind Madames Daten, und natürlich auch die ihrer Kinder, garantiert sicher in der „Apple – Cloud“.  Hätte man da nicht jemanden nehmen können, der sich damit auskennt ?

 

Warum nicht Sie ?

Das ist Constanze Kurz, ist auch nett anzuschauen, benutzt aber zusätzlich ihr Gehirn und zeigt Haltung.  Das will ich der Frau Bär ja gar nicht absprechen, aber die Frau Kurz verfügt über eine fundierte fachliche Ausbildung zum Thema und hat auch hochinteressante Dinge im fachlichen Kontext publiziert.  Desweiteren engagiert sie sich im CCC.

Das wäre einmal eine starke Wahl für eine fachlich kompetente Staatsministerin gewesen.

 

Crisis ?   What Crisis ?

Und so wird sich nichts ändern.  Alle zusammen benutzen weiterhin schön Microsoft und vor allen Dingen „Outlook“, das Haupteinfallstor für Trojaner aller Art.  Obwohl jeder weiß:  Virenscanner helfen nicht !   Das einzige, was hilft (meine Frau hängt seit 1996 breitbandig mit „Windows“ im Internet ab und hatte noch nie einen „Virus“), ist die eigene Intelligenz und Medienkompetenz.  Und die fehlt ganz pauschal bei fast allen Politikern.  „Microsoft Windows“ ist aber ein exzellentes Werkzeug, um den Wirkungskreis von Dummheit dramatisch zu vergrößern.

Und ohne jetzt Roß und, äh, Reiter zu nennen:  Das ist dann wohl auch der Grund dafür, daß ein besonderer Unsympathieträger einer großen deutschen Stadt die Wiedereinführung von „Windows“ betreibt.

-hb

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 2. Januar 2019

2019 – Ich habe Jubiläum: 50 Jahre Digitalisierung

 


Heute: Warum die Lokomotiven ihr „E“ und „V“ verloren haben.

Im Jahre 1969 habe ich nach dem Abitur im Juni im Herbst angefangen an der THM (Technische Hochschule München – heute TUM Technische Universität München) Mathematik und Informatik zu studieren. Informatik war ein ganz neuer Studiengang, den man erstmals – auch nur als Nebenfach – studieren konnte. So nehme ich mal 1969 als offiziellen Beginn meiner „informatischen“ Karriere und feiere deshalt dieses Jahr mein 50-Jähriges Jubiläum der Digitalisierung.

Das ist aber nur das offizielle Start-Datum. Denn ich habe mich schon früher mit Informatik beschäftigt. Damit meine ich nicht, das ich Lesen & Schreiben gelernt habe. Obwohl die Verschriftung von Sprache zweifelsfrei ein informatisches Thema ist. Mit Schrift konnten Gedanken, Geschichten oder andere Inhalte (heute auf Neudeutsch „Content“ genannt) zweifelsfrei „digital“ gespeichert werden. Also Informatik.

Nein, der erste wirkliche Kontakt mit Informatik entstand in einem Kinderbuch. Ich meine, es war eine der Geschichten der „5 Freunde“ von Enid Blyton. Da ging es immer um Bösewichte, die am Schluß von einer Gruppe Kinder/Jugendlicher ertappt werden. Und in einem der Bücher waren die Bösewichte Schmuggler, die mit ihren Komplizen auf einer Schmuggler-Insel von Land aus mit Licht über Morse-Signale kommunizierten.

So waren die Morse-Zeichen der erste Code, den ich schon in jungen Jahren kennen gelernt habe. Informatisch gesehen ist der Morse-Code etwas besonderes, weil er keine feste Wortlänge hat. Wenn ich heute einen Vortrag über Codes halte, starte ich gerne mit diesem so pragmatischen Morse-Code.

Einfaches Stellpult für drei Gleise und eine Bahnhofslampe.

Auch beim Modelleisenbahn-Spielen (mit meiner Märklin-Eisenbahn) habe ich viel gelernt. Mein Vater hat mir für die Modelleisenbahn ein eigenes Stellpult gebastelt. Das bestand aus zwei Sperrholzplatten, vier Schrauben und Muttern aus dem „Stabil-Baukasten“, einem Verteiler mit drei Ausgängen, 4 Steckdosen und einem Schalter. Dürfte noch vor 1960 gewesen sein.

Damit konnte man Strom z.B. auf eines von drei Gleisen (1,2 und 3, die von den Kreisen isoliert waren) in einem Bahnhof geben. Und ausserdem das Licht im Bahnhof ein- und ausschalten (macht man heute mit IOT). Es gab sogar einen Fehler, den wir als „Feature“ betrachtet und genutzt haben. Wenn der Stellhebel nicht präzise geschaltet wurde, hatten sogar zwei der drei Gleise Strom! Natürlich nur die Ausgänge für 1 und 2 oder 2 und 3.

Mein Vater hat mir das gebastelt, weil ihm die Märklinschalter als unverhältnismäßig teuer vorkamen. So bekam ich auch nur manual zu bedienende Weichen und keine elektrischen. Das hat meinen Automatisierungsdrang eingeschränkt, aber auch so ging einiges an „Informatischen“.

Schon 1962 habe ich mit Freunden einen Pfiff-Club gegründet, das haben wir auch viel „Informatisches“ ausprobiert. Und haben eine gemeinsame Anlage dann auch richtig automatisiert. Von der DB gab es auch eine Zeitung mir spannenden Themen dazu, die der Klub sechs mal im Jahr von der Bundesbahn bekam.  Und die immer sehnsüchtig erwartet wurde.

Von meinem Vater habe noch mehr „Digitales“ gelernt. Der war bei der Bundesbahn und brachte die alten graphischen Fahrpläne (von Schwaben und Bayern ) mit nach Hause. Gedacht war das als Nutzpapier (auch für die Schnittmuster von zu nähenden Kleidern) – aber für mich wurden diese Pläne mit ihrer einmaligen Darstellung der Zugläufe auf den Strecken dann gemeinsam mit Kursbüchern zum spannenden Lesestoff. Das war absolute Informatik.

