Roland DürreSamstag, der 7. August 2010
Wikipedia #12 – “Überalterung!” oder “Ein deutsches Problem?”
Auch bei meinem letzten Vortrag vor doch zahlreichen Menschen habe ich wieder die Frage gestellt: Wer im Raum nutzt Wikipedia? Alle haben sich gemeldet – kein einziger Nichtnutzer war im Raum! Wikipedia ist eine ganz wichtige Geschichte geworden. Wikipedia ist nicht mehr weg zu denken.
In Wikipedia steht alles, meint man. Denn die Anzahl der in Wikipedia verfügbaren Begriffe ist ein Mehrfaches höher als in allen anderen Enzyklopädien. Natürlich kann in Wikipedia auch nicht alles stehen. Ab und zu entdeckt man relevantes Kulturgut, das in Wikipedia nicht vermerkt ist. Eigentlich wäre es eine “Bürgerpflicht”, das Entstehen der fehlenden Artikel dann zu unterstützen.
Wikipedia verändert die Welt. Techniken oder Begriffe, die in Wikipedia nicht gefunden werden oder dort schlecht beschrieben sind, verlieren an Bedeutung. Neues, das in Wikipedia nicht beschrieben ist, hat keine Chance, sich zu entwickeln.
Dank der demokratischen Struktur von Wikipedia gleicht sich das zum größten Teil selbst aus. Es gibt eine gute demokratische Kontrolle. Und die Vertreter aller Fachgebiete wissen natürlich, dass ihr Wissen in Wikipedia rein muss, damit es eine Chance bekommt, relevant zu bleiben. Denn in Wikipedia beschriebene Technologien und Kulturen aber auch Menschen und soziale Systeme bekommen eine andere Bedeutsamkeit.
Wikipedia ist aber massiv bedroht!
Roland DürreMontag, der 12. Juli 2010
Ist die Informatik ein Handwerk?
An unserem fachlichen IF-Forum am 24. Juni in Unterhaching hat Thomas Vallon unsere Gäste mit seinem Vortrag “Ist die Informatik ein Handwerk?” beeindruckt.
Im Vortrag beschrieb er Parallelen, die sich bei gründlicher Betrachtung von moderner Softwareentwicklung und dem Bau von Kathedralen ergeben. Der Bau von Kathedralen war im Mittelalter ein herausragendes Handwerk. Jede Kathedrale war ein echtes Großprojekt mit entsprechenden Herausforderungen.
In der Tat entdecken wir viele Gemeinsamkeiten mit großen Software-Projekten. Aber auch in unserem Selbstverständnis als Software-Entwickler entdecken wir erstaunliche “philosophische” Übereinstimmung mit diesen kühnen Bauherren und Handwerkern des Mittelalters.
So fand der Bau einer Kathedrale über sehr lange Zeiträume statt. Das führte in manchen Fällen dazu, dass die Bauzeit verschiedene architektonische Epochen berührte (z.B. Gotik statt Romanik). Das bedeutet, dass die noch im Bau befindliche Kathedrale daher auf einmal erschreckend altmodisch aussah und dringend überarbeitet werden musste.
Ganz agilen Werten verpflichtet wurden daher auch damals schon während des Baus Pläne geändert, Teile des Gebäudes umgebaut, abgerissen und/oder wieder neu aufgebaut. Es gibt so gut wie keine Kathedrale, bei der dies nicht der Fall war.
Und über den langen Zeitraum der “Entwicklung” (des Baus der Kathedrale) durfte der “Betrieb” (die eigentliche Funktion als Gotteshaus) nicht beeinträchtigt sein.
Auch von der “Ehre” der am Bau beteiligten Handwerker legen viele Kathedralen ein beeindruckendes Zeugnis ab. So sind z.B. viele der Figuren in der Fassade von Notre Dame auch auf der Rückseite und in großer Höhenoch mit demselben Detailgrad wie an der Vorderseite gearbeitet, obwohl dem Künstler sicherlich klar war, dass außer ihm wohl so schnell kein anderer Mensch mehr einen Blick darauf werfen wird.
Das aber nur zum Appetit machen, die Lektüre des Manuskripts zum Vortrag ist ungemein spannender.
Thomas Vallon – Ist die Informatik ein Handwerk?
Unbedingt lesen!
Die den Vortrag begleitenden Hintergrundbilder (designed by Johannes Naumann) sind genauso sehenswert:
Hintergrundbilder zum Vortrag (6)
Besonders berührt hat mich, dass Thomas diesen Vortrag mir zu meinem sechzigsten Geburtstag gewidmet hat.
Danke!
RMD
P.S.
Schade, dass wir von diesem Vortrag keine Video- oder Audioaufnahme haben. Aber vielleicht schaffen wir das ja beim nächsten Mal!
Roland DürreMontag, der 3. Mai 2010
Mitmachwissenschaft
Frau Prof. Dr. Kathrin M. Möslein im IF-Forum
Am 2. März 2010 hielt Professor Möslein bei uns in Unterhaching den ersten Vortrag des IF-Forums im Jahre 2010. Ihr Thema war:
“Auf dem Weg zur Mitmachwissenschaft!”
Wie haben ihren Vortrag gefilmt, daraus 3 Videos zusammengestellt und diese nach YouTube hoch geladen. So sind jetzt neben dem Bericht hier in IF-Blog auch die Videos zum Vortrag für Interessierte verfügbar.
Zu den Videos:
1 – OpenInnovation
Chris WoodMittwoch, der 3. Juni 2009
Open Source Hardware
Seit kurzem bekomme ich regelmäßig Material von Cambridge_Computer_Lab_Ring zugesendet.
Näheres findet man unter Cambridge_University_Computer_Laboratory.
In 1949 lief dort der erste programmierbar elektronische Computer der Welt, (EDSAC). Als ich in 1964-65 als einer von 17 dort studierte, hieß es noch “Mathematics Laboratory”. Ein Art “Technologie Park” (“Silicon Fen”) ist in der nähe von Cambridge entstanden.
Im Kielwasser von “open source software”, wird auch “open source hardware” wichtig. Ohne sinnvollen Grund gelten andere geistige Eigentumsrechte für sie. Deshalb kann man nicht die gleiche Lizenz verwenden.
Jeremy Bennett hat die allgemeine Situation in “The Cambridge Computer Lab Ring” beschrieben. Im Geist von “Open Source” stellt Jeremy seinen Artikel für uns zur Verfügung. Zu finden unter www.embecosm.com/articles/ear1/open-source-hardware.pdf (in Englisch).
cw
Robert KulzerDienstag, der 7. April 2009
Forschen im Internet: Bekanntheit des Blogs steigern
Mit 8 Tipps zum populären Blog
5-Top Artikel auf die man selbst Stolz ist
Bevor der Blog online geht, sollten für einen professionellen Start ungefähr fünf Artikel vorliegen. Speziell in der Anfangszeit des Blogs sollte jeden Tag ein guter Artikel veröffentlicht werden. Um die Leser für den Blog zu gewinnen. In der Anfangsphase gibt es noch viele Ideen für Artikel. Deshalb sollte man diese gut sortieren und strukturiert veröffentlichen.
Themen, die bei den Lesern besonders gut ankommen sollten weiter ausgebaut werden. Das legt den Grundstein für eine wiederkehrende Leserschaft.
Robert KulzerSamstag, der 28. März 2009
Forschen im Internet: Corporate Blogs
7 Tipps für Corporate Blogger
Im nächsten Artikel möchte ich Corporate Blogs betrachten, also Blogs die von Unternehmen betrieben werden. Wie bereits aus dem Dokument: Vermessung der Blogosphäre hervorgeht, haben Corporate Blogs ein großes Problem in der Öffentlichkeit die gewünschte Resonanz zu erreichen. Ein Großteil der Leser betrachtet Blogs als Portal für Hintergrundinformationen, Meinungsbildung durch Diskussionen und als Kontaktmedium. Diesen Eindruck erwecken Unternehmenstagebücher in der Regel nicht. Genau da sollte jedoch angesetzt werden.
Robert KulzerFreitag, der 20. März 2009
Forschen im Internet: Handbuch zum Bloggen
6 wichtige Überlegungen für künftige Blogger
Nachdem es immer mehr Menschen schaffen die trostlose Zeit als „Nicht-Blogger“ hinter sich zu lassen und die Tür in die faszinierende Neue Welt aufstoßen, dachte ich mir diesen neugierigen Zeitgenossen ein Handbuch mit auf ihren Weg zu geben.
Roland DürreMittwoch, der 18. März 2009
Wie Entwickler ticken …
Unter diesem Stichwort hat mir Kemal (als erster) einen sehr interessanten Link auf einen Artikel gleichen Namens in der Computerwoche zugesandt. In diesem Artikel wird über einen Vortrag von Adam Bien berichtet, den dieser im Rahmen der OOP-Fachkonferenz “Software meets Business” gehalten hat. Da stehen interessante Thesen drin wie “der perfekte Entwickler empfindet das Schreiben von Code in erster Linie als Genuss und nicht als Mittel zum Zweck” und “Ein Entwickler sollte die Möglichkeit haben, seine Arbeitsgeräte selbst auszusuchen (selbst wenn es um Mac, Linux und mehrere Bildschirme geht)“. Hört, hört!