Noch besser waren die technischen Magazine von der DB (deren Titel ich vergessen habe, leider sind sie auch alle verschwunden), die mein Vater, ich meine einmal im Vierteljahr, aus der Arbeit mitbrachte. Das war so „Pfiff-Club für die Erwachsenen“. Für mich war die spannende Lektüre, da stand vieles zum echten Eisenbahnbetrieb drin.

Es ging über neue Stellwerke und Rangierbahnhöfe und immer um kommende Technologie. Um neue Lokomotiven und Wagen. In jedem Heft war ein besonders wichtiges Thema der Glanzpunkt. Ich erinnere mich da an die Eröffnung der Vogelfluglinie (das muss so um 1963 gewesen sein), an Roll-In-/Roll-Out-Fähren, neue Schlafwägen, einem Versuch mit Zwitterfahrzeugen, die auf Straße und Schiene fahren sollten, über neue Signal- und Sicherheitssysteme und vieles mehr durchaus mit informatisch-logistischem Hintergrund.

Und in einem Heft wurde die Einführung der neuen Technik EDV bei der Deutschen Bundesbahn gefeiert. Dazu eine kleine Erläuterung:

In Deutschland gab es früher nur Länderbahnen. Die hatten zum Teil ihre eigenen Lokomotiven. Eine Berühmtheit hierzulande ist die bayrische S3/6, von der auch ein Exemplar im Deutschen Museeum steht. Mit dem Zusammenschluß der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn wurden die Typen vereinheitlicht. Da Ziel war, durch höhere Stückzahlen die Beschaffung und den Betrieb effizienter zu gestalten.

Da am Anfang der Eisenbahn die Dampflokomotive stand, hat man festgelegt, dass die Kategorisierung der Typen von 0 bis 99 geht. Man sprach da von Baureihen. Berühmte Baureihen sind die 01, die 03 (beides Schnellzugloks), die 18 (das war im übrigen die alte bayerische S3/6) oder die 50 (eine Lok für die Güterzüge). Die letzte Dampf-Neukonstruktion, die in Betrieb ging, war in meiner Erinnerung die BR 10, die es aber nicht mehr auf viele Einheiten brachte.

Mit dem Aufkommen anderer Antriebe hat man dann einen  Buchstaben vorne hin gesetzt. Elektro-Lokomotiven bekamen ein E und die mit Verbrennungsmotor (die Diesellokomotiven) eine V vor der Nummer ihre Gattung. Die E-Loks hiessen dann E10 oder E18 (Schnellzug), E44  (Personenzug) oder E63 (Rangierlok) und die Dieselloks V200 (Mehrzwecklok) oder V60 (Rangierlok). Es gab auch weitere Fahrzeugtypen wie VT (Dieseltriebwagen), ET (Elektrotriebwagen) und ETA (Elektrotriebwagen mit Akku) – und mehr.

UND DANN KAM DIE EDV …

Die Gattungen waren so etwas wie KLASSEN und die einzelnen Loks dann die OBJEKTE einer Klasse. Wie bei technischen Großgeräten üblich, hatte jedes OBJEKT einer KLASSE Unterschiede, die im Lauf der Zeit immer mehr wurden. Die Klassen wurden in dieser Logik durch die ersten beiden Ziffern beschrieben, dann kamen – mit einem Abstand (heute würde man das ein „Blank“ nennen) die Objektbezeichnung: Eine Nummer der einzelnen Lokomotive meistens in der Reihenfolge wie sie gebaut worden sind. Diese war je nach Anzahl der produzierten Einheiten meistens drei-, bei sehr erfolgreichen Baureihen auch schon mal vierstellig.

Den Lokomotiven (Objekte) waren verschiedenen BWs oder BAs zugeordnet. Dort wurden sie gewartet oder ausgebessert. Solche Infos wurden mit Schildern auf der Lok (also inkrementell) dokumentiert, wie auch techische Besonderheiten, wie eine besondere Bereitstellung z.B. von Wärme für die Wägen oder der Bremsluft (die die Bremsen mit Luftdruck von den Rädern fern hielten).

Ein wesentlicher Unterschied von (Dampf-)Lokomotiven einer Baureihe war z.B. die Befeuerung – ob mit Kohle oder Öl. Das war natürlich wesentlich für den Betrieb, weil eine mit Öl betriebene Dampflok mit Kohle nichts mehr anfangen konnte. Der Lokspäher aus dem Pfiff-Club konnte das mit dem bloßen Auge auch aus der Ferne erkennen, so bin ich mir nicht sicher, ob die Befeuerungsart an der Lok auch mit einem Schild dokumentiert wurde. War ja selbsterklärend.

Und es gab es ein zentrales Register für alle Loks. Ich stelle mir das wie eine große Sammlung von sehr dicken Hängemappen vor. Für jede Lok eine – und alle wurden immer dicker. Diese Daten sollten auf EDV umgestellt werden.

Und so war eines Tages das Highlight im Magazin, dass nach der Einführung der EDV die „Nummerschilder“ der Lokomotiven keine Buchstaben haben durften sondern nur noch Nummern. So bekammen alle Loks neue Nummerschilder – und die alten wurden zum beliebten Sammlerstück für Pfiffclubs und Eisenbahnfreunde.

Anscheinend war die Nummer der Schlüssel für die Loks in der damals wahrscheinlich noch sequentiellen Datenbank. Ich meine, das war so 1965 – und ich fand es schon damals ziemlich schwach von der EDV (Informatik), dass die keine Buchstaben konnte.

🙁 Und so wurde aus der E10 die 110 und aus der V200 die 320. Ein Jammer.

RMD

P.S.
Nach meinen Lehrjahren bei Siemens durfte ich dann an der Ausschreibung für ein X25-Netz aufbauend auf dem eigenen BASA-Leitungsnetz der DB bei Bundesbahnzentralamt (BZA) in München mitwirken. Das war wohl Anfang der 80iger Jahre und ein Klasse-Projekt! Allerdings mit einem unrühmlichen Ende …
(aber dazu ein anderes Mal)

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 6. Juni 2018

Digital, bekloppt, banal

Wenn das Herz stockt, Folge # 1337 :

Hallo, ich bin John

Ich bin WiFi-Architect in einer Behörde, mit Fokus auf Schulen und kommunale Einrichtungen in Nordrhein-Westfahlen, Deutschland. Zuvor habe ich als Integrator für Software-Lösungen von Spielberg und als Netzwerk-Architekt für Kunden im Mittelstand gearbeitet. Anfangs war ich Active-Directory und Firewall-Administrator in einer der größten, europäischen Bankunternehmen.