Ich bin derselben Meinung und damit in einer paradoxen Situation. Verlangen doch komplizierte Sachzwänge oft schwierige Kompromisse. Und 25 Jahre Geschichte und eine organisierte Systembetreuung engen ein.
Dann bleibt oft nur der Seufzer: Ja, wenn man wieder auf der grünen Wiese anfangen könnte. Dann würde ich für die Infrastruktur ein einfaches “Cloud-Computing für Arme” nutzen, für die Anschaffung der Laptops den Mitarbeiter ein sinnvoll beschränktes Budget zur eigenverantworlichen Beschaffung von Hardware, Software und Wartung geben, keinen Support für die IT-Berater und Software-Entwickler mehr anbieten, die sonst noch notwendigen Systeme auf eine virtualisierte Lamp-Basis bringen und für Kommunikation und Wissen auf Syseme wie wordpress und wikimedia setzen.
Ja, wenn das Wörtlein “wenn” nicht wär …
RMD
Roland DürreSonntag, der 15. März 2009
Forschen im Internet: Vermessung der Blogosphaere
Bei InterFace erforscht ein kleines Team von jungen Leuten um Robert Kulzer das Internet. Wir ergründen, wie und mit welchen Mitteln man die Akzeptanz von Websites verbessern kann. Wie kann man die Ströme im Netz sinnvoll einfangen und interessierte Menschen auf bestimmte Seiten führen. Wie kann man den Benutzer lenken, wie denken sie? Dazu recherchieren, experimentieren und messen wir.
In diesem Zusammenhang forschen wir auch gemeinsam mit Hochschulen an interdisziplinären Themen. Und lernen viel Neues und bemerken Erstaunliches. Einen Teil dieses Wissens werden wir ab sofort in unserer neuer “Technologie-Ecke” in IF-Blog auf der Seite Dokumente in unregelmäßigen Abständen veröffentlichen.
Wir beginnen heute mit dem Thema Die Vermessung der Blogosphäre.
Robert Kulzer schreibt zu seinem Artikel:
In dieser Arbeit habe ich einige interessante Statistiken zusammengetragen, welche ein Profil von Blogs, Blogger und Leser beschreiben. Das Dokument gibt Informationen zu:
- Was sind Gründe Blogs zu lesen
- Erwartungen und Gewohnheiten der Leser
- Erfolgschancen von Unternehmensblog
- u.v.m.
Das Dokument soll kontinuierlich erweitert werden und euch Lesern als Anlaufstelle dienen, eure statistischen Fragen rund ums bloggen zu beantworten.
Viel Spass beim Lesen – Robert
RMD
Matthias ApitzMittwoch, der 10. September 2008
Ein neues Mobile muss her, aber …
Bei meinem Mobiltelefon fangen mal wieder an die Tasten zu klemmen, besonders die “7″, warum auch immer. Vermutlich ist das, nach fast genau zwei Jahren der Benutzung, eine eingebaute Sollbruchstelle. Ein neues Mobile muss also her, aber welches? Ich bin diesbzgl. (unter anderem diesbzgl.) ein schlechter Konsument: ich brauche kein Mobile mit Kamera und immer mehr Mega Pixel, es muss auch keine Musik oder Klingeltöne downloaden und abspielen können. Für mich war bisher wichtig, neben dem Telefonieren und abundan eine SMS zu schreiben, dass man das Mobile über V.24 an ein Linux/FreeBSD laptop anschliessen kann und dass es sich dort wie ein Modem verhält, man es also mit s.g. AT-Kommandos ansteuern kann um damit via PPP und GPRS den laptop mit dem Internet zu verbinden. Mancher wird sagen: das können doch alle Mobiles heute. Das ist zwar richtig, aber ungenau. Die meisten Mobilehersteller liefern dazu eine Software mit, die man auf dem PC installieren muss, welche dann das Modem emuliert und dann wird auf dem Kabel, egal ob USB oder V.24 ein proprietäres Protokoll gesprochen, welches nur der jeweilige Hersteller, z.B. die Firma Noxxx, selber kennt, aber eben keine AT-Kommandos gem. ETSI Spezifikation GSM 07.07 usw. Und: diese Software gibt es dann auch nur für Windows oder Mac, aber nicht für Linux oder andere noch ‘exotischere’ UNIXe. In die Tonne also mit solchen Telefonen. Es gibt (oder gab?) aber rühmliche Ausnahmen: die Firma Siexxxx zum Beispiel, oder auch Boxxx (letztere hat mir sogar mal kostenlos ein Testgerät geschickt und einen Dank für den Testreport über ihr Mobile unter Linux).