[…]

Für mich ist WiFi für unsere Schulen eine Möglichkeit, unsere Zukunft ein wenig besser zu gestalten. Ich möchte Kindern und Lehrern die Möglichkeit geben, diesen wunderbaren Planeten zu entdecken. Es steckt also auch ein bisschen Idealismus in meiner Arbeit. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass ich diesen Job machen darf.

 

 

Ich bin in Düsseldorf auf die Welt gekommen, habe die erste Hälfte meines Lebens in Meerbusch Osterath verbracht und die zweite Hälfte in Krefeld Königshof.

Na gut, er kommt aus Düsseldorf.  Das gibt mildernde Umstände.

Unser John möchte unseren Schülern und Lehrern ein Mittel an die Hand geben, das diese erstmals in die Lage versetzt, die Welt zu entdecken.  Mir bleibt bei einer solcherart unbeabsichtigt zu Schau gestellten Borniertheit glatt die Spucke weg.

(p * V) / (T * m) = R

Das wäre ein Ansatz, die Welt zu entdecken.

Und die Aufgabe einer Schule wäre es, Menschen zu zeigen, was hinter dieser Gleichung steht und was man damit alles anstellen kann.  Man kann die Gleichung auffassen als Definition der spezifischen Wärmekapazität in J/(Kg*K) (Druck * Volumen ergibt ja Energie).  Sie ist aber auch die Verknüpfung entscheidender Teile der Lebenswerke von Boyle-Mariotte, Gay-Lussac und Ludwig Boltzmann.

Alle drei haben die Grundidee des Arztes Robert Mayer zum ersten Hauptsatz der Thermodynamik weiterentwickelt:  „Energie geht nicht verloren“.  Der hört sich trivial an, aber er hat unser Verständnis unserer Welt erst ermöglicht.  Und über den zweiten Hauptsatz und dessen universelle Relevanz streiten sich bis heute die Gelehrten:  „In einem geschlossenen adiabaten System kann die Entropie nicht geringer werden“.

Die Schule ist nicht dazu da, den Menschen die Welt möglichst einfach und mundgerecht vorzukauen und zu „präsentieren“, sondern dazu, ihnen das Rüstzeug an die Hand zu geben, die Welt auf eigene Faust zu entdecken.

Und dazu braucht man ganz bestimmt kein „WLAN“ oder einen „Computer“.  Ganz im Gegenteil, die Initative „Schulen ans Netz“ kann neben dem Islam als größter Bildungsfeind betrachtet werden.

Hierzu:  Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer

Natürlich gab es haufenweise Verrisse hierzu, allen voran der Sueddeutsche Beobachter und, subtiler, eine Replik von Dieter Kempf, dem Mann also, der die DATEV in eine digitale Sackgasse gefahren hat.

Es gibt nichts peinlicheres als den deutschen Bildungsbürger.  Ich kann mich erinnern, als ich etwa 1976 während des stinklangweiligen, nervtötenden Geographieunterrichts ein Assemblerprogramm schrieb; man tat das früher auf Formularen in A4 quer, und obendrauf stand fett „KIENZLE  Assembler 2200“ — es fiel also durchaus auf, daß ich mich nicht mit einer Landkarte beschäftigte.   „Sag‘ ‚mal Bonfigt“, so störte mich unvermittelt der zweitlangweiligste Pauker des Gymnasiums, „wie willst Du eigentlich später Dein Geld verdienen ?  Doch nicht mit dieser brotlosen Kunst ?“.   Naja, ich war nicht nett damals und entgegnete, „Naja, wie man es nimmt.  Mehr als ein Geographielehrer verdiene ich jetzt schon, aber ich wüßte nicht, wie ich mit den paar Kröten einen angenehmen Lebensunterhalt bestreiten sollte“.  Das war dumm und arrogant, aber genau so dumm war es, Menschen, die sich mit so etwas „exotischem“ wie Computer beschäftigten, als unnütze Spinner zu bezeichnen.  Auch die „Klassenkameraden“ hatten keine Ahnung, was man mit so einem Ding alles anstellen könnte — was daran lag, daß es gottseidank noch keine Hobbycomputer gab.  Dieser widerliche Commodore-Brotkasten befiel die Welt erst in den Achtzigern.

Hätte ich damals meinen Mitschülern empfohlen, sich einen Computer anzuschaffen — alle hätten mir einen Vogel gezeigt (taten die getauften Heiden sowieso, ich war der notorische Klassenspinner).  Wenn ich heute sage, „kein Kind braucht einen Computer für seine persönliche Entwicklung“, dann bin ich wieder der Idiot.  Früher war ich ein perverses Schwein, wenn ich sagte, man solle die Schwulen doch in Ruhe lassen, solange sie nicht andere belästigen, heute bin ich ein Rassist/Faschist, wenn ich sage, daß mich öffentlich zur Schau gestellte Homosexualität anekelt.

Zeitgeist ist Kleingeist !

Und je dümmer ein Mensch, desto mehr orientiert er sich an diesem.  Ob das 13jährige Girlie, der widerwärtige Sexualstraftäter oder der peinlichste Schwätzer der Republik  —  alle tragen ein „IPhone“ mit sich herum — wohl wissend, daß sie sich damit freiwillig ihrer informationellen Selbstbestimmung begeben.  Und keinem fällt das auf !

Aber wehe, wehe, jemand vertritt eine Meinung, die dem Mahlstrom der „Allianz der Anständigen“ zuwiderläuft !

Nun ist der oben zitierte „John Lose“ ein ganz netter, hilfsbereiter Kerl.  Und er gehört zu der verlesenen Handvoll von Menschen, die sich wirklich mit Microsoft-Produkten auskennen.

Schlimmer schon steht es mit Digitalproll „Sascha Lobo“, dessen albernen roten Haarschopf eine hochintelligente Informatikerin mit einem einzigen Satz erklärte:  „Stell‘ Dir vor, der hätte ganz normale Haare, dann träte seine Visage anstatt seiner Frisur in den Vordergrund“.  Und genau so albern wie die Frisur des dauerjünglierenden Digitaldebattanten ist dessen schwachsinniges Geseiere vom digitalen Entwicklungsland Deutschland.

Es hat sich viel getan im sogenannten „Breitbandausbau“ und ein „DSL 6000“ mit 6 MBit/s im Down- und 1,2 MBit/s im Upstream sollte für jeden Privatanwender dicke ausreichen.  Hier jetzt herumzuheulen von wegen „gebrochener Versprechungen“ ist Klagen auf allerhöchstem Niveau.  Wenn der Arsch einen Film anschauen will, dann soll er den Fernseher anschalten, dazu ist der nämlich da.  Besondere Ansprüche hat er nicht, es reicht „Eine schrecklich nette Familie“.   Den Dreck muß man nicht qua Unicast über das teure Netz prügeln, dafür gibt es direktabstrahlende Satelliten.

„Es kommt“, so sekundiert mir meine Schwester gern, „nicht darauf an, wie stark oder woher der Wind bläst, sondern wie man die Segel setzt.  Und wenn ich nicht weiß, wo ich hinwill, ist jeder Weg der richtige.  Erst die Standort- und Zieldefinition ermöglichen es mir, einen Kurs zu bestimmen.  Und dann erst beschäftige ich mich mit Wind und Strömung“.  Das weiß nicht nur jeder erfahrene Segler.  Der einzig merkbefreite ist der Möchtegern-Informatiker, der feststellt, daß der von ihm fabrizierte Multimediaschrott immer langsamer läuft und meint, er könnte sein Problem mit immer unmäßigerem Ressourcenverbrauch lösen.

Diese krampfhaften Versuche zeigen die Idiotie der sogenannten „Digitalisierung“.   Und hier habe ich, mehr zufällig, einen interessanten Artikel eines Jugoslaven gefunden und ihn unkommentiert eingestellt.  Das fand Roland unpassend, insbesondere dehalb, weil er argwöhnte, es handele sich um einen recht einfältigen Menschen mit gefährlichem Halbwissen.   Dazu muß man wissen:  Hier schreibt ein Jugoslave.  Die gibt es, soweit mir bekannt, in zwei Ausfertigungen:  Die dummen glauben an Allah, die gerissenen glauben an sich, ihr dickes Auto und ihre dicken Eier.   Der „Kollege“ Jerko ist klar der Gruppe 2 zugehörig und hält sich für einen „hochqualifizierten Spezialisten“, weil er DATEV-Programme auf Windows-PCs installieren kann und auch schon einmal eine „LAN-LAN-Kopplung“ gemacht hat, etwas, das ein Fachmann in der Regel meidet wie der Teufel das Weihwasser.  Er definiert sich nur über Marken, die er trägt oder fährt und läßt keine Gelegenheit aus, mit seinem Reichtum zu prahlen.  Machen Sie sich selbst ein Bild.

Aber diesem Mann fehlen auch die deutschen Scheuklappen und aufgrund seines schlichten Gemütes denkt er erfrischend geradeaus und kommt zu erschreckend richtigen Schlußfolgerungen, etwa zu vergleichen mit denen des kleinen Oskar Matzerath.

So stellt er ganz offen die „Digitalisierung“ als Allheilmittel infrage, indem er feststellt, daß eine „vollanaloge“ MP 5 von Heckler & Koch bis zu 300 Asylanträge pro Minute bearbeiten kann.   Ohne Zweit- und Drittinstanz beim Bundesverfassungs- oder -verwaltungsgericht.  Bevor hier wieder das Theater losgeht:  Man muß soetwas als Fingerzeig verstehen und nicht 1:1 umsetzen.  Aber zum Beispiel die Verbringung aller kriminellen Asylbetrüger auf die Kerguelen-Inseln wäre eine praktische Option.

Nun schreibt mir dieser Mann im bereits zitierten Artikel,

http://www.jerkos-welt.com/schluss-mit-dem-digitalisierungsgeschwaetz-hoert-endlich-auf-uns-zu-verarschen/,

wirklich aus der schwarzen Seele.  Das liegt zum einen daran, daß auch ich ein einfältiger Mensch bin.  Meine Frau und meine „Ex“ kennen sich gut und rätseln noch bis heute, „ist er ein ‚vielschichtiger‘ Mensch oder nicht ?“, aber je mehr ich ihr versichere, ich sei einfach und ehrlich gestrickt, desto mehr zweifeln sie.  Ich bezeichne meinen Intellekt als „schlicht“ und sehe in Schlichtheit seit jeher auch eine gewisse Schönheit.

Unter diesem Aspekt:  Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, wenn Sie meinen,

  • daß man mit Geld nicht unsere Bildungsmisere lösen kann
  • daß vermeintliches „Expertenwissen“ oft nichts anderes ist als „Mausklick nach Anleitung“
  • daß nicht die mangelnde „Bandbreite“, sondern die Dummheit der Internetnutzer das Problem darstellen

Und lasen Sie es sich von einem wirklichen „Digital Native“ sagen:  Der Mann hat recht.

-hb

Hans Bonfigt
Samstag, der 26. Mai 2018

Moderne Zeiten

Bekenntnisse eines ewiggestrigen Rassisten

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir gehen schale Witzchen über den BER auf die Nerven.
Ein schwuler Bürgermeister, eine peinliche Truppe SED-Aktivisten und ein heruntergekommener Restbestand „Sozialdemokraten“ haben sich an einem Flughafenrojekt versucht.  Das MUSSTE schiefgehen.

Nun könnte man sagen, „Berlin ist halt nun einmal Berlin, hier haben kriminelle Veruntreuung von Steuergeldern und schwachsinnige Verordnugen, die stets das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist, eine jahrzehntealte Tradition“.

Doch aus der Sicht eines Experten für Datenverarbeitung muß ich leider immer wieder feststellen:

BER ist überall. Sogar im schönen Bayern.