Und so habe ich in den letzten 10 Jahren die ganze Palette S4, S10, ME45, M55 und derzeit das S68 problemlos an meinem laptop benutzt. Anekdote am Rande: Die Firma für die ich arbeite stellt Bibliothekssystem her und ich habe eine Speziallösung entworfen die in einigen deutschen Städten durch die Gegend fährt: ein s.g. Bücherbus, in welchem ein Linux-basierter Arbeitsplatz via Internet mit dem zentralen Server der Bibliothek ‘redet’, so als wäre er eine normale Ausleihtheke in der Bibliothek und man also online im Bus an den Haltestellen der Bus-Tour Bücher ausleihen, zurückgeben oder Mahnungen bezahlen kann. Diese Lösung basiert auf dem gleichen Mobile-an-Linux, welches ich in meiner Hostetasche habe, und das seit Jahren in Augsburg, Esslingen, Freiburg und ein paar anderen Städten. Ende der Werbung für meine Firma.
Nun ist das Problem, dass man nicht einfach in einen Laden gehen kann und sagen kann «ähm…, ich hätte gern ein Telefon mit V.24 und Protokoll nach Spezifikation GSM 07.07 und …». Die hübsche, nabelfreie Verkäuferin (ich glaube “Verkäuferin” verrät mich schon als aus anderen Zeiten, sicher ist sie heute ein “promotion manager” oder was ähnlich Wichtiges), die würde mich jedenfalls anschauen wie von einem anderen Stern, irgend jemand herbeirufen, das wurde ihr nämlich gesagt: niemand wegschicken, den Fall “eskalieren”, und der Gerufene wäre nicht viel schlauer.
Auch die Datenblätter der Hersteller geben solche Details kaum Preis, weshalb ich eben auch lange bei denen der Firma Siexxxx geblieben bin, auf die war Verlass und deren interne technische Papiere waren genau genug. Nur macht nun Siexxxx nicht mehr in Mobiles und das letzte knowhow haben sie mit BenX in den Konkurs geschickt.
Ich war noch am Nachsinnen über das wie nun weiter, da fiel mir in einer der letzten der “Fachzeitschrift” genannten Werbeblätter ein halbseitiger Bericht über das Openmoke Freerunner in den Hände. Ich hatte schon vor einiger Zeit von diesem Projekt, ein Offenes Telefon auf Basis von Linux zu bauen, gelesen. “Offen” meint: alle Komponenten der hardware sind durch OpenSource ansteuerbar und die diversen chips sind hinreichend dokumentriert. Dieses Projekt steckte lange im Experimentierstadium, mittlerweile sind aber insbesondere die Speicher gross (bzgl. Speichervolumen) und billig genug und das Projekt ist aus den Kinderschuhen raus. Natürlich ist es noch immer was für Entusiasten und der besagte Artikel fasste das präzise zusammen: es taugt zu allem, ausser vielleicht zum Telefonieren. Es hat als Betriebsystem ein Linux Derivat, es gibt sogar bereits mehrere Varianten davon, und darauf aufgesetzt ein spezieller Desktop mit der Software zum Telefonieren, für GPS, GPRS und alles was man selber noch installieren will. Man kann es via USB mit einem laptop verbinden und sich per SSH in dem Freerunner einloggen und es dann so bedienen wie jeden richtigen grossen PC mit Linux. Es baut zum Internet (PPP und GPRS) oder zu Wifi AccessPoints Verbindung auf und man kann es als router benutzen und ist so mit dem laptop dann im Internet. Fazit: ich brauche kein Mobile mehr mit V.24 und GSM 07.07. Ich brauche heute einen GPRS/Wifi-router in der Grösse eines Mobile für meinen eeePC oder den grossen laptop.
Als ich dann noch die kompletten Wiki Seiten http://wiki.openmoko.org/wiki/Main_Page und diesen Film hier http://www.youtube.com/watch?v=k9QLdK6pFCI gesehen hatte, stand mein Entschluss fest: das nächste Mobile basiert innen auf OpenSoure, auf Linux.
Es ist Zeit für ein neues Mobile, aber bitte auf Basis von OpenSource.
Matthias