Denn junge, unerfahrene Menschen basteln sich Umgebungen zusammen, die immer komplexer werden und selbst von guten Administratoren nicht mehr beherrscht werden können. Gleichzeitig wird der verspielte Klapperatismus immer schwerfälliger und undeterministischer in seiner Antwortszeit — gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit gegen Angriffe erheblich.
Was ist da eigentlich passiert ?

1. Was der Bauer nicht kennt…

Von Larry Ellison stammt das schöne Bonmot, „Ich würde meinen Kindern eher Drogen geben als DOS“.
Wohl wahr. Aber auch an unseren höheren Schulen werden unsere Kinder ausschließlich mit der kranken, kaputten PC-Architektur konfrontiert – privat sowieso.
Die Folge: Später, im Beruf, setzen unsere „alternativlosen“ Jungspunde das einzige System ein, was sie kennen. Und das ist ein Kretin aus kaputter Hardware und vermurkster Software.
– Das führt zwangsweise zu einer „Monokultur“ mit allen damit verbundenen Nachteilen,
– insbesondere einer fatalen Störanfälligkeit.
– Sinnvolle Alternativen verschwinden vom Markt,
– fatale Abhängigleiten entstehen.
Spätestens seit „Spectre“ und „Meltdown“ muß eigentlich jedermann klar sein: INTEL-basierte Systeme sind außer für Daddelspiele zu nichts zu gebrauchen. Ihr Einsatz ist grob fahrlässig.
„Windows“ und „Office“ telephonieren etwa 20 Mal „nach Hause“, wenn man nur ein einziges „Word“-Dokument öffnet. Über die fatalen Lücken in „Microsoft Outlook“ zu berichten, wäre müßig.
Solche Systeme professionell zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu nutzen, ist schlichtweg illegal – das weiß auch die Bundesregierung.  Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Transportwesen haben wir die unterschiedlichsten Systeme zur Wahl, aus gutem Grund: Denn ob Kreuzfahrtschiff, Motorrad, A380, Traktor, Schnellzug oder Tieflader: Sie haben alle ihre spezielle Eignung. Bloß in der „IT“ – da arbeitet alles mit den über die Jahre immer wieder marginal aufgerüsteten DOS-Kisten. Ja, selbst die modernsten „Server“, in Wirklichkeit aufgebohrte PCs, booten noch mit „DOS“ – Bordmitteln.
Das war füher anders: Man hatte die „Mainframes“ für hochverfügbare, hochsichere und hochzuverlässige Massendatenverarbeitung, typischerweise im Verbund mit einer Datenbank. Programmiert wurden diese in Sprachen, die einen Programmierer nicht überfordern und es vor allen Dingen ermöglichen, daß mehrere Programmierer konfliktfrei an einem Programm oder Projekt arbeiten können.
Die Bedienung und Dateneingabe erfolgt ergonomisch OHNE Maus, man benötigt unterdessen eine gewisse Einarbeitungszeit. Allerdings ist man nach dieser um Größenordnungen schneller als ein Mausschubser.

Es gab integrierte „Mini-Computer“ für kleinere bis mittelgroße Unternehmen.

Es gab leistungsfähige technische Rechner für Prozeßsimulation, Konstruktion, Bild- und Tonbearbeitung. Diese Systeme verfügten, weitaus früher als beispielsweise Apple oder Microsoft, über eine professionelle Graphik, die bis heute unerreicht ist: Denn das X-Window – System unter UNIX verteilt Programmhaltung, Programmausführung und graphische Benutzerschnittstellen auf unterschiedliche Systeme. So können hunderte Anwender einen Hochleistungsrechner gemeinsam und gleichzeitig nutzen!
Nur zum Vergleich: Unter „Windows“ gibt es so etwas nicht und deshalb will die Münchner Stadtverwaltung wieder einen Intensiv-Oatienten „nach gängigen Standards“ unter jeden Sachbearbeiterschreibtisch stellen.

Es gab spezielle Rechner zum Steuern von Maschinen und Anlagen, die neben erweiterten physikalischen Bedingungen nuch dem Umstand Rechnung trugen, daß spezielle Hardwarefunktionen benötigt wurden, beispielsweise hochauflösende Timer, Pulsweitenmodulatoren, D/A – Wandler etc..

Tja, und es gibt den „PC“ zur Bespaßung „moderner“ Konsumenten: Papi guckt sich Pornos an, der Sohnemann erfreut sich mit dem neuesten „EGO-Shooter“ und knallt Feinde ab, die Tochter postet kompromittierende Bilder ihrer aktuellen Todfeindin auf „Facebook“ und Mami kann jetzt endlich im „Wiki“ nachgucken, was ein „Narrativ“ ist, man will ja schließlich mitreden können.
Der PC bietet also für jeden etwas — und ist damit genau so effektiv und hilfreich wie ein „Schweizer Taschenmesser“: Kann alles, aber nix ansatzweise richtig.
Der PC aber hat uns dominiert. Das blanke Mittelmaß hat uns dominiert.

2. Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß

Der Manager Hans-Jürgen Esser, für mich über Jahrzehnte ein väterlicher Ratgeber, fuhr einmal vor etwa 25 Jahren mit mir als Beifahrer zufällig hinter seinem Chef her.  Hier trafen zwei Fahrstile aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, und so entspann sich folgender Monolog:
„Ah, sehen Sie: Das ist unser Hansi. Also, un-glaublich! Sehen Sie bloß, wie er um die Kurve schlabbert … und hier: Er ordnet sich gar nicht ein, fährt einfach in der Mitte, und so entscheidungsschwach wie auf der Straße ist er auch in seinem Job: Bloß niemendem wehtun, immer schön die goldene Mitte … Hansi ist kein Unternehmer, er ist ein UNTERLASSER !
Der könnte nie mein Freund sein. Und das sage ich Ihnen, mit schlechten Menschen kann ich gut umgehen, verdammtnochmal, ich bin ja selber schlecht, mit guten Menschen ja sowieso, ABER JENEN, DIE GANZ LEISE SCHLEICHEN, DEN MUSST DU AUS DEM WEGE WEICHEN.
Warten Sie, [fährt auf gefühlt 25 cm auf], GLEICH SCHIEBE ICH IHN AN !“
Ich muß dazu sagen, der Chef war immer frendlich zu mir, fand nie ein böses oder ein gutes Wort für mich oder irgendeinen anderen, war stets indifferent. Man muß ihm allerdings zugutehalten, daß er seinem schärfsten Kritiker die operative Leitung seines Unternehmens überließ. Und das gelang jenem mit Glanzbravour. Denn H.J. Esser war das Gegenteil der Mittelmäßigkeit.

Damit der Roland nicht der einzige hier bleibt, der Rupert Lay zitiert:

 Nicht der Bösewacht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn 
 man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen
 unserer Zeit betrachtet oder gar aufzuzeichnen versucht. Schon 
 Platons Vermutung, daß die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaßes
 bedeute, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme 
 in Europa nach 1948 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform 
 umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir verabsäumt - und so 
 beherrschen uns in Politik und Wirtschaft, im Sozialen (etwa den
 Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa den Kirchen) das Mittelmaß.
 Wie aber mag es dazu kommen, daß in demokratisch organisierten Sy-
 stemen die Herrschaft des Mittelmaßes tendenziell wenigstens unaus-
 weichlich ist ? Es handelt sich hier wieder einmal um die normative
 Kraft des Faktischen. Und das Faktische demokratischer Systeme ist
 der Kompromiß. Kompromißbildungen sind aber nun einmal die Konflikt-
 lösungsstrategien des Mittelmaßes. 

Quelle: Rupert Lay, Weisheit für Unweise (Hervorhebung von mir)

Lay indes ist ganz und gar kein Antidemokrat, aber Lay verachtet Demokratismus.

Warum ?

Demokratie – Demokratismus – Demokratur – Diktatur.

Die Diktatur des Mittelmaßes nennt sich übrigens heute „Shitstorm“.

Im Rahmen eines Fernsehinterviews wurde der geniale österreichische Verbrecher Udo Proksch einmal gefragt, „Herr Proksch, wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten – was würden Sie bei einer Fee bestellen ?“ — und jener antwortete, ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken:
Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals !

Heiko Mittelmaaß diene als Warnung, wie fatal sich Mittelmäßigkeit in der Politik auswirken kann – bei der Konzeption technischer Systeme unterdessen sind faule Kompromisse, und nichts anderes ist das Ergebnis des Mittelmaßes, fatal und führen schnurstracks zu BER.

3. „Best Practice“

Früher hat man sich Gedanken gemacht, „optimiere ich hinsichlich Leistung, Stabilität, Ressourcenverbrauch, Modularität, Salierbarkeit“, um wichtige Entwicklugsziele zu benennen.  Und in der Tat ergaben sich höchst unterschiedliche Entwürfe. Die Kunst war, mögliche Zielkonflikte zu vermeiden oder — na, wie heißt das heute im Idiotensprech? „mitigieren“.

Heute interessiert das niemanden mehr. Es wird das gemacht, was alle anderen Idioten auch machen.  Statt „Best Effort“ ist heute die „Best Practice“ das Gebot der Stunde.

4. Wirrtualisierung

Die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib dauert bekanntlich neun Monate. Wenn man diese Zeit verkürzen will, ist es evident sinnlos, gleich 9 Frauen zu schwängern. Man erhält zwar „statistisch“ pro Monat ein Kind, aber jedes Kind benötigt minimal neun Monate.

Um einen schwachbrüstigen „PC“ im Servergewand also zu beschleunigen, ist das „Clustering“ vieler Einzelserver womöglich nicht dazu geeignet, einen Prozeß zu verbessern. Klar, wird man entgegnen können, „viele Teilprozesse können heutzutage parallelisiert werden“, aber dummerweise gibt es immer wieder Punkte, an denen Teilprozesse aufeinander warten müssen – allerspätstens dann, wenn auf eine gemeinsam genutzte Ressource schreibend zugegriffen wird.

Die Wirklichkeit unterdessen ist grausamer und schlimmer:

„Clustering“ geht aus administrativen Gründen fast immer einher mit „Virtualisierung“.

Heutzutage entfällt der Hauptteil der Ein- und Ausgabelast eines Servers so gut wie immer auf die Netzwerkschnittstellen. Eine „virtuelle“ Netzwerkschnittstelle kann man jedoch nicht in einen „echten“ Switch stecken. Es muß also mindestens ein „virtueller Switch“her. Der „virtuelle Switch“ simuliert einen „echten“ Switch unter Zuhilfenahme einer Wald- und Wiesen – Universal-CPU. Und so kommt es, daß die „virtuellen Switches“ in Superclustern eines Servicerechenzentrums deutlich langsamer sind als absolut billige Amateurgeräte aus dem Aldi !  Denn schon die billigsten Konsumentengeräte verfügen über Hardwareunterstützung und können alle Ports simultan bedienen !

Apropos Hardwareunterstützung: „Virtuelle“ Netzwerkkarten entlasten den TCP/IP – Stack nicht von zeitaufwendigen Operationen.
Jedes Datenpaket muß, wieder von einer Wald- und Wiesen-CPU, aufwendig mehrfach ineinander verschachtelt, verpackt werden. Nun werden Sie sagen, „dann opfere ich halt zwei CPUs dafür“. Die CPUs aber arbeiten im Hauptspeicher und invalidieren („trashen“) den Cache, wodurch ALLE anderen Prozesse ausgebremst werden. Hinzu kommen, für den Profi, pro Paket in jede Richtung DREI Kernel/Userspace – Übergänge. Und jeder kostet nicht nur CPU-Zeit, sodern verlangsamt ein System durch (bei Taskwechsel notwendige) Locking-Mechanismen.
Aus technischen Gründen mußte ich am letzten Wochenende einen „virtuellen“ Server mit viel Netzlast durch einen „realen“ Server ersetzen. Es war ein Notfall; wir mußten das nehmen, was wir kriegen konnten — und das war ein schedderiger, alter „Windows 95“- PC mit Originalhardware. Eine zweite Netzwerkkarte mit stolzen 100 MBit/s war auch schnell gefunden und der Transfer auf eine gammelige IDE-Platte klappte ebenfalls prima.
Ich hatte die größte Befürchtung, eine erbärmliche Performance abzuliefern, aber am Montagmorgen kam eine Dame zu mir: „Was haben Sie gemacht ? SO SCHNELL lief unser Frontoffice-System noch nie !
Der zuvor eingesetzte Server war ein HP DL380 Gen.6, mithin also ein veritables Schwergewicht in der PC-Welt, mit allem, was die „Entwicklung“ zu bieten hatte.  Die Virtualisierung aber degradierte das System zu einer peinlich-lahmen Ente, die von einem „Pentium 5“ mit 512 MB Hauptspeicher gnadenlos deklassiert wurde.   Wohlgemerkt: Mit der gleichen Software, dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Einsatzbedingungen.
Eigentlich wußte ich immer schon, daß Wirrtualisierung im allgemeinen und „VMWare“, die Küchenschabe unter den Virtualisierungs-lösungen im speziellen, ausgemachte Performancebremsen sind — daß es aber so schlimm steht, das hätte ich nicht geahnt.
Aber auch ich habe mich in Sachen Performance zusehr an Mittelmäßigkeit gewöhnt.

5. Besen, Besen, sei’s gewesen …

Miese Leistung ist ja heutzutage „Standard“. Aber mit der „Virtualisierung“ kauft man sich einen Verwaltungsaufwand ein, der einem buchstäblich den Atem raubt:

Jeder normal denkende Mensch würde ja erwarten, daß man ein System von außen direkt administrieren kann — aber weit gefehlt bei Platzhirschen wie „VMWare“ und IBM.

Ich gehe einmal auf die abstruseste, hirnverbrannteste Variante ein, die IBM sich nicht schämt, seinen Benutzern zuzumuten:

– Zur Steuerung eines aktuellen IBM POWER – Servers ist jetzt eine alberne „Hardware Management Console“ notwendig, ein unzuverlässiger Havarist auf der Basis von „Nürnberger Windows“ („SuSE“). Diese besticht vor allem dadurch, daß sie gerne einmal ungefragt und unerwartet die NUMA-Konfiguration des verwalteten Rechners durcheinanderwürfelt, was allerdings nicht weiter schlimm ist, denn die Idioten, die eine „HMC“ benutzen, sind generell merkbefreit.

– Aber: Neuerdings braucht man ZWEI DAVON, und, dreimal dürfen Sie raten, die installiert man dann: RICHTIG, auf einer „VMWare“ – Wirrtualisierungsumgebung.

– Nur: Auf diese Verwaltungsumgebung kann man nicht zugreifen, es braucht noch ein „Windows 10“ mit „Flash“ und allen Multimedia – Uappetitlichkeiten an Bord, um via „Vschmier“ – Konsole auf den Server zuzugreifen, der wiederum das Verwaltungsprogramm beherbergt, das den eigentlichen Serer verwalten soll, der die einzelnen Serverinstanzen verwaltet.

Wir reden also von einer Verwaltung der Verwaltungsinstanz der Verwaltung einer Verwaltung. Ein größerer Schwachsinn ist für mich bislang nicht denkbar gewesen.
Es sind mindestens fünf(!) unterschiedliche Betriebssysteme beteiligt, mindestens zwei unterschiedliche Rechnerarchitekturen und unzählige Netzwerkschnittstellen.

Wer so etwas bei einem Kunden produktiv installiert, ist für mich ein krimineller Idiot.

6. Des Kaisers neue Kleider …

Der typische „IT-Admin“ ist in seiner Mittelmäßigkeit gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Er läßt sich jeden, aber auch wirklich JEDEN Schwachsinn als „innovatives Feature“ andrehen. Und traut sich nicht, STOP! zu sagen, um nicht vor seinen Kollegen als unwissend dazustehen. So kommt es, daß alle mit ihrer primären Arbeitsumgebung hoffnungslos überfordert sind und die Kernaufgabe der Abteilung darin besteht, sich Begründungen für das jeweils aktuelle Versagen im eigenen Projekt auszudenken – zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, das.

Man soll ja eine Betrachtung immer mit einem positiven Aspekt abschließen — kein Problem für mich, bitteseher:  Die modernen IT-Lakaien, durch faule Kompromisse kompromittiert,  durch „soziale Medien“ in Watte gepackt, ohne Ziel, ohne Verantwortung, ohne Achtung vor den Leistungen anderer und schon gar nicht vor der eigenen —

erst im Formulieren ihres eigenen Unvermögens sind sie dann ganz große Klasse !

-hb

Selfie in Greece, entspiegelt mit griechisch & englisch.

Es gibt um die sieben Milliarden Menschen. Weniger als die Hälfte haben Internet, die Mehrheit der Menschen hat es nicht. Es scheint klar zu sein, dass die Menschen und Nationen, die Internet haben, reicher werden. Und die, die keinen Zugang zum Netz haben, werden ärmer. Man spricht schon von einer neuen Armut, die durch fehlende Digitalisierung verursacht wird.

Bei Kindern ist es ähnlich. Lernen Kinder früh mit dem Internet umgehen, haben sie in der Regel bessere Chancen als wenn sie davon ferngehalten werden.

Bei uns brauchen Kinder unter 16 Jahren jetzt die formale Genehmigung ihrer Eltern, wenn sie z.B. Social Media machen wollen. Zu Social Media gehören sicher FB, Twitter, Instagram, MeetUp, LinkedIn und viele andere oft sehr nützlichen Systeme, die die Welt verändern.

Wenn ich mir eine Kennung in Wikipedia einrichte, dann bin ich Mitglied in einem riesigen Social Media System. Auch bei Wikipedia ist die Gefahr groß, dass es mich verschlingt. Und was da gemobbt wird – da kann ich mit eigenen Erfahrungen glänzen.

Jetzt frage ich mal die Juristen und schlauen Gesetzgeber:
Braucht ein 13-jähriges Jugend-Forscht-Genie die Erlaubnis seines Vaters um bei Wikipedia mitzumachen?

Und Euch:
Wird ein überzeugter Mormonen-Vater (kleine Religion mit vielleicht 20 Millionen Menschen) oder der Islam-Vater (große Religion mit zirka 2 Milliarden Gläubigen noch knapp hinter dem Christentum aber mit besserem Trend) seinem Kind die Zustimmung geben?
Ich weiß nicht. Die Mutter wird es nicht dürfen.

Aber jetzt weg von generellen Überlegungen zu meinen eigenen Erfahrungen und Gedankenexperimenten.

Wie mancher weiß haben wir sieben Kinder. Ich bin mir sicher, dass ich von keiner Lebens-Instanz soviel Positives und Wichtiges gelernt habe wie von meinen Kindern. Da schließe ich meine Eltern genauso ein wie meine besten Mentoren und Lehrer, vielleicht sogar die Barbara. Von der ich auch viel gelernt habe. Im Gegensatz von der Schule, die ich mal ganz vergesse.

Das galt im Leben allgemein wie auch besonders im digitalen. Das obwohl ich der IT-Profi (und -Pionier) in unserer Familie war, der das Ganze ja ein wenig selbst mitgebaut hat.

Wenn heute ein Enkel von mir bei Facebook oder Twitter mitmachen will, dann bekommt er meine Unterstützung. Ich würde ihm Tipps geben und ihn fragen, ob er es mag, wenn ich ihm folge. Und von ihm lernen, was er mir an Neuem bringt. Sorgen würde ich mir nur machen, wenn er einen „privaten Modus“ wählen würde. Dann würde ich der Tat an seiner Sozialisierung zweifeln.

Jetzt ein Gedankenexperiment:
Was würde ich machen, wenn er mit dem „darknet“ experimentieren würde?
Zur Erläuterung: Das darknet ist der Versuch, sich im Internet – durch Maskierung  – in absoluter Anonymität bewegen zu können. Also man versteckt seine Authentizität (das und was man wirklich ist) um sich unter einer Identität zu bewegen, die nicht zurückverfolgt werden kann!

Pfui! Das genau will ja das Finanzamt abschaffen und hat deshalb die Nummernkonten in der Schweiz verboten …

Dieses Ziel ist aus technischen Gründen der IT genauso unmöglich wie die absolute Sicherheit von Daten – auch wenn sie mit sehr archaischen Methoden unterstützt wird, kann sie letzten Endes nicht gewährleistet sein. Sonst wären die Erfolge der Armeen des Cyberspace im darknet ja gar nicht möglich. Glaubt mir, man muss nur wissen, wie es programmiert ist. Und gut und fleißig sein. Vielleicht noch ein wenig geschickter als der Gegner. Aber Wege gibt es immer.

Mein Enkel wird mir – wenn er ein wenig im Internet dazu gelernt hat – da bald widersprechen und auf „blockchain“-Technologien und Bitcoin verweisen.

Ist doch dort theoretisch gewährleistet (auch wenn zu einem sehr hohen Preis), dass man mit einer gewählten Identität einen gesicherten Anteil an einem Bruchteil einer total virtuellen (und begrenzten) Menge „hat“, ohne seine Authentizität preisgeben zu müssen bzw. die Rückverfolgung zu dieser unmöglich macht (was übrigens nur für den gilt, der selbst erfolgreiches „mining“ betreibt).

Ein normaler Käufer muss sich sehr wohl „outen“, und dass immer wieder (zumindest so lange bis seine bitcoins wertlos geworden sind).

Wenn der Enkel – oder natürlich die Enkelin – also mit darknet oder bitcoin  anfangen, würde ich mir vielleicht ein wenig Sorgen machen, aber abraten würde ich ihnen bei ihren Experimenten nicht. Beim darknet würde ich zu großer Vorsicht raten, bei bitcoin hätte ich Angst, dass sie verrückt werden, kenne ich doch persönlich viele, die daran geglaubt haben und zum Teil tragisch geendet sind (oder im besten Fall nur verrückt geworden sind).

Jetzt könnte ich mir aber vorstellen, dass Kinder auch unter 16 Jahren rein gesetzlich betrachtet sehr wohl versuchen dürfen einen Bruchteil eines bitcoin zu generieren und das ohne Erlaubnis ihrer biologischen Erzeuger. Müssen sie doch nur ein paar Asic-Systeme geschickt zusammen bauen – Jugend forscht ja gerne.

Und wenn sie bitcoins erfolgreich generieren, dann haben sie welche. Obwohl das wahrscheinlich gar nicht ihr Eigentum ist sondern nur ein „durch Rechenleistung und Algorithmen hergestellter Besitz“ – witziger weise ein ganz kleines Stück an einem virtuellen und begrenzten Zahlenraum. An dem irgendwelche Analysten glauben und Spekulanten dafür Geld geben. So wie bei den Tulpen in Holland vor langer Zeit war.

Denn die spannende Frage, ob Bitcoin virtueller Besitz oder virtuelles Eigentum ist, konnte meines Wissens bisher nicht geklärt werden. Die Tulpenzwiebeln zumindest waren real – angeblich konnte man sie sogar essen, wie sie nichts mehr wert waren.

Das war jetzt schwere Kost. Ich weiß, dass das sogar viele, die regelmäßig über bitcoin und blockchain reden und schreiben nicht verstehen. So verzeiht mir bitte meine Abschweifung.

Ich könnte noch soviel von spannenden – und auch einfacheren – Dingen erzählen, die im Internet passieren und mache das bei Gelegenheit vielleicht auch hier demnächst. Und so überschätzte Themen wie Pornographie oder auch das „Mobben in Facebook“ sind garantiert nicht das Wesentliche, auch wenn viele Erwachsene ganz gerne ab und zu mal einen Porno anschauen (und dies selbstverständlich leugnen). Und auch nicht „Parship“, Elite-Partner und Tinder. Da gibt es schon noch mehr wirklich Aufregendes – und das in vielen Dimensionen.

Aber unsere Kinder müssen jetzt Pappi & Mammi fragen, wenn sie eine neue Social Media Plattform im Internet ausprobieren wollen. Wo diese doch so viel Wichtigeres zu tun haben, wie Geld verdienen und am Wochenende Erst- und Zweiwagen putzen müssen.

Aber zurzeit bin ich in Griechenland und die Sonne scheint – und das ist mir irgendwie wichtiger! Bis dann.

RMD